Die Putzteufel in neuer Mission
von Morticia
Allseits beliebt, unübertroffen in Qualität, Nützlichkeit
und Amüsement ist nur eine Sendung. Anhänger der sauberkeitsfanatischen Gilde
der Waschzwangsüchtigen ebenso die hohe Dunkelziffer der Putzneurosenerkrankten
kennt an gewissen Vormittagen kein anderes Ziel. Sie lassen die Seife aus ihren
aufgequollenen Fingern gleiten, legen für Sekunden den Staubwedel oder das
Mikrofasertuch aus den dünn gescheuerten Händen und setzen sich hin. Nein! Dies
ist nicht etwa Selbstzweck. Sie schauen den Fernsehsender aller intelligenten
Menschen, die morgens nichts anderes zu tun haben, als im Haus herumzulungern.
Glauben Sie mir SIE MACHEN ES … SIE TUN ES voller Voyeurismus und
Schadenfreude. Sie sehen proudly presents beim Sender mit den drei Buchstaben
und dieser einstelligen Zahl - sie wissen schon, mit dem anderen sieht man
schlechter - ihre einzigartige Unterhaltungsshow, die sich hier realitätserheischend
als so genannte DOKUSOAP verkauft.
Sie glotzen „Die Putzteufel" mit dem nicht zu vergessenden, zum Verständnis unbedingt notwendigen Untertitel „Deutschland macht sauber" Dort lehren Christel, die Vorsitzende des Hausfrauenbundes und Rita, die Putzkraft und Haushälterin den Schmutzfinken des Landes mit erhobenem Staubwedel das Fürchten.
Da laut Expertenrunden der durchschlagende Erfolg dieses
Fernsehgenusses außer Frage steht, überlegt man nun zu expandieren. Dass
ausgenommen alle Mitglieder dieses Sachverständigenrates eine spezielle Schule
besuchten, die sie zu solchen Urteilen mehr als befähigt, ist ihre Überzeugung
durchaus nicht in Abrede zu stellen. Denn sicher wird niemand ausplaudern, dass
in selbiger Unterrichtsanstalt nur höchstens acht Klassen zu durchlaufen waren
und man für den Besuch erst einmal eine stinknormale Grundschule verlassen
musste.
Bei diesen geeigneten Voraussetzungen nimmt es nicht Wunder, dass man Großes plante. Warum sollte nur ganz Deutschland mit Christel und Rita ihre Keimbuden und von jahrelangem Schmutz starrenden Fenster schrubben? Deutschland war zu klein geworden für diesen fulminanten Gedanken. Das nächste Ziel hieß England und als erst dort der durchschlagende Erfolg Einzug hielt - leider interpretierte man die Einschaltquoten fälschlicher Weise nach den Zuschauern die ausschalteten - hegte man den kühnen Entschluss in der Zaubererwelt Einzug zu halten. Ludo Bagman - keine Ahnung warum ausgerechnet der - lieferte die nötigen Kontakte zu diversen Zauberern und öffnete somit der Klicke der achtklassigen Putzsüchtigen Tür und Tor für Ihre Saubermachshow. Als äußerst kompetente Person schlug schließlich Mundungus Fletcher einen geeignet erscheinenden Kandidaten aus der magischen Welt vor. Die Riege der intelligenten Fernsehmacher hatte nichts einzuwenden und so sollte es losgehen. Also wenn jemand mich fragen sollte … Mundungus ist nichts weiter als ein Haufen Fledermausmist. Ich würde keine Galleone auf seine Meinung geben. Von Ludo würde ich besseres sagen … ähm … nun … schließlich haben wir gewettet. Doch meines Erachtens hat er nicht die geringste Chance, da er auf den positiven Ausgang der ersten Folge gesetzt hat. Als Titel wählte man übrigens „Die Putzteufel - wenn der Zauberer ohne magische Hilfsmittel seine Wohnung säubert" - nun ja, nicht gerade medienwirksam, aber nun … ich will ja nicht meckern … doch der gewählte Kandidat lässt mich doch auf einen hübschen Wettgewinn hoffen. Denn ihre erste Fahrt unternehmen Christel und Rita nach Spinner's End. „Viel Glück ihr beiden! Lachanfall? Was? Ich doch nicht! Hey macht's gut und fahrt vorsichtig!" Während ich mir krampfhaft mit den Zähnen auf die Lippen beiße um nicht weiterzulachen, winke ich den beiden Damen äußerst gut gelaunt hinterher. Ihr winziger Smart rumpelt vom Hinterhof der kleinen Sendeanstalt - nun zu Unrecht hat sie den Namen sicher nicht - Rita winkt auch mir zu, sie lächelt noch - schön. Auch Christel hebt ihre Hand zu einem - vielleicht dem letzten Gruß? Der Wischmopp guckt aus dem Schiebedach und wedelt voller Vorfreude im Fahrtwind und mir zum Abschied, am Heckfenster bewegt sich der angebrachte Staubwedel lustig am Scheibenwischer - immer hin und her. Als das Autochen außer Sicht gerät, wiederhole ich die eindeutige Bewegung vor meinem Gesicht. Besser vielleicht, dass keine der beiden Frauen nähere Erkundigungen über ihren ersten Kandidaten eingezogen hat … Während der Fahrt durchstöbert Putzfrau und Exhaushälterin Rita die Unterlagen zum heutigen Fall. „Proudly presents aus der magischen Welt: ‚Die Putzteufel - wenn der Zauberer ohne magische Hilfsmittel seine Wohnung säubert', ist da in Aufmerksamkeit erheischenden Lettern gedruckt. Auch die weiteren Worte haben die Ehre laut vorgelesen zu werden. „Heute: Severus Snape aus Spinner's End, ehemaliger Lehrer für Zaubertränke an Hogwarts Schule für Hexerei und Zauberei, im Moment ohne Beschäftigung, allerdings zeitweilig ehrenamtlich tätig - als Todesser, rechte Hand des dunklen Lords und talentierter Schwarzmagier." „Hast Du das gehört Christel?" Rita nimmt ihre Brille von der Nase und schaut pikiert zur Frau, die das Auto steuert und eben nur stur die Fahrbahn wahrnimmt. „Todesser? Klingt merkwürdig. Das soll ein Beruf sein?" Die Angesprochene zuckt mit den Schultern und zieht die Stirne kraus. „Hnnnn … scheint einen radikalen Abstieg gemacht zu haben der Gute. War mal Lehrer … und jetzt … rechte Hand", hämisch grinst Christel hinüber, „ist doch nur ein anderes Wort für Handlanger …" Beide beginnen gemein zu lachen. „Jaaah und hiiiieeeer …", Rita linst in ihre Unterlagen, während sie noch immer kichert, „Schwarzmagier und irgendwas mit dunklem Lord …" Christel stößt ein abfälliges Schnauben aus. „Klingt nach Dreck, wenn Du mich fragst …" Wieder erklingt ein Lachen, dass die Idee des liebevollen Miteinanders mit dem Nächsten ad absurdum führt. Rita schlägt schließlich die Akte Snape zu, „Na ja, jedenfalls werden wir ihm schon auf die Sprünge helfen - wirst sehen." „Stimmt Rita - wir sind die Besten!" Leicht tritt Christel wie in der Fahrschule gelernt in kurzen Abständen auf die Bremse. Dass die Straße frei von jeglichem Glatteis ist, hat ihr wohl niemand gesagt. Mit verkniffenem Gesicht lässt sie ihren Blick schweifen. „Sicher, dass wir hier richtig sind?" Ihre Nase rümpft sich wie von allein. „Sicher bin ich sicher - am Schornstein der stillgelegten Fabrik vorbei, immer am Fluss entlang und hinter dem Atomkraftwerk links …" „Fluss? Drecktümpel würde es wohl eher treffen iiiih", klingt es affektiert aus ihrem Mund, „dass ist doch kein Platz zum Wohnen! Hier sollte mal dringend jemand sauber machen …" Christels Fuß stößt ohne Vorwarnung hart auf die Bremse, so dass die Beiden einen unangenehmen Satz nach vorn machen. „Was soll das denn? Beinahe hätte ich mir meine Frisur ruiniert - also wirklich …" „Ich sag doch - hier kann man nicht wohnen", geht Christel gar nicht auf den Zwischenfall ein. „Hier gibt's ja noch nicht mal mehr Straßen … wir müssen aussteigen, siehst Du?" Faktisch ist in den vor ihnen liegenden engen Gassen noch nicht einmal Platz für den kleinen Smart und sie müssen sich tatsächlich zu Fuß einen Weg bahnen. Beladen mit ihren Putzgeräten stapfen sie schließlich missmutig los. Durchzogen von unzähligen „Iiiiiihs" - „Äääääähs" - einigen „Iiiiieecks" und gelegentlichen „Uäääähs" erreichen die beiden schließlich die Ecke Spinner's End/Trottelrange. „Endlich", schnauft Christel einigermaßen erledigt, mehr aber noch pikiert, denn der schlammige trostlose Pfad hat ihre weißen Pumps bis fast zur Unkenntlichkeit verändert. Lustig gesprenkelt sind auch ihre teuren Designerhosen. Rita ist es nicht besser ergangen. „Wenigstens sind wir fast da", murmelt sie unwirsch und fast nicht hörbar. Plötzlich zuckt sie zusammen. „CHRISTEL", sie lässt vor Schreck den Putzeimer auf den schmutzigen Boden fallen, „WO IST EIGENTLICH DER KAMERAMANN?" „Oh keine Sorge", beschwichtigt Christel, „die treffen wir erst bei diesem Todfresser …" „Esser!" „Häh?" „TodESSER!" „Ach … nun auf jeden Fall treffen wir ihn da …" Mit einem Seufzer schnappt Rita ihren Eimer vom Boden und trippelt voran. „Fünf, neun", musternd gleitet ihr Blick umher, „da vorn - DREIZEHN!" Argwöhnisch äugend treten die beiden Grazien näher. „Uuuuuäääääh", entfährt es Ritas Mund. „WAS IST DAS?" Bevor Christel überhaupt eine Chance zur Antwort erhält, kreischt die Exhaushälterin schon weiter. „IST DAS ETWA EIN FUUUUUCHS?" Und tatsächlich, irgendjemand hat einem ziemlich mageren Fuchs einen rostigen Nagel durch den Schwanz getrieben, der ihn nun fein säuberlich am Türblatt festhält. Mit vor Ekel verzerrtem Gesicht traut sich Christel schließlich näher heran. „Das ist ein toter Fuchs", liest sie von dem Pappschild neben dem unglücklichen Tier ab. Unsicher, mit immer noch verkrampften Gesichtsmuskeln wendet sich die Putzteufelin zu ihrer Kameradin um. Die allerdings deutet stumm nach vorn zu der mit Kreide geschriebenen Botschaft unter dem Tier. VORSICHT! LEGEN SIE BITTE IHRE PERSÖNLICHE FREIHEIT, EIGENSTÄNDIGKEIT, KRITIKFÄHIGKEIT ODER ANDERE HINDERLICHE ELEMENTE (kleiner darunter) vor allem ihren Zauberstab HIER AB, BEVOR SIE EINTRETEN! ABSOLUTEN GEHORSAM ERWARTET IHR NETTER TODESSER VON NEBENAN! In einer anderen Handschrift ist darunter gekritzelt: Unterwürfigkeit wird auch gerne gesehen! Mit einem fiesen Quietschen schwingt die Eingangstür auf. Die beiden Frauen erschrickt dies nicht minder, als die seltsam schriftliche Begrüßung, die sie gerade zu Ende gelesen haben. Ohne es zu wollen, flüstert Rita plötzlich: „Christel … Du … weißt Du was … wir sollten … sollten vielleicht … einfach von … einfach von …hier verschwinden …" „Das wäre aber sehr unhöflich", tönt es hinter den beiden, wo ein hoch aufgeschossener, schwarzhaariger Mann mit ungewöhnlich blassem Teint, die beiden aus bodenlos scheinenden Augen anfunkelt. Sowohl Christel als auch Rita entdecken gerade, DASS es möglich ist, in einer einzigen fließenden Bewegung herum- und zurückzuweichen. Ein leichtes, vielleicht amüsiertes, Lächeln versucht über die Lippen des ungewöhnlich gekleideten Mannes zu huschen, während er einen Schritt auf die beiden zu macht. Instinktiv weichen sie weiter zurück zur offenen Eingangstür des Hauses. Christel ist versucht drei Kreuzzeichen zu schlagen, um den Dämon abzuwehren; Rita ist da praktischer veranlagt und krampft ihre Finger um den Stiel des Wischmopps, den sie als Waffe zu gebrauchen denkt. Mit einem Ruck reißt sie ihn nach oben und stößt damit unversehens gegen etwas hinter ihr. Blut tröpfelt zäh an der Tür hinab. „Nicht doch, der schöne Fuchs …", kommt es leicht tadelnd aus dem Mund der Heimsuchung vor ihnen. Völlig unbeeindruckt tritt der dunkle Mann einen Schritt näher, was beide Frauen augenblicklich zurückzucken lässt. „Aber bitte meine Damen", vermeintliches Unverständnis klingt aus seinen Worten „was sind Sie denn so gestresst am frühen Morgen?" Trotz seines harmlosen Tonfalles beschleicht die guten Putzteufel ein mehr als ungutes Gefühl, dass nur eines sagt; sie sind definitiv zur falschen Zeit am falschen Ort. „Durchaus möglich", bemerkt der blasse Kerl, „aber nun nicht mehr zu ändern." Christel ist sicher, ein sadistisches Funkeln in seinen Augen auszumachen. Rita ist mehr von dem ebenso gearteten Halblächeln gelähmt. Wieder winkt er in Richtung der offenen Tür. „Mein Name ist übrigens Severus Snape. Wenn ich mich nicht gänzlich täusche, sind wir verabredet. Nach Ihnen meine Damen, nach Ihnen …" Rückwärts stolpern die praktisch Überfahrenen in die Diele. „Gehen Sie besser in Blickrichtung, bevor sie noch einen unangenehmen Unfall erleiden", bemerkt Snape spöttisch und fügt dann sehr viel leiser hinzu, „jetzt gleich wäre doch etwas zu früh …" Was für ein Hyänengrinsen, schießt es Christel durch den Kopf. Absolut zum Fürchten der Kerl, denkt sie weiter, gruslig… ach was … SCHAURIG und so eiskalt, so … so … so … „Geraten Sie nur nicht ins Stottern meine Liebe", Snapes Lächeln gefriert auf seinem Gesicht. Jetzt glaub' ich es, huscht ein verirrter Gedanke durch Christels Hirn, ein Blick kann TATSÄCHLICH PARALYSIEREN! „Nett, dass sie mir das zutrauen", raunt der ehemalige Zaubertränkelehrer, „aber Sie überschätzen meine Fähigkeiten." Seine Lippen werden zu schmalen Strichen, bevor er weiter spricht; es scheint fast, als drohe ein innerer Heiterkeitsausbruch seine Lippen zu kräuseln. „Wesen mit allzu beschränktem Hirnvolumen sind leicht zu beeindrucken …" Beide Frauen glotzen, ohne es zu merken. Christels Mund arbeitet, bis endlich ein Ton daraus erklingt. Schließlich würgt sie das erste Wort hervor: „Sie … sie … sie …" Die Putzteufelin jappst nach Luft. Gelangweilt verschränkt Snape die Arme vor der Brust. „Dieses Personalpronomen habe ich bereits verstanden … aber wenn ich helfen kann …" Sacht hebt er den Zauberstab in eindeutig drohender Geste. „GEDANKENLESEN", spuckt Christel nun endlich heraus. „GEDANKEN GELESEN? AAAAAAH", sie gleitet schneller als gewollt ins Hysterische, „GEANTWORTET … GEANTWORTET AUF MEINE GEDANKEN!!!!" „Oh, dann sind Sie wohl … MUGGEL?", er bedenkt sie mit einem abschätzigen Blick, der sich allmählich auf Rita ausdehnt. „Sie beide …", noch einmal mustert er sie ausführlich, „Muggel!", bestätigt er endlich. Dabei legt sich ein Ausdruck auf sein Gesicht, als würde ihm allmählich übel. „In der Tat! Niemand unter der intelligenten Bevölkerung dieses Planeten würde die hohe Kunst als GEDANKENLESEN diffamieren. Derartig plumpe Definitionen sind etwas für geistlose Spiritisten und", er macht einen drohenden Schritt auf die verwirrten Frauen zu und erhebt den ausgestreckten Zeigefinger wie eine Waffe, „Schlammblüter", sein Finger zuckt auf Christel zu und dann auf Rita, um seine Botschaft unmissverständlich klar zu machen, „damit sind Sie gemeint meine Damen!" Sekundenlang starren beide nur ausdruckslos auf die noch immer vor ihnen schwebende Fingerkuppe. Rita fängt alsbald wieder an zu zwinkern. Eine wirkliche Bewegung wagt keine der Frauen. Severus Snape scheint ein Einsehen zu haben und senkt seine Hand langsam wieder. Da beide aber immer noch ein Kaninchen vor der Schlange imitieren, versucht er etwas Anderes, Simpleres, für Einzelgehirnzellenträger Geeigneteres und macht einfach: „BUH!" Rita zuckt wie vom Donner gerührt zusammen, während Christel wie vom Blitz getroffen einfach umfällt. „Ähm … Wurmschwanz", ruft Severus Snape in den Raum hinein, „ich glaube Deine Dienste werden benötigt …" Ein untersetzter, kriecherisch wirkender Kerl mit eigentümlichem Grienen huscht heran und deutet eine linkische Verbeugung an. „Schaff Sie hinein", der Zaubertränkespezialist zeigt nachlässig auf die am Boden liegende Besucherin der unfreiwilligen Art. „Ich meinte vielmehr", fügt er schließlich mit Blick auf die noch ihres Bewusstseins mächtige Begleiterin zu, „trage doch BITTE unseren GAST hier ins Wohnzimmer." „Tragen?" Ein erschrockener Ausdruck breitet sich auf dem Gesicht des Rattenmannes aus, während er die nicht gerade vorteilhafte, alles andere als elfenhafte Erscheinung Christels auf dem Fußboden mustert. „DIE DA?", kreischt er schließlich. „NEIN! Mich natürlich UND den toten Fuchs da draußen!" Zweifelnd beäugt Wurmschwanz seinen Herrn, als versuche er dessen ungefähres Gewicht zu erraten. Geduckt macht er schließlich zwei Schritte auf Snape zu. „WURMSCHWANZ!" „Ja?" Ungeachtet des warnenden, genervten Tones streckt der Diener tatsächlich die Finger nach dem Umhang des Zauberers aus. „Legst Du es darauf an, noch eine Hand zu verlieren?" Die Semiratte erstarrt schließlich, als ihr Gehirn nun doch zu arbeiten beginnt. „Äääääh…" Von Snapes Gesicht kann sogar der Ungeübteste ablesen für wie unfähig er den Dunklen Lord hält, wenn SOETWAS WIE DER DA Todesser werden darf. Schließlich aber verzieht Severus die Mundwinkel in der schlechten Imitation eines Lächelns. „Wäre es nicht besser Du holtest erst einmal den Fuchs?" „Ja, ja, ja", der Angesprochene tippelt tatsächlich nach draußen. „Nun", wendet sich der Gastgeber an die noch immer starr dastehende Rita, „gutes Personal ist eben selten. Es ist recht frisch hier", unüberzeugend zieht er den Umhang enger um seine Schultern, „mich deucht wir sollten nicht im Flur verweilen." Während die hölzern wirkende Putzteufelin ihren Blick in Richtung Wohnzimmer schraubt, stupst Snape ihre Kollegin unauffällig mit dem Fuß in die Seite. Deren Augen öffnen sich tatsächlich und ihr entfährt ein unartikulierter Laut. Sie schaut sich verwirrt um und rappelt sich schließlich auf die Beine. Ihr Kopf ruckt nach links, wo sie Snapes Blick begegnet. „Wäääääiiiiih", schreit sie ganz ohne Vorwarnung, schnellt herum und stützt sich schwer atmend auf die Kommode vor dem Spiegel. „Ganz meine Meinung", ungerührt tritt er an Christel vorbei, „Sie sollten sich eben einfach von stehenden Gewässern und polierten Oberflächen fernhalten." Als die Putzteufelin ihr überaus fragendes „Häääh?" hervorbringt, ist der Zauberer schon im Wohnzimmer und hat Rita einen Sessel angeboten, wenn man denn das Schubsen in denselben als solch höfliche Geste ansieht. Während Christel immer noch wie fest zementiert im Flur herumsteht, hat der Hausherr schon eine Flasche Wein aus dem Regal genommen und öffnet sie. „Sie scheinen mir doch etwas blockiert zu sein. Hier." Er reicht Rita ein halb gefülltes Glas. „Uäähm, ich", für einen Augenblick ist sie versucht das Getränk abzulehnen, doch der Blick ihres Gastgebers scheint das irgendwie zu verbieten, also nimmt sie es entgegen, sagt aber dennoch, „ich … ähm … trinke eigentlich gar keinen Wein." „Der ist ohne Alkohol", nachdrücklich schiebt er ihr das gefüllte Gefäß vor die Nase. „Aber doch sicher trocken, nicht wahr?" „Auch dem kann abgeholfen werden", Severus Snape zieht eine kleine Phiole gefüllt mit glasklarer Flüssigkeit aus seiner Umhangtasche und schickt sich an einige Tropfen in den Wein zu geben. „Was ist das?" Rita versucht ihr Glas beiseite zu reißen, doch der Mann vor ihr hält es unverrückbar fest. „Zucker natürlich!" Den aufkeimenden Protest der Putzteufelin übertönt er einfach mit lauterer Stimme. „Aaah, nein, nein", er zieht das Weinglas etwas näher heran und zählt neun Tropfen ab, „sparen Sie ihren Atem, natürlich essen sie keinen Haushaltszucker. Deshalb habe ich hier auch klare, reine, sehr empfehlenswerte FRUCHTSÜSSE.", Mit sanftem Druck zwingt er Rita das Glas an die Lippen, „Schmecken Sie es? Trotz des Genusses wird sich nun kein Gramm Fett auf ihrer wundervoll geformten Figur ablagern." Ein schräges Lächeln folgt dieser unverschämten Lüge. Ohne dass sie es verhindern kann, färben sich Ritas Wangen rot, während sie verlegen nach ihrer Frisur nestelt und schließlich noch viel nervöser unter dem kontrollierenden Blick des Zauberers endlich den Wein trinkt. Ganz hilfsbereiter Gentlemen nimmt Snape das nun leere Glas entgegen. „Sehen Sie, gleich werden sie sehr viel entspannter, ruhiger sein … und kooperativer", führt er leiser fort, während er zum Tisch geht und das Trinkgefäß darauf abstellt, dabei murmelt er den Rest des Satzes, „ganz ohne Zweifel … mit Hilfe der Zaubertrankbrauerei …" „Was sagten Sie", meldet sich die Ex-Haushälterin wieder zu Wort, „ich habe nicht ganz verstanden …" „Ich?" Snape fährt ertappt herum. „Oh, ich fragte mich nur, ob Sie wissen, dass ich früher Zaubertrankbrauerei unterrichtet habe." „Ach, dann hab ich mich doch nicht verhört", freut sich die Putzteufelin, „ja das hab ich in Ihrer Akte gelesen. Wieso tun sie es nicht mehr … ähm", Rita beißt sich auf die Zunge. Sicherlich ist es weder ratsam noch höflich ihren Gastgeber auf diese Weise auszuquetschen. Wenn sie es recht bedenkt, überlegt sie, während ihre Augen über seine doch nicht wirklich erschreckende Erscheinung wandern, ist er doch trotz seiner Fremdheit durchaus anziehend. Nun, gut, sein Haar braucht mal wieder eine Wäsche, vielleicht auch einen neuen Schnitt. Ganz davon abgesehen, wird ihm ein Besuch im Sonnenstudio nur gut tun, aber weitab dieser geringfügigen Einschränkungen, scheint er recht geeignet für das Eine oder das Andere … hmmmm … mit seinen markanten Zügen und seinem sinnlichen Mund. Rita stiert auf diese zum Küssen einladenden Linien. „Alles in Ordnung mit Ihnen?" Snape starrt seinem Gast Stirn runzelnd ins Gesicht. „WAS?", ertappt zuckt die Frau zusammen, während sich ihre Wangen schon wieder rot färben. „Jaaah … ähm ich meine … äh …", hörbar hektisch fluktuiert Ritas Atem. „Sie Hyperventilieren ja!" Schon hat Severus Snape den Zauberstab gezückt, was die Jappsende nur noch mehr in Hast versetzt. „Nun, dann das hier", er nimmt eine Papiertüte vom Regal und presst diese an ihren Mund, „einfach langsam einatmen, ausatmen, einatmen." Seine Finger legen sich beruhigend auf ihre Schulter und in seinen Augen prangt tatsächlich etwas von fürsorglicher Anteilnahme. Die Putzteufelin meint unter diesem Blick zu zerfließen, noch sicherer ist sie sich der Tatsache, dass seine Hand gerade mehrere Brandlöcher in den Stoff ihrer Bluse sengt. Leider hilft die Sofortmaßnahme des Zauberers zu schnell. Noch störender empfindet die brünette Rita nun ihre Kollegin Christel, die gerade zitternd im Sessel neben ihr Platz nimmt. Etwas dumpf geht ihr auf, dass sie ihre Mitstreiterin gedanklich beinahe als KONKURRENTIN betitelt hätte - merkwürdig, merkwürdig. „Oh, da ist ja Mrs. Muggel Nummer zwei", lässt Snape sich vernehmen, „auch ein Glas Wein?" Die blonde Christel kann nur stumm den Kopf schütteln und versucht krampfhaft an nichts zu denken, schließlich hat sie ihr Erlebnis in Okklumentik noch nicht ganz verkraftet. „Nun", der dunkel gewandete Zauberer nimmt sich einen Stuhl und platziert ihn direkt vor Ritas Sessel, „bevor wir irgendetwas Anderes tun, bin ich recht interessiert daran zu erfahren, WER Sie denn zu mir geschickt hat?" „Na das war Ludo Bagman", plappert Rita bereitwillig los, „der hat die Kontakte hergestellt." „Oh - Ludo also", Snape zieht eine Augenbraue nach oben, „interessant … und sonst?" „Fletcher!", platzt Rita heraus. „War ganz versessen darauf Sie vorzuschlagen. Meinte, so eine Dreckbude wie die von dem Snape hätte er noch nie gesehen … die wär nicht nur hässlich sondern unbewohnbar und schmierig … ups …", die Ex-Haushälterin schlägt sich erschrocken die Hand vor den Mund, hat sie doch keine Ahnung wieso ihre Gedanken einfach aus ihr heraussprudeln. „Verzeihung", huscht sie noch betreten hinterher, „wiederhol's nur." „Schon gut", unterbricht Snape sie ungeduldig und winkt ab. „Sie sind sicher", eindringlich sieht er seine Gesprächspartnerin an, „Rita", fährt er sanfter fort und bringt damit ihr Herz zum Hüpfen, „dass wir hier über MUNDUNGUS FLETCHER reden?" „Ja, GANZ sicher! Ach und", versucht sie sich wieder Lieb Kind zu machen, „da war noch so ein Kerl, der unbedingt Sie auswählen wollte", Rita blinzelt gekünstelt, vielleicht kann sie so auf ihre hübschen Augen aufmerksam machen, „so ein komischer Typ … graue, wirre Haare, hutzelig, soll hier in der Nähe wohnen …" „Etwa Rugen Fettire von schräg gegenüber?" „Fettire! Genau so hat der geheißen." „Aha, na gut", der Zauberer nestelt ein kleines schwarzes Buch aus seiner Tasche, nebst einer zerknitterten roten Feder. Fein säuberlich ergänzt er auf einer bereits begonnenen Liste Rugen Fettire, Mundungus Fletcher und Ludo Bagman. An Punkt eins sieht Rita einen bereits durchgestrichenen Namen: Albus Dumbledore. Sie ist nicht ganz sicher, glaubt aber ihn in irgendeinem Zusammenhang schon einmal gehört zu haben. „Fast schon erledigt", Snapes Lippen kräuseln sich leicht, als er das Büchlein wieder in die Tasche zurück gleiten lässt und sanft darauf klopft. „Sagen Sie", wendet er sich diesmal an Christel, „soweit ich weiß, machen sie eine … ähm … Fernsehsendung? Fehlen da nicht noch die, nun, die Aufnehmer, die nun … die …" „Kameraleute?", hilft Rita flugs aus. „Genau dieselben." „Unser Kameramann sollte uns hier treffen", verrät Rita die enorme Größe des Putzteufel-Teams. „Sicher kommt er gleich. Vielleicht hat er sich verlaufen. Ist verdammt schwer zu finden, ihre Bruchbu … ähm ihr Heim, meine ich." Es sieht nicht nur so aus, Rita duckt sich tatsächlich im Sessel zusammen. Sie weiß nicht, was in sie gefahren ist, am Liebsten möchte sie noch eine Menge mehr ausplaudern, so ellenlange Sätze über gewisse tiefgründige Augen und den Genuss in diese hineinzustürzen, auch wenn man sich dabei den Hals brechen könnte. „Denn Angst habe ich schon vor Ihnen", gibt sie versehentlich laut zum Besten, „obwohl ich Ihnen gerne näher kommen möchte …" „BITTE?" Es gelingt ihm nicht ganz seine Überraschung zu verbergen, deshalb lenkt er seinen Blick schnell ab zu der konsterniert starrenden Christel, die aussieht, als zweifle sie am Verstand ihrer Kollegin. „Sie sind Furcht einflößend … irgendwie", Rita weiß gar nicht wie ihr geschieht, es scheint fast so als bewege sich ihr Mund von allein, „aber auf andere Weise wiederum sind Sie wahnsinnig aufregend … hach … gar erregend … sinnlich …" Severus Snape scheint in der Bewegung zu erstarren. In Wahrheit überlegt er angestrengt ob sein Veritaserum mit irgendeinem anderen Trank verunreinigt wurde. Hm, das hatte nicht unbedingt höchste Priorität … oder vielleicht doch? „Ähm", leicht durcheinander hebt er den Arm und deutet auf Rita, „bewegen Sie sich nicht vom Platze, ich schaue eben nach ihrem Helfer." Aus dem Augenwinkel nimmt er gerade noch wahr wie Christel Rita leicht aber immer wieder am Ärmel zupft und ihr etwas von ‚Weglaufen' zuflüstert. Deshalb vergisst er auch nicht Wurmschwanz vor dem Wohnzimmer zu postieren - der bis eben tatsächlich gerade noch versucht hatte den Fuchs von der Tür zu lösen. Obwohl der Ex-Zaubertränkemeister und ehrenamtlich tätige Todesser den Umkreis des Hauses auch magisch absucht, ist weit und breit kein Mensch und auch kein Kameramann zu sehen. Was liegt da näher, sich zunächst erst einmal um eine Person auf der schwarzen Liste zu kümmern. Rugen Fettire wird schon bald bereuen, dass er ausgerechnet Severus Snape für eine Putzsendung empfohlen hat. „Einen wunderschönen guten Morgen Rugen", hört man schließlich des Zauberers Stimme aus dem gegenüberliegenden Haus dringen, bevor ein roter Lichtblitz die Scheiben der gardinenlosen Fenster erhellt und schließlich erlischt. Gut gelaunt, tritt Snape wieder auf die Straße, klemmt den leise ächzenden Schrubber unter der Achsel fest, zückt sein Notizbüchlein und streicht den Namen Rugen Fettire mit einem fetten roten Strich endgültig durch. „He, hallo, Sie da", unterbricht ein schwitzender ältlicher Mann, der über und über mit allem möglichen Krimskrams beladen ist, darunter ein Paar blaue Gummihandschuhe mit Federboarand. „He warten Sie mal", ruft er zu Snape hinüber und lässt seinen Krempel mehr fallen, als dass er ihn absetzt, „ich suche Spinners End, das soll hier irgendwo sein … Nummer … ach ja … dreizehn. Dort wohnt so ein unsympathischer, fettiger Typ, mit ner dreckigen Wohnung. Ach stimmt ja", er streckt ungelenk seine verschwitzte Hand vor, „ich bin vom ‚Die Putzteufel-Team'. Na? Sie wissen schon. Wenn der faule Zauberer ohne magische Hilfsmittel … na den ganzen Müll eben. Trethart Krattel, das bin ich." Snape blickt den Mann hochmütig an und ignoriert wohlweislich die dargebotene Hand. „Ich bin auch schon liebenswürdiger begrüßt worden", eingeschnappt lässt Trethart seinen Arm nach unten sinken, „sagen se mal, sind alle Zauberer so unfreundlich? Sie sind doch einer von der Sorte - oder? Wenn ich Sie mir so ansehe …" „Ja, ich bin tatsächlich ein Zauberer … Mr. Krattel? Nun Mr. Krattel", fährt Snape fort, als der Kameramann nickt, „wissen Sie was diese Sorte elitärer Entitäten auszeichnet? Nein, bemühen Sie sich nicht. Ich werde es Ihnen sagen … oder vielmehr zeigen", seine Hand wandert in die Tasche, „hier halten Sie das mal", er drückt Trethart den Schrubber in die Hand, „ach, gehört eigentlich noch jemand zu Ihrem Team?" „Nö! Da sind bloß Rita, Christel und ich", der Kameramann schüttelt argwöhnisch den rot weißen Schrubber und versucht sein Ohr näher heranzubringen, „haben Sie das gehört? Ich hätte schwören mögen, der hat was gesagt." „Aber bitte, machen Sie sich nicht lächerlich. Redende Putzgeräte … wirklich …", Snapes Lippen pressen sich abschätzig aufeinander, „wenn Sie mich jetzt bitte ansehen würden. Das ist also ein Zauberstab." Er platziert diesen direkt vor Krattels Gesicht. „Dazu noch den passenden Spruch … vielleicht … Fibra lobus", ein roter Lichtblitz erscheint plötzlich, „und Voila", spricht Snape nun zu sich selbst, „jeder erfährt noch eine ganz eigene Verwendung." „AUA!", quietscht der grüne Scheuerlappen, als er aufgehoben wird. Mit ein paar zusätzlichen Zauberstabschwenkern werden aus immer noch auf dem Boden verstreuten unnützen Kamerautensilien ein paar mehr nützliche Putzmaterialien, die Snape zusammen mit allen anderen Gerätschaften mittels eines weiteren Zaubers in Richtung seiner Wohnung dirigiert. Ein merkwürdiger Anblick unterbricht seine Schritte allerdings. Wie ist ihm schleierhaft, aber Christel hat es tatsächlich geschafft aus dem Wohnzimmer zu entfleuchen. Sie klemmt nämlich gerade nicht augenfreundlich in dem geöffneten Flurfenster und versucht krampfhaft in die Freiheit zu entwischen. So leise wie möglich schleicht sich der Zaubertränkespezialist an die abgelenkte und arg zappelnde Frau heran. „Sie beweisen nicht gerade großes Vertrauen in meine gastgeberischen Fähigkeiten." Wie erwartet, zuckt sie erschrocken zusammen und starrt dem unheimlichen Geschöpf vor ihr direkt in die Augen. „Was für eine schreckhafte und gestresste Person Sie nur sind." Er mustert sie unwirsch. „Haben Sie etwa ANGST vor mir?" Obwohl es sehr dumm ist, nickt Christel. Meinen Sie etwa ich könne Ihnen etwas antun?" Snape presst spöttisch die Lippen aufeinander bevor er weiter spricht. „Ich schwöre, dass ich nicht Hand an Sie legen werde - keinen einzigen Finger … noch nicht einmal eine Fingerkuppe …", die Putzteufelin scheint sich zu entspannen und versucht nicht mehr aus dem Fenster zu klettern, „ … ehrlich …", fügt Snape hinzu, schwenkt aber leicht seinen Zauberstab in Christels Richtung. „W…w…w…w… was w…machen Sie da …" „Oh, bitte", Snape runzelt die Stirn, „WOLLEN sie etwa in diesem Fenster hier stecken bleiben? Na also", interpretiert er ihren Gesichtsausdruck richtig, „das dachte ich mir. Also Diota Soapus." Es war etwas schwierig den Tonkrug voller Seife aufzufangen. In dieser Form war ihm die nervige Christel doch viel lieber. Diese Ruhe! Auch ohne einen Verstummungszauber blieb Severus nun von ihrem Gekreische verschont. „Ach, da sind Sie ja wieder", ruft Rita, die augenscheinlich ebenfalls aus dem Wohnzimmer entkommen ist. Nannte Wurmschwanz dies etwa aufpassen? „Konnten Sie unseren Kollegen finden?" Sie winkt kurz und tritt zum geöffneten Fenster. „Uuuui, Putzutensilien? Sie scheinen es ja ernst zu meinen", für einen Moment kratzt sie all ihren Mut zusammen, „SEVERUS", stößt sie schließlich sehr eilig und ein wenig schrill aus. Gleich darauf schließt sie gequält die Augen. „Darf ich Sie so nennen?", huscht sie nun mit fast noch ärger zusammengekniffenen Lidern heraus. Dass Snape ein wenig ungläubig, ein wenig zweifelnd schaut, bemerkt Rita so nicht. „Wenn es unbedingt sein muss …", klingt seine Stimme nicht gerade unbeteiligt. Sein Timbre verlockt Rita dazu ein Auge leicht zu öffnen. Der Zaubertränkemeister räuspert sich und fährt ein wenig gleichgültiger fort. „Aber warum wollen Sie das?" Ritas Wangen wirken plötzlich recht erhitzt und sie atmet hörbar schneller. „Mögen Sie mich etwa?" Schnell ist Rita bereit beide Sehwerkzeuge wieder einzusetzen. „JA!", haucht sie. „Warum?" „Weil … weil Sie …", unbehaglich unterbricht Sie sich, aber ein innerer Zwang scheint sie weiter anzutreiben, „weil DU so anders bist, so resolut gemein, so sardonisch scharf, so aufreizend, dass man Dich bändigen möchte, Dich schlagen und zeitgleich küssen. Mann … oh … nein ICH möchte erwarten wie Du Hand an mich legst Severus und mir den härtesten, heißesten Ritt bescherst." Ihre Wangen sind nun knallrot angelaufen. „Und nun ja, weil ich eine alte Jungfer bin und bisher niemanden abgekriegt habe … ah …", Rita presst sich beide Hände auf den Mund und sieht dabei sehr unglücklich aus. Snape mustert sie von oben bis unten. Mit sichtbarer Anstrengung löst sie die Finger von ihren Lippen und lässt die Arme nach unten sinken. „Ich weiß kein Bisschen", sie blickt ehrlich zerknirscht, „warum ich das sage …" Sie stockt mit unglücklichem Blick und schließt den Mund fest. „Weil das die Wahrheit ist", der Zauberer scheint direkt peinlich berührt. Wie um Zeit zu gewinnen stellt er sehr umständlich den Seifenkrug auf den Boden. „Komm mal her." Trotz der Aufforderung bleibt Rita stehen. Als Snape sieht wie wenig Erfolg sein Appell hat, steigt er kurzerhand durchs Fenster. Die Putzteufelin zuckt zusammen und weicht tatsächlich einige Schritte zurück. „Bleib doch Rita", er kommt ein Stück näher. „Was ich sage stimmt. Ich habe Veritaserum in Deinen Wein geschüttet." Verständnislos sieht sie ihn an. „Ein Trank, der Dich ZWINGT die WAHRHEIT zu sagen." „Das heißt … das … in meinem Glas WAR gar kein Zucker?" „Nein!" Entrüstung funkelt in Ritas Augen. „Du bist ein ziemlich fieses Stück! Machst Du öfter solch hinterhältigen Aktionen?" Als Snape tatsächlich zu einer Antwort ansetzt, winkt sie ab. „Eigentlich ist mir das völlig egal. So wie ich Dich einschätze, würdest Du sowieso lügen." „Das würde ich wohl …" Rita nickt und sieht dabei noch nicht einmal sonderlich unglücklich aus. Langsam kommt sie ein Stück näher. „Hast Du eigentlich eine Frau?" Snape schüttelt den Kopf. „Eine Freundin!", mutmaßt sie. Als hätte sie Angst vor der Antwort, blickt Rita plötzlich zu Boden. „Ach was", sagt sie zu sich selbst, „das macht mir nichts aus." „Aber ich habe gar keine", erklärt Snape schließlich. „Severus", zögerlich tritt Rita sehr viel näher, sieht aber nicht auf. „Könntest Du noch etwas weiter lügen? So was in der Art wie sehr ich Dir gefalle, dass Du gerne … mit mir … na ja …" Snapes Finger legen sich an Ritas Kinn und zwingen es nach oben, so dass sie ihn wohl oder übel ansehen muss. Nach einem ernsten Blick lässt er sie schließlich los und fischt nach etwas in seiner Tasche. Es ist das kleine Fläschchen, mit dem glasklar schimmernden Veritaserum. Unter Ritas ungläubigem Blick leert er es ganz und lässt das leere Röhrchen achtlos zu Boden fallen. „Du gefällst mir", beginnt er schließlich seine Erklärung „und ich würde tatsächlich gerne mit Dir …" „Wirklich?", flüstert Rita. Der Zauberer antwortet nicht, stößt aber mit der Spitze seines Schuhs nach der Phiole. „Nein! Ich habe nur lange nicht mit einer Frau geschlafen." Ironisch verzieht er die Lippen. „Weißt Du, das rede ich mir jedes Mal ein, wenn mir eine Frau freiwillig solche Avancen macht. Ich misstraue Eurem Geschlecht. Obwohl ich es rational erfasst habe, kann ich nicht glauben, dass Du nicht vor Schreck zurückweichst, wenn ich Dich berühre. Ich habe Angst es zu versuchen. Dabei würde ich so gern." „Dann tu es doch einfach", Ritas Hand streckt sich nach Severus aus, der aber entzieht ihr seine Finger. „Besser nicht. Du könntest enttäuscht sein, weil ich zu schlecht bin, zu wenig erprobt, nicht talentiert genug, mit wenig Ausdauer gesegnet …" „Ist mir egal!" Unbeeindruckt kommt die Putzteufelin näher. „Davon abgesehen bin ich ziemlich egoistisch … in dieser Hinsicht sowieso", Rita kann den leichten Rotschimmer auf seinem Gesicht gar nicht ignorieren, „also komm lieber wieder zu Dir, bevor Du einen Fehler machst." „Sag mal, dieses Zeug da", Rita zeigt auf die leere Phiole, „macht doch, dass Du nicht lügen KANNST." Die Brünette schenkt Snape einen schrägen Blick. „Bist Du noch Jungfrau?", platzt sie heraus. „Ähm ich …", sein Blick ist eindeutig zu unbehaglich, „ich habe Deine Christel und den Kameramann und Rugen Fettire in Putzgeräte verzaubert", versucht er sich vor diesem Geständnis zu drücken. „WAS?" „Ja, der Seifentopf da ist Deine Kollegin und Euer Kameramann hat nun eine sehr flache Form und ist grün", er weist schnell auf den Scheuerlappen draußen auf der Straße. „WIRKLICH?" Ritas Blick folgt dem Fingerzeig. „Ach was! DU LENKST JA AB! Stimmt es nun?" „Was stimmt?" „Meinetwegen beides!" „Mmmm … ja." Die Brünette muss entgegen ihres Vorsatzes grinsen. „Hat Dir denn nie eine Avancen gemacht?" Achselzuckend schüttelt er den Kopf. „Ach! Das kann ich gar nicht glauben … bist Du denn so schüchtern?" „Mit abwehrendem Verhalten und den dazu passenden verletzenden Sprüchen kann man das gut überdecken", ein wenig Verlegenheit spiegelt sich in Snapes Blick. „Ich verstehe, was Du meinst", Rita lächelt verschwörerisch, „nur zu gut. Duuuuuuu … jetzt hab ich gar nicht mehr so viel Angst vor Dir", gesteht sie verschämt und nestelt am Ärmel von Snapes Robe herum, „ich nehm gerade meinen ganzen Mut zusammen …" Als Snape noch auf die Fortsetzung ihrer Rede wartet, hat sie ihn schon blitzschnell mitten auf die Lippen geküsst. Einige Augenblicke steht er nur verdutzt da, bevor er schließlich leise fragt: „Ist Deine Wohnung eigentlich weit von hier entfernt?" „Ziemlich!" „Weißt Du, es gibt etwas, das heißt Apparieren. Damit kommt man", er schnippt mit den Fingern, „so schnell von hier nach da?" „Aber ich kann gar kein …" „Doch ICH kann es Rita." Sie schluckt schwer, nickt aber öfter als sie muss, damit er versteht. „Gut, aber vorher sollten wir noch Mrs. Seife und Mr. Lappen zurückverwandeln und ihr Gedächtnis löschen", gibt Snape zu bedenken. „Ich glaube, da weiß ich was Besseres", die Putzteufelin reckt sich nach oben und flüstert ihrem Zauberer etwas ins Ohr. Dessen Lippen verziehen sich leicht. „Wenn Du meinst." Snape lässt die Geräte hereinschweben und dirigiert sie Richtung Wohnzimmer. Dort liegt noch immer der bewusstlose Wurmschwanz, dem Christel noch vorhin eine Vase auf dem Schädel zertrümmert hat. „Den sperren wir auch dazu", verkündet Snape und verwandelt den Rattenmann in einen gelben Plastikeimer. Nur einige Schlenker mit dem Zauberstab reichen, bis Lappen, Schrubber, Staubwedel und Eimer ihren einzigartigen Tanz beginnen. Sie putzen, wischen und wedeln wie verrückt durch das wirklich nicht gerade keimfreie Wohnzimmer. Mit einem ziemlich gemeinen Grinsen, das dem des Zauberers in nichts nachsteht, verfolgt Rita die neu definierte Saubermachshow. „Etwas anders werden Sie sich die zauberische Staffel schon vorgestellt haben", kichert sie schließlich. „In der Tat", bestätigt Snape, „komm, lass uns gehen!" Er reicht Rita seine Hand. „Und wie funktioniert das nun mit dem Apparieren?" „Zuerst einmal musst Du näher kommen … nein … noch sehr viel näher und Deine linke Hand legst Du hier hin." „Wirklich hier?" „Ja! Und die andere nach da!" „Severus", in Ritas Wangen breitet sich eine nicht zu versteckende Röte aus, „Du flunkerst, das gehört niemals dazu." „Aber sicher doch", unauffällig aber nicht weniger schnell lässt auch er seine Finger wandern, „ich habe gehört, dass ein Vorspiel unheimlich wichtig ist …" PLOPP ertönt es in der gleichen Sekunde, als Rita und Severus aus Spinners End verschwinden. ENDE