KAMPF UM DIE ZAUBERERWELT

von Vero

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Kapitel 28-33



Es geht endlich mal weiter und ich hoffe, dass sich ein paar von euch noch für die Geschichte interessieren.


Kapitel 28

Die fünf Personen in Minerva McGonagalls Büro waren einige Sekunden wie versteinert, als Snape und Bianca so plötzlich aus dem Kamin auftauchten. Hermine reagierte als Erste und nahm mit einem Aufschrei ihre Tochter in die Arme. Sie vergewisserte sich, dass ihr nichts fehlte und näherte sich dann der Gestalt Snapes, der unbeweglich vor dem Kamin lag. Die anderen Personen im Raum – Minerva, Hagrid, Lupin und Shacklebolt – beugten sich über Snape. Shacklebolt fuhr mit seinem Zauberstab über Snapes Körper. Seine ernste Miene veranlasste Hermine zu der ängstlichen Frage: „Was ist mit ihm? Er ist doch am Leben, oder...?“ Sie verstummte. Severus war am Leben. Er musste einfach am Leben sein!


Doch dann sah Hermine, dass seine Augen weit geöffnet waren. Sein Körper schien völlig reglos zu sein. „Nein, nein, nein, das kann nicht sein“, flüsterte sie. Shacklebolt meinte. „Ich kann kein Lebenszeichen wahrnehmen. Aber tot kann er auch nicht sein. Mein Zauberstab verfärbt sich, wenn jemand tot ist. Das ist hier nicht der Fall.“


Minerva meinte: „Das ist sehr seltsam. Ich vermute, dass ihn ein Fluch getroffen hat. Vielleicht kann uns das kleine Mädchen sagen, was passiert ist...“ Sie sah Hermine fragend an.


Was ist geschehen als ihr aus der Burg des Dunklen Lords fortgegangen seid, Bianca“; fragte Hermine ihre Tochter. Biancas Gesichtchen war blass und ihren Augen war noch immer die Angst zu erkennen, die sie in der letzten Stunde empfunden hatte. „Kannst du mir das sagen, mein Liebling“, fragte Hermine nochmals.


Bianca nickte tapfer. “Er…er hat mich von der bösen Frau weggenommen. Dann hat er sich im Kreis herum gedreht und alle sind ganz still gestanden und keiner hat etwas gesagt.“ Auf Hermines fragenden Blick hin sagte Shacklebolt: „Ein Zeitverzögerungszauber! Nicht viele Zauberer kriegen den zustande. Es gehört eine Menge Konzentration, viel Übung und eine gehörige Portion magische Kraft dazu. Aber Snape ist auch ein außergewöhnlich begabter Zauberer, wie wir wissen.“ In Shacklebolts Miene spiegelte sich Anerkennung und Hermine fühlte plötzlich ein Gefühl der Wärme in sich aufsteigen. Ja, das war Severus in der Tat. Begabt und verantwortungsvoll bis zur Selbstaufgabe.


Inzwischen fuhr Bianca fort. „Dann sind wir ganz schnell in die Wohnung zurück gelaufen und er hat unterwegs alle Türen kaputt gemacht. Ich habe meine Ohren ganz fest zugehalten, weil das so viel Krach gemacht hat. Aber ich habe nicht geweint“, sagte Bianca stolz. „Auch dann nicht, als wir im Kamin gestanden sind und er alles kaputt gemacht hat.“ „Er hat alles kaputt gemacht?“, wiederholte Hermine. „Du meinst, er hat alle Möbel und was sonst noch da war, kaputt gemacht?“


Bianca nickte. „Ja, ich hab dann ganz schön Angst gekriegt. Aber er hat gesagt, ich brauche keine Angst zu haben. Er bringt uns gleich zu meiner Mami. Dann war alles grün, aber wir konnten nicht fort. Jemand hat uns festgehalten.“ „Das muss der Fluch gewesen sein“, meinte Shacklebolt. „Und was war dann, Bianca?“, fragte er das kleine Mädchen. „Dann hat er uns losgelassen und wir sind hierher geflogen.“


Ihre Augen wanderten zu der reglosen Gestalt am Boden. „Was ist mit ihm?“, fragte sie. „Hat er sich wehgetan?“


Ja“, antwortete Minerva. „Er hat sich bestimmt den Kopf angestoßen, als ihr aus dem Kamin gefallen seid. Wir werden dafür sorgen, dass es ihm bald wieder gut geht. Am besten, Sie bringen Ihre Tochter in Ihr Zimmer, Hermine und ruhen sich ein wenig aus“; fügte sie, an Hermine gewandt, hinzu.


Ja, das werde ich tun“, erwiderte Hermine. „Aber ich habe Ihnen etwas Wichtiges mitzuteilen, Können Sie mir vielleicht jemanden schicken, der auf Bianca aufpasst?“


Minerva überlegte. „Ich könnte eine Hauselfe beauftragen, aber ich weiß nicht...“


Oh doch, sie ist an Hauselfen gewöhnt. In den letzten Wochen wurde sie von einer Hauselfe betreut.“ „Gut“, sagte Minerva. Sie tippte auf eine silberne Glocke, die Hermine an die in Snapes Wohnung erinnerte. Mit einem Knall erschienen zwei Elfen, die Professor McGonagall als Winky und Dobby vorstellte. Hermine begleitete Bianca und die Elfen in ihr Zimmer.


Als sie bald darauf zurückkam, sah sie, wie der riesenhafte Mensch Snape auf seinen Armen trug. McGonagall sagte: „Wir bringen ihn zu Hagrid. In seiner Hütte ist er vor neugierigen Blicken sicher.“


Hagrid sagte: „Ich pass schon gut auf ihn auf, Professor.“ Im Vorbeikommen lächelte er Hermine auf so treuherzige Wiese an, dass sie unwillkürlich zurücklächelte. Sie hatte das Gefühl, dass Severus bei diesem Hagrid gut aufgehoben war. „Sie kennen Hagrid übrigens auch bestens“, sagte Minerva McGonagall und Hagrid lächelte noch breiter. „Joh, wir hamm’ schon ‚ne Menge zusamm’ erlebt“, meinte der Riese.


Hermine seufzte. „Es wird Zeit, dass ich meine Erinnerungen zurückbekomme“, meinte sie. „Professor Snape meinte, Sie könnten sie mir zurückgeben, Mr Shacklebolt.“ Hermine sah den großen schwarzen Zauberer gespannt an. Dieser lächelte. „Als Sie damals mit Ihrem Anliegen zu mir kamen, habe ich den Zauber so ausgeführt, dass er wieder rückgängig gemacht werden kann. Allerdings brauche ich dazu Ihren Zauberstab, der beim Ministerium liegt. Aber da ich dort noch immer angestellt bin, ist es kein Problem, ihn zu holen.“ Hermine lächelte erleichtert. Hagrid hatte inzwischen den Raum mit Snape verlassen, begleitet von Lupin. Dieser kehrte kurze Zeit später zurück und berichtete, dass sich Madam Pomfrey Snapes annehmen würde.


Es ist am Leben. Das ist im Moment das Wichtigste, sagte sich Hermine.Zu den anderen gewandt, sagte sie: „Ich möchte Ihnen berichten, was ich in den letzten Wochen erlebt habe.“ Hermine berichtete alles außer ihrem persönlichen Verhältnis zu Snape. Severus hatte ihr das Versprechen abgenommen, unter keinen Umständen etwas davon zu erzählen. Seine Miene war äußerst streng dabei gewesen und Hermine gab ihm schweren Herzens das Versprechen. Danach erzählte sie von dem Zettel, den sie in ihrem Umhang gefunden hatte und von Voldemorts Forderungen.


Nach Hermines Bericht herrschte Schweigen in dem Raum. Die Menschen sahen einander an. „Zum Glück ist Severus mit Bianca geflohen“, sagte Lupin schließlich. „Wenn wir das Verschwindekabinett finden, sind wir in der Lage, Voldemort diesen Weg des Eindringens in Hogwarts abzuschneiden“, meinte Minerva McGonagall.


Ich werde mich eurer Suche anschließen“, bemerkte Shacklebolt, „aber zunächst will ich Miss Granger ihre Erinnerungen wieder zurückgeben.“


Hermine blickte auf. Ihr Herz schlug plötzlich schneller. Obwohl sie sich danach sehnte, wieder alles zu wissen, wuchs auch gleichzeitig ihre Angst davor.



Kapitel 29

Hermine lag nachdenklich auf der Couch in ihrem Zimmer. Kingsley Shacklebolt hatte vor kurzem mit ihrem eigenen Zauberstab die Versiegelung ihres Gedächtnisses gelöst und Hermine befand sich zunächst in einem dunklen Strudel, der sich langsam lichtete und den Blick auf ihre Erinnerungen freigab. Das Schwindelgefühl ließ allmählich nach und Shacklebolt verließ sie, nachdem er sich vergewissert hatte, dass sie die Maßnahme ohne Schaden zu nehmen überstanden hatte.


Hermine empfand sich zunächst selbst als Fremde. Sie betrachtete sich wie von außen und nach und nach, indem sie sich erinnerte, wuchsen die Hermine, die auf dem Sofa lag und die Hermine, die sie betrachtete, wieder zusammen. Als sie sich erinnerte, wie Snape sie damals in seinem Schlafzimmer erwischt hatte, fuhr sie auf.


Sie sah sich nackt auf dem Bett liegen und fand in ihrem Gesicht die Angst, die sie empfunden hatte, wieder. Snape hatte sich ebenfalls ausgezogen, drehte sich um und näherte sich ihr. Bei seinem Anblick wich Hermine zurück, als wollte sie mit der Wand hinter dem Bett verschmelzen. Snape kniete sich auf das Bett, packte sie an den Armen und zog sie ungerührt unter sich. Ohne ein Wort zu sagen, spreizte er ihre Beine weit auseinander und nahm eine kleine Dose vom seinem Nachttisch. Mit der darin enthaltenen Creme bestrich er Hermines Eingang und die Spitze seines Penis, dessen Größe sie vorhin so erschreckt hatte.


Durch das Gleitmittel war sein Eindringen nicht so schmerzhaft, wie Hermine befürchtet hatte. Doch es war unangenehm und vor allem war es demütigend. Als er sie durchstach, fühlte sie einen kurzen, scharfen Schmerz und schrie auf. Snape hielt sofort inne und musterte sie mit einem abschätzenden Blick. Dann zog er sich etwas aus ihr zurück und erst als er bemerkte, dass sie wieder ruhiger wurde, nahm er sie vollends in Besitz. Eine Welle der Hilflosigkeit und der Demütigung überflutete sie während des gesamten Aktes. Auch das feuchte Tuch, mit dem sie hinterher reinigen konnte und das Wasser, das er ihr zu trinken gab, verstärkte das Gefühl, dass er sie nicht als Person und schon gar nicht als Frau wahrnahm, sondern lediglich als den Gegenstand, der ihm Befriedigung verschaffte.


Er hatte keine Verpflichtung, sanft oder gar zärtlich zu sein. Er bediente sich ihrer ein weiters Mal, stand dann auf und sagte: „Du hast deine Schuld beglichen und kannst jetzt gehen.“


Die Herablassung, mit der er sie behandelte und der leicht geringschätzige Blick und Ton machten ihr mehr zu schaffen als das, was in seinem Bett vorgefallen war.


Hermine ließ die Ereignisse, die dieser Nacht folgten, an sich vorbeiziehen. Sie fühlte nochmals die Kränkung und die Wochen danach, die sie fast an den Rand des Untergangs gebracht hatten. Auf dem besten Weg, von den Drogen, die sie damals eingenommen hatte, abhängig zu werden, hatte Snape sie wieder zur Vernunft gebracht – gerade noch rechtzeitig.


Aber ihre Gefühle waren noch immer verletzt. Sie sah sich ein weiteres Mal in Snapes Schlafzimmer - wieder bei einem Einbruch ertappt. Doch dieses Mal wurde sie nach allen Regeln der Kunst verführt. Hermine fuhr auf und keuchte! Er hatte ihr eine Falle gestellt! Damals hatte sie es nicht so empfunden, aber aus heutiger Sicht war ganz klar!


Hermine lächelte wehmütig. Ihre Gefühle für Severus Snape veränderten sich. Aus der Neugierde, wieder in seinen Armen zu liegen und so viel Lust wie möglich zu genießen, entstanden tiefere Gefühle, die er zunächst zurückwies. Aber sie ließ nicht entmutigen und sie lächelte genüsslich, als sie sich erinnerte, was in den Wochen danach alles passierte. Dann erstarrte sie: Alles schien so gut zu laufen; sie mussten nur noch ein Jahr durchhalten, bis sie sich zueinander bekennen konnten…. Doch dann geschah das Unfassbare…. Snape tötete Dumbledore vor Harrys Augen!


Hermine brach zusammen. Doch das war noch nicht alles: in der Krankenstation erfuhr sie, dass sie schwanger war. Dem ersten, glückseligen Moment, den sie bei dem Gedanken empfand, ein Kind von dem Mann, den sie liebte, zu bekommen, folgte sehr bald abgrundtiefe Verzweiflung.


Ihr Geliebter war ein Mörder. Hermine musste sich an den Gedanken gewöhnen, obwohl sie sich sicher war, dass etwas dahinter steckte, das niemand außer ihm ahnen konnte. Kurzfristig empfand sie Wut - Wut auf Snape, der ihr nicht vertraut hatte. Doch die Wut hielt nicht lange an. Severus war kein kaltblütiger Mörder. Der letzte Blick, den er ihr zugeworfen hatte, war voller Schmerz und Trauer.


Hermine wusste, dass Severus ihre Liebe verdient hatte. Aber mit dem Schmerz, den sein Verlust ihr brachte, wuchs ihre Angst vor der Zukunft. Sie konnte nicht zur Schule zurückkehren, denn sie würden herausfinden, wer der Vater des Kindes einer Hogwarts-Schülerin war. Genauso wenig konnte sie Hogwarts ohne plausible Erklärung fern bleiben. Harry und Ron hätten nicht nachgegeben, bis sie die Wahrheit herausgefunden hätten. Hermine machte sich keine Illusionen über die Reaktion der Beiden angesichts der Tatsache, dass Hermine mit einem Verräter und Mörder ein Liebesverhältnis hatte.


Daher begriff Hermine sehr schnell, dass sie keine andere Wahl hatte, als die Zaubererwelt zu verlassen. Sie fühlte nochmals den bohrenden Schmerz in ihrem Inneren, als ihr klar wurde, dass sie ihr gesamtes Leben verlassen würde. Sie würde nicht wissen, wer der Vater ihres Kindes war. Und sie würde nie erfahren, was aus Severus würde. Aber das war der Preis, den sie bezahlen musste, um ihr Kind zu schützen. Sie beschwor Madam Pomfrey, nichts über ihren Zustand zu verraten und teilte ihr ihren Entschluss mit, die Zaubererwelt zu verlassen. Madam Pomfrey bedauerte Hermine, akzeptierte jedoch die schwere Entscheidung, die das junge Mädchen getroffen hatte und gab ihr das Versprechen, niemandem etwas von ihrem Geheimnis zu erzählen.


Hermine wollte die Preisgabe ihrer Selbst so schnell wie möglich hinter sich bringen – bevor sie unter der Last des Schmerzes zusammenbrach.


Gleich nach Dumbledores Beerdigung verließ sie ihr Leben, ihre Freunde, ihre Erinnerungen…..


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Harry und Ginny Potter erreichten Hogwarts über einen Umweg über den Verbotenen Wald. Der Orden des Phönix hatte einen verborgenen Pfad von einem bewachten Apparierplatz mitten im Wald nach Hogwarts gezogen. Hogwarts war inzwischen umringt von Ordensleuten, die dem Ministerium und insbesondere Scrimgouer nicht mehr über den Weg trauten. Der Orden wusste genau, dass Hogwarts das erste Ziel war, das Voldemort angreifen würde, sobald er die Kontrolle über das Ministerium und die Auroren hatte. Aus dem Zaubereiministerium gab es immer mehr Überläufer. Nachdem Voldemort und Scrimgouer ihren Deal abgeschlossen hatten, wurden die Überläufer durch Voldemorts Gefolgsleute ersetzt.


Die Zaubererwelt war inzwischen tief gespalten. Diejenigen, die sich zu Voldemort und Scrimgouer bekannten, erhielten viele Privilegien und einflussreiche Posten im Ministerium. Dolores Umbridge wurde Stellvertreterin des Ministers und Rene Russo der Pressesprecher und der Leiter der Presseabteilung. Beide waren natürlich längst Todesser. Bellatrix Lestrange war Leiterin der Aurorenabteilung.


Percy Weasley gehörte auch zu den Überläufern. Allerdings schloss er sich nicht dem Orden des Phönix an, sondern trat einer Gruppierung bei, die ebenfalls zu den Voldemort-Gegnern gehörten, dabei aber wesentlich strengere Maßstäbe bei der Auswahl ihrer Gefolgsleute anlegten als der von Dumbledore gegründete Orden des Phönix. Diese Gruppe, die sich „Erneuerung...“ nannte, lehnte die Zusammenarbeit mit Voldemort-Überläufern kategorisch ab. Nicht einmal ehemalige Slytherin-Schüler wurden aufgenommen – wegen der möglichen Nähe zum Gedankengut des Dunklen Lords. Sie vertraten die Meinung, dass alles, was nur im Geringsten mit Voldemort in Verbindung zu bringen war, nicht vertrauenswürdig sei.


In dieser Gruppe gab es die meisten Opfer durch Voldemorts Angriffe, da sich die Mitglieder weigerten, mit Spionen zusammenzuarbeiten und dementsprechend schlecht informiert waren. Anführer dieser Gruppe war ein früherer Auror, der die besten Chancen auf die Leiter der Abteilung gehabt hatte. Das prominenteste Mitglied war Mad-Eye Moody. Dessen Austritt aus dem Orden des Phönix kündigte sich schon lange an (der Orden war Moody schon immer zu tolerant gewesen). Tatsächlich ausgetreten war er dann, als der Orden Severus Snape wieder vertraute.


Durch diese Umstände bedingt, wurde es immer schwieriger zu reisen und Harry und Ginny mussten nach ihrer kurzfristig angesetzten und in kleinem Rahmen abgehaltenen Hochzeit noch eine Weile warten, bis die Ordensleute ihren sicheren Transport gewährleisten konnten.

Als die Beiden ankamen, erfuhren sie gleich die Neuigkeit von Hermines Rückkehr in die Zaubererwelt.


Hermine war nach einem kurzen Abstecher in Hagrids Hütte zu Minerva McGonagall geeilt, weil sie wusste, dass Harry und Ginny erwartet wurden. Sie hatte Hagrid freudestrahlend umarmt und sich nach seinen Abenteuern und seinem Bruder Gwarp erkundigt. Sie erfuhr, dass Gwarp mit ein paar verbündeten Riesen auf dem Weg von Rumänien hierher unterwegs war – als Unterstützung im bevorstehenden Kampf gegen Voldemort. Hermine vergewisserte sich, dass es Severus nicht schlechter ging (leider auch nicht besser) und kehrte ins Schloss zurück.


Im ersten Moment der Wiederbegegnung standen die drei beteiligten Personen nur da und starrten sich an. Harry hat sich verändert, dachte Hermine. Seine Haare standen zwar immer noch widerspenstig ab, aber sein Gesichtsausdruck war nicht mehr jungenhaft. Er war reifer geworden und der Ausdruck in seinen Augen war ernst und ein wenig streng. Aber nicht nur das, sondern auch eine unterdrückte Trauer war darin zu erkennen. Trauer? Ginny war doch bei ihm. Und wie Minerva gerade erzählt hatte, waren die Beiden frisch verheiratet.


Hermine zog die Augenbrauen zusammen. „Wo ist Ron?“, fragte sie besorgt.


Ist das denn plötzlich wieder wichtig?“ antwortete Ginny in scharfem Ton. „Vor ein paar Jahren konntest du nicht schnell genug wegkommen von ihm, von uns allen!“


Ich habe damals schon deutlich gemacht, dass Ron und ich nicht zusammenpassen. Das weißt du ganz genau, Ginny“, erwiderte Hermine sanft.


Plötzlich lief Ginny auf Hermine zu, umarmte sie und schluchzte: „Er ist tot. Ron ist gestorben, als er gegen Voldemort gekämpft hat. Hermine erwiderte die Umarmung und empfand plötzlich tiefen Schmerz. Sie hatte sich so sehr auf das Wiedersehen mit ihren besten Freunden gefreut und darauf, gemeinsam mit ihnen gegen Voldemort zu kämpfen. Ihr war nie in den Sinn gekommen, dass einer von ihnen nicht mehr lebte.....


Hermine löste sich aus Ginnys Umarmung und ging zu Harry hinüber. „Ich kann dir gar nicht sagen, wie mich das trifft. Seitdem ich mein Gedächtnis wiederhabe, habe ich mich auf das Wiedersehen mit euch allen so sehr gefreut. Wo ist Ron, ich meine, wo ist er begraben?“ „Auf dem Grundstück meiner Schwiegereltern“; erwiderte Harry.


Hermine lächelte plötzlich. „Ihr seid ja verheiratet! Meinen herzlichen Glückwunsch! So eng liegen Freude und Trauer nebeneinander, nicht wahr?“


Harry lächelte plötzlich auch. Es war ein wehmütiges Lächeln, das keine Ähnlichkeit mit dem Grinsen des jüngeren Harry Potter mehr hatte. Dann zog er Hermine in seine Arme. „Willkommen zurück“, sagte er. Hermine fühlte eine Wärme in sich aufsteigen, die sie tröstete und ihr Kraft und Hoffnung gab. Aber sie wusste, dass sie auch eine schwierige Aufgabe vor sich hatte: sie musste Harry davon überzeugen, dass Severus Snape auf ihrer Seite stand, dass er Dumbledores Vertrauen nie missbraucht hatte und dass er ihr wichtige Anweisungen für den Kampf gegen den Dunklen Lord gegeben hatte, die Harry wissen musste.


Und die er befolgen musste.



Kapitel 30

Harry und Ginny wollten natürlich wissen, wie es Hermine in den Jahren in der Muggelwelt ergangen war. Mit großem Interesse erfuhren sie von Bianca und sie erkundigten sich natürlich ganz genau nach den Umständen ihrer Gefangennahme und ihrer Behandlung durch Voldemort und seine Todesser. Die Beiden befürchteten, dass Hermine und Bianca viel zu leiden gehabt hatten. „Ein Wunder, dass ihr noch am Leben und sogar bei guter Gesundheit seid“, wunderte sich Harry. „Wenn ich mir vorstelle, wer so alles um Voldemort versammelt ist….“


Angefangen mit den Malfoys bis zu Greyback“. Ginny schauderte.


Hermine erkannte, dass sich hier eine gute Gelegenheit bot, Snape positiv ins Gespräch zu bringen.


Sie holte tief Luft und antwortete: „Ich weiß nicht, wie es uns ergangen wäre, wenn wir nicht auf einen alten Bekannten aus Schultagen getroffen wären“, begann sie. Sie zögerte leicht und Harry meinte: „Meinst du etwa Draco Malfoy? Hat er dir geholfen?“ Seine Stimme klang zweifelnd.


Nein, Harry, es war nicht Draco, der hat nicht viel Einfluss beim Dunklen Lord. Nein, es war ein Anderer, einer, der sich angeblich große Verdienste bei Voldemort erworben hat: Snape!“


Harry fuhr wie von der Tarantel gestochen auf. „Snape! Der Dreckskerl! Der Mörder! Der Verräter! Er soll dir geholfen haben?“ Harry schrie die letzten Worte.


Ginny war auch aufgestanden und klopfte Harry beschwichtigend auf den Rücken.„Nun lass Hermine mal erzählen, was passiert ist.“ Harry keuchte, sagte aber nichts mehr. Ginny und er setzten sich wieder hin und Hermine erzählte ihre Geschichte. Sie erzählte von ihren anfänglichen Ängsten und von Snapes unhöflichem und unwirschem Verhalten. Hermine sprach langsam und eindringlich und suchte immer wieder Harrys und Ginnys Blick. Sie schilderte, wie sich allmählich ihre Angst vor Snape legte und sie der Ansicht war, dass er nicht nur böse sein konnte.


Aber du wusstest doch, dass er Dumbledore umgebracht hat, das hat er dir doch erzählt“, entrüstete sich Harry.


Ja, er hat es erzählt, aber vergiss nicht, dass ich mich weder an Dumbledore noch an Snape in Hogwarts erinnern konnte. Ich habe mir sozusagen mein Bild als Außenstehende gemacht. Und ich konnte mir nicht vorstellen, dass Snape ein kaltblütiger Mörder sein soll. Ganz besonders dann nicht mehr, als er Bianca vor Greyback rettete.“


Ginny riss die Augen auf. „Was ist passiert?“


Bellatrix Lestrange hat Greyback dazu angestiftet, Bianca aufzulauern, weil sie genau wusste, dass der kurz vor der Verwandlung stand und gierig auf ein kleines Kind war. Sie wollte ihn dadurch noch abhängiger von sich machen. Doch Snape hatte Bianca heimlich überwacht und es gelang ihm, sie zu retten.“


Vielleicht hat er auch bloß so getan, als ob, damit du im Glauben schenkst und er leichteres Spiel beim Orden des Phönix hat“, meinte Harry verächtlich.


Greyback wollte Bianca zerfleischen und als Snape sich einmischte, wollte er ihn töten. Das war kein Spiel, Harry. Es ging um Leben und Tod. Wenn Greyback gewonnen hätte, wäre ich jetzt nicht hier, Harry. Ganz zu schweigen von Bianca. Snape hat Greyback getötet und wäre dann fast von Bellatrix Lestrange umgebracht worden, die außer sich vor Zorn war, als sie sah, dass ihr Verbündeter besiegt war. Zum Glück, in diesem Fall, tauchte der Dunkle Lord auf und Bellatrix verriet sich in ihrer Wut selber. Voldemort schätzt es gar nicht, wenn seine Befehle missachtet werden. Genau das hatten sie getan, wie Snape dem Dunklen Lord begreiflich machte. Bellatrix hat diesen Ungehorsam gebüßt.“


Harrys Lippen verzogen sich zu einem dünnen Lächeln. „Hoffentlich war Voldemort richtig wütend.“ „Das war er, Harry, ich kann es dir versichern. Er hat seinen Lieblings-Werwolf und fast noch seinen vermeintlich besten Berater verloren.“


Du sagtest schon zum zweiten Mal, dass Snape nur angeblich Voldemorts ‚bester Mann’ sei. Was meinst du damit?“


Hermine holte nochmals tief Luft. Jetzt war sie an dem kritischen Punkt angelangt, wo sie die Beiden davon überzeugen musste, dass Snape noch immer Dumbledores Mann war. Immer noch und für immer.


Wie ihr Beide gehört habt, war ich einige Zeit lang in Snapes Gewalt, obwohl mir dies nach einer Weile mehr als Schutz vorkam. Dann habe ich per Zufall mitbekommen, wie Snape sich mit Lupin (damals wusste ich natürlich noch nicht, wer er war) im Feuer unterhalten hat. Sie sprachen über irgendein Vorhaben, das für Snape gefährlich werden konnte. Er ging aber doch mit Lupin und am nächsten Tag erfuhren alle, dass Lucius Malfoy vom Orden des Phönix entführt worden war. Und Snape wurde von den Lestranges, die ihm hinterherspionierten, des Verrats bezichtigt. Er konnte sich aber herausreden. Ich habe dann nach und nach herausbekommen, dass er sich mit den Ordensleuten getroffen hat und immer noch auf der guten Seite steht.“


Warum hat er dir das erzählt?“, fragte Harry zweifelnd.


Weil er wollte, dass ich nach Hogwarts zurückkehren sollte im Austausch für Malfoy. Hier sind Beweise für seine Glaubwürdigkeit. Ich soll sie dir und dem Orden zeigen.“


Harry sprang wieder auf. „Und hast du sie gefunden? Wo sind sie?“


Ich habe sie noch nicht gesucht. Aber ich weiß, wo sie sein müssen.“


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Nach dem Gespräch mit Harry und Ginny eilte Hermine zu Hagrids Hütte, um nach Severus zu sehen. Sie klopfte unter dem Vorwand, ihn sich nochmals genauer ansehen zu müssen, um eventuell ein Rezept für einen Heiltrank finden zu können. Sie hatte Madam Pomfrey versprochen, in der Bibliothek nach Rezepturen zu suchen, um dem Patienten zu helfen.


Snape lag noch immer unbeweglich im Bett. Als Hagrid sich abwandte, um Wasser für Tee zu kochen, strich Hermine über Severus Gesicht und Haare, als hoffe sie, die zärtlichen Berührungen würden ihn aus dem Koma holen. Aber er reagierte nicht. Hermine seufzte und beschloss, noch am selben Abend eine intensive Suche in der Bibliothek zu beginnen.


Bald darauf war Zeit für ein Treffen der Ordensleute bei Minerva McGonagall und Hagrid ließ Snape in der Obhut des Elfen Dobby zurück.


Im Rahmen der Zusammenkunft erzählte Hermine, die von ihren alten Bekannten und Freunden wie Tonks, Seamus, Dean, Parvati und einigen anderen herzlich begrüßt worden war, von ihren Erlebnissen in Voldemorts Hauptquartier. Natürlich kam sie auch auf Severus Snape und seine Rolle beim Dunklen Lord zu sprechen. Diesmal wurde sie unterstützt von Lupin und Shacklebolt, die bei der Gefangennahme von Lucius Malfoy dabei waren und beide ebenfalls mittlerweile von Snapes Loyalität gegenüber Dumbledore und dem Orden des Phönix über zeugt waren.


Hermine kam dann zum wichtigsten Punkt des heutigen Treffens. Sie berichtete von den Informationen, die Snape ihr vor dem Austausch mitgeteilt hatte. Die versammelten Ordensleute vernahmen zu ihrem großen Erstaunen, dass Voldemort seine Seele mittels dunkelster Magie gespalten hatte und dass eines dieser Seelenstückchen in Hogwarts versteckt war. Und zwar seit Draco Malfoys 6. Schuljahr, als er es in dem Verschwindekabinett eingeschmuggelt hatte. Draco hatte zwar nicht gewusst, was ihm anvertraut worden war, aber er hatte genaue Instruktionen bekommen, wo er Rowena Ravenclaws Zauberstab zu verstecken hatte. In den Kerkern gab es neben dem Klassenzimmer für Zaubertränke einen verborgenes Fach, das sich nur dem öffnete, der etwas, das dem Dunklen Lord gehörte, dabei hatte und es gegen die Wand dort hielt.


Natürlich war es nicht leicht, etwas vom Eigentum des Dunklen Lords zu erhalten, aber Snape hatte einen Trick angewendet. Er hatte ein Stück von Naginis abgeworfener Schlangenhaut aufgehoben und es Hermine mitgegeben. „So nahe wie sich Voldemort und Nagini stehen, müsste dies als Schlüssel zu dem Geheimfach funktionieren.“, hatte er gemeint.


Wir werden es sofort ausprobieren!“ Hermine hielt Harry zurück. „Warte, Harry“, sagte sie. „Weißt du schon, wie du den Horkrux vernichten willst?“ Harry schüttelte den Kopf. „Darüber müssen wir reden, bevor du das Versteck öffnest. Snape hatte da so eine Idee…“



Kapitel 31

Die Vernichtung des Zauberstabs war schwieriger als es sich die Beteiligten vorgestellt hatten. Mit Hilfe der Schlangenhaut konnten sie zwar das Geheimfach finden und öffnen, aber die schwarze Magie in dem Horcrux merkte sofort, dass nicht die erwartete Person das Fach geöffnet hatte. Der Zauberstab schoss aus seinem Versteck und ließ mehrere Zauber nacheinander los. Dem Schockzauber konnten die Beteiligten dank ihrer geschulten Reaktionsfähigkeit ausweichen – er riss lediglich ein Loch in die dicken Mauern des Kerkers. Doch der darauf folgende Zauber traf Ginny, die mit der Ganzkörperklammer belegt zu Boden ging. Blitzschnell beschwor Harry den „Protego“-Zauber, bevor der „Avarda Kedavra“- Fluch die am Boden Liegende erreichen konnte.


Aber die schwarze Magie in dem Horcrux war noch lange nicht aufgebraucht. Als Nächstes entzündete der Zauberstab ein magisches Feuer, das die Verfolger einhüllen und vernichten sollte. Dass das nicht gelang, lag an Snapes Idee, die er Hermine verraten und diese ihren Freunden mitgeteilt hatte, bevor sie das Horcrux ausfindig gemacht hatten. Snape hatte geahnt, dass Voldemorts dunkle Magie auch sein magisches Feuer, das er gern anwandte, um besonders hartnäckige Gegner zu beseitigen, zum Schutz seines Seelenstückchens einsetzen würde.


Snapes Zauber schützte sie gegen das Feuer, indem er einen flüssigen Schutzfilm um sie legte, den das Feuer nicht durchbrechen konnte. Hermine fühlte, wie ein Mantel aus flüssigem Gel sie einhüllte. Es war wunderbar leicht und kühl darunter. Die Freunde sahen einander an. Unter ihren glänzenden Umhüllungen sahen sie wie Geister aus. Mit Blicken und Gesten verständigten sie sich und erhoben ihre ebenfalls geschützten Zauberstäbe. Beim dritten Heben der Stäbe beschworen sie lautlos aber doch kraftvoll einen besonders wirksamen Löschzauber, mit dem sie das Feuer unter Kontrolle bringen und es schließlich löschen konnten.


Harry konzentrierte sich inzwischen auf den Horcrux-Zauberstab und hielt ihn mit einem Schwebezauber in Schach. Nachdem das Feuer erloschen und die schützenden Umhüllungen wieder verschwunden waren, bildeten alle einen Kreis und halfen Harry, den Zauberstab in der Schwebe zu halten. Es war auch höchste Zeit, denn Harrys Hand, die den Zauberstab hielt, zitterte vor Anstrengung, den Horcrux in Schach zu halten. Doch mit vereinten Kräften gelang es ihnen und auf Harrys Kommando riefen sie wie aus einem Mund: „Expelliarmus!“


Zunächst passierte gar nichts. Sekunde um Sekunde verstrich, die Arme und Hände, die die Zauberstäbe in äußerster Konzentration festhielten, zitterten vor Anspannung. Die Gesichter wurden rot vor Anstrengung und Schweiß lief an ihnen herunter. Doch auf einmal war es geschafft. Ein lauter Knall, gefolgt von einem schrecklichen Gurgeln, brach sich in den Kerkern und hallte durch das ganze Schloss.


Die in dem Kerker versammelten Menschen ließen ihre Zauberstäbe sinken und starrten auf das Häufchen Holzstaub, das einmal Rowena Ravenclaws Zauberstab gewesen war und danach ein Stück der Seele des bösesten Magiers, den die Zaubererwelt kannte, enthalten hatte.


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Hermine zitterte noch immer vor Aufregung und Erschöpfung, als sie in Hagrids Hütte nach Snape sahen. Sein Zustand schien unverändert zu sein. Hermine fühlte seinen Puls und fand, dass sein Herz zwar schwach, aber gleichmäßig schlug. Seine Haut fühlte sich jedoch kühler an, so als ob er an Körperwärme verlieren würde. Plötzlich riss Hermine die Augen weit auf, keuchte, und sagte: „Hagrid, ich glaube ich weiß, wie wir ihm helfen können. Kannst du ihn zu Madam Pomfrey bringen?“


„’türlich“, meinte Hagrid. „Aber isses nich’ zu gefährlich, wenn jemand ihn sieht?“


Nein, die Ordensleute und die Lehrer wissen Bescheid über ihn und die Schüler können wir von ihm fernhalten.“, erwiderte Hermine.


In der Zwischenzeit waren Arthur und Molly Weasley mit erstaunlichen Neuigkeiten in Hogwarts eingetroffen. Ihnen folgten alsbald Bill, Fleur und der kleine Ron sowie Fred und George, die eine Unmenge Gepäck dabei hatten. Bei diesen Gepäckstücken handelte es sich um Gegenstände aus ihrem Laden, die zu Angriffs- und Verteidigungszwecken benutzt werden konnten.


Sie hatten die Raketen und alles andere magisch verkleinert und brachten alles in den ehemals verbotenen Korridor im 3. Stock, um dort die Angriffs- und Verteidigungsgegenstände unauffällig wieder auf Normalgröße zu zaubern. Shacklebolt und Lupin halfen ihnen dabei, nachdem sie von Arthur und Molly über die neueste und erstaunliche Entwicklung in der Zaubererwelt informiert worden waren.


An Severus Bett im Krankenflügel versammelten sich die Professoren McGonagall, Sprout, Flitwick und Slughorn sowie Madam Pomfrey sowie die in Hogwarts anwesenden Mitglieder des Ordens des Phönix und die übrigen Weasleys.


Stellt euch vor“, begann Arthur den versammelten Professoren und Ordensmitgliedern zu berichten, „das Ministerium ist aus den Händen der Todesser befreit worden.“


Überraschtes Keuchen war zu vernehmen und Fragen schwirrten umher. „Wie…, wer hat…, erzähl…, der Orden des Phönix kann doch nicht…“


Nein, es war nicht der Orden des Phönix. Es war diese Erneuerungspartei, ihr wisst schon, Moodys Leute. Sie haben in den letzten Monaten im Geheimen viele Zauberer auf ihre Seite gebracht. Sie haben sie zu Hause besucht und zum Mitmachen überredet. Die Leute, die mitmachten, mussten nach dem Fall des Ministeriums auf ein Kommando hin die ihnen bekannten Todesser – vor allem in der Nachbarschaft - aufsuchen und überwältigen.


In der Zwischenzeit hatte Moody Scrimgouer in seine Gewalt bekommen. Offenbar haben er und ein paar Gefolgsleute sich mit Vielsafttrank ‚verkleidet’ und ihn in seinem Büro überwältigt. Unter dem ‚Imperio’ hat er dann die nötigen Informationen zur Machtübernahme herausgegeben. Moody ist derzeit Minister und gleichzeitig Leiter der Aurorenabteilung. Scrimgouer und einige Anhänger Voldemorts sind bereits jetzt in Askaban.“


Woher weißt du das Alles, Arthur?“, unterbrach ihn Kingsley Shacklebolt.


Ihr wisst doch, dass Amos Diggory in unserer Nähe wohnt“, ließ Molly sich vernehmen. „Er hat Arthur über alles informiert. Obwohl er der Erneuerungspartei angehört, ist er dem Orden des Phönix ebenfalls wohlgesonnen und meinte, die Mitglieder müssten unbedingt Kenntnis davon erhalten.“


Uns war natürlich sofort klar, dass Voldemort nach diesem herben Rückschlag nur ein Ziel haben konnte: Hogwarts!“, meinte Arthur.


Aber warum Hogwarts?“, meinte Lupin skeptisch. „Meint ihr nicht, er kehrt in sein Hauptquartier zurück oder taucht bei jemandem unter, wenn ihm das nicht sicher genug ist?“


Arthur wollte antworten, doch Harry war schneller. „Nein, Remus. Voldemort verkriecht sich nicht. Er will dieses Machtdefizit umgehend wieder ausgleichen. Er will Hogwarts! Er weiß, dass hier noch viel uralte Magie existiert, die er für sich entdecken und einsetzen will, um die Vorherrschaft in der Zaubererwelt wieder zu erlangen.“


Harry hatte mit so viel Überzeugung gesprochen, dass niemand im Raum auch nur den geringsten Zweifel am Wahrheitsgehalt seiner Worte hatte. Da gab es ja schließlich noch diese geheimnisvolle Verbindung zwischen ihnen…


Außerdem will er dich, Harry und er weiß bestimmt, dass du hier bist.“ Harry nickte ernst bei Hermines Worten.


Also müssen wir Hogwarts so schnell wie möglich in Verteidigungszustand bringen“, meinte McGonagall kämpferisch.


Und wir haben noch eine weitere, wichtige Aufgabe“, meinte Harry, zu Hermine gewandt. „Erinnerst du dich noch an das Medaillon, das wir beim Aufräumen am Grimmauldplatz gefunden haben und das wir nicht öffnen konnten?“ Hermine nickte. „Das Medaillon ist ein Horcrux. Wir müssen es zerstören.“


Hast du schon eine Idee?“, fragte Hermine.


Harry schüttelte den Kopf. „Nicht die geringste“, meinte er. Ein verlegenes Lächeln umspielte seine Lippen und sein Gesichtsausdruck erinnerte Hermine wieder an den Harry, den sie in der Schule gekannt hatte. „Ich baue auf die überragende Intelligenz und die großartigen magischen Fähigkeiten meiner Freundin aus Schultagen“, sagte er dann lächelnd.


Hermine lächelte zurück. „Natürlich helfe ich dir. Wenn wir Professor Snape versorgt haben und ich nach Bianca gesehen habe, gehe ich in die Bibliothek und versuche, einen Zauber zu finden, der uns weiterhelfen kann.“



Kapitel 32

Die Ordensleute hatten ihre Wachtätigkeit wieder aufgenommen bzw. noch verstärkt. Jedem war klar, dass Hogwarts in unmittelbarer Gefahr war, von Voldemort angegriffen zu werden. Die Professoren halfen den Ordensleuten, die Schutzmaßnahmen zu verstärken.


Hermine hatte zusammen mit Hilfe der Krankenschwester einen Trank zubereitet, dessen Rezept sie in einem der unzähligen Zaubertrankbücher in Hogwarts Bibliothek gefunden hatte. Dank ihres unbändigen Wissensdurstes und ihres inzwischen wieder einwandfrei funktionierenden Erinnerungsvermögens fiel ihr ein Trank wieder ein, der angeblich Scheintote wieder ins Leben zurückholen sollte. Hermine hatte erkannt, dass Severus Lebensfunktionen allmählich erloschen und nach Rücksprache mit Madam Pomfrey hatte sie den Trank gebraut. Zum Glück waren Slughorns und Madam Sprouts Vorratskammern gut gefüllt, so dass sie in kurzer Zeit den Heiltrank fertig stellen konnte.


Gestützt von Hagrid, der ihn in eine sitzende Position brachte und von Hermine, die seinen Kopf hielt, flößte Madam Pomfrey Snape den Trank ein. Leider erwachte er nicht mit einem „Plopp“ zum Leben, wie Hermine heimlich gehofft hatte. Aber nach kurzer Zeit war zu erkennen, dass seine Körpertemperatur ganz langsam wieder anstieg.


Es dauert wohl noch eine Weile bis er aufwacht“, meinte Slughorn und kratzte eines seiner Doppelkinne. Madam Pomfrey nickte. „Aber es scheint ihm schon etwas besser zu gehen. Sein Gesicht ist nicht mehr ganz so weiß wie zuvor.“


War das Einbildung, fragte sich Hermine bang. Nein, sie glaubte fest an die heilsame Wirkung des Tranks. Sie musste Geduld haben.


Sie flößten Severus jede Stunde ein paar Tropfen des Tranks ein und wechselten sich Tag und Nacht an seinem Bett ab. Hermine hätte gern viel mehr Zeit an seinem Bett verbracht, aber sie musste sich um die Zerstörung des Horcrux kümmern.. Das Wichtigste war, dass er wieder gesund wurde. Alles Andere würde sich finden.


Vor allem anderen kam jedoch ihre Tochter.


Die Kleine hatte Hogwarts im Sturm erobert. Aber auch wenn sie sich gern von Madam Sprout seltene und schöne Pflanzen zeigen ließ, von Professor Slughorn Süßigkeiten zugesteckt bekam und Madam Pomfrey ihr magische Märchen erzählte – ganz abgesehen von den hingerissenen Mädchen der oberen Schulklassen – ab und zu saß Bianca bei ihrer Mutter auf dem Schoß. Ihre Arme waren fest um Hermines Hals geklammert und ihr Blick abwesend und leer.


Hermine wusste, dass ihre Tochter das Vergangene noch lange nicht bewältigt hatte. Sie hatte mehrfach Todesangst ausgestanden und jetzt war derjenige, der sie beschützt und gerettet hatte, auch in Gefahr. Hermine wusste, dass Bianca auch um Severus Snape Angst hatte. Sie versuchte immer wieder, sie zu beruhigen und nachdem sich sein Zustand durch den Heiltrank verbessert hatte, durfte Bianca ihn sogar kurz sehen.


Von da an wurden ihre Angstattacken seltener und sie blieb in der Obhut Madam Pomfreys, während Hermine in der Bibliothek nach Methoden zur Vernichtung des Horcrux suchte. Sie hatte sich eine Liste über die Horcruxe und – soweit sie schon zerstört waren – über ihre Vernichtung gemacht.


1. Das Tagebuch vernichtet durch das Gift des Basilisken

2. Der Ring zerstört von Albus Dumbledores außergewöhnlichen magischen Fähigkeiten

3. Die Tasse zerstört durch Harry Zauberstab

4. Der Zauberstab vernichtet durch die Geschicklichkeit von Mitgliedern des Ordens des Phönix

5. Das Medaillon

6. Die Schlange

7. Voldemort


Welche Macht konnte das Medaillon zerstören? Harrys Zauberstab besaß vielleicht wiederum diese Fähigkeit, aber wie konnte man es überhaupt öffnen? Nein, andersherum gefragt: Was war so stark wie ein Basilisk und was konnte das Medaillon dazu bewegen, sich zu öffnen? Sie mussten es unter Druck setzen, damit es sich von selbst öffnete…


Hermine ging in Gedanken versunken zum Fenster und sah, dass die gesamte Familie Weasley im Hof versammelt war und ein weiteres rothaariges Familienmitglied begrüßte. Charlie war gekommen. Vielleicht hatte er ja ein paar Drachen zur Verteidigung Hogwarts mitgebracht. Das hatten sie schließlich anlässlich des Trimagischen Turniers auch geschafft!


Hermine durchzuckte eine Idee. Einen Drachen!!!


Sie rannte hinunter und stürmte auf Charlie Weasley zu. Sie schob rücksichtslos Bill beiseite, der seinem Bruder seinen Nachwuchs präsentierte (sieh mal, wie groß Ron schon ist. Beinahe so groß wie du!). Charlie, der kleinste der Weasley-Brüder, grinste. Dann wandte er sich stirnrunzelnd Hermine zu, die ihn mit beiden Händen am Arm gepackt hatte und ihn mit weit aufgerissenen Augen fragte: „Hast du einen Drachen dabei?“


Dir auch einen schönen Tag, Hermine“, antwortete Charlie grinsend. „Ja, ich habe ein paar mitgebracht. Eigentlich als Spielzeug für meinen kleinen Neffen, aber einen kann ich dir auch zum Spielen überlassen. „Aber du erstaunst mich, Hermine“, fuhr er fort. „Du warst doch immer ein Bücherwurm. Hast du deine Vorlieben gewechselt?“ Die Weasleys grinsten.


Nein, natürlich nicht“, erwiderte Hermine ungeduldig. „Ich brauche einen Drachen, um ein Medaillon zu öffnen.“


Ein Medaillon zu öffnen?“, fragte George mit großen Augen. „Bist du sicher, dass du nicht etwas von Snapes Heiltränken in die falsche Kehle gekriegt hast und ein bisschen durcheinander bist?“


Nein, verdammt!“, schrie Hermine erbost. „Das Medaillon ist ein Horcrux und ich glaube nicht, dass irgendjemand Lust hat, sein Leben beim Öffnen dieses Dings aufs Spiel zu setzen!"


Bei diesen Worten wurden die Weasleys schlagartig ernst. „Wenn das so ist“, meinte Fred. „Ich sag am besten Harry Bescheid und wir versuchen, das Ding zu vernichten.“


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Mit einem erleichterten Seufzer und rußgeschwärzten Gesicht betrachtete Hermine die Überreste des Medaillons, das ein weiteres Seelenstückchen Voldemorts enthalten hatte und das dem Feuer des ungarischen Hornschwanzes (Charlies Lieblingsdrachen) auf die Dauer nicht widerstehen konnte. Es hatte sich geöffnet und das darin enthaltene Böse wollte den Drachen blenden, doch Charlie lenkte die Aufmerksamkeit des Hornschwanzes rechtzeitig nach oben.


Harry umkreiste den Drachen auf seinem Besen und reizte ihn dadurch bis aufs Blut. Wer weiß, vielleicht haben Drachen auch Erinnerungen, so wie Elefanten, dachte Hermine. Dann sollte Harry sich vorsehen.


Es war ein gefährliches Spiel, das da ablief. Harry und Charlie mussten die Aufmerksamkeit des Drachen im richtigen Moment von dem Horcrux ab- und auf Harry zulenken. Der Drache spie sein Feuer voller Zorn gegen Harry, der sich aber blitzschnell um die eigene Achse drehte und sich fallen ließ.


Die schwarze Magie stieg inzwischen wie Rauch aus dem Medaillon auf und wollte die Augen des Drachen zerstören, aber durch dessen schnelle Bewegung nach oben und den wütenden Feuerstoß, den der Drache gegen Harry ausstieß, geriet das Horcrux dort hinein.


Ein schrecklicher Schrei, ein Todesschrei ertönte. Es war ein so furchtbarer, furchterregender Laut, dass niemand Mitleid mit der im Feuer umgekommenen Kreatur verspürte. Jeder fühlte nur Entsetzen und Furcht – selbst der Drache hörte auf, Feuer zu speien und sah irritiert aus seinen kleinen Augen herunter. Charlie ergriff die Gelegenheit, den Drachen wieder in sein Gehege zu bringen.


Puh“, meinte Harry, als er wieder von seinem Besen herunterstieg, „ganz schön einfallsreich, dieser Tom Riddle.“


Hermine hegte den leisen Verdacht, dass diese Übung Harry richtig Spaß gemacht hatte. Obwohl der große Kampf noch bevorstand, wirkte er zusehends gelöster. Harry wusste offenbar, dass er wieder Freunde um sich hatte, auf die er sich verlassen konnte. Das half ihm sicherlich auch ein Stück weit über den Verlust seines besten Freundes hinweg.


Und sie hatten bis auf die Schlange und Voldemort selbst alle Horcruxe vernichtet. „Jetzt kann er kommen, er und sein Haustier“ meinte Harry grimmig, als sie wieder zum Schloss zurückkehrten.


Doch die Wachposten meldeten noch keine Annäherungen der Todesser. „Vermutlich sammeln sie sich und rekrutieren neue Gefolgsleute. Voldemort hat da so seine speziellen Methoden“, meinte Kingsley Shacklebolt.


Nach dem Verlust des Ministeriums wird Voldemort sicher auch ein paar Strafmaßnahmen vornehmen“, sagte Harry.


Fühlst du etwas durch deine Narbe; fragte Hermine: „Du hast doch früher sehr darunter gelitten.“


Ich spüre kaum noch etwas. Voldemort muss etwas gegen diese Verbindung unternommen haben. Aber sehr starke Anspannungen spüre ich. Ich kann zwar nicht mehr sehen, was es ist, aber das Gefühl, dass etwas besonders gut oder böse für ihn ist, habe ich noch. Und jetzt ist er wütend und gleichzeitig macht sich Furcht bei ihm breit. Er merkt, dass nicht alles für ihn nach Plan läuft. Er dachte, weil er die Macht über das Ministerium errungen hatte, gäbe es keinen Widerstand mehr. Aber genau darin hat er sich getäuscht. So intelligent und skrupellos Voldemort ist, so wenig kann er die Menschen und ihre Gefühle verstehen. Das bricht ihm diesesmal das Genick, da bin ich sicher.“


Hermine lauschte Harrys Worten und ihre Zuversicht wuchs. Wenn Harry, der die wichtigste Person im Kampf gegen Voldemort war, sich seines Sieges so sicher war, dann hatten alle, die gegen Voldemort kämpften, ein Stück gewonnen.


Hermine ging etwas beruhigter in ihr Quartier und legte sich schlafen. Bianca schlief unter der Obhut von Winky schon tief und fest.


Hermine tat es ihr nach. Sie fand endlich ein bisschen Ruhe und begann, ihre Zukunft in einem glücklicheren Licht zu sehen. Bevor sie endgültig in den Schlaf hinüberglitt, sah sie sich auf einer Wiese im Sonnenschein sitzen - der Picknickkorb neben ihr war fast leer – und in der Frühlingssonne spielte ein Kind im Wasser des nahe gelegenen Baches. Das Kind wurde begleitet von einem schwarz gekleideten Mann. Beide lachten fröhlich und Hermine schlief mit einem Lächeln auf den Lippen ein…



Kapitel 33

Am nächsten Morgen nahmen Hermine und ihre Tochter ein reichhaltiges Frühstück ein und spielten noch eine Weile zusammen (Hermine hatte dabei ihren Traum aus der vergangenen Nacht vor Augen), bis Dobby die Kleine abholte, um sie zu Hagrid zu bringen, der ihr ein Einhorn-Fohlen zeigen wollte.


Hermine lief schnurstracks zum Krankenflügel, um sich über Severus Gesundheitszustand zu informieren. Ihrer Einschätzung nach würde es zwar noch 2 bis 3 Tage dauern, bis er aufwachte, aber seine Lebensfunktionen mussten sich spürbar verbessert haben. Doch als sie in den Krankenflügel kam, war alles seltsam ausgestorben. Madam Pomfreys Büro war geschlossen. Hermine eilte zu Severus Bett. Es war leer! Das Bett war so hergerichtet, dass es jederzeit einen neuen Patienten aufnehmen konnte.


Hermines Puls raste. Was war geschehen? Es konnte doch nicht sein, dass der Heiltrank versagt hatte? Es konnte ihm doch nicht schlechter gehen? Nein, sonst läge er ja noch da. Sie konnten ihn auch nicht ins St. Mungo’s gebracht haben. Von dort aus würde er direkt nach Askaban gebracht.


Hermine weigerte sich, sich vorzustellen, dass er möglicherweise…an einen anderen Ort gebracht worden war …aufgebahrt?


Nein!“, schrie sie. Dann stürmte sie zu Professor McGonangalls Büro. Sie passierte den Wasserspeier (das Passwort war ‚Albus’), ließ sich ungeduldig hinauffahren und platzte in das Büro der Schulleiterin, ohne anzuklopfen.


Wo ist er?“, stieß sie hervor.


Eine irritierte Minerva McGonagall, die sich mit den Professoren Slughorn und Flitwick unterhielt, blickte sie an. Die beiden anderen waren ebenfalls überrascht. In diesem Moment kam Hermine wieder zur Besinnung. Es konnte nichts Schlimmes passiert sein, sonst wären die Drei nicht so ruhig versammelt, sagte sie sich.


Sie holte tief Luft und stammelte: „Ver…, Verzeihung, Professor McGonagall für diesen Überfall. Ich wollte nur nach Professor Snape sehen und habe bemerkt, dass er weg ist. Es geht ihm doch nicht etwa….schlechter?“


Professor McGonagall erwiderte immer noch mit irritierter Miene: „Nein, wo denken Sie hin? Er ist heute am frühen Morgen aufgewacht und sofort aufgestanden. Nachdem Madam Pomfrey ihn untersucht hatte, durfte er gehen.“


Severus wäre zwar lieber ohne Untersuchung gegangen“, fügte Slughorn mit dröhnendem Lachen hinzu. „Aber Madam Pomfrey hat das verhindert, indem sie die Ausgänge aus der Krankenstation mit Zaubern verbarrikadiert hat.“


Auch Professor McGonagall konnte ein kleines hämisches Grinsen nicht unterdrücken. „Nach der Untersuchung ist er in gewohnter Manier in seine Wohnung gestürmt (niemand wollte in diesen Räumen seither wohnen, also hat man sie gelassen, wie sie waren) und hat nach Harry Potter verlangt, dem er einiges mitzuteilen habe.“


Hermine ließ sich vor Erleichterung in den nächstbesten Stuhl sinken. „Haben Sie sich ernsthaft Sorgen um Severus Snape gemacht“, ließ sich die quiekende Stimme von Professor Flitwick vernehmen. „Nun, ich dachte, Sie kennen ihn zur Genüge. So einer wie er lässt sich durch einen kleinen Fluch doch nicht umbringen.“


Slughorn lachte wiederum dröhnend. „Filius hat ganz Recht. Severus war schon immer ein zäher, widerstandsfähiger Bursche. Das hat man ihm zwar nicht angesehen, schmächtig wie er früher war, aber sein Wille war unglaublich stark. Und er war einer der intelligentesten Schüler, den Hogwarts je gehabt hat“, fuhr Slughorn mit ernster Stimme, aus der eine gewisse Bewunderung herauszuhören war, fort.


Dann ist ja Alles gut“, murmelte Hermine. „Bitte entschuldigen Sie nochmals die Störung.“ Sie verließ das Büro mit dem Gefühl, sich ganz schön lächerlich gemacht zu haben. Die denken bestimmt, ich bin durchgeknallt durch meinen Aufenthalt bei Voldemort.


Aber das Wichtigste war, dass es Severus wieder gut ging. Hermine hätte schreien können vor Erleichterung. Sie hüpfte fröhlich die Treppe hinunter und erst als sie in einen belebteren Korridor kam, wurde ihr Gesichtsausdruck wieder ernst und sie bewegte sich mit gemessenen Schritten durch die Schülerscharen. Sie stieg die wohlbekannte Treppe hinunter zu den Kerkern und sie lief voller Vorfreude zu Snapes Wohnung.


Sie klopfte und hörte ein herrisches: „Sehen Sie nach, wer da stört!“ Dann öffnete sich die Tür und Hermine sah in Fred Weasleys Gesicht. „Oh, komm rein, wir haben gerade Lagebesprechung“, sagte er. Hermine registrierte nicht, was Fred sagte. Sie sah nur Severus, der in der Mitte des Raums stand. Ihm gegenüber stand Harry Potter mit verschränkten Armen und misstrauischem Blick. Einige andere Mitglieder des Ordens waren anwesend.


Snape drehte sich um sah Hermine an. Ihr Lächeln erstarrte. Sein Blick war kalt, uninteressiert und leicht verärgert wegen der Störung. Hermine fühlte sich plötzlich, als sei sie 14 oder 15 Jahre alt und Snape sah sie tadelnd an, weil sie sich im Unterricht schon wieder meldete. Da war kein noch so leichtes Aufleuchten in seinen Augen oder die Andeutung eines Lächelns in seinem Gesicht. Hermine fror plötzlich. Sie hatte den Eindruck, als sei plötzlich ein Dementor im Raum, der diese Kälte verströmte.


Miss Granger“, Snapes stimme war ebenso kalt wie sein Gesichtsausdruck. „Was wollen Sie hier?“


Was ich hier will? Ich mache mir Sorgen um dich, du Idiot! Seitdem du hier eingetroffen bist, habe ich mir ausschließlich Sorgen um dich gemacht. Ich habe Bücher gewälzt, um einen Heiltrank für dich zu brauen. Ich habe deine Tochter getröstet, weil auch sie Angst um dich hatte und du fragst, was ich hier will?!


Hermines Angst um Snape schlug in Wut auf ihn um. „Entschuldigen Sie die Störung, Professor Snape, aber als ich Sie das letzte Mal sah, lagen Sie ziemlich hilflos in einem Bett im Krankenflügel und keiner wusste, ob mein Heiltrank Sie wieder zum Leben erwecken würde. Ich wollte mich lediglich von Ihrem Wohlbefinden überzeugen. Wie ich bemerke, sind Sie wieder bei bester Gesundheit! Guten Tag!“


Hermine drehte sich um, ging hinaus und schlug wütend die Tür hinter sich zu.