NEUGIER
von Lhyra
Feedback: Lhyra
Sie zeichnete.
Es war kaum zu glauben, aber sie saß an ihrem Platz und zeichnete. Gut. Sie
hatte das Pergament schon zur Seite gelegt und schien fertig zu sein. Was
sollte er dagegen sagen? Er konnte nichts dazu sagen. Die anderen
Ordensmitglieder hatten außerhalb des Hauses zu tun...
Was zum Geier
zeichnete sie nur?
Seine Slytherin
- Neugier wieder! Innerlich schüttelte er den Kopf über sich selbst. Er blieb
am Spülstein stehen und goss Wasser in den alten Kessel. Wieder warf er ihr
einen Blick zu.
Angestrengt
blickte sie auf das Papier vor sich. Einige widerspenstige Locken hatten sich
aus ihrem Zopf gelöst und umrahmten ihr Gesicht in schmeichelnder Art und
Weise. Ihre zimtfarbenen Augen leuchteten auf und sie fuhr fort, das Bild zu
vervollständigen. Der Kessel lief über und blitzschnell stellte er das Wasser
ab. Sorgsam wischte er ihn trocken. Der Herd war noch heiß, also würde es nicht
lange dauern, bis das Wasser kochen würde.
Er überlegte,
sie zu fragen ob sie auch einen Tee wolle, entschied sich dann aber dagegen. Er
könnte ihr ja einfach die Tasse mit Tee hinstellen und so sehen was sie
gezeichnet hatte. Ja das war die richtige Idee!
Er bereitete die
Kanne vor und schüttete großzügig Teeblätter hinein. Die Tassen stellte er auf
die Anrichte und wühlte in einem Schrank nach dem Zucker.
Er riskierte
wieder einen Blick.
Sie lächelte
beinah liebevoll, als sie auf die Zeichnung sah. Merkwürdige Reaktion. Nun ja,
sie war vielleicht so stolz auf ihr Werk, dass sie es gern hatte...
Der Kessel pfiff
ziemlich widerlich. Schnell füllte er das Wasser in die Kanne und hoffte, sie
würde noch ein wenig weiterzeichnen.
Sie lachte auf
und hantierte emsig weiter auf dem Papier.
Ob sie Potter
zeichnete? Oder noch schlimmer, das rote Wieselkind? Verdammt, er musste
einfach sehen, was sie da zusammengezeichnet hatte! Innerlich schäumend stellte
er sich vor, sie hätte einen dieser Jungs gezeichnet. Was sollte an
ihnen schon so toll sein, das sie die so liebevoll betrachtete und sogar
auflachte! Sie waren ohnehin unglaublich anstrengend und nicht einmal
ansatzweise so klug und heldenhaft, wie so mancher dachte.
Verdammte Axt!
Der Tee!
Schnell goss er
das dampfende Gebräu in die beiden Tassen, fügte Zucker und Zitrone hinzu.
Gleich würde er es sehen. Er grinste innerlich und machte sich mit ihrer Tasse
auf den kurzen Weg um den Tisch. Vorsichtig stellte er die Tasse vor sie hin
und spähte dabei auf das Papier. Ihm stockte der Atem.
„Du hättest auch
einfach fragen können, Severus. Ich hätte dir auch so gezeigt, was ich hier
tue."
Zerknirscht sah
er in ihr liebevoll lächelndes Gesicht.
„Gefällt es
dir?"
Er ließ sich
neben ihr nieder und blickte lange auf das Gesicht, dass ihm von dem Papier
entgegensah. Sie hatte wirklich wunderbar getroffen, was sie sah, wenn sie ihn
anblickte. Seine Augen schienen auf dem Bild zu funkeln und seine Lippen ein diabolisches
Lächeln anzudeuten. Sie hatte den Kragen seiner Lehrerrobe leicht offen stehen
und ein paar Brusthaare herausschauen lassen. Er sah zu ihr.
„Gefallen ist
kein Ausdruck, Hermine. Es ist sagenhaft gut getroffen."
Sie grinste
verlegen.
„Danke, Severus."
Seine Hand hob
sich wie von selbst und strich über ihre Wange. Sie hob ihr Gesicht seiner Hand
entgegen und küsste sie.
Wie intim diese
Geste war, seufzte er innerlich. So intim wie dieses Bild. Sie musste ihn so
gesehen haben, als sie heute morgen aufgestanden waren - widerwillig wie immer.
Viel lieber wäre er mit ihr im Bett geblieben, wie es wohl jedes Paar tun
wollte, das in den Flitterwochen war.
„Lass uns nach
oben gehen und es über unser Bett hängen," bat er rau und verschlang sie wieder
mit Blicken.
Sie lächelte
vielsagend und antwortete: „Gern. Dann brauche ich zum Glück auch den Blasen-
und - Nierentee mit Zitrone nicht zu trinken."
Er hob eine
Braue und lachte schallend los.
ENDE