Nachdem ich das komplette Interview mit JKR
gelesen habe, bin ich mehr denn je davon überzeugt, dass die Dinge so sind, wie
sie sich am Ende von Band 6 darstellen.
Dass Dumbledore wirklich tot ist, habe ich aus
folgenden Gründen bereits vor dem Interview angenommen:
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der Freezing Charm, den Dumbledore auf Harry
gelegt hat, verschwindet genau in dem Moment, als Snape Dumbledore tötet
-
Fawkes singt seinen Trauergesang und
verschwindet anschließend spurlos. Ein Phönix beteiligt sich nicht an
irgendwelchen Spielchen zur Irreführung von wem auch immer, das widerspricht
seiner ganzen Natur
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Dumbledore würde niemals so viel Brimborium
wegen des Begräbnisses, und vor allem bei den Leuten, die ihn schätzen und
lieben, niemals so viel Schmerz, Trauer und Leid verursachen wollen, nur um
später zu sagen: Ätsch, reingelegt! Auch wenn die Gründe noch so edel sind
-
sein Büro habe ich immer als so etwas wie sein
Heiligtum betrachtet. In dieses zieht nun ohne größeren Schnickschnack übergangslos
McGonagall ein
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und vor allem: sein Bild, das dort nach seinem
Tod auftaucht, ist für mich der endgültige Beweis.
JKR sagt nun im Interview, dass Harry seinen Weg
allein weitergehen muss, und sie bestätigt außerdem die meiner Meinung nach
extrem klischeehafte und platte Trennung Harrys von Ginny aus genau diesem
Grund. Sie hat es tatsächlich so gemeint.
Dumbledores „Severus … please …" ist keine Bitte
um sein Leben, sondern das Erstaunen über einen solch tiefgreifenden
Vertrauensbruch, wie Snape ihn hier vollführt. Außerdem sieht Dumbledore sein
Lebenswerk in Gefahr: Death Eaters innerhalb der Mauern von Hogwarts, und wenn
nun noch jemand, dem er so unbedingt vertraut, sich auf ihre Seite schlägt,
sieht es düster aus für die Zauberschule … das ist es, was Dumbledore sieht.
Dass die Schüler sich wehren und so viel Zeit gewinnen, dass die Death Eaters
fliehen müssen, bekommt er ja nicht mehr mit.
Obwohl er nun tot ist, wird Dumbledore in Band 7
noch eine wichtige Rolle spielen, auch das ist aus dem Interview zu entnehmen.
Entweder durch etwas, das er hinterlassen hat (denn dass er seinen Tod mehr
oder weniger erwartet hat, wurde schon vorher sehr deutlich) oder vielleicht
sogar aktiv durch Ratschläge, beispielsweise aus seinem Bild.
Den schlimmen Verdacht, dass Snape wirklich böse
ist (schluchz), habe ich vor Lesen des aktuellen Interviews aus folgenden
Quellen gespeist:
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er ist auf Du und Du mit Bellatrix und Narcissa,
obwohl es sich für mich in Band 5 noch so darstellte, als ob er jeglichen
Kontakt zu den Death Eaters abgebrochen hat, allen Doppelspion-Theorien, die
hier ständig kursieren, zum Trotz
-
JKR wählt alle Namen für ihre Charaktere mit
sehr viel Bedacht aus. Das beste Beispiel hierfür ist Gilderoy Lockhart, dessen
Name perfekt seinen Charakter spiegelt (und den ich deshalb heiß und innig
liebe - warum Held Harry allerdings „Töpfer" heißt, muss tatsächlich eine Laune
von ihr gewesen sein :-). Auch „Malfoy" ist ein Hinweis: malus ist lateinisch
und heißt böse (wobei das etwas freundlichere „foy", mit Assoziationen zu „joy"
und „folly", ein Hinweis auf Dracos weitere Entwicklung sein könnte, siehe
weiter unten). Und mal ganz ehrlich und abgesehen davon, was wir alles in ihn
hineininterpretiert haben: „Snape" ist nicht gerade ein Name, der Vertrauen
erweckt. Ganz im Gegenteil, es entstehen Assoziationen zu „snake" oder „snap"
und ähnlich negativ besetzten Dingen (übrigens auch ein Grund, weshalb ich
glaube, dass Slughorn noch etwas Unheil anrichten wird, absichtlich oder nicht
- „slug" erzeugt keine angenehmen Bilder in mir).
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dass Snape die Death Eaters davon abhält, Harry
zu töten oder auch nur zu quälen, weil Voldi ihn für sich allein will, ist
absolut nachvollziehbar und kein Zeichen für sein „Gutsein". Voldi will einen
Harry ohne Beschädigungen, damit er sich und der Welt (ja, auch seinen Death
Eaters) beweisen kann, dass er der Stärkste und Mächtigste von allen ist. Das
braucht er allein schon für sein Ego, denn dass er Harry nicht einmal als Baby
töten konnte und dieser ihm auch später mehrmals entkommt, nagt an jemandem wie
ihm gewaltig. Und warum sollte Snape sich dem Zorn und eventuell der Folter von
Voldemort aussetzen, nur weil er seinen Befehlen nicht gehorcht hat? Der Befehl
lautet nun einmal „we are to leave him", und wie Voldi reagiert, wenn nicht
alles nach seiner Nase geht, wissen wir zur Genüge
-
Snape gibt Harry auf seiner Flucht keine
„Tipps", sondern führt ihm nur vor Augen, dass er ihn für einen absoluten
Versager hält. Er „rastet" zunächst auch nicht „total aus", als Harry ihn
Feigling nennt, sondern kontert mit einer fiesen Bemerkung dorthin, wo es Harry
am meisten trifft und wehtut: zu seinem Vater James und dessen nicht immer
vorbildliches Verhalten. Snapes späteres tatsächliches Ausrasten, als Harry ihn
noch einmal Feigling nennt, liegt mit ziemlicher Sicherheit in Snapes
Vergangenheit begründet, von der wir wohl in Band 7 mehr erfahren werden
Auch hier sehe ich mich durch das Interview
bestätigt. JKR stellt die Feindschaft Harry-Snape auf eine Stufe der
Feindschaft Harry-Voldemort. Außerdem sagt sie, Snape wurde, im Gegensatz zu
Voldi, einmal geliebt, was ihn sogar SCHULDIGER macht als den dunklen Lord. Könnte
sie deutlicher werden?
Ein Blick, der Hass und Ekel auf sein Gegenüber
ausdrückt, sieht übrigens völlig anders aus als Selbsthass und Ekel vor einem
selbst, um noch einmal auf die Szene auf dem Turm zurückzukommen - auch wenn wir
hier alles nur durch Harrys zugegebenermaßen nicht objektive Augen sehen (aber
war das nicht alle fünf vorherigen Bände genauso?).
Nach dem, was Snape alles an Unheil verursacht
hat (angefangen beim Tod von Harrys Eltern bis zu Dumbledores Ermordung) ist
völlig undenkbar, dass er Band 7 überlebt, selbst wenn er sich noch läutern
sollte - was ich für ebenso unwahrscheinlich halte, wie dass Voldi zu den Guten
überläuft.
JKR macht Andeutungen über Lily, die allseits
beliebt und für die männlichen Schüler ein guter Fang in Hogwarts war. Mit
ziemlicher Sicherheit gibt es hier noch mehr Ereignisse, die Harrys Eltern und
Snape betreffen, die wir erst später erfahren (ich hoffe, sie schreibt sehr
SCHNELL!!!).
Auch dass Dumbledore, obwohl und gerade weil er
so intelligent ist, auf emotionaler Ebene große und schwerwiegende Fehler
begeht, betont JKR im Interview. Harry nicht früher alles erzählt zu haben, war
ein ebensolcher Fehler wie Snape zu vertrauen, so lese ich ihre Aussage. Beide
ziehen schlimme Folgen nach sich. Dumbledore hat niemanden, den er um Rat
fragen könnte, denn er hat keineN gleichrangigeN GefährtIn an seiner Seite. JKR
nennt es „detached", er hat in gewissen Dingen die Bodenhaftung verloren (wie
man schön an unseren Politikern beobachten kann: ich glaube, sie meinen viele
Dinge, die sie tun, sogar gut, aber da sie aufgrund ihrer Position und
Bezahlung keine Ahnung mehr von der Realität im Leben „des kleinen Mannes"
haben, verzapfen sie häufig einfach nur riesigen, absolut realitätsfernen
Blödsinn).
Meiner Meinung nach wird sich Draco Malfoy zum
Dreh- und Angelpunkt entwickeln. Nicht Snape ist es, der die Graustufen
zwischen Gut und Böse repräsentieren darf, sondern Draco. Der absolute
Kotzbrocken der ersten fünf Jahre bringt es nicht fertig, Dumbledore zu töten,
weil er eben doch einen guten Kern hat und - ganz im Gegensatz zu unserem
Lieblingsprofessor - noch nicht zu weit auf die Seite des Bösen gerutscht ist.
Und dies in Band 7 beweisen darf.
Ich finde es sehr schade, dass nun alles in
Klischee-Schablonen rutscht. Mir hat die Idee immer besonders gefallen, dass
jemand den Helden abgrundtief hassen (aus zwar nicht zu rechtfertigenden, aber
absolut nachvollziehbaren Gründen) und trotzdem auf der „richtigen" Seite
stehen kann. So sehen für mich die Graustufen des wahren Lebens aus, und unter
anderem für den Mut, so vom Gut-gegen-Böse-Klischee abzuweichen, habe ich die
Schriftstellerin JKR immer sehr bewundert. Aber womöglich ist sie doch zu sehr
Fantasy-Autorin, als dass sie solche Schattierungen zulassen könnte. Und, wie
gesagt, das bisschen Graustufe, das ein Fantasyroman verkraften kann, wird in
Draco zu finden sein. Möglicherweise kämpfen er und Harry sogar am Schluss
Seite an Seite?…
Jetzt stellt sich mir nur noch eine Frage: Wie
will Alan Rickman einen solchen Schurken, wie ich Snape nun interpretiere, im
Film darstellen? Mit diesen Augen??? Er war es doch schließlich, der Snape (und
uns) diese Zerrissenheit gegeben hat …
Sarina
8.8.2005
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Chalebh:
Ich habe mich für die Kurzvariante entschieden. Als ich
gestern mit einer
längeren Variante angefangen habe, habe ich festgestellt, wenn ich alle
Argument aus den Büchern und Interviews zusammentragen will, dann komme ich
in absehbarer Zeit gar nicht mehr zum Ende. (Was nicht heißen soll, dass ich
mich wenn sich die Gemüter beruhigt haben, nicht doch noch dran setzen
werde.). Daher nur das folgende:
Ich kann mich des Gefühls nicht erwehren, dass Joanne Rowling in ihrem Haus
in Edinburgh sitzt und sich vergnügt die Hände reibt, wenn sie all die
Spekulationen liest, die sie mit ihrem Band 6 hervorgerufen hat.
Wahrscheinlich denkt sie: "Wenn die alle wüssten der letzte Band
ausgeht!"
Von wegen, Teil 6 wird einige Fragen beantworten! Sicher, er hat einige
Fragen beantwortet, dafür aber jede Menge neuer aufgeworfen.
Ich habe in den letzten Wochen in verschiedenen Foren, die nicht
Snape-fixiert sind, quer gelesen (viele Argumente pro und contra wiederholen
sich dann doch) und festgestellt, dass es die Figur des Severus Snape ist,
die die hitzigsten Diskussionen auslöst.
Snape. Das reicht von: "Er steht auf Voldemorts Seite" bis zu
"Er steht auch
weiterhin auf der Seite des Ordens". Auf Harrys Seite möchte ich nicht
sagen, denn dazu sind seine Gefühle ihm als Person gegenüber zu negativ.
Es ist schwierig sich dieser Figur so neutral wie möglich zu widmen. Und ich
bin mir sicher, dass alle Argumente, die ich aufzählen könnte schon irgendwo
gebracht wurden und alles nur eine Zusammenstellung bekannter Tatsachen -
diesmal aus meiner Sichtweise - wäre. Daher nur kurz, ich kann mich Ingas 10
Punkten, warum Snape nicht zu den Todessern gehört, nur anschließen.
Allerdings möchte ich eine Eigenschaft Snapes hervorheben, die mir beim
Durchdenken der Angelegenheit aufgefallen ist und die noch nicht erwähnt
wurde.
Snape ist ehrlich. Was ich damit sagen will, ist, dass sich keine seiner
Aussagen oder Behauptungen, die er im Laufe der sechs Bücher gemacht hat,
als Lüge herausgestellt hat. Er mag sich Harry gegenüber unfair verhalten
haben, aber er hat ihn keinesfalls angelogen.
Dreh- und Angelpunkt (im wahrsten Sinne der Übersetzung) ist "Spinners
End".
Hier legt Snape, wenn es denn Snape ist, die Motive für seine Handlungen
offen. Vielleicht sagt er Narcissa und Bellatrix nicht die volle Wahrheit
(warum sollte er das), aber seine Argumente sind keinesfalls gelogen.
Das mag an jemanden erinnern, der sich so durchlaviert und sein Mäntelchen
nach dem Wind hängt, aber im Vergleich zu Rowlings Charakteren Mudungus
Fletcher und Horace Slughorn, die die typischen Vertreter dieser Gattung
sind, erscheint Snape geradezu "aufrecht". Er vertritt seinen
Standpunkt und
handelt danach, egal ob es einfach oder unbequem ist. Er tut was (in seinen
Augen) notwendig ist.
Ich traue Joanne Rowling nicht zu, dass sie Snapes Charakter einfach vertut,
indem sie ihm die Rolle des typischen Bösewichtes gibt. Damit würde sie, wie
oft argumentiert wird, auch Dumbledore als zu vertrauensseligen Tattergreis
abstempeln. Etwas, das sie bestimmt nicht vorhaben kann.
Snape wird meiner Meinung nach weder den Heldentod sterben noch wird er als
der verkannte Mann im Tagespropheten gefeiert werden. Was ich glaube ist
folgendes, Harry wird erkennen, dass Snape Gründe hatte Dumbledore zu töten
(Warum hätte Dumbledore Harry sonst auf dem Turm paralysieren sollen, es sei
denn er wusste genau was kommt und wollte Harry hindern einzugreifen), aber
es wird keine rührselige Versöhnungsszene geben. Snape wird leben (und
weiterhin die Schüler von Hogwarts als Zaubertränkelehrer terrorisieren).
Wir haben bis zum Erscheinen des letzten Bandes mindestens zwei Jahre Zeit,
um über all diese Dinge zu spekulieren. Und Joanne Rowling reibt sich
inzwischen schadenfroh die Hände und wird uns dann mit einem ganz anderen
Ende überraschen.