DIE LETZTE GELIEBTE

     von Aniko


     Über Euer Feedback freut sich: Aniko


Kapitel 1 - 6


„Wie weit ist Madame Pomfrey mit der Untersuchung

1. Kapitel: Aufnahme wider Willen

 

„Wie weit ist Madame Pomfrey mit der Untersuchung?"

Professor Dumbledore lief nervös in seinem Büro auf und ab.

„Sie meinte, in einer halben Stunde wäre sie wohl fertig! Ich kann Filch noch mal zu ihr schicken, aber ich glaube kaum, dass das was bringt," antwortete die ebenso aufgeregte Professor McGonagall.

Der Direktor verharrte in seinem Marsch (er müsste mittlerweile ungefähr 10 km zurückgelegt haben!), warf der Lehrerin aus den Augenwinkeln einen skeptischen Blick zu, schritt wieder zu seinem Schreibtisch und stützte sich dort mit den Händen auf.

„Das ist eine Katastrophe! Eine Katastrophe, hören sie?!"

Erschrocken hob Minerva die Hände: „Meinen sie? Aber sie müsste doch jeden Moment fertig sein!"

„Nein, das ist es nicht. Die Tatsache, das eine Hexe einfach so vergessen wurde in der Mugglewelt, das ist eine Katastrophe! So etwas ist mir in meiner ganzen Schullaufbahn als Professor und Direktor noch nicht passiert!"

„Aber das war doch nicht ihr Fehler. Wenn das Ministerium nicht in der Lage ist, das Personenregister ordentlich zu führen, dann ist das wirklich nicht unser Problem!"

„Doch, jetzt ist es unser Problem! Was sollen wir denn mit dem Mädchen anfangen? Ich habe sie kurz auf dem Weg zur Krankenstation auf Hagrids Arm gesehen. Sie müsste ungefähr 17 Jahre alt sein. In welche Klasse soll ich sie geben? Bei den Erstklässlern dürfte sie sich nicht allzu wohl fühlen, andererseits kann ich sie auch nicht in die sechste stecken-nächstes Jahr ist Abschlussprüfung, und ich glaube kaum, dass sie den ganzen Stoff nachholen kann!"

Dumbledore schlug mit der rechten Faust auf den Tisch, sodass Professor McGonagall erschrocken zusammen fuhr.

„Und es ist wirklich schon klar, dass sie eine Hexe ist? Vielleicht hat Harry einen Schock erlitten und war deshalb nicht mehr Herr seiner Sinne. Wenn die Dementoren plötzlich auftauchen, kommen die meisten mit ihrem Verstand nicht mehr zurecht!"

Minerva blickte unsicher zum Professor hinüber.

„Harry vielleicht. Aber Hagrid...? Das kann ich mir nicht vorstellen. Außerdem haben beide unabhängig voneinander bestätigt, dass das Mädchen einen Wächterzauber herbei beschworen hat," lautete die nüchternde Antwort des Angesprochenen. „Wir müssen das Ministerium schnellstmöglich nach unbestimmbarer Zauberaktivität befragen. Dann haben wir Gewissheit, ob....."

Ein Klopfen an der Tür unterbrach den Direktor in seiner Ausführung.

„Herein!"

Madame Pomfrey öffnete die Tür und trat in das Zimmer.

„Ich habe sie untersucht Ist soweit alles in Ordnung, aber bei dem Sturz hat sie sich den Kopf ganz schön angeschlagen. Sie wird wohl heute Nacht im Krankenflügel zur Beobachtung bleiben. Soll ich sie zu ihnen bringen? Sie sitzt draußen."

Professor Dumbledore nickte.

„Vielen Dank für deine Hilfe, Poppy!"

Die Angesprochene beeilte sich, den Raum zu verlassen und brachte wenige Sekunden später ein zierliches, dunkelhaariges Mädchen zurück.

Sie hatte den Blick gesengt und schaute auch nicht hoch, als der Direktor sie aufforderte, Platz zu nehmen, und sich gegenüber von ihr setzte.

„Guten Abend, Miss....!"

Dumbledore wartete einen Augenblick, suchte den Blick des Mädchens zu erhaschen, und sah schließlich Hilfe suchend Professor McGonagal an.

„Aniko...Aniko Miller!"

Eine sanfte, schöne Stimme durchbrach den Raum und beide Professoren sahen die dazugehörige Person fasziniert an, die nun Professor Dumbledores Blick erwiderte.

„Miss Miller also. Wie geht es ihnen?"

„Es geht schon. Danke. Aber ich muss schnell zurück. Mein Onkel bringt mich um, wenn ich nicht pünktlich zu Hause bin. Könnten sie mir ein Taxi bestellen?"

Dumbledore sah fassungslos zu McGonagall.

„Ein ....bitte, was?"

„Ein Taxi! Das mich nach Hause fährt. Sie wissen schon, gelb, mit vier Rädern, blinkendes Schild....!"

Minerva konnte sich ein Lächeln nicht verkneifen.

„Tut mir leid, Miss Miller, aber so was haben wir hier nicht! Der einzige Weg zurück ist der Hogwarts Express oder mit dem Besen! Es wird ihnen insofern auch nichts anderes übrig bleiben, als die Nacht hier zu verbringen."

„Außerdem gibt es da einige Dinge, die wir von ihnen wissen müssen," ergänzte nun der Direktor.

Aniko, die nun ihre doch recht ausweglose Situation anfing zu begreifen, räusperte sich und ging zum verbalen Frontalangriff über.

„Hören sie, ich weiß nichts und ich hab auch gar nicht vor irgendwas wissen zu wollen. Das ist bestimmt alles nur ein furchtbar blöder Traum und gleich wache ich in meinem Dachstübchen auf und mein Onkel brüllt mich an, warum ich noch nicht im Laden bin und die Ware einsortiere."

Schweigen in der Runde. Dumbledore wusste nicht, was er dazu sagen sollte. Warum sagte sie so was. Wahrscheinlich Unsicherheit.

„Miss Miller, das hier und das wissen sie, ist kein Traum. Oder sind ihre Kräfte etwa auch nur Einbildung?"

„Verdammt, haben Harry und Hagrid also doch geplatscht!"

Dumbledore wusste mit dieser Aussage absolut nichts anzufangen.

„Wie meinen sie das?"

„Sir, verstehen sie mich nicht falsch. Ich weiß, wer sie sind und wo ich mich befinde. Und ich kann in ihren Gedanken sehen, dass sie vorhaben mich hier einzugliedern. Aber das kann ich nicht. So gerne ich es auch wollte. Mein Onkel würde es nie zulassen. Er wollte mit Zauberei und ähnlichem nie etwas zu tun haben. Es war schwer genug für mich, alles jahrelang geheim zu halten. Wenn ich jetzt hier bleibe, dann verliere ich mein Zuhause und den letzten Menschen, den ich hab. Ich wusste, dass es für mich schwierig wird, wenn jemand hier erfährt, dass ich eine Hexe bin. Deshalb habe ich die beiden gebeten, nichts von dem was sie gesehen haben, zu sagen. Dass die beiden Zauberer sind, wusste ich nicht. Und das sie mich nach Hogwarts bringen, war mir auch nicht klar."

„In meinen Gedanken...?"

Aniko wurde kreidebleich.

„Habe ich „Gedanken" gesagt...ups, das müssen sie falsch verstanden haben. Ich meinte „Augen" !"

„Augen?"

„Ja-Augen!"

„Interessant-die Schleier lüften sich, Minerva! Anscheinend haben wir es hier doch nicht mit einer Anfängerin zu tun."

Dumbledore musste Lächeln. Warum, das wusste er nicht genau. Vielleicht, weil die Situation sich doch anders zu entwickeln schien, als er gedacht hatte. Vielleicht, weil Aniko obwohl sie noch kaum 10 min. in seinem Zimmer war, schon für ein heiden Chaos sorgte und versuchte, souverän die Oberhand zu behalten, was ihr absolut nicht gelang. Vielleicht aber auch, weil dieses Mädchen eine gewisse Faszination in ihm heraufbeschwor. Sie schien voller Geheimnisse zu stecken. Dass es Minerva ähnlich erging, erkannte er an ihrem schmunzelnden Blick.

„So, Miss Miller, jetzt mal von vorne. Also, wie ist das mit den Dementoren passiert?"

Aniko zuckte die Schultern.

„Wie sonst auch. Ich lief gerade die Strasse hinunter, in der mein Onkel seinen Laden hat. Plötzlich wurde es dunkel und ich fühlte, wie dieses dunkele, beängstigende Gefühl ich mir aufstieg und das in meiner Nähe etwas bedrohliches war. Da sah ich plötzlich diesen riesigen Hagrid und Harry aus einer Seitenstrasse direkt vor mir auf die Strasse laufen. Schwarze Schatten senkten sich über sie hinüber. Ich wusste, das es Dementoren waren und rief meinen Patronus!"

„Ach so, und sie riefen einfach ihren Patronus!"

„Ja!"

„Und woher wussten sie, das es Dementoren waren und wie sie ihren Patronus beschwören müssen! Wo ist eigentlich ihr Zauberstab?"

„Ähm....das ist....also....ich meine...."

Aniko sah beide abwechselnd an. Irgendwie fühlte sie sich ziemlich in die Enge gedrängt, zumal nun McGonagall auf sie zu kam.

„Jaaaa....!"kam von beiden

„o.k., ich denke mal, die Katze ist aus dem Sack. Ich habe gar keinen Zauberstab."

Bums, das hatte gesessen. Dumbledore und McGonagall sahen sie ungläubig an.

„Wie bitte....aber wie hast du dann....?"

„Professor, ich brauche keinen Zauberstab. Ich kann die Zauber mit meinen Gedanken steuern. Ein Medium habe ich nie benutzt. Meine Mutter hatte auch keinen!"

Dumbledore sah wieder zu Minerva. Diese zuckte die Schultern und sah hilflos zurück.

„Hm....und die Sache mit den Dementoren und dem Patronus?"

„Ich habe viele Bücher von meinen Eltern, in denen ich oft gelesen und gelernt habe."

„Wo sind ihre Eltern?"

Aniko wurde still, sah auf die Erde und rührte sich nicht mehr.

„Miss Miller!"

„Ich weiß es nicht! Ich weiß überhaupt nichts! Warum müssen sie mir solche Fragen stellen. Lassen sie mich endlich gehen. Bitte!"

Das Wesen des Mädchens hatte sich vollkommen verändert. War sie eben noch halbwegs offen und schien einen souveränen Eindruck zu machen, so war sie nun das komplette Gegenteil. Tränen liefen ihr über die Wangen.

„Sehen sie, mein Leben ist total verkorkst. Ich bin weder Hexe noch Mensch. Ich habe niemanden, der mir auch nur einen Tipp geben kann, wer oder was ich bin. Ich weiß noch nicht einmal, ob „Aniko" mein richtiger Name ist! Ich kenne nur meinen Onkel;Eltern- das ist ein Begriff, den ich nur aus dem Lexikon kenne. Nicht einmal ein Bild habe ich-nur die Bücher die mein Onkel mir nie gegeben hätte, wären sie mir nicht zufällig in die Hände gefallen. Ich passe weder in ihre Welt noch in die Welt der Muggle! Ich bin vollkommen allein!"

Dumbledore griff nach Anikos rechter Hand die verkrampft auf ihrem Knie ruhte.

„Miss Miller!"

Aniko sah ihn an. Ihre tiefblauen Augen waren von Tränen umspült und sie hatte diesen verzweifelten Blick, den er nie in seinem Leben vergessen würde. So traurig und doch so schön!

„Aniko...sie sind nicht allein. Jetzt sind sie es nicht mehr. Vertrauen sie uns. Wir können ihnen helfen und dafür sorgen, das sie in unsere Welt eingegliedert werden, aber dazu brauchen wir ihre Hilfe!"

„Der Direktor hat Recht. Wir werden Ermittlungen anstellen und dem Ministerium bescheid geben, damit die herausfinden, wer sie sind und wo ihre Eltern sich aufhalten."

Minerva nahm nun die andere Hand und Aniko drehte sich zu ihr.

„Würden sie das wirklich tun?"

Dumbledore und McGonagall sahen sie an.

„Wir werden alles tun, damit bald dieses Chaos geklärt wird und du nicht mehr alleine bist!"

Aniko huschte ein kaum merkliches Lächeln über die Lippen. Damit war ihre Aufnahme in Hogwarts besiedelt.

 

 

 

2.Kapitel:Willkommen

 

Aniko sollte am nächsten Tag offizielle von Professor Dumbledore beim Mittagstisch willkommen geheißen werden. Harry, der inzwischen Ron und Hermine von dem Zwischenfall erzählt hatte, ging mit seinen beiden Freunden zur Krankenstation, um sie dort abzuholen. Professor Dumbledore hatte Harry und die anderen aus dem Unterricht holen lassen, ihnen kurz Anikos Situation erklärt, um bösen Gerüchten vorzubeugen und um sie zu bitten, sie von dem Krankenflügel abzuholen. Er hatte großes Vertrauen in die Freunde und wusste, sie würden die Geschichte für sich behalten. Die Drei standen pünktlich um 12:30 Uhr vor dem Krankenzimmer und traten nach vorherigem Klopfen herein.

Aniko saß auf dem Krankenbett, fertig gekleidet in manierlichem Hogwarts-Schüler-Look, bestehend aus einem grauen Rock, weißer Bluse, jedoch noch ohne Pullunder! Ihre lockigen, braunen Haare waren zu einem festen langen Zopf geflochten und ihr Kopf von einem Hogwarts-Hut bedeckt.

„Und, was sagt ihr!"

Sie stand auf, drehte sich einmal um die eigene Achse und setzte ein strahlendes Lächeln auf.

Ron blieb die Kinnlade unten.

„Warum hast du mir nicht gesagt, dass sie so gut aussieht!" raunte er Harry zu und erntet einen bösen Blick von Hermine.

Harry beantwortete seine Feststellung mit einem Ruck in Rons Rippen, ging zu Aniko und gab ihr die Hand.

„Hallo Aniko. Dir scheint es ja wieder besser zu gehen. Ich hab ein paar Freunde von mir mitgebracht. Aniko, das sind Hermine und Ron."

Aniko nickte freundlich und schenkte jedem ein Lächeln.

„Das ist schön, dass ihr gekommen seid. Ganz alleine zum Mittagessen zu gehen, wäre mir nicht so lieb gewesen. Schüchternheit gehört zwar normalerweise nicht in mein Verhaltensrepertoire, aber ....ich weiß nur zu gut, was ich für ein Tollpatsch bin und manchmal ist Schüchternheit ein gutes Mittel, um dem zu entgehen!"

Hermine musste grinsen.

„So so, hab gehört, du hast den Dementoren ordentlich die Hölle heiß gemacht!"

Aniko sah sie an.

„Na ja, ich war halt zur richtigen Zeit am richtigen Ort!"

„Das kannst du aber laut sagen," mischte sich Harry ein. „Ohne deine Hilfe wäre das bestimmt nicht so gut für uns ausgegangen! Danke!"

„Kein Problem! Das hätte doch jeder gemacht, oder?

Außerdem denke ich, dass Ich habe gestern Abend noch lange mit Professor Dumbledore und Professor McGonagall gesprochen. Sie meinten, ich kann ab heute den Unterricht besuchen. Sie wollen nachher einen Eignungstest mit mir machen, um meinen Wissensstand zu prüfen."

„Oh, hört sich ja schwer nach Prüfung an!" schob Hermine dazwischen.

„Wir wissen übrigens Bescheid über dich und deine Situation....!

„Ich weiß!" lenkte Aniko lächelnd ein, wobei ihre blitzweißen Zähne ihre strahlenden Augen untermalten. „Der Professor hat mir gesagt, er würde mir vorerst ein Alibi verschaffen, damit in der Schule nicht gleich zu Anfang so viele Gerüchte herumgehen.

Ab heute bin ich die Tochter von Zauberzirkusartisten, die jahrelang einen Privatlehrer hatte und deren Eltern vor einem Jahr ums Leben gekommen sind."

„Na, dann ist ja alles geklärt! Ich hab furchtbar Hunger. Professor Snape war heute mal wieder äußerst miesepetrig und davon bekomme ich Kohldampf!" verkündigte Ron.

„Also, ab zum Suppe fasten." Hermine nahm Aniko beim Arm…..

„Also, noch mal zu dem Patronus.....

 

Nach einigen Gehminuten, ein paar Tipps rund um Hogwarts und erster Orientierungshilfe für Aniko gelangte die kleine Gemeinschaft in den großen Essenssaal. Wie auf alle Neuankömmlinge, machte besonders das Himmelsdach Eindruck auf Aniko. Doch nicht nur sie war beeindruckt. Die anderen Tische schienen ebenso interessiert zu sein, allerdings nicht wegen der Decke, sondern wegen ihr.

Eigentlich hasste sie es, wenn sie so im Mittelpunkt stand, aber was sollte sie dagegen tun. Die Menschen sind nun mal von Natur aus neugierig.

Einige mutige, anzügliche Pfiffe oder blöde Kommentare waren nun von vielen der Tische zu hören. Aniko musste lächeln.. So hatte sie sich das eigentlich nicht vorgestellt. Nun ja, sie würde wohl gleich zu Anfang ihre Position klarmachen müssen und entsprechend auf das „Willkommen" der anderen Schüler, die ihre Späßchen machten, reagieren. Für wenige Sekunden schloss sie die Augen und ließ ihren Geist über den Raum schweben...

So bekam sie einen ersten Eindruck von der Umgebung und der Mentalität der Schüler. Ihr Gefühl sagte ihr, dass sie nichts zu fürchten brauchte.

„Alles in Ordnung?" hörte sie Harrys Stimme an ihrer Seite.

Sie nickte und setzte sich zu Harry an den Gryffindor-Tisch. Etwas weiter, an dem hufeisenförmigen Tisch der Lehrer, erhob sich nun Albus Dumbledore und klopfte an sein Glas.

„Liebe Schüler! Ich möchte euch nicht lange vom Essen abhalten, also keine Panik. Wir haben seit heute eine neue Schülerin. Ihr Name ist „Aniko Miller" (Aniko stand dabei auf und lächelt in die Runde). Sie hat vor einem Jahr ihre Eltern verloren und ich möchte, dass ihr alle freundlich seid und ihr helft. Natürlich ist es wunderlich, das wir Neuzuwachs während des Schuljahres bekommen, doch da das Schuljahr erst seit 4 Wochen läuft und die Umstände es leider nicht anders zuließen, haben wir uns dazu entschieden, Miss Miller bei uns aufzunehmen. Wir werden kurz zur Verkündigung des Hauses kommen und danach mit dem Essen beginnen. Ich wünsche ihnen schon im voraus einen guten Appetit! Das Wort hat Professor McGonagall!"

Dumbledore räusperte sich und setzte sich schließlich, während Minerva mit dem sprechenden Hut nach vorne trat.

„Miss Miller, kommen sie bitte!"

Sofort erhob sie sich und ging den schmalen Gang hinauf Richtung Hufeisentisch.

Im Saal wurde es mucksmäuschenstill, denn jeder war nun gespannt, das Ergebnis zu hören.

Nun doch etwas nervös kam Aniko bei McGonagall an, die ihr unvermittelt den Hut aufsetzte. Sie schloss instinktiv die Augen.

Eine leise Stimme bahnte sich ihren Weg!

„So was....finde ich ja amüsant!"

„Was?" fragte Aniko in Gedanken. Sie wusste, dass dies die Stimme des sprechenden Hutes war.

„Ich kann deine Gedanken nicht lesen!"

„Vielleicht will ich das ja auch!"

„Wird es dir nutzen?"

„Wenn du mich nach Gryffindor schickst, dann schon!"

„Ah, daher weht der Wind. Trotzdem...ich muss deine Gedanken sehen. Auch wenn du als „Elemtary" das nicht so gerne hast."

„Wie hast du mich genannt?"

„Ah, ich sehe deine Gedanken! Grosses Herz, Angst, Verzweiflung, aber mutig und sehr geheimnisvoll! Du wirst sehr mächtig werden, schließlich bist du die Letzte....!"

Aniko hatte bei dem Wort „Elemtary" ihre Konzentration verloren und so die Blockade zu ihren Gedanken ausversehen aufgegeben.

„Sag das noch mal!"

„Und du wirst jemanden auf deine Seite ziehen, der dir vorerst ein Rätsel bleibt....!"

Der Hut ging nicht auf ihre Fragen ein und schrie nur:

„Dies ist eine Gryffindor, wie ihr noch keine gesehen habt!"

Riesiger Beifall ertönte vom Tisch der Gryffindor und besonders Harry, Ron und Hermine fiel ein Stein vom Herzen, das sie bei ihnen blieb, kündigte sich schließlich schon jetzt ein freundschaftliches Verhältnis an.

Sogleich wurde der irritierten Aniko der Hut abgezogen, die nun verdattert dastand. Doch dieser Zustand hielt zum Glück nicht lange an, schließlich übergab Professor McGonagall ihr den Gryffindor-Pullunder.

„Möchtest du noch was sagen?" fragte Minerva

Aniko schüttelte den Kopf, bedankte sich kurz und verschwand zu ihrem Tisch. Bevor sie sich jedoch setzte, sah sie sich noch einmal im Raum um. Ihr Blick glitt über die nebenstehenden Tische hinauf zum Lehrerpult und blieb bei einem Mann hängen, dessen Blick sie nie vergessen würde: Severus Snape!

 

 

 

Kapitel 3: Der Eignungstest

 

Die Zeit schien still zu stehen. Das Raum-Zeit-Gefüge war nicht mehr existent. In diesem Moment gab es nur noch sie und ihn. Stumm saß er da, in seiner langen schwarzen Robe, mit den kinnlangen, schwarzen Haaren. Wie gebannt sah er Aniko an, nicht fähig ihrem Blick zu entweichen. Er kannte diese Augen, diese tiefblauen Augen, die alles an sich bannen, was sie erblicken. Und in diesem Moment hatten sie ihn... .

„Severus!"

Wie von der Tarantel gestochen dreht sich Snape zu der Person um, die ihn gerufen hatte. Flitwick, der neben ihm saß, schaute ihn besorgt an.

„Ja...oh, Professor Flitwick!"

„Ist dir nicht gut. Seit wann siezen wir uns denn?"

„Doch, doch! Ich.... mein Fehler."

Professor Flitwick schaute in die Richtung, in die Snape zuvor gesehen hatte. Aniko hatte sich gerade hingesetzt.

„Ah, ich verstehe. Ja ja, sie ist eine Schönheit von ganz besonderer Art und sie hat diese geheimnisvolle Aura um sich herum. Wundert mich nur, das ausgerechnet du dies erkennst!"

Ein finsterer Blick Snapes traf den Professor, der daraufhin gleich beschwichtigend die Hände hob.

„Wollte ich ja nur mal gesagt haben....!" waren seine letzten Worte, bevor er sich wieder seinem Teller widmete.

„Ignorant," presst Snape zwischen den Zähnen hervor.

***************************************************************************

Lustlos stocherte Aniko in ihrem Hähnchenschenkel herum. Der Appetit war ihr wohlweislich vergangen. Noch immer waren ihre Knie butterweich. Und das nur wegen diesem einen verdammten Blick.... . Wer war dieser Mann? Warum hatte er sie so angestarrt? Freundlich sah er jedenfalls nicht aus. Ganz in schwarz und zugeknöpft bis oben hin - wie ein Henkersknecht. Ein Lächeln huschte ihr über die Lippen. Hermine, die den Blickkontakt zwischen den beiden ebenso wie Harry und Ron zwar mitbekommen, jedoch nicht kommentiert hatte, konnte sich nun aber nicht mehr zurückhalten.

„Dafür, das du dir gerade Snape intensivst angesehen hast und nun aus diesem Grund keinen Hunger mehr hast, denke ich, scheinst du ja noch ziemlich viel Spaß zu haben. Warte bloß mal ab, bis du den im Unterricht hast. Dir wird das Lachen noch vergehen."

Ron und Harry nickten mit leicht säuerlichem Blick.

„Wie heißt er?" fragte Aniko.

„Merk dir diesen Namen gut: Severus Snape. Zaubertränke-Professor und ewiger „Verteidigung gegen die dunklen Mächte"-Anwärter. Er wird dein schlimmster Alptraum werden"! warf Ron ein.

„Nein, das kann nicht sein." kommentierte Neville Longbottom, der das Gespräch belauscht hatte. „Er ist schon mein schlimmster Alptraum!"

Etwas Gelächter war zu hören. Jeder wusste, das Snape besonders Neville gerne als Punching-Ball benutzte.

„Hm...wenn der immer ein Gesicht wie sieben Tage Regenwetter macht, und das Flair eines Bestattungsunternehmers mit sich rumträgt, kann ich verstehen, das er bei seinen Zaubertränken bleiben muss. Jemand, der wie die leibhaftige Ausgeburt des Negativem ausschaut würde ich auch nicht als Anleiter zum Selbstschutz gegen genau dieses Negative einsetzen." war aus Anikos Richtung zu hören.

Schallendes Gelächter brach am Gryffindor Tisch aus. Die Neue hatte den Nagel auf dem Kopf getroffen. Die alleinige Vorstellung, das Snape als „Bestattungsunternehmer" Karriere machte, war schon Grund genug um lachen zu müssen.

„Ich sehe, du hast dir schon ein ziemlich gutes Bild von unserem geliebten Zaubertränkemeister gemacht. Lass ihn das bloß nicht hören! Spaß versteht er keinen und wenn, dann nur seinen eigenen!" kicherte Harry weiter.

 

Etwa eine Stunde nach dem Mittagessen füllte sich der Konferenzsaal der Lehrer langsam. Albus Dumbledore wollte noch einige letzte Details besprechen, bevor mit der Prüfung von Miss Miller angefangen werden sollte.

Als endlich auch Severus Snape seinen Platz gefunden hatte (natürlich am Ende des Tisches, wo sonst!), begann die Besprechung.

„Ich hoffe, ich nehme ihnen nun nicht zu viel Zeit ihrer verdienten Mittagspause, aber es liegt mir sehr am Herzen, das gleich alles gut über die Runde geht." eröffnete der Direktor.

Grummeln war aus Professor Snapes Ecke zu hören. Natürlich raubte es ihm zuviel Zeit. Was ging ihn dieses Mädchen an und warum riss sich nun jeder aus dem Kollegium darum, ihr zu helfen. Ihre Geschichte war zwar recht außergewöhnlich, aber was kümmerte es ihn. Sie war ihm ganz egal. Jeder musste selbst sehen, wie er seine Probleme löste. Musste er ja schließlich auch. Und hatte sich je jemand darum geschlagen, ihm zu helfen? NEIN!

Also sollte sie doch bleiben wo der Pfeffer wächst. Noch eine verzogene, kleine, dumme Gryffindor-Göre konnte er in seinem Unterricht eh nicht gebrauchen.

„Ich denke, dass wir uns gleich alle sehr wundern werden, denn jemand, der in ihrem Alter einen Wächterzauber aufruft, dürfte normalerweise über etwas mehr als nur Anfängerwissen verfügen. Sie haben sich alle ihre Fragen gut überlegt?"

Nicken und bejahende Worte erfüllten den Raum.

„Sehr schön. Und denken sie gleich daran. Helfen sie nicht zuviel, aber da, wo es angemessen ist! Wir wollen lediglich herausfinden, wie weit sie ist. Hoffentlich können wir sie wenigstens in die dritte Klasse einsortieren!"

Damit war die Sitzung beendet und die Lehrer machten sich langsam auf den Weg in den Prüfungsraum.

***************************************************************************

Anikos Herz klopfte schon jetzt wie verrückt. Sie war in Hermines Zimmer, in dem noch ein Bett frei gewesen war, einquartiert worden. Heute Abend, wenn sie mit Hagrid zu ihrem Onkel fahren würde, könnte auch sie bald ihren Schrank mit persönlichen Habseligkeiten schmücken. Unangenehmer Tag! Erst diese Prüfung und dann noch die Auseinandersetzung mit ihrem Onkel.

„Hey, mach nicht so ein Gesicht. Wird schon alles gut gehen."

Hermine setzte sich zu ihr auf das Bett und nahm ihre Hand.

„Hm.... ich weiß nicht. Irgendwie hab ich kein gutes Gefühl bei der Sache. Meinst du Snape wird auch da sein?"

Hermine nickte.

„Ich denke schon. Alle anderen Schüler haben heute wegen deiner Prüfung keinen Unterricht mehr. Normalerweise habe ich heute, also Donnerstags, immer um 15 Uhr Zaubertränke-Unterricht, aber der fällt heute auch aus."

„Na super. Dann kann ich mich gleich in die erste Klasse begeben. Ist er denn wirklich so streng?"

Hermine wusste nicht, was sie dazu sagen sollte. Angst machen wäre unfair, aber wahrscheinlich die einzige Lösung, um sie vor absolut unangenehmen Überraschungen zu schützen.

„Mach dir keine Sorgen. Dumbledore und die anderen Lehrer sind ja auch dabei. Und Harry, Ron und ich warten, bis du fertig bist. In Ordnung?"

Aniko erhob sich und legte die Robe, die Hagrid ebenso wie dir anderen Sachen heute noch in der Winkelgasse besorgt hatte, um!

„Sieht gut aus! Warte mal!"

Hermine nahm ihr den Hut ab und begann den geflochtenen Zopf zu einem Haarknoten hochzustecken.

„Na bitte, so was macht doch Eindruck!"

***************************************************************************

Zusammen mit den drei Freunden machte sich Aniko auf zum Klassenraum, in dem sie geprüft werden sollte. Er befand sich im Westflügel und sie brauchten schon einige Zeit um dorthin zu gelangen. Vor der Tür blieben sie stehen.

„Du schaffst das Aniko. Lass dich ja nicht aus der Ruhe bringen." munterte Hermine sie auf.

„Ganz meiner Meinung!"

Harry klopfte ihr bestätigend auf die Schulter.

Ron lächelte sie an und beließ es bei dieser Geste.

Mit einem Gefühl, als wenn ihr gleich das Essen wieder hochkommen würde, betrat sie den Raum.

Eine dunkle Vorahnung legte sich wie ein Schatten über ihr Gemüt...

 

Drei Stunden später war sie fertig. Fertig mit den Nerven und absolut fertig mit Professor Snape.

Es war kurz vor 17:30 Uhr und Aniko lief voller Hass im Gemeinschaftsraum auf und ab!

Harry, Ron und Hermine saßen rund um den kleinen Tisch nahe dem Kamin.

„Aniko, so wie du die Situation beschrieben hast, hast du doch alle Aufgaben und Fragen gut beantwortet, oder?"

Hermine stand auf und versperrte der wütenden Freundin den Weg.

„Guuut? Nichts ist gut! Weißt du, wie der mich angesehen hat. Boah, dieser ekelhaft, arrogante Blick. Nicht einmal hat er mir geholfen, nicht ein einziges Mal. Auflaufen hat er mich, und das mit totaler Berechnung. Alle anderen haben sofort Denkanstöße gegeben oder mir die Frage anders gestellt. Und er? Er wusste ganz genau, das ich keinerlei Vorkenntnisse in Zaubertränke habe. Offensichtlicher konnte er mir seine Gedanken nicht präsentieren.

Und dann diese schnippischen Kommentare!"

„Setz dich erstmal!"

Hermine drückte sie auf den Stuhl, auf dem sie vorher gesessen hatte.

„Hey! Schalt mal `nen Gang runter! Zaubertränke ist schließlich nicht das einzige Fach, was geprüft wurde, oder? Und glaube mir, Dumbledore kennt seine Pappenheimer und wird sich bestimmt nicht von Snapes Machtdemonstration beeindrucken lassen!" warf Harry ein.

„Aber....auch in anderen Fächern ist nicht immer alles glatt gelaufen. Ich kann meine Kraft noch nicht so gut kontrollieren!"

Ron wurde hellhörig.

„Wie meinst du das?" fragte er.

„Na ja, Professor Dumbledor hielt eine Feder in der Hand und wollte, das ich sie magnetisiere. Entweder durch Verwandlung oder durch einen Zauber."

„Ja ...und?"

„Hmmm....ich habe die Feder magnetisiert, aber....!"

„ABER.....!" kam von allen dreien.

„Mein Gott, ich habe sie ausversehen in einen riesigen Magneten verwandelt und aufgrund der Anziehungskraft kamen dann natürlich alle eisernen Gestände wie Nägel, Schranktüren, Türklinken, Kreidedosen und ähnliches auf den Direktor zu, der natürlich den Magneten in der Hand trug."

„Was...!"

Hermine, Ron und Harry bekamen sich nicht mehr ein.

„Du hast Professor Dumbledore bombadiert!"

Harry schlug vor Lachen mit der Faust auf den Tisch!

„Das hab ich ja noch nie gehört!"

„Das ist ganz und gar nicht lustig, Harry!" keifte Aniko.

„Wenn Professor McGonagall nicht dazwischen gegangen wäre, dann hätte sonst was passieren können!"

„Ich weiß, aber alleine die Vorstellung, das eine kleine Schülerin den Direktor in so ein Lage mit so einem harmlosen Zauber bringt, finde ich echt beeindruckend!"

„Was haben denn die anderen dazu gesagt!" frage Ron.

„Also, was Professor Snape dazu gesagt hat, kann ich dir sagen. Er meinte, ich wäre eine Gefahr für die Menschheit!"

„Oh je. Ich glaube, du und der Professor, ihr habt euch gesucht und gefunden!" meinte Hermine und wischte sich eine Lach-Träne von der Wange.

„Komm, jetzt ist es eh zu spät, um sich über die Prüfung Gedanken zu machen.

Wann bekommst du das Ergebnis?"

„Heute Abend noch, wenn ich von meinem Onkel zurückkomme!"

„Gehst du nach dem Abendessen?"

Aniko nickte zögerlich.

„Frage mich, was zuerst passiert! Ob mein Onkel mich umbringt, wenn ich ihm sage, das ich hierher gehe oder ob mich das Ergebnis der Prüfung nachher mental ermordet!"

Ron grinste. „Du könntest dir auch ein Duell mit Snape liefern. Ich denke, auf verbaler Ebene würde das ein Spaß werden."

Böse Blicke aus jeder Richtung waren das Resultat seiner Idee.

„Ist ja gut. War ja nicht so gemeint."

„Sag mal, Aniko!" Harry hatte sich etwas zu ihr hinübergesetzt.

„Ja?"

„Wie meintest du das mit den Gedanken von Professor Snape. Wieso hat er sie dir präsentiert!"

Aniko sah auf den Boden. Sie starrte lange dorthin. Sollte sie ihnen die Wahrheit sagen? Konnte sie ihnen jetzt schon vertrauen? Harry hatte schon einmal nicht Wort gehalten, als er gestern dem Direktor von ihrem Wächterzauber erzählt hatte.

„Harry, warum hast du dem Professor von meinen Fähigkeiten erzählt?"

Harry sah nun auch betreten auf den Teppich.

„Weil...ich es für richtig hielt. Dein Patronus ist ein sehr Mächtiger. Und ich vertraue dem Direktor. Er würde nie etwas tun, was du nicht willst. Deshalb....und Hagrid hat eh keine andere Wahl gehabt. Außerdem werden Zauberaktivitäten im Ministerium für Magie aufgezeichnet. Hagrid hätte großen Erklärungsbedarf gehabt, wenn nachher gefragt worden wäre, von wem der Zauber ausgesprochen wurde. Denn ich soll in der Mugglewelt nicht zaubern und Hagrid weiß nicht wie man einen Wächter beschwört."

„Ah....also, hast du das nicht gemacht, weil du es wolltest."

„Nein! Natürlich nicht!"

Aniko sah nun auf.

„Gut. Dann sage ich euch was ich mit „Gedanken präsentieren" gemeint habe... behaltet bitte dieses Geheimnis für euch. Ab morgen werde ich davon sowieso keinen Gebrauch mehr machen können."

Einverständiges Nicken von den Dreien folgte.

„Ich ....ich kann mir Einblicke in die Gedanken und Gefühle anderer verschaffen."

Ron, Harry und Hermine sahen sie erschrocken an. Jeder hatten nun Angst, irgendwas zu denken.... .

„Und das sagst du uns erst jetzt!" Hermine schauderte.

Aniko zuckte die Schultern.

„Keine Angst, eure habe ich mir nicht angesehen. Würde ich auch nicht. Schließlich weiß ich bzw. kann ich mir vorstellen, dass das nicht euer Vertrauen in mich bestärken würde. Wie gesagt, morgen kann ich es eh nicht mehr."

„Warum?" fragte Ron.

„Weil mir ein Schmuckstück angelegt wird mit dem Namen „Odinscher Bannreif", der meine Kraft diesbezüglich bannen wird."

Traurig sah sie wieder zu Boden. Einen Bannreif zu tragen und nicht mehr über diese Fähigkeit zu verfügen, würde das Leben für sie hier schwerer machen. Sehr viel schwerer...





„Kann ich euch helfen

4. Kapitel: Bestanden oder nicht bestanden, das ist hier die Frage

 

„Kann ich euch helfen?"

Hermine trat einige Schritte zur Seite, um ihre neue Zimmergenossin und Hagrid, der doch recht schwer beladen war, einzulassen. Paravati und Mira (die beiden anderen Mitbewohner!) schauten erfurchtsvoll aus ihren Hochbetten hinunter.

„Nee, nee, das geht schon."

Hagrid marschierte mit wenigen Schritte zum bezeichneten Schrank ließ mit einem Rums die Koffer und Taschen auf den Boden fallen.

„Ich muss auch schon wieder los. Im Wald sind nachts neuerdings Rufe von Merkurkatzen zu hören....nun, die werden Madame Sprout noch ihre Kräuter wegnaschen, wenn ich nichts dagegen mach. Die lieben Kräuter...mal sehen."

Damit drehte sich Hagrid wieder um, ging zur Tür, drehte sich aber kurz bevor er die Schwelle übertrat noch mal um.

„War nett sich mit dir zu unterhalten, Aniko. Komm vorbei, wenn du mal reden musst. Mach dir nicht so viele Sorgen um deinen Onkel. Der kriegt sich schon wieder ein. Filch wird bestimmt gleich kommen und dich zum Direktor bringen. Schöne Nacht wünsch ich."

Bevor jemand den Gruß erwidern konnte, war er auch schon verschwunden.

Aniko zog ihre von der feuchten Luft nasse Robe aus und legte sie über die Koffer.

„Wie war es denn?"fragte Paravati.

„Nicht gut. Mein Onkel ist aus allen Wolken gefallen, als ich ihm erzählte, das ich weggehe!"

„Na, besser, als wenn er dich angegriffen hätte!" kam von Hermine.

Ein vorwurfsvoller Blick widerlegte diese Aussage.

„Schön wär es gewesen. Auf mich los gegangen ist er. Aber, das ist ja nichts Neues. Alles, was er kann, ist schlagen!"

„Der hat dich geschlagen!?!" fragte Hermine ungläubig. „Das darf ja wohl nicht wahr sein."

Aniko zuckte mit den Schultern.

„Hm...sagen wir, er hat es versucht, aber aus unerklärlichen Gründen ist er leider immer vom Weg abgekommen."

Den drei anderen war natürlich klar, wie sie das angestellt hatte.

„Und ihm ist nie was aufgefallen?" erkundigte sich Mira.

„Nicht das ich wüsste und wenn, dann hat er es mir nie gesagt! Für ihn zählte nur meine Arbeitskraft und das ich gehorsam war. Alles andere war ihm egal."

„Aber er ist doch dein Onkel!"

„Na ja, über 10 Ecken sind wir verwandt, ansonsten hätte er auch nie das Sorgerecht für mich bekommen."

Die Mädchen sahen sich schweigend an.

„Aber ist ja auch egal. Jetzt bin ich hier und zurück kann ich nicht mehr. Ich sollte wohl am besten einfach mit der Vergangenheit abschließen, soweit es möglich ist!"

„Wird er Hogwarts und die Zauberwelt denn nicht verraten?"

Mira wurde kreidebleich. Sie selbst hatte auch keine Eltern mehr und diese Schule und ihre Freunde waren das einzige, was ihr etwas bedeutete.

„Nein....wer glaubt schon einem verrückten, kleinen Lebensmittelhändler, der Haare auf den Zähnen hat und am liebsten seine Zeit mit dem bisschen Geld, was er verdient hat, verbringen würde. Dieser Abend jedenfalls hat eindeutig den Schlussstrich gezogen. Ich habe mit diesem Menschen abgeschlossen."

An der Tür klopfte es.

„Herein," rief Hermine.

Filch steckte seinen Kopf durch die Tür.

„Miss Miller. Sie werden erwartet! Wenn sie mir folgen würden."

Aniko nickte.

„Einen Moment noch. Ich werde nur kurz meine Robe wechseln!"

„Gut, ich warte draußen!"

Nachdem Filch die Tür wieder geschlossen hatte, ging Hermine zu ihrem Schrank.

„Hier, nimm meine Robe! Du hast doch keine mehr, oder?"

„Noch habe ich keine, aber das wird sich gleich ändern!"

Mit einer lässigen Handbewegung fuhr Aniko über das Kleidungsstück.

„Abrakadabra simsalabim!"

In der anderen Hand hielt sie plötzlich eine neue, trockene Robe. Die anderen Mädchen waren sprachlos.

„Wie hast du das gemacht, so ganz ohne Zauberstab?," fragte Hermine, die eigentlich keine andere Möglichkeit sah, als Magie mit einem Zauberstab zu vollbringen.

„Ist das wirklich die richtige Formel?"

Aniko begann zu grinsen.

„Nein, eigentlich wollte ich damit nur Eindruck schinden. Und was den Zauberstab anbelangt, kann ich dir sagen, das ich noch nie einen hatte, ich aber, wie du siehst, trotzdem Zaubern kann. Nun ja, den Rest klären wir morgen, o.k.? „

Sie zog sich die andere Robe über und schritt nach vielen Glückwünschen aus dem Zimmer.

Filch setzte sich sogleich in Bewegung. Aniko hatte eigentlich vor, ihn in ein Gespräch zu verwickeln, da er allerdings nicht unbedingt den Eindruck machte, als wenn er Lust dazu hatte (seine Gefühle bestätigten ihr diese Vermutung) ließ sie davon ab. Während des Weges hatte sie endlich, nach diesem langen Tag den Eindruck, etwas Zeit für sich zu haben. Ihr Gedanken schweiften ab. Heute war soviel passiert. Erst das Einkaufen mit Hagrid in der Winkelgasse, all die neuen Menschen und die Eindrücke, die auf sie niedergeprasselt waren wie ein Gewitter. Dann dieses verfluchte Mittagessen und er sprechende Hut. Was er mit „Elementary" gemeint hatte, war ihr immer noch nicht klar. Nach diesem Schock dann dieser Professor Snape, der sie ganz aus der Fassung gebracht hatte. Später war es nicht besser gewesen. Die Prüfung war ja wohl wirklich ziemlich haarsträubend gewesen. Und zum krönenden Abschluß noch das Gespräch mit ihrem Onkel.

Erst jetzt merkte sie, wie fertig sie eigentlich war. Hoffentlich waren nicht alle Tage so lang wie dieser. Obwohl er natürlich auch sein gutes hatte. Nach langen Jahren der Einsamkeit, die nur durch den täglichen Besuch in ihrer alten Schule, unterbrochen waren, fühlte sie sich das erste Mal wirklich angenommen. Harry, Hermine und Ron, aber auch die anderen waren heute sehr nett zu ihr gewesen. Natürlich, sie hatte immer irgendwie, irgendwo Freunde gehabt;Leute die sie mochten; doch sobald ihr Onkel dies spitzgekriegt hatte, war die Freundschaft sehr schnell beendet gewesen.

Überhaupt gefiel es ihr hier eigentlich sehr gut. Sie hatte zwar noch kaum einen Überblick, aber der erste Eindruck war jedenfalls in Ordnung.

„Wir sind da!"

Filch verlangsamte sein Tempo, sodass sie vortreten konnte zur Tür.

„Wünsche viel Vergnügen!"

Mit diesem Satz drehte er sich um und ließ sie alleine.

„So Aniko, nur keine Panik."

Sie klopfte kurz an und ging herein.

Drinnen war die Anordnung der Tische und Stühle immer noch genauso wie heute Mittag. Ein großer Hufeisenförmiger Tisch und ein winziger Tisch mit Stuhl am anderen Ende des Raumes vor der Tafel (wo Aniko gesessen hatte, bedarf wohl keiner Erklärung, oder?).

„Setzen sie sich, Miss Miller!" erklang die freundliche Stimme von Albus Dumbledore.

Sie tat ihm den Gefallen und sah sich um. Außer dem Direktor befanden sich nur noch Professor McGonagall, Professor Hooch und Professor Snape im Raum. Ein kurzer Blick zum Zaubertränkemeister sagte ihr, dass ihre Chancen gut standen. Er sah nämlich äußerst gereizt aus.

„Aniko... um es kurz zu machen.....sie kommen in die sechste Klasse zu Harry."

Wie gelähmt saß sie da. In die sechste....zu Harry. Ob sie sich verhört hatte.

Dumbledore erkannte an ihrem skeptischen Gesichtsausdruck, dass sie wohl noch nicht ganz begriff, was dies bedeutet und ging nun dazu über, ihr zu erklären, wie diese Entscheidung zustande gekommen war.

„Aniko....ich denke, sie wissen am besten, dass sie in Sachen Magie wahrlich kein Anfänger sind, auch wenn ihr Wissen in einigen Bereichen mehr auf Experimenten als auf theoretischer Basis beruht. So weisen sie große Erfahrung in Zauber, Flüchen, Verwandlung und Verteidigungslehre auf, die sogar von den unterrichtenden Lehrern als überdurchschnittlich für ihr Alter bewerteten wurden. In Geschichte der Zauberei haben sie gute Ergebnisse erzielt und sogar in der Züchtung und Pflege von Zauberpflanzen und magischen Wesen haben sie sich ein umfangreiches Wissen erarbeitet."

Aniko lief bei diesen Wort rot an. Noch nie hatte jemand sie so sehr gelobt. Das sie über all die Jahre in den Büchern ihrer Eltern gelernt hatte, war für sie eher Mittel zum Zweck gewesen. Sie war oft angegriffen worden von Wesen und Geistern und zudem war ihr sehr schnell bewusst geworden, dass sie wirklich zu einer „Gefahr für die Menschen" werden würde, wenn sie nicht lernte, ihre Kräfte zu kontrollieren. Diese Tatsache hatte sie schon sehr früh herausgefunden, als sie aufgrund eines akuten Wutanfalls mit neun Jahren ein ganzes Haus zum Einsturz gebracht hatte. Zum Glück was das Haus ein Altbau gewesen, der nicht mehr bewohnt wurde.

Dumbledore nickte ihr aufmunternd zu, erhob sich von seinem Tisch und ging zu ihr.

„Was dagegen die Herstellung von Zaubertränken betrifft, kann ich Professor Snape nur zustimmen, dass ihre Kenntnisse in diesem Gebiet nahezu unerfüllt sind."

Sie schluckte schwer, doch natürlich wusste sie, das diese Bewertung der Tatsache entsprach.

„Ich weiß, Herr Direktor." antwortete sie. „Doch das ich kein Wissen auf diesem Gebiet habe, liegt nicht daran, das ich kein Interesse an Zaubertränken habe, sonder weil ich weder Bücher noch Zutaten noch Rezepte besitze. Wie soll ein in der Mugglewelt lebender Mensch an Materialien wie „Einhornblut" kommen?"

Der Professor nickte.

„Das ist uns natürlich klar gewesen und deshalb haben wir uns dazu entschlossen, sie trotzdem in die sechste Klasse einzustufen, auch wenn Professor Snape sich gegen dieses Urteil ausgesprochen hat."

Bei diesem Wort kam ein resigniertes, lautes Atmen aus Snapes Richtung.

„Fast das gesamte Kollegium ist der Meinung, dass es ihnen zuzutrauen ist, ihre Defizite in dem Fach aufzuarbeiten, da sie ja in anderen Fächern keinerlei Mängel aufweisen. Wir werden sie dabei natürlich unterstützen und ich denke, dass sie in Hermine Granger ein gute Hilfe finden werden, zumal sie beide sich ja auch schon angefreundet haben."

Aniko strahlte über das ganze Gesicht. Vergessen war nun die Härte der Eignungsprüfung, vergessen waren die Übel des Tages. Für sie begann nun in diesem Augenblick ein neues Leben, mit neuen Freunden und Menschen, die an sie glaubten. Auch wenn Snape ihr nicht zutraut, gut in Zaubertränke zu werden, sie würde es schaffen.

„Ich verspreche ihnen Sir, dass ich sie gewiss nicht enttäuschen werde. Ich werde alles dafür tun, damit ich so schnell wie möglich die anderen einhole." erklärte sie inbrünstig.

McGonagall, die sich bis dahin zurück gehalten hatte, ergriff nun das Wort.

„Davon sind wir überzeugt, Miss Miller. Nicht wahr, Professor Snape?"

Der Angesprochen sah zuerst zu Minerva hinüber, ließ aber schließlich den Blick zu Aniko gleiten und schaute sie voller Missgunst an. Zwischen den Zähnen presste er hervor:

„Natürlich!"

„Nun zu etwa anderem, Miss Miller!" rettet der Direktor die Stimmung, die durch Snapes nicht zu überhörenden Sarkasmus gedämpft worden war.

Aniko ahnte was jetzt kam.

„Ich weiß, das Armband, richtig!?!"

Dumbledore nickte traurig und sie konnte erkennen, dass ihm diese Sache wirklich schwer fiel.

„Normalerweise wollen wir die Fähigkeiten der Schüler fordern und nicht unterbinden, jedoch bleibt in ihrem Fall keine Wahl. Gedankenleseung ist an Schulen strengstens verboten. Abgesehen davon, dass sich weder Lehrer noch Schüler gerne in die Karten schauen lassen, denke ich auch, dass diese Fähigkeit sind in der nächsten Zeit eher behindern würde und Missverständnisse bestimmt nicht ausblieben. Zu schnell machen böse Gerüchte die Runde und ich kann aus Erfahrung sagen, das Menschen mit solchen Fähigkeiten leicht in die Opferrolle gedrängt werden, da sie aus Angst vor der Offenbarung von anderer Leute Geheimnisse oftmals gemieden werden."

Aniko nickte. Sie verstand die Beweggründe des Professors, doch genauso sehr, wie sie ihm entgegen kommen wollte, machte ihr der Gedanke Angst, ohne ihre Fähigkeit auskommen zu müssen. Seit sie denken konnte, hatte sie diese Kraft und sie hatte immer regen Gebrauch von ihr gemacht.

Aber was nützt es.

„Wann bekomme ich ihn an!"

„Am besten jetzt gleich. Professor Snape hat ihn angefertigt und mit Kräften versehen."

Bei diesem Satz erhob sich der Zaubertränkemeister von seinem Platz. Aniko sah ein hässliches, schadenfreudiges Lächeln auf seinen Lippen. Freudig trat er auf sie zu und Professor Dumbledore ließ ihn zu ihr durch. In der rechten Hand hielt er einen schwarzen Armreif, in der linken einen schwarzen Schlüssel. Vor ihrem Tisch blieb er stehen.

„Wenn sie mir bitte ihren linken Arm reichen würden." forderte er. Sein Blick durchdrang sie wie Wasser eine schmale Flussgrube.

Sie streckte ihren linke Hand zu ihm. Der Professor öffnete das Band und bevor er es ihr umlegte, spürte sie in seiner Gefühlwelt tiefste Erleichterung und die Gewissheit, das nun von ihrer Seite keine Gefahr mehr bestand.

Ein kaltes, fröstelndes Gefühl durchzog ihr Herz, als der Verschluss zuschnappte. Mit einem Mal konnte sie seine Gefühle und Gedanken nicht mehr erkennen. Sie fühlte sich hilflos, absolut hilflos. Ab jetzt war sie alleine auf ihre Urteilskraft angewiesen und konnte nicht mehr die Gewissheit über das Seelenleben anderer erlangen.

„Den Schlüssel werde ich vorsorglich verwahren, Miss Miller. Bei Fragen können sie mich aufsuchen."

Sie hatte sich selbst verraten. Sie hatte einen Teil ihrer Persönlichkeit verraten, indem sie sich dieses Armband hatte umlegen lassen. Sie war die Verräterin ihrer eigenen kleinen Welt.

Ein ausgesprochen beklemmendes Gefühl machte sich in ihrer Magengegend breit. Sie war gebranntmarkt. Sprichwörtlich gebranntmarkt durch diese Ding an ihrem Handgelenk, das ihr zu allem Übel auch von der Person angefertigt worden war, die sie zu jenem Zeitpunkt am meisten missachtete und hasste.

 

Leise öffnete sie die Tür zu ihrem neuen Zimmer. Es war dunkel und nur der Halbmond warf sein schattiges Licht durch das offene Fenster. Die Gardinen wehten im seichten Wind. Stille.

Vorsichtig trat sie ein, möglichst bedacht darauf, keinen Lärm zu machen.

„Und?" hörte sie eine leise Stimme neben sich. Hermine setzt sich in ihrem Bett, das über Anikos Bett war, auf.

„Wie war es?"fragte sie wieder als kleine Antwort kam

Aniko hatte nicht damit gerechnet, dass noch jemand auf war. Schließlich war es schon fast Mitternacht durch.

„Hey....!" hörte sie wieder.

Doch es war zu spät. In Aniko bahnte sich die ganze über den Tag aufgestaute Spannung ihren Weg ins freie. Ohne dass sie es wollte rollten die Tränen. Sie wollte doch stark sein und allen zeigen, dass sie mehr konnte, als nur heulen. Warum war sie jetzt wieder ein laufender Wasserhahn. Sie hasste sich, wenn das passierte, doch ihr war klar, dass es wahrscheinlich jedem so nach einem solchen Tag ergangen war.

Sie hatte Angst, einfach nur Angst. So viel Druck lastet auf ihr. Sie war erst einen Tag in Hogwarts und sie wusste nicht, auf was sie sich bei ihrem Entschluss hier zu bleiben, eingelassen hatte. Aniko war hin- und hergerissen von ihren neuen, aber ihr doch so vertrauten Welt.

Ein leises Tapsen war zu hören, plötzlich spürte sie einen Arm auf ihrem, der sie behutsam wieder nach draußen zog.

Hermine schloss vorsorglich die Tür und nahm die aufgelöste Freundin in den Arm. Da standen sie nun. Zwei eigentlich wildfremde Mädchen hielten sich in einer innigen Umarmung mitten auf dem Mädchenflur. Lange Zeit verharrten sie in dieser Position. Aniko schmiegte sich dicht an Hermine. Sie hatte nicht oft in ihrem Leben eine tröstende Geste von jemandem bekomme und sie war ihr dafür unendlich dankbar. Hermine hatte mit ihrer Anteilnahme mehr bewirkt, als sie sich zu dieser Zeit bewusst sein konnte und somit den Anfangsstein für eine Freundschaft gelegt, die beiden zugute kommen würde. Aniko genoss noch ein wenig die Herzlichkeit und Wärme von Hermines Umarmung, bevor sie sich langsam löste. Das erste Mal heute durchzog ein wirkliches Lächeln Anikos Gesicht. Es war kein Lächeln der Freude, denn dafür war sie viel zu durcheinander und verängstigt, aber es war ein Lächeln des Glücks.

Sie setzen sich auf den Boden und lehnte sich gegen die Tür.

„Jetzt erzähl mal!"

Aniko sah die Freundin an.

„Ich bin in eurer Klasse!"

Ein Freudenschrei hallte durch den Flur.

„Und deshalb weinst du? Das ist die beste Nachricht des Tages. Oh, Aniko, wir werden so viel Spaß zusammen haben. Wir...."

„Nicht so laut, Hermine!" warnte sie.

Diese sah sich sofort hektisch um. In ihrer Freude hatte sie ihre Umgebung vollkommen vergessen.

Aniko nahm den Faden wieder auf.

„Allerdings ist Snape ganz und gar nicht begeistert und ich kann wohl davon ausgehen, dass er mir das Leben zur Hölle machen wird. Er sah äußerst gereizt aus, als Dumbledore mir das Ergebnis mitteilte. Außerdem hat er mir dieses Geschenk hier gemacht!"

Aniko hob ihren linken Arm und präsentierte ihr den Armreif.

„Ah...der „Odinsche Bannreif", nicht wahr! Bist du deshalb so traurig?"
Sie zuckte mit den Schultern und gab zu Antwort:

„Nein, nicht nur. War wohl etwas viel heute. Mir tut es aus gegebenen Gründen nur eben nicht recht, dass ich mich nun so einschränken muss. Die Tatsache, dass das dumme Ding von Snape kommt, macht mich eher böse als alles andere. Du, ich glaube, der hat Angst vor mir!"

Hermine blickte sie überrascht an.

„Wie kommst du darauf?"

„Seine Gedanken kreisten um eine große Last, als er es mir umlegte. Doch kurz bevor er es schloss, spürte ich Erleichterung in seinem Herz."

„Hm....wir sollten uns den guten Professor die nächste Zeit mal genauer ansehen. Bei ihm dürften solche Gefühlregungen einen guten Grund haben."

Sie stand auf.

„Geht es wieder?"

Aniko tat es ihr nach.

„Ja! Danke."

„Harry und Ron werden sich freuen. Mach dir keine Sorgen. Die meisten aus unserer Klasse sind wirklich nett. Du wirst dich schnell eingewöhnen. Wir helfen dir!"

Aniko nickte.

Damit war die Sache erledigt. Leise tapsten die beiden zurück in das Zimmer.

 

 

 

Kapitel 5: Begegnungen

 

Wie war das noch. Erst links, dann die Treppe runter, den Gang geradeaus....oder war es doch der rechte gewesen. Aniko konnte sich beim besten Willen nicht mehr daran erinnern. Wenn Hermine ihr doch nur aufgeschrieben hätte, wo die Dusche war. Na, jetzt war es eh zu spät. Und das letzte, was sie wollte, war sie nun zu wecken. Sie würde den Raum schon allein finden. „Et erasco doridore" flüsterte sie, und eine Planskizze des Geschosses breitete sich vor ihrem inneren Auge aus. Ah, also doch gerade aus. Nach wenigen Minuten war sie am Ziel. Sie hatte die Hände voll mit Handtüchern und Seifenzeug von Hermine, sodass es ihr nicht möglich war, die Tür wie gewöhnlich mit der Hand aufzumachen.

„Sesam, öffne dich!"

Mit heiterer Belustigung hatte sie diese Worte gesprochen. Wenn sie eine Tageszeit als Lieblingszeit benennen würde, dann mit Sicherheit den Morgen. Der Beginn eines neuen Tages, der Beginn einer neuen Phase ihres Lebens.... . Die Tür öffnete sich wie von Geisterhand und Aniko wurde wieder einmal bewusst, wie unheimlich ihre Kraft doch manchmal sein konnte. Während die anderen auf dieser Schule nur mit Hilfe von Zauberstäben, Sprüchen und Zutaten Magie anwenden konnten, war es bei ihr etwas völlig anderes. Es war wie zweites Denken. Als würde sie sich in die zu bezaubernden Gegenstände hineinversetzen und sie allein durch die Macht ihres Willens kontrollieren. Natürlich war das Erlernen dieses Denkens für sie schwierig gewesen, zumal ihr oftmals ihr Temperament einen Streich gespielt und so ihre Gedanken stark beeinflusst hatte, so das wirklich üble Geschehnisse die Folgen waren. Die Sache mit dem Magneten war ein solches Beispiel. Dabei wusste sie gar nicht wirklich, wie stark sie war. Normalerweise hatte sie Zauberkraft zumeist in der Bewältigung von Haushaltsproblemen oder bei der Verteidigung gegen Angreifer gebraucht, jedoch noch nie wirklich schwierige Zaubereien ausprobiert.

Aus dem Duschraum kam ihr kalte Luft entgegen. Drinnen roch es nach Seife und einem anderen undefinierbaren Duft. Der Raum war leer und Aniko trat nach einigen zögerlichen Blicken ein. Komisch, dachte sie. Anscheinend schienen die Schüler es nicht allzu genau mit der Sauberkeit zu halten. Hermine meinte, sie wäre abends schon duschen gewesen und hatte sie eigentlich auf ein reges Treiben am Morgen aufmerksam gemacht. Allerdings war davon nicht viel zu sehen.

Sie legte ihre Sachen kurz auf einem Stuhl ab, der in dem Waschraum stand, und sah auf die Uhr. 7:15 Uhr, noch eine Dreiviertel Stunde bis zum Frühstück. Genug Zeit für eine ausgiebige Dusche. Sie belud sich wieder und ging in den Raum links von ihr, der deutlich mit dem Schild „Dusche" gekennzeichnet war.

Das Entsetzen packte sie. Alles Freiraumduschen und nicht eine einzige Dusche mit Vorhang. Einziges Hindernis waren kahle Steinwände zwischen den einzelnen Duschteilen. Konnte es schlimmeres geben? Widerwillig verstaute sie die Handtücher auf einem der kleinen Höcker, die sich gegenüber jeder Brause befanden und stellte das Shampoo und die Seife auf eine der Wände. Jetzt war sie froh, das noch niemand anderes da war. Vorsichtig schälte sie sich aus Morgenmantel und Pyjama und bewegte sich leicht fröstelnd zur Dusche. Der Gedanke, das sie nun splitterfasernackt in diesem doch befremdlichen Raum stand, der einzig und allein durch die Anwesenheit von ungefähr 10 weiteren Duschen ausgefüllt wurde, gefiel ihr nicht sonderlich, aber sie würde sich wohl daran gewöhnen müssen. Zwar war Aniko kein Kind der Scheu, aber Schamgefühle besaß sie allemal.

Vorsichtig drehte sie den Wasserhahn auf. Nach einigem hin-und herdrehen, war das Wasser weitestgehend angenehm warm und sie stellte sich unter den brausenden Strahl. Sie ließ das Wasser vorerst nur an sich runterregnen und stellte sich in der Dreipunktstellung (Hände gegen die Duschwand! J Was dachtet ihr denn) so, das ihr ganzer Körper bedeckt wurde. Wie schön dieses Gefühl war. Mit einem Mal verflog ihre Beklemmung. Das warme Wasser erfüllte sie mit tiefer Genugtuung.

Nach einiger Zeit löste sie ihre Haare aus der Spange, die sich sofort an ihren Körper schmiegten und ihre bis zu der Hüfte hinunterreichten.

Eine Wäsche würde ihnen gut tun, dachte sie und griff nach dem Shampoo. Eine ganz schön schwierige Prozedur war das, jedes Mal den dummen Schaum auszuwaschen, aber als es ihr endlich geglückt war, griff sie zu Seife.

„Hmm,...sieh an, Hermine benutzt „Rose of Magic. Hihi, passt zu ihr." brummelte sie, nahm eine Portion und begann sich zu waschen. Jedes Mal, wenn sie dies tat kreisten ihre Gedanken um ihre angeblichen Schwachstellen. Eigentlich war sie mit ihrem Körper zufrieden. Alle männlichen Kunden, die das Geschäft ihres Onkels aufgesucht hatten, hatten ihr immer wieder bestätigt, was für eine Schönheit sie war, doch aus ihrer Sicht war dem nicht so. Klar, sie war schön groß und hatte eigentlich recht lange Beine, aber die Hüften....ziemlich breit.

„Gebärfreudig," hatte ihr Biolehrer in der Schule damals gesagt, als man auf den Ausdruck für extrem weibliche Hüften im Sexualkunde-Unterricht zu sprechen kam. Tolles Wort!!!

Es war ja nicht so, dass sie Übergewicht hatte, ganz und gar nicht. Im Gegenteil, sie hatte einen schönen flachen Bauch und eine gute Taille. Vielmehr war es wohl eine Sache der Knochenausbildung. Na, und das Mutter Natur es da besonders gut mit ihr gemeint hatte, war offentsichtlich.

Gut gemeint hatte sie es wohl auch in Bezug auf ihre Brüste.

Tja, was sollte sie dazu sagen....sie waren ihr einfach zu ....groß. Besonders bei der schweren Arbeit im Laden hatte sie oft Probleme damit gehabt! Nicht nur, weil die männlichen Kunden gerne mal ihre Augen mit ihren Brüsten verwechselt hatten, nein, überhaupt störte sie dieses ganze Klimbamborium was mit der Ausprägung des Weiblichen zusammen hing. Sie hatte einfach oftmals das Gefühl, von Männern nur begehrt worden zu sein, weil sie große Titten hatte, und ihr dies doch ziemlich gegen den Strich ging. Sie wollte nun mal nicht nach ihrem Körper, sondern nach ihrem Charakter beurteilt werden.

Ein Geräusch ließ sie aus ihren Gedanken auffahren. Noch immer brauste das Wasser in Strömen auf sie hinab. Sie wagte kaum sich umzudrehen. Das Herz blieb ihre fast stehen und ihre Atmung wurde schneller, als sie sich nun vorsichtig um die eigene Achse bewegt.

Was sie erblickte, ließ ihr einen Schock durch Herz und Nieren fahren.

Severus Snape, ihr zukünftiger Zaubertränkelehrer, stand halb nackt mit nur einem Handtuch um die Lenden geschlungen 5 Meter von ihr entfernt zwischen Tür und Angel.

Beide trauten ihren Blicken kaum und niemand wagte es ein Wort zu sagen. In Aniko machte sich grausame Panik breit, die ihr einen dicken Kloß in den Hals trieb und sie erzittern ließ. Das konnte nur ein Traum sein, nur ein wahnsinnig dummer Traum sein. So viel Pech, konnte doch kein Mensch alleine haben.

Sie starrte ihn fassungslos an und erntet einen ebensolchen Blick seinerseits. Immer noch prasselte das Wasser auf sie nieder. Ihre Haare hingen strähnig und nass herunter und umrahmten ihr Gesicht. Die tiefblauen Augen und die vollen Lippen ließen ihren Körper noch sinnlicher erscheinen und untermalten ihre Statur. Er konnte nicht anders, er musste sie ansehen. Sie war so schön und kam ihm in dieser Situation wie die Reinkarnation der Lorelai vor. So wunderschön und doch so unnahbar.

Mit einem Mal änderte sich der vorherige Ausdruck ihrer Augen. Die Regungen des Erschreckens schienen abzuklingen und sie nahmen einen Ausdruck an, den er nicht beschreiben konnte.

Stolz hob sie ihr Kinn in die Höhe und versucht mit ihren Hände ihre Blöße zu bedecken, was jedoch nicht gelang. In diesem Moment fielen ihr tausend andere Gründe ein, warum sie ihren Körper, der nun ohne ihre Absicht vor einem völlig fremden Mann zur Schau gestellt worden war, hasste und was für ein Vorteil nun weniger weibliche Ausmaße hätten.

Aniko riss sich von seinem Blick los, dem sie bis dahin standgehalten hatte, rannte schnurstracks zu ihren Sachen, wickelte sich das Handtuch um den Körper und nahm den Rest vom Hocker auf. Bevor sie sich an Snape vorbeidrängte, konnte sie nicht anders und streifte seinen Körper flüchtig mit den Augen. Die Auswüchse unter seinem Handtuch waren nicht zu verkennen, was sie dazu trieb, kurz auf gleicher Höhe neben ihm zu verweilen. Sie wusste nicht warum, vielleicht war es Hass, vielleicht auch Schamgefühl das nun nach Rache schrie, vielleicht aber auch der Versuch ihn auszutesten, was sie dazu verleiten würde, ein ordentliche Kampfansage zu machen. Sie wusste es nicht, aber für Sekunden war es ihr egal, was später geschehen würde. Einige Momente verweilte sie so an seiner Seite, starrte stur geradeaus und presste schließlich zwischen den Zähnen heraus:

„Eigentlich war ich der Meinung, sie haben keine Gefühle, aber es beruhigt mich, dass es anscheinend doch welche in ihnen gibt und sie diese nicht immer unter Kontrolle haben. Schönen Tag wünsche ich, Sir!"

Damit war sie verschwunden und hinterließ ein äußerst unangenehmes Gefühl der Peinlichkeit bei dem sonst so taffen Zaubertränkemeister.

Aniko rannte so schnell wie möglich den Weg zurück. Sie warf nicht einen Blick nach hinten, stolpert fast über ihre eigenen Füße als sie völlig gehetzt das Passwort an die dicke Dame gab und durch das Loch in den Flur hineinfiel. Erst als sie die Zimmertür hinter sich geschlossen hatte, wagte sie aufzuatmen.

Eine völlig verdatterte Hermine stand vor ihrem Kleiderschrank und starrte sie aus offenen Augen an.

„Was hast du denn gemacht. Bist du etwa nur im Handtuch hier hergekommen?"

Aniko japste noch einige Male nach Luft, bevor sie antwortete:

„Ich hatte gerade eine Begegnung der dritten Art. Rate mal, wer mich beim Duschen bespannt hat!"

Hermine fing an zu grinsen.

„Hm...keine Ahnung, aber du wirst es mir bestimmt sagen, nicht?"

„Du wirst es nicht glauben...es war Severus Snape!"

Bei diesen Worten torkelte Hermine zurück und ließ sich auf einen der Stühle am Fenster nieder. Der Mund stand ihr offen.

„Oh mein Gott....Professor Snape in der Mädchendusche! Donnerwetter, der traut sich was. Und was haben Mira und Parvati gesagt?"

Aniko schluckte. Ein böser Verdacht stieg in ihr auf!

„Mira und Parvati waren gar nicht da....!"

Hermine sah sie verwirrt an.

„Aber sie wollten eigentlich zwei Minuten nachdem du los bist, auch kurz duschen und dich noch abfangen, um dir die Sanitäranlagen zu zeigen. Ist zwar nur ein Stockwerk weiter, aber wenn man neu ist und die Treppen noch nicht kennt kann man sich schon hier verlaufen!"

Die fast nackte Freundin sah erschrocken zu ihr.

„WIE...NUR EIN STOCKWERK WEITER? ICH WAR FAST IM KELLER!!!"

Hermine schluckte schwer.

„Im Keller??? Oh oh....Aniko, ich befürchte schlimmes. Was stand auf dem Schild neben der Tür???"

Sie überlegte kurz.

„Ich glaube „MP!"

Damit fiel Hermine fast vom Hocker.

„Oh je, Aniko, du warst in der Lehrerdusche. In der für die männlichen Professoren, deshalb „MP" (male Professor)!"

Vom einem auf den anderen Augenblick wechselte Anikos Gesichtsfarbe fünf mal, wobei die Grundfarben in einer äußerst flüssigen Reihung sich hintereinander ablösten. Schließlich blieb es bei knalligen Rot, das mit dem einer Tomate zu vergleichen ist. Vor Schreck öffnete sich ihre Hand, mit der sie bis dahin das Handtuch festgehalten hatte und stand, nachdem dieses natürlich herunter gerutscht war, dann komplett unbekleidet vor Hermine. Diese warf einen kurzen Blick auf den Körper der Freundin, bevor sie das Handtuch aufhob und es ihr reichte. Dabei sah sie ihr direkt in die Augen. Unter dem Blick Anikos erschauderte sie leicht, war sie sich doch dank dieser Entblößung bewusst geworden, wie schön diese war.

„Danke, damit habe ich mich wohl das zweite Mal heute zur Schau gestellt!"

Hermine setzte sich etwas irritiert auf den Stuhl.

„Ist...ist ja nicht schlimm. Wir sind ja unter uns!"

Sie spürte wie ihr die Röte ins Gesicht schoss und hatte einen Moment lang den Gedanken, sie hatte wohl etwas zu offensichtlich hingesehen. Irgendwie war sie nervös. Ängstlich blickte sie wieder zu Aniko nach oben, die nun, da sie sich auch langsam fertig machen musste, begann richtig anzuziehen. Hermine schaute sofort zum Fenster hinaus mit dem Gedanken, auch bloß nicht als Spannerin dazustehen. Mit einem Mal vernahm sie ein unterdrücktes Gekicher aus Anikos Richtung, dass schon bald in ein klares Lachen über ging. Die Freundin stand in Unterwäsche vor ihrem Bett und kringelt sich bald.

„Weißt du.....wie dämlich der geguckt hat......mein Gott haben wir beide da unten dämlich gestanden. Ich war so geschockt....und hab ihn selbst nur sprachlos angestarrt......meine Güte, was der wohl nun von mir denkt!"

Aniko schnappte während dieses Satzes zweimal nach Luft, verschluckte sich und bekam sich kaum noch unter Kontrolle. Es war ein Bild für die Götter. Sie hatte ein so gutgelauntes Lachen, dass sich Hermine davon mitreißen ließ. Die angespannte Stimmung war gebrochen.

Anscheinend verstand die neue Freundin mehr Spaß und hatte einen derberen Humor, als sie gedacht hatte. Es war das erste Mal, dass sie Aniko so lachen hörte. Hermine war erleichtert.

„Und, was wirst du jetzt machen? Zaubertränke ist für nach der Mittagspause angesetzt. Du kannst dir sicher denken, das Snape dir die Konsequenzen vorhalten wird!"

Aniko, die sich gerade den Rock anzog, schaute zu ihr.

„Nichts! Ich werde das ganze auf mich zukommen lassen. Was anderes wird mir wohl auch nicht übrig bleiben. Abgesehen davon glaube ich kaum, dass er noch ein Wort über die Sache verlieren wird. So, wie ich den angeblafft habe!"

„Wenn du meinst."

Hermine stand auf, ging zum Schrank und nahm ihre Robe heraus.

„Ich denke nur, dass am besten niemand außer uns dreien davon wissen sollte. Auch Harry und Ron nicht."

„Das gleiche wollte ich auch gerade sagen. Damit haben wir wohl unser erstes gemeinsames Geheimnis, gell!"

Aniko zwinkerte belustigt.

***************************************************************************

Das Frühstück und Anikos erste Unterrichtsstunden verliefen ohne Zwischenfälle.

Bis jetzt schien sie in keinem Fach Probleme zu haben. Die Lehrer waren sehr nett und sogar Professor McGonagall, die in ihrem Unterricht eigentlich für ihre maßgebliche Strenge bekannt war, schien sie wirklich zu mögen und verzieh ihr, das sie den Nagel anstatt in einen Schrank in ein sich selbst spielendes Piano verwandelt hatte. Schließlich war es ihr sogar am Ende mit etwas zu Hilfe von Seiten Hermines geglückt und sie hatte sogar lobende Worte geerntet. Eine gewisse Sicherheit erfüllte sie nun, als sie sich zum Mittagessen begab. Der Tag war also doch nicht so schlimm, wie sie gedacht hatte und die Sache mit Snape würde sich hoffentlich auch in Grenzen halten. Das sie damit absolut falsch lag, sollte sich später herausstellen.

Ein missmutiger Snape hatte am Mittagstisch Platz genommen und seine Laune, die sich durch den Vorfall des Morgens und durch die unfähige dritte Klasse nicht gebessert hatte, verschlechterte sich in den Minusbereich, als er Aniko lustig schwatzend erblickte. Ihre Kampfansage hatte er nicht überhört und obgleich er sie natürlich wirklich angestarrt hatte, gab er sich nicht den geringsten Anteil an Mitschuld. Er hatte sich lächerlich gemacht bzw. eine Situation erlitten, mit der er auf keinen Fall zu Recht kam. Snape sah seine Autorität gefährdet und das bedeutete für ihn Alarmstufe Rot. Doch was sollte er nun tun, um vor ihr nicht sein Ansehen zu verlieren. Sie hatte ihn schließlich nackt gesehen, mal abgesehen davon, dass sie leider auch die natürlichen Auswirkungen ihrer Reize auf ihn wahrgenommen hatte. Er verfluchte diese Situation. Gestern, als er ihr den Bannreif umgelegt hatte, dachte er, sie wäre ihm nun nicht mehr gefährlich. Warum er in ihr eine Gefahr sah, wusste er nicht recht auszudrücken, doch der erste Blickkontakt hatte ihm Augen gezeigt, die von Stolz und Mut gefüllt waren und nichts glaubten, was sie nicht selbst gesehen hatten. Für ihn, der weder durch Blicke noch durch Gedankenlesung entblößt werden wollte, stellte sie durch ihre Fähigkeit, die Gefühle anderer zu erkennen und durch ihr stolzes, offenes Wesen eine Gefährdung da. Von der unangenehmsten Fähigkeit hatte er sich gestern befreit, doch die andere würde der Zaubertränkemeister wohl anders beseitigen müssen. Er wollte sie bloß stellen und ihren Stolz brechen...am besten so schnell wie möglich....

 

Pünktlich betraten Harry, Ron, Hermine und Aniko Professor Snapes Klassenraum. Letztere ergatterte einen Platz in der Sitzreihe direkt hinter den drei anderen neben Mira. Sie war froh, dass die anderen auch da waren, denn sie war nun sichtlich nervös und wünschte sich, sie wäre einfach heute Morgen schweigend an dem Zaubertränkemeister vorbeigegangen. Es war nicht ihre Art, sich vor unangenehmen Situationen zu drücken und hatte insgeheim überlegt, ob sie sich nicht bei ihm entschuldigen sollte. Aniko wollte diesen Schritt von der Unterrichtsstunde abhängig machen. Wenn er sie nicht zu barsch behandeln würde, könnte sie sich eine Entschuldigung vorstellen. O.k., Snape war nicht unbedingt der Mensch, bei dem man sich am liebsten entschuldigte, doch wenn sie es recht bedachte: Was wusste sie eigentlich über ihn? Nur Geschichten und die Tatsache, dass er es mit es mit einer fairen Objektivität nicht unbedingt genau nahm. Gut, das war zwar nicht besonders ansprechend, aber jeder Mensch hat seine Macken. Das er ihr den Reif umgelegt hatte, hatte sie ihm mittlerweile verziehen, da sie der Meinung war, dass es auch zu seiner Pflicht gehörte und diese nichts mit seinen privaten Empfindungen zu tun haben sollte. Vielleicht musste sie ihm einfach etwas neutraler begegnen. Sie nahm sich fest vor, in seiner Stunde aufmerksam und bemüht zu sein.

Professor Snape betrat den Raum. Sein Blick war düster und jeder konnte ihm ansehen, dass er heute besonders tief liegende Laune hatte. Majestätisch schritt er zu seinem Pult und würdigte keinen Schüler eines Blickes während dieser königlichen Prozedur. Erst als Snape seinen Platz erreicht hatte, besah sein arroganter Blick die Klasse. Sofort entdeckten seine wachen Augen Aniko, die interessiert zu ihm hersah. Du wirst dein blaues Wunder erleben, dachte er.

„Alle anwesend?"

Seine zynische Stimme durchschnitt wie ein Schwert die bedrückende Atmosphäre im Klassenraum. Als keine Antwort kam, setzte er ein süßliches Lächeln auf und säuselte in seiner verkannt beruhigenden Stimme.

„Wie ich ankündigen darf, begrüßen wir heute einen Neuzugang. Miss Miller wird ab jetzt unseren Unterricht mittragen."

Aniko war bei diesen Worten knallrot angelaufen. Jeder, der den Professor einigermaßen kannte, wusste, dass er so was nie tat und sogar sie konnte an der Art, wie er sprach, erkennen, dass er sie mit dieser Begrüßung verspotten wollte. Aber das war ihr jetzt egal. Sie durfte sich nicht aus der Reserve locken lassen. Snape begann wieder zu sprechen.

„Nun, da wir heute ein neues Thema beginnen werden- einen Abstecher in die Stimulatico-Zubereitung, also Zaubertränke zur Stimulation von...."

Ein Grinsen machte sich auf Anikos Gesicht breit. Stimulation- hm, irgendwie ein passendes Thema nach dem Vorfall von heute morgen!" dachte sie.

„Ich wüsste nicht, was es da zu grinsen gibt, Miss Miller!" hörte sie seine wütend vibrierende Stimme.

„Miller, an die Tafel!"

Augenblicklich verschwand das Grinsen von ihrem Gesicht und sie wurde kreidebleich! Hermine sah erschrocken zu ihr und auch Harry und Ron schauten irritiert.

Auf wackeligen Beinen stand sie auf. An die Tafel, oh Gott, das konnte ja nur schief gehen!

Langsam bewegte sie sich nach vorne. Aus der Slytherin-Ecke war Gemurmel und unterdrücktes gekichere zu hören. Die Gryffindor hingegen verhielten sich ruhig.

Zögerlich drehte sie sich in die Snapes Richtung, der sich inzwischen zu ihrer rechten Seite begeben hatte.

„Nun, da sie sich ja anscheinend mit Stimulatico gut auskennen...."

Aniko erkannte eine eindeutige Revanche für den Satz, den sie ihm am Morgen entgegengeschleudert hatte und diese Tatsache beunruhigte sie noch mehr. Was würde er von ihr wissen wollen. Er wusste doch genau, dass sie keinerlei wissen in Zaubertränke hatte. Es wäre auch für ihn nicht sonderlich glorreich und bestimmt kein bemerkenswerter Sieg, wenn sie ihm auf irgendeine Frage sagen würde, dass sie die Antwort nicht kannte. Nein, so schätzte sie ihn nicht ein. Sie hatte in seinen Augen gesehen, dass er die Herausforderung liebt. Sie auf diese Art und Weise bloß zu stellen und sich zu Rächen wäre zu simple.

„...werden sie uns doch sicherlich erklären können, was ein „exotherme Reaktion" ist. Mit Tafelbild und Beschriftung bitte!"

Ein verwundertes Raunen ging durch die Klasse. Seit wann fragte Snape nach Elementen aus der Chemie??? Hermine warf Harry und Ron einen misstrauischen Blick zu.

„Der will sie verarschen! Ich schwör es euch....wir müssen etwas unternehmen. So wie ich Aniko einschätze wird sie die Antwort wissen." flüsterte sie leise.

„Wenn sie die Antwort kennt, dann ist doch alles in Ordnung!" entgegnete Ron.

„Ron, Snape will sie fertig machen. Es geht nicht darum, das sie die Antwort weiß, sondern darum, ob sie sich ihr Würde bewahren kann und sie einen Weg findet, seinem Zynismus stand zu halten."

Ron sah sie verwirrt an und auch Harry schien sie nicht zu verstehen.

Zögerlich begann Aniko eine Graphik an die Tafel zu malen. Totenstille erfüllte den Raum. Jeder der Anwesenden konnte sich verstellen, dass der Professor etwas vor hatte, was bestimmt nicht zugunsten der Neuen ablaufen konnte. Anikos Herz schlug schneller. Während der Skizze überlegte sie fieberhaft, was er mit dieser Frage bezweckte. Es war keine schwierige, schließlich war sie in Chemie immer ganz gut gewesen. Sie musste versuchen, Haltung zu bewahren. Egal was jetzt kam, nur nicht panisch werden. Einfach brav dastehen und den Text runterleiern.

Mit einem sanften, berechnenden Lächeln drehte sich Aniko, nachdem sie das Bild fertig gestellt hatte um. Erstaunte Gesichter blickten sie an. Ihr Lächeln war für die anderen absolut unverständlich. Jeder Schüler, der von Snape an die Tafel geholt worden war, hatte viele Emotionen, aber bestimmt nicht diejenige, die zu einem Lächeln gehörte.

Langsam begann sie zu sprechen und fuhr mit dem Finger ihre Zeichnung entlang.

„Dies ist eine Energiekurve eines beliebigen Elements. Der Energiegehalt ist gleichbleibend, solange keine speziellen Einflüsse auf das Element einwirken. Wirkt nun zu einem bestimmten Zeitpunkt X ein Aktivator mit einem ebenfalls bestimmten Energiewert solange auf dieses Element ein, dass dieses mit dem Auslöser anfängt zu reagieren, steigt der Energiegehalt dieses Element kontinuierlich an. Dabei ist der Energiewert, der zur Auslösung der Reaktion kleiner, als der des urspünlichen Elementes!"

Erleichterung machte sich in Anikos Magengegend breit. Den ersten Teil hatte sie gut geschaffte. Sie hatte ohne zu stocken die Definition genannt und erntet anerkennende Blicke.

Nur der Professor zeigte keine Gefühlregung.

„Denken sie, dass ihre Aussage richtig ist?"fragte er bissig.

„Ich denke schon, Sir." beantwortete sie seine Frage und sah ihm direkt in die Augen.

„Kennen sie noch andere Reaktion außer dieser?"

„Ja, die Redoxreaktion und die „endotherme Reaktion"! erklärte sie.

„Was ist bei der „endothermen Reaktion" anders?"

Seine Fragerei machte sie langsam richtig nervös. Am liebsten hätte sie sich wieder hingesetzt. Eigentlich hatte sie damit gerechnet, dass er sie nach ihrer Antwort gehen lassen würde. Worauf wollte er hinaus?

„Ähm....," Aniko schluckte schwer. Sie wusste die Antwort, aber sie war einfach zu verwirrt, um jetzt noch mal in sich zu gehen.

„Ja, Miss Miller?" erklang es wieder.

„Also, eine endotherme Erektion ist, wenn.... ."

Die ganze Klasse brach in schallendes Gelächter aus. Hermine schlug sich die verzweifelt die Hand vor die Stirn, während Harry und Ron zuerst verdutzt die arme Aniko beäugten und schließlich auch in das Gelächter einstiegen. Niemand wusste, ob sie diesen Versprecher ernsthaft gemacht hatte, oder ob sie einfach nur lebensmüde wahr, so etwas im Scherz zu sagen. Aber das war ihnen auch egal. Endlich mal ein lustige Stunde in Professor Snapes sonst so angespannten Unterricht. Die Neue schien für viel Aufregung zu sorgen...

Aniko, der ihr Versprecher nicht sofort aufgefallen war, stand nun wie geleimt vor der Tafel. Von Haltung und Würde war nicht mehr viel übrig, zumal dieses Wort, das sie falsch gesprochen hatte, für den Professor natürlich sofort als Anspielung auf den Morgen verstanden werden musste. Jetzt hatte sie wohl ihr Leben verwirkt. Wenn er sie nicht umbrachte, würde sie es selbst tun. Oh Gott, wie peinlich....

Snape, der das ganze Spektakel eine kurze Weile gestattete und sich Genugtuung verschaffte, Aniko durch ihren dummen Versprecher leiden und ausgelacht zu sehen, unterbrach nun die Heiterkeit, indem er beiläufig einbrachte:

„Miss Miller, ich denke sie sind mir eine Erklärung schuldig. Heute Abend werden sie die Möglichkeit haben, mir genauer zu erklären, was eine endotherme Erektion ist. Ich für meinen Teil bin wirklich gespannt."

Mit dieser Forderung hatte er die Situation bewusst noch ungünstiger für Aniko werden lassen. Die Slytherins kräuselten sich vor Lachen bei der Vorstellung über eine Aufklärungsstunde bei Professor Snape, während die Gryffindor nun doch mehr Anteil an ihrem Schicksal nahmen und ihr aufmunternd zuzwinkerten.

Plötzlich schrie Snape: „Das macht 30 Punkte Abzug für Gryffindor wegen dem Benutzen von nicht effizienten Worten in meinem Unterricht und weiter 30 Punkte für den daraus resultierenden Lärm. Setzen Miller!"

Wie ein Häufchen Elend bewegte sich Aniko auf ihren Platz. Sie war unfähig, nur ein Wort zu sagen und äußerst geschockt über den Lauf der Dinge. Am liebsten wäre sie rausgerannt, einfach nur weg, dahin, wo er sie am allerwenigsten finden konnte. Hermine fasste unter der Banköffnung ihre Hand. Sie war kalt und sie fühlte förmlich den Angstschleier, der auf ihr Lag. Doch was sollte sie tun. Im Moment gab es nichts, was Aniko retten konnte. Mit dieser Niederlage musste sie sich abfinden.

Den Rest der Stunde zog wie im Rausch an ihr vorbei. Ihr war es egal, was Snape zu ihrem missglückten Zaubertrank (das Veritaserum) sagen würde. Heute Abend würde sie eh ihr Fett wegbekommen, ob mit oder ohne Zaubertrank.

 

 

 

Kapitel 6: Empfindungen

 

„Hey, Aniko, lass dich nicht so hängen! Er wird dir schon nicht den Kopf abreißen!" munterte Hermine sie beim Abendessen auf. Diese sah sie nur skeptisch an.

„Also, nach diesem Tag traue ich ihm alles zu!" erwiderte sie kopfschüttelnd. „Wie der mich hat auflaufen lassen!"

Hermine wünschte sich, dass die Freundin in diesem Moment einfach wieder so einen akuten Lachanfall wie am Morgen bekommen möge, verstand jedoch, das niemandem unter diesen Umständen lachen wollte. Sie hielt ihre Hand unter dem Tisch. Hermine wollte einfach nur für sie da sein. Es ging ihr ziemlich gegen den Strich, das die Arme gerade mal zwei Tage da war und nun schon mit dem Professor Ärger hatte. Wenigstens hatte sie immerhin auch dank des Vorfalls am Nachmittag einen großen Anteil an Beliebtheitspunkten bei den Gryffindors und viel Anerkennung geerntet, was dazu geführt hatte, das Aniko jetzt Sonderstatus genoss. Außer Harry hatte bisher noch niemand soviel Trubel veranstaltet und das nach nur wenigen Tagen. Für die anderen bedeutete dies, dass wohl noch ähnliche Zwischenfälle zu erwarten waren. Auch wenn niemand wollte, dass sie heute Abend ihre Freizeit mit Snape verbringen musste, konnte keiner den Gedanken verwehren, das so etwas wie vergangenen Zaubertränkeunterricht ruhig öfters passieren könnte.

„Weißt du, Hermine, ich werde mich trotzdem bei ihm entschuldigen!" erklärte Aniko niedergeschlagen.

„Ich habe mir die Suppe selbst eingebrockt, dann ist es nur fair, wenn ich sie jetzt selbst auslöffeln."

Harry konnte seinen Ohren nicht trauen.

„Wie bitte, willst du wirklich bei diesem Grießgram um Verzeihung betteln? Aniko, du enttäuscht mich. Selbst Neville, unser Nesthäkchen hält ihm stand!"

„Harry, ich bin nicht Neville, ich bin neu hier. Und das letzte, was ich gebrauchen kann, sind Probleme dieser Art. Ich habe nur noch Hogwarts und wenn ich den Abschluss nicht packe, dann war das mein Leben. Ich habe zufälligerweise vielleicht noch Wünsche und Träume und sehe es nicht ein, mir diese durch dumme Fehler kaputt zu machen!"

Harry nickte. Er wusste, dass sie Recht hatte, auch wenn er nie so handeln würde.

„Tu was du für richtig hälst! Aber ich denke nicht, das du `ne reelle Chance hast, das er deine Entschuldigung annimmt."

„Harry, soweit bin ich von meinem Denken her auch schon, aber vielleicht kann ich ihm mit

einer Entschuldigung den Wind aus den Segeln nehmen. Ich weiß noch nicht, was er gegen mich hat und werde mal versuchen, dem Ganzen auf die Spur zu kommen."

„Eins muss man dir lassen, Aniko, an Mut fehlt es dir nicht." ergänzte Ron.

„Schön wär es, jedoch weiß ich nicht, ob mein Mut mich nicht verlässt, wenn ich Snape heute Abend gegenüber trete!" überlegte sie verzweifelt. „Ihr müsst mir die Daumen drücken!"

***************************************************************************

Aniko betrachtete sich ausgiebig im Spiegel.

„Hoffentlich meckert er gleich nicht, wenn ich in Muggleklamotten aufkreuze!"

Hermine, die mit ihr alleine im Zimmer war, besah sie eindringlich. Die Freundin trug eine einfache, blaue Jeans und darüber eine schwarze Bluse, die sie bis oben hin geschlossen hatte. Sie sah zwar schön aus, wie immer, ging ihr durch den Kopf, aber dieses hoch geschlossene machte sie ihrer Meinung nach zu bieder und das störte sie.

„Hmm...er vielleicht nicht, aber ich. Entweder richtig oder gar nicht! Warte mal!"

Sie ging zu ihr, öffnet Anikos Haarknoten, sodass die langen Haare wie ein Schleier hinunterfielen.

„So, noch einen letzten Griff....!"

Mit geschickter Bewegung knöpfte sie die Bluse etwas auf und erschrak, als sie einen dicken Stretchverband am Brustanfang erblickte. Skeptisch betrachtete sie Aniko, die augenblicklich feuerrot wurde.

„Kannst du mir das erklären?"

„Ich....also....!" Aniko schluckte schwer und machte panisch einen Schritt zurück Richtung Schrank, um ihr weiteren Einblick zu verwehren, doch Hermine trat auf sie zu.

„Jaaaa?"

„Ähm, also, ich ...ich!"

„Das hatten wir schon, weiter!"

„Ecccht?"

„Ich warte, Aniko!"

Hermine hatte sie weiter in Richtung Schranktür gedrängt..

Aniko wusste, dass sie ihr nun auf die Schliche kommen würde und sah sich deutlich an die Wand gestellt. Was sollte sie bloß tun? Was würde sie zu ihrer Erklärung sagen?

Hermine ging plötzlich dazu über, weitere Knöpfe aufzumachen, als keine weitere Antwort kam. Sie wusste nicht warum, denn eigentlich war ihr klar, was dieser Verband zu bedeuten hatte, aber sie verspürte den Drang dazu weiter zu machen. Zu ihrer Überraschung wehrte sich Aniko nicht, sondern stammelte nur leise nervös vor sich hin und sah sie aus ihren blauen Augen an.. Hermine merkte wie es in ihrem Bauch plötzlich anfing freudig zu hüpfen, doch sie wusste nicht, warum. Vielleicht war es, weil Aniko sich nicht wehrte und sie gewähren ließ? Vielleicht, weil sie sie heute Morgen nackt gesehen hatte und sie sich insgeheim gewünscht hatte, genauer hingesehen zu haben? Oder weil sie noch nie ein Frau ausgezogen hatte und sie gespannt war, was die andere wohl machen würde? Schritt für Schritt arbeitete sie sich vor, und merkte, wie sie aus ihr nicht bekannten Gründen zittrig wurde. Sie fühlte dass auch Anikos Atmung schneller war als gewöhnlich und verlangsamte ihr Tempo noch, hielt jedoch weiterhin den Blickkontakt. Mit der rechten Hand strich sie über ihren warmen Bauch und vernahm, dass diese bei ihrer flüchtigen Bewegung erschauderte. Konnte es sein, das dieses Gefühl nicht einseitig war? Mit einem letzten Ruck öffnete sie den letzten Knopf und wandte ihre Aufmerksamkeit nun dem Verband zu. Er lag straff und eng um ihre Brust.

„Warum....warm hast du das getan? Warum hast du sie abgebunden?" fragte Hermine, die noch nicht ganz Herrin über ihre Sinne war.

Aniko sah auf den Boden. Warum, schoss es ihr durch den Kopf? Weil sie ihren Körper und besonders ihre große Brust nicht mochte. Weil er nur eine Hülle für sie wahr. Weil sie vor Professor Snape kompetent wirken und sie ihre Weiblichkeit damit nicht in Verbindung bringen wollte.

„Weil.....weil ich nicht unangenehm auffallen möchte!" hörte Hermine in einem Flüsterton.

„Unangenehm auffallen?" wiederholte sie leise.

Zögerlich löste sie die Schlaufe des Verbandes, sodass er sich zuerst lockerte und schließlich zu Boden fiel. Aniko, die den Atem angehalten hatte, sah sie erschrocken an, doch Hermine ignorierte den Blick und widmete sich stattdessen ihrer Oberweite.

„Du bist ein schlaues Mädchen, aber von gewissen Dingen hast du keine Ahnung!" sagte sie nach einer Weile, sah wieder nach oben und begegnete einem fragenden Gesichtsausdruck. In diesem Moment spürte Hermine, das sie etwas tun musste, um jede Zweideutigkeit auszuschließen. Langsam, die anderer beobachtend lehnte sie sich etwas nach vorne, bis sie spürte, wie sich ihre Körper berührten. Ihr Herz pulsierte noch mehr, als es zuvor getan hatte und sie spürte, wie sich ein forderndes Gefühl ihrer bemächtigte. Vorsichtig ließ sie eine Hand in ihre offene Bluse gleiten und umfasste zärtlich und ruhig ihre Taille. Ihr Körper fühlte sich warm an und wieder spürte sie, wie Aniko erzitterte. Mit einem letzten Anflug von Mut umfasste sie mit der anderen Hand ihren Nacken und zog ihr Gesicht zu sich. Ein erwartungsvoller Blick entgegnete ihr, der sie in ihrem Tun bestätigte.

Plötzlich ging die Tür auf. Wie von der Tarantel gestochen sprang Hermine von ihr weg und Aniko drehte sich mit dem Gesicht zum Schrank. Parvati und Mira, die hereingekommen waren, blickten sich skeptisch um.

„Was macht ihr beiden denn?" fragte Erstere und wandte sich Hermine zu. Aus Anikos Ecke kam ein Fluchen:

„Hermine wollt mir beim Anziehen helfen, weil ich in zwei Minuten bei Snape sein muss und ich gerade erst mit den Hausaufgaben fertig geworden bin. Müsst ihr uns so erschrecken? Schon mal was von anklopfen gehört?

Mira zuckte mit den Schultern.

„Tschuldigung, aber wenn ich mich nicht irre, ist das hier auch unser Zimmer!"

Vorsichtig schob Aniko den Verband unter den Schrank, bevor sie konterte:

„Trotzdem kann man wohl die einfachsten Regeln der Höflichkeit einhalten, oder!!"

Plötzlich wandte sie sich Hermine zu.

„Ich bin gegen 9:30 Uhr wieder da. Wir reden später!" erklärte sie und wahr auch schon verschwunden. Zurück ließ sie eine verwirrte, enttäuschte Hermine, die noch nicht ganz fassen konnte, was da eben fast passiert wäre-

Aniko lief den Flur entlang und blieb erst stehen, als das Portrait der dicken Dame ihr den Weg versperrte. Sie murmelte das Passwort und ging nun langsamer durch die Öffnung. Die Uhr verriet ihr, dass sie noch 5 min. Zeit hatte und so lehnte sie sich etwas weiter entfernt an die Wand. Sie musste erst ihre Gedanken ordnen, sonst würde auch dieses treffen mit Snape zu einem Desaster werden. Ihr Herz schlug immer noch wie wild, doch ihre Atmung schien langsam wieder flacher zu werden. Was hatte Hermine da eben mit ihr vorgehabt? War es das, was offensichtlich war oder vielleicht doch etwas anderes? Sie schüttelte den Kopf. Nein, die Situation war einfach schon zu festgefahren gewesen, als das sich eine andere Schlussfolgerung ergeben würde. Schließlich waren sie sich sehr nahe gewesen und wenn Parvati und Mira nicht rein gekommen wären, dann hätten sie sich...ja, dann hätten sie sich geküsst. Aber warum, warum um alles in der Welt, hatte Hermine sie, ausgerechnet sie, küssen wollen? Schließlich war sie ein Mädchen. In allen Liebesgeschichte, von denen sie gehört hatte, waren es immer nur Junge und Mädchen, die sich küssten, niemals aber zwei Mädchen oder zwei Jungen. Aber wie gesagt, es waren schließlich LIEBES-Geschichten, woher sollte sie die Gewissheit nehmen, das Hermine sie aus Liebe küssen wollte. Vielleicht war das so üblich in einer guten Freundschaft.

Aniko drängte sich ein Gedanke auf, den sie bisher noch nicht so bedacht hatte: Was wäre, wenn ihr, Aniko, aber eben nur Freundschaft nicht reichen würde? Sie hatte nicht viel Erfahrung mit platonischen Beziehung, aber schon gar keine mit Liebesbeziehungen. Es war zum Verrückt werden. Sie hatte einfach keine Ahnung, ob das was sie fühlte, Traurigkeit über die Tatsache nicht geküsst worden zu sein, richtig war.

Sie setzte sich in Bewegung. Jetzt darüber nachzudenken, wäre ohne Erfolg. Später würde sie die Sache aufklären, wichtig war erstmal, das sie den Abend bei Snape gut überstand.

Vor der Kerkertür blieb sie stehen. Warum nur gab es keinen Zauber, mit dem man den eigenen Adrenalinschub zumindest Ansatzweise etwas stoppen konnte! Sie hasste es, wenn ihre Gefühle so unkontrolliert waren.

„Aniko, jetzt reiß dich zusammen!" sagte sie laut zu sich und klopfte kräftig gegen die Eisentür.

Ein gedämpftes „Herein" bewegte sie dazu einzutreten. Professor Snape saß an einem Schreibtisch im hinteren Teil des Raumes und schien fleißig zu schreiben. Obgleich das Zimmer voll von Schränken mit Büchern, Kesseln, Flaschen und ähnlichem war, wirkte es nicht besonders gemütlich. Nur ein Feuer im Kamin schaffte eine etwas menschlichere Atmosphäre und wieder stieg das Bild vom Bestattungsunternehmer in ihr auf.

„Setzen sie sich, Miss Miller. Ich bin gleich fertig!"

Er sah sie nicht an, sondern schrieb einfach weiter.

Aniko tat wie ihr geheißen wurde und blickte sich um. Etwas weiter entfernt von seinem Schreibtisch erkannte sie eine schlichte Holztür, die wohl in seine Privatgemächer führte. Sie hätte gerne gewusst, wie es da unten aussah.

„So!" hörte sie und sah, wie Snape seine krakelige Unterschrift unter das Papier setzt und legte es beiseite.

„Miss Miller, ich höre!"

Dabei sah er sie durchdringend an.

Jetzt oder nie, dachte sie und begann äußerst schnell zu reden, wobei sie sich oftmals selbst in den Worten überschlug.

„Es war keine Absicht, Sir. Nichts, was an diesem Tag geschehen ist, habe ich aus freiem Willen getan und es tut mir wirklich schrecklich leid. Auch die Sache mit heute Morgen. Ich weiß, dass mein Verhalten nicht korrekt war, doch ich wusste mir nicht zu helfen. Ich war erschrocken und nicht mehr Herr meines Verstandes. Ich hatte Angst, sie würden mich auslachen und da ist bei mir `ne Sicherung durchgebrannt. Der Ausrutscher heute Nachmittag war wirklich nicht auf die Geschehnisse am Morgen bezogen."

Snape musterte sie gefasst, aber skeptisch, während Aniko nun zu Boden sah.

Damit hatte er nicht gerechnet, absolut nicht gerechnet. Eine Entschuldigung war das letzte, was er vermutet hatte. Was sie nicht ahnte: Sie hatte unbewusst sein Konzept für den hiesigen Abend kaputt gemacht, denn eigentlich wollte er ihr heute zeigen, wie unangenehm er werden konnte.

Plötzlich sah sie wieder zu ihm und blickte ihm fest in die Augen.

„So so, Miss Miller." Er runzelte die Stirn und zog die Augenbrauen hoch.

Normalerweise war Snape es nicht gewohnt, dass sich jemand bei ihm entschuldigte und unbewusster Weise war er schon etwas beeindruckt.

„Aber glauben sie ja nicht, dass sie sich damit um ihre Strafarbeit drücken können." fügte er bissig hinzu.

Sie schüttelte den Kopf. Sie war froh, dass er wohl nicht vorhatte, näher auf den Morgen einzugehen.

„Was gewisse andere Vorfälle angehen....so sollten wir sie wohl am besten vergessen."

Anikos war erstaunt. Soviel Einsicht hatte sie ihm gar nicht zu getraut.

Er erhob sich und ging zu einem der Kessel nahe des Kamins, nahm ihn und ging zu der linken Feuerstelle.

Mit seinem Zauberstab entfachte er eine Flamme und holte sie mit einer Handbewegung zu sich.

„Sie werden das Serum noch einmal brauen. Und diesmal richtig. Zutaten entnehmen sie dem Schrank!"

„Aber, Sir, ich kann das nicht." Aniko war ziemlich bleich geworden. Sie hatte doch keine Ahnung von Zaubertränken, und woher sollte sie auf einmal das Wissen über das Veritaserum nehmen.

Snape betrachtete sie abfällig.

„Wenn sie es nicht machen, dann wird das Gryffindor weitere Punkte und sie vielleicht ihren Abschluss kosten."

Tränen des Wutes stiegen ihr in die Augen. Womit hatte sie das verdient. Was sollte sie denn brauen? Natürlich konnte sie jetzt alle Zutaten in den Topf werfen und schöne Nasenlöcher dazu machen, wenn dieser explodierte, aber wem nützte das was.

Mit zittriger Stimme wandte sie sich an ihn:

„Professor, wenn ich es könnte, dann hätte ich es heute Nachmittag längst getan. Glauben sie wirklich, das sie mir mit Punkte abziehen drohen können? Wenn das der einzige Weg ist, mit dem sie sich Autorität verschaffen, tun sie mir leid. Abgesehen davon habe ich mehr als meinen Abschluss nicht zu verlieren. Ist es das, was sie wollen, dass ich vor die Hunde gehe? " fragte sie mit belegter Stimme, doch ihre Augen funkelten ihm temperamentvoll entgegen.

Schon wieder brachte sie ihn in eine Situation, die er nicht kannte. Nur wenige Schüler hatten je mit ihm in dieser Art und Weise gesprochen. Hatte sie wirklich nicht mehr zu verlieren?

„Es ist nicht in ihrem ermessen, über mich zu urteilen. Wie ich mir Autorität verschaffe, ist meine Sache.....!"

Sie unterbrach ihn mitten im Satz, denn dies war ihre letzte Chance, wenn sie ihn dazu bringen wollte, dass er auf sie einging anstatt sie zu übergehen.

Leise flüsterte sie.

„Dann verschaffen sie sich Autorität bei mir, indem sie mir erklären, wie es geht. Ich brauche ihre Hilfe, aber nicht ihren Spott! Meine Lücken sind zu groß, als das ich sie nur mit Hermines Hilfe aufarbeiten kann. Ich brauche sie mehr als irgendjemanden sonst, damit ich den Abschluss schaffe."

Er betrachtete sie irritiert. Hatte sie ihn gerade wirklich um Hilfe gebeten. Ihn, der sie eigentlich nur bloßstellen und sich für den Morgen rächen wollte. Warum tat sie das? Es war ihm einfach suspekt. Er schaute kurz auf den Boden, um sich zu sammeln, bevor er antwortete:

„Mit anderen Worten: Sie wollen Nachhilfe!"

Plötzlich sah er seine Chance, sie für ihn ungefährlich zu machen.

„Nun gut, ich bin einverstanden. Aber eine Bedingung gibt es. Sie müssen mir versprechen, niemals, hören sie, niemals zu versuchen, sich Einblick in meine Gefühlswelt zu verschaffen."

Nun war es an ihr, irritiert aus der Wäsche zu schauen. Er würde ihr also helfen, einfach so, und nur unter dieser lächerlichen Bedingung. Schließlich trug sie schon seit zwei Tagen diesen Bannreif.

Sie streckte ihm ihre Hand entgegen und wischte sich verstohlen eine Träne aus den Augenwinkeln.

„Akzeptiert!" sagte sie und er nahm für einen kurzen Augenblick ihre Hand.

Als er sie berührt, fühlte er ein warmes, schönes Gefühl, das sich seines Körpers bemächtigte und ihn dazu veranlasste, die Augen zu schließen. Vor seinem inneren Auge spielte sich in wenigen Sekunden eine Szene ab, die ihn kurz darauf erschrocken aus dieser Trance fahren ließ. In dieser Vision hatte er sich und sie zusammen gesehen, eng umschlungen.

„Ist etwas nicht in Ordnung, Professor?" fragte Aniko, die sich mittlerweile wieder gefangen hatte.

„Nein, es ist nichts." Er schüttelte den Kopf und gab ihr perplex einen Zettel.

„Holen sie dies aus dem Schrank!" befahl er.

Als sie mitten in der Nacht den Kerker verließ, fühlte sie sich das erste Mal am Tag richtig gut. Snape hatte mit ihr das Serum gebraut und war sogar ausführlich auf ihre Fragen eingegangen, sodass sie beim zweiten Versuch alleine klar gekommen war. Obwohl er sie nicht gelobt, sondern nur korrigiert und einige schnippische Bemerkungen gemacht hatte, wusste sie, dass sie wohl einen Weg gefunden hatte, der es ihr ermöglichte, mit ihm zu kommunizieren. Er war zwar nicht nett zu ihr gewesen, aber er hatte sich fair verhalten, was für sie das Wichtigste war. Morgen Abend, um sieben Uhr, war ihre nächste Nachhilfestunde angesetzt.

Ziemlich erschöpft machte sie sich auf den Weg in ihr Zimmer. Ob Hermine wohl noch wach war? Sie wusste nicht, was ihr lieber war, aber wenn sie es war, dann würde sie tun, was sie tun musste. Nichts war ihr mehr verhasst, als eine ungeklärte Tatsache, selbst wenn diese schwierig zu behandeln war. Hoffentlich würde Hermine nicht böse sein über ihre Entscheidung.

Vorsichtig öffnete sie die Tür und verharrte zunächst in ihrem Schritt. Gezielt horchte sie und erkannte den ruhigen Atem von Parvati und Miras leises Schnarchen. Sie vernahm ein leises Schlucken, das sie Hermine zuordnet, was sie dazu bewog, einzutreten.

„Bist du es, Aniko?" flüsterte sie leise.

Doch sie bekam keine Antwort. Ob sie ihr wohl böse war? Den ganzen Abend hatte sie überlegt. Sie hatte sich Sätze, Passagen und Gesten zu Recht gelegt, um Aniko vorbereitet zu begegnen. Eigentlich wollte sie sich entschuldigen und das ganze als ein Missverständnis abtun, auch wenn ihr tiefstes Inneres mehr nach dem Gegenteil verlangte. Sie spürte, dass sie eindeutig mehr von ihr wollte als pure Freundschaft. Sie wollte von ihr berührt werden, sie fühlen und einfach ihre Nähe genießen. War es Liebe? Hermine wusste es nicht und es war ihr auch irgendwie egal. Zählte nicht einfach nur dass, was man fühlte, ohne diesem gefühlten unbedingt ein Wort zuzuordnen. Liebe, was sagte schon dieses kleine Wort über die wahren Emotionen eines Menschen aus. Vielleicht war Liebe viel mehr als die Definition zuließ. Ja, wer bestimmte eigentlich, was Liebe sein durfte und was nicht. Hatte Lily nicht gesagt, das man selbst der Regisseur seiner eigenen Geschichte sein kann, wenn man sich einfach nur traute, genormte Definitionen zu erneuern oder zu ersetzen.

Plötzlich spürte sie, wie sich ihre Matratze an der linken Seite eindellte. Anscheinend war jemand auf ihr Bett gesprungen. Sie wollte sich aufsetzen, spürte jedoch im gleichen Moment, wie sich eine Hand in ihren Nacken legt und sie dazu nötigte, sich wieder hinzulegen.

„Aniko, was....!"

Doch Aniko ließ ihr keine Chance und verschloss ihr den Mund mit einem zärtlichen Kuss. Hermine wagte nicht, sich zu rühren. Die Zeit schien still zu stehen und für diesen Augenblick zählte nur das jetzt. Keine von beiden wusste, ob es richtig war, was sie taten. Alle Fragen waren überflüssig. Alleine dieses Gefühl war wichtig.

Plötzlich löste sich Aniko von ihr und legte ihren Kopf auf ihre Brust. Hermine ging dazu über, ihr die Haare aus dem Gesicht zu streichen, die wie ein Schleier über diesem lagen. Sie fühlte die Wärme, die von ihrem Körper, der ebenfalls nun halb auf ihr lag, ausging.

„Aniko, bist du mir böse? Wegen .....heute Nachmittag?" fragte sie ängstlich.

Diese richtete sich prompt wieder auf.

„Wenn du mich nicht endlich unter deine Decke lässt, könnte es sein, das ich böse werde." hörte sie ihre Freundin sagen.

„Ihr Dussels habt nämlich das Fenster aufgelassen und es ist echt kalt! Mein Pyjama ist nicht sonderlich Wärme spendend" beschwerte sich Aniko.

Mit einem Grinsen hob Hermine ihre Bettdecke an und ließ sie hinunterschlüpfen.

Für eine Weile lagen sie schweigend nebeneinander. Beide hingen ihren Gedanken nach, die jedoch nach ein und derselben Antwort schrien.

„Aniko....!" begann Hermine.

„Ja?"

„War das eben ernst gemeint? Ich meine.....wolltest du das wirklich? "

Aniko drehte sich zu ihr.

„Wolltest du es denn nicht?" war die Gegenfrage.

„Nein....äh, doch....ich weiß nicht."

„Dann sollte ich wohl besser wieder gehen!"

Hermine spürte, wie Aniko sich aufsetzt.

„Doch, ich wollte es unbedingt!" sagte sie plötzlich, zog die Freundin am Handgelenk wieder zurück und rollte sie auf sich. Sie wollte, nein, sie musste nun ein Exempel statuieren, um die Situation endgültig zu klären. Zärtlich küsste sie ihre warmen Lippen und ein süßlicher Duft stieg ihr in die Nase. Sie hatte noch gar nicht wahrgenommen, das Aniko so herrlich duftete. Wenn auch erst zögerlich fand diese schließlich den Mut, den Kuss anzunehmen und zu erwidern. Forschend bahnte sich Hermines Zunge ihren Weg. Es fühlte sich gut, wahnsinnig gut und sie spürte, wie sich ein Gefühl der Erregung ihrer Konzentration bemächtigte. Abrupt beendete sie den Kuss und ließ schwer atmend von ihr ab. Aniko, die ebenfalls außer Atem war, wie Hermine erleichtert feststellte, sah sie irritiert an.

„Was ist?" fragte sie.

Hermine war leicht konfus. Hatte Aniko denn gar keine Bedenken. Fragte sie sich denn gar nicht, ob das hier einfach so, ohne darüber zu reden, möglich war?

„Aniko...ich,..... ."

Die Freundin merkte, dass es ihr schwer fiel, zu sprechen und strich beruhigend eine widerspenstige Haarsträhne aus ihrem Gesicht. Hermine schloss für einige Momente die Augen, sammelte sich und begann wieder:

„Aniko, ich mag dich viel mehr als eine .....normale Freundin."

Endlich war es ausgesprochen und ein Gefühl der Erleichterung bemächtigte sich ihrer.

Eine Zeitlang herrschte schweigen. Aniko wusste noch nicht so recht, was sie darauf antworten sollte und eigentlich hatte sie vorgehabt, den Verlauf ihrer „Freundschaft" morgen richtig zu klären.

„Glaubst du, dass es mir anders geht?!? Und ich kann auch nur schwer hoffen, dass ich für dich keine normale Freundin bin. Sonst gehe ich jetzt nämlich wirklich!" wurde ihr spielerisch gedroht.

Hermine, die ihr Glück kaum fassen konnte, ließ ihre Lippen wieder auf die ihrigen gleiten und spürte förmlich, wie Aniko den Kuss nun viel fordernder zurückgab.

 

(Anmerkung der Autorin: Wer jetzt schon auf eine heiße Liebesszene gehoffte hatte, den muss ich vorerst enttäuschen. Es ist nämlich meiner Meinung nach viel schöner, wenn sich so etwas langsam entwickelt! Aber keine Sorge, schon bald wird sich zwischen den beiden mehr tun als nur ein paar nervöse Küsse. Also etwas Geduld!!!)


Nächste Kapitel