Über Euer Feedback freut sich: Sistermorphine
Er sah ihr in die Augen. Ganz still stand er da und sagte kein einziges Wort. Er lächelte nicht, sah sie nur an, so als würde er ihr zum ersten Mal gegenüberstehen. Sie verstand nicht, warum er nichts sagte. Sie verstand nicht, warum er sie nicht in die Arme schließen wollte. Sie wartete, wartete darauf, dass er den ersten Schritt tun würde. Er tat nichts, sah sie weiterhin mit seinen unergründlichen Augen an.
Er würde nicht den Beginn machen. Schüchtern legte sie ihre Hand in die seine. Er wies sie nicht ab. Er schloss seine Finger um die ihren. Sie wartete. Unerträgliches Warten. Was sollte sie denn noch tun? Sie sah ihn fragend an. Er zog erstaunt die Augenbrauen hoch, neigte seinen Kopf fast unmerklich und sah sie ebenfalls fragend an.
So hatte sie sich das nicht vorgestellt. Verdammt, wusste er nicht, was sie erwartete. Offenbar wusste er es nicht, denn er stand ganz ruhig da. Sie war entäuscht. Sie wollte, dass er sie in die Arme schloss und leidenschaftlich küsste. Sie mit süßen Worten, die er ihr zuflüsterte, verführte. Aber nichts von ihrer Sehnsucht, von ihrer Leidenschaft spiegelte sich in seinem Gesicht wider.
Endlich begriff sie. Er kannte ihre Träume nicht, ihre Wünsche und ihr Verlangen. Er kannte sie nicht. Er würde nichts tun, was sie nicht entschied, ihn tun zu lassen.
Die Zeit war gekommen, sich von ihm zu verabschieden. Sie strich ihm über die Wange und lächelte ihn an. Er lächelte zurück und nickte ihr zu, bevor er verschwand.
Ein Lächeln umspielte auch ihre Lippen, als sie erwachte. Der Mann, der sie im Arm hielt, war nicht der Mann aus ihrem Traum, aber es war der Mann, der immer für sie da war, der ihr ihre Wünsche von den Augen ablas und der ihr nun zärtlich eine Haarsträhne aus ihrem Gesicht strich.