Vier Gedichte von Anne
Zartes Band der Liebe
Dunkle schwarze Augen verfolgten mich,
jede meiner Bewegungen bedachtest du mit einem Blick,
warum?
Ich bemerkte nicht,
wie du aufgestanden
immer näher zu mir kamst...
Sanfte Berührungen jagten einen Schauer durch meinen Körper,
aber deine Hand war kalt,
wie deine Seele?
Verunsichert sah ich in deine Augen,
suchte nach Emotionen,
nur Schwärze!
Erschrocken wich ich zurück,
entriss mich deiner Zärtlichkeiten,
hätte ich das nicht tun dürfen?
Dein Gesicht, Mund und Augen...
Nur eine Maske des Bösen?
Sollte ich mich täuschen?
Stumme Fragen, die du,
ohne mich eines Blickes zu würdigen,
mit hallenden Schritten aus der Tür hinaus beantwortetest.
War das wirklich S... ?
Nackte
Füße
barfuss gehst du über spitze
Steine,
(weißt du überhaupt wohin?)
jeder Zenitmeter
sticht,
jeder kleine Stein
und sei er noch so unbedeutend
und
winzig,
pickst in deine sanften Füße.
grazil
bewegst du dich,
den Schmerz merkt man dir nicht an,
(wo sind
deine Tränen hin?)
obwohl man es fühlt,
wie sehr du
innerlich schreien musst,
da die Spitzen immer tiefer stechen
und
sich in dein zartes Fleisch bohren.
sieh her!
ich
balanciere hinüber zu dir,
bei jedem Schritt möchte ich
schreien,
doch verkneife ich mir jeglichen Kommentar,
immerhin
muss ich stärker sein als du,
möchte es,
kann es aber
nicht,
die scharfen Kanten treffen immer wieder meine
Haut,
verletzen mich unaufhörlich,
Blut fließt,
aber
ich wie so oft schweige ...
weiße Federn verstreut auf der schwarzen Erde
Gebrochene Flügel,
ohne die man nicht fliegen kann
blutunterlaufene Augen starren in die dunkle Nacht
zerrissene Gewänder schützen nicht vor Kälte
aber auf der Erde ist es kalt
und der Himmel ist zu weit entfernt – mit gebrochenem Flügel
schrille Schreie durchdringen das Mark
grundlos stürzen sie herab
gefallene Engel -
Dunkelrotes Blut
Aufgehangen,
damit sie ausbluten kann,
vergessen,
an einem Baum,
ohne Rinde,
das Blut fließt am Stamm entlang
und bildet am Fuße des Baumes eine Pfütze,
dunkelrot,
dickflüssig.
Ihr Peiniger ist entkommen,
niemand suchte nach ihm,
jedoch rannte er,
bei jedem Knacken des Unterholzes zuckte er zusammen,
die Angst jagte ihn immer weiter,
genau wie sie damals,
von Panik getrieben,
rannte,
so schnell wie nie zuvor in ihrem recht kurzen Leben.
Nun hängt sie da,
keiner Beachtung wert,
blass und ausgesogen,
vergessen ...
von ihm – nie
von den anderen – warum?
Sie war ahnungslos,
kannte ihn nicht,
konnte sich nicht wehren,
bei jedem Schlag schrie sie,
wollte nicht begreifen,
dass sie jetzt und hier,
dass es ihr passieren würde
und doch wusste sie,
wo sie enden würde.
Es war geplant,
er traf sie,
vielleicht war es Liebe,
und begehrte sie,
beobachtete jeden ihrer Schritte,
jedes Detail wurde zum Ereignis,
nur er war für sie bedeutungslos,
auch jetzt hätte sie sich nicht mehr an ihn erinnert.
Mittlerweile wurde es dunkel,
Regen durchtränkte seine Kleidung,
während er rannte,
dachte er an den Genuss,
den er verspürte,
die Leidenschaft,
die in ihm entbrannte,
mit jedem Hieb,
das Blut spritzte ihm entgegen,
es war warm und schien förmlich zu kochen auf seiner Haut,
doch ist dieses Gefühl nun der Angst gewichen,
die er im Rennen zu verdrängen versucht.
Ohne Erfolg!
November 2005