Auf der Suche nach den Runen des Lichts


von Tamsyn und Nagini




Kapitel 17 - 26


Kapitel 17

Also saß sie am Abend wieder in seinem Wohnzimmer und durchforstete verschiedene Bücher nach Hinweisen. Der Absatz über die Macht, die der Teufel nicht kennt, ließ sie nicht los. Während Snape in der Küche Tee kochte, stand Hermine auf, um ihre eingeschlafenen Füße zu wecken.

Als sie herum wanderte, fiel ihr Blick auf ein geöffnetes Buch auf seinem Schreibtisch. Automatisch begann sie zu lesen und stutzte.

13 Steine sollt ihr finden...’

Sie grübelte noch über den Sinn dieses Satzes nach, als Snape ihr eine Tasse Tee hinhielt.

Sie nahm sie dankend entgegen und versank dann wieder in stummes Nachdenken.

Es war schon nahezu Mitternacht, als Hermine das dicke Buch zuklappte, in dem sie zuletzt gelesen hatte. Trotz aller Förmlichkeit, die zwischen ihnen herrschte, um das Geschehe in Prag auszuklammern, hatte sie sich wieder wohl gefühlt in seinen Räumen... in seiner Nähe...

Doch sie wollte es auf keinen Fall riskieren noch einmal hier einzuschlafen und so nahm sie ihre Notizen zusammen und erhob sich. Snape sah von seinem Buch auf und schaute sie durch seine Brille fragend an.

Es ist spät...“, erklärte Hermine.

Ja..“, sagte er leise. „Morgen werden wir ‚Isa’ entschlüsseln.“

Gut...“ Sie ging zur Tür und sah sich noch einmal um.

Sein Blick ruhte auf ihr und ehe sie sich dagegen wehren konnte, war sie schon darin versunken. Da war etwas, dass ihr den Atem stocken ließ, obwohl sie um keinen Preis hätte benennen können. Sie schlug die Augen nieder. „Gute Nacht.“, hauchte sie und ging.

In ihrem Zimmer legte sie ihre Notizen auf den kleinen Schreibtisch und zog sich um. Während sie ihr Haar bürstete, gingen ihr die Zeilen, die sie gelesen hatte, durch den Kopf.

13 Steine sollt ihr finden. Jeder stark - und für sich allein

wird die Macht, die sie euch bringen doch niemals die eure sein.

Sie finden zwei mit ihrem Herzen, führen sie einander hin.

Und wenn alles sich vereint, gibt das Geheimnis seinen Sinn’

Dass sie die Runen nur gemeinsam bergen konnten, hatten sie ja schon entdeckt. Doch da war noch etwas anderes... Seufzend warf sie sich auf ihr Bett. Sie würde es heute nicht mehr herausfinden.

Ihr Blick fiel auf den Nachttisch und nach kurzem Zögern griff sie nach dem Buch, das darauf lag. Es war die Ausgabe von „1000 Zauberkräuter“, die er ihr geschenkt hatte. Sanft strich sie mit den Fingern über den weichen, braunen Ledereinband des Buches. Sie kam sich albern dabei vor, doch es war ein Stück von ihm... irgendwie...

Diesen Blick zum Abschied hatte sie wieder bis in ihre Seele gespürt. Und sofort war ihre mühsam errichtete Abwehr dahin geschmolzen.

Sie war hin und her gerissen. Er hatte sie verletzt und doch sehnte sie sich nach ihm. Mit kühlerem Kopf musste sie außerdem zugeben, dass er kaum anders hätte handeln können.

Es tut mir leid. Ich darf das nicht, auch wenn ich es noch so sehr möchte...’

Das waren seine Worte gewesen. Hermines Magen krampfte sich zusammen. Er sehnte sich auch nach ihr! Doch sie war seine Schülerin und er konnte, er durfte doch nicht...

Wollte er es? Was wollte er überhaupt von ihr?

Schmeichelte es ihm, dass eine junge Frau so auf ihn reagierte? Oder war da vielleicht doch ein bisschen mehr?

Hermine schüttelte den Kopf. Er mochte sie und sie reizte ihn. Es war doch nicht möglich, dass ein Mann wie er... tiefere Gefühle... für ein junges Mädchen entwickelte... Warum sonst gab er sich in der Schule so garstig, wenn nicht, um sich die lästigen Schüler vom Hals zu halten? Doch sie erkannte selbst in dem übelgelaunten Gryffindor-Schreck den wahren Severus. Es waren keine zwei Personen.

Es war Severus Snape, der aus Gründen, die Hermine nur ahnen konnte, eine hohe Mauer um sich errichtet hatte. Sie hatte über diese Mauer schauen dürfen und hatte sich dabei rettungslos in diesen sonder- und wunderbaren Mann verliebt. Mit einem leisen Aufschrei barg sie das Gesicht im Kissen. Sie hatte es tatsächlich getan! Sie hatte sich in ihn verliebt.

Deshalb wollte sie ganz und gar bei ihm sein, an seinem Leben teilhaben und ihn spüren und schmecken können. Und doch war dieses Gefühl ganz anders, als alles was sie jemals für Victor empfunden haben mochte. Das hier umfasste sie ganz und gar, es quälte sie und machte in seltenen Momente gleichzeitig euphorisch. ‚Na, großartig, Hermine!’, dachte sie sarkastisch. ‚Da hast du dir ja gerade eine Garantie zum Unglücklichsein eingehandelt.’

Verliebt in Severus Snape, einen Lehrer, der sich mit Grausen abwenden wird, wenn er von einer liebeskranken Schülerin belästigt wird.

ooooooo

Beinahe die ganze Woche hatte er sie gemieden, wo es nur ging. Eigentlich passte das gar nicht zu ihm aber er hatte ihr gegenüber noch immer ein schlechtes Gewissen, weil er in Prag so dermaßen die Beherrschung verloren hatte.

Fast war es ihm peinlich dass er ihr unfreiwillig so viel von sich offenbart hatte. Er sollte es besser wissen! Gerade er sollte wissen dass es nur Schmerz und Enttäuschung bedeutete, wenn man zuviel von sich preisgab. Sie hatte zwar auf seine leidenschaftlichen Zärtlichkeiten reagiert aber das war nur der Moment gewesen. Sie hatte zuviel Wein getrunken und sie hatten den Tag miteinander verbracht... normalerweise hätte sie ihn wohl zurückgewiesen. Was sie bisher aber kein einziges Mal getan hatte. Im Gegenteil. Sie hatte stets seine Nähe gesucht.

So wie in diesem verfluchten gelben Zelt in Schweden, in dem sein Unglück den Anfang genommen hatte, als sie ihn so zart berührt und geküsst hatte.

Oder wie auf dem Balkon in Portugal, als sie ihm beim Vornamen genannt hatte. Sie hatte seine Nähe gesucht und er war nur zu gern bereit, sie ihr zu geben. Er sehnte sich geradezu danach, das sie gegen seine Mauern anrannte und sie nieder riss.

Die Tür öffnete sich und beendete damit seine trüben Gedanken.„Verzeihung, Professor.. ich habe angeklopft...“, sagte sie etwas schüchtern und schloss die massive Holztür zu seinen Wohnräumen wieder hinter sich.
Es befremdete ihn das sie anscheinend eine Zurechtweisung erwartete, weil sie ungefragt sein Wohnzimmer betreten hatte. Sie schien schon die ganze Woche still und kühl. Der gemeinsame Abend der Recherchen zu Isa war zumeist schweigend verlaufen und auch sonst schien sie ihm genauso aus dem Weg zu gehen wie er ihr. Selbst im Unterricht hatte sie sich nicht, wie sonst an den Stunden beteiligt. Wenn er sie etwas fragte, antwortete sie knapp und korrekt aber vertiefte sich dann sofort wieder in ihre Arbeit.

Nun stand sie mitten im Raum und rührte sich nicht. Beim letzten Mal hatte sie sich so selbstverständlich hier bewegt, als sei sie hier zu Hause und nun stand sie hier wie ein Schüler, der sich eine Strafarbeit abholen musste.

Sie dürfen atmen und sich bewegen..“, sprach er sie sarkastisch an und erntete dafür einen gereizten Blick ihrerseits.
Sie ging hinüber zum Sofa, nahm die beiden Kissen herunter und klatschte sie lieblos auf den Boden.
Dann setzte sie sich im Schneidersitz auf eines der Kissen und sah ihn abwartend an.
‚Anscheinend habe ich sie mehr verschreckt als ich dachte. Ich hätte sie nicht so überrumpeln dürfen... kein Wunder das sie Abstand hält.‘, dachte er, während er zu seinem Sekretär hinüber ging, in dem er den Beutel mit den bisher gefundenen Runen aufbewahrte.

Er nahm Isa aus dem Stoffsäckchen und initiierte wieder den magischen Raum, nachdem er auf dem anderen Kissen Platz genommen hatte. Sie fuhr fahrig über seine Stirn und er glaubte, ein leichtes Zittern zu spüren. Mit einer schnellen Bewegung zeichnete er ihr ebenfalls das große I auf die Stirn und umfasste mit festem Griff ihre Hände, die nun die Rune hielten.
Die Vision ließ diesmal nicht lange auf sich warten und das zuerst erschienene I wandelte sich in ein Gebilde, das man mit einem spitzwinkligen D vergleichen konnte.
Die Pracht der Farben die sich ihm anfangs zeigte, löste sich langsam auf und ein klares Bild einer grünen satten Landschaft zeigte sich ihm.
Sein visueller Flug ging noch einen Augenblick weiter und langsam wurden große graue Umrisse sichtbar... eine scheinbar willkürliche Anordnung von großen Steinkörpern. Nur langsam arbeiteten sich deutliche Steinblöcke unterschiedlicher Größe heraus und langsam erkannte er, wo er sich befand... das hier hatte er schon so oft gesehen... mitten in England... Sie würden sie nächste Rune in Stonehenge finden.

ooooooo

Thuriasz ist in Stonehenge!’, war ihr erster Gedanke, als sie auf dem Teppich in seinem Wohnzimmer erwachte.

Und dann: ‚Er hat mich einfach hier liegen lassen.’

Sie öffnete die Augen und jedes Gefühl von Enttäuschung war wie weggewischt, als sie ihn bewegungslos auf dem Boden liegen sah.

In einer Sekunde war sie bei ihm .

Severus…“, flüsterte sie.

Hastig legte sie den Kopf mit dem Ohr auf seine Brust und vernahm unendlich erleichtert tiefe Atemzüge und ein regelmäßig schlagendes Herz. Anscheinend hatte die Vision ihn ebenso mitgenommen wie sie und er schlief.

Sie setzte sich auf und betrachtete ihn in seinem tiefen Schlaf.

Schwarze Strähnen hingen ihm wirr ins Gesicht. Hermine wischte sie mit einer sanften Geste beiseite.

Es wirkte merkwürdig schutzlos, dieses entspannte Gesicht, aus dem keine dunklen Augen funkelten und kein Blick einen durchdringen konnte. Keine finster zusammengekniffenen Brauen, sondern perfekte schwarze Bögen über dicht bewimperten Augenlidern. Kein fest zusammengekniffener Mund, sondern schön geschwungene, schmale Lippen. Und Hermine tat das Herz weh vor Zärtlichkeit für ihn, der hier einmal ganz ohne Maske vor ihn lag und nicht ahnte, dass sie ihn beobachtete.

Sie hob eine Hand, um zart über seine Wange zu streicheln.

Beinahe lautlos bewegte sie die Lippen. „Severus...“

Tödlich erschrocken zuckte sie zurück, als er plötzlich die Augen öffnete und sie ansah.

Hastig rückte sie von ihm ab während er sich aufrichtete.

Sie sind schon wach…“, murmelte er und fuhr sich mit beiden Händen über das Gesicht.

Hermine griff nach den beiden Bechern mit dem Trank gegen Kopfschmerzen, die wieder bereitstanden, und reichte ihm einen davon. Erst jetzt spürte sie das heftige Stechen hinter den Augen und sie nickte stumm, die Augen auf den Becher gerichtet. Rasch leerte sie ihn und stand dann auf. Sie zitterte davor, dass er sie wieder mit einer bissigen Bemerkung verletzen würde.

Ich werde jetzt gehen.“, sagte sie deshalb schnell und verließ seine Räume, während er noch den Becher zwischen seinen schlanken Händen drehte.

In ihrem Zimmer rollte sie sich auf dem Bett zusammen.

Warum konnte es nicht Dean sein, für den sie so empfand? Wie viel einfacher würde das alles machen.

ooooooo

Er saß noch eine ganze Weile in dieser Position, noch lange, nachdem er den Becher geleert hatte.

Wie durch einen zähen lähmenden Nebel hindurch, hatte er ihr sanftes Flüstern und ihre vorsichtige Berührung vernommen. Sie hatte ihn wieder beim Vornamen genannt. Eigentlich hätte sie das nicht tun dürfen aber selbst wenn er richtig wach gewesen wäre, hätte er sie nicht dafür zurecht gewiesen.

Irgendwie hatte er das unbestimmte Gefühl dass jede andere Bezeichnung zwischen ihnen inzwischen unpassend geworden war. Er sah in den leeren Becher und drehte ihn, so dass die kleine Bodenpfütze, die sich gebildet hatte, hin und her lief. Ihr Blick hatte ihn, wie so oft, berührt und am liebsten hätte er sie zurückgehalten, als sie hastig aus seinen Räumen geeilt war. Hätte sie am liebsten in seine Arme gezogen um mit ihr zusammen noch viel weiter zu gehen als an dem Abend im Park...

Das muss sofort aufhören!“, sagte er laut in den leeren Raum hinein und sprang auf, um in sein kleines Labor hinüber zu gehen.

Fieberhaft suchte er nun in seinen Büchern und Pergamenten nach einer bestimmten Seite.

Wenn er ihr nun schon nicht ausweichen konnte, so mussten die Nebenwirkungen der Runen doch zu unterdrücken sein! Er versprach sich für sich selbst nicht allzu viel davon.

Seine Gefühle für sie konnte man sicher schon längst nicht mehr der Kraft der Steine zusprechen. Aber er war sich sicher, das er etwas finden würde, um sie daran zu hindern weiterhin etwas zu empfinden, das uralte Kiesel ihr eingaben. Wenn sie nicht mehr unter dem Einfluss der Lichtrunen stand und deshalb nicht ständig versuchte, sich ihm zu nähern würde es ihm um ein Vielfaches leichter fallen mit ihr zusammen zu arbeiten. Er könnte den gehabten Abstand wieder herstellen und die Situation würde sich entspannen.

Dann muss ich nicht ständig auf mich aufpassen, weil es solche Situationen wie in Prag nicht mehr geben wird...’, dachte er und blätterte verbissen in einem uralten Buch. ’Sie wird wieder normal empfinden und froh sein, wenn sie mich wieder los ist!’

Achtlos warf er das Buch beiseite und zog ein anderes aus dem Regal über dem Kessel.

Endlich hatte er gefunden was er gesucht hatte und fing sofort an, die Zutaten zusammen zu stellen.
Wenn sie morgen nach Stonehenge aufbrechen würden, würde sich schon eine Gelegenheit finden, ihr den Banntrank unter zu schieben und sein Problem wäre gelöst.

Diesmal mieteten sie gleich in London ein Auto denn ihr Ziel lag diesmal näher als je zuvor.
Er saß neben ihr im Auto und beobachtete ihre Bewegungen. Die halbe Nacht hatte er wegen seines Vorhabens nicht schlafen können. War es richtig was er tat? Sehnte er sich nicht eigentlich nach ihren Zärtlichkeiten, den Blicken und ihren Berührungen? Sollte er es nicht lassen wie es gerade war und sehen was sich entwickelte? Sollte er nicht diese Zeit, in der er glücklicher als jemals zuvor war, einfach genießen?
’Nein!’ , rief er sich gedanklich zur Vernunft. ‚Ihr Verhalten wird von den Runen verursacht. Wenn ich diese Situation ausnutze, werde ich nie mehr in den Spiegel sehen können!’

Er beobachtete wie ihre langen Haare im Fahrtwind wehten und sich die Spitzen in ihrem Gurt und dem halb geöffneten Fenster verfingen. Er roch ihren schwachen Duft nach Maiglöckchen, den er inzwischen so liebte. So gern wollte er der Versuchung nachgeben, seinem Herz zu folgen aber er konnte den Gedanken nicht ertragen das sie irgendwann vielleicht die Tage hassen könnte, an denen er ihr nahe gewesen war.

ooooooo

Sie hatten zwei Zimmer in einem kleinen Hotel in der Nähe der Anlage. Da Stonehenge bewacht und umzäunt war brachen sie erst um ein Uhr nachts auf. Hermine trug eine schwarze Hose und einen schwarzen engen Pulli, die Haare zu einem festen Zopf geflochten. Es fing an zu nieseln und sie wünschte, dass sie ihre rote Regenjacke hätte anziehen können.

Schweigend gingen sie nebeneinander her. Der Trank, den sie vor der Abreise hatte trinken sollen, verursachte ihr noch immer ein Brennen im Magen.

Snape hatte nicht sagen wollen, wofür er gut sein sollte. Er hatte nur die Augenbrauen bis zum Haaransatz hoch gezogen und gefragt: „Vertrauen Sie mir nicht? Es ist nur zu Ihrem Besten!“

Da war ihr ja nichts andres übrig geblieben, als zu trinken, auch wenn ihr der wachsame Blick, mit dem er verfolgte, wie sie trank, etwas merkwürdig vorkam. Aber schließlich vertraute sie ihm tatsächlich, und machte sich deshalb keine weiteren Sorgen





Kapitel 18

Der Regen verstärkte sich, was zwar unangenehm war, aber für ihr Vorhaben durchaus dienlich. So würden sie höchstwahrscheinlich dort niemanden antreffen. Sie überwanden die Absperrung ohne größere Schwierigkeiten.

Severus hatte die Rune Isa in der Hand und sie führte sie zu einem der gewaltigen Steine des äußeren Kreises. Fieberhaft suchten sie den Fels nach einem Hinweis ab. Ein erstickter Aufschrei verriet ihr, dass Severus fündig geworden war. Er grub eifrig am Fuße des Steines und fand, einige Handbreit unter der Erdoberfläche fest an den vergrabenen Fels gefügt, die nächste Rune, Thuriasz.

Er griff danach, doch sie rührte sich nicht. Seufzend streckte er die Hand nach ihr aus. Hermine ergriff sie und schon löste Thuriasz sich und fiel in seine ausstreckte Hand.

Ihr Herz blieb beinahe stehen, als sie spürte, wie sich ein eiserner Griff um ihren Oberarm schloss. Sie fuhr herum blickte in das hässlich grinsende Gesicht eines massigen jungen Mannes. Ihr Blick schnellte zurück zu Severus und sie sah gerade noch, wie er von zwei ähnlich gebauten Typen ergriffen und weg gezerrt wurde.

Severus!“, rief sie panisch.

Na, was haben wir denn da?“, hörte sie eine näselnde Stimme, sie zu ihrem Angreifer gehörte.

Wir wollten hier zwar eigentlich nur ein paar Bierchen trinken und ein bisschen kritzeln, aber wenn wir die Gelegenheit bekommen, uns mit so einem hübschen Vögelchen zu amüsieren...“

Hermine starrte ihn mit unverhohlener Abscheu an. Einerseits war sie erleichtert, denn sie hatte schon befürchtet, die Hüter der Rune wären ihnen auf die Schliche gekommen. Andererseits war diese Situation nicht viel angenehmer.

Na komm schon, Püppchen, sei ein bisschen nett zu Bill...“, knurrte ihr Peiniger jetzt und näherte sich ihr. Eine Übelkeit erregende Alkoholfahne schlug ihr entgegen und sie versuchte, sich loszureißen. Ihr Arm, den der Widerling immer noch umklammert hielt, wurde langsam taub.

Verschwinde!“, zischte sie.

Ihr Blick irrte durch die Steinreihen. Wo war Severus? Was taten diese Mistkerle mit ihm?

Na, das werde ich wohl hübsch bleiben lassen... keine Sorge, dein Liebster kriegt dich ja nachher zurück... wenn er dich dann noch will...“

Und mit einem Schwung schleuderte er sie gegen den Stein, an dem sie gerade Thuriasz geborgen hatten.

Er ließ einen klebrigen Blick über sie gleiten.

Naja... eigentlich bist du mir ja zu knochig... aber wenigstens da ist genug dran...“, höhnte er und griff nach ihrer Brust.

Ein erstickter Aufschrei ließ sie zur Seite blicken, und sie sah, wie Severus mit den beiden Gorillas rang.

Lass deine dreckigen Finger von ihr, du verdammter Bastard!“, rief er mit deutlicher Panik in der Stimme. Entsetzt musste Hermine mit ansehen, wie einer der beiden Kerle ihm daraufhin einen Fausthieb in den Bauch versetzte, der ihn stöhnend zusammensacken ließ.

Severus!“, schrie sie panisch und versuchte verzweifelt, der Umklammerung, die sie gefangen hielt, zu entkommen.

Bill hatte grob ihre Hände gepackt und hielt sie auf ihrem Rücken zusammen, während er sich stöhnend an sie presste. Tränen der Angst und der Hilflosigkeit liefen über ihre Wangen, als sie dem scheinbar Unvermeidlichen ins Auge blickte. Sie konnte noch nicht mal ein Knie heben und spürte schon den übel riechenden Atem des Kerls an ihrem Hals.

He! Wer da?“, ertönte plötzlich eine laute Stimme.

Scheiße! Polizei! “, stieß Bill hervor, ließ Hermine los und stürzte davon.

Seine beiden Kumpane folgten ihm und eine Sekunde später war Severus bei ihr und ergriff ihre Hand.

Schnell.“, zischte er und zog sie hinter sich her.

Hinter einem Stein, der etwas abseits vom eigentlichen Monument stand, kauerten sie sich zusammen.

Er zog sie dicht an sich und umschlang sie mit den Armen. Leise schluchzend barg sie ihr Gesicht an seiner Brust, während sie spürte, dass er sanfte Küsse auf ihr Haar hauchte und schließlich seine Wange darauf legte. So saßen sie eine ganze Weile, bis die Stimmen sich wieder entfernten und Hermine sich einigermaßen beruhigt hatte in seiner Umarmung, seinem rasend trommelndem Herzen lauschend.

Zögernd richtete sie sich auf.

Bist du in Ordnung?“, flüsterte sie, ihn besorgt musternd.

Es war dunkel, doch von seinen Augen ging ein warmer Glanz aus, der sie auch hier im Regen wärmte.

Ja... wenn dir nichts geschehen ist... ich...“

Seine Stimme brach und er zog sie wieder heftig an sich.

Sie warteten, bis alles ruhig war und machten sich dann auf den Weg zurück zum Hotel. Er hielt sie an der Hand und warf ihr immer wieder prüfende Blicke zu. Hermine versuchte, die Sorge darin mit einem schwachen Lächeln zu zerstreuen.

Er folgte ihr bis in ihr Zimmer. Auf ihren fragenden Blick hin räusperte er sich.

Ich möchte, dass du nachsiehst, ob du irgendwo verletzt bist!“, sagte er leise.

Hermine nickte.

Die einzige Stelle, die schmerzte war der Oberarm, und da der Ärmel ihres Pullis zu eng war, um ihn so weit hochzukrempeln, zog sie ihn nach kurzem Zögern mit einer raschen Bewegung über den Kopf.

Das hier ist nicht die Gelegenheit, um zimperlich zu sein. Immerhin hat er dich auch schon im Bikini gesehen.’, dachte sie.

Die Stelle, an der der Kerl sie gepackt hatte, war rot und geschwollenen. Deutlich waren die Fingerabdrücke zu erkennen und an der Stelle, wo die Fingernägel sich in ihr Fleisch gegraben hatten, schimmerten kleine blutige Halbmonde. Severus musterte die Verletzung ohne sie zu berühren.

Das könnte sich entzünden und sollte versorgt werden.“, murmelte er.

Was ist mit dir?“, fragte sie bang.

Doch er schüttelte den Kopf.

Mir fehlt nichts. Ich bin ganz andere Dinge gewohnt... Hast du deine Notfalltasche dabei?“

Sie nickte.

Aber ich würde gerne erst duschen gehen... ich will ihn abwaschen...“, flüsterte sie.

Ein Ausdruck fürchterlichen Zorns entstellte für einen Augenblick sein Gesicht.

Ich warte hier.“, sagte er dann knapp, und Hermine ging ins Bad.

Sie drehte die Dusche heiß auf und schrubbte sich mit der Bürste ab, bis ihre Haut krebsrot war.

Schließlich kehrte sie mit T-Shirt und Jogging-Hose bekleidet ins Zimmer zurück.

Severus stand am Fenster.

Hermine hielt ihm die Tasche entgegen und setzte sich aufs Bett.

Er setzte sich neben sie und begann, die Wunde behutsam abzutupfen und zu verbinden, wobei er sich bemühte, ihre Haut so wenig wie möglich mit seinen Fingern zu berühren.

Als er fertig war, stand er auf.

Ich bin nebenan, wenn du mich brauchst...“

Er musterte sie besorgt.

Hermine nickte. Doch als er sich abwandte kroch auf einmal blanke Panik in ihr hoch.

Severus!“, rief sie schnell. „Könntest du nicht... ich meine... ich wünschte... kannst du bitte hier bleiben?“, brachte sie schließlich mühsam hervor.

Er sah sie überrascht an.

Ja, natürlich, wenn du das möchtest…“

Es gab kein weiteres Mobiliar im Zimmer und als Severus sich mit untergeschlagenen Armen ans Fenster stellte, seufzte Hermine.

Komm zu mir... bitte...“

Zögerlich näherte er sich dem Bett und als Hermine nickte, setzte er sich darauf. Er zog die Schuhe aus und lehnte sich gegen das Betthaupt. Hermine schloss die Augen und kuschelte sich in ihre Decke. Diese furchtbare innerliche Kälte, die auch die heiße Dusche nicht hatte vertreiben können, breitete sich wieder in ihr aus und ließ sie heftig zittern.

Hermine... was ist?“, hörte sie ihn sanft fragen.

Mir ist so kalt.“, bibberte sie.

Und wenige Augenblicke später spürte sie, wie er sich hinter sie legte und sie in seinen Arme zog.

Danke!“, hauchte sie.

Sie hörte schnell auf zu zittern, als seine Wärme und sein Duft sie einhüllten und schlief schließlich erschöpft ein.

ooooooo

Severus hörte ihre tiefen, gleichmäßigen Atemzüge und war froh das sie eingeschlafen war. Es war ein seltsames aber gutes Gefühl, sie hier in seinen Armen zu halten, während sie schlief. Er selbst war noch zu gefangen von den Eindrücken des Tages, als dass er hätte schlafen können.

Stonehenge im Regen, Thuriasz am Fuße des Steins... und diese drei betrunkenen Kerle, die sie überrascht hatten.

Er hatte sie nicht kommen hören und ohne Magie hatte er gegen sie nicht viel ausrichten können. Sein Magen brannte noch immer von dem Schlag den sie ihm versetzt hatten. Als sie ihn packten und festhielten war ihm egal, was sie mit ihm anstellten. Vielmehr hatte er Angst um Hermine gehabt, als er den widerlichen Typ bei ihr gesehen hatte.

Die beiden anderen hatten ihn brutal festgehalten und derweil seine Taschen durchwühlt. Außer etwas Bargeld hatten sie nichts gefunden. Glücklicherweise hatten sie nicht bemerkt, wie er die beiden Runen gezielt fallen gelassen hatte.

Die beiden Schläger waren deutlich massiger als er gewesen und hatten ihm brutal die Hände auf den Rücken gedreht, so dass er in die Knie gegangen war. Hilflos hatte er mit ansehen müssen, wie der Dritte sich an Hermine heranmachte und sie grob begrabschte, doch im nächsten Moment war das Gelände von Stimmen erfüllt gewesen und Handlampen hatten suchend in die Dunkelheit geleuchtet.

Geistesgegenwärtig hatte er sie gepackt und mit sich gezogen. Wie ein zutiefst verängstigtes Kind hatte sie sich an ihn geklammert und still geweint. Nachdem die Polizisten gerade im richtigen Moment ihre Runde auf dem Gelände gedreht hatten, waren beide froh, die beiden Runen wieder bei sich zu haben und wieder sicher im Hotel angelangt zu sein.

Sie hatte ihn nicht gehen lassen. Sie wollte das er blieb.

Sie war so verängstigt und geschockt das sie Schutz suchte... bei ihm. Als er an die Kälte und ihre Angst dachte, die sie noch immer verfolgten, stieg unbändiger Zorn in ihm auf. Er rutschte noch ein wenig näher hin zu ihr und hielt sie ganz fest an sich gedrückt. Sie war so zerbrechlich... nicht auszudenken, wenn dieser Grobian ihr etwas angetan hätte... und er hätte vielleicht auch noch zusehen müssen..

Nein!’ Er schloss die Augen um die Bilder abzuschütteln die vor seinem geistigen Auge aufstiegen und legte die Lippen an ihre Haare.

Sie so in Angst zu sehen, hatte ihm beinahe selbst körperlich Schmerzen bereitet und er hatte das Bedürfnis, das Erlebte wieder gut zu machen. Sofort nach dem Angriff hatte sie seine Nähe gesucht. Das war normal, weil er schließlich die einzig vertraute Person in dieser Situation war- aber auch darüber hinaus war sie kaum von seiner Seite gewichen. Seitdem beschäftigte ihn eine Frage: Warum schien der Trank bei ihr nicht zu wirken?

Das er ihn richtig zusammengestellt hatte, stand außer Frage: Warum also suchte sie noch immer so verzweifelt seine Nähe? Auch vor dem Angriff hatte sie ihr Verhalten nicht so wesentlich geändert, wie es eigentlich hätte sein sollen. Sie hatte den Trank auf seine Bitte hin eingenommen. Er hatte es selbst gesehen. Warum also?

Die einzig logische Schlussfolgerung war, dass auch sie nicht nur unter dem Einfluss der Runen stand, sondern der größte Teil von ihr ausging. Was das bedeutete, darüber konnte er im Moment wirklich nicht nachdenken!

Er blinzelte ins Tageslicht und war erstaunt, dass er scheinbar doch noch eingeschlafen sein musste.
Einen kurzen Moment war er ehrlich irritiert, als sich in seinem Arm etwas regte. Sie hatte gerade die Augen geöffnet und sah ihn lächelnd an.
„Geht’s dir gut?“, flüsterte er besorgt und strich mit seinen schlanken Fingern über ihr Gesicht.
„Hmm... “, machte sie noch etwas verschlafen und vergrub ihr Gesicht an seiner Brust.

Hermine?“, fragte er leise und wartete auf eine Reaktion. Sie hob langsam den Kopf und sah ihn fragend an. „Ich möchte, dass wir beim Vornamen bleiben, wenn wir allein sind...“, sagte er und sah sie abwartend an.
Hermine nickte und lächelte ihn an. „Das wird sich einrichten lassen.“, gab sie zurück.
„Haben wir die Runen eigentlich noch?“, fragte sie dann besorgt und er konnte ein kurzes Aufflackern der Angst in ihren Augen sehen, als sie an den gestrigen Abend dachte.

Er kramte in seiner Hosentasche herum und förderte die, mit trockenem Schlamm verkrusteten kleinen Steine zutage.„Sieht so aus.“ antwortete er, drehte sich um und schwang die Beine aus dem Bett.
Seine Jeans und der dunkle Pulli waren zerknittert und er fühlte sich schmuddelig.
„Ich möchte kurz duschen gehen.. Kommst du zurecht?“, fragte er sanft.

Ja, ich werd dann auch mal... “, antwortete sie und setzte sich an den Bettrand.

Bevor er das Zimmer endgültig verließ, drehte er sich noch einmal zu ihr um.
„Wir sollten bald nach dem Frühstück abreisen.“
Dann schloss er leise die Tür hinter sich.

oooooooo

Hermine war froh, als sie Hogwarts wieder betraten. Hier war sie weit weg von den Geschehnissen in Stonehenge. Trotzdem kostete es sie Überwindung tapfer zu lächeln, als Severus sich in der Eingangshalle von ihr verabschiedete. Am liebsten wäre sie ihm hinterhergelaufen und hätte sich in seine Arme geschmiegt, wo sie sich wohl und sicher fühlte. Sie machte tatsächlich einen Schritt in seine Richtung, schüttelte dann jedoch den Kopf und ging die Treppen zum Gryffindor-Turm hoch.

Das würde sie auch alleine schaffen! Sie konnte sich schließlich nicht für ewig bei ihm verstecken, auch wenn er so fürsorglich und verständnisvoll gewesen war, wie sie es sich nur wünschen konnte.

In ihrem Zimmer packte sie ihren Koffer aus und ging in den Gemeinschaftsraum, um sich ablenken zu lassen. Sie blieb dort, bis auch die letzten Schüler sich verabschiedet hatten und ins Bett gingen.

Ihr Bett.

Es wartete oben auf sie.

Weich und kuschelig... und einsam.

Mit zusammengebissenen Zähnen ging sie, um sich umzuziehen und zu schlafen.

Doch es gelang ihr nicht. Jedes Mal, wenn sie die Augen schloss, tauchte das Gesicht ihres Peinigers wieder vor ihr auf. ‚Sei ein bisschen nett zu Bill...’

Hermine würgte und stand wieder auf, um zu duschen.

Für den Rest der Nacht hielt sie das Bild fest, wie Severus sich über sie gebeugt hatte, um alle anderen Bilder am Aufsteigen zu hindern.

Sie trank am Morgen viele Tasse Kaffee um die schlaflose Nacht auszugleichen. Auch an diesem Abend hielt sie sich lange im Gemeinschaftsraum auf, und ertrug endlose Diskussionen über Quidditch und Jungs und gemeine Lehrer... es versetzte ihr jedes Mal einen Stich, wenn sie über Snape lästerten.

Ihr habt keine Ahnung, wie er ist!’, dachte sie und die Erinnerung an ihn wärmte sie.

Als der Raum sich spät am Abend wieder leerte, baute der Gedanke an ihren einsamen Schlafraum sich wieder bedrohlich vor ihr auf.

Langsam stieg sie die Treppe hinauf, wohl wissend, dass sie abermals keinen Schlaf finden würde. Sie legte sich erst gar nicht ins Bett, sondern setze sich an ihren Schreibtisch, um ein paar Aufsätze durchzusehen.

Sie konnte kaum atmen.

Eingezwängt zwischen einem rauen Stein und einem massigen Körper stieg ihr der Geruch sauren Schweißes in die Nase...

Keuchend richtete Hermine sich auf.

Sie war an ihrem Schreibtisch eingeschlafen und die Erinnerung an Stonehenge hatte sich ihr wieder aufgedrängt.

Severus, Severus, Severus...’, wiederholte sie in Gedanken angestrengt und sein Bild tauchte vor ihm auf, wie er sie schützend an sich barg.

Der Morgen graute und nach einer zweiten schlaflosen Nacht fiel es Hermine im Unterricht wirklich schwer, sich zu konzentrieren.

Die Aussicht den Abend wieder bei Severus zu verbringen, gab ihr die Kraft, den Tag zu überstehen.

Überpünktlich fand sie sich in seinen Räumen ein, wo er sofort auf sie zu kam.

Hermine? Was ist mit dir?“, fragte er teilnahmsvoll.

Hermine biss sich auf die Lippen und schüttelte den Kopf, doch als er eine Hand auf ihren Kopf legte und ihn sanft zurück bog, um ihr ins Gesicht sehen zu können, war es um ihre Fassung geschehen.

Aufschluchzend umschlang sie ihn. Der feste Druck seiner Arme und der Rhythmus seines Herzschlags halfen ihr, sich rasch wieder zu beruhigen. Etwas betreten löste sie sich wieder von ihm.

Entschuldige!“, murmelte sie erstickt und griff nach dem Taschentuch, das er ihr hinhielt.

Ich habe in den letzten Nächten nicht geschlafen...“, erklärte sie, während er sie zum Sofa bugsierte, kurz in der Küche verschwand und mit einer dampfenden Tasse Tee zurückkehrte.

Hermine umklammerte die Tasse mit beiden Händen.

Sie trank die heiße Flüssigkeit in kleinen Schlücken und spürte, wie sich langsam eine Wärme in ihr ausbreitete, wie sie sie nicht mehr empfunden hatte, seit sie in seinen Armen eingeschlafen war.

Das kam nicht nur vom Kamillentee. Severus hatte sich neben sie gesetzt und nach kurze Zögern seinen Ar um ihre Schultern gelegt.

Sie kuschelte sich dichter an ihn und nahm nur noch verschwommen war, wie er ihr die Tasse abnahm, die ihr vor Müdigkeit aus der Hand zu gleiten drohte...



Japsend fuhr sie auf. Er war wieder da! Dieser Kerl!

Nur langsam registrierte Hermine, dass sie geträumt hatte. Sie lag auf der Couch in Severus’ Wohnzimmer, seine Decke über sich gebreitet. Ein Blick auf ihre Armbanduhr verriet ihr, dass es drei Uhr nachts war. Sie stand auf und schaute durch die Tür, die nur angelehnt war. Sein Schlafzimmer!

Undeutlich konnte sie eine Gestalt im Bett ausmachen.

Schlaftrunken nahm sie die Decke und ging zu ihm, in der festen Überzeugung dort endlich Ruhe zu finden.

Sie legte sich zu ihm aufs Bett und drückte sich mit dem Rücken an ihn. Aufseufzend spürte sie, wie er seinen Arm um sie legte und sie an sich zog. Und geborgen in seinem Duft und in seiner Wärme fand Hermine schließlich den Schlaf, der ihr so bitter nötig war.





Kapitel 19

Liebevoll sah er auf sie herab und strich ihr über den Kopf. Sie war vor einigen Minuten eingeschlafen und er hatte ihr gerade im letzten Moment die Teetasse wegnehmen können, bevor sie sie vor Erschöpfung fallen ließ. Er hatte sie mit einem einfachen Schwebezauber gedreht und jetzt lag sie an ihn gekuschelt wie eine kleine Katze, mit dem Kopf auf seinem Oberschenkel, und schlief. Er hatte ihr schon heute im Unterricht angesehen dass etwas nicht stimmte und sich schon so etwas gedacht. Kein Wunder das sie aussah, als würde sie jeden Moment zusammenbrechen, und dass sie beinahe im Stehen einschlief.

Diese Träume würden sie noch eine Weile quälen... wenn sie denn überhaupt dazu kam, zu schlafen. Vorsichtig rutschte er mit seinem Bein unter ihrem Kopf hervor und schob ein Kissen darunter.
Nachdem er sie mit einer seiner Decken zugedeckt hatte, setzte er sich in einen der Sessel am Kamin und begann, allein über Thuriasz zu recherchieren.
Er fand in einigen Büchern Absätze zu der Rune und demnach stand sie für Angst, Herausforderung und man verwendete sie auch dazu, andere zu prüfen und Furcht zu überwinden...
Es war schon beinahe Mitternacht als er das Buch, in dem er gerade las, zuklappte. Er murmelte einen Spruch, damit der Kamin nicht ganz herunter brannte und Hermine morgen früh nicht zitternd aufwachte.
Wenn sie ihn nachts brauchte, würde er sie hören.
Er hockte sich vor das Sofa und beobachtete ihren Schlaf. Sie sah so friedlich aus. Ihre Lippen waren locker und leicht gewölbt, ihre langen Locken fielen in weichen Wellen über ihre Schultern, die langen Wimpern bogen sich sanft nach außen und ihre Wangen hatten einen zart rosa Schimmer.

’Wie ein Engel...’, dachte er verzückt und strich eine Locke nach hinten.
Sie drehte sich gerade auf den Rücken und gab einen leise brummenden Laut von sich.
„Gute Nacht... mein Engel..“ , flüsterte er beinahe lautlos und küsste sie leicht auf die Stirn, bevor er in sein Schlafzimmer hinüber ging.

Als er am nächsten Morgen aufwachte, war es noch dämmrig und er wusste, dass er noch Zeit hatte, bis der heutige Unterricht begann. Mit Erstaunen bemerkte er, dass sie neben ihm lag. Scheinbar war sie irgendwann nachts aufgewacht und dann zu ihm gekommen. Diese Sache schien ihr wirklich enorm zuzusetzen. Er drehte sich langsam um und wandte ihr so den Rücken zu. Gerade war er noch einmal eingeschlafen, als er leise seinen Namen hörte.
„Severus?“ flüsterte sie. „Kannst du dich bitte umdrehen?“ Ihre Stimme klang so ängstlich das er ihrem Wunsch folgte.

Was ist denn?“, fragte er sanft.

Ich wollte dich sehen.“ , gab sie zur Antwort und hob seine Decke etwas an, um darunter zu schlüpfen und sich eng an ihn zu schmiegen.
Er legte seine Arme um sie und zog sie seufzend an sich.
„Du fühlst dich so gut an...“ murmelte sie leise, während sie mit ihrer Hand unter sein Shirt fuhr. Er versteifte sich einen Moment und hob fragend eine Augenbraue, ließ es aber kommentarlos geschehen.

Sanft strichen ihre Finger über seinen Bauch und seine Brust und schoben langsam den dünnen Stoff nach oben. Er schluckte und schloss die Augen. Berührungen dieser Art waren ihm lange versagt gewesen.
Ihre weichen Hände und ihr Duft schienen lang gerissene und fast vergessene Narben zu heilen.

Seine Hand auf ihrem Rücken strich langsam auf und ab und sein Puls beschleunigte sich, dass er meinte sie könne seinen Herzschlag hören, wenn sie nur still genug war.
Langsam ließ er seine Hand nach unten gleiten und suchte den Saum ihres T-Shirts. Beinahe ehrfürchtig berührte er die nackte Haut ihres Rückens und seine Finger strichen leicht darüber.

Seine Lippen suchten ihre Halsbeuge und liebkosten die empfindliche Haut, die betörend duftete und Hermine bog seufzend den Kopf zurück. Er hielt kurz inne und sah sie prüfend an.
Ihre Augen blieben geschlossen. ’Sie hat keine Angst vor mir...’, dachte er glücklich und küsste sie leicht auf dem Mund. Sie zog ihn tiefer in einen fordernden Kuss hinein und seine festen Lippen spielten erst vorsichtig, dann immer intensiver mit ihren.

Langsam löste er sich von ihr und lächelte sie zärtlich an. „Komm, wir müssen aufstehen.“, sagte er leise und wollte sich von ihr weg drehen, doch sie hielt ihn an der Schulter zurück.
Ihr Blick ließ keine Fragen offen und er wandte sich ihr wieder zu.
Einen Moment lag er still neben ihr, bevor er sie noch einmal in seine Umarmung zog.
Er hielt sie fest, wie jemand der weiß, dass er nie mehr menschliche Nähe spüren wird und legte seine Lippen auf ihre Haare.

Wir sollten jetzt besser aufstehen, in einer halben Stunde ist ganz Hogwarts auf den Beinen und du willst doch nicht gesehen werden, wenn du morgens aus den Wohnräumen des bösen Professors kommst, oder?“, lächelte er sie an und schwang dann endgültig seine Beine aus dem Bett.

ooooooo

Sie war heute Morgen unauffällig in ihr Zimmer zurückgekehrt und hatte gezögert duschen zu gehen, weil sie seinen Duft, der noch an ihr hing, nicht missen wollte. Und nicht einen Quadratzentimeter der Haut, die er gestreichelt hatte... Mit einer liebevollen Aufmerksamkeit, die sie ihnen sonst nie geschenkt hatte, musterte sie ihre Hände.

Sie hatten ihn berührt und er hatte es geschehen lassen, sie nicht wieder zurückgewiesen.

Zog er es tatsächlich in Erwägung?

Oder hatte er nur Mitleid mit ihr, weil er gesehen hatte, wie sehr die vergangenen Ereignisse ihr zusetzten?

Ein Bruchteil der Kälte, die sie stets empfand, wenn sie ohne ihn war, kehrte in sie zurück und sie beeilte sich, ihrem Gedankenkarussell zu entkommen, indem sie, schließlich doch noch frisch geduscht, zum Unterricht ging.

Es fiel ihr wieder schwer, sich zu konzentrieren, doch das lag nicht an fehlendem Schlaf. Immer wieder gingen ihr die zarten Berührungen durch den Kopf, die sie heute früh mit Severus ausgetauscht hatte, und sie meinte, noch immer seine Fingerspitzen auf ihrer Haut zu fühlen. Es fühlte sich so gut, so richtig an.

Heute Abend würde sie ihn wieder sehen.

Was würde Thuriasz ihnen zeigen? Diese Rune, die, wie Hermine wusste, für Gefahr, aber auch für Prüfungen und die Überwindung von Furcht stand? Welche Rune würde sich ihnen offenbaren, und wohin würde die sie führen?

Mit brennender Ungeduld erwartete sie den Abend, an dem sie ihn wieder sehen würde. Als sie sich gerade auf den Weg in den Kerker machen wollte, hielt Neville sie auf und bat sie um Hilfe bei den Hausaufgaben. Unwirsch drückte sie ihm ihren fertigen Aufsatz zum Thema:"Verwandlung von größeren Säugetieren" in die Hand und kletterte mit einem gemurmelten: „Ich muss noch was nachschlagen.“, aus dem Portraitloch.

Aufatmend erreichte sie schließlich seine Räume und trat ein, als Severus sie hereinrief.

Er hatte schon alles für die Entschlüsselung von Thuriasz vorbereitet, und sie setzte sich sofort auf eines der Kissen, erwartungsvoll zu ihm aufschauend.

Er lächelte und setzte sich ihr gegenüber ebenfalls auf ein Kissen.

Sie zeichneten sich das Symbol auf die Stirn und fassten sich an den Händen. Diesmal gab es kein Zittern, kein Unbehagen, vertrauensvoll legten sie die Hände ineinander und ließen Thuriasz auf sich wirken.

Erstaunt nahm Hermine wahr, dass sie zum Ende der Vision, die ihr die Rune Nautiz in Italien in Zusammenhang mit einem großen Berg gezeigt hatte, nicht von Schwärze eingehüllt wurde, sondern nach einem kurzen Schwindel immer noch aufrecht saß, ihre Hände mit denen ihres Gegenübers verschlungen.

Severus blinzelte ebenfalls kurz, bevor er sich erhob, und sie mit sich hoch zog.

Setz dich doch aufs Sofa, ich mach uns eine Tasse Tee.“, sagte er, in die Küche gehend. Wenig später kehrte er mit zwei dampfenden Tassen zurück und reichte ihr eine von ihnen.

Langsam schlürften sie die heiße Flüssigkeit und starrten gemeinsam schweigend ins Feuer.

Nautiz ist in Italien.“, flüsterte sie schließlich und er nickte.

Ja, ich habe diese Dorf-Ruinen am Fuße des Vesuvs schon einmal irgendwo gesehen.“, meinte er nachdenklich und stand auf, um aus dem Bücherregal ein großformatiges Buch heraus zu suchen.

Hier!“, rief er aus, kam zum Sofa zurück, stellte die Tasse beiseite, und griff nach seiner Brille, die in einem Etui auf dem Tischchen neben sich lag. Murmelnd überflog er die Seiten, die verschiedene, italienische Provinzen zeigten.

Da ist es!“, sagte zu ihr und tippte mit dem Finger auf das Bild einer großen Ruinenlandschaft, die einmal ein kleines Dorf gewesen war, bevor ein Vulkanausbruch es in Schutt und Asche gelegt hatte.

Und du meinst, wir werden die Rune dort finden?“, fragte sie, über das Ausmaß der Trümmer etwas beunruhigt.

Wenn Thuriasz uns ein wenig hilft...“, entgegnete er lächelnd, und seine schwarzen Augen funkelten sie durch die Brillengläser an.

Hermine schluckte.

Sie fand ihn unfassbar attraktiv, wenn er sie so ansah, und konnte sich nicht mehr entsinnen, ihn jemals anders gesehen zu haben.

Er erwiderte ihren Blick.

Das belustigte Funkeln schwand aus seinen Augen und machte Platz für etwas, das in ihr ein Prickeln hervorrief, dass sie bis in die Zehenspitzen zu fühlen meinte. Das war kein Mitleid...

Langsam näherte er sich ihr, zentimeterweise nur, ihren Blick festhaltend.

Ihr Magen schnürte sich zusammen in köstlicher Vorfreude auf den kommenden Moment.

Sie kam ihm ein kleines Stück entgegen und als ihre Lippen sich schließlich berührten, schlossen sie die Augen.

Es war ein ganz zarter, kurzer Kontakt, doch er wiederholte sich wieder und wieder und nahm jedes Mal an Intensität zu. Sie, testeten, schmeckten, tasteten, küssten und Hermine erhob sich, ohne die Berührung seiner Lippen zu verlieren, um das Buch beiseite zu schieben und sich rittlings auf seinen Schoß zu setzen. Er seufzte und griff in ihren Nacken, um ihr Gesicht noch näher an sich zu ziehen. Sie öffnete seiner sanft suchenden Zunge bereitwillig die Lippen und sie versanken in einem innigen Kuss.

Seine Hände glitten langsam ihren Rücken hinab und legten sich auf ihre Hüften, während Hermine sein Gesicht mit beiden Händen umfasste.

Ein leises Seufzen entfuhr ihr, als der Kuss hungriger, fordernder wurde, und sie spürte, wie er mit leicht zitternden Fingern unter ihrem T-Shirt die weiche Haut am Rücken erkundete. Sie schmiegte sich noch ein wenig enger an ihn, und der Druck seiner Hände verstärkte sich, als er sie plötzlich so heftig an sich zog, dass ihr für einen Moment die Luft wegblieb. Um sie herum drehte sich alles und all ihre Empfindungen konzentrierten sich auf das leidenschaftliche Spiel ihrer Lippen und Zungen, bis sie spürte, wie Severus sie an den Schultern packte und behutsam zurückdrückte.

Unendlich langsam lösten sie sich voneinander und sie öffnete die Augen und sah ihn sehnsuchtsvoll an.

Er atmete schwer und schluckte.

Hermine...“, keuchte er.

Sie vergrub ihr Gesicht an seinem Hals und nickte verzagt.

Sie wusste, was er sagen wollte, aber sie wollte es nicht hören.

Mit leicht fahrigen Bewegungen strich er ihr über den Rücken und streichelte ihr Haar.

Es ist spät…“, begann er zögernd.

Hermine versteifte sich. Ein Schatten der Panik, die sie empfand, wenn sie nachts allein war, legte sich auf ihr Gemüt.

Severus musste es gespürt haben, denn er hauchte einen Kuss auf ihr Haar und meinte leise: „Nein, nein... keine Angst... du kannst hier bleiben... “

Zögernd richtete sie sich auf.

Danke.“, flüsterte sie.

Ganz zaghaft legte sie eine Hand an seine Wange und beugte sich dann vor für einen hauchzarten Kuss auf seinen Mund.

Gemeinsam gingen sie ins Schlafzimmer, Hermine kuschelte sich wie sie war, mit ihrer leichten Freizeithose ins Bett und drehte sich herum. Sie hörte, wie Severus seine Hose auszog und spürte an den Bewegungen der Matratze, dass er sich ebenfalls ins Bett gelegt hatte. Aufseufzend wandte sie sich ihm zu, schob seinen Arm beiseite, kuschelte sich an seine Brust und schlief, seinem Herzschlag lauschend rasch ein.

oooooooo

Er legte seine Wange an ihre Haare und schloss die Augen. Es war ein merkwürdiges Gefühl das sie hier so selbstverständlich nebeneinander im Bett lagen und sie sich so vertrauensvoll und Halt suchend an ihn schmiegte.

Im Unterricht war sie seine Schülerin und wenn der Abend oder das Wochenende kam, war sie... ja, was eigentlich?
Sie war weit mehr für ihn geworden als eine Weggefährtin auf der Suche nach den Lichtrunen oder eine Verbündete im Kampf gegen das Böse. Er fand kein Wort das er im Zusammenhang mit ihr verwenden konnte.
War sie eine...
Freundin?

Nein! Sie war deutlich mehr als das - und doch war alles noch zu ungewiss um eine treffendere Bezeichnung für sie zu finden.

Er dachte, Eryja hätte ihm vor langer Zeit die Fähigkeit genommen, wieder so für jemanden zu empfinden wie er es inzwischen für Hermine tat.

Sie war anders. Er konnte nicht sagen was sie getan oder gesagt hatte, das er bereit war, einen solchen Schmerz ein zweites Mal zu riskieren... nach dreizehn Jahren.
Und doch hatte er noch immer nicht glauben können, das sie selbst diese Gefühle in sich hatte.

Er hatte mit einer größeren Konzentration des Trankes in ihrem Tee heute Abend einen zweiten verzweifelten Versuch gemacht, sich zu bestätigen dass sie nur wegen der Kraft der Runen so auf ihn reagierte.
Nach ihren leidenschaftlichen Küssen, musste er sich allerdings eingestehen dass auch dieser Versuch eindeutig fehlgeschlagen war und sie würde ihm sicherlich den Kopf abreißen, wenn sie davon wüsste, dass er Tränke gegen Liebesmagie an ihr ausprobierte.

Er drehte sich auf die Seite und atmete seufzend den vertrauten blumigen Duft ein, den sie verströmte. Er schmunzelte in die Dunkelheit hinein, als ihm etwas einfiel.

Minerva hatte ihn letzte Woche gebeten, ein Haarwasser für sie herzustellen. Ausgerechnet mit Maiglöckchenduft!
Er hatte sich während der Arbeit mit dieser Essenz nur schwer konzentrieren können und insgesamt dreimal eine falsche Menge zugegeben. Dieser Duft hatte ihn erregt und verwirrt gleichermaßen und irgendwann hatte er Minerva ein Veilchenhaarwasser in die Hand gedrückt. Auf ihren fragenden Blick hatte er etwas von „Maiglöckchen ist alle…“, gemurmelt und war seiner Wege gegangen.

Hermine verbrachte auch noch die nächste Nacht bei ihm und auch den größten Teil des Tages. Sie besprachen Details der Reise und recherchierten über die Bedeutung des Vesuvs in Zusammenhang mit den Lichtrunen.

Leider konnten sie dahingehend keinen Erfolg verbuchen und reisten mit dem Portschlüssel wie gehabt am Samstagmorgen vom Waldrand aus nach London.

ooooooooo

Dort bestiegen sie einen Zug, der sie nach Paris brachte, wo sie umsteigen mussten.

Sie hatten ein Abteil für sich, breiteten ihre Bücher und Unterlagen um sich herum aus und richteten sich auf eine lange Fahrt nach Neapel ein..

Es war ein gutes, vertrautes Schweigen, dass zwischen ihnen herrschte, als sie arbeiteten, nicht vergleichbar mit dem, das während ihrer letzten Zugfahrt auf der Rückreise von Prag geherrscht hatte.

Alles unterschied sich von damals, vor allem Severus’ Verhalten ihr gegenüber.


Hermine musterte ihn über den Rand ihres Buches hinweg, wie er mit gerunzelter Stirn einen Text überflog, sich die Brille zurechtrückte oder durch die Haare fuhr.

Sie war ihm zutiefst dankbar dafür, dass er es zuließ, das sie seine Nähe suchte.

Sicher wollte er ihr die Möglichkeit geben, sich bei ihm von dem erlittenen Schock zu erholen, doch Hermine spürte, dass auch er es genoss, wenn sie beisammen waren.




Sie hatten im Zug-Restaurant zu Abend gegessen und danach noch einige Stunden gelesen.

Severus rieb sich die Nasenwurzel unter der Brille, ein Zeichen dafür, das er müde war. Sie klappte ihr Buch zusammen und sah ihn fragend an.


Wir sollten wohl versuchen, ein wenig zu schlafen...“, lächelte er und räumte seine Papiere zusammen. Hermine nickte und setzte sich neben ihn, um sich ganz selbstverständlich an ihn zu kuscheln.

Wie so oft, zögerte er einen Moment, bevor er seinen Arm um sie legte und sie noch ein wenig enger an sich zog.


Sie sollten Neapel in den frühen Morgenstunden erreichen und von dort aus hatten sie noch eine kleinere Bus-Reise vor sich, bevor sie ihren Zielort erreichten.

In dem Bewusstsein einen anstrengenden Tag vor sich zu haben, schlief Hermine, an ihren Zaubertrank-Lehrer gelehnt, bald ein.



Kapitel 20



Das klapprige gelbe Taxi hatte sie gerade abgesetzt und sie hielt sich schützend die Hand über ihre Augen, um sie gegen die grelle Sonne zu schützen. Severus sah sich hinter ihr suchend um.
Sie standen mitten in Striacello, einem kleinen italienischen Dörfchen am Fuße des Vesuvs und sahen sich nach einer geeigneten Bleibe für die nächsten Tage um.
Die letzte Vision hatte sie hierher geführt. Zum Vesuv. Zu Nautiz.

Nachdem sie, mangels Hinweisschildern, zuerst eine Weile in die falsche Richtung gelaufen waren und Severus hinter ihr einige boshafte Kommentare über den Geisteszustand der Italiener gemacht hatte, standen sie schließlich vor einer kleinen Pension.
Das Haus war gelb getüncht und mit bunt gefärbtem wildem Wein bewachsen. Vor dem Gebäude standen einige ältere Männer und schienen in eine, für die Italiener typisch lebhafte, Diskussion vertieft.

Hermine ging auf die Männer zu und sprach sie an. Nach einigen Minuten löste sich ein grauhaariger Mann mit einer Schirmmütze und einer blauen Schürze aus der Gruppe und kam auf Severus zu.
“Buon giorno, ich bin Antonio . Ihre Frau hat gesagt sie bräuchten ein Zimmer... kein Problem! Herzlich willkommen in unserem Haus, Mr. Granger!“, sagte er freundlich und streckte Severus eine, von harter Arbeit gegerbte Hand entgegen.

Severus schüttelte sie mit einem unbeschreiblichen Gesichtsausdruck und warf Hermine dann einen tadelnden Blick zu, worauf sie betreten zu Boden sah.
“Nennen sie mich Tony, Sir.“, sagte der Wirt nun und umfasste mit seiner riesigen Pranke kumpelhaft Severus’ anderen Arm.
Dann drehte sich der Italiener um und ging vor ihnen ins Haus. „ Kommen Sie, Mr. Granger.“, winkte er ihnen freundlich zu. Hermine sah vorsichtshalber in eine andere Richtung.

ooooooo


“Kannst du mir bitte mal erklären, was das soll?“, blaffte er sie an, nachdem sie ihr Zimmer bezogen hatten. Hermine saß auf dem Bett und nestelte an den Knöpfen ihrer Jeansjacke herum, während er wie ein apokalyptischer Bote vor ihr stand.

Antonio hatte ihnen ein Doppelzimmer zugewiesen, weil er der Ansicht war, sie seien verheiratet. Eigentlich machte es Severus nichts aus, schließlich hatte er schon einige Nächte mit ihr in einem Bett verbracht aber diese Situation hatte etwas merkwürdiges an sich.. Etwas... Endgültiges, das er nicht in Worte fassen konnte. Seine Gedanken überschlugen sich.

“Ich höre...“, sagte er ungeduldig und kniff die Augen zusammen, während er sich zu ihr vorbeugte.

Ich hab nicht gesagt das du Granger heißt..“, maulte sie nun.

Er machte eine ausladende Geste mit den Händen.
“Und wie kommt er dann auf die Idee das wir ein... ein..“ Er stockte und sah sie finster an.
Der Gedanke war so absurd das er es nicht einmal laut aussprechen wollte. Es war ihm trotz allem irgendwie unangenehm, das jemand dachte, er und Hermine wären ein Ehepaar.

In den letzten Wochen in denen sie nun schon zusammen an den Runen arbeiteten, hatte er sich nicht nur an ihre, beinahe ständige Präsenz in seinen Räumen gewöhnt.

Nein, er hatte begonnen sie zu mögen... und inzwischen sogar viel mehr als das! Seitdem sie sich das erste mal geküsst hatten, ging sie ihm kaum noch aus dem Sinn. Ihre weichen Lippen und ihre zärtliche Hingabe spukte wie ein Geist längst vergangener Zeiten durch seine Erinnerungen.

Die kühle Distanz die sie nach ihrer Pragreise gewahrt hatte, hatte ihm schmerzlich klar gemacht das er sich jeden Tag mehr nach ihr sehnte.
Sie war witzig, intelligent und es tat ihm gut, wenn sie mit ihrer unbeschwerten Art und ihrem sanften Wesen frischen Wind in seine Räume und in seinen Tag brachte.

Ihre Berührungen, wenn sie eine Rune entschlüsselten hielt er nur aus, weil sie beide in Trance fielen. Viel zu intensiv spürte er sie. Der Versuch, dabei ihren Duft und die Wärme ihrer Hände geistig auszublenden, scheiterte mit jedem Mal kläglicher.

Ihre Gegenwart verwirrte ihn dermaßen, das er oft nicht in der Lage war, über die Bedeutung von tausend Jahre alten bröseligen Steinen nach zu denken, sondern seine Gedanken selbständig begannen, sich um völlig anders geartete Dinge zu drehen.

Sie war, auch wenn er das niemals zugegeben hätte, ein existenzieller Bestandteil seines Tagesablaufes geworden und er begann ihre Gegenwart zu vermissen, wenn sie an einem Abend nicht gemeinsam arbeiteten.
Mehr noch, sie war inzwischen ein existenzieller Bestandteil... seines Lebens.
Sie würde es aber doch wohl niemals in Erwägung ziehen... Er schüttelte den Kopf um seine Gedanken zu bestätigen.


“Ich habe nur gefragt ob ein Zimmer frei ist und habe gesagt das ich Jane Granger heiße. Ich habe nie behauptet das du mein Mann bist, darauf ist er von ganz allein gekommen.“, sagte sie nun trotzig, stand auf und zog ihre Jacke aus.
“ Die Vorstellung mit mir zusammen zu sein, muss ja wirklich schrecklich sein!“, sagte sie und sah ihn böse an.
“Tut mir leid, dass ich jemandem wie dir meinen wertlosen Schlammblut- Namen zumuten muss!“, setzte sie mit deutlichem Zorn in der Stimme hinzu und drängelte sich an ihm vorbei ins Badezimmer.


Severus seufzte theatralisch, als sich die Tür mit einem lauten Krachen hinter ihr schloss.
’So was muss einfach genetisch bedingt sein!’, dachte er sarkastisch und klopfte einige Augenblicke später an die Badtür.
“Das habe ich damit nicht gemeint Hermine, das weißt du genau“, sagte er nun durch die geschlossene Tür.
“Ach? Und was hast du DANN gemeint? Ist es denn so abwegig das jemand mit mir verheiratet sein könnte?", fauchte sie wütend zurück.

Er war verwirrt über diese Frage. Was hatte er damit eigentlich sagen wollen?
Abwesend studierte er das Holzmuster der Tür, bevor er schließlich antwortete.

“Kannst... kannst du nicht mal herauskommen?“, begann er seufzend.
“Ich spreche normalerweise nicht mit Möbelstücken!“, setzte er mit einer vielsagenden Geste hinzu, auch wenn Hermine diese natürlich nicht sehen konnte.

Ein leises Klicken war zu hören und kurz darauf ging die Tür auf. Eine ziemlich finster blickende Hermine stand im Türrahmen und funkelte ihn angriffslustig an.
Sie sah aus, als würde sie ihn mit einem linken Haken niederstrecken, wenn er jetzt ein falsches Wort sagte.

“Ich weiß es nicht...“, sagte er einfach und erinnerte sich dann an ihre zweite Frage.
’Nein, mein Engel. Das ist gar nicht abwegig..’, dachte er wehmütig. Der Gedanke das sie einmal einem anderen Mann ihr Herz schenken würde, tat ihm weh.


ooooooo


Abwartend sah Hermine ihn an.

Sie war wirklich erbost darüber, dass er so tat, als wäre es eine Zumutung, ihr Ehemann zu sein.

Er räusperte sich.

Du hättest mich einfach vorher fragen müssen.“, stellte er dann fest.
Hermine sah ihn böse an. „ So, wie du mich gefragt hast...“ Daddy? Onkel?“, zischte sie.
“Ich habe schon einmal gesagt das ich dafür nichts kann.. genauso wenig wie für meine Herkunft!“, fügte sie trotzig hinzu.


Er verdrehte sie Augen zur Decke. „ Können wir das Thema nicht vergessen? Es tut mir leid und ich versichere Dir bei allem was mir heilig ist, dass ich überhaupt nichts gegen deine Abstammung oder deinen Namen habe“, sagte er und hob beschwichtigend die Hände.
Gerade als sie etwas erwidern wollte, klopfte es energisch an ihre Zimmertür.

Er ließ seine Hände wieder fallen und ging dann hinüber um die Tür zu öffnen.

“Ich störe Sie wirklich nur ungern, Mr. Granger.“, sagte Tony in lockerem Plauderton und Hermine registrierte, wie Severus’ Hand sich für einen Moment fester um den Türgriff schloss, so dass seine Knöchel weiß hervortraten.


“Sie stören wirklich nicht.“, beeilte Hermine sich zu sagen, bevor Severus etwas erwidern konnte.

“Ich möchte sie nur gern einladen heute Abend unsere Gäste zu sein. Meine Tochter Carla heiratet morgen und heute Abend gibt es im Ort ein großes Fest. Das ganze Dorf wird auf den Beinen sein und ich möchte Sie herzlich einladen, auch zu kommen.“

Tony strahlte vor überquellendem Vaterstolz und Hermine brachte es nicht übers Herz, diese freundliche Einladung auszuschlagen.

Eine italienische Hochzeit. Wie schön.“, erwiderte sie begeistert, auch wenn Severus aussah als wolle er ihr jeden Augenblick den Hals umdrehen.

“Wir danken ihnen sehr herzlich und werden natürlich gern kommen.“, sagte sie lächelnd und hoffte, das sie bis dahin noch am Leben war.



Deprimiert starrte sie am Abend in ihr halb leeres Weinglas. Sie und Severus hatten den restlichen Nachmittag damit verbracht, sich über verschiedene Dinge zu streiten. Nur widerwillig war er schließlich doch mitgekommen, da er einsehen musste dass er innerhalb Striacellos heute wohl nirgends sonst etwas zum Abendessen bekommen würde, weil das ganze Dorf Carlas Hochzeit feierte.

Das alles hatte dazu beigetragen das ihr „Ehemann und Bettgenosse“ ihr nun sehr schultypisch missgelaunt gegenüber saß und großzügig böse Blicke verteilte.

Es war bisher ein sehr schöner Abend gewesen. Trotz seiner Laune hatten sie hervorragend gegessen und der Wein, den die Leute hier selbst anbauten, schmeckte herrlich.
Hermine genoss die gemütliche Atmosphäre, die bunten Lampions und den Duft der Sommernacht.

Die kleine Kapelle spielte sehnsuchtsvolle Musik und die Gäste tanzten dazu.

Sie hätte gern mit getanzt aber bisher hatte sie noch niemand aufgefordert und Severus brauchte sie in seiner augenblicklichen Verfassung wohl kaum fragen...

Entschlossen stellte sie ihr Glas auf den Tisch und stand auf, um den jungen Italiener der sie schon die ganze Zeit ansah, sich aber wegen Severus’ mörderischem Gesichtsausdruck nicht her traute, zum Tanzen aufzufordern...


ooooooo


Severus sah ihr irritiert nach. Gerade hatte er überlegt, sich mit einer Ausrede zu verabschieden. Ihm gingen solche Feste immer ziemlich auf die Nerven und er zog sich meistens so bald wie möglich zurück.

Andererseits konnte er Hermine ja nicht allein hier zurücklassen. Bei sich im Bett wollte er sie aber auch nicht haben... so nah, und doch so fern.
Die Nächte die er mit ihr zusammen in seinen Räumen verbracht hatte und in denen sie ihm näher war als je zuvor, hatten ihm ein großes Maß an Selbstbeherrschung abverlangt. Sie war wunderschön und zeigte ihm auch immer wieder das sie ihn wollte, aber irgendwie hatte er nicht den Mut für den letzten Schritt.
Zu tief saß der Stachel den Eryja vor Jahren in seine Seele gestochen hatte. Zu sehr hatte er sich ihr geöffnet und es den Rest seines bisherigen Lebens bitter bereut.

Nun war es ja auch nicht so das er Hermine nicht attraktiv fand. Er begehrte sie mit jeder Minute mehr.
Es brachte ihn jetzt schon auf die merkwürdigsten Gedanken, wenn sie ihm so gegenüber saß und auf eine Art und Weise nach Maiglöckchen duftete das er keinen klaren Gedanken mehr fassen konnte.
Ihren Geruch und ihre Wärme so dicht bei sich zu haben machte ihm Angst. Sie verzauberte ihn und er würde ihr nicht mehr lange widerstehen können.

Sie nicht mitzunehmen war indiskutabel! Schließlich war sie noch immer seine Schülerin und hatte ihm gefälligst zu gehorchen.
Außerdem wollte er einfach nicht, das sie ohne ihn hier blieb. Punkt!

Gerade tanzte sie mit einem jungen Mann der sie mit Blicken beinahe verschlang und sich für Severus’ Geschmack etwas zu eng an Hermine presste.
Er biss wütend in eine, mit Schinken umwickelte Melonenscheibe und beobachtete das Treiben auf der Tanzfläche.


oooooo


Hermine hatte indes das Problem, das sie Ihrem Tanzpartner wohl eine Spur zu gut gefiel. Denn er begann, immer zudringlicher zu werden.
Zuerst hatte sie es mit Humor genommen, da er augenscheinlich bereits angetrunken war.
Seit seine Hände aber begannen, sich zu verselbständigen und ungerührt ihrer Ermahnungen und Bemühungen ihn davon abzuhalten, immer forscher wurden und sich ständig an Stellen befanden, an die sie mit Sicherheit nicht hingehörten, bekam sie langsam aber sicher Panik. Das alles ließ die Erinnerung an Stonehenge wieder allzu lebendig werden.

Ihr Herz klopfte zum Zerspringen und sie versuchte sich krampfhaft aus der Umklammerung des Italieners zu befreien, als sich eine schlanke Hand von hinten auf die Schulter des jungen Mannes legte und er ruckartig umgedreht wurde.

Hermine wich erschrocken zurück, als Severus den Italiener am Kragen hielt und ihn anblaffte.

ooooooo


“ Tanzen ist eine Sache, Romeo! Alles andere tut meine Frau mit mir! Habe ich mich klar ausgedrückt?“
Die Musik hatte aufgehört zu spielen und die Hochzeitsgäste standen um die drei herum.

“Tut mir sehr leid, Mr. Granger.“ Tony trat einen Schritt auf sie zu.
“Faustino hat nicht gewusst das die junge Frau zu Ihnen gehört. Bitte machen Sie keinen Ärger“, sagte er und hob beschwichtigend die Hände.
“Es ist egal ob sie zu jemandem gehört oder nicht! Belästigung ist immer eine Unverschämtheit!“
Severus sah Hermines ehemaligen Tanzpartner durch die Gläser seiner Brille zornig an und zischte: “ Wage es ja nicht, in ihrer Nähe auch nur tief Luft zu holen!“ Damit ließ er Faustino los und ging zu Hermine, die noch immer mit halboffenem Mund auf die Szene starrte, die sich ihr gerade geboten hatte.
“Komm..“, sagte Severus leise und nahm Hermines Hand.

Tony kam hektisch zu ihnen herüber und legte beiden eine Hand auf die Schulter.
“Bitte gehen Sie nicht! Sie müssen Faustino entschuldigen... aber bei so einer hübschen jungen Dame... “
Severus zog eine Augenbraue nach oben.

ooooooo


“Wir sollten wirklich bleiben Severus..“, sagte Hermine und biss sich im nächsten Moment auf die Unterlippe als sein Kopf förmlich zu ihr herum schnellte und er sie fragend ansah.
Seine schwarzen Augen hinter den Brillengläsern hatten einen sonderbaren Ausdruck und seine Lippen waren zu einer schmalen Linie zusammengekniffen.

“Ja, bleiben Sie und tanzen Sie ein wenig mit ihrer schönen Frau... bevor es ein anderer tut“, stimmte Tony ihr nun zu und Hermine sah eine einmalige Chance auf sich zukommen.

“Ich möchte heute Abend nur noch mit dir tanzen..“, sagte sie mit einem herausfordernden Grinsen und legte ihm eine Hand auf die Brust.


ooooooo


Severus musste zugeben, dass sie die Gegebenheiten sehr geschickt genutzt hatte und es ihm nun kaum möglich war, aus dieser Situation heraus zu kommen.

Seufzend nahm er ihre Hand, die er noch immer gehalten hatte, etwas höher und umfing mit seinem anderen Arm ihre Taille.

Hermine schien sehr erstaunt, dass er keinen Widerspruch eingelegt hatte. Tony gab der Kapelle ein Zeichen und augenblicklich war die Nacht wieder erfüllt von italienischer Musik.


Sie entspannte sich langsam in seinen Armen.

Ihre Hand ruhte auf seiner Schulter und zwei ihrer Finger nestelten etwas ungeschickt an seinem Kragen herum.

“Er war etwas verdreht...“, sagte sie entschuldigend auf seinen fragenden Blick hin.

Er verzog leicht seinen Mund und schmunzelte.
“Was täte ich nur ohne dich?“, stellte er mit leichter Ironie fest.

“Severus... Danke..“, sagte Hermine leise und sah ihn aufmerksam an. „ Wegen vorhin... ich wollte so gern tanzen und konnte ja nicht ahnen...“ Sie unterbrach den Blickkontakt und sah auf seine Wange


Er legte den Kopf schief lächelte leicht. Seine schwarzen Augen glänzten ungewöhnlich warm und kleine Fältchen bildeten sich um sie herum, wenn er lachte.

Die Musik wurde etwas leiser.
“Wir haben das erste glückliche Paar heute Abend!“, tönte Tonys Stimme und deutete auf Severus und Hermine die sich fragend ansahen.
Inzwischen hatten alle aufgehört zu tanzen und die Musik war ganz verstummt. Die Menge der Tänzer teilte sich und ließ den beiden ein ganzes Stück der Tanzfläche frei.

Tony hob den Arm und deutete auf etwas das sich scheinbar über ihnen befand.
Gleichzeitig blickten sie nach oben und sahen ein grünes geschmücktes Gestrüpp mit prallen weißen Beeren über ihren Köpfen baumeln.
Man musste nicht Zaubertränke unterrichten, um zu wissen, dass es sich dabei um einen Mistelbusch handelte.

“Das ist ein alter Brauch bei uns. Das Paar das unter dem Mistelzweig stehen bleibt, muss sich küssen. Bei unverheirateten gilt dieser Kuss als Bote der bevorstehenden Hochzeit. Bei schon verheirateten ist er ein Zeichen der unsterblichen Liebe zueinander.“
Tonys Stimme quäkte vergnügt aus dem Lautsprecher zu ihrer linken.


ooooooo


Hermine war gar nicht vergnüglich zumute. Severus sah auch nicht sehr angetan davon aus, sie hier in aller Öffentlichkeit zu küssen.
Tony allerdings, hatte kein Erbarmen mit den beiden.
“Kommen Se, Mr. Granger. Zeigen Sie Ihrer Frau wie es um Ihr Herz bestellt ist.“, tönte er.

Severus schluckte ein paar Mal und sah Hermine mit leichtem Anflug von Panik in den Augen an.
Die anderen Gäste fingen nun an, ungeduldig zu werden und fielen in einen „Küssen, Küssen..“- Singsang zu dem sie auch noch rhythmisch klatschten.

Hermine wusste nicht wie sie anders aus dieser Situation entkommen sollten und stellte sich leicht auf die Zehenspitzen.

“Nun mach schon, bevor die uns steinigen!“, flüsterte sie in sein Ohr.


Die Szene um Hermine verschwamm, als seine warmen Lippen die ihren trafen und er sie fest an sich zog.
Seine Lippen waren weich und schmeckten nach Rotwein und Melonen. Sein Duft umfing sie und hüllte sie völlig ein und in ihrem Bauch breitete sich ein unruhiges Prickeln aus.

Erst als er sich langsam wieder von ihr löste und sie die Augen öffnete, registrierte sie das die Menschen um sie herum klatschten und pfiffen.

Sie fühlte seine Lippen noch immer und von ihren Wangen breitete sich eine angenehme Wärme über ihr ganzes Gesicht aus.

Er hielt sie noch immer eng an sich gepresst und seine dunklen Augen hatten einen Glanz, den sie noch nie bei einem Mann gesehen hatte. Sie hatte schon zwei Freunde gehabt, aber keiner von ihnen hatte sie jemals so angesehen.

Sie wollte nicht das es schon zu Ende war. Sie wollte dieses Gefühl nicht loslassen. Sie wollte ihn nicht mehr loslassen.

“Halt mich fest“, flüsterte sie und schlang beide Arme um seinen Hals.
Sie zog ihn an sich und presste ihre Lippen auf seine.


Einen Moment schien es, als wolle er sie wieder sanft wegschieben um noch den letzten Rest an Distanz zu wahren, den er sowieso nur mit Mühe aufrecht erhielt.
Als sie begann, ihre Lippen zu bewegen und ihre Hände nach vorne zu seinem Gesicht wanderten, entspannte er sich und zog sie leidenschaftlich an sich. Seine Hände glitten über ihren Rücken und seine Lippen spielten zärtlich mit ihren.
Sie seufzte als seine Zunge vorsichtig Einlass verlangte und bog sich ihm hungrig entgegen.


oooooooo

Zuerst hatte er einfach weggehen wollen denn das er hier in aller Öffentlichkeit jemanden küssen sollte, kam überhaupt nicht in Frage. Schon gar nicht eine Schülerin!

Als sie ihn so bittend angesehen und ihm dann ins Ohr geflüstert hatte, gab er schließlich nach und beugte sich der klatschenden Menge.
Ihre Lippen schließlich wieder zu schmecken und zu fühlen war schlimmer für ihn, als er gedacht hatte. Ihr betörender Duft und der Geschmack nach Rotwein... Er fühlte sie heute viel zu intensiv.

Einen Moment lang hatte er völlig vergessen, das er sich mitten auf den Marktplatz eines italienischen Dörfchens befand und eine Schülerin in enger Umarmung auf den Mund küsste.

Nach einigen Augenblicken begann sein Verstand wieder zu funktionieren und sofort kam ihm der Schulleiter in den Sinn. Der würde ihm dafür den Kopf abreißen, wenn er je davon erfahren sollte.

Vorsichtig löste er sich von ihr und sah sie forschend an. Wann war sie eigentlich von der struppigen Nervensäge zu einer derart aufregenden jungen Frau geworden? Ihre sanften Augen erwiderten seinen Blick und schon fühlte er ihre Hände, die sich in seinen Nacken legten und die ihn wieder in einen zärtlichen Kuss hineinzogen.

Sie war zwar immer noch seine Schülerin und eigentlich sollte er sich nicht so hinreißen lassen, doch diesen Kampf hatte er schon damals in Schweden verloren...


Es war nur noch eine Frage der Zeit, bis er völlig kapitulierte und sich ihr bedingungslos hingab.


Severus atmete einige Male tief ein und aus, bis er das Gefühl hatte, sich wieder völlig unter Kontrolle zu haben.
“Wir sollten jetzt wirklich gehen“, sagte er rau und schob sie, durch die tanzenden Menschen hindurch, vor sich her.

Als sie den Marktplatz verlassen hatten, liefen sie Hand in Hand zurück zu Tonys kleiner Pension.

Bevor sie hinein gingen, hielt er sie fest und drehte sie zu sich um.

Ich möchte noch einen Moment hier draußen bleiben...“ sagte er und legte seine Wange an ihre.




Kapitel 21



Hermine erschauerte und nickte leicht.

Sie ließ sich von ihm in den kleinen Garten hinter der Pension führen, wo er sich auf eine Bank setzte und sie auf seinen Schoß zog.

Sie drehte sich so, dass sie seitwärts auf ihm saß, und legte eine Hand an seine Wange.

Severus...“, flüsterte sie und beugte sich vor.

Sein Kuss war sinnlich und zugleich fordernd und sie schloss seufzend die Augen.


Leicht zitternd atmete sie aus, als seine Hand sich ganz behutsam ihren Brüsten näherte und sie sanft berührte.

Sie drängte sich an ihn und suchte wieder seine Lippen, um ihn erneut in einen innigen Kuss zu ziehen.


ooooooo


Er bot ihr seinen Mund nur zu gern dar und verlor sich in ihren Zärtlichkeiten.

Viel zu lange schon hatte er ihr mit aller Gewalt widerstanden, jetzt waren auch seine letzten Zweifel im Begriff, sich in seiner Sehnsucht zu verlieren.


Seine Hände auf ihrem Rücken wanderten tiefer und glitten auf die warme, nackte Haut ihres Bauches.

Ihr verzückter Laut brachte ihn in die Realität zurück. „ Komm mit mir... “ flüsterte er beinahe lautlos und umfasste mit seinen Händen zärtlich ihre Brüste.


Seine bisher beinahe übermenschliche Selbstbeherrschung war in diesem Moment endgültig verloren.

Er wollte sie endlich fühlen, schmecken und sie ganz besitzen. Wollte ihr all das geben, wonach er sich selbst schon so lange sehnte.


Schweigend eilten sie Hand in Hand durch die Nacht bis in ihr Zimmer, wo er sie wieder in seine Arme zog.


oooooo


Unter dem sanften Druck seiner Hände ließ sie sich auf das Bett sinken, umfasste sein Gesicht, um ihn hinunter zu ziehen, und seufzte genussvoll, als er sich auf sie legte und ihren Mund mit einem hungrigen Kuss verschloss.


Einen Moment lang genoss sie noch seine fiebrigen Blicke, bevor sie begann, sein Hemd aufzuknöpfen und kleine Küsse auf die freigelegte Haut zu setzen.

Mit beiden Händen fuhr sie dann über seine glatte Brust und seinen festen Bauch.

Sie liebte es, wie er sich anfühlte.


Severus beobachtete gebannt, wie sie sich ebenfalls für ihn auszog und streichelte mit seinen Händen zärtlich über ihre nackte Haut.

Er legte seine Hand in ihren Nacken und zog sie sanft zu sich heran.

Seine Lippen erforschten weich ihren Hals und ihr Dekollete‘ und seine Hände liebkosten ihren warmen Körper.