Inhalt: 3 Liebesbriefe, die aus Versehen in die
falschen Hände geraten…
Es war bis jetzt ein ganz normaler Freitag in Leben einer Schülerin aus Hogwarts gewesen. Nur nach dem Mittagessen in Kräuterkunde war Hermine Granger ein leicht zerbrechlicher Glasbehälter aus den Händen gerutscht. Jetzt, kurz nach der Stunde muss sie noch die restlichen Scherben wegkehren. Um nicht zu spät zu der nächsten Stunde zu kommen, geht Hermine nicht den normalen Weg hoch zum Schloss, sondern nimmt eine Abkürzung durch ein paar Sträucher. Als sie so rennt, fällt ihr Blick plötzlich auf einen dunklen Fleck nur etwa zehn Meter entfernt. Neugierig, wie sie ist, geht sie hin und hebt ein mit Leder umbundenes, schwarzes Büchlein auf. Sie schaut hinein, um den Namen vom Besitzer ausfindig zu machen. Es ist ein Terminplaner, in dem ziemlich viel zu stehen scheint.
Völlig begeistert beginnt Hermine darin zu lesen, sie hat alles um sie herum vergessen, als beim Umblättern ein paar Blätter herausfallen. Sie hebt sie auf und vergisst nun das Büchlein und setzt sich auf der Stelle wo sie war hin und beginnt zu lesen. Es ist ein Liebesbrief. Es sind sogar drei Liebesbriefe. Alle drei sind, wie sie findet sehr romantisch und wirklich schön geschrieben. Und alle handeln von der Liebe des Lebens, die unerreichbar ist. Ihr kommen beim Lesen sogar die Tränen, doch sie bemerkt, dass nirgendwo ein Name steht. Weder der Absender, noch der Empfänger. Doch da, sie hatte voller Lesewahn die erste Zeile übersprungen. Da steht es und sie konnte es nicht glauben. Da steht tatsächlich: „An meine geliebte, kluge Schülerin Hermine Granger, von Severus Snape."
Sie kann es nicht fassen. Sie sitzt da im Gras und starrt auf das Papier. Doch da fällt es ihr ein. Es muss ein Streich sein. Ja, das ist es sicher. Irgendjemand hat das geschrieben, gesehen, dass sie hier entlangläuft und es hingelegt. Jeder wusste doch, dass Hermine Granger nicht an etwas Lesbaren vorbeilaufen würde. Aber dann musste derjenige irgendwo in der Nähe sein. Also ruft sie erst leise und dann etwas lauter: „Komm raus! Ich weiß, dass du da bist. Das ist ja sehr witzig, aber ich falle nicht darauf herein!".
Doch nichts rührt sich. Wieder sieht sie herunter auf die Briefe in ihrer Hand. Sie schaut noch einmal in den Terminplaner und findet einen Namen: Severus Snape
Jetzt erkennt sie auch, dass die Schrift auf den Briefen tatsächlich die von ihrem Professor war. Sie kennt sie von den Korrekturen ihrer Hausaufgaben. Sie sitzt noch eine Weile da und denkt über die Briefe und über alles nach. Sie hätte nie gedacht, dass ihr Zaubertranklehrer überhaupt lieben könne! Aber das war ja dumm, jeder Mensch muss lieben können! Er ist nie sonderlich nett zu ihr gewesen. Genauso nett, wie zu allen anderen Gryffindors.
Als es dunkel wird, bemerkt sie, dass sie schon seit fast vier Stunden hier sitzt und nur nachdenkt. Der Unterricht! Aber das ist ihr jetzt auch egal. Sie geht hinauf ins Schloss und sofort zum Gemeinschaftsraum, denn Hunger hatte sie jetzt nicht. Auch von Harry und Ron geht sie einfach vorbei, obwohl diese sich erkundigen, wie es ihr gehe, weil sie ja nicht zum Unterricht gekommen war. Das kam nicht sehr oft vor. Sie hat einen sehr unruhigen Schlaf und kann an nichts anderes als an die drei Liebesbriefe auf ihrem Nachttisch denken.
Am nächsten Morgen will sie den Planer vor Severus Snapes Kerkertür legen und hoch zum Frühstück gehen, doch als sie sich gerade wieder aufrichtet, geht die Tür vor ihr auf. Vor ihr steht, wie immer ganz in schwarz gekleidet, Severus Snape.
„Was wollen sie denn hier? Ich wollte gerade zum Frühstück gehen!" er klingt eigentlich wie immer, boshaft und angsteinflößend. Bevor sie antworten kann, fällt sein Blick auf den Terminkalender. Er schaut ihn an und dann wieder sie.
„Haben sie den da hingelegt? Wo haben sie den her?"
„Ich…ähm…ich habe ihn unten in der Nähe des Sees gefunden."
„Haben sie etwa darin gelesen?"
"Nein…naja…eigentlich schon." Sie kann nicht glauben, was sie da selber gerade
sagt. Aber sein Blick fesselt sie.
„Nicht das Buch, sondern die…die Briefe!"
„Welche Briefe?", sagt er und schaute den Planer an.
„Na die Liebesbriefe!", rutscht es ihr heraus. Doch er schaut so verwirrt wie zuvor und da kommt es ihr wieder: jemand hat den Terminkalender gefunden und die Briefe hineingetan. Aber…
„Ich weiß nicht was sie mei…" seine Augen weiten sich, er starrt sie an und sagt: „Wirklich?".
Sie nickt. Er schnappt sich das Buch und schlägt die Tür vor ihrer Nase zu.
Die nächste Nacht schläft sie fast noch unruhiger, als die zuvor. Heute hatten sie keine Zaubertrankstunde gehabt, aber morgen würde sie ihn wieder sehen. Sie hatte richtig Angst davor.
Doch er erscheint nicht zum Unterricht. Auch die nächsten paar Tage war nichts von ihm zu sehen.
Sie muss einfach schauen, wie es ihm geht. Sie weiß ja, dass er sich wohl nur wegen ihr nicht mehr in der Schule blicken lässt. Also steht sie noch mal vor seiner Kerkertür, fasst allen Mut zusammen und klopft. Es dauert eine Weile, dann öffnet sich die Tür und vor ihr steht nicht Severus sondern Albus Dumbledore, der Schulleiter von Hogwarts. „Ah, gut…sehr gut…Miss Granger wir haben soeben von ihnen gesprochen! Bitte treten sie doch ein!", sagt er.
Sie will eigentlich nein sagen, aber dann findet sie sich schon im Wohnzimmer ihres Lehrers wieder. Dann erblickt sie ihn, Severus Snape. Er hat eingefallene Backen und wirkt noch blasser als sonst. Er sitzt in einem der zwei Sessel um einen kleinen Tisch mitten im Raum. Dumbledore ergreift das Wort: „Jetzt sprecht über alles und ich weiß, dass dann alles wieder geregelt wird. Severus, ich brauche dich hier als Lehrer und kann und möchte nicht auf dich verzichten! Bitte denk noch einmal über deine Entscheidung nach! " und er geht hinaus. Jetzt sind nur noch sie zwei im Zimmer und er schaut sie noch immer an. Zum ersten Mal fallen ihr seine großen, rabenschwarzen Augen auf. Lange sagt keiner der Beiden ein Wort, sie starren sich nur die ganze Zeit an. Dann sagt Hermine: „Ähm… wie geht es ihnen?"
„Sie müssen wissen, dass ich nie vorhatte, die Briefe irgendjemanden zu zeigen...schon gar nicht ihnen!"
„Und ich hab sie auch nicht mit Absicht gelesen…ich hab nur schauen wollen, wem der Planer gehört. Es tut mir leid!"
„Alles, was sie gelesen haben stimmt!... aber keine Angst, ich werde die Schule verlassen. Ich will und kann so nicht weiterarbeiten!."
„Aber Dumbledore braucht dich doch! Was soll er ohne dich machen? Ich werde nicht zulassen, dass du gehst!"
„Sie dürfen ruhig ‚du' zu mir sagen!", sagt er und schmunzelt. Auch ihr fällt es auf und sie wird sofort rot. Sie hatte gerade einfach so einen Lehrer geduzt.
„Danke.", sagt sie etwas kleinlaut, "sie…äh…du darfst auch du zu mir sagen!"
Er steht auf und geht auf sie zu. Er kommt immer näher und näher. Mit jedem Schritt von ihm, vergehen für sie die Sekunden langsamer. Als er, so glaubt sie, nach Stunden bei ihr ankommt, wird ihr ganz heiß in der Brust. Er verharrt vor ihr und sie sehen sich, wie es ihr wieder vorkommt, ewig lange in die Augen. Wieder findet sie seine großen Augen unfassbar schön. Sie versinkt in ihnen und wie hypnotisiert streckt sie ihm ihre Lippen entgegen. Er erwidert ihren Kuss. Die tiefe Leidenschaft hat sie beide gepackt! Diesmal wirklich nach ewig langer Zeit sagt sie:
„Gott sei Dank habe ich bei Kräuterkunde noch zusammenkehren müssen"…