Feedback: Sybille
20. Kapitel
In dem Augenblick, als Snape den Schrei Hermines vernommen hatte, erblickte er sie auch schon. In den Fängen dieses arroganten Miststücks Bradley!
Das kam seiner ohnehin schon vorherrschenden Stimmung gerade recht! Mit drei gewaltigen Schritten war er bei ihnen, packte diesen neuen Lehrer an der Gurgel und presste ihn gegen die Wand.
"Bradley", zischte er hasserfüllt, "wagen Sie es nie wieder meine Frau anzufassen! Sie werden sich noch nicht einmal in ihrer Nähe aufhalten!" Dann schrie er, außer sich vor Wut: "Haben Sie das verstanden?"
Dieser nickte erschrocken und schaute entsetzt zwischen Hermine und Snape hin und her.
Hermine griff ein: "Lass ihn Severus, das ist dieser Kerl überhaupt nicht wert. Lass ihn bitte los!"
Nur widerstrebend nahm Snape die Hände von dem Hals Bradleys und funkelte ihn böse an.
"Ich möchte sofort wissen, was hier vor sich geht!", blaffte der Tränkemeister und schaute sowohl den Neuen, als auch Hermine fragend an.
"Ich...ich wusste nicht, dass dies Ihre Frau ist, Mr. Snape", stammelte Bradley noch immer schockiert über diesen Angriff und tastete seinen Hals vorsichtig ab. "Ich dachte, dass dies eine Schülerin ist, die hier herumstreunt und wollte sie zu Professor Dumbledore bringen. Außerdem wollte sie mich verhexen."
"Sie haben mich ja wohl zuerst bedroht, sonst wäre ich gar nicht in die Verlegenheit geraten, den Zauberstab hervor zu holen!", ereiferte sich Hermine. "Ach ja, würden Sie ihn mir wohl zurückgeben?"
Zögernd, seinen Blick nicht von Snape lassend, der noch immer schnaufend und mit geballten Fäusten vor ihm stand, überreichte er Hermine das Hölzchen. Dann wurde er wieder mutig und grinste hinterhältig.
"Sie haben mich bedroht", sagte er zu Hermine, "und Sie Mr. Snape haben mich tätlich angegriffen. Da bin ich schon mal gespannt, was das Ministerium dazu sagen wird. Und das, wo ohnehin ein Prozess ansteht! Sie sind äußerst leichtsinnig, Mr. Snape."
Hermine hielt Severus vorsorglich schon mal am Arm fest, da er den Eindruck machte, sofort wieder auf Bradley losgehen zu wollen und wandte sich persönlich an diesen Neuen.
"Erstens, Mr. Bradley, ist das für Sie immer noch Professor Snape und zweitens habe ich überhaupt nicht gesehen, dass Sie tätlich angegriffen wurden. Im Gegenteil, ich habe das Gefühl, dass vielmehr Sie hier ein Problem haben und ihre Aggressionen nicht unter Kontrolle halten können. Ich empfehle Ihnen, sich gründlich untersuchen zu lassen. So sollten Sie jedenfalls nicht auf die Schüler losgelassen werden. Sie sind gefährlich, wissen Sie das?"
Dann drehte sich Hermine um, hakte sich bei Snape unter, zog ihn mit sich und sagte laut: "Komm, Schatz, wir bringen uns wohl besser in Sicherheit und trinken bei Dir einen Tee. Nicht dass Mr. Bradley noch einmal von Wutanfällen heimgesucht wird und uns anfällt."
Snape schnaubte vor sich hin, aber Hermine hatte wohl Recht. Wenn dieser Kerl noch ein Wort gesagt hätte, wäre er verflucht worden und noch mehr Ärger konnte er sich im Moment einfach nicht leisten.
In seinen Räumen angekommen, brach es allerdings aus Snape heraus. Er verpasste dem Sessel einen Tritt und schrie und tobte herum.
"Dieser eingebildete Rotzlöffel! Ich hätte ihn heute Morgen schon umbringen können. Was bildet der sich ein, wer er ist? Kommt hierher und führt sich auf wie der Zaubereiminister persönlich. Der soll mir ja nicht noch mal unter die Finger kommen!"
"Severus, beruhige Dich bitte!", sagte Hermine sanft und wollte ihn umarmen, doch in seiner Rage bekam Snape das wohl gar nicht mit, denn bevor sie ihre Arme um ihn schlingen konnte, war er schon wieder in der anderen Ecke des Raumes und schlug mit der Faust gegen den Türrahmen.
Eine Weile ließ Hermine ihn noch toben, dann erinnerte sie sich wieder daran, dass sie ihren Sohn abholen wollte und sah sich verwundert im Raum um. Sie konnte ihn jedenfalls nicht erblicken, weder im Wohn -, noch im Schlafzimmer.
"Severus, wo ist denn Marvin?"
"Was?", zischte Snape und fuhr ärgerlich herum. "Woher soll ich das wissen?"
Hermine blieb die Luft weg. Irgendetwas lief hier völlig schief und der Ärger stieg nun auch in ihr wieder auf.
"Ich möchte wissen, wo unser Sohn ist", sagte sie laut. "Falls Du Dich erinnern solltest: Ich habe ihn Dir heute Morgen übergeben. Und meine Frage dürfte durchaus berechtigt sein!"
Snape blieb stehen und brummte: "Albus hat ihn an sich genommen."
"Und weshalb? Verrätst Du mir auch den Grund dafür?", fauchte Hermine nun. "Überfordert es Dich, in Deiner Vaterrolle aufzugehen?"
"Verdammt noch mal, sei endlich still!", schrie Snape nun Hermine an. "Seit heute morgen bin ich im Ministerium verhört worden. Die wollten mich einschüchtern, aber einen Snape bekommt man nicht so schnell klein! Die werden mich nicht am Boden sehen! Die nicht!"
Dann rannte er ins Bad und schlug die Tür lautstark hinter sich zu. Hermine stand jedoch auf der Stelle und starrte wie hypnotisiert auf die Badtür. Sie hatten ihn heute zur Vernehmung abgeholt? Kein Wunder, dass er so geladen war! Und dann noch die Sache mit diesem Bradley! Mitgefühl regte sich bei ihr und sie wollte zu ihm. Er hatte jedoch die Tür verhext, so dass sie nicht hinein kam.
"Severus mach bitte auf!", bat sie, doch er brummte nur: "Lass mich jetzt einfach in Ruhe, Hermine!"
"Nein! Wenn es Dir nicht gut geht, kann ich nicht einfach gehen, Severus!"
"Du sollst gehen!", zischte er hinter der noch immer geschlossenen Tür.
"Keine Chance, mein Lieber!", rief Hermine, "und wenn ich hier auf dem Boden schlafen muss. Du solltest mich kennen!"
Weitere zehn Minuten vergingen, in denen Hermine unermüdlich an der Tür klopfte und bettelte, bis sich diese wie von selbst öffnete. Zögernd trat sie ein und sofort verkrampfte sich alles in ihr, als sie ihn dort so sitzen sah. Mit gesenktem Blick hockte er auf den kalten Fliesen, an die Duschkabine gelehnt, die Beine an den Körper herangezogen.
Wortlos kniete sie sich neben ihn und zog ihn an sich. Snape seufzte tief und vergrub sein Gesicht in ihren Haaren.
"Es war wohl heute nicht Dein Tag, was?" sagte Hermine und strich ihm mitfühlend durch die Haare.
"Das ist noch untertrieben", brummte Snape. "Erst diese Ratte von Bradley, dann das Verhör und dann wieder diese Ratte. Hat er Dir wehgetan?"
"Er hat mich äußerst unsanft am Arm gepackt. Ziemlich unsympathisch dieser Kerl. Du hast ihn heute Morgen schon kennen gelernt?"
"Ja, mir wurde die Ehre zu teil, ihn mit seinem neuen Wirkungsbereich vertraut zu machen", schnaubte Snape vor sich hin. "Der hat es sogar gewagt, mich vor den Schülern bloß zu stellen und damit meine Autorität zu untergraben. Und kaum hatte ich mich von diesem Schock einigermaßen erholt, waren die Leute vom Ministerium vor Ort."
"Dass jemand Deinen Unterricht vorläufig übernehmen würde, war abzusehen, Severus, doch mussten die ausgerechnet solch einen Idioten schicken?"
"Ach ja, Hermine...ähm, Albus hat dem Ministeriumsleuten und auch Bradley erklärt, dass Marvin nicht mein Sohn ist, sondern, dass Du ihn in unsere Beziehung mitgebracht hast. Ob die das glauben weiß ich nicht, aber Albus hielt es für besser, es zu erwähnen." Er seufzte. "Es tut mit weh, meinen Sohn verleugnen zu müssen. Ich habe Dir gesagt, dass ich zu Euch stehe, aber..."
Hermine zog Severus noch fester an sich und sagte: "Severus, mir ist egal, was die anderen sagen und denken. Hauptsache wir wissen, dass es unser Sohn ist. Und...seitdem Du beschlossen hast unsere Beziehung unter merkwürdigen Umständen und im trunkenen Zustand öffentlich zu machen, darfst Du immerhin ganz offiziell zu mir stehen."
"Macht Dich ruhig lustig über mich!", grummelte Snape. "Unsere Zusammengehörigkeit nach außen zu tragen ist die eine, erfreuliche Seite, doch die negativen Seiten dessen bekommen wir gerade zu spüren. Wie war es bei Dir heute?"
Nun verfinsterte sich Hermines Gesicht auf bedrohlich Weise und sie zog sich zurück und lehnte sich nun selbst gegen die Wand.
"Severus, ich werde da nicht mehr hingehen!", sagte sie bestimmt und als sie sah, dass er Einspruch erheben wollte, legte sie ihm gleich einen Finger auf den Mund und schüttelte den Kopf. "Vergiss es! Mir reicht es nun endgültig und ich werde keinen Fuß mehr in diese Einrichtung setzen. Die nehmen sich da Dinge heraus, die echt nicht mehr lustig sind. Ich werde zum nächsten Schuljahr wieder einsteigen, oder die Uni wechseln, oder was weiß ich...dorthin jedenfalls nicht mehr! Nicht zu diesem Zeitpunkt!"
"Sei vernünftig, Hermine!", rief Snape aus, kniete sich vor ihr hin und sah ihr in die Augen. "Du willst doch wohl nicht im Ernst das Schuljahr, welches fast vorbei ist, einfach so wegschmeißen?"
Hermines Augen blitzten wütend, als sie entgegnete: "Doch, genau das habe ich vor und daran wirst auch Du mich nicht hindern können! Ich brauche ja wohl nicht zu erwähnen, wer mir die Suppe eingebrockt hat!"
Der Schlag saß bei Snape und er sackte in sich zusammen. Verzweifelt sagte er: "Am liebsten würde ich Dich an die Hand nehmen und mit Dir umgehend an diese Universität apparieren, um mir diesen Direktor vorzuknöpfen. Doch ich darf bis zur Verhandlung das Schlossgelände nicht verlassen. Somit ist es mir noch nicht einmal vergönnt, meiner Frau dabei behilflich zu sein, ihr Studium fortzusetzen!"
Schüchtern, weil er nicht wusste, wie Hermine reagieren würde, ergriff er ihre Hand und sah sie entschuldigend an. Hermine musste bei seinem Anblick nun schon wieder schmunzeln.
"Es ist, wie es ist, Severus", sagte sie und strich ihm zärtlich ein paar Strähnen aus dem Gesicht. "Was ist bei der Vernehmung herausgekommen?"
Nun war es an Severus, sich wieder an die Wand zu lehnen und zerknirscht zu sagen: "Man hat mich in die Mangel genommen und es dabei auch nicht versäumt, mir immer wieder vorzuhalten, dass ich ein Todesser bin. Ein dreckiger Todesser, dessen Leben verdorben ist und bei dem man immer wieder mit Gewaltausbrüchen rechnen muss. Ich bin eine Gefahr für die Gesellschaft und gehöre eigentlich für immer weggesperrt. Im schlimmsten Fall steht mir ein Jahr Askaban bevor. Die Zeitung hatte Recht. In drei Wochen wissen wir mehr."
Es herrschte nun eine beunruhigende Stille vor und Hermine und Severus malten sich in Gedanken schon aus, wie sie ein Jahr voneinander getrennt sein würden. Eine schreckliche Vorstellung für beide! Alle Beide konnten sich ein Leben ohne den anderen nicht mehr vorstellen.
Hermine traten Tränen in die Augen. Sie lehnte sich an seine Brust und wurde sofort von starken, Halt gebenden Armen umschlungen. So saßen sie eine unbestimmte Zeit lang auf dem kühlen Boden des Bades bis Snape sagte: "Du solltest nun nach Marvin gucken gehen, Hermine! Ich komme schon klar...und was das Studium betrifft, da setzen wir uns mit Albus noch einmal zusammen. Ich werde nicht zulassen, dass Du so kurz vor Schluss alles hinwirfst! Das bin ich Dir schuldig. Nun geh schon!"
Nur widerwillig erhob sich Hermine, und hätte sie sich nicht auch Sorgen um ihren Sohn gemacht und zu gerne gewusst, wie und wo er seinen Tag verbracht hatte, dann wäre sie hier noch stundenlang mit Severus sitzen geblieben.
Sie küssten sich kurz und als sie schon an der Tür stand und die Klinke in der Hand hatte, vernahm sie seine leise Stimme.
"Hermine?"
"Ja?"
Er blickte sie nicht an, als er sprach und hatte seinen Blick auf den Boden gerichtet.
"Ich danke Dir, dass Du für mich da bist."
"Severus, das ist doch selbstverständlich, wenn Du mich brauchst..."
"Es ist nur ungewohnt für mich", flüsterte er kaum hörbar. "Mein Leben lang war ich auf mich alleingestellt, brauchte niemanden und wollte auch keinen in meiner Nähe wissen. Doch Du hältst nach wie vor zu mir und das, obwohl ich Dir soviel Kummer bereitet habe. Ich rede mit Dir über meine Gefühle und habe doch nie gedacht, dass ich dazu fähig wäre. Es ist irgendwie angenehm, so offen über alles sprechen zu können. Ich wollte nur, dass Du das weißt. Und nun geh endlich!"
Seine letzten Worte klangen gepresst und ein eigenwilliges Zittern lag in seiner Stimme, so dass Hermine zu ihm stürzte und ihn fest mit den Armen umschlang.
Ihre Tränen liefen ihr über die Wangen, als sie Severus zärtlich küsste und seine Berührungen genoss. Sie klebten aneinander, noch immer auf dem Boden des Bades, und vergaßen in ihrer Innigkeit für einen winzigen Augenblick, dass sie von Problemen umringt waren, die ihnen derzeit fast die Luft zum Atmen nahmen.
Erst nachdem sie gezwungenermaßen irgendwann abbrechen mussten, um zu Atem zu kommen, sahen sie sich in die Augen und fanden darin ihre Liebe bestätigt.
"Hermine, da ich gerade das Bedürfnis verspüre unseren Sohn heute noch einmal zu Gesicht zu bekommen, möchte ich, wenn Du nichts dagegen hast, mitkommen."
Lächelnd erhob Hermine sich und reichte ihm die Hand. "Na, dann komm!"
Gemeinsam gingen sie zu Dumbledore, der von einem erzürnten neuen Lehrer für Zaubertränke schon heimgesucht worden war und sie dementsprechend ernst empfing. Doch Hermine schilderte ihm ihre Sicht der Dinge, worauf er seufzte und sie beide bat, sich vorzusehen.
Severus schilderte ihm im Folgenden, wie es ihm ergangen war und kam letztendlich auf Hermines Wunsch, die Universität nicht länger besuchen zu wollen, zu sprechen.
Der Schulleiter war entsetzt und redete auf Hermine ein, doch sie weigerte sich beharrlich, erneut nach Schottland zu entschwinden, so dass Albus energisch darauf bestand, mit ihr am nächsten Morgen dorthin aufzubrechen und nach einer Lösung zu suchen. Murrend willigte Hermine ein.
Was Marvin anbetraf, sagte er, er hätte den Kleinen um die Mittagszeit Minerva übergeben, da er anderweitig verpflichtet gewesen wäre. Sie verabschiedeten sich, um nun in den Gryffindorflügel zu marschieren.
Minerva entschuldigte sich wiederum und meinte, sie hätte so viel mit einigen Schülern, die zum Nachsitzen erschienen waren und anderweitige Probleme hatten, zu tun gehabt, dass sie Marvin zu Poppy hatte bringen müssen.
Snape war schon langsam etwas ungehalten über die Vorstellung, dass sein Sohn herumgereicht worden war und extrem verärgert, als Poppy ihnen dann erklärte, bei ihr sei heute die Hölle los gewesen, so dass sie die Chance genutzt hatte, den Kleinen Hagrid mitzugeben, der am Nachmittag mit einem blutenden Daumen bei ihr aufgekreuzt war.
"Wisst Ihr, Hagrid war heute hier, weil er von einem seiner Ungetümer heftig gebissen worden war und hat sich dann gleich bereit erklärt, ihn mit zu sich zu nehmen. Ich hatte heute wirklich keine Zeit, tut mir leid."
Wütend zog Snape Hermine auf dem Weg zu Hagrids Hütte hinter sich her. Er hatte ihre Hand fest umschlossen und Hermine musste ihn des Öfteren bitten, einen Gang zurück zu schalten, da sie kaum mit ihm Schritt halten konnte.
Endlich hatten sie die Hütte erreicht und Snape klopfte gar nicht erst an, sondern stieß die Tür gleich mit einem Schwung auf.
Erschrocken fuhr Hagrid zusammen und rief dann freudig aus: "Ach, Herminchen und der Professor, da seid Ihr ja! Psst, der Kleine schläft schon. Is´ aber immer noch ein goldiges Kerlchen. Ich habe ihn in den Schlaf gesungen, müsst Ihr wissen. Hat ihm wohl ganz gut gefallen."
Hagrid strahlte über das ganze Gesicht, Snape sah aus, als wenn er auf eine Zitrone gebissen hätte und Hermine grinste vor sich hin.
"Danke Hagrid, das war lieb von Dir", sagte Hermine. "Im Moment haben wir ein paar Probleme mit der Unterbringung von Marvin. Ich muss heute unbedingt noch eine Eule zu der Babysitterin senden."
"Ach, macht doch man nichts", wehrte Hagrid ab, "hab´ ich doch gern gemacht, nich´. Hat´s gut bei mir, der Kleine. Wollt Ihr noch einen Tee trinken oder von den Plätzchen probieren? Hab ich heute frisch gebacken, sind sehr lecker."
"Keine Umstände bitte, Hagrid!", sagte Snape distanziert, "wir wollten lediglich unseren Sohn abholen."
"Schade", meinte der Wildhüter traurig, "aber Professorchen, wenn sie schon mal da sind, wollen Sie nicht nach ihrem Pferd gucken?"
Snape wollte gerade aufbrausen, weil das Professorchen in seinen Ohren noch schrecklicher klang als ein Mr., doch Hermine rief voller Vorfreude aus: "Komm Severus, lass uns ausreiten! Bitte! Sieh mal Marvin schläft und das wäre doch eine Gelegenheit."
Diese Bitte konnte er ihr nicht abschlagen, zumal er den Glanz in ihren Augen sah. Hagrid hatte auch nichts dagegen, so dass sie kurz darauf, die Sonne neigte sich schon langsam dem Horizont zu, dem Sonnenuntergang, eng aneinander gelehnt, entgegen ritten.
Erst als sich die Nacht mit ihrer vollen Schwärze und absoluten Düsternis über ihren Köpfen herabgesenkt hatte, kamen sie von ihrem Ausritt zurück. Es war für beide sehr befreiend und erholsam gewesen, ein wenig Zeit in der Abgeschiedenheit der Ländereien Hogwarts zu verbringen. Sie hatten still, jeder für sich, den Geräuschen des Pferdes und dem Gezwitscher der Vögel gelauscht, die sich daran machten, ein Schlafplätzchen für die Nacht zu ergattern. Sie hatten auch nicht viel miteinander gesprochen, sondern einfach nur die Nähe des anderen genossen und dabei auch an die eine oder andere Begebenheit aus dem Lande der Indianer gedacht - wie immer, wenn sie auf einem Pferd saßen.
Zwischendurch hatten sie sich nur hin und wieder geküsst und sich des abendlichen, aufkommenden Windes erfreut, der ihnen durch die Haare geweht war.
Zufrieden standen sie dann wieder bei Hagrid, Hermine bedankte sich nochmals für die Betreuung, und dann waren sie auch schon wieder beim Schloss. Severus trug Marvin und bestand darauf, sie bis zu ihren Räumen zu begleiten. Er kam mit in die Wohnung hinein, legte Marvin in seinem Bett ab und schielte dann zu Hermine hinüber, die zunächst schnell eine Eule zu Mrs. Brown gesandt und sich danach seufzend auf der Couch niedergelassen hatte.
Er räusperte sich und fragte leise: "Hermine, darf ich heute Nacht hier bleiben?"
"Severus, Du weißt ganz genau, wie meine Bedingung lautet", sagte Hermine ernst, stand aber auf und ging zu ihm hinüber. "Wenn Du versprichst, Dich gesittet zu benehmen, wäre ich sehr froh, wenn ich nach diesem scheußlichen Tag nicht allein in meinem Bett schlafen müsste."
Severus atmete tief ein und raunte: "Und ich habe Dir vorhin erklärt, dass ich momentan die Schlossgründe nicht verlassen darf. Wie sollte ich da wohl nach London zu diesem Arzt hin verschwinden?"
"Dann nimm eben anderweitig Kontakt zu diesem Arzt auf!", hauchte ihm Hermine entgegen und fuhr dabei mit ihren Fingern über seine Brust. "Ich bin sicher, dass Dir in den drei Wochen bis zu Deinem Prozess irgendetwas einfallen wird. Ich möchte schließlich nicht ewig auf Dich und Deine Liebeskünste verzichten müssen."
Snape keuchte bei diesen Worten laut auf und riss Hermine an sich, um sie ausgiebig zu küssen, doch Hermine löste sich schon kurz darauf, um zu verkünden, dass sie äußerst müde sei und gedenke zu Bett zu gehen.
Snape stand auf der Stelle, atmete heftig und sah mit verschleierten Augen zu, wie Hermine sich vollständig entkleidete und sich anschließend geschmeidig unter die Bettdecke gleiten ließ. Mit zittrigen Knien schlich er zu ihrem Bett hinüber, entkleidete sich ebenfalls und kroch zu ihr unter die Decke. Dort lag er bewegungslos und wusste nicht wohin mit seiner Erregung, die sich, trotzdem er sich Mühe gab, nicht verhindern lassen hatte. Bei dieser Frau neben sich, konnte er einfach nicht an sich halten. Ihre Stimme, ihr Geruch, die Wärme, die Küsse...das war einfach zu viel!
Hermine schmunzelte vor sich hin. Natürlich war ihr nicht entgangen, in welchem Zustand sich Severus befand. Er musste Qualen leiden, der Ärmste!
Sie wandte sich ihm zu und bedeckte sein Gesicht mit leidenschaftlichen Küssen. Er stöhnte wohlig auf. Während sie nach seinem besten Stück langte, flüsterte sie ihm verführerisch ins Ohr: "Was hältst Du davon, wenn ich Dich auf diese Weise erlöse? So kann ich mir zumindest treu bleiben und Du bekommst noch ein wenig Ansporn, die richtige Entscheidung zu treffen."
"Ooohh, Du bist und bleibst grausam!"
"Also?"
"Bitte, ich bitte Dich, fange endlich an!", krächzte er heiser und drängte sich ihr stöhnend entgegen.
"Gerne", erwiderte Hermine nun und zog ihn, während ihres Schaffens, in einen tiefen Kuss, den er nur zu bereitwillig zurückgab.
An diesem Abend schliefen sie wenig später eng umschlungen und zufrieden in Hermines Bett ein.
-----------------------------------------------------------------------------------------------------------------
21. Kapitel
Am nächsten Vormittag machten sich Hermine und Albus auf, um diesem Direktor des Livingstoninstituts einen Besuch abzustatten.
Dieser war noch immer die Unfreundlichkeit in Person, aber angesichts der Tatsache, dass Professor Albus Dumbledore persönlich vor ihm stand, kompromissbereit.
Sie einigten sich darauf, dass Hermine im Selbststudium auf Hogwarts, sozusagen ihre eigene Studiengruppe bilden durfte. Allerdings sollte sie am Ende jeder Woche ihre Ergebnisse ihrem Studienberater vor Ort präsentieren. Wie der Schulleiter der Universität weiterhin betonte, gelte diese Sonderregel auf Grund der Vorkommnisse, nur für die restlichen Wochen vor den Ferien. Im kommenden Semester habe sie sich, wie alle anderen Studenten auch an die gängigen Regeln zu halten oder man müsse sich eben von ihr trennen.
Vorerst war Albus zufrieden und auch Hermine konnte damit leben. Immerhin war nun ihr hart erkämpftes Jahr nicht gänzlich verloren. Was im kommenden Jahr sein würde, wusste niemand. Doch darüber konnte man sich während der großen Ferien noch immer den Kopf zerbrechen. Wichtig war nur, dass dieses Jahr gerettet werden konnte. Und das war es nun.
Besser hätte es gar nicht laufen können! Ihre Versuchsreihen konnte sie gut in Severus Labor aufbauen, eine umfassende Bibliothek war vorhanden und speisen würde sie in der großen Halle. Wenn sie nicht weiterkam, waren Severus und Poppy die besten Berater, die man sich vorstellen konnte...und sie hatte nun auch wesentlich mehr Zeit für Marvin.
Hermine war total glücklich, als sie mit Albus aus dem Universitätsgebäude heraustrat und atmete befreit ein.
"Danke, Albus. Ohne Dich wäre das hier nicht so gelaufen", sagte sie an den weißhaarigen Zauberer mit dem wallenden Rauschebart gewandt und strahlte dabei über das ganze Gesicht.
"Schon gut, mein Kind", sagte er und blinzelte ihr vergnügt zu, "das habe ich gerne gemacht. Nach den ganzen Problemen, die Ihr schon hinter Euch habt und die noch vor Euch stehen, ist dieser Moment des Glücks reinster Balsam, nicht wahr? So nun lass uns aber schnellstens zurückkehren, denn ich bin allmählich hungrig und möchte noch etwas von dem Getummel der Meute in der großen Halle mitbekommen."
Er reichte ihr den Arm, den sie sogleich ergriff und dann lösten sie sich auf.
--------------------------------------------------------
Severus hatte sich währenddessen wieder seines Sohnes angenommen. Trotzdem er gleich am frühen Morgen diesem Bradley über den Weg lief, war seine gute Laune bis auf weiteres durch nichts zu zerstören. Freilich wusste auch er, dass die Laune nicht den ganzen Tag anhalten würde, aber fürs Erste fühlte er sich sehr wohl. Die Nacht an der Seite von Hermine, auch wenn sie sich noch immer standhaft weigerte, mit ihm zu schlafen, hatte ihn nach Tagen wieder befreit aufatmen lassen.
Er hatte durchaus den Eindruck gehabt, dass Hermine es schwer gefallen war, ihm zu widerstehen. Und nun, wo er das Gelände nicht verlassen durfte, musste sie früher oder später ein Einsehen mit ihm haben!
Der Wettstreit begann ihm zu gefallen und er war sich sicher, dass er gewinnen würde. Bei Hermine wusste man zwar nie so genau, aber in diesem Fall würde er am längeren Hebel sitzen. Ganz bestimmt!
Beschwingt bestellte er einen Hauselfen zu sich, der seinem Sohn Gesellschaft leisten sollte, damit er sich endlich in Ruhe um den Nachschub für Poppy kümmern konnte.
----------------------------------------------------------------------
Da Hermine nun nicht mehr jeden Tag zur Uni musste, sondern die Erlaubnis hatte sich ihrem Selbststudium zu verschreiben und auch Mrs. Brown für drei Tage die Woche nach Hogwarts kam, um Marvin zu beaufsichtigen, konnte sie nun nach Herzenslust in Severus Privatlabor herum werkeln.
Noch am selben Tag, als sie mit Albus aus Schottland zurückkam, hatte sie sich bei Severus im Labor eingerichtet und ihr erstes Projekt in Angriff genommen. Der Tränkemeister hatte natürlich nichts dagegen gehabt, sondern sich gefreut, mit Hermine gemeinsam brauen zu können.
Doch schon am zweiten Tag bemerkten sie, dass sie sich beide nur im Weg standen. Hermine beanspruchte sehr viel Platz und breitete sich mit ihren Büchern und Pergamentrollen überall aus, während Snape, der die Vorräte der Krankenstation auffüllen wollte und über Jahre hinweg diesbezüglich sein bestimmtes, Ziel gerichtetes Vorgehen gewohnt war, nun permanent auf Hindernisse stieß.
Entweder wollte er an den Vorratsschrank, indem natürlich gerade Hermine herumwühlte, oder er wollte an seinem gewohnten Platz etwas schneiden und pulverisieren, doch entweder lagen dort schon Hermines sieben Sachen ausgebreitet herum, oder sie wollte ausgerechnet in diesem Moment, ebenfalls in genau diesem Augenblick, dasselbe tun.
Eine Weile schaute er sich das mit an, dann verließ Snape genervt das Labor und knallte die Tür hinter sich zu. Hermine seufzte. Natürlich war es ihr nicht entgangen, dass sie sich gegenseitig behinderten! So schnappte sie sich eine Pergamentrolle und entwarf einen Nutzungsplan für das Labor, den sie Severus kurz darauf präsentierte.
"Sie mal Severus!", sagte sie und setzte sich schmunzelnd auf seinen Schoß, "ich habe für uns einen Plan entworfen. Was hältst Du davon?"
Snape brummte zwar, erklärte sich aber damit einverstanden.
"Also gut, meine Liebe. Ich stimme dem Plan zu...ach, bekomme ich eine Belohnung?"
"Eine Belohnung? Nun, nur eine kleine Belohnung...oder hat sich inzwischen etwas anderes ergeben?"
Seine finstere Miene zeugte davon, dass er mit der Therapie noch nicht vorangekommen war, so dass sie ihn nur kurz küsste und dann wieder aufsprang.
"Schön, wenn Du mit dem Plan einverstanden bist, dann werde ich mal weitermachen. Du kannst dann am Nachmittag ins Labor. Bis dann!"
Er schlug mit der Faust auf die unschuldige Lehne des Sessels, in welchem er saß, und starrte Hermine düster hinterher, die voller Tatendrang wieder in seinem Heiligtum verschwand.
Das gab es doch wohl alles nicht! Jetzt wurde er aus seinem eigenen Labor ausquartiert. Und zum wiederholten Male fragte er sich, wie es soweit hatte kommen können. Was hatte dieses göttliche Wesen nur mit ihm angestellt, dass er alles über sich ergehen ließ?
Sie erpresste ihn, sie schickte ihn zu Boden, sie hielt ihn hin...aber sie gab ihm auch unendlich viel dafür, wie er sich eingestehen musste.
Er warf stöhnend den Kopf in den Nacken und starrte minutenlang an die Decke, bis er aufsprang, an seinen Schreibtisch eilte und einen Brief aufsetzte.
----------------------------------------------------------
Inzwischen waren schon einige Tage ins Land gezogen und sie kamen mit ihrem Laborplan ganz gut zurecht. Manchmal fragte Hermine ihn etwas und er erklärte ihr dann geduldig alles, was sie zu diesem und jenen Trank wissen musste.
Doch auch wenn Hermine keine Fragen hatte, tauchte Severus permanent in dem Labor auf und gab vor, nur irgendetwas zu suchen oder etwas Vergessenes zu holen. Dabei kam er Hermine allerdings immer ziemlich nahe. Er streifte sie im vorüber gehen oder hauchte ihr wie nebenbei einen Kuss in den Nacken. Und wenn sie ging war er jedes Mal enttäuscht, da er sich mehr von ihr erhoffte, als einen Kuss zur Begrüßung und zum Abschied.
Severus tat ihr zwar leid und sie wusste dass er sich grämte, doch sie hatte vor dieses Duell zu gewinnen.
Wenn er doch nur Kontakt zu diesem Arzt aufnehmen würde! Aber anscheinend lebten sie wohl beide ihre sture Phase aus! Und das Schlimme daran war, dass Hermine mit jedem Tag der verging, Angst davor hatte, dass er sich ganz zurückziehen könnte.
Dabei wollte sie ihn doch mehr denn je!
Als er Hermine wieder einmal von hinten umfasste und sie nicht mehr loslassen wollte, protestierte sie und schob ihn energisch wieder hinaus. Das schlechte Gewissen wuchs allerdings beständig. Irgendwann hatte sie den Bogen bestimmt überspannt!
Sie seufzte. Also gut, wenn sie hier fertig war, wollte sie einen Schritt auf ihn zugehen.
Doch erst die Arbeit, dann das Vergnügen!
Nachdem die Arbeit erledigt war und sie schuldbewusst in sein Wohnzimmer trat, sprang er sofort von der Couch auf, warf sein Buch bei Seite und zog sie an sich. Sofort stieg ihr der Geruch des Aftershaves in die Nase und sie seufzte wohlig und schmiegte sich an ihn. Dabei bemerkte sie auch das weiche Material des Pullovers, den er von ihr zu Weihnachten bekommen hatte und musste schmunzeln.
Soso, der Professor hatte wieder in seine Trickkiste gegriffen!
"Bleibst du noch ein wenig hier?", schnarrte er an ihrem Ohr und fuhr mit seinen Händen verlangend ihren Rücken hinunter, bis sie auf dem Po zum liegen kamen.
"Gibt es einen bestimmten Grund, der mich zum Bleiben veranlassen könnte?", erkundigte sich Hermine.
"Was ist mit mir? Bin ich nicht Grund genug, den Aufenthalt in meinen Räumen zu verlängern?", fragte er unschuldig zurück.
"Ach, Severus! Du weißt genau auf was ich warte", murmelte Hermine und wurde sogleich in einen tiefen Kuss gezogen, den sie mit allen Sinnen genoss. Als Snape allerdings immer stürmischer wurde und schon im Begriff war, ihr das Oberteil vom Körper zu streifen, schob sie dem Ganzen einen erneuten Riegel vor und wand sich aus seinen Armen.
Ungläubig starrte er sie an. Er hatte genau gespürt, dass sie es auch wollte. Doch wiederholt entzog sie sich ihm!
Vielleicht täuschte er sich auch und es war mit der Liebe nicht mehr weit her? Genau, ihr kam es gerade recht, dass er wegen der Therapie noch keine Ergebnisse vorweisen konnte. Musste sie wenigstens nicht mit ihm schlafen! Nun gut, wenn er nicht erwünscht war, dann eben nicht!
Enttäuscht und frustriert atmete er tief durch und sagte tonlos: "Ich wollte sowieso noch etwas nachlesen. Du entschuldigst mich?"
Damit ließ er Hermine stehen und marschierte schnellen Schrittes in sein Büro.
Hermine ließ sich in den Sessel fallen und grübelte. Was sollte sie denn machen? Jetzt war er definitiv verletzt! Mann, warum war er auch so stur? Na gut, sie war auch nicht besser, aber er musste einfach begreifen, dass sie so ein Eifersuchtstheater nicht noch einmal erleben wollte! Mit ihm heute noch eine Diskussion zu beginnen, würde wohl nichts bringen. Seufzend erhob Hermine sich. Mrs. Brown hatte in einer Stunde Dienstschluss und bis dahin musste sie noch die Aufzeichnungen der heutigen Versuche notiert haben.
Die nächsten beiden Tage war er nicht anwesend als Hermine kam, um im Labor zu arbeiten. Auch in der großen Halle waren sie sich nicht begegnet. Sie bekam ihn überhaupt nicht zu Gesicht. Er schien ihr aus dem Weg zu gehen, was Hermine allmählich Kopf zerbrechen bereitete. Sie hatte keinen Appetit mehr und konnte nachts nicht schlafen...und das Verlangen nach ihm wurde immer größer.
Genauso so sehr, wie das schlechte Gewissen.
Zudem kam noch, dass in 9 Tagen der Prozess sein sollte. Niemand wusste, was Severus für eine Strafe erwartete. Höchststrafe 1 Jahr Askaban! Oh Gott! Das würde sie nicht durchstehen! So lange konnte sie nicht ohne ihn sein!
Zumindest wussten sie nun, von wem der erste Fluch stammte. Es war dieser Jason. Derjenige, der dann so schwer verletzt worden war. Das könnte immerhin mildernde Umstände einbringen und als Notwehr ausgelegt werden.
Wenn doch bloß alles schon vorüber wäre!
-----------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Am folgenden Tag half Hermine vormittags in der Krankenstation bei Poppy aus. Als sie diese verließ lief ihr Severus über den Weg. Da sie mitbekam, dass auch er sie bemerkt hatte und sogar stehen blieb, ging sie zögernd auf ihn zu.
"Hallo Severus!"
"Hermine!"
Abwartend stand er ihr gegenüber und musterte sie.
Keiner wusste so recht, was er sagen sollte und fühlte sich auf Grund des Schweigens, welches zwischen ihnen herrschte, äußerst unwohl.
"Du warst nicht in Deinen Räumen, als ich kam", sagte Hermine leise und sah ihn dabei unsicher an. "Ich hoffe doch, Du gehst mir nicht absichtlich aus dem Weg."
"Hätte ich denn Grund dazu?", fragte er und durchbohrte sie mit seinem typischen, undeutbaren Blick.
Hermine schluckte und straffte ihre Schultern.
"Nein, Severus, Du hast eigentlich keinen Grund dazu. Ich...ich habe Dich jedenfalls vermisst."
Ein leichtes Schmunzeln überzog nun sein Gesicht.
"Das freut mich zu hören, denn ich war mir nicht so sicher, ob es Dir nicht vielleicht recht wäre, mich eine Weile nicht zu sehen."
"Was? Severus, warum sollte ich Dich nicht sehen wollen? Kannst Du mir das mal verraten?"
Verständnislos schüttelte sie den Kopf und war gespannt, was er antworten würde.
"Nun", sagte er gedehnt, "nennen wir es ruhig beim Namen! Wenn wir uns nicht über den Weg laufen, meine Liebe, dann komme ich wenigstens nicht in Versuchung, Dir näher treten zu wollen, als Du es mir momentan gewährst. Ich dachte, dies wäre in Deinem Sinne. Deinen Standpunkt hast Du mir gegenüber klar vertreten. Oft genug. Du wolltest mich doch auf Abstand halten. Nun bin ich nicht da, aber wie ich feststelle, ist dies meiner Prinzessin auch nicht recht. Entscheide Dich, was Du möchtest, Hermine!"
Er schmunzelte, hauchte Hermine einen Kuss auf die Stirn und ließ sie dann verwirrt in dem Gang stehen.
Was war das eben? Verdattert sah Hermine ihm hinterher, wie er eilig, mit seinem sich hinter ihm aufbauschenden Umhang, hinter der nächsten Ecke verschwand.
Seine Worte waren zwar typisch Severus gewesen, doch das Gegrinse wollte so gar nicht dazu passen. Irgendwie hatte sie das Gefühl, das es da etwas gab, was sie noch nicht wusste. Was sollte das überhaupt? Wollte er sie jetzt erpressen? Nach dem Motto: entweder ganz oder gar nicht?
Hermine zog eine Schnute und war sehr gespannt, ob er heute Nachmittag, wenn sie wieder ins Labor ging, anwesend sein würde.
Nachdenklich schlurfte sie in ihre Wohnung zurück, um noch ein paar Artikel zu lesen, so lange Marvin mit Mrs. Brown an der frischen Luft unterwegs war.
Am späten Nachmittag schlug Hermine, mit Marvin auf dem Arm, den Weg zu den Kerkern ein. Mit einem sehr mulmigen Gefühl. Was würde sie wohl erwarten? War er da oder hatte er schon wieder Reißaus genommen? Und noch immer wusste sie nicht, warum er vorhin so amüsiert gewesen war. Irgendetwas war da im Gange. Doch was?
Es war Hermine schon immer sehr schwer gefallen ruhig zu bleiben, wenn sie wusste, dass sich irgendwo etwas tat und sie nicht drauf kam, was es denn sei. Sie war sich sogar ziemlich sicher, dass Severus darum wusste und sich absichtlich so verhielt. Was plante er aber? Wollte er den Spieß nun wirklich umdrehen und sie zappeln lassen? Es klang vorhin jedenfalls so.
Doch nicht mit ihr!
"Du wirst Dich wundern Severus, wie lange ich noch aushalte", murmelte sie vor sich hin und hatte kurz darauf des Tränkemeisters Gemächer erreicht.
Sie öffnete die Tür und zog sogleich überrascht die Augenbrauen empor. Severus saß an einem festlich gedeckten Tisch, der sich unter kulinarischen Genüssen nur so bog und auf dem sogar Blumen standen. Er entfachte mit einem Schmunzeln gerade die Kerzen und ließ auf einen Wink hin Musik ertönen. Zufälligerweise gerade das Lied, welches durch den Abschiedsball zu ihrem Lied geworden war. Sogleich strömten sämtliche Erinnerungen auf Hermine ein.
Bei diesem Song hatten sie sich getrennt und bei diesem Lied hatten sie sich auch wieder vertragen...
Hermine wollte Severus gerade die Meinung sagen, ihn davon in Kenntnis setzen, dass sie überhaupt nicht daran dachte, mit ihm zu speisen, sondern zunächst Antworten verlangte, als er sich auch schon geschmeidig erhob, auf sie zukam und mit samtiger Stimme hauchte:
"Ich habe mich schon auf den Kleinen gefreut und gehofft, dass Du ihn mitbringen würdest."
Bevor Hermine antworten konnte, hatte er Marvin schon an sich genommen und fügte hinzu: "Ich werde mit meinem Sohn nun zu Abend essen. Du hast im Labor gewiss genug zu tun, nicht wahr, Hermine? Lass Dich nicht aufhalten!"
Als Hermine völlig verwundert nichts erwiderte, schob er sie einfach vor sich her und ins Labor hinein. Mit den Worten: "Sollte irgendein Problem auftauchen, kannst Du Dich selbstverständlich jederzeit an mich wenden. Ich wünsche frohes Schaffen!", schloss er die Tür leise hinter ihr.
Während Hermine irritiert an der Wand des Labors lehnte, grinste Snape zufrieden vor sich hin, setzte seinen Sohn in den Hochstuhl, gurtete ihn fest und begann mit dem köstlichen Mahl.
Dabei lehnte er sich entspannt in seinem Stuhl zurück und ließ sich von der Musik berieseln. Sie bewirkte bei ihm genau dasselbe, wie bei Hermine. Erinnerungen an schöne und tragische Stunden zogen an ihm vorüber. Doch nach einem Blick in die Richtung des Labors und bei der Vorstellung von Hermines Gesichtsausdruck überwog das Amüsement und er goss sich ein Glas Burgunder ein.
"Auf Dich meine Liebe!", sagte er erheitert und prostete der Labortür zu. Er konnte es sich in diesem Moment nicht verkneifen, in die Richtung der Tür einen Handkuss zu hauchen. "Mein Sohn, es muss Dir etwas seltsam vorkommen, was Deine Eltern hier veranstalten", sagte er zu Marvin und reichte diesem seine Flasche, "doch heute muss Deine Mutter da noch durch. Morgen aber werde ich mit ihr reden. Versprochen!"
Hermine wusste nicht genau, wie lange sie an der Wand gelehnt hatte. Sie schwankte zwischen weinen und lachen. Severus hatte sie einfach ins Labor abgeschoben! Ohne einen Kuss, ohne eine ordentliche Begrüßung! Und saß nun mit Marvin an dem gedeckten Tisch. Er hatte sie gar nicht gefragt, ob sie auch Hunger hatte! Und dann noch dieses Lied! Das hatte er mit Absicht gemacht, davon war sie überzeugt. Sie schloss die Augen und hing ihren trübseligen Gedanken nach. Lange. Zu lange! Mit der Konzentration wurde es heute nichts mehr. Ständig unterlief ihr irgendein Fehler. Nach einer knappen Stunde gab sie entnervt auf, raffte in Windeseile ihre Sachen zusammen und wollte schon ins Wohnzimmer stürzen und Severus fragen, was er sich dabei dachte, hielt aber an der Tür inne.
Sie atmete mehrmals tief ein und aus. Was wollte sie ihm eigentlich genau sagen? Da sie sich sicher war, dass er es genau so geplant hatte, um ihr eine Lektion zu erteilen, wäre es grundverkehrt, wenn sie nun in Rage auf ihn losging.
"Nein, Severus, diese Genugtuung werde ich Dir nicht gönnen", flüsterte sie vor sich hin. "Ich habe Dich durchschaut, mein Lieber!"
Doch wie wollte sie jetzt aus der Sache herauskommen, ohne sich noch eine Blöße zu geben? Hermine versuchte sich in Severus hinein zu versetzen. Welches Verhalten erwartete er jetzt von ihr? Und wie gedachte er darauf zu reagieren?
Sie kam zu dem Schluss, dass er seine kühle, unnahbare Tour weiterhin durchziehen wollte und sie charmant, ohne jegliche Annäherung, verabschieden würde. Vielleicht hatte er ihr etwas von den Köstlichkeiten der Tafel aufgehoben? Sicherlich hatte er das! Seine höfliche Art ihr gegenüber gebot ihm das einfach. Hermine hatte zwar Hunger doch sie würde dankend ablehnen! Sollte er doch allein speisen! Vorhin hatte er das schließlich auch vorgezogen!
Sie war deswegen noch immer etwas gekränkt. Aber gut, nun würde sie verzichten! Sie freute sich schon auf sein Gesicht! Und dann? Wenn er sie mit ausdruckslosem Gesicht hinauskomplimentierte, könnte sie ihm überraschenderweise um den Hals fallen. Ihn küssen, mit den Händen über den Körper fahren...und dann einfach gehen.
Damit rechnete er nie im Leben! Er würde glauben, dass sie dafür zu stolz wäre.
Hermine grinste nun auch. Der Schlachtplan war entworfen!
Siegesgewiss trat sie ins Wohnzimmer ein, doch schon an der Tür klappte ihr die Kinnlade herunter. Von der Tafel war nichts zu sehen. Alles sah aus wie immer. Zu essen hatte er ihr also nichts aufgehoben!
Sie versuchte sich nichts anmerken zu lassen und ging zielstrebig auf die Couch zu, auf der Severus lag, während er las und den schlafenden Marvin in seinen Armen hielt.
"Oh, Du bist schon fertig mit der Laborarbeit? Das ging heute aber schnell, Hermine", sagte Snape und war bemüht ein ernstes Gesicht aufzusetzen. "Oder hast Du gar eine Frage, meine Liebe?"
"Nein, ich habe keine Frage", brummte Hermine verstimmt. "Für heute bin ich fertig und möchte jetzt gehen."
"Dann tu das, Hermine! Erhole Dich gut!", sagte Snape, offensichtlich gut gelaunt. "Bekomme ich wenigstens noch einen Kuss?"
"Was?" Hermine schwante, dass sie mit ihren Überlegungen irgendwie falsch gelegen hatte und spürte, wie der Ärger auf sich und auf ihn immer mehr von ihr Besitz ergriff.
"Soll ich Dich noch in Deine Wohnung begleiten, Hermine...denn Du scheinst mir etwas durcheinander zu sein", bemerkte Snape charmant.
"Ich bin nicht durcheinander!", rief Hermine nun schon etwas lauter aus. "Und den Weg in meine Wohnung find ich sehr gut allein!"
"Sehr schön!", antwortete Snape leise, "dann macht es dir bestimmt auch nichts aus, wenn Du nun gehst. Ich möchte nämlich nicht, dass unser Sohn durch Dein Geschrei erwacht."
Hermine stand wie festgewurzelt auf der Stelle und konnte nicht fassen, wie er sich verhielt. Er hatte nichts dagegen, dass Marvin hier blieb? Ganz freiwillig? Und machte sich Sorgen, dass Marvin durch ihr Geschrei erwachen könnte? Und wollte einen Kuss?
Sein amüsierter Blick durchbohrte sie geradezu. Durchbohrte sie so lange, bis sie sich wortlos umdrehte und zur Tür schritt. An der Tür angekommen, hörte sie ihn mit betörender Stimme fragen: "Darf ich auch am morgigen Tage mit Deiner Anwesenheit rechnen, Hermine?"
Sie lehnte kurz ihren Kopf gegen die Tür, presste ein: "Ja!", hervor und verschwand eilig.
Snape strich seinem Sohn durch die schwarzen Haare und schloss äußerst zufrieden seine Augen. Das hatte ja besser geklappt, als er dachte. Wahrscheinlich war sie davon ausgegangen, dass er noch mit ihr speisen wollte!
"Falsch gedacht, meine Liebe!", sagte er leise und musste noch immer schmunzeln, "bevor du mir nochmals einen Korb gibst, drehe ich den Spieß um! Doch morgen, das verspreche ich Dir, werde ich es ernst meinen und ich hoffe, dass Du einwilligen wirst! Ich hoffe es sehr!"
Augenblicklich war Snape wieder ernst, sein Lächeln verschwand, und er versuchte nicht daran zu denken, wie er sich fühlen würde, oder was er tun sollte, wenn Hermine ihn morgen abblitzen ließ. Nein, daran mochte er überhaupt nicht denken! Es würde schon alles gut gehen!
Snape stand auf und brachte seinen Sohn ins Bett. Dann setzte er sich ins Wohnzimmer vor den Kamin, goss sich noch ein Glas Rotwein ein und starrte eine Ewigkeit in die Flammen, die hoch loderten und knackend und zischend einem Holzscheit nach dem nächsten den Garaus machten.
Hermine jedoch stürmte wütend und irritiert zugleich in ihre Wohnung und warf die Tür laut ins Schloss. Prima, nun hatte sie die Gewissheit! Severus hatte den Spieß umgedreht! Mit Erfolg! Er würde sich gerade köstlich amüsieren! Auf ihre Kosten!
Eine Weile ärgerte sie sich noch, doch dann kam ihr diese Show recht albern vor und sie musste lachen. Wie hatte sie nur daran glauben können, Severus zu durchschauen?
Gut, dieser Punkt ging eindeutig an ihn.
Hermine nahm zunächst ein entspannendes Schaumbad und arbeitete anschließend noch alles für die Uni durch. Übermorgen musste sie schließlich alles dem Studienberater vorlegen. Und sie genoss es, das Marvin mal nicht da war und sie wirklich Zeit für sich hatte.
Als sie viel später im Bett lag und die Kerzen löschte, war ihr klar, dass sie Severus nicht mehr böse war. Dies war eben seine Art ihr zu zeigen, dass sie dabei war, übers Ziel hinaus zu schießen. Und dass er seinen Sohn freiwillig über Nacht nahm, rechnete sie ihm hoch an. Doch miteinander reden mussten sie morgen auf jeden Fall.
Mit einem Lächeln auf den Lippen und Gedanken an Severus schlief sie friedlich ein.
-----------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Snape war durch seinen Sohn schon in aller Frühe erwacht. Er zählte sich nicht zu den Langschläfern und stand ohnehin immer zeitig auf, aber so früh wollte er eigentlich noch nicht aus dem Bett klettern. Der Wecker zeigte gerade einmal 4.30 Uhr an!
Na gut, er hatte es so gewollt! Frühstücken, Windeln wechseln, spielen...
Er war äußerst froh, als es 10.00 Uhr wurde. Denn dann rauschte die beleibte, aber kompetente Mrs. Brown für gewöhnlich ins Schloss. Da sie Marvin aber bei Hermine vermutete, beeilte er sich, sie zuvor noch auf dem Gang zu erwischen. Hermine würde er heute noch früh genug gegenüber stehen und war deshalb schon nervös genug. Immerhin wollte er ihr heute einiges sagen, was ihm nicht unbedingt leicht über die Lippen kam...zumal er nicht wusste, wie sie reagierte.
Er hatte Glück und erwischte die Betreuerin noch, bevor sie an Hermines Tür klopfen konnte, überreichte ihr mit knappen Worten Marvin und verschwand eilig wieder.
Den Tag brachte er im Labor herum. Zum Lesen fehlte ihm allerdings die Konzentration. Was wäre, wenn sie ablehnen würde? Nicht auszudenken! Snape war selten so ein Nervenbündel gewesen, doch heute hatte er sich einiges vorgenommen, was ihn schon im Vorfeld wie ein aufgeschrecktes Huhn durch seine Räume flattern ließ.
Die Stunden bis zum Nachmittag zogen sich endlos in die Länge. Doch dann zeigte die Uhr endlich 16.00 Uhr an und schon stand Hermine mit dem Kleinen auf dem Arm in der Tür.
Er riss sich zusammen und trat an Hermine heran.
"Ah, da bist Du ja schon", brachte er krächzend hervor und versuchte seine Nervosität unter Kontrolle zu bekommen.
Hermine sah ihn aufmerksam an und wunderte sich. War Severus etwa nervös? Wenn ja, warum?
"Klar, Du weißt doch, dass ich pünktlich bin", sagte sie und musterte ihn eindringlich. "Ich werde dann ins Labor gehen. Nimmst Du unseren Sohn so lange?"
"Natürlich, lass Dir ruhig Zeit, meine Liebe!", sagte er und wäre am liebsten sofort mit seinem Anliegen heraus gerückt. Doch das musste warten, bis sie mit ihren Experimenten fertig war! "Wenn etwas sein sollte, wende Dich ruhig an mich!", sagte er und Hermine schaute immer besorgter drein. Was war denn mit ihm los? Gestern schwebte er noch auf der Welle seines Triumphes und heute war er...irgendwie seltsam.
"Alles in Ordnung mit Dir, Severus?", hakte sie misstrauisch nach.
"Selbstverständlich! Was sollte denn nicht in Ordnung sein?", sagte er heiser und ärgerte sich insgeheim, dass man ihm offenbar ansah, dass er nervös war.
"Ich weiß es nicht", sagte Hermine, "aber Du kommst mir merkwürdig vor."
"Nun ist aber genug!", sagte er bestimmt. "Merkwürdig! Ich schlage vor, dass Du Dich nun an Deine Arbeit machst! Wir können nachher noch reden...wenn Du dann noch etwas Zeit erübrigen kannst."
Kopf schüttelnd betrachtete Hermine den Tränkemeister und ließ ihn, bevor sie ins Labor marschierte wissen, dass sie im Anschluss noch Zeit haben würde. Er nickte ihr zu und sie verschwand, sich noch immer wundernd, zu den Kesseln und Phiolen, in den Nachbarraum.
Snape jedoch stieß die Luft aus, die er unbewusst angehalten hatte und lehnte sich gegen die Wand. In spätestens zwei Stunden war er schlauer. Bis dahin hieß es die Ruhe zu bewahren!
Er beobachtete seinen Sohn, der sich am Sessel versuchte aufzurichten und musste stolz lächeln, als dieser endlich stand und seinen Vater mit großen, schwarzen Augen ansah.
"Sehr gut, mein Kleiner", sagte er, "komm her! Komm her zu Deinem Vater!"
Er reichte Marvin die Hand, welcher sie ergriff und seine ersten Schritte auf ihn zu tat.
Es war unglaublich! Er, Severus Snape, der Schülerschreck und Kinderhasser schlechthin, musste bei dem Anblick seines Sohnes lächeln und fand Gefallen daran, sich mit diesem zu beschäftigen! Eigene Kinder waren eben etwas anderes, sagte er sich und setzte sich dann sogar auf die Decke und kullerte den Ball zu Marvins großem Vergnügen hin und her.
Die zwei Stunden, bis Hermine wieder aus dem Labor trat, vergingen wie im Fluge, so dass Snape sich erschrocken aufrichtete, als Hermine ihm auf die Schulter tippte und ihm mitteilte, dass sie nun zu einem Gespräch zur Verfügung stehen würde.
"Bis Du gut voran gekommen?", fragte Snape.
"Ja", meinte Hermine, "im Gegensatz zu gestern, hat heute alles geklappt, wie es sollte. Severus, ich... ähm, ich denke, dass wir uns mal unterhalten sollten. Ich kann mir vorstellen, dass Du Dich gestern gut amüsiert hast."
"Nun ja, das trifft es ziemlich gut", sagte er etwas verlegen und lächelte entschuldigend. "Ich hoffe Du trägst es mir nicht nach! Hermine ich...Dir dürfte aufgefallen sein, dass ich heute ein wenig aufgeregt bin...was natürlich seine Ursache hat."
"Aha", sagte sie und setzte sich in den Sessel, "da bin ich aber gespannt weswegen."
Snape räusperte sich umständlich, setzte eine besonders ernste Miene auf und begann:
"Hermine, Ende nächster Woche beginnt mein Prozess. Ich sagte Dir bereits, dass die Höchststrafe 1 Jahr Askaban betragen könnte. Ich gehe nicht von einem Jahr aus und der Anwalt, den mir Albus besorgt hat und den ich gestern traf, auch nicht. Mit einem Freispruch ist allerdings auch nicht zu rechnen. Nicht mit meiner Vergangenheit."
Hermine kaute bestürzt auf ihrer Lippe herum, stand dann auf und umarmte Severus.
"Severus, ich drehe durch, wenn Du fort bist. Ist Dir das klar?"
Er schmunzelte.
"Schön zu wissen, dass Du mich vermissen würdest. Hermine, mir ist auch nicht wohl und ich möchte ganz bestimmt nicht von Euch fort. Und schon gar nicht nach Askaban. Doch ich werde meine Strafe antreten müssen. Daran führt kein Weg vorbei.
Aber ich möchte so viele positive Dinge in meinem Kopf abspeichern, wie nur möglich sind. Ich brauche etwas, woran ich mich festhalten kann. Du weißt, wie die Dementoren arbeiten. Ich...ich..."
Plötzlich riss er Hermine an sich und fragte in einem Anflug von Panik: "Hermine, wirst Du noch da sein, wenn ich wieder komme?"
Hermine glaubte sich verhört zu haben.
"Severus, wie kannst Du nur so etwas denken? Woher nimmst Du nur immer wieder Deine Zweifel?", fuhr sie ihn wütend an und konnte doch ihre Tränen nicht länger zurück halten. "Natürlich werde ich hier sein und auf Dich warten. Ich dachte das weißt Du!", fügte sie leise hinzu.
Überglücklich hielt er sie in seinen Armen. Sie würde auf ihn warten! Er schluckte schwer. Das wollte er nur hören. Hermine hielt zu ihm! Noch immer! Er schluckte nochmals und sprach mit zitternder Stimme weiter:
"Hermine, und weil ich so viele positive Erinnerungen mitnehmen möchte, da...da wollte ich Dich fragen..."
"Was, Severus?", flüsterte Hermine und sah ihm in die Augen, "was möchtest Du mich fragen?"
Seine Nervosität hatte nun seinen Höhepunkt erreicht und das Herz schlug ihm bis zum Hals, als er atemlos hervorstieß: "Hermine, möchtest Du meine Frau werden?"
Sie wusste im ersten Moment gar nicht was sie sagen sollte. Überrascht starrte sie ihn an und wurde von einem unheimlichen Glücksgefühl durchströmt. Er hatte ihr einen Antrag gemacht! Er hatte sie tatsächlich gefragt, ob sie seine Frau werden wollte!
Doch sie zögerte wohl einen Moment zu lange, denn Severus zog sich gleich zurück und sagte bedrückt: "Ok, vergiss es! Es war nur so eine Idee. Und wir haben auch noch nie darüber gesprochen. Ich verstehe, wenn es Dir zu schnell geht...es wird schon irgendwie..."
"Nein, Severus!", sagte Hermine gleich und zog ihn wieder an sich. "Ich möchte sehr gerne Deine Frau werden, auch wenn es etwas überraschend kommt. Severus, ich liebe Dich und ein schöneres Angebot hättest Du mir gar nicht unterbreiten können."
"Wirklich?", fragte er skeptisch und hatte diesen bestimmten Blick aufgesetzt, dem Hermine sowieso nicht widerstehen konnte.
"Ja, Severus, wirklich! Es gibt da nur noch einen Punkt, also, ähm...Du weißt, was ich meine!"
"Die Therapie? Meinst Du die Therapie, meine Liebe?", fragte er mit hochgezogener Augenbraue und hatte schon wieder ein Schmunzeln aufgesetzt.
"Mhm, genau die meine ich", gab Hermine zu und strich ihm abwartend über die Brust.
"Ach so, also wenn es weiter nichts ist", sagte Severus gedehnt, "wie Du weißt, darf ich das Gelände nicht verlassen. Doch ich habe diesem Dr. Felton einen Brief geschrieben und er hat mir einen albernen Fragebogen zugesandt, den ich auch brav ausgefüllt habe. Albus schien darüber so erfreut gewesen zu sein, dass er Dr. Felton sogleich nach Hogwarts eingeladen hat. Und was soll ich sagen...ich hatte vor zwei Tagen meinen ersten Termin."
Hermine fiel Severus nun ganz um den Hals und zog ihn gierig in einen tiefen, verlangenden Kuss, den er zärtlich erwiderte und sich sicher war, dass Richtige gesagt und getan zu haben.
"Ich bin so glücklich", schluchzte Hermine, als sie sich von einander lösen konnten, "wie hast Du Dir das eigentlich vorgestellt?"
"Nun, ich dachte, dass wir uns zunächst verloben und heiraten, wenn Du mit Deinem Studium fertig bist? Oder was meinst Du? Ich kenne mich da auch nicht so aus."
Hermine strahlte ihn an.
"Es ist mir recht, Severus. Ich habe zwar schon einmal mit dem Gedanken gespielt, irgendwann mit Dir verheiratet zu sein, doch nie für möglich gehalten, dass Du mich tatsächlich fragen würdest. Ich will Dich! Ohne jeden Zweifel."
"Na dann", sagte Severus erleichtert, "Du ahnst gar nicht, was ich für eine Angst hatte, dass Du nein sagen könntest." Dann kniete er vor ihr nieder und holte etwas unbeholfen eine kleine Schachtel hervor. "Ich weiß nicht genau, was man sagen oder tun muss... aber ich hoffe er gefällt Dir. Ich habe den Ring per Eule bestellt, da ich nicht selbst gehen konnte. Wenn er Dir nicht gefallen sollte, kein Problem, dann tauschen wir ihn eben um."
Hermine öffnete das Kästchen, betrachtete mit Freudentränen in den Augen den goldenen, mit Rubinen besetzten Ring, und fiel Severus erneut um den Hals.
"Severus, der Ring ist wunderschön. Danke! Steckst Du ihn mit bitte an?"
Mit zitternden Fingern streifte Severus ihr den Ring über den Finger und hauchte: "Meinst Du, dass Du anlässlich unserer Verlobung die kommende Nacht mit mir verbringen kannst?"
Hermine lachte hell auf.
"Ich denke, dass ich es einrichten kann, mein Schatz! Ich muss nur noch die heutigen Ergebnisse meines Experiments notieren und überarbeiten. Gib mir eine Stunde, dann bin ich bei Dir!", flüsterte sie ihm ins Ohr und sah sich sofort in einem intensiven Kuss gezogen, den sie am liebsten nie wieder lösen wollte.
Hermines Herz klopfte wie wild in ihrer Brust. Sie konnte es noch gar nicht fassen. Severus bat sie, seine Frau zu werden! So ganz offiziell! Sie fühlte sich wie der glücklichste Mensch auf der ganzen Welt.
"Ich werde dann gehen und in circa einer Stunde zurück sein", flüsterte sie, nachdem sie von einander lassen konnten und ging rückwärts und ganz langsam auf die Tür zu. Dabei hielten sie den Blickkontakt aufrecht. Doch sie war nicht in der Lage die Klinke herunter zu drücken. Alles in ihr schrie nach der Nähe zu Severus. Alles! Und ehe sie sich versah, stürmte sie auf ihn zu und riss ihm das Hemd vom Leibe. Snape von dieser offensichtlichen Begierde völlig überrumpelt, schlang verwundert seine Arme um sie und hob sie hoch.
Ihre Lippen pressten sich voller Verlangen aufeinander und ihre Zungen traten in einen Wettstreit. Ihre Körper schienen in Flammen zu stehen.
Snape blickte zu Marvin, der friedlich auf der Decke herumkrabbelte, zog einen Schutzwall um ihn herum und packte Hermine dann, presste sie gegen die Wand und ergab sich seinen Gefühlen, die aufbrandeten und sich danach sehnten, ausgelebt zu werden.
Im Nu hatte Hermine ihre Beine um ihn geschlungen und war unter stürmischen Küssen dabei seine Haare zu verwühlen. Snape sorgte dafür, dass die restlichen, hinderlichen Kleidungsstücke auf einen Schlag verschwanden, so dass der körperlichen und so begehrten Vereinigung nichts mehr im Wege stand.
In wenigen Minuten war das kurze Intermezzo dann zwar schon wieder vorbei, doch die erhitzten Gesichter strahlten so viel Leidenschaft und Zuneigung aus, dass es dennoch eine Weile dauerte, bis sie sich von einander lösen konnten.
"Ich hoffe, das war erst das Vorspiel und es geht heute noch weiter", brachte Hermine keuchend und total überwältigt hervor.
"Ich gehe mit Dir so weit, wie Du bereit bist zu gehen, Hermine", erwiderte Severus schwer atmend, "und auch ich hoffe, dass dies für den heutigen Tag noch nicht alles gewesen ist."
"Ich ...ich werde mich nun wirklich um meine Studien kümmern gehen...und kann es gar nicht erwarten, wieder hier zu sein", sagte Hermine über dass ganze Gesicht strahlend und zog sich hastig wieder an.
Ein zutiefst empfundenes Glücksgefühl, ließ Severus schmunzeln. Mit Bedauern sah er zu, wie sie ihren wunderbaren Körper verhüllte und zur Tür schritt.
Doch sie hatte eingewilligt! Ja!
"Ich werde mich dann, während Du oben bist, um das Diner kümmern", sagte er plötzlich amüsiert. "Denn gestern wolltest Du aus irgendwelchen Gründen nicht mit uns speisen."
"Severus!", sagte Hermine drohend, musste dabei aber lachen. Diesen kleinen Seitenhieb konnte er sich wohl nicht verkneifen!
"Bis dann!", hauchte sie und verließ nur ungern seine Räumlichleiten.
Severus hätte vor Glück platzen können. Er war so erfüllt damit und so guter Stimmung, dass er nun die lästigen Gedanken an Askaban oder irgendwelche neunmalkluge Therapeuten komplett aus seinem Kopf strich. Damit konnte er sich morgen wieder befassen! Heute zählten nur er und Hermine!
Seine zukünftige Frau!
In Amerika war es nur eine Floskel, mit der er sich damals schon sehr gut arrangiert hatte, aber nun sollte es bald alles echt sein. Wirklich und wahrhaftig! Hermine würde ihn auch heiraten wollen!
Im Überschwang der Gefühle nahm er Marvin auf den Arm und tanzte mit ihm durch das Wohnzimmer. Zum Glück sah ihn niemand so! Das hätte seinem Image entschieden geschadet. Ein düsterer Zaubertränkeprofessor, wenn auch außer Dienst, ließ sich gefälligst nicht so gehen!
Doch heute durfte er sich so geben, wie er momentan empfand. Zudem sah ihm niemand dabei zu!
Dann setzte er sich mit Marvin auf die Couch und fragte: "Mein Sohn, was denkst Du? Worüber würde sich Deine Mutter freuen? Wollen wir heute mit ihr gemeinsam zu Abend essen und ein wenig umräumen?"
Marvin interessierte das nicht die Bohne, aber Snape hatte schon eine Idee, wie er das Zimmer dem festlichen Anlass gemäß umgestalten könnte.
-----------------------------------------------------------------------------------------------------------------
22. Kapitel
Hermine sang und pfiff auf dem Weg zu ihren Räumen vergnügt vor sich hin und warf immer wieder einen Blick auf den Ring. Sie war verlobt! Verlobt! Verlobt!
Kurz vor ihrer Wohnung traf sie auf Remus, der gerade aus seinen Räumen heraustrat.
"Nanu, Hermine, Du bist aber heute besonders fröhlich", sagte er lachend und blickte sie neugierig an. "Gibt es einen bestimmten Grund dafür?"
Hermine drehte sich übermütig eine Runde um die eigene Achse und hielt Remus dann den Ring unter die Nase.
"Sieh, mal Remus", sagte sie stolz, "Severus hat sich heute mit mir verlobt. Ist das nicht toll?"
"Wow", erwiderte Remus überrascht. "Ach Hermine, Ihr beide seid schon ein eigenartiges Gespann...aber Ihr passt durchaus gut zusammen. Wenn ich da noch an Amerika denke...Ihr habt Euch gestritten und dann wart Ihr wieder unzertrennlich. Ich freue mich für Euch. Habt Ihr auch eine Feier geplant?"
"Ähm, nein...noch nicht so richtig. Es kam für mich selbst sehr überraschend. Auf einmal fragt er mich, ob ich seine Frau werden möchte...einfach so. Wir hatten nie über so etwas gesprochen", sagte Hermine und wurde dann sehr ernst: "Na ja, wenn wir eine Party veranstalten, dann ganz bestimmt erst, wenn...wenn die Sache mit Severus Prozess überstanden ist."
"Ich verstehe", sagte Remus und legte Hermine eine Hand auf die Schulter. "Hör zu, wenn Severus verurteilt werden sollte und Du irgendwelche Hilfe benötigst...ich werde da sein, Ok? Ich könnte auch mal auf Euren Sohn aufpassen oder wenn Du reden möchtest, oder Fragen hast, was die Uni betrifft. Ganz gleich, wende Dich einfach an mich!"
"Danke Remus, dass ist nett von Dir", sagte Hermine und versuchte zu lächeln. "Heute möchte ich mir aber durch nichts mehr die Laune verderben lassen. Ich muss nur noch meinen Unikram hinter mich bringen, dann gehe ich wieder runter. Severus hat mir ein Diner versprochen."
"Du schaffst das schon, Hermine! Ich wünsche Euch heute noch viel Spaß", sagte Remus zwinkernd und verabschiedete sich von ihr.
In ihrer Wohnung angekommen, fiel es Hermine verdammt schwer sich auf ihre Unterlagen zu konzentrieren. Sie war total aufgewühlt und hätte am liebsten das Fenster weit aufgerissen und ihr Glück lautstark herausgekreischt. Sie konnte es noch immer nicht so recht fassen.
Nie, wirklich niemals, hatten sie je über Hochzeit oder Verlobung gesprochen. Es kam alles so überraschend und Severus war so süß gewesen. So aufgeregt und nervös, dass sie im Nachhinein noch darüber schmunzeln musste. Und er hatte sogar an einen Verlobungsring gedacht!
Liebevoll strich Hermine über das funkelnde Metall an ihrem Finger und schloss für einen Moment die Augen.
Severus hatte sich sogar schon mit dem Therapeuten in Verbindung gesetzt! Hermine überlegte, ob sie auch eingewilligt hätte, wenn kein Termin in Anspruch genommen worden wäre. Sie wusste es nicht so recht. Bei einem Nein wäre er sehr geknickt gewesen. Und ihr wäre es mit diesem Umstand auch nicht besser gegangen.
Die schnelle Nummer eben mit Severus war allerdings grandios. Hermine grinste bei dieser Erinnerung über das ganze Gesicht. Sie hatte einfach nicht widerstehen können. Und er offenbar auch nicht.
Gedankenverloren malte Hermine auf ihrem Blatt herum, bis sie feststellte, dass sie an die zwanzig Mal den Schriftzug Hermine Snape geübt hatte. Das war ihr gar nicht so aufgefallen!
Schnell breitete sie ein neues Pergament aus und sah dabei erschrocken auf die Uhr. Es war schon so viel Zeit vergangen und sie hatte doch versprochen in einer Stunde zurück zu sein! Duschen wollte sie auch noch!
Sie atmete tief ein und riss sich zusammen. Träumen konnte sie nachher an Severus Seite wieder, nun musste sie aber an ihrem Schreibtisch einen Zahn zulegen!
Widerwillig entrollte sie das Pergament, welches sie im Labor vorhin notdürftig mit Fakten bekritzelt hatte, tauchte die Feder in das Tintenfässchen und begann ihre Aufzeichnungen zu übertragen.
----------------------------------------------
Fast zwei Stunden benötigt sie, ehe sie alles für diesen dämlichen Studienberater fertig gestellt hatte. Hoffentlich würde es zu seiner Zufriedenheit ausfallen!
Anschließend war sie ins Bad geflitzt, hatte eine erfrischende Dusche genossen und wühlte nun panisch in ihren Klamotten herum. Was sollte sie denn nur anziehen?
Sie entschied sich für eines ihrer zwei Kleider, mehr hatte sie sowieso nicht, hexte noch ein wenig daran herum und stand nun vor dem Spiegel und betrachtete sich skeptisch darin.
Egal, Severus wäre es bestimmt auch recht, wenn sie nackt aufkreuzen sollte!
Flugs trat sie nun endlich den Weg zu den Kerkern an, hielt kurz vor der schweren Eichentür inne und trat mit einem überzeugenden Lächeln ein.
Vor Staunen blieb ihr erst einmal der Mund offen stehen. Der Abend schien sich über den Raum zu senken. Im Hintergrund ertönte leise, getragene Musik.
Severus hatte dem Raum ein südliches Flair verliehen. An der Wand, wo sonst das riesige Bücherregal stand, war nun nichts mehr von der Privatbibliothek zu sehen. Stattdessen wogten von dort riesige Wassermassen und Wellen mit Schaumkronen heran, leichter Wind wehte durch ihr Haar und der maritime Geruch stieg in ihre Nase.
Hermine hatte augenblicklich das Gefühl, sich wirklich am Meer zu befinden. Dort, wo sonst der Kamin flackerte, erblickte Hermine nun ein Strandlagerfeuer, über dem die Sonne sich rot glühend herabsenkte und einen Sonnenuntergang simulierte.
Severus kam galant auf sie zu geeilt und hauchte ihr amüsiert entgegen: "Ich hoffe es gefällt Dir! Ich dachte, wo Du uns auch schon einmal mit einer netten Illusion unterhalten hast, müsste auch ich in dieser Hinsicht etwas bieten. Du siehst übrigens bezaubernd aus."
"Mhm", murmelte Hermine nur leise, gar nicht mitbekommend, was er eben gesagt hatte und ließ ihren Blick noch immer verwundert durch den Raum, der zu einem romantischen Strand umfunktioniert worden war, gleiten.
Dann erst bemerkte sie, dass auch er sich umgezogen hatte. Schwarzes Hemd, schwarze Hose...und dazu dieses betörende After Shave...
"Du siehst hinreißend aus, Severus", schnurrte sie, zog ihn ganz eng an sich und ließ sich von seinem Duft einfangen.
Am liebsten wäre sie an Ort und Stelle erneut über ihn hergefallen, doch er ergriff ihre Hand und führte sie zum flachen Strandtisch, an dem zu ihrer großen Überraschung schon Albus in einem Liegestuhl saß und irgendeinen Cocktail schlürfte.
"Guten Abend, Hermine", sagte er schmunzelnd, "also dieses Getränk hier ist wirklich sehr zu empfehlen."
"Aha", antwortete Hermine schlicht und wandte sich an Severus: "Bekomme ich eigentlich auch so etwas?"
"Selbstverständlich, meine Liebe", hauchte ihr Severus ins Ohr, "heute erfülle ich Dir jeden Wunsch!"
Während Hermine ihm noch schmachtend hinterher schaute und sich von dem Flair rings um sie herum berieseln ließ, wandte sich der Direktor an sie: