Sämtliche Charaktere aus den HP-Büchern gehören selbstverständlich J.K.
Rowling. Ich werde damit keinen Kommerz betreiben und habe sie mir nur
geliehen und meine Figur, Samara Snape, eingefügt.
Die Geschichte soll den
Weg von Severus Snape in die Dunkelheit beleuchten, und die Gründe erzählen
wie es vielleicht gewesen sein könnte.........Ich wünsche allen, die es
lesen viel Spaß dabei. Für Meinungen, konstruktive Kritik und sonstige
Feedbacks bin ich dankbar.
-
1 -Samara schlug
die Augen auf. Dunkelheit. Ihr Kopf schmerzte fürchterlich. Hämmernde Schläge
schienen ihr von innen heraus die Schläfen sprengen zu wollen, und sie schloß
erneut die Augen und versuchte sich zu erinnern. Was war geschehen ? Sie spürte
die lähmende Schwere in ihren Gliedern, beim Versuch sich ein wenig aus ihrer
liegenden Position aufzurichten. Es gelang ihr nicht. Sie kannte dieses Gefühl
aus ihrem früheren Leben in Freiheit. Jemand musste ihr einen schweren
Lähmzauber verabreicht haben, der sich nur sehr langsam wieder aus ihrem Körper
zurückzog. Aber wer ? Und wo war sie ? Die Finsternis um sie herum war
undurchdringbar. War sie noch in Askaban ? Doch das konnte nicht sein. Sie
spürte die allgegenwärtige Kälte, diese seelenlose Schwärze , die die
Dementoren verbreiteten eindeutig nicht mehr um sich herum. Und sie wusste,
dass dies eines der untrüglichsten Zeichen war, definitiv nicht mehr in Askaban
zu sein. Sie versuchte das Klopfen in ihrem Schädel zu ignorieren und konzentrierte
sich auf ihre letzte Erinnerung. Sie war in
ihrer Zelle in Askaban gewesen und hatte wie fast die ganzen letzten 8 Jahre
auf die Nacht gewartet, um wieder einen weiteren Tag hinter sich zu bringen
ohne den Verstand völlig zu verlieren. Sie hatte an ihn gedacht. An ihren Mann.
Ihren über alles geliebten Mann. Jenen Mann, der sich seit 8 Jahren, die sie in
Askaban war, nicht mehr um sie gekümmert hatte. Der sie nie versucht hatte zu
besuchen. Der ihr nie auch nur die kleinste Botschaft hatte zukommen lassen.
Der Mann, den sie seit acht Jahren nicht mehr gesehen hatte. Ob er überhaupt
noch lebte ? Doch da war sie sich sicher. Sie würde es fühlen, wenn er tot
wäre. Dazu liebte sie ihn zu sehr. Vom ersten Tag an, als sie ihn in Hogwarts
getroffen hatte. Doch das war sehr lange her. Sie hing ihren Gedanken an die
glücklichen Tage hinterher, und versuchte sich an seine Umarmungen und seine
Liebe zu erinnern. Es half gegen die Kälte der Dementoren. Es war ein kleines
bisschen Wärme, in dieser grauenvollen, emotionslosen Welt, in der sie schon so
lange Zeit gefangen war. Wieder zuckte
ein heftiger Schmerz durch ihren Kopf, und sie wünschte sich sehnlichst die
letzten Nachwirkungen dieses Zaubers würden nun endlich nachlassen. Sie atmete
tief durch. Gut, die Tür hatte sich zu dieser späten Stunde zu ihrer Zelle
geöffnet und ein kleiner, fetter, schwer bewaffneter Troll deutete ihr mit
seinen gutturalen Lauten an, sie möge ihm folgen. Sie hatte nicht sofort
reagiert, denn diese Änderung im normalen Ablauf von Askaban irritierte sie
massiv und verhieß nichts Gutes. Als sie keine Anstalten gemacht hatte sich zu
erheben, hatte der Troll sie an den langen Haaren gepackt und sie in Richtung
Zellentür geschleudert. Die Trolle waren gewalttätige, hirn- und seelenlose
Wesen, die stumm und dumm ihrem Herrn ergeben waren und die einzige Alternative
zu den Dementoren in Askaban. Sie waren immun gegen die gefühlstötende und
vernichtende Wirkung der Dementoren. Das war aber auch schon der einzigste
Vorteil, den diese Wesen mit sich brachten. Ansonsten waren sie brutal, und
standen im Punkt Herzlosigkeit den Dementoren in nichts nach. Sie hatte sich
auf dem Gang hochgerappelt und versuchte sich auf den Beinen zu halten während
der Troll sie immer wieder schubste und in die Richtung trat in der er sie
haben wollte. Samara
zitterte. Es war so ruhig hier, und die Dunkelheit ließ keinerlei Orientierung
zu. Sie hatte Angst. „ Bleib ruhig, denke nach, was geschah dann ? „ Der Troll
bugsierte sie nach einer endlosen Wanderung durch die Gänge von Askaban vor
einer ihr unbekannten Tür. Sie war mit wunderschönen Schnitzereien versehen,
und passte überhaupt nicht in das restliche Bild des Zauberergefängnisses.
Diese Tür hatte fast etwas Tröstliches für sie. Sie war aus Holz, aus einem
lebenden Material. Es gab nichts Lebendes in Askaban, außer den Verbrechern,
die auf dem schmalen Grat zwischen Leben und Tod wanderten. Oftmals mehr tot
wie lebendig. Nicht viele hielten es hier so viele Jahre aus wie Samara. Aber
die anderen hatten auch nicht die wärmende Erinnerung an ihn und an seine
Liebe. Und - sie waren wahrscheinlich nicht zu Unrecht hier - wie Samara. Sie
hatte sanft ihre Hand auf diese Tür gelegt und sich einleises, verborgenes Lächeln erlaubt. Es
fühlte sich so gut an. Sie strich über die geschwungenen Schnitzereien, froh
darüber, dies spüren zu können. „ Ich lebe noch. Mein Körper lebt noch. „
dachte sie als die Tür plötzlich unerwartetaufschwang und sie auf die Knie stürzte. Wie sehr sie noch lebte sollte
sie in den nächsten Tagen auf leidvolle Weise erfahren. Wieviel sie noch spüren
und ertragen konnte und das Askaban nicht das Ende war. Davon ahnte sie
glücklicherweise noch nichts. In diesem
Moment - als die Tür sich auf tat -, war sie nur geblendet von dem hellen,
gleisenden Licht, dass auf sie fiel. Sie hielt sich schützend die Hand vor die
Augen und versuchte vergeblich gegen das schmerzende Licht anzukämpfen. Wieder
schüttelte sich ihr Körper heftig, sie schluckte trocken. War das tatsächlich
die Erinnerung ? Das durfte nicht sein. Tränen begannen über ihr Gesicht zu
laufen. Unkontrollierbare, heiße Tränen, die in ihren Augen und auf ihrer Haut
brannten, weil diese Augen so viele Jahre nicht mehr geweint hatten. Doch
dieses plötzliche Begreifen,wer sie in
diesem Zimmer erwartet hatte. Ein Schatten war über sie gefallen und nahm das
Licht soweit weg, dass es ihr ermöglicht war zu sehen und zu erkennen. Sie
öffnete langsam die Augen und nahm ihre Hand von den Augen. Ein großer,
attraktiver Mann mit zynischem Grinsen, kalten, blauen Augen und langen blonden
Haaren blickte zu ihr herab. Und während er langsam den Zauberstab hob,ihn auf ihre Brust richtete und den
Lähmzauber gegen sie aussprach, hörte sie Lucius Malfoy noch aus weiter Ferne
sagen: „ Wen hast Du erwartet ? Du existierst schon seit Jahren nicht mehr.
Jetzt werde ich mich um Dich kümmern, Dr. Samara Snape. „ Dann wurde es dunkel.
-2 -
Lucius Malfoy.
Panik ergriff sie. Sie bäumte sich von ihrem Lager auf. Sie musste hier raus.
Sie musste etwas tun. Samara war eine ausgezeichnete Hexe. Sie war eine
Telepathika sowie eine der besten Handmagierinnen die die Zaubererwelt kannte.
Diese Fähigkeit hatte leider auch zu ihrer Verurteilung nach Askaban
beigetragen. Bis zu diesem Zeitpunkt war sie sehr stolz auf ihre Fähigkeit
gewesen, schwierige Flüche und Zauber ohne Zauberstab aussprechen zu können -
vor allem weil Severus stolz auf sie war. Severus ! Sie musste ihn aus ihren
Gedanken verbannen. Er blockierte ihr Nüchternheit, die sie benötigte um aus
ihrer momentanen Lage heraus zu kommen. Was hatte Malfoy gesagt: „ Dein Mann
hat Dich schon vor Jahren vergessen . „ Samara schnaubte verächtlich. Niemals
würde Severus sie vergessen. Sie waren füreinander bestimmt. Und sie wusste,
dass er sie für schuldig hielt. Sie hatte den Irrtum nie aufklären können. Es
gab keine Gelegenheit dazu. Aber irgendwann würde sie das nachholen, und würde
in seine schwarze Augen schauen, sich darin verlieren, und er würde sie in die
Arme schließen und......... irgendwann. Samara stand auf und verwarf jegliche
Gedanken an ihren Mann. Später. Jetzt und hier. Samara war
unsicher auf den Beinen, aber sie stand. Sie hob ihre Hände und spreizte
sämtliche Finger um sie dann wieder zur Faust zu ballen. Sie holte tief Luft,
konzentrierte sich und sagte leise: „ Lumos !" Ein schwaches, sehr zartes
kleines Licht brach aus der Spitze ihres linken Zeigefingers. Nicht sehr hell,
außerdem flackerte es ziemlich, aber dafür, dass sie acht Jahre nicht mehr
gezaubert hatte und somit komplett aus der Übung war, wertete sie dies als
absoluten Erfolg. Sie sah sich um. Sie war in einem schlichten Raum
untergebracht. An zwei Wänden standen Bücherregale vom Boden bis zu Decke. An
der dritten Wand des Raumes - an der Samara stand - befand sich ein breites,
sauberes Bett, auf welchem sie aufgewacht war. An der Wand gegenüber konnte sie
eine Tür entdecken. Sie erwartete nicht wirklich, dass die Tür offen war, ging
aber dennoch in diese Richtung. Die war ein Fehler wie sie rasch merkte. Sie
machte keine zwei Schritte vom Bett weg, als ein Höllenlärm losbrach. Man hatte
einen magischen Schutzring um das Bett gezogen, so dass beim Versuch des
Überquerens ein fürchterliches Geschrei - ähnlich dem von Alraunen losbrach -
undeinem durch Mark und Bein ging und
wohl kilometerweit zu hören war. Samara erschrak undtrat nervös einen Schritt zurück, unsicher was nun kam,sagte sie leise „ Nox „ , und wieder versank
der Raum in kompletter Dunkelheit. Es waren aber
die letzten Sekunden beängstigender Finsternis, die Samara erleben sollte.
Dunkelheit war nicht mehr länger ihr Problem. Dafür traten im selben Moment in
Gestalt von Lucius Malfoy und Bellatrix Lestrange ein Haufen neuer Probleme mit
altbekannten Gesichtern in ihr Leben. Beim Anblick von Bellatrix Lestrange`s
verzerrten Gesichtszügen, die nur ungefähr erahnen ließen, in welchem Grad des
Wahnsinns die treueste aller Voldermortanhänger sich befand, schwand bei Samara
der letzte Funke Hoffnung. Lucius Malfoy
allein war schon Grund zur absoluten Besorgnis, doch in Kombination mit Bellatrix
- der Malfoy selbst, wie Samara wusste, nichts abgewinnen konnte, da dieses
Gehirn einfach zu krank war - waren Tod und Verderbnis vorprogrammiert. Doch
Samara Snape war eine Kämpferin, ihr ganzes Leben lang schon. Sie hatte acht
Jahre Askaban hinter sich gebracht, sie würde mit Sicherheit jetzt nicht
kapitulieren. In gewisser Hinsicht, war diese Situation durchaus auch eine
Chance zur Flucht, und der mögliche Rückweg zu ihm, Serverus, geliebter Mann.
Sie musste allein nur wegen ihm weiterkämpfen, sie durfte nicht resignieren. Er
hatte es ihr immer wieder eingeimpft. Alles was sie war und konnte war sie
durch ihn. Sie durfte ihn nicht enttäuschen. Samara streckte den Rücken und
blickte Lucius und Bellatrix fest entgegen „ Sieh an, sieh an, die einst so
wunderschöne Dr. Snape" säuselte Bellatrix „ was ist nur aus uns geworden „ ?
War eine lange Zeit in Askaban ? Wohl zu lang, wenn man Dich anschaut ! „
Lestrange lachte höhnisch, und Samara würdigte sie nur eines verächtlichen
Blickes. Malfoy trat dicht vor Samara und er hatte wieder diesen Ausdruck in
den Augen, den Samara in Hogwarts, als sie beide noch Schüler waren, schon als
äußerst unangenehm empfand. Im Laufe der Jahre war dieser Blick wohl noch
ausgereift, denn Samara fühlte sich unter diesen Augen nahezu nackt und Malfoy
schutzlos ausgeliefert. Sie war einfach noch zu schwach, um ihm in diesem
Moment stand zu halten und ihre Lider flackerten ein wenig, was Lucius
natürlich nicht entging." Liebste Samara, nach all den Jahren, sehen wir uns
nun unter diesen Umständen wieder. Ts,ts, sie behandeln euch wirklich nicht gut
in Askaban. Ich muss Bellatrix Recht geben. Du siehst katastrophal aus, meine
Liebe. „ Samara räusperte sich und sagte eine Spur zu leise: „ Ihr habt mich
wohl nicht hierher gebracht, um über mein Äußeres oder die Umstände für
Gefangene in Askaban zu diskutieren, oder ? Was willst Du Lucius ? Wo bin ich
hier ? Und was zur Hölle hast du mit Lestrange zu schaffen ? „ Malfoy neigte
den Kopf " So viele Fragen. Nun, ich werde sie dir bei Gelegenheit beantworten.
Doch den Zeitpunkt Dr. Snape gibst nicht du vor. Du hast dankbar zu sein, dass
Du nun vorab nicht mehr in Askaban bist, und fügst Dich den Dingen, die kommen
werden. Und glaub mir, wir haben Großes mit Dir vor." Zynisch grinsend fuhr er
mit dem Zeigefinger an ihr Kinn und hob leicht ihren Kopf. Samara nutzte die
Gunst dieses Momentes und drängte sich in seinen Geist und seine Gedanken.
Malfoy bemerkte den Fehler, den er gemacht hatte, eine Sekunde zu spät. Samara
war eine Telephatika. Sie konnte bei Körperkontakt mit ihrem Geist in die
Gedanken ihres Gegenüber eindringen, um diese dann in sich aufzunehmen. Malfoy
nahm seine Hand sofort wieder zu sich. Ein spöttisches Lächeln umspielte seine
Züge." Richtig,
richtig. Wir können Gedanken lesen. Wie dumm von mir. Ich hoffe, Du hast nichts
gesehen, was dich erschreckt hat ?" Samara starrte ihn an. Doch sie hatte in
diesen ein, zwei Sekunden etwas gesehen. Etwas das sie nicht zuordnen konnte,
weil es überhaupt nicht in die Situation passte:" Nun, sei es drum. Bellatrix,
bringe Dr. Snape doch bitte zu den Badräumlichkeiten, und ordne an, dass ein
paar Hauselfen dafür sorgen, dass es ihr dort an nichts fehlt, um wieder eine
Frau aus ihr zu machen, bei der man nicht die Befürchtung haben muss, dass sie
im nächsten Moment beißt, oder Insekten auf einen überspringen. Lass sie aber
keinen Moment aus den Augen, und achte darauf, dass sie niemand berührt !"
Bellatrix lachte schrill. „ Keine Sorge Lucius, das einzigste was sie berührt
ist unter Umständen ein Fluch aus meinem Zauberstab „. Die Reaktion von Lucius
kam unerwartet und war heftig. Er fuhr angestochen zu Lestrange herum: „ Du
krümmst ihr kein Haar, Bellatrix ! Hast du mich verstanden ? Kein Haar ! Du
weißt wie wichtig das Ziel für unseren Herrn ist ! Reiß Dich zusammen, ihr darf
nichts geschehen. Du kennst die Anweisung, nur bei absoluter Notwendigkeit,
darf sie ausgeschaltet werden! Und dazu, " er blickte abschätzend auf die
verwahrloste, geschwächte Frau neben ihm, „ ist sie offensichtlich gerade nur
schwer in der Lage. Sie ist fertig ! Sie wird klug genug sein, ihre Situation
richtig einzuschätzen. Denke an SEINE Worte ! " Bei der Erinnerung an ihren
Herrn hörte Bellatrix schlagartig auf zu lachen und nickte Malfoy stattdessen
unzufrieden zu. Samara war
erschöpft und müde, und die Vorstellung auf ein warmes Bad und frische Kleidung
weit weg von Askaban hätte ihr unter anderen Umständen einen wahren Jubel
entlockt. Doch erstens war Bellatrix Lestrange so ziemlich der letzte Mensch
mit dem sie baden wollte, und zweitens wollte sie nicht wichtig sein für den
Herren, der zweifellos Voldermort war. Was hatten diese beiden vor? War
Voldemort tatsächlich immer noch am Leben und aktiv ? Samara schrie innerlich
auf. Die kurze Freude darüber nicht mehr in Askaban zu seinschmolz dahin. Was für eine Alternative !
Was war hier das größere Übel ? Diese beiden zu allem bereiten Lord Voldemort
Anhänger oder ihr tristes Dasein in Askaban ? Sie fühlte sich so hilflos, wie
damals als man sie von Severus weggezogen hatte und in Gefängnis brachte.Und dann war da noch dieser Gedankenfetzen,
den sie bei Malfoy aufnehmen konnte. Was hatte es damit auf sich ? Warum dachte
Lucius Malfoy, einer der gefährlichsten und einflussreichsten Todesser an ein
Baby ?
-3 -
Lucius drehte
sich herum und widmete seine Aufmerksamkeit wieder Samara. Diese stand immer
noch wie angewurzelt und völlig betäubt von denEindrücken und Fragen die in der letzten halben Stunde auf sie
eingestürzt waren neben dem Bett und sah nun zu Malfoy hinauf. Sie war eine
kleine, zierliche Person - kaum einen Meter sechzig - und Malfoy hatte sie
schonwährend der gemeinsamen Schulzeit
in Hogwartsimmer von oben herab mit
diesen fordernden, kalten Augen angesehen. Er wollte sie - daran bestand kein Zweifel.
Damals nicht, und wie sie leider im Augenblick begriff, auch heute nicht.
Lucius stand keinen Schritt weit von ihr entfernt und in seiner dunkelblauen,
weiten Robe und dem weißen bis zum Bauchnabel geöffneten mittelalterlichen
Rüschenhemd, war er eine durchaus beeindruckende, äußerst attraktive
Erscheinung, die zudem eine immense Macht ausstrahlte. Doch Samara hatte kein
Auge dafür. Samara hatte furchtbare Angst. Von Sekunde zu Sekunde wurde diese
Angst größer und nahm immer mehr Besitz von ihr. Sie merkte wie sie panischer
wurde und begann unrational zu denken. Sofern das in ihrem Zustand der
Müdigkeit und totalen Erschöpfung überhaupt noch möglich war. Zusätzlich
stellten sich nun auch als Folge des Lähmzaubers massiver Durst und Hunger ein.
Sie fühlte sich einfach schlecht und elend. Doch der Tag
war für sie offensichtlich noch nicht vorbei. Malfoy hatte noch etwas vor mit
ihr: „ Du wirst nun mit Bellatrix gehen. Und Du wirst ihr gehorchen. Wenn Du
keine Dummheiten machst werden wir hervorragend miteinander auskommen. „Er spielte mit einer ihrer fettigen,
verfilzten Haarsträhne. „ Es gibt niemand der Dir helfen kann, es weiß niemand
das Du hier bist. Dein Mann hat sich schon vor Jahren von Dir abgewandt. Niemand
sucht nach Dir. „ Severus wird sich niemals von mir abwenden " schrie Samara
ihn an „ niemals hätte er das freiwillig getan. Ihr habt ihn belogen. Er weiß
nicht was passiert ist. Ich muss mit ihm reden" und plötzlich fiel jeder Stolz
von ihr ab und sie sank vor Malfoy auf die Knie und hielt seine Hände fest in
den ihren. Sie wollte seine Gedanken nicht lesen, sie suchte nur seinen Blick
und hielt ihn noch fester als sie fühlte wie er die Hände ihr entziehen wollte
„ Bitte Lucius, sag mir wie es ihm geht. Sag mir wo er ist. Bitte Lucius......"
sie konnte nicht mehr weitersprechen. Heftige Weinkrämpfe schüttelten sie und
die ganze Verzweiflung und Sehnsucht brach aus ihr heraus und sie sank laut
schluchzend gegen Malfoys Beine. Bellatrix schnellte vor und hob den
Zauberstab. Doch Malfoy deutete ihr sich zurückzuhalten. Er trat einen
Schritt zurück, so dass Samara vornüber auf den Boden sank und nun in den
dicken Wollteppich weinte. „ Ich sagte Dir bereits. Du bekommst Antworten, wenn
ich es für an der Zeit halte. Professor Severus Snape ist nicht das Thema
dieses Abends oder Deines Aufenthaltes hier. Severus Snape war lediglich der
Lehrer meines Sohnes Draco und ist immer noch Hauslehrer der Slytherins in
Hogwarts. Und nun hör mit dieser nervtötenden Heulerei auf, Du hast Deinen Mann
schon vor Jahren verloren. Vergiß Snape, Du bist zu weitaus wichtigerem
bestimmt. " Malfoy wandte sich zum Gehen. „ Ach, und wenn ich richtig
informiert bin, hat Snape bereits vor zwei Jahren eure Ehe annulieren und von
oberster Stelle desZaubereiministeriums als nichtig erklären lassen. In Fällen besonders
seelischer Grausamkeit und des schweren Betruges ist dies wohl möglich, wenn
die Ehe bis dato kinderlos geblieben ist. Und das war wohl der Fall. Somit
dürfte das wohl nun genug Information zu Deinen familiären Fragen sein. " Samara
richtete sich vom Boden auf und hasste sich. Sie hasste sich für diese
Schwäche. Sie hatte sich gehen lassen, hatte ihre Haltung aufgegeben und Malfoy
gezeigt, wie verletzlich sie war. Doch es blieb keine Zeit sich darüber zu
ärgern. Bellatrix rammte ihr von hinten den Zauberstab in die Rippen und zwang
sie aufzustehen, „ Steh auf du Miststück, heulen und laufen wirst Du wohl
können. Wir haben nicht ewig Zeit. Sei froh das Du diesen Verräter los bist und
nun komm" Samara taumelte erneut gegen Malfoy, der immer noch vor ihr stand. Er
vermied es sie zu berühren, sondern machte ihr den Weg frei, hinaus auf den
Flur. „ Eins noch Samara" sagte Lucius und sie drehte sich zu ihm um,„ sei versichert der Herr hat wichtiges mit
Dir vor. Doch solltest Du versuchen die Mission zu gefährden, zu fliehen oder
Kontakt aufzunehmen mit irgendjemand außerhalb dieses Hauses werden wir Dich
töten. Du hast alle Voraussetzungen die der Herr gefordert hat, aber Du bist
nicht unersetzlich. Vergiß das nie. " Er lächelte kalt zu diesen Worten und
Samara sah ihm direkt in die Augen und fragte: „ Würdest Du mich töten Lucius ?
Würdest Du mich töten für IHN ?" Lucius neigte sich nach vorn und war brachte
sein Gesicht genau vor das ihre: „ Auf der Stelle und mit Freuden " zischte er,
wirbelte herum und verließ den Raum vor den beiden Frauen. Er wedelte kurz mit
seinem Zauberstab und plötzlich wurde das ganze Haus in dem sie sich befanden
vom Tageslicht geflutet. Sie hatten das Haus in einen künstlichen Dunkelzauber
gelegt, um Samara die Orientierung zu erschweren. Doch nun - während sich ihre
Augen sehr, sehr schmerzhaft an die Sonne gewöhnten, die zu allen Fenstern
hereinschien - erkannte sie, dass sie auf dem großen Landsitz der Malfoys war. Sie war einmal
vor Jahren hier gewesen zusammen mit Severus, als sie beide noch dem Dunklen
Lord gedient hatten. Sie erinnerte sich an die imposante, gigantische Allee die
durchmehrere Weizenfelder hindurch auf
das Anwesen der Malfoys zuführte. Es waren die schönsten Kastanienbäume die
Samara je gesehen hatte, und als sie die Allee passierten, sammelten viele
Muggelkinder die heruntergefallenen Kastanien ein. Das Anwesen der Malfoys war
für die Muggel nicht sichtbar, es lag geschützt in einem Waldhain am Ende der
Kastanienallee und war zusätzlich mit einem Sichtzauber belegt, der es den
Malfoys ermöglichte unbelästigt von Schlammblütern sich frei zu bewegen. Es
kamen ohnehin nicht viele Muggel freiwillig in die Nähe dieses Waldhains. Die
gemeinen Spässe,die die Malfoys mit
ihnen trieben, ließen in kürzester Zeit immer neue Spukgeschichten zum Hain
aufkommen, bis sich niemand mehr näher als 500 Fuß herantraute.Was natürlich ganz im Sinne der Malfoys war.
Und nun konnte
sie diese Kastanien vom Fenster des Flures aus wieder sehen. Es war ein
rießiges Anwesen, dass die Malfoys seit Jahrhunderten bewohnten und immer
weiter vergrößerten oder mit Magie kurzerhand umgestalteten. Samara begann die
Wärme der Sonne, die durch die großen, von Hauselfen blitzblank geputzten
Scheiben fiel zu genießen, während Bellatrix sie wie Vieh vor sich hertrieb.
Sie eilten den Flur hinunter auf eine majestätische, breite Holztreppe zu, die
über zwei Stockwerke nach unten führte. Auf dem Weg begegnete ihnen niemand. Es
war verdächtig still in diesem großen Haus. Draußen bereitete sich die Natur
langsam auf die Dämmerung vor, die Sonne stand schon sehr tief. „ Ich muß schon
fast einen ganzen Tag hier sein" dachte Samara, denn als sie aus ihrer Zelle
geholt wurde, war es bereits Abend gewesen. Dies genügte ihr zur zeitlichen
Orientierung. Es war sowieso vorläufig egal wann sie wo und für wie lang war.
Sie musste erst einmal zu Kräften kommen. Schon dieser Gang durch das Haus, die
Anstrengung der letzten Stunden, all das hatte sie so erschöpft, dass sie sich
eingestand, so keinen ernstzunehmenden Fluchtversuch unternehmen zu können.Lucius
streifte sich im Laufen den Umhang ab als sie die große Eingangshalle erreicht
hatten, an die sich Samara ebenfalls erinnerte. Er bog seitlich in einen Gang
ab, während er Bellatrix noch kurz zunickte und brummte: „ Bring sie
anschließend wieder zu mir. " Dann war er verschwunden und sie war mit
Lestrange allein. Sie durchquerten die Halle zur anderen Seite hin und stiegen
von dort ein paar elegante Marmorstufen nach unten. Dort trafen sie dann auf
zwei kleine Hauselfen, die peinlichst genau mit winzigen Schwämmen die Stufen
polierten und wienerten. Beim Anblick von Bellatrix sprangen sie zur Seite und
neigten ihre großen Köpfe so tief zum Boden, dass ihre überdimensionalen Ohren
den Marmor berührten. Samara erhaschte noch einen kurzen Blick des kleineren
Elfen und meinte eine große Anteilnahme und Mitleid in den rießigen Äuglein zu
sehen. Bellatrix kickte genau diesen kleinen Elfen noch voller Bosheit zwei
Stufen weiter: „ Glotz nicht, Missgeburt, arbeite " keifte sie undtrieb Samara weiter voran. Sie liefen nun
auf einem weißen, breiten Marmorgang der alle paar Meter rechts und links in
Rundbögen abzweigte. An der dritten Abzweigung schubste Lestrange sie mit dem
Zauberstab grob in den linken Rundbogen: „ Nun beweg dich nicht so träge, sonst
mach ich Dir Beine,Miststück "
schimpfte Bellatrix. Offensichtlich war sie ziemlich genervt, dass sie die
leidige Aufgabe hatte, Samara bei etwas Trivialem wie Körperpflege zu beaufsichtigen.
Wo sie sie doch nicht einmal ärgern oder quälen durfte. Kein Job, der nach dem
Geschmack von Bellatrix Lestrange war. Am Ende des kleinen Ganges, lag eine im
Boden eingelassene, runde Holzwanne. Alles war sehr sauber und wirkte
unwirklich und steril auf Samara. Die beiden kleinen Hauselfen von vorhin
hatten wohl noch ausreichen Kollegen in diesem Hause, denn gleich nach dem
Eintreffen der Frauen wuselten sie nur so um Bellatrix herum und versuchten
nicht erneut die unbezähmbare Wut der geisteskranken Frau auf sich zu ziehen. Im Nu war die
Wanne gefüllt mit schäumendem, blubbernden Wasser das köstlich nach
Vanillearoma duftete. Einige Elfen brachten verschiedene Kleidungsstücke, die
sie sorgfältig auf einigen Stühlen und Tischchen verteilten, die urplötzlich
aus dem Boden aufzutauchen schienen. Ebenso brachten sie verschiedene Seifen,
Cremetiegel und Handtücher. Alles ordneten sie akribisch neben der Wanne an und
einer schnippte im Hinaushuschen noch kurz mit den Fingern und ein riessiger
Spiegel erschien an einer der Steinwände. So schnell wie die Elfen gekommen
waren, verschwanden sie lautlos wieder. Bellatrix hatte es auch unterlassen sie
zu ärgern und somit lief alles recht friedlich und schnell ab. Als sie allein
waren ergriff Lestrange das Wort: „ Hör zu Verräterin, ich werde dich jetzt
allein lassen, da ich kein Bedürfnis verspüre Dir hierbei zuzusehen" sie
deutete auf die volle, einladende Wanne. „ aber ich bin in deiner Nähe,
Miststück. Mach den kleinsten Fehler und es war dein letzter. Ich versiegle
diesen Raum so das keiner hinaus und außer mir keiner hinein kann. Wenn Du
fertig bist, dann mach dein Maul auf und melde Dich. Und wenn Du mir einen
Gefallen tun willst" fügte sie hinzu und lächelte diabolisch,„ dann versuch zu fliehen und es wird mir
zuteil dich ins Jenseits zu befördern. Es wäre mir das größte Vergnügen,
Schlampe". „ Als ob du einen triftigen Grund brauchst um zu töten" entfuhr es
Samara und sie sollte es sofort bereuen. „ Cruzio" kreischte Bellatrix und ein
bekannter, aber dennoch unerträglicher Schmerz warf Samara zu Boden und sie
begann unkontrolliert mit ihren Gliedern zu zucken, während sie sich schreiend
und wimmernd über den Boden wälzte. Es waren nur Sekunden, bis Bellatrix sich
wieder an ihre Befehle erinnerte, doch für Samara hätten es auch Stunden sein
können. Als Lestrange
den Zauberstab sinken ließ, lag Samara ein zweites Mal an diesem Tag weinend am
Boden und hasste sich dafür, dass sie sich von dieser Person provozieren hatte
lassen. „ Du warst gewarnt,ich hatte
Dich gewarnt. " brüllte Bellatrix hysterisch, während sie den Zauberstab ein
weiteres Mal hob und nun endlich den Versiegelungszauber über das Badezimmer
legte. Mit einem letzten verächtlichen Blick spuckte sieauf Samara, die immer noch leise jammernd am
Boden lag,dann drehte sie sich um, und
ihre Schritte verhallten draußen irgendwo auf dem langen Gang. Als nichts
mehr zu hören war außer ihrem heftigen Atmen, hob Samara den Kopf und richtete
sich auf. Ihr Blick fiel auf den Spiegel,den der Elf an die Wand gezaubert hatte. Sie versuchte aufzustehen, und
stellte fest, dass Dank des Cruzio - Fluches nun nicht nur ihr Kopf schmerzte,
sondern der Schmerz sich gleichmässig auf ihren ganzen Körper ausgebreitet
hatte. Nach einigen Minuten stand Dr. Samara Snape wiederaufrecht. Sie streifte sich die abgewetzten,
durchgelaufenen Schnürschuhe ab, die sie in Askaban bekommen hatte, und die ihr
immer schon zwei Nummern zu groß waren. Barfuß trat sie vor den Spiegel und blickte
hinein. Ein drittes Mal an diesem Tag schossen ihr die Tränen in die müden
Augen, als sie ihr Spiegelbild erblickte. Nun verstand sie, was Malfoy gemeint
hatte. Sie sah nicht katastrophal aus. Sie sah tot aus ! Ihr Haar war lang,
fettig und verfilzt. Ihr Gesicht, oder das was sie als ihr Gesicht erkannte,
war schmal, ausgehungert, dreckig. Die Haut war gerötet vom Weinen und die
Ränder unter ihren Augen, die viel zu tief in den Höhlen lagen, waren so dunkel
wie die Finsternis, in der sie vorher erwacht war. Ihr Körper, der immer schon
zierlich gewesen war, steckte in der allgemeinen Gefängniskluft von Askaban und
ließ keine weiblichen Formen mehr erkennen. Sie zog alles aus, was sie am Leibe
trug und erblickte sich nochmals nackt im Spiegel. Ein fremder, abgemagerter
Körper blickte ihr entgegen, der Narben aufwies, an deren Herkunft sie keine
Erinnerung mehr hatte. Ihre Brüste waren das einzige was noch daran erinnern
ließ, dass sie einmal eine außergewöhnlich schöne Frau gewesen war. Sie boten
einen nicht ganz so erbarmungswürdigen Anblick wie der Rest ihres Körpers, den
sie seit Jahren nicht mehr betrachtet hatte. Samara
entdeckte in den aufgereihten Utensilien der Hauselfen eine Schere und eine
Bürste. Sie versuchte die Schere zu ergreifen, doch bei jedem Versuch rutschte
die Schere ein Stück weiter. Sie ließ sich nicht in die Hand nehmen. Samara
lächelte. Sie kannte den Zauber der darauf lag. Er sollte vermeiden, dass ein
Gegenstand zu etwas anderem missbraucht wurde, als zu dem Zweck zu dem ihn der
Besitzer hingelegt hatte. Man musste dem Gegenstand nur sagen, was er zu tun
hatte, und entweder war der Wunsch richtig oder es geschah nichts. Samara
vermutete das Malfoy verhindern wollte, dass sie sich mit der Schere das Leben
nahm oder sie als Waffe gegen ihn einsetzte. Sie räusperte sich, schluckte die
letzten Tränen hinunter und sagte: „ Puto capillaris " . Einen Moment geschah
nichts. Doch dann erhob sich die Schere und näherte sich sanft aber zielstrebig
Samaras Kopf. Sie klappte auseinander und wartete in Ohrhöhe auf weitere
Anweisungen. Samara nahm die erste Strähne, prüfte die Verfilzungen und
entschied sich dann für eine Länge bis zur Mitte ihres Oberarms. Es war
ungefähr eine Elle Haar, die nicht mehr zu gebrauchen waren.Sie deutete der Schere die Länge, indem sie
mit beiden Händen die Strähne straffte und zwischen zwei Fingern einen Spalt
freiließ an dem sie zuschneiden sollte. Die Schere beherrschte ihren Job und
innerhalb kürzester Zeit waren Samaras Haare am gesamten Kopf nach ihrem Wunsch
gekürzt und die Schere sank wieder zurück an ihren ursprünglichen Platz. Nun
bearbeitete Samara die übrige Mähne mit der Bürste und stellte fest, dass sie
ganz gut voran kam. Es machte ihr Spaß endlich wieder etwas für sich zu tun.
Überhaupt etwas zu tun. Nachdem das Haar so gut es ging wieder entfilzt war,
stieg sie langsam und vorsichtig in die Holzwanne. Der Duft des Badewassers und
die Wärme überwältigten sie und sie musste als sie knietief im Wasser stand, in
die Hocke gehen um nicht umzufallen. Ihre Glieder reagierten geschockt auf die
wohltuende Hitze, die sie flutete und begannen wieder zu schmerzen. Doch sie
ließ sich Zeit und arbeitete sich Stück für Stück in das Wasser hinein. Mehr
als einen zweiten Cruzio - Fluch, wenn sie zu lange trödelte, konnte es ihr
fast nicht einbringen. Und mittlerweile war ihr fast alles egal. Sie wollte nur
noch in diese duftende, entspannende Wasserwelt eindringen und sich wie ein
Mensch fühlen. Die Wanne erwies sich als sehr bequem. Als sie sich endlich in
Rückenlage gebracht hatte, rutschte sie tiefer und ließ das Wasser über ihrem
Kopf zusammenschlagen. So verharrte sie, bis sie die Luft nicht mehr länger
anhalten konnte. Schwer atmend tauchte sie auf und genoß diese alles
durchflutende Wärme. Ihre Glieder hörten auf zu rebellieren und begannen sich
ebenfalls zu entspannen. Sie schloß die Augen, legte sich zurück und drückte
ihren Kopf in die Aussparung der Wanne,die hierfür ausgepolstert war. Das monotone Blubbern des Wassers wirkte
einschläfernd, doch diesen Luxus konnte sie sich nicht gestatten. So blieb sie
mit geschlossenen Augen liegen und dachte an ihn. Severus. Er war in Hogwarts.
Er unterrichtete. Er hatte sich tatsächlich losgesagt vom Dunklen Lord. Er
hatte sein Versprechen gehalten. Wenn sie nur eine Möglichkeit finden könnte
mit ihm in Kontakt zu treten. Sie konnte ihm alles erklären. Er würde
verstehen. Er hatte sie immer verstanden. Er hatte sich nicht losgesagt von
ihr. Das konnte nicht sein. Bei einer Anulierung hätte sie seinen Namen
verloren, und das hätten sie ihr sogar in Askaban mitteilen müssen. Das war
nicht geschehen. „ Oder doch ?"meldete
sich eine Stimme in ihr. Doch sie schalt sich selbst einen Narren. Das hat er
nicht getan. Sie kannte ihn. Er liebte sie; hatte sie immer geliebt. Und sie
war immer noch Dr. Samara Snape, sie war seine Frau.
-4 -
Das Essen
schmeckte nicht. Er schob den Teller beiseite und trank ein weiteres Glas Wein.
Er hatte sich in seine Räume in den Kerkern zurückgezogen, da er die
Gesellschaft heute nicht ertragen konnte. Seit einigen Stunden beherrschte ihn
eine seltsame Unruhe, die er sich nicht erklären konnte. Es war kurz nach
Einbruch der Nacht gewesen, als er sich zur Ruhe begeben wollte. Einige Tränke,
die Dumbledore von ihm gewünscht hatte, mussten nochmals um eine Substanz
ergänzt werden, und als das Krötenblut abmaß, zog ihm ein sointensiver,stechender Schmerz durch den Schädel, das er das Reagenzglas fallen ließ
und sich den Kopf halten musste. So hatte es begonnen. Seither war
diese Unruhe in ihm und die unwillkommenen Bilder seiner Frau drängten sich vor
sein geistiges Auge. Dies geschah nach all den Jahren immer noch von Zeit zu
Zeit. Und er hasste es zutiefst.Er
hasste es, wenn er die Dinge nicht steuern konnte, wenn sie ihm entglitten. Das
ließ Severus Snape seit Jahren nicht mehr zu. Niemand nahm ihm die Kontrolle
über sein Leben, sein Denken, sein Handeln, sein Sein. Und niemand brachte ihn
zum Fühlen. Das hatte nur ein Mensch geschafft, und dieser Mensch hatte ihn im
Stich gelassen. Hatte ihn verraten. Ihm das Herz aus dem Leib gerissen, es
zertreten und ihm so hinterlassen. Sie hatte es
getan. Er hatte ihr alles gegeben. Er hatte sie in den letzten Winkel seiner
Seele blicken lassen, so wie sie es auch getan hatte. Er hatte mir ihr
sämtliche Höhen der Freude und der Leidenschaft durchlaufen, die zwei Menschen
miteinander teilen können. Sie war sein Alpha gewesen und sein Omega. Nie hätte
er erwartet, dass ausgerechnet sie, seine über alle Maße geliebte Frau, die ihm
auf allen Wegen seines gefährlichen Lebens gefolgt war, verraten würde. Die
Erinnerung an die Liebe, die er für sie gefühlt hatte, ließ den großen,
sehnigen Mann unter seiner schwarzen Robe erschauern. Seine langen, schwarzen
Haare, die sie ihm immer aus dem Gesicht gestrichen hatte, nachdem sie sich
stundenlang ausgiebig geliebt hatte, fielen ihm ins Gesicht und er spürte, dass
er Gefahr lief, der Trauer über diesen Verlust freien Lauf zu lassen. Wütend warf er
den Kopf nach hinten und schnaubte verächtlich laut in die Wände seiner
Gemächer. Niemals hatte er sich gestattet auch nur eine Träne über ihren
Verlust zu weinen. Er hatte die Trauer mitsamt der Liebe tief in seiner Seele
vergraben. Hatte sich die Erinnerung an die Zeit mit ihr aus seinem Gehirn
verbannt. Er brauchte niemand. Er brauchte auch sie nicht. Severus trank einen
weiteren Becher Wein. Wenn er
irgendwann in diesem Leben nochmals die Chance bekam sie zu sehen, sinnierte er
in seinem leicht angetrunkenen Zustand, würde er ihr nur eine Frage stellen:
„Warum ?" Und da die Antwort darauf
niemals zufriedenstellend sein konnte, würde er sie anschließend töten. Er
hatte sie in seinen Gedanken schon tausend Mal getötet. Am Anfang jeden Abend,
jede Nacht aufs Neue, wenn die Leere neben ihm unerträglich schien, dann hatte
er sie mit den grausamsten Flüchen und Tränken, die die Zaubererwelt kannte,
getötet. Doch er hatte es nie geniessen können. An dem Morgen,
an dem sie sie verhaftet hatten und auch noch Tage später hatte sein sonst so
messerscharfer Verstand nicht begriffen, was sie getan hatte. Er hatte sich -
trotz aller Beweislast immer wieder eingeredet, dass es sich um einen Irrtum
handeln musste - es konnte, es durfte nicht wahr sein. Und er hatte umgehend
angefangen, ein letztes Mal um sie zu kämpfen.Er hatte
unzählige Male versucht, zu ihr nach Askaban zu gelangen, doch das Ministerium
gestattete keine Besuche bei ihr. Sie hatte offenbar den Verstand verloren
hatte, und man wollteihm ihren Zustand
und ihre Äußerungen ersparen. Normalerweise kamen solche Fälle ins St. Mungos,
aber in Samaras Fall war der Hang zur Brutalität und die Veranlagung zur
Vernichtung anderer Menschenohne
magische Hilfsmittel, da sie Handmagierin war, so groß, dass man es dem
Pflegepersonal in St. Mungos nicht zumuten konnte und wollte. Samara musste von
Dementoren bewacht werden.Das sagte
zumindest das Ministerium. Selbst den
Kontakt zu Lucius Malfoy hatte er in Kauf genommen, denn dieser genoß einen
hohen Einfluß im Ministerium. Doch auch er konnte nichts an der Entscheidung
ändern. Und Malfoy hatte sich vehement eingesetzt und versucht etwas für ihn zu
erreichen. Er hatte ihr
Briefe geschrieben, in der Hoffnung, dass sie sie lesen würde. Doch die Eulen
waren allesamt mit den Briefen zurückgekommen. Er hatte diese Anstrengungen und
Mühen in den ersten Wochen unternommen, bis die Mitteilung aus Askaban nach
Hogwarts drang, das Dr. Samara Snape dem Wahnsinn verfallen sei, sich an ihren
Mann und ihr früheres Leben nicht mehr erinnern konnte und auch auf ihren
eigenen Namen nicht mehr reagiere. Man hatte ihm geraten, die Ehe anulieren zu
lassen, und ein neues Leben anzufangen. Die Samara Snape, die er gekannt hatte,
die er geliebt hatte mit jeder Faser seines Herzens - die gab es nicht mehr. Da
hatte er aufgehört zu kämpfen. Er hatte ein
neues Leben angefangen. Severus Snape wurde zum Hauslehrer der Slytherins
vonHogwarts ernannt. Albus Dumledore
hatte ihn an diese Position gesetzt, weil er meinte, die Arbeit und die
Verantwortung würden ihn auf andere Gedanken bringen und ihm helfen seinen
Schmerz zu lindern. Er hatte sämtliche Kleidung, die sie immer für ihn
liebevoll ausgesucht hatte, vernichtet und sich eine Reihe schwarzer Roben in
Verbindung mit viktorianischen, schwarzen Anzügen darunter angeeignet -und hatte nie wieder eine andere Farbe
getragen. Wenn es
möglich gewesen wäre hätte er noch das Zeichen ihrer Ehe aus seiner Hand
schneiden lassen, doch dies war eines der wenigen Dinge die für die Ewigkeit
bestimmt waren. Sie hatten sich damals für ein Subcutura entschieden. Ein
magisches Ringsymbol, dass die Unendlichkeit ihrer Liebe symbolisieren sollte.
Es wurde ihnen beiden nach der Zeremonie der Eheschließung in die linke Hand
gelegt, anschließend wurden die Hände der beiden für die Dauer einer Nacht und
eines Tages miteinander verbunden. Nach dieser Zeit wurde der Verband entfernt
und das Symbol hatte sich tief unter ihrer Haut eingenistet. Es wurde nur
sichtbar wenn es sein Gegenstück körperlich spürte. Ansonsten sahen die Hände
normal und unversehrt aus. Wenn sie sich jedoch liebten, oder auch nur die Hand
des anderen hielten erglühte das Symbol in seiner ganzen Schönheit azurblau und
strahlte eine innere, wohlige Wärme aus. Samara hatte damals viel Wert auf
dieses Subcutura gelegt: „ Damit Du siehst wenn ich bei Dir bin, falls Du es
einmal vergessen solltest, Geliebter" hatte sie argumentiert und ihn dabei
lange geküsst. Snape leerte
den nächsten Becher Wein in einem Zug, und ein verbitterter Zug lag um seine
Mundwinkel. Er müsste sich die Hand abtrennen lassen, um dieses letzte, lästige
Erinnerungsstück loszuwerden. Doch auf diese konnte er in seiner Tätigkeit auf
keinen Fall verzichten. Zumal das Gegenstück dazu eh nicht mehr auftauchen
würde. Folglich wusste nur er noch um die Existenz des Rings in seiner linken
Handfläche. Er betrachtete sie verächtlich. Auch ohne die Zerstörung des
Symbols hatte er sein neues Leben ohne sieausgerichtet. All diese
Veränderungen warenihm ohne große
Anstrengungen gelungen. Er hatte das Kapitel Samara abgeschlossen. Er trank den
letzten Rest aus der Flasche und war dankbar über die ermüdende Wirkung, die
langsam durch seine Adern drang. Severus ließ sich in seinem Sessel nach hinten
sinken und schloß die Augen. Während ihn der Alkohol in einen traumlosen Schlaf
fallen ließ, stellte eine kleine Ecke seines Herzens jedoch leise die Frage,
warum er die Papiere zur Anulierung der Ehe damals nicht unterschrieben und
zurückgesandt hatte, sondern sie im Feuer seines Kerkers verbrannt hatte ?
-
-5-
„ Miststück,
wie lange brauchst Du noch da drin ?" Bellatrix bellte wie ein wütender Hund
durch den Bogengang, „ich habe noch
andere Dinge zu tun, als für Dich den Aufpasser zu spielen. Malfoy erwartet
Dich in seinen Räumen. Nun mach schon !" Samara schrak aus der Wanne hoch. Fast
wäre sie eingeschlafen. „ Ich bin gleich soweit" rief sie in Richtung der
anderen Hexe um zu vermeiden, dass diese sogleich das Bad betreten würde. Rasch
wusch sie mit den duftenden Seifen der Elfen ihr Haar und ihren Körper sehr
sorgfältig und genoß abermals das nicht abkühlende Wasser, dass warm und sanft
ihren Körper umspielte. Sie fühlte
sich erheblich besser und auch ihre Gedanken nahmen geordnetere Bahnen an.
Samara stieg schweren Herzens aus der Wanne und trocknete sich rasch ab. Sie
sah sich um und stellte fest, dass die Elfen wohlweislich Norton`s
Universalkleidung für sie gewählt hatten. Diese Kleidung war schlichtweg
praktisch, denn man schlüpfte hinein und sie nahm automatisch die richtige
Größe des Trägers an. So konnte man gewiß sein, dass die Kleidung immer passte.
Samara genoß die frische, weiße Unterwäsche und das schlichte, bodenlange,
pastellblaue Kleid. Es war lange her, dass sie sich sauber und gepflegt gefühlt
hatte. Das Kleid war riesig, doch kaum hatte sie es über ihren Kopf gezogen,
schrumpfte es auf ihre Größe zusammen und formte wie sie sich eingestehen
musste einen extrem schlanken Oberkörper und ein ansehnliches Dekolteé. Der
weite, weiche Stoff fiel ihr spielerisch von der Taille und ihr Spiegelbild war
nun weitaus akzeptabler wie vor ihrem Bad. Samara vermisste Schuhwerk und
wollte das Paar das ihr Askaban beschert hatte nicht wieder anziehen. Es war
nicht kalt in Malfoys Anwesen, daher blieb sie barfuß.Sie bürstete
ihr nasses Haar aus dem Gesicht und durch die leichte Röte,welche ihr das warme Wasser in die Wangen
gehaucht hatte, drang doch tatsächlich wieder ein wenig von ihrer alten
Schönheit an die Oberfläche. Ihre großen, meerblauen Augen hatten einen
leichten Glanz, und auch die Ränder darunter schienen blasser geworden zu sein.
Vermutlich hatten ihr die Elfen einen Regenerierungszauber ins Wasser gelegt,
so wie sie es früher für Severus getan hatte, wenn er von Kämpfen des Dunklen
Lords zurückgekehrt war. Severus. Es
tat schrecklich weh an ihn zu denken. Sie rieb ihre linke Handfläche zärtlich
an der Stelle wo ihr Subcutana saß. Was hätte sie nicht alles gegeben, es nur
ein einziges Mal wieder leuchten zu sehen ! Doch dafür war sie am falschen Ort
zur falschen Zeit, und bevor sie noch länger ihren Gedanken an ihren Mann
nachtrauern konnte, stürmte Bellatrix Lestrange in den Raum. Sie wedelte wild
mit ihrem Zauberstab und innerhalb weniger Sekunden war das Wasser
verschwunden, der Spiegel und sämtliche Utensilien der Hauselfen lösten sich in
Rauch und Nichts auf: „ Genug jetzt. Es reicht" herrschte sie Samara an. Abrupt
hielt sie inne und starrte die jüngere Hexe verblüfft an: „ Das wird den Herrn
freuen, dass die Elfen ganze Arbeit geleistet haben" brachte sie hervor „ jetzt
ist wenigstens Dein Äußeres würdig, dem Herren zu dienen". Samara drehte sich
zu ihr um und fauchte die gefährliche Hexe grimmig an: „ Nichts an mir wird
jemals Deinem Herren dienen, Bellatrix. Vorher sterbe ich !" Bellatrix brach in
irres Gelächter aus: „ Sterben ? Oh ja, sterben ist gut ! Dein Leben ist
weniger wert wie das dieser nutzlosen Hauselfen. Du kannst nicht mal die
Entscheidung treffen ob du sterben möchtest oder nicht. Wir entscheiden das für
Dich. Und glaub mir, DU wirst dem Herren dienen. Es bleibt dir keine Wahl, Dr.
Snape. Und nun komm endlich raus hier." Wieder bohrte sich ihr Zauberstab
schmerzhaft in Samaras Rippen und sie drängte sie zum Bogen hinaus, den Weg
zurück in die große Eingangshalle. Mittlerweile
war die Sonne untergegangen und Samara konnte den Mond am Himmel sehen. Es
braute sich ein Gewitter zusammen, Blitze zuckten durch die einzelnen Wolken
und ließen die Statuen in der großen Halle unheimliche Schatten werfen: „ Sieh
an, sieh an " ließ sich plötzlich Malfoy vernehmen und Samara schrak unwillkürlich
zusammen, „ was für eine erstaunliche Wandlung dir widerfahren ist. Fast wieder
das schöne Kind von damals, dass schon in Hogwarts als kleine Elevin alle
Blicke auf sich zog". Lucius hob seine Hand und war versucht ihr erneut übers
Kinn zu streichen, doch er hielt in der Bewegung inne und lies die Hand wieder
sinken. Er musste Vorsichtsmaßnahmen treffen, um sie nicht nochmals ungewollt
in seinen Geist eindringen zu lassen. Er wandte sich an Lestrange: „ Du kannst
gehen Bellatrix. Dein Dienst in diesem Hause ist erfüllt.Erstatte unserem Meister Bericht, ich
brauche dich hier nicht mehr heute Nacht. " Lestrange schien auf diese Worte
gewartet zu haben, denn sie apparierte auf der Stelle. Samara war
allein mit Lucius in der großen Halle und sie spürte die Angst in sich
aufsteigen: „ Würdest du mir die außergewöhnliche Ehre erweisen, und mit mir
speisen, Samara? Ich denke wenn auch deine Sympathie nicht unbedingt ausreicht,
so doch zumindest dein Hunger" Malfoy lächelte zynisch bei diesen Worten, und
Samara musste sich eingestehen, dass er Recht hatte. Sie hatte gewaltigen
Hunger, und sie musste wieder zu Kräften kommen. Noch hatte sie keine Ahnung
was er vor hatte, geschweige denn einen Plan ihm zu entkommen, doch beides
erforderte ihren vollen Einsatz, und den konnte sie nur erbringen, wenn ihr
Körper wieder gestärkt war. „ Ich werde mit dir essen, Lucius, ich habe auch
hier wohl keine andere Wahl". „ So ist es, meine Liebe, so ist es, " säuselte
Malfoy und deutete ihr mit der Hand den Weg nach oben in die erste Etage. Schweigend
gingen sie die breite Holztreppe des Anwesens hinauf, und wieder fiel Samara
diese drückende Stille auf. Wo war Narzissa ? Kein Laut war zu hören, außer ihren Schritten und einem entfernten
Donnergrollen. Malfoy schritt voran und öffnete ihr die Tür zu einem großen,
wie sie zugeben musste, sehr geschmackvoll eingerichteten Esszimmer. In der
Mitte stand ein runder Tisch mit einem rießigen Lüster darauf, an dem
mindestens 100 Kerzen brannten. Die Tafel war prächtig und sehr sorgfältig
gedeckt worden. Es fehlte wirklich an nichts. Samara entdeckte Speisen, die sie
in ihrem Leben noch nicht gesehen hatte, und eigentlich wollte sie sich auf der
Stelle an den Tisch setzen und essen, essen, essen. Doch sie wollte sich vor
Malfoy nicht noch einmal gehen lassen. Da er keine Anstalten machte sich zu
setzen, betrachtete sie interessiert das Zimmer. Der Boden des Raumes war aus
kräftigem, dickem, magischem Ilexholz, das sämtliche Geräusche in sich aufnahm,
so das nicht einmal Malfoys kräftige Stiefelschritte zu hören waren. Zwei
Stühle standen sich am Tisch gegenüber, und Samara war beruhigt, dass sie
Malfoy nicht neben sich hatte, sondern ihn im Auge behalten konnte. Die
ausladende, offene Feuerstelle, die sich am Ende des Zimmers befand war aus. Malfoy wies sie an, ihn zu dieser zu begleiten. Sie folgte ihm und
wartete: „ Zünde es an" sagte er zu ihr „ Wie bitte ?" fragte sie verwirrt. „
Zünde es an" wiederholte er gedehnt. Da verstand sie. Er wollte sie
testen.„ Lucius, bitte, ich, es ist
lange her und ich weiß nicht ob....". Er schnitt ihr brachial das Wort ab „
Halte mich nicht zum Narren, Samara" donnerte er „ wir wissen beide, was für
eine ausgezeichnete Handmagierin du dein ganzes Leben lang gewesen bist. Du
beherrschst die schwierigsten Flüche ohne einen Zauberstab auch nur anzufassen.
Daran hat auch Askaban nichts geändert. Also hör auf mit diesem Geziere und
zünde den verdammten Kamin an ! Sofort ! " Samara starrte ihn an. Was wollte er
damit bezwecken ? Sie blickte in die Feuerstelle in der offensichtlich sehr
feuchtes, schwarzes Holz wahllos hinein gestapelt war. Sie sollte zaubern. Er verlangte es förmlich von ihr.Es musste ihm doch klar sein, dass wenn er
sie üben ließe, sie immer mehr zur Gefahr werden konnte ? Wieder Fragen auf die
ihr niemand eine Antwort gab. Aber ihr sollte es recht sein. Der aktuelle Level
ihrer Fähigkeiten interessierte sie selbstverständlich auch.Samara seufzte, hob ihre linke Hand,
streckte den Arm durch und rief mit erstaunlich kräftiger Stimme : „
flammesco". Augenblicklich züngelte eine Flamme aus ihrer Fingerspitze und
suchte sich den Weg in die vorgegebene Richtung. Sie bohrte sich in den
Holzstapel und innerhalb weniger Sekunden brannte das nasse Holz lichterloh und
die Flammen schlugen lustig flackernd in den Kamin. Samara senkte ihre Hand und sah hinüber zu Malfoy. Dieser nickte
bedächtig langsam und mit zunehmend verschlossener Miene. Offensichtlich war
irgendetwas nicht in Ordnung - überhaupt nicht in Ordnung „ Das hatte ich
befürchtet. Die Zeit in Askaban hat dich keineswegs auch nur im Geringsten
geschwächt". Sie nahm den Hass in seiner Stimme und auch in seinem Blick wahr
als er ihr diese Worte entgegenschleuderte „ Du hast gesagt, das ich es tun
soll, " rief sie unsicher,„und ich
habe mich für einen sehr schwachen Feuerentfachungszauber entschieden. Was war
daran falsch ?" „ Was falsch war willst Du wissen ?" schrie er sie an und trat einen
wütenden Schritt auf sie zu. „ Falsch war, dass dieses Holz hätte nicht brennen
dürfen! Es ist Eisenholz. Unbrennbar. Wenn überhaupt glüht es leicht, und das
auch nur dann wenn man es mindestens mit einem Incendium - Zauber belegt (
Incendium = Feuersbrunst Anm. der Autorin ). Du aber entzündest dieses Holz mit
einem simplen „ flammesco „. Kannst du dir vorstellen, welche Kraft dahinter
stecken muss, meine kleine, unschuldige Dr. Snape? Andere trainieren Jahre und
scheitern. Du aber sitzt jahrelang in Askaban und musst dich dafür nicht einmal
tiefer konzentrieren. Wir müssen sehr, sehr vorsichtig sein mit dir. Wir müssen
handeln, ich muss......." er hielt schwer atmend in seinem Ausbruch inne. „ Ich
werde dich bändigen, jetzt und hier". Bevor Samara den Sinn seiner Worte begriff, riß er den Zauberstab aus
seinem Umhang,richtete ihn auf sie und
rief „ Stupor ". Samara traf der Zauber frontal und ohne das sie hätte
reagieren können. Sie kippte mit erstauntem Gesichtsausdruck nach hinten über
und schlug geräuschlos der Länge nach auf dem Fußboden vor einem großen
Lesesesselauf. Im selben Moment war
Lucius schonüber ihr und zog eine
Phiole aus der Tasche, die eine gelblich-rote Flüssigkeit enthielt. Unfähig
sich zu rühren, blickte sie in ihrer Erstarrung fassungslos darauf: „ Ars
magica maceria, meine Liebe, und du wirst nicht erraten wer ihn für mich
gebraut hat ". Mit diesen Worten schüttete er ihr den Inhalt der Phiole in den
Mund und zwang sie zu schlucken. Samara wollte husten, konnte aber nicht, der
Stupor - Zauber hatte sie fest in seiner Gewalt. Sie konnte Lucius nur
flehentlich anblicken, und hoffen, dass er bemerkte dass sie fast erstickte.„ Commotio" hörte sie aus
weiter Ferne, und spürte die Aufhebung des Zaubers. Sie richtete sich auf und
hustete stark, Tränen rannen aus ihren Augen und ihr Rachen brannte wie Feuer.
Malfoy stand noch immer schwer atmend wie ein Racheengel über ihr. Seine
langen, weißblonden Haaren hingen ihm wirr ins Gesicht, und seine Augen hatten
etwas Dämonisches während er sie beobachtete. Blind vor Tränen und Schmerzen in
ihrem Hals tastete Samara nach dem Sessel und versuchte sich daran
hochzuziehen. Zu ihrem Erstaunen jedoch ergriff Lucius ihre Hand und zog sie
auf die Füsse. Sie war kurzzeitig in der irren Annahme, Malfoy hätte ihre
Fähigkeiten vergessen, und wollte diesen kleinen Moment der Berührung ausnutzen,
um wieder seine Gedanken zu sehen. Trotz der mörderischen Hustens, der sie
immer noch quälte, konzentrierte sie sich auf den Geist ihres Gegenübers. Doch
nichts geschah ! Nochmals versuchte sie das, was sie schon von klein auf
beherrschte und sie noch nie im Stich gelassen hatte. Es geschah fast von
alleine, sie musste nur ihre eigenen Gedanken ein wenig in den Hintergrund
drängen, und schon hatte sie die Sicht auf die Dinge durch das Hirn des
anderen, sah seine Gedanken, seine Pläne, seine wahren Absichten. Aber sie sah
nichts. Nichts, nur Nebel, Dunst.Es
war als ob Malfoys Kopf komplett leergefegt war und er es geschafft hatte eine
Mauer um sein Innerstes zu ziehen. Was hatte er gesagt ? Ars Magica maceria hatte
er ihr eingeflösst. Sollte das die Lösung für ihr Versagen sein? Zaubertränke
waren noch nie ihr Fall gewesen. In der Schule hatte sie sich die Lösungen für
die Prüfungen immer von ihrer Nebensitzerin besorgt, indem sie ihr die Hand auf
den Arm oder das Bein gelegt hatte. Später hatte Severus ihr die Tränke
gebraut. Sie waren seine Passion. In diesem Moment hörte sie Lucius, den sie vor lauter Tränen in den
zusammengekniffenen Augen immer noch nicht sehen konnte, leise lachen: „ Es
scheint zu funktionieren".
Er stand unangenehm nah bei ihr, und hatte nicht nur mehr ihre Hand in der
ihren, sondern den ganzen Arm um sie gelegt und presste sie fest an sich. Er
war ein großer, stattlicher Mann, so dass Samara mit ihrem Kopf gerade bis an
seine Brust gelangte, in welche sie nun wiederum fürchterlich husten und würgen
musste, während sie versuchte sich aus seinem Griff zu befreien. Es war
vergebens. Er hielt sie fest, senkte den Kopf zu dem ihren herunter und
flüsterte ihr leise zu: „Du brauchst
dich nicht anzustrengen, meine Liebe, es ist für die nächsten 24 Stunden
vorbei. Deine magischen Fähigkeiten sind quasi nicht mehr existent. Du bist
nichts weiter wie ein gewöhnlicher Muggel - ohne jeden Zauber. Und wenn diese
24 Stunden wiederum vergangen sind, wirst Du Deinen nächsten Trank zu dir nehmen.
So lange wie ich es für nötig halte. Bis alle unsere Zwecke mit dir erfüllt
sind. Doch leider weiß niemand so genau, wie viel magisches Können dieses
gemeine Gebräu tatsächlich zerstört, wenn man es regelmässig konsumiert. Es hat
ihn noch niemand so lange eingenommen, wie du es tun wirst. Severus bat mich,
ihm die Ergebnisse mitzuteilen, wie sein Trank auf Dauer schädigen kann. Wenn
er doch nur wüsste, wessen magische Fähigkeiten seiner Arbeit zum Opfer fallen
" . Mit einem jähen Aufschrei riß Samara sich von Lucius los und taumelte
einige Schritte zurück: „ Wie kannst du es wagen Lucius ? Wie kannst du nur ?
Hast du jede Ehre verloren ?" Severus hatte ihr beigebracht, dass ein
Zaubertrank dieser Art selbst unter den schwarzen Magiern nur in äußersten Extremsituationen
angewendet wurde. Er raubte einem sämtliche magische Fähigkeiten, die man von
Geburt an besaß und bewirkte wirklich, dass der betroffene Zauberer in einer
Welt voller Magie dazu verurteilt war wie ein Muggel zu handeln. Nur das dies
die meisten Zauberer nie gelernt hatten, weil sie es nicht mussten. „ Was hast du
Severus erzählt ? Niemals hätte er dir dieses teuflische Zeug ohne ausreichende
Begründung mitgeben " schrie Samara wie von Sinnen. Die aufgestaute Panik brach
aus ihr hervor. Das war das Schlimmste was Malfoy ihr antun konnte. Sie hob
ihre zitternde Hand, sie brauchte Gewissheit, es war nun alles egal. Sie wollte
ihn töten, wollte hier raus, wollte zu Severus, weg, nur weg. Jetzt musste es
geschehen. Sie war eine starke, eine gut ausgebildete Hexe und sie hoffte
insgeheim das Severus vielleicht ein Fehler in der Zusammenstellung unterlaufen
war. Ihr Zeigefinger deutete auf Malfoys Brust und sie schrie in dieses
permanent amüsiert grinsende Gesicht: „ Avada Kedavra" ! Ein leichtes Beben
lief durch ihre Brust, doch mehr geschah nicht. Natürlich hatte Professor Snape
ganze Arbeit geleistet und auch diesen Trank mit äußerster Sorgfalt bereitet.
Wieder kamen die Tränen. Diesmal waren es aber die Tränen der absoluter
Hilflosigkeit. Sie ließ enttäuscht ihre Hand sinken, und Malfoy trat einen
Schritt auf sie zu. Das zynische
Lächeln war aus seinem Gesicht gewichen. Er hatte mit einem verzweifelten
Versuch seines Opfers,die eigenen
magischen Fähigkeiten doch noch heraufzubeschwören, gerechnet. Nicht jedoch
damit, dass sie ausgerechnet den tödlichsten aller Flüche gegen ihn aussprechen
würde: „ Verdammt, sie hätte dich ohne zu zögern in deinem eigenen Hausgetötet, diese kleine Schlampe" dachte
Lucius während er ausholte und ihr seinen Handrücken mit voller Wucht ins
Gesicht schlug. Samara stürzte rücklings in den Sessel und blieb dort in halb
sitzender, halb liegender Position zwischen Rückenlehne und Armpolster stecken.
Ihr Gesicht schmerzte mehr denn je, und sie war über die Brutalität dieses
Schlages entsetzt. Benommen rappelte sie sich ein wenig höher, als Malfoy sie
am Arm packte und aus dem Sessel förmlich senkrecht in die Höhe riß: „ Was
hätte das werden sollen ?" schrie er sie an und schüttelte sie so heftig, dass
sie fast die Besinnung verlor. Wie eine übergroße Puppe zerrte er sie mit sich
durch den Raum hinaus auf den Flur und von dort in das gegenüberliegende
Zimmer: „ Lumos " schrie Malfoy erneut und sämtliche Kerzen des Raumes gaben
Samara den benebelten Blick auf ein Schlafzimmer frei. Er warf sie achtlos
gegen einen der vier Pfosten,die den
Himmel des Bettes stützten. Dabei schlug sie sich erneut heftig den Kopf an.
Allerdings tat das Adrenalin, dass in ihren Adern pumpte ihr mittlerweile einen
guten Dienst; sie spürte immer weniger. Doch wenn sie
angenommen hatte das die Blockierung ihrer sämtlichen magischen Fähigkeiten das
größte Übel war das Malfoy für sie vorgesehen hatte, sollte sie bald erfahren,
dass sie sich getäuscht hatte. Sie blickte auf und sah, dass er sich seines Umhangs
entledigte und mit einem Schwung des Zauberstabes die Tür von innen schloß und
verriegelte. Er drehte sich wieder zu ihr und die nächsten Worte seiner vor Wut
und Erregung zitternden Lippen ließen sie fast ohnmächtig werden: „ Zieh dich
aus" !
-6 -
Mitten in der
Nacht schreckte er aus einem unruhigen, jedoch traumlosen Schlaf auf. Er war
mit einem Schlag hellwach und all seine Sinne schärften sich und versuchten aus
seiner Umgebung aufzunehmen, was die Ursache für sein jähes Erwachen war.
Severus stand aus seinem Sessel auf. Nach einer Flasche des guten, schweren
Rotweines aus den Kellern des Schlosses schlief er normalerweise ohne Probleme
die ganze Nacht durch. Heute jedoch nicht. Severus dachte kurz darüber nach, ob
er nicht einen seiner Schlaftränke zu sich nehmen sollte. Er verwarf diesen
Gedanken jedoch sofort, da die Nacht schon zu weit fortgeschritten war, und er
am Morgen dann nur schwer zu sich kam. Er trank einen
Schluck Wasser und beschloß in sein Labor zu gehen um noch einige Tränke vorzubereiten
um die ihn einige Kollegen gebeten hatten. Und Lucius Malfoy. Malfoy, dieser
Spinner. Er mochte ihn nicht wirklich, doch er hatte ihm schon einige Male
durch seinen Einfluß geholfen. Außerdem hatte er Lucius Sohn vor einigen Jahren
unterrichtet. Ein unbegabtes, verwöhntes Bürschchen. Ohne jedes Talent und
Hingabe zur Magie. Dennoch hatte er die Schule mit Abschluß verlassen. Etwas
anderes hätte Malfoy auch nicht zugelassen. Da Malfoy immer noch sehr großes
Interesse an Hogwarts zeigte und sie sich gelegentlich in der Schule über den
Weg liefen, hatte Malfoy ihn um einen der schwierigsten und folgeschwersten
Tränke der Zaubererwelt gebeten. Es hatte ihn
gereizt, einen dermaßen komplizierten Trank zu brauen, und auch die Ergebnisse,
die Malfoy ihm mitteilen wollte, konnten ihn in seiner Tätigkeit nur weiter
bringen: „ Das arme Geschöpf, das er damit traktiert", dachte Snape „ muss es
wohl verdient haben. " Severus hatte
ihn gefragt, für welchen Zweck er den Trank benötigte, und Malfoy hatte ihm ein
Schreiben des Ministeriums vorgelegt, in dem es darum ging, Schwerverbrecher in
Askaban, die als sogenannte hoffnungslose Fälle galten, mit Ars magica maceria
entsprechend lange zu behandeln bis ihre magischen Fähigkeiten so weit
reduziert waren, dass sie keine Gefahr für die Menschheit mehr darstellten, und
für die schwarze Seite der Zaubererwelt unbrauchbar waren. Das Schreiben hatte
hochoffiziellen Charakter und war als Geheimdokument gekennzeichnet. Der
Zaubereiminister persönlich hatte es unterzeichnet. Daraufhin
stellte Snape nur eine Frage: „ Wird Sama..., ich meine wird sie auch in dieses
Programm aufgenommen ?" Doch Malfoy hatte ihn beruhigt und ihm erklärt, dass
nur Gefangene, die klaren Verstandes waren damit behandelt wurden. Samara Snape
fiel durch dieses Raster leider hindurch. Snape war mit
dieser Auskunft zufrieden und hatte Malfoy eine erste Phiole des Trankes heute
mittag übergeben. Der Trank musste frisch nach Beendigung der Herstellung
innerhalb von 12 Stunden verabreicht werden, sonst war die Wirkung hinfällig.
Und er wirkte nur knapp 24 Stunden, dafür konnte er tückische Schäden
anrichten. Da Malfoy
bereits eine Eule am Mittag mit der Bitte um Nachschub gesandt hatte, war das
doch die optimale Aufgabe für diese angebrochene Nacht. Severus entzündete das
Feuer unter seinem Kessel mit einem leichten Schwung des Stabes. Er gestattete
sich noch einen kleinen Gedanken an Samara in der Form, dass sie froh sein
konnte, dass ihr die Tortur mit diesem äußerst gefährlichen Trank erspart blieb.
Sollte sie in ihrem Wahnsinn weiter vor sich hin siechen. Sie hatte es
verdient. Er suchte
fahrig nach seinen Zutaten, diese verdammte Unruhe in ihm - der Wein hatte sie
nicht vertrieben. Severus fluchte leise. Was war los mit ihm ? Bilder seiner
Frau drängten sich vor sein inneres Auge. Bilder aus guten Tagen. Wie sie
lachte und sich freute wenn er nach Hause kam und sie in die Arme schloss.
Samara, wie sie versuchte ihm bei der Zubereitung von Tränken zu helfen, und es
immer damit endete, dass sie entweder vor einer Explosion flüchten mussten oder
einer von beiden nicht mehr weiterarbeiten konnte, weil sie sich vor Lachen
über Samaras traurige Ergebnisse bogen. Snape
schleuderte den heißen Kessel mit einem lauten Schrei quer durch das Labor wo
er laut scheppernd an der Kerkerwand landete. Er stützte sich mit beiden Händen
auf den Labortisch und versuchte sich zu beruhigen, doch es wurde nur noch
schlimmer.Ein Rucken begann in seiner
Brust . Sein Magen krampfte sich zusammen und seine Knie wurden weich und
drohten nachzugeben. Er nahm die Hände vor sein Gesicht und das Rucken in
seiner Brust wurde heftiger und heftiger. Es machte ihm Angst, was sich da
seinen Weg nach draußen bahnte. Er konnte es nicht rauslassen, es durfte nicht
geschehen. Es würde wieder weh tun und ihn blockieren - vor allem würde es
nichts ändern. Snape begann
laut zu keuchen und presste die Hände seitlich an seinen Kopf. Er meinte jeden
Moment zerspringen zu müssen. Sein Herz raste und der Schweiß brach ihm am
ganzen Körper hervor. Er sank auf die Knie und keuchte lauter, schrie auf und
fuhr sich mit den Händen erneut übers Gesicht. Seine Brust hob und senkte sich
ruckartig und immer schneller. Snape raufte sich die Haare und spürte das er
nichts mehr dagegen machen konnte, als sich der Rebellion seines Innersten
hinzugeben. Er verbarg seine Gesicht in seinen zitternden Händen und da spürte
er es - er weinte. Heiße, bittere
Tränen brachen aus ihm hervor, zerrissen die Stille des Kerkers, der noch nie
die Emotionen seines Meisters erlebt hatte. Sein Schluchzen hallte von den
alten, kalten Mauern wieder und ließ keinen Ton nach außen dringen. Ein letztes
Mal versuchte Severus sich selbst Herr zu werden, doch diesmal war es zu spät.
Beim Versuch doch noch auf die Beine zu kommen, überwältigte sie ihn entgültig.
Die Trauer der
letzten acht Jahre bohrte und schob und bahnte sich ihren Weg an die
Oberfläche. Sie wollte einen See ungeweinter Tränen aus ihm herausspülen, riß
ihn zu Boden und presste ihn auf die kühlen Steinplatten seines Labors. Snape
wand sich auf dem Boden wie ein kleines, zorniges Kind und heulte, schrie und
weinte, weinte, weinte. Er hatte jegliche Kontrolle über sich undseine Gefühle verloren, und ließ eseinfach geschehen. Severus schrie ihren
Namen in seine Räume hinaus, er schrie ihren Namen so laut es die nicht enden
wollenden Tränen zuließen. Es ging
Stunden so weiter, bis er endlich eine Linderung spürte, und er keine Kraft
mehr hatte. Leise wimmernd kroch er zu seinen privaten Gemächern hinüber und
verbarg sein heißes, brennendes Gesicht in der kühlen Tagesdecke, die sein Bett
überzog. So saß er zusammengekauert wie ein schutzsuchendes Tier neben seiner
Lagerstatt auf dem Boden und wartete bis es aufhörte. Aber würde es je wieder
aufhören ? Die Wunde, die er glaubte erfolgreich verschlossen zu haben, war
wieder offen. Er musste sich eingestehen, dass sie nie wirklich geschlossen
war. Severus zog
sich mit letzter Kraft auf sein Bett und legte seine Arme fest um sich, wie
wenn er sich selbst in den Schlaf wiegen wollte. Wenigstens konnte er wieder
atmen. Tief sog er die Luft des Kerkers ein und blickte aus verhangenen,
verschwollenen Augen zur Decke. Warum konnte sie ihn nicht loslassen ? Sie
hatte ihn doch verlassen, alles kaputt gemacht, was sie sich aufgebaut hatten.
Warum konnte sie nicht endlich aus seinem Herz,aus seinen Gedankenverschwinden ? Severus war noch geschwächt von seinem Ausbruch, jedoch
arbeitete sein messerscharfer Verstand bereits wieder auf Hochtouren. Er musste
es akzeptieren, wahrscheinlich war es einfach an der Zeit, dass dieser Verlust
verarbeitet wurde. Nun konnte er geklärten Herzens wieder seinen Weg
weitergehen. Er schluckte
die letzten Tränen hinunter und wischte sich mit dem Ärmel über das Gesicht.
Alles fühlte sich vollkommen fremd an. Severus konnte sich nicht mehr erinnern,
wann er das letzte Mal geweint hatte. Es musste irgendwann in seiner Kindheit
gewesen sein Abschied, das
war es. Es war eine Art Abschied nehmen gewesen von ihr. Er hatte nie
Gelegenheit dazu gehabt. Sie hatten sie einfach mitgenommen und das Letzte was
er von ihr gesehen hat, waren ihre verzweifelt aufgerissenen Augen, ihr Mund,
wie er seinen Namen schrie und ihre Hände, die siehilfesuchend nach ihm ausstreckte, bevor die Lähmzauber der
Auroren sie zum Schweigen brachten. Severus
beschloß, dass dies die einzigst logische Erklärung dafür war. Nur diese Unruhe
in ihm, sie war immer noch da. Er schloß seine schmerzenden Augen und entschied
sich, nun doch einige Zeit zu schlafen und seine Tränke sowie sein verwüstetes
Labor morgen in Ordnung zu bringen. Professor Snape schlief ohne Probleme ein,
doch träumte er von seiner Frau, die ihn stumm aus traurigen Augen ansah, und
ein pastellblaues Kleid trug, an das er sich nicht an ihr erinnern konnte. Als
er am Morgen zerschlagen erwachte, mit einem blutigen Geschmack im Mund, weil
er sich in der Nacht während seiner Raserei wohl gebissen hatte, und zwei
brennenden, stechenden Augen, war die Erinnerung an den Traum fast verblasst -
und der Hass auf sie war wieder gegenwärtig, als er sein bemitleidenswertes
Spiegelbild betrachtete und sein zerstörtes Labor begutachtete. Nur über das
pastellblaue Kleid dachte er noch nach, als sich bereits die ersten Schüler vor
dem Kerker sammelten.
-7 -
Blut lief aus
Samaras Mundwinkel und tropfte in ihren Schoß. Sie starrte Malfoy an, der die
Hände in die Hüften gestemmt vor ihr stand und seine Forderung mit Nachdruck
wiederholte: „ Zieh dich aus !" Sein Blick war dunkel und ohne jede menschliche
Regung, seine Atmen klang wie des Schnauben eines Drachen und sein Körper
verströmte eine Aggressivität und Entschlossenheit, die Samara zu verstehen
gab, dass er keinen Widerspruch dulden würde. Jedoch konnte sie nicht glauben,
wollte sie nicht glauben, dass Malfoy tatsächlich plante sie mit Gewalt zu
nehmen. Sicherlich - sie hatten eine intime gemeinsame Vergangenheit -doch das war sehr, sehr lange her, und sie
hatte diese Episode ihres Lebens bis zu diesem Moment sogar beinahe vergessen.
Lucius Malfoy war unbedeutend geworden nachdem sie Severus kennen gelernt
hatte. Malfoy hatte diese Tatsache nicht akzeptieren können und verhöhnte ihre
Gefühle für Snape, nachdem sie ihn zurückgewiesen hatte -bei jeder sich bietenden Gelegenheit. Malfoy riß der
Geduldsfaden. Er griff sie hart im Nacken und zog sie zu sich nach oben.
Endlich kam Leben in Samara. Sie stemmte sich mit aller Kraft in Malfoys Brust
und versuchte ihren Kopf aus seiner Hand zu winden. Jedoch hatten Askaban, die
fehlende, ausgebliebene Mahlzeit, Severus Trank und die Erschöpfung durch die
Erlebnisse des heutigen Tages sie über alle Maße geschwächt, und ihre Gegenwehr
fiel entsprechend lächerlich aus. Lucius hob ihr Gesicht an und presste ihr
einen brutalen, heftigen Kuss auf die Lippen. Samara wand und bog sich in
seinem Griff - vergebens. So weit es seine Arme erlaubten drückte sie ihren
Kopf nach hinten und keuchte:„ Lucius, hör auf ! Bitte, ich bitte Dich, nein,
ich flehe dich an, tu das nicht. Ich werde alles tun was du verlangst, aber
bitte tu mir das nicht an !" „ Du hättest
mich vorhin getötet, wenn dir der Fluch gelungen wäre ! Meinst du, du bist in
der Position irgendetwas von mir zu erflehen ?" zischte er in ihr Ohr, und fuhr
mit seiner Zunge ihr Halsbeuge hinab bis zum Ansatz ihrer Brüste. Seine Hand
hatte sich derb in ihren Haaren vergraben und hielten sie unerbittlich fest. „
Weißt du wie viele Jahre ich darauf gewartet habe ? Jahrelang musste ich mit
ansehen, wie du Snape, diesem Narren, verfallen warst. Ihm jeden Wunsch von den
Augen abgelesen hast, und mir nichts weiter zu geben hattest wie hin und wieder
ein Lächeln und etwas Freundschaft ?" Als ob er
diese Demütigung innerlich nochmals durchlebte, ließ er einen Moment von ihr
ab, packte sie beidseitig an den Schultern und sah ihr in die angsterfüllten
Augen; „ Es tut mir leid wenn ich dich verletzt habe Lucius, aber ich habe
Severus mein ganzes Leben lang geliebt. Nicht mal wir Zauberer haben die
Möglichkeit die Liebe eines anderen zu erzwingen. " flüsterte sie, und hoffte
das ihre Worte ihn zur Besinnung brachten, oder zumindest den Verlauf der Dinge
verzögerte. Malfoy
lächelte zynisch „ Wie recht du doch hast. Nicht einmal wir können die Liebe
eines anderen erzwingen, aber wir können unsere menschlichen Eigenschaften
nutzen und den Willen anderer brechen um uns für einige Zeit, dass zunehmen was wir wollen und brauchen - und das
ganz ohne jede Magie, " er strich ihr bei diesen Worten mit einem seiner langen
Fingernägel über die klopfende Halsschlagader „ machen uns diese
Eigenschaftennicht unglaublich mächtig,
meine Liebe. " Bevor Samara ihm antworten konnte, entledigte sich Malfoy seines
Hemdes, warf es achtlos zu Boden und packte sie blitzschnell an den
Handgelenken, die er ihr auf den Rücken drehte. Er hielt ihre schmalen,
zierlichen Hände mit einer Hand fest und zückte den Zauberstab „ Manus alligo"
hauchte er sanft und aus der Spitze seines Stabes schossen dünne Seile, die
sich um ihre Handgelenke wanden und begannen ihr das Blut abzuschnüren. Sie
hatte keine Chance. Mehrmals -
während der ganzen, abstossenden Berührungen durch Malfoy - hatte sie versucht
seine Gedanken zu lesen, aber der Trank hatte seine Wirkung voll entfaltet. Sie
hatte weniger Magie in sich wie ein neugeborenes Muggelbaby. Malfoy betrachtete
zufrieden die einschneidenden Fesseln an Samaras Händen. Er ließ von ihr ab,
trat einen Schritt zurück, ging seelenruhig durch das Zimmer und setzte sich
auf das überdimensionierte Himmelbett. Samara stand wie angewurzelt und
schweifte hektisch mit ihrem Blick durch den Raum. Es gab nichts, was ihr auch
nur einen Funken Hoffnung hätte geben können. Die Tür verriegelt, der Raum
offensichtlich ohne Fenster oder magisch verborgen. Sie stand da und
beobachtete Malfoy wie er seine Stiefel achtlos in die Ecke feuerte und begann
mit einem genüsslichen Lächeln, dass eine gewisse Vorfreude wiederspiegelte,
sich seiner Hose zu entledigen. Erwachsene
Zauberer trugen normalerweise keine Unterwäsche. Den genauen Grund dafür kannte
sie nicht, aber es war ein ungeschriebenes Gesetz. Somit war Lucius nun nackt
bis auf die goldene Halskette mit dem Familienwappen der Malfoys. Er lehnte
sich gemütlich in den Kissenberg hinter ihm und man konnte nun deutlich
Erkennen welche Erregung diese Situation in ihm auslöste. Angewidert wandte
Samara den Blick ab.„ Komm zu mir " sagte Malfoy „ lass mich
deinen Hass spüren. Du bist eine kluge Frau, du weißt wann du verloren hast.
Oh, und falls nicht - nun ist es soweit. Es macht mir übrigens nichts aus wenn
du schreist und deiner Wut über deine, nun nennen wir es mal, leicht defensive
Situation, freien Lauf lässt. Es wird dich niemand hören. Wir sind allein. Ganz
allein. Und wir haben viel Zeit ! " Mit drei
schnellen Schritten war Malfoy aus dem Bett und stand nun hinter ihr. Sie
zitterte, war unfähig auch nur einen Gedanken zu fassen, ihre Knie drohten
nachzugeben, doch er presste seinen Körper fest von hinten an sie, umfasste ihr
bebenden Brüste mit beiden Händen „ Es ist mir eine Ehre, Dr. Snape, nach all
den Jahren der Abstinenz der Erste sein zu dürfen, der die Freuden eurer
Weiblichkeit genießen darf" flüsterte er ihr ins Ohr. Samara wimmerte auf.
Seine extrem gepflegten Hände mit den langen Fingern bohrten sich beidseitig in
den Saum ihres Dekolteés und mit einem brutalen Ruck zerriß Malfoy den dünnen,
feinen Stoff bis hinunter zu ihren Schenkeln. Sie schrie auf. „ Sch... Sch...
mein Engel, noch nicht, das ist erst der Anfang" keuchte er in ihr Ohr. Mit der
nächsten Bewegung fetzte er ihr den Slip und ihren BH herunter und Samara
wünschte sich eine Ohnmacht, wünschte ihr Körper möge nun endlich versagen und
sie in eine Dunkelheit entlassen, in der ihr kein Schmerz, keine Demütigung
widerfahren konnte. Sie begann zu
bitterlich zu weinen. Mit hängenden Schultern, nackt, nur noch mit den
restlichen Stücken ihres Kleides bedecktdass zerstört an ihren Handfesseln hing und von einem kleinen Fetzen
Stoff an ihren Beinen zusammengehalten wurde, stand sie vor Malfoy und betete
zu einer höheren Macht sie möge sie sterben lassen. „ Wie möchtest du genommen
werden, du hast die freie Auswahl " hörte sie ihn sagen, während sie seine
Hände überall auf ihrem Körper spürte. Die Feuchtigkeit seiner Zunge an ihrem
Hals, ihren Ohren und ihrem Gesicht bereiteten ihr Übelkeit. Seine harte
Männlichkeit drängte sich an ihren Oberschenkel und er drehte sie zu sich
herum. Die langen, weißblonden Haare des Zauberers umrahmten sein Gesicht wie
ein loderndes Feuer, sie konnte die grenzenlose Erregung in seinen Augen
glitzern sehen. Sie waren nicht mehr kalt, sie waren voller wilder Lust und
Entschlossenheit. Samara brachte
unter Tränen ein hilfloses, bittendes Flehen hervor: „ Lucius, bitte, rede mir
mir." Ein Weinkrampf schüttelte ihren nackten Körper, „ ich werde dir bei allen
Vorhaben helfen. Auch deinem Herrn dienen, wenn du es wünscht. Doch bitte tu es
nicht. " Malfoy lachte leise auf: „ Aber sicher wirst du dem Herrn dienen. Das
hier ist alles bereits ein Teil davon. Eine Probe sozusagen. " Lucius kicherte
verächtlich. Er war es nun leid sich länger aufzuhalten, er wollte den Lohn
einkassieren für die lange Vorbereitungszeit der Befreiung von Samara, und er
wollte sie einfach lieben, wollte sie nehmen, so wie er es bereits in jungen
Jahren getan hatte. Damals ließ sie es bereitwillig und neugierig geschehen.
Heute nicht.Er nahm die
laut schluchzende Frau, die keine Gegenwehr mehr leistete, auf seine Arme und
trug sie hinüber zum Bett. Unsanft fiel sie auf die schmerzenden Fesseln an
ihrem Rücken. Ihr Verstand schaltete ab, sie begann wild und unartikuliert zu
schreien und zu weinen. Sie warf ihren Kopf von einer Seite zur anderen und
spürte wieder seine Zunge auf ihren Brüsten, auf ihrem Bauch. Verzweifelt
versuchte sie ihn zu treten, aber er kniete sich brutal auf ihre Beine, dass
sie befürchtete, sie brachen unter seinem Gewicht. Nun war sie zur absoluten
Unbeweglichkeit verurteilt, leider traf das auf ihren Geist nicht zu. Ihre
Gedanken rasten zusammenhanglos durch ihren fiebrigen Kopf. Sie versuchte seine
Nähe zu ignorieren, versuchte nicht zu spüren wie er gierig an ihren
Brustwarzen saugte und seine langen Finger unsanft begannen ihre Scham zu
bearbeiten. Doch die Realität konnte sie nicht verdrängen. Sie wurde
vergewaltigt. Sie wurde von Lucius Malfoy vergewaltigt.Ihr Kopf sank
nach hinten und sie verfiel in eine Art Apathie. Samara schloß ihre Augen und
dachte an ihren Mann. Ihren geliebten Mann, von dem sie gehofft hatte, dass er
sie wieder zu sich nahm, ihr zuhörte und sie ihm alles erklären konnte. Dass er
sie wieder liebte, so wie sie nur er es vermochte. Severus. Wie sollte er sie
je wieder lieben können, nachdem Malfoy sie genommen hatte?Ein stechender
Schmerz zwischen ihren Schenkeln, ließ sie laut aufschreien und trieb einen
weiteren Tränenstrom hervor. Lucius war in sie eingedrungen. Mit einer solchen
Wut und Härte stieß er in ihren Unterleib, dass ihre Atmung stockte und ihr
Herz für mehrere Schläge aussetzte. Während er sich auf ihr heftig bewegte
fielen seine langen Haare in ihr Gesicht und sie nahm den intensiven Geruch von
Lavendel war. Es erinnerte sie an ihre Jugend, dieser Geruch, diese verdammte
Ölessenz aus Lavendel, die er sich immer sorgfältig in die Haare rieb. Sie
würgte. Sie wollte ihn nicht auch noch einatmen. Samara konnte die Augen nicht
öffnen, wollte nicht sehen wie dieser Mann, den intimsten Akt zwischen zwei
Liebenden mit ihr vollzog. Malfoy stöhnte laut und hielt plötzlich in seiner
Bewegung inne. Er beugte
seinen Kopf zu seinem Opfer hinunter und keuchte ihr schwer atmend ins Ohr: „
Ist das gut für Dich ? Spürst du mich ? Was meinst du würde Snape dazu sagen,
wenn er sehen könnte das seine kleine, geliebte, wahnsinnig gewordene Frau
endlich wieder richtigen Sex erfährt?? Oder vermisst du ihn etwa gerade -DEINEN MANN ??" Mit diesen Worten stieß er seine Männlichkeit so fest in ihren
Schoß und biss sie unvorstellbar schmerzhaft in ihre linke Schulter, dass sich
endlich die ersehnte Ohnmacht über Samara senkte. Sie roch nochmals den
intensiven Lavendelin seinen Haaren
und meinte ihren Mann verzweifelt ihren Namen schreien zu hören , dann sank ihr
Kopf bewusstlos zur Seite. Wenigstens blieb ihr auf diese Weise die
triumphierende Mischung zwischen lautem Aufstöhnen und Gelächter erspart, als
Malfoy`s Erregung sich druckvoll in ihren geschändeten Körper entleerte.
-8 -
Sie erwachte
früh am Morgen. Ihr erster Blick fiel durch das Fenster auf den sich
ankündigenden Sonnenaufgang. Ein schmales Wolkenband am Horizont war in
zartrosa Licht getaucht. Samara empfand diesesSchauspiel als tröstend. Still lag sie unter ihrer Decke und lauschte.
Sie konnte jedoch nur ihre eigenen Atemzüge hören. Offensichtlich war sie
allein. Zusammengerollt wie ein Hundewelpe, lag sie auf der Seite und versuchte
das entsetzliche Brennen in ihrem Unterleib und zwischen ihren Beinen zu
ignorieren. Langsam drehte sie sich auf den Rücken und zuckte dabei mehrmals
schmerzerfüllt zusammen. Samara drehte den Kopf zur anderen Seite und
bestätigte sich nun auch optisch, dass sie allein war. Das kam ihr sehr
entgegen. Sie atmete tief in den Schmerz hinein und setzte sich auf. Jemand
hatte sie in eine schlichteweiße
Tunika gesteckt und sie in diesem Bett abgelegt. Es war nicht das Zimmer in dem
Malfoy sie gestern nacht vergewaltigt hatte.
Er hatte sie tatsächlich
vergewaltigt.Samara hatte das Gefühl
neben sich zu stehen. Sie war ungewöhnlich ruhig und erschrak darüber, wie
sachlich ihr Verstand mit der Information umging, dass sie einen Alptraum
durchlebt hatte, der eine Frau normalerweise zerbrach und ihr die Chance auf
eine Leben, wie sie es vorher geführt hatte, für immer nahm. Doch Samara hatte
acht Jahre vorher kein Leben geführt. Sie war dahinvegetiert und hatte auf
Erlösung gehofft. Das eine höhere Macht nun diesen Weg der Erlösung für sie
gewählt hatte, war einerseits grausam und erniedrigend, andererseits war sie
der Hölle von Askaban entronnen. Dort hatte man auf anderer Ebene weitaus
schlimmere Dinge mit ihr angestellt - und sie hatte allem widerstanden. Leider
waren Gewalt, Demütigungen und seelische Grausamkeit ein fester Bestandteil
ihres Lebens geworden - doch irrwitziger Weise schien ihr diese traurige
Gewohnheit gerade das Leben und den Verstand zu retten. Malfjoy hatte sich
ihren Körper genommen, und er hatte keine Zweifel bei Samara offen gelassen,
dass er es wieder tun würde. Er konnte diesen Körper haben -doch niemals mehr. Niemals ihr Innerstes.
Ihre unerschütterliche Liebe zu Severus Snape und ihr Glaube an eine Rückkehr
zu ihm und eine Klärung der eingefädelten Intrige vor acht Jahren ließen es zu,
dass Samara Snape in ihrem Bett saß und ihre Gedanken logisch und unemotional ordnen
konnte. Sie musste langsam beginnen zu handeln. Denn auch wenn sie sich darauf
vorbereitete, dass Malfoy sie weiter körperlich misshandeln und traktieren
würden, so machte ihr der Umstand des Ars magica maceria Trankes große Angst.
Sie betrachtete ihr schmalen Finger. Sie zitterte nicht mehr. Gut. Das Brennen
in ihrer Kehle war auch verschwunden, der Hustenreiz ebenfalls. Früher als sie
noch ein kleines Mädchen war, hatte sie immer wenn sie nicht einschlafen
konnte, ein kleines Spiel unter ihrer Decke gespielt bis sie müde war.
Es
benötigte nur ganz wenig magische Energie, und sie beschloss, dass es Zeit war
dieses alte Einschlafspiel für einen Test zu benutzen. Sie streckte ihren
linken Zeigefinger aus und flüsterte: „ ovicula nubecula salio". Wieder das
Beben in ihrer Brust. Sonst nichts. Samara fluchte leise. Sie hatte nahezu den
ganzen Inhalt der Phiole schlucken müssen, Malfoy hatte ihr sämtlich Atemwege
abgedrückt. Nur während des anschließenden würgenden Hustens war ein Teil der
Flüssigkeit wieder ihre Speiseröhre hinaufgeschossen und war in Malfoys
Rüschenhemd versickert, während er sie an sich presste. „ Nochmal " dachte sie
„ ganz ruhig und nochmal".
Wenn ihr Zauberspruch funktioniert hätte, wäre ein
kleines, weißes Wolkenschaf aus ihrer Fingerkuppe gebrochen, hätte leise „ mäh
„ gerufen und sich beim Sprung von ihrem Finger in Luft aufgelöst. Eben ein
Kinderspiel. Wieder murmelte sie die Zauberformel und konzentrierte sich ganz
auf ihre ausführende Hand. Das Beben in ihrer Brust schien ihr diesmal stärker,
wenn auch aus ihrem Finger nicht einmal die Andeutung eines Wölkchens erschien.
Missmutig ließ sie die Hand sinken: „ Hättest du nicht einmal einen Fehler
machen können Geliebter ? Nur dieses eine Mal ?" Sie sank nach hinten in ihr
Kissen und blickte zur Decke. 24 Stunden, hatte Malfoy gesagt, wirkte der
Trank, dann würde sie den Nächsten bekommen. Der Trank war hochkomplex und sehr
schwierig in der Zubereitung, dass wusste sie. Die Schäden, die er verursachte
waren nicht absehbar. Und er musste innerhalb von 12 Stunden nach
Herstellung........ Samara fuhr senkrecht hoch. Er musste innerhalb von 12
Stunden nach Herstellung verabreicht werden ! Das war das Licht am Ende des
Tunnels auf das sie gewartet hatte. Der Trank war n i c h t lagerfähig ! Folglich
musste Malfoy Nachschub besorgen. Malfoy musste Severus kontaktieren um sie
weiterhin in den richtigen Abständen mit Ars magica zu versehen.
Severus ! Sie
begann fieberhaft nachzurechnen. Lucius hatte ihr den Trank vor schätzungsweise
knapp 12 Stunden verabreicht, dies würde bedeuten, dass am heutigen Abend die
nächste Phiole fällig war. Somit musste Severus bereits mit der Zubereitung
beschäftigt sein und Malfoy müsste im Laufe des Tages nach Hogwarts. Sie
wusste, dass Severus diesen Trank niemals an Dritte aushändigen würde oder mit
einer Eule transportieren ließe. Dazu war er zu gefährlich. Malfoy musste
persönlich nach Hogwarts, und dastäglich ! Ein Lächeln stellte sich auf Samaras Gesicht ein. Es war noch
kein Weg, aber ein kleiner Pfad, der sich auftat.
Ihr aufgeplatzter Mundwinkel
von der Ohrfeige Malfoys ließ sie aufhören zu lächeln. Sie befühlte vorsichtig
die wehe Stelle und rollte sich langsam aus dem Bett. Als sie beide Füsse auf
den Boden stellte und sich aufsetzte, kehrte die Demütigung und die Tortur des
gestrigen Abend in voller Wucht zurück. Angewidert spürte sie wie eine klebrige
Flüssigkeit ihre Oberschenkel hinab rann. Sie musste nicht hinsehen um zu
wissen was es war. Wieder stiegen ihr Tränen in die Augen. Früher hatte sie
dieses Gefühl geliebt, wenn sie nach einer langen, intensiven Liebesnacht mit
Severus aufgestanden war, und auf ihrer Haut spürte wie sich die letzten
Überbleibsel der Nacht, die sie ihm entlockt hatte, von ihr verabschiedeten. An
diesem Morgen hatte sie das Gefühl, das Malfoys Sperma ätzende Wunden in ihre
Haut riß. Mit einem Zipfel des Bettbezuges wischte sie ekelerregt und hektisch
ihre Schenkel sauber. Sie sehnte sich nach einer Dusche.
Die Sonne hatte
mittlerweile ihr goldene Bahn angetreten und schien angenehm warm durch das
Fenster auf Samaras Füsse. Sie stand auf und lauschte ob ihre ersten Schritte
wieder sofort einen Alarm im Haus auslösen würden, doch offenbar hatte man auf
diese Schutzmaßnahme verzichtet. Nach dem was sie am Abend zuvor erlebt hatte,
ging man im Anwesen Malfoy wohl nicht mehr davon aus, dass sie über die Maße
gefährlich war. Zwei Türen führten aus diesem Zimmer. Die kleinere von beiden
lag links von ihr und sie vermutete und hoffte dort ein Bad oder zumindest eine
Toilette zu finden. Vorsichtig um nur keinen Lärm zu machen, schlich Samara zu
dieser Tür und spähte hinein. Sie atmete auf. Es war tatsächlich eine kleine
Dusche mit einem Waschbecken und einer Toilette. Alles war sehr sorgfältig
hergerichtet, und erinnerte sie in der Aufmachung an die fleißigen Elfen, denen
sie das angenehm regenerierende Vollbad zu verdanken hatte. An diesem Morgen
wollte sie sich nicht erholen, sie wollte sich nur waschen. Sauber machen. Rein
sein. Den Lavendelduft aus der Nase bekommen, den sie meinte immer noch zu
riechen. Malfoy wegwaschen - das war ihr Ziel.
Schnell schlüpfte sie in den
Raum hinein, und aus ihrer Tunika heraus. Als sie ihren Arm über den Kopf hoch,
zuckte ein weiterer scharfer Schmerz durch ihre Schulter. Ein Blick in den
Spiegel über dem Waschbecken ließ sie wütend werden. Lucius Maljoy hatte ihr
einen wüstes Mal in Form eines Gebissabdruckes in der Schulter hinterlassen,
der ungewöhnlich tief war und lila - rot blutunterlaufen. Er sah aus, als ob er
jeden Moment aufbrechen und bluten würde. „ Ich zahls dir heim Maljoy" dachte
Samara grimmig „ ich weiß noch nicht wie und wann, aber diese Rechnung bezahlst
du". Der Mundwinkel, den er ihr blutig geschlagen hatte, war geschwollen, sah
sonst aber unspektakulär aus. Sie huschte unter die Dusche und drehte die
beiden Hähne auf. Eiskalt brauste das Wasser auf sie hernieder, und sie musste
sich die Nägel in die Handflächen graben um nicht laut zu schreien. Sie atmete
heftig aus und ein, bis sich ihr Körper an die Temperatur gewöhnt hatte und ihr
Kreislauf auf Hochtouren lief. Langsam wurde das Wasser wärmer und sie begann
sich unter dem wohltuenden Strahl zu entspannen. Sie hob ihr Gesicht und ließ
sich das Wasser darüber laufen. In diese Stellung verharrte sie ungefähr fünf
Minuten, dann begann sie akribisch jeden Zentimeter ihrer Haut zu waschen. Den
Bereich zwischen ihren Beinen bearbeitete sie besonders sorgfältig. Lucius
hatte ihr sehr weh getan. Sie musste vorsichtig sein, denn die Berührung mit
der reinigenden Seife brannte wie Feuer und sie war froh, dass sie nicht direkt
einsehen konnte, wie sehr Lucius sie verletzt hatte.
Es war bereits das
siebente oder achte Mal, dass sie sich komplett eingeseift und wieder
abgewaschen hatte, als sie feststellte, dass sich ihr gedemütigtes Inneres
davon leider nicht wegwaschen ließ. Jedoch hatte sie eines erreicht: sie war
nun bereit zu kämpfen. Sie wollte sich nicht verkriechen und ihm zugestehen,
dass er sie wirklich gebrochen hatte . Sie musste und wollte den Kampf nun
aufnehmen mit ihm, sie würde sich ihm stellen. Sei es mit List oder mit Gewalt.
Das war sie sich schuldig - das war sie Severus schuldig. Malfoy hatte das
letzte Mal ihre Tränen gesehen. Sie wusste, spürte, dass diese nun entgültig
versiegt waren. Samara würde diese Tränen für Severus aufsparen, dort war der
Platz an dem sie schwach sein durfte, weinen durfte. Nicht hier. Sie drehte das
Wasser ab und begann ihr Haar auszuwringen. Sie hatte derart heiß geduscht,
dass dicke Dampfwolken das kleine Bad einhüllten, und der Spiegel beschlagen war.
Sie trat aus der Dusche, schnappte sich ein großes Handtuch vom Wandhaken und
stellte sich vor das Waschbecken. Sie rubbelte mit dem Handtuch ihre Haare und
legte es dann über den Rand des Beckens. Mit dem rechten Unterarm fuhr sie über
die Spiegelfläche um den Beschlag wegzuwischen. Sie sah hinein - und blickte in
die kalten Augen und das zynische Lächeln von Lucius Malfoy.