Auf der Suche nach den Runen des Lichts


von Tamsyn und Nagini




Kapitel 6 - 11


Kapitel 6

Severus stand in der kleinen Küche und schmunzelte über den verwirrten Gesichtsausdruck der jungen Gryffindor.

Er trug diese Brille normalerweise nur privat und eigentlich hatte er auch nicht vorgehabt
das zu ändern aber er hatte vorhin schlicht und einfach vergessen sie abzunehmen, bevor er sie ansprach.

Allein der unbeschreibliche Ausdruck, der kurz in ihren Augen aufgeflackert war, hatte ihm bewusst gemacht, dass etwas nicht stimmte.
Er hatte diese kleine Vergesslichkeit seinerseits ohne merkliche Regung überspielt und kehrte gerade mit dem Kaffee in sein Wohnzimmer zurück, als er eben noch sah wie sie sich schnell wieder dem Buch widmete, so als wäre sie gerade aus ihren Gedanken gerissen worden.

"Sie sollten dann auch mal schlafen gehen.", sagte er leise aber bestimmt, nachdem sie ihren Becher halb ausgetrunken hatte.
Er setzte sich in einen der Sessel vor seinem Kamin und rückte sich mit einer automatischen Geste die Brille weiter nach oben.

Hermine nickte, während sie an dem Kaffe nippte.
Sie hatte auch das Gefühl, dass es besser wäre, wenn sie jetzt zu Bett ging.
Der Kaffee machte ihr nichts aus, wenn sie nicht schlafen konnte würde das eher an... der ganzen merkwürdigen Situation liegen.

Sie betrachtete den Mann der ihr mit einem kaum wahrnehmbaren Schmunzeln gegenüber saß. Als sein Blick ihre Augen traf stand sie auf.
"Ich werde jetzt gehen. Bis morgen... ", verabschiedete sie sich hastig, stellte die leere Tasse auf den kleinen Tisch neben ihr, sammelte ihre Bücher ein und ging.

Nervös betrat sie am nächsten Abend wieder die Räume des Zaubertrank- Meisters.
Snape rief sie auf ihr Klopfen hin hinein.
Er stand in der Mitte des Raumes und legte gerade zwei Kissen auf den dicken, dunkelgrünen Teppich vor dem Kamin.

Das Feuer, das darin loderte, war die einzige Lichtquelle im Raum, so dass der Schatten, den er warf, gespenstisch an der Wand tanzte.
Hermine zögerte, und erst, als er auf einem der beiden Kissen im Schneidersitz Platz genommen hatte, setzte sie sich auf das andere.

"Kommen Sie her, ich habe Ihnen ja erklärt was wir tun werden.", sagte er konzentriert.

Er schwang seinen Zauberstab im Kreis um sie beide und murmelte einen Spruch.
Damit hatte er den magischen Kreis erschaffen, der sie von der wirklichen Welt abhob.
Es war ein geschützter Raum, in dem sie den nun Kräften der Rune begegnen würden.
Er holte das kleine Säckchen hervor in dem er die Rune aufbewahrte, öffnete es und nahm sie heraus.

"Wir werden uns jetzt mit einem Finger das Zeichen Ingwaz auf die Stirn zeichnen und so die Verbindung zwischen uns und der Rune schaffen.", sagte er rau und seine Stimme vibrierte tief und kraftvoll in seiner Brust.
Severus beugte sich nach vorn, fixierte sie für einen Augenblick und hob seine Hand.
Er streckte seinen Zeigefinger aus und zeichnete mit raschen, leicht fahrigen Bewegungen das Zeichen der Ingwazauf ihre Stirn.

Dann setzte er sich wieder zurück und sah sie abwartend an.
Zögerlich näherte sie sich ihm.

ooooooo

Hermine schluckte.
Seine Finger waren kühl und weich und sie spürte das Zeichen, das er gemalt hatte wie Feuer auf ihrer Stirn brennen.

Sie rutschte ein wenig näher an ihn heran, um ihn erreichen zu können.
Er schloss die Augen, als sie die Hand hob, als wollte er die Berührung dadurch weniger intensiv machen.

Sie zeichnete eine Raute auf die glatte Haut seiner Stirn und setzte sich dann zurück.
Der Ausdruck seiner Augen, als er sie wieder aufschlug, war unergründlich.

Er schluckte ein paar Mal. Warum brachte ihre Berührung ihn denn so durcheinander?
Die Spur die ihr Finger auf seiner Haut hinterlassen hatte, schien zu glühen, so deutlich konnte er die Raute auf seiner Stirn spüren.

"Gut“, sagte er dann, inzwischen wieder in seinem gewohnten Tenor und straffte sich etwas.
"Nachdem wir es geschafft haben, zwei der einfachsten Figuren zu zeichnen, werden wir beide die Rune berühren müssen und versuchen, unseren Geist so gut wie möglich zu
entspannen, um ihre Botschaft empfangen zu können."

Er hielt die Rune in der Hand und streckte sie ihr entgegen.

Langsam streckte Hermine ihre Hand aus, als wolle sie ihn begrüßen. Ihre Hände umfassten sich, und sie legten die jeweils andere daran, so dass die Rune nun zwischen ihren beiden Handpaaren ruhte.
Seine Hände waren angenehm kühl, und er umschloss die ihren mit kraftvoller Behutsamkeit.
Sie schloss die Augen.

Ein leises Kribbeln ging von der Hand aus, die die Rune hielt.
Sie bemühte sich, nicht daran zu denken, das es Snapes Hände waren die sie umfasst hielten.
Dieser Gedanke war der Entspannung, die sie anstrebte, nicht sehr förderlich...
Tief durchatmend bemühte sie sich, alle Gedanken abzustellen.

Schließlich fühlte sie Ruhe in sich einkehren, das Kribbeln in der Hand verstärkte sich, zog den Arm hinauf und breitete sich in ihrem ganzen Körper aus. Auf ihrer Stirn fühlte sie die Raute erglühen und ein wilder Farbstrudel tanzte vor ihrem Auge.

Sie fühlte sich plötzlich ausgelassen und unbeschwert. Frey war ein fröhlicher Gott und teilte sich ihr so mit.
Hermine gab sich diesen Empfindungen hin und rutschte unbewusst ein Stückchen näher an Snape heran.

Sie spürte, wie er den Druck um ihre Hände verstärkte.
Nun begannen die Farben, die sie sah, klarere Formen anzunehmen.
Eine Raute, Ingwaz, trat deutlich hervor und änderte ihre Form in ein großes X.
Gebo ’, dachte Hermine. ‚ Die nächste Rune ist Gebo’

Sie flog über eine grüne Landschaft. Saftige Wiesen soweit sie schauen konnte.
Die düsteren Umrisse eines Schlosses tauchten vor ihr auf. Ein Kleeblatt. ein See...
‚Irland’, registrierte Hermine mit dem wachen Teil ihres Bewusstseins.

Dann bemerkte sie noch, dass sie Snape noch näher gekommen war.
Ihre Konzentration ließ nach, sie spürte, wie sie schwächer wurde.
Die Bilder verblassten, doch sie öffnete die Augen nicht.

Nur einen Moment...’, dachte sie noch, bevor sie langsam zu Boden sank.

ooooooo

Severus öffnete langsam die Augen. Sein Kopf dröhnte und er kniff schmerzerfüllt die Augen zusammen.

Er lag am Boden in seinem Wohnzimmer und brauchte eine ganze Weile, um wieder vollständig Herr seiner Gedanken zu werden.
Das letzte an das er sich erinnerte, war Hermines Gesicht.

Dann hatte ihn eine Welle bunter Farben mitgerissen und er hatte das Gefühl gehabt, zu fliegen.
Es war wie ein besonders intensiver Traum gewesen. Zuerst hatte er die Raute gesehen, Ingwaz’ Zeichen.

Dann hatte sich das Symbol verwandelt und war zu einem Xgeworden.
Die Landschaft, die er zu überfliegen schien, war wunderschön.

Auf den sattgrünen, mit groben Steinmauern eingefassten Wiesen grasten Unmengen von Schafen.
Das Schloss das sich vor ihm erhob, lag am Rande eines kleinen Sees.
Es war ein würfelförmiges festungsartiges Bauwerk.
Immer schneller schien er die Ländereien zu überfliegen, es wurde langsam dunkler und die frischen Farben verschwammen bis eine undurchdringliche tiefe Schwärze ihn einhüllte.

Nachdem er nun langsam rekonstruiert hatte, was bei der Sitzung passiert war, setzte er sich langsam auf.

Sein Kopf schmerzte inzwischen höllisch und er zog scharf die Luft ein als ihm schwindelig wurde.
Dann sah er sie neben sich auf dem Boden liegen. Hermine! War ihr etwas passiert?
Sie war eine Frau und körperlich bedeutend schwächer als er.
Wenn er von der Vision derart geschwächt wurde das er in Ohnmacht gefallen war, könnte sie womöglich ernsthaft verletzt worden sein.

Hektisch richtete er sich auf, ohne weiter auf das Stechen hinter seinen Augenlidern zu achten
und beugte sich über Hermine.
Er näherte sich ihrem Gesicht und war erleichtert, als er ihre tiefen gleichmäßigen Atemzüge vernahm. Sie war anscheinend von der Ohnmacht in einen tiefen Schlaf gefallen.

Er beschloss, zunächst einmal etwas gegen seine Kopfschmerzen zu tun und ging hinüber in sein kleines Privatlabor, um sich seinen speziellen, schnell wirkenden Schmerztrank zu holen.
Als er zurückkam, lag sie noch immer auf dem Rücken und schien fest zu schlafen.
Er seufzte und bückte sich, um sie hochzuheben.

Ihr Gesicht ruhte an seiner Brust und ihre wilden Locken streichelten seine Wange
als er sie in sein Schlafzimmer hinüber trug, sie vorsichtig auf dem Bett ablegte und eine Decke über sie breitete.

ooooooo

Hermine hörte von weither eine Stimme ihren Namen rufen. Doch sie antwortete nicht.
Sie kuschelte sich tiefer in etwas Weiches, Wohlriechendes.
Ein warmer Geruch nach Sandelholz hüllte sie ein. Sie kannte diesen Duft irgendwo her.
Er erinnerte sie an etwas...

Mit Bedauern spürte sie, das sie langsam aber sicher erwachte.
Sie schlug seufzend die Augen auf und setzte sich mit einem Ruck auf.
Das hätte sie besser bleiben lassen!

Ein heftiger Schmerz fuhr durch ihren Kopf und sie sank aufstöhnend zurück.

Sie versuchte durch das hämmernde Dröhnen zu rekonstruieren, was geschehen war.
Die Rune... die Entschlüsselung... sie war so müde geworden...
Leichte Röte überzog ihr Gesicht. Sie war eingeschlafen!

Und so, wie es aussah, hatte Professor Snape, sie auf sein Bett gelegt und stand nun neben ihr, darauf wartend, das sie endlich aufstehen würde.
Zögernd öffnete sie wieder die Augen und ein Becher tauchte in ihrem Blickfeld auf.
Sie griff danach, setzte sich ein wenig auf und trank.

Es war bitter und sie würgte kurz, da sie Wasser erwartet hatte.
Doch schon begann sie zu spüren, dass der rasende Schmerz in ihrem Kopf dumpfer wurde, und schließlich zu einem sanften Brummen wurde, das sie gut ertragen konnte.
Jetzt setzte sie sich vollends auf.

Danke“, flüsterte sie.

Sie barg kurz das Gesicht in den Händen und fuhr sich durch die Haare, die sich größtenteils aus dem Zopf gelöst hatten.

Dann schwang sie die Beine vom Bett und blieb noch einen Moment sitzen, bis sie meinte, ihren weichen Knien trauen zu können.
„Entschuldigen Sie, Professor, es ist mir sehr peinlich...“

Sie sprach, den Blick auf ihre Füße gerichtet, und wartete auf einen Kommentar seinerseits.
Doch nichts kam und sie schaute zu ihm auf. Er musterte sie nur schweigend.
Überrascht klassifizierte sie seinen Blick nicht als ärgerlich oder höhnisch, sondern als... war es möglich? ... besorgt?

Die nächste Rune ist Gebo und sie ist in Irland“, sprudelte sie plötzlich hervor.
Er nickte langsam und ihr wurde klar, dass sie mit der Entschlüsselung der ersten Rune erfolgreich gewesen waren. Sie seufzte.
„Wie viele Runen sagten Sie, liegen noch vor uns?“

ooooooo

Nachdem der hämmernde Schmerz aufgrund des Trankes etwas nach gelassen hatte, hatte er einen Augenblick Zeit gehabt sich näher mit dem Wissen zu beschäftigen, das er aus der Vision hatte.

Die nächste Rune würden sie also in Irland finden, wahrscheinlich in diesem Schloss das er gesehen hatte.
Die Frage war nur: Wo in Irland? Wo befand sich dieses Schloss?
DasX das er gesehen hatte, kannte er. Es war das Symbol Gebos.

Er musste Hermine unbedingt noch nach der genauen Bedeutung der Rune fragen und nach den Details ihrer Vision.
Vielleicht hatte sie noch andere Dinge sehen können.
Dinge die ihnen vielleicht einen Anhaltspunkt über den genauen Ort, an dem sie Gebo suchen mussten, gab.

Als er an Hermine dachte, kam ihm der Gedanke dass sie wahrscheinlich ebenso heftige Kopfschmerzen haben würde, wenn sie aufwachte.
Nachdem er den gleichen Schmerztrank, den er eingenommen hatte, noch einmal für sie zubereitet hatte, ging er hinüber in sein Schlafzimmer und versuchte, sie zu wecken.
Er sprach sie einige Male vorsichtig an und beugte sich schließlich etwas nach vorn.
Zögerlich streckte er die Hand nach ihrer Schulter aus.

Sollte er...? Durfte er sie berühren?
Schließlich tippte er sie mit einer schnellen Bewegung leicht an und zog sofort seine Hand wieder zurück.

Langsam öffnete sie zunächst die Augen, bevor sie ganz wach wurde und ruckartig aufschreckte.
Der Ausdruck in ihren Augen bestätigte seinen Verdacht, und er hielt ihr wortlos den Becher mit dem Schmerztrank entgegen.

Er nickte leicht als sie ihm den Becher zurückgab und sich bei ihm bedankte.
Nachdem sie ihre Beine aus seinem Bett geschwungen hatte wartete er einen Augenblick und gab ihr Zeit den Schwindel, den sie zweifellos fühlte, zu unterdrücken, bevor er auf ihre Frage antwortete.

" Ich weiß...“, sagte er leise." Ich habe das Xauch gesehen und kenne es als Symbol Gebos
Was genau haben Sie in Irland gesehen? Haben Sie einen Anhaltspunkt, wo wir suchen müssen?“
Er lehnte sich an den Bettpfosten zu ihrer linken und musterte sie fragend.
Als sie nicht gleich antwortete, nutzte er die Gelegenheit.

" Vielleicht sollten Sie einen Schlafanzug mitbringen- falls sie bei den kommenden zwölf Visionen auch ohnmächtig werden.", sagte er spitz und verzog spöttisch seinen Mund.

Dass es ihm nicht besser ergangen war, verschwieg er ihr einfach.

Sie funkelte ihn verärgert an. "Das habe ich mir nicht ausgesucht!", giftete sie.
Hastig stand sie vom Bett auf.
Sie erzählte ihm, was sie gesehen hatte, und sie stellten fest, dass es sich nicht allzu sehr voneinander unterschied.

Welche Burg in Irland nun gemeint war, würden sie noch herausfinden müssen, aber nun hatte Hermine es eilig, in ihr eigenes Zimmer zu kommen.
Ihr Kopf fühlte sich immer noch nicht gut an, und sie fand, dass sie an diesem Abend genug für die gute Sache getan hatte.

Sie verabschiedete sich von Snape und eilte durch die Gänge, inständig hoffend, dass sie nicht etwa Filch über den Weg laufen würde.
Obwohl es schon sehr spät war, begegnete sie im Gryffindor- Gemeinschaftsraum noch einigen Klassenkameraden, die sie fragend anstarrten.
Hermine murmelte etwas von "Krummbein gesucht" und verschwand in ihrem Schlafraum, der als Schulsprecherin ihr allein gehörte.

Was hätte sie auch sagen sollen? 'Oh, ich komme gerade aus Professor Snapes Bett!'
Sie kicherte bei dem Gedanken an die entsetzten Gesichter, die diese Antwort mit Sicherheit hervorgerufen hätte.

Rasch zog sie sich um und legte sich aufseufzend in ihr Bett.
Ihr letzter Gedanke war, das sie ihn morgen früh im Unterricht hatte, und er garantiert kein Verständnis dafür haben würde, wenn sie müde und unkonzentriert war.

Einen Schlafanzug mitbringen, also ehrlich...







Kapitel 7

Severus ließ einen genervten Blick über die Klasse schweifen und blieb an einer Schülerin hängen, die wie immer schon vor allen anderen fertig war und nun bereits dabei war, ihren Arbeitsplatz zu säubern.
„Vielleicht hätten Sie die Güte mir zuerst ihr Ergebnis zur Begutachtung nach vorn zu bringen, Miss Granger?“, schnarrte er und sah sie finster an.
„Oder sind Sie so von sich überzeugt alles richtig gemacht zu haben, dass Sie nicht einmal mehr das Urteil ihres Lehrers benötigen?“, setzte er kalt hinzu und sah sie hochmütig an.
Als sie daraufhin mit einem Probefläschchen ihrer Arbeit nach vorne kam, es ablegte und sich sofort wieder zum gehen umwandte, war er mit einem Satz aufgesprungen.

Miss Granger!“, bellte er und schlug mit der flachen Hand auf den Tisch.

Einige der Schüler zuckten zusammen und sahen von ihrer Arbeit auf, um das Schauspiel zu verfolgen.

Wagen Sie es nicht, mich hier stehen zu lassen!“

Er sah sie mit einem intensiven Blick aus seinen schwarzen Augen an, bevor er seine Aufmerksamkeit der Klasse zuwandte.

Kümmern Sie sich um ihre Angelegenheiten! Abgabe in fünf Minuten!“, blaffte er und sofort war das vertraute Klappern und Knirschen zu hören, das den Fortgang der Arbeiten anzeigte.
Hermine stand noch immer vor seinem Schreibtisch und sah ihn fragend und mit einer Spur Verunsicherung an.

Hinsetzen!“, kommandierte er, und Hermine gehorchte wortlos.
Auch er nahm wieder Platz und hielt ihr Röhrchen gegen das Sonnenlicht, das durch die großen Fenster ins Klassenzimmer fiel. Nach ausgiebiger Begutachtung verkorkte er es und hielt es ihr wieder hin.

Da Ihr Trank keinen Grund zur Beanstandung zulässt, verzichte ich darauf Ihnen für Ihre Unverschämtheit Punkte anzuziehen."

Er lehnte sich zurück und sah auf seine Taschenuhr.
„Abgabe! Jetzt!“, bellte er und die Schüler füllten eilig Proben ihrer Gebräue in Phiolen ab und beschrifteten sie um sie in die Holzständer auf Snapes Schreibtisch zu stellen. Als der letzte Schüler gegangen war, richtete er sein Wort wieder an Hermine.

Wenn Sie weiterhin gut mit mir auskommen wollen, sollten Sie es unterlassen mich derartig zu reizen, Miss Granger.“, sagte er und rückten die Holzständer auf seinem Schreibtisch zurecht.
„Ich habe heute Morgen Nachricht vom Ministerium bekommen und weiß nun, wo wir Gebo suchen müssen. Kommen Sie heute abend um acht zu mir. Und passen Sie auf das Sie niemand sieht!“

Er musterte sie über den Tisch hinweg. Ihre zimtfarbenen Augen erwiderten seinen Blick und hielten ihm stand. Länger als es andere Schüler gewagt hätten. Dass sie so zurückstarrte verwirrte ihn. Er empfand es als unangenehm, weil er das Gefühl hatte, einem legilimentischen Verhör ausgesetzt zu sein. Natürlich würde er es merken, wenn sie versuchte seine Gedanken zu lesen, er hatte viel zu viel Übung darin. Trotzdem war er es, der den Blickkontakt unterbrach.

Sie können jetzt gehen. Seien Sie pünktlich, wir haben viel zu besprechen.“, sagte er nun wieder in sanfterem Ton, der in krassem Gegensatz zu seinem Klassenraumtenor stand.
Sie erhob sich, und packte ihre Sachen fertig zusammen.

Und denken Sie an die Deutung Gebos...“, erinnerte er sie.

Nachdem sie gegangen war, saß er noch eine Weile da und sah die Tür an, die sich hinter ihr geschlossen hatte.

ooooooo

Hermine atmete tief durch, bevor sie an diesem Abend wieder an Professor Snapes Türe klopfte. Sie hatte heute neben ihrem umfangreichen Schulpensum auch noch ein kleines Referat über die Bedeutung Gebos angefertigt, wie der Professor es verlangt hatte.
Sie klopfte und Snape rief sie herein.
Er saß an seinem Schreibtisch, blätterte in ein paar Unterlagen und bedeutete ihr, ohne aufzusehen, auf dem Stuhl vor seinem Schreibtisch Platz zu nehmen. Hermine setzte sich und benutze die Gelegenheit, um ihn zu beobachten. Heute Morgen war er wieder einmal besonders reizend zu ihr gewesen, doch merkwürdigerweise hatte es ihr nicht besonders viel ausgemacht. Sei es, weil sie sich an seine Unfreundlichkeit gewöhnt hatte, sei es, weil sie erfahren hatte, dass er auch anders sein konnte...
Sie wusste es nicht.
Er trug wieder seine Brille und bevor Hermine sich darüber klar werden konnte, ob sie es war, die ihn so anders als heute morgen im Klassenraum erscheinen ließ, sah er auf und forderte sie auf, ihm etwas über Gebo zu erzählen. Hermine nickte und begann pflichtschuldig aufzuzählen, was sie wusste.

Gebo soll daran erinnern, dass ein Geschenk immer ein Gegengeschenk verlangt. Man muss geben, um zu empfangen. Gebo verkörpert das Gleichgewicht zwischen den gegensätzlichen Kräften. Die Rune wird benutzt, um Menschen zu verpflichten, und in den alten Zeiten war sie ein Symbol für ein Heiratsversprechen.“

ooooooo

So so...“, machte er und sah sie über den Rand seiner Brille hinweg, fragend an.

Und haben Sie auch herausgefunden, um welche Art von Verpflichtungen es sich dabei handelt?“

Er wartete ihre Antwort, wie so oft, nicht ab, sondern widmete sich wieder seinen Papieren. Nach einem Augenblick des Sortierens hielt er ein kleines, gefaltetes Pergament mit dem Wachssiegel des Ministeriums in seinen Händen.

Ich habe gestern eine Eule ins Ministerium geschickt und um Angaben gebeten welche Schlösser in Irland vom Alter her für unsere Suche in Frage kommen und welche von ihnen einen Bezug zu unserer Welt haben könnten."

Er machte eine kurze Pause.

Heute Morgen habe ich Antwort erhalten und demnach kommen, vom Alter her, nur zwei Schlösser in Frage. Eines liegt in Kildare und eines in Connemara. Ashford Castle stimmt zwar vom Alter her, aber die Grafschaft Galway, zu der Connemara gehört, hat keine nachvollziehbare Verbindung zur Zaubererwelt.“

Er lehnte sich bequem zurück und nahm seine Brille ab.

Anders ist es bei Kilkea Castle in Kildare. Es wurde nicht nur zur fraglichen Zeit, nämlich 1180 erbaut, es wurde auch im Auftrag eines gewissen Walter de Riddlesford errichtet, der ein Anhänger der dunklen Mächte war und als Geächteter in der Muggelwelt leben musste. Wenn er kein Interesse daran hatte der magischen Welt zu schaden, wer sonst?“

Fahrig strich er sich durch seine schwarzen Haare und setzte die Brille wieder auf.

Wir werden Ingwaz mitnehmen müssen. Sie wird uns zu Gebo führen. Ansonsten dürfte die Suche wohl etwas länger dauern, weil wir davon ausgehen müssen, dass die Rune irgendwo im Schloss verbaut worden ist.“

Er stand auf und beugte sich leicht zu ihr nach vorne während er sich auf dem Tisch abstützte.

Gehe ich recht in der Annahme dass Sie ebenfalls einen Kaffee wollen?“, fragte er und deutete ein Lächeln an.

ooooooo

Hermine konnte einen erleichterten Seufzer nicht vermeiden. Sie hatte befürchtet, dass er sich ähnlich wie im Unterricht benehmen würde, aber es schien tatsächlich noch einen anderen, umgänglicheren Snape zu geben, und sie hatte das Glück, ihm manchmal zu begegnen.
„Ja, sehr gerne.“, sie lächelte und sah sich die Unterlagen an, die er ihr gereicht hatte, bevor er in die Küche ging, um Kaffee zu machen.

Sie besprachen die Details der Reise und Hermine begann, sich beinahe behaglich zu fühlen. Sich behaglich fühlen in Professor Snapes Büro... Schade eigentlich, dass sie Harry nicht davon erzählen konnte.

Am nächsten Nachmittag machte sie sich mit einer kleinen Reisetasche auf den Weg zum verbotenen Wald, wo sie auf Snape traf, der ihr schon ungeduldig den Kamm entgegenhielt, der sie in die Winkelgasse brachte.

Nachdem sie dort wieder Muggel- Geld abgeholt hatten, apparierten sie zur Fähre nach Holyhead.
Hermine ging es nicht besonders gut auf der relativ kurzen Überfahrt. Erst der Portschlüssel und jetzt dieses Geschaukel im Wellengang. Sie stellte sich an die Reling, atmete tief durch und fixierte einen festen Punkt am Horizont. Es nutze nichts- ihr war immer noch übel. Dann erinnerte sie sich an ein Spiel, mit dem ihre Mutter sie immer abgelenkt hatte, wenn ihr auf Reisen übel wurde.

Was glauben Sie ist dieser Mann dort von Beruf?“, fragte sie Snape, der neben ihr stand, und deutete diskret auf einen wohlbeleibten Herrn mittleren Alters, der es sich in einem der Sessel an Bord gemütlich gemacht hatte.

ooooooo

Severus beobachtete Hermine mit einer Mischung aus Spott und Mitleid als sie sich so über die Rehling beugte. Ihr blasses Gesicht und die um das Geländer verkrampften Hände zeigten ihm, das ihr wirklich ziemlich schlecht sein musste

Wollen Sie mich veralbern?“, fragte er, als sie den älteren Mann erwähnte.

Hermine erklärte ihm kurz den Sinn des Spiels, das er natürlich nicht kannte und konzentrierte sich dann wieder darauf das spärliche Mittagessen das sie zu sich genommen hatte, nicht den Fischen zu überlassen.

Arzt, würde ich sagen.“, sagte Snape auf einmal und sah sie belustigt an.

Ein vergnügtes Lächeln erschien auf Hermines blassen Lippen.
„Ich hatte eher an Metzger gedacht...“

Sie spielten eine Zeitlang, wobei sie sich eher selten einig waren. Dann bäumte das Schiff sich kurz auf und Hermine wurde noch blasser.

Sie werden sich jetzt für einen Moment hinlegen!“, sagte Snape knapp.

ooooooo

Hermine hatte nicht die Kraft, ihm zu widersprechen und eigentlich auch gar keine Lust dazu. Er winkte einen Steward herbei und erklärte ihm das Problem. Mit zittrigen Beinen legte sie sich auf eine schmale Pritsche, die der junge Mann ihr zeigte und nahm die Tablette, die dieser ihr gab. Sie schenkte Snape noch ein schwaches aber dankbares Lächeln und schloss dann die Augen.

Heilfroh begrüßte sie es, in Dublin wieder festen Boden unter den Füssen zu haben. Denn auf den nächsten Teil der Reise freute sie sich unbändig. Sie würden ein Leihauto nehmen und sie sollte fahren!
In den Sommerferien hatte sie ihren Führerschein gemacht und noch nicht viel Gelegenheit gehabt, ihn zu nutzen.

Nachdem er es geschafft hatte, dass sie sich ein wenig ausruhte war er wieder an Deck gegangen und sah nun auf die unruhige See hinaus. Er war schon häufig mit einem Schiff gefahren und hatte daher keine Probleme mit den ungewohnten Bewegungen.

Sie hingegen hatte wirklich ziemlich elend ausgesehen und er wollte nicht riskieren, dass sie mit dem Leihwagen an den nächsten Baum fuhren, wenn sie in einer halben Stunde von Bord gingen.
Als sie Dublin erreicht hatten, mieteten sie einen Wagen und er setzte sich widerwillig neben Hermine auf den Beifahrersitz. Er hasste es, wenn er über etwas keine Kontrolle hatte.
Einige Kilometer fuhren sie schweigend und er beobachtete, wie sicher Hermine das Auto steuerte. Insgeheim bewunderte er sie sogar dafür, wie problemlos sie den Spagat zwischen zwei vollkommen verschiedenen Welten schaffte.

Ist das eigentlich schwer?“, fragte er, als sie gerade durch Kildare fuhren.

Alles Übungssache…und man hat ja zuerst einen Lehrer der einem zeigt wie es funktioniert.“, antwortete sie im Plauderton.
Sie sah noch immer etwas angeschlagen aus, aber langsam nahm ihr Gesicht wieder eine normale Farbe an. Nach einer guten Stunde Fahrt waren sie in Castledermot angekommen und Kilkea Castle erhob sich vor ihnen. Hermine steuerte den Wagen in eine Parklücke und stellte die Zündung aus.

ooooooo

Sie war sehr stolz auf sich. Sie war nach der Führerschein-Prüfung erst wenige Male gefahren, und fand, dass sie sich ganz passabel geschlagen hatte. Da Snape sich mit bissigen Kommentaren zurückgehalten hatte, hatte auch er wohl nicht allzu viel daran auszusetzen gehabt.

Am Empfang bekamen sie zwei Zimmerschlüssel ausgehändigt, und Hermine freute sich, dass es nach Mrs. Byrons leicht schäbiger Pension diesmal ein sehr nobles Hotel war, in das die Suche nach der nächsten Rune sie führte. Staunend betrat sie ihr Zimmer, das im Stile des 19. Jahrhunderts gehalten war. Üppige dunkelrote Stoffe verzierten das Himmelbett und glänzten auf den Sesseln. Sie packte ihre Sachen aus und gönnte sich eine ausgiebige heiße Dusche, unter der sie die letzten Reste ihrer Reisekrankheit abschüttelte. Snape hatte gesagt, dass er sie in einer Stunde zum Abendessen abholen würde, und so beeilte sie sich damit, sich umzuziehen.

Eine Zeitlang starrte sie sich in dem großen, goldgerahmten Spiegel an.

Eigentlich hatte sie immer praktische, unkomplizierte Kleidung bevorzugt, aber so langsam begann sie Gefallen daran zu finden, sich hübsch herzurichten. Das cremeweiße Kleid, das sie trug, hatte ihre Großmutter ihr vor zwei Jahren geschenkt, mit der Bemerkung, sie sei ja nun eine junge Dame und könne beginnen, so etwas zu tragen. Aber wo hätte sie das tun sollen? Die wenigen Anlässe in Hogwarts, zu denen das Kleid gepasst hätte, waren dünn gesät, und sich mit einem Kleid in die Bibliothek zu setzen wäre schließlich mehr als albern gewesen.

Hier war ein Anlass! Ein Abendessen in einem edlen Restaurant, und zum ersten Mal war sie ihrer Großmutter dankbar für das Geschenk. Es hatte schmale Spaghettiträger und ein Oberteil im Empirestil von dem der Stoff in weichen Bahnen ihren Körper umspielte. Der einzige Schmuck, den sie trug, waren die Ohrringe, die sie bereits zum Yule-Ball während des trimagischen Turniers getragen hatte, und sie war froh, dass eine kleine Jacke zum Kleid gehörte, die sie sich ein wenig angezogener fühlen ließ.

Hermine kicherte.

Wer hätte gedacht, dass sie es mal zu einem Abendessen mit Professor Snape tragen würde?

Die Haare hatte sie sich hochgesteckt und sie trug gerade einen Hauch von Lipgloss auf, als es leise klopfte. Nach einem letzten zufriedenen Blick in den Spiegel ging sie zur Tür um zu öffnen.

Snape stand vor ihr, und für einen kurzen Moment stockte ihr der Atem.

ooooooo

Severus hatte das Zimmer gleich neben Hermines. Die Einrichtung entsprach dem gleichen Stil, den er in Hogwarts bevorzugte. Kilkea Castle erinnerte ihn überhaupt sehr an Markree Castle. Sein Zu Hause, das an der Küste Donegals stand, inmitten der überwältigenden Connemara und das er schon seit so langer Zeit nicht mehr gesehen hatte. Er schüttelte kurz den Kopf um sich von seinen Gedanken zu befreien und trat auf den, mit dicken roten Teppichen ausgelegten Gang, um wenig später an Hermines Tür zu klopfen.

Als sie öffnete dachte er einen Moment lang das er, ganz in Gedanken versunken in die falsche Richtung gelaufen war und sich möglicherweise im Zimmer geirrt hatte. Nur langsam registrierte er, dass diese bezaubernde junge Frau tatsächlich Hermine Granger war. Er hätte sie nur beinahe nicht erkannt! In ihrem wunderschönen Kleid, dem dezenten Schmuck und den hochgesteckten Haaren sah sie aus wie eine Lady.

'Wie eine Braut', dachte er und fragte sich im selben Moment wie er nur auf einen solchen Gedanken kam.

Er selbst trug einen schwarzen, im viktorianischen Stil gehaltenen Anzug mit einem hochgeschlossenen weißen Kragen und Manschetten die ihm bis zu den Fingerknöcheln reichten.

Diese Art von Kleidung trug er normalerweise auch in Hogwarts, nur war dieser Anzug für die eleganteren Anlässe gedacht.

Sie trat langsam auf ihn zu und drückte ihm ihr kleines Täschchen in die Hand. „Würden Sie mal bitte...“

Dann stellte sie sich etwas auf die Zehenspitzen und zupfte mit der Hand einige Falten aus dem weißen Kragen seines Anzugs.

Besser so?“, fragte sie und nahm ihm die kleine Tasche wieder aus der Hand. Er hielt ihr seinen Arm hin, sie hakte sich unter und so gingen sie den Rest des Weges schweigend nebeneinander her.
Sie hatte ihn angefasst! Einfach so hatte sie ihm den Kragen gerichtet, ohne sich darum zu kümmern, ob es ihm recht war oder nicht. So selbstverständlich...
Er musste ein Urteil revidieren. Nicht Harry Potter, sondern Hermine Granger war der mutigste Schüler Hogwarts!

Als ihnen der Ober einen Tisch zugewiesen hatte, bestellten sie zunächst etwas zu trinken und nahmen dann die Speisekarte entgegen. Severus blätterte einige Minuten in der Karte herum und legte sie dann auf den Tisch. Hermine sah ihn fragend an, als er begann in einer seiner Taschen zu wühlen und versteckte ihr Grinsen schnell hinter der Karte, als er seufzend seine Brille aufsetzte.

ooooooo

'Dabei steht sie ihm doch so gut’, dachte Hermine, während sie beobachtete, wie er eher widerwillig seine Brille hervorholte.
Überhaupt konnte sie heute Abend nicht umhin, zu bemerken, dass Professor Snape ein durchaus attraktiver Mann war. In diesem Anzug...

Lächelnd erinnerte sie sich an seinen fassungslosen Gesichtsausdruck, als sie seinen Kragen richtete.
Dabei war es ihr ganz natürlich vorgekommen, ihm behilflich zu sein. Als sie die Treppe zur Eingangshalle herab geschritten waren, war er groß, schlank und dunkel neben ihr hergegangen und Hermine hatte sich an den Yule-Ball erinnert gefühlt. Damals war es Victor gewesen, dessen Aufmerksamkeit ihr geschmeichelt hatte.
Wie damals hatte sie auch heute die Blicke der anderen auf sich gespürt; Blicke voller Bewunderung, aber auch manche, die ihr die Begleitung eines solchen Mannes neideten. Und Hermine war stolz darauf gewesen, in diesem Augenblick an seine Seite zu gehören. Jetzt saß sie ihm gegenüber und plauderte mit ihm über die verschiedenen magischen und nichtmagischen Möglichkeiten zu reisen. Der Abend verging wie im Fluge bei gutem Essen, leichter Weinschorle und vergnügter Plauderei.
Hermine vergaß, dass dies ihr grimmiger Zaubertranklehrer war.
Sie genoss es einfach, die Zeit mit diesem Mann zu verbringen und verspürte leises Bedauern, als das Essen sich unweigerlich seinem Ende zuneigte.
Sehnsüchtig schaute sie aus dem Fenster, wo sich ein wundervoller Park zum Spazierengehen anbot.
Sicher würde er nicht...
Oder doch?







Kapitel 8

Entgegen seiner Befürchtungen hatte sich die Zusammenarbeit zwischen ihm und Hermine gar nicht so schlecht entwickelt. Er hatte inzwischen sogar Gefallen daran gefunden, neben der Suche Zeit mit ihr zu verbringen. Sie war intelligent, eine interessante Gesprächspartnerin und hatte einen wundervollen Humor.
Gerade sah er ihr zu, wie sie einige grüne Bohnen auf ihre Gabel pickte und in den Rest der Käsesoße tauchte. Sie hatten mit dem Lammrücken in Roquefortsoße ein typisch irisches Gericht gewählt das er seit seiner Kindheit liebte und irgendwie freute es ihn, dass es ihr zu schmecken schien.

Nachdem sie gegessen und noch eine Weile ungezwungen geplaudert hatten, stellte sich Stille ein und Hermine begann leicht unruhig zu werden und aus dem großen Fenster an der rechten Seite des Tisches zu sehen.
Von hier aus hatte man einen grandiosen Blick über einen wunderschön gepflegten Park.
„Hermine...? Miss Granger...!“, verbesserte er sich schnell.
„Ich werde jetzt etwas spazieren gehen. Wenn Sie gern mitkommen würden...?“, fragte er möglichst unverfänglich und lehnte sich etwas zurück.

Dass sie seine Einladung zum spazieren gehen so freudig angenommen hatte, erheiterte ihn. Eigentlich sagte sie doch sonst auch was sie dachte und hielt sich mit ihrer Meinung selten zurück. Warum hatte sie nicht einfach gefragt, ob er sie begleiten würde?

Der Park war wundervoll und die letzten Strahlen der Abendsonne wärmten sie.
Er dachte daran dass sie noch gar nichts von seinem Vorhaben wusste, nach der Bergung der Rune einen Umweg nach Markree Castle zu machen.

Er war schon seit Monaten nicht mehr zu Hause gewesen und normalerweise apparierte er zwischen Hogsmeade und dem Schloss hin und her. Er hatte mit dem Schulleiter besprochen, diese Gelegenheit nutzen zu wollen und Dumbledore hatte ihnen einen zusätzlichen Tag eingeräumt.

Schweigend gingen sie nebeneinander her, jeder seinen eigenen Gedanken nach hängend. An einem Brunnen machten sie eine Pause. Hermine setzte sich an den steinernen Rand und ließ eine Hand durchs Wasser gleiten.

Wenn das Licht der Abendsonne in bestimmtem Winkel auf ihre Haare fiel, schimmerten sie in verschiedenen Nuancen und ihre Augen veränderten, je nach Lichteinfall geringfügig ihre Farbe.

In diesem Kleid sah sie wirklich hinreißend aus und hatte heute Abend viele bewundernde Blicke auf sich gezogen. Etwas von ihrem Glanz war auch auf ihn abgefärbt, da er in ihrer Begleitung war.
Still und die Arme vor der Brust verschränkt sah er zu, wie sie auf dem Rand des Brunnens saß.

Sie war in den vergangen Jahren wirklich sehr anziehend geworden und er beneidete den Mann, dem sie einmal ihr Herz schenken würde.

ooooooo

Hermine genoss es, die letzten Sonnenstrahlen des Tages auf ihrem Gesicht zu spüren.

Was für ein schöner Abend!

Und dass sie ihn mit Professor Snape verbrachte... fühlte sich merkwürdigerweise irgendwie richtig an.

Sie gingen langsam zurück und als sie sich vor ihrem Zimmer verabschiedeten, konnte Hermine nicht anders, als sich lächelnd bei ihm zu bedanken. Er sah sie nur ernst an, nickte knapp und ging in sein Zimmer.

Am nächsten Morgen saß er bereits am Frühstückstisch, als sie herunterkam.

In einer Stunde würde die erste Führung durch die historischen Räume des Schlosses beginnen, in denen sie die Rune vermuteten.

Kilkea Castle war eines der ältesten Schlösser Irlands und die Führung führte durch mehrere Räume.

Die Eingangshalle war voll gestellt mit den unterschiedlichsten Rüstungen, es folgten Wohnräume, in denen sie die karge Gemütlichkeit vergangener Zeiten bewundern konnten. In der Ahnengalerie blickten sämtliche Riddlesfords missbilligend auf die Besucherscharen herab und anschließend gab es noch mehrere Schlafzimmer. Snape und Hermine musterten die Räume mit deutlich mehr Interesse als die übrigen Besucher, die ein wenig stumpfsinnig in ihren Filzpantoffeln einher schlurften. Trotzdem wurden sie nicht fündig, so dass sie die Führung ein zweites Mal mitmachen mussten.

Nach dem Mittagessen besuchten sie die Führung dann ein drittes Mal. Hermine hoffte inständig, dass sie dieses Mal einen Hinweis finden würden. Sie glaubte es nicht ertragen zu können, die bewegte Geschichte des Schlosses noch einmal in allen Details zu hören. Snape und sie tauschten amüsierte Blicke, wenn der Führer sich immer wieder an denselben Stellen seines Vortrags verhaspelte und vergnügten sich damit, still zu soufflieren, wenn er stockte.

In dem jungen Mann, der die Führungen leitete, erkannte Hermine ihren Kellner von vorherigen Abend wieder. Entsetzt bemerkte sie, dass dieser ihr vertraulich zuzwinkerte. Glaubte er etwa, dass sie die Führung seinetwegen mehrere Male machte?

Als er versuchte, sich ihr zu nähern, griff sie rasch nach Snapes Arm und hakte sich bei ihm ein.

Mit einem beschwörenden Blick bedeutete sie dem irritiert dreinschauenden Professor sich nicht von ihr zu lösen. Offensichtlich hatte ihr Manöver Erfolg, denn der kellnernde Reisegruppenleiter bemühte sich nach einem enttäuschten Blick nicht mehr, Kontakt zu ihr aufzunehmen.

Im letzten Raum der Führung, dem großen Schlafzimmer, spürte sie, dass Snape sich versteifte. Sie sah ihn fragend an und folgte seinem Blick.

An den oberen Enden der Säulen, die das Zimmer umsäumten, waren deutliche Sonnensymbole zu erkennen. Die Verzierungen konnten durchaus genug Raum bieten, um eine kieselsteingroße Rune darin zu verbergen. Leider war es ihnen nicht möglich, unbemerkt zurückzubleiben, so das sie die Räume mit der restlichen Gruppe verlassen mussten und mit gequälten Gesichtern ein viertes Mal an einer Führung teilnahmen, der letzten des Tages.

ooooooo

Die Touristen trabten dem jungen Mann in ihren Filzpantoffeln hinterher, wie eine Herde irischer Schafe auf dem Weg zur Weide.

Severus verdrehte genervt die Augen als der Führer, vor dessen Ambitionen Hermine vorhin bei ihm Schutz gesucht hatte, die inzwischen gar nicht mehr so spannende Geschichte der Riddlesfords und ihres Schlosses in allen Details vor dem begeisterten Publikum breittrat. Er hörte Hermine neben sich seufzen und fing ihren gequälten Blick auf, als gerade die denkwürdige Schlacht zwischen dem Clan der O'Moores und Lord Justice im Jahre 1414 erwähnt wurde.

Der junge Schlossführer schilderte das Ereignis in so schillernden Farben, als hätte er selbst Kilkea Castle an der Seite des Lords erobert.

Seine Gedanken schweiften ab zu der vorigen Führung, als sie sich plötzlich bei ihm eingehakt und ihn so selbstverständlich für sich beansprucht hatte. Er wunderte sich zum wiederholten Male wieso sie ausgerechnet diese Möglichkeit gewählt hatte, den jungen Mann zu verschrecken. Fast war er versucht gewesen, einen bissigen Kommentar abzugeben und sich aus ihrer Umklammerung zu lösen, hatte es aber aus Gründen bleiben lassen, die er nicht benennen konnte.

Gerade waren sie mit der Führung im " Sonnenzimmer", wie sie es inzwischen nannten, angelangt und Severus zupfte Hermine am Ärmel ihres T-Shirts.
Auf ihren fragenden Blick hin, gab er ihr ein Zeichen und bedeutete ihr damit, langsamer zu werden.
Sie blieben etwas hinter der Schafherde der Schlosstouristen zurück und Hermine gab einen erschrockenen Laut von sich als Severus sie plötzlich um die Taille packte und mit sich in einen großen Wandschrank zog.

ooooooo

Völlig überrumpelt sah Hermine sich mit einem Mal in einen muffigen Schrank gesperrt... nur wenige Millimeter von Professor Snape entfernt.

Er bemühte sich, den Arm zurückzuziehen, mit dem er sie umfasst hielt, doch das gestaltete sich wegen der Enge, die herrschte etwas schwierig.

Als sie Geräusche von draußen hörten, hielt er inne und bewegungslos lauschten sie. Hermines Herz schlug ihr bis zum Hals und sie glaubte, Snape müsse das fühlen, so nahe stand er bei ihr. Die Momente, in denen sie den sich langsam entfernenden Schritten nachspürten, kamen ihr vor wie eine Ewigkeit. Und doch war es keineswegs ein unangenehmes Gefühl ihm so nahe zu sein. Angestrengt schaute sie auf sein graues T-Shirt, um ihm nicht in die Augen sehen zu müssen. Sie konnte sehen und fühlen, wie er atmete und ein merkwürdig schwaches Gefühl machte sich in ihr breit...

Als er die Tür plötzlich mit einer heftigen Bewegung aufstieß, taumelte sie einen Moment und hielt sich an der Schranktür fest.

ooooooo

Er hielt den Atem an, als sie vor der Schranktür Schritte gehört hatten, und umfasste Hermine impulsiv etwas fester. Er konnte ihre weiblichen Vorzüge deutlich an seinem Oberkörper spüren und versuchte zur Ablenkung angestrengt darüber nachzudenken, wie sie die Rune am besten bergen sollten.

Gebo war hier irgendwo im Raum versteckt. sie mussten nur raus finden wo genau.
Sie bewegte den Kopf und sah ihm dann verlegen auf die Brust. Er schloss kurz die Augen als ein Hauch ihres Parfums ihn umspielte und eine ihrer Locken seinen Hals berührte.

Als sich die Schritte endlich wieder entfernten, meinte er, es nicht länger mit ihr in dieser dunklen Enge aushalten zu können und stieß die Tür des Schranks auf. Beinahe wäre sie gestürzt, doch er streckte. blitzschnell die Hand aus und hielt sie am Arm fest. Sie lächelte dankbar und er nickte, bevor er ebenfalls aus dem antiken Möbelstück kam.

Die Tür zum Sonnenzimmer war inzwischen verschlossen worden und so blieb ihnen die ganze Nacht Zeit, nach der Rune zu suchen und sich morgen Vormittag dann der ersten Führung anzuschließen, bevor sie wieder abreisten. Nachdem das Zimmer nun vom Personal kontrolliert und verschlossen worden war, konnten sie ihr Versteck verlassen und beginnen, nach Gebo zu suchen. Hermine sah sich bereits die erste Säule an, kam aber zu keinem Ergebnis.

Professor?“, fragte sie plötzlich und riss ihn damit aus seinen Gedanken.
„Ich denke wir müssen im oberen Teil des Raumes suchen, man wird wohl kaum etwas so Wichtiges auf Augenhöhe verbauen.“

Sie blickte nach oben und zeigte auf eine kleine Vertiefung die jeweils über den Säulen ausgelassen worden war.

Würden Sie mich da mal hochheben, bitte?“, fragte sie nun und bedeute ihm näher zu kommen als er sich nicht rührte.
Er zog eine Augenbraue nach oben und kam dann langsam zu ihr herüber.
„Und jetzt?“, fragte er amüsiert.
„Sie machen eine Räuberleiter und ich sehe mir die Nischen an.“, erklärte sie, und da sie davon ausging das er sicherlich den Ausdruck nicht kannte, nahm sie seine Hände und legte sie ineinander. Dann stieg sie mit dem Fuß hinein und stützte sich auf seinen Schultern ab.

Vorsichtig zog sie sich nach oben und tastete die Aussparung über der Säule ab. Severus blickte nach oben und stellte zu seinem Entsetzen fest das ihr Shirt durch ihre Bewegungen zeitweise ziemlich von ihrem Körper abstand. Gerade wollte er wegsehen, als sein Blick auf ihren freien Bauchnabel fiel und ganz selbstverständlich weiter nach oben wanderte.

Er erhaschte einen Blick auf ihren geblümten BH und zwang sich, den Blick von diesem entzückenden Anblick los zu reißen. Dieses Schauspiel wiederholte sich an mehreren Säulen, und so langsam begann er eine echte Zuneigung für den Erfinder der Räuberleiter zu empfinden.

ooooooo

An der siebten Säule wurde Hermine endlich fündig. „Ich sehe sie!“, rief sie und sprang von ihm herunter.

Snape reichte ihr ein kleines Taschenmesser und damit bewaffnet machte Hermine sich zum letzten Mal daran, an ihrem Lehrer heraufzuklettern. Es kostete sie einige Mühe die Rune aus dem Stein, in den sie eingelassen war, zu lösen, doch schließlich war sie erfolgreich. Sie zögerte einen Augenblick, als sie daran dachte, wie es seiner Hand ergangen war, als er die letzte Rune geborgen hatte, doch dann griff sie beherzt zu. Ein stromschlagähnlicher Impuls durchfloss sie, und an Snapes Reaktion, der sie fest hielt, während sie arbeitete, merkte sie, dass er es ebenfalls empfunden haben musste. Langsam ließ er sie herunter und sie hielt ihm die Rune hin, die er aus ihrer Hand nahm. Sie verspürte ein leichtes Wärmegefühl, dort, wo sie die Rune gehalten hatte, doch keine Verbrennung war zu sehen.

Jetzt haben wir Gebo.“, flüsterte Hermine.

Wir hätten uns eigentlich denken können, dass wir sie in einem Schlafzimmer finden würden...“

Auf seinen fragenden Blick hin fügte sie grinsend hinzu:„Nun, wo sie doch etwas mit Heiratsversprechen zu tun hat...“

Sie fuhr sich aufseufzend durch die Haare, erleichtert darüber, dass sie auch die zweite Rune erfolgreich geborgen hatten. Dann sah sie sich um, und erst jetzt wurde ihr ihre Lage deutlich. Sie würden die ganze Nacht hier verbringen müssen! Das Geräusch des Abschließens war deutlich zu hören gewesen, doch Hermine ging trotzdem zur Tür und versuchte probeweise sie zu öffnen - erfolglos. Sie wandte sich zu Snape um, der die Rune gerade in dem Stoffbeutel verschwinden ließ, in der sich schon die erste Rune befand, und zuckte mit den Schultern.

Ich wollte es wenigstens einmal versuchen.“

ooooooo

Severus spürte deutlich diese kribbelnde Wärme von ihr zu ihm fließen, als Hermine die Rune berührte.
Er schmunzelte über ihren Kommentar mit dem Heiratsversprechen und sah sich im Zimmer um, nachdem er die Rune in dem Stoffbeutel verstaut hatte.

Sie sollten sich etwas hinlegen. Wir haben morgen einen anstrengenden Tag vor uns, und sie müssen den Wagen zurück nach Dublin bringen.“, sagte er und steckte den Beutel mit den beiden Runen in seine Hosentasche.

Dass er von Dublin aus ein kleines Flugzeug gechartert hatte, das sie nach Markree Castle bringen sollte, verschwieg er ihr. Er wollte vorerst keinen Kommentar zum Besuch seines Anwesens abgeben müssen und hatte beschlossen, sie einfach vor vollendete Tatsachen zu stellen.
„Eines müssen sie mir aber noch verraten, Professor.“, sagte Hermine nun und setzte sich auf das breite Bett, in dem wohl schon einige Generationen der Riddlesfords genächtigt hatten.

Wie sind sie ausgerechnet auf dieses Zimmer gekommen?“

Severus setzte sich auf die andere Seite des Bettes.

Das war nicht schwierig. Eigentlich hat Ingwaz Gebo gefunden, nicht ich.“, sagte er, und streckte sich auf seiner Seite des Bettes aus.

Bei den ersten beiden Führungen hatte ich sie nur in der Tasche, bei der dritten dachte ich, dass ich es mal anders versuche und hatte sie in meiner Hand. In diesem Raum wurde die Rune plötzlich warm und da war mir klar, dass Gebo hier irgendwo sein musste.

Als ich die Sonnen sah, bestätigte sich meine Vermutung.“

Was ist? Haben Sie Angst vor mir?“, fragte er dann mit hochgezogenen Augenbrauen, da sie noch immer am Bettrand saß und zu ihm herüber sah

ooooooo

Verschmitzt grinste Hermine. „Nein... sollte ich?“

Sie legte sich ebenfalls hin, nachdem er lediglich mit einem Schnauben geantwortet hatte. Das Bett wäre breit genug gewesen, um noch den halben Mädchenschlafsaal aus Gryffindor zwischen sich zu betten, aber es war trotzdem ein merkwürdiges Gefühl, in einem Bett mit Professor Snape zu liegen.

Albus Dumbledore hatte sie gebeten strenges Stillschweigen über die Runen und ihre Suche danach zu bewahren, und Hermine war es nicht schwergefallen, sich daran zu halten.

Das alles hier würde mir sowieso niemand abkaufen.’, dachte sie.

Niemand wunderte sich, wenn sie sich zum Lernen zurückzog, so dass ihre Abende bei Professor Snape nicht weiter auffielen. Für ihre Abwesenheit an den Wochenenden hatte sie sich eine sehr kranke Großtante ausgedacht. Harry hatte sie trösten wollen, sobald er davon erfahren hatte, und Hermine musste grinsen, als sie sich seinen Gesichtsausdruck vorstellte, wenn er erfahren würde, dass ihre Großtante in Wirklichkeit Severus Snape hieß und kein bisschen krank wirkte.

Im Gegenteil, er wirkte stark und kräftig. Es hatte ihn kaum Mühe gekostet sie zu halten, während sie nach der Rune suchte, und sein Oberkörper, den sie im Schrank an sich gespürt hatte, war flach und hart gewesen...

Hermine seufzte. Außerdem sollte es Lehrern untersagt sein, so unverschämt gut zu riechen...

Ruckartig setzte sie sich auf, als ihr bewusst wurde, in welche Bahnen ihre Gedanken abschweiften.

Snape sah überrascht auf, und sie murmelte etwas von einem eingeschlafenen Fuß und lief einige Zeit unruhig im Zimmer auf und ab. Schließlich kletterte sie zurück ins Bett, legte sich hin und ging in Gedanken ihre Arithmantik-Hausaufgabe durch, die sie vor ihrer Abreise angefertigt hatte.

Und obwohl sie der Überzeugung gewesen war, in dieser Situation keinesfalls einschlafen zu können, musste sie wohl doch eingenickt sein, denn als nächstes hörte sie, wie ihr Name gerufen wurde.

Miss Granger... Hermine… so wachen Sie doch auf...“ Sie öffnete die Augen und schloss sie sofort wieder. ‚Oh, nein...’, schoss es ihr durch den Kopf.

Sie lag eindeutig näher an Professor Snape als vor dem Einschlafen. Tatsächlich berührte ihre Stirn seine Schulter und ihre Hand lag auf seiner Brust. So sehr sie auch wünschen mochte, dass das hier nicht passierte, so änderte das doch nichts an der Tatsache. Sie hatte sich im Schlaf an ihn gekuschelt! Hastig setzte sie sich mit hochrotem Kopf auf.

Entschuldigen Sie, Sir...“, hauchte sie.

Snapes überaus amüsierter Gesichtsausdruck machte alles nur noch schlimmer, und sie beeilte sich aus dem Bett zu klettern und ihr verrutschtes T-Shirt zu richten. Erschrocken richtete sie sich auf, als das Geräusch von sich nähernden Schritten zu vernehmen war. Auch Snape war aufgesprungen, glättete die zerdrückte Decke und packte sie am Arm.

Schnell, in den Schrank!“, zischte er.







Kapitel 9

Severus hatte eigentlich nicht einschlafen wollen und wachte nun auf, weil ihm ein angenehmer Duft nach Blüten in die Nase stieg und etwas seinen Hals und seine Wange kitzelte. Er brauchte einen Moment um wach zu werden und sich in der ungewohnten Umgebung zu orientieren. Das schwere braune Bett, die großen würfelförmigen Fenster und die eigenartigen Verzierungen im ganzen Raum konnte er zunächst nicht einordnen. Noch etwas benommen drehte er den Kopf auf die Seite und tauchte sein Gesicht damit unbeabsichtigt in ein Meer hellbrauner Locken, die einen betörenden Duft verströmten.

Er blinzelte einige Male bis er unter der Flut von Haaren ein Mädchen erkannte, dessen Kopf an seiner Schulter ruhte und deren lange Haare in wilden Locken ihr Gesicht um spielten.
Hermine Granger! Schon wieder sie!
Nicht genug, dass er neuerdings schon von ihr träumte. Nein! Nun lag sie auch noch morgens sinnlich duftend und ihre Wärme verströmend neben ihm auf dem Bett!

Ihre schmale Hand ruhte auf seiner Brust und er konnte deutlich ihre tiefen ruhigen Atemzüge hören.
Was sollte er nun anfangen? Sollte er sie aufwecken oder sie einfach noch etwas schlafen lassen?
Einerseits gefiel ihm die Wärme die ihr Körper aussandte, andererseits erhöhte sich das Risiko entdeckt zu werden, mit jeder Minute die verstrich. Außerdem war diese ganze Situation einfach unmöglich und untragbar! Langsam bewegte er sich, um einen Blick auf seine Uhr zu werfen. Zehn vor acht. Jeden Moment konnte ein Angestellter des Hotels kommen, um das Sonnenzimmer auf zu schließen und für die heutigen Führungen herzurichten.

Er beschloss, sie vorsichtig zu wecken. Das Überraschungsmoment war auf seiner Seite und ihr Gesicht, als sie an seine Schulter geschmiegt aufwachte, war unbezahlbar. Eine solch intensive Röte hatte er schon lange bei niemandem mehr gesehen und er schmunzelte über ihren entsetzen Gesichtsausdruck als sie beinahe aus dem Bett floh. Er richtete die seidene Decke, um das Bett wieder unbenutzt aussehen zu lassen, als sie das Geräusch eines Schlüssels vernahmen, der gerade ins Schloss gesteckt wurde. Hastig hatte er sie zurück in den Schrank gezerrt, der ihnen schon gestern als Versteck gedient hatte.

Keine Sekunde zu früh! Sie schafften es gerade noch, die Tür zuzuziehen als jemand den Raum betrat. Mit klopfendem Herzen und angehaltenem Atem standen beide völlig bewegungslos in der dunklen Enge des antiken Holzmöbels. Hermine stand vor ihm und er hielt noch immer ihren Arm umklammert, an dem er sie mit sich gezogen hatte. Sein Herz hämmerte ihm in der Brust. Er traute sich kaum, Luft zu holen, weil sein Oberkörper sich dabei jedes Mal an Hermines Rücken presste. Ihre Haare waren noch immer offen und jedes Mal, wenn sie ihren Kopf etwas bewegte, hüllten sie sein Gesicht in ihren Duft.

Da er sie in dieser Position nicht einmal tadelnd ansehen konnte, hob er den Arm und strich ihr die langen Locken mit einer Bewegung nach vorn über ihre Schulter. Die Art und Weise wie sich ihr schmaler Körper in dieser Enge an ihn schmiegte und wie deutlich er hier der Präsenz ihrer Rundungen ausgesetzt war, konnte man schon beinahe als aufreizend bezeichnen. Lebhafte Bilder von ihr - mit und ohne geblümten BH - tauchten vor seinem inneren Auge auf.

Er musste ihr verbieten, weiterhin diesen Duft zu benutzen. Sonst könnte er das nächste Mal, wenn er Maiglöckchen-Essenz für einen Trank herstellte, keinen vernünftigen Gedanken mehr fassen.

ooooooo

Jetzt stand sie schon wieder in diesem Schrank mit ihm.

Dieses Mal stand sie mit dem Rücken zu ihm, so dass sie ihn wenigstens nicht ansehen musste, wenn sie ihn auch in aller Deutlichkeit fühlen konnte.

Jeder Atemzug teilte sich ihr mit und seine Hand an ihrem Arm war ihr überdeutlich bewusst.

Ein Schauer durchrieselte sie, als er ihre Haare nach vorn strich und sie hoffte, dass er es nicht bemerkt hatte.

Es war nur normal, dass diese Situation sie aus der Fassung brachte und ungeduldig wartete sie darauf, dass die erste Führung beginnen und sie aus ihrer misslichen Lage befreien würde.

Die Augenblicke dehnten sich endlos und Hermine war sich nicht sicher, ob sie unwillentlich näher an ihn herangerückt war, oder ob er sich ihr näherte... oder ob es ihr nur so vorkam, weil sie sich seiner körperlichen Gegenwart nahezu schmerzhaft bewusst war.

Das Geräusch einer Menschenmenge war zu vernehmen... die Tür wurde geöffnet... und die näselnde Stimme des Schlossführers erläuterte die Bedeutung der antiken Gobelins.

Nur einen Moment noch...

Die Geräusche entfernten sich.

Vorsichtig öffnete Hermine die Schranktür einen Spalt breit und sah gerade den Rücken des letzten Besuchers aus der Tür verschwinden.

Jetzt stieß sie die Tür vollends auf und kletterte gemeinsam mit dem ebenfalls etwas erhitzt aussehenden Snape aus dem Schrank hervor, um sich gleich darauf unauffällig der Gruppe anzuschließen.

Schweigend eilten beide nach der Führung in das Hotel zurück.

Hermine blieb gerade noch genug Zeit, um sich etwas frisch zu machen und ihre Sachen zu packen, als Snape sie zum Frühstück abholte.

Die Mahlzeit verlief weitgehend schweigend und auch während der anschließenden Autofahrt nach Dublin sprachen sie nicht viel. Er wirkte abwesend und ihr war es recht. Sie war noch immer etwas verlegen, weil sie sich an ihn geschmiegt hatte und die Episode im Schrank beschäftigte sie ebenfalls.

Warum reagierte sie so auf seine Nähe? Ganz in Gedanken schlug sie den Weg zum Fährhafen ein, nachdem sie das Auto zurückgebracht hatten, als Snape sie aufhielt.

Warten Sie, Hermine.“, sagte er beinahe sanft und berührte sie leicht an der Schulter.

Sie drehte sich um und sah ihn fragend an.

Wir kehren noch nicht nach Hogwarts zurück. Ich muss hier noch etwas erledigen und da wir gemeinsam reisen, werden Sie mich begleiten.“
Er sah auf seine Uhr und winkte dann ein Taxi zu ihnen heran.

Wollen Sie mich nicht mal aufklären, was sie vorhaben?“, fragte sie nun vorsichtig, nachdem sie nun schon einige Minuten schweigend neben ihm auf dem Rücksitz des Taxis gesessen, und aus dem Fenster gesehen hatte.

Nein.“, kam Snapes einsilbige Antwort.
‚War ja so klar! ‘, dachte Hermine erbost, fragte dann aber nicht weiter nach den Beweggründen ihres Lehrers.

Nach wenigen Kilometern waren sie an einem kleinen Sportflughafen angelangt und Snape bugsierte Hermine in eine bereitstehende Piper Saratoga.
Während er sich vorn angeregt mit dem Piloten des kleinen sechssitzigen Flugzeugs unterhielt, saß Hermine im Passagierraum und sah missgelaunt auf die wechselnde irische Landschaft, die unter ihnen vorbei zu ziehen schien.

Sie hatte keine Ahnung was er vorhatte und obwohl sie eigentlich froh war, einen weiteren Tag mit ihm außerhalb der Mauern von Hogwarts zu verbringen, ärgerte sie sich darüber, dass er sie wie ein dummes Kind behandelte und sie nicht als gleichberechtigten Partner auf dieser Reise ansah. Es kränkte sie und machte sie zugleich wütend, weil er ihr das Ziel dieses Flugs nicht hatte erklären wollen. Sie überflogen unzählige Seen und Hermine erhaschte bei einem Blick ins Cockpit die Information, dass sie einen nordwestlichen Kurs einhielten.

Fieberhaft kramte sie in ihrem Gedächtnis nach Informationen über die Westküste und Nordirland, als die Maschine bereits in den Sinkflug ging und zur Landung ansetzte.
Das Schild wies ihren Zielflughafen als Donegal Airport aus. Hermine stapfte hinter Snape her und hatte im Stillen beschlossen, nicht weiter nach zu fragen, wo zum Teufel er sie hier eigentlich hinschleppte.

Nach einer weiteren Taxifahrt hielten sie schließlich vor einem schwarzen schmiedeeisernen Tor, das den Blick auf einen gepflegten Park und ein ziemlich imposantes Gebäude am Ende eines, von Büschen und Bäumen gesäumten, Kiesweges freigab.
„Was machen wir hier? Was ist das?“, fragte sie erstaunt und suchte Snapes Blick.

Er wandte sich ihr zu und lächelte. „ Das, Miss Granger, ist Markree Castle - mein Zuhause!“

Überrascht wandte Hermine sich zu ihm um. Dann fasste sie sich und schritt mit ihm den Kiesweg zum Haupteingang hinauf. Natürlich hatte er ein Zuhause.

Oder hast du gedacht, Dumbledore hat ihn in Hogwarts’ Kerker ausgebrütet?’, schalt sie sich selbst.

Es war nur so, dass sie ihn immer so untrennbar mit Hogwarts verbunden hatte, dass es ihr gar nicht in den Sinn gekommen war, sich nach seiner Herkunft zu fragen. Er war also Ire... und nannte ein sehr beeindruckendes Heim sein eigen. Ihnen wurde geöffnet von einer sehr alten, runzligen Elfe, die außer sich geriet vor Freude, als sie ihren Herrn erkannte. Snape begrüßte sie freundlich und stellte sie und eine Artgenossin, die ebenfalls heran gewuselt kam, als Kitty und Tamy vor. Die beiden Hauselfen kicherten, verbeugten sich vor Hermine und griffen nach ihrem Reisegepäck.

Es wird alles rechtzeitig bereit sein, Sire.“, piepsten sie synchron und stoben in verschiedene Richtungen davon.

Für einen kurzen Moment war Hermine versucht, dem winzigen Ding, das sich mit ihrer Tasche abmühte, zu helfen, doch dann erinnerte sie sich an ein Gespräch mit Hagrid über Hauselfen und sah davon ab.

Snape musterte sie amüsiert und fragte sie dann, ob sie sich das Haus ansehen wolle.

Sie nickte stumm und kam in den Genuss einer ausgiebigen Führung durch den Hausherrn.

ooooooo

Severus beobachtete Hermine während dem Rundgang heimlich von der Seite. Sie schien sehr beeindruckt zu sein und irgendwie machte ihn das zufrieden.
Außer ihr hatte er nur Albus Dumbledore jemals in seinem Zuhause empfangen.
Sie sahen sich einige Räume an und er gab ihr hier und da Informationen zu Möbelstücken oder Gemälden, die sich schon seit Generationen in Familienbesitz befanden. Dann öffnete er eine schwere, üppig mit Schnitzereien verzierte Holztür und ließ sie eintreten.

Das Zimmer war sehr elegant gehalten und polierte mahagonifarbene Möbel dominierten den Raum.
Ein weißer dicker Teppich schonte den dunklen Steinboden und alle Stoffe waren ebenfalls in hellen Farben gehalten. Dadurch strahlte der gesamte Raum eine unaufdringliche Eleganz aus.

Das Zimmer steht Ihnen für die Dauer unseres Aufenthaltes zur Verfügung.“, murmelte er und bedeutete ihr, mit ihm weiter zu gehen.

Nachdem er ihr noch einige weitere Räume, darunter eine großzügig ausgestattete Küche, einen Salon und einige Badezimmer, gezeigt hatte, blieb er vor einer großen Flügeltür stehen.

Das Beste habe ich mir für zuletzt aufgehoben.“, sagte er nun und ein warmes Lächeln umspielte seinen Mund und erreichte seine unergründlich dunklen Augen.

ooooooo

Hermine sah ihn fragend an. Er schob die beiden Flügel zur Seite und sie sah sich der beeindruckendsten privaten Büchersammlung gegenüber, die sie bisher gesehen hatte.
Der Raum war halb rund und musste demnach über dem Eingang liegen, da sie beim Aussteigen aus dem Auto als erstes einen halbrunden Bau bemerkt hatte, an dessen Flanken sich lange Seitenteile erstreckten.
Hermine ging einige Schritte hinein und bewunderte atemlos die deckenhohen Regale die sich über die ganze Wandfläche erstreckten. Sie wurden lediglich von einigen hohen Fenstern unterbrochen durch die warmes Sonnenlicht herein flutete.

Und? “, fragte er und lehnte sich mit verschränkten Armen an den Türrahmen.

Hermine legte die Hände auf die Brust und sah ihn mit leuchtenden Augen an.

Das ist... unglaublich...“, hauchte sie.

Sie ging auf eines der Regale zu.

Darf ich...?“

Und nachdem er genickt hatte fuhr sie, leise murmelnd, mit den Fingern an den Bücherrücken entlang.

Hin und wieder juchzte sie auf, wenn sie eine besonders seltene Ausgabe entdeckt hatte, die sie dann hervorholte und behutsam betrachtete. Wie so oft verlor sie jegliches Zeitgefühl, wenn sie in Büchern versank und sie sah erst auf, als Snape, der in einem der Sessel vor dem Kamin Platz genommen hatte, sich räusperte und sie fragte, ob sie nicht eine Kleinigkeit essen wolle.

Sie dürfen danach auch wiederkommen.“, schmunzelte er.

Hermine legte das Buch aus der Hand, das sie gerade aus dem Regal genommen hatte und lächelte ihn entschuldigend an.

Verzeihen Sie... das ist einfach... überwältigend... diese Erstausgabe von ‚Tausend Zauberkräuter’ zum Beispiel...“

Und während er sie in einen kleinen, freundlich wirkenden Salon führte, in dem ein kalter Imbiss angerichtet war, plauderten sie angeregt über Bücher, eines von Hermines Lieblingsthemen.

Nach dem Essen zog er sich mit der Entschuldigung zurück, er habe noch einiges zu erledigen, und bot ihr an, sie am späteren Nachmittag wieder abzuholen, um ihr etwas von der Umgebung zu zeigen.

Hermine kehrte in das Zimmer zurück, das er ihr angewiesen hatte und gönnte sich ein ausgiebiges, heißes Bad. Das modern eingerichtete Badezimmer bot allen Komfort, den sie sich wünschen konnte, und aufseufzend versank Hermine in weißen Schaumbergen. Angestrengt bemühte sie sich, ihre wild tosenden Gedanken zur Ruhe kommen zu lassen. Immer wieder musste sie daran denken, dass er ihr mit der Bibliothek eine Freude hatte machen wollen, und dass er sie so gut kannte, dass ihm das tatsächlich gelungen war.

Kein Wunder, dass sie verwirrt war... wer von den Schülern Hogwarts hätte so etwas vom Zaubertranklehrer erwartet?

Keiner!’, gab sie sich selbst die Antwort.

Aber keiner hat ihn auch je so erlebt, wie es gerade tue...’

Sie kicherte bei dem Gedanken, wie ein entnervter Professor Snape Schülerscharen durch Markree-Castle führte und in ähnlich näselndem Ton wie der Schloss-Führer von Kilkea die Bedeutung der Glasarbeiten erläuterte. Nein, das war ein Privileg und Hermine fühlte Stolz darüber, dass sie in den Genuss dieses Privilegs kam.

Sie stieg aus der Wanne, als ihre Haut runzlig zu werden drohte und trocknete sich ab. Einen Moment zögerte sie, unsicher darüber, was sie hier tragen sollte. Die vornehme Umgebung ließ ihr Jeans unpassend erscheinen und so entschied sie sich für ein dezent geblümtes, leichtes Kleid, das ihr mit Strickjacke sowohl für die Umstände als auch für das Wetter angemessen erschien.

Sie kehrte in die Bibliothek zurück, in der sie sich zufrieden in Bücherstapeln vergrub.

Die beiden Hauselfen erkundigten sich abwechselnd nach ihren Wünschen, so dass Hermine schließlich, ohne auszusehen, murmelte:

Danke, ich brauche wirklich nichts und bin wunschlos glücklich.“, als sie hörte, dass die Tür sich schon wieder öffnete.

Na, das freut mich doch zu hören.“, ertönte eine tiefe Stimme und sie sah, überrascht aufblickend, Snape im Türrahmen stehen.

Oh, ich dachte Kitty und Tamy...“

Etwas verlegen stand sie auf und ordnete die Bücher wieder ein.

Wollen wir?“, fragte Snape, immer noch schmunzelnd, und trat zur Seite, um sie durch die Tür gehen zu lassen.

Es war ein schöner, warmer Tag und Hermine genoss es, durch die herrliche Landschaft zu spazieren.

Snape wusste viele interessante Geschichten über den Ort zu erzählen, an dem er seine Kindheit verbracht hatte, doch wieder hob er sich den Höhepunkt bis zum Schluss auf.

Sie erreichten die Klippen von Bunglass, und Hermine stockte der Atem bei der Aussicht die sich ihr bot.

Tief unter ihnen erstreckte sich das Meer, blau und glatt in der Ferne, aber tosend und weiße Gischt versprühend, wenn es sich an den gewaltigen Felsen brach. Hingerissen stand sie am Rand der Felsen und beobachtete stumm das beeindruckende Naturschauspiel. Der Wind blies schärfer hier oben und ließ ihre langen Locken umherfliegen. Sie fröstelte und zog ihre dünne Jacke enger um ihren Körper.

Da spürte sie, wie Snape dicht hinter sie trat und sie in seine Arme und seine Jacke einhüllte.

Erschrocken versteifte sie sich für einen kurzen Augenblick, doch dann entspannte sie sich.

Diese Geste hatte, trotz all der sinnlichen Empfindungen, die sie mit sich brachte, etwas Unschuldiges.

Es war ein Angebot für Schutz und stummes Verständnis.

Und umgeben von seiner Wärme und seinem Duft nahm Hermine das Angebot an und sah mit ihm aufs Meer hinaus, bis die Sonne darin versank.







Kapitel 10

Severus hatte am Nachmittag einige Dinge erledigen müssen und da er Hermine in seinem Haus sicher wusste, ließ er sich Zeit. Die beiden Elfen, die schon seit Ewigkeiten in diesem Haus lebten und die Bibliothek würden ihr den Tag schon nicht lang werden lassen. Tatsächlich fand er sie bei seiner Rückkehr noch immer in eines seiner unzähligen Bücher vertieft. Trotzdem willigte sie sofort ein, als er ihr einen Spaziergang anbot und legte das alte Buch auf einen kleinen polierten Tisch.

Zusammen gingen sie durch den Park bis hinunter zu den schroffen grauen Klippen. Er stand einen Schritt hinter ihr und betrachtete sie, während sie verzückt aufs Meer hinaus blickte.
Der Wind hatte aufgefrischt und wie gegen abends üblich, nahm die Intensität des Wellenspiels zu und das Wasser peitschte immer wütender schaumgekrönte Wellen vor sich her, die sich in immer höher werdenden Kaskaden an den Klippen brachen. Hermine war fasziniert von dieser Kraft und Ursprünglichkeit.

Der Nachteil war nur, dass es immer kälter wurde und langsam schien es so, als würde sie zu frieren beginnen.
Severus stand noch immer hinter ihr und sah zu, wie der salzige Wind in ihre Haare fuhr und ihre Locken zerzauste oder an ihrem leichten Sommerkleid riss.
Er überlegte eine Weile still, ob er ihr seine Jacke anbieten sollte, entschied sich aber zuerst dagegen. Erst als sie später ihre dünne Strickjacke um ihre Schultern zog, trat er einen Schritt nach vorn und öffnete seine Jacke um ihren ganzen schmalen Körper darin aufzunehmen und die zitternde junge Frau an seinem Körper zu wärmen.

Er wusste nicht, wie sie darauf reagieren würde. Vermutlich würde sie gleich ausweichen oder aber einen höflichen Augenblick lang stehen bleiben um dann irgendeine Entschuldigung zu erfinden, warum sie rein gehen sollten. Tatsächlich konnte er spüren wie sie sich einen Moment lang anspannte als er so nah an sie herantrat, aber entgegen seiner Vermutungen entspannte sie sich nach wenigen Augenblicken und lehnte sich sogar noch etwas an ihn. Er schloss kurz die Augen als ihre Haare ihm ins Gesicht wehten und er den inzwischen vertrauten Maiglöckchenduft einsog. Sie stand ganz still an ihn gelehnt und versuchte nicht seiner Nähe und Wärme zu entfliehen.

Warum eigentlich nicht? Sollte sie das nicht eigentlich? ‘, dachte er.

Er war verwirrt.

Und was um Merlins Willen mache ich hier eigentlich? ‘ schalt er sich gedanklich, wagte aber trotz allem nicht sich zu bewegen, weil er diese Nähe gefühlsmäßig genoss - auch wenn sein Verstand etwas anderes sagte.

Nachdem die Sonne untergegangen war entließ er sie aus diesem merkwürdigen Arrangement und sie gingen schweigend nebeneinander her.

Beim Abendessen wechselten sie nur einige Wörter, meist das Essen betreffend. Ansonsten hing jeder seinen eigenen Gedanken nach. Woran Hermine dachte, wusste er nicht. Seine Gedanken jedenfalls drehten sich neuerdings immer öfter um sie.

Nach dem Essen hatte sie sich noch einmal kurz entschuldigt und war auf ihr Zimmer gegangen.

Als sie nun die Bibliothek wieder betrat, saß Severus schon seit einer Weile in einem der wuchtigen Ohrensessel vor dem Kamin und las in einem Buch über Runenmagie. Er sah von seiner Beschäftigung auf und griff nach dem Rotweinglas, das vor ihm auf dem kleinen Tischchen stand, als sie gerade näher an den Kamin herantrat.

Sie können sich wohl von dem Anblick gar nicht losreißen, was?“, sagte er schmunzelnd und sah sie mit belustigt blitzenden Augen über die Gläser seiner Brille hinweg an.

ooooooo

Hermine wurde durch diese Bemerkung bewusst, dass sie ihren Lehrer anstarrte.

Er saß da, mit lässig übereinander geschlagenen Beinen, das weiße, weiche Hemd am Kragen ein wenig geöffnet und grinste sie an. Das schwarze Haar war leicht zerzaust und die Brille...

Rasch wandte sie sich ab und trat auf den Kamin zu, ihre Hände dem Feuer entgegenstreckend.

Haben Sie etwas Interessantes in dem Buch entdeckt?“, fragte sie, ihm den Rücken zugewandt.

Sie achtete kaum auf seine Antwort. Das unbestimmte Gefühl beschlich sie, dass es gut sein würde, morgen nach Hogwarts zurückzukehren. Es brachte sie durcheinander, diesen privaten Snape kennen zu lernen. Sie kannte ihn als übel wollende Fledermaus, die mit schwarzem, wallendem Umhang durch die Gänge eilte und Hauspunkte abzog.

Das war Snape.

Aber offensichtlich war das hier auch Snape.

Dieser gelassene, entspannte Mann dort in dem Sessel, der sie auf den Klippen an seinem Körper gewärmt hatte. Sie hätte um nichts in der Welt sagen können, welcher dieser beiden sie mehr beunruhigte.

Schließlich atmete sie tief durch.

Jetzt ist aber gut, Hermine!’, wies sie sich in Gedanken zurecht.

Lass ihm gefälligst Gerechtigkeit widerfahren. Du hast dich getäuscht, als du geglaubt hast, dass er zu keiner freundlichen Regung fähig wäre. Es verwirrt dich, nun zu erfahren, dass es nicht so ist, aber du bist schließlich bereit, deinen Irrtum einzusehen. Du hast ja noch nie einen Lehrer privat kennen gelernt. Na ja, außer Remus Lupin vielleicht, aber der war nicht so... anders als Privatperson. Du gewinnst hier einen kurzen Einblick. Wenn die Suche vorbei ist, wird alles wieder beim Alten sein, und du hast deine Ruhe.’

Diesen Gedanken festhaltend, wandte sie sich zu ihm und fragte lächelnd:

Wollen Sie mir nicht ein Glas Wein anbieten?“

Er hob eine Augenbraue, schenkte ihr aber das zweite bereitstehende Glas voll.

Sie nahm es, holte sich das Buch, das sie am Nachmittag zurückgelegt hatte und setzte sich damit in den anderen Sessel, ihm gegenüber. Nachdem sie einige Augenblicke gelesen hatte, nahm sie das Glas auf und genoss einen Schluck des wirklich köstlichen Weines. Dabei bemerkte sie, dass Snape sie ansah.

Wer kann sich denn jetzt nicht von dem Anblick losreißen?’

Was ist? Können Sie nicht glauben, dass es Schüler gibt, die freiwillig ein Buch in die Hand nehmen?“, grinste sie.

ooooooo

Mit verschlagenem Grinsen knöpfte sie langsam sein Hemd auf und hinterließ mit ihren Lippen eine heiße Spur auf seiner Brust, die sie über den Bauch und seine Hüften fortsetzte.
Er atmete gequält aus als sie ihren Mund von seiner Haut löste und ihn aufreizend ansah.
Er griff verlangend in ihre herrlichen langen Locken als sie begann, seinen Reißverschluss zu öffnen.

Dann sank er zu ihr auf die Knie und zog sie leidenschaftlich an seinen nackten Oberkörper...

Möchten Sie ein Ei dazu?“ fragte sie plötzlich unvermittelt.

Ein Ei? Wozu? ‘, dachte er verwirrt, als sie ihn an der Schulter berührte.
Langsam öffnete er die Augen und blickte in ein kleines faltiges Gesicht mit großen blauen Kulleraugen.
„Guten Morgen, Master Severus.“, sagte Tamy und grinste ihren Herren freundlich an.
Er setzte sich ruckartig auf und fuhr sich mit der Hand über sein Gesicht.
„Wollen Sie ein Ei zum Frühstück?“, wiederholte die Elfe und zupfte an ihrem karierten Kleidchen herum.

Wie? Äh, jaja...“, antwortete er automatisch. Er war noch immer völlig gefangen in den Erinnerungen an seinen Traum.

Warum träume ich ausgerechnet von ihr? ‘, ärgerte er sich, als er langsam aufstand und ins Bad ging.

Beim Frühstück sprach er kein Wort mit ihr und nickte nur knapp, wenn sie ihn etwas fragte.

'Ich muss sie loswerden! So schnell wie möglich !' , dachte er und stocherte wütend in seinem Frühstück herum. Er fing kurz einen verwirrten Blick von ihr auf und erwiderte ihn so grimmig er nur konnte.