Drei sehr kurze Kurzgeschichten von Alcina vom Steinsberg




Disclaimer: Das Hogwarts-Universum und seine Figuren sind geistiges Eigentum von J.K. Rowling. Ich habe sie mir nur ausgeliehen. Der Liedtitel, der mich zu dieser Momentaufnahme inspiriert hat, stammt von Franz Josef Degenhardt.


A/N: Dies hier war mein zweiter Beitrag zur Challenge "Alles was kurz ist" auf profsnape.de im Oktober 2007. Er entstand spontan und in sehr wenigen Minuten, war erst als Drabble gedacht, aber dann paßte das einfach nicht dafür, und so steht er nun hier für sich.


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Spiel nicht mit den Schmuddelkindern


von Alcina vom Steinsberg



Spiel nicht mit den Schmuddelkindern, sing nicht ihre Lieder...“

Severus drückte sich die Hände auf die Ohren und rannte, so schnell er konnte. Er wollte nicht hören, was sie da sangen... er wollte nur mitspielen, wollte dazugehören. Doch jedesmal, wenn er sich den Kindern aus dem Viertel zögernd näherte, wenn er ihnen mit sehnsüchtigen Augen zusah, dauerte es nicht lange, bis einer ihn auslachte und bald darauf alle einfielen. Und nun sangen sie dieses Lied. „Schmuddelkind!“ riefen sie ihm zu.


Das traf ihn tief. Alle hier im Viertel waren arm und trucken geflickte Kleidung. Alle badeten am Samstag und waren so sauber oder schmutzig wie die anderen. Was konnte er dafür, daß seine Haare so strähnig aussahen? Dafür, daß seine Mutter verbot, sie abzuschneiden? Die anderen Jungen hatten kurze Haare. Was konnte er für die seltsame Kleidung, die er tragen mußte? Sauber war sie mindestens genauso wie die der anderen Kinder...


Schmuddelkind! Schmuddelkind!“ Severus hatte sich hinter eine niedrige Mauer geduckt, doch den Stimmen konnte er nicht entfliehen. Er biß die Lippen zusammen. Nur nichts anmerken lassen, nur nicht weinen... doch die heißen Tränen rannen ihm über die Wangen, er konnte es nicht verhindern.

Lange hockte er da, bis es begann, dämmrig zu werden, bevor er sich heraustraute und sich beeite, nach Hause zu kommen. Die meisten Kinder waren weg, doch ein paar kickten noch eine rostige Konsverbenbüchse umher. Mit gesenktem Kopf ging er vorbei, doch es half nichts.


Schmuddelkind!“ rief einer der Jungen, und die anderen fielen höhnisch ein. „Schmuddelkind!“


Severus fing an zu rennen. Nur nichts anmerken lassen... keuchend erreichte er das kleine Haus im Spinner's End. Unter der Tür drehte er sich noch einmal um.

'Na wartet', dachte er, 'euch werd ich's zeigen, wenn ich erst groß bin!'


Ende


(Oktober 2007)


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Disclaimer: Das Hogwarts-Universum und seine Figuren sind geistiges Eigentum von J.K. Rowling. Ich leihe sie mir nur kurz aus und werde sie unbeschädigt zurückgeben.

A/N: Wärmsten Dank an meine wieder einmal lichtgeschwinde und phantastische Beta, TheVirginian!
Die Idee zu dieser Geschichte verfolgt mich schon fast, seit ich das Vergnügen hatte, den Tränkemeister von Hogwarts kennenzulernen. Die Challenge "Alles was kurz ist" auf profsnape.de war der Anlaß, die Idee zu Papier zu bringen, zufrieden war ich allerdings nicht damit. Diese Version ist komplett überarbeitet und erweitert.


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Camellia Sinensis


von Alcina vom Steinsberg



Professor Severus Snape legte seine Feder beiseite und rieb sich müde die Augen.

Dann hackt man eine Viertelunze Käferaugen und schmeißt sie in den Kessel... Hacken! Käferaugen! Käferaugen wurden in hauchdünne Scheiben geschnitten, aber nicht gehackt. Wie oft hatte er das erklärt? Fünfmal? Zehnmal? Hundertmal? Hörten die Gören denn überhaupt nie zu?


Diese Schulaufsätze raubten ihm den letzten Nerv. Nicht genug, daß er täglich von Neuem die Unbeholfenheit und das Desinteresse der Schüler im Umgang mit Utensilien und Zutaten ertragen mußte, um ihnen die hohe Kunst der Zaubertrankbrauerei beizubringen. Das Korrigieren ihres unfähigen Geschreibsels war weitaus schlimmer. Krakelige, verschmierte und verkleckste Handschriften, die er nur mit Mühe entziffern konnte - er, der mühelos die ältesten und verschlungensten Handschriften alter Meister las! - eine Rechtschreibung, die auf dem Zufallsprinzip zu beruhen schien, eine katastrophale Grammatik – vom fachlichen Inhalt ganz zu schweigen. Er warf einen Blick auf den Stapel unkorrigierter Pergamentrollen vor sich und stöhnte. So ging das nicht weiter. Er brauchte dringend eine Pause.


Snape erhob sich und trat an seinen Arbeitstisch. Es war seine Gewohnheit, seine eigenen Experimente mit den ermüdenden Korrekturen der Schüleraufsätze zu verbinden. So konnte er einen Trank, der ruhen mußte, aber nicht unbeobachtet bleiben durfte, gut im Auge behalten und sich gleichzeitig seiner Pflichten entledigen. Ein kurzer Blick in einen Kessel, ein Schnuppern an einem Rundkolben, in dem es heftig blubberte und ein vorsichtiges Schmecken an einem Tropfen aus seinem Scheidetrichter verrieten ihm, daß alles zufriedenstellend verlief. Ein sardonisches Grinsen verzog seine schmalen Lippen. Die Schüler dachten immer, daß man zum Brauen von Zaubertränken nur einen Kessel und ein paar Zutaten brauchte. Wenn diese sein Labor hier sähen! Er wußte aus zuverlässiger Quelle, daß sein geheimes Sanktuarium einem modernen Muggellabor nicht unähnlich war, wenn man von den Mauern aus unbehauenem Stein, den hohen Gewölben und den teils vollkommen anderen Zutaten absah, die Zauberer verwendeten. Er wußte auch, daß die meisten seiner Kollegen diesen Gefäßen und Apparaturen mit größtem Mißtrauen begegnen würden. Doch die technischen Möglichkeiten der Muggel erlaubten ihm, alte Trankrezepte besser zu analysieren und Veränderungen daran vorzunehmen, um die Tränke zu verbessern oder sogar neue zu entwickeln, viel einfacher, effektiver und vor allem gründlicher als mit den Methoden, die er selbst gelernt hatte. Das Ergebnis rechtfertigte die Mittel, fand er, und daß scheinbar niemand in der Lage war, Tränke aus seiner Produktion nachzuahmen, verschaffte ihm einen Ruf, der ihm nur recht ein konnte.


Auf einem Tisch an der Seite des Raumes stand ein Strauß aus mundgeblasenem Glas bereit, der zur Hälfte mit einer klaren Flüssigkeit gefüllt war. Eine knappe Bewegung mit dem Zauberstab entzündete ein Feuer darunter, und kurz darauf stiegen die ersten Bläschen an die Oberfläche. Währenddessen war Snape an einen seiner Vorratsschränke getreten und hatte eine viereckige Dose aus Metall herausgenommen. Nachdenklich schnupperte er am Inhalt, bevor er sie kopfschüttelnd zurückstellte. Nicht das, was er brauchte. Ein Gefäß aus Porzellan folgte, doch auch dieses enthielt nicht die richtige Zutat. Drei weitere Gefäße wurden stirnrunzelnd untersucht, bis er sich für eine flache, hölzerne Dose entschied, aus der ein leicht rauchiger Geruch aufstieg. Das war die beste Qualität aus Wuyi! Ausgezeichnet. Auf das Ergebnis konnte er sich verlassen.


Befriedigt ging er zurück zum Arbeitstisch. Mit einem Spatulum beförderte er die gewünschte Menge in ein bereitstehendes irdenes Gefäß.

Nun sprudelte es lebhaft im Strauß. Snape stellte die Dose beiseite. Ein Schlenkern, und das Feuer erlosch. Mit dem Zauberstab ließ er den Strauß über das irdene Gefäß schweben und den Inhalt behutsam hineinfließen. Aus einem bereitstehenden Krug ließ er sieben Tropfen kaltes, klares Wasser in die Lösung fallen. Aromatische Dämpfe stiegen auf. Snape schnupperte zufrieden und bedeckte das Gefäß.


Während die Extraktion ruhte, räumte er seinen Arbeitstisch auf. Von einem Wandbord nahm er eine dünnwandige Schale und stellte sie bereit. Einige Minuten verstrichen, bevor er den Deckel hob und prüfend die Nase darüberhielt. Perfekt.

Er trug das Gefäß zu seinem Schreibtisch, goß eine kleine Menge des Inhalts in die dünnwandige Schale aus feinstem chinesischem Porzellan und setzte sich wieder. Begierig sog er den zarten Duft der Flüssigkeit ein und schärfte seine Feder. Die Vorfreude war beinahe so schön wie der tatsächliche Genuß und ein Teil des Rituals, und er pflegte sie so intensiv auszukosten, wie er nur konnte.


Sein Blick fiel auf das Pergament vor ihm. Ach ja, die gehackten Käferaugen... seine Hände umfaßten die Schale und hoben sie zum Mund. Er nahm einen Schluck und schloß andächtig die Augen. Ah, welch Labsal! Welch Genuß! Nichts konnte wohltuender sein, nichts entspannender als eine duftende Tasse Lapsang Souchong! Und von der Freude des Zubereitens und dem Wohlgefühl auf seiner Zunge einmal abgesehen, regte ihn der Tee zudem an und verhalf zu neuer Konzentration.


Gestärkt griff er zur Feder und glättete das unsägliche Machwerk, das vor ihm lag.

Dann hackt man eine Viertelunze Käferaugen und schmeißt sie in den Kessel...

Sicher. Das versuch mal, mein Junge, dachte er amüsiert, du wirst schon sehen, was passiert, wenn du gehackte Käferaugen in deinen Kessel schmeißt. Wir werden alle etwas davon haben. Deine Klassenkameraden ein tolles Spektakel, Pomfrey eine Extraschicht, die Hauselfen eine Riesenschweinerei und Minerva wieder ein paar graue Haare mehr, weil einem ihrer Gryffindors etwas passiert ist. Und ich...

Mit neuem Schwung tauchte er die Feder in die rote Tinte und verzierte das Pergament vor ihm großzügig mit energischen Strichen und seinen zynischen Anmerkungen.

Und ich habe zumindest meinen Spaß dabei.

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A/N: Ein Strauß ist ein kugelförmiges Gefäß mit langem Hals, das bereits in der Alchemie Verwendung fand.

Lapsang Souchong ist eine chinesische Teespezialität, ein Rauchtee. Beim Fermentieren der Teeblätter wird Holzrauch unter ihnen entfacht und verändert deren Geschmack. Echter LS stammt aus dem Wuyi-Gebirge und ist selten und sehr kostbar, und der rauchige Geschmack ist etwas für Kenner.

Camellia Sinensis ist der botanische Name für Tee. Keine magische Pflanze, aber sicherlich mit magischer Wirkung ;o)...


(Oktober 2007)


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Disclaimer: Das Hogwarts-Universum und seine Figuren sind geistiges Eigentum von J.K. Rowling. Ich habe sie mir nur ausgeliehen.


A/N Dieser kurze One-Shot entstand unmittelbar nach der Lektüre des siebten Bandes. Trotz der Erleichterung, daß sich Snape nun, wovon ich immer überzeugt war, als zur Seite des Lichts gehörend herausgestellt hat, überwiegt das Entsetzen über die Sinn- und Herzlosigkeit, mit der JKR ihn sterben ließ, und über die Gleichgültigkeit, mit der sein Tod bedacht wird. Ich hatte das dringende Bedürfnis, eine Episode, sie so eindeutig im Buch fehlte, niederzuschreiben, einen Ausdruck meiner Gefühle. Hier ist sie.

Ich widme diesen Text Chrissstine, Malina und dem Hauselfen A., die sich mit mir in Klausur begeben hatten, um den 7. Band fernab von Internet, Medien und sonstigen Störungen in Ruhe lesen zu können.



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Einsam


von Alcina vom Steinsberg



Ausgerechnet Luna Lovegood fragte sich als erste, was aus Snapes Leichnam geworden war.

Die Schlacht war vorbei, Voldemort war vernichtet. Die Toten waren ins Schloß gebracht worden, und Harry hatte erzählt, was er im Denkarium gesehen hatte. Hatte berichtet von Snapes wahrer Loyalität, von seinem Tod durch Naginis Biß. Vom letzten Verrat, den man an ihm verübt hatte...


Unter den Überlebenden mache sich erst Entsetzen breit über die Sinnlosigkeit dieses Todes, diesem letzten Opfer für die Seite des Lichts, mit der Severus Snape dafür gesorgt hatte, daß Voldemort mit einem Zauberstab gegen Harry angegangen war, der ihm nicht gehorchte. Aus dem Entsetzen wurde Reue darüber, daß all die Zeit niemand bereit gewesen war, auch nur daran zu glauben, daß Snape Dumbledore treu geblieben war und nicht zu Voldemort zurückgekehrt, und schließlich Scham, ihn bis zuletzt einfach vergessen zu haben, selbst dann noch, als die Toten gezählt wurden.


Hermine, Ron und Harry machten sich auf den Weg zur heulenden Hütte, begleitet von Luna und Neville. Dort fanden sie ihn, unverändert, so, wie sie ihn verlassen hatten: weit aufgerissene, gebrochene Augen starrten ins Leere, verkrampfte Hände schienen noch immer nach Harry zu greifen, erbarmungslos diesem überraschenden und schnellen Tod ausgeliefert.

Harry hoffte von ganzem Herzen, daß sich Snapes letzter Wunsch, ein letzter Blick in seine, nein, Lilys Augen, denen seine so sehr glichen, erfüllt hatte. Hermine, die den Tod so vieler Menschen tapfer ertragen hatte, fiel mit einem heiseren Schluchzen neben ihm auf die Knie. Sanfte Finger strichen ihm eine Haarsträhne aus dem Gesicht, versuchten, die starren Augen zu schließen, doch die Totenstarre ließ es nicht zu. Eine heiße Träne fiel in sein Haar. Einem Impuls gehorchend beugte Hermine sich vor und drückte einen sanften Kuß auf die kalte Stirn.

Danke, Professor“, sagte sie leise, „danke für Ihre Hilfe. Ohne sie hätten wir es niemals geschafft, hätten wir Voldemort niemals überwinden können.“


Die Jungen hatten aus ein paar Brettern und einem Umhang eine Trage gebaut und brachten sie nun herein. Sorgsame Hände betteten den starren Körper darauf.

Gemeinsam und in stillschweigend Übereinkunft trugen sie Severus Snape ganz ohne Magie hinauf zum Schloß, in dem verzweifelten Versuch, ihm im Tode ein klein wenig von der Würde zu verleihen, die ihm zu Lebzeiten versagt geblieben war.


Ende


(Juli 2007)