EIN TAG

Ein Tag im Leben von Narcissa Malfoy

 

von  Boeli

 

 

 

Lange blonde Haare fielen langsam auf den Boden.
Müde blaue Augen schauten in den Spiegel.
Die schwere marmorne Bürste sank langsam auf die Ablage.
Die Gesichtscreme war noch nicht ganz getrocknet, als die Tür plötzlich aufgerissen wurde.
„Verdammt, wo bleibst du?"
Die blauen Augen weiteten sich vor Schreck. „Du bist zu hause?"
„Das siehst du doch."
Die Kälte in der Stimme ließ ihr einen Schauer über den Rücken laufen. „Ich bin gleich fertig."
Sie sah seine Hand, bevor er sie grob am Arm riss. „Du kommst jetzt sofort mit." Er roch nach süßlichem Damenparfüm.
Widerstandslos ließ sie sich ins Schlafzimmer zerren, wo er sie aufs Bett warf. „Zieh dich aus."
Zitternd zog sie sich das seidene Nachthemd über den Kopf und begann hastig es ordentlich zusammen zu falten.
Sie spürte das alte Mahagoniebett nachgeben und schloß resigniert die Augen.
Es tat weh. Es hatte schon immer weh getan und würde es wohl auch immer tun. Sie war über ihre romantischen Mädchenträume hinweg und konnte bei dem Gedanken an diese noch nicht einmal mehr weinen.
Als sie ihn neben sich endlich tief und ruhig atmend hörte, zog sie leise ihr Nachthemd wieder an. Am liebsten hätte sie nochmals geduscht, doch aus Angst ihn zu wecken blieb sie im Bett.
Die Arme um ihre Knie geschlungen schlief sie schließlich ein.
 
Am nächsten Morgen hatte ihr Mann das Anwesen schon verlassen, was ihr die Gelegenheit gab, in das ehemalige Kinderzimmer ihres Sohnes zu gehen.
Sie setze sich auf die Fensterbank und ließ den Blick über den großen Park schweifen.
‚Dort unter der Eiche hat er mich zu ersten Mal geküsst,' schoß es ihr auf ein Mal durch den Sinn. ‚Dort hat er zum ersten Mal mein Gesicht gestreichelt. Dort war ich noch glücklich.'
Energisch stand sie auf. Der Haushalt machte sich nicht von alleine und wenn man die Hauselfen nicht im Blick hatte, ging alles drunter und drüber.
Erfolgreich verbannte sie alle Gedanken an alte Tage. Selbst das Kinderfoto ihres Sohnes erreichte nicht mehr ihre Sinne.
 
Die Uhr schlug majestätisch neun mal.
Das Buch sank in ihren Schoß.
Ein weiterer Tag war vorüber.