SCHWARZE ROSE

    von Angel


    Eine Dark Fiction



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Kapitel 1 - 8


Kapitel 1: Die Ankunft

Erzählt von Muriel Stern

Heute ist mein erster Tag in Hogwarts. Ich bin für dieses Jahr die neue Professorin in Verteidigung gegen die dunklen Künste. Als Aurorin sollte es für mich ein Leichtes sein, „harmlosen" Kindern Unterricht zu erteilen, aber ich bin wahnsinnig nervös. Der Grund für diesen Lehrerjob ist nicht etwa die Freude an Kindern oder am unterrichten, oh nein.

Ich kann nicht mehr als Aurorin arbeiten, weil ich die Nerven dazu im Moment nicht mehr besitze, auch meine innere Ruhe ist mir abhanden gekommen. Mein letzter Auftrag als Aurorin hat unplanmässig und schrecklich geendet. Ich hoffe, dass ich als Professorin in Hogwarts mein Leben einigermassen wieder in den Griff bekommen werde, damit ich wieder an der Front das Böse bekämpfen kann.

Im Moment reicht mir aber die Aufregung die Hogwarts mit sich bringt.

Da ich nicht hier zur Schule gegangen bin, kenne ich weder das Schloss, noch die Professoren. Der einzige, den ich bis jetzt kennen gelernt habe ist Albus Dumbledore, der Schulleiter von Hogwarts.

Da ich seit zwei Tagen in London bin und auch die berühmte Winkelgasse besucht und im „tropfenden Kessel" etwas gegessen habe, hatte ich die Gelegenheit, mehr über Hogwarts zu erfahren. Fast jeder hatte etwas über die Lehrerschaft oder auch über die Schüler zu berichten. Ein Name prägte sich mir ein. Er wurde fast überall erwähnt: Severus Snape, der Meister der Zaubertränke. Es heisst, es gäbe keinen Trank, den er nicht herstellen könne. Aber auch Worte wie „Arrogant" und „Kalt" wurden genannt. Jedenfalls bin ich auf diesen Severus Snape sehr gespannt.

Endlich kommt der Hogwarts-Express. Ich kann es kaum erwarten, meine neue Aufgabe zu übernehmen.

******

Nach fünf Stunden Zugfahrt erwachte ich schweissgebadet. Ich hatte wieder diesen Alptraum, der mich seit drei Monaten plagte. Ich ging darauf rasch in den Toilettenraum um mich wieder frisch zu machen. Schliesslich wollte ich ja am ersten Tag einen guten Eindruck hinterlassen.

Kurze Zeit später erreichte der Hogwarts-Express Hogsmeade. Es war der 31. August. Ich kam einen Tag vor den Schülern her, um noch genügend Zeit zu haben, mich mit den Räumlichkeiten vertraut zu machen. Natürlich auch um die anderen Lehrer kennen zu lernen und mich ein bisschen vorzubereiten.

Als ich ausstieg regnete es leicht und die Dämmerung brach herein. Am Bahnsteig stand ein hünenhafter Mann mit schwarzen Haaren und einem Vollbart. Er hielt ein Schild auf dem mit goldenen Buchstaben stand: Professor Muriel Stern.

Ich ging geradewegs auf ihn zu. Anhand von Albus Dumbledore's Beschreibung, hätte ich ihn auch so erkannt.

„Sie müssen Rubeus Hagrid sein." sagte ich und lächelte zu ihm hoch.

Er schaute mich verdutzt an. „Sind Sie Professor Stern?"

„Ja," erwiederte ich. „Haben Sie jemand anderen erwartet?"

Er schaute mich mit einem ungläubigen Blick an. „Aehm.... nun ja.....ich ähm....habe mir eine Aurorin anders vorgestellt."

„Sind Sie jetzt enttäuscht?" fragte ich ihn und musst mir mit aller Gewalt ein Grinsen verkneifen. Ich war mir diese Art von Reaktion gewöhnt. Mit meiner zierlichen Figur und einer Grösse von nur knapp 1.60m entsprach ich wirklich nicht dem Bild, das man sich von einem Auror machte. Hinzu kam, das ich erst 28 Jahre alt war.

Hagrid wurde verlegen und schaute weg. „Nein, im Gegenteil. Ähm, wo haben sie Ihre Koffer? Ich werde sie zur Kutsche schaffen."

Wir gingen zusammen zurück zum Zug und holten meine Sachen. Kurze Zeit später erreichten wir Hogwarts. Der erste Eindruck war der von Grösse. Hogwarts war ein riesiges Schloss mit vier mächtigen Türmen, die die verschiedenen Häuser symboliserten. Gryffindor, Slytherin, Ravenclaw und Hufflepuff.

"Nervös?" fragte mich Hagrid plötzlich.

Ich sah ihn an und erwiderte „Ja, ein bisschen."

„Das brauchen Sie nicht." versuchte er mich zu beruhigen. „Dumbledore ist ein guter und gerechter Mann."

„Danke." sagte ich und stieg aus der Kutsche, als diese vor dem Hauptportal anhielt.

Dort wurde ich bereits von Albus Dumbledore erwartet. „Herzlich Willkommen Muriel," sagte er überschwenglich. „Ich freue mich, sie auf Hogwarts begrüssen zu dürfen."

Ich musste lächeln. „Die Freude ist ganz auf meiner Seite."

„Darf ich sie jetzt hineinführen um ihnen die Lehrerschaft vorzustellen? Sie sind alle in der Grossen Halle und erwarten Sie bereits." sagte Dumbledore.

„Aber gerne." Ich folgte dem Schulleiter ins Schloss, während Hagrid sich bereit erklärte, mein Gepäck bereits in meine Gemächer zu bringen.

Als wir die Grosse Halle erreichten, zögerte ich ein bisschen. Der riesige Raum mit der scheinbar verzauberten Decke, den vielen leeren Tischen an denen morgen die Schüler sitzen würden und nicht zuletzt der Lehrertisch vorne in der Mitte, mit allen Professoren von Hogwarts verunsicherten mich. Wieder einmal stellte ich mir die Frage, ob ich alldem gewachsen sein würde?

Die meisten Lehrer waren in eine angeregte Diskussion vertieft, so dass sie den Schulleiter und mich nicht bemerkten. Der Einzige, der mich gleich nachdem ich die Halle betreten hatte unverwandt anblickte, war ein schlanker Mann mit langen schwarzen Haaren, fast schwarzen Augen und fahler Haut. Er trug einen dunkelgrünen Umhang. Er war nicht ausgesprochen gutaussehend, hatte aber ein sehr markantes Gesicht und irgendetwas an ihm, nahm mich sofort gefangen. Ich wusste es, das musste Severus Snape sein, der Meister der Zaubertränke.

Albus Dumbledore räusperte sich und sagte: „Darf ich einen kurzen Moment um Ihre Aufmerksamkeit bitten!"

Das Gespräch verstummte und alle Lehrer blickten mich an.

„Dies ist Professor Muriel Stern. Sie wird dieses Jahr Verteidigung gegen die dunklen Künste unterrichten. Nach ihrer nun sechsjährigen Tätigkeit als Aurorin, bringt sie alle Fähigkeiten mit, die den Anforderungen dieses Faches entsprechen."

Snape's Blick entging mir nicht, als mich der Schulleiter nun mit jedem Lehrer persönlich bekannt machte. Sein Blick schien auf meiner Haut zu brennen.

Mit den Professoren Flitwick, Trewlaney, Sprout und McGonagall hatte ich mich bereits bekannt gemacht, als wir zu Professor Severus Snape kamen.

Ich lächelte ihn freundlich an. „Es freut mich, Sie endlich kennen zu lernen Professor. Ich habe schon viel von Ihnen gehört."

Auch er lächelte, aber das Lächeln erreichte nicht seine Augen. „Auch ich freue mich, das unser Schulleiter," er warf einen unergründlichen Blick zu Dumbledore, „eine solch fähige Lehrerin für die Verteidigung gegen die dunklen Künste gefunden hat."

Dieser eine Satz triefte nur so von Sarkasmus. Ich wusste bereits um die Problematik, dass Severus meinen Posten schon lange Zeit haben wollte und ihm Dumbledore diesen aus unerklärbarem Grund versagte. Dies war eines der Dinge, die ich in der Winkelgasse mehrfach gehört hatte.

Dumbledore schüttelte leicht seinen Kopf und zog mich weiter zu den restlichen Professoren.


Kapitel 2: Die Reaktion

Erzählt von Severus Snape

Ich sass wie üblich noch spät in der Nacht am Schreibtisch in meinem Büro. Nachdenklich hatte ich den Kopf in meine Hände gestützt. Heute Abend hatte ich die Grosse Halle nach dem Nachtessen fluchtartig verlassen. Nur mit Mühe und Not hatte ich meine Fassung während des Abendessens behalten. Anschliessend entschuldigte ich mich, mit der Ausrede, noch was wichtiges erledigen zu müssen und ging raschen Schrittes geradewegs in mein Büro.

Albus hatte uns heute die neue Lehrerin für die Verteidigung gegen die dunklen Künste präsentiert. Ihr Name war Muriel Stern. Sie war Aurorin! AURORIN!!!!!

„Na toll!" murmelte ich.

Was würde geschehen, wenn sie herausfand, dass ich ein Todesser war? Was, wenn sie meinen Namen erkannte? Was, wenn sie bereits wüsste......... wenn sie gekommen war um mich zu beobachten?

Ein eiskalter Schauer lief mir über den Rücken, als ich daran dachte, wie ich als Schüler in meinem sechsten Jahr in Hogwarts, während Albus Dumbledore's Abwesenheit, von Auroren zu einem Verhör geholt worden war.

Die scheinbar stundenlangen immer wiederkehrenden Folterungen mit dem Cruciatus-Fluch gepaart mit dem Veritaserum und die Nachwirkungen die dieses Erlebnis auf mich hatten, verursachten beim blossen daran denken noch immer Gänsehaut auf meinem Körper. In jener Nacht verlor ich das Vertrauen in die Menschheit vollends.....

Ich durfte jetzt nicht daran denken, sonst würde ich auch in dieser Nacht keinen Schlaf finden.

„Morgen muss ich dringend mit Dumbledore sprechen." flüsterte ich zu mir selbst.

Ich musste wissen, was er sich dabei gedacht hatte, eine Aurorin einzustellen. Ganz besonders nachdem er mich vor vier Monaten darum gebeten hatte, wieder meinen alten Platz bei den Todessern einzunehmen und somit indirekt Voldemort auszuspionieren. Er wusste doch sicher welche Risiken ich damit in Kauf nahm. Ich war wieder als vollwertiges Mitglied bei den Todessern aufgenommen worden und musste wieder auf diverse Missionen gehen. Als Zweiter im Kommando von Voldemort durfte ich keine Schwäche zeigen oder auch nur zögern. Es wurde von mir verlangt, dass ich Leute folterte oder gar tötete. Im Gegenzug kam ich an Informationen, die vielen Menschen das Leben retteten. Aber zu welchem Preis? Nacht für Nacht quälten mich Alpträume, tagsüber waren es die Schuldgefühle, die mich kaum losliessen.

Ich stöhnte bei dem Gedanken und legte den Kopf auf meine Arme. Was sollte ich denn nun tun? Wenn mich die Auroren bei einer Mission erwischen würden, wäre es Dumbledore vermutlich nicht möglich, sich für mich einzusetzen und ich würde in Askaban enden. Wenn es ihm trotzdem gelingen würde, wäre natürlich die andere, die dunkle Seite hinter mir her. Mein Schicksal stand so oder so auf des Messers Schneide. Und jetzt holte er sogar eine Aurorin an die Schule. Ich hob den Kopf und schrie: „Ausgezeichnet, wirklich ausgezeichnet!"

Irgendwie musste ich mich beruhigen. Ich erhob mich von meinem Stuhl, nahm das Buch, das ich mir gestern in der Winkelgasse gekauft hatte und setzte mich damit in den Sessel vor dem Kamin. Die goldenen Buchstaben auf dem schwarzen Einband schienen mich anzugrinsen. Der Titel war: Alte, längst vergessene Zaubertränke.

Nach einigen Minuten gab ich auf und schloss das Buch wieder. Es war ein scheinbar aussichtsloses Unterfangen, mich konzentrieren zu wollen. Meine Gedanken wanderten immer wieder zu Muriel Stern.

Sie war eine sehr hübsche, zierliche Frau. Sie hatte blonde, lange Haare, die ihr bis über die Schultern fielen. Klare tiefblaue Augen wie der Himmel an einem Sommertag. „Sie sieht aus wie ein Engel, der auf die Erde herabgestiegen ist." flüsterte ich, besann mich aber dann wieder, dass sie ja eine Aurorin war. „Ein Engel des Todes!" zischte ich und knallte das Buch an die Wand.

Ich musste mich wirklich dringend beruhigen und ging zum Regal hinter dem Schreibtisch.

Mit zitternden Händen goss ich mir ein Glas „Don Mendo" ein. Es war ein starker spanischer Rotwein. Das erste Glas stürzte ich sofort hinunter und goss nochmals ein. Mit der Flasche in der einen und dem Glas in der anderen Hand ging ich wieder zurück zum Kamin und setzte mich in den Sessel.

Bereits nach dem zweiten Glas fühlte ich mich ein bisschen leichter. Ich hob das Glas und betrachtete die dunkelrote Flüssigkeit. Es war eine herrliche, unvergleichliche Farbe.

Nachdem ich das dritte Glas in einem Zug geleert hatte, stellte ich es auf den Beistelltisch.

Ich fuhr mir mit den Händen durch die Haare und legte dann meinen Kopf auf die angewinkelten Knie. Wieder einmal fühlte ich mich unendlich allein und einsam......

Zur gleichen Zeit...

Erzählt von Muriel Stern

Endlich war ich in meinem Zimmer. Ich hatte ein gemütliches Büro und ein tolles Schlafzimmer. Beide Räume waren recht gross und verfügten über einen Kamin, in dem ein warmes Feuer flackerte. Ich stand vor dem Bett. „Wow, ist das riesig." Ich liess mich dann rücklings darauf fallen. Es war sehr weich und bequem.

Heute war ein langer Tag und ich war jetzt doch müde. Was natürlich auch an der bereits vorangeschrittenen Stunde lag. Es war weit über Mitternacht hinaus. Die interessanten Gespräche, die ich heute Abend mit Professor McGonagall geführt hatte, liessen mich die Zeit vergessen. Die Lehrerschaft schien aus vielen netten Menschen zu bestehen, die mir Alle ihre Hilfe anboten. Vor allem auch was das Finden der verschiedenen Räumlichkeiten anging. Das Schloss war ja riesig. Ebenso war es für mich noch ein bisschen ein Problem, dass die Treppen ihre Standorte immer wieder veränderten.

„Sie sind verzaubert," hatte mir Professor McGonagall erklärt. „Die Treppen lieben die Abwechslung. Aus diesem Grunde führen sie auch immer wieder an einen anderen Ort. Aber Muriel, keine Angst, bald werden Sie sich hier so gut auskennen, dass das für Sie kein Problem mehr sein wird."

„Das hoffe ich sehr." hatte ich zweifelnd geantwortet.

Daraufhin hatte ich mich zurückgezogen.

Nun lag ich also auf meinem Bett und konnte trotz der Müdigkeit nicht schlafen. Ich dachte über Professor Snape nach. Weniger seine bissige Bemerkung als sein Blick gingen mir nicht aus dem Kopf. Ich hätte mich sehr gerne heute Abend mit ihm unterhalten, aber gleich nach dem Abendessen hatte er die Grosse Halle verlassen. Irgendwas war da seltsam. Aber vielleicht bildete ich mir das auch nur ein. „Ich habe wirklich eine Pause nötig," murmelte ich vor mich hin. Als Aurorin hatte ich immer wachsam sein müssen. Ich musste Dinge sehen, die andere Leute gar nicht wahrnahmen. Es war nun an der Zeit wieder „normal" zu leben und nicht in jedem Schatten einen Angreifer zu vermuten. Ich musste mich dringend entspannen. Also schlüpfte ich nun unter die Decke und schloss die Augen. Ich genoss die Grösse dieses Bettes und schlief ein.

Zwei Stunden später...

Plötzlich schreckte ich aus dem Schlaf hoch. Ich brauchte einige Minuten um mir klar zu machen, wo ich eigentlich war. Mein Herz raste und ich keuchte. Es war schon wieder passiert. Es war schon wieder dieser Traum gewesen. Schweissgebadet lag ich in meinem Bett und versuchte mich zu beruhigen. „Es ist nur ein Traum gewesen, nicht mehr. Es ist vorbei." flüsterte ich in die Dunkelheit. Ich fühlte, dass ich zitterte. Immer wieder verfolgte mich dieser eine Traum. Es war mein letzter Auftrag, der mich nicht losliess. Auch diesmal sah ich mich wieder mitten in der Nacht von Todessern umringt. Mein Zauberstab war weg. Ich war schutzlos aber das nahm ich nur am Rande wahr. André und Luis lagen zu meinen Füssen und regten sich nicht mehr. Der unabwendbare Fluch hatte sie einige Sekunden zuvor getötet. Wir waren in einen Hinterhalt geraten. Dieser eine Traum verfolgte mich unablässig. Es gab Nächte in denen ich mich fürchtete einzuschlafen, weil ich wusste, dass es wieder passieren würde.

„André" flüsterte ich, schlug die Hände vors Gesicht und weinte. „Nein" sagte ich leise zu mir selbst. „Du darfst Dich jetzt nicht gehen lassen. Reiss Dich zusammen!" Ich beschloss, dass mir ein bisschen frische Luft sicher gut tun würde. Also zog ich mich an und ging hinaus.

Es dämmerte bereits und die letzten Sterne verblassten langsam. Durch den frühmorgendlichen Herbstnebel konnte ich den See vom Schlossportal aus nicht erkennen, aber ich wusste, wo er war und ging geradewegs in diese Richtung. Die kühle Frische der Morgenluft drang durch meine Kleidung und ein leiser Wind wehte. Kurze Zeit später erreichte ich den See und blickte aufs Wasser. Das gegenüberliegende Ufer konnte man nicht sehen, da der Nebel noch zu dick war.

Einige Zeit stand ich so da und genoss die Stille, als sich plötzlich jemand hinter mir räusperte. Blitzschnell drehte ich mich um und hielt bereits meinen Zauberstab in der Hand.

„Nicht schlecht, Ihre Reaktion, aber hätte eine Aurorin nicht vorsichtiger sein müssen?" klang es spöttisch von drüben her. Auch er hatte einen Zauberstab auf mich gerichtet. Es war Severus Snape. Er sass mit dem Rücken an einen Baum gelehnt. Da er nasse Haare hatte, hatte er vermutlich schon lange hier draussen gesessen.

„Sollten anständige Leute um diese Zeit nicht in Ihren Betten liegen und schlafen, als hier draussen hilflose Frauen zu erschrecken?" fragte ich neckisch.

„Sie? Eine hilflose Frau? Das ich nicht lache!" Plötzlich änderte sich sein Gesichtsausdruck. „Lassen sie ihren Zauberstab fallen und keine raschen Bewegungen!" flüsterte er und seine Augen glitzerten kalt.

Ich spürte wie mir plötzlich Schweissperlen auf die Stirn traten. Meine Hand begann leicht zu zittern und meine Gedanken rasten. Was nun? Er konnte mir doch nichts anhaben, schliesslich waren wir Arbeitskollegen. Jedoch wusste ich, dass er meinen Job haben wollte. Würde er so was tun?

Ganz langsam liess ich meinen Zauberstab ins Gras gleiten.

„Na, das war jetzt aber doch ein bisschen einfach, finden Sie nicht? spottete Snape, seinen Zauberstab noch immer auf mich gerichtet.

Ich schloss die Augen und meine Beine gaben nach.

*********

Als ich wieder zu mir kam, fühlte ich, dass ich im feuchten Gras lag. Ich schlug die Augen auf und sah, dass Snape neben mir kniete und mich besorgt ansah.

„Hey," sagte er leise. „Was ist denn los mit Ihnen? Ich machte doch nur Spass, ich wollte das nicht!"

Sanft strich er mir eine Haarsträhne aus dem Gesicht. Ich blickte in seine schwarzen fragenden Augen und stammelte: „Ich...........ich........." Sofort liefen mir die Tränen übers Gesicht. Ich wollte nicht heulen, aber ich konnte nichts dagegen tun. Die ganze Aufregung der letzten Tage und der fehlende Schlaf trugen sicher dazu bei.

„Ist schon gut, nur ruhig! Es ist ja alles Gut." flüsterte Severus und hielt mich fest.

Ich weis nicht wie lange wir so am See blieben. Waren es Minuten? Waren es Stunden?

Auf einmal sagte er zu mir: „Kommen Sie Muriel, wir sollten besser hineingehen bevor Sie sich verkühlen."

Er zog mich auf die Beine und wir gingen zusammen Richtung Schloss. Keiner von uns sagte ein Wort.

Als wir beim Portal ankamen, sagte er plötzlich: „Einen Moment noch. Das gehört Ihnen." Er reichte mir meinen Zauberstab.

Ein kaum wahrnehmbares „Danke" kam über meine Lippen.

„In einer halben Stunde gibt es Frühstück. Sie sollten sich umziehen, bevor Sie jemand sieht." fügte er ernst hinzu und ging davon.

Ich blickte an mir hinunter und sah, dass mein Umhang dreckig war. Die feuchte Erde am Seeufer hatte ihre Spuren hinterlassen. Also ging ich raschen Schrittes in mein Büro um mich frisch zu machen.

Im nachhinein kam ich mir lächerlich vor, dass ich dachte, er wolle mich unten am See töten. Aber in dem Moment als er seinen Zauberstab auf mich gerichtet hatte sah ich Severus in die Augen. Was ich dort sah erschreckte mich. Dieser Mann hatte bereits getötet. Darin bestand kein Zweifel. Er musste es schon oft getan haben. Mir stockte plötzlich der Atem. Es konnte doch nicht.... oder etwa doch? Bis jetzt hatte ich diesen Ausdruck nur in den Augen von Todessern gesehen, niemals bei jemand anderem. Er war doch nur ein Lehrer?

Erzählt von Severus Snape

Ich sass auf dem Rand meines Bettes. Das Gesicht in meine Händen vergraben. „Es darf einfach nicht wahr sein." stöhnte ich. „Warum hasst mich mein Schicksal so?"

Draussen am See als ich neben ihr kniete und in ihre Augen sah, erkannte ich sie wieder. Es schien mir von Anfang an, dass ich sie von irgendwo her kannte. Als ich sie das letzte Mal gesehen hatte, hatte sie dunkle Haare und war auch ganz anders gekleidet. Es war natürlich die Uniform der Auroren.

„Schlimmer kann es kaum mehr kommen." dachte ich. Früher oder später würde auch sie mich erkennen.

Ich liess mich seufzend zurück aufs Bett fallen und dachte zurück an unsere erste Begegnung......

Es war erst vier Monate her, seitdem Voldemort an die Macht zurückgekehrt war und ich wieder bei den Todessern arbeitete. Für mich schien es wie eine halbe Ewigkeit.

Um Voldemort meine Loyalität zu beweisen, musste ich einige taktisch kluge Angriffe planen und ausführen. Es war schrecklich, aber ich musste es tun. Würde Voldemort herausfinden, dass ich ein Spion war, wäre mein Leben keinen Sickel mehr wert.

Der wohl furchtbarste und erschütterndste Überfall war vor drei Monaten gewesen. Ich plante den Tod einer Familie von Schlammblütern, allesamt Ravenclaws, deren Namen im Ministerium für Zauberei nicht gerade unbekannt waren. Das allein genügte aber nicht. Ich wollte, dass die Zweifel an meiner Loyalität ein für allemal ausgelöscht wurden. Daher liess ich die Information über den bevorstehenden Angriff durchsickern, so dass das Ministerium davon Wind bekam. Ich wusste, dass sie einige der Besten Auroren schicken würden, um die Familie zu beschützen. Dies war also von Anfang an ein Teil meines Plans.

Zusammen mit zwanzig sorgfältig ausgewählten Todessern schlug ich zu.....

Die Familie wie auch die drei Auroren konnten wir erfolgreich überwältigen.

Ich schloss fest meine Augen. Die Erinnerung an jene Nacht liess mich noch immer schaudern.

Einen nach dem andern, bei der Familie anfangend, hatte ich mit dem Cruciatus-Fluch gequält und anschliessend als sie vor mir knieten und um Gnade bettelten mit dem unabwendbaren Fluch getötet. Zwei der Auroren hatte ich anschliessend ebenfalls mit dem Cruciatus-Fluch solange gequält bis sie nur noch zitternde Wracks waren. Anschliessend sprach ich auch über sie den Todesfluch Avada Kedavra!

Die letzte Person die noch lebte war eine Aurorin. Ihren Namen kannte ich nicht, aber ihr Gesicht hatte ich mir eingeprägt.

Ich sehe es noch vor mir, wie wenn es erst gestern gewesen wäre......

Ich ging auf sie zu. Sie blickte mir geradewegs in die Augen. Diesen Blick werde ich nie vergessen. In diesem Augenblick wusste ich, dass ich sie nicht würde töten können. Diese Augen schienen direkt in meine Seele zu sehen.

Ich trat vor sie hin. Sie zitterte und Schweissperlen traten auf ihre Stirn. Ihre Lippen formten die Worte „Bitte nicht."

Ich richtete meinen Zauberstab auf ihr Herz und flüsterte: „Crucio!"

Als die Todesser dann von mir erwarteten, dass ich sie tötete, sagte ich kalt:

„Eine solch schöne Frau zu töten ohne vorher noch ein bisschen Spass mit ihr zu haben wäre doch eine Schande, oder?"

Die Todesser lachten.

„Also, wir treffen uns in dreissig Minuten am vereinbarten Ort. Geht jetzt!"

Einer nach dem anderen disapparierte und als ich sicher war, dass Alle weg waren, kniete ich mich neben sie. Sie schien bewusstlos zu sein. Ich fühlte ihren Puls. Er war schwach aber regelmässig. Da schlug sie die Augen auf.

Die Erkenntnis, dass ich neben ihr kniete, schien sie zu schockieren. Kein Wunder.

„Was wollen Sie von mir!" krächzte sie heiser.

„Ssschhhh, nur ruhig. Sie sind weg. Es geschieht Ihnen nichts. Verzeihen sie mir, ich musste es tun." Mit diesen Worten stand ich auf und ging einige Schritte von ihr weg. Ich spürte ihren Blick auf mir. Langsam drehte ich mich um und hob meinen Zauberstab, bis er genau auf ihr Herz zeigte.

„Ich habe keine andere Wahl!" flüsterte ich und ihre Augen weiteten sich vor Angst und Entsetzen. Dann kam der Fluch über meine Lippen:

„Amnesia!"

Nachdem ich nochmals tief durchgeatmet hatte, hob ich den Zauberstab gegen den Himmel, beschwor das dunkle Mal herauf und verliess den Platz auf dem dieses grauenhafte Schauspiel stattgefunden hatte.

Als ich an unseren Treffpunkt apparierte, war der dunkle Lord bereits anwesend und wusste schon von der erfolgreichen Ausführung dieses Auftrags. An diesem Abend erhielt ich meine „alte" Stellung wieder zurück. Ich wurde Zweiter im Kommando von Voldemort und somit der fast ranghöchste Todesser. Sogar Lucius Malfoy war mir unterstellt.

Erschöpft disapparierte ich nach Hogwarts und brach in der Eingangshalle zusammen.....

Und jetzt nach allem unterrichtete Muriel Stern hier in Hogwarts „Verteidigung gegen die dunklen Künste". Ich hoffte inständig, dass der Amnesiezauber noch immer wirkte.........


Kapitel 3: 1. September

Erzählt von Albus Dumbledore

Nervös ging ich in meinem Büro auf und ab. In wenigen Minuten würde Severus hereinkommen um mit mir etwas zu besprechen. Er hatte mich kurz nach dem Frühstück um dieses Gespräch gebeten. Ich wusste, dass ich ihm einiges würde erklären müssen. Ich rechnete schon damit, als ich die Entscheidung fällte Muriel Stern einzustellen.

Es gibt einige Gründe dafür, warum meine Wahl gerade auf sie gefallen war. Einer davon war natürlich, dass Muriel nach sechs Jahren praktischer Erfahrung als Aurorin perfekt für diesen Job geeignet war. Sie konnte den Schülern sicher viel beibringen, auch anhand von praxisbezogenen Beispielen, anstelle der teilweise trockenen Theorie. Aber dies allein war es nicht....

Ich setzte mich hinter meinen Schreibtisch und versuchte meine Gedanken zu ordnen.

„Es wird für Beide gut sein, dass sie sich nun kennen lernen." murmelte ich vor mich hin.

Einige Male hatte ich heute die Gelegenheit gehabt, Severus zu beobachten. Seit gestern Abend hatte sich definitiv etwas verändert. Ich kannte ihn mittlerweile gut genug um festzustellen, dass er sie erkannt hatte und sich jetzt Sorgen machte.

Ich hoffte, dass er genügend Selbstkontrolle aufbringen würde um sein Temperament zu zügeln. Je nach Stimmung neigte Severus manchmal zu etwas drastischen Aktionen. Ich wusste, wie viel Energie es ihn jedes Mal kostete, wenn der dunkle Lord seine Anhänger zu sich rief. Als einer von Voldemorts Elitetodessern durfte er sich keine Schwäche erlauben.

Ich erinnerte mich an jene Nacht, in der Muriel Stern und Severus Snape sich das erste Mal gegenüber standen. Ich hatte lange Zeit in der dunklen Halle gesessen und auf ihn gewartet. Kurz bevor er gehen musste, hatte er mir anvertraut, dass es ein sehr heikler Auftrag werden würde.

Der Morgen dämmerte schon als er apparierte und in der Eingangshalle zusammenbrach. Sofort ging ich auf Severus zu und kniete mich neben ihn. Als ich ihm eine Hand auf die Schulter legte, kam er wieder zu sich. Besorgt brachte ich ihn hinunter in den Kerker und half ihm, sich in sein Bett zu legen. Er war völlig erschöpft. Einige Zeit herrschte Stille zwischen uns. Dann plötzlich fragte er leise: „Bitte, Albus, könnten Sie mir die Flasche vom Tisch dort drüben reichen?"

Ich nickte und ging hinüber. Dort stand eine kleine Flasche mit einer violetten Flüssigkeit, die ich nur allzu gut kannte. Es war ein sehr starkes Schlafmittel, das Severus selbst braute. Ich reichte ihm die Flasche während ich ihn fragte: „So schlimm?"

Mit zitternden Händen nahm er die Flasche und nickte. Ich machte mir Sorgen, da ich ihn noch nie in einer solchen Verfassung gesehen hatte.

Plötzlich hob er den Kopf und blickte mich an. Sein Blick brannte sich in meine Seele. Hatte ich wirklich das Recht ihm so etwas anzutun, so etwas von ihm zu verlangen?

Dann flüsterte er: „Heute habe ich sechs Menschen getötet. Eine Aurorin habe ich am Leben gelassen." Seine Stimme brach als er weitersprach. „Ich konnte sie einfach nicht töten. Nachdem ich sie einige Zeit mit dem Cruciatus-Fluch gequält hatte, sprach ich den Amnesia-Fluch über sie aus."

Er versuchte verzweifelt die Flasche zu öffnen, was ihm aber nicht gelingen wollte. Also entfernte ich den Korken für ihn. Severus leerte die Flasche in einem Zug. Er schloss fest seine Augen und flüsterte: „Voldemort war zufrieden und ich erhielt meine Stellung als Zweiter in seinem Kommando zurück."

Ich hatte das Gefühl, dass der Trank langsam seine Wirkung tat und er einschlief, als er plötzlich hochschreckte und sich an meinen Arm klammerte. „Er weis es nicht! Er weis nicht, dass ich sie habe laufen lassen! Niemand weis es!"

„Und es wird auch niemand erfahren, dafür werde ich sorgen." versuchte ich ihn zu beruhigen. Snape liess sich zurück in die Kissen sinken. Ich ergriff seine Hand und drückte sie.

„Würde es Ihnen etwas ausmachen, hier bei mir zu bleiben, bis ich eingeschlafen bin?" fragte Severus schwach.

Daraufhin schüttelte ich den Kopf, unfähig etwas zu sagen und fasste seine Hand fester. Er schloss beruhigt die Augen und flüsterte „Danke!".

Das war jetzt drei Monate her....

Ein leises Klopfen riss mich aus meinen Gedanken. „Herein!" rief ich. Die Tür ging auf und Severus trat mit finsterem Gesicht ein.

Etwas später...

Erzählt von Severus Snape

Schnell ging ich die Treppe, die von Dumbledores Büro in die Halle führte, hinunter. Ich war hin und hergerissen zwischen meinen Gefühlen und dem, was Dumbledore mir gerade erzählt hatte. Mein Kopf fühlte sich an, als ob er gleich platzen würde. Denken konnte ich nicht mehr.

Gerade kam ich am Wasserspeier vorbei. Ich musste raus. Raus an die frische Luft. Plötzlich hatte ich das Gefühl zu ersticken, wenn ich auch nur eine Minute länger im Schloss blieb und so begann ich zu rennen. Durch die Eingangshalle, die heute länger zu sein schien, als sie es sowieso schon war. Raus nur Raus. Endlich erreichte ich das Tor, riss es auf und stürmte über den Hof. Verwunderte Blicke folgten mir. Ich kümmerte mich nicht darum. Erst als ich beim See ankam wurde ich langsamer, blieb stehen und liess mich völlig ausser Atem ins Gras fallen.

Während ich keuchend im Gras lag und das Blut mir in den Ohren rauschte, versuchte ich an nichts mehr zu denken und mich zu entspannen. Ich schloss die Augen und konzentrierte mich auf die Stille, die den See umgab. Hierher kam ich immer um nachzudenken....

Albus hatte genau gewusst, warum ich zu ihm kam. Er wusste, dass es wegen der Aurorin war. So wie es schien hatte er bewusst Muriel Stern für diesen Job ausgewählt.

„Es ist wichtig, dass wir starke Verbündete haben, auf die wir uns verlassen können. Muriel wird sich hier in Hogwarts hoffentlich rasch von ihrem traumatischen Erlebnis vor drei Monaten erholen. Sobald es nötig sein wird, werde ich sie einweihen." sagte Dumbledore.

„Und ihr somit die Mittel in die Hände geben, mich dem Ministerium auszuliefern? Nein, das kann nicht ihr Ernst sein Professor." erwiderte ich. „Was ist, wenn sie herausfindet, dass ich es war? Dass ich derjenige bin, der Alle umgebracht hat. Wieso sollte sie mir helfen wollen, nachdem ich sie mit dem Cruciatus-Fluch belegt hatte bis sie besinnungslos war? Ich war es, der ihr dieses Leid zugefügt hat!"

„Sie taten es weil sie dazu gezwungen waren, Severus!" warf Dumbledore ein. „Sie ist eine intelligente Frau, sie wird es verstehen."

„So? Wird sie das wirklich?" schrie ich nun wütend.

Ich hatte genug gehört. Ich stand auf und verliess Dumbledores Büro. Ich hörte noch wie er sagte: „Vertrauen Sie mir Severus!"

Vertrauen. Wem konnte man in dieser verrückten Welt denn noch vertrauen?

*****

Auf einmal hörte ich jemanden sanft meinen Namen rufen. Ich reagierte nicht. Wieder hörte ich diese Stimme, diesmal eindringlicher. „Severus, wachen Sie auf."

Aufwachen? Ich musste eingeschlafen sein! Erschreckt fuhr ich hoch. Neben mir im Gras sass Muriel und lächelte mich freundlich an. „Na, ausgeschlafen?"

Meine Augen brannten und ich rieb mit den Händen über mein Gesicht, damit ich ein wenig wacher wurde. Ich war immer noch am See. Da ich die ganze Nacht über kein Auge zugetan hatte, war es kein Wunder, dass ich eingeschlafen war. Jetzt fühlte ich mich wie gerädert.

„Was tun Sie hier?" fragte ich Professor Stern ärgerlich. Die Tatsache, dass sie mich geweckt hatte, führte nicht gerade zu einer Besserung meiner Laune. Im Gegenteil.

Sie liess sich durch die Kälte in meiner Stimme nicht beeindrucken und sagte schlicht: „Nun, ich dachte, dass es Sie vielleicht interessieren würde, dass die Schüler in einer viertel Stunde hier in Hogwarts ankommen werden." Mit diesen Worten stand sie auf und ging zurück zum Schloss.

„Ahhhhhh, schon so spät!" Seufzend liess ich mich zurück ins Gras fallen. Ich musste mich beeilen, so schwer es mir im Moment auch fiel. Umgezogen war ich auch noch nicht. Ich stand auf und ging schnellen Schrittes davon.

Während des Festbanketts..

Erzählt von Muriel Stern

Es war ein unglaubliches Erlebnis. Die Grosse Halle war nun voller Schüler, die fröhlich plaudernd an ihren Haustischen sassen. Der Saal war wunderschön geschmückt worden und es herrschte eine fast festliche Stimmung.

Severus hatte es knapp noch vor den Schülern in die Grosse Halle geschafft. Er war ein bisschen ausser Atem, da er sich ja noch hatte umziehen müssen. In Schwarz gekleidet sah er einfach umwerfend aus. Machtvoll. Unnahbar. Als er hinter mir durch ging, berührte er mich kurz an der Schulter und flüsterte ein kaum hörbares „Danke!", auf das ich mit einem leichten Nicken antwortete.

Heute Nachmittag war ich bei Hagrid gewesen, um mich über den verbotenen Wald und die Kreaturen die darin lebten, zu erkundigen. Gerade als ich auf dem Rückweg war, hatte ich Severus aus dem Schloss rennen sehen, als ob er von einem Rudel Wölfen gejagt würde. Ich runzelte die Stirn und folgte ihm unauffällig. Als er beim See ankam, liess er sich ins Gras fallen. Ich beobachtete das Ganze noch ein wenig und fragte mich, was ihn wohl so aus der Fassung gebracht haben könnte, traute mich aber dann doch nicht zu ihm hin zu gehen. Als er dann bei der Sitzung die Dumbledore mit der ganzen Lehrerschaft abhielt fehlte, dachte ich mir bereits, dass er vermutlich am See eingeschlafen war. Er hatte heute beim Mittagessen schon sehr müde ausgesehen.

Plötzlich wurde ich von Professor McGonagall aus meinen Gedanken gerissen. Sie hatte mich etwas gefragt, aber ich hatte nicht verstanden was. Doch da erhob sich Dumbledore und hielt eine kurze Ansprache. Er erklärte die Regeln, an die sich jeder Schüler zu halten hatte und ermahnte die Erstklässler, das Passwort für die entsprechenden Gemeinschaftsräume nicht zu vergessen. Daraufhin war das Festessen eröffnet worden.

Zwischendurch versuchte ich immer wieder einen Blick auf Professor Snape zu erhaschen. Als sich dann unerwartet unsere Blicke trafen, spürte ich, wie mir das Blut in die Wangen schoss und blickte rasch weg.

Auch heute verschwand Severus ziemlich schnell, nachdem die Schüler die Grosse Halle verlassen hatten. Aber auch ich war müde und begab mich bald einmal in meine Gemächer.

Etwas später...

Seit einer geschlagenen Stunde wälzte ich mich nun in meinem Bett hin und her. Ich fand keine Ruhe. Zum einen hielt mich die Angst vor dem immer wiederkehrenden Alptraum davon ab, zum anderen wandten sich meine Gedanken immer wieder Severus Snape zu.

Plötzlich stand ich auf und ehe ich mich versah, fand ich mich vor der Tür zu seinem Büro wieder. „Was tue ich bloss hier" fragte ich mich. „Er schläft sicher schon."

Erzählt von Severus Snape

Ich sass an meinem Schreibtisch und ordnete die Papiere, die ich für den morgigen Unterricht benötigen würde. Die Tür zum Klassenzimmer hatte ich offen gelassen. Von dort her klangen zwischendurch zischende Geräusche. Ich musste wieder einmal meinen Schlaftrank nachbrauen. Er drohte mir auszugehen. Nicht dass ich von ihm abhängig wäre. Dies war etwas, was ich bis jetzt immer zu vermeiden wusste. Aber es gab viele Nächte, in denen ich ohne diesen Trank nicht fähig gewesen wäre, auch nur eine Stunde zu schlafen.

Als ich heute Abend am Lehrertisch sass, hatte ich die Gelegenheit, einige der Schüler unbemerkt zu beobachten. Harry sah ein wenig besser aus, als vor den Sommerferien. Aber teilweise konnte man den Schrecken, der das Trimagische Turnier bei ihm hinterlassen hatte, noch immer erkennen.

Neville hatte den ganzen Abend nicht den Mut gefunden, mich anzusehen. Jedes Mal, wenn ich das bemerkte oder wenn er in meinem Unterricht versagte, quälte mich mein Gewissen. Was wäre, wenn Voldemort damals die Longbottoms in Ruhe gelassen und mich nicht gezwungen hätte..... Nein, darüber durfte ich nicht nachdenken. Die Vergangenheit liess sich dadurch nicht mehr ändern.

Gerade als ich nochmals nach dem Trank sehen wollte, vernahm ich ein Klopfen an meiner Tür. Ich war überrascht. Eigentlich kam nie jemand herunter um mich zu besuchen und schon gar nicht um diese Zeit.

Ich ging zur Tür, neugierig wer wohl den Mut hatte mich um diese Zeit zu stören. Während ich öffnete sagte ich ärgerlich „Wer zum Teu...." Da stand Sie. Muriel. Sie trug nur ein langes, weisses Nachthemd und darüber einen Umhang. Ich schluckte schwer. Daraufhin sagte sie: „Wollen sie mich nicht hereinbitten?"

Ich zögerte kurz und machte ihr aber dann den Weg frei, damit sie eintreten konnte. Nun fand ich auch meine Sprache wieder. „Was wollen sie hier?" fragte ich kalt.

Erzählt von Muriel Stern

Kurz nachdem ich geklopft hatte, öffnete sich die Tür. Da er offensichtlich keine Besucher mehr erwartet hatte, hatte er sich der Robe bereits entledigt. Er trug nur eine schlichte schwarze Hose und ein dunkelgrünes Hemd. Dies betonte seine schlanke Gestalt genau an den richtigen Stellen. Sein Hemd war vorne offen. Bei diesem Anblick bekam ich doch etwas schwache Knie. Dies hatte ich nicht erwartet. Ich liess mir nichts anmerken und trat ein.

„Ich muss mit Ihnen sprechen, Professor Snape." sagte ich schlicht.

„Kann das nicht bis morgen warten? Ich wollte mich gerade hinlegen und das sollten Sie auch tun!" erwiderte er barsch.

„Nein, kann es nicht!" antwortete ich und tat so, als ob ich die Härte in seiner Stimme nicht wahrgenommen hätte. „Hey, kochen Sie sich noch etwas, mitten in der Nacht oder was blubbert denn da im Nebenraum?"

„Das geht sie nichts an!" warf er ein.

„Es ist ein Zaubertrank, nicht wahr? Das hat mich schon immer fasziniert. Genial. Darf ich mal gucken?" und schon ging ich durch die Tür in das Schulzimmer und direkt zu dem Kessel, der über dem Feuer hing. Violetter Rauch stieg auf.

„Ich habe ihnen nicht erlaubt hier reinzugehen!" zischte er. „ Bitte gehen sie jetzt!"

Als ich mich nicht bewegte, kam er ebenfalls hinter das Lehrerpult, packte mich am linken Arm und drehte mich unsanft zu sich herum. „Haben Sie nicht gehört?"

Ich hob den Kopf und schaute ihm stumm in die tiefschwarzen Augen. Ich fühlte wie meine Beine weich wurden und meine Augen sich mit Tränen füllten. Er konnte mich gerade noch festhalten. „Hey, ganz ruhig. Kommen sie." sagte er sanft und führte mich zurück in sein Büro und setzte mich in einen der Sessel vor dem Kamin.

„Was ist bloss mit Ihnen los, Muriel?" fragte er mich als er sich in den Sessel gegenüber setzte. „Zuerst das heute morgen und nun wieder?"

Ich atmete tief durch und vermied es, ihn anzusehen. „Seit einiger Zeit kann ich kaum mehr schlafen. Alpträume verfolgen mich. Schlimmer noch, als Sie es sich vorstellen können. Manchmal habe ich sogar Angst die Augen zu schliessen, nur weil ich fürchte, dass es wieder passieren könnte." flüsterte ich. „Tagsüber dann, habe ich das Gefühl, dass in jedem Schatten Gefahr lauert."

„Dieses Gefühl kenne ich." erwiderte er kaum hörbar.

Ich hob den Kopf und unsere Blicke trafen sich. Wir schauten einander tief in die Augen. Ich hatte den Eindruck, dass ich diese Augen bereits kannte. Es schien, als könnte ich bis in seine Seele blicken. Es war nur ein kurzer Moment, ein Bruchteil einer Sekunde, bevor seine Augen wieder die normale Kälte ausstrahlten. Aber was ich in seinen Augen gesehen hatte, schauderte mich. Ich sah Trauer, Schmerz, Hoffnungslosigkeit, Enttäuschung aber auch Leidenschaft. Dieser Mann hatte bereits sehr viel erleben müssen. War er wirklich „nur" ein Lehrer?

Plötzlich erhob er sich und sagte kühl: „Sie sollten jetzt besser gehen. Morgen ist ein anstrengender Tag."

Ich folgte ihm zur Tür. Er öffnete Sie und liess mich hinaus in den Korridor treten. Mit einem leichten Lächeln sagte ich: „Gute Nacht."

„Gute Nacht und schlafen Sie wohl." sagte er sanft und drückte mir eine kleine Phiole mit violetter Flüssigkeit in die Hand. Dann flüsterte er: „Fünf Tropfen genügen, sie sollten den Unterricht morgen früh nicht verpassen."

War da ein kleines Lächeln auf seinem Gesicht?

Als ich die steinerne Treppe hinauf stieg, drehte ich mich nochmals kurz um. Er stand noch immer in der Tür und sah mir nach. Mit meinen Lippen formte ich ein lautloses „Danke" und machte mich auf den Weg in meine Gemächer.


Kapitel 4: Die Todesser

Erzählt von Severus Snape

Ich sass in einem Sessel vor dem Kamin in meinem Büro. Eine Hand legte ich in den Nacken und lehnte meinen Kopf nach hinten. „Ahh, das tut gut." murmelte ich vor mich hin und atmete tief durch.

Es war ein langer, anstrengender Tag gewesen. An Tagen wie diesen schmerzte mir abends der ganze Rücken. Ich hatte alle Klassen einen Überraschungstest schreiben lassen, damit ich sehen konnte wie viel sie in den Ferien vergessen hatten.

Heute morgen war ich schon früh in meinem Klassenzimmer gewesen und hatte auf die ersten Schüler gewartet. Die Erste der vier Doppelstunden in Zaubertränke hatte ich, wie konnte es auch anders sein, mit den Gryffindors und Slytherins im fünften Jahr. Ich seufzte bei dem Gedanken daran.

Da war Harry Potter. Genau wie sein Vater war er ein kleiner Weltverbesserer. Er dachte immer, dass er die Macht hätte etwas zu verändern. Ha! Dann war Hermine Granger, die Alleswisserin. Jede Aufgabe die ich erteile, macht sie doppelt und dreifach. Ist die Aufgabe ein Aufsatz über vier Rollen Pergament, schreibt sie sicher acht oder mehr. In der selben Klasse befindet sich auch Neville Longbottom. Es wäre absolut nicht verwunderlich, wenn Neville einmal aus Versehen, die ganze Schule in die Luft jagen würde. Ah ja, fast hätte ich Draco Malfoy vergessen. Er ist so schleimig wie sein Vater Lucius. Wenn er in meiner Klasse ist, muss ich immer besonders acht geben. Ich habe immer das Gefühl, dass mich dieser Junge beobachtet und nur darauf brennt, seinem Vater alles zu berichten.

Als Hausaufgabe habe ich ihnen einen Aufsatz über den Zaubertrank mit dem Namen „die Königin der Nacht" gegeben. Ich bin gespannt wie viele herauskriegen, wofür dieser verwendet wird oder wozu er verwendet werden kann. „Draco wird sich bestimmt für Letzteres interessieren. Lucius wird es auf jeden Fall" dachte ich mit einem bösen Grinsen. Daran würde ich erkennen können, ob Lucius Draco benutzte um mich zu bespitzeln.

Ich erhob mich aus dem Sessel und streckte meinen Rücken. Nun wollte ich nur noch heiss duschen, gemütlich lesen und für einmal früh schlafen gehen, wenn möglich noch vor Mitternacht.

Im Badezimmer stellte ich das Wasser an und zog mich aus. Ich liess es immer einige Minuten laufen, da ich kaltes Wasser hasste.

Während ich die heisse Dusche genoss, wandten sich meine Gedanken automatisch Muriel zu. Ich war ihr heute so gut es ging aus dem Weg gegangen. Beim Essen erschien ich später und verliess die Grosse Halle so früh wie möglich wieder. Es war mir klar, dass das sicher keine Lösung war. Aber solange ich mit dieser Situation nicht umgehen konnte, war dies sicher das Beste. Somit schloss ich die Augen und liess das warme Wasser alle Gedanken fortwaschen.

Später sass ich auf dem Teppich vor meinem Kamin, lehnte mich gegen einen Sessel und blätterte in dem alten Zaubertränkebuch, dass ich mir vor einigen Tagen in der Winkelgasse besorgt hatte. Es hatte nur schon lange Zeit gedauert, bis ich auf dieses Buch gestossen war. Voller Staub lag es in der hintersten Ecke, von Flourish & Blotts Bücherladen.

Ich suchte etwas ganz bestimmtes. Früher oder später würde ich einen Trank oder ein Pulver benötigen, mit dessen Hilfe das Veritaserum und auch der Veritasfluch nicht seine volle Wirkung entfalten konnte. Es musste so stark konzentriert werden können, dass nur ganz wenig davon genügte und es innert Sekunden zuverlässig wirkte. Während dem das Ministerium auf das Veritaserum setzte, bediente sich Voldemort zunehmend des Veritasfluchs. Wer konnte wissen, wann ich auf der einen oder anderen Seite damit in Berührung kam. Ich musste jedenfalls vorbereitet sein.

Also sass ich da, vor meinem Kamin, las in dem Buch und machte mir hier und da Notizen, als plötzlich ein stechender Schmerz meinen rechten Arm durchfuhr. Augenblicklich fühlte sich der ganze Arm eiskalt an. Die Hand verkrampfte sich und der Arm schien wie gelähmt zu sein. Die Kälte und der Schmerz breiteten sich blitzschnell in die ganze rechte Seite aus und mein Herz schien von einer kalten Klauenhand zerquetscht zu werden. Ich konnte kaum atmen.

„Nein, nicht jetzt." flüsterte ich gepresst, meinen Arm umklammernd. Langsam liess der Schmerz nach. Ich löste meinen Griff, schob den linken Ärmel meiner Robe nach hinten und sah das dunkle Mal rot glühen.

Ich wusste, ich musste gehen....

Erzählt von Muriel Stern

Dank dem Schlafmittel, das mir Severus gegeben hatte, schlief ich endlich mal wieder eine Nacht durch. Ich fühlte mich danach viel frischer und entspannter. Es war wie ein Wunder. Ich musste zugeben, dass er sein Handwerk verstand.

Der erste Tag war super gelaufen. Den Unterricht hatte ich spielend gemeistert. Zugegeben, ich hatte heute auch nur vier Lektionen. Morgen würden es mehr werden, aber den Anfang hatte ich geschafft.

Heute Abend hatte sich Professor Trewlaney an mich gehängt. Wie eine Klette klebte sie an mir und wollte immer, dass ich mir ihre Prophezeiungen anhöre. Da ich eher ein Mensch bin, der auf dem Boden der Tatsachen steht, glaube ich nicht gross an solche Vorhersagen. Ich muss aber noch hinzufügen, dass Professor McGonagall mich bereits vor ihr gewarnt hatte, scheinbar machte es ihr grossen Spass, jemandem den Tod zu prophezeien.

Vor einer halben Stunde war ich sie dann endlich losgeworden und hatte mich anschliessend in meine Räume zurückgezogen. Nun sass ich auf der breiten Fensterbank und starrte in die Nacht. Es war Vollmond und der Himmel war ganz klar, die Sterne funkelten, als eine Bewegung meine Aufmerksamkeit auf sich zog...

Da war es wieder. Ich blickte genauer hin und da sah ich eine Gestalt, die über den Schlosshof huschte. Sie trug einen langen dunklen Umhang. Langsam, ohne ruckartige Bewegungen, stand ich auf und stellte mich schräg hinter die dicken Vorhänge, so dass man mich vom Hof her nicht sehen konnte. Beim Tor, das zum verbotenen Wald hinaus führte, drehte sich die Gestalt nochmals um. Der Mond warf sein sanftes Licht auf ihr Gesicht. Es war.....

„Severus?" flüsterte ich verwirrt. Was tat er um diese Zeit noch dort draussen? Warum sollte jemand freiwillig, nachts in den verbotenen Wald gehen? Was hatte er bloss vor? Fragen über Fragen. Er ging durch das Tor und verschwand. Er musste disappariert sein. Wohin?

Jetzt wo ich über ihn nachdachte, fiel mir auf, dass er mir heute scheinbar aus dem Weg gegangen war. Oder bildete ich mir das etwa nur ein?

Erzählt von Severus Snape

Als ich apparierte, war der grösste Teil der Todesser bereits anwesend. Wir trafen uns wie immer im grossen Empfangsraum von Lord Voldemorts Festung. Die Wände und der Boden waren aus rohem Stein. An den Wänden hingen Fahnen auf denen Voldemorts dunkles Mal prangte. Es war grün auf schwarzem Grund und ein rotes „V" zog sich mitten über das dunkle Mal. Der Raum wurde von unzähligen Fackeln erhellt und das unruhig flackernde Licht warf merkwürdige Schatten durch den Raum. Vorne in der Mitte stand ein grosser Altar. Auch über den, war ein Tuch mit Voldemorts Wappen gebreitet worden.

Von dem Zeitpunkt an als ich Hogwarts verliess, bis ich appariert war, wiederholte ich in Gedanken immer wieder: „Keine Gefühle, lass Dich nicht von Gefühlen leiten!" Es war für mich bereits zu einem kleinen Ritual geworden. So bereitete ich mich immer auf meinen „Auftritt" als Todesser vor.

Ich blickte mich um. Lucius Malfoy hatte meine Ankunft nicht bemerkt. Was ich nicht gerade bedauerte. Er sprach aufgeregt mit McNair. Als alle Todesser anwesend waren, nahm auch ich meinen Platz im Kreis ein. Die Gespräche verstummten und langsam überzog ein feiner weisser Nebel den ganzen Boden. Die Atmosphäre war gespenstisch.

Ein leiser tiefer Gong ertönte und ein kalter Luftzug ging durch den Raum. Auf dem Altar erschienen wie von Geisterhand drei weisse brennende Kerzen, in der Mitte lag eine edle, schwarze Rose.

„Die Todesbotin!" verkündete ich mit donnernder Stimme. Die restlichen Todesser antworteten: „Necâre! Necâre! Necâre!"

Der knöcheltiefe Nebel wurde allmählich dichter und ein zweiter Gong ertönte.

Jetzt setzte der Sprechgesang ein. Zuerst leise, fast flüsternd, dann immer lauter, intensiver werdend bis er beinahe zu einem Donner anschwoll:

Reines Blut

ist die Bedingung

erfüllst Du dies

ist es Bestimmung.

Lord Voldemort

zu dienen

und sich seinen Respekt

zu verdienen.

Schlammblüter

müssen ausgerottet werden

sie verdienen es

zu sterben.

Reines Blut

ist unser Gut

Reines Blut

Reines Blut

Reines Blut..

Plötzlich erklang ein dritter Gong und es wurde auf einen Schlag totenstill. Es schien augenblicklich um einiges kälter zu werden.

Lord Voldemort betrat den Raum. Er war hässlich wie eh und je. Seine roten Augen glitzerten gefährlich, als er hoch erhobenen Hauptes durch den Kreis schritt. Alle Anwesenden verbeugten sich vor ihm. Er trug einen silbernen Umhang. Diesen trug er immer, wenn ein neuer Todesser „geweiht" wurde.

Voldemort trat hinter den Altar. „Seid willkommen Brüder!" sagte er mit seiner Reibeisenstimme. „Dies ist eine besondere Nacht! Ein neues Mitglied wird zu uns stossen. Er ist der Sohn eines treuen Todessers. Heissen wir also Sean Rossier in unseren Reihen willkommen!"

„Toll, wirklich!" dachte ich bitter. Sean war einer meiner Schüler gewesen und hatte diesen Sommer seinen Abschluss gemacht. Er war als Bester aus dem Hause Slytherin ausgezeichnet worden. Ich hatte immer gehofft, dass Sean es schaffen könnte, dass er die Kraft finden würde sich gegen seinen Vater aufzulehnen. Schade um ihn. Heute Abend würde auch Sean den grössten Fehler seines Lebens begehen und in diesen Teufelskreis geraten. Einmal bei den Todessern, gab es kaum mehr eine Möglichkeit, von ihnen weg zu kommen.

Auf Voldemorts Zeichen hin, öffnete sich der Kreis zur einen Seite. Eine grosse Flügeltüre ging auf und Finnigan und Blackwood, zwei grosse muskelbepackte Todesser brachten Sean Rossier herein. Hinter ihnen schloss sich der Kreis wieder.

Sean sah sehr blass aus. Aber als er mich dann erblickte, weiteten sich seine Augen und wenn es möglich gewesen wäre, wäre er noch weisser geworden. Sean hatte offensichtlich nicht gewusst, dass ich wieder ein Todesser war. Diese Tatsache schien ihn zu schockieren.

Lord Voldemort war Seans Reaktion nicht verborgen geblieben. Er trat langsam auf Sean zu. Dieser starrte ihn mit offenem Mund an.

„Als Erstes musst Du lernen, dass man sich vor seinem Meister immer respektvoll verneigen sollte!" krächzte Voldemort

Nach einem kurzen Nicken zu Blackwood, rammte dieser Sean die Faust in den Magen. Sean ging kurz in die Knie, richtete sich aber gleich wieder auf.

„Ja, Sir!" keuchte er.

„Severus Snape scheinst Du bereits zu kennen. Er ist unser Zaubertränke-Speziallist und Zweiter in meinem Kommando. Da ihr Euch kennt, wird er es sein, der Dich mit meinem dunklen Mal beschenkt." Voldemort sah sich zu mir um.

„Danke, Meister! Es ist mir eine grosse Ehre!" sagte ich emotionslos.

„Nun gut," fuhr Voldemort fort. „Mit dem dunklen Mal bist Du für immer mit uns Allen verbunden. Das solltest Du wissen." Er wandte sich nun an alle Anwesenden und schrie plötzlich: „Lasst uns mit der Zeremonie beginnen!"

Wieder ertönte ein Gong und der Sprechgesang setzte ein:

Reines Blut

ist die Bedingung

erfüllst Du dies

ist es Bestimmung.

Lord Voldemort

zu dienen

und sich seinen Respekt

zu verdienen.

Schlammblüter

müssen ausgerottet werden

sie verdienen es

zu sterben.

Reines Blut

ist unser Gut

Reines Blut

Reines Blut

Reines Blut....

Während dieses Gesangs reichte mir Voldemort einen Kelch mit einer dunkelgrünen, dampfenden Flüssigkeit darin. „Der grüne Nebel".

Der grüne Nebel war ein Trank, der die Sinne benebelt. Er lässt diejenigen, die ihn trinken, die natürlichen Grenzen überschreiten, ohne darüber nachzudenken. Die grausamsten Taten waren unter dem Einfluss des grünen Nebels vollbracht worden. Der Trank entfaltet sehr schnell seine Wirkung. Der Körper fühlt sich plötzlich ganz leicht an. Ein Gefühl von Macht ergreift den Trinker und lässt ihn nicht an die Konsequenzen seiner Handlungen denken. Willenlose Marionetten in der Hand eines Irren. In der Hand von Voldemort....

Ich tat so, als nehme ich einen grossen Schluck daraus und gab ihn nach links weiter. In Wirklichkeit, trank ich nur sehr wenig. Genug, dass sich meine Pupillen weiteten, aber zu wenig, als dass er meine Sinne vollständig betäuben konnte. Da der grüne Nebel mein Werk war, konnte ich mir der Konzentration sicher sein. Lange genug hatte ich ihn getestet, bevor ich ihn Voldemort übergeben hatte.

Der Gesang wurde immer lauter und lauter. Sean trank jetzt ebenfalls aus dem Kelch und ich konnte sehen, wie der Trank seine Wirkung tat. Seans Blick wurde ein wenig glasig und ich trat, nachdem mir Voldemort ein Zeichen gegeben hatte, auf ihn zu. Als ich ihm gegenüber stand und in seine Augen sah, war ich mir sicher, dass er mich zwar wahrnahm, aber nicht mehr klar denken konnte.

Finnigan und Blackwood hielten Sean an beiden Armen fest, während ich den rechten Ärmel seiner Robe hochkrempelte. Ich drehte mich um und ging zum Altar. Mit dem Rücken gegen die anderen Todesser stehend, senkte ich meinen Kopf und begann mich zu konzentrieren. Vor meinem geistigen Auge erschien der notwendige Text, der das dunkle Mal heraufbeschwor. Scharf ausatmend drehte ich mich um und ging in raschem Schritt auf Sean zu. Blickte ihm in die Augen, fühlte die Hitze des herauf zu beschwörenden dunklen Mals. Mit einer schnellen Bewegung umfasste ich mit meiner linken seinen Arm und presste die rechte Hand auf die Innenseite seines Unterarms. Ich spürte, wie sich das dunkle Mal in Rossiers Haut brannte. Er blickte mir in die Augen und presste die Lippen zusammen. Kurze darauf löste ich meine Hand von seinem Arm und dort wo sie gelegen hatte, war jetzt ein frisch eingebranntes dunkles Mal zu sehen. Es roch nach verbranntem Fleisch. Ich wandte mich zu Voldemort um und dieser nickte zufrieden. Ich neigte kurz meinen Kopf und ging zurück in den Kreis.

Voldemort ging langsam auf Sean zu und umkreiste ihn, wie ein Raubtier seine Beute.

„Nun bist Du einer von uns. Du bist ein Todesser! Ab sofort wird von Dir erwartet, dass Du Dich auch so verhältst!" flüsterte Voldemort. „Jetzt, wo Du einer von uns bist, ist es an der Zeit, dass Du uns Deine Loyalität beweist."

Finnigan und Blackwood gingen davon und kurze Zeit später schleiften Sie einen grossen mittelschlanken Mann mit hellbraunen Haaren herein.

„Oh mein Gott!" dachte ich. „Antonius Beckham, ein Bekannter von Dumbledore!" Ich hatte ihn letzten Frühling in Hogwarts kennen gelernt, als er drei Wochen Ferien bei Dumbledore gemacht hatte. Es war stets ein ehrlicher Kerl und guter Gesellschafter gewesen. An einigen Abenden hatten wir zusammen Zauberer-Schach gespielt. Antonius war einer der wenigen gewesen, die mich besiegen konnten.

Jetzt stand er gefesselt mitten im Kreis der Todesser. Ein ausgesuchtes Opfer um unser neues Mitglied zu testen. „Keine Gefühle, keine Gefühle" wiederholte ich in Gedanken immer wieder.

Voldemort führte Sean direkt vor Antonius und befahl ihm kalt: „Töte ihn. Die Art und Weise ist Dir überlassen. Also los."

Sean wurde sichtlich nervös, nicht ganz sicher was er nun tun sollte.

Antonius, der verstanden hatte, was nun mit ihm geschehen sollte, blickte sich wild um. Sein Blick blieb an mir hängen. Ungläubig starrte er mich an, unfähig etwas zu sagen. Zuerst sah ich noch die Hoffnung, dass ich ihn retten würde, in seinen Augen glimmen, doch als ich seinem Blick weiterhin kalt standhielt und mich zwang meinen Kopf noch ein bisschen zu heben, erstarb dieser Funke. Ich fühlte, wie sich meine Kehle zuschnürte.

„Du dreckiger Verräter!" schrie Antonius und spuckte mir vor die Füsse. „Nie hätte ich so etwas von Dir erwartet, Severus...." fügte er bitter hinzu.

Ich sah ihm kalt in die Augen und zwang mich zu einem grausamen Lächeln.

„Avada Kedavra!" hörte ich die leise Stimme von Sean Rossier.

Mit geöffnetem Mund, als wenn er noch etwas hätte sagen wollen, erlosch das Licht seines Lebens und er sackte zu Boden.

Voldemort klatschte in die Hände und die Todesser folgten seinem Beispiel. Ich musste meine ganze Kraft aufwenden um mitzumachen, mir nichts anmerken zu lassen.

„Bravo, gut gemacht!" bemerkte Voldemort, höhnisch grinsend.

Eine Stunde später....

Ich ging auf das Eingangstor des Schlosses zu und trat ein. Anstelle mich in den Kerker zu begeben, stieg ich die Stufen zum Astronomieturm empor. Ich brauchte dringend frische Luft. Es war unmöglich im Moment auch nur an Schlaf zu denken, so müde ich auch war. Zuviel war in den letzten Stunden geschehen. Wieder einmal fragte ich mich, wie lange das ein Mensch aushalten konnte...

Die letzten Stufen rannte ich hoch und erreichte die Plattform. Vorne am Geländer blieb ich stehen, schloss die Augen und atmete tief durch. Die kühle Nachtluft half mir, die Nachwirkungen des „grünen Nebels" los zu werden und wieder einen klaren Kopf zu bekommen. Ich wusste nicht, wie lange ich da so stand, als ich plötzlich hinter mir ein leises Geräusch vernahm....


Kapitel 5: Der Abend am See

Erzählt von Muriel Stern

Ich stand an eine Mauer gelehnt auf der Plattform des Astronomieturms und bewunderte den Sternenhimmel. Eine so klare Nacht, hatte es schon länger nicht mehr gegeben. Ich liebte es, den Himmel zu betrachten. Die Stille hier oben war herrlich. Es war etwas nach Zwei Uhr, als ich jemanden die Treppe hoch stürzen hörte. „Wer mag das wohl sein, um diese Zeit?" fragte ich mich. Presste mich dicht an die Wand und zog meinen Zauberstab. Eine dunkle Gestalt kam mit wehendem Umhang über die Plattform geschritten und blieb, nicht weit von mir entfernt, am Geländer stehen.

Sofort hatte ich ihn erkannt. Es war Severus Snape. Er stand da, mit dem Rücken zu mir, den Kopf gesenkt. Er schien mich nicht bemerkt zu haben. Nun warf er den Kopf in den Nacken und atmete ein paar mal tief durch.

Was war nur mit ihm los? Ich liess einige Minuten verstreichen, bevor ich langsam auf ihn zu ging. Auf halbem Weg stiess ich mit dem Fuss an einen losen Stein. Das Geräusch liess Severus herumwirbeln. Auch er zog gerade seinen Zauberstab, bemerkte aber sofort, dass ich meinen bereits auf ihn gerichtet hatte. Diesmal war ich diejenige die schneller gewesen war.

„Was tun Sie so spät noch hier oben?" fragte ich berechnend. „Sollten anständige Leute um diese Zeit nicht längst schon im Bett liegen?"

Severus schloss kurz die Augen und blickte mich dann wieder an. „Erschrecken Sie immer harmlose Lehrer?"

„Sie? Ein harmloser Lehrer?" fragte ich sanft, straffte aber dann meine Haltung und sagte in gebieterischem Ton: „Lassen Sie den Zauberstab fallen, sofort!"

Ein seltsamer Ausdruck erschien auf seinem Gesicht. „Wie sie wünschen," antwortete er müde und liess den Zauberstab zu Boden fallen. „Nun bin ich unbewaffnet. Was werden Sie tun?"

Er blickte kurz zu Boden, anschliessend trafen sich unsere Blicke wieder.

„Hmmmm, da würde mir einiges einfallen, was ich mit Ihnen anstellen könnte, Severus. Für was soll ich mich entscheiden? Ich könnte Sie vom Dach stossen, es würde wie ein Unfall aussehen. Ich könnte Sie aber auch mit dem Imperius-Fluch belegen, so dass Sie alles tun würden, was ich möchte, oder....." Ich ging langsam auf ihn zu.

„Oder was?" flüsterte er, als uns nur noch ein paar Zentimeter trennten.

Ich legte meine Hände links und rechts von ihm auf das Geländer und blickte tief in seine schwarzen Augen. „Ich könnte..."

Weiter kam ich nicht. Er küsste mich. Ich schloss meine Arme um ihn und liess mich in seine Umarmung sinken. Der Kuss war heiss und fordernd. Noch nie zuvor war ich so geküsst worden. Mir wurde leicht schwindlig.

Als sich unsere Lippen trennten, starrten wir uns wortlos an. Einige Minuten standen wir so da. Ich fand als Erste meine Sprache wieder. Mit meiner Hand fuhr ich sanft über seine Wange und sagte: „Du siehst müde aus. War ein langer Tag, nicht?"

Severus nickte, schloss fest die Augen. Ich schlang meine Arme enger um ihn und legte meinen Kopf an seine Brust. Es tat gut zu fühlen, dass noch jemand anderes einsam war und sich nach Nähe sehnte.

Nach einer Weile lösten wir uns von einander. „Setzen wir uns?" fragte er mich leise.

Ich nickte. Er hielt meine Hand fest in der seinen, als wir hinüber zur Steinbank gingen und uns darauf nieder liessen. Severus legte seinen Arm um mich und ich kuschelte mich eng an ihn. Es war kühl geworden, aber die Wärme seines Körpers liess mich nicht frieren. Still genoss ich eine zeitlang seine Nähe, dann sah ich zu ihm hoch und blickte in sein Gesicht.

Seinen Kopf hatte er an die Wand gelehnt, die Augen geschlossen. Tiefe Linien der Sorge und Bitterkeit durchzogen sein Gesicht. An was mochte er wohl denken?

Der Nachtwind blies eine Strähne seines rabenschwarzen Haares in sein Gesicht. Sanft strich ich sie beiseite. Da öffnete er seine Augen und sah mich kurz an, liess seinen Blick dann über den Sternenhimmel gleiten.

„Es ist so friedlich, hier oben," sagte er. „Die Sterne sind so nah. Es ist, als ob der Rest der Welt nicht mehr exsistieren würde."

Was er wohl damit meinte? Ich sah ebenfalls hinauf in den Nachthimmel, als ich eine Sternschnuppe fallen sah. „Wenn so was geschieht, sollte man sich etwas wünschen." flüsterte ich. Auch wenn es ein Aberglaube war, ich tat es doch jedes Mal, wenn ich eine Sternschnuppe beobachten konnte. Hatte sich Severus auch etwas gewünscht?

Plötzlich erhob er sich. „Es ist schon spät, wir sollten hinuntergehen und versuchen zu schlafen, in ein paar Stunden beginnt bereits der Unterricht."

Ich erhob mich ebenfalls und gemeinsam stiegen wir die Stufen des Astronomieturms hinunter. In der Eingangshalle hielten wir an. „Gute Nacht" flüsterte Severus, hauchte mir einen Kuss auf die Hand und ging davon. Ich starrte ihm verwirrt nach und murmelte ebenfalls „Gute Nacht".

Erzählt von Severus Snape

Ich sass beim Frühstück und stocherte lustlos in meinem Teller herum. Die ganze Nacht hatte ich wachgelegen. Heute Früh war ich dann bei Dumbledore gewesen, um ihm von den Geschehnissen der letzten Nacht zu berichten....

Als Dumbledore sein Büro betrat, hatte ich bereits eine Stunde dort gesessen und gewartet. Tief in meine Gedanken versunken, hatte ich ihn nicht bemerkt.

„Severus? So früh schon in meinem Büro?" fragte er erstaunt.

Ich hob den Kopf und blickte ihm in die Augen. Langsam bildeten sich Falten auf Dumbledores Stirn und er setzte sich hinter seinen Schreibtisch.

„Was ist passiert Severus?" besorgt sah er mich an. Er wusste, dass es nichts Gutes zu bedeuten hatte, wenn ich um diese Zeit bereits auf ihn wartete.

„Reiss Dich zusammen!" dachte ich ärgerlich. „Du musst es ihm sagen!"

Ich räusperte mich. „Gestern Nacht war ich wieder an einem unserer Treffen. Es war eine Weihe." presste ich hervor. „Sean Rossier wurde in den Kreis der Todesser aufgenommen."

Dumbledore zog scharf den Atem ein.

„Ich war derjenige, der ihm das dunkle Mal einbrennen durfte." sagte ich sarkastisch und blickte zu Boden.

„Schade um ihn," antwortete Dumbledore. „Aber es war absehbar, nur eine Frage der Zeit. Sein Vater setzte Alles daran, ihn auf die dunkle Seite zu ziehen."

Einige Minuten herrschte Stille im Raum....

Als ich meinen Blick wieder dem Direktor zuwandte, bemerkte ich, dass er mich die ganze Zeit beobachtet hatte.

„Severus, wir wissen Beide, dass Sie nicht wegen Sean Rossier her gekommen sind."

Ernst blickte er mir in die Augen. Albus kannte mich einfach zu gut, um zu wissen, dass ich ihn nicht mit belanglosen Sachen belästigen würde. Mein Mund war plötzlich ganz trocken geworden und meine Kehle schnürte sich zu.

„Wer war das Opfer?" fragte er direkt.

Nun gab es keinen Ausweg mehr. Ich musste es ihm sagen. Ich musste.... „Antonius Beckham" kam es leise über meine Lippen.

Albus wurde bleich und fasste sich an den Hals. „Antonius?" flüsterte er.

Ich nickte. „Es tut mir leid, Albus. Ich konnte nichts unternehmen. Wenn es eine Möglichkeit gegeben hätte....." mir versagte die Stimme. Ich biss mir auf die Lippe und senkte den Blick.

Kaum hatte ich die Augen geschlossen, sah ich wieder den ungläubigen Ausdruck auf Antonius Beckhams Gesicht, als er mich erkannte....

Plötzlich fühlte ich eine Hand auf meiner rechten Schulter. Ich blickte hoch. Albus war aufgestanden und hinter seinem Schreibtisch hervorgetreten. Mit seinen freundlichen blauen Augen sah er mich ernst an.

„Sie trifft keine Schuld Severus," sagte er sanft. „Ich weis, dass Sie ihn gerettet hätten, wenn sich die Möglichkeit dazu geboten hätte."

Ich nickte, stand auf und verliess sein Büro.

Da sass ich nun und wartete darauf, dass das Frühstück als beendet galt. Die ersten Schüler standen auf und eilten in ihre Klassenzimmer.

Zaubertränke begann erst in einer halben Stunde, also blieb ich noch sitzen. Langsam leerte sich die Grosse Halle. Als Alle gegangen waren, legte ich den Kopf auf meine Arme und schloss die Augen. Meine Kopfschmerzen schienen sich mit jeder Minute die verstrich zu verschlimmern.

Nach einer Weile hob ich den Kopf und rieb meine Schläfen.

„Kopfschmerzen?" fragte eine sanfte Stimme.

Ich blickte mich um. Muriel Stern stand schräg hinter mir und hielt mir ihre ausgestreckte Hand hin. Darauf lag ein kleines weisses Ding.

„Hier, sagte sie. „Das wird Dir helfen."

„Was soll das sein?" fragte ich misstrauisch.

Sie blickte mich kopfschüttelnd an. „Die Muggel nennen das eine Kopfschmerztablette." bemerkte sie lächelnd. „Soll das heissen, dass der grosse Zaubertränke-Meister von Hogwarts ein einfaches Muggelrezept nicht kennt?"

Ich öffnete den Mund um eine scharfe Bemerkung los zu werden, da legte sie mir einen Finger auf den Mund. „Ssschhhh, nimm es einfach! Es wird Dir danach besser gehen!"

Sie liess das kleine, runde Ding in meine Hand fallen, drehte sich um und verliess ohne ein weiteres Wort die grosse Halle. Ich starrte auf die Tablette in meiner Hand. „Muggelrezept?" fragte ich mich. „Muriel...." rief ich, doch sie war bereits weg. Sollte ich ihr trauen und dieses Ding schlucken?

Schlussendlich wischte der starke pochende Schmerz in meinem Kopf alle Bedenken fort. Ich besorgte mir ein Glas Wasser und schluckte die Tablette....

Erzählt von Muriel Stern

Ich trat aus dem Schlossportal heraus in die untergehende Sonne. Es war früher Abend und ich hatte gerade den Unterricht beendet. Die kühle Luft war herrlich. Professor Sprout stand mit einer Gruppe Erstklässler bei der peitschenden Weide und hielt ihnen einen Vortrag über den Nutzen und die Gefahren dieses Baumes. Weit hinten konnte ich Hagrid sehen, der gerade einen Zaun reparierte.

Ich lenkte meine Schritte in Richtung See. Der Gedanke, noch ein wenig an dessen Ufer zu sitzen und zu entspannen, gefiel mir.

Als ich den See erreichte, bemerkte ich, dass bereits sonst noch jemandem der selbe Gedanke gekommen sein musste. Lächelnd ging ich auf die dunkle Gestalt, die dort sass, zu und setzte mich neben sie.

„Darf ich mich zu Dir setzen?" fragte ich.

„Wenn es Dir noch nicht aufgefallen sein sollte: Du sitzt bereits! Vermutlich würde es Dich auch nicht davon abhalten, wenn ich NEIN sagen würde, oder?" gab Severus bissig zurück.

„Ganz richtig." bemerkte ich grinsend.

Er blickte mich kurz an und erst jetzt bemerkte ich die dunklen Ringe unter seinen Augen. Er schien müde und erschöpft zu sein. „Du siehst ja furchtbar aus!" rief ich.

„Danke." erwiderte er flach.

Ich blickte ihm geradewegs in die Augen. „Seit wann hast Du nicht mehr geschlafen?"

„Schlafen? Was ist das." Er fuhr sich mit der Hand durch die langen schwarzen Haare.

Da fiel mir ein, dass er beim Frühstück nur im Teller herumgestochert hatte und zum Mittagessen gar nicht erst erschienen ist. „Gegessen hast Du heute auch noch nichts, oder?" fragte ich ernst.

Severus antwortete nicht und blickte zur Seite. „Hey," sagte ich sanft und nahm sein Gesicht in meine Hände. Ich blickte tief in seine schwarzen Augen. Zärtlich begann ich ihn zu küssen. Zuerst auf die Stirn, dann die Augenlider, die Nase, die Wangen und zu letzt sanft auf den Mund. Er erwiderte den Kuss, legte seine Arme um mich und zog mich fester an sich. Severus roch nach Zedernholz, Kräutern und Rauch. Dieser Duft war einfach unbeschreiblich. Unsere Küsse wurden immer leidenschaftlicher. Mit seiner linken Hand fasste er in mein Haar und bog meinen Kopf nach hinten. Seine Lippen folgten der Linie meines Halses. Diese Berührung jagte mir einen Schauer über den Rücken. Seine rechte Hand wanderte langsam an meinem Bein entlang, immer höher....

Plötzlich spürte ich, dass er zögerte. „Wir sollten nicht..." flüsterte er.

„Hör jetzt nicht auf." sagte ich leise und zog ihn zu mir herunter. Als er noch etwas einwenden wollte, verschloss ich seinen Mund mit einem Kuss. Ich wollte ihn. Ich wollte ihn ganz. Meine Haut schien unter seinen erfahrenen Händen zu brennen.....

***********

Als ich später in seinen Armen lag und er sanft über mein Haar streichelte, bemerkte ich, dass es bereits finster geworden war.

„Ich denke, dass wir das Abendessen verpasst haben." grinste ich.

„Ist schon möglich. Hast Du Hunger? Wir könnten uns in die Küche schleichen und die Vorräte plündern." schlug er vor.

„Gute Idee." fand ich.


Kapitel 6: Das Gegenmittel

Acht Wochen später....

Erzählt von Severus Snape

Der Stapel Bücher auf meinem Studiertisch wurde immer größer. Den ganzen Tag sass ich bereits in der Bibliothek und war immer noch auf der Suche nach einem Trank, der die Wirkung des Veritaserums und des Veritasfluchs ganz oder zumindest teilweise aufhob. Einige Versuche hatte ich bereits gestartet, aber jedes Mal ohne Erfolg. Irgendetwas musste an der Formel noch verändert werden, aber was?

Müde lehnte ich mich im Stuhl zurück und rieb mir mit den Händen über das Gesicht. Es war kälter geworden und draussen regnete es in Strömen. Hier in der Bibliothek war es eindeutig wärmer als unten im Kerker, daher hatte ich meine Studien hier her verlegt.

Ich starrte auf das Buch, das offen vor mir lag. Irgendwo hier musste die Lösung sein. Etwas kleines aber trotzdem wesentliches schien ich übersehen zu haben. Resigniert liess ich meinen Kopf auf das Buch sinken. „Denk nach, denk nach verdammt!"

Ich hob deprimiert den Kopf, da fiel mein Blick auf einen kleinen Abschnitt auf der linken Seite ganz unten. „Genau, das ist es!" rief ich. „Warum ist mir das vorhin nicht schon aufgefallen?"

Schnell schrieb ich die Änderungen auf ein Stück Pergament und begab mich sofort auf den Weg hinunter in den Kerker. Dies musste ich nun gleich ausprobieren.

In der Eingangshalle traf ich auf Muriel. Wir unterhielten uns nur kurz. Die Zeit drängte. Verwirrt sah sie mir nach, als ich schnellen Schrittes davon ging.

Ein Glück dass ich mich von Muriel losgerissen hatte, denn sobald ich im Kerker angekommen war, erfasste die mir bestens bekannte kalte Klauenhand mein Herz. Der rechte Arm schien fast taub zu werden. Das Pergament, dass ich kurz zuvor noch in der Hand gehalten hatte, flatterte zu Boden. Der Schmerz liess mich keuchen und ich stützte mich am Schreibtisch ab....

Erzählt von Albus Dumbledore

Seit Muriel Stern in Hogwarts unterrichtete, hatte sich Severus verändert. Zum Einen hatte ich bemerkt, dass sie ein Verhältnis begonnen hatten. Sie trafen sich jeden Tag nach dem Unterricht, kamen zusammen zum Abendessen und verbrachten oftmals ihre freien Abende miteinander.

Zum Anderen schien sich dadurch Severus's Angst, dass sie herausfinden könnte, wer er ist, nur noch zu verstärken. Vor kurzem hatte er mir erzählt, dass er ein Gegenmittel suchte betreffend Veritaserum. Er arbeitete fast Tag und Nacht daran. Dies war es, was mir Sorgen bereitete. Er arbeitete wie ein Besessener. Ich hoffte, dass er bald Erfolg haben würde.

Langsam aber sicher hatte ich das Gefühl, dass sich Professor Stern von dem Schrecken, den sie als Aurorin erlebt hatte, erholte. Bald würde ich ihr die Karten auf den Tisch legen müssen. Ich durfte auf keinen Fall zu lange warten. Es war besser, wenn ich ihr eröffnete, wer Severus ist, bevor sie es selbst heraus fand. Somit würde ich ihre Reaktion kontrollieren können und ihn dadurch schützen.

Es gab noch etwas anderes, was mich im Moment keine Ruhe finden liess. Diese Nacht würde Severus zusammen mit zwei Todessern in eine Falle laufen. Er hatte mir die Information der bevorstehenden Aufgabe selbst überbracht und ich hatte sie weitergeleitet. Die Auroren werden die Drei also bereits erwarten. Ich hoffe, dass er schnell genug sein wird, um unbeschadet zu verschwinden.

Am nächsten Morgen...

Erzählt von Severus Snape

Mein linkes Bein schmerzte wie die Hölle. Ich konnte nicht gehen ohne zu hinken.

Gestern Abend war ich als Todesser unterwegs gewesen. Voldemort schickte uns zu dritt los, um Dr. Jonathan Summers zu entführen. Einen Tag zuvor hatte ich Dumbledore die Information zukommen lassen. Er hatte dann dafür gesorgt, dass das Ministerium davon erfuhr.

Da ich wusste, dass wir in eine Falle geraten würden, war ich bereit, sofort zu disapparieren. Die beiden anderen Todesser hatten keine Chance. Die Auroren haben sie erwischt. Ich konnte mit knapper Not entkommen, wurde aber durch einen jungen Auroren, mit dem ich versehentlich zusammenstiess, verletzt. Nun hatte ich eine hässliche Stichwunde im linken Bein.

Heute war Halloween. Alle waren mit den Vorbereitungen für das Fest beschäftigt. In dem rastlosen Kommen und Gehen würde es nicht auffallen, wenn ich nicht zum Frühstück ging.

Ein Klopfen an der Tür riss mich aus meinen Gedanken. Ich hinkte hinüber und öffnete.

„Albus?" fragte ich verblüfft. „Kommen Sie herein."

„Guten Morgen, Severus," Albus trat ein und setzte sich, während ich die Tür schloss und mühsam zum Schreibtisch hinüber ging. Ich war froh mich wieder hinsetzen zu können. Selbst der kurze Gang zur Tür hatte mir Schweissperlen auf die Stirn getrieben.

„Sie sollten sich das von Madame Pomfrey untersuchen lassen, bevor es schlimmer wird." sagte Dumbledore ernst und deutete auf mein Bein. „Sie haben grosses Glück gehabt, Severus. Die anderen beiden Todesser wurden auf der Stelle getötet."

„Woher wissen Sie das?" fragend sah ich Dumbledore an.

„Zum einen hat es mir das Ministerium heute Morgen mitgeteilt und zum anderen steht es in der heutigen Ausgabe des Tagespropheten." Er reichte mir die Zeitung.

Der Artikel war sogar auf der Titelseite. „Auroren verhindern Entführung – Zwei Todesser tot, einer verletzt entkommen!" Sorgfältig las ich den Artikel und liess die Zeitung sinken. Ich bedeckte mein Gesicht mit den Händen und lehnte mich stöhnend nach hinten, fuhr mir mit den Händen durch die Haare. Legte die Arme auf den Tisch und liess meinen Kopf darauf sinken. Meine Gedanken rasten. Die anderen Beiden tot? Ich entkommen? Welch ein Zufall, dachte ich sarkastisch. Voldemort wird mich verdächtigen. Er ist nicht dumm. Er wird mich befragen! Ich muss mir etwas einfallen lassen. Wie viel Zeit bleibt mir, bis er mich ruft?....

„Verdammt!" zischte ich und schlug mit der Faust auf den Tisch. Ich starrte Dumbledore an. Er sass immer noch ruhig gegenüber.

„Severus?" fragte er ernst. „Wie weit sind sie mit dem Gegenmittel?"

„Gegenmittel? Oh.... die Formel steht, aber getestet habe ich es noch nicht. Ich hatte damit gerechnet, dass mir noch ein paar Tage Zeit blieben. Nur um sicher zu gehen. Aber jetzt......" Ich verstummte. Was sollte ich denn jetzt tun? Womöglich würde ich es schon heute Nacht benötigen.

„Testen Sie es an mir." erwiderte Dumbledore ruhig.

„Wie? An Ihnen testen? Verzeihen Sie mir Albus, aber das werde ich nicht tun!" Ganz bestimmt würde ich es nicht an Dumbledore testen. Niemals. Wer wusste schon, wie es wirken würde. Nein!

„Severus, tun Sie's! Sie haben keine andere Wahl! Wir wissen Beide, dass Voldemort Sie bald sprechen will, ebenso was passieren wird, wenn er die Wahrheit über Sie herausfindet!" Dumbledore sah mich entschlossen an. Nichts was ich sagen könnte, würde seinen Entscheid ändern.

„Hören Sie," versuchte ich es ein Letztes Mal. „Ich bin mir weder bei der Dosierung noch bei den Nebenwirkungen vollkommen sicher. Es ist ein zu hohes Risiko!" Aber in seinem Gesicht konnte ich lesen, dass es keinen Zweck hatte. Er hatte seinen Entschluss gefasst.

Er blickte mich über die halbmondförmigen Gläser seiner Brille an und lächelte triumphierend. „Ich rufe jetzt Madame Pomfrey, damit sie sich Ihr Bein ansieht und danach testen wir das Gegenmittel. In Ordnung?"

Ich lehnte mich in meinem Stuhl zurück, die Arme über der Brust verschränkt und blickte seitlich zu Boden. Wusste Albus wirklich auf was er sich da einlassen wollte?

„In Ordnung," hörte ich mich sagen. „Aber geben Sie mir noch etwa drei Stunden, damit ich den Trank zubereiten kann. Madame Pomfrey kann sich danach, wenn der Trank auskühlt, mein Bein ansehen. Einverstanden?"

Dumbledore nickte und half mir aus meinem Stuhl hoch. Zusammen gingen wir hinüber zu meinem Kessel und den bereits vorbereiteten Zutaten.

Ein bisschen später...

Madame Pomfrey's Klopfen liess mich vom Zaubertrankkessel aufblicken. Dumbledore machte die Tür auf und liess sie herein. Sie war ein bisschen verwirrt darüber, dass sie herunter kommen sollte und schaute sich staunend um. Sie war noch nie zuvor in meinem Büro gewesen. Wahrscheinlich hatte sie ein Chaos erwartet. Da ich Ordnung als etwas sehr wichtiges betrachtete, waren meine Räume immer in Ordnung. Nichts hasste ich mehr, als wenn ich etwas suchen musste. Was auch immer ich benötigte, musste griffbereit sein.

Da ich die letzten drei Stunden mit dem Brauen des Zaubertranks verbracht hatte, über den Kessel gebeugt, war mein Gesicht warm und feucht vom Dampf der daraus emporstieg. Strähnen meiner Haare klebten an meinem Gesicht. Ich hob den Kessel vom Feuer und stellte ihn daneben, damit er abkühlen konnte. Albus eilte an meine Seite und half mir hinüber ins Schlafzimmer zu meinem Bett zu gehen. Seufzend liess ich mich darauf nieder.

„Also lassen Sie mal sehen, Professor." sagte Madame Pomfrey.

Als ich Albus scharf den Atem einziehen hörte, blickte ich auch auf mein Bein. Die Haut um die Wunde hatte sich Grossflächig Blau-Schwarz verfärbt. „Sieht nicht gerade gut aus." dachte ich für mich selbst.

„Was immer diese Wunde verursacht hat, muss vergiftet gewesen sein." Stellte Madame Pomfrey fest. „Wie haben Sie sich das denn zugezogen?" Sie blickte mich mit grossen Augen an.

Ich schluckte hart. Was sollte ich nun entgegnen? Hilfesuchend blickte ich zu Dumbledore, welcher scheinbar gedanklich ganz wo anders war und es nicht bemerkte.

„Ich.... ich habe gestern Abend zuviel getrunken und bin dann die Treppe hinunter gestürzt." Es war das erst Beste was mir in den Sinn gekommen war.

„Ehrlich Professor, für wie dumm halten sie mich? Verzeihen Sie mir, aber eine Treppe verursacht sicherlich keine solche Wunde und von vergifteten Treppen habe ich auch noch nie gehört. Also, raus mit der Sprache." Sie gab nicht auf.

„Es ist die Wahrheit, ich schwöre." sagte ich. Ich musste unbedingt noch etwas einleuchtendes hinzufügen, aber was? „Ich hatte eine spezielle Zaubertrankflasche in meinem Umhang. Sie ist beim Sturz zerbrochen. Ein Stück Glas hat sich dann in mein Bein gebohrt. Die Vergiftung scheint von dem Trank zu stammen." Hoffentlich würde sie mir dies glauben.

„Was war es für ein Trank? Es ist einfacher die Vergiftung zu behandeln, wenn ich genau weis, was es war." fragte sie weiter.

„Es, ähm, ich bin mir nicht sicher. Ich war gestern Abend in Hogsmeade und habe mit einem „alten Bekannten" etwas über den Durst getrunken und er hat mir die Flasche mit diesem Trank gegeben. Ich sollte sie für ihn analysieren. Er wusste selbst nicht genau, was es war." log ich.

Würde sie es mir abkaufen? Hatte sie den Tagespropheten gelesen? Verdächtigte sie mich?

Stirnrunzelnd sah sie mich an. „Wenn sie es sagen, Professor Snape." erwiderte sie misstrauisch.

„Es war wirklich so, Poppy." Mischte sich nun endlich Dumbledore in das Gespräch ein. „Ich war dabei. Wir dachten zuerst, es sei nicht so schlimm und es heile von selbst wieder." Die blauen Augen hinter der halbmondförmigen Brille glitzerten.

Ich staunte immer wieder, wie gut Albus lügen konnte ohne dabei rot zu werden. Jedenfalls schien sie mit dieser Aussage zufrieden zu sein. Wieso sollte Dumbledore sie auch anlügen....

Nach einer halben Stunde hatte sie die Wunde desinfiziert und verschlossen.

„Hier, trinken Sie das Professor." Madame Pomfrey reichte mir einen Becher mit übel riechender Flüssigkeit.

„Wollen Sie mich vergiften? Was soll das sein?" fragte ich zweifelnd.

„Das wird Ihnen gut tun, glauben Sie mir. Es wird Sie schon nicht umbringen." lächelte Madame Pomfrey.

Stirnrunzelnd sah ich zuerst zu Madame Pomfrey und dann auf den Becher in meiner Hand. Einmal atmete ich noch tief durch, dann hob ich den Becher an meine Lippen und trank ihn in einem Zug aus. Ich schüttelte mich. Das Zeug schmeckte noch scheusslicher, als es gerochen hatte.

„Nun, Professor. Das Bein ist fast wieder wie neu. Einzig und allein den Muskel werden sie noch ein wenig spüren. Er war doch sehr in Mitleidenschaft gezogen worden. Aber das wird sich in den nächsten paar Tagen geben." erklärte Madame Pomfrey.

„Danke." sagte ich und Albus begleitete sie hinaus. Ich schloss die Augen und legte mich wieder hin. Im Moment fühlte ich mich schwach und ausgelaugt. Langsam überkam mich ein wohliges Gefühl. Es schien durch meinen ganzen Körper zu strömen. Ich entspannte mich und wartete, dass Albus zurückkam.

Ich musste eingeschlafen sein, denn ich hörte weder, wie Albus Madam Pomfrey verabschiedete noch bemerkte ich seine Rückkehr. Plötzlich hatte ich das Gefühl, dass ich die Augen öffnen sollte. Ich blinzelte und erkannte Dumbledore, der neben dem Bett auf einem Stuhl sass und eines meiner Bücher aufgeschlagen hatte.

Er blickte hoch und fragte freundlich: „Na, wieder wach?"

„Ich bin eingeschlafen? Tut mir leid." Mit der Hand fuhr ich mir übers Gesicht. Ich fühlte mich noch ein bisschen benommen. „Wie spät ist es?"

Dumbledore zog seine Uhr aus einer verborgenen Tasche seines Umhangs und blickte auf die Zeiger.

„Fünf Uhr Nachmittags." sagte er.

„Schon so spät. Warum haben Sie mich nicht geweckt?" gehetzt stand ich auf, aber sofort musste ich mich am Bettpfosten festhalten. Mir war schwindlig geworden. Vermutlich war ich zu schnell aufgestanden, ich hätte mir ein bisschen Zeit nehmen sollen.

„Nur keine Panik, der Schlaf hat Ihnen ganz gut getan. Madame Pomfrey sagte mir, dass Sie einige Stunden schlafen würden. Es war notwendig, damit sich das Gift, dass sich in der Wunde gesammelt hatte, auflösen konnte." Er lächelte mich an. „Nun lassen Sie uns an die Arbeit gehen und das Gegenmittel testen."

Widerstrebend folgte ich ihm in mein Arbeitszimmer. Noch immer hegte ich grosse Zweifel gegen das, was er nun von mir verlangte, zu tun. Ich wusste aber auch, dass es höchste Zeit war, den Trank zu testen. Also füllte ich ihn in eine kleine Phiole und reichte sie Dumbledore.

„Nur halten, noch nicht trinken!" ermahnte ich ihn.

Nun ging ich zum anderen Regal hinüber. Das Bein schmerzte immer noch, aber es schien nun erträglich zu sein. Ich nahm eine Pipette, ging wieder zurück zum Schreibtisch und setzte mich hin. Dumbledore gab mir die Phiole und ich zog einige Tropfen der bernsteinfarbigen Flüssigkeit auf.

Nein, niemals würde ich Dumbledore diesem Risiko aussetzen und einen neuen Trank an ihm testen. Niemals!

Ich hob die Pipette und blitzschnell liess ich den Inhalt auf meine Zunge tropfen. Es brannte fürchterlich und die Zunge fühlte sich plötzlich ganz pelzig an. Ein bitterer Geschmack breitete sich in meinem Mund aus. Ich schloss die Augen. „Tief durchatmen," dachte ich.

Dumbledore war aufgesprungen und entriss mir die Pipette. Er packte meine Schultern und schüttelte mich heftig.

„Sind Sie wahnsinnig!!! So war es nicht ausgemacht! Sie sollten es nicht an sich testen, Severus!!! schrie Dumbledore.

Ich hörte ihn, aber konnte nicht darauf reagieren. Die Konzentration hatte ich voll auf die Wirkung des Tranks fixiert. Das Brennen liess langsam nach und auch der bittere Geschmack schien zu verschwinden. Jetzt müsste das Elixier eigentlich wirken. Ich öffnete die Augen und blickte in Dumbledores besorgtes Gesicht.

„Ich lebe noch Albus, keine Panik." erwiderte ich ruhig.

„Severus......" flüsterte er. „Tun Sie das nie mehr! Hören Sie! NIE MEHR!" Dumbledore stand auf, ging zu seinem Stuhl zurück und setzte sich.

Mit der rechten Hand öffnete ich eine Schublade meines Schreibtisches und stellte eine kleine Flasche mit einer durchsichtigen Flüssigkeit auf den Tisch. Das Veritaserum.

Während ich die Schublade schloss, entkorkte Dumbledore die Flasche und schüttete drei Tropfen des Serums in das bereitstehende Glas Wasser. Ich ergriff das Glas und trank es in einem Zug aus. Eine bleierne Leere schien sich in mir auszubreiten. Ein Gefühl der Übelkeit stieg in mir hoch. Der Raum schien sich plötzlich zu drehen. Ich senkte meinen Kopf und hielt mich am Schreibtisch fest. Die Haare fielen mir ins Gesicht.

Von weit her hörte ich plötzlich Dumbledores Stimme: „Severus! Sehen Sie mich an. Los!"

Ich blinzelte einige Male, hob langsam den Kopf und mein Blick begann sich zu klären. Jetzt konnte ich Albus wieder erkennen.

„Alles in Ordnung?" fragte Albus ernst.

„Es geht schon," flüsterte ich. „Wir können beginnen."

„Okay." Albus runzelte die Stirn. „Ist Ihr Name Severus Snape?"

„J..... Nein! Ist er nicht!" Meine Atmung wurde schneller

„Tragen Sie das dunkle Mal?"

Ich spürte einen ziehenden Schmerz in meiner Brust.

„Nein!" Meine Stimme klang irgendwie fremd.

„Kennen Sie sich in Zaubertränken aus?" fragte er weiter.

„Nein, tue ich nicht!" keuchte ich, meine Hände begannen zu zittern.

Der Schmerz in meiner Brust wurde heftiger.

„Warum ist die Aktion gestern Abend gescheitert?" Die Fragen schienen immer eindringlicher zu werden.

„Wir gerieten in eine Falle!" kalter Schweiss trat auf meine Stirn.

„Haben Sie das Team verraten? Haben Sie die Information über den Plan weitergegeben und verraten?"

„Nein, habe ich nicht!" zischte ich. Die plötzlich einsetzenden Kopfschmerzen schienen mir fast den Verstand zu rauben. Ich schloss fest die Augen. Eine Hand presste ich gegen meine Stirn, mit der anderen versuchte ich mich am Tisch abzustützen.

„Severus.... wir werden jetzt damit aufhören....." Dumbledores Stimme schien sich zu entfernen und hallte irgendwie merkwürdig nach. Bunte Farbkleckse begannen vor meinen Augen zu tanzen und ich bekam kaum mehr Luft.

„In Ordnung, ......aufhören..." krächzte ich und es wurde schwarz um mich herum...


Kapitel 7: Halloween

Erzählt von Muriel Stern

Ich sass in der Grossen Halle und beobachtete die Schüler, wie sie langsam in kleinen Gruppen eintrafen und die Dekoration bestaunten.

Fast den ganzen Tag hatte ich mit den Lehrern die Grosse Halle für das heutige Fest dekoriert. Die verzauberte Decke war jetzt ganz schwarz geworden und die Sterne leuchteten. In der einen Ecke war ein wunderschöner Mond erschienen. Schwärme von Fledermäusen flogen durch die Halle und liessen einige der Mädchen erschreckt kreischen, als sie tief über die Tische kamen. Überall auf den Tischen standen ausgehöhlte und mit verschiedenen Gesichtern versehene Kürbisse. In ihrem inneren leuchteten Windlichter. Dies waren die einzigen Lichtquellen bis auf die vereinzelten Fackeln an den Wänden. Sie zauberten die verschiedensten Schatten auf die Wände. An einigen Stellen fanden sich Spinnweben, die den Gruseleffekt noch verstärkten. Es gab Literweise Kürbissaft, verschiedene Kuchen und natürlich würde es ein tolles Festessen geben. Die Geister von Hogwarts waren schon voll in Fahrt und flogen kreuz und quer durch die Grosse Halle.

Ich war noch etwas zu früh. Die anderen Lehrer waren noch nicht eingetroffen. Vermutlich kämpften diese noch mit ihren Halloweenkostümen. Ich selbst trug ein grün-silbernes Hexenkleid und einen passenden Hut. Die Haare liess ich in wilden Locken über meine Schultern fallen und hatte ein passendes Make-up gewählt. Mit grün-silbernem Lidschatten und schwarzem Lippenstift war ich vermutlich nicht fehl am Platz.

Den ganzen Tag über hatte ich weder Severus noch Professor Dumbledore gesehen. Nicht beim Frühstück und auch nicht beim Mittagessen. Was trieben die Beiden bloss? Arbeiteten Sie vielleicht an einer Verkleidung für Halloween? Ich wusste es schlicht und einfach nicht. Ich blickte auf meine Uhr Zwanzig Minuten nach Sieben. Um halb Acht würde das Fest beginnen. Also würde Severus wohl bald auftauchen müssen.

Plötzlich musste ich an den Leitartikel im Tagespropheten denken und ein Gefühl von Genugtuung durchflutete mich. Zwei Todesser hatten sie erwischt und gleich kurzen Prozess mit ihnen gemacht. Ein bitterer Nachgeschmack brachte es aber trotzdem mit sich. Einer dieser Mörder hatte es geschafft zu entwischen. Er wurde nur verletzt. „Ich hoffe dass sie diesen Kerl noch kriegen!" dachte ich hasserfüllt. Es war Zeit, die Welt von diesen kaltblütigen Killern zu befreien. „Zu gerne wäre ich dabei gewesen. Vielleicht hätte ich diesen Mistkerl erwischt." dachte ich für mich selbst und ein bitteres Lächeln umspielte meinen Mund.

Erzählt von Albus Dumbledore

Auf der Bettkannte sitzend, strich ich eine Haarsträhne aus Severus's Gesicht. Wieder fluchte ich vor mich hin. Er hatte doch tatsächlich das Gegenmittel an sich selbst getestet.

Poppy hatte Severus zuvor einen ziemlich starken Trank gegen die Vergiftung in seinem Bein eingeflösst. Vielleicht lag es daran, dass er sehr heftig auf das Gegenmittel reagiert hatte. Als er dann noch das Veritaserum geschluckt hatte, wurden die Nebenwirkungen immer stärker. Zuerst schien ihm nur schwindlig zu sein, dann bekam er starke Schmerzen, begann zu zittern und zum Schluss verlor er das Bewusstsein. Der Trank an und für sich hatte funktioniert. Ich war beeindruckt. Bislang hatte ich noch kein Mittel gekannt, das stark genug war, die Wirkung des Veritaserums aufzuheben. Severus war ein Meister seines Fachs. Dies musste ich neidlos zugestehen.

Ich hatte Severus in sein Schlafzimmer gebracht, ihn auf das Bett gelegt und mit einer warmen Decke zugedeckt. Sein Puls war in Ordnung, also sass ich einfach auf seinem Bett und beobachtete ihn. Er sah so friedlich aus, wenn er schlief. Die Gesichtszüge vollkommen entspannt. Der Frieden dauerte aber nicht lange. Schon bald zeigten sich einige Falten auf seiner Stirn, seine Atmung wurde schneller und er wurde unruhig. Er hatte wieder einen seiner Alpträume. Seine inneren Dämonen schienen ihn nie in Frieden zu lassen. Immer wieder zerrten sie an seiner gequälten Seele. Schweiss trat auf Severus's Stirn.

Beruhigend legte ich eine Hand auf seine Schulter, manchmal half das ein wenig. Dieses Mal aber nicht. Die Dämonen waren zu stark. Leise begann ich Severus's Namen zu flüstern. Vielleicht würde er spüren, dass er nicht allein war.

Erzählt von Severus Snape

Es war eine kalte, regnerische Nacht. Ich fror und war bis auf die Knochen durchnässt. Wie spät es genau war wusste ich nicht, aber Mitternacht war bereits vorbei, vielleicht war es zwei Uhr morgens? Wer weis. Gerade erst sechzehn geworden, sollte ich eigentlich um diese Zeit in meinem Bett in Hogwarts liegen. Stattdessen kniete ich in einem dunklen Wald irgendwo in England auf dem schlammigen Boden, meinen rechten Arm umklammernd der immer noch schmerzte. Vor einigen Stunden hatte ich das dunkle Mal erhalten. Man hatte es mir mit einem Fluch der nicht rückgängig zu machen war, eingebrannt. Ich roch noch immer den Gestank von verbranntem Fleisch. Ich war für immer unverwechselbar gezeichnet. Ab dieser Nacht gehörte ich Voldemort und nichts würde jemals etwas daran ändern können...

Lucius Malfoy war es, der mich hierher geschleppt hatte. Nur widerwillig war ich mitgegangen. Ich wollte es im Grunde nicht, hatte aber keine andere Wahl. Er zwang mich dazu und nun hatte ich meinen ersten Mord begangen. Noch immer konnte ich es nicht fassen, was ich getan hatte. Der Junge der sterben musste, war nicht viel älter als ich gewesen. Auch er hatte zu den Todessern gehört. Er hatte seine Fehlentscheidung rückgängig machen wollen. Er wollte aussteigen. Voldemort liess keinen seiner Todesser je wieder gehen. Voldemorts eisige Stimme klang immer und immer wieder in meinen Ohren. „Damit Du sehen kannst was passiert, wenn Du auf die Idee kommen solltest uns zu verlassen, wird Dir die Ehre zuteil werden, als erste Deiner Handlungen als Todesser, diesen Verräter zu töten!" Daraufhin erklang ein grausames Lachen. Ich sah noch immer das Gesicht dieses Jungen vor mir. Er war ebenfalls ein Schüler aus Hogwarts. Wie aus weiter Ferne hörte ich mich die Worte des Todesfluchs rufen und mit dem grünen Blitz der erstmals aus meinem Zauberstab schoss, starb auch ein Teil von mir selbst. Wie sollte ich bloss zurück nach Hogwarts gehen? Wie konnte ich Professor Dumbledore noch in die Augen sehen? Er würde sofort wissen, was geschehen war. Ich schämte mich dafür. Ich schämte mich für meinen schwachen Willen. Warum hatte ich mich Lucius nicht energischer widersetzt? Warum hatte ich das mit mir geschehen lassen und warum hatte ich diesen Mord ausgeführt?

Ich kniete im kalten Regen und hatte die Hände vor mein Gesicht geschlagen. Alle anderen Todesser waren schon lange weg. Ich war allein auf der Lichtung zurückgeblieben. Zitternd stand ich langsam auf. Es half nichts, ich musste zurück nach Hogwarts...

Plötzlich fühlte ich, wie mich etwas an der Schulter berührte und ich hörte meinen Namen. Keuchend und mit rasendem Herzklopfen schoss ich aus dem Schlaf hoch.

„Severus! Severus, es ist alles in Ordnung!"

Ich drehte den Kopf und sah in die besorgt blickenden Augen von Albus Dumbledore.

Eine halbe Stunde später...

Dumbledore hatte mir geholfen, mich soweit wieder frisch zu machen, dass ich auf das Fest gehen konnte. Ich fühlte mich zwar immer noch müde und ein bisschen wackelig auf den Beinen, aber ich musste mich sehen lassen, damit kein Verdacht aufkommen konnte.

Wir machten uns zusammen auf den Weg in die Grosse Halle. Mein Magen knurrte laut. Ich hatte den ganzen Tag noch nichts gegessen und kam jetzt fast um vor Hunger.

Professor Dumbledore und ich waren die Letzten, die die Grosse Halle betraten. Aus der Sicht der Anderen in ein scheinbar interessantes Gespräch vertieft, gingen wir sehr langsam durch die Reihen zum Lehrertisch. Langsam genug, dass ich mein Gewicht bei jedem Schritt sorgfältig verteilen konnte, so dass niemand mein Hinken bemerken würde.

Am Lehrertisch angekommen, begrüßte mich Muriel mit einem strahlenden Lächeln. „Wo warst Du den ganzen Tag? Ich habe Dich nirgendwo gesehen?" fragte sie.

„Meine Liebe," sagte ich ebenfalls ein kleines Lächeln auf meinem Gesicht. „Ich musste einige Tränke nachbrauen, die mir ausgegangen waren. Madame Pomfrey hat auch wieder welche benötigt. Solche Tage wie heute nütze ich dann dafür. Wenn ich den ganzen Tag unterrichte, habe ich abends keine Lust noch komplizierte Gebräue herzustellen." Ich hoffte, dass sie diese Antwort befriedigte.

„Kann ich mir vorstellen." sagte sie und ihre blauen Augen glänzten.

Sie trug ein atemberaubendes Kleid. Ich konnte es kaum fassen, dass wir ein Paar waren. Was fand diese Frau bloss an mir. Aber ich war mir im selben Augenblick auch bewusst, dass ich mit dem Feuer spielte. So schön sie auch war, so gefährlich konnte sie sein. Ich fühlte, wie ihre Kraft und ihre Selbstsicherheit täglich zunahm. Für immer würde der Bann des Amnesia-Fluchs ihre Erinnerung nicht zurück halten können. Dafür war ihr Wille zu stark. „Hätte ich sie damals bloss getötet," schoss es mir durch den Kopf. Ich schämte mich augenblicklich für diesen Gedanken. Ich liebte sie von ganzem Herzen, aber es hing soviel davon ab, ob sie mich erkannte und insbesondere was sie mit der Information anfing, wenn sie es tat.

Sie bemerkte, dass mich etwas bedrückte und legte ihre Hand auf meinen Arm.

„Severus, was ist mit Dir? Du siehst bekümmert aus." Ihre Augen blickten mich ernst an.

„Nichts, Muriel. Ich bin nur müde und hungrig. Den ganzen Tag habe ich ohne Unterbrechung gearbeitet und jetzt rächt es sich." antwortete ich. „Vermutlich werde ich nach dem Essen hinunter in den Kerker gehen und mich hinlegen."

„Schade, aber ich verstehe das." Ihre Stimme klang ein bisschen enttäuscht.

Bevor ich noch etwas sagen konnte, stand Albus Dumbledore auf und eröffnete mit seiner traditionellen Halloweenrede das Festessen.

Die Teller füllten sich wie von Geisterhand mit den köstlichsten Sachen, die man sich nur denken konnte.

Ich begann zu essen, spürte aber sofort, dass mein Magen rebellierte und legte die Gabel weg. Dumbledore hatte es bemerkt, während die Anderen genüsslich assen. Mit einem leisen schnippen mit den Fingern stand ein Glas kalter Milch vor mir. Ich nickte ihm dankbar zu und nahm einen Schluck. Die Milch würde die in Aufruhr geratene Magensäure sicher beruhigen. Nachdem ich das Glas geleert hatte, fühlte ich mich schon ein bisschen besser, machte mich dann aber doch nur über ganz leichte Speisen her.

Erzählt von Muriel Stern

Gerade eben hatte Severus die Grosse Halle verlassen. Etwas schien mit ihm nicht zu stimmen. Stirnrunzelnd blickte ich ihm hinterher. Scheinbar hatte er den ganzen Tag über gearbeitet. War er wirklich so sehr beschäftigt gewesen, dass er das Frühstück und das Mittagessen hatte ausfallen lassen? Er gab vor, müde und hungrig zu sein. Also müde sah er wirklich aus, das musste ich zugeben. Aber dafür, dass er hungrig gewesen war, hatte er sehr wenig gegessen. Ein Glas Milch und einige Nudeln ohne Sauce hatte er zu sich genommen, kaum genug um ein Kaninchen zu ernähren. Irgendetwas schien ihn zu bedrücken. Er lächelte mich zwar an, aber es war kein Lächeln der Freude.

Vorhin war er dann aufgestanden und sagte, dass er nun in den Kerker ginge um sich hinzulegen. Langsam hatte er sich zwischen den Schülern hindurch einen Weg zum Ausgang gebahnt. Hinkte er ein wenig? Nein, das war sicher Einbildung gewesen. Oder?

Da ich mir ein bisschen Sorgen um ihn machte, beschloss ich später noch kurz nach ihm zu sehen.

Erzählt von Severus Snape

Als ich vorhin die Grosse Halle verliess, war ich mit der verwunderten Blicke gewiss, die auf mich gerichtet waren, aber es störte mich nicht. Ich musste mich dringend etwas hinlegen und ausruhen, bevor Voldemort mich zu sich rief. Ebenfalls musste ich das Gegenmittel noch in die bereitstehenden kleinen Röhrchen abfüllen, die ich eigens dafür besorgt hatte. Sie waren fast unzerbrechlich und passten perfekt in die geheime Innentasche meines Umhangs.

Nachdem ich den halben Weg die Treppen hinunter zum Kerker geschafft hatte, hielt ich inne und liess mich auf die Stufen sinken. Ich brauchte eine kurze Verschnaufpause.

Im Moment war ich absolut nicht auf der Höhe meiner Kräfte. Wie sollte ich in dieser Verfassung dem dunklen Lord entgegen treten? Ich atmete tief durch. „Bloss nicht darüber nachdenken." ermahnte ich mich.

Ich kämpfte mich wieder auf die Beine und setzte meinen Weg zum Kerker fort...

Eine Stunde später...

Leicht dösend lag ich auf meinem Bett. Der wirkliche Schlaf, liess wieder einmal auf sich warten. Aber immerhin konnte ich mich ein bisschen entspannen und versuchen ein wenig Energie zu tanken.

Auch wenn ich damit rechnete, dass Voldemort mich rufen würde, traf mich der Schmerz in meinem Arm trotzdem wie ein Schlag in den Magen.

„Vielleicht will er ja nur einen kompletten Bericht, über die gescheiterte Mission vor 24 Stunden." versuchte ich mich, während ich mich vom Bett erhob, zu beruhigen. Aber in meinem Innersten wusste ich, dass er Vergeltung suchte. Sein Zorn kannte keine Grenzen. Dies war eine Seite an ihm, die ich schon oftmals erlebt hatte.

Ich ging ins angrenzende Badezimmer, griff mir einen Lappen und wusch mir das Gesicht. Das eiskalte Wasser fühlte sich gut an und half, meine Lebensgeister wieder zu wecken. Es war das Wichtigste, jetzt so rasch wie möglich einen klaren Kopf zu bekommen. Ich konnte mir keine Fehler erlauben. Angefangen bei dem Gegenmittel bis hin zu meinen Reaktionen auf Voldemorts Fragen.

Mit einem weißen, flauschigen Handtuch, trocknete ich mir das Gesicht und ging in mein Büro. Den Blick in den Spiegel hatte ich sorgsam vermieden. Wenn ich so aussah, wie ich mich fühlte, dann wollte ich es nicht sehen.

Auf dem Regal hinter meinem Schreibtisch, standen die fertigen Röhrchen mit dem Gegenmittel. Eines der Röhrchen steckte ich in die Innentasche meines Umhangs, ein Anderes leerte ich in einem Zug. Bereits zum zweiten Mal an diesem Tag, verbrannte mir dieser Trank fast die Kehle. Der bittere Geschmack schien diesmal noch intensiver geworden zu sein. Mein Magen verkrampfte sich. Ich schüttelte mich, fasste meinen Zauberstab und verliess den Kerker. Aus Erfahrung wusste ich, dass es der dunkle Lord nicht duldete, dass man zu spät kam, also beeilte ich mich.

Erzählt von Muriel Stern

Es ging schon gegen Mitternacht, als das Fest endlich vorbei war. Nicht das ich mich nicht amüsiert hätte. Im Gegenteil. Es war ein sehr heiterer Abend geworden, aber nun wollte ich doch nach Severus sehen. Irgendwas an ihm hatte mir heute Abend absolut nicht gefallen. Nachdem ich mich von den anderen Professoren verabschiedet hatte, machte ich mich auf zum Kerker.

Als ich die Tür zu seinem Büro erreicht hatte, klopfte ich leise an. Zum Einen wollte ich ihn nicht aufwecken, zum Anderen aber überwog doch die Sorge, dass etwas mit ihm nicht in Ordnung sein könnte.

Als nach mehrmaligem klopfen immer noch keine Antwort kam, verschaffte ich mir den Zutritt zu seinen Räumen. Nicht aus Neugier, sondern aus Sorge um Severus.

Es kostete mich fast 10 Minuten, alle Zauber die er benützte um die Tür zu sichern, aufzuheben.

Ich zog meinen Zauberstab und flüsterte: „Lumos". Das sanfte Licht das danach den Raum erhellte, genügte um zu sehen, dass er nicht hier war. Zögernd ging ich weiter in sein Schlafzimmer. Die Bettdecke war verrutscht, so dass ich mir sicher war, dass er sich hingelegt hatte. Aber wo war er jetzt? Nachdem ich jeden Raum sorgfältig abgesucht hatte, begab ich mich wieder hinaus in den Korridor.

Irgend etwas war hier höchst merkwürdig. Zuerst hatte er fast nichts gegessen, sagte dass er müde wäre und nun war er fort? Nach einigen Minuten entschied ich mich, hier im Korridor auf ihn zu warten. Ich würde ihn zur Rede stellen, sobald er zurück kam.


Kapitel 8: Das Verhör

Erzählt von Severus Snape

Kurz nach zehn Uhr apparierte ich in Voldemorts Festung. Es war niemand zu sehen. Der Korridor war wie immer düster und ein modriger Geruch ging von ihm aus. Mit festen Schritten ging ich zu dem Saal, in dem Voldemort seine Todesser immer empfing.

Als ich eintrat, war der dunkle Lord bereits anwesend, ebenso zehn andere Todesser. Darunter war auch Lucius Malfoy, wie ich kalt feststellte. Sie hatten mich Alle schon erwartet. „Ganz toll" dachte ich für mich. „Sie haben alles schon abgesprochen." Einige Fackeln warfen ein unruhiges Licht durch den Raum. Es war kühl und dünner weisser Nebel waberte über den Boden.

„Hier bin ich Meister!" sagte ich mit fester Stimme und verbeugte mich kurz vor Voldemort.

Tief in meinem Innern hörte ich eine Stimme die mich warnte. „Los, raus hier! Schnell!" Ich versuchte die Stimme aus meinem Kopf zu verbannen und die Nervosität, die mich plötzlich befiel zu verbergen.

Nun hob ich den Kopf und sah dem dunklen Lord selbstsicher in die Augen. Er schien seit dem letzten Treffen noch hässlicher geworden zu sein. In seinen roten Augen schien sich das Höllenfeuer zu spiegeln. Ein grausames Lächeln umspielte seinen Mund.

„Nun, Snape. Du hast es also geschafft herzukommen." sagte er hinterlistig. „Wir haben Alle schon auf Dich gewartet. Ich hatte schon befürchtet, Du fändest den Weg nicht." Die anwesenden Todesser lachten kalt.

Malfoy und McNair tauschten vielsagende Blicke.

Ich wusste, dass ich nicht zu spät gekommen war und er tat es auch. Er versuchte mich zu provozieren. Doch das wollte ich nicht zulassen. Dies hätte ihm nur noch einen Grund mehr geliefert.

Stattdessen erwiderte ich: „Es tut mir leid, Meister. Ich wurde aufgehalten. Es soll nicht wieder vorkommen."

„Das wird es ganz sicher nicht." grinste Voldemort und schnippte mit den Fingern.

Daraufhin zog McNair seinen Zauberstab, richtete ihn auf mich und sagte mit Genugtuung: „Crucio!"

Unvermittelt wurde ich von einer Schmerzwelle erfasst, die mich auf die Knie zwang. Mein ganzer Körper schien innerlich zu verbrennen. Mein Kopf schien fast zu zerspringen, doch ich versuchte mich zu konzentrieren und gegen den Schmerz anzukämpfen, den Blick nicht von Voldemort abzuwenden. Ich wollte ihm nicht schon jetzt das Gefühl der vollkommenen Macht über mich geben. Nein! Der Schrei, der sich in meiner Kehle bildete, unterdrückte ich mit aller Gewalt.

Auf ein Zeichen von Voldemort, nahm McNair den Fluch wieder von mir. Endlich von dem Schmerz befreit, nutzte ich die Zeit die mir blieb um tief durch zu atmen.

„Das hätten wir geklärt." stellte Voldemort fest. „Kommen wir also zu dem Punkt, der mir am Herzen liegt." Wieder ging ein Gelächter durch die Reihe.

„Snape, Gestern Abend hattest Du den Auftrag Dr. Summers zu entführen. Ich gab Dir extra noch zwei weitere Todesser mit. Nun frage ich mich. Wie kommt es, das weder Dr. Summers noch die Beiden anderen Todesser hier angekommen sind? Hmmm? Kannst Du mir das erklären?" eisige Kälte und Berechnung schwang in seiner Stimme mit.

„Ja, das kann ich." erwiderte ich selbstsicher. „Wir gerieten in eine Falle." Ich hob meinen Kopf etwas höher und starrte Voldemort in die Augen.

„So?" seine Augen glitzerten amüsiert. „Wie kommt das? Was meint Ihr?" er wandte sich an die anderen Todesser.

„Vielleicht war einer ein Spion?" dies kam von Lucius. Er blickte mich mit einem spöttischen Lächeln auf den Lippen an.

Mein Hass und die Abscheu, die ich für Malfoy empfand, steigerten sich noch mehr. Dies versteckte ich jedoch tief in meiner Seele.

„Gut überlegt, Malfoy." Der dunkle Lord bewegte sich langsam auf mich zu. Er umkreiste mich. Als er dann hinter mir stand zischte er: „Welcher" dann wurde seine Stimme wieder zu einem Flüstern. „könnte es gewesen sein?" Er sprach gedehnt weiter. „War es Thompson? Nein. War es O'Connor. Hmmm, denke ich nicht." Er ging wieder ein paar Schritte. Plötzlich wirbelte er herum, so dass uns nur noch Zentimeter von einander trennten. „Was ist mit Dir, Snape! Du bist der Einzige, der noch lebt! Wie kommt das?" Sein stinkender Atem schlug mir ins Gesicht und seine lodernden Augen schienen mich zu durchbohren.

„Denken Sie, dass ich so dumm wäre, Meister?" Es war eine unbedachte Äußerung, aber ich konnte sie mir nicht verkneifen.

Seine Faust rammte sich blitzschnell in meinen Magen und trieb mir die Luft aus den Lungen. Der Schlag liess mich leicht in die Knie gehen. Keuchend richtete ich mich wieder auf.

„Hüte Deine Zunge Snape!" zischte Voldemort und starrte mir ins Gesicht. „Wir werden die Wahrheit schon noch rauskriegen. Keine Sorge."

Der dunkle Lord drehte sich um und ging mit wehendem Umhang zum Altar zurück. Ich schloss kurz meine Augen. Was jetzt kommen würde, wusste ich nur zu gut. Hoffentlich würde das Gegenmittel zuverlässig und lange genug wirken. Mit meiner linken Hand fuhr ich unauffällig über die versteckte Tasche in meinem Umhang. Das zweite Röhrchen war noch immer an seinem Platz.

„Bist Du ein Spion Snape?" schneidend klang seine Frage durch den Raum.

„Nein," antwortete ich.

Wieder schnippte er mit den Fingern. Diesmal machten drei Todesser einen Schritt nach vorne. Lucius Malfoy flankiert von McNair und Lestrange. Alle richteten Ihre Zauberstäbe auf mich. Kalter Schweiß rann mir den Rücken hinunter. Was ein Cruciatus-Fluch anrichten konnte, wusste ich, aber gleich dreifach? Dies musste ein neuer Trick sein. Vermutlich hatte sich das Malfoy einfallen lassen. Er war schon immer ein verdammter Dreckskerl gewesen. Ich versuchte mir immer noch nichts anmerken zu lassen. „Denk an nichts, keine Gefühle!" wiederholte ich immer wieder in Gedanken.

Jetzt kam der Fluch über ihre Lippen. „Crucio!". Die Wucht des Fluchs riss mich von den Beinen und meine Welt explodierte. Meine Knochen schienen in flüssiger Lava zu verbrennen. Schreie erfüllten den Raum, hallten in meinen Ohren wider. Waren es meine Schreie? Als ich fühlte, dass die Adern in meinem Körper zu platzen drohten, wurde es plötzlich still um mich herum...

Als ich wieder zu mir kam, lag ich zitternd auf dem Boden. Mein ganzer Körper schmerzte.

„Also Snape! Du warst es, nicht wahr?" Voldemorts Stimme war ganz sanft und weich.

Langsam und keuchend richtete ich mich wieder auf und schüttelte den Kopf. „Nein. Ich war es nicht!"

Auf ein Zeichen von ihm wurde ich erneut von einer mächtigen Schmerzwelle erfasst. Mein Blut schien zu kochen, meine Haut zu verbrennen und meine Muskeln fühlten sich an, als ob sie gleich einer nach dem anderen reissen würden. Ich schrie. Ich wusste nicht, wie lange es dauerte. Waren es Sekunden? Minuten?

Endlich wurde der Fluch wieder von mir genommen. Ich versuchte die Augen zu öffnen. Dies war ein Fehler, das erkannte ich sofort. Das Licht brannte in meinen Augen.

„Sagst Du nun endlich, was ich hören will?"

Als ich keine Antwort gab, sagte er. „Wenn Du möchtest, dann können wir das auch anders versuchen du Bastard!" Die Todesser kamen drohend auf mich zu. Vergeblich versuchte ich mich aufzurichten. Der Schmerz liess mich sofort wieder zu Boden sinken.

Als sie dann neben mir standen, traten sie mir mit aller Kraft mehrmals in die Seiten. Die Luft wurde aus meinen Lungen gequetscht. Noch während ich versuchte wieder nach Luft zu schnappen, stand plötzlich Voldemort über mir. Dreckig grinsend richtete er seinen Zauberstab auf mich und krächzte: „Veritas!"

Ich fühlte mich, als wenn ein glühendes Eisen in meine Brust getrieben würde. Mein Brustkasten schien auseinander gerissen zu werden. Keuchend versuchte ich ein bisschen Luft in meine Lungen zu bekommen. Ein furchtbares Brennen durchzog meinen Körper und weit weg klang wieder das Gelächter der Todesser durch den Raum.

Merkwürdig hohl hörte ich Voldemorts Stimme über mir. „Snape, Du warst gestern auf dieser Mission. Ist das richtig?"

„Ja.." krächzte ich. Noch immer bekam ich fast keine Luft. Ein Metallband schien sich um meine Brust zu legen.

„Ihr seid also in eine Falle geraten?"

„Das....ist ... richtig." Das Metallband zog sich enger zusammen.

„Warst Du es, Snape? Hast Du die Mission verraten?" seine Stimme wurde eindringlicher.

„Nein.... es muss.... ein.... Anderer gewesen... sein." keuchte ich. Jetzt zerquetschte mir das Metallband fast die Brust. Gleich würden meine Rippen brechen.

„Gib es schon zu, Snape. Du bist der Spion!" Diese Worte schien Voldemort jetzt zu schreien.

„Ahh.... Nein... ich..... war immer loyal....Meister..." nach diesen Worten wurde es schwarz um mich herum.

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Etwas eiskaltes holte mich sofort aus der gnädigen Bewusstlosigkeit zurück. Prustend richtete ich mich halb auf. Sie hatten mich mit einem Kessel eiskalten Wassers überschüttet. Wie ich kaltes Wasser hasste. Ich hob meinen Kopf und blickte in Voldemort's von Zorn verzerrtem Gesicht.

„Nun, Snape. Du bist also kein Spion. Hmmm, ich hätte schwören können, dass Du es warst, der die Mission verraten hat." Seine Stimme klang wieder merkwürdig sanft. „Aber trotzdem musst Du verstehen, dass ich ein solches Versagen vom zweiten Mann in meinem Kommando nicht einfach so hinnehmen kann. Du hättest bemerken müssen, dass etwas faul an der Sache war. Du hättest den Spion erkennen müssen! Dies verdient nochmals eine Bestrafung!"

Mein Magen verkrampfte sich. Wie lange würde ich das noch aushalten? Ich schloss meine Augen und unverzüglich traf mich der Cruciatus-Fluch. Und wieder versank ich in einer Welt aus Schmerz. „Tief durchatmen, atmen, los atmen!" dachte ich nur noch. Ich versuchte mich darauf zu konzentrieren, aber es war fast unmöglich. Ich schien in einem Meer aus Hitze und Blut zu ertrinken. Rote Blitze zuckten vor meinen Augen. Unkontrollierbare Krämpfe durchzogen meinen Körper. Ich fühlte wie mich die Lebensenergie langsam verliess. Plötzlich sah ich bruchstückweise die Gesichter von Albus und Muriel vor mir. Ich werde sterben, schoss es mir durch den Kopf.

Auf einmal wurde der Fluch von mir genommen. Keuchend schnappte ich nach Luft, aber es geschah nichts. Ich schien zu ersticken. Ein Hustenanfall der mich augenblicklich befiel, schüttelte meinen zerschundenen Körper und ein schmales Rinnsal von Blut trat aus meinem Mund. Ich kannte die Anzeichen. Zu viele Menschen hatte ich mit dem Cruciatus-Fluch zu Tode gequält, um nicht zu wissen, was als nächstes kam. Ich würde das nächste Mal nicht überleben. Ich blickte mühsam hoch und sah wie die Todesser grausam lächelnd ihre Zauberstäbe abermals auf mich richteten. Kraftlos liess ich meinen Kopf sinken, schloss die Augen und wartete auf den Fluch.

„Er hat genug." sagte Voldemort plötzlich. „Lasst Eure Zauberstäbe sinken."

Schritte näherten sich mir. Da öffnete ich meine Augen. Der dunkle Lord stand höhnisch grinsend über mir.

„Ich denke, dass Du das nächste Mal etwas vorsichtiger bist, wenn ich Dich auf eine solch wichtige Mission schicke. Ich möchte nicht noch mehr meiner Männer verlie