Snape


    ICH WILL RACHE

    von Banshee




Über Euer Feedback freut sich: Banshee



Story:
Eine neue Lehrerin soll mit Severus Snape bei Voldemort spionieren.
Dazu muss sie eine vollwertige Todesserin werden.
Zwei zerstörte Seelen finden Trost beieinander...



VORGESCHICHTE


Medea wurde durch laute Stimmen geweckt. Wieder einmal lieferten sich ihre Eltern heftige Wortgefechte. Normalerweise hätte sie sich wieder umgedreht und weitergeschlafen, aber sie hörte, wie mehrmals ihr Name fiel. Neugierig geworden, warf sie ihre Bettdecke bei Seite und stand auf, öffnete ihre Zimmertür und schlich über den Korridor bis zum Treppenaufgang. Ihre Eltern standen in der Halle, ihr Vater musste wohl gerade nach Hause gekommen sein. Er trug einen langen schwarzen Umhang, die Kapuze hing über seinem Rücken. Medea wusste, was es bedeutete, wenn ihr Vater in der Aufmachung nachts nach Hause kam. Sie hatte schon seit vor langem mitbekommen, dass ihre Eltern keine normalen Magier waren, sondern dem Dunklen Lord angehörten. Selbst ihr Bruder hatte sich nach seinem Abschluss in Hogwarts den Todessern angeschlossen. Wie auch ihren Bruder hatte der sprechende Hut sie ins Haus der Slytherins geschickt, wo sie bald ihre schulische Ausbildung beenden würde. Der Streit ihrer Eltern wurde heftiger. Vorsichtig schlich sie noch ein Stückchen näher, um besser verstehen zu können, worum es ging.

„An ihrem 18. Geburtstag werde ich sie mitnehmen. Der Dunkle Lord wird sich freuen ein neues Mitglied aufnehmen zu können. Ihre Ausbildung ist dann beendet und ihr Hauslehrer bescheinigt ihr Fähigkeiten, welche die unseren noch übertreffen. Das wird unser Ansehen bei den Todessern gewaltig steigern, Cassandra."

Misstrauisch entgegnete seine Frau: „ Aber das ist doch noch nicht alles, du verschweigst mir doch etwas!"

„Nun ja, meine Liebe, Lord Voldemort ist auf der Suche nach, wie soll ich es sagen, einer Braut. Und Medea ist jung, magisch überaus begabt.... Ich würde sie ihm gerne „schenken".

Medea fuhr hastig vom Geländer zurück. Hatte sie das richtig gehört? Ihr Vater wollte sie Voldemort zum Geschenk machen? An ihrem 18. Geburtstag? Das konnte doch nur ein grausamer Scherz sein...

Aber sie kannte ihre Eltern nur zu gut. Als ihr Bruder das Dunkle Mal bekam, waren sie so stolz auf ihn. Die Tatsache, dass er bei der Aufnahmezeremonie jemanden töten musste, störte sie nicht weiter. Für sie war aber auf jeden Fall klar, dass das nicht ihr Leben sein würde. Zu oft hatte ihr Vater oder ihre Mutter den Cruciatus bei ihr angewendet, wenn sie der Meinung waren, dass sie ihre eigene Meinung zu energisch vertrat oder ihre Schulnoten nicht ausreichend waren.

Sie musste etwas unternehmen, aber was? Ihr Geburtstag war in drei Tagen, die Zeit würde knapp werden um sich einen Ausweg zu überlegen.

Sie schlich sich in ihr Zimmer zurück, bemüht leise zu sein, damit ihre Eltern ihre Spioniererei nicht mitbekamen. Die Strafe würde dafür äußerst schmerzhaft ausfallen.

Da an Schlaf in dieser Nacht sowieso nicht mehr zu denken war, setzte sie sich an ihren Sekretär, stützte den Kopf in beide Hände und dachte fieberhaft nach.

Sie konnte es keinem erzählen, das war ihr klar. Im Prinzip blieben ihr nur zwei Möglichkeiten: entweder brachte sie sich um (sie hatte genug Kenntnisse um sich ein tödliches Gift zu brauen), oder sie verließ das Haus so schnell wie möglich. „Ich bin noch zu jung, um jetzt schon zu sterben", dachte sich Medea, „also bleibt nur die Flucht nach vorne." Schon etwas beruhigter, weil sie ein Ziel vor Augen hatte, legte sie sich schon die Sachen zurecht, die sie auf jeden Fall mitnehmen würde. Der morgige Tag würde für sie nicht leicht werden, denn sie durfte sich in keiner Weise anmerken lassen, das sie von den Plänen ihrer Eltern wusste.

Wie sie es sich gedacht hatte, schleppte sich der Tag nur so dahin. Die Minuten wurden zu Stunden und sie war froh, als sie sich endlich für die Nacht verabschieden konnte.

„Medea?" Ihre Mutter sah sie prüfend an. „Wirst du krank? Du bist so blass. Stimmt etwas nicht? Das wäre nämlich sehr bedauerlich. Dein Vater und ich haben uns für deinen Geburtstag eine wundervolle Überraschung ausgedacht!"

Medea schüttelte sich innerlich. „Wenn ihr wüsstest, das ich weiß worin eure Überraschung besteht...." Aber sie schüttelte den Kopf und erwiderte gleichmütig: „ Nein, Mutter, ich bin nur müde. Ich habe heute Nachmittag sehr lange über den Büchern gesessen. Ich habe letztens in der Nocturngasse ein sehr interessantes altes Werk über die Dunklen Künste entdeckt. Das arbeite ich gerade durch und ich habe noch einige Flüche entdeckt, deren Wirkung ich gerne einmal ausprobieren möchte."

Ihr Vater schaltete sich ein: „ Vielleicht hast du ja bald die Gelegenheit, sie einmal auszuprobieren, mein Kind."

„Ja, das wäre schön", hörte sie sich selber sagen. „Oh Gott, ich muss hier verschwinden, bevor ich mich verrate!"

„Geh ruhig schlafen, Medea. Wir möchten, dass du an deinem Geburtstag ausgeruht bist." Sollte ihre Mutter tatsächlich fürsorgliche Gefühle entwickeln? Aber dankbar, dass sie entlassen war, eilte Medea aus dem Wohnzimmer.

Als sie sicher war, dass alle im Haus schliefen, packte sie ihre Sachen zusammen und holte ihren Besen unter dem Bett hervor, den sie schon am Morgen darunter versteckt hatte. Das Fenster war schnell geöffnet. Mit Tränen in den Augen, sah sich Medea noch einmal um. Ein Ziel hatte sie nicht, sie musste einfach nur weg.

Als ihr Vater sie am nächsten Morgen wecken wollte, fand er nur ein unberührtes Bett und ein geöffnetes Fenster vor.



10 JAHRE SPÄTER


Kapitel 1

„Penelope, kannst du mal bitte zu mir kommen?" Mein Tonfall war nicht gerade der freundlichste, aber ich hätte dieses Kind heute schon x-mal würgen können. Meine Tochter entwickelte sich zu einem launischen, missmutigen Geschöpf, dass ich kaum noch bändigen konnte.

Tom, mein Partner und Penelopes Vater wurde vor drei Jahren von Todessern zu Tode gefoltert. Wir beide arbeiteten zu diesem Zeitpunkt im Zaubereiministerium und sie erhofften sich von ihm Informationen, die er ihnen aber nicht geben konnte. Sie konnten ja nicht wissen, dass ich diejenige war, die Zugang zu den geheimen Akten hatte.

Seit dem Vorfall, der unser bisheriges Leben in Scherben zerfallen ließ, lebten wir in ständiger Angst entdeckt zu werden, in der Muggelwelt. Gut, dass Ministerium hatte Penelope und mir Schutz angeboten, aber ich wusste genau, dass der Dunkle Lord seine Spione überall sitzen hatte.

Also lebte ich jetzt mit meiner Tochter in einer kleinen Stadt, verdiente unseren Lebensunterhalt in der städtischen Bibliothek und Penelope besuchte eine Muggelschule. Wir mussten natürlich aufpassen, denn wenn unseren Nachbarn etwas auffallen würde, hätte das wahrscheinlich üble Folgen für uns. Ich wollte die Todesser nicht auf unsere Spur bringen, denn wenn Muggeln etwas seltsam vorkam, würde es nicht lange dauern, bis Voldemorts Leute uns einen Besuch abstatten würden.

Ich hatte deshalb auch so gut wie alle Kontakte zu Freunden in der Zaubererwelt abgebrochen. Ich konnte es mir nicht leisten durch Zaubereien aufzufallen, es war für die Nachbarn wohl schon seltsam genug, wenn sie mitbekamen, dass meine kleine Wohnung mehrmals in der Woche von Eulen angesteuert wurde.

In letzter Zeit war ich ziemlich beunruhigt. Die Eulen brachten keine guten Neuigkeiten. Voldemort hatte mehr Anhänger denn je um sich geschart, und es war nur noch eine Frage der Zeit, bis sie auch wieder auf meine Spur kommen würden. Ich war ziemlich ratlos, denn meine Fähigkeiten würden wohl nicht ausreichen um gegen mehrer Todesser anzutreten.

Aus dem Kinderzimmer hörte ich bockiges Gemurmel. Seufzend stand ich auf, legte mein Buch zur Seite: „Flüche, die ihr Leben retten könnten", ging über den Flur und öffnete dann die Kinderzimmertür.

„Penelope, ich hatte dich gerufen!" Meine Tochter sah kurz auf und ließ dann weiter mit ihrem Zauberstab ihre Spielsachen in diversen Kisten verschwinden. Jetzt war ich wirklich wütend: „Wie oft muss ich dir eigentlich noch sagen, dass du hier nicht hexen sollst? Irgendwann entdeckt jemand, dass wir keine Muggel sind, und was dann? Bist du scharf darauf, schon wieder umzuziehen?"

Es war zwecklos. Mir war schon klar, dass Penelope ihre Fähigkeiten ausprobieren wollte, aber mit knapp 10 Jahren noch nicht den Verstand hatte zu erkennen, in welche Gefahr uns das bringen könnte. Aber bevor ich meiner Tochter die Ohren lang ziehen konnte, wurde ich durch ein Klopfen an der Balkontür abgelenkt. Glück für Penelope! Es war wieder einmal eine Eule. Ich konnte durch die Balkontür sehen, dass Frau Weber, unsere Nachbarin von unten, das ganze misstrauisch beäugte. Warum hatte die blöde Kuh auch nichts Besseres zu tun, als den halben Tag hinter der Gardine oder im Vorgarten zu stehen, damit sie ja alles mitbekam? Wie konnte man nur so neugierig sein?

Ich öffnete die Balkontür, nestelte schnell den Pergamentumschlag vom Fuß der Eule, und tat so als würde ich sie schnell wieder wegscheuchen. Ich winkte Frau Weber freundlich zu, dachte ihr allerdings ziemlich fiese Flüche zu, und schloss die Tür.

Ich setzte mich mit dem Brief auf das schon ziemlich abgenutzte Sofa. Es war ein dicker Pergamentumschlag mit dem Siegel von Hogwarts.

Was konnte Albus Dumbledore von mir wollen? Er war einer der wenigen, mit denen ich noch Kontakt hatte. Er hatte mir nach meiner Flucht von meinen Eltern geholfen Unterschlupf zu finden, und meine weitere Ausbildung betreut. Nervös riss ich den Umschlag auf. Nach einer freundlichen Anrede kam er gleich zur Sache: „Wie du vielleicht schon weißt, ist unser Lehrer für „Verteidigung" ausgefallen. Ich biete dir daher die freigewordene Stelle an. Penelope kannst du natürlich mitbringen. Überlege bitte nicht zu lange, mir ist aus zuverlässiger Quelle zu Ohren gekommen, dass der Dunkle Lord deinen Aufenthaltsort kennt. Bitte schicke mir so schnell wie möglich eine Eule mit deiner Antwort."

Fassungslos ließ ich den Brief sinken. Das ganze entwickelte sich zu einem Albtraum. Die Todesser konnten uns doch nicht schon wieder auf den Fersen sein! Mir blieb im Prinzip gar nichts anderes übrig als zuzusagen. Wenigstens hatte ich die Hoffnung, dass wir in Hogwarts sicher wären. Also, schickte ich eine Eule mit meiner Zusage zu Dumbledore, um ihm mitzuteilen, dass ich die Stelle annehmen würde.

Jetzt musste ich es nur noch Penelope beibringen. Seufzend ging ich wieder ins Kinderzimmer, wo meine Tochter immer noch schmollend auf dem Boden saß. „Schatz", sagte ich sanft, „ich muss dir etwas sagen". Ich setzte mich zu ihr auf den Boden und nahm sie in den Arm. „Könntest du dir vorstellen, auf eine Schule zu gehen, wo es nur Hexen und Zauberer gibt?"

„Gibt es denn so was?" fragte sie mich skeptisch. Ich hatte ihr nie von Hogwarts erzählt, denn was sie nicht wusste, konnte sie nicht weitererzählen.

„Ja, mein Schatz, das gibt es. Und mir wurde gerade eine Stelle dort angeboten. Ich habe zugesagt und wir werden noch heute Abend hier verschwinden."

„Was? Wir ziehen schon wieder um?"

Ich konnte ja verstehen, dass sie von der Aussicht nicht gerade begeistert war, schon wieder alle Brücken abbrechen zu müssen, wieder neue Mitschüler und Lehrer, wieder neue Umgebung und zu allem würde sie vermutlich auch die jüngste Schülerin sein, denn man wurde eigentlich erst mit 11 an der Schule für Hexerei und Zauberei aufgenommen. Aber meine Entscheidung war gefallen und ich hatte nicht vor zu warten, bis Voldemorts Leute vor meiner Tür standen.

Es kam wie es kommen musste: wir stritten uns heftig, bei meiner Tochter flossen Tränen, aber schließlich half sie mir doch alle nötigen Sachen zusammen zu packen. Da wir gelernt hatten, mit leichtem Gepäck zu reisen, waren wir schon nach zwei Stunden fertig. Ich rief ein Taxi, und wir warteten ungeduldig vor dem Haus, diverse Koffer zu unseren Füßen.

„Wollen Sie verreisen?"

Das hatte mir gerade noch gefehlt! Meine neugierige Nachbarin hatte ihr Fenster geöffnet und beugte sich vor, um ja nichts zu verpassen.

„Äh, dringende Familienangelegenheit," stotterte ich. Wo blieb nur das Taxi?

„Bleiben Sie lange weg?"

„Ich wüsste nicht, was dich das angeht, du alte Spinatwachtel", dachte ich bei mir, aber bemüht freundlich antwortete ich: „ Das kann ich Ihnen leider nicht sagen, Frau Weber."

Gott sei Dank. Das Taxi kam. Ich half dem Fahrer die Koffer in den Kofferraum zu packen, setzte Penelope auf die Rückbank und stieg schnell vorne ein, bevor es Frau Weber einfallen würde, mich weiter auszuquetschen.

„Wo soll´s denn hingehen?"

„Nach London. Bringen Sie uns bitte nach King´s Cross."

Die Fahrt dauerte nicht sehr lange, und kurze Zeit später saßen wir schon im Hogwarts-Express. Jetzt konnte ich mich endlich ein wenig entspannen. Eigentlich das erste Mal seit drei Jahren. Wie hatte ich eigentlich die ganze Zeit durchgehalten? Es war mir selbst ein Rätsel.

Penelope lief neugierig durch den Zug, kam dann zu mir und flüsterte mir ins Ohr: „Mama, die Leute, die noch im Zug sitzen, die sehen ja komisch aus!"

Ich lächelte sie an. „Penny, so sehen Hexen und Zauberer nun mal in unserer Welt aus. Der Zug fährt nach Hogsmeade, dort wohnen nur magische Menschen. Und in der Nähe von Hogsmeade ist Hogwarts,, wo wir hinwollen."

„Kann ich mir die Leute noch mal ansehen?"

„Penny, du siehst für die in deinen Muggelsachen genau so komisch aus."

Das hielt sie davon ab, wieder durch die Gänge zu stromern, und sie blieb bei mir sitzen. Einige Zeit später erreichten wir den Bahnhof von Hogsmeade. Ich war gerade damit beschäftigt, die Koffer aus der Zugtür zu wuchten, als ich den riesengroßen, zottelhaarigen, bärtigen Mann sah. Ich erkannte ihn sofort. Es war Hagrid. Er war schon Wildhüter an der Schule, als ich dort noch Schülerin war.

Seine Stimme dröhnte über den halben Bahnhof: „ Medea O´Connor!"

Penelope zuckte zusammen und versteckte sich hinter meinem Rücken. Mit wenigen Schritten war Hagrid bei uns und nahm mir die Koffer ab.

„Professor Dumbledore hat mich geschickt um Sie abzuholen."

„Hagrid", sagte ich lächelnd, „du hast mich damals geduzt, und ich hoffe, das wirst du auch jetzt noch tun!"

Etwas verlegen stellte er die Koffer wieder ab, um mich dann in eine herzliche Umarmung zu ziehen.

„Es ist schön, dich nach allem was passiert ist, mal wieder zu sehen." Er wandte sich an Penelope: „Und wer ist das?" Er zwinkerte ihr freundlich zu und schon etwas mutiger geworden antwortete Penny: „Ich bin Penelope O´Connor und meine Mama wird an Hogwarts unterrichten!"

„Dann sollten wir Hogwarts nicht warten lassen, oder was meinst du?" schmunzelte Hagrid. Er nahm das Gepäck wieder auf und brachte uns zu den Kutschen.

„Fahrt schon mal vor. Professor Dumbledore erwartet euch schon. Ich komme mit dem Gepäck später nach."

Ich half Penny in eine der Kutschen. Sie war ganz aufgeregt von den ganzen Eindrücken und plapperte in einem fort, so dass sich meine anfangs noch leichten Kopfschmerzen auf heftigste steigerten.

„Kannst du nicht mal für fünf Minuten ruhig sein", fuhr ich sie an, was mir natürlich sofort wieder leid tat, aber Penny hatte sich in eine Ecke der Kutsche verzogen und zog es vor aus dem Fenster zu sehen. Mein Versuch, sie wieder versöhnlich zu stimmen, scheiterte kläglich. Als Hogwarts endlich hinter einer Biegung auftauchte, war ich froh, aber auch ziemlich nervös. Was würde uns hier erwarten?

Der Schulleiter erwartete uns schon in der Großen Halle.

„Medea, ich freue mich sehr, dass du so schnell gekommen bist." Er wandte sich an meine Tochter: „ Und du musst Penelope sein. Ich bin sicher, dass es dir hier gut gefallen wird."

In dem Moment betrat Hagrid mit unserem Gepäck die Halle. Dumbledore frage Penny: „Würdest du gerne mit Hagrid unsere magischen Tiere ansehen?"

Fragend sah sie mich an.

„Geh ruhig, Schatz, du wirst staunen, welche Tiere hier in Pflege sind. Solche Tiere gibt es in der Muggelwelt nicht."

Also lief sie neugierig hinter Hagrid her.

„Und nun zu uns beiden." Dumbledore fasste mich am Arm und wir stiegen die große Treppe hinauf. „Ich denke, wir sollten uns erst einmal ein Tässchen Tee in meinem Büro gönnen, und danach können wir ja die Einzelheiten deines Aufenthaltes hier besprechen.

Es waren einige Treppen, die wir hochzusteigen hatten, denn Dumbledore hatte sein Büro immer noch im höchsten Turm. Und sein Wasserspeier reagierte nach wie vor auf so kindische Passwörter wie „Gummidrops", um zu Seite zu kippen um den Zutritt zum Turm freizugeben. Endlich oben angekommen, wies er mir einen Platz auf dem Sofa vor dem Kamin zu. Auf dem Tisch stand schon eine dampfende Teekanne und zwei Gedecke. Der Schulleiter füllte zwei Tasse und reichte mir eine davon. Ich stellte sie sofort wieder ab, denn meine Hände zitterten so stark, dass ich befürchtete, sie fallen zu lassen.

Meine Kopfschmerzen waren unerträglich geworden und ich wusste auch, woran das lag. Seit Penelopes Geburt hatte ich zwischendurch immer mal wieder Visionen von Angriffen, die die Todesser ausführen würden. Ich konnte zwar nie sagen, wo diese Angriffe stattfinden würden, oder wann, aber mir war schon klar, dass der Dunkle Lord auch deshalb größtes Interesse daran hatte mich in seine Finger zu bekommen. Diese Visionen kamen seit einiger Zeit immer häufiger und sie nahmen an Intensität zu. Ich vermutete, dass Voldemorts Macht weiter gestiegen war. Ich war froh, dass ich auf dem Sofa saß, denn mittlerweile zogen blutrote Schwaden durch mein Gehirn. Ich sah das Dumbledore mit mir redete, konnte aber nichts verstehen. Vor meinem geistigen Auge zogen wie so oft in letzter Zeit die grausamen Bilder vorbei, die ein Angriff der Todesser verursachte.

„Medea?"

Ich zuckte zusammen.

„Oh, tut mir leid. Was haben Sie gesagt? Ich habe gerade einen Moment nicht zugehört!"

„Du kannst ruhig ehrlich zu mir sein. Ich weiß über diese Visionen Bescheid. Tom hat mir vor einigen Jahren davon erzählt. Das ist auch ein Grund, warum du hier bist."

Er reichte mir die Tasse Tee, die ich jetzt dankbar annahm. Ich fühlte mich jedes Mal danach ziemlich fertig. Die Bilder, die ich vor Augen hatte, ließen mich so manche Nacht nicht schlafen.

„Was hast du gesehen?"

Ich seufzte tief. Das Sehen der Visionen war eine Sache, darüber zu reden eine ganz andere.

„Es war eigentlich wie immer. Vier Todesser überfallen eine Familie, quälen die einzelnen Leute und danach werden sie umgebracht."

„Ich kann mir schon denken, wie so ein Überfall abläuft. Kannst du mir sagen, wo oder wann der Angriff erfolgt?"

„Nein, diesmal nicht. Manchmal weiß ich einfach, wohin sie gehen und wen sie umbringen. Aber diesmal nicht."

Ich nahm einen Schluck Tee.

„Wie oft hast du die Visionen in der letzten Zeit gehabt?" , frage Dumbledore und reichte mir eine Schale mit Keksen.

Ich lehnte dankend ab und antwortete nachdenklich: „ So drei bis viermal pro Woche."

Dumbledore nickte. „So etwas habe ich befürchtet. Voldemorts Macht wächst von Tag zu Tag. Und es wird noch mehr Opfer geben. Ich möchte über alles informiert werden, was du siehst Medea, es könnte uns helfen Menschenleben zu retten. Und da ist noch etwas, und es fällt mir nicht leicht dich darum zu bitten..."

Ich stellte meine Teetasse ab und sah ihn gespannt an, nicht vorbereitet auf das, was jetzt kommen sollte.

„Ich möchte dich bitten für mich bei Voldemort zu spionieren!"

Hatte ich das richtig verstanden, oder was hatte ich da gehört? Ich sollte zum Dunklen Lord gehen und spionieren? Ich hatte in den letzten Jahren alles versucht, um so weit wie möglich aus seiner Reichweite zu kommen. Ich hatte nicht vergessen, was meine Eltern mit mir vorhatten. Meine Eltern. .. Wenn ich denen in die Hände fallen würde, hätte ich wahrscheinlich nicht einmal mehr die Chance zu Voldemort zu gelangen, denn sie würden schon dafür sorgen, dass sie erst mal ihre Rache bekämen.

Ich sah Dumbledore entsetzt an: „Das kann unmöglich ihr Ernst sein. Falls sie es vergessen haben sollten, die Todesser haben meinen Partner kaltblütig gekillt und werden mit Sicherheit keine Rücksicht auf mich nehmen."

„Medea, beruhige dich." Er goss noch etwas Tee in meine Tasse. „Voldemort war schon vor 10 Jahren sehr an dir und deinen Fähigkeiten interessiert. Das du deine Fähigkeiten ausgebaut hast, kann er sich denken, und das du die Gabe hast, auch noch in die Zukunft zu sehen... Nein, er würde dich nicht töten, sondern dich mit Freuden zu einer der Seinen machen."

Ich nahm meine Tasse und wollte gerade einen Schluck nehmen, als mich wieder dieser wahnsinnige Kopfschmerz überfiel. „Doch nicht schon wieder", dachte ich. Mir fiel die Tasse aus der Hand, ich umklammerte mit beiden Händen meinen Kopf, so heftig war es noch nie gewesen. Als es endlich vorbei war, sah ich mit tränenden Augen zu Dumbledore. „Diesmal waren Kinder mit dabei. Eine ganze Familie ausgelöscht. Einfach so!"

Ich zitterte am ganzen Leib. Die Visionen hatten mich ganz schön mitgenommen, und ich wusste das es lange dauern würde, bis ich diese

Erinnerungen in den hintersten Winkel meines Gedächtnisses verbannt haben würde.

„Wirst du uns helfen?" fragte Albus sanft.

„Ich dachte, ich sollte hier unterrichten! War das Stellenangebot dann nur das Lockmittel, um mich hierher zu bekommen?"

Der Schulleiter schüttelte den Kopf. „In diesem Jahr haben wir einen Werwolf für die Verteidigung. Du müsstest ihn eigentlich noch kennen. Remus Lupin. Nun ja, ich brauche dich um ihn zu vertreten, wenn er durch sein Wolf-Sein nicht unterrichten kann."

Aufgebracht fragte ich Dumbledore: „ Wie soll das überhaupt funktionieren. Ich kann mich ja schlecht auf die Straße stellen und rufen: Hallo Todesser; macht eurem Boss eine Freude, und holt mich!"

„Kein Grund sarkastisch zu sein, Medea!"

Ich errötete. „Tut mir leid, aber haben Sie auch schon mal an meine Tochter gedacht? Was ist, wenn mir etwas passiert? Sie wächst schon ohne Vater auf..."

„Ich würde mich um sie genau so kümmern, wie ich mich um dich gekümmert habe, als du von zu Hause ausgerissen bist!"

Etwas bitter bemerkte ich:" Und jetzt ist es an der Zeit die Schuld wieder abzutragen, nicht wahr?"

„Ich möchte nicht, dass du es von diesem Blickwinkel aus betrachtest. Medea, der Dunkle Lord gewinnt jeden Tag mehr Anhänger. Wir müssen etwas tun, um ihn zu stoppen!"

Ich lehnte mich etwas bequemer auf das Sofa zurück. „Haben Sie schon Pläne, wie ich in Kontakt mit Voldemort kommen soll?"

„Ja, aber darüber reden wir später. Jetzt zeige ich dir erst mal eure Räume. Ich habe euch im Westturm untergebracht. Wenn deine Tochter zu Schuljahresbeginn einem Haus zugeteilt wird, wird sie natürlich in den dementsprechenden Schlafraum umziehen. Du hättest dann die Möglichkeit, deiner Aufgabe nachzukommen."

Ich musste schlucken. Er hatte ja schon einiges geplant. Ich war gespannt, wann ich in die Einzelheiten eingeführte werden würde.

Der Schulleiter führte mich über unzählige Korridore in den Westturm. Meine Schulzeit lag zwar schon einige Jahre zurück, aber ich erinnerte mich noch gut an die Treppen, die ihre Richtung änderten und die Trickstufen, die einen, wenn man sie betrat, einsinken ließen. Schließlich blieb Dumbledore vor einer Tür stehen.

„So, Medea, hier werdet ihr während eurem Aufenthalt in Hogwarts wohnen." Der alte Zauberer stieß die Tür auf und ließ mir den Vortritt. Ein sonnendurchfluteter Raum empfing mich, von dem noch drei

weitere Türen abgingen. Albus betrat den Raum nach mir. „Auf der linken Seite wird Penelope schlafen, der Raum in der Mitte ist das Bad und rechts befindet sich dein Schlafzimmer."

Ich sah ihn dankbar an. „Das ist wundervoll, Professor. In den letzten drei Jahren haben wir nicht so komfortabel gelebt."

„Ich denke, Hagrid wird dein Gepäck mittlerweile auf die Schlafzimmer verteilt haben. Du möchtest bestimmt erst einmal auspacken. Ich habe mir erlaubt, dir ein paar Umhänge in den Schrank zu hängen. Ich nehme an, dass du in letzter Zeit keine Gelegenheit gehabt hast, in die Winkelgasse zu gehen um dich hexenmäßig einzukleiden."

„Das ist richtig, Professor. In der Muggelwelt durfte ja keiner wissen, dass meine Tochter und ich nicht „normal" sind. Vielen Dank für Ihre Voraussicht."

Dumbledore nickte und verließ meine Wohnung. An der Tür drehte er sich noch einmal um „Abendessen ist um 18.00 Uhr in der großen Halle. Dann wirst du auch die anderen Lehrer kennen lernen. Das Schuljahr beginnt in zwei Tagen, also wird Penelope nicht so lange auf neue Freunde warten müssen."

Ich schloss die Tür hinter dem Schulleiter und lehnte mich dagegen. So viele neue Eindrücke mussten verarbeitet werden. Aber ich konnte mich eigentlich immer am Besten bei der Arbeit entspannen, also ging ich zuerst in Pennys Zimmer um ihre Sachen in den Schrank zu hängen. Es war ein freundlicher, heller Raum mit Blick auf den See. Ich wusste, dass es ihr hier gefallen würde. Fertig mit dem Einräumen von Pennys Sachen ging ich in mein Schlafzimmer um dort mit dem Auspacken zu beginnen.

Wie Dumbledore es gesagt hatte, hingen einige Umhänge in meinem Schrank. Er hatte sich anscheinend sogar an meine bevorzugten Farben erinnert: dunkles Grün und Schwarz. Ich schmunzelte. In mancher Hinsicht war der Schulleiter mir mehr Vater gewesen, wie mein Eigener. Mit einem Blick auf die Uhr zuckte ich zusammen. „Was, schon so spät?" Wenn ich einen ansprechenden Eindruck machen wollte, wurde es Zeit, dass ich ins Bad ging um zu duschen und frische Kleidung anzuziehen. Ich musste ein wenig bei der Vorstellung grinsen, wieder einen langen, wallenden Umhang zu tragen. In der Muggelwelt hatten sie mir nicht besonders gefehlt, denn schon in der Schulzeit hatte ich bemerkenswertes Talent, mich in einen Umhang zu verwickeln, oder auf den Saum zu treten und zu stolpern. „Na ja," dachte ich, „vielleicht wird das ja bei fortschreitendem Alter besser."

Ich nahm mir frische Wäsche aus dem Schrank und ging ins Bad. Der Blick in den Spiegel fiel nur kurz aus. Dunkle Ringe lagen unter meinen Augen, mein Gesicht war mehr als blass, so dass der einzige Farbfleck an mir meine feuerroten Haare waren, die nach allen Seiten abstanden. Aber frisch geduscht und eingekleidet ging es mir schnell besser.

Bevor ich mich auf die Suche nach meiner Tochter machen konnte, es war schließlich bald 18.00 Uhr, klopfte es an die Tür und auf mein „Herein" brachte Hagrid etwas herein, dass nur wenig an meine Tochter erinnerte.

„Penelope!" entfuhr es mir, „sag mal, hast du dich im Dreck gewälzt?"

„Mensch Mama, das war vielleicht toll mit Hagrid. Er hat mir die ganzen Tiere gezeigt, da sind vielleicht komische Tiere dabei, so welche habe ich noch nie gesehen, und als ich vor einem," sie sah Hagrid fragend an, „Hippogreif" half er aus, „genau, Hippogreif weglaufen musste, bin ich in den Dreck gefallen.

Hagrid hatte schon immer eine Vorliebe für Tiere gehabt, die die meisten Leute am liebsten nur ausgestopft sehen würden, aber ich konnte sicher sein, dass er niemals absichtlich das Leben eines Schülers gefährden würde.

„Danke, fürs Rumführen, Hagrid", wandte ich mich an den Halbriesen. „Hab ich doch gerne gemacht, Medea, du hast echt ein nettes Mädchen. Schlimm, die Sache mit deinem Partner." Ich musste schlucken, denn die Erinnerung an Tom war wie immer äußerst schmerzhaft. Zu viel hatte ich verloren. Betont munter sagte ich: „ Nett ist sie ja, Hagrid, aber wenn wir pünktlich zum Essen in der großen Halle sein wollen, wird es Zeit, dass sich Miss Dreckspatz unter die Dusche stellt!"

Maulend zog Penny ab, nicht ohne Hagrid noch das Versprechen abgenommen zu haben, dass sie morgen beim Füttern der Tiere helfen dürfe. „Wir sehen uns beim Essen, Hagrid, oder?" „Sicher." Er drehte sich um, zog seinen Kopf ein und verschwand.

Obwohl ich Penny mit dem Anziehen half , kamen wir zu spät. Penelope fand es einfach zu interessant zuzusehen, wie sich die Figuren auf den Bildern bewegten.

„Das ist ja cool, Mama!" Ziemlich entnervt entfuhr es mir „ich find es aber weniger cool, wenn wir ausgerechnet an unserem ersten Abend hier zu spät zum Essen kommen, Penny!"

Natürlich waren wir zu spät, und da sowieso noch nicht alle Lehrer an der Schule eingetroffen waren, Unterrichtsbeginn war ja erst über morgen, fiel es doch auf. Aber nicht unangenehm, wie ich erleichtert feststellt. „Medea, Penelope," der Schulleiter hatte sich erhoben und kam uns entgegen.

„Ich habe gerade mit dem Kollegium über euch gesprochen. Aber ich denke es ist besser, wenn ich sie euch erst einmal vorstelle."

Er begann mit einer älteren Hexe, die mir noch sehr gut in Erinnerung geblieben war. Auch mir hatte sie damals die Grundschritte in „Verwandlung" beigebracht. Sie hatte zwar meistens einen äußerst missmutigen Gesichtsausdruck, aber wer sie näher kannte, wusste, dass sie eigentlich ziemlich nett war.

Ich ging auf Minerva McGonagall zu und reichte ihr die Hand. „Ich hätte nie gedacht, dass ich einmal eine Kollegin von Ihnen werden könnte. Ich freue mich sehr, sie wieder zu sehen Professor McGonagall."

Die Hexe lächelte mich freundlich an, „das Vergnügen ist ganz auf meiner Seite, die Umstände ihres Hierseins sind zwar bedauerlich, aber trotzdem freue ich mich. Ich bin sehr gespannt, in welches Haus ihre Tochter kommen wird." Sie musterte Penny und fragte sie dann freundlich: „ Und, gefällt Dir, was du bisher von Hogwarts gesehen hast?" Meine Tochter nickte eifrig, aber bevor sie anfangen konnte, der alten Hexe die Ohren voll zu sabbeln, machte Dumbledore mit der Vorstellung weiter.

Einige Lehrer kannte ich noch aus meiner Schulzeit. Professor Flitwick zum Beispiel, und die Lehrerin für Kräuterkunde, Professor Sprout, unterrichtete ebenfalls noch an der Schule. Jetzt waren nur noch zwei Lehrer übrig, die ich nicht kannte. Ein Mann und eine Frau. Höflich wie Dumbledore nun mal war, stellte er mir als erstes die Hexe vor.

Das ist unsere Lehrerin für das Fach Wahrsagen. Sybill Trelawney. Die Hexe machte ehrlich gesagt auf mich einen ziemlich durchgeknallten Eindruck. Ihr Blick schwebte ziemlich geistesabwesend durch die Halle. Als ich ihr die Hand reichte, zuckte sie sofort nach der ersten Berührung zurück. Mit aufgerissenen Augen, die durch ihre Brille eh schon vergrößert waren, sah sie mich an.

„Dunkle Zeiten werden auf Sie zukommen." Ich rollte innerlich meine Augen. Die dunklen Zeiten würden nicht erst kommen, sie waren schließlich schon seit drei Jahren ziemlich hoch im Kurs bei mir. Und die Tante sollte Wahrsagen unterrichten...

Der Mann war Remus Lupin. Interessiert begrüßte ich ihn freundlich. Mit diesem Zauberer sollte ich mir also die Stelle in „Verteidigung" teilen. Er war ziemlich groß, seine braunen Haare wurden trotz seines noch relativ jungen Alters, ich schätzte ihn auf Mitte 30, schon grau. Seine Augen waren warm und freundlich als er mich begrüßte.

„Ich hoffe, wir werden gut zusammen arbeiten, Professor." „Das hoffe ich auch, und zu dem möchte ich Sie bitten, die Unterrichtspläne mit mir durchzugehen, damit ich weiß was mich erwartet."

Bevor wir in eine Diskussion starten konnten, ging Dumbledore dazwischen. „Dafür habt ihr doch morgen auch noch Zeit. Ich glaube, hier steht ein kleines Mädchen, das ziemlichen Hunger hat." Schuldbewusst drehte ich mich nach Penny um, die schon am Tisch saß und mir ziemlich frech entgegengrinste. Ich nahm meinen Platz neben ihr ein, und wenn Penny überrascht war, dass das Essen wie von Zauberhand auf dem Tisch erschien, ließ sie es sich nicht anmerken. Sie aß mit gutem Appetit, während ich mein Essen nur von einer Ecke in die andere schob. Es wurde nicht viel geredet und die Tafel wurde schnell aufgehoben.

Penelope, die mittlerweile fast am Tisch einschlief, wurde von Dobby, einem Hauself, in unsere Wohnung gebracht. Ich verabschiedete mich mit einer Umarmung und flüsterte ihr ins Ohr: „Schlaf schön, Süße. Ich komme bald nach." Penny nickte und verschwand mit Dobby aus der Halle.

Zum Schluss saßen nur noch Dumbledore, Lupin und ich am Tisch. Es war lange her, dass ich mich so gut unterhalten hatte, wieder von Hexe zu Zauberer und nicht von Hexe zu Muggel, wo man bei jedem Wort aufpassen musste, das einem kein falsches entschlüpfte. Interessiert fragte mich Lupin nach meinem Leben in der Muggelwelt.

Ich erzählte so einige Geschichten, die mir passiert waren, und die beiden Zauberer mussten herzlich lachen. „Jetzt kann ich auch darüber lachen", sagte ich, „aber nach Toms Tod gab es für mich nicht viel zu lachen. Ich musste zusehen, dass ich mit Penny untertauche, immer voller Angst, dass sie uns auch finden würden, um ihr Werk zu beenden." Bitter stieß ich hervor, „Toms Tod war so unnötig. Mich hätten sie erwischen sollen, wenn ich nur früher aus dem Ministerium nach Hause gekommen wäre..."

Betretenes Schweigen bei den beiden Zauberern. Sie fühlten, dass ich mir trotz allem die Schuld am Tod meines Partners gab. Sanft erhob Dumbledore seine Stimme „ Medea, es wird Zeit dass du loslässt. Du musst dich auf die Zukunft konzentrieren. Für dich und für Penelope. Du hättest nichts ändern können. Was geschehen ist, ist geschehen und durch nichts mehr zu ändern."

Ich stellte mein Glas ab, dass ich in die Hand genommen hatte, als Albus anfing zu reden, und stand hastig auf. „Ich glaub, ich muss ins Bett. Seien Sie mir nicht böse, aber ich werde mich jetzt verabschieden." Keiner der Männer sollte sehen, dass sich in meinen Augen Tränen gesammelt hatten.

„Schlafen Sie gut Professor O´Connor" bemerkte Lupin noch. Ich nickte ihm zu und ging zur Tür. Im selben Moment, als ich die Halle verlassen wollte, kam ein Mann herein. Wir stießen zusammen und wenn er nicht schnell zugegriffen hätte, wäre ich wohl zu Boden gegangen. Aber was war das? In dem Moment, wo er mich berührte, schoss der bekannte Schmerz durch meinen Kopf.

„Ah, Severus, du kommst gerade noch rechtzeitig, damit ich dich..." Ich fiel Albus Dumbledore ins Wort, sah dem schwarz gekleideten Mann in die Augen und wusste, dass ich ihn schon in meinen Visionen gesehen hatte. Seine Haltung, seine Bewegungen, ich kannte ihn.

Gut, ich wusste seinen Namen nicht, aber ich wusste das er dem Dunklen Lord sehr nahe stand. Und dieser Mann hielt mich gerade fest!

Panisch riss ich mich von ihm los, sah Albus entsetzt an, stieß laut hervor „ Professor, dieser Mann ist ein Todesser!"

Bevor Albus irgendetwas erklären oder sagen konnte, hatte ich mich an der schwarzen Gestalt vorbei gedrängt und hastete so schnell ich konnte in meine Wohnung. Ich musste mich davon überzeugen, dass es meiner Tochter gut ging. Wirre Gedanken schossen mir durch den Kopf. Was hatte das zu bedeuten. Ein Todesser in Hogwarts? Da konnte doch etwas nicht stimmen.

Etwas beruhigter konnte ich wenig später feststellen, dass Penny selig und süß schlummerte. Viel zu aufgewühlt um jetzt schlafen zu gehen, verließ ich meine Wohnung wieder, um auf den Astronomieturm zu steigen. Das hatte ich schon als Schülerin gerne gemacht. Dort, mit dem Blick über den See und den Verbotenen Wald, hatte ich mich immer gut entspannen können. Und das war nötig. Die Gewissheit, einem Todesser gegenüber gestanden zu haben, aber nicht reagiert, brachte mich fast um den Verstand. Das Treppensteigen lenkte mich ab, und als ich endlich oben angekommen war, ging mein Atem zwar schnell, aber meine Gedanken hatten sich wieder etwas beruhigt.

Ich stellte mich an das Geländer und ließ meinen Blick über das Gelände von Hogwarts schweifen. Es war eine sternenklare Nacht, und man konnte einige Sternbilder auch ohne Teleskop erkennen. Ich trat vom Geländer zurück, lehnte mich an die Mauer des Turms und ließ mich daran herunter- rutschen, wickelte den Umhang um mich herum und schloss für einen Moment die Augen um nachzudenken.

„Guten Abend!" Erschreckt rappelte ich mich wieder hoch. Von den Stichen in meinen Schläfen gewarnt, riss ich meine Zauberstab hoch, flüsterte „Lumos" und erkannte sofort, wer vor mir stand. Es war der Mann, mit dem ich zusammen gestoßen war.

„Was wollen Sie von mir", stieß ich hervor, „suchen Sie ein neues Opfer?"

Er musterte mich kalt und sagte mit einer tiefen Stimme, die mir eine Gänsehaut bescherte: „ Ich habe Sie mir anders vorgestellt. Wenn man Ihren Fähigkeiten Glauben schenken soll, erwartet man etwas anderes wie Sie!"

Da hatte er mich aber sofort kalt erwischt. Selbstbewusstsein war noch nie meine Stärke gewesen, und seit Toms Tod hatte sich nicht gerade viel daran geändert. Tom hatte mich geliebt wie ich war, mit allen Fehlern und Unzulänglichkeiten, aber unter dem Blick dieses Mannes fühlte ich mich wie etwas, was gerade unter einem Stein hervor gekrochen gekommen war.

Er fuhr fort: „Anscheinend hat Dumbledore versäumt Ihnen zu sagen, dass ich Ihre Kontaktperson bin, mit der Sie zusammen arbeiten werden..."

Ich musste heftig schlucken. „Mit Ihnen? Das soll ja wohl ein Witz sein! Wie kann ich mit einem Todesser wie Ihnen zusammenarbeiten?"

Wie immer zu den unpassendsten Momenten bekam ich eine Vision. Aber etwas war anders. Der Schmerz raubte mir fast den Verstand. Ich konnte mich nicht mehr auf den Beinen halten, sackte einfach weg und bemerkte alles nur noch wie durch einen dicken Nebel.

Als ich wieder richtig bei mir war, lag ich auf einem Sofa, in einem Kamin flackerte ein Feuer. Ich konnte kahle Wände entdecken und alte, abgenutzte Möbel. Wo war ich nur? Ich schwang die Beine auf den Boden, und wollte gerade aufstehen, als ich wieder diese tiefe Stimme hörte.

„Das würde ich an Ihrer Stelle jetzt nicht tun!"

Das ruckartige Drehen meines Kopfes bedauerte ich sofort. Alles drehte sich und das Kerzenlicht brannte in meinen Pupillen. Meine Knochen schmerzten. Irgendwie kamen mir diese Schmerzen bekannt vor. Es war zwar lange her, aber einen Cruciatus-Fluch vergisst man nie.

„Die Leute, die sie heute nacht sterben sahen, wurden mit dem Cruciatus gequält. Ihre Visionen sind jetzt wohl so heftig, dass sie sogar an den Schmerzen teilhaben. Ich braue gerade einen Trank, damit die Nachwirkungen des Fluches nicht so stark sind."

Mit zusammen gebissenen Zähnen rappelte ich mich doch vom Sofa hoch und tappte vorsichtig zur Tür. „ Und sie nehmen allen Ernstes an, dass ich irgendetwas zu mir nehmen werde, was aus Ihren Kesseln kommt?, entfuhr es mir wütend. „Wenn es Leute wie sie nicht geben würde, dann hätte ich diese Visionen erst gar nicht! Warum waren Sie denn nicht dabei?"

Kalt entgegnete er „Ich werde nicht jedes Mal gerufen, wenn der Dunkle Lord Aufträge zu vergeben hat." Ich antwortete nicht, denn ich war viel zu beschäftigt auf meinen zitternden Beinen stehen zu bleiben. Ich wusste, dass ich es in diesem Zustand nie schaffen würde, in den Westturm zu kommen, und ich würde mir lieber die Zunge abbeißen, als diesen unfreundlichen Kerl um Hilfe zu bitten.

Der langhaarige Mann sah kurz von seinem dampfenden Kessel hoch, seufzte als er mich sah und kam zu mir rüber. „Setzen Sie sich wieder, ich habe nämlich nicht das Bedürfnis sie schon wieder in der Gegend herumtragen zu müssen." Er rührte seinen Trank noch mal um und nickte dann. „So, er müsste jetzt fertig sein."

Ich hatte mich keinen Millimeter vom Fleck gerührt. Es ging einfach nicht, meine Beine hätten unter mir nachgegeben. „Hören ist wohl auch nicht Ihre Stärke", fuhr er mich an, bemerkte dann allerdings, dass meine Weigerung, mich zurück aufs Sofa zu setzen, nichts mit mangelnder Hörfähigkeit zu tun hatte.

Er kam hinter seinem Kessel hervor und ging auf mich zu. Da ich schon an der Tür stand, gab es für mich keine Ausweichmöglichkeit. Ich wich so weit ich konnte zurück, wurde aber vom Türrahmen aufgehalten.

„Ich werde Ihnen schon nichts tun." Er nahm mich am Arm und führte mich langsam zum Sofa zurück, wo er mich dann doch recht unsanft fallen ließ. Von oben sah er auf mich herab und bemerkte mein starkes Zittern.

„Haben Sie Erfahrung mit dem Cruciatus?", fragte er mich. Ich konnte nur nicken, denn meine Zähne klapperten vor Kälte zu heftig, als das ich hätte reden können.

„Dann wissen Sie ja, dass sich diese Nachwirken noch einige Zeit halten werden." Er reichte mir eine Decke, die ich aber nicht auseinander falten konnte. Also nahm er sie mir wieder weg um sie auszuschütteln und dann erstaunlich sanft über mich zu legen. Ich versuchte etwas zu sagen, aber es ging einfach nicht. Man verstand nur Wortfetzen wie „Penny", „muss gehen", und „nachsehen".

Er setzte sich zu mir, was ich mit Unbehagen zur Kenntnis nahm. Ich rutschte so weit von ihm weg, wie ich nur konnte. „Wäre das Sofa doch nur eine Nummer größer", dachte ich bei mir.

„Ihrer Tochter wird es wohl gut gehen." Überrascht sah ich ihn an.

„Der Hauself hat den Auftrag auf Ihre Tochter aufzupassen, wenn Sie Ihre Wohnung verlassen. Das wurde so mit Dumbledore abgesprochen.

Er stand auf, füllte etwas von dem Trank in ein Glas und reichte es mir. „Trinken Sie das und Sie werden sich bald besser fühlen." Ich machte keine Anstalten, ihm das Glas abzunehmen, sondern sah ihn nur an. Er wartete noch einen Moment, dann stellte er den Trank auf einen Tisch.

„Ihre Entscheidung!" Ich bemerkte, dass er plötzlich seinen linken Arm umklammerte und den Raum ohne ein weiteres Wort verließ. Was war denn jetzt passiert?

Erleichtert, dass er verschwunden war, ließ ich mich bequemer in das Sofa sinken. Die Decke hatte geholfen, das Zittern zu verringern. Ich spürte, wie erschöpft ich war, und nahm mir vor nur für fünf Minuten die Augen zu schließen.

Als ich erwachte, ging es mir wesentlich besser. Der dunkle Mann war wohl noch nicht zurück gekehrt, denn ich konnte ihn nirgends wo entdecken. Ich stand auf, faltete die Decke wieder ordentlich zusammen und schlich mich aus dem Raum. „Gott, ist das hier düster!", entfuhr es mir. Mit Hilfe von „Lumos" suchte ich mir meinen Weg durch die verlassenen Gänge, bis ich wieder in der Eingangshalle war. Jetzt war es leicht für mich, den Weg in den Westturm zu finden.

Meine Tochter war schon aufgewacht und hatte anscheinend jede Menge Spaß mit Dobby. Er hatte ihr wohl ein Frühstück besorgt und sie trank gerade Kakao als sie mich hereinkommen sah. „Mama, wie siehst du denn aus?" Ich zuckte nur die Achseln. Es gab doch nichts Besseres als ein Kind das ungefragt seine Meinung herausposaunte.

„Vielen Dank fürs Aufpassen, Dobby. Das war sehr freundlich von Dir." „Das habe ich doch gerne getan, Miss. Die kleine Miss ist auch ganz lieb gewesen!"

Ich ging in mein Schlafzimmer, holte frische Sachen aus meinem Schrank und schleppte mich ins Bad. Meine Knochen schmerzten wie nach einem Marathonlauf, und ich hatte vor mir meine Schmerzen mit einer heißen Dusche zu vertreiben. Ein Blick in den Spiegel, den ich sofort bereute. Ich hatte auch schon mal besser ausgesehen. Dunkle Ringe lagen um meine Augen und meine Haare klebten am Kopf. „Ok," beruhigte ich mich, „es war auch eine anstrengende Nacht." Ich stellte das Wasser an, wartete bis es die richtige Temperatur hatte und stellte mich dann darunter. Ich genoss die Dusche in vollen Zügen und fühlte mich anschließend wirklich besser. Mit frischen Sachen bekleidet, verließ ich schließlich das Bad.

„Penny, jetzt bist du an der Reihe. Waschen, Zähne putzen, Anziehen. Hopp Hopp! Sonst wird das nichts mit Hagrid und Tiere füttern."

Das brauchte ich ihr nicht zweimal sagen. Ruck Zuck war mein Kind ausgehfertig. „Kennst du noch den Weg zu Hagrids Hütte?"

„Mama, ich bin doch kein Baby mehr!" Sie küsste mich noch rasch auf die Wange und verschwand dann. Ich setzte mich aufatmend in einen Sessel vor dem Kamin. Aber der Frieden währte nicht sehr lange, denn es klopfte an meiner Tür. Auf mein „Herein" betrat Minerva McGonagall meine Räume.

„Guten Morgen, Medea, der Schulleiter schickt mich Sie zu holen." Mit einem Seufzen erhob ich mich wieder aus meinem Sessel, griff nach einem Umhang, und folgte der älteren Hexe auf den Gang.

„Wissen Sie, was Professor Dumbledore von mir will?", fragte ich sie.

„Medea, das wird er Ihnen schon selber sagen. So viel Geduld werden Sie wohl noch aufbringen."

„Klasse", dachte ich mir, „wie in alten Zeiten, abgekanzelt von der Lehrerin." McGonagall bog vor der großen Halle ab mit den Worten „Sie kennen ja den Weg?" und ließ mich alleine die Stufen zu Dumbledores Büro hochsteigen. Der Schulleiter erwartete mich bereits.

Er musterte mich sorgfältig und reichte mir dann ein kleines Fläschchen. „Was ist das?" fragte ich.

„Nun, Severus hat mir von deinem kleinen Zusammenbruch erzählt, und das du dich geweigert hast, seinen Trank anzunehmen. Du solltest ihm vertrauen, er ist ein Meister seines Fachs. Er unterrichtet hier Zaubertränke."

„Ja", entgegnete ich kalt, „und in seiner Freizeit geht er für Voldemort auf die Jagd, nicht wahr?"

„Es ist nicht alles so wie es den Anschein hat, Medea."

„Aber er ist ein Todesser, Professor, ich habe ihn erkannt"

„Severus Snape ist ein Todesser, das stimmt, aber gleichzeitig auch ein Spion für mich und das Ministerium. Er riskiert jedes Mal sein Leben, wenn Voldemort ihn zu sich ruft, und du kannst von Glück sagen, dass du vor seinen Füßen zusammen gebrochen bist. Er konnte Dir sofort helfen, auch wenn du seine Hilfe nicht annehmen wolltest. Er hat in der letzten Nacht übrigens alle Vorkehrungen getroffen, dass du bei seinem nächsten Ruf mitgehen kannst."

Entsetzt sah ich Dumbledore an. „Jetzt schon?"

„Die Zeit wird knapp, Medea."

„Wo ist dieser Severus Snape jetzt?" „Ich nehme an, er wird in seinem Klassenraum im Kerker sein."

Ich erhob mich. „Dann werde ich mal besser zu ihm gehen und mit ihm die weitere Vorgehens- weise besprechen."

„Das solltest du in der Tat tun, mein Kind, ihr müsst euch aufeinander verlassen können."

„Ha, wie stellt sich Albus das nur vor? Wie sollte ich einem Mann vertrauen können, den ich in meinen Visionen Menschen hatte töten sehen?", ging es mir durch den Kopf. Aber unangenehme Dinge werden nun mal durch Aufschieben nicht besser, also machte ich mich auf dem Weg in den Kerker. Nach einigem Suchen fand ich auch den richtigen Raum und klopfte an. Da ich durch die dicken Türen kein „Herein" vernommen hatte, drückte ich einfach die Klinke herunter und betrat das Klassenzimmer. Es war scheinbar leer.

„Professor Snape?"

„Was ist?" Erschreckt fuhr ich zusammen, ich hatte nicht gemerkt, dass er sich mir von hinten genähert hatte. Ich konnte seinen Atem in meinem Nacken spüren. Wütend fuhr ich herum.

„Müssen Sie sich so anschleichen und einen so erschrecken?"

Er reagierte gar nicht auf meine Worte, sondern nahm mich gleich am Arm und zog mich in eine Ecke, wo ein Kessel am Brodeln war.

„Was ist da drin?" Mein Interesse war nicht geheuchelt, denn es schien eine interessante Mixtur zu sein, die dort köchelte.

„Das", entgegnete Snape, „wird ein Serum, dass einmal unser Leben retten könnte."

„Und wären Sie wohl auch so freundlich, und würden mir erklären, wie dieses Serum unser Leben retten könnte?" kam es spöttisch von mir.

„Ich hoffe, das es bei Einnahme verhindert, dass man an den Folgen des Cruciatus-Fluches stirbt."

„Oh, das wäre ein Segen für die Opfer des Dunklen Lords, die jetzt wahnsinnig im St.-Mungo´s liegen."

Er sah mich giftig an. „Ich kann mir vorstellen, dass sie nicht begeistert von der Tatsache sind, dass ich Sie zu Voldemort bringen soll. Ich bin auch nicht gerade begeistert davon, dass Dumbledore Sie für diese Aufgabe ausgesucht hat. Aber Sie sind in Voldemorts Augen nun mal die Erste Wahl."

„Sie halten wirklich überhaupt nicht davon?"

„Nein, der Dunkle Lord ist in letzter Zeit unberechenbar geworden. Es kann gut sein, dass er keinen Wert mehr auf Sie legt, und dass Ihre Eltern ihre Chance auf Rache bekommen."

Ich seufze tief. Das konnte ja heiter werden.

„Haben Sie eigentlich den Trank noch genommen? Ich hatte dem Schulleiter noch ein Fläschchen für Sie mitgegeben."

Ich schüttelte den Kopf.

„Sie werden mir vertrauen müssen, wenn Sie diese Aktionen durchstehen wollen. Wenn ich Sie vergiften wollte, dann wären Sie längst tot."

Die Aussichten wurden ja immer besser!

„Kommen Sie und setzten Sie sich dort hin." Er wies mir einen Platz an einem Tisch zu und rückte neben mir auf die Bank, wo sonst seine Schüler versuchten, seinem Unterricht zu folgen.

„Wissen Sie, was Sie erwartet, wenn ich Sie mit zu Voldemort nehme?"

„Nein", entgegnete ich.

„Nun, es gibt zwei Möglichkeiten, entweder tötet er Sie sofort, weil Sie für ihn uninteressant geworden sind, oder er macht Sie zu einer von uns."

Ich musste mich schütteln. Er musterte mich einen Moment, dann fuhr er fort.

„Sie würden das Dunkle Mal eingebrannt bekommen, müssten Voldemort ewige Treue schwören und als Zeichen Ihrer Loyalität würden Sie an diesem Abend noch jemand töten."

Abrupt stand ich auf. „Das ist doch wohl nicht Ihr Ernst, Professor!"

„Glauben Sie mir, ich beliebe nicht zu scherzen, wenn es um so wichtige Dinge geht, die unsere Sicherheit betreffen."

„Ich muss nachdenken." Ich schob mich aus der Bank und verließ den Kerker. Wieder mal kreisten meine Gedanken und ich konnte keinen einzigen klaren Gedanken fassen. Ich ging die Treppe vom Hauptportal runter und in Richtung See. Dort angekommen, setzte ich mich auf eine Bank.

„Worauf hatte ich mich da nur eingelassen? Er konnte doch nicht allen Ernstes verlangen, dass ich jemand töten sollte, einfach nur so?" Ich fuhr mir durch die Haare. Nur zu gut waren meine Erinnerungen an meine Visionen, in denen sich die Opfer vor Schmerzen am Boden wanden und hilflos um Gnade schrieen. Ich erhob mich von der Bank und fing an um den See zu laufen. Vielleicht würde etwas Bewegung ja helfen, eine Lösung zu finden. Aber meine Gedanken fanden keine Ruhe. Sollte ich wirklich fähig sein, kaltblütig einen Mord zu begehen? Denn etwas anderes war es ja nicht. Müsste ich im Kampf jemanden verletzen oder töten, wäre das eine Sache, aber kaltblütig meinen Zauberstab auf einen unschuldigen Menschen richten und die tödlichen Worte sprechen...

Von weitem konnte ich Penny sehen, die eifrig dabei war, große Heuballen von einer Ecke zur anderen zu schleppen, beobachtet von Hagrid. Meine Tochter... Das wertvollste, was mir geblieben war. Was würde aus ihr werden, wenn meine Person doch nicht so interessant für Voldemort wäre? Aber es gab für mich wohl kein Zurück.

Ich suchte Snape noch einmal in seinem Kerker auf um ihm meine Entscheidung mitzuteilen. Ungerührt nahm er sie entgegen.

„Ich werde Sie informieren, wenn es für Sie soweit ist."

„Dieser fürchterliche Kerl", ging es mir durch den Kopf, „er ist von seinen Diensten wohl schon so abgestumpft, dass er zu keinen Gefühlen mehr fähig ist."

Die letzten Tage, bevor die Schüler eintreffen sollten, vergingen schnell. Penelope freute sich schon darauf. So nett es mit Hagrid und den magischen Tieren auch war, sie ersetzten nun mal keine Kinder, mit denen man spielen kann. Und da meine Stimmung auch nicht gerade die Beste war, hatte Penny auch nicht besonders viel Lust etwas mit mir zu unternehmen. Was mir andererseits auch ganz recht war, denn so konnte ich relativ viel Zeit mit Remus und der Unterrichtsvorbereitung verbringen.

Wir hatten uns darauf geeinigt, uns beim Vornamen zu nennen. Uns trennten schließlich nicht all zu viele Jahre und wir würden in Zukunft ja eng zusammenarbeiten.

An dem Abend, als die Schüler in Hogwarts eintrafen, war Penelope nervös wie nie. Albus Dumbledore hatte ihr die Zeremonie mit dem Sprechenden Hut erklärt, und jetzt war sie natürlich ganz gespannt, in welches Haus der Sprechende Hut sie stecken würde. Zur Feier des Tages hatte ich mir in Hogsmeade eine etwas festlichere Robe zugelegt. Es war ein besonderer Anlass, also trug ich statt Schwarz an diesem Abend eine Dunkelblaue Seidenrobe. Meine Haare leuchteten förmlich und durch lange Spaziergänge durch den Park hatte mein Gesicht wieder etwas Farbe bekommen.

Von Visionen war ich in letzter Zeit verschont geblieben. Als ich Snape davon informierte, meinte dieser nur kühl „Es wird die Ruhe vor dem Sturm sein." Tolle Aufmunterung, wieso habe ich es ihm überhaupt gesagt? Es war zu erwarten gewesen, dass der Meister der Zaubertränke keine mitfühlende Bemerkung für mich übrig hatte.

Später am Abend wählte der Sprechende Hut meine Tochter für das Haus der Ravenclaws. Fast hätte ich mir eine Rührungsträne aus den Augenwinkeln gewischt, aber meine Gefühle gefroren zu Eis, als ich Professor Snapes Blick auf mir ruhen fühlte. Dumbledore übernahm meine Vorstellung bei den Schülern, ich wurde freundlich begrüßt, die übrigen Neuigkeiten zu Schuljahresbeginn waren schnell mitgeteilt, das Festessen konnte beginnen.

Mit einem Seitenblick auf Snape bemerkte ich, dass er sehr unruhig war. Er hatte sein Essen auf seinem Teller kaum angerührt. Snape tauschte einen langen Blick mit dem Schulleiter, schob dann seinen Stuhl zurück, stand auf und blieb hinter meinem Stuhl stehen.

„Bitte kommen Sie jetzt mit. Es ist soweit."

Fast wie in Trance erhob ich mich, warf noch einen letzten Blick auf meine Tochter und verließ dann hinter Snape die große Halle. Er ließ mich einen Moment stehen, während er schnell in den Kerker lief um etwas zu holen.

Als er nach kurzer Zeit zurückkam, sprach er mich an. „Wir müssen uns beeilen, Voldemort wartet nicht gerne."

Wir hasteten die Treppen vom Eingangsportal herunter und beeilten uns das Gelände um Hogwarts herum zu verlassen. Snape hatte mir erklärt, dass es unmöglich sei, direkt vom Gelände zum Dunklen Lord zu apparieren. Also mussten wir erst ein Stück laufen bis wir uns weit genug entfernt hatten.

„Das reicht jetzt." Das Päckchen, dass er aus dem Kerker geholt hatte, entpuppte sich als schwarzer Umhang. Er war ihn sich über und sah mich an.

„Ich werde sie jetzt anfassen und wir werden direkt beim Dunklen Lord apparieren. Sind Sie bereit?"

Am liebsten hätte ich gerufen „Natürlich bin ich nicht bereit! Welcher vernünftige Mensch konnte so bescheuert sein, sich in eine solche Gefahr zu begeben?" Aber ich nickte stumm, erschauerte als der Professor mit seinen langen Fingern meinen Oberarm umschloss, und Sekundenbruchteile später standen wir auf einer Lichtung.

Circa 30 schwarzgewandete Leute standen schon dort. Ich wusste, irgend- wo waren meine Eltern . Ich ließ meine Augen über die Menge schweifen, aber unter den hervorgezogenen Kapuzen konnte ich niemanden erkennen. Ob Snape Angst hatte, mein Mut würde mich verlassen und ich würde weglaufen? Er hielt mich immer noch fest. Ein Raunen ging durch die Menge, als die Todesser endlich mitbekommen hatten, dass einer von Ihnen nicht alleine gekommen war. Aber schon kurze Zeit später war es wieder still. Angespannt warteten alle auf die Ankunft ihres Meisters.

Ich spürte ihn bevor ich ihn sah. Mein Kopf hatte erbärmlich angefangen zu schmerzen. Ich befürchte, ich wäre in die Knie gegangen, aber da Snape mich immer noch festhielt, wurde mir diese Blamage erspart, und ich bemühte mich fest auf meinen Beinen zu bleiben.

Als sich Voldemort in die Mitte von uns stellte, schüttelte ich mich innerlich vor Ekel. Dieser fiese, rotäugige Bastard trug die Schuld am Tod meines Partners. War Schuld an dem ganzen Leiden, meinen Visionen und an meinem Leben auf der Flucht. Er bemerkt sofort, dass sich eine neue Person in seinem Kreis befand, denn bei seiner Ankunft waren alle in eine tiefe Verbeugung gesunken.

Alle, außer mir. Voldemort fixierte mich aus seinen roten Augen und kam auf mich zu, sprach aber zuerst zu Snape.

„Gute Arbeit, Snape, ich habe lange darauf gewartet."

Damit der Meister der Zaubertränke sich besser verbeugen konnte, hatte er mich los gelassen. Aufrecht stand ich vor dem Dunklen Lord und sagte kein Wort. Das ich innerlich zitterte, sah man mir nicht an.

„Willst du dich nicht vor deinem neuen Herrn und Meister verbeugen?"

Natürlich wollte ich das nicht! Da half ihm auch der Imperius-Fluch nicht weiter. Das war noch eine der leichteren Übungen für mich, diesen Fluch abzuschütteln. Aber mir war bewusst, dass es dabei nicht bleiben würde.

„Nun, wenn du deinen Respekt nicht zeigen möchtest, es gibt hier mit Sicherheit jemanden, der das gerne für mich übernimmt."

Er winkte drei der schwarzgekleideten Gestalten zu sich. Er sprach kurz zu ihnen. Dann drehten sie sich um und kamen auf mich zu. Noch beim Gehen nahm eine der Gestalten ihre Kapuze ab. Ich musste heftig schlucken. Das konnte ja heiter werden. Es war mein Vater.

Zornbebend blieb er vor mir stehen und schlug mir mit aller Kraft ins Gesicht.

„Du Miststück, wie konntest du uns das antun, und einfach verschwinden? Wir waren erst krank vor Sorge, aber dann wurde uns ein Jahr später zugetragen, dass du dich mit diesem Abschaum eingelassen hast und schwanger warst. Wir haben nach dir gesucht um deine Schande von dieser Welt zu tilgen, aber ihr seid immer noch gerade rechtzeitig verschwunden. Bis wir deinen Geliebten endlich in die Finger bekamen. Es war eine Genugtuung für mich, ihn mit eigenen Händen zu quälen. Willst du wissen, wie es war?

Ich wischte mir das Blut aus einem aufgerissenen Mundwinkel. „Ob es mich interessiert oder nicht, du wirst es mir doch sowieso erzählen, um dich in deinem eigenen Ruhm zu sonnen! Nicht wahr, Vater?" stieß ich spöttisch hervor.

Wieder schlug er mich, aber dann nahm er seine Hand herunter und spuckte vor mir auf den Boden. „Du bist es nicht wert, dass ich Dich mit bloßen Händen anfasse. Wir werden einfach anders vorgehen."

Er winkte die beiden anderen Gestalten zu sich heran, sah zu Voldemort, und auf dessen Nicken hin, hoben alle drei ihre Zauberstäbe.

„Los, verteidige dich" fuhr mein Vater mich an. „Ich will wenigstens wissen, ob du würdevoll sterben kannst!"

Ich riss meinen eigenen Zauberstab hoch, bereit zum Kampf. „Crucio!" Drei Blitze zuckten auf mich zu, genauso blitzschnell hatte ich einen Schutzzauber um mich gewoben, den ich jetzt aufrecht halten musste, denn der unverzeihliche Fluch wurde weiter ausgesprochen.

Voldemort sah fasziniert zu. Diese Gegenwehr, diese Macht hatte er nicht erwartet. Auf sein Zeichen verstärkten zwei weitere Zauberer den Fluch.

Meine Arme brannten, es kostete soviel Kraft, den Zauber aufrecht zu halten. Lange würde ich dem nicht mehr standhalten können. Meine Abwehr fing an zu bröckeln. Einige Minuten hatte ich fünf Zauberern widerstanden. Der erste Fluch traf mich so heftig, dass ich Mühe hatte, auf den Beinen zu bleiben. Mit zitternden Knien versuchte ich noch einmal den Abwehrzauber zu wirken, aber ich konnte nicht weiter gegen fünf Todesser gleichzeitig kämpfen.

Voldemort kicherte irre, als er zusah, wie mein Vater und die anderen mich quälten. Ich hatte das Gefühl, vor Schmerzen den Verstand zu verlieren. Jeder Muskelstrang in meinem Körper war bis zum Zerreißen gespannt, meine Nerven brannten. Ich dachte, ich könnte es keinen Augenblick länger aushalten, als es plötzlich aufhörte, und ich sofort zu Boden fiel. Es dauerte eine Weile bis ich wieder auf die Beine kam.

Ich wischte mir das Blut aus dem Gesicht und sah Voldemort an.

„Jetzt sind Sie aber stolz auf sich, nicht wahr? Fünf Zauberer gegen eine Hexe, das ist aber fair..." meine Stimme war von meinen Schreien ganz rau und heiser. Voldemort hörte auf zu kichern.

„Ich könnte dich jetzt so töten, aber als eine von uns bist du mir wertvoller."

„Wieso um alles in der Welt sollte ich eine von euch werden", stieß ich hervor.

„Nun, vielleicht um das Leben deiner Tochter zu retten?"

„Was soll das heißen? Meine Tochter ist in Sicherheit!"

„Ist sie das wirklich?" Auf einen Wink von ihm teilte sich die Menge der Todesser und ein kleines Mädchen wurde durch die entstandene Gasse nach vorne gezerrt.

„Mama, was wollen diese Leute? Ich habe Angst!"

„Bleib ganz ruhig Schätzchen. Es wird alles wieder gut." Zornbebend wandte ich mich an den Dunklen Lord. „Wenn Sie es auch nur wagen, ihr ein Härchen zu krümmen..."

„Das liegt ganz an dir, Medea."

Mir blieb keine andere Wahl. Ich ließ meine Kopf sinken, als Zeichen meiner Niederlage.

„Die Ehre, dir das Dunkle Mal einzubrennen, verdient niemand anderes als die Person, die dich herbrachte."

Mir lief es eiskalt über den Rücken, als sich Snape aus der Menge löste und zu uns trat. Er verharrte kurz vor mir, ich konnte nichts in seinen dunklen Augen lesen, murmelte Zaubersprüche, die ich nicht verstand und presste dann seine rechte Hand auf meinen entblößten Unterarm. Glühendes Feuer strömte durch meine Venen. Es roch verbrannt, die Schmerzen waren fürchterlich, ich hätte schreien können, aber diese Blöße wollte ich mir nicht geben.

Wie durch Nebel hörte ich meine Tochter weinen und schreien. Ich riss mich zusammen und starrte auf das noch feurig glühende Mal, das mich von nun an begleiten sollte. Es widerte mich schon jetzt an.

Snape trat zurück und reihte sich nach einem Nicken zu Voldemort wieder bei den Todessern ein.

„So, jetzt fehlt nur noch das Zeichen deiner Loyalität!" zischte der Dunkle Lord mir entgegen.

Wenn ich gehofft hatte, um einen Mord herumzukommen, hatte ich mich getäuscht. Eine Frau wurde in die Mitte gestoßen. Ich war entsetzt, denn ich kannte sie. Nach Toms Tod hatte ich mich mit ihr angefreundet. Sie war eine Muggel, aber wir hatten uns immer gut verstanden. Sie sah mich verständnislos an, konnte ja auch nicht begreifen, was hier passierte. Es lag ja auch außerhalb ihrer Vorstellungskraft. So leid es mir auch tat, ich musste dem Dunklen Lord meinen Gehorsam zeigen. Bevor sich die Muggel auf irgendetwas besinnen konnte, hob ich meinen Zauberstab und sprach die tödlichen Worte. Ich musste mich eisern zusammenreißen meinen Zauberstab nicht auch auf die anwesenden Todesser zu richten. Zu gerne hätte ich unter ihnen aufgeräumt. Angefangen natürlich bei Voldemort und bei meinem Vater.

Ich sah mich um, aber nirgendwo konnte ich Penelope entdecken. „Wo ist meine Tochter?" schrie ich aufgebracht.

„Damit du siehst, dass ich kein Unmensch bin, habe ich sie mit dem Amnesia-Fluch belegt und zurückbringen lassen. Aber damit du dir einprägst, wer jetzt dein neuer Herr ist," er hob seinen Zauberstab, „Crucio!"

Ich konnte dem Fluch nichts mehr entgegensetzen, die Schmerzen schienen schlimmer zu sein, als alles was mir vorher angetan wurde. Ich hörte Schreie, registrierte aber nicht mehr, dass es meine waren, als ich zusammenbrach. Irgendwann hörte es auf, und ich fühlte eine Hand, die meinen Arm umfasste, dann setzte mein Bewusstsein aus.

Severus Snape war mit mir in die Nähe von Hogwarts appariert. Er trug mich so schnell er konnte zurück zum Schloss, beunruhigt über meine anhaltende Bewusstlosigkeit. Erleichtert erreichte er nach kurzer Zeit Hogwarts und trug mich in seine Räume im Kerker.

Dumbledore wartete schon in seinen Räumen. Besorgt sah er auf mich hinunter, aber ich fing gerade wieder an mich zu regen und wach zu werden. Snape hatte mich auf sein Bett gelegt und war gerade dabei mich aus meinem Umhang zu wickeln. Meine Augen öffneten sich, aber ich schien nichts noch nichts zu registrieren.

„Bleiben Sie bitte einen Moment hier, Dumbledore, ich muss ins Labor und das Serum holen. Ich kann nur hoffen, dass es wirkt." Er verließ seine Räume um kurze Zeit mit einer Flasche wiederzukommen. Während er etwas von der Flüssigkeit in ein Glas füllte, fragte Dumbledore ihn aus.

„Wie ist es gelaufen?" Snape stellte die Flasche ab und drehte sich zu Dumbledore. „Sie können zufrieden sein! Es ist alles so gelaufen, wie Sie es sich erhofft haben. Medea trägt jetzt das Dunkle Mal, hat erfolgreich getötet, wurde aber auf grausame Art und Weise erst durch ihren Vater und vier andere Todesser, dann durch Voldemort selbst gefoltert. Und zu allem Unglück musste sich ihre Tochter das ganze Schauspiel auch noch ansehen."

„Wie ist das möglich? Wie ist ihre Tochter denn dort hingekommen?"

„Anscheinend gibt es hier noch jemanden, der mit Voldemort sympathisiert." Dumbledore trat an das Bett, auf dem ich lag und musterte mich sorgenvoll. Ich erwiderte seinen Blick, schloss dann aber wieder die Augen. Mir war nicht danach, irgendwelche Erklärungen abzugeben.

„Wie schlimm sind ihre Verletzungen? Soll ich Poppy holen?"

„Gegen den Cruciatus-Fluch hat Poppy auch nicht mehr Heilmittel als ich. Sie können uns jetzt ruhig allein lassen. Helfen können Sie mir hier nicht mehr. Ich werde später noch einmal zu Ihnen kommen."

Dumbledore nickte und mit einem letzten Blick auf mich verließ er den Kerker. Snape legte erst jetzt seinen Umhang ab und trat an das Bett. Ich war dabei, mich aufzurichten und stöhnte vor Schmerzen, versuchte aber trotzdem aufzustehen.

„Bleiben Sie liegen, Medea." Er setzte sich auf den Bettrand und fing an die Knöpfe meiner Kleidung zu öffnen, die ganze Zeit beruhigend auf mich einredend.

„Ganz ruhig, es ist vorbei, lassen Sie mich das ausziehen." Ich versuchte ihn abzuwehren, ich wollte nicht dass er mich anfasste. Ein Ekelgefühl überkam mich. Ich musste würgen, aber ich konnte mich nicht übergeben.

Snape hatte es endlich geschafft, alle Knöpfe zu öffnen und streifte mein Oberteil ab. Er deckte mich zu und stand auf um das Glas mit dem Serum zu holen. Er half mir in eine aufrechtere Position und hielt mir das Glas an die Lippen. Ich presste sie erst fest zusammen, öffnete sie aber als er sagte „Es wird Ihnen helfen. Vertrauen Sie mir."

Es schmeckte einfach scheußlich, aber es schien zu wirken. Ich fühlte mich auf einmal ganz leicht und benommen. Ich wehrte mich nicht einmal mehr als er mir den Rest meiner Kleidung auch noch auszog, um mich danach wieder zuzudecken. Ich fiel in einen unruhigen Schlaf aus dem ich schreiend wieder aufwachte. Ich hatte wieder angefangen zu zittern, so stark dass es fast den Anschein hatte, ich könnte aus dem Bett fallen.

Um mich zu beruhigen, legte sich Snape zu mir und hielt mich fest. Benebelt durch das Serum erwiderte ich die Umarmung und flüchtete trostsuchend hinein. Etwas hilflos streichelte mir Snape vorsichtig über den Rücken.

Er hatte seit Jahren keine Frau mehr in seinen Armen gehalten, und die Nähe zu mir verunsicherte ihn. Ich drängte mich näher an ihn, hatte anscheinend komplett aus dem Bewusstsein gestrichen, dass dieser Mann derselbe war, der mir das Dunkle Mal eingebrannt hatte.

Das Zittern hörte nicht auf. Während er mir den Rücken streichelte, redete er, der immer so kalt und abweisend schien, beruhigend auf mich ein. Er wusste nicht, ob mich seine Worte überhaupt erreichten, aber es schien zu wirken. Ich wurde ruhiger.

Als er sich wieder aus der Umarmung lösen wollte, flüsterte ich „Geh nicht weg."

Severus war sich nicht ganz sicher, was er jetzt machen sollte. Er wollte die Situation nicht ausnutzen, andererseits hatte ich darum gebeten, dass er nicht gehen sollte. Also blieb er vorerst liegen und dachte darüber nach.

Er hielt eine Frau im Arm, der er anfangs überhaupt nichts abgewinnen konnte, die jetzt wie er für Dumbledore spionieren würde, und die in dieser Nacht verdammt viel Mut aufgebracht hatte. Spontan hauchte er mir einen Kuss auf die Stirn, um danach sofort zurück zu zucken.

„Was mache ich hier eigentlich", dachte er bei sich, „ich kann das nicht tun..., ich darf das nicht tun..."

Aber er beugte sich wieder über mich und küsste mich diesmal auf die Lippen. Immer noch benommen erwiderte ich den Kuss.

Wir klammerten uns aneinander und so führte eins zum anderen. Auch seine Kleidung verschwand und wir trösteten einander auf die älteste Weise der Welt. Danach fiel ich in einen festen Schlaf .

Severus stand auf, zog sich wieder an und ließ sich in seinem Wohnzimmer in einen Sessel fallen und vergrub seinen Kopf in den Händen. „Wie konnte ich dem nur nachgeben", verfluchte er sich selber, „das wird die ganze Situation nur verkomplizieren."

Er wusste nicht was er jetzt fühlen sollte, hatte er mich benutzt, hatte er wirklich Gefühle für mich, tat ich ihm nur leid...? Er war verwirrt, was bei einem Mann wie Snape wirklich nicht oft vorkam.

Als ich das nächste Mal wach wurde, half er mir noch einmal etwas von dem Serum zu mir zu nehmen. Mir wurde erst jetzt bewusst, dass ich mit diesem Mann geschlafen hatte. Ich wurde feuerrot, wickelte mich fester in die Decken und schloss schnell wieder meine Augen.

„Wie geht es dir"? fragte er leise. „Habe ich dir weh getan?" Ich schüttelte den Kopf.

„Es tut mir leid" flüsterte ich.

„Es muss dir nichts leid tun. Wir haben einander gebraucht und getröstet. Versuch noch ein bisschen zu schlafen."

Am nächsten Morgen wachte ich alleine auf. Keine Spur von Snape. Ich rappelte mich mit langsam hoch, zog mich hastig wieder an und wollte gerade den Kerker verlassen, als sich die Tür öffnete und Severus eintrat. Ohne ein Wort zu sagen, wollte ich mich an ihm vorbeidrücken, aber er fasste mich am Arm und zog mich wieder in den Raum.

„Nicht so schnell."

„Ich muss nach meiner Tochter sehen".

„Es geht ihr gut. Ich war gerade bei ihr, sie schläft noch." Er musterte mich „Und, wie geht es dir?"

„Ich denke mal, so gut es einem nach so einer Nacht gehen kann." Er errötete leicht.

„Medea, wegen letzter Nacht..."

„Ist schon gut," fiel ich ihm ins Wort. „Es wird nicht wieder vorkommen. Tut mir leid, wenn ich dir zu Last gefallen sein sollte."

„Du bist mir nicht zur Last gefallen, es war etwas ganz besonderes, auch für mich. Ich kann Gefühle nicht besonders gut äußern. Gefühle sind für Spione, wie wir es sind, zu gefährlich. Sie machen verletzbar. Aber ich habe es trotz allem sehr genossen."

„Dann tut es dir nicht leid?"

„Ganz bestimmt nicht! Übrigens, Dumbledore erwartet uns in seinem Büro. Möchtest du vorher noch etwas frühstücken?"

Allein bei dem Gedanken wurde mir übel, vor allem nachdem sich einige Szenen der letzten Nacht in mein Gedächtnis schlichen. Ich schüttelt also nur den Kopf und wir verließen den Kerker. Auf dem Weg zu Dumbledores Büro machte ich einen Abstecher in den Westturm, um selber nach meiner Tochter zu sehen und zu duschen, sowie frische Kleider anzulegen.

Aber Penny schlief noch, und ich hatte Mühe, den untröstlichen Hauself zu beruhigen, der sich so sehr schämte, dass er letzte Nacht überwältigt worden war, so dass Penelope entführt werden konnte. Frisch geduscht, stand ich schließlich vor Dumbledores Büro. Nach dem Anklopfen betrat ich den Raum, wo Snape bereits vor dem Schreibtisch saß.

„Guten Morgen, Medea" begrüßte der Schulleiter mich freundlich. „Etwas Tee?" Er reichte mir eine Tasse, die ich nahm, aber sofort wieder abstellte. Mir war noch immer nicht nach Essen oder Trinken.

„Vielleicht später, danke, Professor."

„Severus hat mich über die Geschehnisse der letzten Nacht in Kenntnis gesetzt. Möchtest du noch etwas dazu sagen?"

Ich schüttelte den Kopf. Ich musste mir erst selber über einige Sachen Gedanken machen. Meine Tochter war hier nicht sicher. Immerhin wurde sie aus diesen angeblich so sicheren Räumen entführt. Voldemort könnte sie jetzt immer als Druckmittel benutzen. Und wie ich ihn einschätzte, hätte er auch keine Skrupel, das zu tun. Albus konnte sich denken, was mir durch den Kopf ging.

„Das Penelope entführt wurde, wird nicht wieder geschehen, Medea. Wir werden demjenigen auf die Schliche kommen und er wird dafür bezahlen."

Was sollte ich schon darauf sagen?

„Wenn Sie sonst keine Fragen mehr haben, würde ich jetzt gerne zu Professor Lupin gehen. Ich habe da noch einige Fragen in Bezug auf den Unterricht. Der nächste Vollmond ist nicht mehr weit."

Der Schulleiter stand auf und begleitete mich zur Tür. „Wenn du Fragen haben solltest, oder einfach nur reden möchtest, meine Tür steht dir immer offen"

Ich nickte müde und verließ den Raum. Kurze Zeit später verließ auch Severus das Büro und ging mir nach. Er hatte mich schnell eingeholt.

„Du solltest dich besser noch ein wenig ausruhen. Es dient nicht der Sache, wenn du zusammenbrichst."

„Ach," entgegnete ich wütend, „aber es dient der Sache, wenn ich unschuldige Menschen töte?" Die ganzen aufgestauten Gefühle suchten sich ihren Weg.

Ich weinte nur selten, hatte es eigentlich auch nicht vor, aber Snape zog mich in eine Ecke und nahm mich sanft in den Arm. Sollte das der unterkühlte Mann sein, dem ich noch vor wenigen Tagen den Hals hätte umdrehen können? Ich erwiderte die Umarmung kurz und löste mich dann wieder von ihm. Er trat sofort zurück und ließ mich gehen.

Im Unterrichtsraum für Verteidigung war Remus gerade dabei etwas an die Tafel zu schreiben.

„Schön dass du kommst, am besten bleibst du gleich hier, dann kannst du dem Unterricht beiwohnen und dich gleich an die Schüler gewöhnen."

„Ist gut."

„Sag mal, fehlt dir was? Du siehst ja fürchterlich aus!"

„Danke, sehr aufmerksam! Nein, ich habe nur schlecht geschlafen."

Er musterte mich sorgfältig. „Ah ja." Aber bevor er noch etwas sagen konnte, betraten die ersten Schüler den Klassenraum. Unter anderem auch Penelope. Anscheinend hatte Dobby sie aus dem Bett geworfen und für den Unterricht fertiggemacht. Sie winkte mir fröhlich zu und ein Lächeln flog über mein Gesicht. Der Amnesia-Zauber schien zu wirken. Sie machte nicht den Eindruck, als wüsste sie noch von den Schrecken der letzten Nacht. Sie arbeitete gut mit und man merkte nicht, dass sie die jüngste Schülerin war.

Remus gestaltete den Unterricht aber auch sehr abwechslungsreich. Man konnte merken, dass er seine Arbeit liebte. Als die Kinder nach dem Unterricht die Klasse verließen, hielt ich Penny zurück um sie kurz an mich zu drücken.

„Wir sehen uns heute beim Abendessen, Schatz", flüsterte ich in ihr Ohr. Sie gab mir einen flüchtigen Kuss und war schon wieder verschwunden.

„Sie ist ein aufgewecktes Kind, und sie hat jede Menge Talent", bemerkte Remus gerade zu mir, als sich die Tür öffnete und der Schulleiter eintrat. Er forderte mich zu einem Spaziergang über das Schulgelände auf.

„Geh nur," entließ mich Remus. Also griff ich nach meinem Umhang, den ich abgelegt hatte und folgte dem Schulleiter nach draußen. Wir gingen eine ganze Weile schweigend nebeneinander her, bis Dumbledore das Gespräch eröffnete.

„Du musst jetzt jederzeit damit rechnen, dass Voldemort dich zu sich ruft. Nicht immer wird Severus mit von der Partie sein. Der Dunkle Lord verteilt seine Aufgaben wahllos an seine Anhänger. Du musst in jedem Fall versuchen Gesichter hinter den Kapuzen zu erkennen. Wir wissen immer noch nicht genau, wer wirklich zu den Todessern gehört. Das Ministerium befürchtet, dass sich auch dort mittlerweile Spione Voldemorts eingenistet haben. Jeder Name, den du nennen könntest wäre hilfreich. Ich weiß, der Preis den du zu zahlen hast, ist hoch. Ich muss dich zu ihm schicken, wissend, dass er von dir verlangt zu töten."

„Wie lange ist Severus schon in Voldemorts Diensten?" Dumbledore musterte mich lange bevor er antwortete.

„Er spioniert seit fast vier Jahren für mich."

„Wie wird er damit fertig? In der Nacht ermordet er unschuldige Menschen und am Tag unterrichtet er seine Schüler als wäre nie etwas gewesen!"

Der Schulleiter seufzte tief. „Severus ist ein ganz besonderer Mensch. Er war schon immer ein Einzelgänger, im Prinzip leichte Beute für Voldemort, es hat ihn viel Kraft gekostet, sich von ihm abzuwenden und für uns zu arbeiten. Sollte der Dunkle Lord hinter Severus Tarnung kommen, sein Tod wäre schrecklich."

In das Gespräch vertieft, hatte ich nicht bemerkt, dass wir wieder vor dem Hauptportal standen.

„Wir sehen uns beim Abendessen?" fragte Dumbledore.

„Ich denke schon, Professor. Ich habe es Penny versprochen."

Albus sah mir nach, wie ich hereinging und die Weg zum Westturm einschlug.

In meiner Wohnung räumte ich ein paar Bücher beiseite und setzte mich an meinen Sekretär. Ich krempelte meinen linken Ärmel hoch und da war es, das Dunkle Mal. Schwarz hob es sich von meiner weißen Haut ab. Eine einzelne Träne lief an meiner Nase entlang und tropfte auf den Sekretär. Trotzig wischte ich mir die Augen und stand auf um mir neue Sachen herauszulegen.

Seit Penelope in die Gemeinschaftsräume der Ravenclaws umgezogen war, war es ruhig in meinen Räumen geworden. Ich nahm mir ein Buch und legte mich auf das bequeme Sofa, aber ich hatte Schwierigkeiten den Inhalt zu erfassen. Seufzend legte ich es beiseite und döste ein. Von meinen eigenen Schreien geweckt, fuhr ich aus dem Schlummer hoch. Da ich jetzt eh keinen Schlaf mehr finden würde, stand ich auf und ging ins Bad.

Im Spiegel sah ich eine blasse Frau mit feinen Schweißperlen auf der Stirn. Ich schöpfte mir kaltes Wasser ins Gesicht, strich mit einer Bürste mehrmals durch meine Haare und zog die frischen Klamotten an. Es war Zeit zum Essen zu gehen.

In der Halle blieb ich kurz am Tisch der Ravenclaws stehen um mit meiner Tochter zu sprechen. Anscheinend hatte sie in der kurzen Zeit schon Freunde gefunden, denn sie hatte eigentlich gar keine Zeit sich mit mir zu unterhalten. Ich ging weiter zum Lehrertisch, wo ich zwischen Prof. McGonnegal und Severus Snape Platz nahm.

Ich beteiligte mich nicht an dem angeregten Tischgespräch, der Geruch der Speisen bereitete mir Übelkeit und ich fühlte plötzlich diese hammerharten Kopfschmerzen, durch die sich eine Vision ankündigte.

„Oh nein, doch nicht schon wieder!" Hier wollte ich wirklich keine Vision erleben. So schnell es ging, schob ich meinen Stuhl zurück und verließ die Halle fluchtartig. Albus sah mir nachdenklich hinterher.

Mit diesen Schmerzen würde ich nicht weit kommen, das wusste ich. Der nächste Zufluchtsort, an dem mir so schnell um diese Uhrzeit kein Schüler über den Weg laufen würde, war der Kerker. Halbblind stolperte ich die Stufen hinunter. Ich konnte vor meinem inneren Auge in aller Deutlichkeit sehen, was geschah.

Eine gemütliche Küche, eine Familie beim Essen. „Moment mal, die kannte ich doch! Es waren Eltern von Schulfreunden meiner Tochter in der Muggelwelt." Plötzlich standen vier Todesser im Raum, grüne Blitze zuckten und die Familie lag leblos am Boden.

Ich rutschte die Kerkerwand runter bis ich am Boden saß und legte meinen Kopf auf die angezogenen Knie. Als ich etwas später mit verschwommenen Blick aufsah, entdeckte ich ein paar schwarze Schuhe direkt vor mir. Ich hob den Kopf und sah Snape in die Augen, der mich fragend ansah.

„Er lässt meinen Freundeskreis in der Muggelwelt ausrotten", stieß ich hervor. Mein Versuch aufzustehen, scheiterte kläglich. Meine Beine wollten irgendwie nicht so wie mein Kopf. Also reichte mir Snape die Hand und zog mich hoch.

„Komm, ich bringe dich in deine Räume in den Westturm." Wir waren allerdings noch nicht weitgekommen, als ein lähmender Schmerz meinen linken Unterarm durchzuckte.

Entsetzt sah ich zu Snape auf. „Er ruft mich!"

„Dann solltest du ihn nicht warten lassen. Ich werde Dumbledore informieren und in meinen Räumen auf dich warten."

Ich drehte also um, verließ das Schloss und das Gelände um kurze Zeit später anscheinend in Voldemorts Gemäuer zu apparieren.

„Wo waren die anderen Todesser?" Ich sah mich um, konnte aber niemanden entdecken. Als ich mich komplett umgedreht hatte, erschrak ich fürchterlich. Der Dunkle Lord stand genau hinter mir. „Was konnte er nur von mir wollen?" Ich musste nicht lange auf die Antwort warten.

„Schön, ich sehe, du folgst meinem Ruf sofort. Das ist erfreulich. Um deine Bande zu mir zu festigen, habe ich einen Auftrag für dich. In York lebt ein alter Zauberer, der mir langsam zu unbequem wird. Du wirst ihn töten."

Ich durfte mir mein Entsetzen nicht anmerken lassen, also verbeugte ich mich kurz und apparierte in die Wohnung des Unglücklichen. Er kam mir bekannt vor. Bis es mir einfiel: dieser alte Zauberer hatte mir die Nachricht vom Tod meines Partners überbracht. Er war damals so freundlich und besorgt um mich gewesen. Und jetzt sollte ich ihm den Tod bringen! Wenn ihn mein plötzliches Erscheinen erschreckt hatte, dann verbarg er es gut.

Als er mich ansprach, hatte seine Stimme einen bitteren Ton angenommen: „Soweit ist es also gekommen. Damals warst du un- tröstlich, aber wie ich sehe, ändern sich die Zeiten und du hast die Seiten gewechselt. Bist du stolz auf dich? Wie willst du dich später vor deiner Tochter rechtfertigen? Willst du, dass sie auch eines von Voldemorts Geschöpfen wird?"

Er hatte ja recht, aber ich wollte mir nicht mehr anhören, bevor er ein weiteres Wort sagen konnte, schickte ich ihn mit dem tödlichen Fluch in die nächste Welt. Mein Atem ging schwer, das war schon der zweite Mord, den ich in Voldemorts Auftrag begangen hatte. Wie viele würden noch folgen?

Ich kehrte zum Dunklen Lord zurück, nicht ohne vorher das Dunkle Mal am Himmel zu beschwören.

Er erwartete mich bereits. „Hast du deinen Auftrag erledigt?"

„Ja, mein Lord, aber ich habe eine Frage: warum musste diese unschuldige Familie sterben? Sie haben niemals etwas getan, und waren mir gute Freunde geworden."

Er fuhr herum und zischte: „Es steht dir nicht zu mich so etwas zu fragen. Willst du meine Entscheidungen etwa in kritisieren oder in Frage stellen?"

Bevor ich auch nur den Mund öffnen konnte, war sein Zauberstab auf mich gerichtet und er fand Gefallen daran mich mit dem Cruciatus zu foltern. Sollte das denn kein Ende nehmen? Ich hatte mich noch nicht mal richtig von dem letzten Fluch erholt und ging dementsprechend schnell in die Knie.

Aber anscheinend verspürte er so etwas wie Mitleid, denn er nahm den Fluch relativ schnell wieder von mir. Trotzdem tropfte Blut aus meiner aufgebissenen Lippe auf den Boden.

„Du bist entlassen! Überlege dir deine Fragen das nächste Mal besser."

Ich verbeugte mich mühsam und verschwand. Der Fußmarsch zurück nach Hogwarts kostete mich meine letzten Reserven. Müde schleppte ich mich die Treppen in den Westturm hoch. Ich öffnete meine Wohnungstür und tappte sofort ins Schlafzimmer, wo ich mich auf mein Bett fallen ließ.

Wieder einmal zitterte ich durch die Nachwirkungen des Fluches, aber ich konnte mich nicht aufraffen, noch einmal aufzustehen und mir noch eine Decke zu holen. Ich muss wohl kurzzeitig weggetreten sein, aber als ich die Augen öffnete, saß Dumbledore auf meinem Bettrand.

„Nicht erschrecken, ich wollte nur wissen wie es dir geht, aber ich denke, es wäre nicht schlecht wenn Severus mit dem Serum vorbeikommt." Bevor ich etwas sagen konnte, hatte sich der Schulleiter erhoben und mit Hilfe eines grünen Pulvers, dass er in den Kamin warf, eine Verbindung zu Snape hergestellt.

„Severus, wärst du wohl so freundlich und könntest etwas von dem Serum in Medeas Wohnung bringen? Sie ist wieder zurück."

Er kam wieder zu mir und setzte sich abermals auf den Bettrand. Diesmal nahm er eine meiner eiskalten Hände in seine und sah mich etwas mitleidig an.

„Ich musste wieder jemanden töten", wollte ich ihn über meinen Auftrag informieren.

„Bleib erst mal ganz ruhig, du kannst mir später Bericht erstatten. Wichtig ist erst mal, dass wir deinen Zustand wieder etwas bessern."

Es klopfte leise an der Tür. Albus stand auf , öffnete, und Snape trat mit einer großen Flasche in der Hand ein. Ohne ein weiteres Wort stellte er sie auf den Tisch, nahm von einem Regal einen Kelch und füllte etwas von der Flüssigkeit hinein.

Zu Dumbledore gewand meinte er: „ Wenn Voldemort so weitermacht, wird er nicht lange Freunde an ihr haben. Manche Hexe mit nicht so starken Fähigkeiten wäre längst tot."

Er trat mit dem Kelch an mein Bett und erschrak. Meinem Aussehen nach fehlte bis zum Tod nicht mehr viel. Das Blut war mittlerweile eingetrocknet. Er stellte den Kelch ab und fing an erst einmal meine Wunden zu versorgen. Dann half er mir hoch, damit ich den Kelch leeren konnte. Ich ließ mich zurück in die Kissen sinken und schloss die Augen. Ich fühlte mich als hätte mich eine Dampfwalze überrollt und wollte nur noch schlafen.

„Bleibst du noch einen Moment bei ihr, Severus, ich muss einige Eulen ins Ministerium schicken."

Snape nickte und nachdem der Schulleiter meine Räume verlassen hatte, fing er an mich auszuziehen.

„Was wird das, wenn das fertig ist?, fragte ich benommen.

„Nicht, was du jetzt vielleicht denkst, ich versuche nur, es dir etwas bequemer zu machen."

Ich ließ ihn gewähren. Als er sein Werk vollendet hatte, beugte er sich noch kurz über mich, zog sich aber doch wieder zurück, denn in diesem Moment öffnete sich die Tür und Albus kam zurück.

„So, alles erledigt. Wie sieht es hier aus?"

Ich rappelte mich doch noch einmal in eine sitzende Position und bemerkte. „Es ist ja nett, dass sie sich solche Sorgen machen, aber es geht mir wirklich schon wieder besser. Ich bin nur müde."

„Kannst du mir dann nur kurz erläutern, wie dein Auftrag aussah?"

Ich berichtete von meiner Mission und der Begegnung mit Voldemort.

„Severus, auf ein Wort?" Dumbledore nickte Richtung Wohnzimmer. Die beiden Zauberer verließen mein Schlafzimmer und schlossen beim Rausgehen die Tür. Obwohl ich eigentlich müde war, stand ich auf, griff nach meinem Umhang und ging auf den Balkon, der direkt vor meinem Schlafzimmer war.

Mir gingen die Worte des alten Zauberers nicht aus dem Kopf. Würde ich so weitermachen können? Menschen auf Befehl töten, ohne geistig abzustumpfen?

Im Wohnzimmer standen die beiden Männer vor dem flackernden Kaminfeuer und sahen in die Flammen.

„Warum lässt er sie diese Leute töten? Und warum straft er sie nur so hart?"

„Ich nehme an, dass er ihren Willen brechen will. Und er will ihre Fähigkeiten ausloten. Wenn sie nicht so verflucht starrköpfig wäre, und ihren Schmerzen eher nachgeben würde, käme sie gnädiger davon. Er will sie nicht töten, aber ihre Belastbarkeit testen. Er wird sie in der nächsten Zeit wohl noch häufiger zu sich rufen."

„Hoffentlich nicht so bald. Wenn er so weitermacht, wird sie kaum noch Zeit haben sich zu erholen. Sie sieht ja jetzt schon aus wie der Tod auf Raten. Das kann so auf die Dauer nicht weitergehen."

Bitter lachte Severus auf. „In Voldemorts Diensten ist nichts von Dauer."

„Wird sie dem Druck standhalten?"

„Ich weiß es nicht, aber ich werde sie gut im Auge behalten, Albus."

Der Schulleiter nickte. „Ich werde noch einmal in mein Büro gehen. Wünsch Medea von mir eine gute Nacht." Er ging zur Tür und verließ meine Wohnung. Severus betrat mein Schlafzimmer, aber er sah mich nicht im Bett liegen. Irritiert ließ er seine Augen durch das Zimmer schweifen.

„Zum Teufel, er hat sie doch wohl nicht schon wieder gerufen?", dachte er bei sich, bis er die Vorhänge im Wind flattern sah. Mit schnellen Schritten durchquerte er das Schlafzimmer und betrat den Balkon.

Da stand ich nun, beide Hände umklammerten das Geländer. Der Wind ging in dieser Nacht eisig kalt und mein Umhang wehte hinter mir.

Er sprach mich leise an. „Medea, du solltest nicht hier draußen sein. Es ist zu kalt, du wirst dich erkälten."

Spöttisch erwiderte ich „Ach Severus, ich glaube ein Schnupfen ist jetzt wohl mein geringstes Problem." Ich drehte mich zu ihm um und sah ihm in die Augen.

„Da ich das Gefühl habe, das ich heute Nacht sowieso nicht zur Ruhe kommen werde, kann ich genau so gut die Sterne beobachten." Aber ich ließ mich überreden und ging mit ihm wieder ins Warme.


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