Auf der Suche nach den Runen des Lichts


von Tamsyn und Nagini




Kapitel 1 - 5


Vorwort:

Diese Geschichte ist aus einem Rollenspiel entstanden.

Auch wenn der Rollenspiel- Charakter sich nach einiger Zeit etwas verliert haben wir doch die Unterteilung in Severus’ und Hermines Sicht beibehalten.

Es ist unser erstes gemeinsames Projekt und obwohl es uns schwer fällt, etwas zu veröffentlichen, das sicher noch verbesserungswürdig ist, haben wir uns dazu entschieden, die Geschichte endlich einem größeren Publikum zugänglich zu machen. Wenn wir daran rumschreiben, bis sie uns endlich fehlerfrei erscheint würden wir sie wohl posthum veröffentlichen...

Sie ist ziemlich lang, beendet, und die nächsten Kapitel werden demnächst hochgeladen werden.

Wir danken unserer Beta Rookie, den Leuten, die uns durch ihre schmeichelhaften Kommentare zum Weiterschreiben gebracht haben, Keksi, die am Anfang unser Dumbledore war und unseren Ehemännern (und Kindern) für ihre Geduld.

Alles gehört J.K.R..... uns gehört nix, außer dem Spaß, den wir beim Schreiben hatten... und verdienen tun wir auch nix, außer vielleicht ein paar Reviews... ;0)

Einleitung:

Wir ignorieren die Geschehnisse der letzten beiden HP- Bücher beinahe gänzlich.

Hermine ist in ihrem letzten Jahr in Hogwarts.

Voldemort ist besiegt.

Severus wurde für seine - als Todesser begangenen Verbrechen- vom Zauberer- Gamot freigesprochen, da er maßgeblich an der Vernichtung Voldemorts beteiligt war.

Einige Todesser konnten jedoch ihrer Verhaftung entkommen und sind im verborgenen noch immer aktiv.

Dumbledore und Snape erinnern sich daher einer uralten magischen Macht, die ihnen dabei helfen könnte, die Todesser zu bekämpfen.

Bei dieser Macht handelt es sich um die „Runen des Lichts“.

Niemand weiß genau wo diese Runen zu finden sind, denn sie wurden vor langer Zeit in der Muggelwelt in alle Winde verstreut, weil das Böse ihre Macht voraussah und bis heute fürchtet.

Snape und Dumbledore wollen die Spuren zurückverfolgen um die Lichtrunen wieder zu vereinen.

Sie müssen sich dabei vollkommen ohne Magie fortbewegen, um die dunkle Seite nicht versehentlich auf sich aufmerksam zu machen.

Da sich Hermine als muggelstämmige Hexe bestens in der Muggelwelt auskennt, bindet Dumbledore auch sie in diese Mission ein und eine abenteuerliche Reise beginnt......

Kapitel 1

Nun, Miss Granger, was denken Sie?“

Strahlend drehte Albus Dumbledore sich in seinem Büro vor ihr einmal im Kreis.

Um nichts in der Welt hätte Hermine Granger in diesem Augenblick sagen mögen, was ihr tatsächlich durch den Kopf ging.

Der Schulleiter sah grotesk aus.

Das mit roten Himbeeren bedruckte Hemd war einige Nummern zu groß und das satte Rot der Früchte biss sich fürchterlich mit den orangefarbenen Streifen seiner weißen Hose.

Doch die sprichwörtliche Krönung war der knautschige Cowboy- Hut, der auf seinen langen Haaren thronte.

Ein farbenblinder Spät- Hippie’, dachte Hermine und verkniff sich mit einiger Mühe ein Kichern.

Albus Dumbledore mochte der größte Zauberer seiner Zeit sein... doch wenn es darum ging, sich wie ein Muggel zu kleiden, versagte er fürchterlich.

Deswegen war sie schließlich hier.

Sie räusperte sich, zog ihren Zauberstab hervor und näherte sich dem Professor.

Dürfte ich ein paar kleine Modifikationen vornehmen, Sir?“, fragte sie höflich und machte sich, nachdem Dumbledore genickt hatte, an die Arbeit.

Sie schrumpfte das Hemd auf eine angemessene Größe, tauschte das Himbeer- Muster gegen ein paar dezente blaue Streifen und gab der Hose eine dazu passende dunklere Färbung.

Der Hut...“ biss sich auf die Lippen, als sie sah, wie das erwartungsvolle Lächeln von Dumbledores Lippen wich.

Es tut mir leid, Sir, aber der ist leider sehr. auffällig. wie wäre es, wenn sie stattdessen Ihre Frisur ein wenig verändern? Etwas kürzer? Und den Bart auch?“

Der Schulleiter machte ein schnaubendes Geräusch, nahm seinen eigenen Zauberstab und nach ein paar gemurmelten Worten waren Bart und Haare deutlich kürzer.

Hermine wäre es lieber gewesen, wenn er noch ein paar Zentimeter mehr geopfert hätte, doch so würde es auch gehen.

Sie trat zurück und begutachtete ihr Werk.

Sie sehen jetzt wirklich... wie ein Muggel aus“, brachte sie recht überzeugend hervor.

Albus Dumbledore nickte erfreut.

So soll es sein! Ich bin Ihnen wirklich sehr dankbar, Miss Granger, dass Sie uns auf dieser Reise begleiten. Nicht nur wegen Ihres sicheren Modegeschmacks“, setzte er zwinkernd hinzu und Hermine atmete erleichtert aus.

Sie hatte tatsächlich schon beinahe befürchtet, dass ihre Beteiligung an der Mission sich auf Stilberatung beschränken würde.

Der Schulleiter hatte ihr nur wenige Informationen über die geplante Reise, auf der sie ihn begleiten sollte, gegeben.

Er brauche sie, weil sie in der Muggelwelt nicht auffallen dürfen, hatte er gesagt. Und ihre überdurchschnittlichen Noten in „Alte Runen“ wären auch von Bedeutung.

Und da Sie ansatzweise mit der Arbeit des Ordens vertraut sind, sind Sie die geeigneteste Person für diese Expedition.“, hatte er ihr vor einer Woche gesagt, als er sie um ihre Mitarbeit bat.

Selbstverständlich hatte Hermine sofort versprochen, die Mitglieder des Phönix- Ordens mit all ihren Kräften unterstützen zu wollen.

Auch nach Voldemorts Vernichtung ruhte die Arbeit des Ordens nicht, noch immer waren die Todesser aktiv und wer konnte wissen, wer sich als nächstes zu ihrem Führer aufschwingen mochte?

Könnten Sie mir jetzt nicht ein paar Details über die geplante Aktion geben?“, fragte Hermine vorsichtig, während Dumbledore noch damit beschäftigt schien, die Knöpfe seines Hemdes zu inspizieren.

Natürlich, natürlich“, murmelte er geistesabwesend, raffte sich schließlich auf, griff nach einem Koffer, der neben seinem Schreibtisch stand und bedeutete der Schülerin, vor ihm her zur Tür hinaus zu gehen.

Doch das macht besser der andere Teilnehmer dieser Mission- er hat sie schließlich ausgearbeitet und ist mit den Einzelheiten weitaus besser vertraut als ich“

Die junge Frau griff rasch nach ihrem Koffer, den sie am Eingang abgestellt hatte und ließ sich vom Schulleiter die sich drehende Treppe hinabführen.

Aus seinen Worten bei ihrem Gespräch in der letzten Woche war hervorgegangen, dass mehrere Leute an der Reise teilnehmen sollten Und während Hermine hoffte, es würden Remus Lupin oder Tonks sein, die sie begleiteten, drängte sich ihr mit jeder Treppenstufe, die sie weiter hinabstiegen ein schrecklicher Verdacht immer schonungsloser auf.

Sie gingen hinab in den Kerker.

Der andere Teilnehmer würde doch wohl nicht...?

Ein tiefer Seufzer entfuhr ihr, als Albus Dumbledore vor der Türe zum Büro des Zaubertränkemeisters stehen blieb.

Snape?“, fragte sie.

Professor Snape, ja!“, lächelte der weißhaarige Zauberer, bevor er an die schwere Türe klopfte.

****

Severus lief ungeduldig in seinem Büro auf und ab. Er erwartete den Schulleiter.
Albus hatte gesagt das er noch jemanden mitbringen würde, der für ihr Vorhaben äußerst wichtig wäre.


Er war gespannt auf diesen ominösen Gast.
Da sie in die Welt der Muggel apparieren und sich dort ohne Magie fortbewegen mussten, vermutete er, das es ein Muggel sein würde.


Nervös zupfte er an seiner langen Lederjacke herum und griff sich in den Kragen des schwarzen Rollkragenpullovers, um ihn etwas zu weiten.


" Äh, Muggelkleidung.." ,sagte er verächtlich, als es an der Tür klopfte.

"Du kannst rein kommen Albus...“, sagte Severus und blickte gespannt zur Tür hinüber, um zu sehen, wen der Schulleiter mitbringen würde.
Er erwartete das es ein alter Freund des Schulleiters sein würde, der sie auf ihrer wichtigen Mission unterstützte.


Sie würden zunächst nach London apparieren und von dort aus auf konventionellem Wege nach Frankreich reisen.
Dort verlor sich die Spur, die sie wieder aufzunehmen gedachten.

****

Trotz ihrer Bedenken betrat Hermine hinter Dumbledore tapfer das Büro des Tränkemeisters.
"Guten Abend, Sir", hauchte sie und sah zu Boden.

Sie war sich sicher, dass Dumbledore ihr absichtlich bis zuletzt verschwiegen hatte, dass Professor Snape der andere Teilnehmer sein würde.

Er musste geahnt haben, dass sie sich die Teilnahme an dieser Aktion genauer überlegt hätte, wenn sie das gewusst hätte.

Sie achtete den Zaubertrank- Lehrer für seine herausragende Arbeit für den Orden.

Er hatte mehrfach sein Leben riskiert, um die gute Seite zu unterstützen und war gerade erst vom Gamot für seine Aktionen als Todesser freigesprochen worden... doch das alles änderte nichts an der Tatsache, dass Severus Snape der unfreundlichste Mensch war, den sie je getroffen hatte und sie froh war, wenn sie seinen Unterricht ohne hämischen Kommentar seinerseits überstanden hatte.

****

" Was wollen Sie denn hier? ", schnappte Severus und blickte Hermine pikiert an.
Dass ausgerechnet diese unerträgliche Besserwisserin ein wichtiges Mitglied ihrer Mission sein sollte, konnte er nicht glauben.


Albus sah in seiner Muggelkleidung äußerst ungewohnt aus und Severus war für einen Moment irritiert gewesen.
Nun hatte er sich allerdings wieder gefangen.
"Was hat sie hier zu suchen, Albus?", herrschte er nun und blickte den Schulleiter an.

Albus reckte das Kinn nach vorn und trat einen Schritt auf seinen Zaubertranklehrer zu.

Miss Granger wird uns auf dieser Reise begleiten. Da sie muggelstämmig ist, wird sie uns eine wertvolle Stütze sein. Außerdem hat sie explizite Kenntnisse über antike Runen.

Sei also etwas netter zu ihr!“

Dumbledore sah Severus unverwandt an und schmunzelte belustigt als er fortfuhr.

Auch sie ist ein Mitglied dieser Mission. Wir wollen doch nicht das sie dich versehentlich in der Londoner U- Bahn verliert. ..“

****

Hermine war unwillkürlich ein wenig zurückgewichen, als Snape sie so anfuhr.
Als er jedoch von ihr sprach, als sei sie ein unartiges Kind, das sich dazwischen gedrängt hatte, hob sie den Kopf und blickte dem Professor herausfordernd in die Augen, die Augenbrauen finster zusammen gezogen.


Es tat ihr wohl, zu hören, wie hoch Albus Dumbledore ihren Wert für diese Mission einschätzte, und dass er sie vor dem ergrimmten Snape zu beschützen suchte, machte sie sehr dankbar.


Als er die U- Bahn erwähnte huschte ein flüchtiges Grinsen über ihre Gesichtszüge.
"So etwas würde ich niemals tun", sagte sie dann in ernstem Ton, den ihr Grinsen allerdings verdächtig abschwächte.

****

" Na das wollen wir aber auch hoffen..", sagte Severus spröde und sah sie noch immer an wie ein giftiges Insekt.


" Weiß sie über alles Bescheid?" , fragte er nun, an den Schulleiter gewandt.

Ich habe Hermine grob umrissen erklärt, worum es bei dieser Reise geht und was wir damit bezwecken.“, erklärte Dumbledore und fegte einen Fussel von seinem Hemd.

Trotzdem wäre es wohl besser, wenn du sie in die Details einweihen würdest, bevor wir aufbrechen. Immerhin steht viel auf dem Spiel und du hast alle notwendigen Vorbereitungen getroffen..“

Albus sah Severus nun direkt an.

Bevor du beginnst, würde ich mich allerdings gern setzen und ich denke das es Miss Granger ebenso ergeht.“

Er zwinkerte Hermine zu.

Außerdem wäre es Zeit für eine schöne Tasse Tee, findest du nicht auch?"

Er setzte sich.

Ich nehme Milch und Zucker. Und Sie, Hermine?“, fragte er beschwingt und ignorierte Severus‘ genervten Blick.

****

"Nur Milch, bitte", sagte Hermine leise und nahm etwas beklommen Platz.
Nun traute sie sich wieder nicht so recht, Snape in die Augen zu schauen und musterte statt dessen unauffällig seine Muggelkleidung.


Die meisten Zauberer sahen grotesk aus darin, aber der Zaubertranklehrer wusste offenbar, wie man sie trug... und Hermine war zutiefst dankbar, dass es ihr erspart bleiben würde, eine Modeberatung an Professor Snape vorzunehmen! .


Er wirkte natürlich immer noch düster und bedrohlich, aber eben eher, wie ein düsterer und bedrohlicher Muggel, nicht wie ein düsterer und bedrohlicher Zauberer.

****


Severus sagte nichts zu Dumbledores Dreistigkeit, sich selbst und dieses Muggelmädchen zu einem Tee bei Severus Snape einzuladen.
Statt dessen grummelte er etwas Unvernehmliches, und wie aus dem nichts erschienen die gewünschten Dinge vor seinen Gästen auf dem Tisch.


" Die Sache ist die...“, begann er und ließ sich auf einen Stuhl neben den beiden fallen.
Zufrieden registrierte er den verwirrten Blick der Schülerin, als er sich rittlings auf den Stuhl setzte und sich mit den Armen auf der Lehne abstützte.


" Vor einiger Zeit bin ich bei Recherchen auf etwas gestoßen, das uns im Kampf gegen die Todesser entschieden weiter bringen könnte."
Er machte eine kurze Pause und sah die beiden an.


" Es handelt sich dabei um die sogenannten Runen des Lichts, falls ihnen das was sagt, Miss Granger?" , fügte er bissig hinzu und sah sie lauernd an.

Albus antwortete an ihrer statt.

Ich hätte Miss Granger nicht für diese heikle Aufgabe ausgewählt, wenn es nicht so wäre, Severus.“ , warf er ungehalten ein.

Severus zog eine Augenbraue nach oben und sprach dann ungerührt weiter.

"Die Runen des Lichts waren zu Zeiten der Gründung von Hogwarts wichtige magische Gegenstände, die der Seite des Lichts den Frieden sicherten."

Er rutschte auf dem Stuhl nach hinten und stand auf.

"Diese 13 magischen Runen wurden vor 800 Jahren gestohlen und von Zauberern und ihren Verbündeten an 13 Orten in der Muggelwelt versteckt."
Er zog die Lederjacke aus und war jetzt nur noch mit dem Rollkragenpullover und einer Jeans bekleidet.
Zielstrebig ging er zu seinem Schreibtisch hinüber und holte einen Packen Notizen, die er eilig durchblätterte.
"Ich habe lange recherchiert um heraus zu bekommen, dass sich die Spur der ersten Rune in der Bretagne verliert.
Dort müssen wir anfangen zu suchen. Wenn wir diese erste Rune finden, wird sie uns zu den anderen zwölf führen.", sagte er und hielt den beiden eines der Blätter hin.


Es war eine Muggellandkarte der französischen Bretagne. Die Stadt Rennes war mit einem roten Kringel eingekreist.


" Wir apparieren von hier aus nach London und reisen dann mit dem Zug weiter nach Rennes.
Die Gallier nannten das Land Armorica... was soviel heißt wie: das Land vor dem Meer.
Das bringt uns so gut wie ans erste Ziel. Ein kleines Dorf an der armoricanischen Küste..."


Er setzte sich wieder rittlings auf den Stuhl.

" Irgendwelche Fragen?", sagte er nun in seinem typisch genervten Tonfall.

Albus räusperte sich.

"Ich hätte noch eine Frage, Severus. Warum apparieren wir nicht sofort in die Bretagne?" , fragte er.

****

Ich nehme an, das ist so, weil wir keine Aufmerksamkeit auf uns lenken wollen?“, sagte Hermine schüchtern und sah Snape dabei an.
Dann schluckte sie.


Das Ausmaß der Unternehmung war ihr nicht bewusst gewesen, aber um nichts in der Welt hätte sie es verpassen wollen, daran teilzunehmen.
Sie hatte genickt während Professor Snape sprach. Natürlich hatte sie von diesen sagenhaften Runen schon gelesen, und fast tat es ihr leid, dass Dumbledore sie nicht hatte zu Wort kommen lassen.

Sie würde Snape schon beweisen, dass sie von Nutzen sein konnte. Und bestimmt würden sich Gelegenheiten ergeben, es ihn spüren zu lassen.
Die Idee mit der U- Bahn war gut... Hermine musste ein Lächeln unterdrücken bei dem Gedanken an einen hilflos umherirrenden Snape in der völlig überfüllten Londoner Untergrundbahn.


Sie würden nach Frankreich reisen!
Sie wusste nicht, ob der Professor französisch sprach, sie jedenfalls beherrschte es recht gut.
Wahrscheinlich war auch das ein Grund dafür, dass der Schulleiter sie dabei haben wollte.
Sie trank einen Schluck Tee, stellte die Tasse wieder hin und räusperte sich, um ihre Stimme fest klingen zu lassen.


„Hmm, vor 800 Jahren...“, überlegte sie laut. „Es ist wahrscheinlich passiert, bevor der englische König Johann Ohneland die Bretagne an Philip II. verlor... also vor 1204..., davor war sie ein britisches Herzogtum, und es war leichter für britische Magier, dorthin zu gelangen, um etwas zu verstecken...“

****

Severus warf Hermine einen unerträgliche- Besserwisserin - Blick zu und begann, zu erzählen.
" Wie sie schon richtig angemerkt haben, Miss Granger, wurden die magischen Runen im zwölften Jahrhundert von der Gemeinschaft der Limogener entwendet.


Einer der Hüter der Runen war der englische König Richard Löwenherz.
In der Muggelwelt war er auch unter dem Namen Richard Plantaget bekannt.
Das er außerdem ein großer weißer Magier war, wussten die wenigsten.


Die erste Rune die wir suchen ist Ingwaz, was in der Sprache der Germanen soviel wie ‚Gott’ heißt."

Er ließ die Worte kurz ankommen. Fahrig fuhr er sich durch die Haare, bevor er ansetzte, weiter zu sprechen.
"Dass wir nicht direkt in die Bretagne apparieren, hat den einfachen Grund, dass wir möglichst keine Aufmerksamkeit erregen sollten.
Denn es gibt noch immer Nachkommen des Geheimbundes der Limogener, die es zu verhindern wüssten, das ihnen jemand die Rune nimmt.

Denn Ingwaz die ist älteste. Sie wurde um 564 geschaffen und in Verbindung mit jeder Art von Magie, ruft sie die anderen Runen.
Das würde uns in der Muggelwelt zur Zielscheibe der dunklen Seite machen.
Deshalb starten wir in London. Unser erstes Ziel ist ein Runenstein in der Kirche von St. Gastyll. Einem winzig kleinen Fischerdorf an der Felsenküste von Armorica."

Er sah seine beiden Gäste an. " Wir sollten unverzüglich aufbrechen.", sagte er und stand auf.

Der Schulleiter erhob sich ebenfalls und ließ mit einem Zauberstab- Schlenker ein erstaunlich gut zur Hose passendes Sakko erscheinen.

Er hatte seine Reisetasche aufgenommen und bückte sich nun, um auch Hermines Gepäck zu tragen, denn ihm war vollkommen klar, dass Severus sich nicht darum kümmern würde, wie die junge Frau ihren Koffer transportierte.

Kapitel 2

Hermine streckte abwehrend die Hände aus, als Professor Dumbledore sich anschickte, ihren Koffer zu tragen.
"Ich hab ihn leicht gehext", lächelte sie, während sie den Koffer selbst nahm und sich beeilte dem Zaubertranklehrer zu folgen.


Während sie nach Hogsmeade marschierten wiederholte Hermine in Gedanken alles, was sie über die Ingwaz- Rune wusste.
Sie war dem Gott Frey gewidmet und eignete sich, um unsichtbare Türen zu öffnen oder einen Eingang zu schaffen.
Das machte in bezug auf ihre Aufgabe durchaus Sinn.


Die Bedeutung des Gottes musste sie noch mal nachlesen, sie war sich da nicht ganz sicher.
Sie merkte, dass sie hinter den beiden Männern zurückblieb und beeilte sich, wieder aufzuschließen.

****

Am Waldrand blieb Severus stehen und zog einen alten Kamm aus seiner Tasche.
" Dies ist unser Portschlüssel, der uns zunächst in die Winkelgasse bringt. Dort werden wir uns mit Muggelgeld eindecken."


Er hielt den beiden den braunen abgegriffenen Kamm hin.
" Ab jetzt keine Magie mehr!", sagte er bestimmt und zeigte mit dem Zauberstab auf Hermines Koffer.


Mit einem leisen Plopp hatte der sein ursprüngliches Gewicht zurück erhalten.
Severus legte seinen Zauberstab in ein kleines Kästchen, das er unter einem unscheinbaren Stein versteckte.


"Kommen Sie jetzt.", knurrte er und seufzte, weil Hermine vom Gewicht ihres Koffers beinahe umgerissen wurde, als sie ihn aufheben wollte.
Mit einem vielsagenden Blick in Ihre Richtung schob er genervt ihre Hand weg und griff nach dem braunen Lederkoffer.


Er selbst hatte eine große, dunkelgrüne Reisetasche über der Schulter hängen.
Alle drei legten jeweils eine ihrer Hände auf den Kamm und sofort spürten sie den vertrauten Ruck in der Nähe des Bauchnabels.


Severus wäre beinahe versehentlich in Hogwarts zurückgeblieben.
Denn er hatte seine Hand ruckartig zurückgezogen als sie Hermines Finger berührten.

****

Hermine liebte es nicht, mit Portschlüsseln zu verreisen.
Danach war ihr immer eine Zeitlang schwindelig.
Dennoch griff sie beherzt nach dem Kamm, um es wenigstens schnell hinter sich bringen.
Nach kurzer Reise landeten sie in der Winkelgasse, direkt vor der Zaubererbank Gringotts.


Hermine taumelte kurz, wurde jedoch von Albus Dumbledore festgehalten.
Dankbar nickte sie, atmete dann tief durch und betrat dann ebenfalls die Bank.


Sie war froh, das Professor Snape ihr den Koffer abgenommen hatte, wenn auch sein Blick nicht sehr freundlich gewesen war.
Abwartend beobachtete sie, wie die beiden Männer sich darum kümmerten, das sie genug Muggel- Geld zur Verfügung hatten.

****

Severus brauchte einen Moment um sich wieder zu fangen. Er holte tief Luft und blinzelte einige Male.
Das Reisen mit Portschlüsseln brachte seinen Kreislauf immer erheblich durcheinander und er hasste es deshalb leidenschaftlich.


Nachdem sie sich mit Muggelgeld eingedeckt hatten, gingen sie durch den Tropfenden Kessel
und kamen nach einer längeren Fahrt mit der Londoner U- Bahn am Bahnhof Kings Cross an.
Von dort hatten sie den Schnellzug nach Paris genommen und waren mit dem Bus nach Rennes weitergefahren.


Severus saß nun neben Hermine auf dem Rücksitz des Taxis, das sie nach St. Gastyll bringen würde und starrte missgelaunt aus dem Fenster, während Albus sich vorn angeregt mit dem schnodderigen Taxifahrer unterhielt.

Nachdem das Gespräch über Rotwein und die richtigen Trauben für diesen Zweck etwas abgeebbt war, drehte sich Dumbledore zu Hermine um und bot ihr ein Zitronenbonbon an.

Im gleichen Zug reichte er ihr ein schmales gelb- blau eingebundenes Buch nach hinten.

Es war ein Selbstlernkurs Schwedisch.

****

Hermine lehnte das Zitronenbonbon dankend ab, nahm aber das Buch interessiert entgegen.
Überrascht sah sie in das lächelnde Gesicht des Schulleiters. Schweden?
Hermine schüttelte leicht den Kopf und steckte das Buch in ihre Jackentasche.
Worauf hatte sie sich da nur eingelassen? Sie war beinahe am Ende ihrer Kräfte.


Müde und erschöpft hoffte sie inständig, dass sie nun bald ihr erstes Ziel erreicht hatten.
Tatsächlich verlangsamte das Taxi nun die Fahrt und hielt schließlich vor einem kleinen Gasthof an.
Eilig stieg Hermine aus, froh, der erzwungenen Nähe mit Professor Snape entronnen zu sein, der mit dem Tragen ihres Koffers alle Freundlichkeit für den heutigen Tag aufgebraucht zu haben schien.


Sie streckte sich ein wenig, als sie Snape scharf einatmen hörte und seinem Blick folgte.
Sie sah in einiger Entfernung etwas auf sie zufliegen und schon bald erkannte sie, dass es eine Eule war.
Das Taxi, das Dumbledore bezahlt hatte, fuhr eben davon, als der Vogel sich auf den ausgestreckten Arm des Schulleiters niederließ.
Dumbledore nahm ihm das Pergament ab, entrollte es und las mit gerunzelter Stirn.

****

Severus war froh als er nach dieser Fahrt über holprige Straßen, durch unzählige winzige Dörfer und dem endlosen Geplauder des Schulleiters, endlich aus dem Taxi aussteigen konnte. Frische Luft! Endlich!

Gerade waren sie dabei ihr Gepäck auszuladen als ein großer Waldkauz auf sie zuhielt und sich auf dem Arm Dumbledores niederließ.


" Was ist es?", fragte Severus knapp und ließ Hermines Koffer unsanft auf den staubigen Boden fallen, während der Schulleiter fassungslos auf den Brief in seinen Händen blickte.

Albus?“, hakte Severus nach, als dieser sich schwankend auf die kleine Bank vor dem Gasthof setzte.

Ich muss sofort zurück nach London..“ stammelte der mit bleichem Gesicht.

****

Betroffen setzte Hermine sich zu Dumbledore auf die Bank, und auch Professor Snape trat mit besorgtem Gesicht näher.
Der ältere Zauberer schien plötzlich um Jahre gealtert.

"Professor", hauchte Hermine zaghaft. "Was ist geschehen?"


Lebhafte Sorge schnürte ihr die Brust zu, während Dumbledore mehrere Male tief durchatmete und dann stotternd von einem Todesser- Angriff auf das Ministerium berichtete, bei dem es Verletzte und Tote gegeben hatte.


Offenbar war Professor McGonagall betroffen und auch sein Bruder Aberforth schwebte in Lebensgefahr.
Es war keine Frage für ihn, dass er sofort nach London zurückkehren würde.
Schon stand er auf, um sich ein neues Taxi zu besorgen.

****

Severus und Hermine sahen dem abfahrenden Taxi hinterher, mit dem sich der Schulleiter zurück auf den Weg nach London gemacht hatte.


Nachdem es um die Ecke verschwunden war und sich die letzten Staubwölkchen gelegt hatten, drehte sich Severus ohne weiteres Wort um und ging mit Hermines Koffer und seiner Reisetasche bepackt, auf den Eingang des Gasthofes zu.

****

Hermine starrte noch weiter die Straße entlang, nachdem das Taxi schon außer Sichtweite war. Sie stand jetzt hier allein- mit Snape!
Die ganze Unternehmung, die ihr vorher schon leichtes Unbehagen verursacht hatte, begann nun monströse Ausmaße anzunehmen.


Es musste an Dumbledores Verwirrung gelegen haben, dass er meinte, sie und Professor Snape gäben ein gutes Team ab, um diese Rune zu finden.
Das konnte doch nicht sein Ernst sein!


Zögernd wandte sie sich zu Snape um, der dem Schulleiter in nicht sehr schmeichelhaften Worten zu verstehen gegeben hatte, dass auch er diese Idee für absolut irrsinnig hielt, doch Dumbledore war stur geblieben und so stand sie jetzt auf einer staubigen kleinen Straße in Frankreich mit... nein... ohne Professor Snape.
Wo war er?


Hermine hoffte inständig, dass er nur in den kleinen Gasthof vorgegangen war, und eilte hinterher.
Sicher war der nicht der angenehmste Reisegefährte, den man sich vorstellen konnte, doch ganz allein hier festzusitzen erschien ihr noch erschreckender.

****


"Wo bleibst du denn?", herrschte er sie an, als sie den kleinen Vorraum des Gasthauses betrat.
Er drehte sich ruckartig zu ihr um und sah sie mit seinem wildesten Snape- Blick eindringlich an, damit sie ja keine Anstalten machte, einen Kommentar zu der ungewöhnlichen Anrede von sich zu geben.


Mit einer energischen Bewegung streckte er ihr einen großen Eisenschlüssel entgegen
und hätte ihn einfach fallen lassen, wenn sie nicht geistesgegenwärtig ihre Hand danach ausgestreckt hätte.
Die pummelige Frau hinter dem Tresen sah sie nicht nur interessiert, sondern mit unverhohlener Neugier an.


"Sollen wir das Gepäck Ihrer Tochter nach oben bringen lassen, Mr. Prince?", fragte sie in gebrochenem Dialekt.
" Nein!", knurrte er und drehte die verdutzte Hermine an der Schulter um, um sie vor sich her die Treppe hinauf zu schieben.

****


"Kein Grund, grob zu werden", zischte Hermine zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor.
Sie griff noch rasch nach ihrem Koffer und schleppte ihn ächzend hoch.
Hinter ihr drängelte Snape und deutete oben angekommen auf zwei benachbarte Zimmertüren.


Hermine ließ den Koffer vor der Türe fallen, die der Schlüssel als die ihre auswies.
"Ihre Tochter?", fauchte sie leise.
"War das wirklich notwendig? Bis jetzt hatte das Wort 'Vater' für mich immer eine weitgehend positive Assoziation..."


Sie war müde und hungrig und ärgerte sich darüber, von Snape so schlecht behandelt zu werden, andernfalls hätte sie es wohl kaum gewagt, so mit einem Lehrer zu sprechen.
Aber er tat ja gerade so, als wäre das alles ihre Schuld!


Zu ihrem Entsetzen spürte Hermine, wie ihr Tränen in die Augen stiegen.
Abrupt wandte sie sich ab und schloss ihre Türe auf.
Sie atmete tief durch und hoffte, dass der Professor nichts von ihrer vorübergehenden Schwäche mitbekommen hatte.
Ohne ihn anzusehen nahm sie ihren Koffer auf und betrat das Zimmer.


****


Severus zog seine Jacke und seine Schuhe aus und legte sich auf das schmale Bett.
Die Hände hinter dem Kopf verschränkt starrte er zur Decke und lockerte seine Zehen.
Diese Wirtin, Mrs. Byron war wirklich unglaublich neugierig.
Die hätte ihn glatt verhaften lassen, wenn er ihr erzählt hätte, das Hermine etwas anderes war als seine Tochter.

Auch wenn er froh war, das dieser Kelch an Ihm vorübergegangen war, dachte er ständig an ihren Blick den sie ihm vor der Tür zugeworfen hatte.
Nach einigen Minuten stand er auf und ging barfuß ins Bad hinüber.
Alles hier war klein und altmodisch und mit dem verschwenderischen Luxus in Hogwarts nicht im mindesten vergleichbar.


Aber es war gemütlich.
Nach einer Weile war die schmale Badewanne mit warmem Wasser angefüllt und er begann langsam, sich den Rollkragenpullover und das T-Shirt abzustreifen...

****


Hermine setzte sich auf den Bettrand und barg das Gesicht in den Händen.
Dann fuhr sie sich mit beiden Händen durch das Haar, strich es zurück und stand auf, um ihre Kleidung aus dem Koffer in die kleine Kommode zu räumen, die neben dem Bett stand.

Als sie fertig war inspizierte sie das Badezimmer, fand es zufrieden stellend und gönnte sich eine ausgiebige, sehr heiße Dusche.


'Oh, verflixt! Keine Magie!' , schoss es ihr durch den Kopf, als sie ihre Haare trocknen wollte.


Der altersschwache Fön des Hotels konnte gegen ihre buschigen Haarmassen nichts ausrichten, so band sie die nur notdürftig getrockneten Haare zu einem lockeren Knoten im Nacken.
Sie zog eine Jeans und eine Bluse an und überlegte gerade, wann es wohl Abendessen geben würde, als es an ihre Tür klopfte.


****


Nachdem Severus ausgiebig gebadet hatte, trocknete er sich langsam ab und gönnte dem alten Fön auf der Badezimmerkommode nur einen missbilligenden Blick.
Damit konnte man sich sicherlich alle möglichen Verletzungen zufügen, wenn man dumm genug war, dieses Muggel- Relikt zu benutzen.

Er zog sich eine neue Jeans und ein dunkelblaues T-Shirt an und rubbelte seine Haare nur notdürftig trocken.

'Ich muss mit Miss Granger sprechen, wegen der Tochter- Geschichte.' , dachte er seufzend und schloss die Zimmertür hinter sich ab.
Einen Augenblick später klopfte er an ihre Tür.

****


Überrascht ging sie zur Tür um zu öffnen.
Sie hätte nicht gedacht, dass Professor Snape sie zum Abendessen abholen würde, aber wer würde sonst bei ihr klopfen?


'Der Zimmerservice wird s wohl nicht sein’, dachte sie.
Sie trat rasch beiseite, als Snape Anstalten machte, an ihr vorbei, in ihr Zimmer zu stürmen.
Etwas fassungslos betrachtete sie den Zaubertranklehrer, der so gar nicht wie er selbst aussah, mit dem feuchten Haar, dem T-Shirt und der engen Jeans.


'Snape in Jeans!
Das glaubt mir kein Mensch!'
"Kommen Sie doch herein...", murmelte sie sehr leise. Dann zwang sie sich zu einem freundlichen Lächeln.
Immerhin mussten sie hier miteinander auskommen.

****


Severus war sofort an Hermine vorbei gestürmt, als diese die Tür geöffnet hatte.
Das war zwar nicht besonders höflich gewesen, aber in dieser Situation durchaus angebracht.

" Mach die Tür zu.", blaffte er sie an und sah einen der klapprigen weißen Holzstühle in Hermines Zimmer interessiert an, entschied sich dann jedoch dafür, stehen zu bleiben.
Nachdem sie seinem schroffen Befehl Folge geleistet hatte, sprach er nun um ein vielfaches leiser als sonst üblich.


" Wir müssen sehr vorsichtig sein, Miss Granger.", kehrte er zur förmlichen Anrede zurück.
"Wir müssen dringend ein paar Dinge besprechen. Gehen Sie ein Stück mit mir spazieren, hier können wir nicht reden.." , sagte er beinahe im Flüsterton und beugte sich etwas zu ihr vor.

Seine feuchten Haare hingen ihm jetzt etwas wirr ins Gesicht.

Kapitel 3

Hermine nickte ernsthaft. Sie verstand.
Das hier war kein fröhlicher Wochenend- Ausflug.
'Nicht, dass er bis jetzt so gewirkt hätte’, dachte sie gehässig, verließ dann aber mit Snape das Zimmer, schloss ab und folgte ihm aus dem Gasthof heraus.


Sie schlugen den Weg zum Meer ein und Hermine wartete gespannt darauf, was er ihr zu sagen hatte.

***


Er ging einen halben Meter vor ihr her und bemühte sich nicht, für sie langsamer zu werden.

Als sie in einer kleinen felsigen Bucht angekommen waren, setzte er sich auf einen großen hellen Stein und klopfte mit der flachen Hand neben sich auf den glatten grauen Fels.
Unsicher nahm sie Platz und saß nun etwas steif neben ihm.


"Ich wollte ungestört mit Ihnen sprechen können, diese Mrs. Byron ist neugieriger als Peeves und Filch zusammen!", sagte er und sah auf die Bucht hinaus.

Die Wellen schlugen sanft an den felsigen Strand und ein leicht salziger Nebel legte sich auf ihre Gesichter.


****


Hermine schloss kurz die Augen, um dieses seltsam dumpfe Unwirklichkeits- Gefühl abzuschütteln, dass sie angesichts der ganzen Situation befallen hatte.

Sie war nicht besonders erfolgreich.

Jetzt sah sie auf ihre Schuhspitzen, die Hände zu beiden Seiten auf dem Fels abgestützt und suchte nach Worten.

Sir, ich wollte mich noch entschuldigen für mein Verhalten vorhin... “, begann sie zögernd.

Snape winkte ab. Hermine war erleichtert.

Er schien ihr ihre Unhöflichkeit nicht übel genommen zu haben.

Jetzt lauschte sie aufmerksam, während er ihr erläuterte, wie ihr weiteres Vorgehen aussehen würde.

Sie würden morgen in der kleinen Dorf- Kirche nach der verborgenen Rune suchen, sie möglichst unauffällig an sich nehmen und nach Hogwarts zurückkehren.

Leider hatte er keinen genaueren Anhaltspunkt, wo in der Kirche sie nach der Kieselstein-großen Rune suchen mussten, aber Hermine versuchte, genug Optimismus zu entwickeln, um glauben zu können, dass die Rune sich rasch finden lassen würde und sie wieder nach Hogwarts zurückkehren ließ.

Wie wird die Rune den nächsten Anhaltspunkt liefern?“, fragte sie dann.

****


Severus saß ruhig neben ihr und sah eine ganze Weile, auf die immer unruhiger werdende See hinaus.
Die Wellen brachen sich immer schneller und jagten brausend die weiße Gischt vor sich her.


" So genau weiß ich das auch nicht... ich habe gelesen, das sich die Runen gegenseitig rufen..
wie das genau funktioniert dürfen sie mich allerdings nicht fragen.." ,sagte er schulterzuckend.


Er spielte mit einem kleinen Stein, den er zwischen seinen Füßen hin und her kickte.
" In Hogwarts werden wir die Bedeutung der Rune in aller Ruhe entschlüsseln und dann zu unserem nächsten Ziel aufbrechen."


Er hörte auf, mit dem Stein zu spielen und drehte den Kopf, um sie direkt anzusehen.
" Ich muss Ihnen wohl noch erklären warum ich sie hier als meine Tochter ausgebe, Miss Granger.", begann er etwas zögerlich, denn eigentlich war es ihm sehr unangenehm, dass er jemand anderem eine Erklärung für sein Verhalten schuldete.


Das war ihm noch nicht oft passiert. Schon gar nicht bei einem Schüler...
' Einer Schülerin!' , korrigierte er sich gedanklich und fragte sich im nächsten Moment, warum er auf diese Anrede Wert legte.


" Ich hätte Sie wohl besser fragen sollen doch das war eigentlich nicht geplant.
Aber diese Person ist so unsäglich neugierig das sie sich zweifellos gewundert hätte, wenn ein Lehrer mit einer Schülerin in ein lauschiges Dörfchen verreist."


Er machte eine kurze Pause. Dann spielte ein leichtes Lächeln um seinen schmalen Mund.
"Wofür hätte ich Sie denn sonst ausgeben sollen?", fragte er und zog eine Augenbraue nach oben.

"Ich denke, dass wir langsam weitergehen sollten!" , sagte er anschließend mit einem Blick auf die höher werdenden Wellen, die sie nun schon beinahe erreicht hatten.
"Ich finde nämlich, dass einmal Baden am Tag völlig ausreicht!"

****

Eine flüchtige Röte überzog ihr Gesicht, als er das 'lauschige' Dörfchen und die Notwendigkeit einer Tarnung ansprach.


"Ich verstehe", sagte sie leise und stand dann mit ihm auf, um dem Wasser zu entgehen.
Wenn er vorhin noch einen Sturmschritt hingelegt hatte, ging er jetzt langsam neben ihr her.
Sie überdachte seine Worte, dann fiel ihr etwas auf.


Hatte er gesagt: 'Wir werden die Bedeutung der Runen in aller Ruhe entschlüsseln?'
Das konnte doch nicht sie meinen?
Nein. Hermine schüttelte in Gedanken den Kopf. Er hatte natürlich Professor Dumbledore und sich selbst gemeint.


Für einen winzigen Moment wünschte sie sich, dass sie an der Entschlüsselung teilhaben dürfte, was für ein faszinierendes Projekt!
Sie dachte an den Schulleiter und seine plötzliche Abreise.


"Könnte ich... ich meine, wir sind ohne Magie und haben keine andere Möglichkeit..."
Sie straffte sich und sagte leise:
"Ich würde später gern meine Eltern anrufen und sie bitten, uns Neuigkeiten über den Angriff mitzuteilen. Sie haben den Tagespropheten abonniert...", fügte sie erklärend hinzu.


Sie hatten mittlerweile beinahe die Tür des Gasthofes erreicht, als Hermine stehen blieb.
"Ich muss Sie jetzt 'Daddy' nennen, nicht wahr?", grinste sie.

****


"Verkneifen Sie sich das, wenn sie den heutigen Tag überleben wollen!" , knurrte er und sah sie böse an. Er verschränkte die Arme vor der Brust.
"Es wird kalt und ich will mir unbedingt noch die Kirche ansehen."

Er hielt ihr die Tür auf.


Als sie nicht reagierte, sah er sie fragend an.
"Was denn?", blaffte er ungeduldig.
" In fünf Minuten wieder hier! Los, mach schon! " , setzte er hinzu, da nun die Tür offen stand und die rundliche Mrs. Byron sich bereits den Hals verrenkte, um jede Kleinigkeit ihres Gesprächs mit zu bekommen.

Eigentlich wollte er sie nicht anblaffen, aber sie zu duzen kostete ihn derartige Überwindung, das er einfach nicht anders konnte.


****


Als er sie wieder so anfuhr, konnte Hermine es nicht lassen, sich einmal zu ihm umzudrehen und zu maulen:
"Ist ja gut, Daddy, ich geh ja schon..."
Während sie die Treppe hoch lief, um sich eine Jacke zu holen, verkniff sie sich, so gut es ging, ein fettes Grinsen.


Der mörderische Gesichtsausdruck des Professors entschädigte sie heute für vieles.
Sie suchte ihre blaue Strickjacke heraus, zog sie über und traf vor ihrem Zimmer wieder mit Snape zusammen.


****


Severus erdolchte Hermine hinter ihrem Rücken mit Blicken, als sie vor ihm die Treppe hochging.
'Ich hab s wahrscheinlich nicht besser verdient..', dachte er grimmig und schlug seine Zimmertür energischer zu, als nötig gewesen wäre.


Nach einigen Minuten riss er sie, immer noch sehr missgelaunt, wieder auf... und traf davor auf eine heftig zusammenzuckende Hermine.
Er schenkte ihr nochmals einen bösen Blick aus seinen schwarzen Augen, und ließ sie vorbei gehen.


Draußen, ein Stück vom Gasthof entfernt, zog er die schwarze Lederjacke enger um seine Schultern und wandte sich zu ihr um.


" Wir müssen in Richtung Dorf gehen...", sagte er tonlos und wartete, bis sie losging.
Er holte sie ein und lief eine Weile schweigend neben ihr her.
" Da vorne habe ich beim Herkommen eine Telefonzelle gesehen..", sagte er dann knapp und steckte die Hände in seine Taschen.

****

"Ich habe leider kein Geld dabei...", meinte sie leise.
Nachdem Snape ihr einige Münzen aus seiner Hosentasche gegeben hatte, betrat sie die leicht altertümlich wirkende Telefonzelle, inständig hoffend, das sie intakt war.
Während er draußen wartete, telefonierte sie mit ihren Eltern.

Es war ihr nicht sehr wohl dabei, die näheren Umstände ihrer Abwesenheit von Hogwarts zu erläutern und sie versuchte möglichst ungewiss von einem 'außer - schulischen Projekt' zu sprechen, ohne ihre Eltern zu beunruhigen oder nähere Angaben machen zu müssen.
Nach einem ziemlich knappen Telefonat kehrte sie zu ihrem Lehrer zurück.

"Es ist niemand getötet worden", antwortete sie auf seinen fragenden Blick.
"Aber Professor McGonagall liegt noch im Koma... ", fügte sie mit zutiefst unglücklichem Gesichtsausdruck hinzu.
Sie starrte auf den Boden und schüttelte leicht den Kopf.
Sie mochte ihre Hauslehrerin sehr und der Gedanke, dass ihr Schicksal ungewiss war, bedrückte sie sehr.



****

Severus verzog schmerzvoll das Gesicht als er Hermines Nachrichten hörte.
Er mochte seine Kollegin und das sie so schwer verletzt schien, bedrückte ihn... und machte ihm Angst.


Wenn nun schon das Ministerium nicht mehr sicher war, dann war es Hogwarts auch nicht.
Wenigstens war Albus zurückgekehrt.
Das würde den Schülern ein Mindestmaß an Schutz bieten.
"Um so wichtiger das wir die Rune finden. Kommen Sie.", sagte er dann barsch, ohne sich noch irgendeine Gefühlsregung anmerken zu lassen.

****

Sie blickte auf, als Professor Snape sich abwandte und los marschierte.

Er hatte recht.
Es war wichtig weitere Hilfsmittel im Kampf gegen Voldemorts Gefolgschaft zu gewinnen, und der Gedanke an Professor McGonagall und all die anderen Menschen, die deretwegen in Gefahr schwebten, erfüllte sie mit grimmiger Entschlossenheit.

Der Ortskern des kleinen Dörfchens war schnell erreicht.
Die Kirche war von einem kleinen Grünstreifen umgeben.
Sie war ein kleines trutziges Bauwerk, aus großen, groben Steinen zusammengefügt, mit wenigen kleinen Fenstern und einem nicht besonders hohen Glockenturm.
Die Straßen waren menschenleer.


Die Dorfbewohner saßen wohl beim Essen und achteten nicht auf den großen dunklen Mann und das schlanke junge Mädchen, die die Kirche interessiert musterten.

****


Langsam gingen sie auf die Kirche zu. Dem Baustil nach, schien sie bereits sehr alt zu sein.


"Wir sollten uns im Inneren umsehen." , sagte er und berührte sie unabsichtlich an der Schulter, als er die Hand ausstreckte.
Wie schon beim Reisen mit dem Portschlüssel zog er sie zurück, als hätte er sich an Hermine verbrannt.


Er steckte die Hände wieder in die Taschen und ging hinter Hermine in die kleine Kirche hinein.
Drinnen war es schon beinahe dunkel. Der Innenraum des Gotteshauses war nur von einigen Fackeln beleuchtet.
Suchend gingen sie durch den stickigen Raum, sahen sich Wände und Boden an, tasteten Gegenstände ab und überlegten fieberhaft, wo man etwas so Wertvolles versteckt haben könnte.

****

Nachdem sie eine ganze Zeit lang auf den Knien herum gerutscht war, stand Hermine auf und schaute sich nochmals suchend in der Kirche um.

Wo könnte diese Rune versteckt sein? Die Kirche war schlicht ausgestattet.
Die obligatorischen Holzbänke, ein Taufbecken und ein Altar.
All diese Möbel waren sicherlich keine 800 Jahre alt.
Sie konnten sie bei der Suche also außen vor lassen.

Wenn man ein Versteck suchte, würde man wohl auch nicht unbedingt die Räume bevorzugen, die tagtäglich von vielen Leuten begangen wurden.
Sie öffnete langsam eine Tür und sah, dass es dort wohl zum Glockenturm hochging.
Vielleicht... Schnell huschte sie hinauf.

****

Severus sah sich suchend um. Hermine war plötzlich nicht mehr da. Er seufzte.
Konnte man diese Person denn nicht mal einen Moment aus den Augen lassen?
Die Tür zum Glockenturm stand offen und als er im Türrahmen stand, konnte er das hohle Geräusch ihrer Schritte auf den alten Treppen hören.


Er wandte sich wieder ab und sah sich weiter in der Kirche um.
Die Fackeln warfen flackerndes Licht und ihre Verbrennungsrückstände machten den Raum stickig und neblig.

Der Rauchgeruch brannte ihm in Hals und Augen.
Sein Blick fiel auf ein schmiedeeisernes Gitter an der gegenüberliegenden Seite des Gebäudes.
Interessiert ging er näher und erkannte es schließlich als verschlossenen Eingang zu einer unterirdischen Krypta.


Er wollte sich schon wieder abwenden als er sah, was sie so fieberhaft suchten.
Ein Zeichen. Ein Hinweis. Das hier war das, was sie brauchten.
Über dem schmalen Eingang der Krypta war eine winzige viereckige Sonne mit einer Raute in Ihrem Mittelpunkt geritzt.


Die Sonne stand für die Seite des Lichts und eine Raute war das Zeichen der Ingwaz.


****


Die Suche im Glockenturm war enttäuschend verlaufen und Hermine betrat leise wieder den Hauptraum der Kirche.

Snape stand ein paar Meter von ihr entfernt und fixierte etwas auf Augenhöhe.

Hermine näherte sich ihm rasch und er wandte sich zu ihr um und deutete auf das kleine eingeritzte Zeichen auf einem der Gitterstäbe.

Da ist es also“, hauchte sie.

Der Gang der sich hinter der Tür verbarg, sah eng und dunkel aus.

Ihr war leicht beklommen zumute, bei dem Gedanken daran, sich dorthinunter schleichen zu müssen.

Dass sie es erst spät in der Nacht versuchen würden, machte ihr die Unternehmung nicht sympathischer.

Doch sie war fest entschlossen, sich vor Professor Snape nicht durch Ängstlichkeit zu blamieren.


Wenn sie die Rune dort unten finden würden, dann würde sie eben da hinunter gehen.

Doch vorerst war sie dankbar für einen Aufschub und die Aussicht auf ein Abendessen.

Sie kehrten in den Gasthof zurück und trennten sich vor ihren Zimmern.

Hermine wusch sich die Hände und das Gesicht, um Staub und Spinnweben loszuwerden, und vertauschte ihre arg in Mitleidenschaft gezogene Hose mit einem Rock.

Ihr Haar war durch den Nieselregen rettungslos gelockt und Hermine versuchte aus der Not eine Tugend zu machen und fasste sie zu einer Hochsteckfrisur zusammen.

So fühlte sie sich gerüstet für ein Abendessen mit dem Meister der Zaubertränke.

Sie ging hinunter und wurde von Mrs. Byron empfangen und in den Speiseraum geführt.

Ihr Vater wartet schon auf sie, Miss Prince“, lächelte sie.

Hermine bedankte sich höflich und setzte sich zu Snape, der ein Glas Wasser vor sich auf dem Tisch stehen hatte und sie finster anstarrte.

Deswegen verzichtete Hermine darauf, ihn mit ‚Hallo Daddy’ zu begrüßen, sondern nickte ihm bloß freundlich zu.

****


Severus sah kurz auf als die pausbäckige Wirtin, gefolgt von Hermine in den kleinen Speiseraum kam.


Das wirre lockige Haar hatte die junge Frau zu einem eleganten Knoten aufgesteckt.
Das fiel ihm sofort auf, weil es ihr Gesicht vorteilhaft betonte.
Sie setzte sich ihm gegenüber und nachdem sie schweigend gegessen hatten, legte er seine Serviette auf den Teller und stand auf.


"Bitte seien Sie Punkt ein Uhr fertig..."
Er hatte sich im Vorbeigehen zu ihr herunter gebeugt und ihr diesen Satz so leise wie möglich ins Ohr geflüstert.


Er schloss kurz die Augen als er ihren zarten Duft nach Maiglöckchenblüten einatmete und eine ihrer Locken ihn im Gesicht streifte.
Ohne auf eine Antwort zu warten, floh er aus dem Esszimmer.

Kapitel 4


Eine Gänsehaut überlief Hermine, als sie seinen warmen Atem an ihrem Ohr fühlte.

Sie sah nicht auf, sondern nickte nur und ging wenig später ebenfalls zu ihrem Zimmer hoch.

Sie hätte müde sein müssen, immerhin lag ein sehr anstrengender Tag hinter ihr.

Doch sie fühlte sich nicht schläfrig, im Gegenteil, sie war unruhig und aufgekratzt.

Sie schaute auf die Uhr. Neun Uhr erst... noch vier Stunden, bis sie losgehen wollten.

Unschlüssig sah sie sich im Zimmer um und legte sich schließlich mit dem Buch, dass Dumbledore ihr gegeben hatte aufs Bett und las.

Sie hörte, wie die wenigen Gäste, die außer ihnen noch hier wohnten, nach und nach zu Bett gingen. Dann herrschte absolute Stille.

Was Snape wohl gerade tat?

Sie hatte absolut überhaupt keine Vorstellung davon. Wahrscheinlich würde er ebenfalls etwas lesen...

Um halb eins konnte sie auf schwedisch bis zwanzig zählen und sich nach einem Hotelzimmer erkundigen, einfachen Wegbeschreibungen folgen und einen Fischteller bestellen.

Sie schwang sich vom Bett und zog ihre Jeanshose wieder an.

Sie schien ihr für eine Unternehmung wie die, die sie vorhatten, geeigneter.

Um ein Uhr fragte sie sich gerade, ob sie zu ihm gehen sollte, als ihre Zimmertür, die sie unverschlossen gelassen hatte, sich leise öffnete.

****

Severus war nach dem Abendessen fast fluchtartig in sein Zimmer gegangen.
Diese kleine Besserwisserin brachte ihn irgendwie aus dem Konzept!
Er musste sehen, das sie die Rune fanden und nach Hogwarts zurückkehrten.
Dann wäre er sie endlich wieder los.

Er lief einige Zeit unruhig im Zimmer herum und sah immer wieder aus dem Fenster.
Was Hermine... Miss Granger... jetzt wohl tat? Las sie? Schlief sie?
"...und warum zum Teufel interessiert mich das überhaupt?", schimpfte er leise vor sich hin und legte sich angezogen aufs Bett, um lustlos in einem der abgegriffenen Muggelbücher zu lesen, die auf dem schäbigen Nachttischchen lagen.


Als die Zeit zum Gehen näher rückte und es im Haus immer stiller geworden war, stand er leise auf und zog eine schwarze Jeans und einen dicken schwarzen Kapuzenpullover an.
Fast lautlos schloss er seine Zimmertür und trat auf den Flur hinaus.


Klopfen würde um diese Uhrzeit viel zuviel Lärm veranstalten, also entschied er sich,
einfach zu versuchen ob ihre Tür verschlossen war.
Zu seiner Überraschung war sie es nicht und so trat er leise ein.
"Keine Angst. Ich bin es nur.", flüsterte er ins Halbdunkel ihres Zimmers.


"Sie sollten wirklich abschließen...“, fügte er tadelnd hinzu und trat in den Lichtkegel der Nachttischlampe an Hermines Bett.
"Sind Sie soweit?", fragte er und sah ungeduldig auf die Uhr über ihrem Bett.


****


"Ich bin fertig... und ich habe absichtlich nicht abgeschlossen, damit Sie nicht klopfen müssen", gab sie verärgert zurück.

Ohne ein weiteres Wort wandte Snape sich ab und ging vor ihr aus dem Zimmer.
Hermine griff nach ihrer Jacke und folgte ihm.


Es war gut, dass sie den Weg zur Kirche schon abgegangen waren, als es noch hell war, denn von Straßenbeleuchtung gab es keine Spur.


Nur in ganz wenigen Fenstern brannte noch Licht, und eine Katze huschte über die Straße, sonst wirkte alles wie ausgestorben. Schließlich kamen sie bei der Kirche an.


****


Momentan konnte er sich für ihre Frechheiten zwar nicht rächen, aber wenn sie zurück in Hogwarts waren und er ihre Hilfe nicht länger brauchte, würde er ihr deshalb Hauspunkte für jeden falschen Atemzug abziehen.
Ein gehässiges Grinsen machte sich deshalb auf seinem Gesicht breit, als sie die stockdunklen Straßen entlang schlichen.


Vorsichtig drückte Hermine die Klinke der schweren schwarzen Tür herunter und mit einem lauten Quietschen gab sie den Weg ins Innere frei.
Severus warf ihr einen giftigen Blick zu. Die Tür der kleinen Kirche war also nicht verschlossen.

Hier auf dem Land in der tiefsten Provinz vertraute man den Menschen noch.
Das kleine Gotteshaus wirkte jetzt noch düsterer, denn die Fackeln waren längst verloschen
und ihre Schritte hallten unnatürlich laut auf dem blanken kalten Steinboden.


Sie erreichten das Gitter, hinter dem sich die Krypta befand und Severus fluchte leise,
als sie vor dem verschlossenen Eingang standen.

Eine Haarnadel“, zischte er und hielt fordernd die Hand auf.

****

Rasch griff Hermine in ihre Frisur und zog eine der Nadeln heraus. Sie ließ sie in seine Hand fallen, und beobachtete ihn gespannt. Er arbeitete sehr geduldig und ruhig und schließlich gab das Schloss nach und er öffnete die Tür.


Hermine spähte den schmalen Gang hinab.
Er hatte schon bei Tag nicht sehr vertrauenerweckend ausgesehen, aber jetzt- mitten in der Nacht- da hinabsteigen zu müssen, war ihr absolut nicht geheuer.

Doch als Snape sich anschickte, durch die Tür zu gehen, folgte sie ihm ohne zu zögern.
Sie hielt sich dicht hinter ihm und bemühte sich, auf den ausgetretenen rutschigen Stufen nicht auszugleiten.


Für einen kurzen Moment war sie versucht, ihre Hand auf seine Schulter zu legen.
Bei jedem anderen Begleiter hätte sie es wahrscheinlich getan, aber nicht bei Snape.
Er war offensichtlich kein Mensch, der es schätzte, berührt zu werden, und gemeinhin bestand aufgrund seines wenig einnehmenden Wesens auch kaum eine Gefahr, das jemand es darauf anlegte.


Sie gelangten wohlbehalten unten an und sahen sich im Licht der Fackel, die Snape in der Hand hielt, suchend um.

****


Severus rümpfte die Nase als sie weiter in den unterirdischen Gang vordrangen.
Der Staub von Jahrhunderten kitzelte ihn in der Nase..
Hermine blieb immer dicht bei ihm und er konnte ihr Unbehagen förmlich spüren.
Als sie unten in der Grabkammer angekommen waren, beleuchtete das flackernde Licht der Fackel drei steinerne Särge in der Mitte des Raumes und sechs weitere in den Nischen an den Wänden.


Ein schrilles Pfeifen, gefolgt von einem dicken schwarzen Ball der auf sie zugeschossen kam,
ließ Hermine und ihn erschrocken zusammenfahren.
Der Angreifer entpuppte sich Augenblicke später als aufgeschreckte Fledermaus und Severus atmete erleichtert auf - bis er einen ungewohnten Druck an seiner Brust spürte.


Mit einer Mischung aus Entsetzen und Verwunderung blickte er auf Hermine, die sich an ihn gepresst hatte und ihr Gesicht an seiner Brust verborgen hielt.

Diese Tatsache wunderte ihn. Das, was ihn ehrlich entsetzte war, dass er seinen Arm fest um ihre schmalen Schultern geschlungen hatte und sie schützend an sich zog.

****

Hermines Herz klopfte bis zum Zerspringen.
Alles blieb still und sie war langsam wieder in der Lage sich zu rühren.
Sie hatte sich verborgen. an Snapes Brust! Und nicht nur das, er hielt sie auch noch an sich gedrückt!

Er hatte sie schützen wollen...

So etwas tun Lehrer nun mal mit ihren Schutzbefohlenen, daher die Bezeichnung... ‘, kam es ihr in den Sinn. Sie löste sich ohne Hast von ihm und lächelte verlegen.
Seine versteinerte Miene ließ sie sich jedoch sofort abwenden und sie sah sich in der Krypta um. Da waren Särge. Hermine atmete tief durch.


Natürlich waren hier Särge, das war schließlich der Zweck des Raumes.
'Es gibt keinen Grund, nervös zu werden’, sagte sie sich selbst.
Sie ging auf einen der drei großen Steinsärge zu und untersuchte ihn.


Es war nicht leicht in dem flackernden Licht der Fackel etwas zu erkennen, aber nach gründlicher, gewissenhafter Suche konnte sie Snape zuflüstern:
"Hier ist nichts drauf. kein Sonnensymbol..."

****


Als sie zu ihm aufsah, ließ er sie los und ging einen Schritt zurück.
'Sie ist nicht zurückgewichen...’, wunderte er sich, als er sich umdrehte um ebenfalls nach dem Symbol der Sonne zu suchen.


Nachdem sie die Särge in den Nischen einer genauen Betrachtung unterzogen hatten,
wandte er sich den anderen beiden Särgen in der Mitte des Raumes zu.
Hermine hatte den ganz linken bereits abgesucht, also fuhr er mit den Fingerspitzen
am glatten Stein des rechten Sargkorpus entlang und wurde unvermittelt fündig.


" Hier... ich hab sie!" ,flüsterte er heiser, da ihm der Staub inzwischen immer mehr im Hals brannte.
Hermine kam zu ihm herüber und betastete ebenfalls die Stelle die er gefunden hatte nach dem Symbol. Dazu musste sie unter den Vorsprung des Steindeckels greifen und fand das Zeichen nicht gleich.

Ungeduldig nahm er ihre Hand und führte sie über das eingeritzte Zeichen der viereckigen Sonne.
" Wir müssen ihn wohl aufbrechen!" , stellte er sachlich fest.

****


Sie zuckte unmerklich zusammen, als er nach ihrer Hand griff, aber dann konzentrierte sie sich darauf, das eingeritzte Symbol zu spüren.
Sie war ihm sehr nah, während er ihre Hand führte und sie nahm wieder den warmen, leicht holzigen Geruch wahr, der von ihm ausging.


Hermine mochte diesen Duft und ihr wurde bewusst, das es ihr nicht im mindesten unangenehm war, so dicht bei ihm zu stehen.
Als er davon sprach, den Sarg zu öffnen, blickte sie erschrocken zu ihm auf, fasste sich aber gleich darauf wieder.

Sie wollte nicht zimperlich sein.


"Wir... könnten versuchen, den Deckel zu verschieben", schlug sie zögerlich vor.
Snape nickte knapp und ging um den Sarg herum.

Sie griffen an gegenüberliegenden Seiten unter den Vorsprung des Deckels und schoben ihn zum Fußende hin runter.


Hermines Arme zitterten vor Anstrengung, aber der steinerne Deckel bewegte sich tatsächlich. Als sie ihn beinahe zur Hälfte hinunter geschoben hatten, hielten sie inne.
In dem Sarkophag lag eine menschliche Gestalt in Ritterrüstung.
Hermine schloss kurz die Augen, kniff dann die Lippen zusammen und zwang sich hinzusehen.

Sie war dankbar, das dass Visier des Helmes geschlossen war.
Der Ritter hatte die Hände über der Brust gekreuzt.
Und dort, auf dem schwarz verfärbten Kettenhemd, zwischen den behandschuhten Händen des Toten, lag ein kleiner Stein... und darauf war die Raute, das Zeichen Ingwaz eingraviert.
"Da ist sie", wisperte Hermine.

****

Severus griff sich mit der rechten Hand in die Haare und strich sie nach hinten. Der Sarg war schmutzig und voller Spinnweben gewesen, von denen er einige nun in seinen Haaren verteilt hatte.


"Ich schätze, er wird sie uns nicht freiwillig heraus reichen...“, sagte er angewidert und blickte auf den halb zerfallenen, mumifizierten Leichnam vor ihnen.
Er streckte die Hand aus und zögerte kurz. Hermine sah ihn forschend an und
dann griffen beide im selben Augenblick blitzschnell zu, um die widerliche
Aufgabe so schnell wie möglich hinter sich zu bringen.


Als beide gleichzeitig die Rune berührten ging ein kurzer Impuls, wie ein Stromschlag, von ihr aus und beide keuchten erschrocken auf, als sie den Fluss der Energie spürten die heiß durch ihrer beiden Körper glitt.


Dort, wo die Energie der Ingwaz eingetreten war, trat sie auch wieder aus und der trockene,

knorrige Arm des Ritters zerfiel knackend zu kleinen Teilen.
"Was war denn das?", fragte Severus und zog schnell atmend seine Hand von Hermine zurück.
Er blickte auf die Rune in seiner Handfläche, sie dampfte leicht und hatte einen roten Brandfleck auf seiner Haut hinterlassen.

****

Zutiefst erschrocken schüttelte Hermine langsam den Kopf. „Ich weiß es nicht...“

Sie ging um den Sarg herum auf ihn zu und sah die Rune in seiner Hand.

Oh!“, entfuhr es ihr, als sie die Brandwunde an seiner Handfläche sah.

Als Snape Anstalten machte, die Hand wegzuziehen, griff sie nach der Rune und hielt sie zwischen zwei Fingern gegen das Licht.

Ingwaz“, murmelte sie, die Gravierung betrachtend, „Die Rune des Gottes Frey...“

Sie reichte sie Snape zurück, der die Rune in einen kleinen Stoffbeutel fallen ließ und sie in seine Jackentasche steckte.

Mit einiger Mühe rückten sie den Sargdeckel wieder an seinen Platz und verließen die Gruft.

Hermine atmete auf, als sie die Kirche verließen. Alles war gut gegangen!

Der Regen hatte aufgehört und der Mond stand beinahe rund am Himmel.

Warten Sie, Sir...“, hielt Hermine den neben ihr hergehenden Snape auf.

Sie haben Spinnweben im Haar...“

Sie stellte sich auf die Zehenspitzen und fischte mit einer raschen Bewegung einige der grauen Fäden von seinem Kopf.

****

Severus zuckte kurz zurück als Hermine nach ihm griff, konnte aber nicht mehr verhindern das sie seine Haare berührte. Da er zurück wich, behielt sie eine Strähne in ihrer Hand und riss versehentlich daran.


Er sagte nichts, sondern sah sie nur vorwurfsvoll an, worauf sich eine zarte Röte auf ihren Wangen zeigte.
"Sie haben vorhin gesagt, die Rune sei dem Gott Frey geweiht. " , sagte er nun etwas säuerlich und ging rasch vor ihr her.


Sie hatten den Gasthof beinahe erreicht. Langsam begann es wieder zu tröpfeln und dicke Wolken jagten am nächtlichen Himmel über ihnen dahin.


" Was ist Frey für ein Gott? Wofür steht er?", fragte er nun und blieb abrupt stehen, so das Hermine auf ihn auflief.

****


Sie taumelte kurz, als sie mit ihm zusammenstieß.

Automatisch begann sie auf die Frage des Lehrers zu antworten.

Frey ist einer der Wanen und der Zwilling von Freya. Er ist der Herrscher von Alfheim, dem Reich der Elfen...“

Mittlerweile fielen dicke Regentropfen herab und Hermine begann zu in ihrer dünnen Jacke zu frieren.

Können wir bitte hineingehen? ....“, schnatterte sie.

Wortlos drehte Snape sich um und betrat das Gasthaus. Sie folgte ihm und blieb vor der Tür zu ihrem Zimmer stehen.

Ich bin sehr müde, Sir“, flüsterte sie.

Über den Gott Frey würde ich gerne noch einmal nachschlagen, bevor ich einen vollständigen Bericht darüber abgeben kann.....“

****

'Besserwisserin..' ,dachte Severus genervt, als sie erwähnte, dass sie genauer nachschlagen wollte, bevor sie ihm Auskunft gab.
"Runenmagie ist nicht gerade mein Fachgebiet, sonst bräuchte ich Sie hier nicht ertragen, Miss Granger!", zischte er beinahe lautlos und bedachte sie mit einem äußerst boshaften Blick.


"Wir reisen Punkt neun Uhr ab!", setzte er hinzu.
Dann drehte er sich ohne weiteren Kommentar um und schloss die Tür zu seinem Zimmer auf.
Müde rieb er sich die Augen und setzte sich auf das altmodische Bett. Vorsichtig untersuchte er die Brandwunde auf seiner Handfläche.


Das Mal war etwa so groß wie die Rune und schimmerte in der Mitte feucht, während die Wundränder schwarz versengt waren.
Die verhältnismäßig kleine Verletzung schmerzte höllisch.


Er öffnete vorsichtig den Stoffbeutel und holte die Rune heraus.
"Eigenartig...", murmelte er.
Innerlich war er bereits auf den Stromschlag- ähnlichen Impuls gefasst gewesen, aber nichts geschah...

****

Verärgert ging Hermine in ihr Zimmer und zog ihre nasse Jacke aus. Sie hatte ihm nichts getan und all seine Anweisungen befolgt... warum blaffte er sie dann so an?

'Hermine, das ist Professor Snape!’, erinnerte sie sich, als sie im Bad die Haarnadeln aus ihrer Frisur zog.

Ihr Blick fiel auf die kleine Tasche mit Medikamenten für Notfälle, die ihre Mutter ihr einmal für Reisen geschenkt hatte, und die sie seitdem stets mitnahm, auch wenn Magie meistens einfacher und effektiver einzusetzen war.

Brandsalbe.

Sie dachte an den Schlag, den sie bekommen hatten und der ein Brandmal in seiner Hand hinterlassen hatte.

Sie kämpfte einen Moment mit sich, ob es ihr nicht egal sein sollte, wenn er Schmerzen hatte, doch dann erinnerte sie sich daran, wie er sie vor der Fledermaus beschützt hatte und sie ging mit der Salbe zu seiner Tür und tippte sehr leise dagegen.

****

Severus stutzte, als er das leise Klopfen an seiner Tür hörte. Das konnte niemand anderer als Hermine sein.
'Sie ist in Schwierigkeiten!' , schoss es ihm sofort durch den Kopf.
Gerade hatte er sich ins Bett gelegt und war nun mit einem Satz aufgesprungen. Im Vorbeigehen zog er ein T-Shirt und seine Jeans an und eilte barfuß zur Tür.
Die Wunde an seiner Hand pochte unerträglich, er hätte sowieso nicht schlafen können.
"Was ist denn? Gibt es Probleme?" ,fragte er leise durch den Spalt.
Sie stand im Halbdunkel des Flurs und sah ihn schüchtern an.

Kapitel 5

Bitte lassen Sie mich rein, Sir“, flüsterte Hermine kaum hörbar, denn am Ende des Ganges hörte sie sich jemanden regen.

Er öffnete die Tür ein kleines Stückchen weiter und sie huschte hinein.

Ich habe eine Salb