Die Stadt des Lichts 22 - 30
vonFeedback: Centauria
Ein Schmunzeln huschte über sein angespanntes Gesicht.
„In Sachen Selbstbeherrschung seid Ihr Gryffindors wirklich schwach!", raunte er und seine Stimme klang heiser und rau.
„Ist mir egal!", murmelte sie und presste sich an ihn. Dann stellte sie sich auf die Zehenspitzen, bis sich ihre Augen mit seinen auf einer Höhe befanden und ihre Gesichter nur noch wenige Zentimeter voneinander entfernt waren. Er blickte abwechselnd in ihre Augen und auf ihre Lippen. Sie spürte sein Herz an ihrer Brust rasen, fühlte seinen heißen Atem an ihren Lippen und öffnete sie leicht. Er schluckte.
„Nun küss mich schon!", flüsterte sie gegen seinen Mund und im selben Moment schnellte er nach vorne, um ihre Lippen heftig mit den seinen zu bedecken. Seine Küsse brannten und verschlangen sie, erlösten sie und weckten neues Verlangen, heilten sie und raubten ihr den Verstand.
Er ließ seine Augen geöffnet, immer auf der Hut, nicht beobachtet zu werden. Doch sie waren in einer geschützten Ecke und die anderen zu sehr mit ihren eigenen Beziehungseskapaden beschäftigt, um sie zu beachten.
Er löste sich von ihrem Kuss und schob ihren Unterkörper mit einer Hand behutsam ein Stück von sich weg.
„Miss Granger, so beherrschen Sie sich doch!" Er lächelte sie an, der Blick für einen magischen Moment voller Liebe und Hingabe, Charme und Witz.
„Das ist nicht leicht in Ihrer Gegenwart, Professor!", schmunzelte sie zurück und ließ dann von ihm ab. Sie blickte sich um. Adrian hatte sich mit Libella unter Bridgets Stuhl eingerollt und war eingeschlafen.
„Severus, schau mal!" Sie zupfte an seinem Ärmel und deutete auf die Kinder.
„Na wunderbar! Unser Sohn lässt sich mit einer Weasley ein! Meine schlimmsten Albträume werden war!", stöhnte er und rollte theatralisch verzweifelt mit den Augen. Sie lachte und drehte sich um.
Ginny saß mit traurigem Blick auf einem einsamen Sessel in der Ecke hinter dem Kamin. Sie hatte die Beine angezogen und ihr Kinn auf die Knie gelegt. Hermine sah sich suchend nach Draco um, konnte ihn aber nirgends entdecken.
„Ginny, wo ist denn Dein…wo ist denn Draco hin?" Irgendwie kam es ihr komisch vor, von ihm als „ihrem Freund" zu sprechen; sie verhielten sich einfach so gänzlich nicht wie ein Paar.
„Keine Ahnung!", meinte Ginny gleichgültig und ihre Stimme klang müde.
„Streit?" Hermine setzte sich neben sie.
„Nicht mehr oder weniger als sonst!" Ginny sah sie nicht an.
„Warum bist Du nicht bei Lara, Maureen und Patricia geblieben, wenn es so unerträglich ist?", fragte Hermine freundlich. Nun blickte Ginny ihr in die Augen.
„Keine Ahnung, Hermine, vielleicht steh ich ja auf Zurückweisung!", meinte sie sarkastisch.
„Da haben wir was gemeinsam!", gab Hermine trocken zurück, „Wenn ich da so manchmal an meine Auseinandersetzungen mit Severus denke!"
„Echt? Ihr seht immer aus, als würde zwischen Euch ein Dauerfeuer brennen!", staunte Ginny.
„Ha!", machte Hermine, „Feuer stimmt schon, aber ob Feuer wärmt und angenehm knistert oder einen gefährlich verletzt, das sind zwei Seiten einer Medaille!"
Ginny schnaubte.
„Wie philosophisch!" Sie lächelte die Freundin an und empfand zum ersten Mal seit Monaten wieder wirkliche Zuneigung zu ihr. Plötzlich war Hermine nicht mehr die Miss Perfect, die Beruf, Beziehung und Mutterschaft glänzend und mit umwerfendem Charme meisterte, auf einmal war sie Kumpanin, Leidensgenossin, verständnisvolle Partnerin. Ihre Schultern berührten sich kurz und bevor Hermine wusste, wie ihr geschah, hatte Ginny ihren Kopf in ihre Arme sinken lassen. Fast erschrocken fuhr Hermine hoch, legte dann aber sofort instinktiv den Arm um die jüngere Freundin und streichelte ihr beruhigend den Rücken, als sie fühlte, wie deren Schultern zuckten. Hermines Wange ruhte auf Ginnys Hinterkopf und sie roch den Duft ihrer Haare.
Sie sah sich im Raum um, aber niemand schien sie zu bemerken…niemand bis auf Severus, der aufmerksam und ruhig zu ihnen hinüber sah. Er saß mit überschlagenen Beinen in seinem Sessel, die Haare verdeckten ein wenig sein rechtes Auge, sein Blick lag wissend und achtsam auf ihr, ein Mundwinkel zuckte kurz, als sie den Blick erwiderte. Seine Augen blitzen wie Feuer.
„Es tut mir Leid", schniefte Ginny leise und sah sich nervös um. Hermine zog ein Tuch aus ihrer Tasche und reichte es ihr.
„Es muss Dir nicht unangenehm sein!", versicherte sie und lächelte Ginny an.
„Ich meine nicht das eben, sondern meine feindschaftliche Haltung Dir gegenüber in der letzten Zeit. Das hatte eigentlich gar nichts mit Dir zu tun. Nicht persönlich mit Dir jedenfalls. Du schienst nur…Dein Leben, Deine Beziehung, Adrian; Du schienst alles so gut im Griff zu haben. Dann bist Du schon bald fertige Aurorin, bist Mutter, siehst immer so perfekt aus, bist selbstbewusst, charmant…" Ginny stockte.
„Sprichst Du von mir?" Hermine grinste und Ginny musste kurz lachen.
„Ich war einfach neidisch, weil bei mir seit Hogwarts alles nur noch den Bach runter ging, ich hab meine Eltern so enttäuscht und Neville sehr verletzt und…" Sie blickte kurz zu ihrem Exfreund hinüber. Er sah gut aus; ausgeglichen und nicht mehr so verängstigt. Die braunen Haare fielen locker in sein Gesicht, das langsam den letzten Rest Babyspeck und damit die Pausbacken verloren hatte. Seine Stimme hatte den hohen Fistelton der Schüchternheit verloren und war gleichmäßig tief und angenehm geworden. Ginny musste lächeln, als sie daran dachte, wie tollpatschig er sich in der Beziehung oft angestellt hatte, wie verschreckt er oft über ihre Wutausbrüche und ihr typisch weasley´sches Temperament gewesen war.
Nein! Das wäre auf
Dauer nicht gut gegangen mit uns!
„Und Draco?", fragte Hermine, als sie nicht weiter sprach. Ginny wandte sich ihr wieder zu.
„Tja, Draco!" Ginny seufzte tief. „Er ist so schwierig! Mal verstehen wir uns für kurze Zeit ganz gut, keiner stichelt rum, keiner beleidigt den anderen, aber dann; eine winzige Begebenheit, eine ungewohnte Situation und schon geht´s wieder los. Und sobald andere Menschen dabei sind, sowieso!"
„Aber Du willst bei ihm bleiben?"
Sie nickte.
„Was macht er jetzt eigentlich?", erkundigte sich Hermine.
„Er versucht glaube ich, mit seiner Firma wieder auf die Beine zu kommen. Jedenfalls gehen manchmal wichtig aussehende Geschäftsleute bei uns aus und ein", erzählte sie.
„Hermine, entschuldige, wenn ich unterbreche, aber wir sind total müde und wollten uns verabschieden!" Bridget und Ron standen mit der schlafenden Libella auf dem Arm vor ihnen.
„Ja, klar! Gute Nacht!" Hermine stand auf, um sie zur Tür zu bringen. Ginny schaute ihr hinterher und ärgerte sich in dem Moment, dass sie die Freundin nicht nach dem Tod von Dracos Vater gefragt hatte; aber sie war so aufgewühlt durch das Gespräch gewesen, dass sie es für den Augenblick glatt vergessen hatte.
„Hallo Ginny!" Neville setzte sich schüchtern neben seine Exfreundin.
„Wie geht´s Dir?", fragte er und blickte sie aus seinen großen Teddybäraugen an.
„Es geht, und Dir?", fragte sie und merkte, dass sie nervös wurde. Sie hätte eher vermutet, dass er ihr vor die Füße spucken würde, als sich nach ihrem Befinden zu erkundigen. Aber so war Neville eben; liebenswert, treu und freundlich.
„Sehr gut!" Er strahlte sofort von einem Segelohr zum anderen. Nur dass seine Ohren nun unter dem etwas längeren Haar versteckt waren, was ihn reifer und irgendwie weniger unbeholfen aussehen ließ.
„Macht das Studium Spaß, ja?", schlussfolgerte sie und für einen Augenblick durchzuckte sie Reue, ihn verlassen zu haben. Er hatte sich doch zu einer merklich guten Partie entwickelt.
„Großen Spaß! Ich habe diesen Sommer Zwischenprüfung!", sprudelte er heraus.
„Und? Neue Freundin?" Sie grinste kurz schüchtern und er lief dunkelrot an und senkte den Blick.
„Mmmh!", machte er verlegen.
„Eine aus der Uni?"
„Ja!", kam die zurückhaltende Antwort. Ein Funken von Eifersucht bohrte sich in ihr trügerisches Herz.
Tja, Ginny, Du
wolltest ihn nicht haben, jetzt hat ihn eine andere!
„Okay, Ginny, ich werde jetzt auch gehen!" Neville stand auf und lächelte sie noch mal kurz an. Er hatte nicht gefragt, ob sie mit Malfoy zusammen war und wie lange das zwischen ihnen schon ging. Er hatte nicht wissen wollen, ob sie ihn betrogen hatte. Nein, dazu war er einfach zu anständig, um das allein schon anzunehmen und sie wollte ihm ganz sicher nicht noch einen Stoß versetzen, indem sie sein Vertrauen vollends zerstörte. Sie nickte ihm zu und erhob sich ebenfalls.
Im Flur standen die restlichen Gäste und verabschiedeten sich von Hermine und Tonks. Harry war anscheinend schon hoch gegangen, stellte Ginny leicht wehmütig fest. Harry strahlte für sie eine merkwürdige Sicherheit aus; Stärke und Charisma, ja, wie Draco gesagt hatte, etwas Heldenhaftes. Sie wusste selber, dass ihr Bild von ihm wahrscheinlich einfach zu einer mädchenhaften Schwärmerei gehörte und mit der Realität selten wirklich konform ging und doch…in seiner Nähe fühlte sie einfach eine besondere Magie.
„Würden Sie mich mal vorbeilassen, Miss Weasley?"
Ginny zuckte zusammen, als die Stimme ihres ehemaligen Zaubertränkelehrers sie aus ihren träumerischen Gedanken riss.
„Na-natürlich, Sir!", stammelte sie und ging zur Seite. Er rauschte an ihr vorbei und lief ohne ein Wort des Abschieds mit wehendem Umhang die Treppe hinauf.
Hermine lief es heiß und kalt den Rücken hinunter, als sie seinen flüchtigen Blick auffing, während er an ihr vorbeiging. Sie vergaß vor Entzücken fast, Neville wieder loszulassen.
Erschöpft, aber auch sehr beflügelt kehrte sie ins Kaminzimmer zurück, um Adrian zu holen. Der lag friedlich schlummernd auf Marcus´ Schoß, welcher als einziger zurückgeblieben war. Er war mittlerweile in ein Buch vertieft, blickte aber auf, als Hermine sich ihm nährte.
„Oh, was machen wir denn da?", fragte sie leise, weil sie ihren Sohn ungern wecken wollte. Er wurde neuerdings immer sehr quenglig, wenn man ihn nachts aus dem Schlaf riss.
„Er kann ruhig hier bleiben, ich hab später noch Bereitschaftsdienst und kann ihn dann zu Jeremy ins Spielzimmer bringen, wenn ich gehen muss!", flüsterte Marcus. Hermine nickte lächelnd.
„Danke!" Sie winkte ihm zu und schloss im Rausgehen leise die Tür.
Der Raum war von wenigen Kerzen beleuchtet, als sie eintrat. Es duftete nach Rosen und Orangenschalen und angenehme Wärme strahlte ihr entgegen. Hermine schloss schnell die Tür, wie um keinen einzigen Funken dieser Atmosphäre nach draußen entweichen zu lassen. Severus saß auf dem Bett und blickte sie an. Sie wollte gerade dazu ansetzen, ihm zu erzählen, dass sie Adrian bei Marcus gelassen hatte, als er sich erhob und geschmeidig auf sie zuging. Seine Ausstrahlung verschlug ihr die Sprache. Er blickte ihr geradewegs in die Augen, die Lippen waren leicht geöffnet. Er hatte seine Robe abgelegt, die schwarzen Hemdsärmel etwas hochgekrempelt.
Sie lächelte ihn warmherzig an. Eine Woge der Liebe schwappte durch ihr Herz. Er blieb vor ihr stehen und hob eine Hand. Seine Fingerspitzen fuhren ihr kaum spürbar, ähnlich einem warmen Windhauch, über die Wange, dann hob er ihr Kinn etwas zu sich an und senkte seine Lippen auf die ihren.
Sei seufzte auf, als sie seine Zungenspitze an ihren Lippen fühlte und gewährte ihm Einlass, um ihn stürmisch zu begrüßen. Sie umschlang seine Zunge, stupste sie spielerisch an, drückte gegen sie und zog sich dann zurück, um ihn weiter hinein zu locken. Er umgarnte sie, verführte sie, neckte und erkundete sie, als wäre es ihr allererster Kuss.
Seine Hände fanden die ihren, verschlangen sich mit ihren Fingern, drückten sie, hielten sie. Dann löste er seine Hände wieder, umschlang sie mit beiden Armen, zog sie eng an seinen Körper heran, ließ sie seine Erregung spüren, seinen Atem, seinen Herzschlag.
Sie umfasste sein Gesicht, streichelte ihn stürmisch und liebevoll, fuhr ihm durch das erstaunlich weiche Haar, hielt es zurück, spielte mit ihm.
Dann hob er ihre Arme an und zog ihr das T-Shirt über den Kopf. Sein Blick wanderte an ihr hinab und verriet pures Begehren und Leidenschaft. Ein leises Stöhnen entfuhr seiner Kehle, als ihre Finger seinen Reißverschluss öffneten und Hose samt Unterwäsche über seine Hüften schoben. Sie hielt seinem Blick stand, während sie langsam in die Knie ging, um ihm die Kleidung von den Beinen zu streifen.
Ein Lächeln umspielte seine Lippen. Er stieg aus den Hosenbeinen, sie richtete sich wieder auf, ließ dabei kurz den Blick über seine aufgerichtete Männlichkeit gleiten, fuhr dann mit den Händen unter sein Hemd, um ihn endlich zu spüren, seine Haut zu fühlen, seine Wärme. Sie kannte die Konturen seines drahtigen Körpers, kannte den Verlauf seiner Sehnen und Muskeln blind, kannte die Stellen, an denen er auf Berührungen besonders empfindlich reagierte.
Seine Hände knöpften das Hemd auf, während sie ihn streichelte und liebkoste. Dann war er nackt, stand in seiner ganzen Verletzlichkeit und Empfindsamkeit, in seiner ganzen Kraft und Beharrlichkeit vor ihr.
Der Blick unverwandt auf ihre Augen gerichtet, seine Hände zielsicher, aber ohne jegliche Eile ihre Hose öffnend. Mochte er auch als Lehrer und Mensch noch so ungeduldig sein, so hatte er doch als Mann und Liebhaber gelernt, der Liebe Zeit und Raum zur Entfaltung zu geben. Er war zu sehr Genießer der Sinnlichkeit, als dass er die seltenen Genüsse überstürzt angegangen wäre.
Als sie endlich auch nackt war, blickte er sie an, als wolle er jeden Millimeter ihrer Erscheinung in sich aufsaugen.
„Es ist lange her!", meinte er dann leise, sie weiterhin fixierend.
Sie nickte.
„Es ist viel passiert!", antwortete sie ebenso leise.
„Bist Du sicher, dass Du bereit dafür bist?", fragte er. Sie standen sich gegenüber, konnten die Hitze der Haut des anderen fühlen, ihre Augen schienen sich brennend ineinander zu verlieren. Sie lächelte kurz, dann nickte sie wieder.
Ein erneuter Kuss, ein Versinken, Körper berührten sich, zwei Welten begegneten einander; Haut schmiegte sich an Haut, Weiblichkeit traf auf Männlichkeit. Erneut löste er sich und sah sie schwer atmend an. Dann hob er sie mit einem Schwung hoch und ihre Beine umschlossen seine Hüfte, während sie ihre Arme um seinen Hals schlang. Sie fühlte ihn hart und groß an ihrem Eingang, stöhnte auf, als er durch eine Bewegung seiner Hüfte an ihr rieb. Dann ließ er sie auf sich hinabsinken und für einen Moment rauschte das Blut in ihren Ohren so laut, dass sie alles um sich vergaß. Das Gefühl war so allumfassend und überwältigend, dass sie nicht wusste, wohin sie mit dem Gefühl sollte.
Sie presste ihr Gesicht an seinen Hals und hörte sein lautes Keuchen an ihrem Ohr, spürte seine Arme sie an sich pressen, sein Herz gegen ihre Brust hämmern. Hitze machte sich zwischen ihnen breit, sein Oberkörper war feucht und angespannt.
„Das ist umwerfend!", raunte er und als sie ihn kurz anblickte, entdeckte sie, dass er die Augen geschlossen hatte und aussah, als hätte er gerade ein tiefspirituelles Erlebnis.
Seine Hände griffen um ihren Po. Erneut hob er sie ein Stück an und ließ sie dann in Zeitlupetempo wieder auf sich sinken, so tief es ging. Seine Knie drohten nachzugeben unter dem intensiven Gefühl, das ihn durchströmte und er beschloss instinktiv, sich lieber freiwillig zu Boden zu begeben, als die Balance zu verlieren. Langsam ließ er sich mit ihr zusammen hinab, bis er kniete und sie auf ihm saß. Nun, da er sie nicht mehr halten musste, ließ er seine Hände über ihren Körper streifen, umfasste ihre Brüste, leckte über ihre schmerzhaft brennenden Warzen, fuhr an ihren Seiten hinab und umfasste dann ihre Hüfte, die sie langsam auf ihm kreisen ließ.
Ihre Augen waren geschlossen, ihr Kopf leicht zurückgelegt, ihr Mund etwas geöffnet, immer wieder kniff sie die Augen zusammen und stöhnte leise auf, wenn sie ihre Hüfte nach hinten kreisen ließ und ihn besonders intensiv spürte. Das brachte ihn auf eine Idee.
Behutsam griff er erneut an ihren Rücken und hielt sie fest, während er sie durch das Vorwärtsbewegen seines Oberkörpers zu Boden dirigierte. Dann richtete er sich wieder auf und umfasste ihre Hüften, während er sein Becken immer wieder gezielt und zügig nach oben bewegte und auf diese Weise kräftig gegen ihre obere Wand stieß. Sie hielt die Intensität seiner Berührungen kaum aus, ihr ganzer Körper verspannte sich und sie umklammerte mit einer Hand sein Handgelenk. Undefinierbare Laute entfuhren ihren Lippen, sie murmelte etwas, dass er nicht verstand. Schweiß trat auf ihre Stirn, die sie unwillkürlich immer wieder runzelte. Ein paar Mal keuchte sie unkontrolliert auf und warf den Kopf zur Seite. Dann wanderte eine Hand in ihren Schoß. Er starrte hinab zu der Stelle, die sie rieb, blickte dann schnell weg, als merkte, wie die Welle der Lust ihn zu überrollen drohte.
Da öffnete sie die Augen, sah ihn direkt an. Nie hatte solche vollkommene Offenheit in ihrem Blick gelegen. Sie hatte sich ihm für diesen Moment vollkommen hingegeben und er hatte das Gefühl, direkt in ihre Seele zu schauen, als sie sich lautlos und nur mit einem tiefen, markerschütternden Seufzer unter ihm aufbäumte. Ihr Blick war die reine Wonne und Liebe.
Als er spürte, wie ihre Kontraktionen um seine Erregung nachließen, verlangsamte er sein Tempo und glitt dafür tief in sie hinein. Hitze durchfloss ihn, als der erlösende Orgasmus sich in seinen Lenden aufbaute. Er zog sich gänzlich zurück, um ganz langsam erneut in ihr zu versinken. Und als er gänzlich von ihrer Enge umfangen war, spürte er, wie die Wellen der Lust über ihm zusammenschlugen und sein Samen sich rhythmisch in ihr ausbreitete.
Sie genoss es sichtlich, ihn zu beobachten. Und sie empfing ihn liebevoll, als er erschöpft auf sie hinabsank, schweratmend und schweißnass. Sie atmete tief seinen Duft von Männlichkeit und Lust ein und strich seine Haare von der feuchten Stirn.
„Ich liebe Dich, Severus!", flüsterte sie an seinem Ohr. Er richtete sich ein wenig auf und blickte sie an.
„Ich liebe Dich auch, Hermine!" Seine Stimme war dunkel wie die Nacht, tief wie ein Ozean und geheimnisvoll wie ein Traum.
Hermine erwachte früh am nächsten Morgen. Es war noch dunkel und sie hörte die gleichmäßigen Atemzüge von Severus neben sich. Sie drehte sich auf die Seite und blickte ihn an. Seine Augenlider flackerten, sein linker Mundwinkel zuckte dann und wann und vereinzelt gab er undefinierbare Laute von sich.
Wovon mag er wohl
träumen?
Sie kroch vorsichtig ein Stück näher an ihn heran, so dass sie die Wärme seines Körpers fühlen und seinen Duft riechen konnte. Da zuckte er plötzlich zusammen und öffnete abrupt die Augen. Sie lächelte ihn liebevoll an.
„Ich wollte Dich nicht wecken!", flüsterte sie und küsste ihn auf die Lippen. Er gab ein zufriedenes Brummen von sich und schlang seine Arme um sie. Sein Körper war schlafwarm und roch intensiv nach ihm und der Liebe der vergangenen Nacht. Sie seufzte wohlig und schmiegte sich an ihn.
„Es war schön gestern!", raunte sie kaum hörbar und er brummte wieder. Seine Stimme klang noch heiser und ungeübt von Schlaf. Er hatte seine Augen wieder geschlossen. Sie küsste behutsam die zarten Lider, dann seine Wangen, seine Nase und schließlich die etwas spröden Lippen. Er ließ sie sofort ein und drückte ihren Mund gegen seinen, indem er ihr eine warme Hand an den Hinterkopf legte. Sie spürte das vertraute Prickeln sie durchströmen, Schmetterlinge in ihrem Bauch wild flattern und Hitze sie durchfluten. Sie schlang ein Bein um ihn und er drückte seinen Schoß an sie, während sein Kuss tiefer und leidenschaftlicher wurde.
Dann zog er sich zurück und richtete den Oberkörper etwas auf.
„Ich muss los!", meinte er und sah sie an, „Kommst Du noch mit frühstücken?"
Sie blickte ihn erstaunt an. Er hatte sie noch nie nach einer gemeinsamen Nacht gefragt, ob sie noch mit ihm frühstücken wolle! Er hatte sich stets leise aus dem Zimmer gestohlen und sich meistens für Tage nicht gemeldet. Welch ein Glück, dass sie heute vor ihm erwacht war!
„Gerne!" Sie nickte und stand auf. Das Zimmer war etwas ausgekühlt über Nacht und sie fröstelte in ihrer Nacktheit, während sie ihre Klamotten vom Boden aufsammelte. Als sie sich wieder aufrichtete, bemerkte sie seinen Blick auf sich. Er saß auf dem Bettrand und schien es vorzuziehen, seine Kleidungsstücke durch den Accio-Zauber zu sich kommen zu lassen, anstatt sie mühsam aufzulesen. Tja, das war wohl der Unterschied zwischen muggelgeborenen Zauberern und solchen, die in magischen Familien aufgewachsen waren, überlegte sie schmunzelnd, während sie ihren BH schloss.
Es war eine eigenartige Situation, sich gemeinsam anzuziehen; obwohl sie schon so lange zusammen waren, hatte es solche alltäglichen, morgendlichen Rituale zwischen ihnen so gut wie nie gegeben. Hermine erinnerte sich an eine einzige Begebenheit während ihrer Schwangerschaft, aber da hatte er sie auch wecken müssen, weil sie ihn unbemerkt von den anderen Auroren wieder aus dem Quartier hatte schleusen müssen…
„Hermine, träumst Du?", schreckte er sie aus ihren Gedanken hoch. Er war mittlerweile vollständig bekleidet und hatte es sogar irgendwie geschafft, seine Haare halbwegs zu sortieren (sie sahen jedenfalls nicht unfrisierter aus, als sonst). Nun stand er an der Tür und wartete auf sie. Hastig zog sie ihren Pullover über den Kopf und griff nach einem Zopfband, um ihre wirren Locken zu bändigen.
„Ich komm gleich nach, ich hole nur noch Adrian", erklärte sie leise auf dem Flur und ging in Richtung Spielzimmer davon, während er die Treppen hinab stieg.
Ihr Sohn schlief still und friedlich in der Hängematte, dick eingemummelt in Decken und von Kuscheltieren umringt. Der Hausgeist Jeremy Crossnight wachte unermüdlich (ein eindeutiger Vorteil von Babysittern in Geistform; sie müssen nie schlafen!) und mit einem seligen Lächeln über den Schlaf seines geliebten Schützlings.
„Ach, guten Morgen, Hermine! Haben Sie schön geschlafen?" Jeremy schwebte von der Hängematte weg auf sie zu und reichte ihr seine Hand. Hermine lächelte und nickte.
„Er ist nicht einmal aufgewacht, als Mr. Suddern ihn hochgebracht hat", berichtete Jeremy, „Die Party muss ihn ganz schön erschöpft haben!"
„Mmmh", machte Hermine und streckte sich, „Besonders die Versuche, die kleine Libella Weasley zum Tanzen zu überreden!"
Jeremy kicherte leise und streichelte Adrian dann über das Köpfchen.
„Ich nehme ihn mit runter zum Frühstück, vielleicht wacht er ja da auf!", meinte Hermine und hob Adrian ächzend hoch. Er schlang seine Ärmchen instinktiv um den Hals seiner Mutter und bettete sein Köpfchen auf ihrer Schulter.
Zu Hermines Überraschung waren Tonks und Harry auch schon wach. Tonks machte einen äußerst übermüdeten Eindruck; ihr kastanienbraunes Haar hing ihr ungebürstet und zerzaust ins Gesicht, ihre Augen waren kaum mehr als schlitzweit geöffnet und sie hing ziemlich apathisch auf ihrem Stuhl und schlürfte mechanisch an einem duftenden Kaffee.
„Na, Tonks, war wohl ne lange Nacht, wie?", meinte Hermine vergnügt und ließ sich neben ihr nieder.
„Mmmh, kann man so sagen!", murmelte die Freundin und warf Hermine ein verschlafenes Grinsen zu. Diese nickte verstehend, während sie aus den Augenwinkeln völlig fasziniert verfolgte, wie Severus gerade durch routiniertes Dirigieren mittels Zauberstabs sein Messer ein ofenfrisches Brötchen beschmieren und die Kaffeekanne seine Tasse füllen ließ.
Auch Harry beobachtete ihn aufmerksam.
„Bloß keinen Handgriff zuviel, was?", kommentierte er dann grinsend und griff demonstrativ nach einem Brötchen, um es eigenhändig aufzuschneiden. Severus knurrte etwas von „typisch Gryffindors" und „eine Frage von Stil und Klasse". Tonks wandte sich schläfrig an Hermine und grinste dann.
Adrian hing noch immer schlafend in Hermines Arm und grunzte bei jedem Einatmen wie ein kleines Schweinchen. Hermine musste lachen. Durch die Erschütterung seiner Unterlage wachte der Kleine plötzlich auf und sah sich etwas orientierungslos um.
„Na, ausgeschlafen, Adrian?", fragte Hermine und Adrian legte den Kopf in den Nacken, um seine Mutter sehen zu können.
„Adian täumt!", meinte er und gähnte dann.
„Echt? Was hast Du denn geträumt?" Hermine griff nach der Flasche, die auf dem Tisch für ihn bereitstand und reichte sie ihm.
„Papa un Adian spiel und dann Papa weg und dann Adian weint und dann Mama au weint und dann Papa wiedakomm und dann Mama un Adian gaaaaaanz froh!" Er blickte seine Mutter ernst an und sie umarmte ihn liebevoll.
„Na, dann ist der Traum ja noch mal gut ausgegangen, was?", fragte sie leise und Adrian nickte und strahlte sie an. Dann kuschelte er sich in den Arm seiner Mutter, steckte sich den Nuckel der Flache in den Mund und begann, laut schmatzend, seine Frühstücksmilch zu trinken. Dabei blickte er neugierig über den Tisch zu den anderen Mitbewohnern und seinem Vater, lauschte ihren Gesprächen und beobachtete ihre Handgriffe.
Hermine schaute kurz zu Severus hinüber. Er erwiderte ihren Blick und ließ die Andeutung eines Lächelns sein Gesicht streifen. Seine Augen verdunkelten sich kaum merklich und nur Hermine fiel auf, wie er tiefer einatmete, als er sie ansah. Sie lächelte kurz zurück und sah wieder weg. Ein Hauch von zartem Rosa bedeckte ihre Wangen.
„Hermiiiiine!" Harry klatschte vor ihrem Gesicht in die Hände und sie fuhr zusammen.
„Was?", fragte sie leicht verärgert darüber, so eiskalt erwischt worden zu sein.
„Träumst Du mit offenen Augen oder was?" Harry grinste sie an.
„Ich habe Dich gefragt, ob Du heute mit mir Nachtschicht machen kannst. Du hast Dich doch neulich über zu wenig Einsätze beklagt und Marcus und Remus müssen heute zu einem Kongress", wiederholte er. Snape schaute ihn mit geschürzten Lippen an.
„Und das musst Du ausgerechnet mit ihr machen, Potter?", zischte er. Tonks schüttelte den Kopf und rollte mit den Augen. Ihr war klar, worauf Severus anspielte; er unterstellte Harry noch immer, Interesse an Hermine zu haben. Ihr gingen diese Unterstellungen ziemlich auf die Nerven; wahrscheinlich weil es ihren eigenen Freund betraf und sie sich ohnehin über einiges, was Harry anging, nicht so ganz schlüssig war. Da brauchte sie nicht auch noch einen Pessimisten wie Severus, der ihr den Floh ins Ohr setzte, Harry würde sich an ihre beste Freundin ranmachen!
„Gerne, Harry!", meinte Hermine und blickte zu Severus hinüber. Sie warf ihm einen Blick zu, der zu bitten schien, ihr zu vertrauen. Doch statt einer Reaktion, erhob er sich.
„Ich muss los, sonst vermisst mich die Abschlussklasse!", murmelte er und Harry lachte auf.
„Schwer vorstellbar! Ich glaube, die schmeißen eher ´ne Party!", stellte er trocken fest und Tonks prustete unwillkürlich in ihren Kaffee, woraufhin sie sich schrecklich verschluckte und laut zu husten begann.
Severus schlug ihr im Vorbeigehen zwei Mal kräftig und gezielt mit der hohlen Hand zwischen die Schulterblätter.
„Verehrteste, Sie werden doch hoffentlich nicht daran ersticken, sich über mich lustig zu machen. Ich wäre untröstlich!" Er sah sie unergründlich an, doch Hermine erkannte den fast schalkhaften Esprit in seinen Augen genau. Ohne ein weiteres Wort verließ er den Raum. Draußen hörte man zwei Männerstimmen kurz reden, dann flog die Haustür ins Schloss und Marcus kam herein. Er war blass und hatte dunkle Ringe unter den Augen. Er sah Hermine ernst an.
„Kommst Du bitte mal, Hermine, ich muss Dir etwas sagen!" Seine Stimme klang heiser und rau und seine Augen verrieten, dass er es todernst meinte. Ihr lief ein eisiger Schauer den Rücken hinunter.
Hermine stand mit einem grauenvollen Gefühl im Bauch auf und reichte den nuckelnden Adrian an Tonks weiter, um Marcus ins Kaminzimmer zu folgen.
Marcus wartete an der Tür des Zimmers auf sie und schloss selbige, sobald sie eingetreten war. Nervös blieb sie vor einem Sessel stehen und blickte ihm entgegen, als er auf sie zukam.
Er deutete auf den Sessel und sie ließ sich Hineinsinken, ohne den Blick von ihm abzuwenden. Sie versuchte, verzweifelt, in seinem Gesicht zu lesen, was er ihr ohnehin gleich sagen würde.
Ihr war plötzlich schrecklich kalt und sie zitterte am ganzen Körper. Ihre Kiefer hatte sie unwillkürlich fest aufeinander gebissen, den Rücken krampfhaft angespannt, ihr Atem war flach und ihr Herz raste.
Marcus sah aus, als bereitete es ihm körperliche Qualen, ihr zu sagen, was er wusste. Er ließ sich ihr gegenüber nieder und schaute sie an.
„Ich hatte letzte Nacht Bereitschaft, wie Du weißt!", begann er so einfühlsam wie möglich. Sie nickte ungeduldig und betete, er möge endlich zur Sache kommen.
„Es gab Todesserangriffe auf Muggel…"
Ihre Eingeweide schienen sich in dunkler Vorahnung zusammenzuziehen. Jegliches Blut wich aus ihrem Gesicht.
„Sie haben…sie haben Deine Mutter angegriffen…"
Ihre Augen weiteten sich und sie schüttelte unwillkürlich den Kopf.
„Was…? Wie….? Ist sie…?", stammelte sie mit brüchiger Stimme. Marcus schüttelte den Kopf.
„Nein, sie ist nicht tot, aber ich bin mir nicht sicher, ob diese Tatsache wirklich ein Trost ist." Seine Stimme klang kummervoll. „Sie haben sie gefoltert und mit den schrecklichsten Flüchen gequält. Sie liegt jetzt im Koma und keiner kann sagen, ob sie je wieder aufwacht und in welchem Zustand sie dann sein wird."
Hermine saß da wie gelähmt. Sie wartete immer noch darauf, gleich wachgerüttelt zu werden und zu merken, dass es nur ein Traum war.
Doch keiner rüttelte sie.
Und sie wurde nicht wach.
Eine kühle, weiche Hand legte sich auf die ihre. Sie ließ es zu.
„Hermine, kann ich irgendetwas für Dich tun?", fragte Marcus leise.
Sie antwortete nicht.
Er beugte sich vor und zog sie an sich. Sie kippte in seine Arme, steif und klamm, unfähig, irgendeine Emotion zuzulassen, in der Furcht, sonst gänzlich die Kontrolle zu verlieren.
Marcus hielt sie nur fest, sagte nichts und sie war ihm unendlich dankbar dafür.
Ihre Gedanken rasten.
Wieso hatte sie das Haus ihrer Eltern damals nicht gegen den Willen ihrer Mutter geschützt? Sie hatte es doch vorausgesehen! Sie hatte sie gewarnt! Sie hatte die Gefahr gekannt! Wieso hatte sie das Haus nicht einfach mit Schutzzaubern belegt?
Es schien eine Ewigkeit zu vergehen, bis das zaghafte Klopfen an der Tür sie hochschrecken ließ. Harry öffnete und trat ein.
„Was ist los?", fragte er mit einem ahnungsvollen Blick auf die versteinerte, blasse Hermine.
„Es gab letzte Nacht Todesserangriffe auf das Haus von Hermines Eltern. Ihre Mutter liegt jetzt im Koma", erzählte Marcus leise.
Harry stand da wie vom Donner gerührt.
„Ich muss es meinem Vater sagen", meinte Hermine dann plötzlich und richtete sich aus Marcus Arm auf. Ihr Gesicht wirkte gefasst, doch Harry kannte die Freundin lange genug, um zu wissen, dass diese Fassade trog; Hermine war nah dran, die Nerven zu verlieren.
„Ich komme mit!", bot Harry sofort an und sie nickte abwesend, als sie an ihm vorbeiging.
Ihre Schritte waren groß und energisch, ihr Gesicht versteinert und entschlossen. Harry hatte Mühe, mit ihr mitzuhalten, als sie auf den Ausgang des Quartiers zulief. Ohne auf ihn zu achten, schloss sie die Augen. Schnell griff er nach ihrer Hand und merkte auch schon, wie er sich mit ihr auflöste.
Der Hinterhof sah im Winter trostloser und schäbiger aus, als bei ihrem ersten Besuch. Die Bäume waren kahl und alles sah tot und hoffnungslos aus. Hermine steuerte zielstrebig auf die Eingangstür zu und Harry folgte ihr. Mittlerweile hatte ihr Vater scheinbar sein Namensschild angebracht, denn ein großes, handgeschriebenes „P. Granger" prangte in der oberen Reihe der Klingelknöpfe. Die übrigen Namen waren größtenteils schwer erkennbar; vom Regen und der feuchten Witterung verschmiert oder von der Sonne verblichen. Hermine läutete energisch und wartete dann mit nervös wippendem Fuß.
„Vielleicht ist er schon bei der Arbeit?", vermutete Harry hinter ihr.
Sie sah auf die Uhr. Viertel nach Acht.
„Nein!", erwiderte sie tonlos und klingelte erneut, diesmal lang und anhaltend. Dann, einer plötzlich aufsteigenden Panik folgend, zückte sie ihren Zauberstab und richtete ihn auf die Tür.
„Alohomora!"
Die Tür sprang knarrend auf und Hermine rannte die breite Treppe mit dem stinkenden, roten Teppich hoch. Harry folgte ihr auf dem Fuß. Seine Kondition war eindeutig besser als ihre, denn nach dem dritten Stockwerk spürte sie, wie ihre Lungen fast zerbersten wollten und ihr Herz schmerzhaft hämmerte.
Harry verlangsamte hinter ihr, doch sie rannte schon weiter, ihre Erschöpfung ignorierend. Endlich hatten sie das letzte Stockwerk erreicht und sie lief nach Luft ringend zu der Wohnungstür ihres Vaters.
Nachdem sie auch hier energisch geklingelt hatte, stemmte sie kurz die Hände auf die Oberschenkel, um besser Luft zu bekommen. Doch schon nach Sekunden, in denen sich hinter der Tür nichts rührte, richtete sie sich wieder auf und schlug mit den Fäusten gegen das alte Holz.
„Papa?", rief sie noch immer atemlos, „Papa, ich bin´s Hermine. Mach bitte auf!"
Sie legte ihr Ohr an die Tür und lauschte.
„Da ist jemand drin!", flüsterte sie mehr zu sich selbst, als zu Harry. Dieser schob sie zur Seite und murmelte:
„Alohomora!"
Die Tür flog auf. Harry stand mit erhobenem Zauberstab da und blickte sich mit geschultem Blick um.
„Bleib hinter mir!", befahl er sachlich und ernst und ging dann voran in den Flur. Ein flüchtiger Blick in Küche und Bad ergaben keinen Aufschluss über das, was hier vor sich ging.
Dann gelangten sie zum Ende des Flurs, der in das Wohnzimmer mündete. Harrys Körper war angespannt, jederzeit bereit, einen Fluch loszuschießen.
Doch auch das Wohnzimmer war verlassen und ruhig.
Die Doppeltür zum Schlafzimmer, die Hermine bei ihrem ersten Besuch kaum wahrgenommen hatte, war verschlossen.
„Vielleicht schläft er ja noch!", meinte Harry leise.
„So, wie ich Sturm geklingelt habe?", gab sie flüsternd zurück, „Außerdem hab ich ein Geräusch gehört von draußen. Ich glaube, diese Tür wurde geschlossen." Sie deutete auf die Verbindungstür. Ihr Herz schlug bis zum Hals.
„Egal, wer da drin ist und was da vor sich geht, die werden uns erwarten", warnte Harry und sie nickte mit Angst erfüllten Augen.
„Bereit?", fragte er und drehte sich zu ihr um. Sie nickte nervös, den Zauberstab gezückt, den Entwaffnungszauber auf der Zunge. Harry atmete tief durch.
„Alohomora!"
Die Tür sprang auf und sie wurden prompt mit Flüchen bombardiert. Harry riss Hermine zur Seite und schoss im gleichen Moment den Stupor auf die Angreifer. Einen erwischte er.
Doch noch während Harry mit Hermine zu Boden ging, sah er, dass mindestens drei weitere Männer in schwarzen Kutten das Bett umringten und auf sie zielten. Blitzschnell riss Harry Hermine in den Schutz der Tür, so dass sie außer Sicht- und Treffweite der Todesser gelangten.
„Stupor!", rief Harry erneut und zielte mit seinem Zauberstab um die Ecke herum auf zwei der Todesser wurden, die unsanft von den Beinen gerissen wurden.
„Expelliarmus!", schrie Hermine fast zeitgleich hinter ihm und wich den auf sie zufliegenden Zauberstäben aus, während sie auf den letzten der vier Männer zielte. Doch er war schneller und schoss einen Cruciatus auf Harry ab.
Harry war geübt genug, um den Fluch auf halbem Wege zu bannen und den Angreifer zu schocken.
Hermine stürzte über die am Boden liegenden Todesser hinweg auf das Bett zu. Ihr Vater lag reglos darin, die Augen geschlossen.
„Harry, was ist mit ihm?", rief sie panisch und griff ohne nachzudenken nach ihres Vaters Handgelenk. Der Puls war flach und raste.
„Kein Schockzauber, sonst wäre er bradykard!", meinte sie und blickte sich nervös um. Der Mann, den sie entwaffnet hatte, erhob sich wieder. Hermine drehte sich blitzschnell um und richtete den Zauberstab auf ihn.
„Was habt Ihr mit ihm gemacht?", polterte sie und ging drohend auf den Todesser zu. Dieser sah sich eindeutig in der geschlagenen Position und erhob die Hände, während er mit panischem Blick auf den auf sein Herz gerichteten Zauberstab zurückwich.
„Was?" Ihre Stimme wurde schrill, ihre Augen flackerten.
„Kein Grund zur Panik, er hat nur `ne Weile den Cruciatus abgekriegt", stammelte der Mann nervös. Hermine konnte durch die Maske nur seine Augenpartie sehen; er schien noch nicht besonders alt zu sein.
„Kein Grund zur Panik?!", kreischte sie, „Heißt das, umgekehrt hättest Du damit auch keine Probleme?"
Der Todesser schluckte und schwieg.
„Was für eine Weile?", fragte sie dann, nachdem sie einen kurzen Blick auf den immer noch regungslos daliegenden Paul geworfen hatte.
„Ich weiß nicht, ich war nicht die ganze Zeit dabei!" Der Todesser blickte wieder gehetzt auf den Zauberstab hinunter.
„Und was ist meiner Mutter?", schrie Hermine, „Das war doch auch Eure Gruppe oder?"
„Ich weiß nicht, was mit ihr ist!" Die Stimme des Mannes zitterte nun merklich.
„Du mieses Schwein!", brüllte Hermine außer sich, „Was hat sie Euch getan? Was haben meine Eltern mit Eurem Scheißkrieg zu tun?"
Der Mann antwortete nicht, er sah kurz zu Harry, als erhoffte er sich von ihm Hilfe. Doch Harry war damit beschäftigt, Mr. Granger wieder wach zu bekommen.
„Ich rede mit Dir!", kreischte Hermine, „Was ist mit meiner Mutter?"
„Das war das übliche Programm", stammelte der Mann hervor, „Schockzauber, Cruciatus, Imperius und so…"
„Das übliche Programm?" Hermines Stimme bebte. „Das meinst, das übliche Programm für Frauen?"
„Ich weiß nicht, wovon Du sprichst!" Dem Todesser standen die Schweißperlen auf der Stirn.
„Ich meine, ob Ihr perversen Schweine sie vergewaltigt habt, so wie Ihr das üblicherweise mit weiblichen Opfern tut!" Hermine kämpfte mit der ohnmächtigen Wut und den aufsteigenden Verzweiflungstränen.
„Nein, nein, wir haben…", stammelte er gehetzt, als er erkannte, dass seine Gegenüber zunehmend außer Fassung geriet.
„Lüg mich nicht an!", brüllte sie.
„Ich weiß nicht, ich glaube, die anderen haben…"
„Du weißt nicht?!" Hermine ging auf ihn los, so dass sie nur noch Zentimeter von ihm entfernt war. „Du warst doch dabei, was heißt das, Du weißt es nicht?"
„Ja, die anderen haben…"
„Du auch?", schrie sie.
„Hermine!" Harry griff nach ihrem Arm, doch Hermine war so außer Kontrolle, dass sie fast nach ihm schlug, um ihn aus dem Weg zu bekommen. Der Mann sah aus, als wolle er gleich rückwärts den Schrank hochklettern, um ihr zu entkommen.
„Antworte!", brüllte sie.
„Ja, verdammt!" Die Stimme brach.
„Du widerlicher, perverser…!" Hermine trat mit voller Wucht mit ihrem Knie zwischen seine Beine. Der Mann schrie gellend auf und sank ein Stück am Schrank hinunter, während er sich mit verzerrtem Gesicht und nach Luft ringend an die schmerzenden Körperteile griff. Hermine wandte sich ab, dann, wie im Zeitlupetempo, drehte sie sich wieder um, blickte kurz in sein schmerzverzerrtes Antlitz und schrie dann:
„Crucio!"
„Hermine, verdammt!" Harry versuchte, ihr den Zauberstab aus der Hand zu reißen, doch sie zog in letzter Sekunde den Arm hoch. Der Mann war schreiend zu Boden gesunken und wand sich nun in furchtbaren Krämpfen vor ihren Füßen.
„Hermine, beruhige Dich!", schrie Harry, doch sie wandte sich zu den anderen Todessern um und holte erneut aus.
„Expelliarmus!", rief Harry und zielte auf sie. Es riss sie von den Beinen und wäre Harry nicht hinter sie gesprungen, wäre sie mit dem Kopf gegen den Bettpfosten geknallt. Sie brach in unkontrolliertes Schluchzen aus.
„Warum hast Du das getan?", rief sie verzweifelt, „Diese Schweine haben meine Mutter vergewaltigt und gefoltert und sie wird vielleicht nie wieder aufwachen!" Sie schlug mit den Fäusten auf Harrys Brust ein. Er versuchte mit aller Kraft, ihre Arme festzuhalten und entschied sich dann, sie einfach so fest zu umschlingen, dass sie keine Möglichkeit mehr hatte, nach ihm auszuholen. Sie ließ den Kopf auf seine Schulter sinken und weinte heftig.
Harry ließ sie mit einem Arm los und zielte mit dem Zauberstab auf den sich quälenden Todesser.
„Finite Cruciatus!"
Was für ein Disaster!
Harry seufzte. Er war an furchtbare Einsätze nach schlimmen Angriffen der Todesser gewöhnt, aber seine beste Freundin so persönlich betroffen zu sehen, war doch alles andere als Routine! Vorsichtig ließ er sie los.
„Geht´s wieder?", fragte er leise und sie nickte und wischte sich die Augen an ihren Hemdsärmel trocken.
„Hallo?" Eine schwache Stimme drang vom Bett her zu ihnen herüber.
„Papa!", rief Hermine und sprang zum Bettrand. Auf dem Weg dorthin stieß sie grob mit dem Fuß nach dem ausgestreckten Bein eines Todessers, das ihr im Weg lag.
„Tut Dir was weh?", fragte sie und nahm eine Hand ihres Vaters. Mr. Granger sah grauenvoll aus. Seine Augen waren blutunterlaufen, das Gesicht grau und gezeichnet von den durchlittenen Schmerzen.
„Was um Himmels Willen waren das für Gestalten?", fragte er matt.
„Todesser, Papa!", sagte Hermine leise und fühlte sich unglaublich schlecht und schuldig, „Ich hatte Euch damals vor ihnen gewarnt und wollte Euer Haus mit Schutzzaubern belegen, erinnerst Du Dich?"
Er nickte leicht.
„Jane war dagegen." Er lächelte schwach. „Sie meinte, das käme nicht in Frage, weil sie nicht wisse, was es damit auf sich habe!"
Hermine brach erneut in Schluchzen aus und legte ihre Stirn auf seine Hand.
„Nana, Herminchen, es ist ja noch mal gutgegangen! Und ich schwöre, ich habe absolut nichts dagegen, dass Du meine Wohnung für die Zukunft mit allen Zaubern belegst, die Dir nur einfallen!" Er hob mühsam die andere Hand und streichelte seiner verzweifelten Tochter durch die wirren Locken.
„Aber bei Mama…bei Mama ist es nicht gutgegangen!" Sie hob den Kopf und sah ihn aus Tränen verhangenen Augen an. Er versuchte abrupt, sich aufzusetzen, hielt aber auf halbem Wege mit schmerzverzerrtem Gesicht inne.
„Was meinst Du damit?!", fragte er entsetzt, doch sie schüttelte nur hilflos den Kopf.
„Mr. Granger." Harry trat an das Fußende des Bettes. „Ihre Frau wurde letzte Nacht ebenfalls von Todessern angegriffen. Leider kamen wir zu spät. Sie wurde schlimm gefoltert und liegt jetzt im St. Mungo´s im Koma."
„Im St.- was? Im Koma? Um Gottes…!" Mr. Granger sah aus, als würde er gleich zusammenbrechen. Harry eilte aus dem Zimmer und zur Küche hin. Er sah sich nach einem Glas um und füllte es mit kühlem Leitungswasser. Dann brachte er es Hermines Vater, der es wortlos entgegen nahm und einige Schlucke trank.
„Wird sie wieder gesund werden?", fragte er dann.
„Ich weiß es nicht, wir waren noch nicht bei ihr. Wir wollten Sie zunächst verständigen! Zum Glück hat Hermine darauf bestanden, Sie sofort zu benachrichtigen, denn wer weiß, was sonst noch mit Ihnen passiert wäre!" Harry lächelte leicht und Mr. Granger nickte geistesabwesend.
„Ich möchte zu ihr!" Wieder versuchte er, sich aufzusetzen. Doch die Schmerzen waren zu groß.
„Es wäre sowieso eine gute Idee, wenn Sie sich im St. Mungo´s mal durchchecken ließen", meinte Harry zustimmend, „Bleiben Sie liegen, das r