@Disclaimer: Charaktere aus „Fluch der Karibik" gehören Disney und diejenigen aus „Harry Potter" ihrer Autorin J.K. Rowling.
Kapitel 1) Nicht ganz wie geplant
Es dämmerte bereits, als Aquine die Geschwindigkeit zügelte und den Wagen am
Straßenrand anhielt.
„Und wieder einmal rettungslos verfahren." seufzte sie.
Sie zückte ihr Handy und tippte eine Nummer. Am anderen Ende meldete sich ihre
Freundin, bei der sie sich mit ein paar erklärenden Worten dafür entschuldigte,
dass es mit dem Besuch heute Abend wohl nichts mehr werden würde.
„Ich
melde mich dann später nochmal bei Dir!" meinte Aquine. „Jetzt werde ich mal
schauen, ob es in der Nähe so etwas wie ein Hotel oder eine alte Pension gibt."
Sie startete den Wagen und fuhr weiter durch das Waldgebiet, weit und breit war
kein Gebäude und erst recht kein menschliches Wesen zu sehen.
Darum war sie auch sehr überrascht, als sie nach einiger Zeit auf eine Lichtung
kam auf der ein riesiges, wenn auch leicht verfallenes Schloss stand.
„Dort kann man mir sicher weiter helfen!" dachte Aquine erleichtert. „Ich hoffe
mal, dass das Gebäude auch bewohnt ist."
Sie öffnete die riesige Eingangstür und klopfte mit dem prachtvollen, dunklen
Türklopfer.
Es
dauerte einige Zeit bis ihr jemand öffnete und als die Tür nach innen
aufschwang, starrte sie mit Schreck auf einen heruntergekommenen, alten Mann
mit einer großen Nase, die sich durch erheblichen Alkoholgenuss tief rot
gefärbt hatte.
Aquine riss die Augen auf, entschied sich dann allerdings ein freundliches
Pokerface aufzusetzen - eine Kunst, die sie tadellos beherrschte.
Ihr
schlug eine Welle fauligen Atems entgegen, als der alte Mann sie ansprach.
"Verschwinden
Sie."
Er wollte ihr gerade die Tür vor dem Gesicht zuschlagen, als sie es gerade noch
schaffte ihren Fuß in den Türspalt zu drücken. Mit aufgesetzter Fröhlichkeit in
der Stimme ignorierte sie seine barsche Antwort.
"Hallo! Entschuldigen Sie bitte die Störung, aber ich habe mich
rettungslos verfahren. Wüssten sie vielleicht, wo ich hier in der Nähe eine
Pension finden kann?"
Der alte Mann starrte sie feindselig an. Sie starrte mit entnervender
Heiterkeit zurück.
Als
er sah, dass er ob ihrer Hartnäckigkeit keine Chance hatte, gab er schließlich
nach.
"Warten Sie hier draußen, ich schreibe Ihnen schnell die Wegbeschreibung
zum nächsten Gasthof auf. Aber überschreiten sie nicht die Schwelle solange ich
weg bin!"
Dann schlurfte er davon.
Aquine
spähte durch die geöffnete Tür, aber außer Dunkelheit und etwas Staub konnte
sie nicht viel erkennen.
Ein kalter Windhauch spielte mit ihren Haaren.
Sie
fröstelte.
Als der Alte immer noch nicht kam, fasste sie den Entschluss sich hinein zu
begeben. Aber natürlich nur wegen dem Wind und nicht der Neugier wegen!
Okay, vielleicht ein bisschen deswegen. Na gut, größtenteils deswegen.
Kurz versicherte sie sich, dass keiner sie sah und trat über die Schwelle.
Sie
lugte vorsichtig in die dunkle, muffige Halle hinein und ging sehr langsam,
Schritt für Schritt vorwärts.
Ihre Augen gewöhnten sich nur sehr mühsam an die zwielichtige Dunkelheit, doch
hatte sie von Anfang an das ungute Gefühl beobachtet zu werden...
Sie sah sich neugierig in der großen, reichlich mit Portraits geschmückten
Halle um, als sie plötzlich zusammenzuckte, weil die Tür hinter ihr schwer ins
Schloss gefallen war.
Aquine
hielt die Luft für einen Augenblick angestrengt an, doch sie konnte nichts
anderes hören als das monotone Ticken der schweren Eichenstanduhr in der Ecke
des Saales.
Es dauerte eine Weile, bis sie sich des bohrenden Blickes in ihrem Rücken
bewusst wurde und sie drehte sich schließlich zögernd um.
Doch da war nichts.
Nichts, außer dem Portrait eines spätmittelalterlichen, mit farbigem
Kopfschmuck bekleideten Piraten an der Wand, dessen Blick so lebendig schien,
als hätte sie ihn eben erst im Kino gesehen.
Was hatte das zu bedeuten? Sie hatte den Eindruck, als lächelte er sie an und
gäbe ihr ein kaum sichtbares Zeichen näher zu kommen...
Langsam
schlich sie näher, ohne den stechenden Blick des Abgebildeten aus den Augen zu
verlieren. Mit jedem Schritt den sie näher kam, schien das Portrait lebendiger
zu werden. Erst leise, dann immer beharrlicher, schien sie sogar Geräusche zu
hören, das Rauschen des Meeres, leise Möwenschreie.
Immer näher kam sie den Bild, bis ihre Nasenspitze es beinahe berührte.
Tiefe Abgründe schienen sich in den dunkel umrahmten Augen des Piraten zu
zeigen und ein gewisses Leuchten ging von ihnen aus. Er blinzelte sie an.
Aquine sprang erschrocken zurück und im gleichen Augenblick schienen die
Geräusche zu verklingen.
Sie
beäugte das Bild noch einmal misstrauisch aus der entfernten
Sicherheitsposition die sie jetzt inne hatte, aber es war wieder ein ganz
normales Gemälde.
"Was
tun Sie da?"
hörte sie plötzlich eine erboste Stimme hinter sich sprechen.
Aquine
zuckte zusammen und drehte den Kopf zu dem seltsamen alten Kauz, der mit einem
Stift und Papier in einer der Türen des Raumes erschienen war.
"Ich hatte Ihnen doch gesagt, Sie sollen draußen warten! Nun machen Sie,
dass sie hier raus kommen.
Ich
habe Ihnen die Adresse einer Pension in der Nähe aufgeschrieben."
Er übergab ihr den Zettel und schob sie dann regelrecht zur Ausgangstür.
Aquine
wollte eigentlich etwas erwidern. Was fiel diesem Mann ein, so einen
unverschämten Tonfall anzuschlagen? Doch irgendetwas war ihr an dieser Person
nicht geheuer.
Also
nahm sie schweigend den Zettel und verließ das Gebäude durch die beiden hohen
Pforten, durch die sie gekommen war.
*~*~*~*~*
Draußen begann es langsam dunkel zu werden und sie machte sich fröstelnd auf
den Weg zu ihrem Wagen.
Doch als sie die Wagentür aufschließen wollte, war ihr Autoschlüssel weit und
breit nicht zu finden.
"Meine
Handtasche!" schoss es ihr durch den Kopf. "Ich habe sie in dem Raum
mit den Portraits liegen gelassen. Die muss ich mir unbedingt
zurückholen."
Auf ein Klopfen an der Tür allerdings reagierte niemand. Zu ihrem Glück fand sie
an der Hinterseite ein Fenster, das nicht vollständig geschlossen war und nach
einigen Sekunden des Zögerns, krabbelte sie durch die Öffnung in das Innere des
Schlosses.
Rasch eilte sie durch die Gänge und seufzte erleichtert auf, als sie ihre
Tasche auf dem Boden liegen sah.
Doch im gleichen Moment als sie die Tasche aufhob, fühlte sie einen wirbelnden
Sog, der sich um sie herum ausbreitete...
Kapitel
2) Wohin Malerei führen kann
Die Konturen des Zimmers begannen zu verschwimmen und sie stolperte in der
Dunkelheit.
Dies war nicht mehr ein Zimmer in dem sie sich befand, sondern...
Umgebung
in freiem, hellen Tageslicht. Sie blickte sich erstaunt um. Palmen und weiter
Strand, der Wind tobte um ihre Kleidung.
Aquine
blickte sich verwirrt um. Was war mit ihr geschehen? Völlig entsetzt versuchte
sie ihre Gedanken zu ordnen. Sie hatte doch eben noch in der düsteren Halle des
alten Schlosses gestanden und ihre Handtasche gesucht und nun....
Geistesgegenwärtig sprang sie beim plötzlich näherkommenden Stimmengewirr
hinter einen Busch und tupfte sich die Schweißperlen von der Stirn. Die Hitze
lag brütend über dem Strand und machte das Atmen schwer.
Aus sicherer Entfernung sah sie mehrere bunt gekleidete Männer, die aufgeregt
miteinander palaverten und mittendrin einen sehr gutaussehenden,
schwarzhaarigen Mann mit intelligent blickenden Augen. Er trug einen dunklen
Gehrock und altmodische Schnallenschuhe.
Sie hielt vor Anspannung die Luft an, als sie ein leises Knacken über sich
vernahm.
Das
letzte, was sie sah als sie nach oben blickte, war die vollreife Kokosnuss, die
mit rasender Geschwindigkeit näher kam.
Um sie herum wurde es dunkel und als Aquine aufwachte, lag sie ausgebreitet auf
dem sandigen Boden.
Mehrere verdutzte Augenpaare starrten sie an.
Die junge Frau rieb sich den Kopf und verfluchte das stattliche Gewicht der
Palmenfrucht, dann blickte sie auf und sah ihn die Gesichter der Umstehenden.
"He!" rief einer der Männer. „Woher kommt denn auf einmal diese Person?" Er
trug ein blaues Kopftuch und einen blonden, bauschigen Schnurrbart.
„Gerade
eben war weit und breit niemand zu sehen, da bin ich mir sicher!" schallte eine
Stimme aus einer anderen Richtung.
„Vielleicht sollte sie erst einmal aufstehen und dann kann sie uns erklären, wo
sie herkommt." warf der Schwarzhaarige ein, vor dessen Füßen sie gelandet war.
„Darf
ich mich vorstellen?
Mein
Name ist Captain Jack Sparrow und das ist meine Crew." Er gestikulierte und
machte eine wilde Bewegung in der Luft, die alle Anwesenden mit einschloss.
„Crew?" wiederholte Aquine erstaunt. „Ich frage mich wirklich, wo ich hier
überhaupt gelandet bin."
„Schon die zweite Person, die in letzter Zeit hier einfach aus der Luft
auftaucht." flüsterte Anamaria Captain Sparrow zu.
„Was soll das heißen?" fragte Aquine und bemühte sich den Sand abzuschütteln,
der sich bei dem Sturz an ihr festgesetzt hatte.
„Das bedeutet, dass hier vor einer Woche schon einmal jemand gelandet ist, aber
wir wissen nicht wer." bekam sie als Antwort.
„Wir
haben das ganze nur aus der Ferne verfolgt und dann kam auch schon der
Commodore mit seinen Leuten und hat ihn oder sie, soll heißen die unbekannte
Person, eingesammelt."
„Und warum bittet ihr nicht den Commodore um genauere Informationen?"
Jack lachte und machte eine schüttelnde Kopfbewegung. „Commodore
Norrington fragen? Der ist im Moment nicht besonders gut auf Piraten zu sprechen.
Eigentlich ist er das nie, um genau zu sein."
Aquine
rieb sich die schmerzende Beule, deren Wachstumstempo beachtlich war und
stellte dabei entsetzt fest, dass frisches Blut an ihren Händen klebte, eine
Substanz, deren Anblick ihr jedes mal zum Verhängnis wurde.
So auch diesmal.
Captain Sparrow konnte sie im letzten Moment noch auffangen, bevor das satte
Grün der Palmen, das kräftige Rot der Hibiskusblüten und das strahlende Blau
des Himmels für Aquine in einen großen bunten Farbkreisel erneut
verschmolzen.....
„Zu viel Rum." nickte der Captain verständnisvoll. „Das passiert mir auch
immer..."
Aber nein, es liegt an der Kokusnuss." meinte Aquine benommen und beeilte sich,
sich aus seinem Griff zu befreien.
Ihr war die ganze Sache nicht geheuer - erst der Sog in einen rasenden Strudel,
dann umgeben von Piraten mitten auf einer unbekannten Insel.
Wenigstens schienen sie ihr gegenüber nicht feindlich gesonnen zu sein.
„Ich muss heraus finden, wer diese unbekannte Person ist." überlegte Aquine
laut.
Vielleicht hilft mir das herauszufinden, warum ich in dieser fremden Gegend
gelandet bin."
Sie erzählte in ein paar kurzen Worten ihre Geschichte.
Captain
Sparrow musterte sie mit zusammengekniffenen Augen abschätzend von oben nach
unten. Dann drehte er leicht seinen Kopf zur Seite, spuckte eine Ladung
Kautabak in den glühend heißen Sand und meinte undefinierbar lächelnd, nicht
ohne ein paar seiner Goldzähne aufblitzen zu lassen:
"Nun,
ich denke, dass die Gnädigste zunächst einmal einen Verband und ein paar andere
Kleider braucht. Die Ihrigen sind nämlich blutverschmiert...!"
Er fasste an Aquines Kragen und als sie seinem Blick folgte, stellte sie mit
blankem Entsetzten fest, dass sie aus einer Kopfwunde, die wohl durch den
unfreiwilligen Kontakt mit der Kokosnuss entstanden war, heftig blutete und ein
dünnes Rinnsal bereits ihren Kragen und ihre Schultern dunkel einfärbte.
Captain Sparrow machte schräg grinsend eine tiefe Verbeugung und gleichzeitig
eine weit ausholende Bewegung mit seinem rechten Arm, die mit einem deutlichen
Fingerzeig auf sein Schiff endete, das ein paar hundert Meter vor der Küste vor
Anker lag.
"Madame, ich lade sie herzlich auf mein Schiff ein, um sie wieder
menschenwürdig aussehen zu lassen!"
Aquine blickte irritiert auf die zahlreich aufblinkenden Goldzähne in seinem
Mund, die nur noch vom schalkhaften Glitzern seiner Augen übertroffen wurden.
Sie kam zu der plötzlichen Einsicht, dass sie keinen großen Handlungsspielraum
hatte, wollte sie Licht in ihre unwirkliche Situation bringen.
Ein
rundlicher Mann mit grauem Backenbart zog ein jammervolles Gesicht und
verkündete:
„Aber Captain, Ihr wisst doch, dass Frauen an Bord Unglück bringen!"
„Wir
haben bereits eine Frau an Bord." stellte Jack Sparrow fest. „Und noch dazu ist
sie eine unserer besten Fechterinnen."
„Doppeltes Unglück." murmelte Gibbs dennoch leise und Sparrow blitzte ihn böse
an bevor sich die Mannschaft auf den Weg machte.
Aquine folgte den Piraten auf das Schiff und ging mit Anamaria zunächst in ein
kleine Kabine, wo diese sich um ihre blutende Wunde kümmerte.
„Sieht schlimmer aus als es ist." meinte Anamaria. „Das wird schon bald
vollständig verheilt sein."
Sie kramte in einigen Schubladen herum und zog ein rotes Kleid mit weißem
Oberteil heraus.
„Du kannst erst mal Ersatzkleidung von mir anziehen."
„Das hier ist ein ziemlich großes Schiff." meinte Aquine, während sie das Kleid
anzog.
Die Piratin lächelte. „Ja, die Black Pearl war früher einmal ein Schiff der
englischen Handelsflotte. Piratenschiffe werden nicht zu ihrem Zweck gebaut,
sie werden gekapert und dann erklären wir sie zu unserem Eigentum."
„Ah so." antworte Aquine während sie ihre Ärmel zurecht zupfte. Sie warf einen
Blick in den Spiegel.
„Jetzt
falle ich hier wenigstens nicht mehr auf, die Jeans und das T-Shirt schienen
doch nicht mehr ganz in die Zeit zu passen."
Es klopfte an der Tür.
„Ja, wir sind fertig." rief Anamaria nach draußen.
Captain
Sparrow stolzierte herein und warf der Schwarzen eine Pergamentrolle zu. „Die
Daten für unseren neuen Kurs, übernimm Du doch bitte mal kurz das Steuer. Ich
vertraue Gibbs nicht mehr so ganz, nachdem wir nach unserer letzten zehntägigen
Fahrt wieder am Ausgangshafen ankamen."
Anamaria eilte zur Tür hinaus.
„Und wohin genau fahren wir nun?" fragte Aquine.
„Nach Port Royal." antworte Jack. „Dahin, wo auch der Palast des Gouverneurs
liegt und das dazugehörige Gefängnis. Dort hinein wird Norrington die
gestrandete Person geworfen haben, etwas anderes fällt dem Dödel, ähm, ich
meine dem Commodore ja sowieso nicht ein.
Es sei denn natürlich, die Person war schlau genug nicht zu erwähnen, dass sie
aus einem zukünftigen Zeitalter stammt - dann hat er ihr vielleicht sogar ein
Zimmer im Palast gegeben."
„Und wie sollen wir unbemerkt in den Palast kommen?" hakte Aquine nach. „Sie
meinten ja, dass Piraten dort nicht gerne gesehen werden."
„Ja, wenn sie nicht gehängt werden wollen. Zuerst werde ich versuchen,
unauffällig Kontakt mit meinem alten Bekannten Will aufzunehmen. Und für das
weitere... habe ich einen Plan."
Er setzte einen wissenden Gesichtsausdruck auf und lehnte sich auf dem Stuhl
zurück, den er sich während des Gesprächs als Sitzgelegenheit geschnappt hatte.
Aquine
sah ihm lange und fragend in seine dunklen Piratenaugen, deren Tiefe bodenlos
zu sein schien und die eine magnetische Wirkung auf sie ausübten.
Der Pirat auf dem Portrait in der Halle... Sah er ihm nicht ähnlich...?
Mit Mühe löste sie sich von seinem Blick, räusperte sich und fragte dann leise:
"Warum wollen Sie mir eigentlich helfen, Captain? Es gibt doch keinen
Grund für Sie?"
Captain Sparrow sah sie schief grinsend an. Dann beugte er sich langsam vor und
flüsterte ihr leise zu: "Weil dabei für mich etwas rausspringen könnte,
Gnädigste....Sie und die andere Person tragen die ganze Zukunft in ihren
Köpfen...ein unermesslicher Schatz, nicht wahr?"
Sparrow legte lässig ein Bein über die Stuhllehne und griff in seine rechte
Jackentasche, um einen Gegenstand heraus zu holen.
Aquine sah ihm irritiert dabei zu, wie er seine Fingernägel sorgfältig mit
einem Dolch manikürte.
*~*~*~*~*
Die folgenden drei Tage segelte die Black Pearl hart am Wind Richtung Port
Royal und Aquine stand oft allein an der Reling, hielt ihre Nase in den Wind
und blickte gedankenverloren über die sich auftürmenden Wellenberge.
Die Situation war viel zu irreal, als ernsthaft über irgendwelche Anfänge
naturwissenschaftlicher Erklärungsversuche des Phänomens hinaus kommen zu
können und am dritten Tag ihres Abenteuers, war es für Aquine schon fast
selbstverständlich geworden Captain Sparrow scheu zurück zu winken, wenn er mit
wiegendem Gang strahlend an ihr vorbeistolzierte, ihr mit drei Fingern leicht
zuwinkte und seiner Mannschaft die nötigen Befehle erteilte....
Am
Abend des dritten Tages erreichten sie endlich die kleine, verschwiegene Bucht
ganz in der Nähe von Port Royal.
Aquine blickte mit zusammengekniffenen Augen zum Strand und sah, dass sich ein
kleines Ruderboot langsam in der Dämmerung näherte.
Auf dem Boot befanden sich drei Personen. Zwei Sitzende, die zügig ruderten und
ein Mann, der mit beiden Armen in die Hüften gestemmt aufrecht stand.
Beim Näherkommen hielt Aquine aufgeregt die Luft an.
Der stehende, sehr gutaussehende Mensch, sah irgendeinem Typen aus Hollywood
zum Verwechseln ähnlich. Wie hieß er noch...?
Landorno Bloom? Bormando Dorn? Dornaldo Loom?
Egal...jedenfalls stieg er nun an Bord....
Einer
der Piraten reichte ihm die Hand und der junge Mann sprang mit ein wenig
Anschwung über den Zwischenraum zwischen Ruderboot und Schiff nach oben.
Jack winkte Aquine heran und stellte die beiden einander vor, danach gingen sie
zu dritt in die Kajüte des Captains um alles Nötige zu besprechen.
„Danke dass Du gekommen bist." meinte Jack.
Will machte eine lässige Handbewegung. „Schon gut, Du hattest mir und Elisabeth
damals auch geholfen, als wir mit einer Horde hartnäckiger Skelette
konfrontiert wurden."
Er
blickte Aquine neugierig an „Und Sie..." fragte er neugierig, „..kommen
tatsächlich aus der Zukunft?"
Sie machte eine nickende Kopfbewegung.
Er fuhr fort: „Also, was die unbekannte Person angeht, ich habe heraus
gefunden, dass der Commodore ihr ein Zimmer im Südflügel des
Gouverneurspalastes zur Verfügung gestellt hat. Um wen es sich handelt wollte
er mir allerdings nicht sagen, er macht ein großes Geheimnis um die Sache und
besteht auf strengster Geheimhaltung."
Der
Waffenschmied zog ärgerlich die Augenbrauen zusammen.
„Darum müssen wir uns unbemerkt in den Palast schleichen. Ein Freund hat mir
versprochen, die Außentür heute Nacht für uns zu öffnen, das Problem ist nur
wie wir durch den Garten an den Wachen vorbei kommen."
„Ich habe eine Idee!" schaltete sich nun Aquine ein.
„Wir
müssen eine Verkleidung finden, bei der die Wachen keinen Verdacht schöpfen.
Was käme denn in Frage... im Moment fallen mir nur ein paar Gaukler ein, die
den Gouverneur unterhalten wollen. Will nimmt sie, falls nötig, in Schutz und
garantiert für ihre Harmlosigkeit."
Nachdem alles Wichtige besprochen war, erklärten sich die beiden Männer
schließlich einverstanden.
Jack seufzte. „Dabei kann ich gar kein Instrument spielen. Na aber wenn sich
bald alles aufklärt, dann möchte ich wenigstens wissen, warum mein Portrait in
diesem seltsamen Schloss hängt!"
„Verstehe ich auch nicht." meinte Will neckend.
„Wo doch eines von mir viel schöner wäre..."
Jack setzte einen gespielt schmollenden Gesichtsausdruck auf und ging nach
draußen, um der Crew Bescheid zu sagen, dass sie das Schiff in der Bucht
verstecken sollten.
Kapitel
3) Ein Täuschungsplan und viele Wachen
An diesem Abend lag eine trügerische Ruhe über dem Gouverneurspalast.
Die Bewohner hatten noch keine Ahnung, dass drei seltsam verkleidete Gestalten
in diesem Moment die Eingangspforten zum großen Garten öffneten.
Die
drei Gestalten huschten leise durch die dunklen Sträucher.
"Hey, pass doch auf! Du bist mir auf den Rock getreten...!", fluchte
Will, als auch schon ein lauter Ratsch zu hören war....
"Huch...!", Captain Sparrow schlug sich geziert die Hand vor den
Mund, "dein Kleid ist ruiniert...!"
"Idiot!!"
"Scht! Ruhe!", wies Aquine sie zurecht.
Die drei hatten fast den Palast erreicht, als sie plötzlich ein knurrendes
Geräusch hinter sich hörten und sich umdrehten. Zwei ausgewachsene Wolfshunde
sahen sie äußerst interessiert an.
"Oh, mein Gott, die Palastwache!", stieß Sparrow mit
zusammengebissenen Zähnen hervor und im nächsten Moment rannten die drei
"Gaukler" im Galopp mit hochgerafften Kleidern zum Tor, um atemlos
von den Wächtern mit angelegten Musketen empfangen zu werden....
Die
drei kamen abrupt unmittelbar vor den Mündungen der Gewehre zu stehen und sahen
entsetzt in die sehr gereizt wirkenden Gesichter der Gouverneursgarden.
Will blickte hilfesuchend zu Aquine, die, dank einiger im Hinterkopf
abgespeicherter Tanzeinlagen Esmeraldas vor Anthony Quinn, sofort stilsicher
ihr Tambourin schlug und dabei verführerisch ihre Hüften kreisen ließ.
"Sie kann noch ganz anders...", lockte Sparrow und versuchte den
harten Rand der Mündungsöffnung von seiner Nase abzuschütteln, als ihn der
vernichtende Blick Aquines traf, "äh...tanzen."
"Mitkommen!", bellte einer der Wachen und unter den strengen Augen
der Garden bewegte sich die kleine Gruppe im Gänsemarsch durch das Tor in den
Innenhof des Palastes.
Aquine blickte sich staunend um und war bemüht, sich nicht anmerken zu lassen
wie fremd ihr alles erschien, als ihr Blick am Palast hochwanderte und an einem
der zahlreichen Fenster hängenblieb. Sie stockte. Das war nicht möglich!
Scheu winkend, die Gardine vorsichtig ein Stückchen zurückgezogen, stand dort
jemand, den sie nur zu gut kannte...Blaue Feder...!
Aquine
machte eine unauffällige Bewegung mit der linken Hand, um Blaue Feder ein
Zeichen zu geben, dass sie sie erkannt hatte.
Sie drehte im Vorübergehen noch einmal den Kopf um, doch dann wurde sie auch
schon von den bulligen Wachen weiter geschoben durch zwei große Portaltüren.
Dies musste der Raum sein, in dem Besprechungen stattfanden.
Überall
um einen großen Tisch verteilt standen Stühle und in der Ecke prasselte ein
loderndes Kaminfeuer.
Die Wachen bildeten einen kleinen Kreis um ihre Gefangenen und der Hauptmann
verkündete: „Wir haben drei Eindringlinge aufgelesen, Commodore Norrington! Sie
schlichen im Garten herum und wollten den Palast durch den Hintereingang
betreten!"
Commodore Norrington strich sich mit der Hand über das Kinn. Er war ein streng
aussehender Mann und trug eine graue Perücke, die akkurat und genau plaziert
auf seinem Kopf saß.
„So so... drei Eindringlinge haben wir..." spöttelte er.
Jack hüllte sein Gesicht tief in die Kapuze ein, da er nicht erkannt werden
wollte und Will ergriff laut das Wort: „Wir sind wandernde Gaukler, Sir. Bitte
erweist uns die Ehre euch mit ein paar Possen zu unterhalten. Unsere Tänzerin
ist in mehreren Landen bekannt und wir möchten als Lohn nur ein paar
Goldstücke, die uns helfen unseren Lebensunterhalt zu verdienen."
Der Commodore schüttelte den Kopf. Für ihn war die Sache bereits klar, diese
Gaukler hatten versucht in den Palast zu gelangen um dort möglichst viele
Wertgegenstände zu stehlen.
Auch eine hitzige Diskussion, in der Will eifrig argumentierte war fruchtlos,
die drei Freunde wurden schließlich von den Wachen abgeführt und in ein dunkles
Verließ geworfen.
*~*~*~*~*
„Aussichtslos!" stieß Aquine hervor und hämmerte mit der Faust gegen die Wand.
„Weit sind wir ja nicht gekommen, nun scheint es, dass unsere Reise hier schon
zu Ende ist." Jack stimmte finster zu: „Und das obwohl mich der Commodore noch
nicht einmal erkannt hat."
Die drei setzten sich erschöpft auf den Boden, als all ihre Versuche die
Gefängnistür aufzubrechen fehl geschlagen waren.
Als die Nacht dämmernd herein brach, wurden sie schließlich von Schlaf
übermannt.
Doch... was war das?
Will öffnete ein Auge.
Da war ein Scharren an der hinteren Gefängniswand. Der Waffenschmied
erschauderte leicht, als das Scharren immer lauter wurde und sich
schließlich... die ganze Gefängniswand öffnete.
Nach hinten führte ein finsterer Gang und dort stand eine eingehüllte Person.
Sie wurde von den drei Insassen mit großen Augen angestarrt.
„Wer sind Sie?"
„Merlina." antworte die Person, deren Gesicht in der Dunkelheit nicht zu
erkennen war.
„Ihr solltet euch beeilen und... folgt mir."
„Wohin führt denn dieser lange Gang?" Die Angesprochene warf einen hastigen
Blick auf den Korridor. „Wir haben keine Zeit für lange Erklärungen, vertraut
mir!"
Jack und Will tauschten einen fragenden Blick aus
und kamen dann stillschweigend zu dem Entschluss ihr zu vertrauen, zumal sie
gerade von ihr aus dem Gefängnis befreit worden waren.
Hastig
lief man durch die feuchten Gänge des Tunnelsystems. Merlina wies zielstrebig
den Weg, bis man schließlich das kleine Zimmer erreichte, aus dem Blaue Feder
geschaut hatte.
Sie
zog einen kleinen Schlüssel aus der Tasche und alle betraten einen großen, mit
dunklen Möbeln eingerichteten Raum.
Blaue
Feder lief erleichtert auf sie zu. „Aquine! War das eine Überraschung, Dich zu
sehen!" strahlte sie. „Merlina und ich haben einen Befreiungsplan entworfen,
als wir sahen wie die Wachen euch zum Gefängnis brachten."
Jack
sah die Verhüllte erstaunt an, die ihre Kapuze zurück warf und vergnügt
schmunzelte. „Woher kennen Sie sich überhaupt so gut im Schloss aus, Miss?"
„Ich
bin hier das Zimmermädchen." antwortete Merlina. „Das heißt, ich habe mich
dafür ausgegeben und konnte mich so, von den Wachen ungestört, mit den Gegebenheiten
hier vertraut machen."
Blaue
Feder nickte. „Da uns das Schicksal beide in diesen Palast geführt hat, haben
wir uns angefreundet und überlegt, wie wir den Commodore ein wenig an der Nase
herum führen können!"
Sie
hob wie zufällig mit spitzen Fingern eine der vielen weißen Puderperücken von
Norrington hoch, die aufgrund ihrer Form eindeutig aus seinem Equipment
stammte.
Die
beiden grinsten, Will schüttelte den Kopf und fragte besser gar nicht nach, was
sie damit für einen Streich gespielt hatten und man machte sich lieber auf den
weiteren Fluchtweg.
Die
Gruppe verließ eilig das geräumige Zimmer und man lief in Richtung der Südseite
des Palastes.
„Warum hält der Commodore Dich eigentlich hier fest?" rief Aquine im Laufen und
drehte den Kopf zu den anderen, um zu sehen ob die restlichen Mitglieder ihrer
Gruppe noch hinter ihr waren.
„Erkläre ich dir später!" keuchte Blaue Feder leicht außer Atem und folgte den
anderen in die Kurve vor ihnen. Dort endete der Gang in einem großen Rundsaal.
„Wir müssen erst einmal sehen, dass wir unbemerkt von hier verschwinden! Die
Wachen machen ihren Rundgang jede volle Stunde und bald müsste es wieder soweit
sein..."
Merlina hob ihren Arm hoch, zum Zeichen dass alle anhalten sollten und legte
den Zeigefinger auf die Lippen.
„Ich habe gerade etwas gehört." flüsterte sie. „Schritte, die eindeutig aus
dieser Richtung kamen."
Sie ging auf eine der zahlreichen Türen im Saal zu und legte dann ihr Ohr an
die Wand, um zu lauschen was auf der gegenüberliegenden Seite vor sich ging.
Dort hörte man das gleichmäßige Marschieren mehrerer Fußpaare, sie klangen
zielstrebig aber in normalem Schrittempo. Anscheinend hatte man die Flucht der
Gefangenen bisher noch nicht bemerkt.
Merlina lächelte triumphierend und nickte den anderen zu. „Das ist gut.."
flüsterte sie. „Man hat noch nicht gesehen, dass wir geflohen sind - das gibt
uns einen kleinen Vorsprung."
Sie winkte die restlichen herüber auf die gegenüberliegende Seite und öffnete
eine Schiebewand. Dahinter verbarg sich eine kleine, weiße Wendeltreppe.
„Der
Teil des Schlosses in den wir nun kommen ist meistens verlassen, hoffen wir,
dass niemand in der Nähe ist der uns hört."
Vorsichtig stiegen alle die Wendeltreppe hoch und Will hielt gerade die Klinke
zur nächsten Tür in der Hand, als Jack ihn stoppte. „Hört mal!" sagte er. „Da
ist ein zischendes Geräusch. Nein, eigentlich mehr ein Knurren... was ist
das..."
Merlina
schob Will und Jack entschlossen zur Seite.
"Ich dachte, ihr hättet Piratenblut...", meinte sie kopfschüttelnd
und öffnete vorsichtig und ganz leise die Tür. Psssssst!
Zentimeter für Zentimeter vergrößerte sich der Spalt und Sparrow, Turner,
Merlina und Blaue Feder drängelten sich alle vor, um etwas zu erkennen.
"Wer zum Teufel ist das?", flüsterte der Captain.
Blaue Feder riss erstaunt ihre Augen weit auf und stieß leise hervor: "Was
macht der denn hier...schlafend und schnarchend?"
In diesem Moment trat Aquine Sparrow auf den Fuß und der Captain schrie vor
Schmerz laut auf.
Der Mann, der auf der harten Pritsche im Turmzimmer gelegen hatte, fuhr
sekundenschnell hoch und schrie: "Neville!! Tafel putzen!"
Dann starrte er die bunte Gruppe verwirrt und verschlafen an. Es
war....Professor Snape!
Merlina schob die anderen energisch ins Zimmer und schloss die Tür hinter sich.
"Jetzt sind wir alle versammelt, Professor. Die Suche nach dem Camel of
Camelot und dem Gegenstück des verzauberten Portraits kann endlich
beginnen!"
"Ich versteh gar nichts mehr...!" Sparrow kratzte sich am Kinn.
"Gut gemacht, Merlina." Der Professor begann sich schnell seine
Kleider überzuziehen. "Der Commodore wird uns schon auf den Fersen
sein...wir müssen nun sehen, dass wir den Zeitenporter rasch finden, bevor das
Camel aus der Zukunft und von Hogwarts berichten kann.
Ich
möchte keinen ungebetenen Besuch anlocken!
Merlina blickte ihn bestürzt an. "Sie werden ihr doch nichts antun!!"
Will Turner hüstelte und blickte (Anm. des Camels: mit heldenhaftem Elbenblick)
in die Runde.
"Nicht mit uns an eurer Seite! Einer für alle...alle für einen!"
"Und was hab ich davon...???" Sparrow schaute die anderen
herausfordernd an. Snapes Blick traf ihn tadelnd und bis auf die Knochen.
„Schließlich
ist es ihr Portrait das in die ganze Sache mit verwickelt ist!
Das Camel of Camelot ist meine Schülerin und sie ist bei einem Ausflug in der
Nähe dieses unseligen Schlosses durch das Bild hierher geraten."
Er machte eine verzweifelte Handbewegung.
„Ich
stelle mir gerade das Gesicht von Albus Dumbledore vor, wenn ich sie nicht
wohlbehalten zurückbringe..."
Dann bemühte er sich wieder einen zornigen Blick aufzusetzen.
„Na meinetwegen." lenkte Sparrow ein und schüttelte den Kopf über das
Temperament dieses Mannes.
„Obwohl ich auch nicht die geringste Ahnung habe, wie dieses Portrait von mir
dorthin kommt. Es existiert ein Gegenstück, sagten Sie?"
Snape nickte. „Ja, ein Gegenstück zu jedem verzauberten Portrait ist in der
jeweilig beteiligten Zeitepoche zu finden. Es ist die Rückfahrkarte sozusagen,
der Zeitenporter wird erst dann aktiviert wenn er von einem der Zeitreisenden
berührt wird."
Merlina, Lehrerin in Hogwarts, betrachtete ihren Kollegen nachdenklich.
„Es war gar nicht mal so leicht das alles aus dem seltsamen Mann im Schloss
herauszukriegen." sagte sie.
„Aber der Professor hat ja immer so eine... äh... charmante Art die Menschen um
Informationen zu bitten und da war er dann doch irgendwann bereit mit der
Sprache herauszurücken."
Snape nickte zufrieden. „Eben. Und der kleine Lähmungszauber damit er nicht
wegläuft, hat sicher auch keinen bleibenden Schaden hinterlassen.
Es liefe alles gut, wenn nur der Commodore sich nicht in unser Vorhaben
einmischen würde."
„Er will versuchen, das Gegenportrait an sich zu bringen und es zu zerstören."
erklärte Blaue Feder verzweifelt Will, dem Captain und Aquine.
„Ich sollte ihm dabei helfen. Weil er es als eine Gefahr ansieht, dass
unbekannte Personen aus der Zukunft auf diese Weise in die Karibik gelangen..."
Sie machte eine kleine Pause. „Ich denke, wir sollten jetzt wirklich aufbrechen."
Die Gruppe machte sich auf den Weg zu einem Hinterausgang, welcher zu ihrem
großen Glück gerade unbewacht war.
Wahrscheinlich
hatten die Wachen die Flucht der Gefangenen bereits bemerkt und schwirrten
suchend im Schloss herum, während ihre Beute durch das kleine Hintertürchen
längst entkommen war.
*~*~*~*~*
Kapitel
4) Die Suche kann beginnen
Die Morgensonne strahlte, als alle Personen in einiger Entfernung vom Gebäude
wieder an der frischen Luft standen.
Der
Professor verzog sein Gesicht, als er bemerkte wie warm es an diesem Tag werden
würde. Aber eines schwor er sich: er würde kein einziges Kleidungsstück
ablegen... sonst könnte ja seine vornehme Blässe erheblichen Schaden nehmen.
Snape packte mit Abscheu in seinen Kragen und versuchte
ihn etwas zu lockern, ohne dabei auch nur einen einzigen Knopf zu öffnen.
Die bunt zusammengewürfelte Gruppe bewegte sich rasch vom Palast weg, immer in
Deckung bleibend und nervös hinter sich schauend, um eventuelle Verfolger früh
genug auszumachen.
"Psssssst! Was war das??", fragte Merlina plötzlich und blieb wie
angewurzelt stehen, so dass Will Turner fast auflief.
Alle lauschten angestrengt in die beginnende
Morgendämmerung, die den Himmel am Horizont schon in ein blasses Rosa tauchte
und das schwarze Wasser des Meeres wieder behutsam zum Blau führte.
"Da! Da war es wieder! Hört ihr es auch? Es kommt von......da?!"
Alle drehten sich zu Captain Sparrow um, der leicht errötend die Hand auf
seinen Magen legte und ein schiefes, etwas verlegenes Grinsen zeigte.
"Tschuldigung! Das war mein Magen. Er ist es einfach gewohnt, um diese
Zeit etwas zu bekommen....", meinte Sparrow und zuckte mit den Achseln.
"Muggel..."
Snape schickte einen genervten Blick zum Himmel, zog seinen Zauberstab aus dem
Ärmel, fuchtelte angewidert damit herum und sprach eine kurze Formel.
"Plop!" Entgeistert starrte er mit dem Rest der Gruppe auf das
verrunzelte, armselige, faule Äpfelchen, das er nun in der Hand hielt.
Sparrow hüstelte.
Snape brauchte Sekunden, um sich wieder zu fangen. "Nun... es scheint, als
hätte der Zeitenporter leichte Auswirkungen auf gewisse....Dinge..."
"Scheint so...", grinste Sparrow und wurde im nächsten Moment von
seinem eigenen Magen übertönt.
Aquine zog mit einem raschen Griff unter ihren Umhang einen rotbackigen, dicken
Apfel hervor und reichte ihn Sparrow.
"Das wird sicher fürs erste reichen!", lächelte sie ihn an und warf
ihre schwarzen Haare nach hinten.
Sparrow stellte genau in diesem Moment erstaunt fest, dass sie wunderschöne braune
Augen hatte, die ihn lachend mit einer unausgesprochenen Frage und einem
lockenden Versprechen anblickten.
"Danke.", murmelte er, nahm den Apfel aus ihrer Hand, zögerte eine
Sekunde und biss dann herzhaft hinein, ohne den Blick von ihr zu abzuwenden.
"Wenn ihr fertig seid, können wir vielleicht weiter?", fragte Will
leicht genervt. "Wir sollten vielleicht den Markt ansteuern, um etwas
Essbares für alle zu organisieren...?"
Alle nickten beifällig, bis auf Snape, der mit tiefer Stirnfalte immer noch
irritiert auf den Apfel starrte.
"Mach dir nichts draus! Kann doch jedem mal passieren", sagte Sparrow
heiter und wandte sich zum Gehen, gerade rechtzeitig, um den vernichtenden
Blick Snapes nicht mehr wahrzunehmen.
Die
Gruppe machte sich auf den Weg in das Stadtzentrum, wo ein geschäftiges Treiben
auf dem morgendlichen Markt stattfand.
Jack winkte die anderen herüber zum Obstladen - dort war eine große Auswahl an
Früchten und Spezialitäten.
Hinter der Theke stand eine stämmige Frau, die ihre Hände in die Hüften
stemmte.
„Hoben Schie sich entschieden?" fragte sie und war dabei schwer zu verstehen,
weil sie an einer goldgelben Banane kaute.
„Was haben Sie gesagt?" fragte Jack, der mit einem halben Ohr hingehört hatte
und entschied sich in Gedanken für eines der roten Weintraubenbündel.
„Wosch Schie von moiner Ware kaufen wollen!" wiederholte die Frau und spuckte
dabei aus Versehen Snape ein Stückchen Banane ins Gesicht.
Der verzog angewidert den Mund und polterte darauf los, dass jetzt alle einen
gemischten Korb von dem Zeugs da wollten („Und das ganze wenn möglich ein wenig
plötzlich!").
Allerdings war er im Gegensatz zu seinen Schülern an jemanden geraten, der sich
nicht so leicht einschüchtern ließ.
Die Verkäuferin stapfte um den Tisch herum und baute sich dickfellig vor dem
Professor auf.
Will, der Unheil kommen sah, stellte sich schnell zwischen die beiden und
wandte sich an die Verkäuferin:
„Sie haben nicht etwas ungewöhnliches hier gesehen? Ein Portrait das in der
letzten Zeit hier aufgetaucht ist, oder ein junges Mädchen mit schwarzer Robe
das an ihrem Obststand vorbei lief?"
Sie schüttelte den Kopf und gab den Ratschlag, bei Wunsch nach Informationen
zum Seher der Stadt zu gehen.
Der wäre zwar ein komischer Kauz, hätte aber mit fast allen wichtigen Personen
in der Stadt Kontakt und wüsste daher bestimmt was zu tun wäre.
Also verstaute man alle Nahrungsrationen und machte man sich auf den Weg zum
Tempel.
*~*~*~*~*
Merlina und Aquine fanden als erstes den Weg in den abgedunkelten Raum, in dem
sich der Seher aufhielt.
Der Seher machte eine theatralische Geste und rief mit hallender Stimme:
„Sagt nichts, Unwürdige!
Mein inneres Auge sieht wer ihr seid, was Euer Begehr ist und wohin die Reise
des Schicksals euch führen wird!"
Die beiden Tempelpriesterinnen Sam und Nikki bemühten sich um einen ernsten
Gesichtsausdruck, da der Gute sowohl an Körpersprache als auch an Lautstärke
stets übertreiben musste.
„So, wer sind wir denn?" fragte Jack.
Der
Seher war mit Narben übersät und hatte eine kleine eingefallene Nase, sein Atem
stank nach gutem Gebrannten und altem Fisch.
Man konnte ihn sicher 15 km gegen den Wind wahrnehmen, wenn er den Mund
öffnete.
"Wer ihr seid?", donnerte er und hob die Faust in die Höhe. "Ihr
seid unerwünscht, da ihr dem Seher... (ein Donnerschlag erschallte) ... keine
Gaben mitgebracht habt!" Er kratzte sich am Kopf und rülpste laut.
Will blickte sich um und schnappte Jack seinen Rationsbeutel weg, bevor er
ehrerbietig sprach: "Vergebt uns, großer Seher. Wir haben Euch natürlich
etwas mitgebracht!"
Jack murrte entgeistert: "Weshalb meiner? Du kannst doch deinen oder den
von <Black Beauty> dort drüben nehmen."
Der
Seher schnappte sich blitzschnell das Päckchen und wog es nachdenklich in
seiner Hand.
"Hm....was wollt ihr denn wissen?", fragte er und bohrte sich dabei
lustvoll in seinem schwarzen Backenzahn.
"Nun,
wir wüssten gerne etwas über ein Bild, ein Portrait, um genauer zu sein.",
antwortete Merlina ungeduldig.
Jack Sparrow trat rasch hervor und sprach in salbungsvollem Tonfall, der seine
Wichtigkeit deutlich unterstrich: "Ein Portrait von mir!"
Der Alte schaute ihn mit zusammengekniffenen Augen düster an.
"Nun,
so eine wichtige Information ist nicht für ein bisschen Obst zu haben, mein
Lieber!"
"Was wollen Sie denn?", fragte Will Turner, wobei auch in seiner
Stimme nun die Ungeduld die Oberhand gewann.
"Ich will...", der Alte schien zu überlegen, " Ich will ein
heißes Tänzchen von der da!" Er deutete auf Aquine, die augenblicklich
errötete.
Alle blickten erst ihn und dann Aquine entgeistert an.
"Nun, dann, also tanzen Sie endlich!", stieß Snape genervt hervor.
"Aber ...aber ...ich!", versuchte Aquine etwas Zeit zu gewinnen.
Schließlich trat Sparrow schützend vor sie und raunzte den Alten an: "Denk
dir gefälligst was anderes aus, du alter Lustmolch!"
Aquine blickte ihn dankbar lächelnd an mit einem Augenaufschlag, der Sparrow an
ein scheues Reh erinnerte und Sparrow erwiderte diesen Blick mit seinen
dunklen, warmen Augen, die Aquines Knie erzittern ließen.
"Hmmmm, gut, dann will ich...den schwarzen Gehrock von dem da!". Er
deutete auf Snape.
Snape fasste sich unwillkürlich an seinen Kragen und wollte gerade ärgerlich
etwas erwidern, als Sparrow ihm ins Wort fiel.
"Los,
mach schon, wir haben keine Wahl!"
Alle blickten auffordernd zu Snape, der vollkommen entrüstet in die Runde
blickte.
Jedoch
half auch hartnäckiger Protest nicht die Situation zu ändern, der Seher hatte
an seinem Gehrock Gefallen gefunden und Snape warf einen jammervollen Blick zur
Tempeldecke.
Schließlich begann er an den zahlreichen Knöpfen des Kleidungsstücks
herumzunesteln und nahm, als ihm dies zu zeitaufwendig wurde, seinen Zauberstab
zu Hilfe um die Sache zu beschleunigen.
Dummerweise hatte er in der Aufregung vergessen, dass sein Zauber aufgrund der
Zeitverschiebung nicht so zuverlässig wie üblich funktionierte.
Ein
lauter Knall ertönte und anstatt der gewünschten, begannen alle Knöpfe sich
vollständig von seiner Kleidung abzulösen.
Verzweifelt zog Snape seine Hose wieder hoch bevor sie ganz auf dem Boden
ankam, doch es war schon zu spät und jeder der Umstehenden hatte - ob
freiwillig oder nicht - einen Blick auf seine weiße Unterhose geworfen.
„WENN ES AUCH NUR EINER WAGT ZU LACHEN DANN GARANTIERE ICH, DASS ER IN DEN
NÄCHSTEN 6 WOCHEN DAZU NICHT MEHR DAZU IN DER LAGE SEIN WIRD!"
schallte Snape durch den Raum, während er dem Seher mit hochrotem Kopf den
schwarzen Gehrock übergab.
Von den anderen hörte man nur ein unterdrücktes Prusten während der Seher
verkündete, dass der Gehrock ihm nun ausreiche um den Schicksalsspruch zu
verkünden.
Er warf den Kopf zurück und verfiel in eine Mischung aus lautstarkem Gemurmel
und leisem Meditieren. Dann verdrehte er die Augen und sprach wie im
Tranchezustand:
„Ihr müsst zum Anwesen von Ebert Hohenstein, jener hat das gesuchte Portrait
bei sich in der Wohnung an die Wand gehängt. Und dort werdet ihr auch
herausfinden, wo sich das Camel of Camelot aufhält."
Tempelpriesterin Nikki flüsterte leise zu Sam: „Es ist doch immer wieder
erstaunlich, wie treffsicher seine Aussagen sind." „Ja," antwortete diese und
schüttelte den Kopf, „besonders weil Hohenstein erst gestern hier zu Besuch war
und ihm von seinem neuen Portrait erzählt hat."
Merlina, Blaue Feder und Aquine bedankten sich für die Information und man
machte sich auf den Weg zum Anwesen von Hohenstein. (Snape, für den dieser Tag
sowieso gestorben war, trug mittlerweile ein geliehenes Oberteil in
dunkelblauer Farbe)
Weil das Anwesen außerhalb der Stadt lag und schwer zu finden war, hatte der
Seher den Reisenden die beiden Tempelpriesterinnen mit auf den Weg geschickt,
um den richtigen Weg zu weisen.
Kapitel
5) Die vielfältigen Wege des Hohensteins
Sam und Nikki schritten in ihren violetten Gewändern voran und nach langem
Fußmarsch stand man vor einer riesigen Mauer, die Hohensteins Anwesen umgab.
Seltsam war, dass sich in dieser Mauer kein Eingang befand.
Nachdem man das Gebiet mehrmals umschritten hatte, kam Will auf die Idee vom
höchsten Hügel in der Nähe auf die Mauer zu klettern und dann
herunterzuspringen.
Als Aquine mit dem Sprung nach unten an der Reihe war, fing Sparrow sie mit
einer galanten Bewegung auf. Aquine kicherte und Will grummelte, dass auch bei
ihm Hilfe gar nicht unangebracht gewesen wäre, als er sich oben auf der Mauer
in einer der riesigen Kletterpflanzen verfangen hatte.
„Wollt ihr beide uns weiter begleiten?" fragte Merlina überrascht als auch Sam
und Nikki über die Mauer kletterten.
„Ich
denke, dass ihr noch ein bisschen Hilfe gebrauchen könnt." lächelte Nikki.
„Außerdem sind unsere Arbeiten für den Tempel im Moment sowieso schon alle
erledigt."
Die Gruppe begann sich auf dem Gelände umzusehen.
Das Gelände um das Anwesen herum
war sehr verwildert und da die Dämmerung bereits einsetzte, konnte man schon
nach wenigen Minuten kaum noch etwas sehen.
"Haben Sie nicht irgendeinen Trick auf Lager,
damit es ein bisschen heller wird?", raunte Will Professor Snape zu.
"Nein, um Himmels Willen nicht wieder einer
seiner Tricks!", stichelte Sparrow.
Snape blickte ihn sekundenlang so scharf an, dass
Sparrows Augen fast anfingen zu tränen und er schließlich irritiert und
hilfesuchend zu Aquine blickte.
"Ähhh..ich mein ja nur...!"
"Könnt ihr vielleicht aufhören euch zu
streiten!! Wir suchen hier schließlich das Camel of Camelot." fauchte
Merlina und setzte dann leise hinzu:" Es geht vielleicht um ihr
Leben...."
Will hüstelte.
"Wie sieht Camel eigentlich aus...?"
Merlina zog das Bild eines jungen Mädchens mit
klugen, tiefblauen Augen und langen dunkelblonden Haaren aus ihrem Ärmel und
zeigte es Will Turner.
Will betrachtete das Bild sehr lange, dann seufzte er
aus tiefstem Herzen, sah Merlina ernst an und gab ihr das Bild zurück.
"Ich verspreche Ihnen, Merlina, dass ich alles
tun werde, um sie Ihnen wohlbehalten wiederzubringen...."(Elbenblick!!)
*~*~*~*~*
In diesem düsteren Gelände war es wirklich verdammt
schwer, sich zurecht zu finden.
Wäre nicht das Licht aus den
Fenstern von Hohensteins Anwesen gewesen, hätte sich die Gruppe nirgendwo
orientieren können. Fluchend stolperte unser Grüppchen durch das Dickicht.
Will - beflügelt vom Bilde des
Camels of Camelot - und Sparrow, die ja beide an solche Aktionen gewohnt waren,
schien das allerdings nichts auszumachen. Die beiden hatten sich gerne dazu
bereit erklärt voraus zu gehen und alles auszukundschaften.
Aquine wurde gestützt durch Sparrow, der angefangen
hatte sie teilweise sogar zu tragen ("damit sie nicht aus Versehen über
ihre ansehnlichen Füße stolpert") und war damit lachend und mit Jack
schäkernd ebenfalls bei den vorderen.
Währenddessen blieb Severus zurück um auf die Frauen
aufzupassen, die seiner Meinung nach die größte Gefahr darstellten.
Nicht nur, weil sie sich in endlosen Debatten darüber
ergingen welcher der anwesenden Männer vorteilhafter war (eine Diskussion die
er natürlich ignorierte, bei der er aber nicht überhören konnte wie oft sein
Name fiel. Besonders zwischen Merlina und Nikki, während Blaue Feder mit Sam
immer wieder die Vorteile der voran gegangenen erörterte), die Frauen fluchten
auch immer wieder wortreich und laut weil sie stolperten.
Und da er ja Erfahrung hatte schwierige Schüler zur
Ordnung zu rufen, war er natürlich der perfekte Kandidat um die Frauen in Zaum
zu halten.
Aber es erwies sich als schwierig da diese Frauen
"den Blick" in der Dunkelheit nicht sahen und außerdem nicht so
wirkten, als würden sie darauf reagieren.
Und ehrlich gesagt hatte auch er
Probleme hier ohne zu stolpern zu gehen, aber er wollte sich natürlich nichts
anmerken lassen, wenn er seinen Ruf behalten wollte (außerdem würde es der
schmeichelhaften Diskussion zwischen den Frauen, wer am elegantesten wirkt
nicht zu seinem Vorteil entgegen wirken).
Ach was sollte diese alberne Regel, dass er kein
Licht benutzen durfte schon! "Lumos" murmelte Severus. Ah, endlich
sah er seine Füße wieder.
Leider sah er noch etwas. Nur zwei
Meter von ihm entfernt, starrte ihn jemand an, dessen Gesicht er hier als
letztes erwartet hätte.
"Miss Serpentina!", zischte er völlig
ungehalten und viel zu laut angesichts der prekären Situation in der sie sich
alle befanden, der anmutigen und bildschönen jungen Frau entgegen, die ihn
unsicher und verstört anlächelte.
"Professor...", flüsterte sie und legte
ihren Finger auf die Lippen. "Pssssst!"
"Wo zum Teufel kommen sie denn jetzt noch
her!!!", fuhr er sie schon etwas leiser, aber immer noch verärgert an.
"Ich übermittle eine Botschaft von Professor
Dumbledore! Er weiß mittlerweile, dass Sie beim Ausflug das Camel of Camelot
verloren haben und auch, dass es mit dem Portrait zusammenhängt. Ich selber
habe nun das Bild benutzt um sie zu warnen. Die Lage spitzt sich zu, Professor!
Der dunkle Lord hat Informationen über die Angelegenheit und versucht nun, uns
zuvorzukommen.
Er will sämtliche einflussreiche
Personen in die Karibik verfrachten und dann das zweite Portrait zerstören,
damit wir alle hier für immer gefangen sind! Wir müssen uns beeilen und ihm
zuvorkommen!"
Snape war bei den letzten Worten Serpentinas sehr
blass geworden. Die Anstrengungen der letzten Tage und die Hitze dieser
südlichen Gefilde hatten ihm viel mehr zugesetzt, als er sich selbst
eingestehen wollte. Für einen kurzen Moment wankte er etwas, wirkte unsicher,
doch als er dem fragenden Blick Jack Sparrows begegnete, ging ein Ruck durch
seinen Körper.
"Wir werden uns jetzt sehr genau überlegen, wie
wir weiter vorgehen müssen!!
Unüberlegte, heldenhafte
Handlungen bringen uns absolut nicht weiter!", stieß Snape leise hervor
und blickte dabei finster von Sparrow zu Turner und zurück. Er wischte sich
kleine Schweißperlen von der Stirn, angestrengt bemüht, sich seine plötzlich
aufkommende Schwäche nicht anmerken zu lassen.
Das letzte was er wahrnahm, war der besorgte Blick
Merlinas, dann wurde es schwarz um ihn...
Sparrow beugte sich als erster über ihn und blickte
den bewusstlos am Boden Liegenden aus seinen schwarz umrandeten Augen erstaunt
und besorgt an.
"Auch das noch! Ein Hitzeschlag! Ich wusste
gleich, dass er nicht viel aushält."
"KALTE TÜCHER UND EINEN EIMER MIT EISKALTEM
WASSER!!! ZACK, ZACK!!", brüllte Merlina entsetzt und achtete kein
bisschen auf die Lautstärke.
Captain Jack Sparrow stellte sich süffisant vor sie
und grinste: "Ein wenig lauter geht's nicht noch? Also, wo sollen wir
hier", er zeigte auf die Finsternis um sie herum, "bitte Wasser in
einem Eimer und einige Tücher herbekommen?"
Serpentina und Blaue Feder schlichen sich davon um
die benötigten Sachen zu suchen, denn Merlina zuckte schon verdächtig unruhig
mit den Mundwinkeln. Ein Zeichen, dass sie bald losschreien würde. Aquine fand
den Anblick der Sterne plötzlich sehr interessant und entfernte sich ein paar
Schritte.
Nikki und Sam begutachteten den Hitzegeschlagenen und
stellten fest, wie gut er eigentlich wirklich aussah und wie wenig er doch aushielt.
Und was war mit Will? Der hatte von dem Ganzen wieder
überhaupt nix mitbekommen und deshalb war er elbenhaft über Stock und Stein
gesprungen um 'sein' Camel zu retten. Das Risiko erwischt zu werden war ihm
gleichgültig... er hatte sich verliebt und diese große Liebe musste er retten.
"Lassen wir ihn einfach hier liegen. Den wird
schon keiner vermissen."
"WAS??? Er ist ein wirklich wichtiger Alchemist
in der Zukunft... ohne den... ich möchte nicht wissen, was ohne ihn in der
Schule los wäre..." Merlina verfiel von einem lauten Brüllen in ein
schockiertes und ungläubiges Krächzen.
Sie blickte Snape plötzlich sehr fürsorglich und
liebevoll an und bemerkte dabei, dass der Stress der letzten Tage seine
deutlichen Spuren bei ihm hinterlassen hatte.
Auch wenn er es nie zugeben würde, er hatte sich
schreckliche Sorgen um Camel gemacht und nun hatten die Hitze und die
Informationen von Serpentina ihm den Rest gegeben.
Captain Sparrow kam gerade mit einem rostigen
Wassereimer hinter einem Gebüsch hervor und deutete strahlend auf den
stinkenden, brackigen Tümpel, der ein paar Meter entfernt im Mondlicht
glitzerte.
Er wollte gerade ausholen und Snape die volle Ladung
über den Kopf schütten, als ihn der vernichtende Blick Merlinas zur Salzsäule
erstarren ließ.
"Wagen Sie es nicht!", zischte Merlina ihm
zu und er ließ den Eimer ergeben sinken.
"Geben Sie mir ihr Piratentuch!" Merlina
streckte die Hand sehr fordernd aus.
"Mein was...???" Sparrow blickte sie völlig
entrüstet an.
Aquine trat hinter ihn, lächelte ihn sanft an und
warf ihm unter ihren langen, seidigen Wimpern einen lockenden Blick zu...
"Captain, wenn es doch hilft...!"
Sparrow Unterkiefer klappte fast unmerklich auf und
während er Merlina das Tuch wortlos reichte, blickte er Aquine unverwandt in
die dunklen Augen...
Merlina riss ihm ungehalten das Tuch aus der Hand,
warf einen seufzenden Blick zum Himmel, tauchte das Tuch vorsichtig in den
Wassereimer und begann Snapes Stirn vorsichtig abzutupfen.
In diesem Augenblick hörten sie alle, bis auf
Professor Snape, das leise Rufen Will Turners...
"Ich habe etwas gefunden!" verkündete er
aus einigen Metern Entfernung. "Eine schwarze Falltür, die unter dem
feuchten Gestrüpp versteckt ist."
Sam und Nikki liefen in raschem Tempo zu Will und
alle drei bemühten sich nach Kräften, die schwere Platte am Eisenring
hochzuziehen.
Schließlich durchschnitt ein knarrendes Geräusch die
stickige Luft, der Eingang in die Tiefe öffnete sich.
Snape hatte inzwischen die Augen aufgeschlagen und
machte mit den Armen eine verzweifelte Ruderbewegung.
"Ich sehe alles in rot," keuchte er,
"was geschieht mit mir?"
Merlina klopfte ihm beruhigend auf die Schulter und
entfernte Sparrows Kopftuch von Snapes Gesicht, das während des Abtupfens über
seine Augen gerutscht war.
"Es ist alles in Ordnung, Professor. Sie hatten
nur einen Hitzeschlag und ich habe sie mit ein wenig Wasser wieder zu
Bewusstsein gebracht."
Snape rappelte sich vom Boden auf und meinte
seufzend, dass hoffentlich kein Hogwarts-Schüler jemals von den Ereignissen der
letzten Tage erfahren würde da sonst sein guter Ruf als Autoritätsperson auf
dem Spiel stünde.
Merlina konnte sich daraufhin ein Grinsen nicht
verkneifen und überlegte laut was er ihr wohl als Schweigegeld, auch bezogen
auf den neulichen Vorfall mit der Unterhose, geben würde.
Als Snape entsetzt aufkeuchte, versicherte sie ihm
schnell, dass es nur ein Scherz von ihr gewesen war.
Will winkte ungeduldig zu den beiden herüber.
"Wollt ihr nicht endlich hierher kommen? Wir könnten auch das Gelände
weiter erkunden, aber ich denke es lohnt sich zu sehen was man in diesem
Schacht vor uns verstecken will."
"Wer steigt zuerst herab?" fragte Jack und
tastete mit den Fingern nach einer Leiter, oder etwas an dem man sich
festhalten konnte.
Blaue Feder überlegte zweifelnd ob sie als erste
gehen sollte und beugte sich, bei dem Versuch etwas zu erkennen, ein wenig zu
weit vor.
Damit hatte sich die Frage wer zuerst springt
erledigt, zu ihrem Glück war der Sturz nicht allzu tief und sie kam unverletzt
auf.
"Hier sind Gänge in mehrere Richtungen!"
sagte Sam als alle am Boden waren. "Welchen Weg sollen wir nehmen!"
Kapitel 6) Verwirrendes Spiel
In diesem Augenblick ertönte ein verzweifeltes Rufen
weit hinter ihnen, das aber so weit weg war, dass die Worte nicht zu verstehen
waren.
Merlina spitzte die Ohren und meinte erschrocken:
"Das ist die Stimme von Camel! Es kommt aus dieser Richtung, wir müssen
hier entlang."
Alle liefen in schnellem Tempo durch die Dunkelheit
und standen schließlich vor einer schweren Eisentür.
"ALOHOMORA!" rief Snape und war
erleichtert, dass sein Zauber wenigstens dieses mal funktionierte. Die Tür
sprang zur Seite und die Gruppe eilte in den großen Saal hinein.
Dort in der Mitte des Raumes stand, ihnen fröhlich zuwinkend...
eine junge Frau mit Kapuze, aus der blonde Haare heraus schauten. Das musste
das Camel of Camelot sein!
Will, froh dass ihr nichts passiert war, lief auf sie
in einem Tempo zu, dass die anderen ihm in Angst um ihre Füße vorsichtshalber
aus dem Weg traten.
Plötzlich schloss sich die schwere Eisentür hinter
ihnen mit einem lauten Knall.
Alle sahen sich verwundert um, da
von der Gruppe niemand in der Nähe der Tür gestanden hatte.
"Ist außer uns noch jemand hier?" fragte
Will und drehte sich fragend zu dem Mädchen vor ihm.
"Nein, ich bin alleine hierher gerannt."
antwortete sie mit freundlicher Stimme, woraufhin der Waffenschmied den Degen
wieder zurücksteckte und sie glücklich anstrahlte.
In diesem Moment kam eine Gestalt in den Raum
gelaufen, doch sie war mehrere Meter über ihnen auf einem hohen Felsvorsprung.
Sie gestikulierte aufgeregt mit den Händen zu der Gruppe nach unten.
"Wer ist das?" staunte Jack. "Sie
sieht genauso aus wie das Camel auf dem Foto."
"Ich BIN das Camel of Camelot!" rief die
junge Frau verzweifelt von oben herab. "Die andere Person ist eine
Betrügerin.
LAUFT, das ist eine Falle!"
Will zuckte erschrocken zusammen und schob die Person
vor ihm unsanft zur Seite. "Nicht doch, Miss, wir verlassen diesen Raum
alle zusammen oder gar nicht!"
Nikki war etwas verwirrt und
wandte sich an Blaue Feder "Wenn das da oben das Camel of Camelot ist, wen
haben wir dann hier unten?" Blaue Feder zuckte nur mit den Schultern und
meinte: "Ich schätze mal eine Doppelgängerin," dann wandte sie sich
wieder dem Spektakel zu.
Nikki war damit nicht zufrieden. Scheinbar schien BF
hier keine große Hilfe zu sein. Also tippte sie Merlina an, die das Camel gut
zu kennen schien.
"Ich will ja nicht stören, aber wie finden wir
heraus wer echt ist?" Merlina drehte sich zu ihr um zu antworten, aber in
diesem Moment landete das untere Camel of Camelot durch einen schnellen Schub
Will Turners in den starken Armen Jack Sparrows, der mit gekonntem Griff jede
Bewegung unterband.
Er nickte in Richtung Snape, der schon begriffen
hatte und mit einem schnellen "Stupor" reagierte. Starr lag das
untere Camel of Camelot in Sparrows Armen, der das Mädel sogleich auf dem Boden
ablegte, um Platz für Aquine zu schaffen, die wie er vermutete, darauf gewartet
hatte ihm in die Arme zu fallen und für seine Hilfe zu danken.
Diese allerdings beachtete ihn gar nicht, denn sie
wandte all ihre Aufmerksamkeit Sam zu, der gerade etwas an dem Camel auf dem
Vorsprung aufgefallen war und Aquine etwas zuflüsterte. Man merkte wie sich die
Gesichter beider anstarrten. Aquine begann die neben sich stehende Merlina
anzustoßen um auch sie auf etwas aufmerksam zu machen, das den Männern
entgangen war.
Merlina reagierte sichtlich genervt und vergaß die
angespannte Situation. "Könntest du mal bitte kurz warten, ich will Nikki
nur schnell etwas erklären.."
Aquine schien sich nicht gern
diesem Tonfall zu unterwerfen und entgegnete lautstark: "Kannst du mir mal
ganz kurz zuhören, wenn ich dir erklären will, dass dieses Camel auf dem
Vorsprung nicht echt sein kann? "
Leider geschah dies in einer
unüberhörbaren Lautstärke. Da aber alle fasziniert dem entwickelnden Streit
zuschauten, bemerkte keiner wie das obere Camel begann über Schleichwege hinab
zu steigen.
Nikki mischte sich in das Gespräch ein . "Warum
ist das nicht das echte Camel?"
Inzwischen hatte sich das obere
Camel unentdeckt hinter den Frauen im Schatten versteckt.
"Sie trägt grüne Zehensocken in ihren
Sandaletten.." Merlina erblasste, aber Nikki begriff nicht. "Versteh
ich nicht."
5 Minuten später begriff sie.
Es dämmerte ihr, kurz nachdem die Männer mit
Ganzkörperklammer am Boden lagen und etwa zu dem Zeitpunkt, als sie mit Hilfe
eines Seils aus Magie an Sam und Merlina gefesselt wurde.
Das überaus hübsche und kluge Camel war nicht nur
hübsch und klug, sondern auch voll Stilgefühl und würde deswegen nie grüne
Zehensocken in Sandaletten tragen.
Ein wichtiger, aber für Männer unbemerkbarer
Unterschied.
Ihre Gedanken wurden unterbrochen, als sich das
falsche Camel vor ihnen aufbaute.
"Wie kann man nur so unfähig
sein!?!", zischte das "falsche" Camel voller Genugtuung von oben
herab auf die am Boden liegende Gesellschaft.
Snape zuckte beim Klang der nun unverstellten Stimme
leidend zusammen.
"Lucius...du?"
"Ja, ich!!!"
In diesem Moment verwandelte sich vor aller Augen das
anmutige Camel in einer Zeitraffermetamorphose in den viel größeren Lucius
Malfoy, was zur Folge hatte, dass sämtliche Kleidernähte platzten,
einschließlich der Zehensocken, die nun große, behaarte Männerzehen zum
Vorschein kommen ließen.
Alle starrten entsetzt und sprachlos auf dieses
Schauspiel, als Lucius auf das bewegungslose, echte Camel zusprang, sie auf
seine Arme nahm und mit ihr zusammen mit irrem Lachen eilig durch einen Gang
verschwand.
"Na, toll! Und wer war das!?!" fragte
Captain Sparrow völlig genervt, aber bis auf sein Mundwerk bewegungsunfähig.
Und zu Snape gewandt: "Hey, großer
Zauberer...wie wärs jetzt mit einem kleinen Kunststück???"
Snapes Augen verengten sich zu winzigen Schlitzen."
Mein nächstes Kunststück überlebst du vielleicht nicht...!", stieß er
leise und widerwillig hervor.
"Mann, bleib cool...!", grinste Sparrow.
In der Zwischenzeit hatten Sam, Nikki, Merlina, Blaue
Feder und Serpentina bereits das scharfe Metallstück in der Ecke des Raumes
bemerkt, mit dem man, unter Verwendung des entsprechenden Zauberspruchs,
durchaus auch magische Seile durchtrennen konnte.
Sie rollten sich zielstrebig zu fünft durch den
staubigen Raum, während Sparrow und Snape sich verbale Gefechte lieferten (man
könnte auch sagen "zankten") und Will Turner, der die Frauen
interessiert beobachtete, das weitere Vorgehen überdachte. Er seufzte.... Camel
hatte sein Herz gewonnen...er musste sie befreien...koste es was es wolle...(Elbenblick!)
Schließlich hatten die Frauen den
spitzen Gegenstand erreicht und Blaue Feder angelte mit den Zähnen danach, bis
sie ihn im Mund hatte. Sie versuchte die Fesseln damit zu lockern.
„Professor!" rief Nikki. „Wir bräuchten mal kurz
einen Zauberspruch zur Unterstützung!"
Snape unterbrach für einen kurzen Augenblick die
Diskussion mit Sparrow und gab ein wenig knirschend zu, dass sein Zauber, der
in dieser Welt sowieso schon durcheinander gebracht war, ohne die gebündelte
Kraft seines Zauberstabes wohl noch weniger ausrichten könne.
Sein Zauberstab lag einige Meter neben ihm,
wenigstens hatte Lucius vergessen ihn in Gewahrsam zu nehmen.
Da Severus sich nicht bewegen konnte, unternahm er
mit Worten einen verzweifelten Versuch: „Libera!" und tatsächlich gelang es
Blaue Feder mit Unterstützung seines Spruches die Fesseln zu lösen.
Gerade noch rechtzeitig befreite Merlina die
männlichen Mitstreiter von der Ganzkörperklammer, als sich auch schon die
schwarze Eingangstür öffnete und sechs Männer in grauen Umhängen herein
stürmten.
„Nanu!" rief einer von ihnen. „Wieso laufen die frei
herum? Ich dachte Lucius hat sich um sie gekümmert..."
Sofort zogen Jack und Will ihre Degen und Snape
zückte seinen Zauberstab.
Ein heftiger Kampf entbrannte, bei dem Sam mit Geschick
und Glück zwei Todesser auf einmal schachmatt setzte, indem sie dem einem ein
Bein stellte, der stolpernd gleich auf den nächsten fiel.
Beide bekamen anschließend von Serpentina mit einem
Holzstück noch einen kräftigen Schlag auf den Hinterkopf.
Die Todesser hatten erst jetzt gemerkt, dass die
Reise in die Vergangenheit ihrer Zauberkraft erheblich geschadet hatte und
waren durch den Überraschungseffekt erheblich im Nachteil.
„Kommt ihr alleine zurecht??" rief Will, als nur noch
drei Todesser als Gegner aufrecht standen.
„Ich muss diesem blonden Zauberer hinterherlaufen,
sonst ist er mit Camel schon längst verschwunden bis wir hier fertig sind!"
„Ja, ich denke wir schaffen es, Du solltest Dich
lieber beeilen!" keuchte Snape, der gerade mit Genugtuung beobachtete, wie ein
Todesser versuchte einen „Crucio"- Fluch auszusprechen.
Statt der erwarteten Strahlen flossen aus dessen
Zauberstab ein paar klägliche Limonade-Tropfen, die langsam in den Rillen des
Steinfußbodens versickerten.
*~*~*~*~*
Will rannte so schnell er konnte die dunklen Gänge
entlang. Von Lucius und dem Camel of Camelot nirgendwo eine Spur.
„Das darf nicht wahr sein, sie haben viel zu viel
Vorsprung." presste der Waffenschmied zwischen den Zähnen hervor. Das Blut
pochte in seinen Adern und zwischendurch hielt er immer wieder kurz an, um zu
lauschen ob von irgendwo ein verdächtiges Geräusch zu hören war.
Er hörte von irgendwo her ein dumpfes Echo, das sich
wie das Zuschlagen einer Tür anhörte.
Leise schlich er näher und stand schließlich vor
einer schweren Eisenpforte, die aber nur angelehnt war.
Die Stimme von Lucius drang näselnd durch den
Türspalt: „Eigentlich dürftest Du Dich doch freuen, meinem Herrn und Meister
hilfreich gewesen zu sein, nicht wahr, Fräulein... Wenn wir Dich nicht
gefangengenommen hätten, dann wären wir auch nicht auf die Idee gekommen Deinen
Freunden mit einer Doppelgängerin eine Falle zu stellen."
Er lachte boshaft.
„Damit werden Sie bestimmt keinen Erfolg haben."
lächelte Camel wütend. Sie bemühte sich ruhig zu bleiben, da es diesen Kerl
bestimmt nur amüsieren würde wenn sie ihre Nerven verlor und ihn anschrie.
„Ich bin mir sicher, dass meine Freunde nicht so
leicht aufgeben werden und nicht mehr lange, dann haben Sie das gesamte
Zaubereiministerium auf dem Hals..." setzte sie gelassen hinzu.
In diesem Moment öffnete der Waffenschmied mit einem
lauten Knall die Metalltür, so dass Lucius, der mit dem Rücken zu ihm stand,
zusammenzuckte.
„Sie?" rief Camel erfreut aus, die auf einen Stuhl
gefesselt war. „Ich dachte, die Todesser hätten Sie und die anderen mit dieser
Falle außer Gefecht gesetzt..."
„Es ist nicht so leicht, uns außer Gefecht zu
setzen!" erwiderte Will und hüstelte stolz. „Vor allem nicht, wenn es darum
geht eine junge Dame aus der Gefahr zu befreien..."
Camel errötete. „Verzeihen Sie mir, dass ich sagte,
es wären außer mir keine weiteren Personen im Raum. Ich stand unter einem
Zauber."
„Sie können nichts dafür, dass diese grässlichen
Leute sie mit einem Zauber belegt haben." versicherte Will, „Sie brauchen mich
nicht zu Siezen, mein Name ist Will Turner..."
„He!" zischte Lucius ihm zu, der das Vorgehen
misstrauisch beobachtet hatte. „Bin ich eigentlich Luft mittlerweile? Ich bin
ein gefährlicher Todesser und du Wicht wirst es noch büßen hier einfach
hereinzuplatzen!"
Malfoy zog seinen Zauberstab, aus dem ein paar
bösartige Funken heraus sprühten und näherte sich Will. Er zielte mit der
Spitze des Zauberstabes schlangenartig auf ihn und hob an:
„AVADA...."
Doch bevor er zu Ende gesprochen hatte, griff der
Waffenschmied blitzschnell nach dem auf ihn gerichteten Zauberstab und steckte
in zu sich in die Jackentasche.
Lucius klappte vor Erstaunen der Unterkiefer
herunter.
Turner wandte sich erleichtert wieder um und stellte
fest: „Am besten gehen wir jetzt zu den anderen, es könnte sein dass sie noch
etwas Hilfe benötigen."
Er befreite Camel von den Fesseln und die beiden
gingen auf den Ausgang zu.
„Ja und... aber was ist jetzt mit m-i-r?" stammelte
Lucius. IHR KÖNNT DOCH NICHT EINFACH RAUS GEHEN UND MICH HIER STEHENLASSEN!"
Er eilte den beiden mit vor Eifer rotem Kopf
hinterher und wollte ihnen den Weg abschneiden, doch Will und Camel hatten nur
Augen füreinander und ließen die Tür hinter sich ins Schloß fallen.
Das Dumme für Lucius war, dass sich die Tür bei
Zufallen automatisch schloss und er hatte vergessen, den Schlüssel mit in den
Raum zu nehmen.
„Warum beachtet mich eigentlich niemand, bin ich hier
eine Witzfigur oder was?" jammerte er verstört und warf das Sockenbündel, das
er sich als Ersatz für die kurz vorher geplatzten Socken geholt hatte gegen die
fest verschlossene Tür.
Kapitel
7) Begegnung mit Todessern
Will betrat mit der Schülerin den Saal wo er die
anderen zurück gelassen hatte.
Seine Freunde hatten die sechs Todesser mittlerweile
vollständig außer Gefecht gesetzt und in ihrer Mitte stand eine junge Frau, die
der Waffenschmied noch nie zuvor gesehen hatte.
Merlina rannte erleichtert auf Camel zu („Was für ein
Glück dass ihr nichts passiert ist!") und auch Snape war sichtlich erleichtert,
dass das sie nun wohlbehalten als letztes fehlendes Mitglied in der Gruppe war.
Blaue Feder ergriff das Wort zur Erklärung: „Das hier
ist Josephine, sie war als Gefangene der Todesser hinter einer geheimen Wand
versteckt...
„Und nicht nur das, sie weiß etwas über das zweite
Portrait!" nickte Sam aufgeregt.
„Die Todesser haben in ihrer Gegenwart darüber
geredet, wo es aller Wahrscheinlichkeit nach zu finden ist."
"Sie weiß etwas über das zweite Portrait?", fragte Will ein wenig langsam von Begriff. (A/N von Sam: Tjahaha, Liebe macht eben doch ein klein wenig dooooof!" *SeitenhiebaufAlodiedasliestabernichtm