Feedbacks: Sophia Sciencia
Dem Schicksal entgegentreten.
Hocherhobenen Hauptes.
Das ist es, was ich jetzt tun muss.
Ich habe meine Aufgabe erfüllt.
Selten habe ich gezögert, das zu tun, was von mir verlangt wurde.
Meine Tarnung war immer nahezu perfekt.
Jeder glaubte, ich würde auf seiner Seite stehen und nur ich allein weiß, wo meine wahre Loyalität liegt.
Lag.
Doch damit ist es nun vorbei.
Für jene, denen meine Treue galt, bin ich nun ein Mörder und Verräter.
Niemals werden sie mir verzeihen können, was ich getan habe, was ich tun musste.
Sie werden es nicht verstehen, sie wissen nichts von den geheimen Plänen.
Unseren Plänen.
Von den Befehlen, die ich befolgt habe.
Befolgen musste, weil ich es geschworen hatte, vor langer Zeit schon.
Sie alle werden nun glauben, er sei ein dummer alter Narr gewesen, dass er mir vertraute und dieser Gedanke schmerzt mich fast noch mehr, als das was sie über mich denken werden.
Ich bin mein Leben lange gehasst und verachtet worden, für mich ist das nichts Neues.
Aber er.
Er wurde geachtet, verehrt für seine Weisheit und nun werden all jene, welche ihn einst für weise gehalten hatten, ihn für seine scheinbare Dummheit und Naivität verachten.
Weil sie die Wahrheit nicht kennen.
Weil sie nichts von unseren geheimen Plänen wissen.
Dass sie mich verfolgen werden, mich jagen und töten, wenn sie mich erwischen, hat ihn an diesem Plan wohl am meisten bekümmert, so scheint es mir.
Doch wir hatten keine andere Wahl und ich selbst habe mich in diese Lage hineinmanövriert.
Wie konnte ich mich nur auf diesen Eid einlassen?
Für sie, die schon immer meine größte Schwäche war.
Schon seit ich ihr zum ersten Mal begegnet bin.
Sie ist schön, und sie verkörpert all das, was mir für immer unerreichbar ist.
Schönheit, Reichtum, eine vornehme Familie, Reinblütigkeit, eine hohe gesellschaftliche Stellung.
Deshalb war - bin - ich ihr verfallen.
Selbst jetzt noch, trotz allem, was vorgefallen ist.
Sie für mich zu gewinnen wäre das höchste aller erreichbaren - unerreichbaren - Ziele gewesen.
Ein Ziel, das ich nicht erreicht habe, nicht erreichen konnte.
Beinahe wie Hohn erscheint mir nun, was ich alles auf mich genommen habe, nur um ihr ebenbürtig zu werden.
Selbst jene, welche sich als die Elite unserer Gesellschaft bezeichnen, haben mich bei sich aufgenommen, obwohl ich nicht reinblütig bin.
Weil ich nützlich für sie bin.
Doch sie hat sich einem anderen geschenkt, bevor ich auch nur eine Chance bekam mich zu bewähren.
Einem, der ihr ebenbürtig ist.
Ebenso schön, ebenso reich und vornehm wie sie.
Der dieser Elite schon angehörte, lange bevor ich dazukam.
Und so habe ich niemals gewagt, es ihr zu sagen.
Was ich für sie empfinde.
Aber vielleicht ahnt sie es auch längst und nutzt es aus.
Weshalb sonst hätte sie sich ausgerechnet an mich wenden sollen?
Sie muss geahnt haben, dass ich ihr keine Bitte abschlagen kann.
Für wie kaltherzig man mich auch immer halten mag, ihre Tränen konnte ich nicht ertragen.
Ihre Verzweiflung zerriss mir das Herz.
Ein Herz, von dem jeder, der mich kennt, bezweifeln würde, dass es überhaupt existiert.
Bis auf ihn.
Er hat mir vertraut.
Er war mein Mentor, mein Ratgeber in schwierigen Lebenslagen.
Derjenige, der mir immer wieder Mut gemacht hat, wenn ich nicht weiter wusste.
Der Einzige, dem gegenüber ich Schwäche zeigen durfte.
Wenigstens habe ich ihn nicht hinterrücks verraten, wie seine Freunde nun glauben werden.
Nein, ich habe alles mit ihm besprochen und er hat letztendlich die Entscheidung getroffen.
Eine Entscheidung, die mir nicht sonderlich gefiel.
Dennoch, für das was wir planten, war dies die sinnvollste Lösung.
Das geringste der möglichen Übel.
Man vertraut mir jetzt.
Niemand wird mehr in Zweifel ziehen, dass dem Lord meine Loyalität gilt.
Ihm, der unsere Welt zu beherrschen trachtet.
Oh ja, „mein" Lord war sehr zufrieden mit mir.
Nach anfänglicher Verärgerung über meine Eigenmächtigkeit natürlich.
Nun wird er mir Informationen und Missionen anvertrauen, die von höchster Wichtigkeit sind.
Und ich werde sie sabotieren können.
Unauffällig, einige wenige zumindest.
Alles um den Preis eines Menschenlebens.
Das Leben eines alten Mannes, der ohnehin nicht mehr lange zu leben hatte.
Der bereits tödlich verwundet gewesen war, als wir diesen Plan schmiedeten.
Dennoch hätte ich ihm einen anderen Tod gewünscht.
Einen, der ihn nicht die Achtung und den Respekt seiner Getreuen gekostet hätte.
Um nur noch Mitleid übrig zu lassen.
Mitleid mit der törichten - tödlichen - Naivität eines gutgläubigen alten Narren.
Dessen tödlicher Fehler das Vertrauen in einen Menschen war, der seine Meinung geändert hat, doch wie heißt es so „treffend":
„wer einen Eid bricht, wird auch den zweiten brechen!"
Nun, sie alle werden denken, dass sie recht hatten, besonders dieser Bengel, der dazu aufgerufen ist, unsere Welt zu retten.
Ein Teenager, der zu verbohrt und arrogant ist, um vernünftige Ratschläge anzunehmen, wenn er den Ratgeber nicht mag.
Ich war mir nie zu fein dazu, auch von meinen Feinden Ratschläge anzunehmen.
Gerade von meinen Feinden.
Wie sonst hätte ich lernen sollen, wie ich sie besiegen kann?
Aber nicht Potter!
Natürlich nicht.
Er hat das ja nicht nötig.
Andererseits hat er offensichtlich Ratschläge aus einen Buch befolgt, dessen Vorbesitzer er nicht einmal kannte.
Vielleicht sollte ich ihm ein weiteres Buch zuspielen.
Eines, das ihm die richtigen Ratschläge gibt.
Vorzugsweise eines, das aussieht, als hätte sein Vater oder Black es geschrieben.
Oder vielleicht Dumbledore?
Dumme Idee!
Es wäre vermessen von mir, IHN kopieren zu wollen, auch wenn es zum Wohl unsere Welt wäre.
Und zynisch obendrein, da schließlich ich ihn auf dem Gewissen habe.
Dumbledore.
Dessen Weisheit uns allen ein Vorbild war.
Der sich letztendlich für uns alle, für unseren Plan geopfert hat.
Auch wenn er mehr seinen Ruf, als sein Leben geopfert hat.
Weil er ohnehin schon im Sterben lag.
Vergiftet von dem schwarzmagischen Trank aus der Höhle, den ich selbst zum für den Lord hergestellt habe, damals vor beinahe 20 Jahren.
Nicht wissend, wofür er gut sein sollte, denn von der Sache mit den Horcruxen hatte uns der Lord natürlich nichts erzählt.
Und so wusste ich nicht, was ihn und Potter in dieser Höhle erwarten würde und konnte ihn nicht warnen.
Ich habe so viele schwarzmagische Tränke für den Lord hergestellt, woher hätte ich wissen sollen, dass er gerade auf diesen treffen würde?
Gerade diesen, der der grausamste von allen ist, weil er nicht nur den Körper, sondern den Lebenswillen tötet.
Schlimmer als die Anwesenheit eines Dementors
So hatte es der Lord befohlen.
Und ich hatte gehorcht und dieses Gebräu entwickelt.
Zur Zufriedenheit des Lords.
Wie immer.
Wie konnte er so leichtsinnig sein, dieses Gebräu zu trinken?
Ich hatte ein Gegenmittel, ja, aber für dessen Einnahme war es längst zu spät.
Es wirkt ohnehin nur, wenn man gesund ist.
Er war nicht gesund, schon vorher nicht.
Das eine Jahr, das ihm meine schwarzmagischen Heilzauber hatten verschaffen können, war ja beinahe abgelaufen.
Oh, ja, die sogenannten dunklen Künste sind nicht nur schlecht, oder „böse".
Es kommt nur auf den Anwender, auf dessen Gesinnung an.
Wie überall im Leben.
Man kann auch mit Heilmethoden foltern und töten.
Und wer das was er bekämpfen will nicht kennt, kann es auch nicht besiegen.
Wie ich aus eigener Erfahrung weiß.
Als ich ihm dann auf dem Turm gegenüberstand, hatte ich keine andere Wahl mehr.
Und seine Botschaft war eindeutig.
Dies war der Moment der Entscheidung.
In Sekundenbruchteilen hatte er mir die Ereignisse der vergangenen Stunden übermittelt und ich wusste, dass ich ihn nicht würde retten können.
Es war zu spät.
Ganz abgesehen von Malfoy und den Todessern, die um ihn herumstanden.
Es war Zeit, den letzten Plan auszuführen.
Den Plan, unseren geheimen Plan, der alles verändern sollte.
Und ich tat es.
Mit Hass im Herzen, so wie es erforderlich war, damit der Zauber wirken kann.
Hass auf alle, unter denen ich in meinen Leben schon gelitten hatte.
Das waren viele.
Zu viele, doch nur dadurch konnte der Spruch wirken.
Gegen ihn, meinen weisen alten Mentor hätte ich keinen Hass empfinden können.
Doch das war auch nicht erforderlich.
Es ist eine Frage der Disziplin.
Der Fähigkeit, übertragen zu können.
So wie für einen Patronus keine wirklichen Erinnerungen nötig sind.
Da genügt eine angenehme Phantasie-Vorstellung.
Hauptsache, die erforderlichen Gefühle entstehen.
Sonst könnte ich sicherlich keinen Patronus beschwören.
Mein bisheriges Leben war nicht gerade reich an erfreulichen Ereignissen.
Und das wird sich nun wohl auch nicht mehr ändern.
Als wir unseren Plan schmiedeten, hatte ich noch gesagt, dass ich noch nicht sterben will.
Dass ich endlich anfangen will, zu leben.
Doch daraus wird nun wohl nichts mehr.
Das was mir nun bevorsteht, kann man nicht als Leben bezeichnen.
Zumindest nicht als die Art Leben, die ich mir gewünscht hätte.
Geliebt von Freunden, geachtet und respektiert von der Gesellschaft, erfolgreich bei meiner Arbeit.
Dunkle Künste anzuwenden, um mich gegen stärkere Feinde zu verteidigen, ja, das hatte ich gewollt, aber Wehrlose zu quälen war nie das, wonach ich gestrebt hatte.
Doch nun werde ich genau das tun müssen.
So wie früher.
Wie froh war ich gewesen, dass ich damit aufhören konnte, um meine Tarnung nicht zu gefährden.
Doch diese Tarnung existiert nicht mehr.
Schlimmer noch, ich habe nun den Ruf, besonders skrupellos zu sein.
Ich kann nur hoffen, dass sich meine Mitarbeit künftig auf die Herstellung von Tränken beschränken wird.
Das, was ich ohnehin am besten kann.
Dennoch ist das leider beliebig unwahrscheinlich.
Irgendjemand muss ja Lucius ersetzen.
In der Kommandohierarchie, nicht bei Narcissa.
Leider.
Sie doch noch für mich zu gewinnen wäre wenigstens eine Entschädigung gewesen für alles, was ich aufgeben musste.
Und was mir nun bevorsteht.
Dennoch:
Wäre sie das alles wert gewesen?
Früher vielleicht, doch jetzt?
Nachdem sie es war, die mich in diese Lage gebracht hat?
Skrupellos, ohne auch nur einen Gedanken daran zu verschwenden, was dies alles für mich bedeutet?
Sie empfindet mit Sicherheit nichts für mich.
Zumindest nicht das, was ich mir gewünscht hätte.
Für sie scheine ich bestenfalls nützlich zu sein.
So wie für die anderen auch.
So wie das überall der Fall zu sein scheint, wo man mich nicht hasst oder verabscheut:
Hässlich, zugegeben, aber nützlich.
Und so werde ich meinem Schicksal entgegengehen.
Hocherhobenen Hauptes, wie ich es immer getan habe.
Kalt und gefühllos wie sie mich kennen.
Wie der Lord mich schätzt.
Nicht gemocht oder gar geliebt, aber wenigstens für meine Fähigkeiten respektiert.
Nützlich eben.
Und nur ich allein werde wissen, wem meine Loyalität wirklich gilt.
Und werde meine Aufgabe zu Ende bringen.
Zum Sturz des dunklen Lords beitragen.
Zu seiner endgültigen Vernichtung.
Heimlich und unauffällig
Wissend, dass es mir niemand danken wird, weil niemand davon erfahren wird.
Und wenn sie mich dann verhaften und verurteilen, werde nur ich wissen, dass ich meine Schuld schon beglichen habe.
Dass ich die ganze Zeit über auf ihrer Seite stand.
Und ich werde das Urteil annehmen, das sie über mich sprechen werden.
Hocherhobenen Hauptes.
Severus Snape
28.6.1997