Kapitel 27
Severus hatte eigentlich gehofft, das der Schulleiter bald wieder gehen würde.
Wie er sich irrte!
Albus hatte es sich bereits in einem Sessel gemütlich gemacht und schenkte sich und seinem Zaubertranklehrer bereits einen Wein ein.
Severus seufzte.
„Soso..“ machte Dumbledore und sein Tonfall ließ in Severus eine Ahnung wachsen, worauf dieses Gespräch zwangsläufig wieder hinauslaufen würde.. und er sollte Recht behalten.
Albus Dumbledore hatte sich offensichtlich vorgenommen, zu erfahren, wie seine Zusammenarbeit mit Hermine verlief- und leider war er ekelhaft erfolgreich, wenn es darum ging, etwas aus Severus herauszulocken. Dass der Wein gut und stark war, war dabei nichts als pure Berechnung.
Er wiegte ihn zunächst in Sicherheit, sprach über Unverfängliches, allgemeine Schulbelange, bis Severus spürte, dass er sich langsam entspannte.
Dann fragte er nach Eryja. Albus kannte die ganze unselige Geschichte.
„Du hast so lange auf sie gewartet“, sagt er. „Warum hast du sie wieder gehen lassen?“
Severus fuhr langsam mit dem Finger über den Rand seines Weinglases, während er sich eine Antwort zurechtlegte.
"Die
Erinnerungen die man in sich trägt, lassen sich manchmal nur
schwer mit der Realität in Einklang bringen, Albus.", sagte
er schließlich leise. „Ich habe mich verändert, die
ganze Situation hat sich verändert... Sie hat nie etwas anderes
in mir gesehen, als ein Mittel zum Zweck und als sie bekam, was sie
sich erträumte- einen Platz in der ersten Liga des Dunklen Lords
- brauchte sie mich nicht mehr und warf mich ab wie unnötigen
Ballast. Ich habe immer gehofft, dass sie ihren Fehler einsehen und
zurückkommen würde."
Ein bitteres Lachen entfuhr
ihm. "Ich war so dumm! All die lange Zeit... "
Hastig
trank er sein Glas leer und schenkte sich wieder nach.
Albus ließ sich in seinen Sessel zurücksinken und legte die Fingerspitzen aneinander. Das flackernde Kaminfeuer spiegelte sich in den Gläsern seiner halbmondförmigen Brille und die hellblauen Augen waren mit einem wachen Aufdruck auf sein Gegenüber gerichtet.
„Diese Veränderungen...“, murmelte er schließlich. „Ich muss zugeben, dass sie mir auch aufgefallen sind. Du scheinst nach den anfänglichen Differenzen jetzt besser mit Miss Granger klarzukommen, oder?“
An
sich war die Frage vollkommen unverfänglich aber etwas im
Tonfall des anderen ließ Severus aufhorchen.
"Ja... "
begann Severus zu sprechen und zog seine Antwort absichtlich etwas in
die Länge, um seine Worte sorgfältig abzuwägen- ein
Akt, der durch den verdammten Wein erheblich erschwert wurde.
"Wir
haben uns... arrangiert."
"Arrangiert.
Aha..."
Albus ließ sich in seinen Sessel
zurücksinken und legte die Fingerspitzen aneinander.
"Ja,
den Eindruck habe ich auch. Ihr wirkt sehr... vertraut..."
Severus
beugte sich in seinem Sessel nach vorn und balancierte sein
halbleeres Glas auf dem Oberschenkel.
"Vertraut...",
sinnierte er. "Mag sein, immerhin reisen wir zusammen und sind
auch bei den Entschlüsselungen aufeinander angewiesen."
Er
nahm sein Glas wieder auf und lehnte sich zurück.
"In
der Tat gestaltet sich die Zusammenarbeit mit Miss Granger
erstaunlicherweise wesentlich angenehmer als ich zunächst
befürchtet hatte."
Nach einem Schluck, den er
genüsslich auf der Zunge zergehen ließ, setzte er
hinzu.
"Wir ergänzen uns recht gut."
Er
trank wieder einen großzügigen Schluck des Weines und
überlegte kurz, bevor er weitersprach.
"Zuerst war
die Zusammenarbeit mit Hermine eine Zumutung aber durch die
gemeinsamen Erlebnisse rückten wir irgendwie zusammen. wurden zu
einem Team"... 'und zu viel mehr’, fügte er in
Gedanken hinzu.
"Hermine?"
Dumbledores
Augen blitzen über die Ränder seiner Brille hinweg
auf.
"Gut... durch die gemeinsamen Erlebnisse ist eine
gewisse Vertrautheit entstanden... und ich nehme an, dass es
verständlich ist, wenn ihr euch bei den Vornamen nennt. Ich habe
mittlerweile in Erfahrung gebracht, dass die Runen durchaus eine
Wirkung auf die Suchenden haben können, eine gewisse Annäherung
war deshalb zu erwarten...
Er sah Severus mit einem
hoffnungsvollen Blick an, als wünsche er sich die Bestätigung,
dass das Benutzen der Vornamen tatsächlich die einzige
Vertraulichkeit war, zu der es zwischen dem Lehrer und seiner
Schülerin gekommen war.
"Wenn
es nur das wäre, Albus.." erwiderte Severus vieldeutig.
"Ich habe inzwischen einiges über die Kraft der Runen in
Erfahrung gebracht und schrieb diese Annäherung, wie du
es nennst, zuerst auch den Runen zu..."
Bei diesem Satz
war ihm ein Gedanke gekommen.
"Ich hoffe für dich,
dass du vor dieser Mission nichts von der geheimen Kraft der Runen
gewusst hast!"
Die Vorstellung, das er zusammen mit Albus
Dumbledore den Kräften der Runen ausgesetzt gewesen wäre,
ließ ihn sich innerlich schütteln.
Amüsiert
lachte der Schulleiter still in sich hinein.
"Keine
Sorge... ich habe tatsächlich erst vor kurzem davon erfahren...
und wenn ich es richtig verstanden habe, muss nicht zwangsläufig
ein Liebespaar aus den Suchenden werden..."
Plötzlich
erstarrte und er und sah mit einem ungewöhnlich dümmlichen
Gesichtsausdruck ins Leere.
"Moment! Severus!",
keuchte er. "Du willst mir damit aber nicht sagen...?"
Severus
zog eine Augenbraue nach oben. Endlich begann der Schulleiter zu
verstehen!
"Wie ich bereits sagte.." Severus räusperte
sich. "Wir haben... uns arrangiert."
Albus
Dumbledore saß stumm in seinem Sessel und starrte in die
Flammen des Kamins, die langsam herunterbrannten.
Da er sich
auch nach einigen Augenblicken noch nicht aus seiner Starre gelöst
hatte, sah Severus sich gezwungen einige Erklärungen
abzugeben.
"Zuerst haben wir uns nur immer besser
verstanden aber in Schweden gab es dann die erste..." Er hielt
inne und suchte nach Worten. „... körperliche
Begegnung...", fuhr er, in Ermangelung einer passenderen
Formulierung fort.
Dumbledore sah aus, als wollte er demnächst
mitsamt seinem Weinglas ohnmächtig vom Sessel rutschen. Er hielt
die Augen geschlossen, doch bei der letzten Bemerkung richtete er
sich seufzend auf.
"Severus, bitte...", stöhnte
er. "Wir sind erwachsene Menschen und du weißt, dass ich
immer hinter dir gestanden habe... Was ist zwischen Hermine und dir
vorgefallen?"
Bei
Dumbledores gequältem Blick zuckte ein amüsiertes
Schmunzeln um Severus' schmale Lippen.
'Er hat es ja
unbedingt wissen müssen’, dachte er gehässig und
setzte sich in eine bequemere Position. "Na gut. Da du ja doch
nicht eher gehen wirst... Zuerst haben wir uns nur zueinander
hingezogen gefühlt und diese Anziehung wurde immer
stärker..."
Severus atmete ein paar Mal tief ein und
sprach dann weiter.
"Ich habe dagegen angekämpft,
solange ich konnte... Merlin ist mein Zeuge.. aber Hermine kam mir
immer wieder in einer Weise nahe, der ich mich dauerhaft nicht
entziehen konnte."
Er suchte Dumbledores Blick.
"Wir
sind uns so nahe gekommen, wie zwei Menschen sich kommen können.",
fügte er dann ruhig aber bestimmt hinzu.
Ein unbestimmtes Gurgeln entrang sich Albus' Kehle.
„Ich hätte nie gedacht... obwohl die Runen... aber das... nein, das konnte ich nicht ahnen... “, stammelte er unzusammenhängend, bevor er entschlossen tief durchatmete und sich in seinem Sessel wieder aufrichtete und seinen Tränkemeister mit strengem Blick maß.
Severus
war aufgestanden, um dem vorwurfvollen Blick des Schulleiters zu
entgehen und hatte sein Glas auf dem Tisch abgestellt.
Nun
stützte er sich mit beiden Händen am Kaminsims ab und sah
nach unten in die letzten kleinen Flammen.
"Als
ich herausgefunden habe, was die Runen tun, habe ich einen Trank
gegen ihre Magie entwickelt. Er hat nicht gewirkt... weder bei mir
noch bei ihr... Ich weiß nicht was sein wird, wenn alle Runen
geborgen sind, ich weiß nicht was sein wird, wenn Hermine nicht
mehr meine Schülerin ist...“
Er hielt kurz inne.
"Ich
dachte, ich würde nie mehr... so fühlen.."
Albus
räusperte sich.
"Gut, also noch mal von vorn... Ihr
beide seid der Kraft der Runen ausgesetzt, die es bewirkt haben, dass
ihr euch besser versteht, als eigentlich zu erwarten war.
Tatsächlich
wurde diese Anziehung so stark, dass sie Miss Granger dazu brachte,
sich dir zu... nähern. Du hast das erkannt- und hast euch beiden
einen Trank verabreicht, der genau das verhindern sollte... Und
trotzdem ist es zu... hmm... sehr vertraulichen Zusammenkünften
gekommen?"
Severus nickte langsam.
"Also
scheint der Trank nicht zu wirken... und das kann mehrere Gründe
haben, denke ich...", murmelte der Schulleiter grüblerisch
vor sich hin. Dann sah er auf.
"Aber was ist mit dir?
Sicher ist es schmeichelhaft, wenn eine junge, hübsche Frau sich
für dich interessiert... aber ich kann einfach nicht glauben,
dass dich das den Ernst der Lage vergessen lässt! Ein Verhältnis
mit einer Schülerin!"
Severus
schüttelte nun langsam den Kopf und drehte sich zu Albus um.
"Damit wir uns richtig verstehen, Albus", sagte er und
seine ernste Miene ließ keinen Zweifel an seinen Worten zu.
"Ich nutze hier nicht nur eine günstige Gelegenheit die mir
in den Schoß fällt.."
Severus verzog seine
Lippen, als ihm die unglückliche Wortwahl auffiel, sprach aber
schnell weiter. "Glaub es oder nicht. Mir liegt tatsächlich
etwas an ihr.."
"Ich
glaube, ich habe in den vergangenen Jahren mehr als einmal bewiesen,
dass ich deinen Worten durchaus Glauben schenke...", versetzte
Albus milde. "Aber du musst mir zugestehen, dass ich mir um Miss
Granger, die ja nun mal auch meine Schutzbefohlene ist, Sorgen mache.
Wenn dir etwas an ihr liegt, wirst du mich verstehen können..."
Er seufzte.
Dann maß er die dunkle Gestalt des
Tränkemeisters mit einem langen, nachdenklichen Blick.
"Du
liebst sie", stellte er schließlich fest.
Severus
blickte sein Gegenüber stumm an. Er ließ die Worte des
alten Zauberers auf sich wirken, bevor er ihm antwortete.
"Ich
habe Hermine inzwischen recht gut kennengelernt.." Er räusperte
sich und suchte nach den richtigen Worten, die ihm in diesem Gespräch
irgendwie ständig zu fehlen schienen.
"Wenn es Liebe
ist, das ich mich ohne sie unvollkommen fühle.. und wenn es
Liebe ist, dass ich in ihrer Gegenwart alles andere vergesse.. dass
alles, was ich dann noch fühle Sie ist... ja, dann liebe
ich sie wohl.", sinnierte er und schien dabei auch seinen Freund
vollkommen vergessen zu haben.
Leise
stöhnend ließ Albus sich in seinem Sessel zurücksinken
und barg das Gesicht in den Händen. "Zwei Seelen wohnen,
ach, in meiner Brust", murmelte er.
Dann blickte er wieder
auf.
"Das war ein Zitat eines bekannten Muggels... aber
es trifft meine Situation genau", sagte er leise.
"Wahrscheinlich mehr als jeder andere würde ich dir eine
glückliche Liebe wünschen, Severus! Aber die
Umstände..."
Er rang in komischer Verzweiflung die
Hände. "Gute Güte, hättest du dir nicht
irgendjemand anderen aussuchen können? Musste es ausgerechnet
eine Schülerin, musste es ausgerechnet Hermine Granger sein?"
"Also
entschuldige mal, Albus!", konterte Severus nun bissig und sah
den Älteren mit zusammengezogenen Brauen gereizt an.
"Es
ist ja nun nicht so, dass ich darum gebeten habe, mich ausgerechnet
in eine Schülerin zu verlieben. Noch dazu in eine
Gryffindor..."
Das letzte Wort hörte sich aus dem Mund
des Tränkemeisters wie ein Schimpfwort an.
Severus griff
nach seinem Weinglas und hielt es ins Licht des schwachen
Feuerscheins, der noch im Kamin glimmte.
"Außerdem
habe ich mir Hermine nicht 'ausgesucht’. Eigentlich hast
du sie mir doch direkt vor die Nase gesetzt!"
Er wusste
selbst, dass der Schulleiter nur einen verschwindend geringen Anteil
daran hatte, was sich zwischen ihm und Hermine entwickelt hatte aber
er erinnerte ihn doch immer wieder gern daran.
Die Worte
seines Freundes ärgerten ihn.
"Ehrlich Albus, wenn man
dir zuhört könnte man denken das ich Hermine Granger
gekidnappt und zu allem gezwungen hätte was vorgefallen ist!",
ereiferte er sich.
Albus
kicherte.
"Wenn ich das glauben würde, Severus,
würdest du, mit Verlaub, nicht mehr hier sitzen... Ich hab mir
schon oft überlegt, ob du nicht eine hübsche Fledermaus
abgeben würdest..."
Er nahm einen großzügigen
Schluck Wein und fuhr dann ernster fort: "Natürlich weißt
du selbst, dass du dir keinen Gefallen damit getan hast, dich in
Hermine zu verlieben, doch man kann sich das nun mal nicht
aussuchen... ich weiß das... Ihr werdet also die restlichen
Runen bergen und die allerhöchste Diskretion wahren; ich weiß,
dass ich mich da auf dich verlassen kann... Es darf nicht zu...
hmm.... unpassenden Begegnungen in der Schule kommen!"
In
weniger geschäftsmäßigem Ton fügte er noch an:
"Und sei behutsam, Severus. Ich fürchte um euch beide! Ihr
habt, um es milde auszudrücken, nicht die beste Startposition
für einen glücklichen Ausgang eurer Liebesbeziehung. Mir
fallen ehrlich gesagt, mehr Gründe ein, die dagegen sprechen,
als dafür..."
Er erhob sich langsam und ging zur Tür
hinüber, an der er sich noch einmal umwandte.
"Ich
werde Minerva vorerst noch nichts darüber erzählen, was du
mir anvertraut hast... irgendwie bezweifle ich, dass sie ähnlich
nachsichtig wie ich reagieren würde... aber ich werde es wohl
nicht ewig vor ihr geheim halten können...", sagte er und
verließ und nach einem letzten undurchdringlichem Blick
Severus’ Räume.
Albus'
Versprechen, Hermines Hauslehrerin vorerst nicht über die
Situation zu informieren, nahm Severus mit stiller Dankbarkeit
an.
Als Dumbledore endlich gegangen war, lehnte er sich mit
dem Rücken aufseufzend an das kühle Holz der Tür.
Er war sich nicht sicher, ob er sich erleichtert fühlen sollte, nun, da der Schulleiter von seiner Beziehung zu Hermine wusste. Es war alles so verdammt kompliziert!
oooooooooo
Hermines Vorfreude auf den gemeinsamen Abend hatte einen beinahe schmerzhaften Grad erreicht, als sie endlich seine Räume betrat.
Severus lehnte an seinem Schreibtisch und kam auf sie zu.
„Hermine... gleich kommt Minerva McGonagall...ich konnte sie nicht abwimmeln....es tut mir leid....“, begrüßte er sie hastig.
Ihre Enttäuschung musste er ihr wohl angesehen haben, denn er trat auf sie zu und griff nach ihren Händen.
„Es hätte komisch gewirkt, wenn ich sie nicht empfangen würde... “, sagte er leise.
Hermine schüttelte den Kopf.
„Schon gut“, lächelte sie.
Es rührte sie, dass er meinte, ihr erklären zu müssen, warum er sich so verhielt.
Sein Blick, der auf ihr ruhte, machte ihr deutlich, dass er ebenso enttäuscht über den Ausfall des gemeinsamen Abends war, wie sie.
Und Hermine ging noch einen Schritt auf ihn zu, stellte sich auf die Zehenspitzen und küsste ihn auf den Mund.
Für einen Moment schien er zu überrascht, um zu reagieren, doch dann schlang er seine Arme um sie und erwiderte ihre Liebkosung.
Es hatte eigentlich nur ein zärtlicher Abschiedsgruß sein sollen, aber Hermine konnte nicht genug bekommen von seinen Küssen, die immer leidenschaftlicher wurden.
Sie fuhr durch seine Haare und zog ihn immer wieder zu sich heran, gierig seine Lippen schmeckend.
Schließlich lösten sie sich schwer atmend voneinander und starrten sich einige Augenblicke lang an.
„Ich geh dann wohl besser mal...“, wisperte sie.
Er nickte stumm, doch als sie an der Tür war, rief er sie zurück. „Hermine!“
Sie wandte sich um und sah ihn fragend an.
Er öffnete den Mund und schloss ihn wieder.
„Wir sehen uns morgen..“, sagte er dann, leise seufzend.
„Ist gut...“, antwortete sie und ging.
In der Eingangshalle begegnete sie Professor McGonagall, die ihr knapp grüßend zunickte.
Sie konnte ja nicht ahnen, dass auf den Lippen ihrer Lieblingsschülerin noch immer die hungrigen Küsse des Tränkemeisters brannten, und Hermine wollte sich lieber gar nicht vorstellen, wie sie reagieren würde, wenn sie es wüsste.
Kapitel 28
Die
kleine Chartermaschine hatte sie heute von London direkt nach Basel
gebracht.
Sie waren vor einer guten Stunde, auf dem Gelände
für Privatmaschinen, etwas außerhalb des Flughafens
gelandet und standen nun auf dem Basler Bahnhof, wo sie den Zug
einfahren sahen, der sie in drei Stunden ihrem Ziel näher
bringen sollte.
Durch Recherchen im Ministerium hatte Severus
herausgefunden das ein, als Wanderprediger getarnter Zauberer die
Rune einst in die Schweiz gebracht und in einer Berghöhle
verborgen hatte.
Auf Umwegen und über sehr alte
Aufzeichnungen hatten sie die Wanderschaft des "Bruders"
nachvollziehen und ihr Zielgebiet merklich eingrenzen können.
Durch einen Lokalisationszauber, den der Schulleiter über
einer regionalen Karte gesprochen hatte und durch eine Verbindung mit
Raido hatten sie schließlich eine klare Vorstellung davon
gehabt, wo sie nach Uruz suchen mussten.
Das Abteil hatten
sie für sich allein und nachdem sie ihr Gepäck auf den
Ablagen verstaut hatten, hing jeder für einen Moment den eigenen
Gedanken nach.
Der
Zug fuhr an und Hermine streckte sich auf der einen Seite des
Abteils, über die drei Sitzplätze, aus. Severus suchte
indes in seiner Reisetasche nach einem Buch und lehnte sich entspannt
zurück. Er ließ das Buch jedoch erstaunt wieder sinken,
als sie ihren Platz verließ und auf ihn zukam.
Sie setzte
sich mit seitlich angezogenen Beinen neben ihn, den Kopf auf seiner
Brust, eine Hand auf seinem Oberschenkel und schloss die Augen.
Severus legte das Buch auf die Ablage und schlang wohlig
seufzend seine Arme um sie.
"Ich habe dich vermisst“,
flüsterte er in ihr Haar und hauchte einen Kuss darauf.
Der Zug brachte sie bis in ein kleines Städtchen am Fuße des Berges auf dem sie Uruz lokalisiert hatten.
In einem Hotel im Ort hatten sie zwei Zimmer für diese Nacht gebucht.
Hier würde dann morgen auch der gemütliche Teil der Reise enden und Hermine dachte mit gelindem Grusel an die Bergwanderung, die ihnen bevorstand.
Es gab noch einiges an Vorbereitungen zu treffen, ehe sie Aufstieg wagen konnten und so wurde es Abend, bis sie beim Essen einen Moment der Ruhe genießen konnten.
Sie sprachen nicht viel. Das brauchten sie auch nicht.
Jeder merkte dem anderen an, wie sehr er sich, trotz der zu erwartenden Strapazen, auf diese gemeinsame Zeit, weitab von Hogwarts freute.
‚Ich habe dich vermisst’
Genau das fühlte Hermine in jedem Moment, in dem er nicht bei ihr war.
Und dass er ihr das sagte, bedeutete ihr unendlich viel.
Wäre da nicht der leise nagende Zweifel an dem Ursprung seiner Gefühle, sie hätte kaum glücklicher sein können.
Nach dem Essen tranken sie noch ein Glas Wein an der Hotelbar und sprachen über Details der morgigen Wanderung.
Hermine beobachtete ihn, wie er den Wein probierte, wie er seine Brille hervorholte um die Karte der Gegend besser lesen zu können, wie er sich seufzend durch die Haare fuhr, als ihnen die Länge der morgigen Tour bewusst wurde.
Es kribbelte sie in den Fingern, ihn zu berühren, doch sie erinnerte sich an seine Reaktion in Italien, wo er eine Liebkosung in der Öffentlichkeit entschieden abgelehnt hatte.
Sie sah ihm entgegen, als er an den Tisch zurückkehrte, nachdem er noch rasch die Möglichkeit einer Übernachtung auf dem Berg geklärt hatte.
Er trug eine schwarze Hose und ein dunkelblaues Hemd und sah, wie Hermine fand, einfach umwerfend aus.
‚Ob er weiß, dass er im Handumdrehen die Träume sämtlicher Mädchen auf Hogwarts beherrschen könnte, wenn er dort häufiger so auftreten würde wie hier? Wenn sie alle diese kleinen Fältchen um seine Augen sehen könnten, die nur erschienen, wenn er so lächelte, wie er es jetzt tat?’
„Es gibt eine kleine Hütte, in der wir bleiben können... “, sagte er, als er sich setzte.
Hermine stöhnte.
„Bitte sag mir, dass es da fließend Wasser und Strom gibt...“
„Wohl kaum“, grinste er. „... aber wir könnten auch zelten... “
Sie hob abwehrend die Hände.
„Ok, ok... ich freu mich ja schon über ein festes Dach über dem Kopf...“, lenkte sie seufzend ein.
Nachdem sie ihre Gläser geleert hatten, stand Severus auf.
„Wir sollten jetzt schlafen gehen... morgen liegt ein anstrengender Tag vor uns...“
Hermine nickte, erhob sich und folgte ihm die Treppen hinauf bis zu ihren Zimmern.
Vor ihrer Tür blieben sie stehen und er hauchte einen Kuss auf ihre Stirn.
„Schlaf gut... morgen um sieben machen wir uns auf den Weg... “, sagte er leise und wandte sich ab, um sein Zimmer zu betreten.
oooooooo
Früh
am nächsten Morgen, trafen sie sich in der Lobby. Sie hatten
sich gestern reichlich Proviant zusammenstellen lassen und konnten
daher auf das Frühstück im Hotel verzichten.
Hermine
saß mit angezogenen Beinen auf dem großen roten Sofa in
der Halle und sah noch ziemlich verschlafen aus. Sie trug eine Jeans
und einen hellen Pulli, ihre Haare hatte sie zu einem praktischen
Zopf gebunden.
Neben ihr lehnte ein großer
Wanderrucksack an einem Sessel und wartete darauf, stundenlang den
Berg hinaufgetragen zu werden.
Heute wollten sie den Aufstieg
bis zu Sandlerhütte schaffen. Die Höhle auf dem Berg
konnten sie nicht in einem Tag erreichen und mussten deshalb in der
kleinen Schutzhütte übernachten.
Hier unten war es
zwar eigentlich nicht sehr kalt, aber je höher sie ins
Hochgebirge kommen würden, desto kälter würde es
werden und desto schärfer würde der Wind in ihre Haut
schneiden.
Severus trug eine blaue Jeans und einen schwarzen
Rollkragenpullover und wie Hermine, hatte er oben auf seinem
Wanderrucksack warme Kleidung für die höheren Regionen
festgemacht.
Der Weg aus dem Dorf heraus, führte sie
vorbei an saftigen Wiesen, auf denen braune Kühe grasten, vorbei
an malerischen kleinen Bauernhöfen und hübsch
hergerichteten Holzhäusern.
Sie waren schon mehrere
Stunden gelaufen und Hermine legte trotz des Gewichts, das der
Rucksack hatte, ein schnelles Tempo vor. Sie hatten während der
gesamten Zeit nur gehalten, um etwas zu trinken oder gemeinsam die
Karte zu studieren.
Der Wind hatte inzwischen merklich
aufgefrischt und ein Blick zurück zeigte Severus das Dorf als
einen kleinen bunten Punkt, inmitten gewaltiger Bergmassive und
breiter grüner Täler.
"Hermine! Warte... ich
brauche eine Pause!", rief er ihr hinterher und ließ den
schweren Rucksack neben sich auf eine Wiese fallen.
Sie
drehte sich spöttisch lächelnd um.
"Bist du
etwa schon müde... Professor?", ärgerte sie ihn, als
sie sich grinsend neben ihm ins Gras setzte.
"Wenn du
damit auf mein Alter anspielen willst, würde ich mich
vorsehen..", sagte er lauernd und packte sie dann blitzschnell
um die Taille.
Hermine gab einen erschrockenen Laut von sich,
ließ sich aber nur zu gern in seine Umarmung ziehen.
Schwer
atmend sahen sie sich an, während sie sich langsam einander
näherten. Schließlich presste er seine Lippen fest auf
ihre.
Sein Kuss war, von der allerersten Berührung ihrer
Lippen bis zu dem Moment, da er sich von ihr löste, voller
Leidenschaft und wilder Zärtlichkeit gewesen und ließ den
Hunger, den er verspürte, nur vage erahnen.
"Wir
sollten eine Kleinigkeit essen und dann weitergehen", sagte er
plötzlich und fuhr sich mir der Hand fahrig durch die Haare.
Am späten Nachmittag sahen sie schließlich die
kleine Hütte etwas weiter oben, geschmiegt an einen Hang, auf
einer kleinen Wiese stehen.
Inzwischen hatte es angefangen zu
regnen und sie hatten sich dick in ihre mitgebrachten Wintersachen
eingepackt.
Der Regen wurde von eisigem Wind begleitet, der
jeden Tropfen wie einen scharfen Peitschenhieb auf ihre Haut trieb.
Als Severus die Tür zur Sandlerhütte geöffnet
hatte, waren beide völlig durchnässt und sie waren sie
froh, endlich ins Trockene zu kommen und ein Dach über dem Kopf
zu haben..
Das Innere der Schutzhütte war eher karg
eingerichtet. Es gab einen rußigen offenen Kamin mit einem
alten Sofa davor, zwei Betten mit dicken Decken, einen Tisch mit zwei
klapprigen Stühlen und einen alten Kohleherd.
Vor dem
Holzbau gab es einen Brunnen der per Schwenkpumpe bedient werden
konnte und eine schmale Holzbank.
Hermine setzte stöhnend
den Rucksack ab und zog sich die Kapuze vom Kopf.
Severus tat
es ihr gleich, stapelte dann einige Holzscheite im Kamin und
entfachte ein wärmendes Feuer.
Sie zündete die
Petroleumlampen in der Hütte an und feuerte den Kohleherd ein,
um in einer der verbeulten Aluminiumkannen einen Kaffee zu kochen.
Während sie darauf wartete, dass die Kohlen durchglühten stellte sie sich an den Kamin, in dem das Feuer nur zögerlich zu brennen begann.
Sie fror erbärmlich und ihre nasse Kleidung klebte an ihr.
Severus stand neben ihr, und es schien ihm nicht besser zu gehen.
„Ich glaube, ich sollte mich besser mal umziehen“, schnatterte sie.
Er nickte und sie gingen zu ihren Rucksäcken, um sich trockene Kleidung zu holen.
Entsetzt musste Hermine feststellen, dass ihr sündhaft teurer Wanderrucksack offensichtlich nicht dicht war... sie zog ein feuchtes Kleidungsstück nach dem anderen heraus.
Severus blickte auf, als er sie fluchen hörte.
Ein amüsiertes Lächeln spielte um seine Lippen, während er ihr zusah, wie sie Kleidung über die Stühle verteilte und sie an den Kamin stellte.
„Das ist nicht lustig!“, fauchte sie. „Mir ist schweinekalt... und ich habe nichts Trockenes zum Anziehen!“
Sie sah überrascht auf, als er ihr einen schwarzen Pulli hinhielt.
„Ich habe zwar nur eine Garnitur zum Wechseln dabei, aber ich teile sie gerne mit dir. Schließlich sind wir... Partner. Oder möchtest du lieber die Hose?“, fragte er mit einem breiten Grinsen.
Hermine funkelte ihn ärgerlich an, nahm aber den Pulli mit einem leisen „Danke“ entgegen.
Severus ging zu dem kleinen Schrank, der neben den Betten stand und öffnete ihn.
Mit zwei groben, grauen Decken kam er wieder auf sie zu.
„Die werden den Rest wärmen“, sagte er und begann, sich seine durchnässte Hose auszuziehen, nachdem er ihr eine der Decken gereicht hatte.
Hermine wandte den Blick ab.
Sie hatte ihn schon nackt gesehen...
‚Du hast sogar mit ihm geschlafen!’, erinnerte sie sich.
Aber es war trotzdem eine merkwürdig intime Situation sich so voreinander auszuziehen...
Sie streifte ihre feuchte Kleidung ab und schlüpfte in den Pullover, der umwerfend nach Sandelholz und Severus duftete.
Natürlich war er zu groß und sie krempelte die Ärmel zurück.
Skeptisch sah sie an sich herunter.
Der schwarze Stoff reichte bis zur Mitte ihrer Oberschenkel und die dicken, wundersamerweise trockenen, Socken wirkten auch nicht gerade elegant...
Sie sah auf.
Severus hatte eine neue Hose an und wickelte sich gerade die Decke um den nackten Oberkörper.
„Wehe, du lachst“, knurrte sie, seinen Spott erwartend, doch er hielt in der Bewegung inne und sah sie nur mit seltsam nachdenklichem Blick an.
Dann lächelte er, warm und zärtlich.
„Ich glaube, ich bin nicht in der Position, um dich auslachen zu können...“, schmunzelte er, auf seinen grauen Überwurf weisend.
Hermines Lippen verzogen sich ebenfalls zu einem kleinen Lächeln.
„Machst du uns einen Kaffee?“, fragte sie. „Ich würde gern meine Haare lösen. Sie trocknen dann schneller und ich hasse einen nassen Zopf...“
Er nickte und machte sich daran, Wasser in die Kanne zu füllen, während Hermine das Zopfgummi herauszog und die geflochtenen Haare auflöste.
Sie schüttelte die Haare nach vorn gebeugt über den Kopf aus und warf sie dann schwungvoll nach hinten.
Durch die Feuchtigkeit waren sie noch stärker gelockt als üblich und mit einem Seufzer holte Hermine einen Kamm heraus.
Sie wickelte die graue Decke um wie einen Rock, setzte sich auf den flauschigen Teppich vor dem Kamin und begann, die Strähnen zu entwirren.
„Ich bekomme sie sonst morgen gar nicht mehr auseinander“, erklärte sie mit gequältem Lächeln auf Severus’ fragenden Blick hin.
ooooooo
Severus stellte die Kanne wieder an die Seite der Herdplatte und ging zu Hermine hinüber.
Langsam ging er in die Knie und hockte sich hinter sie.
„Die sind immer wunderschön..“ ,flüsterte er und griff sanft in ihre Haare.
Hermine hob den Kopf ein wenig an und schloss genießerisch die Augen.
Severus‘ Puls beschleunigte sich als er mit beiden Händen ihre Schultern berührte und mit seiner Wange leicht ihren Kopf zur Seite bog.
Seine warmen Lippen strichen zärtlich über die weiche duftende Haut ihres Halses.
Der Kamin begann langsam, eine angenehme Wärme zu verbreiten und er öffnete die Decke, die er um seinen Oberkörper geschlungen hatte und barg Hermine an seiner nackten Brust.
Seine Hände strichen über ihren Rücken und glitten sanft unter den weichen Wollstoff des schwarzen Pullovers.
Sie war einfach vollkommen... er wusste das er nie mehr ohne sie sein wollte... sein konnte!
Ihre Nähe wärmte seine Seele und hielt ihn fest, wenn er am Abgrund stand.
Bei ihr konnte er ein anderer Mensch sein... war er es von selbst...
ooooooooo
Hermine gab sich mit geschlossenen Augen den Gefühlen hin, die seine Liebkosungen in ihr weckten. Sie hatte noch nie so empfunden... so intensiv... sie wollte sich auflösen unter seinen Berührungen...
Sie wollte nichts anderes mehr spüren, als nur ihn... überall und für immer... sich ihm verlieren...
Als sie sich viel später gemeinsam in eine Decke einwickelten, brannte das Feuer im Kamin hell und warm.
Severus hielt sie liebevoll in seiner Umarmung geborgen und strich ihr eine verschwitzte Strähne aus dem Gesicht.
„ Ich liebe dich, mein Engel..“ ,flüsterte er heiser und senkte seinen Mund zärtlich auf ihre warmen Lippen.
Sie hätte beinahe laut aufgeschluchzt, als sie diese Worte ausgesprochen hörte.
Die Liebe, die sie für ihn empfand, schnürte ihr die Kehle zu.
Sein Gesicht mit beiden Händen umfassend löste sie sich aus dem innigen Kuss und blickte ihm in die Augen.
Sie erschienen ihr dunkler und tiefer als je zuvor.
Sie wusste, dass er in ihren Augen lesen konnte, was sie empfand, auch wenn sie es nicht aussprach.
Nach einer Weile löste er sich von ihr und stand auf.
„Willst du etwa keinen Kaffee mehr?“ , antwortete er schmunzelnd, auf ihren fragenden Blick
hin.
Dann ging er hinüber zum Herd und stellte die verbeulte Kanne wieder auf die Mitte der Platte.
Hermine lächelte und beugte sich leicht nach vorn, um im Kamin einige Scheite nachzulegen, dann beobachtete sie ihn, während er am Kohleofen stand und den Kaffee zubereitete.
Er bewegte sich ganz ungezwungen in seiner Nacktheit und Hermine genoss es, ihre Blicke auf ihm ruhen lassen zu können.
Sie wusste, dass er sich gut anfühlte... aber erst jetzt wurde ihr deutlich, was für einen aufregenden Körper der Zaubertrankmeister unter seiner Robe verbarg.
Er war sehr schlank... aber ohne schwächlich zu wirken... im Gegenteil... Hermine erschauerte, als sie daran dachte, wie mühelos er sie gerade eben noch an sich und auf sich gezogen hatte...
Sie stand auf und trat leise hinter ihn.
Das Bedürfnis ihn zu berühren war nie lange gesättigt.
Sie konnte es nicht lassen, die Arme um ihn zu schlingen und mit den Lippen die glatte Haut unter seinen Schulterblättern zu schmecken und sein leises Brummen verriet ihr, dass er die Berührung ebenso wie sie genoss.
Wenig später saßen sie in die Wolldecken gewickelt am Kamin und Severus hielt sie in einnehmender Umarmung an seinem Oberkörper geborgen.
Hermine starrte in die Flammen, die Kaffeetasse hatte sie neben sich abgestellt und sich an seine Brust geschmiegt.
Es hätte alles so schön sein können.. doch dieser verdammte Text ging ihr nicht aus dem Kopf.
Sie richtete sich auf, griff wieder nach dem Becher und senkte den Blick auf den dunkelbraunen Inhalt.
„Severus, ich muss dir etwas sagen...“
Sie zögerte. Würde sie damit nicht alles zerstören? Sollte sie nicht einfach glücklich entgegennehmen, was ihr gegeben wurde, ohne nach dem Hintergrund zu fragen?
Doch dieser nagende Zweifel würde sie nicht zur Ruhe kommen lassen.
Sie seufzte.
„Ich habe einen Text gefunden, aus dem hervorgeht, dass wir uns unter dem Einfluss der Runen... einander annähern... und dass das notwendig ist, um die Suche erfolgreich beenden zu können...“
Sie drehte sich zu ihm um, sah ihm in die Augen und wartete gespannt auf seine Reaktion.
ooooooo
Als sie sich aufrichtete und ihn zögerlich ansprach, versteifte er sich innerlich.
‚Nun wird sie dir sagen, das alles ein bedauerlicher Irrtum war...‘ ,dachte er leicht panisch.
Insgeheim hatte er sich schon lange gefragt, wann der Tag wohl käme, an dem sie ihm sagte das sie eigentlich nichts für ihn empfand außer vielleicht einer körperlichen Anziehungskraft.
Er wollte diese Worte nicht hören! Noch nicht.. nicht hier... niemals!
Als er sie dann über den Text der „Dreizehn“ sprechen hörte, entspannte er sich leicht.
„Dreizehn Steine sollt ihr finden...“, zitierte er den Buchtext und nahm ebenfalls seine Kaffeetasse.
„Ich habe das so oft gelesen das ich es auswendig kann, Hermine.“, fügte er hinzu und trank einen großen Schluck des starken braunen Getränks.
„Die Bedeutung des Textes ist mir wohlbekannt... und ich denke es ist an der Zeit, dir etwas zu gestehen."
Hermines Kopf fuhr zu ihm herum. Er lächelte schuldbewusst und küsste sie auf die Stirn.
„Ich habe mir zu dem Text meine eigenen Gedanken gemacht und habe dir zweimal heimlich einen Trank gegen die Wirkung der Lichtrunen verabreicht...“, er stockte kurz und biss sich auf die Unterlippe.
So, nun war es raus! Er hoffte das sie nicht allzu böse auf ihn sein würde und fügte erklärend hinzu: „Es erschien mir nicht passend, das wir uns einander annähern und ich wollte nicht glauben das es dein freier Wille war, mir nahe zu sein.“
Hermine antwortete zunächst nicht, ihr Blick war unergründlich.
Severus nutzte diese Gelegenheit, um weiter zu sprechen.
„Seien wir doch mal ehrlich Hermine. Ich bin nicht gerade der Traum einer jungen hübschen Frau. Ich konnte... ich kann doch nicht hoffen, dass du...“
In seiner Stimme schwangen Bitterkeit und Verzweiflung mit.
„Und du?“, fragte sie mit tonloser Stimme. „ Hast du auch davon getrunken?“
Er verzog gequält das Gesicht.
„ Ja, ich habe den Trank schon eher genommen aber er hat nicht gewirkt. Seitdem wusste ich das meine Gefühle nicht mehr den Runen zuzuschreiben waren. Ich wollte einfach, dass du auch die Möglichkeit hast nur das zu tun, was du von dir aus willst.“
Seine Augen wichen ihrem Blick aus als er sprach und sahen statt dessen in die knisternden Kaminflammen vor ihnen.
„Severus...“, sagte sie leise und legte eine Hand an seine Wange, um ihn zu zwingen, sie anzusehen. „Warum hat der Trank nicht gewirkt?“
Seine Augen fingen ihren Blick auf.
Hermine war intelligent. Sie hatte mit Sicherheit längst herausgefunden, warum der Trank nicht wirken konnte.
Er stellte seine Tasse neben sich auf den Boden und schlang seine Arme um Hermine.
„ Weil...“, er schluckte. „ Weil es nicht die Runen sind, die uns diese Gefühle eingeben.“
Severus legte seine Stirn auf ihre Schulter.
“Eine Macht, die der Teufel nicht kennt.“ ,flüsterte er heiser.
ooooooo
Hermine nickte.
„Ja“, sagte sie leise.
Ein ungekanntes Glücksgefühl breitete sich langsam in ihr aus. Was er für sie empfand, war nicht von den Runen bestimmt...
„Du wolltest es nicht wahrhaben... “, stellte sie fest.
Warum sonst sollte er nach einem Banntrank gesucht haben?
„Nein, ich habe nicht daran geglaubt. Als der Trank bei mir nicht gewirkt hat, habe ich beschlossen es hinzunehmen.“
Er sprach leise aber bestimmt. Wieder schwang Bitterkeit in seiner dunklen samtigen Stimme mit.
„Aber als wir uns immer weiter annäherten, blieb mir als letzter Ausweg nur, dir den Trank zu geben damit du dich wieder von mir zurückziehen konntest. Ich hätte nicht mehr in den Spiegel sehen können, wenn ich es ausgenutzt hätte, das du unter dem Bann der Runen stehst.“
Er kniff seinen Mund zu einer schmalen Linie zusammen. „Bist du mir sehr böse?“ , fragte er leise.
Statt einer Antwort beugte Hermine sich vor und küsste ihn sanft. Zuerst auf die Stirn, dann auf die Wangen und schließlich auf den Mund.
Dann löste sie sich wieder von ihm und sah ihm in die Augen.
„Ich habe mich nicht zurückgezogen... und werde es auch jetzt nicht tun“, sagte sie fest.
Er erwiderte ihren Kuss und lächelte erleichtert, als sie sich von seinen Lippen gelöst hatte.
„Ja, und genau das ist es, was ich nicht verstehe.“ ,sagte er leise und umfasste ihr Gesicht mit beiden Händen. “ Was siehst du nur?“, seine schwarzen Augen blickten sie fragend an.
Dann stand er auf. Hermine schlang die Decke fester um sich und ging hinüber zu dem wacklig aussehenden Bett.
„Wir sollten jetzt schlafen gehen“ Seine Stimme war weich und klangvoll wenn er mit ihr sprach. Nicht so brachial und hart wie er sie in Hogwarts einsetzte.
Nachdem er noch einige Scheite im Kamin nachgelegt hatte, schlüpfte er zu ihr unter die Decke und Hermine schmiegte ihren Körper in seine Arme.
Sie hob den Kopf, um ihn noch einmal behutsam auf den Mund zu küssen.
Und nach diesem letzten Kuss legte sie den Kopf auf seine Brust, wohlig umfangen von seiner Umarmung.
Die vielen offenen Fragen, die ihr im Kopf umherschwirrten schrumpften bis zur momentanen Bedeutungslosigkeit, während sie glücklich seinem Herzschlag lauschend, einschlief.
Kapitel 29
Sie
lag nun an seinem nackten Körper geschmiegt und er zog sie noch
enger in seine Umarmung. Sein Herz war erfüllt von zärtlicher
Liebe für diese junge Frau, die sich so vertrauensvoll an ihn
schmiegte.
Die Wärme ihrer Haut erfüllte ihn immer
mit absoluter Ruhe und der sanfte Maiglöckchenduft den sie
verströmte, mit tiefem innerem Gleichgewicht.
Sanft
fuhr er mit den Fingerspitzen an ihrem Arm herab und setzte kleine
Küsse auf ihre Haut. Er lauschte ihren gleichmäßigen
Atemzügen und legte seine Wange auf ihr Haar.
"Ich
sehe dich...", hatte sie gesagt.
Doch
reichte ihr das?
War das, was sie in ihm sah auch das was sie
morgen noch wollte?
Konnte sie längerfristig akzeptieren,
dass er in Hogwarts ein anderer war... sein musste?
Mit
diesen Gedanken schlief er schließlich ein.
Als er die
Augen wieder aufschlug, saß Hermine bereits angezogen neben ihm
auf dem Bett und hatte ihn durch einen sanften Kuss geweckt.
"Alles
trocken..", grinste sie und strich an ihrem roten Wollpulli
herab, der inzwischen mit allen anderen Sachen vor dem Kamin
getrocknet war.
"Wie schade...", gab er schmunzelnd
zurück, bevor er sich ebenfalls aus dem Bett schwang.
Nach
einem ausgiebigen Frühstück waren sie schließlich
aufgebrochen, um Uruz zu finden.
Auch heute regnete es in
Strömen, und der Weg, dem sie nun seit mehreren Stunden folgten,
führte sie über nasse glitschige Wurzeln, ausgespülte
Gräben in denen sich das Regenwasser zu kleinen Rinnsalen
sammelte und über loses Geröll, steil den Berg hinauf.
Severus lehnte sich keuchend an einen Baum, von dessen
Blättern stetig Regenwasser auf seine Kapuze tropfte.
"Was
denkst du, wie weit ist es noch?", fragte Hermine, die sich mit
dem Oberkörper nach vorne beugte und tief ein und ausatmete.
Der Aufstieg auf diesem steilen unebenen Pfad war sehr
kräftezehrend und beschwerlich, der starke Regen tat sein
übriges.
"Ich weiß es nicht, wir müssen
einfach durchhalten.", antwortete er und wischte sich mit der
Hand über sein nasses Gesicht, bevor er weiter lief.
Hermine
folgte ihm seufzend. Nach einer weiteren Stunde steilen Aufstiegs
wurden sie schließlich damit belohnt, das der Wald sich
lichtete und in graue Steinmassive mit weitaus spärlicherer
Vegetation überging.
Der Regen war immer kälter
geworden, je höher sie stiegen und hatte sich inzwischen in
eisigen Schneeregen verwandelt.
Sie kletterten eine Zeitlang
zwischen den Felsen herum, bis Hermine ihn plötzlich am Ärmel
zupfte.
"Severus... da vorn!" Sie zeigte auf den
Eingang einer Höhle, die sich nicht weit von ihnen öffnete.
Der Höhleneingang war kleiner als er ausgesehen hatte
und sie zwängten sich mühsam durch den schmalen Spalt,
zwischen zwei gewaltigen Steinen hindurch.
Froh, endlich die
Strapazen des Aufstiegs und den kalten Regen hinter sich gelassen zu
haben, setzte er seinen Rucksack ab und lehnte sich gegen die
niedrigen Wände der Höhle, die tief ins Bergmassiv hinein
zu führen schien.
Begleitet vom tanzenden Lichtkegel
ihrer Taschenlampen, folgten sie wenig später dem schmalen Pfad,
ins Innere des Berges. Von den Wänden tropfte Wasser auf sie
herunter und Wurzeln der Büsche, die außen auf den Steinen
wuchsen, drängten ins Innere der Höhle.
Wie lange
sie in die immer tiefer werdende Schwärze hinein gelaufen waren,
konnte er nicht mehr sagen, als der Gang immer breiter wurde und
schließlich in einer größeren Höhle endete.
"Das muss es sein..", sagte er erschöpft und
Hermine nickte nur wortlos.
Sie setzten die Rucksäcke
wieder ab und suchten die Wände systematisch nach dem Symbol der
Rune ab.
Severus spürte wie sich Raido in seiner Hand
erwärmte und wusste, das er Uruz näher kam.
Fieberhaft
suchten sie nach dem Versteck der Rune, bis sie auf ein winziges,
eingeritztes Symbol am Fuße der Felswand stießen.
"Das
eckige umgedrehte U- Uruz..", rief Hermine freudig aus und fuhr
mit den Fingern über den ungewöhnlich glatten Stein.
"Severus, sieh mal..", sagte sie plötzlich und
kratzte mit dem Fingernagel, losen bröckeligen Lehm weg, bis die
Umrisse einer Platte zum Vorschein kamen.
"Das hier ist
ein Eingang", setzte er ihren Satz fort und lockerte mit Hermine
zusammen die Platte so lange, bis sie sie endlich herausheben
konnten.
Ein enger viereckiger Gang tat sich vor ihnen auf,
der voller Spinnweben hing.
"Das ist doch wohl nicht
euer Ernst?" Severus seufzte, als er in den feuchten Durchlass
hinein leuchtete, den sie offenbar passieren mussten, um die nächste
Rune zu finden.
Raido, die sich immer weiter erwärmte,
bestätigte seine Vermutung.
"Willst du zuerst, oder
soll ich?", fragte er grinsend und Hermine verzog angewidert den
Mund.
"Nach dir, bitte", antwortete sie
zähneknirschend.
Da sie die Runen jedoch nur gemeinsam
bergen konnten, zwängte sie sich nach ihm ebenfalls in den engen
Gang, in dem sie sich nur auf den Knien kriechend vorwärts
kamen.
Severus
wischte die Spinnweben mit der Taschenlampe, so gut es ging, weg.
Ihre Rucksäcke hatten sie zurücklassen müssen, denn
der Gang war dafür zu niedrig.
Nach einigen Metern hörte
der schmale Durchlass abrupt auf und gab den Blick auf eine weitere,
viel kleinere Höhle frei.
Severus richtete sich stöhnend
auf und zupfte den nassen Stoff der Hosenbeine weg, der an seinen
Knien klebte.
Er hielt Hermine eine Hand hin und sie stand
ebenfalls aus ihrer gebückten Haltung auf.
Suchend
leuchteten sie in dem unterirdischen Gewölbe herum, bis sein
Blick schließlich an etwas hängenblieb.
"Da,
sieh mal!", rief er. Die Wände warfen das Echo seiner
Stimme gespenstisch zurück, als er auf ein kleines Podest
zuging, auf dem etwas Viereckiges lag.
Hermine folgte ihm und
beide erkannten irritiert, das es sich um ein altes, in Leder
gebundenes Buch handelte.
Hermine nahm es vorsichtig auf und
strich ehrfürchtig über den staubigen Einband.
"Es
ist erstaunlich gut erhalten." ,flüsterte sie.
"Und
es ist der Schlüssel zu Uruz...", fügte er hinzu und
zeigte auf den Platz, von dem sie das Buch genommen hatte.
Deutlich
konnte man die Rune im Stein erkennen. Hermine streckte die Hand aus
und berührte den Kiesel. Severus trat von hinten an sie heran
und schlang die Arme um ihren Körper, während er ihr sanft
seine Lippen auf die Wange legte und einen Kuss darauf hauchte.
Die
Rune löste sich mit Leichtigkeit und fiel in Hermines Hand.
ooooooo
Der Rückweg war unwesentlich leichter als der Aufstieg. Zwar ging es bergab, aber der Regen hatte den Weg in eine matschige Piste verwandelt, auf der sie häufig ins Schlittern kamen.
Aufatmend erreichten sie schließlich die Hütte wieder, die sie heute morgen trocken und sauber verlassen hatten.
Davon war nichts mehr zu merken.
Hermine war mehr als einmal ausgeglitten und ihre Hose war völlig schlammverkrustet.
Sie räumten die Rücksäcke in die Hütte und reinigten sich notdürftig an der Schwenkpumpe.
Severus machte sich daran, Feuer unter einem großen alten Kessel zu entfachen, der hinter der Hütte stand, und warmes Wasser zum Waschen versprach.
Hermine kümmerte sich unterdessen darum, dass der Kamin brannte und sie eine Tasse heißen Kaffee bekamen.
Während sie den Kaffee tranken schauten sie sich das Buch an, das sie ebenfalls, zusammen mit Uruz in der Höhle gefunden hatten.
Es waren nur leere Seiten darin!
„Vermutlich müssen wir erst alle Runen beisammen haben, bevor es uns etwas mitteilt...“, sagte Severus grüblerisch.
Hermine trank einen Schluck des starken Kaffees und nickte nachdenklich.
Sie war so beschäftigt mit der Suche nach den Runen und den Begleitumständen dieser Suche, dass sie kaum daran gedacht hatte, was wohl das große Geheimnis sein würde, das die Runen enthüllten, wenn sie alle vereint waren.
Severus rückte den Stuhl zurück und stand auf.
„Ich weiß nicht, wie es dir geht, aber ich habe Hunger...“, sagte er lächelnd.
Er ging zu dem Kohleofen und während Hermine noch immer gedankenverloren vor sich hin starrte, begann er, ihnen ein Abendessen zuzubereiten.
„Hier... fein hobeln!“, kommandierte er, ihr ein Stück harten Käse mit Messer und Brettchen vor die Nase setzend.
„Zu Befehl... Professor...“, grinste Hermine, und machte sich an die Arbeit.
Es verwunderte und amüsierte sie immer wieder, wenn diese andere Seite an ihm durchblitzte.
Sie musste sich daran erinnern, dass das sie einzige Seite an ihm war, die die anderen kannten.
Aber sie kannte ihn anders... und es nahm ihr den Atem, als er sich zu ihr umwandte und ihr kurz liebevoll zulächelte.
„Severus“, dachte sie hingerissen, und der Gedanke an die gestrige, leidenschaftliche Begegnung verursachte ihr ein wohliges Prickeln.
Wenig später saßen sie vor zwei großen Tellern mit dampfenden Nudeln und aßen hungrig.
Es waren nur Nudeln mit ein paar Kräutern, Öl und eben dem feingehobelten Käse, den Hermine pflichtschuldig abgeliefert hatte, aber es schmeckte großartig.
„So müsste es immer sein“, wünschte sie sich, als sie kurz innehielt und ihn beobachtete, als er einen Schluck von dem Wein trank, der hier lobenswerterweise vorrätig war.
Aber dieser Wunsch würde sich nicht erfüllen.
Morgen schon mussten sie nach Hogwarts zurückkehren...
ooooooo
Er
genoss den Augenblick der Stille, den sie momentan hatten. Der Tag
heute war anstrengend gewesen und hatte sie beide an den Rand ihrer
Kräfte gebracht.
Nach all der Lauferei durch den kalten
Regen und dem Rumkriechen in engen ekligen Gängen fühlte er
sich schmutzig und durchgefroren.
Nachdem sie gegessen
hatten, spülte Hermine schnell das wenige Geschirr, das sie
benutzt hatten und das sie morgen wieder gebrauchsfertig hier
zurücklassen mussten.
Sie hatte vorhin auch nur den gröbsten
Schmutz abgewaschen und war in trockene Sachen geschlüpft. An
ihrer Körperhaltung konnte er jedoch erkennen, dass sie
ebenfalls fror.
Severus machte sich auf die Suche nach einem
geeigneten Waschgefäß. Die Hütte bestand nur aus
einem größeren Raum und einer Art Abstellkammer.
Die
Suche im Inneren des Häuschens blieb also erst mal erfolglos.
Er ging hinter die Hütte in den Holzverschlag und
stellte fest, das es hier neben dem altertümlich beheizbaren
Kessel, einen Eimer und eine ziemlich große Holzwanne gab.
Das Wasser im Kessel war inzwischen heiß und er
beschloss, Hermine eine Freude zu machen, indem er ihr die Wanne vor
den Kamin stellte und ihr ein heißes Bad eingoss.
Er
selbst würde sich später mit einem Eimer Wasser begnügen,
denn um die Wanne ein zweites Mal zu füllen, war das warme
Wasser zu wenig und das Holz reichte nicht, um den Kessel ein zweites
Mal zu beheizen.
Hermine sah ihn staunend an, als er, die
Wanne hinter sich herziehend, zurück in die Hütte kam.
"Was soll das denn werden?", fragte sie belustigt,
als er den großen Holzbottich direkt vor dem Kamin postierte.
"Das Wasser ist warm genug und ich dachte, du würdest
vielleicht gern baden, um dich aufzuwärmen...", gab er
lächelnd zurück und rückte die Wanne in die richtige
Position.
Zufrieden registrierte er ein freudiges Strahlen
auf Hermines Gesicht.
Er füllte den Bottich mit heißem
Wasser aus dem Kessel und verdünnte dann so lange mit dem
eiskalten Brunnenwasser, bis man angenehm darin baden konnte.
Hermine zog gerade den Pulli über den Kopf und knöpfte
den Verschluss ihres BHs auf, als er die Tür öffnete und
hinausgehen wollte.
ooooooo
„Severus?“, rief sie ihn.
Als er stehen blieb und sie fragend ansah, machte sie eine einladende Geste zur Wanne hin.
„Ich würde mich freuen, wenn du mir Gesellschaft leisten würdest...“, lächelte sie, und streifte den BH endgültig ab.
Anmutig entledigte sie sich auch noch ihrer Hose und der restlichen Unterwäsche und stieg mit einem behaglichen Seufzen in das heiße Wasser.
Lächelnd schloss er die Tür und schob den Eisenriegel von innen davor. Dann kehrte er langsam zu ihr zurück und hockte sich hinter die Wanne.
Behutsam strich er über ihre Schultern, die nun wieder aus dem Wasser heraus ragten und im Licht der Kaminflammen feucht glänzten.
Hermine schloss die Augen, als er sie berührte.
Sie hielt eine seiner Hände fest und wandte sich zu ihm um.
„Ich möchte, dass du zu mir kommst...“, sagte sie mit einem spitzbübischen Lächeln.
„In der Wanne ist genug Platz und Wasser für uns beide...“
„Hmm..“ Er küsste ihre Hand, die warm auf seiner lag.
„Wie könnte ich bei so einem Angebot widerstehen?“, gab er sanft zurück und knabberte spielerisch an ihrem Ohrläppchen.
Die Aussicht, sich ebenfalls im warmen Wasser aufzuwärmen, war verlockend. Die Tatsache das es ein gemeinsames Bad mit Hermine werden würde, machte es umso reizvoller.
Schnell streifte er seinen Pullover ab.
Eilig ging er mit freiem Oberkörper zurück zum Tisch und stellte Augenblicke später, die beiden Weingläser und eine neue Flasche in Reichweite.
Dann entledigte er sich seiner restlichen Kleidung und stieg seufzend zu ihr ins warme Wasser.
Hermine griff nach den beiden gefüllten Weingläsern und reichte ihm eines davon.
„Auf Uruz?“, grinste sie, ihr Glas leicht erhoben.
Sie so unabsichtlich freizügig vor sich sitzen zu sehen, schickte ihm heiße Wellen der Erregung durch den Körper.
Ihre Wangen waren leicht gerötet und ihre Haut spiegelte aufregend den Schein des Feuers wider.
Er erhob ebenfalls sein Glas und ließ es leise an ihres klingen.
„Worauf du willst..“, erwiderte er und beugte sich leicht zu ihr nach vorn.
Er musste sie schmecken und fühlen, sonst würde er es nicht eine Sekunde länger aushalten, hier mit ihr im Wasser zu sitzen.
„Küss mich... bitte...“, flüsterte er heiser und schloss die Augen.
ooooooo
Nur zu gern erfüllte sie seinen Wunsch und legte ihre Lippen auf seine.
Da war kein zärtliches Umspielen... hungrig und leidenschaftlich küssten sie sich, bis Hermine sich schwer atmend von ihm löste.
Hastig richtete sie ihr Glas wieder auf, das in eine bedenkliche Schieflage geraten war und schon einiges von dem Wein ins Badewasser geschüttet hatte.
„Dann trinken wir auf... diesen Abend“, sagte sie mit leuchtenden Augen und lehnte sich wieder zurück, während sie einen Schluck aus dem mittlerweile halbleeren Weinglas trank.
Er nahm ihr das Glas aus der Hand und vergoss den Rest des Weins über ihr Dekollete und ihre Brust.
Wenige Augenblicke später kniete er vor ihr und leckte die Spuren der roten Flüssigkeit von ihrem Körper
Sie keuchte auf, als er sich über sie beugte und sie seine Zunge auf ihrer Haut spürte, und griff mit den Händen in sein Haar.
„Severus...“, stöhnte sie.
Er hob sein Gesicht. Hermine erschauerte wohlig vor dem wilden Ausdruck seiner schwarzen Augen und küsste ihn wieder.
ooooooo
Ihr Kuss war so unendlich zärtlich und doch so hungrig, dass es ihm fast den Atem verschlug.
Diese Fähigkeit, sich ganz hinzugeben, kannte er nur von ihr.
Sie gab ihm das Gefühl, der Mittelpunkt der Welt zu sein, wenn sie seine Liebe so leidenschaftlich erwiderte.
Er stöhnte leise, als ihre Hände begannen, seine Haut zu liebkosen.
Innerlich bebend lehnte er sich zurück, um sich ganz und gar ihren Zärtlichkeiten zu überlassen.
Er bog seufzend den Kopf zurück und genoss es, so hingebungsvoll von ihr verwöhnt zu werden.
Ihre feuchten Haare strichen über seinen Oberkörper und die hauchzarten Berührungen ihrer Hände erregten ihn, bis er das Verlangen nicht mehr länger aushielt, und sie mit einer mühelosen Bewegung auf seinen Körper zog.
Hermine atmete zitternd aus und zog ihn in einen innigen Kuss, während sie ihn in sich aufnahm.
Die Arme um seinen Hals geschlungen flüsterte sie dicht an seinen Lippen: “Ich liebe es, mit dir zu schlafen...“, bevor sie leise aufstöhnte und ihre Bewegungen intensivierte.
„Hermine..“ , keuchte er atemlos. Ihre offenen Worte waren das intimste und schönste, dass ihm jemals jemand gesagt hatte.
Niemals hätte er in Worte fassen können, wie sehr er sie in diesem Augenblick liebte.
Er verlor sich völlig unter den immer drängender und tiefer werdenden Bewegungen ihrer Hüften und hielt sie mit den Händen an den Schulterblättern fest, um ihren Rhythmus zu bestärken.
Sie hatte die Augen geschlossen und atmete bebend ein und aus, während sie ihre Finger um den Rand der Wanne schloss.
Mit einem kleinen Schrei bäumte sie sich noch einmal auf und warf ihre feuchten Locken in den Nacken.
Ihre leidenschaftliche Geste ließ ihn innerlich brennen. Stöhnend bog er sich ihr entgegen und schließlich wurde auch er mitgerissen, von einer Welle intensivster Empfindungen, die ihm beinahe die Sinne raubte.
ooooooo
Als das intensive Pulsieren in ihr nachließ, legte sie seufzend die Stirn auf seine Schulter.
Eine zutiefst befriedigende Trägheit machte sich in ihr breit und sie begann zu spüren, dass das Wasser sich merklich abgekühlt hatte.
Lächelnd erhob sie sich und griff nach dem Badetuch, um sich darin einzuwickeln.
Er tat es ihr gleich, und nachdem sie sich hastig abgetrocknet hatten, schmiegten sie sich im Bett eng aneinander, um sich zu wärmen.
Als das schlimmste Kälte-Empfinden vorüber war, stand Hermine auf, und huschte hinüber zum Badezuber, um die Weinflasche und die zwei Gläser zu holen.
„Und diesmal möchte ich ihn wirklich trinken...“, grinste sie, als sie im Bett saß und beide Gläser voll schenkte.
Kapitel 30
Er hielt sie mit seinen Blicken fest, als sie aus der Wanne stieg.
Ihr Körper fühlte sich nicht nur sehr sinnlich an, er war auch wunderschön.
Voll liebevollem Stolz, dass sie sich ihm immer wieder mit solcher Leidenschaft schenkte,
betrachtete er sie.
Ihre ganze Silhouette war zart aber weiblich. Noch immer meinte er, ihre festen Muskeln aufregend nah an seinem Körper zu spüren und ihre vollen, weichen Brüste unter seinen Lippen.
Sie lächelte und wickelte sich in ihr Badetuch.
Nun saß sie neben ihm im Bett und füllte sein Glas mit kräftigem rotem Wein.
Nachdem er einige Schlucke genossen hatte, beugte er sich aus dem Bett , um sein Glas auf dem Boden abzustellen und rutschte tiefer in sein Kissen.
Sie stellte ihr Glas ebenfalls ab und schmiegte sich eng an seinen nackten Oberkörper.
Dieses Gefühl ihrer nackten Haut, war so normal... so existenziell wichtig für ihn, dass sich unweigerlich der Gedanke an Hogwarts einstellte.
„Hermine... wir sollten über Hogwarts sprechen...“, begann er leise und hoffte, damit die Atmosphäre des Abends nicht zu sehr zu stören.
Hermine nickte an seiner Brust.
„Severus, ich bin nicht so naiv zu glauben, das wir händchenhaltend über die Wiesen spazieren werden...“, sagte sie mit einem ganz leisen, bitteren Unterton.
Er strich sanft mit den Fingerspitzen über ihre Wange.
Sie sah nun zu ihm auf und er fuhr durch ihre, noch immer leicht feuchten, langen Haare.
„Für mich ist das alles genau so schwer wie für dich. Ich kann nicht mehr länger die Schülerin in dir sehen, wenn du vor mir sitzt.
Mir fällt es immer schwerer, dich nicht versehentlich beim Vornamen zu nennen oder mich durch eine unbedachte Geste zu verraten, wenn jemand dabei ist.“ Er seufzte und küsste zärtlich ihre Stirn.“ Wir werden sehr vorsichtig sein müssen“
„Ich weiß...“, sagte sie leise und kuschelte sich noch dichter an ihn.
„Mach dir keine Sorgen...“, sagte sie, während sie mit der Fingerspitze über seine Brust fuhr.
„Ich werde vorsichtig sein... es ist ja nur noch für den Rest des Schuljahres....“
Er lachte leise, bevor er ihre Lippen zärtlich mit seinen verschloss.
Dieser Satz -schlicht dahin gesagt, erfüllte ihn mit unbeschreiblichem Glück.
Sie dachte also tatsächlich daran, dieser komplizierten Verbindung auch nach ihrer Schulzeit in Hogwarts- vielleicht vor allem dann- eine Chance einzuräumen.
Hermine hatte die Augen geschlossen und lag still in seiner Umarmung.
„Würdest du mich noch mal nach Irland begleiten... an Halloween?“, fragte er plötzlich unvermittelt und suchte ihren Blick.
oooooooo
Hermines Augen leuchteten auf.
Erleichtert registrierte sie, dass er ihre unbedachte Annahme, dass sie sich über das Schuljahr hinaus noch sehen würden, so aufgenommen hatte.
Konnte er sich also tatsächlich vorstellen, dass aus ihnen ein- Paar würde? Andererseits, was waren sie denn jetzt? Sie liebten und begehrten einander und wollten Zeit miteinander verbringen- machte sie das nicht schon zu einem Paar?
Egal, wie man es nannte, es machte sie glücklich.
Jetzt mussten sie erst mal diese Suche hinter sich bringen- und dann würden sie weitersehen...
Dann würde sich zeigen, ob Severus ernsthaft daran dachte, sich eine so junge und unerfahrene Partnerin zu wünschen...oder ob er jetzt nur zu hingerissen von ihrer Zuneigung war, um sie sofort wieder von sich zu stoßen.
War sie nicht vielleicht doch nur ein Trost für die furchtbaren Wunden, die diese Frau ihm geschlagen hatte?
Seine Einladung, ihn in sein Zuhause zu begleiten, ließ sie jedoch frohlocken.
„Ja, furchtbar gern!“, strahlte sie.
Sie hauchte ein paar kleine Küsse auf seine Brust, bevor sie aufsah.
„Natürlich nur, weil ich es Kitty und Tamy versprochen habe...“, grinste sie.
Der nächste Morgen zeigte sich , wie seine Vorgänger, wenig freundlich.
So stiegen sie nach einem ausgiebigen Frühstück und dem Aufräumen der Schutzhütte, wieder talabwärts.
Nach beinahe einem halben Tagesmarsch erreichten sie schließlich den Bahnhof und Hermine war froh, sich für die nächsten Stunden einmal nicht auf ihren Füßen fortbewegen zu müssen.
Ihre Fußsohlen brannten, und vom stetigen Abwärtslaufen beim gestrigen Abstieg zur Hütte hatte sie noch einen gewaltigen Muskelkater.
Wehmütig sah sie durch das Fenster ihres Abteils das Land an sich vorüberziehen, in dem sich in den letzten beiden Tagen so viel für sie verändert hatte.
Severus lächelte sie an, und sie setzte sich zu ihm, sich in seine Umarmung kuschelnd.
„Ich werde dich vermissen“, sagte sie leise und sah zu ihm auf.
Er beugte sich hinab und küsste sie zärtlich, als sich die Abteiltür öffnete.
Betreten lösten sie sich voneinander und blickten in das freundlich lächelnde Gesicht einer älteren Dame.
„Oh, entschuldigen Sie“, sagte diese hastig. „Aber im ganzen Zug ist kein Sitzplatz mehr frei... und ich habe vergessen, zu reservieren... dürfte ich...?“
Sofort stand Hermine auf und befreite einen Sitzplatz von den Büchern, die sie um sich verteilt hatten, um ihn der Frau höflich anzubieten.
Rasch räumte sie alles zurück in ihre Reisetasche, die eindeutig zur magischen Welt gehörte und setzte sich wieder auf ihren Platz, Severus gegenüber.
„Und Sie beide haben auch Urlaub in der Schweiz gemacht?“, erkundigte sich ihre neue Reisegefährtin.
Severus nahm ein Buch und verschanzte sich demonstrativ dahinter, so dass es Hermine zufiel, den Fragen der alten Dame auszuweichen.
„Ähm... ja, genau...“, gab sie also vage zurück.
Die Frau betrachtete das als ausreichende Ermunterung, um ausführlich von ihrem Aufenthalt in Luzern zu berichten.
Sie hatte dort ihre Tochter und ihren neugeborenen Enkel besucht und erging sich in minutiösen Beschreibungen jeden Details aus dem jungen Leben.
„Ach“, seufzte sie. „Es ist doch zu schön, einen neuen Erdenbürger auf der Welt zu begrüßen.
Sie beide werden das sicher auch einmal erleben wollen...“, zwinkerte sie Hermine verschwörerisch zu.
Hermine biss sich auf die Lippen, um nicht laut loszulachen, als sie den entsetzt-fassungslosen Blick von Severus auffing, den er ihr über den Buchrand hinweg zuwarf.
„Ja, sicher, später einmal vielleicht..“, gab sie nichtssagend ihrer Gesprächspartnerin zurück und fragte sie nach Details über Luzern, um sie zu einem Themenwechsel zu bewegen.
Sie schenkte Severus, auf dessen Stirn sich eine steile Falte gebildet, hatte einen beruhigendes Lächeln.
Hermine nahm schon seit mehreren Jahren regelmäßig einen Verhütungstrank ein.
Er war ihr sympathischer als die Methoden der Muggel und sie hatte keinen Grund an seiner Wirksamkeit zu zweifeln.
Sie wusste nicht, ob sie überhaupt einmal Kinder bekommen wollte, aber mit Sicherheit wollte sie jetzt keine.
Ihr fiel auf, das sie gar nicht gefragt hatte, ob Severus etwas gegen eine Vaterschaft übernahm, aber da sie ja selbst vorgesorgt hatte, war ihr das auch nicht wichtig gewesen.
Der flüchtige Gedanke an ein schwarzgelocktes Kind spukte ihr durch den Kopf. Severus’ Kind....
Energisch schüttelte sie diesen Gedanken wieder ab.
Das war wirklich nichts, mit dem sie sich jetzt beschäftigen wollte.
Und sie klinkte sich gedanklich wieder in dem Monolog von Mrs. Peasgood ein, die über die Sehenswürdigkeiten von Luzern referierte.
Doch es dauerte nicht lange, bis die alte Dame wieder bei ihrem Lieblingsthema war: ihrer Tochter.
Hermine erfuhr, dass Isabella eine Ausbildung zur Krankenschwester gemacht hatte, bevor sie Bernhard, einen Schweizer, kennen- und liebengelernt hatte und zu ihm gezogen war.
„Er ist ja so ein guter Mann, dieser Bernhard, ganz anders, als der, den sie vorher hatte“, schwatzte sie munter. „Der war ja auch viel zu alt für sie...bestimmt 15 Jahre lagen zwischen ihnen...“
Jetzt schien Mrs. Peasgood zu merken, dass sie in ein Fettnäpfchen getreten war, denn offensichtlich saß hier ein Paar mit ganz ähnlichem Altersabstand.
Sie kniff erschrocken die Lippen zusammen, als sie Severus’ hochgezogene Augenbrauen sah.
„Ach, was rede ich...“, lächelte sie fahrig. „Darauf kommt es doch gar nicht an, nicht wahr? Ich meine, wenn man sich liebt...“
Ungerührt starrte Severus weiter in sein Buch und Hermine erbarmte sich der zutiefst verlegenen Frau und diskutierte mit ihr über die Unterschiede der britischen und der kontinentalen Lebensweisen.
In London verabschiedete sich ihre kurzzeitige Reisegefährtin und als sie außer Sichtweite war, platzte ein lang unterdrücktes Lachen aus Hermine heraus.
„Also wirklich... wenn ich die Wahl hätte zwischen einem Aufenthalt in dem spinnenverseuchten Gang, den wir gestern besucht haben oder der gleichen Zeit in Mrs. Peasgoods Gesellschaft... glaub mir... ich würde die Spinnen wählen!“, grinste sie.
Ein widerwilliges Lächeln zuckte um Severus’ Mundwinkel.
ooooooo
Die Zugfahrt war bestimmt vom Schwatzen der alten Dame und Severus wünschte sich mehr als einmal, er könne ihr einen „Silencio“ auf den Hals hetzen, um endlich in Ruhe sein Buch lesen zu können.
Er lauschte dem Monolog der Frau nur halbherzig interessiert, blickte aber, wie aus einer Trance gerissen auf, als sie das Thema Kinder ansprach.
Hermine grinste ihn frech an und nahm das Gespräch mit Mrs. Peasgood wieder auf.
Severus hatte sich nie Gedanken um Kinder gemacht.
‚Die Möglichkeiten waren in den letzten Jahren ja auch nicht gerade überwältigend!‘, dachte er sarkastisch, als er wieder auf die Seiten seines Buches blickte.
So sehr er sich auch bemühte, schaffte er es nicht, weiter zu lesen.
Zu intensiv beschäftigte ihn der Gedanke der sich nun in seinem Kopf festgesetzt hatte. Er und Hermine hatten Sex...
Für den Bruchteil einer Sekunde sah er eine schwangere Hermine vor seinem inneren Auge, schüttelte den Gedanken aber vehement ab.
Es
war schon spät am Abend, als sie wieder in London ankamen. Wie
üblich hatten sie noch eine Weile zu laufen, bis sie einen
kleinen Park erreichten, von wo sie mit ihrem zurückgelassenen
Portschlüssel wieder ungesehen nach Hogwarts apparieren konnten.
Es hätte zu viel Aufsehen erregt, wenn sie regelmäßig
gemeinsam in der Winkelgasse aufgetaucht wären.
Der
Park war um diese Zeit still und verlassen. Severus nahm Hermines
Hand und verflocht seine Finger mit ihren. Sie blickte lächelnd
zu ihm auf und er erwiderte diese Geste.
In wenigen Minuten
würden sie wieder das Gelände der Schule betreten und ab
diesem Moment würden sie für eine weitere Woche offiziell
nur noch Lehrer und Schülerin sein dürfen.
Sie
schlugen gerade den Weg zu ihrem versteckten Beförderungsmittel
ein, als sie Schritte und eigenartigerweise auch vertraute Stimmen
vernahmen.
Severus zog Hermine mit einer hastigen Bewegung in
den Schutz einer grünen Hecke.
Sie kauerten sich eng
zusammen und bemühten sich, sich nicht durch ein Geräusch
zu verraten.
Noch konnte Severus die Stimmen nicht eindeutig
zuordnen aber er wollte nicht riskieren, vielleicht von den falschen
Leuten gesehen zu werden, wenn er spät Abends in Muggelkleidung
mit einer seiner Schülerinnen in einem Park herum spazierte.
Die Stimmen wurden immer lauter und die Schritte
näherten sich, bis sie in unmittelbarer Nähe stehen
blieben.
"... ja, ich weiß es.. aber er hat mich
einfach rausgeschmissen.", sagte die Frau gerade und wandte sich
zu ihrem Begleiter um.
"Eryja, wir müssen
versuchen, mehr Details herauszufinden...." , erwiderte der groß
gewachsene Mann mit den langen blonden Haaren nun mit eisiger Stimme.
Severus’ Gedanken überschlugen sich. ’Was
hat Malfoy hier zu suchen? Mit Eryja?’
Er kniff die
Augen zu schmalen Schlitzen zusammen und wechselte einen Blick mit
Hermine, bevor er sich wieder auf das Gespräch der beiden
konzentrierte.
"Du weißt doch, dass ich absolut
alles für dich tue, Lucius...", säuselte die
Rothaarige nun, mit ihrem typisch irischen Akzent .
Severus
und Hermine sahen durch Lücken im Blattwerk, wie sich Eryja eng
in die Arme Malfoys schmiegte und mit einem ihrer langen Fingernägel
spielerisch an seiner Wange entlang kratzte.
"Du bist
ein echtes Biest.. ich mag das..", erwiderte der nun hochmütig
lächelnd und presste seine schmalen Lippen hart auf die der
Irin, während seine Hände verlangend über ihren
perfekten Körper glitten.
ooooooo
Hermine ging mit einem unguten Gefühl schlafen.
Die Begegnung mit dieser Frau, die sie nie wiederzusehen gehofft hatte, beunruhigte sie.
Severus hatte sich keinen Schmerz oder Trauer anmerken lassen, ein schneller Blick in sein Gesicht im Park hatte nur Wachsamkeit verraten.
Er hatte sich in dem dunklen Geheimeingang , durch den sie das Schloss betreten hatten, zärtlich von ihr verabschiedet, doch sie hatte ihm angemerkt, das es ihn ebenfalls beschäftigte, was sie beobachtet hatten.
Im Unterricht entlockte es ihr doch ein kleines Schmunzeln, als sie ihn finster und drohend vor der Klasse stehen sah...ganz unwillkürlich drängte sich ihr das Bild auf, wie er nackt Kaffe gekocht hatte...
Sie fing sich einen drohenden, ganz und gar Snape- typischen Blick ein, als er merkte, dass sie beinahe eine falsche Zutat zu dem Trank hinzugefügt hätte.
Hermine seufzte.
Sie musste wirklich lernen, ihre Gedanken besser unter Kontrolle zu haben.
Auch der Gedanke an Eryja wollte sie nicht los lassen...
‚Sie ist Geschichte’, versuchte sie sich selbst zu beruhigen.
Severus liebte sie... auch wenn er sie gerade ansah, als wollte er sie lieber erdolchen.
Am Abend eilte sie in seine Räume und warf sich sofort in seine Umarmung..
Seinen liebevollen Kuss erwiderte sie leidenschaftlich, indem sie die Arme um seinen Nacken schlang und ihn zu sich herunterzog.
Es war noch alles so, wie sie es in Erinnerung hatte!
Und beruhigt ließ sie von ihm ab.
„Besser jetzt?“, fragte er mit einem kleinen Schmunzeln.
„Ja“, lächelte sie zurück, und ging, um sich den Recherchen über die Runen zu widmen.
Als es zu spät wurde, um noch sinnvoll arbeiten zu können, zögerte Hermine kurz, bevor er mit einer lächelnden Geste ein grünes Pyjama-Oberteil hoch hielt.
Sie verbrachten diese Nacht in inniger Umarmung und Hermine löste sich nur sehr widerwillig von ihm, als der Morgen graute.
Heute Abend würden sie sich nicht sehen, da Hermine Luna versprochen hatte, ihr etwas Nachhilfe in Arithmantik zu geben, und so mussten die Küsse, die sich gaben für eine lange Zeit vorhalten.
Außerdem musste sie mit Harry sprechen. Sie war sich bewusst, dass er sie misstrauisch beobachtete, weil er offenbar ahnte, dass sie etwas vor ihm verbarg. Er war ihr Freund und sie vertraute auf seine Verschwiegenheit. Worauf sie nicht vertraute war seine Bereitschaft, ihr abzukaufen, dass sie sich in ihren Professor verliebt hatte- oder gar, dass der diese Gefühle erwiderte!
Sie bat ihn um ein ungestörtes Gespräch auf dem Astronomie- Turm, nahm all ihren Mut zusammen und machte ihr Geständnis.
Zu sagen, dass Harry erstaunt war, wäre eine riesige Untertreibung gewesen. Er war erschüttert und weigerte sich zunächst glattweg, ihr zu glauben.
Es kostete Hermine viel Mühe und wiederholte Versicherungen und Erklärungen, dass sie tatsächlich die Wahrheit sagte. Und selbst dann schien er nicht wirklich überzeugt davon, dass der Lehrer, den er am meisten hasste, einen guten Partner für seine Freundin abgeben würde.
Doch es war nicht an Harry, das zu entscheiden und das machte sie ihm auch freundlich aber deutlich klar.
ooooooo
Severus
war froh, sich endlich in seine Räume zurückziehen zu
können. Er hatte Schlossaufsicht gehabt und so gelegen es ihm
meist kam, nächtens auf den Gängen herum zu laufen und
seinen Gedanken nach zu hängen, so sehr hatte er es heute
gehasst.
Er war in der Schweiz wirklich mehr als genug
gelaufen und der Muskelkater in den Waden erinnerte ihn nur zu
deutlich daran.
Trotzdem wollte er wegen dieser Kleinigkeit
nicht extra einen Trank einnehmen. Severus freute sich auf ein
entspannendes Bad und danach auf sein Bett.
Der Gedanke an
ein Bad ließ erotische Bilder von Hermine vor seinem inneren
Auge entstehen. Wie sie sich über ihre vollen Lippen leckte,
stöhnend den Kopf zurückwarf und wie sich ihr feucht
glänzender Körper im Feuerschein bewegte..
Seufzend
schloss er die Augen. Heute würde er allein baden.
Mit
müden Bewegungen schloss er die schwere Tür wieder hinter
sich und warf seinen Umhang im Vorbeigehen achtlos auf die Lehne des
Sofas.
Das Wohnzimmer lag im Dunklen. Nur der bläuliche
Mondschein fiel durch die hohen schmalen Fenster herein und zeichnete
helle Quadrate auf den Fußboden.
Irritiert hielt er
inne als er aus dem Augenwinkel eine Bewegung vernahm.
Blitzschnell
hatte er den Zauberstab gezückt und richtete ihn gegen den
Eindringling.
"Severus... noch immer so misstrauisch?",
fragte die sanfte Frauenstimme mit breitem irischem Akzent.
Kapitel 31
"Eryja?
Was willst du? Wie kommst du überhaupt hier rein?" Sein
Tonfall war kalt und verlangte nach Erklärungen.
Mit
einer schnellen Bewegung seiner Hand entzündete er das Feuer im
Kamin und di