DAS POKERSPIEL

    von R&S



Disclaimer: Keiner der Anwesenden gehört uns, alle gehören JK Rowling, und abgesehen von verletzter Würde geben wir sie auch unbeschädigt zurück. Die nicht vorhandene Handlung allerdings, die gehört uns.

Die Geschichte ist keineswegs ernsthaft gemeint, für Schaden durch ausgedehnte Lachanfälle haften wir nicht, ebenso wenig für Schaden durch versehentlich auf Bildschirme und Tastaturen gespuckte Getränke. Vergebt uns die Art von Phantasie, die sich nach zwei Stunden Pokerspielen um halb 3 Uhr Morgens einstellt.


Auf seinen abendlichen Patrouillen durchs Schloß hörte Severus Snape etwas, das er noch nie zuvor in Hogwarts vernommen hatte:

„Ich erhöhe um 10“, sagte Harry Potters Stimme.

„Sehen!“, forderte Hermine Granger.

„Gewonnen!“, brüllte Ginny Weasley.

Pokerten da etwa einige Siebtklässer aus Gryffindor am Samstagabend in einem leeren Klassenzimmer?! Mehr als nur leicht verärgert versuchte Snape die Türe auszumachen hinter der die Geräusche hervorkamen, entschied sich für die des Verwandlungen-Klassenzimmers und grinste leise. Minerva würde sich freuen, wenn sie hörte, wofür ihr Raum mißbraucht wurde. Er riss die Türe auf –

- und knallte sie vor Schreck beinahe wieder zu. Um einige zusammengeschobene Tische saßen nicht nur Harry Potter, Hermine Granger und Ginny Weasley samt ihrem Bruder Ron, sondern auch Draco Malfoy und seine Freunde Gregory Goyle und Vincent Crabbe – alle drei aus Slytherin.

Zu allem Überfluß schien es einigen von ihnen schon reichlich warm geworden zu sein. Crabbe und Goyle trugen weder Schuhe noch Strümpfe oder Hemden, geschweige denn Roben. Harry Potter hatte einen Schuh zur Seite gestellt, Draco hatte den Umhang abgelegt und Ginny und Hermine spielten beide barfuss. Ron war als einziger noch komplett bekleidet.

„Was soll das hier sein?“, fragte Snape irritiert und beinahe stotternd vor Überraschung.

„Oh, Professor!“, begrüßte ihn Draco überschwänglich, „kommen Sie rein, setzen Sie sich, spielen Sie mit – retten Sie Slytherins Ehre für uns, die Gryffindors nehmen uns hier aus!“

„Ja“, bestätigte Hermine, „Wir ziehen ihnen das letzte Hemd aus!“

Snape wußte nicht ob er lachen oder losschreien sollte. Ganz sicher würde er sich nicht zu diesen Schülern setzen.

„Spielt ihr Strip-Poker????“, brüllte er jetzt richtiggehend.

Draco nickten ebenso wie Harry und Ginny.

„Das ist ja wohl—“, setzte der Professor an.

„Und wenn nicht bald ein Wunder geschieht“, beeilte sich Draco zu erklären, „dann wird morgen früh die ganze Schule über Slytherin lachen!“

Snape mußte zugeben, daß das eine reale Möglichkeit war, denn auch er selbst hatte schon Probleme, ernst und wütend zu bleiben.

Er zog sich einen Stuhl heran und setzte sich zwischen Draco und Crabbe, die gehorsam auseinander rückten. „Nur eine Runde“, stellte er klar.

Harry schob ihm die Karten hin. Der Professor nahm den Kartenstapel in die Hand und fing an zu mischen. Im Gegensatz zu den Schülern, die magisch mischten, beherrschte er verschiedene Muggel-Mischmethoden, und war sich auch nicht zu schade dazu, das vorzuführen.

Mit großen Augen und teilweise offenen Mündern verfolgten die Schüler seine Bewegungen, bis sie schließlich jeder fünf Karten vor sich liegen hatten.

Diese Runde wurde von Harry Potter haushoch verloren, was den Professor zu einem leisen Lächeln veranlasste, während der Schüler seelenruhig den zweiten Schuh zur Seite stellte.

Severus hatte die besten Karten, und so blieb er, in der Hoffnung auf eine weitere Runde die Potter verlor, für ein weiteres Spiel sitzen.

Einige Minuten später hatte Goyle beschlossen, daß er lieber aufhören wollte zu spielen, als auch noch seine Unterhose loszuwerden, wofür man ihm allgemein dankbar war. Er nahm seinen Kleiderstapel und zog sich in einen Nebenraum zurück, um sich wieder anzuziehen. Weshalb er das tat, war der Gruppe schleierhaft, denn schließlich hatte er sich auch vor aller Augen ausgezogen.

Ron, dessen Grinsen immer breiter wurde, hatte in der nächsten Runde unglaublich schlechte Karten. Mit gönnerhaftem Blick entledigte er sich seiner Robe, die er lässig über die Schulter nach hinten warf.

Mittlerweile durfte Ginny die Karten geben, und zum ersten Mal hatte Severus das Gefühl, jetzt auch das eine oder andere Kleidungsstück ablegen zu müssen. Er saß mit zweien und dreien und einer einzelnen sieben in der Hand da. Er hatte ein letztes Mal Glück: Draco hatte schlechtere Karten als er.

Lucius Malfoys Sohn, der sich nichts dabei zu denken schien, ein Muggelspiel zu spielen – noch dazu mit Gryffindors – zog sein Hemd aus. Ginny auf der anderen Seite des Tisches bekam noch größere Augen.

Eigentlich hätte er jetzt aufhören sollen. Man sollte sein Glück nicht mehr herausfordern als es sein musste. Andererseits mußte Slytherins Ehre irgendwie gerettet werden, und so ließ sich Severus von Draco wieder Karten austeilen.

Wie auf Befehl erhielt er dieses Mal auch nicht zu unterbietende Karten.

Unter den teils gespannten, teils ängstlichen Blicken der Schüler zog er sich die Robe über den Kopf und legte sie ordentlich über die Lehne seines Stuhles.

Er murmelte etwas von „Revanche“ und schob die Karten in Crabbes Richtung.

Als sie das nächste Mal auf die Uhr sahen, hatten sie eine geschlagene dreiviertel Stunde gespielt. Ron war von seinem Glück verlassen worden, und trug jetzt nur noch Hose und Socken. Er hatte es Malfoy nachgemacht, um zu beweisen, daß sich ein Weasley ohne Hemd ebenso gut sehen lassen konnte wie ein Malfoy. Crabbe war noch immer ebenso knapp bekleidet wie er es gewesen war, als Severus eingetreten war. Miss Granger hatte den Gürtel ihrer Hose, ebenso wie ihre Robe zur Seite gelegt. Ginny hatte inzwischen nur ihre Robe ablegen müssen. Harry Potter hatte nach einer kleinen Diskussion seine Brille als Kleidungsstück durchgesetzt. Auch wenn er jetzt die Karten recht nahe an sein Gesicht halten musste, um sie zu erkennen, hatte er damit immerhin verhindert, seine Hose ausziehen zu müssen. Draco Malfoy grinste noch immer in die Runde, auch wenn er mittlerweile barfuß war und seine Füße langsam zu frieren begannen.

Professor Snapes Stiefel hatten sich zu seiner Robe gesellt, die irgendwie von der Lehne des Stuhles auf den Boden gerutscht war. Daß Hermine nie gedacht hätte, „Professor Snape mal in Strümpfen zu sehen“, überhörte er geflissentlich, und gab stattdessen die nächste Runde aus. Er war fest entschlossen, einen Gryffindor vor einem Slytherin unbekleidet zu sehen.

Ginny verlor die beiden folgenden Runden. Nachdem sie ihren Gürtel weggelegt hatte, blieben ihr nur noch zwei Möglichkeiten: Bluse oder Hose. Sie wünschte sich, sie hätten in Schuluniformen gespielt, was ihre Auswahl um Pullover und Krawatte erweitert hätte. Schweren Herzens und mit einem leisen Seufzer, aber dank Dracos vorsichtigem Blick in ihre Richtung nicht ganz so zögernd, wie sie es sonst wohl getan hätte, entschloß sie sich, ihre Bluse zu opfern.

Leiser Applaus belohnte sie für ihren Mut.

Snape fing langsam ernsthaft an, sich Sorgen um seinen Job zu machen. Wenn er erwischt wurde, wie er mit sechs mehr oder weniger unbekleideten Schülern Poker spielte, würden nicht nur seine Chancen auf den DADA-Posten auf null zusammenschrumpfen, er würde wohl auch die Anstellung als Meiser der Zaubertränke los sein. Im allerbesten Fall würde er nie wieder abends – nein, egal zu welcher Tageszeit – unbegleitet durch die Gänge von Hogwarts spazieren dürfen, für den Fall des Falles, daß er wieder einmal eine Pokerrunde finden sollte, die er lieber durch seine Anwesenheit bereichern als auflösen wollte. Er hatte zwei Möglichkeiten: er konnte aufstehen und gehen, was mit Sicherheit dazu führen würde, daß seine Teilnahme an diesem Spiel morgen Schulgespräch sein würde.

Er konnte auch hoffen, daß das Spiel schnell beendet sein würde. Das bedeutete aber, daß noch einige Personen diverse Kleidungsstücke loswerden mussten, und es würde ihn nicht vor dem Schulgeschwätz schützen. Severus Snape spielte mit Gryffindors Strip-Poker – es war fast genug, um ihn selbst lachen zu lassen.

Über diesen Überlegungen vergaß der Professor, seine Karten im Auge zu behalten, und beendete die Runde mit einem unnötig tiefen Punktestand.

„Elefanten?“, platzte Ginny heraus.

Das war fast zu viel. Er hatte dieses bestimmte Paar Socken irgendwann in einem Muggelladen gekauft. Es waren grüne Elefanten drauf, aber die sah man üblicherweise nicht, weil sie von der Hose verdeckt wurden, und ansonsten waren sie schwarz genug. Natürlich, wenn man vor den neugierigen Augen einiger Schüler die Socken ausziehen musste, kam dabei auch zwangsweise der Elefant zum Vorschein.

Trotz des verhaltenen Kicherns von der Gryffindorseite des Tisches riss sich Severus zusammen um seine Stellung zu halten. Den zweiten Socken – ebenfalls mit grünem Elefanten, wie Ginny unnötigerweise bemerkte, wurde er zwei Runden später los.

Crabbe, der fast unverschämtes Glück gehabt hatte, hatte sich in der vorhergegangenen Runde verabschiedet, um, wie Goyle zuvor, zu verhindern, nach der Hose auch noch das letzte Kleidungsstück loswerden zu müssen. Ob die Anwesenheit der beiden Damen damit etwas zu tun hatte war nicht vollkommen ersichtlich.

Dasselbe Argument – mangelnder Kleidungsnachschub – überzeugte eine Runde später Harry Potter davon, daß es Zeit war, das Spiel zu verlassen. Im Gegensatz zu den beiden Slytherins warf er sich nur seine Robe wieder über und blieb sitzen, um zuzusehen.

Von hier an lief das Spiel etwas langsamer. Man nahm sich mehr Zeit, um sich zu überlegen, welche Karten abgelegt und ausgetauscht wurden, und man nahm sich mehr Zeit bei der Entscheidung für oder gegen mehr oder weniger relevante Kleidungsstücke.

Draco bewies als erster großen Mut, denn er blieb noch ohne Hose sitzen und gab nicht auf. Das bedeutete allerdings, daß er nach der nächsten Niederlage nicht nur ausschied, sondern auch gänzlich unbekleidet war, weil er dann auch seine von Ginny sehr bewunderten blutroten Boxershorts ablegen musste.

Severus fing an zu schwitzen. Er wäre fast froh gewesen, wenn er verloren und das Hemd hätte ausziehen dürfen – aber das war vor den Schülern völlig undenkbar. Mittlerweile saß Hermine ohne Bluse und Ginny nur noch in Unterwäsche am Tisch. – ein weiterer Grund für die Hoffnung, dieses Spiel schnell zu beenden. Ron war wenigstens den Gürtel und seine Socken losgeworden, aber nach Snape noch immer der bekleidetste Mitspieler – und wenn man bedachte,wie spät der Professor sich zu den Spielern gesellt hatte, war das eine reife Leistung.

Es kam wie es kommen musste: Severus verlor die nächste Runde. Sein Gürtel verließ ihn.

Als er das nächste mal die Karten einsammelte, wurde ihm eiskalt klar, was es für ihn bedeutete wenn er jetzt zu wenige Punkte machte. Entweder seine Hose – oder sein Hemd. Letzteres konnte er jedoch unter gar keinen Umständen riskieren. Da war schließlich das Dunkle Mal an seinem Arm...

Das unausweichliche geschah. Er verlor haushoch.

Schweren Herzens erhob er sich von seinem Platz. Bildete er sich den leisen Pfiff von der anderen Seite des Tisches nur ein? Vier Augenpaare schauten ihn unschuldig, wenn auch verwirrt an. Die Hose vor dem Hemd auszuziehen war zugegebenermaßen eine eher ungewöhnliche Taktik.

Severus setzte sich wieder, aber er schaffte es nicht bevor alle Schüler die Gelegenheit gehabt hatten zu bemerken, daß an ihm alles – einschließlich der Boxershorts – makellos schwarz war – abgesehen von den grünen Elefanten, die, wenn er Hermine’s geflüsterte Mitteilung an Harry richtig interpretierte, immer noch nicht aus den Köpfen der Schüler verschwunden waren.

Die Karten wurden wieder gegeben.

Zu spät wurde Snape klar, daß er hätte aussteigen sollen. Seine Karten waren unmöglich zu unterbieten.

Er trug Hemd und Boxershorts – und eines davon musste er jetzt ausziehen.

Er brauchte alle seine Selbstbeherrschung, um nicht auf der Stelle Hermine – die gegeben hatte – fünfhundert Punkte für verdammt schlechte Karten abzuziehen – und jedem Anwesenden weitere 1000 dafür, daß sie einen Lehrer in eine so peinliche Lage gebracht hatten. Das würde Slytherin bei etwa Minus 300 Punkte lassen, Gryffindor bei mehreren tausend im Minus. Dann würde mit Sicherheit Ravenclaw den Schulpokal gewinnen. Wollte er das?

Snape hoffte mit ganzem Herzen, daß er nicht rot wurde, oder sichtbar zu schwitzen oder zittern anfing. Hemd? Boxershorts? Beides kam eigentlich nicht in Frage.

Aufhören und damit leben, daß er zum Gespött der Schule wurde?

Das kam eigentlich auch nicht in Frage.

Am liebsten wäre er disappariert, aber das ging in Hogwarts bekanntlich nicht.

Spielschulden sind Ehrenschulden, hieß es... Hemd oder Boxershorts?

„Ach kommen Sie schon, Professor!“ platzte Ginny heraus. „Ziehen sie endlich ihr verdammtes Hemd aus, ihr Tattoo schockt hier eh keinen mehr!“

Wie war das? Wie konnten die Schüler denn wissen, daß er Dumbeldores Spion war? Woher wussten sie es? All das waren Fragen die dringend beantwortet werden mußten, aber das hier war weder die Zeit noch der Ort dafür.

„Aber nur wenn das Spiel anschließend vorbei ist!“, forderte Snape.

Draco und Ginny nickten nachdrücklich.

Ron und Hermine sahen eher enttäuscht aus, widersprachen aber nicht.

„Und“, fügte Snape hinzu, „Slytherin hat gewonnen.“

Draco grinste.

Die Gryffindors wogen die Vor- und Nachteile jeder Entscheidung gegeneinander ab. Das Spiel würde so oder so beendet sein – Snape würde wohl kaum weitere Kleidungsstücke ablegen – abgesehen davon, daß auch ihre eigene Auswahl immer begrenzter wurde.

Schließlich stimmten sie – mehr oder weniger unglücklich – zu.

Snapes Hemd wanderte langsam auf den restlichen Stapel. Ganz wohl war ihm nicht dabei. Hermine fiel bei seinem Anblick fast in Ohnmacht. Von diversen anderen Anwesenden erntete er bewundernde Blicke.

„So!“ verkündete er. „Das Spiel ist aus!“

Als hätten sie nur auf diese Worte gewartet, packten Draco, Ginny, Hermine und Ron ihre Kleiderstapel.

Snape wollte dasselbe tun.

Er griff ins Leere.

Wo waren seine Sachen?

Die Schüler konnten förmlich sehen, wie sich ein Fragezeichen über Snapes Kopf formte, gefolgt von einer Gedankenblase mit Hammer, Amboß, Totenkopf, geballter Faust, Staubwölkchen und Blitzen.

Einen Augenblick später tauchte Dobby im Zimmer auf.

„Wo ist denn Rest von Wäsche?“, erkundigte er sich. „Dobby bringt dreckige Sachen zum Waschen!“