AN NUR EINEM ABEND

       von Sam

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Wieder ein Abend, an dem unangenehm viel los war im „Drei Besen"

Alle bekannten Charaktere gehören J.K.Rowling, es sind keine Schandtaten an deren Figuren geplant, außer einem bedauerlichen (wirklich so bedauerlichen?) Todesfall.

Melinda und Ester stammen von mir...

Danke an meine gute Freundin... Juliane (ich liebe deine Stories), die das für mich weggeschickt hat.

Ähm, danke auch, dass unsere Zusammenarbeit so gut funktioniert (bei du weißt-schon-was!).

Außerdem auch an Obi-Wan-Karinobi (Karin) und Schreihals (Sandi) ein dickes Dankeschön, dass sie immer da sind...

Gute Unterhaltung, Sam

 

 

Wieder ein Abend, an dem unangenehm viel los war im „Drei Besen". Melinda ließ schon den ganzen Abend Butterbier in Krüge einlaufen. Ihr waren die halbangetrunkenen Magier in diesem Lokal lästig. Seit die Gerüchte, dass Voldemort wieder auferstanden war, immer öfter auftauchten und unerklärliche Todesfälle immer mehr vorkamen, wandten sich die Magier wie in den Schreckensjahren zuvor dem Alkohol zu.

 

Es blieb nicht nur bei einem Butterbier, so wie früher, sondern kam es zu diesen Zeiten auch vor, dass sie sich mit Butterbier (und wie jeder weiß: das Zeug ist nicht besonders stark) betranken. „Mutter, du behauptetest, hier sei nichts los!", meinte Melinda leicht angeschlagen zu Madame Rosmertha, die es wie immer eilig hatte und ihr ein paar Bestellungen entgegen warf. „Sei nicht so pingelig, du kommst schon noch zu deiner Freizeit... am Wochenende ist immer mehr los.", Melinda konnte ein spöttisches „Ha" nicht unterdrücken. „Melinda, noch sechs Maß Butterbier!", rief ihr Madame Rosmertha zu. „Ja, Mutter.", antwortete sie kurz und stützte kurz ihren Rücken.

 

Severus Snape trat auf einen eben freigewordenen Hocker zu. Melinda war kurz davor ihre Nerven aufzugeben, denn Rosmertha gab ihr immer mehr Getränke in Auftrag, die sie ganz durcheinander brachten. Nach einem tiefen Atemzug löste sie das Problem kurzerhand per Magie. Sie zauberte allen das auf den Tisch, was sie haben wollten und dirigierte die Getränke nur noch mit ihrem Zauberstab durch den Raum, genauso füllte sie diese auch ab. „Na endlich, ich dachte, du würdest es nie begreifen!", rief Rosmertha und setzte sich zu einigen Leuten.

 

„Ja, dieser Meinung war ich auch.", giftete Melinda zurück, denn soeben hatte sie einen kurzen Stoß gegen den Magen bekommen, ihr Kind machte sich nun immer öfter bemerkbar. „Guten Abend, Melinda.", sie blickte den Mann, der sie kühl begrüßt hatte, lächelnd an. „Der Professor,", stellte sie freudig überrascht fest, „was möchten Sie trinken?", wieder einmal konnte man die Furche zwischen seinen Augen gut erkennen. Er hatte seine Gesichtszüge zu einem für ihn typischen süffisanten Ausdruck gebildet. Mit seiner leicht öligen Stimme beantwortete er ihre Frage, leicht gereizt: „Eine Tasse Tee, wenn möglich selbst gemacht.", Melinda lächelte ihn theatralisch gestresst an. „Wenn Sie sich noch kurz gedulden könnten, werde ich mir hier frei nehmen und den ganzen restlichen Abend für Sie Zeit haben.", sie strich sich eine braune Haarsträhne, die sich losgelöst hatte hinter ihr zartes Ohr und lächelte noch immer.

 

„Und wie lange soll ich auf meinen Tee warten?", fuhr er sie an. Melinda sah auf die Uhr, wissend, dass er diese grimmigen Worte nicht so meinte. „Ungefähr einer Stunde. Könnten Sie sich bis dahin gedulden?", er nickte kaum merkbar, schon so lange hatte er sie sich nicht mehr berührt, denn die Zeiten waren zu gefährlich. „Schwer, Sie wissen ja, dass meine Zeit von höchster Kostbarkeit ist.", meinte er herausfordernd. „Ja.", sie ließ wieder ein paar Maß Bier einlaufen und herum fliegen, bis sie ihren Großvater in der Menge entdeckte, der ihr zuwinkte.

 

„Mutter, ich werde nach Hause gehen, Großvater ist hier.", rief sie, während sie den alten Magier begrüßte, als er zu ihr hinter die Theke kam. „Ist schon gut, dann geh endlich.", kam die Antwort ihrer Mutter. „So, sei schön artig und pass gut auf dich und das Kleine auf.", ein Blitzen lag in seinen gütigen grauen Augen. „Bis dann, Grandpa.", sie umarmte ihn und blieb dabei fast in seinen langen grauen Haaren hängen. Melinda band sich die Schürze ab und verließ das Lokal, endlich in der fischen, nachtkühlen Luft, die sie begierig einsog, kam er zu ihr. „Hätten Sie jetzt endlich Zeit für meinen Tee?", flüsterte ihr Severus ins Ohr. „Keine Ahnung.", mit einem Lächeln umarmte sie ihn. „Schon etwas geplant für heute?", ihr gewölbter Bauch drückte gegen seinen.

Mit einem Blick in Richtung Ortsrand begann er Vorschläge zu machen. „Ähm, wir könnten in die Heulende Hütte gehen, Remus und Sirius sind oben in Hogwarts und beschäftigen Potter und seine Truppe. Oder zu mir in den Kerker, dort läuft auch niemand herum... oder aber...", er flüsterte ihr ein paar Worte ins Ohr und sie begann zu kichern. „Severus Snape, ich bin empört, welche Vorschläge du mir unterbreitest...", es dauerte nicht lange und sie folgte ihm kurzerhand. Unbemerkt hatte sie eine dunkle Person belauscht, die um die Ecke des „Drei Besen" stand. „Soso, Rosmerthas Kleine...", konnte man noch vernehmen, bevor nichts mehr an die Person, die eben appariert hatte, erinnerte.

 

Nach nicht allzu langer Zeit waren die beiden Liebenden angekommen... das perfekte Versteck, tief im Wald am Rande des Ortes, gegenüberliegend des Verbotenen Waldes. Melinda öffnete ihre langen Haare aus der Spange und kämmte sie mit ihren Fingern durch. „Du fehlst mir, wenn du doch nur zu mir nach Hogwarts ziehen würdest.", sie blieb stehen und schüttelte den Kopf. „Dieses Gespräch bin ich müde zu führen und du weißt es. Ich kann meine Familie nicht allein hier unten lassen. Er wird bald besiegt sein und danach kann ich mich in Ruhe auf Hogwarts begeben. Du weißt doch, dass meine Tante in Gefahr ist und allein ich weiß, wo sich ihr Versteck befindet.", Severus streichelte sanft ihren Kopf und küsste sie zart. „Noch ein Grund mehr, dass du zu mir kommst, du... nein ihr seid in Gefahr.", sie schüttelte den Kopf und lächelte.

 

Ihre Lippen glitzerten im sanften Mondlicht und versprachen ihm das von ihm Begehrte. Seit beinahe sieben Monaten hatte er sie schon nicht mehr besitzen dürfen und er sehnte sich so sehr nach ihrem Körper, dass es sich morgens beim Aufwachen immer bemerkbar machte. Melinda zog ihn in eine enge Umarmung und er spürte wieder, weshalb seine sexuellen Bedürfnisse Bedürfnisse geblieben waren. Melinda trug ein Kind unter ihrem Herzen, sein Kind. Gut getarnt durch weite Umhänge und Roben, nur den Familienmitgliedern erzählt. „Du fehlst mir so sehr.", er strich durch ihre hüftlangen Haare. „Wenn die Geburt naht, in sechs Wochen, wirst du in deinem Kerker Platz machen müssen." Er jubelte und hob sie hoch, wirbelte sie umher. „Danke.", flüsterte er rau.

 

„Sie wird den Namen Ester, nach meiner Urgroßmutter, tragen. Deine Tochter, Severus.", er fühlte sich, als ob sein Herz zerspringen mochte aus Freude und Dankbarkeit. In diesem Augenblick war er der glücklichste Mann der Welt. Er küsste sie immer wieder auf die Hände, die Wangen, den Bauch und auf den Mund. Er würde eine Familie haben, die liebevoll miteinander umgehen und zusammen leben würde, alles das, was ihm in seiner Kindheit versagt gewesen war. Und nie, nie hätte er sich so etwas vorgestellt... niemals so etwas schönes ausgemalt. Sie würden gemeinsam leben, glücklich sein und keinen Gedanken an die Bedrohung durch Voldemort verschwenden, alles würde in Ordnung kommen. Zum ersten Mal in seinem Leben fühlte er sich gut, glücklich und voll von Liebe beflügelt, es war wie in einem... Traum... ja, wie in einem Traum..

 

Doch er hatte ein jähes Ende, als eine Horde von Todessern die Liebenden umzingelte. „Severus, Rosmerthas Tochter? Ich bin überrascht und wie wir alle hier sehen können, geht das mit euch beiden schon eine ganze Zeit lang..." -„Lucius.", murmelte Snape und nahm Melinda fest an die Hand. Er apparierte augenblicklich vor die Grenzen Hogwarts. „Wie konnten sie uns finden?", flüsterte ihm Melinda zu. „Ich weiß es nicht, wahrscheinlich erinnerte sich Lucius an meinen Lieblingsort in Hogsmeade. Komm, Liebes, in Hogwarts werden sie dir und unserer Tochter nichts antun.", Melinda folgte ihm ohne ein Wort zu sagen. Sie bekam plötzliche Rückschmerzen, die in ihr hochschossen, als ob ein Fluch sie getroffen hätte, es waren jedoch Wehen, die sie quälten. „Ich kann nicht weiter.", es war nicht mehr weit, Severus hob sie hoch und trug sie.

 

Lucius Malfoy, der sich an Severus' alte Lieblingsstelle im Hogsmeade-Wald noch erinnerte, führte die Todesser dorthin um ihn zu richten. Snape war ihm schon immer ein Dorn im Auge gewesen, doch Voldemort war anderer Meinung gewesen, selbst als Severus erst nach der Wiederauferstehung zu den Treffen kam, hatte Voldemort nichts bemerkt. So naiv konnte nicht mal der Dunkle Lord sein. Snape musste seinem Meister etwas zugeflüstert haben, denn dieser Frevel wurde nicht weiter bestraft. Nun, da er sich so schnell appariert hatte mit Rosmerthas Tochter gab es nur noch einen Ort, an dem Snape seine Geliebte hinführen würde. Hogwarts. Er würde büßen, für den Einfluss auf seinen Sohn Draco, der nun zu Dumbledores Leuten gehörte und für den Verrat an dem dunklen Lord. „Ihr wartet! Das ist eine Sache zwischen mir und Snape!", befahl er seinen untergebenen Todessern.

 

Lucius war ihnen ziemlich schnell hinterher gekommen und sprach einen Fluch nach den anderen. Severus versuchte ihnen auszuweichen, was ihm bis zum Tor auch ganz gut gelang. „Antivis!", der letzte Fluch traf gerade noch Melindas Bein und sie schrie auf. „Es wird alles wieder in Ordnung kommen, Liebes.", flüsterte er ihr zu und drückte das Tor mit seiner Schulter auf.

In Melinda tobte ein Kampf aus Schmerz und der Sicherheit, dass sie ihre Tochter niemals aufwachsen sehen würde. Lucius versuchte das Tor zu erstürmen, was jedoch von Severus, der ihm den dritten Unverzeihlichen Fluch auf den Hals hetzte, vereitelt wurde. Er verschloss das Tor und lief in den Krankenflügel um Poppy um Hilfe zu holen. Melindas Kraft ließ nach.

 

Severus ließ seine Stimme magisch verstärken und rief nach der Krankenschwester, die wenige Minuten danach kam. „Was ist denn los, Severus?", er starrte sie bleich und hektisch an, seine schwarzen Haare hingen ihm ins Gesicht und seine Augen blickten flehend. „Melinda wurde von einem Entkräftungsfluch getroffen. Kurz nachdem ihre Wehen eingesetzt hatten. Sie müssen ihr helfen.", der letzte Satz war nur noch ein Flüstern. Andere Personen in Hogwarts hatten diesen Tumult ebenso bemerkt und wurden auf Severus' Ruf nach Poppy aufmerksam. Vor dem Krankensaal bildete sich eine neugierige Gruppe, die von Professor McGonagall und Professor Dumbledore verscheucht wurden. Als mit Sicherheit alle weg waren, öffneten sie die Tür und schritten auf die drei Personen im Raum zu.

 

Sie standen neben dem Bett, auf das Severus Melinda gelegt hatte und er nun saß. Seine Hände um Melindas linker Hand versuchten Melinda Kraft zu spenden und sie zu ermutigen weiterzukämpfen. Poppy tat alles in ihrer Macht stehende, verabreichte ihr Beruhigungs- und Stärkungstränke, doch gegen den Entkräftungszauber gab es keine wirksamen Mittel. Severus spürte wie Melindas Hand immer wieder zusammenzuckte unter den Wehen. „Severus, Ester muss leben... du wirst dich um sie kümmern, nicht wahr?", flüsterte sie ihm zu. „Melinda, es kommt alles wieder in Ordnung... bleib bei mir... ich... ich brauche dich bei der Erziehung unseres Kindes... Melinda...", immer wieder flüsterte er ihren Namen. Seit dem Tod seiner Mutter vor beinahe 30 Jahren hatte er nicht mehr geweint und nun kamen alle Tränen, die er bis jetzt verdrängt hatte und die des unsagbaren Schmerzes wieder hoch. Innerlich zerriss es ihm das Herz, seine Geliebte einfach so aufgeben zu müssen. „Melinda... bleib bei mir... was soll aus Ester werden?", seine Stimme war nur noch ein leises Hauchen und seine roten Augen, die eine Träne nach der anderen vergossen, brachen ihr fast das Herz.

 

„Lächle Severus, lächle, ich möchte dich nicht in Trauer in Erinnerung behalten... lass... lass nun Ester zu uns holen.", an ihrer Stimme war ihr Kraftverlust zu bemerken, denn sie war nicht mehr kräftiger als ein leichter Windhauch. Severus nickte ihr mit einem Lächeln zu. Wenn die Liebe seines Lebens schon gehen musste, dann wollte er es ihr so leicht wie möglich machen. „Du wirst sie noch zu Gesicht bekommen.", flüsterte er in ihr Ohr und küsste ihre Hand. Er hob den Kopf und stand auf. „Poppy, bereiten Sie alles vor, unsere Tochter wird operativ das Licht der Welt erblicken.", seine Stimme hatte wieder den festen, vertrauten, für ihn typischen Klang, der keinerlei Gefühlsregung verriet.

 

Minerva konnte ihren Augen nicht trauen, als Severus Melinda einen Trank, der Schmerzen ganz unterdrückte, einflößte, während Poppy das Messer ansetzte und mit einem geschickten Schnitt die kleine Ester, die einen lauten Schrei losließ, in diese Welt holte. Melinda wurde von Minute zu Minute schwächer und ließ sich von Severus stützen, während sie Ester hielt. „Sei ein braves Mädchen und gehorche deinem Vater, Ester. Ich liebe euch beide...", Melinda schlief in Severus Schoß ein und erwachte nicht wieder.

 

Ester gähnte und griff nach der Hand ihres Vater, der bei dem Anblick seiner toten Geliebten wieder Tränen vergoss.

Doch er wollte stark sein, wenn nicht für sich, dann für das kleine Lebewesen, das Melinda ihm geschenkt hatte. Er würde alles für sein Geschenk, Ester, tun.

An nur einem Abend hatte sich Severus' Leben schlagartig durch Lucius Malfoys Hand verändert, aber auch Lucius würde im nächsten Leben für seine Taten bezahlen...

 

 

Ende