DER MORD

    von AlohomoraP

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Der Mord

Keuchend stolperte Severus Snape über die Schwelle seines Büros im Kerker. Sein Puls raste und ihm war heißer den je. Er versuchte, seinen Atem wieder unter Kontrolle zu bekommen während er verzweifelt seinen Schreibtisch durchwühlte. Wo war die Tinktur, wo um alles in der Welt war diese Tinktur. Schreiend vor Wut und Ratlosigkeit riß er die Schubladen heraus und leerte sie auf den Boden. Unmengen von Papier, meist Rezepte, fielen heraus. Dann endlich, sah er ein kleines Fläschchen über den Steinboden kullern. Erleichtert nahm er es in seine vor Nervosität schwitzende Hand und ließ es in die Tasche seines Umhangs gleiten. Er nahm den Zauberstab in die Hand und apparierte.

Wenige Sekunden später fand er sich im Wohnzimmer der Familie Potter wieder. Es roch nach neuen Möbeln, was kein Wunder war wenn man die Tatsache betrachtete, dass die Potters erst vor etwa einer Woche hier eingezogen waren. In der Mitte des großen Raumes stand eine hölzerne Kinderwiege mit hellblauen Vorhängen. Mit pochendem Herzen schlich Severus auf die Wiege zu, immer nur einen Gedanken im Kopf: Hoffentlich komme ich nicht zu spät, Herrgott, bitte laß mich nicht zu spät kommen! Ein plötzliches Quietschen ließ ihn aufschrecken, doch ein Blick auf den Boden ließ ihn wissen, dass er nur auf eine kleine Quietschente gestiegen war, wahrscheinlich ein Spielzeug des kleinen Jungen. Das Geräusch schien das ein Jahr alte Baby in der Wiege aufgeweckt zu haben, denn es begann zu weinen. Nun trat Severus erleichtert zur Wiege und blickte auf das Kind, das in dem Augenblick, als es die lange Hakennase des Zaubertrankmeisters sah, anfing zu lächeln. Ja, es lächelte. Es lächelte ihn an. „Was um alles in der Welt machen Sie hier?"

Erschrocken drehte Severus sich um und sah hinter sich den zornig dreinblickenden James Potter und neben ihm eine besorgte Lily Potter, wobei der Erstgenannte seinen Zauberstab auf ihn richtete. „Severus?", sagten beide fast gleichzeitig. Der verwunderte James ließ seinen Zauberstab sinken und starrte ihn an. „Was machst du denn hier?", wiederholte James seine Frage. Auf die Idee, seinen ehemaligen Schulkameraden zu grüßen, kam er gar nicht. Sie hatten sich nie besonders gut verstanden und wie es aussah hatte auch keiner der Beiden Interesse daran, dies zu ändern. „Ihr müßt hier verschwinden!", begann Severus ohne Umschweife, „Der, dessen Name nicht genannt werden darf, macht sich auf den Weg hierher!"- „Was erzählst du bloß wieder für einen Unsinn! Wieso sollte der dunkle Lord zu uns kommen? Mach dich nicht lächerlich! Du bist müde und wahrscheinlich hast du zu viel getrunken. Ich glaube es ist besser, wenn du wieder gehst."- „Das glaube ich nicht!"

Plötzlich unterbrach ein ohrenbetäubender Knall, wie von einer Explosion, den Streit der beiden Männer. Mit einem bösen Blick für Severus lief James Potter aus dem Wohnzimmer in den Hausflur. Er sah die Haustür, zersplittert, und davor... Er kam nicht mehr dazu, seinen Zauberstab zu ziehen. Der dunkle Lord war schneller und ein grüner Strahl aus dessen Zauberstab ließ ihn zu Boden sinken. Sein Leben lief in Sekundenschnelle vor seinem inneren Auge ab. Lily, Harry! Dann schloß er die Augen.

Lily und Severus hatten das Gepolter im Hausflur gehört und Lily nahm voller Furcht ihren kleinen Sohn Harry aus der Wiege. Erschrocken sah sie den wie versteinert im Wohnzimmer stehenden Severus an. Sie schüttelte den Kopf und ging immer weiter zurück. „Nein!", flüsterte sie, „Bitte nicht!" Doch es war zu spät. Dunkelheit und Kälte erfüllte den Raum und ließ allen Anwesenden Gänsehaut bekommen. Die Donnerstimme von Lord Voldemort erfüllte den Raum. „Deine letzte Chance...", grollte er. Lily schüttelte den Kopf, vorerst unfähig, ein Wort zu sagen. Dann schrie sie in Todesangst: „Nicht Harry, rette das Kind, Severus! Bitte nicht Harry!!!" Dann wurde auch sie vom tödlichen Strahl aus dem Zauberstab des dunklen Lords getötet. Harry lag am Boden, schreiend, verzweifelt nach dem Arm seiner toten Mutter haschend. Doch da baute sich Lord Voldemort auch schon vor ihm auf. Er wisperte ein paar Worte, den Zauberstab auf das Kind gerichtet. In letzter Sekunde stürzte Severus sich auf Voldemort. Der Zauberstab fiel zu Boden und die Macht des Fluches traf denjenigen, der ihn aussprach: Voldemort. Wie ein Häufchen Elend lag er nun am Boden. Dann verschwand er.

Severus sah den kleinen Harry am Boden liegen. Keiner durfte erfahren, dass er in dieser Nacht im Hause Potter war. Das würde zuviel verraten. Das würde verraten, dass auch er ein Todesser war. Und wie sollte er alle anderen überzeugen, dass er sich von der dunklen Seite abgewandt hatte? Keiner würde es ihm glauben und am wenigsten die Dementoren von Askaban. Als Severus den Zauberstab des dunklen Lords am Boden liegen sah, erkannte er seine einzige und auch letzte Chance, sich aus der Sache heraus zu winden. Er hatte es versucht, er wollte sie retten. Und er hatte es nicht geschafft. Zitternd griff er nach dem Fläschchen in seinem Umhang. Die Tinktur, die Voldemort hätte vernichten sollen. Er schraubte es auf und gab ein wenig davon auf seinen Finger. Er fuhr dem kleinen Jungen damit zackenförmig über die Stirn. Die Tinktur fing an zu rauchen und plötzlich prangte eine große, zackenförmige Narbe auf Harrys Stirn. Da bemerkte er, dass auch seine Fingerkuppe in Mitleidenschaft gezogen worden war. Doch dies war nebensächlich. Er hörte, wie ein Motorrad vor dem Haus hielt und eine Stimme, die ganz nach Hagrid klang, rief: „James, Lily..." Er apparierte.