Auf der Suche nach den Runen des Lichts


von Tamsyn und Nagini




Kapitel 12 - 16


Kapitel 12

Nachdem sie einige Zeit gelaufen waren, kamen sie an eine kleine Lichtung.

Hier ist es gut. Hier bleiben wir für diese Nacht.“, stellte Snape fest und ließ seinen Rucksack wieder herunter gleiten. Sie sah ihm zu, wie er mit flinken Bewegungen ein Zelt aufbaute.

Ein Zelt?

Professor?“, fragte sie unsicher. „Wo werde ich schlafen?“
Er drehte sich langsam zu ihr um und ein hämisches Lächeln glitt über sein Gesicht.

Wenn Sie selbst keine passende Schlafstätte mitgebracht haben, würde ich sagen: Hier!“, sagte er und deutete auf das kleine gelbe Zelt.
„Natürlich können Sie sich wahlweise auch einen Baum aussuchen.“, setzte er gehässig hinzu und machte eine weit ausholende Bewegung mit dem Arm.

Hermine seufzte und kniete sich hin, um ihren Schlafsack in das Zelt zu legen. Insgeheim hoffte sie es wäre wie auf der Quidditch-Weltmeisterschaft, und die Räumlichkeit im Inneren erheblich größer ausfallen würde als 2 x 2,50 m. Sie wurde enttäuscht, da sie jede Art von Magie vermeiden mussten, und rollte ihren Schlafsack neben dem von Snape aus.

Inzwischen hatte er ein kleines Feuer angemacht und kramte in seinem Rucksack herum.„Was wollen Sie essen?“, fragte er und hielt ihr zwei verschiedene Konserven hin, die sie in einem Londoner Supermarkt besorgt hatten.

Egal.“, winkte sie ab und stand auf, um sich nach einem geeigneten und vor allem ungestörten Plätzchen um zu sehen. Zu ihrem Entzücken fand sie nur ein paar Meter weiter eine kleine Quelle, in der sie sich die Hände und das Gesicht wusch. Nachdem sie zurück kam, war der Eintopf bereits fertig. Sie hatten schweigend gegessen und saßen nun gemeinsam um das kleine Feuer herum.

Was denken Sie, wie weit ist es noch?“, fragte Hermine plötzlich und sah in die knisternden Flammen.
„Wenn wir morgen zeitig aufbrechen werden wir gegen Mittag bei ‚Old Willow’ sein.“, gab er matt zurück.

Einen Augenblick herrschte Schweigen, bis er unvermittelt: „Danke. Die Kopfschmerzen sind viel besser geworden.“ murmelte und ebenfalls krampfhaft ins Feuer sah.
„Hmm...“, gab sie einsilbig zurück.

Inzwischen war das Feuer herunter gebrannt und es wurde langsam empfindlich kalt. Von überall her drangen fremde Geräusche zu ihnen und Hermine fand es mit einem Mal gar nicht mehr schlimm, sich ihren Schlafplatz mit Professor Snape zu teilen. Im Gegenteil.
In ihren Schlafsack und den vagen Duft nach Sandelholz gehüllt, den er verströmte, schlief sie schließlich ein.

ooooooo

Es beunruhigte ihn erheblich, sie so nah bei sich zu spüren.

Das kleine Zelt war eng, und dass sie wegen der Tiere auch die Rucksäcke im Zelt verstauen mussten, machte es nicht gemütlicher. Sie hatten in Kilkea Castle zwar schon einmal nebeneinander geschlafen aber das hier war etwas anderes.

Sie würde jede Bewegung und jeden Laut von ihm hören, den er machte. Nachdem er sich einige Zeit gewaltsam wach gehalten hatte, um sich nicht durch irgendetwas eine versehentliche Blöße zu geben, schlief er schließlich erschöpft ein.

Er öffnete langsam die Augen und spürte, wie sich etwas an ihn drückte und ihn wärmte.
Noch immer war er halb versunken in die Erinnerungen an den Traum, den er gerade beendet hatte und nahm nur schwach eine Flut hellbrauner Locken wahr, die sich über seinen Arm und seine Schulter ergoss. In seinem Traum hatte er sie noch viel intensiver gefühlt, sie geschmeckt und berührt. Nun schien sich sein Traum auf sonderbare Weise fortzusetzen.

Er lag auf der Seite und in seinem Arm, die Hand an seine Brust gelegt, schlief Hermine. Ihr Gesicht konnte er nicht sehen aber der Duft ihres warmen, weichen Körpers ließ ihn zufrieden seufzen.

ooooooo

Als Hermine aufwachte, merkte sie, dass sie schon wieder dicht an ihm lag. Offenbar war es ihr nicht möglich neben Professor Snape zu schlafen, ohne ihn zu berühren.

Er schlief noch und ihr erster Impuls war es, sich leise und vorsichtig zurückzuziehen, um dieses Mal wenigstens der Blamage zu entgehen, dass er es bemerkte.

Doch dann wollte die Bewegung die sie vorhatte, ihr einfach nicht gelingen.

Es war ein gutes Gefühl in seinem Arm zu liegen.

Sie merkte, wie seine Brust sich hob und senkte und sein warmer, holziger Geruch hüllte sie ein.

Daran denkend, wie sein Rücken und sein Nacken sich unter ihren Händen angefühlt hatten, drückte sie ihre Hand noch ein bisschen fester an seine Brust, um auch dort die Muskeln zu spüren, die sich unter dem T-Shirt verbargen.

Zu ihrem größten Bedauern spürte sie, dass er erwachte.

Sie rührte sich nicht und stellte sich schlafend, darauf wartend, dass er sie wecken und verscheuchen würde.

Doch nichts Derartiges geschah.

Dann entspannte er wieder und seinen tiefen, regelmäßigen Atemzügen nach schien er wieder zu schlafen.

Sie musste wohl selbst noch einmal eingeschlafen sein, denn als sie die Augen wieder öffnete, lag sie allein im Zelt und hörte durch die dünnen Zeltwände, wie er mit dem Geschirr klapperte. Sie schälte sich aus ihrem Schlafsack und trat aus dem Zelt heraus. Sich das wirre Haar aus dem Gesicht streichend, grüßte sie ihn.

Er nickte nur knapp, hielt ihr einen Becher Kaffee hin und meinte, dass sie bald aufbrechen sollten.

Hermine nickte, trank einen Schluck Kaffee und machte sich daran, ihre Sachen zusammen zu suchen, mit denen sie an die Quelle ging, um sich zu waschen. Dort zog sie sich auch um, und als sie zurückkam hatte er das Zelt schon abgebaut und den Rucksack geschultert. Sie beeilte sich, es ihm gleichzutun und so marschierten sie weiter durch den Wald, den Kompass fest im Blick.

Gegen Mittag wurde Hermine unruhig.

Sie mussten diese „Old Willow“ doch bald erreicht haben oder wenigstens sehen können.

Doch nichts in ihrer Umgebung sah auch nur ansatzweise aus wie ein 1000 Jahre alter Baumriese.

Während einer kurzen Rast aßen sie etwas Käse und Brot und machten sich wieder auf den Weg.

Nach einer weiteren Stunde Marsch kam es Hermine vor, als würden sie im Kreis laufen, aber sie hütete sich, ihr neues, gutes Einvernehmen dadurch zu belasten, dass sie sich beschwerte.

Ihre Geduld wurde dann plötzlich belohnt, als sie aus dem dichten Wald, dessen Blattwerk den Himmel über ihnen verdunkelt hatte, auf eine Lichtung traten und vor ihnen stand unübersehbar „Old Willow“.

Es war ein mächtiger, imposanter Baum mit weit ausladender Krone.

Mit einem Seufzer der Erleichterung ließen sie ihre Rucksäcke fallen und machten sich sogleich daran, den Baum abzusuchen. An der Rinde war nichts zu entdecken und erst nachdem sie den Baum mehrere Male umrundet hatte, fiel ihr ein kleines Astloch, etwa zweieinhalb Meter über dem Boden, auf.

Professor?“, rief sie.

Sie zeigte dem herbeikommenden Snape die kleine Vertiefung, und er stellte sich ergeben seufzend an den Baum, die Hände ineinander gelegt.

Machen Sie schon.“, knurrte er.

Hermine kicherte.

Wir können es auch umgekehrt machen und ich halte sie...“

Er lachte unfroh und machte eine ungeduldige Geste. Sie stellte ihren Fuß in seine Hände, zog sich hoch, und gelangte so in Sichthöhe des Astloches. Es war so schmal, dass ihre Hand gerade hineinpasste. Hermine gruselte es davor, in das Loch hinein zu fassen. Wer wusste schon, was darin lauerte?

Schließlich atmete sie tief durch und griff mit einer raschen Bewegung hinein. Vorsichtig tastete sie in der Höhlung umher. Vertrocknete Blätter raschelten, und sie fühlte ein paar leer geknabberte Nussschalen, die dort herumlagen. Endlich stießen ihre Fingerspitzen an etwas, dass sich wie ein Kiesel anfühlte. Hermine schloss ihre Hand darum und zog sie dann schnell aus dem Loch hervor. Hektisch schüttelte sie die Kellerassel ab, die sie auf ihrer Hand krabbeln sah, und sprang von Snape herunter.

Langsam öffnete sie die Hand und konnte ein Jubeln nicht unterdrücken, als sie erkannte, dass es tatsächlich die Rune ‚Ehwaz’ war, die sie dafür belohnte, dass sie ihren Ekel überwunden hatte.

Unverzüglich begannen sie den Rückweg, nachdem Snape die Rune sorgsam verstaut hatte, doch am späten Nachmittag konnte Hermine keinen Fuß mehr vor den anderen setzen. Snape schien es ähnlich zu gehen, denn er stöhnte gequält auf, als er seinen Rucksack fallen ließ. In Sichtweite floss ein kleiner Bach und Hermine freute sich darauf, sich darin zu erfrischen. Doch zuerst bauten sie das Zelt auf und suchten Feuerholz zusammen. Dann nahm Hermine ihre Sachen und ging zum Bach. Sie bemerkte, dass er es ihr gleichtat und diskreterweise ein ganzes Stück weit dem Bachlauf folgte, bevor er anfing sich zu waschen.

Durch einige tiefhängende Trauerweidenzweige sah sie, dass er sich das Hemd auszog und den Kopf ins Wasser tauchte.

Hastig zog sie den Kopf zurück. Es ging nun wirklich nicht an, dass sie ihren halbbekleideten Lehrer anstarrte!

Sie wusch sich selbst, zog ein frisches Hemd an und kehrte zum Lagerplatz zurück, an dem Snape wenige Minuten später ebenfalls auftauchte. Schweigend bereiteten sie sich ihre Mahlzeit zu, die wiederum aus Eintopf bestand und krochen dann, als es dunkel und kalt zu werden begann, einvernehmlich ins Zelt und in ihre Schlafsäcke.

Es fiel Hermine trotz ihrer Erschöpfung schwer den Schlaf zu finden, den sie für den Fußmarsch morgen sicher brauchen würde.

Sie lauschte eine Weile Snapes tiefen und gleichmäßigen Atemzügen.

Professor?“, hauchte sie fragend.

Er antwortete nicht. Er schlief.

Und kurzentschlossen und ohne sich nach einem Grund zu fragen, rutschte sie vorsichtig an ihn heran und legte sich in seinen Arm, den Kopf und eine Hand auf seine Brust gelegt. Zufrieden seufzend entspannte sie sich, als sie seinen Herzschlag hörte und tief den Geruch nach Sandelholz einatmete, der ihr so willkommen geworden war..

ooooooo

Er lag still und mit geschlossenen Augen da und dachte über den vergangenen Tag nach. Dieses stille Verständnis und dieses gemeinsame „Auf-Etwas-Hinarbeiten“ war ihm noch nie so leicht und gleichzeitig so verdammt schwergefallen wie mit ihr. Als er heute Morgen richtig aufgewacht war, hatte er sie friedlich schlafend in seinem Arm gefunden. Einige Minuten hatte er sie angesehen und ihre Wärme genossen. Er hatte ihr eine Locke aus dem Gesicht gestrichen um sie zu betrachten.

Sie hatte ganz entspannt ausgesehen, so wie er sie nun schon zweimal bei den Entschlüsselungen gesehen hatte. Trotzdem war das hier etwas anderes, jetzt war sie nicht ohnmächtig, sondern schlief nur. Vorsichtig hatte er sich befreit und den ganzen Tag an nichts anderes als an sie denken können. Irgendwie konnte er sich ihr immer weniger entziehen und das war etwas, dass ihm mehr Angst machte als Voldemort es je gekonnt hatte.

Nachdem sie Ehwaz gefunden hatten, waren sie wieder ein ganzes Stück zurück gelaufen bis sie beide so erschöpft waren, das sie sich zur Rast entschlossen hatten.

Nun lag sie ruhig neben ihm und schien zu schlafen.

Warum zum Teufel kann ich nicht an etwas anderes denken? Immerhin ist sie meine Schülerin. ‘, dachte er und hasste diesen Gedanken aus tiefstem Herzen.

Professor?“, riss ihn ihre sanfte Stimme plötzlich aus seinen Gedanken und bevor er irgendetwas tun oder sagen konnte, rutschte sie zu ihm herüber und presste wohlig seufzend ihren Körper an seinen.

Er lag einfach nur da. An jedem anderen Ort wäre er von ihr abgerückt aber diese Nacht unter freiem schwedischem Himmel war ziemlich kalt und es fühlte sich unendlich gut an, sie zu spüren. Er zögerte noch einen Moment, legte dann seinen Arm um ihre Hüfte und zog sie seufzend enger zu sich heran. Seine Hand ruhte jetzt zwischen ihren Schulterblättern und ihre Lippen berührten kaum merklich seine Halsbeuge.

Sein Verstand schrie ihm förmlich zu, dass er das hier sofort beenden und so weit wie möglich von ihr abrücken sollte, aber sein Gefühl sagte, dass nichts Verwerfliches dabei war. Es war kalt und immerhin schlief sie. Einen Augenblick später versteifte er sich merklich, als ihn eine Erkenntnis wie ein brutaler Schlag traf.

Sie hatte ihn angesprochen! Sie schlief gar nicht! Und sie war absichtlich an ihn heran gerückt, weil sie dachte, dass er schlief... seine Gedanken arbeiteten auf Hochtouren.

ooooooo

Hermines Herz begann wie wild zu klopfen, als sie spürte, dass er sie näher zu sich heran zog.

Seine Hand, die auf ihrem Rücken lag schickte heiße Wellen durch ihren Körper. Sie bewegte sacht den Kopf und ihre Lippen berührten seinen Hals. Die weiche Haut dort roch so gut... sie gab dem Impuls nach, der ihr eingab, einen winzigen Kuss auf die pulsierende Ader zu drücken.

Er sog den Atem ein und strich ihr sanft über den Rücken.

Sie fuhr fort, kleine Küsse auf seinem Hals zu verteilen und strich zaghaft über seine Brust. Langsam erreichte sie mit den Lippen seine Kieferknochen und hielt einen winzigen Moment inne, um abzuwarten, ob er sich ihr zuwenden würde.

ooooooo

Sein Herz schlug zum Zerspringen und er schloss ebenfalls seine Augen. Zaghaft näherte er sich ihren Lippen und als sie seine berührten war es, als ob vor seinen Augen ein Meer kleiner Lichter explodierte. Ganz zart koste er ihre vollen Lippen und seufzte leise auf, als sie diese Bewegungen erwiderte und sie sogar selbst fortführte.

Endlich löste er sich von ihr und atmete zittrig aus. „Wir sollten das nicht tun...“, flüsterte er und legte seinen Kopf auf ihre Schulter.

Sie nickte und kuschelte sich schweigend an ihn.

Es ist spät, wir sollten schlafen.“, sagte er schließlich und hielt sie weiterhin fest in seiner Umarmung, als wolle er sich an diesen Moment klammern und ihn nie mehr loslassen. Sie nickte stumm und schmiegte sich an seine Brust.







Kapitel 13

Hermine lag noch lange wach. Sie wollte keinen Atemzug von ihm verpassen, denn sie ahnte, dass es am Morgen so sein würde, als habe es diese Küsse nie gegeben.

Wahrscheinlich war es besser so.

Es war ein schwacher Moment und er würde sich morgen dafür verachten, eine Schülerin geküsst zu haben.

Würde er sie verachten?

Plötzlich ängstlich geworden presste sie noch enger an ihn.

Dass er sie noch immer festhielt, beruhigte sie zutiefst und sie kämpfte mit aller Macht darum, nicht dem drängenden Bedürfnis nachzugeben, seine Haut wieder mit ihren Lippen zu berühren.

Dean!

Wie ein Schlag traf sie die Erinnerung an ihren Klassenkameraden.

Seine Liebkosungen waren um einiges stürmischer gewesen, als die scheuen, zaghaften Berührungen Snapes und hatten sie doch nicht annähernd so sehr bewegt. Es schien ihr unvorstellbar, dass sie noch vor zwei Tagen...

Nein! Jede Empfindung für ihn war wie weggewischt und Hermine wusste, dass sie ihn nie wieder würde berühren können. Die Erinnerung an diese Nacht würde sie wie einen kostbaren Schatz in sich bergen.

Als sie erwachte, war sie wieder allein.

Sie vergrub ihre Nase für einen Moment in Snapes leerem Schlafsack und seufzte, als sein Duft sie noch einmal umhüllte. Dann setzte sie sich auf, schlug mit einer energischen Geste ihren Schlafsack zurück und schlüpfte in ihre Kleidung, ehe sie aus dem Zelt trat.

Snape saß am Feuer, ihr den Rücken zugewandt.

Als er sie hörte, hielt er eine Tasse mit Kaffee hoch.

Mit einem gehauchten “Danke“ nahm sie sie entgegen und setzte sich ihm gegenüber auf einen Stein.

Eine Zeitlang starrte sie ins Feuer und nippte erst einige Male an dem heißen Getränk, bevor sie aufsah.

Sein Blick ruhte ruhig und ernst auf ihr.

Dann erwiderte er für einen kurzen Moment ihr schüchternes Lächeln und stand dann auf um zu beginnen, ihre Sachen zu packen.

Hermine leerte rasch ihre Tasse und half ihm.

Die Rückreise verlief glatt und ohne Probleme. Sie sprachen nicht viel.

Snape wirkte still und in sich gekehrt, doch als sie sich in der Eingangshalle voneinander trennten.

Das Schloss war leer, da gerade ein Quidditch-Spiel lief, und Hermine machte sich daran nachzuholen, was sie am Freitag im Unterricht verpasst hatte. Als sie hörte, dass der Gemeinschaftsraum sich wieder füllte, legte sie seufzend ihre Feder beiseite und machte sich auf, um Dean zu suchen. Er kam ihr mit einem freudigen Aufblitzen in den Augen entgegen und Hermine hasste sich dafür, was sie ihm antun musste. Sie reichte ihm die Hände um ihn auf Abstand zu halten, doch er beugte sich vor und hatte ihr rasch einen Kuss auf die Lippen gedrückt. Die Erinnerung an andere, schmalere Lippen drängte sich ihr unweigerlich auf und leise sagte sie: „Komm... ich muss mit dir reden...“

Seine Hand umfassend zog sie ihn mit sich aus dem Gemeinschaftsraum und setzte sich schließlich mit ihm unter einen Baum am See.

So behutsam wie möglich erklärte sie ihm, dass es ihr Leid tue, aber dass sie sich im Moment keinen festen Freund wünsche. Deans fassungsloses und zorniges Gesicht versetzte ihr einen Stich. Lange schwieg er.

Es ist wegen Professor Snape, stimmts?“, brachte er dann wütend hervor.

Hermine verkrampfte sich und sah erschrocken auf. Dean starrte auf den See hinaus und riss mit fahrigen Bewegungen Blätter von einem Zweig.

Du hast Angst, dass er Gryffindor noch mehr Punkte abziehen könnte... dieser Fiesling...“

Sie entspannte sich wieder. „Nein...“, flüsterte sie.

Nein... das ist es nicht... es war falsch von mir, dich zu küssen... bitte sei mir nicht böse... “

Dean stand auf.

Da verlangst du ein bisschen viel von mir... meinst du nicht?“

Wütend funkelte er sie an und stapfte dann davon, den Zweig weit von sich schleudernd. Hermine barg das Gesicht in den Händen und blieb noch lange auf dem Baumstamm sitzen.

ooooooo

Forschen Schrittes ging er um den See herum. Er hatte es nicht mehr ausgehalten unten an seinem Schreibtisch zu sitzen und sich wie ein Tier im Käfig vorzukommen. Kurz entschlossen hatte er seine gewohnte Arbeitskleidung angezogen und war zu einem Spaziergang um den See aufgebrochen.
Wenn jemand fragen würde, würde er einfach sagen dass er Aufsicht hatte. Immerhin war das Quidditch-Spiel gerade beendet und eine Menge Schüler würden den lauen Abend nutzen um noch eine Runde im See zu schwimmen oder sich mit ihren Freunden zu treffen.

Um in dunklen Ecken herum zu knutschen!‘, dachte er misslaunig.
Dieser Gedanke brachte ihn direkt zu Hermine und Dean Thomas. Er hatte den Jungen noch nie sonderlich gemocht, aber dass er ausgerechnet ein Auge auf Hermine geworfen hatte, schmälerte seine Chancen die Prüfung in Zaubertränke zu bestehen, gewaltig.

Damit besaß er nämlich etwas sehr Kostbares und wusste es mit Sicherheit nicht einmal zu schätzen.

Severus fuhr sich mit der Hand über seine Lippen. Er musste sichergehen das ihre nicht mehr darauf lagen, so deutlich konnte er sie noch immer spüren. Am liebsten hätte er gestern alle Vernunft über Bord geworfen und sie einfach geliebt. Ihre sanften Berührungen hatte er nicht nur auf seiner Haut gespürt. Sie hatten sein Innerstes erreicht und ein kleines schwaches Feuer darin entflammt, das ihn nun wärmte. Er hatte schon einige Beziehungen gehabt, aber keine Frau hatte er jemals bis so tief in sein Herz und seinen Verstand gespürt, wie sie gestern. Ihre Küsse waren wie Honig auf seiner Seele gewesen. ‚Was will sie denn mit einem Trottel wie Thomas?‘, dachte er gereizt als er plötzlich erregtes Stimmengewirr vernahm.

...war falsch von mir, dich zu küssen... bitte sei mir nicht böse..“., sagte die junge Frau, deren Stimme er überall erkannt hätte, gerade.
„Da verlangst du ein bisschen viel von mir.. meinst du nicht?“, erwiderte der Junge, mit dem sie sprach, zornig. Einen Moment später sah er Dean Thomas mit wutverzerrtem Gesicht weggehen. Hatte sie ihm gerade den Laufpass gegeben? Seinem Gesicht nach zu urteilen war das wohl der Fall. Etwas langsamer setzte er seinen Weg fort und fand sie wenig später, auf einem Baumstamm sitzend und auf den See blickend.
Am liebsten hätte er sie wieder in seine Arme gerissen und sie geküsst, denn ihre Lippen fehlten ihm bereits, obwohl er sie erst einmal gespürt hatte. Stattdessen näherte er sich ihr langsam und sprach sie ungewöhnlich sanft an.
„Miss Granger?“, fragte er. Sie hob den Kopf und sah ihn mit traurigem Blick an.
„Gehen Sie zurück ins Schloss...“, sagte er und erwiderte ihren Blick. „Bitte...“, fügte er leise hinzu und schluckte hart.
Für einen Moment trafen sich ihre Blicke und etwas schien sich verändert zu haben. In diesem Augenblick war Hogwarts weit weg und die restliche Welt einfach nicht existent.
Dann unterbrach er den Blickkontakt, indem er seine Augen schloss und ausatmete. Mit einem schmal zusammengekniffenen Mund drehte er sich ruckartig von ihr weg und ging eiligen Schrittes davon.

ooooooo

Hermine kehrte tief in Gedanken versunken zum Schloss zurück, nachdem Snape sie gebeten hatte zu gehen.

Dieser Blick...

Sie hatte sich geirrt. Nichts war vergessen. Sie musste nur die Augen schließen und sah ihn wieder vor sich, spürte ihn wieder an sich, fühlte, wie seine Hand sie berührte, wie sein Mund ihre Lippen liebkoste.

Es kam ihr sehr gelegen, dass alle glaubten, sie sei Deans wegen so abwesend. Tatsächlich hatte sie keinen Gedanken für ihn übrig, den alles in ihrem Kopf kreiste nur noch um diese festen schmalen Lippen, die sie auf ihren gespürt hatte. Es war unvernünftig, dass war ihr klar. Nie würde mehr sein, zwischen ihr und... Severus. Sie konnte nicht anders als ihn in Gedanken beim Vornamen zu nennen. Snape war ein anderer.

Severus war es, der mit diesen wenigen, sanften Küssen ihr Herz berührt hatte.

Nein... vorher schon... sie dachte an das prickelnde Gefühl, das seine Nähe im Schrank bei ihr ausgelöst hatte... und diese Umarmung an den Klippen von Bunglass... und dieses behütete Gefühl, als er sie instinktiv vor der Fledermaus in der Krypta beschützt hatte...

Glücklich verbrachte sie die Abende bei ihm.

Sie sprachen nicht viel, berührten nur die Runen-Thematik, doch ihr wollte es scheinen, als hätte sie sich nie zufriedener gefühlt, als wenn sie in seinem Wohnzimmer vor dem Kamin saß und las. Einzig dieses unvernünftige Sehnen nach Berührungen schmerzte sie, doch es war vermessen zu glauben, dass er sich ihr je wieder so nähern würde.

Severus’, dachte sie, wenn sie ihn beobachtete, wie er mit seiner Brille im Sessel saß und Texte studierte, so ruhig und konzentriert... und so unglaublich attraktiv, dass sie sich auf die Lippen beißen musste, um nicht aufzuspringen und sich an ihn zu schmiegen, um ihm auch körperlich nahe zu sein. Denn sie fühlte sich ihm nahe. Trotz all der Distanz, die er so peinlich genau wahrte, fühlte sie sich ihm verbunden. Sie konnte ihm inzwischen seine Stimmung vom Gesicht ablesen, ohne dass er sprach und war dankbar für die Blicke stummen Verständnisses, die sie manchmal wechselten.

Als sie sich für die Entschlüsselung von Ehwaz verabredeten, wurde Hermine bewusst, dass sie kaum daran dachte, was die Visionen ihnen zeigen würden. Sie freute sich einzig und allein darauf, ihn wieder berühren zu dürfen. Mit freudig klopfendem Herzen stand sie an diesem Abend vor seiner Tür und wartete darauf, das er sie herein bitten würde.

ooooooo

Heute hatte er beinahe den ganzen Tag an nichts anderes denken können als daran, das sie heute wieder den Abend mit ihm verbringen würde… wenn auch unfreiwillig.
Er hatte diesmal den Schmerztrank schon vorbereitet und auf den kleinen Tisch am Kamin gestellt. Sie bewegte sich diesmal so selbstverständlich in seinen Räumen, dass er sich ein Schmunzeln nicht verkneifen konnte. Mit schnellen Handgriffen richtete sie die beiden Kissen auf dem Boden her und setzte sich.

Severus tat es ihr gleich und setzte sich im Schneidersitz ihr gegenüber auf das Kissen das sie für ihn vorbereitet hatte. Nachdem er Ehwaz in der Hand hielt, schuf er wieder den magischen Kreis um sie beide der es ihnen ermöglichte sich von der restlichen Welt loszulösen und die Botschaft der Rune zu empfangen.

Hermines Fingerspitze zeichnete das M auf seine Stirn und er hatte das Gefühl, als wäre sie dabei heute besonders vorsichtig.
Sie berührten sich an den Händen und nach wenigen Momenten erschien das M vor seinem inneren Auge.

Es löste sich langsam auf und nahm die Gestalt einer Figur an, die Ähnlichkeit mit einer spiegelverkehrten Eins hatte. Dann spürte er das vertraute Gefühl unendlich zu fallen und sah karges, weites Land, felsige Regionen mit spärlicher Vegetation, eine herrliche Küste mit steil aufragenden Felsen und eine wunderschöne große Grotte mit vielen unterirdischen Seen. Erst die vielen Mühlen und die kleinen Gässchen mit den urigen Häusern aus grob behauenen Steinen brachten ihn auf die Idee, das er sich in Portugal befand... dort würden sie also die nächste Rune suchen müssen. Das langsame Ausblenden der Bilder war ihm nun schon genauso vertraut wie die tiefe Schwärze die darauf folgte.

Als er seine Augen öffnete galt sein erster Blick Hermine. Wie gehabt schien sie noch zu schlafen.

Die Kopfschmerzen schienen mit jeder Vision schwächer zu werden. Trotzdem war er dankbar für den Becher mit dem Schmerztrank, den er in einem Zug ausleerte. Diesmal kniete er sich neben Hermine auf den Boden und barg sie vorsichtig in seinen Armen. Ihre rosigen Wangen zeigten ihm, dass ihr die Visionen auch immer weniger auszumachen schienen. Er hob sie wieder hoch und sog ihren Duft ein, den er seit der Nacht in dem kleinen Zelt so vermisst hatte. Vorsichtig legte er sie dieses Mal auf dem großen Sofa im Wohnzimmer ab und deckte sie mit seiner Decke zu.

Gerade wollte er weggehen, als er in der Bewegung innehielt und sich zu ihr umdrehte. Er hockte sich neben sie und betrachtete ihren Schlaf. Mit dem Zeigefinger strich er ihr wieder diese widerspenstige Strähne aus der Stirn, die sich immer aus ihrem Zopf löste und wegen der er sie im Unterricht so angeblafft hatte. Sein Finger wanderte weiter zu ihren Wangenknochen und ihrem Kinn. Er zögerte einen Moment und fuhr dann sacht über ihre Lippen. Wie weich und voll sie waren. Wie gut sie sich angefühlt hatten...

Mit düsterem Blick schüttelte er den Kopf über sich selbst und stand auf, um in sein privates Labor hinüber zu gehen.

ooooooo

Hermine schloss die Augen, als er die Rune auf ihre Stirn zeichnete, und es brauchte ein wenig länger, bis sich die Vision einstellen wollte, da sie mit aller Macht noch seine kühlen Hände in ihren spüren wollte.

Doch schließlich gewann Ehwaz die Beherrschung über sie, und sie sah, wie Laguz sich bildete und sie nach Portugal schickte. Hermine kannte die Landschaft, die sich ihr zeigte, denn sie war einmal mit ihren Eltern im Urlaub dort gewesen. Sie hatte jedoch kaum Zeit sich über das angenehme nächste Reiseziel zu freuen, als die inzwischen bekannte Schwärze sie einhüllte, und sie zu Boden sank.

Als sie erwachte registrierte sie verwirrt, dass sie dieses Mal nicht in seinem Bett lag, sondern auf der Couch. Seine Bettdecke war jedoch über sie gebreitet und verstohlen sog sie den Sandelholzduft ein, der von ihr ausging.

Severus war nicht zu sehen, doch sie hörte Geräusche aus dem angrenzenden Raum, der, wie sie wusste, sein Labor beherbergte. Auf dem Tischchen neben dem Sofa stand der Schmerztrank, den er ihr vor der Entschlüsselung gezeigt hatte. Sie angelte danach und leerte den Becher in großen Zügen. Dann ließ sie sich noch einmal zurücksinken, doch als sie hörte, dass er sich näherte, setzte sie sich rasch auf.

Portugal...“, sagte sie, als er sie fragend musterte.

Er nickte und sie erklärte: „Ich kenne die Gegend... ich war schon einmal da...“

Lassen Sie uns morgen darüber sprechen.“, meinte er leise.

Hermine senkte den Blick, starrte einen Augenblick lang auf den Boden und erhob sich dann.

Gut.“, sagte sie knapp und leise.„Danke für die Decke.“

Morgen Nachmittag dann?“, wandte sie sich an der Tür noch einmal zu ihm um.

Da war er wieder.

Dieser beinahe wilde Blick , mit dem er sie ansah und der ihr durch und durch ging.

Gebannt blieb Hermine stehen, bis er sich räusperte, den Blickkontakt unterbrach und stumm nickte.



Am nächsten Nachmittag besprachen sie die Einzelheiten der Reise. Sie vermuteten, dass die große Grotte, die ihnen beiden besonders aufgefallen war, das Versteck von Laguz sein würde. Laguz stand unter anderem für Intuition und Unterbewusstsein.

Hermine hatte das ungewisse Gefühl, dass sie ihr Unterbewusstsein lieber gar nicht genauer betrachten sollte.

Doch sie machte sich frohen Herzens an die Vorbereitungen, und saß am Freitagnachmittag wieder in einem Flugzeug, das sie diesmal nach Lissabon bringen sollte. Am Flughafen mieteten sie sich ein Auto und Hermine kutschierte sie sicher in das kleine Dorf Condeixa, in dem Hermine zwei Zimmer in einer Pension gebucht hatte. Der kleine weiße Bau lag in den Hügeln versteckt, etwas entfernt vom Dorf gelegen. Unauffällig bleiben hieß die Devise und Hermine zuckte nur kurz zusammen, als Severus sie als seine Nichte vorstellte. Er konnte ja nicht wissen, dass das bei einem Mann in Begleitung einer jüngeren Frau in Muggelkreisen so viel hieß, wie „das ist meine heimliche Geliebte“.

Das Grinsen der Pensionsbesitzerin, die ihnen augenzwinkernd zwei Schlüssel von benachbarten Zimmern aushändigte, ignorierte sie und beeilte sich ihr Zimmer zu erreichen, bevor auch sie sich ein breites Grinsen gönnte.

Er hätte das halt vorher mit mir absprechen sollen.’, dachte sie, und freute sich darauf, ihm seinen Fauxpas bei Gelegenheit unter die Nase zu reiben.







Kapitel 14

Nachdem sie in dem kleinen Dorf in Portugal angekommen waren und ihre Zimmer bezogen hatten, saß er nun auf seinem Bett und blickte aus dem Fenster. Seine Gedanken waren noch immer bei der Autofahrt, die sie hierher gebracht hatte.

Hermine hatte den kleinen Leihwagen wieder sicher über verstaubte Straßen und durch unzählige kleine Dörfer bis hierher gefahren. Heimlich hatte er ihr konzentriertes Gesicht beobachtet und geschmunzelt, als er entdeckte, dass dieser Gesichtsausdruck sich nur unwesentlich von dem unterschied, den sie aufsetzte wenn sie sich auf das Gelingen eines Trankes konzentrierte.

Er traf sie auf dem Weg zum Abendessen auf dem Gang und lächelte ihr kurz zu, bevor sie gemeinsam in den gemütlichen Speiseraum hinunter gingen.
Sie hatte ein hübsches weißes Sommerkleid mit bunten Blüten an, das nur von zwei schmalen Spaghettiträgern auf ihren Schultern gehalten wurde. Sie unterhielten sich ungezwungen über ihre Reise, die Zimmer und das Essen.

Ich weiß jetzt, wo wir die Grotte finden.“, sagte sie über ihr Abendessen hinweg und sah ihn mit enthusiastischem Gesichtsausdruck an. Er verzog den Mund zu einem leichten Lächeln.

Ein Hoch auf Ihren Fleiß, Herm.. Miss Granger.“, antwortete er und widmete sich dann wieder seiner Paella.

Das restliche Essen verlief relativ schweigend und er verabschiedete sich mit einem kurzen Kopfnicken, als er aufstand.



Die Sonne schien noch, obwohl es langsam auffrischte und die Intensität des Windes zunahm.

Er schwamm mit kräftigen Zügen durch das klare Wasser der kleinen Bucht, die er von seinem Fenster aus gesehen hatte. Nach dem Essen hatte er beschlossen, noch ein wenig zu schwimmen und war allein an den Strand gegangen. Er hatte Hermine absichtlich nicht gefragt ob sie mitkommen wollte. Er versuchte gerade, emotional wieder von ihr abzurücken. Dabei war die Vorstellung von ihr in einem Badeanzug nicht gerade hilfreich. Gerade wollte er wieder an Land schwimmen, weil das Wasser immer kälter wurde, als er einen anderen Schwimmer bemerkte der, einige Meter entfernt, ebenfalls in der Bucht schwamm. Er stöhnte innerlich auf, als er erkannte um wen es sich dabei handelte.

Augenscheinlich hatte Hermine die selbe Idee gehabt und war nach dem Abendessen noch zum Schwimmen gegangen. Sie gestikulierte wild mit einem Arm als sie ihn erkannte und im ersten Moment setzte sein Herzschlag kurz aus, weil er dachte sie wäre in Schwierigkeiten, bis er begriff das sie versuchte ihm Zeichen zu geben.
Er schwamm zu ihr hin. „Ich habe den Eingang gefunden…“, schnaufte sie und ruderte mit den Armen, um sich über Wasser zu halten.

Wo?“ erwiderte er knapp und machte mit seinen Händen ebenfalls ungeduldige Bewegungen, um nicht unterzugehen.
„Kommen Sie, ich muss raus. Ich erfriere.“, bibberte Hermine nun und schwamm in Richtung Land.

Er erreichte den Strand vor ihr und beeilte sich, aus dem kalten Wasser zu kommen und sich in sein Badetuch zu wickeln, das er auf einem Stein abgelegt hatte. Hermine kam gerade aus dem Wasser und Severus seufzte als er sein Vorhaben, sich gefühlsmäßig wieder von ihr zu entfernen, durch diesen Anblick stark gefährdet sah. Sie hatte ihren Zopf ausgewrungen und kam nun schnell zu ihm herüber um den kalten Wind auf ihrer nassen Haut, ebenfalls mit einem Handtuch abzumildern. Sie trug einen schön geschnittenen knappen Bikini der ihre Vorzüge viel zu gut zur Geltung brachte. Auf ihrer Haut glitzerten die Wassertropfen im Licht der untergehenden Sonne, wie kleine Perlen. Er bemühte sich wirklich, sie nicht allzu offensichtlich anzustarren, konnte aber den Blick kaum von ihr nehmen.

Sie hatte eine sehr schöne schmale Figur und sah in diesem bisschen Stoff einfach hinreißend aus.

Schnell hatte er ihr Handtuch aufgehoben und legte es ihr um die schmalen Schultern. Einen Augenblick zu lange ruhten seine Hände auf ihr. Sie zitterte und er rieb mit seinen Händen leicht über ihre Schultern um sie zu wärmen. Sie drehte sich zu ihm um und sah ihn aus ihren warmen braunen Augen intensiv an, bevor sie eine Hand hob und ihm eine tropfende Strähne aus dem Gesicht strich. Ihre Hand hielt inne und blieb einige Herzschläge lang auf seiner Wange liegen, bis er den Blickkontakt jäh unterbrach und sich abwandte.„Wo ist der Eingang?“, fragte er beinahe grob und trocknete sich mit einem weiteren Handtuch ab, bevor er in sein Hemd schlüpfte.

Da hinten, unter dem Wasserspiegel. Heute ist es schon zu kalt und zu dunkel. Wir werden morgen wieder schwimmen müssen.“, erwiderte sie, noch immer zitternd und sich ebenfalls schnell abtrocknend.

ooooooo

Hermine zog ihr Kleid über ihren nassen Bikini und schweigend gingen sie zur Pension zurück, wo sie sich vor ihren Zimmertüren trennten. Nachdem sie geduscht hatte, versuchte sie ein wenig zu lesen, doch sie gab es rasch wieder auf, da sie sich einfach nicht konzentrieren konnte. Unruhig ging sie im Zimmer auf und ab und trat schließlich auf den Balkon hinaus, der über die gesamte Hausbreite ging. Sie zwang sich, nicht in sein Zimmer zu schauen, das ebenfalls einen Zugang zum Balkon hatte. Da war etwas in seinem Blick... doch er wandte sich jedes Mal wieder von ihr ab, und stieß sie so zurück. Hermine seufzte. Unsinn! Was sollte denn da auch sein?

Sie wusste, dass sie eine gewisse Wirkung auf Männer hatte, aber das hier war ein Lehrer und er wünschte sicherlich nichts weniger, als von einer Schülerin belästigt zu werden. Und doch wurde sie immer wieder schwach, wenn sie ihn an sich spürte und es kribbelte ihr in den Fingern ihn zu berühren.

In Gedanken vertieft starrte sie auf die kleine Bucht hinaus, als sie hörte, das eine Tür sich öffnete. Sie drehte sich nicht um. Ein vertraut herb-holziger Geruch verriet ihr, das Severus hinter ihr stand. Er trat neben sie und legte die Hände auf das Geländer. Hermine sah auf. Irgendwie wirkte er... untypisch... ein bisschen unsicher...

Hermine, ich muss Sie mal etwas fragen...“, begann er, und seine vorsichtige und bemüht konzentrierte Aussprache kam ihr etwas merkwürdig vor.

Er schwieg einen Augenblick.

Die Wirtin hat einen Strauss rote Rosen und eine Flasche mit irgendeinem fürchterlich süßen Getränk in mein Zimmer gestellt.“

Wieder schwieg er und Hermine musste ein Kichern unterdrücken.

Offensichtlich hatte er eine nicht unerhebliche Menge dieses 'fürchterlich süßen ' alkoholischen Getränks konsumiert... Severus war ein bisschen betrunken!

Schließlich sprach er weiter. „Warum hat sie das getan?“, fragte er und sah Hermine ehrlich ahnungslos an.

Jetzt grinste sie tatsächlich.

Nun...“, sie fuhr sich kurz mit der Zunge über die Lippen, um sich ihre Worte zurecht zulegen.

Sie haben mich als ihre Nichte vorgestellt... “

Völliges Unverständnis spiegelte sich in seiner Miene.

Wir wirken offenbar nicht sehr... verwandt... und es ist bei Muggeln ein abgegriffener Ausdruck für... ’heimliche Geliebte’...“

Sie sah förmlich, wie es in seinem Kopf arbeitete, bis er die Information in ihrer vollen Tragweite begriffen hatte.

Sie meinen, die Frau glaubt, Sie wären meine Geliebte?“, vergewisserte er sich leise.

Hermine nickte und auf seinem Gesicht erschien ein überaus amüsiertes Grinsen, das in ein leises Glucksen überging.

Eine Weile kicherten sie gemeinsam vor sich hin und sie konnte den Blick nicht abwenden von dem vergnügten Funkeln in seinen Augen, als sie zu ihm trat.

ooooooo

Langsam hob sie die Hand und berührte sacht seinen Kieferknochen. Er seufzte und legte seine Hand auf ihre. Sie schloss die Augen und kam ihm noch näher. Inzwischen hatte er ihre Finger umfasst und führte sie zu seinen Lippen. Vorsichtig hauchte er einen Kuss auf ihre Handfläche und legte sie dann an seine Brust, als wollte er sie an seinem Herzen bergen. Sie seufzte leise und umfing ihn mit ihrem anderen Arm.

Severus.“, flüsterte sie, bereits ganz nah an seinem Gesicht.„Hermine, nicht..“, antwortete er matt, näherte sich aber weiter ihren Lippen. „Wir sollten nicht...“, sagte er gequält und verschloss ihren Mund mit seinem.
Seine Lippen spielten zärtlich und leidenschaftlich mit ihrem Mund und er zog sie mit seinem freien Arm fest an sich.
Dann, als sei er aus einer Trance erwacht, ließ er sie los.

Nein! “, stieß er heftig atmend hervor, nachdem er sich aus diesem Kuss gelöst hatte. Er ließ sie ohne weiteres Wort auf dem Balkon stehen und floh förmlich in sein Zimmer. Fahrig hob er einen seiner Schuhe, die mitten im Zimmer standen, auf und hielt ihn in der Hand.

Warum kann ich das nicht bleiben lassen?‘, fluchte er in Gedanken und warf den Schuh schwungvoll an die gegenüberliegende Wand. „Verdammt!“, schimpfte er dann und zog seine Balkontür energisch ins Schloss.

Der nächste Morgen war ein trüber Tag und schon gleich nach dem Frühstück waren sie aufgebrochen um nach Laguz zu suchen. Nachdem sie den Strand erreicht hatten, zogen sie ihre Sachen aus und versteckten sie in einer kleinen Spalte zwischen zwei Steinen, damit nicht jemand auf die Idee kam, sich einen Scherz damit zu erlauben. Außerdem wollten sie nicht, das jemand ahnte das sie sich in der Grotte befanden. Das Wasser war heute noch kälter als gestern und Severus sog scharf den Atem ein, als er bis zum Bauch ins Meer hinein lief. Dann straffte er sich und ließ sich fallen.

Woooh... Verdammt ist das kalt.“, zischte er und beeilte sich, sich durch Schwimmen aufzuwärmen.
Hermine war inzwischen auch im Wasser und fluchte kurz, als sie völlig darin versank. Sie schwamm schneller um ihn einzuholen. Er bewegte sich auf der Stelle und wartete bis sie heran gekommen war.

Wo soll der Eingang sein?“, fragte er zähneklappernd.„Dort hinten, zwischen den zwei Felsen...“, gab sie zurück und nickte mit dem Kopf, um ihm eine vage Richtung anzugeben.
Sie schwammen näher an die Steine heran. Dann nickte sie ihm zu und tauchte unter. Er tat es ihr gleich und nach wenigen kräftigen Schwimmstößen kam er wieder an die Oberfläche.
Sie war kurz vor ihm aufgetaucht und ihre langen Haare hingen ihr wild ins Gesicht. Hermine hustete kurz und strich sich dann mit beiden Händen die Haare zurück. Suchend sah er sich um.
Sie befanden sich in einer Grotte, von deren Decke Tropfsteine in sämtlichen Variationen und Größen hingen. Schmale Steinspalten dazwischen ließen schummriges Tageslicht zu ihnen herein. Die Aushöhlung erstreckte sich weit nach hinten und Hermine war schon einige Meter voraus geschwommen, bevor er ihr folgte. Sie erreichten eine winzige Landzunge und stiegen aus dem Wasser.

Sie trug wieder diesen Bikini, der ihr so hervorragend stand. Er betrachtete sie still. Sie bezauberte ihn mit jedem Tag mehr. Gestern hatte er sich für seine Schwäche verflucht, heute sehnte er sich bereits wieder nach ihren Lippen. Wie zart und weich sie seinen Mund berührt hatten, wie sie sich an ihn geschmiegt hatte… Er schüttelte den Kopf, um diese Erinnerung zu vertreiben.
‚Falsche Zeit, falscher Ort... falsches Leben!‘, setzte er seine Gedanken fort und folgte ihr, denn sie war schon weitergegangen und in einen unterirdischen See gestiegen.

Da!“ Sie zeigte auf eine Tropfsteinsäule auf einer kleinen Insel in der Mitte des Sees.

Ja... ein perfektes Versteck...“ gab er zurück.
Glücklicherweise war dieser See etwas wärmer als das Meer und so fielen die Bewegungen etwas leichter.
Nach kurzer Zeit hatten sie die Insel erreicht und Hermine zog sich bereits aus dem Wasser. Als er ebenfalls an Land gegangen war, suchte sie bereits fieberhaft nach Laguz.

Sie ist hier… sie ist hier!“, rief Hermine begeistert und sah ihn mit glänzenden Augen an.

Vorsichtig berührte sie die Rune, die in den Stalagmiten eingelassen war und versuchte, sie herauszunehmen.
„Sie sitzt fest.“, sagte sie enttäuscht und wandte sich zu ihm um. Ihre Lippen waren blau vor Kälte und sie zitterte leicht.
Nachdem auch er es einige Minuten erfolglos versucht hatte, war Hermine mit einem langen, schmalen Stein wieder herangekommen und versuchte nun, vor dem Tropfstein kniend, die Rune aus dem Stein heraus zu hebeln.

Ich frage mich eins..“, sagte er plötzlich und hockte sich nah hinter sie.
Seine Brust berührte ihren Rücken, als seine Hände sich auf ihre Arme legten.
Hermine setzte den Steinhebel erneut an und mit einer geschmeidigen Bewegung fiel der kleine Stein ihr in die aufgehaltene Hand.

ooooooo

Wir müssen uns berühren...“, flüsterte Hermine, fassungslos das kleine Steinchen in ihrer Hand betrachtend.

Einen Moment lang blieb Severus noch hinter ihr sitzen, ebenfalls ihre Hand schauend, erhob sich dann aber hastig. Hermine fühlte von ihrem Rücken aus die Kälte in ihren Körper zurückkehren und stand ebenfalls auf. Sie reichte ihm den Stein, in dem Laguz eingraviert war und sah zu, wie er sie in einer Tasche in seiner Badehose verstaute.

Sie hatte ihn gestern schon in Badekleidung gesehen, aber erst jetzt fielen ihr die vielen Narben auf, die auf seinem Oberkörper verteilt waren. Sie konnte den Blick nicht abwenden und das Herz zog sich ihr zusammen, als sie daran dachte, wie er diese Narben empfangen haben musste. Ohne nachzudenken trat sie näher an ihn heran und berührte eine Erhebung oberhalb der linken Brust sanft mit dem Finger. Sie erschrak, als er plötzlich ihre Hand packte und sie von seiner Haut weghielt. Mit einem wilden Blick starrte er sie an und sie schlug errötend die Augen nieder. Sie hatte ihm keinen Grund mehr geben wollen, sie zurückzuweisen, aber das Bedürfnis ihn zu berühren war einfach übermächtig in ihr.

Entschuldige..“, hauchte sie leise, und ließ sich ins Wasser gleiten.

Sie reisten noch am selben Tag ab und erreichten nach einer beinahe stummen Reise Hogwarts am frühen Abend. Er nickt ihr zu, knapp aber nicht unfreundlich und Hermine kehrte schweren Herzens in den Gryffindor-Turm zurück. Ihre ganze Hoffnung war, dass die Abende bei ihm die alte Vertrautheit wieder herstellten, die durch die Küsse auf dem Balkon zerstört zu sein schien.







Kapitel 15

Er saß auf dem Sofa vor dem Kamin und las in drei Büchern gleichzeitig. Das eine beschäftigte sich mit Runen allgemein, das andere mit ihrer Deutung und das dritte speziell mit der Geschichte der Lichtrunen.
Er hatte Hermine gebeten, wieder gleich in seine privaten Räume zu kommen. Sie brauchten dann nicht hin und her laufen, wenn sie in einem anderen Buch etwas nachschlagen mussten.

Stumm sah er in die Flammen des Kamins.
Seitdem sie die Narbe berührt hatte und er instinktiv nach ihrer Hand gegriffen hatte, wurde er diesen Ausdruck des Schmerzes, den ihre Augen gezeigt hatten, nicht mehr los.

Er hätte sich nicht eine Sekunde länger beherrschen können, wenn sie ihn wieder beim Vornamen genannt hätte. Diese unbeschreibliche Anziehungskraft, die sie auf ihn ausübte, war ihm unheimlich. Ihre Berührungen elektrisierten ihn, ihre Blicke machten ihn hungrig und ihre Küsse schwach.
„Es darf nicht sein, niemals!“, sagte er leise zu sich selbst. Er hatte schon einmal schmerzhaft erfahren müssen wohin es führte, wenn man jemandem zuviel von sich gab, zu früh vertraute- zu sehr liebte!

Er war gerade aufgestanden um das Fenster einen Moment zu öffnen, als es an der Tür klopfte.
„Es ist offen...“ sagte er laut und drehte sich nicht einmal um, als sie das Zimmer betrat.

Sie verbrachten eine Weile schweigend, jeder in ein Buch und in seine Gedanken versunken, als er sie unvermittelt ansprach.
„Hermine?“ Irritiert, dass er sie so selbstverständlich beim Vornamen nannte, hob sie ihren Kopf.

Er saß auf dem Sofa und sah sie über den Rand seiner Brille hinweg an.
„Ich möchte mein Urteil über Sie.. revidieren. Am Anfang unserer Mission hätte ich nicht für möglich gehalten...“ Er brach ab und überlegte was er eigentlich hatte sagen wollen.
Er schlug sich gedanklich an die Stirn, weil er überhaupt davon angefangen hatte. Irgendetwas musste er nun sagen. Nach kurzem Überlegen fügte er hinzu.

Ich verstehe nun warum der Schulleiter es für nötig befunden hat, dass Sie daran teilnehmen.“, schloss er und widmete sich sofort wieder seinem Buch.

Sie lächelte leicht und nickte, bevor sie sich ebenfalls wieder auf ihre Lektüre konzentrierte.

Er war einfach zu ihrem Vornamen übergegangen. Nach all dem was er inzwischen für sie fühlte, was sie für ihn war, konnte er nur noch schwer „Miss Granger“ zu ihr sagen, obwohl diese Anrede fraglos die einzig richtige gewesen wäre, um eine gewisse Distanz zu wahren.

Sie stand aus dem Sessel auf und kam zu ihm herüber. Mit einer schnellen Bewegung nahm sie die Bücher von der Sitzfläche und legte sie auf den Boden.
„Sehen Sie sich das mal an...“, sagte sie und hielt ihm eine Seite des abgegriffenen Buches, in dem sie gelesen hatte, vor die Nase.

Wenn man dem Autor glauben konnte, waren die Runen nur in Verbindung mit einer geheimnisvollen Macht, die der Teufel nicht kennt, in der Lage einen dauerhaften Frieden herzustellen.“
Nachdem er den Absatz einige Male gelesen hatte, klappte er das Buch zu und legte es ihr wieder auf den Schoß.
„Ich brauche erst mal einen Tee.. wollen Sie auch?“, fragte er knapp und war schon aufgestanden.

Als er zurück kam saß Hermine mit angezogenen Beinen noch immer auf dem Sofa und sah den munter tanzenden Flammen zu.

Er hielt ihr den Becher hin und sie nahm ihn schweigend entgegen. Zu ihrer Überraschung wählte er keinen der beiden Sessel aus, sondern setzte sich wieder zu ihr.
„Was glauben Sie, was der Autor meint.“, fragte sie ihn und pustete die Dampfwölkchen von der Oberfläche ihres Tees.
Er schloss die Augen und schüttelte leicht den Kopf. Er hatte da eine vage Ahnung...



Professor... Severus.. wachen sie auf! Der Unterricht beginnt in zehn Minuten.“ Sie berührte ihn an der Schulter und schüttelte ihn leicht.

Mit einem Satz war er auf den Beinen und sah sie finster an.
„Dann machen Sie, dass Sie hier raus kommen!“ knurrte er.
Hermine sah ihn mit zutiefst verletztem Gesichtsausdruck an, nahm ihre Bücher unter den Arm und eilte zur Tür. Krachend fiel sie hinter ihr ins Schloss.

Er hatte der Klasse eine Aufgabe gegeben die ihm etwas Ruhe verschaffte. Mit übellaunigem Blick beobachtete er die Schüler und gab hin und wieder einen schneidenden Kommentar ab, wenn etwas nicht zu seiner Zufriedenheit war.

Sie waren eingeschlafen.

Schon wieder hatte sie eine Nacht bei ihm verbracht. Das ganze entwickelte sich für ihn mehr und mehr zu einem Albtraum. Zu allem Überfluss hatte er sie heute Morgen auch noch angeblafft. Nicht auszudenken, wenn jemand sie gesehen hätte, wenn sie morgens aus seinen Privaträumen kam. Er war immer mehr gefangen in verdammten Gefühlen für eine Schülerin, die es wahrscheinlich schick fand, dass sie einen Lehrer geküsst hatte. Er wartete jeden Tag darauf, dass ihn junge Mädchen anstarrten und hinter seinem Rücken kicherten, wenn er vorbeiging. Bisher war nichts dergleichen geschehen.

Nein, so ist sie nicht. Das würde sie nicht tun. Oder?‘ , dachte er zweifelnd und ließ einen erneuten Blick über die Reihen schweifen.
Wie so oft blieb er an ihr hängen. Sie sah heute etwas blasser aus als sonst und an ihrem Gesichtsausdruck konnte er sehen, das sie nicht konzentriert arbeitete. Diese typische Locke hing ihr wieder einmal ins Gesicht. Er wusste genau wie sie sich zwischen seinen Fingern anfühlte, wenn er sie berühren würde...



Severus hatte sich an diesem Abend in seine Arbeit vergraben und korrigierte an dem kleinen Schreibsekretär in seinen Wohnräumen Aufsätze der Erstklässler.

Er hatte sie heute schroff zurückgewiesen, als sie ihn nach dem Unterricht nach der Entschlüsselung gefragt hatte. Eigentlich hatte er nichts anderes vorgehabt, aber er musste einfach etwas Abstand zu ihr gewinnen. Gerade las er in einer Arbeit über die Heilwirkung der Sambucus Pflanze gegen Immunschwäche-Erkrankungen. Er las den Text wieder und wieder, konnte aber den Inhalt nicht wirklich aufnehmen. Seufzend lehnte er sich zurück und nahm seine Brille ab.

Sein Blick schweifte hinüber zum Kamin und den beiden dunkelgrünen Sesseln, die davor standen. Er konnte sie förmlich dort sitzen sehen. In Jeans und Pulli, mit geflochtenem Zopf. Die Beine unter den Körper gezogen und in ein Buch vertieft. Ihre Anwesenheit in seinen Räumen war immer etwas Besonderes für ihn. Wenn sie nicht da war, kam ihm seine Wohnung irgendwie kalt und unpersönlich vor, so als wäre man gar nicht richtig zu Hause.

Er entfachte ein Feuer im Kamin und setzte sich mit einem Glas Blauem Spätburgunder in einen der Sessel. Einen Moment hatte er überlegt, sich in den Sessel zu setzen, in dem sie immer saß, wenn sie arbeiteten, entschied sich aber dagegen.
Irgendwie kam es ihm nicht richtig vor sich auf ihren Platz zu setzen.
‚Ihren Platz..‘ dachte er kopfschüttelnd als er sich in den anderen Sessel setzte.
Er wusste nicht, warum er dachte das hier ihr Platz wäre, er konnte ja momentan nicht einmal sagen, wo
sein Platz war. Mit schmal zusammen gekniffenem Mund beobachtete er die knackenden Flammen.

Was sie wohl gerade tut?‘ dachte er. Irgendwie hatte er noch immer ein schlechtes Gewissen, weil er sie beim letzten Mal so angefahren hatte, als sie ihn geweckt hatte. Er wollte das irgendwie wieder gutmachen...
Plötzlich erschien ein Lächeln auf seinen schmalen Lippen, er sprang auf und griff nach seinem Umhang.
Er eilte zur Tür hinaus und als er am Rande des Schulgeländes angekommen war, verschwand er mit einem leisen „Plopp“ in der Dunkelheit.

ooooooo

Mit angewidertem Gesichtsausdruck schob Hermine den Frühstücksteller von sich. Sie mochte noch nicht einmal an Essen denken.
Einen besorgten Blick von Harry, der ihr gegenüber saß, beantwortete sie mit einem schwachen Lächeln. Sie umklammerte die Tasse Kaffee mit beiden Händen und gab vor, sich darauf zu konzentrieren, das Getränk kalt zu pusten.

Sie wurde nicht schlau aus... Severus.

Gestern Abend war sie nicht bei ihm gewesen.

Er hatte ihr nach dem Zaubertrankunterricht knapp zu verstehen gegeben, dass er anderweitig beschäftigt sei und sie hatte zu Boden geschaut und stumm genickt.
Wie hätte sie ihm auch sagen können, dass es ihr etwas ausmachte, wenn sie ihn abends nicht sah? Am Abend davor hatte sie noch freudig überrascht bemerkt, dass er sich offenbar um ein gutes Einvernehmen mit ihr bemühte. Er hatte sie gelobt, sie beim Vornamen genannt und sie hatten wieder still und friedlich nebeneinander gearbeitet.

Sie war sich sicher, dass der Absatz in dem Buch, den sie entdeckt hatte, von Bedeutung war, und sie würde herausfinden, welche Macht gemeint war.

Es hatte sich so unendlich gut angefühlt, bei ihm zu sein, mit ihm zu reden... sie hatte sich einfach wohl und glücklich gefühlt.

Bis sie gemeinsam auf der Couch erwacht waren und er sie so scharf angefahren hatte, dass sie ohne ein Wort aus seinen Räumen geflohen war.

Er hatte sie zutiefst verletzt.

Immer wieder verfluchte sie sich dafür, dass sie ihn auf dem Balkon in Portugal berührt hatte.

Natürlich konnte er sich nicht auf ein Verhältnis mit einer Schülerin einlassen. Sie wollte sich bemühen, das zu akzeptieren, obwohl es ihr wahnsinnig schwer fiel. Es war ihr kaum möglich ihn anzusehen, ohne daran zu denken, wie zärtlich seine Lippen gewesen waren...

Nun, er wollte nicht, das sie ihn berührte und sie würde es nicht wieder wagen, sich ihm zu nähern. Trotzdem suchte sie seine Nähe, und es erschütterte sie, wenn er sie so schroff zurückwies.

Der Kaffee war inzwischen deutlich abgekühlt, und sie trank ihn in großen Schlücken, um pünktlich zum Unterricht zu erscheinen.

Der Verschwindezauber wollte ihr einfach nicht gelingen, was Professor Flitwick mit echtem Erstaunen zur Kenntnis nahm. Sie war fahrig und unkonzentriert und als Harry sie am Nachmittag mit einer entschlossenen Geste an die Hand nahm und an den See zog, hatte sie nicht die Energie, sich ihm zu widersetzen.

Er meinte es ja gut und bot sich ihr als verständnisvoller Zuhörer für ihren offensichtlichen Kummer an. Sie steuerten den Baumstamm am See an, auf dem sie schon ihr klärendes Gespräch mit Dean geführt hatte. Der Himmel war bedeckt und es war kaum jemand draußen unterwegs, sodass der Platz für eine vertrauliche Unterredung gut gewählt war.

Einen Moment lang wünschte Hermine, dass sie ihm ihr Herz ausschütten könnte, doch ihr wurde bewusst, dass er sie niemals würde verstehen können.

Sie sehnte sich nach Snape!

Er hätte es für einen schlechten Scherz oder sie für verrückt gehalten. Vor gar nicht allzu langer Zeit hätte sie bei einem solchen Geständnis wahrscheinlich ähnlich reagiert.

Doch sie hatte ihn anders erlebt, hatte ihn kennen lernen dürfen und sie hatte sich in Severus...

Nein! Hermine, das wirst du noch nicht einmal denken!’, wies sie sich innerlich zurecht.

Es war eine Sache, für einen Lehrer zu schwärmen, so wie sie selbst einst für Gilderoy Lockhart, aber das hier war so ganz anders... so tief...’und es wird dich zerstören, wenn du nicht acht gibst.’, flüsterte eine warnende Stimme in ihr.

Sie gab sich alle Mühe, Harrys Sorgen um sie zu zerstreuen... sich selbst konnte sie diesen Gefallen leider nicht tun...

Heute Abend wollten sie nun also Laguz entschlüsseln.

Die fünfte Rune würde sich ihnen zeigen, und sie weiter voranbringen auf ihrer Suche, die ihr so viele intensive Erlebnisse beschert hatte, seien es lustvolle oder schmerzhafte.

Vertrauen in die eigene Intuition’ war die Botschaft von Laguz gewesen, und ihr instinktives Verhalten hatte sie in eine schwierige Lage gebracht. Mit bangem Herzen dachte Hermine daran, was die nächste Rune ihr bringen mochte.

Stumm saßen sie sich gegenüber.

Das Feuer im Kamin flackerte und knackend brach ein Scheit in sich zusammen.

Einfach die Rune auf seine Stirn zeichnen.’

Sie tat es und versuchte völlig gleichgültig zu bleiben, als er es bei ihr tat. Ihre Hände waren kalt und zitterten leicht, als sie sie ausstreckte um seine zu umfassen.

Konzentriere dich auf die Rune!’, ermahnte sie sich.

Sie hatte ihm bisher kaum in die Augen geschaut, aus Angst, er könnte sie wieder so finster ansehen, als würde er sie kaum kennen. Als sie es doch einmal wagte, bemerkte sie einen warmen Glanz in diesen dunklen Augen, in dem sie versinken wollte, doch Laguz schickte sie bereits auf die Reise. Und während sie schließlich wieder geschwächt durch die Vision auf dem Boden zusammensank, wusste sie, dass die nächste Rune, Isa, sie in Prag erwartete.

ooooooo

Nach dem Unterricht hatte er sich den ganzen Tag heimlich darauf gefreut, dass sie heute Abend wieder zu ihm kommen würde. Auch wenn er es nicht zugeben wollte, fehlte sie ihm in jeder Minute in der sie nicht da war.
Das machte ihm Angst, denn er hatte gestern in einem seiner privaten Bücher eine Textstelle gefunden, die ihm gar nicht gefiel.

...und wenn dreizehn sich vereinen, muss die Macht mit ihnen sein.

Eine Macht, alt wie das Leben - und die zwei im Herzen rein.

Zwei, sich im Herzen tief gewogen, durch die Macht in Bann gezogen,

sich tief in die Seele sehn und füreinander ungefragt,

hinunter in die Hölle gehen... “

Er sah seine Ahnung bestätigt das es sich bei dieser Macht nur um eines handeln konnte...
Etwas das so alt war wie das Leben, so rein und tief… etwas das der Teufel nicht kennt - etwas, dass man
Liebe nennt!
Daran drohte ihre ganze Mission zu scheitern!

Auch wenn er inzwischen recht eindeutige Gefühle für Hermine hegte, konnte er nicht einmal ansatzweise hoffen...

Er hatte weiter geforscht und einen zweiten Text gefunden, der ihm, aus seiner Sicht, seine momentane Verfassung erklärte.

„…dreizehn Steine sollt ihr finden. Jeder stark- und für sich allein,

wird die Macht die sie euch bringen, doch niemals die eure sein.

Sie finden zwei mit ihrem Herzen, führen sie einander hin

und wenn alles sich vereint, gibt das Geheimnis seinen Sinn...“

Das war es also! Das war des Rätsels Lösung! Sie näherten sich einander an, weil sie unter dem Einfluss der Runenmagie standen. Einerseits fand er das etwas beunruhigend, andererseits gab es ihm doch die Gewissheit das alles wieder in gewohnten Bahnen laufen würde, wenn sie alle Runen gefunden und die Botschaft, die sie bargen, entschlüsselt hatten.



Die heutige Entschlüsselung war einfacher gewesen als er dachte.
Die Rune hatte ihn an einen ihm gut bekannten Ort geführt. Er sah eine imposante Burg, hoch über einem breiten dunklen Fluss über den unzählige Brücken führten. Eine der Brücken hätte er überall erkannt mit ihren Steinfiguren und den charakteristischen dreieckigen Auszügen auf dem die Figuren ruhten. Die Karlsbrücke! Sie würden die nächste Rune in der goldenen Stadt finden - ihre nächste Reise führte sie also nach Prag.

Hermine war nun nicht mehr so blass um die Nase wie noch vor einigen Minuten und saß jetzt auf ihrem Sessel vor dem Kamin.
„Die nächste ist Isa... das I ist ihr Zeichen…“ sagte sie gerade und nippte an dem Kaffee, den er ihr mitgebrachte hatte.
„Ich weiß auch schon, wo wir sie finden...“, erwiderte er und setzte sich ebenfalls.

Isa ist wahrscheinlich auf der Karlsbrücke in Prag versteckt. Die Brücke selbst stammt aus dem 13 Jahrhundert aber Teile der Judithbrücke, die an dieser Stelle vorher stand, wurden mit verbaut. Ich glaube dass unser Teil noch da sein muss, sonst hätte uns die Vision nicht dorthin geführt.“

Sie sah ihn erstaunt an und trank wieder einen kleinen Schluck. Heute waren sie schon kurz nach dem Ende der Vision wieder aufgewacht und sogar die Kopfschmerzen waren erträglich gewesen. Nachdem sie eine Weile schweigend nebeneinander gesessen hatten, stand er unvermittelt auf und ging zu seinem Sekretär hinüber. Schon nach wenigen Augenblicken kam er zurück und hielt ihr ein dickes, in braunem Papier eingeschlagenes Päckchen hin. Fragend sah sie ihn an und stellte den Becher auf den Tisch.
„Für Sie, ich war gestern zu Hause und dachte... egal, es gehört Ihnen, wenn Sie es wollen.“, sagte er leise und setzte sich wieder ihr gegenüber in seinen Sessel.







Kapitel 16

Hermine kam aus dem Staunen nicht heraus. Er schenkte ihr etwas? Behutsam wickelte sie das Papier ab und hielt das Buch in den Händen, das sie in seiner Bibliothek in Markree-Castle so sehr bewundert hatte.

Die äußerst seltene Erstausgabe von „Tausend Zauberkräuter“. Das war ein sehr kostbares Geschenk!

Hermine strahlte ihn an.

Oh, S.. ir... das ist so... ich danke Ihnen...“

Rasch senkte sie den Blick wieder auf das Buch, um ihre Verlegenheit darüber zu überspielen, dass sie ihn gerade beinahe beim Vornamen genant hatte.

Als sie aufblickte lächelte er still vor sich hin, das Gesicht den Flammen zugewandt.

Das Buch fest an sich drückend kehrte sie schließlich in ihr Zimmer zurück.

Liebevoll strich sie über den schweren, brauen Ledereinband des Buches. Dass er ihr diese Freude hatte machen wollen, bedeutete ihr sehr viel. Es bewies ihr, dass sie ihm zumindest nicht gleichgültig war, und er ihr nichts nachtrug. Und mit großer Vorfreude dachte sie an die Reise, die vor ihnen lag. Prag...

Den nächsten Tag verbrachte Hermine zum großen Teil damit, neben dem Unterricht Vorbereitungen zu treffen. Sie buchte eine Zugfahrt und ein kleines Hotel etwas außerhalb der Innenstadt.

Zufrieden spazierte sie durch das abendliche Hogsmeade, wohin sie zurückappariert war, nachdem sie in London alles erledigt hatte. Professor Dumbledore hatte ihr eine Sondergenehmigung für derartige Ausflüge gegeben, um es ihr zu erleichtern, sich um alles zu kümmern was die Reisemodalitäten betraf.

Sie hatte sich in London allerdings hinreißen lassen, etwas zu kaufen, was nicht unbedingt zwingend notwendig für die Reise war, aber sie hatte einfach nicht widerstehen können. Es war eigentlich nur ein dunkelrotes Kleid, aber es hatte da im Schaufenster gehangen und gerufen: „Kauf mich! Ich gehöre zu dir!“

Und tatsächlich, als Hermine es anprobiert hatte, war es wie für sie gemacht gewesen. Es schmiegte sich eng an, ohne aufdringlich zu wirken, und Hermine hätte es am liebsten gleich anbehalten. Doch sie trennte sich wieder davon und jetzt hing es, sorgsam verpackt in einer Papiertüte, an ihrem Handgelenk und Hermine freute sich auf eine Gelegenheit, es zu tragen. Noch nicht einmal vor sich selbst gestand sie sich ein, dass sie hoffte, es in Prag tragen zu können.

Die Zugfahrt dauerte länger als geplant und sie kamen mit erheblicher Verspätung im Prager Hauptbahnhof an. Die Reise selbst war angenehm gewesen. Sie hatten beide Bücher dabei gehabt, um während der Fahrt zu lesen und hatten sich angeregt über das Gelesene unterhalten. Hermine spürte, wie sie wieder auflebte und ihre zurück erlangte Harmonie mit Severus genoss.

Ein Taxi brachte sie dann in ihr Hotel, in dem sie als Kollegen, genauer gesagt als Historiker, auftraten und sie bekamen dort nur mit Müh und Not noch etwas zu essen. Nur halbwegs gesättigt gingen sie daraufhin schlafen, erschöpft von der langen Reise.

ooooooo

Die goldene Stadt machte ihrem Namen alle Ehre. Die Sonne meinte es heute besonders gut und strahlte intensiv und warm von einem hellblauen Himmel.
Das Frühstück war im Gegensatz zum Abendessen reichhaltig und so waren sie gut gestärkt zu einem Ausflug ins Zentrum der Stadt aufgebrochen.
Das Taxi brachte sie, von ihrem etwas außerhalb gelegenen Hotel, direkt in die Stadt hinein.
Zuerst stiegen sie zur berühmten Prager Burg hinauf und Severus erwies sich als kundiger Führer durch die Burghöfe.

Kommen Sie... ich möchte Ihnen noch mehr zeigen...“, sagte er mit einem begeisterten Glitzern in seinen schwarzen Augen.

Kurz danach fand sich Hermine in einer beeindruckenden Kirche wieder. Die drei riesig anmutenden Kirchenschiffe mit den wunderschönen hohen Fenstern begeisterten Hermine sofort.

Der Veitsdom...“, flüsterte sie. „Die größte Kirche der Stadt.“

Er nickte und machte eine ausladende Handbewegung.
Leicht beugte er sich zu ihr herüber. „Dieser Dom ist schon sehr alt und es dauerte ganze 600 Jahre, bis er fertig gestellt war.“

Gerade bogen sie unterhalb der Burg, in eine kleine Strasse mit bunten Häusern ein, als er sie am Arm festhielt.
„Warten Sie, Hermine...“ sagte er. Sie wandte sich zu ihm um und er zeigte über ihre Schulter hinweg, auf die bunte Aneinanderreihung farbenfroher Häuser.

Diese Strasse hat eine sehr interessante Geschichte. Man nennt sie das goldene Gässchen. Angeblich lebten hier früher Alchimisten die im Auftrag Rudolf II. versuchten Gold herzustellen. Eigentlich ist das nur eine Erzählung. Trotzdem ist die Gasse nach wie vor einen Blick wert...“

Severus führte Hermine noch an viele sehenswerte Plätze in der wunderschönen Moldaumetropole. Sie fuhren mit einem Ausflugsboot den Fluss hinauf und machten eine Innenstadtbesichtigung mit einem der zahlreichen Oldtimer, die für wenig Geld Touristen durch die Stadt chauffierten. An der Karlsbrücke blieben sie lange, bis sie schließlich an einem der Pfeiler ein viereckiges Sonnensymbol entdeckten. Sie beschlossen, erst morgen wieder zu kommen und Isa, die sich allem Anschein nach in dieser Säule verbarg, erst am nächsten Tag zu bergen.

Er genoss es sehr mit ihr zusammen zu sein und entspannte sich mit jeder Minute, die er mit ihr verbrachte, mehr. Sie lachten ausgelassen, wenn er eine Anekdote preisgab und Hermine erfuhr, dass er früher sehr oft hier gewesen war. Über den Grund für diese häufigen Besuche schwieg er sich aus und sie fragte auch nicht weiter danach..

Als es langsam dämmerte aßen sie in einem der kleinen Pubs zu Abend und plauderten über ihre gesammelten Eindrücke.
„Sind Sie schon müde?“, fragte er lächelnd über den Tisch hinweg, als Hermine sich seufzend zurücklehnte und den Teller von sich schob.
„Nein, nur satt…“, grinste sie zurück.
„Haben Sie Lust auf einen der vielen unterirdischen Höhlenkeller?“, fragte er und trank von seinem Bier.

Sie hatte und fand sich kurz darauf in einem bezaubernden Jazzkeller wieder.

Die Musik war nicht jedermanns Geschmack aber trotzdem sehr unterhaltsam und das Ambiente suchte seinesgleichen. Die grob behauenen Steine und die bunte Beleuchtung tauchten den großen Raum in ein diffuses warmes Licht und sorgten so für eine gemütliche Atmosphäre.

Es war schon weit nach Mitternacht als sie die gemütliche Kneipe wieder verließen, und sie hatten beide einige Gläser Wein getrunken und sich gut amüsiert. Er hatte das Ende des Abends immer weiter hinausgezögert. Er wollte noch nicht ohne sie sein...

Nebeneinander schlenderten sie den Weg zum Hotel hinauf, nachdem das Taxi sie wieder abgesetzt hatte.
Ein kleiner Park war angeschlossen und ganz selbstverständlich schlugen sie gemeinsam den Weg in den Garten ein. Sie liefen schweigend nebeneinander her bis zu einem kleinen See. Sie lehnte sich an einen großen Baum der einige Meter vom Ufer entfernt stand und sah auf das, vom gespiegelten Mondlicht glitzernde Gewässer.

Er stand neben ihr und betrachtete sie schweigend. Sie sah so süß aus in ihrem dunkelroten Kleid.

Etwas raschelte und plötzlich kam sie mit einem kleinen Aufschrei einen Schritt auf ihn zugesprungen und hielt sich an seinen Oberarmen fest. Eine kleine struppige Katze kam aus einem Busch und sah die beiden einen erschrockenen Augenblick lang an, bevor sie wieder in der Nacht verschwand.

Tut mir leid... ich dachte…“, sie brach ab und ließ ihn wieder los.

Er gab einen unwilligen Laut von sich und berührte sie an der Schulter. Schnell trat er noch einen Schritt auf sie zu, umfasste mit beiden Händen ihre Taille und zog sie mit einer energischen Bewegung zu sich heran .Dann beugte sich mit einem wilden Glanz in den Augen langsam zu ihr hinunter.

Er schluckte ein paar Mal und seine Lippen näherten sich den ihren. Zärtlich verschloss er ihren Mund mit seinen schmalen Lippen und zog sie noch enger an seinen festen Körper.

Bevor sie reagieren konnte, hatte er sie hochgehoben und presste sie mit dem Rücken an den Stamm des Baumes, während seine Zunge sich vorsichtig einen Weg zwischen ihre Lippen suchte. Sie schlang seufzend die Beine um seine Hüften und fuhr mit den Fingern durch seine Haare. Er stöhnte leise in ihren Mund, als sich ihre Zungen zu einem leidenschaftlichen Spiel fanden und erforschte mit fordernden Händen ihren Po und ihre Hüften. In diesem Augenblick hätte er ihr alles gegeben...

Sie umfasste sein Gesicht mit beiden Händen und hielt ihn in einem sinnlichen Kuss gefangen, bis er sich behutsam löste und seine Lippen sacht über die empfindliche Haut ihres Halses streifen ließ. „Hermine.. was machst du nur mit mir?“, flüsterte er

.Er legte den Kopf wieder an ihre Schulter und seufzte leise.

Einen Augenblick lang verharrten sie in dieser Bewegung , bis er bedauernd zu ihr aufblickte .
„Es tut mir leid, aber ich
darf das nicht tun... auch wenn ich es noch so sehr möchte...“ Mit diesen Worten löste er sich aus der Umklammerung ihrer Beine und setzte sie wieder sanft auf dem Boden ab.

ooooooo

Hermine schwankte. Alles in ihr schrie danach, ihn weiter zu spüren und zu schmecken. Doch er hatte sich schon abgewandt und sich einige Schritte von ihr entfernt.Er stieß sie wieder zurück!

Hermine starrte ihm hinterher.

Dann drehte sie sich um und lief in die entgegengesetzte Richtung davon. Weg!Sie wollte nur weg.

Weg von ihm, weg von diesem quälenden Begehren, das in ihr tobte, weg von jedem Gefühl, das sie für ihn empfand, und das ihr nichts als Schmerz bereitete.

Sie hörte, wie er nach ihr rief, doch sie stürzte blindlings davon. Heiße Tränen liefen ihr über die Wangen.

Ziellos irrte sie durch den Park und die Strassen, die unter der matten Straßenbeleuchtung still dalagen.

Eine Gruppe fröhlicher, offenbar angetrunkener Leute kam aus einem Hauseingang und musterte sie neugierig. Es war ihr egal, wie sie aussehen musste, mit verrutschtem Kleid, aufgelöstem Haar, verheulten Augen und Lippen, die noch geschwollen waren vom Küssen.

Seinen Küssen...

Warum tat er ihr das an? Warum weckte er diesen Hunger in ihr, wenn er sich doch wieder von ihr abwandte?

Das durfte er nicht! Sie würde nicht zulassen, dass er sie noch einmal so tief verletzte.

Ohne es zu merken, war sie zu dem unterirdischen Höhlenkeller zurückgekehrt, in dem sie gewesen waren. Der Schmerz, den sie empfand, als sie an den vergangenen Tag dachte, bereitete ihr Übelkeit.

Wie ein waidwundes Tier rollte sie sich auf einer Bank zusammen. Sie zog die Beine an den Körper und barg den Kopf auf den Knien.

Wie glücklich hatte sie sich heute gefühlt, als sie gemeinsam so herrlich unbeschwert durch diese wunderschöne Stadt gelaufen waren. Die rückhaltlose Hingabe, mit der sie auf seine leidenschaftlichen Liebkosungen reagiert hatte, verursachte ihr jetzt ein brennendes Gefühl der Scham. Sie verfluchte sich, sie verfluchte ihn und sie verfluchte diese ganze Mission, die sie hierher gebracht hatte!

Was hatte das alles aus der vernünftigen, mutigen und willensstarken Hermine Granger gemacht? Ein Häufchen Elend, das sich mitten in der Nacht in einer fremden Stadt die Augen aus dem Kopf heulte.

Mit einer entschlossenen Geste wischte sie sich über das Gesicht, stand auf und rückte ihr Kleid zurecht.

Einen jungen Mann, der gerade vorbeikam und sie freundlich anlächelte, erwischte ein grimmiger Blick aus zimtbraunen Augen, der ihn rasch das Weite suchen ließ. Ein tiefer zitternder Atemzug, und Hermine machte sich auf den Rückweg ins Hotel. Sie war stolz genug, um Sev... nein, Professor Snape nicht zu zeigen, wie sehr er sie aus der Fassung gebracht hatte.