Diese Geschichte ist aus einem Rollenspiel entstanden.
Auch wenn der Rollenspiel- Charakter sich nach einiger Zeit etwas verliert haben wir doch die Unterteilung in Severus’ und Hermines Sicht beibehalten.
Es ist unser erstes gemeinsames Projekt und obwohl es uns schwer fällt, etwas zu veröffentlichen, das sicher noch verbesserungswürdig ist, haben wir uns dazu entschieden, die Geschichte endlich einem größeren Publikum zugänglich zu machen. Wenn wir daran rumschreiben, bis sie uns endlich fehlerfrei erscheint würden wir sie wohl posthum veröffentlichen...
Sie ist ziemlich lang, beendet, und die nächsten Kapitel werden demnächst hochgeladen werden.
Wir danken unserer Beta Rookie, den Leuten, die uns durch ihre schmeichelhaften Kommentare zum Weiterschreiben gebracht haben, Keksi, die am Anfang unser Dumbledore war und unseren Ehemännern (und Kindern) für ihre Geduld.
Alles gehört J.K.R..... uns gehört nix, außer dem Spaß, den wir beim Schreiben hatten... und verdienen tun wir auch nix, außer vielleicht ein paar Reviews... ;0)
Einleitung:
Wir ignorieren die Geschehnisse der letzten beiden HP- Bücher beinahe gänzlich.
Hermine ist in ihrem letzten Jahr in Hogwarts.
Voldemort ist besiegt.
Severus wurde für seine - als Todesser begangenen Verbrechen- vom Zauberer- Gamot freigesprochen, da er maßgeblich an der Vernichtung Voldemorts beteiligt war.
Einige Todesser konnten jedoch ihrer Verhaftung entkommen und sind im verborgenen noch immer aktiv.
Dumbledore und Snape erinnern sich daher einer uralten magischen Macht, die ihnen dabei helfen könnte, die Todesser zu bekämpfen.
Bei dieser Macht handelt es sich um die „Runen des Lichts“.
Niemand weiß genau wo diese Runen zu finden sind, denn sie wurden vor langer Zeit in der Muggelwelt in alle Winde verstreut, weil das Böse ihre Macht voraussah und bis heute fürchtet.
Snape und Dumbledore wollen die Spuren zurückverfolgen um die Lichtrunen wieder zu vereinen.
Sie müssen sich dabei vollkommen ohne Magie fortbewegen, um die dunkle Seite nicht versehentlich auf sich aufmerksam zu machen.
Da sich Hermine als muggelstämmige Hexe bestens in der Muggelwelt auskennt, bindet Dumbledore auch sie in diese Mission ein und eine abenteuerliche Reise beginnt......
„Nun, Miss Granger, was denken Sie?“
Strahlend drehte Albus Dumbledore sich in seinem Büro vor ihr einmal im Kreis.
Um nichts in der Welt hätte Hermine Granger in diesem Augenblick sagen mögen, was ihr tatsächlich durch den Kopf ging.
Der Schulleiter sah grotesk aus.
Das mit roten Himbeeren bedruckte Hemd war einige Nummern zu groß und das satte Rot der Früchte biss sich fürchterlich mit den orangefarbenen Streifen seiner weißen Hose.
Doch die sprichwörtliche Krönung war der knautschige Cowboy- Hut, der auf seinen langen Haaren thronte.
‚Ein farbenblinder Spät- Hippie’, dachte Hermine und verkniff sich mit einiger Mühe ein Kichern.
Albus Dumbledore mochte der größte Zauberer seiner Zeit sein... doch wenn es darum ging, sich wie ein Muggel zu kleiden, versagte er fürchterlich.
Deswegen war sie schließlich hier.
Sie räusperte sich, zog ihren Zauberstab hervor und näherte sich dem Professor.
„Dürfte ich ein paar kleine Modifikationen vornehmen, Sir?“, fragte sie höflich und machte sich, nachdem Dumbledore genickt hatte, an die Arbeit.
Sie schrumpfte das Hemd auf eine angemessene Größe, tauschte das Himbeer- Muster gegen ein paar dezente blaue Streifen und gab der Hose eine dazu passende dunklere Färbung.
„Der Hut...“ biss sich auf die Lippen, als sie sah, wie das erwartungsvolle Lächeln von Dumbledores Lippen wich.
„Es tut mir leid, Sir, aber der ist leider sehr. auffällig. wie wäre es, wenn sie stattdessen Ihre Frisur ein wenig verändern? Etwas kürzer? Und den Bart auch?“
Der Schulleiter machte ein schnaubendes Geräusch, nahm seinen eigenen Zauberstab und nach ein paar gemurmelten Worten waren Bart und Haare deutlich kürzer.
Hermine wäre es lieber gewesen, wenn er noch ein paar Zentimeter mehr geopfert hätte, doch so würde es auch gehen.
Sie trat zurück und begutachtete ihr Werk.
„Sie sehen jetzt wirklich... wie ein Muggel aus“, brachte sie recht überzeugend hervor.
Albus Dumbledore nickte erfreut.
„So soll es sein! Ich bin Ihnen wirklich sehr dankbar, Miss Granger, dass Sie uns auf dieser Reise begleiten. Nicht nur wegen Ihres sicheren Modegeschmacks“, setzte er zwinkernd hinzu und Hermine atmete erleichtert aus.
Sie hatte tatsächlich schon beinahe befürchtet, dass ihre Beteiligung an der Mission sich auf Stilberatung beschränken würde.
Der Schulleiter hatte ihr nur wenige Informationen über die geplante Reise, auf der sie ihn begleiten sollte, gegeben.
Er brauche sie, weil sie in der Muggelwelt nicht auffallen dürfen, hatte er gesagt. Und ihre überdurchschnittlichen Noten in „Alte Runen“ wären auch von Bedeutung.
„Und da Sie ansatzweise mit der Arbeit des Ordens vertraut sind, sind Sie die geeigneteste Person für diese Expedition.“, hatte er ihr vor einer Woche gesagt, als er sie um ihre Mitarbeit bat.
Selbstverständlich hatte Hermine sofort versprochen, die Mitglieder des Phönix- Ordens mit all ihren Kräften unterstützen zu wollen.
Auch nach Voldemorts Vernichtung ruhte die Arbeit des Ordens nicht, noch immer waren die Todesser aktiv und wer konnte wissen, wer sich als nächstes zu ihrem Führer aufschwingen mochte?
„Könnten Sie mir jetzt nicht ein paar Details über die geplante Aktion geben?“, fragte Hermine vorsichtig, während Dumbledore noch damit beschäftigt schien, die Knöpfe seines Hemdes zu inspizieren.
„Natürlich, natürlich“, murmelte er geistesabwesend, raffte sich schließlich auf, griff nach einem Koffer, der neben seinem Schreibtisch stand und bedeutete der Schülerin, vor ihm her zur Tür hinaus zu gehen.
„Doch das macht besser der andere Teilnehmer dieser Mission- er hat sie schließlich ausgearbeitet und ist mit den Einzelheiten weitaus besser vertraut als ich“
Die junge Frau griff rasch nach ihrem Koffer, den sie am Eingang abgestellt hatte und ließ sich vom Schulleiter die sich drehende Treppe hinabführen.
Aus seinen Worten bei ihrem Gespräch in der letzten Woche war hervorgegangen, dass mehrere Leute an der Reise teilnehmen sollten Und während Hermine hoffte, es würden Remus Lupin oder Tonks sein, die sie begleiteten, drängte sich ihr mit jeder Treppenstufe, die sie weiter hinabstiegen ein schrecklicher Verdacht immer schonungsloser auf.
Sie gingen hinab in den Kerker.
Der andere Teilnehmer würde doch wohl nicht...?
Ein tiefer Seufzer entfuhr ihr, als Albus Dumbledore vor der Türe zum Büro des Zaubertränkemeisters stehen blieb.
„Snape?“, fragte sie.
„Professor Snape, ja!“, lächelte der weißhaarige Zauberer, bevor er an die schwere Türe klopfte.
****
Severus
lief ungeduldig in seinem Büro auf und ab. Er erwartete den
Schulleiter.
Albus hatte gesagt das er noch jemanden mitbringen
würde, der für ihr Vorhaben äußerst wichtig
wäre.
Er
war gespannt auf diesen ominösen Gast.
Da sie in die Welt der
Muggel apparieren und sich dort ohne Magie fortbewegen mussten,
vermutete er, das es ein Muggel sein würde.
Nervös
zupfte er an seiner langen Lederjacke herum und griff sich in den
Kragen des schwarzen Rollkragenpullovers, um ihn etwas zu weiten.
"
Äh, Muggelkleidung.." ,sagte er verächtlich, als es an
der Tür klopfte.
"Du
kannst rein kommen Albus...“, sagte Severus und blickte
gespannt zur Tür hinüber, um zu sehen, wen der Schulleiter
mitbringen würde.
Er erwartete das es ein alter Freund des
Schulleiters sein würde, der sie auf ihrer wichtigen Mission
unterstützte.
Sie
würden zunächst nach London apparieren und von dort aus auf
konventionellem Wege nach Frankreich reisen.
Dort verlor sich die
Spur, die sie wieder aufzunehmen gedachten.
****
Trotz
ihrer Bedenken betrat Hermine hinter Dumbledore tapfer das Büro
des Tränkemeisters.
"Guten Abend, Sir", hauchte sie
und sah zu Boden.
Sie war sich sicher, dass Dumbledore ihr absichtlich bis zuletzt verschwiegen hatte, dass Professor Snape der andere Teilnehmer sein würde.
Er musste geahnt haben, dass sie sich die Teilnahme an dieser Aktion genauer überlegt hätte, wenn sie das gewusst hätte.
Sie achtete den Zaubertrank- Lehrer für seine herausragende Arbeit für den Orden.
Er hatte mehrfach sein Leben riskiert, um die gute Seite zu unterstützen und war gerade erst vom Gamot für seine Aktionen als Todesser freigesprochen worden... doch das alles änderte nichts an der Tatsache, dass Severus Snape der unfreundlichste Mensch war, den sie je getroffen hatte und sie froh war, wenn sie seinen Unterricht ohne hämischen Kommentar seinerseits überstanden hatte.
****
"
Was wollen Sie denn hier? ", schnappte Severus und
blickte Hermine pikiert an.
Dass ausgerechnet diese unerträgliche
Besserwisserin ein wichtiges Mitglied ihrer Mission sein sollte,
konnte er nicht glauben.
Albus
sah in seiner Muggelkleidung äußerst ungewohnt aus und
Severus war für einen Moment irritiert gewesen.
Nun hatte er
sich allerdings wieder gefangen.
"Was hat sie hier zu suchen,
Albus?", herrschte er nun und blickte den Schulleiter an.
Albus reckte das Kinn nach vorn und trat einen Schritt auf seinen Zaubertranklehrer zu.
„ Miss Granger wird uns auf dieser Reise begleiten. Da sie muggelstämmig ist, wird sie uns eine wertvolle Stütze sein. Außerdem hat sie explizite Kenntnisse über antike Runen.
Dumbledore sah Severus unverwandt an und schmunzelte belustigt als er fortfuhr.
“Auch sie ist ein Mitglied dieser Mission. Wir wollen doch nicht das sie dich versehentlich in der Londoner U- Bahn verliert. ..“
****
Hermine
war unwillkürlich ein wenig zurückgewichen, als Snape sie
so anfuhr.
Als er jedoch von ihr sprach, als sei sie ein unartiges
Kind, das sich dazwischen gedrängt hatte, hob sie den Kopf und
blickte dem Professor herausfordernd in die Augen, die Augenbrauen
finster zusammen gezogen.
Es
tat ihr wohl, zu hören, wie hoch Albus Dumbledore ihren Wert für
diese Mission einschätzte, und dass er sie vor dem ergrimmten
Snape zu beschützen suchte, machte sie sehr dankbar.
Als
er die U- Bahn erwähnte huschte ein flüchtiges Grinsen über
ihre Gesichtszüge.
"So etwas würde ich niemals
tun", sagte sie dann in ernstem Ton, den ihr Grinsen allerdings
verdächtig abschwächte.
****
" Na das wollen wir aber auch hoffen..", sagte Severus spröde und sah sie noch immer an wie ein giftiges Insekt.
"
Weiß sie über alles Bescheid?" , fragte er nun, an
den Schulleiter gewandt.
„ Ich habe Hermine grob umrissen erklärt, worum es bei dieser Reise geht und was wir damit bezwecken.“, erklärte Dumbledore und fegte einen Fussel von seinem Hemd.
„Trotzdem wäre es wohl besser, wenn du sie in die Details einweihen würdest, bevor wir aufbrechen. Immerhin steht viel auf dem Spiel und du hast alle notwendigen Vorbereitungen getroffen..“
Albus sah Severus nun direkt an.
„Bevor du beginnst, würde ich mich allerdings gern setzen und ich denke das es Miss Granger ebenso ergeht.“
Er zwinkerte Hermine zu.
Außerdem wäre es Zeit für eine schöne Tasse Tee, findest du nicht auch?"
Er setzte sich.
„ Ich nehme Milch und Zucker. Und Sie, Hermine?“, fragte er beschwingt und ignorierte Severus‘ genervten Blick.
****
"Nur
Milch, bitte", sagte Hermine leise und nahm etwas beklommen
Platz.
Nun traute sie sich wieder nicht so recht, Snape in die
Augen zu schauen und musterte statt dessen unauffällig seine
Muggelkleidung.
Die
meisten Zauberer sahen grotesk aus darin, aber der Zaubertranklehrer
wusste offenbar, wie man sie trug... und Hermine war zutiefst
dankbar, dass es ihr erspart bleiben würde, eine Modeberatung an
Professor Snape vorzunehmen! .
Er
wirkte natürlich immer noch düster und bedrohlich, aber
eben eher, wie ein düsterer und bedrohlicher Muggel, nicht wie
ein düsterer und bedrohlicher Zauberer.
****
Severus
sagte nichts zu Dumbledores Dreistigkeit, sich selbst und dieses
Muggelmädchen zu einem Tee bei Severus Snape einzuladen.
Statt
dessen grummelte er etwas Unvernehmliches, und wie aus dem nichts
erschienen die gewünschten Dinge vor seinen Gästen auf dem
Tisch.
"
Die Sache ist die...“, begann er und ließ sich auf einen
Stuhl neben den beiden fallen.
Zufrieden registrierte er den
verwirrten Blick der Schülerin, als er sich rittlings auf den
Stuhl setzte und sich mit den Armen auf der Lehne abstützte.
"
Vor einiger Zeit bin ich bei Recherchen auf etwas gestoßen, das
uns im Kampf gegen die Todesser entschieden weiter bringen
könnte."
Er machte eine kurze Pause und sah die beiden
an.
"
Es handelt sich dabei um die sogenannten Runen des Lichts,
falls ihnen das was sagt, Miss Granger?" , fügte er bissig
hinzu und sah sie lauernd an.
Albus antwortete an ihrer statt.
„Ich hätte Miss Granger nicht für diese heikle Aufgabe ausgewählt, wenn es nicht so wäre, Severus.“ , warf er ungehalten ein.
Severus zog eine Augenbraue nach oben und sprach dann ungerührt weiter.
"Die Runen des Lichts waren zu Zeiten der Gründung von Hogwarts wichtige magische Gegenstände, die der Seite des Lichts den Frieden sicherten."
Er rutschte auf dem Stuhl nach hinten und stand auf.
"Diese
13 magischen Runen wurden vor 800 Jahren gestohlen und von Zauberern
und ihren Verbündeten an 13 Orten in der Muggelwelt
versteckt."
Er zog die Lederjacke aus und war jetzt nur noch
mit dem Rollkragenpullover und einer Jeans bekleidet.
Zielstrebig
ging er zu seinem Schreibtisch hinüber und holte einen Packen
Notizen, die er eilig durchblätterte.
"Ich habe lange
recherchiert um heraus zu bekommen, dass sich die Spur der ersten
Rune in der Bretagne verliert.
Dort müssen wir anfangen zu
suchen. Wenn wir diese erste Rune finden, wird sie uns zu den anderen
zwölf führen.", sagte er und hielt den beiden eines
der Blätter hin.
Es war eine Muggellandkarte der französischen Bretagne. Die Stadt Rennes war mit einem roten Kringel eingekreist.
"
Wir apparieren von hier aus nach London und reisen dann mit dem Zug
weiter nach Rennes.
Die Gallier nannten das Land Armorica... was
soviel heißt wie: das Land vor dem Meer.
Das bringt uns so
gut wie ans erste Ziel. Ein kleines Dorf an der armoricanischen
Küste..."
Er
setzte sich wieder rittlings auf den Stuhl.
" Irgendwelche Fragen?", sagte er nun in seinem typisch genervten Tonfall.
Albus räusperte sich.
"Ich hätte noch eine Frage, Severus. Warum apparieren wir nicht sofort in die Bretagne?" , fragte er.
****
„Ich
nehme an, das ist so, weil wir keine Aufmerksamkeit auf uns lenken
wollen?“, sagte Hermine schüchtern und sah Snape dabei
an.
Dann schluckte sie.
Das
Ausmaß der Unternehmung war ihr nicht bewusst gewesen, aber um
nichts in der Welt hätte sie es verpassen wollen, daran
teilzunehmen.
Sie hatte genickt während Professor Snape
sprach. Natürlich hatte sie von diesen sagenhaften Runen schon
gelesen, und fast tat es ihr leid, dass Dumbledore sie nicht hatte zu
Wort kommen lassen.
Sie
würde Snape schon beweisen, dass sie von Nutzen sein konnte. Und
bestimmt würden sich Gelegenheiten ergeben, es ihn spüren
zu lassen.
Die Idee mit der U- Bahn war gut... Hermine musste ein
Lächeln unterdrücken bei dem Gedanken an einen hilflos
umherirrenden Snape in der völlig überfüllten Londoner
Untergrundbahn.
Sie
würden nach Frankreich reisen!
Sie wusste nicht, ob der
Professor französisch sprach, sie jedenfalls beherrschte es
recht gut.
Wahrscheinlich war auch das ein Grund dafür, dass
der Schulleiter sie dabei haben wollte.
Sie trank einen Schluck
Tee, stellte die Tasse wieder hin und räusperte sich, um ihre
Stimme fest klingen zu lassen.
„Hmm,
vor 800 Jahren...“, überlegte sie laut. „Es ist
wahrscheinlich passiert, bevor der englische König Johann
Ohneland die Bretagne an Philip II. verlor... also vor 1204..., davor
war sie ein britisches Herzogtum, und es war leichter für
britische Magier, dorthin zu gelangen, um etwas zu verstecken...“
****
Severus
warf Hermine einen unerträgliche- Besserwisserin - Blick
zu und begann, zu erzählen.
" Wie sie schon richtig
angemerkt haben, Miss Granger, wurden die magischen Runen im zwölften
Jahrhundert von der Gemeinschaft der Limogener entwendet.
Einer
der Hüter der Runen war der englische König Richard
Löwenherz.
In der Muggelwelt war er auch unter dem Namen
Richard Plantaget bekannt.
Das er außerdem ein großer
weißer Magier war, wussten die wenigsten.
Die
erste Rune die wir suchen ist Ingwaz, was in der Sprache der
Germanen soviel wie ‚Gott’ heißt."
Er
ließ die Worte kurz ankommen. Fahrig fuhr er sich durch die
Haare, bevor er ansetzte, weiter zu sprechen.
"Dass wir
nicht direkt in die Bretagne apparieren, hat den einfachen Grund,
dass wir möglichst keine Aufmerksamkeit erregen sollten.
Denn
es gibt noch immer Nachkommen des Geheimbundes der Limogener, die es
zu verhindern wüssten, das ihnen jemand die Rune nimmt.
Denn
Ingwaz die ist älteste. Sie wurde um 564 geschaffen und in
Verbindung mit jeder Art von Magie, ruft sie die anderen Runen.
Das
würde uns in der Muggelwelt zur Zielscheibe der dunklen Seite
machen.
Deshalb starten wir in London. Unser erstes Ziel ist ein
Runenstein in der Kirche von St. Gastyll. Einem winzig kleinen
Fischerdorf an der Felsenküste von Armorica."
Er sah
seine beiden Gäste an. " Wir sollten unverzüglich
aufbrechen.", sagte er und stand auf.
Der Schulleiter erhob sich ebenfalls und ließ mit einem Zauberstab- Schlenker ein erstaunlich gut zur Hose passendes Sakko erscheinen.
Er hatte seine Reisetasche aufgenommen und bückte sich nun, um auch Hermines Gepäck zu tragen, denn ihm war vollkommen klar, dass Severus sich nicht darum kümmern würde, wie die junge Frau ihren Koffer transportierte.
Hermine
streckte abwehrend die Hände aus, als Professor Dumbledore sich
anschickte, ihren Koffer zu tragen.
"Ich hab ihn leicht
gehext", lächelte sie, während sie den Koffer selbst
nahm und sich beeilte dem Zaubertranklehrer zu folgen.
Während
sie nach Hogsmeade marschierten wiederholte Hermine in Gedanken
alles, was sie über die Ingwaz- Rune wusste.
Sie war dem Gott
Frey gewidmet und eignete sich, um unsichtbare Türen zu öffnen
oder einen Eingang zu schaffen.
Das machte in bezug auf ihre
Aufgabe durchaus Sinn.
Die
Bedeutung des Gottes musste sie noch mal nachlesen, sie war sich da
nicht ganz sicher.
Sie merkte, dass sie hinter den beiden Männern
zurückblieb und beeilte sich, wieder aufzuschließen.
****
Am
Waldrand blieb Severus stehen und zog einen alten Kamm aus seiner
Tasche.
" Dies ist unser Portschlüssel, der uns zunächst
in die Winkelgasse bringt. Dort werden wir uns mit Muggelgeld
eindecken."
Er
hielt den beiden den braunen abgegriffenen Kamm hin.
" Ab
jetzt keine Magie mehr!", sagte er bestimmt und zeigte mit dem
Zauberstab auf Hermines Koffer.
Mit
einem leisen Plopp hatte der sein ursprüngliches Gewicht
zurück erhalten.
Severus legte seinen Zauberstab in ein
kleines Kästchen, das er unter einem unscheinbaren Stein
versteckte.
"Kommen
Sie jetzt.", knurrte er und seufzte, weil Hermine vom Gewicht
ihres Koffers beinahe umgerissen wurde, als sie ihn aufheben
wollte.
Mit einem vielsagenden Blick in Ihre Richtung schob er
genervt ihre Hand weg und griff nach dem braunen Lederkoffer.
Er
selbst hatte eine große, dunkelgrüne Reisetasche über
der Schulter hängen.
Alle drei legten jeweils eine ihrer
Hände auf den Kamm und sofort spürten sie den vertrauten
Ruck in der Nähe des Bauchnabels.
Severus
wäre beinahe versehentlich in Hogwarts zurückgeblieben.
Denn er hatte seine Hand ruckartig zurückgezogen als sie
Hermines Finger berührten.
****
Hermine
liebte es nicht, mit Portschlüsseln zu verreisen.
Danach war
ihr immer eine Zeitlang schwindelig.
Dennoch griff sie beherzt
nach dem Kamm, um es wenigstens schnell hinter sich bringen.
Nach
kurzer Reise landeten sie in der Winkelgasse, direkt vor der
Zaubererbank Gringotts.
Hermine
taumelte kurz, wurde jedoch von Albus Dumbledore
festgehalten.
Dankbar nickte sie, atmete dann tief durch und
betrat dann ebenfalls die Bank.
Sie
war froh, das Professor Snape ihr den Koffer abgenommen hatte, wenn
auch sein Blick nicht sehr freundlich gewesen war.
Abwartend
beobachtete sie, wie die beiden Männer sich darum kümmerten,
das sie genug Muggel- Geld zur Verfügung hatten.
****
Severus
brauchte einen Moment um sich wieder zu fangen. Er holte tief Luft
und blinzelte einige Male.
Das Reisen mit Portschlüsseln
brachte seinen Kreislauf immer erheblich durcheinander und er hasste
es deshalb leidenschaftlich.
Nachdem
sie sich mit Muggelgeld eingedeckt hatten, gingen sie durch den
Tropfenden Kessel
und kamen nach einer längeren Fahrt mit
der Londoner U- Bahn am Bahnhof Kings Cross an.
Von dort hatten
sie den Schnellzug nach Paris genommen und waren mit dem Bus nach
Rennes weitergefahren.
Severus
saß nun neben Hermine auf dem Rücksitz des Taxis, das sie
nach St. Gastyll bringen würde und starrte missgelaunt aus dem
Fenster, während Albus sich vorn angeregt mit dem schnodderigen
Taxifahrer unterhielt.
Nachdem das Gespräch über Rotwein und die richtigen Trauben für diesen Zweck etwas abgeebbt war, drehte sich Dumbledore zu Hermine um und bot ihr ein Zitronenbonbon an.
Im gleichen Zug reichte er ihr ein schmales gelb- blau eingebundenes Buch nach hinten.
Es war ein Selbstlernkurs Schwedisch.
****
Hermine
lehnte das Zitronenbonbon dankend ab, nahm aber das Buch interessiert
entgegen.
Überrascht sah sie in das lächelnde Gesicht
des Schulleiters. Schweden?
Hermine schüttelte leicht den
Kopf und steckte das Buch in ihre Jackentasche.
Worauf hatte sie
sich da nur eingelassen? Sie war beinahe am Ende ihrer Kräfte.
Müde
und erschöpft hoffte sie inständig, dass sie nun bald ihr
erstes Ziel erreicht hatten.
Tatsächlich verlangsamte das
Taxi nun die Fahrt und hielt schließlich vor einem kleinen
Gasthof an.
Eilig stieg Hermine aus, froh, der erzwungenen Nähe
mit Professor Snape entronnen zu sein, der mit dem Tragen ihres
Koffers alle Freundlichkeit für den heutigen Tag aufgebraucht zu
haben schien.
Sie
streckte sich ein wenig, als sie Snape scharf einatmen hörte und
seinem Blick folgte.
Sie sah in einiger Entfernung etwas auf sie
zufliegen und schon bald erkannte sie, dass es eine Eule war.
Das
Taxi, das Dumbledore bezahlt hatte, fuhr eben davon, als der Vogel
sich auf den ausgestreckten Arm des Schulleiters
niederließ.
Dumbledore nahm ihm das Pergament ab, entrollte
es und las mit gerunzelter Stirn.
****
Severus war froh als er nach dieser Fahrt über holprige Straßen, durch unzählige winzige Dörfer und dem endlosen Geplauder des Schulleiters, endlich aus dem Taxi aussteigen konnte. Frische Luft! Endlich!
Gerade waren sie dabei ihr Gepäck auszuladen als ein großer Waldkauz auf sie zuhielt und sich auf dem Arm Dumbledores niederließ.
"
Was ist es?", fragte Severus knapp und ließ Hermines
Koffer unsanft auf den staubigen Boden fallen, während der
Schulleiter fassungslos auf den Brief in seinen Händen blickte.
„Albus?“, hakte Severus nach, als dieser sich schwankend auf die kleine Bank vor dem Gasthof setzte.
„Ich muss sofort zurück nach London..“ stammelte der mit bleichem Gesicht.
****
Betroffen
setzte Hermine sich zu Dumbledore auf die Bank, und auch Professor
Snape trat mit besorgtem Gesicht näher.
Der ältere
Zauberer schien plötzlich um Jahre gealtert.
"Professor", hauchte Hermine zaghaft. "Was ist geschehen?"
Lebhafte
Sorge schnürte ihr die Brust zu, während Dumbledore mehrere
Male tief durchatmete und dann stotternd von einem Todesser- Angriff
auf das Ministerium berichtete, bei dem es Verletzte und Tote gegeben
hatte.
Offenbar
war Professor McGonagall betroffen und auch sein Bruder Aberforth
schwebte in Lebensgefahr.
Es war keine Frage für ihn, dass er
sofort nach London zurückkehren würde.
Schon stand er
auf, um sich ein neues Taxi zu besorgen.
****
Severus und Hermine sahen dem abfahrenden Taxi hinterher, mit dem sich der Schulleiter zurück auf den Weg nach London gemacht hatte.
Nachdem
es um die Ecke verschwunden war und sich die letzten Staubwölkchen
gelegt hatten, drehte sich Severus ohne weiteres Wort um und ging mit
Hermines Koffer und seiner Reisetasche bepackt, auf den Eingang des
Gasthofes zu.
****
Hermine
starrte noch weiter die Straße entlang, nachdem das Taxi schon
außer Sichtweite war. Sie stand jetzt hier allein- mit
Snape!
Die ganze Unternehmung, die ihr vorher schon leichtes
Unbehagen verursacht hatte, begann nun monströse Ausmaße
anzunehmen.
Es
musste an Dumbledores Verwirrung gelegen haben, dass er meinte, sie
und Professor Snape gäben ein gutes Team ab, um diese Rune zu
finden.
Das konnte doch nicht sein Ernst sein!
Zögernd
wandte sie sich zu Snape um, der dem Schulleiter in nicht sehr
schmeichelhaften Worten zu verstehen gegeben hatte, dass auch er
diese Idee für absolut irrsinnig hielt, doch Dumbledore war stur
geblieben und so stand sie jetzt auf einer staubigen kleinen Straße
in Frankreich mit... nein... ohne Professor Snape.
Wo war
er?
Hermine
hoffte inständig, dass er nur in den kleinen Gasthof vorgegangen
war, und eilte hinterher.
Sicher war der nicht der angenehmste
Reisegefährte, den man sich vorstellen konnte, doch ganz allein
hier festzusitzen erschien ihr noch erschreckender.
****
"Wo
bleibst du denn?", herrschte er sie an, als sie den kleinen
Vorraum des Gasthauses betrat.
Er drehte sich ruckartig zu ihr um
und sah sie mit seinem wildesten Snape- Blick eindringlich an, damit
sie ja keine Anstalten machte, einen Kommentar zu der ungewöhnlichen
Anrede von sich zu geben.
Mit
einer energischen Bewegung streckte er ihr einen großen
Eisenschlüssel entgegen
und hätte ihn einfach fallen
lassen, wenn sie nicht geistesgegenwärtig ihre Hand danach
ausgestreckt hätte.
Die pummelige Frau hinter dem Tresen sah
sie nicht nur interessiert, sondern mit unverhohlener Neugier an.
"Sollen
wir das Gepäck Ihrer Tochter nach oben bringen lassen, Mr.
Prince?", fragte sie in gebrochenem Dialekt.
" Nein!",
knurrte er und drehte die verdutzte Hermine an der Schulter um, um
sie vor sich her die Treppe hinauf zu schieben.
****
"Kein
Grund, grob zu werden", zischte Hermine zwischen
zusammengebissenen Zähnen hervor.
Sie griff noch rasch nach
ihrem Koffer und schleppte ihn ächzend hoch.
Hinter ihr
drängelte Snape und deutete oben angekommen auf zwei benachbarte
Zimmertüren.
Hermine
ließ den Koffer vor der Türe fallen, die der Schlüssel
als die ihre auswies.
"Ihre Tochter?", fauchte sie
leise.
"War das wirklich notwendig? Bis jetzt hatte das Wort
'Vater' für mich immer eine weitgehend positive Assoziation..."
Sie
war müde und hungrig und ärgerte sich darüber, von
Snape so schlecht behandelt zu werden, andernfalls hätte sie es
wohl kaum gewagt, so mit einem Lehrer zu sprechen.
Aber er tat ja
gerade so, als wäre das alles ihre Schuld!
Zu
ihrem Entsetzen spürte Hermine, wie ihr Tränen in die Augen
stiegen.
Abrupt wandte sie sich ab und schloss ihre Türe
auf.
Sie atmete tief durch und hoffte, dass der Professor nichts
von ihrer vorübergehenden Schwäche mitbekommen hatte.
Ohne
ihn anzusehen nahm sie ihren Koffer auf und betrat das Zimmer.
****
Severus
zog seine Jacke und seine Schuhe aus und legte sich auf das schmale
Bett.
Die Hände hinter dem Kopf verschränkt starrte er
zur Decke und lockerte seine Zehen.
Diese Wirtin, Mrs. Byron war
wirklich unglaublich neugierig.
Die hätte ihn glatt
verhaften lassen, wenn er ihr erzählt hätte, das Hermine
etwas anderes war als seine Tochter.
Auch
wenn er froh war, das dieser Kelch an Ihm vorübergegangen war,
dachte er ständig an ihren Blick den sie ihm vor der Tür
zugeworfen hatte.
Nach einigen Minuten stand er auf und ging
barfuß ins Bad hinüber.
Alles hier war klein und
altmodisch und mit dem verschwenderischen Luxus in Hogwarts nicht im
mindesten vergleichbar.
Aber
es war gemütlich.
Nach einer Weile war die schmale Badewanne
mit warmem Wasser angefüllt und er begann langsam, sich den
Rollkragenpullover und das T-Shirt abzustreifen...
****
Hermine
setzte sich auf den Bettrand und barg das Gesicht in den Händen.
Dann
fuhr sie sich mit beiden Händen durch das Haar, strich es zurück
und stand auf, um ihre Kleidung aus dem Koffer in die kleine Kommode
zu räumen, die neben dem Bett stand.
Als sie fertig war
inspizierte sie das Badezimmer, fand es zufrieden stellend und gönnte
sich eine ausgiebige, sehr heiße Dusche.
'Oh,
verflixt! Keine Magie!' , schoss es ihr durch den Kopf, als sie
ihre Haare trocknen wollte.
Der
altersschwache Fön des Hotels konnte gegen ihre buschigen
Haarmassen nichts ausrichten, so band sie die nur notdürftig
getrockneten Haare zu einem lockeren Knoten im Nacken.
Sie zog
eine Jeans und eine Bluse an und überlegte gerade, wann es wohl
Abendessen geben würde, als es an ihre Tür klopfte.
****
Nachdem
Severus ausgiebig gebadet hatte, trocknete er sich langsam ab und
gönnte dem alten Fön auf der Badezimmerkommode nur einen
missbilligenden Blick.
Damit konnte man sich sicherlich alle
möglichen Verletzungen zufügen, wenn man dumm genug war,
dieses Muggel- Relikt zu benutzen.
Er zog sich eine neue Jeans und ein dunkelblaues T-Shirt an und rubbelte seine Haare nur notdürftig trocken.
'Ich
muss mit Miss Granger sprechen, wegen der Tochter- Geschichte.' ,
dachte er seufzend und schloss die Zimmertür hinter sich
ab.
Einen Augenblick später klopfte er an ihre Tür.
****
Überrascht
ging sie zur Tür um zu öffnen.
Sie hätte nicht
gedacht, dass Professor Snape sie zum Abendessen abholen würde,
aber wer würde sonst bei ihr klopfen?
'Der
Zimmerservice wird s wohl nicht sein’, dachte sie.
Sie
trat rasch beiseite, als Snape Anstalten machte, an ihr vorbei, in
ihr Zimmer zu stürmen.
Etwas fassungslos betrachtete sie den
Zaubertranklehrer, der so gar nicht wie er selbst aussah, mit dem
feuchten Haar, dem T-Shirt und der engen Jeans.
'Snape
in Jeans! Das glaubt mir kein Mensch!'
"Kommen
Sie doch herein...", murmelte sie sehr leise. Dann zwang sie
sich zu einem freundlichen Lächeln.
Immerhin mussten sie hier
miteinander auskommen.
****
Severus
war sofort an Hermine vorbei gestürmt, als diese die Tür
geöffnet hatte.
Das war zwar nicht besonders höflich
gewesen, aber in dieser Situation durchaus angebracht.
"
Mach die Tür zu.", blaffte er sie an und sah einen der
klapprigen weißen Holzstühle in Hermines Zimmer
interessiert an, entschied sich dann jedoch dafür, stehen zu
bleiben.
Nachdem sie seinem schroffen Befehl Folge geleistet
hatte, sprach er nun um ein vielfaches leiser als sonst üblich.
"
Wir müssen sehr vorsichtig sein, Miss Granger.", kehrte er
zur förmlichen Anrede zurück.
"Wir müssen
dringend ein paar Dinge besprechen. Gehen Sie ein Stück mit mir
spazieren, hier können wir nicht reden.." , sagte er
beinahe im Flüsterton und beugte sich etwas zu ihr vor.
Seine feuchten Haare hingen ihm jetzt etwas wirr ins Gesicht.
Hermine
nickte ernsthaft. Sie verstand.
Das hier war kein fröhlicher
Wochenend- Ausflug.
'Nicht, dass er bis jetzt so gewirkt
hätte’, dachte sie gehässig, verließ dann
aber mit Snape das Zimmer, schloss ab und folgte ihm aus dem Gasthof
heraus.
Sie
schlugen den Weg zum Meer ein und Hermine wartete gespannt darauf,
was er ihr zu sagen hatte.
***
Er ging einen halben Meter vor ihr her und bemühte sich nicht, für sie langsamer zu werden.
Als
sie in einer kleinen felsigen Bucht angekommen waren, setzte er sich
auf einen großen hellen Stein und klopfte mit der flachen Hand
neben sich auf den glatten grauen Fels.
Unsicher nahm sie Platz
und saß nun etwas steif neben ihm.
"Ich
wollte ungestört mit Ihnen sprechen können, diese Mrs.
Byron ist neugieriger als Peeves und Filch zusammen!", sagte er
und sah auf die Bucht hinaus.
Die Wellen schlugen sanft an den felsigen Strand und ein leicht salziger Nebel legte sich auf ihre Gesichter.
****
Hermine schloss kurz die Augen, um dieses seltsam dumpfe Unwirklichkeits- Gefühl abzuschütteln, dass sie angesichts der ganzen Situation befallen hatte.
Sie war nicht besonders erfolgreich.
Jetzt sah sie auf ihre Schuhspitzen, die Hände zu beiden Seiten auf dem Fels abgestützt und suchte nach Worten.
„Sir, ich wollte mich noch entschuldigen für mein Verhalten vorhin... “, begann sie zögernd.
Snape winkte ab. Hermine war erleichtert.
Er schien ihr ihre Unhöflichkeit nicht übel genommen zu haben.
Jetzt lauschte sie aufmerksam, während er ihr erläuterte, wie ihr weiteres Vorgehen aussehen würde.
Sie würden morgen in der kleinen Dorf- Kirche nach der verborgenen Rune suchen, sie möglichst unauffällig an sich nehmen und nach Hogwarts zurückkehren.
Leider hatte er keinen genaueren Anhaltspunkt, wo in der Kirche sie nach der Kieselstein-großen Rune suchen mussten, aber Hermine versuchte, genug Optimismus zu entwickeln, um glauben zu können, dass die Rune sich rasch finden lassen würde und sie wieder nach Hogwarts zurückkehren ließ.
„Wie wird die Rune den nächsten Anhaltspunkt liefern?“, fragte sie dann.
****
Severus
saß ruhig neben ihr und sah eine ganze Weile, auf die immer
unruhiger werdende See hinaus.
Die Wellen brachen sich immer
schneller und jagten brausend die weiße Gischt vor sich her.
"
So genau weiß ich das auch nicht... ich habe gelesen, das sich
die Runen gegenseitig rufen..
wie das genau funktioniert dürfen
sie mich allerdings nicht fragen.." ,sagte er schulterzuckend.
Er
spielte mit einem kleinen Stein, den er zwischen seinen Füßen
hin und her kickte.
" In Hogwarts werden wir die Bedeutung
der Rune in aller Ruhe entschlüsseln und dann zu unserem
nächsten Ziel aufbrechen."
Er
hörte auf, mit dem Stein zu spielen und drehte den Kopf, um sie
direkt anzusehen.
" Ich muss Ihnen wohl noch erklären
warum ich sie hier als meine Tochter ausgebe, Miss Granger.",
begann er etwas zögerlich, denn eigentlich war es ihm sehr
unangenehm, dass er jemand anderem eine Erklärung für sein
Verhalten schuldete.
Das
war ihm noch nicht oft passiert. Schon gar nicht bei einem
Schüler...
' Einer Schülerin!' , korrigierte er
sich gedanklich und fragte sich im nächsten Moment, warum er auf
diese Anrede Wert legte.
"
Ich hätte Sie wohl besser fragen sollen doch das war eigentlich
nicht geplant.
Aber diese Person ist so unsäglich neugierig
das sie sich zweifellos gewundert hätte, wenn ein Lehrer mit
einer Schülerin in ein lauschiges Dörfchen verreist."
Er
machte eine kurze Pause. Dann spielte ein leichtes Lächeln um
seinen schmalen Mund.
"Wofür hätte ich Sie denn
sonst ausgeben sollen?", fragte er und zog eine Augenbraue nach
oben.
"Ich
denke, dass wir langsam weitergehen sollten!" , sagte er
anschließend mit einem Blick auf die höher werdenden
Wellen, die sie nun schon beinahe erreicht hatten.
"Ich finde
nämlich, dass einmal Baden am Tag völlig ausreicht!"
****
Eine flüchtige Röte überzog ihr Gesicht, als er das 'lauschige' Dörfchen und die Notwendigkeit einer Tarnung ansprach.
"Ich
verstehe", sagte sie leise und stand dann mit ihm auf, um dem
Wasser zu entgehen.
Wenn er vorhin noch einen Sturmschritt
hingelegt hatte, ging er jetzt langsam neben ihr her.
Sie
überdachte seine Worte, dann fiel ihr etwas auf.
Hatte
er gesagt: 'Wir werden die Bedeutung der Runen in aller
Ruhe entschlüsseln?'
Das konnte doch nicht sie
meinen?
Nein. Hermine schüttelte in Gedanken den Kopf. Er
hatte natürlich Professor Dumbledore und sich selbst gemeint.
Für
einen winzigen Moment wünschte sie sich, dass sie an der
Entschlüsselung teilhaben dürfte, was für ein
faszinierendes Projekt!
Sie dachte an den Schulleiter und seine
plötzliche Abreise.
"Könnte
ich... ich meine, wir sind ohne Magie und haben keine andere
Möglichkeit..."
Sie straffte sich und sagte leise:
"Ich
würde später gern meine Eltern anrufen und sie bitten, uns
Neuigkeiten über den Angriff mitzuteilen. Sie haben den
Tagespropheten abonniert...", fügte sie erklärend
hinzu.
Sie
hatten mittlerweile beinahe die Tür des Gasthofes erreicht, als
Hermine stehen blieb.
"Ich muss Sie jetzt 'Daddy' nennen,
nicht wahr?", grinste sie.
****
"Verkneifen
Sie sich das, wenn sie den heutigen Tag überleben wollen!"
, knurrte er und sah sie böse an. Er verschränkte die Arme
vor der Brust.
"Es wird kalt und ich will mir unbedingt noch
die Kirche ansehen."
Er hielt ihr die Tür auf.
Als
sie nicht reagierte, sah er sie fragend an.
"Was denn?",
blaffte er ungeduldig.
" In fünf Minuten wieder hier!
Los, mach schon! " , setzte er hinzu, da nun die Tür offen
stand und die rundliche Mrs. Byron sich bereits den Hals verrenkte,
um jede Kleinigkeit ihres Gesprächs mit zu bekommen.
Eigentlich wollte er sie nicht anblaffen, aber sie zu duzen kostete ihn derartige Überwindung, das er einfach nicht anders konnte.
****
Als
er sie wieder so anfuhr, konnte Hermine es nicht lassen, sich einmal
zu ihm umzudrehen und zu maulen:
"Ist ja gut, Daddy, ich geh
ja schon..."
Während sie die Treppe hoch lief, um sich
eine Jacke zu holen, verkniff sie sich, so gut es ging, ein fettes
Grinsen.
Der
mörderische Gesichtsausdruck des Professors entschädigte
sie heute für vieles.
Sie suchte ihre blaue Strickjacke
heraus, zog sie über und traf vor ihrem Zimmer wieder mit Snape
zusammen.
****
Severus
erdolchte Hermine hinter ihrem Rücken mit Blicken, als sie vor
ihm die Treppe hochging.
'Ich hab s wahrscheinlich nicht besser
verdient..', dachte er grimmig und schlug seine Zimmertür
energischer zu, als nötig gewesen wäre.
Nach
einigen Minuten riss er sie, immer noch sehr missgelaunt, wieder
auf... und traf davor auf eine heftig zusammenzuckende Hermine.
Er
schenkte ihr nochmals einen bösen Blick aus seinen schwarzen
Augen, und ließ sie vorbei gehen.
Draußen,
ein Stück vom Gasthof entfernt, zog er die schwarze Lederjacke
enger um seine Schultern und wandte sich zu ihr um.
"
Wir müssen in Richtung Dorf gehen...", sagte er tonlos und
wartete, bis sie losging.
Er holte sie ein und lief eine Weile
schweigend neben ihr her.
" Da vorne habe ich beim Herkommen
eine Telefonzelle gesehen..", sagte er dann knapp und steckte
die Hände in seine Taschen.
****
"Ich
habe leider kein Geld dabei...", meinte sie leise.
Nachdem
Snape ihr einige Münzen aus seiner Hosentasche gegeben hatte,
betrat sie die leicht altertümlich wirkende Telefonzelle,
inständig hoffend, das sie intakt war.
Während er
draußen wartete, telefonierte sie mit ihren Eltern.
Es
war ihr nicht sehr wohl dabei, die näheren Umstände ihrer
Abwesenheit von Hogwarts zu erläutern und sie versuchte
möglichst ungewiss von einem 'außer - schulischen
Projekt' zu sprechen, ohne ihre Eltern zu beunruhigen oder nähere
Angaben machen zu müssen.
Nach einem ziemlich knappen
Telefonat kehrte sie zu ihrem Lehrer zurück.
"Es
ist niemand getötet worden", antwortete sie auf seinen
fragenden Blick.
"Aber Professor McGonagall liegt noch im
Koma... ", fügte sie mit zutiefst unglücklichem
Gesichtsausdruck hinzu.
Sie starrte auf den Boden und schüttelte
leicht den Kopf.
Sie mochte ihre Hauslehrerin sehr und der
Gedanke, dass ihr Schicksal ungewiss war, bedrückte sie sehr.
****
Severus
verzog schmerzvoll das Gesicht als er Hermines Nachrichten hörte.
Er
mochte seine Kollegin und das sie so schwer verletzt schien,
bedrückte ihn... und machte ihm Angst.
Wenn
nun schon das Ministerium nicht mehr sicher war, dann war es Hogwarts
auch nicht.
Wenigstens war Albus zurückgekehrt.
Das
würde den Schülern ein Mindestmaß an Schutz
bieten.
"Um so wichtiger das wir die Rune finden. Kommen
Sie.", sagte er dann barsch, ohne sich noch irgendeine
Gefühlsregung anmerken zu lassen.
****
Sie blickte auf, als Professor Snape sich abwandte und los marschierte.
Er
hatte recht.
Es war wichtig weitere Hilfsmittel im Kampf gegen
Voldemorts Gefolgschaft zu gewinnen, und der Gedanke an Professor
McGonagall und all die anderen Menschen, die deretwegen in Gefahr
schwebten, erfüllte sie mit grimmiger Entschlossenheit.
Der
Ortskern des kleinen Dörfchens war schnell erreicht.
Die
Kirche war von einem kleinen Grünstreifen umgeben.
Sie war
ein kleines trutziges Bauwerk, aus großen, groben Steinen
zusammengefügt, mit wenigen kleinen Fenstern und einem nicht
besonders hohen Glockenturm.
Die Straßen waren menschenleer.
Die
Dorfbewohner saßen wohl beim Essen und achteten nicht auf den
großen dunklen Mann und das schlanke junge Mädchen, die
die Kirche interessiert musterten.
****
Langsam gingen sie auf die Kirche zu. Dem Baustil nach, schien sie bereits sehr alt zu sein.
"Wir
sollten uns im Inneren umsehen." , sagte er und berührte
sie unabsichtlich an der Schulter, als er die Hand ausstreckte.
Wie
schon beim Reisen mit dem Portschlüssel zog er sie zurück,
als hätte er sich an Hermine verbrannt.
Er
steckte die Hände wieder in die Taschen und ging hinter Hermine
in die kleine Kirche hinein.
Drinnen war es schon beinahe dunkel.
Der Innenraum des Gotteshauses war nur von einigen Fackeln
beleuchtet.
Suchend gingen sie durch den stickigen Raum, sahen
sich Wände und Boden an, tasteten Gegenstände ab und
überlegten fieberhaft, wo man etwas so Wertvolles versteckt
haben könnte.
****
Nachdem sie eine ganze Zeit lang auf den Knien herum gerutscht war, stand Hermine auf und schaute sich nochmals suchend in der Kirche um.
Wo
könnte diese Rune versteckt sein? Die Kirche war schlicht
ausgestattet.
Die obligatorischen Holzbänke, ein Taufbecken
und ein Altar.
All diese Möbel waren sicherlich keine 800
Jahre alt.
Sie konnten sie bei der Suche also außen vor
lassen.
Wenn
man ein Versteck suchte, würde man wohl auch nicht unbedingt die
Räume bevorzugen, die tagtäglich von vielen Leuten begangen
wurden.
Sie öffnete langsam eine Tür und sah, dass es
dort wohl zum Glockenturm hochging.
Vielleicht... Schnell
huschte sie hinauf.
****
Severus
sah sich suchend um. Hermine war plötzlich nicht mehr da. Er
seufzte.
Konnte man diese Person denn nicht mal einen Moment aus
den Augen lassen?
Die Tür zum Glockenturm stand offen und als
er im Türrahmen stand, konnte er das hohle Geräusch ihrer
Schritte auf den alten Treppen hören.
Er
wandte sich wieder ab und sah sich weiter in der Kirche um.
Die
Fackeln warfen flackerndes Licht und ihre Verbrennungsrückstände
machten den Raum stickig und neblig.
Der
Rauchgeruch brannte ihm in Hals und Augen.
Sein Blick fiel auf ein
schmiedeeisernes Gitter an der gegenüberliegenden Seite des
Gebäudes.
Interessiert ging er näher und erkannte es
schließlich als verschlossenen Eingang zu einer unterirdischen
Krypta.
Er
wollte sich schon wieder abwenden als er sah, was sie so fieberhaft
suchten.
Ein Zeichen. Ein Hinweis. Das hier war das, was sie
brauchten.
Über dem schmalen Eingang der Krypta war eine
winzige viereckige Sonne mit einer Raute in Ihrem Mittelpunkt
geritzt.
Die
Sonne stand für die Seite des Lichts und eine Raute war das
Zeichen der Ingwaz.
****
Die Suche im Glockenturm war enttäuschend verlaufen und Hermine betrat leise wieder den Hauptraum der Kirche.
Snape stand ein paar Meter von ihr entfernt und fixierte etwas auf Augenhöhe.
Hermine näherte sich ihm rasch und er wandte sich zu ihr um und deutete auf das kleine eingeritzte Zeichen auf einem der Gitterstäbe.
„Da ist es also“, hauchte sie.
Der Gang der sich hinter der Tür verbarg, sah eng und dunkel aus.
Ihr war leicht beklommen zumute, bei dem Gedanken daran, sich dorthinunter schleichen zu müssen.
Dass sie es erst spät in der Nacht versuchen würden, machte ihr die Unternehmung nicht sympathischer.
Doch sie war fest entschlossen, sich vor Professor Snape nicht durch Ängstlichkeit zu blamieren.
Wenn sie die Rune dort unten finden würden, dann würde sie eben da hinunter gehen.
Doch vorerst war sie dankbar für einen Aufschub und die Aussicht auf ein Abendessen.
Sie kehrten in den Gasthof zurück und trennten sich vor ihren Zimmern.
Hermine wusch sich die Hände und das Gesicht, um Staub und Spinnweben loszuwerden, und vertauschte ihre arg in Mitleidenschaft gezogene Hose mit einem Rock.
Ihr Haar war durch den Nieselregen rettungslos gelockt und Hermine versuchte aus der Not eine Tugend zu machen und fasste sie zu einer Hochsteckfrisur zusammen.
So fühlte sie sich gerüstet für ein Abendessen mit dem Meister der Zaubertränke.
Sie ging hinunter und wurde von Mrs. Byron empfangen und in den Speiseraum geführt.
„Ihr Vater wartet schon auf sie, Miss Prince“, lächelte sie.
Hermine bedankte sich höflich und setzte sich zu Snape, der ein Glas Wasser vor sich auf dem Tisch stehen hatte und sie finster anstarrte.
Deswegen verzichtete Hermine darauf, ihn mit ‚Hallo Daddy’ zu begrüßen, sondern nickte ihm bloß freundlich zu.
****
Severus sah kurz auf als die pausbäckige Wirtin, gefolgt von Hermine in den kleinen Speiseraum kam.
Das
wirre lockige Haar hatte die junge Frau zu einem eleganten Knoten
aufgesteckt.
Das fiel ihm sofort auf, weil es ihr Gesicht
vorteilhaft betonte.
Sie setzte sich ihm gegenüber und
nachdem sie schweigend gegessen hatten, legte er seine Serviette auf
den Teller und stand auf.
"Bitte
seien Sie Punkt ein Uhr fertig..."
Er hatte sich im
Vorbeigehen zu ihr herunter gebeugt und ihr diesen Satz so leise wie
möglich ins Ohr geflüstert.
Er
schloss kurz die Augen als er ihren zarten Duft nach
Maiglöckchenblüten einatmete und eine ihrer Locken ihn im
Gesicht streifte.
Ohne auf eine Antwort zu warten, floh er aus dem
Esszimmer.
Eine Gänsehaut überlief Hermine, als sie seinen warmen Atem an ihrem Ohr fühlte.
Sie sah nicht auf, sondern nickte nur und ging wenig später ebenfalls zu ihrem Zimmer hoch.
Sie hätte müde sein müssen, immerhin lag ein sehr anstrengender Tag hinter ihr.
Doch sie fühlte sich nicht schläfrig, im Gegenteil, sie war unruhig und aufgekratzt.
Sie schaute auf die Uhr. Neun Uhr erst... noch vier Stunden, bis sie losgehen wollten.
Unschlüssig sah sie sich im Zimmer um und legte sich schließlich mit dem Buch, dass Dumbledore ihr gegeben hatte aufs Bett und las.
Sie hörte, wie die wenigen Gäste, die außer ihnen noch hier wohnten, nach und nach zu Bett gingen. Dann herrschte absolute Stille.
Was Snape wohl gerade tat?
Sie hatte absolut überhaupt keine Vorstellung davon. Wahrscheinlich würde er ebenfalls etwas lesen...
Um halb eins konnte sie auf schwedisch bis zwanzig zählen und sich nach einem Hotelzimmer erkundigen, einfachen Wegbeschreibungen folgen und einen Fischteller bestellen.
Sie schwang sich vom Bett und zog ihre Jeanshose wieder an.
Sie schien ihr für eine Unternehmung wie die, die sie vorhatten, geeigneter.
Um ein Uhr fragte sie sich gerade, ob sie zu ihm gehen sollte, als ihre Zimmertür, die sie unverschlossen gelassen hatte, sich leise öffnete.
****
Severus
war nach dem Abendessen fast fluchtartig in sein Zimmer
gegangen.
Diese kleine Besserwisserin brachte ihn irgendwie aus
dem Konzept!
Er musste sehen, das sie die Rune fanden und nach
Hogwarts zurückkehrten.
Dann wäre er sie endlich wieder
los.
Er lief einige Zeit unruhig im Zimmer herum und sah immer
wieder aus dem Fenster.
Was Hermine... Miss Granger... jetzt wohl
tat? Las sie? Schlief sie?
"...und warum zum Teufel
interessiert mich das überhaupt?", schimpfte er leise vor
sich hin und legte sich angezogen aufs Bett, um lustlos in einem der
abgegriffenen Muggelbücher zu lesen, die auf dem schäbigen
Nachttischchen lagen.
Als
die Zeit zum Gehen näher rückte und es im Haus immer
stiller geworden war, stand er leise auf und zog eine schwarze Jeans
und einen dicken schwarzen Kapuzenpullover an.
Fast lautlos
schloss er seine Zimmertür und trat auf den Flur hinaus.
Klopfen
würde um diese Uhrzeit viel zuviel Lärm veranstalten, also
entschied er sich,
einfach zu versuchen ob ihre Tür
verschlossen war.
Zu seiner Überraschung war sie es nicht und
so trat er leise ein.
"Keine Angst. Ich bin es nur.",
flüsterte er ins Halbdunkel ihres Zimmers.
"Sie
sollten wirklich abschließen...“, fügte er tadelnd
hinzu und trat in den Lichtkegel der Nachttischlampe an Hermines
Bett.
"Sind Sie soweit?", fragte er und sah ungeduldig
auf die Uhr über ihrem Bett.
****
"Ich bin fertig... und ich habe absichtlich nicht abgeschlossen, damit Sie nicht klopfen müssen", gab sie verärgert zurück.
Ohne
ein weiteres Wort wandte Snape sich ab und ging vor ihr aus dem
Zimmer.
Hermine griff nach ihrer Jacke und folgte ihm.
Es
war gut, dass sie den Weg zur Kirche schon abgegangen waren, als es
noch hell war, denn von Straßenbeleuchtung gab es keine Spur.
Nur
in ganz wenigen Fenstern brannte noch Licht, und eine Katze huschte
über die Straße, sonst wirkte alles wie ausgestorben.
Schließlich kamen sie bei der Kirche an.
****
Momentan
konnte er sich für ihre Frechheiten zwar nicht rächen, aber
wenn sie zurück in Hogwarts waren und er ihre Hilfe nicht länger
brauchte, würde er ihr deshalb Hauspunkte für jeden
falschen Atemzug abziehen.
Ein gehässiges Grinsen machte sich
deshalb auf seinem Gesicht breit, als sie die stockdunklen Straßen
entlang schlichen.
Vorsichtig
drückte Hermine die Klinke der schweren schwarzen Tür
herunter und mit einem lauten Quietschen gab sie den Weg ins Innere
frei.
Severus warf ihr einen giftigen Blick zu. Die Tür der
kleinen Kirche war also nicht verschlossen.
Hier
auf dem Land in der tiefsten Provinz vertraute man den Menschen
noch.
Das kleine Gotteshaus wirkte jetzt noch düsterer, denn
die Fackeln waren längst verloschen
und ihre Schritte
hallten unnatürlich laut auf dem blanken kalten Steinboden.
Sie
erreichten das Gitter, hinter dem sich die Krypta befand und Severus
fluchte leise,
als sie vor dem verschlossenen Eingang standen.
„Eine Haarnadel“, zischte er und hielt fordernd die Hand auf.
****
Rasch griff Hermine in ihre Frisur und zog eine der Nadeln heraus. Sie ließ sie in seine Hand fallen, und beobachtete ihn gespannt. Er arbeitete sehr geduldig und ruhig und schließlich gab das Schloss nach und er öffnete die Tür.
Hermine
spähte den schmalen Gang hinab.
Er hatte schon bei Tag nicht
sehr vertrauenerweckend ausgesehen, aber jetzt- mitten in der Nacht-
da hinabsteigen zu müssen, war ihr absolut nicht geheuer.
Doch
als Snape sich anschickte, durch die Tür zu gehen, folgte sie
ihm ohne zu zögern.
Sie hielt sich dicht hinter ihm und
bemühte sich, auf den ausgetretenen rutschigen Stufen nicht
auszugleiten.
Für
einen kurzen Moment war sie versucht, ihre Hand auf seine Schulter zu
legen.
Bei jedem anderen Begleiter hätte sie es
wahrscheinlich getan, aber nicht bei Snape.
Er war offensichtlich
kein Mensch, der es schätzte, berührt zu werden, und
gemeinhin bestand aufgrund seines wenig einnehmenden Wesens auch kaum
eine Gefahr, das jemand es darauf anlegte.
Sie
gelangten wohlbehalten unten an und sahen sich im Licht der Fackel,
die Snape in der Hand hielt, suchend um.
****
Severus
rümpfte die Nase als sie weiter in den unterirdischen Gang
vordrangen.
Der Staub von Jahrhunderten kitzelte ihn in der
Nase..
Hermine blieb immer dicht bei ihm und er konnte ihr
Unbehagen förmlich spüren.
Als sie unten in der
Grabkammer angekommen waren, beleuchtete das flackernde Licht der
Fackel drei steinerne Särge in der Mitte des Raumes und sechs
weitere in den Nischen an den Wänden.
Ein
schrilles Pfeifen, gefolgt von einem dicken schwarzen Ball der auf
sie zugeschossen kam,
ließ Hermine und ihn erschrocken
zusammenfahren.
Der Angreifer entpuppte sich Augenblicke später
als aufgeschreckte Fledermaus und Severus atmete erleichtert auf -
bis er einen ungewohnten Druck an seiner Brust spürte.
Mit
einer Mischung aus Entsetzen und Verwunderung blickte er auf Hermine,
die sich an ihn gepresst hatte und ihr Gesicht an seiner Brust
verborgen hielt.
Diese Tatsache wunderte ihn. Das, was ihn ehrlich entsetzte war, dass er seinen Arm fest um ihre schmalen Schultern geschlungen hatte und sie schützend an sich zog.
****
Hermines
Herz klopfte bis zum Zerspringen.
Alles blieb still und sie war
langsam wieder in der Lage sich zu rühren.
Sie hatte sich
verborgen. an Snapes Brust! Und nicht nur das, er hielt sie auch noch
an sich gedrückt!
Er hatte sie schützen wollen...
‚So
etwas tun Lehrer nun mal mit ihren Schutzbefohlenen, daher die
Bezeichnung... ‘, kam es ihr in den Sinn. Sie löste
sich ohne Hast von ihm und lächelte verlegen.
Seine
versteinerte Miene ließ sie sich jedoch sofort abwenden und sie
sah sich in der Krypta um. Da waren Särge. Hermine atmete tief
durch.
Natürlich
waren hier Särge, das war schließlich der Zweck des
Raumes.
'Es gibt keinen Grund, nervös zu werden’,
sagte sie sich selbst.
Sie ging auf einen der drei großen
Steinsärge zu und untersuchte ihn.
Es
war nicht leicht in dem flackernden Licht der Fackel etwas zu
erkennen, aber nach gründlicher, gewissenhafter Suche konnte sie
Snape zuflüstern:
"Hier ist nichts drauf. kein
Sonnensymbol..."
****
Als
sie zu ihm aufsah, ließ er sie los und ging einen Schritt
zurück.
'Sie ist nicht zurückgewichen...’,
wunderte er sich, als er sich umdrehte um ebenfalls nach dem
Symbol der Sonne zu suchen.
Nachdem
sie die Särge in den Nischen einer genauen Betrachtung
unterzogen hatten,
wandte er sich den anderen beiden Särgen
in der Mitte des Raumes zu.
Hermine hatte den ganz linken bereits
abgesucht, also fuhr er mit den Fingerspitzen
am glatten Stein
des rechten Sargkorpus entlang und wurde unvermittelt fündig.
"
Hier... ich hab sie!" ,flüsterte er heiser, da ihm der
Staub inzwischen immer mehr im Hals brannte.
Hermine kam zu ihm
herüber und betastete ebenfalls die Stelle die er gefunden hatte
nach dem Symbol. Dazu musste sie unter den Vorsprung des Steindeckels
greifen und fand das Zeichen nicht gleich.
Ungeduldig
nahm er ihre Hand und führte sie über das eingeritzte
Zeichen der viereckigen Sonne.
" Wir müssen ihn wohl
aufbrechen!" , stellte er sachlich fest.
****
Sie
zuckte unmerklich zusammen, als er nach ihrer Hand griff, aber dann
konzentrierte sie sich darauf, das eingeritzte Symbol zu spüren.
Sie
war ihm sehr nah, während er ihre Hand führte und sie nahm
wieder den warmen, leicht holzigen Geruch wahr, der von ihm ausging.
Hermine
mochte diesen Duft und ihr wurde bewusst, das es ihr nicht im
mindesten unangenehm war, so dicht bei ihm zu stehen.
Als er davon
sprach, den Sarg zu öffnen, blickte sie erschrocken zu ihm auf,
fasste sich aber gleich darauf wieder.
Sie wollte nicht zimperlich sein.
"Wir...
könnten versuchen, den Deckel zu verschieben", schlug sie
zögerlich vor.
Snape nickte knapp und ging um den Sarg herum.
Sie griffen an gegenüberliegenden Seiten unter den Vorsprung des Deckels und schoben ihn zum Fußende hin runter.
Hermines
Arme zitterten vor Anstrengung, aber der steinerne Deckel bewegte
sich tatsächlich. Als sie ihn beinahe zur Hälfte hinunter
geschoben hatten, hielten sie inne.
In dem Sarkophag lag eine
menschliche Gestalt in Ritterrüstung.
Hermine schloss kurz
die Augen, kniff dann die Lippen zusammen und zwang sich hinzusehen.
Sie
war dankbar, das dass Visier des Helmes geschlossen war.
Der
Ritter hatte die Hände über der Brust gekreuzt.
Und
dort, auf dem schwarz verfärbten Kettenhemd, zwischen den
behandschuhten Händen des Toten, lag ein kleiner Stein... und
darauf war die Raute, das Zeichen Ingwaz eingraviert.
"Da ist
sie", wisperte Hermine.
****
Severus griff sich mit der rechten Hand in die Haare und strich sie nach hinten. Der Sarg war schmutzig und voller Spinnweben gewesen, von denen er einige nun in seinen Haaren verteilt hatte.
"Ich
schätze, er wird sie uns nicht freiwillig heraus reichen...“,
sagte er angewidert und blickte auf den halb zerfallenen,
mumifizierten Leichnam vor ihnen.
Er streckte die Hand aus und
zögerte kurz. Hermine sah ihn forschend an und
dann griffen
beide im selben Augenblick blitzschnell zu, um die widerliche
Aufgabe so schnell wie möglich hinter sich zu bringen.
Als
beide gleichzeitig die Rune berührten ging ein kurzer Impuls,
wie ein Stromschlag, von ihr aus und beide keuchten erschrocken auf,
als sie den Fluss der Energie spürten die heiß durch ihrer
beiden Körper glitt.
Dort,
wo die Energie der Ingwaz eingetreten war, trat sie auch
wieder aus und der trockene,
knorrige
Arm des Ritters zerfiel knackend zu kleinen Teilen.
"Was war
denn das?", fragte Severus und zog schnell atmend seine Hand von
Hermine zurück.
Er blickte auf die Rune in seiner
Handfläche, sie dampfte leicht und hatte einen roten Brandfleck
auf seiner Haut hinterlassen.
****
Zutiefst erschrocken schüttelte Hermine langsam den Kopf. „Ich weiß es nicht...“
Sie ging um den Sarg herum auf ihn zu und sah die Rune in seiner Hand.
„Oh!“, entfuhr es ihr, als sie die Brandwunde an seiner Handfläche sah.
Als Snape Anstalten machte, die Hand wegzuziehen, griff sie nach der Rune und hielt sie zwischen zwei Fingern gegen das Licht.
„Ingwaz“, murmelte sie, die Gravierung betrachtend, „Die Rune des Gottes Frey...“
Sie reichte sie Snape zurück, der die Rune in einen kleinen Stoffbeutel fallen ließ und sie in seine Jackentasche steckte.
Mit einiger Mühe rückten sie den Sargdeckel wieder an seinen Platz und verließen die Gruft.
Hermine atmete auf, als sie die Kirche verließen. Alles war gut gegangen!
Der Regen hatte aufgehört und der Mond stand beinahe rund am Himmel.
„Warten Sie, Sir...“, hielt Hermine den neben ihr hergehenden Snape auf.
„Sie haben Spinnweben im Haar...“
Sie stellte sich auf die Zehenspitzen und fischte mit einer raschen Bewegung einige der grauen Fäden von seinem Kopf.
****
Severus zuckte kurz zurück als Hermine nach ihm griff, konnte aber nicht mehr verhindern das sie seine Haare berührte. Da er zurück wich, behielt sie eine Strähne in ihrer Hand und riss versehentlich daran.
Er
sagte nichts, sondern sah sie nur vorwurfsvoll an, worauf sich eine
zarte Röte auf ihren Wangen zeigte.
"Sie haben vorhin
gesagt, die Rune sei dem Gott Frey geweiht. " , sagte er nun
etwas säuerlich und ging rasch vor ihr her.
Sie
hatten den Gasthof beinahe erreicht. Langsam begann es wieder zu
tröpfeln und dicke Wolken jagten am nächtlichen Himmel über
ihnen dahin.
"
Was ist Frey für ein Gott? Wofür steht er?", fragte er
nun und blieb abrupt stehen, so das Hermine auf ihn auflief.
****
Sie taumelte kurz, als sie mit ihm zusammenstieß.
Automatisch begann sie auf die Frage des Lehrers zu antworten.
„Frey ist einer der Wanen und der Zwilling von Freya. Er ist der Herrscher von Alfheim, dem Reich der Elfen...“
Mittlerweile fielen dicke Regentropfen herab und Hermine begann zu in ihrer dünnen Jacke zu frieren.
„Können wir bitte hineingehen? ....“, schnatterte sie.
Wortlos drehte Snape sich um und betrat das Gasthaus. Sie folgte ihm und blieb vor der Tür zu ihrem Zimmer stehen.
„Ich bin sehr müde, Sir“, flüsterte sie.
„Über den Gott Frey würde ich gerne noch einmal nachschlagen, bevor ich einen vollständigen Bericht darüber abgeben kann.....“
****
'Besserwisserin..'
,dachte Severus genervt, als sie erwähnte, dass sie genauer
nachschlagen wollte, bevor sie ihm Auskunft gab.
"Runenmagie
ist nicht gerade mein Fachgebiet, sonst bräuchte ich Sie hier
nicht ertragen, Miss Granger!", zischte er beinahe lautlos und
bedachte sie mit einem äußerst boshaften Blick.
"Wir
reisen Punkt neun Uhr ab!", setzte er hinzu.
Dann drehte er
sich ohne weiteren Kommentar um und schloss die Tür zu seinem
Zimmer auf.
Müde rieb er sich die Augen und setzte sich auf
das altmodische Bett. Vorsichtig untersuchte er die Brandwunde auf
seiner Handfläche.
Das
Mal war etwa so groß wie die Rune und schimmerte in der Mitte
feucht, während die Wundränder schwarz versengt waren.
Die
verhältnismäßig kleine Verletzung schmerzte höllisch.
Er
öffnete vorsichtig den Stoffbeutel und holte die Rune
heraus.
"Eigenartig...", murmelte er.
Innerlich war
er bereits auf den Stromschlag- ähnlichen Impuls gefasst
gewesen, aber nichts geschah...
****
Verärgert ging Hermine in ihr Zimmer und zog ihre nasse Jacke aus. Sie hatte ihm nichts getan und all seine Anweisungen befolgt... warum blaffte er sie dann so an?
'Hermine, das ist Professor Snape!’, erinnerte sie sich, als sie im Bad die Haarnadeln aus ihrer Frisur zog.
Ihr Blick fiel auf die kleine Tasche mit Medikamenten für Notfälle, die ihre Mutter ihr einmal für Reisen geschenkt hatte, und die sie seitdem stets mitnahm, auch wenn Magie meistens einfacher und effektiver einzusetzen war.
Brandsalbe.
Sie dachte an den Schlag, den sie bekommen hatten und der ein Brandmal in seiner Hand hinterlassen hatte.
Sie kämpfte einen Moment mit sich, ob es ihr nicht egal sein sollte, wenn er Schmerzen hatte, doch dann erinnerte sie sich daran, wie er sie vor der Fledermaus beschützt hatte und sie ging mit der Salbe zu seiner Tür und tippte sehr leise dagegen.
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Severus
stutzte, als er das leise Klopfen an seiner Tür hörte. Das
konnte niemand anderer als Hermine sein.
'Sie ist in
Schwierigkeiten!' , schoss es ihm sofort durch den Kopf.
Gerade
hatte er sich ins Bett gelegt und war nun mit einem Satz
aufgesprungen. Im Vorbeigehen zog er ein T-Shirt und seine Jeans an
und eilte barfuß zur Tür.
Die Wunde an seiner Hand
pochte unerträglich, er hätte sowieso nicht schlafen
können.
"Was ist denn? Gibt es Probleme?" ,fragte
er leise durch den Spalt.
Sie stand im Halbdunkel des Flurs und
sah ihn schüchtern an.
Kapitel 5
„Bitte lassen Sie mich rein, Sir“, flüsterte Hermine kaum hörbar, denn am Ende des Ganges hörte sie sich jemanden regen.
Er öffnete die Tür ein kleines Stückchen weiter und sie huschte hinein.
„Ich habe eine Salb