BEI NACHT SIND ALLE KATZEN GRAU
von Kira
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Kapitel 9 - 16
Kapitel 9
Es ist nicht gut,
alles zu sehen, alles zu hören...
Snape hatte kurz nach ihrem ernsten Gespräch vorgeschlagen, dass sie zurück zum Schloss gehen sollten.
Er war sehr wortkarg gewesen.
Hermine hatte ebenfalls kaum gesprochen.
Hin und wieder hatte sie ihn nachdenklich beobachtet.
Sie wusste was die Todesser taten.
Das Bild, wie Snape jemanden folterte oder tötete war erschreckend real.
Sie verstand warum er sein Leben mit niemandem teilen wollte.
Aber sie verstand ebenso dass niemand sich darum bemühen wollte sein Leben mit ihm zu teilen. Diese Art von Schuld war kaum zu vergeben. Auch wenn er nicht aus freiem Willen handelte, so war er dennoch ein Folterer und Mörder.
Es war so verrückt.
Nun, da sie ihn von einer anderen Seite kannte, war das Wissen um seine Rolle beim dunklen Lord um so belastender für Hermine.
Snape schien dies zu spüren.
Er hatte wohl endlich was er wollte, sie war verunsichert. Vielleicht würde sie wieder lernen ihn zu hassen. War es nicht das was er von ihr verlangte?
Er war stehengeblieben und sah sie lange und durchdringend an.
„Sie scheinen wieder vollständig genesen zu sein. Warum gehen Sie nicht schon heute abend zurück in Ihren Turm? Madam Pomfrey hat bestimmt nichts dagegen. Sie können sie ja heute abend fragen",sagte er.
Hermine zögerte nicht lange.
Sie schüttelte den Kopf.
„Nein," sagte sie entschieden.
„Eine Nacht werden Sie mich schon noch ertragen."
Er nickte kurz und schwieg.
Sie war erstaunt wie schnell er nachgegeben hatte.
„Vielleicht sollten Sie dann besser Ihre Tür verriegeln," sagte er und hob eine Augenbraue an.
Hermine lachte kurz.
„Vielleicht sollten Sie sich direkt neben mich ins Bett legen. Ich meine die Wahrscheinlichkeit, dass Sie sich dann morgens auf der Couch wiederfinden ist relativ groß."
Er schnaufte ein paar mal durch die Nase, was einem Lachen ziemlich gleichkam.
„Sobald Professor Dumbledore wieder da ist, werden wir hoffentlich eine dauerhafte Lösung finden. Wenn der dunkle Lord von meinen nächtlichen Spaziergängen erfährt, wird es nicht lange dauern bis er herausfindet dass es Nebenwirkungen des Gegenmittels sind. Er ist ohnehin schon misstrauisch was die Wirkung seiner Droge auf mich angeht."
Hermine nickte nachdenklich.
*****************
Als sie wiederum unbemerkt ins Schloss zurückgekehrt waren hatte Hermine nicht einen Gedanken daran verschwendet, dass sie eigentlich in ihren Turm hätte zurückkehren können.
Wie selbstverständlich war sie ihm in seine Räume gefolgt.
Als sie ins Schlafzimmer ging um sich für Poppys Abenduntersuchung wieder das Nachthemd anzuziehen lag ein Zettel auf ihrem Bett.
Mit bangem Herzen nahm Hermine ihn und begann zu lesen:
Liebe Hermine,
da ich dieses Wochenende zu meinen Eltern fahre, wollte ich deine Untersuchung etwas vorverlegen.
Wie ich sehe scheint es dir ja wirklich wieder gut zu gehen, da ich dich hier eigenartigerweise nicht antreffe.
Du darfst heute schon wieder in deinen Turm zurückkehren.
Ein schönes Wochenende,
melde dich am Montag bei mir im Krankenflügel für eine Abschlussuntersuchung.
Liebe Grüße,
Poppy.
Auf dem Nachttisch befand sich bereits Hermines Abendessen.
Auf einmal stand Snape im Türrahmen.
„Ich werde dann mal in die große Halle gehen," sagte er.
Hermine faltete schnell den Zettel zusammen.
„Ja, klar. Ähm, Madam Pomfrey war schon da. Sie hat mir das Abendessen gebracht und schreibt ich könne morgen wieder in meinen Turm." 'Jetzt bloß nicht rot werden,' dachte Hermine.
Snape nickte ernst.
„Hat sie sich nicht gewundert wo Sie sind?" fragte er dann.
Hermine druckste herum.
„Ja...schon...aber uns wird schon eine gute Erklärung einfallen...oder wie wäre es mal mit der Wahrheit?"
„Hm, ja, warum nicht?" sagte Snape, klang dabei aber seltsam unsicher.
„Es wird Ihrem Ruf schon nicht allzusehr schaden," sagte Hermine.
„Außerdem hat sie vielleicht auch eine Schweigepflicht von der wir Gebrauch machen können."
Snape sah skeptisch aus.
„Als Krankenschwester? Ich weiß es wirklich nicht. Aber je weniger Aufhebens wir darum machen, desto schneller wird sie es vergessen. Ich geh dann mal..." er hob zum Gruß kurz die Hand und verschwand.
Hermine hatte ein etwas schlechtes Gewissen weil sie ihn angelogen hatte. Außerdem würde sie am Montag auch Poppy anlügen müssen. Egal, dass wäre es ihr wert noch eine Nacht mit ihm zu verbringen. Sie schluckte.
Wie hörte sich das denn an?
'Hermine, die Pferde gehen etwas mit dir durch,' dachte sie amüsiert.
Sie zog die Sachen aus und das Nachthemd an und ging ins Bad.
Ein kritischer Blick in den Spiegel zeigte ihr, dass der Sonnenbrand nun kaum noch zu erkennen war. Das Abschuppen der Haut war, dank Poppys Salbe auch erträglich.
'Nächste Woche werde ich siebzehn,' dachte sie. 'Fast schon erwachsen, endlich.'
Ihr Blick wanderte im Bad umher.
Sie öffnete einen Schrank neben dem Spiegel und spähte hinein.
Ein Nassrasierer lag darin, eine Zahnbürste und verschiedene Töpfe mit cremigem Inhalt. Da sie ohne Beschriftung waren hoffte sie, dass Snape immer in der Lage war zu unterscheiden in welchem der Rasierschaum und in welchem die Zahnpaste war.
Sie schmunzelte kurz bei der Vorstellung einer Verwechslung.
Dann nahm sie vorsichtig den Rasierer aus dem Schrank und sah sich die Klingen an.
Schwarze Bartstoppel hafteten daran.
Automatisch fuhr sie mit dem Zeigefinger darüber.
Ein kurzer Schmerz bewies ihr ihre Dummheit.
Blut drang aus der Fingerkuppe und benetzte die Klinge.
„Mist," murmelte sie und drehte das Wasser auf um den Rasierer abzuspülen.
Dann legte sie ihn vorsichtig zurück.
Ihren Finger hielt sie unter den kalten Wasserstrahl bis der Schmerz nachließ.
Während dem Händeabtrocknen fiel ihr Blick auf seinen Bademantel, der nun wieder an der Tür hing.
Sie zögerte, dann warf sie alle Skrupel beiseite und nahm ihn vom Haken.
Als sie hineinschlüpfte wusste sie, dass sie die richtige Entscheidung getroffen hatte.
Snape war ja erst vor ein paar Minuten gegangen.
Sie würde den Mantel bevor er zurückkam wieder an den Haken hängen.
Er würde nichts merken.
Hermine vergrub ihre Nase abermals in dem dunklen Stoff und atmete tief ein.
Es war betörend.
Sie kuschelte ihre Wange in das Material und ihre Gedanken gingen auf eine sinnliche Reise.
Dass der Mantel viel zu lang war störte sie nicht im Geringsten.
Im Gegenteil, so konnte sie ihren ganzen Körper damit regelrecht umschlingen.
Völlig benommen von Snapes Geruch ging sie zurück ins Schlafzimmer.
Sie ließ sich rückwärts auf das Bett fallen und schloss die Augen.
Ein Tagtraum nach dem anderen schlich sich in ihren Kopf und sie vergaß alles um sich herum...
„Bin wieder da...Miss Granger? Was machen Sie da?" war das nächste was sie hörte.
Diese Stimme hatte auch in ihren Tagträumen gesprochen. Zärtlich, erotisch sogar!
Aber jetzt klang sie irgendwie nüchtern.
Hermine riss die Augen auf.
Verdammt, sie war eingeschlafen.
Und nun war genau das passiert, was sie unbedingt hatte vermeiden wollen.
Er sah sie auf dem Bett liegen - in seinem Bademantel!
Sie setzte sich schnell auf und wollte etwas sagen, aber ihre Stimme versagte.
Snape stand da und sah auf sie hinab.
„Wie ich sehe haben Sie ein Verhältnis mit meinem Bademantel," sagte er mit seltsam brüchiger Stimme.
„Ich...ich..." begann sie und brach dann wieder ab.
„Er steht Ihnen gut," sagte er und setzte sich neben sie.
Hermines Herz drohte stehenzubleiben.
Sie sah ihn nur an, unfähig etwas zu erwidern.
Er hob langsam die Hand und strich ihr eine Haarsträhne aus dem Gesicht.
Hermine hatte den Atem angehalten.
Seine Augen blickten in die ihren und zum ersten mal fiel ihr auf, wie warm das Dunkle darin sein konnte.
Snapes Hand wanderte von ihren Haaren zu ihrer Wange und er legte den Daumen an ihre Lippen und fuhr die Konturen damit nach.
Unfähig sich auch nur zu rühren genoss sie seine Zärtlichkeit, während irgendwo in ihr drin ein Sturm zu toben begann.
Durch das Hämmern ihres Herzens hörte sie seine Stimme, die nun leise aber sehr eindringlich sprach:
„Sie sind noch sehr jung Hermine. Was immer Sie in mir sehen, Sie werden bald erkennen dass es nur eine Illusion war. Sie werden einem jungen Mann begegnen, dem Sie viel zu geben haben. Ich hoffe dass Sie nicht enttäuscht werden. Von mir wären Sie es...ich habe Ihnen nichts zu bieten. Außer Schmerz und Leid. Seien Sie klug und halten Sie sich in Zukunft von mir fern."
Kaum hatte er zu ende gesprochen, nahm er seine Hand weg, stand auf und verließ das Zimmer.
Hermines Gedanken fuhren regelrecht Karussell.
Sie war ihm so nah und doch unendlich weit von ihm entfernt.
Sie vergrub den Kopf in ihren Armen und begann zu weinen.
Die Nacht verlief ohne weitere Zwischenfälle.
Hermine war nach einiger Zeit eingeschlafen. Als sie am morgen erwachte wanderte ihr Blick auf die andere Seite ihres Bettes.
Er lag nicht neben ihr.
Als sie ihre Sachen gepackt und sich umgezogen hatte, klopfte sie an die Wohnzimmertür.
Auf eine gemurmelte Erwiderung von ihm, betrat sie den Raum und sah ihn an seinem Schreibtisch sitzen.
Die dunklen Ringe unter seinen Augen waren ihr Beweis genug, warum er diese Nacht nicht geschlafwandelt war.
Sie fühlte sich sehr beschämt.
Wäre sie doch bloß schon gestern wieder in ihr eigentliches zu hause zurückgekehrt.
Es hätte einen peinlichen Zwischenfall verhindert und ihn nicht um seinen Schlaf gebracht.
Hermine schnitt es ins Herz, ihn so erschöpft zu sehen.
„Ich gehe jetzt zurück in meinen Turm. Vielen Dank für alles."
Sie wartete auf irgendeine Erwiderung von ihm, aber er schwieg.
„Ähm, ich schließe Sie dann heute abend ein," fügte sie lahm hinzu.
Er sagte immer noch nichts.
Dann öffnete er eine Schublade und holte ihren Zauberstab hervor.
Hermine schlug sich gegen die Stirn.
Wie hatte ihr das passieren können? Als sie ihre Sachen gepackt hatte war ihr nicht einmal aufgefallen, dass ihr Zauberstab nicht dabei war.
Er hatte ihn an sich genommen.
Eigentlich erwartete sie eine Zurechtweisung von ihm, wegen ihrer Unachtsamkeit, aber nichts dergleichen geschah.
„Ich wollte ihn so verwandeln, dass er einen Piepston von sich gibt wenn ich möchte, dass Sie mir die Tür aufschließen, aber dann habe ich gedacht, dass es nicht gut ist, da Sie ja in einem Schlafsaal schlafen in dem noch einige ihrer Mitschülerinnen sind."
„Ist doch egal...mir wird schon eine Ausrede einfallen. Könnte ja ein Muggelwecker sein," sagte Hermine.
Snape nickte kurz.
„Mir ist was besseres eingefallen. Aber ich brauche dazu Ihr Einverständnis..."
„Das ist ja mal was ganz neues," sagte Hermine und es klang überraschend bissig.
Er taxierte sie kurz.
„Nun lassen Sie schon hören," sagte sie dann nachgiebiger.
„Also es handelt sich um eine Projektion...auf Ihrer Netzhaut."
Hermine sah ihn entgeistert an.
„Das klingt irgendwie sehr...naja, gefährlich," sagte sie zögernd.
„O.K. Vergessen Sie es einfach," sagte er und hielt ihr den Zauberstab hin.
Sie nahm ihn nicht.
„Erklären Sie es mir," forderte sie.
Er zog den Stab zurück und legte ihn vor sich auf den Tisch.
„Sie müssen das nicht. Schließlich werde ich ohnehin keine Hilfe benötigen. Wir lassen es einfach so. Sie schliessen mich ein und morgens schliessen Sie wieder auf. Fertig!"
Hermine wurde ärgerlich.
„Ist gut. Trotzdem möchte ich dass Sie es mir erklären!"
Er schnaubte.
Dann siegte der Lehrer in ihm.
„Also gut. Das funktioniert folgendermassen:
Ihr Zauberstab hat von mir ein Signal eingezaubert bekommen, das von mir gesteuert werden kann.
Allein durch die Kraft meiner Gedanken kann ich ihn aktivieren. In diesem Fall sendet er ein Signal auf Ihre Netzhaut. Es ist so hell, dass Sie es in jedem Fall bemerken werden ohne dass jemand anderes irgendetwas bemerkt. Selbst im Schlaf würden Sie es sehen können. Aber es funktioniert nur, wenn der Zauberstab es einmal in Ihre Netzhaut eingebrannt hat. Dies ist nicht schmerzhaft. Und ausserdem kann es wieder rückgängig gemacht werden. Darauf habe ich natürlich geachtet. Aber wie gesagt, Sie müssen das nicht tun...es ist auch nicht notwendig."
Hermine nickte langsam.
Alles war vorbereitet. Die Entscheidung lag allein bei ihr.
Mit einer schnellen Bewegung nahm sie ihren Zauberstab vom Tisch und hielt ihn sich selbst vor das Gesicht.
Ein Blitz traf ihre Augen und sie sah einen roten, gewaltigen Drachen vor ihren Augen auflammen.
Dann verschwand er wieder und alles war, als ob nie etwas gewesen sei.
Sie sah ihren Lehrer zögernd an.
Seine Miene war undurchdringlich.
„Danke," sagte er dann plötzlich und erhob sich.
„Sie sollten jetzt gehen."
Hermine nickte verwirrt und packte ihren Zauberstab in die Tasche. Dann ging sie zur Tür und öffnete sie.
Sie wandte sich noch einmal zu ihm um.
Er war ihr nicht zur Tür gefolgt.
Aber sein Blick ruhte auf ihr.
„Wenn es nach mir geht werden Sie dieses Zeichen niemals wieder sehen. Machen Sie sich also keine unnötigen Sorgen. Schliessen Sie meine Tür abends ab und morgens wieder auf. Nur noch gut eine Woche Hermine, dann sind Sie mich los..."
Hermine nickte betreten.
Dann schloss sie die Tür hinter sich und eilte den Gang entlang und die Treppen nach oben in ihr wirkliches Leben zurück.
Kapitel 10
Wer im Glashaus sitzt
sollte nicht mit Steinen werfen
Harry und Ron lagen noch in ihren Betten als die Sonne bereits zu ihnen in den Schlafsaal hineinschien.
Da heute Samstag war hatten sie vor, den Tag langsam angehen zu lassen.
„Wie war es denn gestern in Hogsmeade?" fragte Ron seinen Freund.
Harry gähnte ausgiebig bevor er zu einer Antwort ansetzte.
„Ganz gut. Aber mein Vorhaben habe ich noch nicht in die Tat umsetzen können, falls du das meinst..."
Ron winkte ab.
„Nein, so habe ich das nicht gemeint...ich war nur...neugierig."
Harry hatte Ron erzählt, er wolle etwas gegen sein Singledasein unternehmen.
Seit Ron mit Emilie zusammen war, gab es kaum noch ein Thema, bei dem Ron nicht auf seine Beziehung mit ihr zu sprechen kam.
Wahrscheinlich hatte Harry einfach nicht von Ron bedauert werden wollen, weil er zur Zeit keine Freundin hatte.
Harry fügte sich in sein Schicksal und fragte: „Und, wie war es bei euch?"
Ron seuftze schwärmerisch und ließ sich tiefer in das Kissen sinken.
„Emilie ist so toll. Sie sieht nicht nur klasse aus, sie ist auch intelligent und hat einen tollen Humor. Findest du nicht?"
Harry zog die Augenbrauen zusammen.
„Weiß nicht..." gab er dann unbestimmt zurück.
„Eigentlich kenne ich sie ja gar nicht."
Ron setzte sich auf und sah Harry erstaunt an.
Dann legte er einen Finger ans Kinn und sagte:
„Ja, du hast recht. Wir sollten doch endlich mal was zusammen unternehmen. Vielleicht kann Hermine auch mitmachen, sobald sie wieder gesund ist. Was hälst du von einer Party?"
„Eine Party?" fragte Harry nun verdutzt.
„Ja, genau," ereiferte sich Ron.
„Ich hab eine super Idee. Nächste Woche hat Hermine doch Geburtstag. Ich glaub am Dienstag. Wir könnten doch mit Emilie zusammen eine Überraschungsparty organisieren. Dann lernst du sie besser kennen und Hermine wird sich sicher riesig freuen."
Harry grinste nun: „Ja, und nebenbei gesagt, hast du dann jede Menge Gründe deine Emilie zu sehen..."
Ron wurde ein bißchen rot.
„Ja, das natürlich auch," gab er dann drucksend zu.
Harry grübelte.
„Hmm. Ich denke eine Party wäre wirklich nett. Und du hast recht, Hermine hätte ein wenig Aufmerksamkeit von uns auch mal wieder nötig, nachdem sie jetzt ein paar Tage völlig isoliert war, die Arme. Glaubst du wir sehen sie heute?"
„Na das will ich doch hoffen," gab Ron enthusiastisch zurück.
„Aber vergiss nicht," warnte er dann seinen Freund, „kein Wort über die Party zu ihr."
Harry schüttelte den Kopf.
„Na, da pass du aber lieber mal auf, dass dir deswegen nicht etwas rausrutscht."
„Ich schweige wie ein Grab, aber ich muss doch gleich alles mit Emilie besprechen. Komm, lass uns frühstücken gehen."
Damit schwangen sich die beiden aus ihren Betten und zogen sich an.
************************
Hermine saß derweil schon in der großen Halle vor ihrem Frühstück und war heilfroh, um diese Zeit noch alleine dort zu sein.
Sie war erstaunt gewesen, dass es selbst so früh morgens schon drückend warm dort war.
Wie mochte es sein, wenn sich zudem noch alle Schüler dort aufhielten?
Nun, heute und morgen würde das wohl kaum der Fall sein, weil viele übers Wochenende unterwegs waren oder zumindest zu ganz verschiedenen Zeiten zum Essen gingen.
Eine kleine Gruppe Hufflepuff-Mädchen betrat den Raum, beachteten sie jedoch gar nicht, und ließ sich an ihrem Tisch nieder.
Hermine hörte wie sie kicherten und kam sich plötzlich doch ein wenig blöd vor, hier so alleine an ihrem Tisch zu sitzen.
Wie aufs Stichwort kamen plötzlich Harry und Ron auf sie zu.
Beide grinsten von einem Ohr zum anderen.
„Mensch, Hermine. Da bist du ja. Wie geht es dir? Alle Flecken wieder weg?" fragte Harry begeistert.
Ron tätschelte ihr die Schulter.
„Schön dass du wieder da bist. Ich hab dir ja so viel zu erzählen..."
Harry verdrehte kurz die Augen.
„Lass mich raten....Emilie?" sagte er dann genervt.
Hermine wusste gar nicht was sie zu diesem stürmischen Empfang sagen sollte.
Also beließ sie es bei einem strahlenden Lächeln.
„Jetzt sag doch mal Hermine, wie ist das so wenn man Windpocken hat. Juckt das?"
Hermine ging in Gedanken die Gesundheitsbücher durch, die sie gelesen hatte. Sie hatte bisher noch nie wirklich Windpocken gehabt und kannte auch niemanden der sie gehabt hatte. Trotzdem glaubte sie sich zu erinnern.
„Ja, hat schrecklich gejuckt. Und Fieber hatte ich. Aber jetzt ist alles wieder o.k." Sie hoffte inständig, dass sich die beiden nicht näher mit dieser Krankheit beschäftigt hatten, sonst hätten sie es vermutlich merkwürdig gefunden, dass ihre Freundin nach so kurzer Zeit bereits wieder genesen und vor allem überhaupt nicht mehr ansteckend war.
Aber Harry und Ron freuten sich viel zu sehr, um etwas in Frage zu stellen.
„Ähm, was ist denn mit Emilie..." fragte Hermine unschuldig.
„Die beiden sind ein Paar," sagte Harry mit einem merkwürdigen Unterton.
Ron hatte diesen natürlich nicht bemerkt und begann Hermine, während des Frühstücks, in epischer Breite von ihren Treffen zu erzählen.
Er ließ auch die unangenehme Begegnung mit Snape nicht aus.
Hermine hörte interessiert zu und gab sich sehr überrascht, von dem Rüffel von Snape zu hören.
„Oje. Deine Mutter hat bestimmt einen Anfall bekommen," sagte sie zu Ron und war verwirrt als er auf einmal grinste.
„Nein, das ist ja das merkwürdige," sagte er nun leise.
„Er hat meinen Eltern nichts mitgeteilt. Wenn ich ihn richtig verstanden habe, hat er mir sogar Tipps gegeben. Er sagte so etwas wie 'ich solle es tun, aber mich bloß nicht erwischen lassen.' Stell dir das mal vor, Hermine!"
Sie glaubte ihren Ohren nicht trauen zu können.
Er hatte Ron nicht verraten.
Er hatte sich erweichen lassen.
Hermine war auf einmal unglaublich glücklich.
Ron, der natürlich dachte sie freue sich so für ihn, umarmte sie stürmisch und sagte:
„Ich bin der größte Glückspilz der Welt. Lasst uns heute zusammen etwas unternehmen. Emilie und ich treffen uns um 10.00 Uhr unten am See. Kommt doch beide auch hin."
Harry und Hermine sahen sich kurz an und nickten dann unbestimmt.
Die Hufflepuffmädchen verließen, immer noch kichernd, die Halle.
Im gleichen Moment kamen Malfoy, Crabbe und Goyle in den Speisesaal.
Sie hatten gerade noch Rons kleine Ansprache mitbekommen.
Malfoy lachte abfällig und sagte dann extrem laut zu seinen Freunden.
„Der kleine Weasley hat 'ne Freundin. Und ausgerechnet die Taylor. Mit der hat doch schon jeder...Na, da weiß der Rotschopf jetzt vielleicht endlich, was er mit seiner Morgenlatte anfangen kann, statt selbst daran herumzuspielen..."
Ron hielt mitten in der Bewegung inne. Sein Gesicht war knallrot angelaufen und ehe sich Harry und Hermine versahen, sprang er wie ein Besessener auf Malfoy zu und riss ihn zu Boden.
Harry sprang auf und war unentschlossen ob er seinem Freund dadurch half, dass er Malfoy auch verprügelte oder besser daran tat, ihn von ihm herunter zu holen und ihn damit abhielt ihn umzubringen.
Während Crabbe und Goyle mit offenen Mündern einfach nur dastanden und auf die Szene starrten, flogen Rons Fäuste immer wieder und wieder auf Malfoys Gesicht.
Erstickte Laute um Hilfe drangen aus Malfoys Mund.
Harry versuchte nun Ron festzuhalten.
„Er ist es nicht wert..." schrie er seinen Freund verzweifelt an.
Hermine zog ihren Zauberstab aus dem Umhang und überlegte welchen Zauber sie auf Ron legen konnte, ohne ihn für längere Zeit außer Gefecht zu setzen.
Sie hatte gerade den Stab auf Ron gerichtet, als ein eiserner Griff ihr den Zauberstab entwandt.
Es war Snape, der nun mit langen Schritten auf die beiden Kämpfenden zuging und mit einem Griff Ron von seinem Opfer herunterzog.
Er ließ ihn neben Malfoy auf den Boden fallen.
Ron sah ihn haßerfüllt an. Dann wanderte sein Blick zu Malfoy, den er übel zugerichtet hatte.
Blut lief aus der Nase des Slytherin und auf der Stirn war eine üble Platzwunde. Außerdem schien sein rechtes Auge langsam blau zu werden.
Ron sah auf seine Hände. An ihnen war ebenfalls Blut. Aber sie schienen unverletzt. Also war das Malfoys Blut.
Schnell wischte Ron die Hände an seinem Umhang ab.
Snape ging nun in die Hocke und sah sich seinen Schüler aus der Nähe an.
Dann drehte er sich zu Ron um, und seine Augen waren nur schmale Schlitze als er sagte:
„Sie gehen jetzt sofort zu meinem Büro und warten dort auf mich. Ich muss mich erst um Ihr Opfer kümmern, bevor ich mir eine angemessene Strafe für Ihr Fehlverhalten überlege. Es sollte mich nicht wundern, Weasley, wenn Sie dafür von der Schule fliegen..."
Ron sah immer noch wütend aus. Nun mischte sich Trotz in seine Miene.
Er drehte sich um und drängte sich zwischen Harry und Hermine durch, um die Halle zu verlassen.
Snape hatte sich wieder Malfoy zugewandt und stutzte nun.
„Sie sind tatsächlich noch in der Lage zu grinsen?" fragte er den Jungen ungläubig.
Malfoys Grinsen wurde nur noch breiter.
„Er fliegt dafür von der Schule? Na, da hab ich mich doch gern verprügeln lassen," sagte Malfoy hämisch.
Snape erhob sich und starrte auf seinen blonden Schüler hinunter.
„Nun," knirschte er dann, „ wie ich sehe geht es Ihnen nicht so schlecht wie ich dachte. Sie sind also sicher in der Lage selbst in den Krankenflügel zu gehen. Madam Pomfrey ist nicht da...ihre Vertretung wird sich um sie kümmern. Danach kommen Sie ebenfalls sofort in mein Büro. Ich werde dieser Sache auf den Grund gehen Mr. Malfoy. Sollte sich herausstellen, dass Sie eine Mitschuld an den Vorfällen trifft, werden Sie ebenfalls dafür gerade stehen!"
Mit diesen Worten drehte sich der Lehrer auf dem Absatz um und stutzte einen Moment weil Harry und Hermine immer noch im Weg herumstanden.
Sein Blick streifte Hermine eine Sekunde zu lange, um Zufall zu sein. Er ging auf sie zu und blieb ganz dicht vor ihr stehen. Ihr Herz schlug bis zum Hals. Dann hielt er ihr ihren Zauberstab vors Gesicht und knurrte:
„Seien Sie in Zukunft vorsichtig...ein Zauber, in Panik ausgesprochen, kann schnell in einer Katastrophe enden."
Schließlich drängte er sich, genau wie Ron vorhin, mitten durch Harry und Hermine hindurch und rauschte hinaus.
Malfoy erhob sich langsam und sah Crabbe und Goyle böse an.
Die beiden standen da wie belämmert und auf ein Zischen von Malfoy ergriffen sie die Flucht.
Der Slytherin stand etwas benommen vor Harry und Hermine und Blut tropfte aus seiner Nase.
Trotzdem begann er zu lächeln.
„Sagt, bye bye zu eurem Freund. Er war die längste Zeit in Hogwarts," sagte er dann und verließ langsam die Halle um zum Krankenflügel zu gehen.
Hermine ließ sich erschöpft auf der Bank nieder.
„So ein Mist," murmelte Harry.
„Warum musste er auch gleich auf ihn losgehen," sagte Hermine verzweifelt.
Harry sah sie plötzlich erstaunt an.
„Na hör mal Hermine. Stell dir mal vor, jemand sage so Dinge über dich....ich meine, die Geschichte mit der Morgenlatte war nun wirklich das Allerletzte!"
Hermine war mehr als unbehaglich zumute.
Dies gehörte eigentlich nicht unbedingt zu den Themen, die sie normalerweise mit ihren beiden männlichen Freunden erörterte.
Natürlich wusste sie über die anatomischen Zusammenhänge bescheid. Aber das war doch eher die blanke Theorie.
Auf einmal schoß es wie ein Blitz durch ihre Gedanken. Ein Bild entstand vor ihren Augen.
Ein Bild von Snape, wie er neben ihr liegt und sich aus einem, ihr unbekannten Grund weigert das Bett zu verlassen, in das er nun wirklich nicht hineingehört.
'Oh mein Gott,' dachte Hermine. 'Er wollte etwas verbergen...nämlich genau das - eine Erektion!'
Sie war völlig sicher dass es so gewesen sein musste. Nur dies ergab einen Sinn für sein völlig irrationales Verhalten. Es erklärte auch wieso er sich auf einmal so schnell angezogen hatte, nachdem sie den Raum verlassen hatte.
'Snape hatte eine Erektion. Wenn auch nicht wegen mir, so doch zumindest neben mir,' dachte sie völlig verwirrt.
Harry, der glaubte ihr sei dieses Thema einfach totpeinlich, klopfte ihr auf die Schulter und sagte:
„Ist schon in Ordnung Hermine. Ich glaube wir sollten jetzt mal nach den Stundengläsern schauen gehen, dann haben wir ungefähr eine Ahnung wie wütend Snape ist. Ich hoffe er lässt Ron nicht von der Schule schmeißen. Was glaubst du, sollten wir versuchen mit dem Professor zu reden? Schließlich wollte er den Fall ja aufgeklärt wissen - und wir sind doch Zeugen, oder was meinst du?"
Hermine war immer noch viel zu irritiert um Harry gedanklich folgen zu können.
„Ich meine was?" fragte sie lahm.
„Na, ob wir zu Snape gehen sollen?" wiederholte Harry seinen Vorschlag.
Hermine verarbeitete die Information und gab mechanisch Antwort.
„Ich - zu - Snape? Neeeiiiinnn! Ich gehe nicht zu Snape - Jetzt nicht. Kann ich nicht! Auf keinen Fall!"
Harry stutzte und sah Hermine besorgt an.
„Ist ja schon gut. Ich wusste nicht, dass du so Angst vor ihm hast. Schließlich bist du es gewesen, die neulich wegen dem Brief sogar freiwillig zu ihm gegangen ist."
„Vielleicht können wir ja später hingehen. Jetzt muss ich erst mal.....auf's Klo," schloss sie unsicher.
Harry runzelte die Stirn.
„So genau wollte ich es gar nicht wissen, Hermine. Was ist nur los mit dir? Ich glaube du bist immer noch nicht ganz gesund. Kann das sein?"
Hermine nickte erleichtert.
„Genau Harry, es geht mir gerade nicht so gut. Also, wir können uns ja in zehn Minuten vor Snapes Büro treffen, dann sehen wir ob wir etwas tun können, o.k?"
„Gut, in zehn Minuten dann. Mal sehen ob Snape uns überhaupt anhört."
Hermine eilte nun zur Toilette und war froh, dass niemand mit ihr im Raum war.
Trotzdem schloss sie sich in eine der Kabinen ein und lehnte sich mit dem Rücken gegen die Tür.
Dann rutschte sie langsam daran hinunter, bis sie fast auf dem Boden saß.
Die Hände presste sie gegen ihren Kopf um die Gedanken, die dort herumwirbelten festzuhalten.
Zehn Minuten waren einfach zu wenig. Wie sollte sie ihrem Lehrer mit diesem Wissen unter die Augen treten. Er würde es ihr ansehen. Andererseits hatte sie ja nichts verbrochen. Wenn sich hier einer schämen musste, dann er.
Da es sich um eine unwillkürliche körperliche Reaktion handelte, konnte sie ihm natürlich keine Vorwürfe machen.
Trotzdem war alles so merkwürdig und verwirrend.
Er hatte sie berührt - und sie hatte nichts auf der Welt mehr gewollt als dass er genau dies tat.
Aber er hatte ihr klipp und klar gesagt, dass sie sich von ihm fern halten solle.
Wie hätte sie das gekonnt?
Nun würde sie in wenigen Minuten vor ihm stehen, mit all ihren wirren Empfindungen.
'O.k. Hermine. Es geht hier nicht um dich, sondern um Ron. Er braucht dringend Hilfe. Snape muss erfahren wie sehr Malfoy Emilie beleidigt hat.'
Sie blickte auf ihre Uhr und entschied, dass es keinen Unterschied machte ob sie noch eine oder zwei Minuten hier länger sitzen blieb oder sofort in ihr Verderben lief.
Also raffte sie sich auf und ging mit bleiernen Schritten hinunter in das Kellergewölbe.
Kaum zu fassen dass sie noch gestern abend freiwillig mit Snape hier heruntergegangen war. Ja, sie hatte ihn sogar angelogen um noch eine Nacht bei ihm bleiben zu können. Wenn er das je herausfand würde sie sterben vor Scham.
Sie sah bereits Harry auf dem halbdunklen Gang stehen. Er wartete offensichtlich ungeduldig auf sie.
„Malfoy ist noch nicht aufgetaucht. Das ist unsere Chance. Wir erzählen Snape was vorgefallen ist damit er Malfoy gezielt befragen kann. So gut kann selbst dieser Schleimbeutel nicht lügen. Er muss einfach zugeben dass er die Attacke provoziert hat."
Hermine nickte ergeben.
Verdammt, sie war gerade wieder einigermassen gesund und schon steckte sie wieder in so einer blöden Geschichte drin.
Harry atmete tief durch und klopfte dann an die Tür zu Snapes Büro.
Als er ein barsches „Herein" vernommen hatte, öffnete er die Tür und packte Hermine am Ellenbogen, damit sie ihm ins Büro folgte.
Ron saß auf einem Stuhl vor Snapes Schreibtisch.
Er ließ den Kopf hängen als hätte er gerade die Nachricht von seiner Hinrichtung erhalten.
Offensichtlich hatte Snape ihm schon ordentlich eingeheizt, denn er wagte noch nicht einmal ein Lächeln als er seine Freunde erkannte.
Als Snapes Blick auf die beiden Schüler fiel polterte er auch sogleich los:
„Was zum Teufel machen Sie beide hier? Ich habe nicht um Ihre Meinung gebeten."
„Äh, Sir," setzte Harry an.
Als er merkte wie dünn seine Stimme klang, räusperte er sich und begann erneut.
„Wir waren Zeugen wie es zu der Prügelei gekommen ist. Ich denke Sie sollten uns anhören um sich ein vollständiges Bild machen zu können." Harry hatte all sein Selbstbewusstsein in diese Worte gelegt.
Snape verzog keine Miene.
„So, denken Sie das?" sagte er uninteressiert.
„Wir sind hier nicht vor Gericht, Mr. Potter. Wenn ich Zeugenaussagen möchte, hätte ich Sie informiert. Außerdem, glauben Sie nicht, dass in diesem Fall auch Mr. Crabbe und Mr. Goyle etwas auszusagen hätten?"
Harry war nun unsicher.
„Harry, lass doch..." meldete sich nun auf einmal der völlig eingeschüchterte Ron zu Wort.
„Aber, er muss doch erfahren was Malfoy zu dir gesagt hat. Das ist nicht fair, dir die Schuld zu geben! Ich werde mit Professor Dumbledore darüber sprechen, wenn er zurück ist," versuchte Harry nun seinen Trumpf auszuspielen.
Snape stöhnte entnervt auf.
„Also gut Mr. Potter. Da Sie so darauf beharren, werde ich mir Ihre Version anhören."
Harry bekam vor lauter Aufregung rote Flecken im Gesicht und wollte gerade mit seiner Rede ansetzen als Snape ihn unterbrach.
„Mr. Potter. Sie sind mir zu unbeherrscht. Ich habe keine Lust mir Ihre Schimpftiraden über meinen Schüler anzuhören, der noch dazu der Leidtragende ist, wie ich Sie wohl erinnern darf."
„Aber, aber...Sie haben gesagt ich dürfte erzählen was vorgefallen ist..." ereiferte sich nun Harry wieder.
Snape stöhnte abermals auf und bedeutete Harry er solle endlich still sein.
„Miss Granger wird mir die Vorfälle schildern. Sie scheint ja heute überraschend still zu sein. Vielleicht kann sie einigermaßen ruhig zur Klärung der Sachlage beitragen."
Hermines Kinnlade fiel herunter.
Verdammt, was war das bloß für ein schrecklicher Tag.
Eigentlich hatte sie Harry nur den Rücken stärken wollen.
Natürlich wollte auch sie um nichts in der Welt, dass Ron der Schule verwiesen wurde. Aber diese Entscheidung würde wohl kaum hier, in diesem Büro fallen.
Warum kam sie sich auf einmal wie die Kronzeugin vor?
Harry sah sie auffordernd an.
Sie wusste, dass sie die längste Zeit Freunde gewesen wären, wenn sie jetzt kniff.
Hermine atmete tief durch und blickte dann ihren Lehrer, der sie fest im Blick hatte, möglichst gelassen an.
„Tja, also...als wir so beim Frühstück saßen, kamen Malfoy, Crabbe und Goyle herein und machten blöde Kommentare über Emilie und Ron. Da ist dieser ausgerastet, was doch echt verständlich ist, oder finden Sie nicht? Naja, jedenfalls war Malfoy selbst schuld, er hätte das ja nicht sagen müssen..."
Hermine kam sich super blöd vor.
Snape stutzte, dann runzelte er die Stirn und sagte ironisch:
„Das war ja sehr detailiert, Miss Granger. Vielleicht hätten Sie die Güte mir mitzuteilen was genau Mr. Malfoy Beleidigendes zu Mr. Weasley gesagt hat."
Hermines gespielte Ruhe war nun plötzlich völlig dahin. Sie bekam Panik.
Was sollte sie nun tun?
Ihrem Freund in den Rücken zu fallen war sicher keine Option.
Andererseits musste sie nun die Dinge wiederholen, die Malfoy gesagt hatte. Würde sie es nicht tun, würde sich sicher der hitzköpfige Harry nicht davon abhalten lassen und dann hätte auch der ein Problem mit Snape, weil er sich nicht an dessen Anweisungen hielt.
Es half also nichts. Sie musste es tun.
„Er, er hat gesagt...tja, er sagte...also, dass Emilie schon mit jedem was gehabt hätte und..." sie stockte.
„Und was..?" fragte Snape nun unerbittlich.
Hermine schloss kurz die Augen und ratterte dann so schnell wie möglich hinunter:"dass Ron jetzt vielleicht wüsste was er mit seiner Morgenlatte anfangen könnte."
Hermine sah wie ihr Lehrer die Augen erstaunt aufriss.
Dann schluckte er und für einen Moment fehlten ihm die Worte, während sein Blick auf Hermine lag.
'Er weiß, dass ich es weiß. Er weiß, dass ich es weiß,' wiederholte sich ständig in ihren Gedanken.
Nun war es Snape, der sich räusperte. Er blickte zu Ron, der bestätigend nickte.
„Ich werde diese Ausführungen in meiner Entscheidung berücksichtigen. Sie sollten jetzt gehen." Seine Worte hatten endgültig geklungen und so machten sich beide daran, den Raum zu verlassen. Harry warf noch einen aufmunternden Blick auf Ron. Hermine dagegen versuchte möglichst niemanden im Raum anzusehen. Sie wollte einfach nur auf der Stelle sterben.
„Das hast du gut gemacht, Hermine," sagte Harry gerade zu ihr, als sie sich auf eine der Treppen sinken ließ.
Hermine gab ein gequältes Lachen von sich.
„Glaubst du das es etwas nützen wird?" fragte sie dann zweifelnd.
Harry ließ sich neben sie sinken.
„Ich weiß nicht, aber wir mussten es versuchen. Snape ist so ungerecht. Vielleicht hat er gar keine Lust in Erwägung zu ziehen, dass sein Lieblingsschüler selber Schuld hat, an dem was geschehen ist."
Hermine zuckte mit den Schultern.
Sie kannte Snape nun auch von einer anderen Seite, trotzdem war sie unsicher wie er mit der Situation umgehen würde.
Er war eben doch unberechenbar!
Als sie Schritte hinter sich hörten, drehten sie sich beide um.
Malfoy kam auf Krücken die Treppe hinunter.
Es sah sehr umständlich aus, wie er da versuchte sich auf den Gehhilfen abzustützen.
Genervt klemmte er sie sich schließlich unter den Arm und ging die Treppe ganz normal hinunter.
Harry und Hermine sahen sich vielsagend an.
„Los, aus dem Weg, ihr Pack," sagte Malfoy gehässig.
„Ich werde euren dämlichen Freund jetzt fertig machen. Seht euch bloß an, was er gemacht hat."
Damit deutete er auf seinen Kopfverband und das blaue Auge.
Hermine und Harry sagten vorsichtshalber nichts, sondern gingen an ihm vorbei nach oben.
„Komm, Hermine," sagte Harry als sie oben in der Halle standen.
„Lass uns an den See gehen und Emilie Bescheid sagen, dass Ron später kommen wird."
Hermine nickte stumm und zusammen verließen sie das Schloß.
***************
Professor Snape hatte die beiden Streithähne so weit wie möglich auseinandergesetzt.
Er betrachtete sie abschätzend.
Wenn er nun den Raum verließe, wer würde dann wohl auf wen als erstes losgehen?
Hm, er könnte dies natürlich testen und hätte dann vermutlich den Initiator dieses Streits ausfindig gemacht, aber diese Methode war zu ungewiss.
Weasley und Malfoy schickten einander giftige Blicke.
„Mr. Malfoy, erzählen Sie mir, was genau sich im Speisesaal zugetragen hat, nachdem Sie ihn mit ihren Freunden betreten hatten."
Draco grinste hämisch Ron an und begann mit leidender Stimme zu erzählen:
„Also wir gingen in den Saal und wollten uns an unseren Tisch setzen, als plötzlich Weasley anfängt mich zu beschimpfen. Er glaubt wohl, er könne sich alles erlauben, weil er jetzt ja so ein toller Hecht ist und dieses Flittchen abgeschleppt hat."
„Mr. Malfoy, ich möchte hier keine unflätigen Ausdrücke über andere Schüler hören, ist das klar?"
Draco senkte den Kopf und seine Hand nestelte gespielt an seinem Verband, offensichtlich um seinen Lehrer wieder auf seine Verletzung aufmerksam zu machen.
„Ja, und als ich ihm sagte, er solle mich gefälligst in Ruhe lassen, ging er einfach so auf mich los. Sie können ja Crabbe und Goyle fragen, die werden das bestätigen."
Snape sagte: „Ja, davon bin ich überzeugt."
Malfoy grinste siegessicher zu Ron hinüber.
„Allerdings..." fuhr Snape dann fort, „bin ich mir nicht so sicher, dass Sie die Wahrheit sagen.
Eigentlich hätte ich gut Lust diesen Streit im Duellierclub auszutragen.
Dann könnten Sie beide sich ein paarmal gegenseitig zu Boden schicken und die Sache hinterher beilegen.
Aber so einfach ist der Fall nicht.
Da Sie, Mr. Weasley, Mr. Malfoy bereits tätlich angegriffen haben. Zudem haben Sie ihn ernsthaft verletzt, daher ist diese Sache nicht einfach so beizulegen.
Ich werde einen Bericht darüber verfassen müssen. Also habe ich folgendes entschieden..."
Ron und Draco sahen nun gleichermaßen gespannt aus.
„Sie werden vor Zeugen Ihre Gedanken, die sie vor der Prügelei hatten in das Denkarium legen. Die Anwesenden werden diese Gedanken selbst erleben und dann wird der Schuldige wohl feststehen. Die Strafe wird dann erst festgelegt werden. Als Zeugen werden Ihre Freunde anwesend sein, die auch schon im Speisesaal dabei waren, und ich natürlich. Außerdem kommt Professor McGonagall hinzu, da diese Sache ja auch ihr Haus betrifft. Ich denke das sollte reichen. Noch irgendwelche Fragen?"
Ron schüttelte den Kopf.
Malfoy riss den Mund auf und wollte losbrüllen. Dann überlegte er es sich offenbar anders und sagte mit leiser Stimme:
„Ich möchte das nicht, Sir. Es hat mich echt verletzt, was Weasley da zu mir gesagt hat. Ich möchte nicht, dass jeder erfährt wie sehr mich das mitgenommen hat."
Snape zog die Augenbrauen zusammen. Er hatte das deutliche Gefühl, dass hier etwas nicht stimmte.
Ihn überkam eine dunkle Vorahnung.
Hoffentlich würde dieser verfluchte Malfoy sein Haus nicht in Schande stürzen.
„Ich habe entschieden, Mr. Malfoy. Sollte es so sein wie Sie sagen, wird niemand je wieder darüber sprechen. Während die Hauselfen die Zeugen holen, werden Sie beide hier sitzen bleiben und sich nicht von der Stelle rühren."
Es dauerte nicht lange und alle Zeugen waren zugegen.
Harry und Hermine waren gar nicht mal so überrascht gewesen, als sie in den Kerker gerufen wurden - ganz im Gegensatz zu ihrer Hauslehrerin, die offensichtlich gar nicht wusste wie ihr geschah.
Professor McGonagall sah dann auch sehr unpassend aus. Sie trug ein schickes Kostüm, das noch keiner ihrer Schüler je zu Gesicht bekommen hatte. Über ihrer Schulter hing eine Handtasche die farblich exakt zu dem Kostüm passte.
Snape sah sie belustigt an.
„Habe ich Sie bei etwas Wichtigem gestört?" fragte er dann gespielt rücksichtvoll.
Die Gryffindorlehrerin verzog den Mund zu einem spöttischen Lächeln.
„Ich glaube zwar nicht, dass es Sie besonders interessiert, aber ja - Sie haben in der Tat gestört. Ich war gerade auf dem Weg nach London."
„Das tut mir leid," beteuerte der Zaubertranklehrer ironisch.
„Wir können das hier auch ohne Sie durchführen, wenn Sie mir, als unparteiischem Zeugen vertrauen wollen."
McGonagall lächelte falsch.
„Nein, nein. Ich kann mein Treffen in London durchaus verschieben. Schließlich bin ich Hauslehrerin und werde mir nicht entgehen lassen, wie Sie hier die Beweisführung vornehmen."
Snape nickte zustimmend.
„Also, dann kann es losgehen. Mr. Malfoy, Mr. Weasley, kommen Sie bitte zu mir an den Tisch."
Beide taten, wie ihnen geheißen.
Snape nahm seinen Zauberstab und fuhr damit erst an die Stirn des einen Schülers und legte dessen Gedanken in das Denkarium, schließlich führte er das gleiche Verfahren bei dem andern Schüler durch.
„Ladies first..." murmelte er dann.
„Wir werden uns zuerst die Gedanken Ihres Schülers ansehen, Minerva."
Alle sahen gebannt in das Denkarium.
Nach einer gewissen Desorientierung sahen sie plötzlich das Geschehene mit den Augen von Ron Weasley.
Zudem hörten sie jedoch seine Gedanken.
Sie sahen wie Malfoy mit seinen Freunden den Raum betrat während Ron einfach glücklich war, dass er so tolle Freunde hatte. Als er von Emilie sprach wurden seine Gedanken ein wenig wirr. Völlig normal bei Verliebten, wie sowohl Professor McGonagall, als auch Professor Snape wussten.
Doch als Malfoy und die anderen den Raum betraten veränderten sich Rons Gedanken heftig.
Er dachte:
„Der Tag fing so gut an, und jetzt muss ausgerechnet dieses Arschloch hier auftauchen. Von dem lass ich mich nie wieder fertig machen. Eher schlag ich ihm die Fresse ein..."
Professor McGonagall sah ihren Kollegen ein wenig betreten an und blickte dann tadelnd auf Ron.
Dieser war verlegen, zuckte aber trotzdem nur mit den Schultern. Schließlich hatte er genau das gedacht. Daran gab es nichts zu rütteln.
Dann, wenig später hörte man Ron wilde Schimpfwörter brüllen und sein einziger Gedanke galt daran, seinen Gegner zu Brei zu schlagen.
'Nicht gut für die Beweisführung,' dachte Hermine niedergeschlagen.
McGonagall räusperte sich, als sie wieder aus dem Denkarium aufgetaucht waren.
„Nun, dass er Mr. Malfoy verprügelt hat, war uns ja nun schon bekannt. Aber die Frage, wer den Streit angefangen hat, ist durch seine Gedanken nicht geklärt worden."
„Ja, Sie haben recht. Sehen wir uns nun Mr. Malfoys Gedanken an," erwiderte Snape kühl.
Abermals tauchten alle hinab, um die Gedanken eines anderen Menschen zu erforschen.
Sie sahen nun mit den Augen von Malfoy, wie er den Raum betrat. Neben ihm gingen seine Freunde.
Als sein Blick auf die Schüler am Gryffindortisch fiel, dachte er:
„Diese verdammten Kotzbrocken. Die Granger scheint auch wieder gesund zu sein. Schade, dass sie nicht verreckt ist. Oh, Scheiße, Weasley ist natürlich auch dabei. Der Blödmann hat schon eine Freundin und dann noch ausgerechnet Emilie, auf die ich es eigentlich abgesehen hatte. Wenn Crabbe und Goyle das wüssten, würden sie sich über mich totlachen. Ich muss sie davon überzeugen, dass Emilie eine Schlampe ist..."
„Ich glaube das reicht," sagte Snape und unterbrach die Verbindung zu dem Denkarium.
Alle sahen Malfoy erbost an.
Dieser wandt sich unter dem Blick der Zeugen.
„Das stimmt so gar nicht..." versuchte er sich zu verteidigen.
Snape schnitt ihm mit einer herrischen Bewegung das Wort ab.
„Mr. Malfoy, schweigen Sie. Das waren Ihre Gedanken, die wir dort sahen. Leugnen ist in diesem Fall völlig zwecklos. Bringen Sie nicht noch mehr Schande über unser Haus, als sie es ohnehin schon getan haben."
Draco war bestürzt die Rückenstärkung seines Lehrers verloren zu haben.
„Aber Sir, er hat mich geschlagen, nicht ich ihn. Das ist doch ebenfalls belegt."
Der Lehrer wurde nun unerbittlich.
„Für Ihr Verhalten haben Sie in der Tat eine Tracht Prügel verdient. Seien Sie froh, dass Mr. Weasley das schon übernommen hat, ansonsten hätte ich..."
„Severus! Sie vergessen sich!" schaltete sich Professor McGonagall schnell ein.
„Ich schlage vor, wir beruhigen uns erst einmal alle und überlassen die Bestrafung Professor Dumbledore. Sobald er wieder da ist, möchte er sicher über die Vorfälle hier unterrichtet werden. Es ist an ihm, eine angemessene Entscheidung zu treffen. Außerdem muss ich zugeben, dass es nicht richtig von Mr. Weasley war, körperliche Gewalt anzuwenden - egal was Mr. Malfoy auch immer zu ihm gesagt hat. Oder sehen Sie das anders, Severus?"
Snape atmete tief durch. Der Schock, von seinem Lieblingsschüler derart vorgeführt worden zu sein stand ihm immer noch ins Gesicht geschrieben.
„Natürlich haben Sie vollkommen recht, Minerva. Diese Versammlung ist beendet. Ich denke es ist selbstverständlich, dass alles was hier gesehen und gesprochen wurde vorerst unter uns bleibt."
Sein Blick galt den Gryffindors, aber auch Crabbe und Goyle, die für ihre Geschwätzigkeit bekannt waren.
Alle murmelten Zustimmung.
„Gut, das wäre soweit geklärt. Ich werde mich dann mal auf den Weg nach London machen. Auf Wiedersehen Severus."
Professor McGonagall verschwand durch die Tür.
Snape war äußerst gereizt als er zischte: "Was wollen Sie alle noch hier? Verschwinden Sie endlich!"
Die Schüler flohen aus seinem Büro.
Alle, bis auf Hermine.
Ihr Lehrer tat ihr unendlich Leid.
Er sah aus den Augenwinkeln dass sie noch dort stand und fragte genervt: „Was gibt es denn noch? Möchten Sie hören, dass Sie recht hatten?"
Hermine lächelte.
„Nein," sagte sie dann.
„Das war mir im vorhinein klar. Ron muss schon einen guten Grund haben um so auszurasten. Aber das ist nicht Ihre Schuld...ich meine, das mit Malfoy."
Snape lächelte freudlos.
„Ich habe ihm vielleicht nicht die Worte eingeflüstert, aber für seine Ansichten bin ich sicher mitverantwortlich. Schließlich bin ich sein Hauslehrer."
Er rieb sich die Stirn.
„Ach verdammt. Es hat schon einen Grund, warum ein Mensch wie ich keine eigenen Kinder hat. Wie konnte ich mich nur jemals bereit erklären Hauslehrer zu werden."
Hermine stutzte.
„Ein Mensch wie Sie?" fragte sie vorsichtig nach. Sie musste daran denken wie sie vor ein paar Tagen zu ihm gesagt hatte, dass sie sich wunderte, dass ein Mensch wie er überhaupt lachen konnte. Er war über diese Bemerkung äußerst erbost gewesen. Nun wiederholte er sie - wenn auch in anderem Zusammenhang.
Er machte eine wegwerfende Handbewegung.
„Gehen Sie!" sagte er dann.
„Nein!" erwiderte sie bestimmt.
Er sah sie völlig schockiert an.
„Sie wagen es..?" sagte er erbost.
Hermine verschränkte die Arme vor der Brust.
„Sie können mich ja rauswerfen, aber freiwillig gehe ich nicht!"
Ihre Stimme hatte nie entschlossener geklungen.
Er sah sie irritiert an.
Für einen Moment sah es so aus, als würde er nachgeben, aber plötzlich schoss er an ihr vorbei und sagte: „Gut, wenn Sie bleiben wollen, dann bleiben Sie. Dann werde ich eben gehen."
Mit diesen Worten war er schon fast an der Tür.
Hermine wirbelte herum und ohne nachzudenken lief sie ebenfalls zur Tür, wandt sich an ihrem Lehrer vorbei und versperrte ihm den Weg.
Ohne sie anzufassen konnte er nun nicht mehr an die Türklinke gelangen.
„Sie müssen mit mir reden," sagte Hermine flehend.
„Lassen Sie mich gehen...SOFORT!" brüllte er nun.
Hermine schüttelte stumm den Kopf.
Mit wutverzerrtem Gesicht stand er vor ihr.
Seine Augen funkelten sie an.
Plötzlich griff er mit einer Hand nach ihrem Haar und krallte sich hinein.
Hermine hatte keine Ahnung was passieren würde.
Sie hatte Angst vor ihm, aber sie spürte auf eine erregende Art, dass er ebenfalls Angst vor ihr hatte.
Er konnte mit ihrer Reaktion nicht umgehen.
Doch plötzlich geschah alles ganz schnell.
Er beugte sich zu ihr hinab.
Die Hand immer noch in ihrem Haar, zog er ihren Kopf nach hinten und damit ihr Gesicht zu sich hinauf. Dann presste er seine Lippen auf ihren Mund.
Hermine handelte instinktiv.
Sie wollte ihn spüren.
Sie wollte ihn schmecken.
Seine Zunge drang in ihren Mund und sie presste ihren ganzen Körper gegen seinen.
Vor Wohligkeit schaudernd stellte sie fest, dass er eindeutig erregt war.
Doch als sich dies gerade in ihrem Geist manifestierte, schob er sie von sich und nutzte ihre Verwirrung um die Tür zu öffnen.
„Sie halten sich ab sofort von mir fern, Miss Granger. Das ist mein ernst!"
Damit schoss er hinaus in den Flur und ließ sie allein in seinem Büro zurück.
Kapitel 11
Es muss Herzen geben,
welche die Tiefe unseres Wesens kennen und auf uns schwören, selbst wenn die
ganze Welt uns verlässt
Hermine war völlig verwirrt als sie zum See ging, wo sie ihre Freunde vermutete.
Als sie sich zu ihnen auf die Decke setzte, bemerkte sie, wie diese für einen Moment verstummten, ganz so, als hätten sie über sie geredet und wären von ihr gestört worden.
'Na toll,' dachte Hermine. 'Jetzt ist es schon so weit, dass die anderen über mich reden. Was ist bloß los mit mir? Professor Snape hat mich geküsst. Das kann gar nicht wahr sein. Bestimmt wache ich gleich auf und stelle fest, dass alles nur ein Traum war. Ich habe ihn natürlich ziemlich provoziert und sein Kuss kam ja auch irgendwie aus dem Affekt. Aber dennoch - es war ein Kuss!'
„Was hast du denn noch bei Snape gewollt?" fragte Harry in ihre Gedanken hinein.
Hermine zuckte zusammen, so weit weg war sie gewesen.
„Ich, äh...ich wollte das Unterrichtsmaterial der letzten Tage. Da ich ja krank war habe ich eine Menge aufzuarbeiten."
Keiner schien an der Aufrichtigkeit dieser Worte zu zweifeln.
Hermine seufzte in Gedanken auf.
Sie würde eben für die anderen immer eine Streberin bleiben.
Den restlichen Tag verbrachten sie am See. Hermine bemerkte, dass jedesmal wenn sie sich ein wenig von der Gruppe entfernte, die anderen anfingen aufgeregt zu tuscheln.
Ob sie doch etwas ahnten?
Hermine fühlte sich wie eine Außenseiterin.
Als die anderen von der Geschichte zwischen Ron und Malfoy sprachen, schwieg Hermine.
Harry ließ ein paar unschöne Bemerkungen über Snape los, der seiner Meinung nach ruhig ein wenig zu Kreuze kriechen könnte und machte Witze darüber, dass jetzt eigentlich Malfoy von der Schule fliegen müsste.
„Am besten wäre es, wenn Snape gleich mitrausgeschmissen wird. Dann wären wir zwei Ekel auf einmal los."
Hermine hatte bisher den Mund gehalten, aber nun brach es einfach aus ihr heraus:
„Was willst du eigentlich Harry? Professor Snape hat doch dafür gesorgt, dass der Fall aufgeklärt wird. Er hat Malfoy sogar Prügel angedroht."
Harry stand für einen Moment der Mund offen.
Dann kniff er die Augen zusammen und sah Hermine abschätzend an.
„Er hätte sich bei Ron entschuldigen können," sagte er dann langsam.
Hermine zuckte mit den Schultern.
„Naja, immerhin hat Ron Malfoy geschlagen."
„Hermine," sagte Harry nun eindringlich,
„ich weiß nicht was mit dir los ist, aber fällt dir eigentlich gar nicht auf, dass du Snape in letzter Zeit ständig verteidigst?"
Hermine stockte der Atem.
„Ich verteidige ihn ja gar nicht. Ich sag doch bloß wie es ist. Professor Dumbledore wird entscheiden was weiter geschieht - und ihr habt wohl vergessen, dass wir eigentlich gar nicht mehr über die Sache sprechen sollen."
Mit diesen Worten erhob sie sich und murmelte:
„Ich geh zurück zum Schloß, mir ist zu heiß."
Als sie außer Sichtweite war sagte Ron:
„Na toll. Wir wollen sie doch mit der Feier überraschen, statt dessen verärgerst du sie mit blöden Bemerkungen," er sah verärgert zu Harry.
Dieser verdrehte die Augen.
„Weisst du Ron, irgendwie gehst du mir mit deiner rosaroten Brille langsam auf die Nerven. Siehst du nicht das hier irgendetwas merkwürdiges vor sich geht? Hermine ist so seltsam. Aber vielleicht wird sich das ja bald ändern..." sagte er dann geheimnisvoll.
Ron stutzte, aber Harry tat bereits so, als habe er nichts gesagt und so ließ es auch Ron dabei bewenden.
Emilie, die dem Gespräch schweigend gelauscht hatte, nahm Rons Hand und sagte,
„Komm wir gehen ins Wasser. Für die Party können wir auch morgen noch alles besprechen."
Wenig später beobachtete Harry wie die beiden laut lachend im Wasser herumtobten.
In Harrys Kopf entwickelte sich ein Plan.
Hermine würde am Dienstag in mehr als nur einer Hinsicht überrascht sein.
Gegen Abend zogen gewaltige Wolken auf.
Als die Dämmerung einsetzte brach das erste Gewitter los.
Blitze zuckten über den bleiernen Himmel und warfen gespenstische Schatten.
Die Donnerschläge waren so heftig, dass man das Gefühl hatte, selbst das riesige Schloß könne in seinen Grundfesten erschüttert werden.
Hermine hatte den Rest des Tages in der Bibliothek verbracht.
Hätte sie jemand beobachtet, so wäre ihm sicher aufgefallen, dass sie immer über derselben Seite saß.
Sie hatte über so vieles nachzudenken.
Als sie die Bibliothek Stunden später verlassen hatte, hatte sie einen Entschluß gefasst.
Er war nicht sehr spektakulär. Eher eine Notwendigkeit.
Sie würde sich bemühen zu ihrem alten Leben zurückzukehren. Die Dinge, die in den letzten paar Tagen geschehen waren, wollte sie vergessen. Sie wollte ihn vergessen.
'Leichter gesagt als getan,' dachte sie bitter.
'Schließlich sehe ich ihn ständig. Beim Essen, auf den Fluren, und natürlich im Unterricht.'
Hermine seufzte.
'Ja, aber er braucht mich nicht zu interessieren.'
Nun, als die Blitze alles in ein unheimliches Licht tauchten, schlich sie hinunter zu den Kerkern.
Sie betete ein Mantra vor sich hin: 'Er ist mein Lehrer - und mehr nicht!'
Als sie an seiner Tür angekommen war, kramte sie in ihrer Tasche nach dem Schlüssel.
Gerade als sie ihn herausgefischt hatte, öffnete sich die Tür schwungvoll, zeitgleich mit einem gewaltigen Donnerschlag des Gewitters.
Hermine kreischte auf und ließ vor Schreck den Schlüssel fallen.
Vor ihr stand Snape. Er war dunkel gekleidet und in seinem Gesicht konnte sie lesen, dass er ebenso erschrocken war wie sie.
Sie hatte das Gefühl, ihr Herz habe vergessen wie es schlagen müsse.
„Verzeihung," stammelte sie , „ich wollte gerade...äh, müssen Sie noch weg?"
Hermine bückte sich nach dem Schlüssel.
Eigentlich eine gute Idee, wenn er nicht gerade in diesem Moment dieselbe gehabt hätte.
Sie stießen mit dem Kopf zusammen.
Hermine gab wiederum einen erschrocken Laut von sich.
Dieses Gefühl war eindeutig nicht so angenehm wie der Kuss mit ihm.
Aber es war schon wieder eine Art von Körperkontakt.
Sie sah ihn gespannt an.
Er hatte sich durch den kleinen Zwischenfall nicht beirren lassen und hielt nun den Schlüssel in den Händen.
„Ich hatte gehofft Sie abzufangen," sagte er dann ruhig.
„Es hat sich überraschend ergeben, dass ich heute abend in der Tat noch weg muss. Sie brauchen sich also erst morgen abend wieder um diese Angelegenheit zu kümmern..." mit diesen Worten reichte er ihr den Schlüssel.
Hermine nahm ihn automatisch entgegen.
Ihre Gedanken überschlugen sich.
'Oh mein Gott. Voldemort muss ihn gerufen haben.'
„Aber es ist noch zu früh..." sagte sie dann völlig unpassend.
Snape schien sie dennoch verstanden zu haben.
Er grinste freudlos.
„Ich denke, dem Lord gefällt das Ambiente heute besonders gut."
Hermine musste schlucken.
Am liebsten hätte sie ihn zurück in seinen Kerker gestoßen und schnell die Tür verriegelt, um ihn von dem abzuhalten was er vor hatte.
Snape schien ihre Gedanken gelesen zu haben.
Er sah sie abschätzend an.
„Ich muss jetzt gehen," sagte er mit rauer Stimme.
Dann ging er an ihr vorbei.
Hermine drehte sich zu ihm um.
Sie war völlig verzweifelt.
Sie wollte ihn nicht gehen lassen.
Aber nichts hätte ihn daran hindern können. Nichts hätte ihn daran hindern dürfen.
„Professor," rief sie ihm nach.
Er blieb stehen, aber es dauerte einen Moment bis er sich umsah.
Sie blickte ihn an und wusste, dass er die Tränen in ihren Augen sehen konnte.
„Aber...es regnet," sagte sie dann lahm.
Er sah nicht einmal erstaunt aus, obwohl sie solch einen Schwachsinn von sich gab.
Normalerweise hätte er für solch einen blöden Kommentar massenhaft Punkte abgezogen.
Jetzt jedoch nickte er nur, drehte sich um und eilte dann endgültig davon.
Hermine stand vor dem Kerker, den Schlüssel in der Hand.
Sie überlegte was sie nun tun sollte.
Ein Teil von ihr wollte hineingehen und auf ihn warten.
Aber hatte sich nicht gerade die rational denkende Hermine wieder ihr Recht erkämpft?
Ja, genau. Sie würde sich nicht weiter um ihn kümmern.
Das ging sie doch alles nichts an.
Also schlich sie wieder hinauf in ihren Turm und legte sich leise in ihr Bett.
Der Schlafsaal war fast leer.
Nur Ginny und Alexa lagen in ihren Betten und schienen, trotz des tosenden Unwetters tatsächlich schon zu schlafen.
Hermine seufzte.
Sie drehte sich von einer Seite zur anderen.
'Nur nicht nachdenken. Über gar nichts nachdenken,' dachte sie immer wieder.
Gegen Mitternacht fiel sie in unruhigen Schlaf.
Wirre Traumbilder schossen durch ihren Kopf.
Doch ein Bild brannte sich in ihr Bewußtsein - mit solcher Macht, dass sie im ersten Moment wusste - dies gehörte nicht zum Traum.
Sie fuhr hoch und saß nun aufrecht im Bett.
'Ein Blitz?' fragte sie sich selbst.
'Nein, das war kein Blitz. Das war der Drache!'
Es gab keinerlei Zweifel.
Sie hatte Snapes Drachen gesehen.
Er brauchte also Hilfe.
In Windeseile hatte sie sich angezogen und war in ihre Schuhe geschlüpft.
Sie versuchte so wenig Lärm wie möglich zu machen, als sie aus dem Turm schlich.
Die 'Fette Dame' schnarchte vor sich hin, und Hermine hatte keine Probleme unbemerkt an ihr vorbei zu kommen.
Leise schlich sie die Stufen hinunter.
Als sie vor der Kerkertür angekommen war, fand sie sie verschlossen.
Sie überlegte, was zu tun sei, als sie schlurfende Schritte hörte.
'Oh, verdammt, das muss Filch sein,' schoss es ihr durch den Kopf.
Sie wollte gerade nach einem Versteck Ausschau halten, als sie ein gequältes Stöhnen vernahm.
Ein Gedanke manifestierte sich und sie musste Gewissheit haben.
Sie fasste sich ein Herz und schlich zurück zur Treppe, um zu sehen wer dort kam.
Im Halbdunkel konnte sie ihren Zaubertranklehrer erkennen.
Er lehnte an der Wand und hielt sich mit einer Hand den Bauch. Der andere Arm war seltsam abgewinkelt.
Mit langsamen Bewegungen ließ er einen Fuß auf die nächste Stufe fallen.
Dann verlagerte er sein Gewicht und der nächste Fuß war an der Reihe.
Hermine stand da wie hypnotisiert.
Dann löste sich ihre Starre und sie eilte zu ihm.
Trotz der offensichtlichen Schmerzen brachte er einen tadelnden Gesichtsausdruck zu stande.
„Was machen Sie denn schon wieder hier?" versuchte er seinen gewohnt abweisenden Tonfall zu finden.
Hermine war verwirrt.
„Sie haben mich doch gerufen," versuchte sie sich zu verteidigen.
Snape schwieg - er sah sie nur überrascht an.
„Kommen Sie, ich helfe Ihnen," sagte Hermine und bot sich als Stütze an.
Im selben Moment kam ihr der Verdacht, dass sie unmöglich in der Lage sein würde ihn zu halten.
Der Professor lehnte dann auch ab und schaffte es mit viel Mühe in sein Quartier.
Dort angekommen legte er sich auf die Couch, auf der zu Hermines großem Erstaunen immer noch sein Bettzeug lag.
„Was ist mit Ihnen geschehen," fragte sie vorsichtig.
Er winkte ab.
„Gehen Sie wieder in Ihren Turm. Ich brauche Sie nicht," sagte er verärgert.
Hermine schnaubte wütend.
„Warum haben Sie mich gerufen, wenn Sie mich gar nicht brauchen?"
Er schwieg, und Hermine hatte nicht den Eindruck dass er etwas erwidern würde.
Umso erstaunter war sie, als sie seine leise Stimme vernahm.
„Das war wohl unterbewusst. Ich wollte Sie nicht rufen, aber als...nun, ja, es tat ziemlich weh...und da habe ich mich wohl vergessen," sagte er entschuldigend.
Hermine war sprachlos.
Ohne weitere Zeit zu verlieren entzündete sie die Kerzen im Raum und ging dann zielstrebig zu ihrem Lehrer.
Sie sah ihm nicht in die Augen, aus Angst er könne Sie mit seinem Blick von sich stoßen.
Mit wenigen gezielten Handgriffen hatte sie seinen Umhang zur Seite geschoben und das Hemd darunter geöffnet.
Seine Hand hatte nach ihrer gegriffen und sie hatte bemerkt dass sie blutverschmiert war.
Doch sie hatte sie mühelos abschütteln können und sah nun, dass sein Bauch ebenfalls blutverschmiert war.
Ein langer Schnitt zog sich quer über den Nabel.
Blut quoll immer noch aus der Wunde.
Sie wusste, dass er bestimmt Mittel in seinem Kerker hatte, die für eine schnelle Heilung geeignet waren. Da sie jedoch keine Ahnung davon hatte, wollte sie nichts falsch machen und entschied sich einen Druckverband anzulegen.
Sie musste mit Tüchern vorlieb nehmen, da der Zaubertrankmeister natürlich nicht über einen Verbandskasten verfügte.
„Was ist mit Ihrem Arm," fragte sie, während sie ein Handtuch in kleine Streifen riss.
„Gebrochen," erwiderte er knapp.
Hermine stockte: „Sie müssen auf die Krankenstation," sagte sie dann entschieden.
„Nein!" blaffte er sie an.
„Aber, ich kann Ihnen nicht helfen. Das muss sich jemand ansehen, der sich auskennt."
Sie bekam langsam Panik.
Das war einfach zu viel für sie.
Er versuchte seine Atmung unter Kontrolle zu bekommen.
Dann sagte er so normal wie möglich:
„Ich habe das gleiche Serum um Knochen wieder zusammenwachsen zu lassen, wie Madam Pomfrey. Meines ist sogar schneller wirksam."
Hermine nickte bedächtig mit dem Kopf.
„Aha, und welche Nebenwirkungen hat es?"
Snape lachte kurz auf, dann sagte er:
„Sie kennen mich inzwischen viel zu gut, wissen Sie das?"
Hermine versuchte sich nicht anmerken zu lassen wie stolz sie diese Worte machten.
„Also?" fragte sie statt dessen fordernd.
Er verdrehte kurz die Augen.
„Also gut, es verursacht Übelkeit."
„Na toll, dann viel Spaß," murmelte Hermine.
„Wo ist das Zeug?" fragte sie dann.
„In der grünen Flasche, unter dem Barschrank. Und wenn Sie schon mal dabei sind, in dem Barschrank ist eine Flasche Whiskey, bringen Sie die auch gleich mit."
Hermine schüttelte den Kopf.
„Ach, sind Sie etwa der Meinung, wenn Ihnen eh schon schlecht wird, können Sie sich auch gleich betrinken?"
„Das geht Sie gar nichts an!" blaffte er.
„Nein, Sie haben Recht. Seien wir doch mal ehrlich Herr Professor, mich geht hier gar nichts etwas an! Nicht dass diese Scheiß-Todesser Sie fast umgebracht hätten, nicht dass Sie hilflos wie Kafkas Käfer in der Gegend rumliegen und natürlich auch nicht, dass Ihre Klamotten klatschnass sind und das vollenden werden, was die Todesser begonnen haben!"
Sie hatte ihn angeschrien und Tränen der Wut standen in ihren Augen.
Er sah sie verbissen an. Plötzlich lachte er, sofort darauf trat aber wieder Schmerz in seine Augen und er hielt sich den Bauch.
„O.K. Sie haben schon recht mich anzuschreien. Also bitte...nur die grüne Flasche. Und, Miss Granger...es wäre sehr schön, wenn Sie mir beim Umziehen helfen könnten."
Hermine schluckte.
Es erwies sich als eine der schwierigsten Aufgaben, die Hermine bisher zu bewältigen hatte.
Sie bemühte sich, ihn möglichst nicht anzusehen, oder zumindest möglichst emotional unbeteiligt zu bleiben.
Schließlich war dies kein sonderlich romantischer Moment. Dies wurde ihr allzu bewusst, als er gequält aufstöhnte während sie ihm aus dem Hemd half.
Sie sahen beide auf seinen Arm, der obere Knochen war eindeutig gebrochen.
„Bevor ich das Serum nehmen kann, muss der Knochen gerichtet werden," sagte Snape sachlich.
Hermine fuhr sich nervös durch die Haare.
„Also doch in den Krankenflügel," sagte sie bedächtig.
Er schüttelte stumm den Kopf.
„Ich werde es alleine machen...am besten Sie sehen weg," sagte er dann.
Nun war es Hermine, die den Kopf schüttelte.
„Ich helfe Ihnen - ich werde es zumindest versuchen, o.k?"
Er nickte, dann hielt er ihr so gut es ging den Arm hin.
Sie griff vorsichtig danach.
Dann ließ sie ihn unverrichteter Dinge langsam wieder neben Snape sinken.
„Moment..." murmelte sie.
Sie stand auf, ging zum Barschrank und holte die Whiskeyflasche.
Noch bevor sie wieder bei ihm angekommen war, hatte sie die Flasche geöffnet und zwei kräftige Schlucke genommen.
Dann hielt sie ihm die Flasche hin.
Er sah sie erstaunt an, griff danach und trank ebenfalls einige Schlucke, bevor er sie wegstellte und erneut auf den Arm deutete.
Hermine murmelte ein schnelles Gebet, dann packte sie kräfig an beide Bruchstellenenden und schob die Knochen zusammen.
Ihr Lehrer gab keinen Laut von sich.
Hermine sah ihn erstaunt an, dann bemerkte sie, wie sich sein Gewicht verlagerte und er kippte einfach um.
Sie konnte im letzten Moment verhindern, dass er hart auf den Boden aufschlug.
Hermine kontrollierte seine Atmung und bettete seinen Kopf auf ein Kissen.
Sie war selbst einer Ohnmacht nahe.
Das war einfach alles zu viel.
Ihre Hände fingen an zu zittern und ein Schluchzen entrang sich ihrer Kehle.
Plötzlich konnte sie mit Schluchzen gar nicht mehr aufhören.
Die Tränen liefen ihr ungebremst die Wangen hinunter.
Sie griff abermals nach der Flasche und trank gierig den Whiskey, der wenigstens etwas Wärme und Trost versprach.
Als sie sich fühlte als sei sie in Watte gewickelt, stellte sie die Flasche wieder in den Barschrank und ging zurück zu ihrem 'Patienten'.
Seine Ohnmacht schien Schlaf gewichen zu sein, denn er schnarchte leise vor sich hin.
Kurzerhand griff sie nach der Bettdecke.
Sie wusste, dass sie ohnehin keine Chance hatte ihn auf die Couch zu heben, also ließ sie sich neben ihn auf den Boden sinken, kuschelte sich dicht an ihn und deckte sie beide zu.
Der Whiskey hatte sie seltsam gleichgültig gemacht.
Es schien ihr ganz natürlich sich neben ihn zu legen.
Es fühlte sich schließlich gut an, also was sollte schon falsch daran sein.
Mit diesen Gedanken schlief sie ebenfalls ein.
Als Hermine am nächsten morgen erwachte war das erste was sie wahrnahm ein dumpfer Schmerz in ihrem Kopf.
Ihre Lider schienen tonnenschwer und sie konnte sie nur mit Mühe öffnen.
Jeder Knochen in ihrem Körper schmerzte.
Sie stützte sich auf ihre Hände und erhob sich mühsam.
Der Boden, obwohl durch einen dicken Teppich gepolstert, schien kein allzu gesunder Schlafplatz zu sein.
Ein angenehmer Duft stieg ihr in die Nase.
Hermine sah sich um und entdeckte dass Snape bereits aufgestanden war.
Er hielt ihr eine Tasse hin.
„Ich hab Ihnen einen starken Kaffee besorgt. Trinken Sie ihn aus."
Hermine griff nach der Tasse und ließ sich auf die Couch sinken.
Sie nippte an dem heißen Gebräu.
„Schmeckt komisch," stellte sie dann fest.
Er sah sie kritisch an.
„Ich hab etwas gegen Kopfschmerzen reingetan. Dachte Sie könnten das brauchen."
Hermine ging es viel zu schlecht um peinlich berührt zu sein.
Aber sie wusste dass dies eine blöde Situation war.
Schließlich hätte sie ihm helfen sollen und nicht umgekehrt.
Sie nippte nocheinmal und murmelte: „Danke."
„Was macht Ihr Arm?" fragte sie als sie sich ein wenig besser fühlte.
„Ich habe mir das gleiche Schmerzmittel verabreicht," sagte er mit gequältem Lächeln.
Hermine nickte.
„Das hätten Sie sofort tun sollen," sagte sie tadelnd.
Er nickte stumm.
„Warum taten Sie es dann nicht?" fragte sie nun fordernd.
Er sah zerknirscht aus.
„Es hat eine tödliche Wirkung zusammen mit dem Mittel gegen die Droge. Ich musste erst ein paar Stunden warten, um es einnehmen zu können."
„Was ist mit dem Mittel das den Knochen heilen lässt? Haben Sie es schon genommen?"
Er schüttelte den Kopf.
„Warum nicht?" fragte sie.
„Später," antwortete er kurzangebunden.
Hermine grübelte.
„Wie ist das passiert?" fragte sie, aber sie ahnte dass ihm die Frage gegen den Strich ging.
Er wich ihrem Blick aus.
„Noch mehr Kaffee?" fragte er.
„Nein. Eine Antwort wäre mir lieber," sagte sie freundlich.
Er sah resigniert zu ihr.
„Ich hätte ahnen müssen, dass ein unwillkürlicher Gedanke von mir den Drachen ebenso heraufbeschwören würde wie ein absichtlicher Gedanke. Es tut mir leid, Sie schon wieder um Ihren Schlaf gebracht zu haben." Bei diesen Worten blickte er zum Boden, wo noch die Decke lag, mit der sie sie beide letzte Nacht zugedeckt hatte.
Ihr Blick fiel ebenfalls darauf und sie zuckte gespielt mit den Schultern.
„Wieso? Ich hab toll geschlafen," sagte sie dann ironisch.
„Aber Sie weichen meiner Frage aus."
Er sah sie zornig an.
„Ich bin Ihnen keine Antwort schuldig," fuhr er sie dann an.
„Natürlich nicht. Ich wundere mich nur ein wenig darüber, was man Ihnen Schreckliches antun muss, dass Sie ausgerechnet an mich denken," sagte sie und konnte die Traurigkeit in ihrer Stimme nicht zurückhalten.
Er stöhnte auf und blickte sie genervt an.
„Also gut. Ich werde es Ihnen erzählen. Der Lord wollte einen neuen Beweis meiner Treue. Ich sagte Ihnen ja, dass er an meiner Loyalität zweifelt. Er hat wohl den Verdacht, dass ich ein Gegenmittel zu seinen Drogen gefunden habe. Also wollte er testen ob ich weiterhin auf seine Drogen reagiere."
Hermine sah ihn erschrocken an, dann forderte sie ihn auf weiterzusprechen.
„Er hat mich also gestern damit vollgepumpt wie noch nie. Als er glaubte sie wirken, hat er von mir verlangt mich umzubringen."
„Waaas?" entfuhr es Hermine.
Er zuckte die Schultern und fuhr in neutralem Tonfall fort:
„Er gab mir ein Messer und ich habe mir damit den Bauch aufgeschnitten. Als ich es mir an das Herz setzte, gebot er mir Einhalt. Er war aber nicht restlos überzeugt, also ließ er mir den Arm brechen."
Hermines Augen waren vor Schreck weit geöffnet.
Sie stammelte ihre nächste Frage:
„W..w..was wollte er denn damit testen?"
„Er wollte testen ob die Droge wirkt. Unter ihrem Einfluss darf ich weder zögern mich selbst zu töten, noch Schmerz empfinden."
„Hätten Sie sich wirklich getötet?" fragte Hermine beklommen.
Er sah sie einfach nur an und antwortete nicht.
Hermine war immer noch völlig schockiert.
„Aber die Schmerzen? Sie standen doch unter Einfluss des Gegenmittels. Sie müssen doch entsetzliche Schmerzen gehabt haben."
Er schnaubte durch die Nase.
„Ja," sagte er schließlich.
„In dem Moment als sie mir den Arm gebrochen haben, muss es wohl passiert sein. Ich war für einen Moment nicht mehr Herr über meine Sinne und es könnte sein, dass ich unterbewusst nach Ihnen gerufen habe. Es tut mir leid."
Hermines Mund öffnete sich, aber ohne das ein Wort herausgekommen war, schloss sie ihn wieder.
Was sollte sie darauf erwidern?
„Wir werden die Sache mit dem Drachen sofort rückgängig machen," sagte Snape nun.
Hermine hatte sich endlich wieder unter Kontrolle.
„Nein, werden wir nicht," sagte sie bestimmt.
„Doch," sagte er.
„Nein!" erwiderte sie.
„Hören Sie zu, Hermine. Ich habe keine Kraft mich heute mit Ihnen zu streiten."
„Dann lassen Sie es doch einfach," sagte sie darauf.
Er schmunzelte und schüttelte den Kopf.
„Ich muss jetzt das Serum nehmen, sonst schafft es der Knochen nicht, bis morgen zu heilen," sagte er und sah sie auffordernd an.
Hermine begriff nicht.
„Äh, dann nehmen Sie es doch..." sagte sie unsicher.
Er verdrehte genervt die Augen.
„Würden Sie dann bitte jetzt gehen..." forderte er.
Hermine fiel es wie Schuppen von den Augen.
„Ach ja. Die Übelkeit. Ich verstehe. Sie lassen sich von anderen den Arm brechen, ohne mit der Wimper zu zucken, aber bei mir ertragen Sie nicht mal den Gedanken, dass ich sehen könnte, dass Ihnen übel wird."
Kaum hatte sie es ausgesprochen, war ihr klar, dass sie zu weit gegangen war.
Seine Augen wurden zu schmalen Schlitzen und er zischte sie an:
„Raus jetzt!"
Hermine sah ein, dass es für sie beide besser war, jetzt schnell zu verschwinden.
Sie verließ den Kerker und lief die Treppe zum Gryffindorturm hinauf.
Beim Portrait angekommen sagte sie das Passwort und die Fette Dame sah sie erstaunt an.
„Sie müssen aber bereits sehr früh heute zum Joggen gewesen sein. Ich habe sie gar nicht gehen sehen, mein Kind."
Hermine nickte nervös. Außer Atem war sie jedenfalls genug um dieser Theorie gerecht zu werden.
Das Portrait schwang zur Seite und Hermine eilte in den Schlafraum um sich umzuziehen.
Ginny und Alexa waren anscheinend vor kurzem wach geworden und unterhielten sich bereits am frühen morgen über einen Jungen aus Ravenclaw.
„Der ist so süß," sagte Ginny gerade.
Dann erblickte sie die abgehetzte Hermine.
„Hey, Herm, sag mal, für wen joggst du eigentlich schon am frühen morgen in der Gegend rum?"
Alexa lachte albern.
„Bestimmt für einen der auch sportlich ist. Hast du Angst du kannst sonst nicht mit seinem Tempo mithalten?"
„Wen meinst du denn, Ginny?" fragte Alexa verschwörerisch.
Ginny tat geheimnisvoll.
„Ach, ich hab da so einen Verdacht..."
Hermine sah sie völlig perplex an.
„Was hast du für einen Verdacht. Von was redest du überhaupt?"
Ginny kicherte.
„Ach Hermine, nun tu doch nicht so. Ich weiß schließlich bescheid. Und ich kann dir sagen, dass deine Mühen sich lohnen. Du wirst schon sehen."
Hermine verstand nun gar nichts mehr.
War Ginny von allen guten Geistern verlassen?
Eins stand jedenfalls fest.
Sie sprach wohl kaum von Snape.
Bevor sie einen klaren Gedanken fassen konnte kreischte Alexa schon:
„Ginny, Ginny, verrat es mir auch..."
Hermine war völlig genervt von dem Theater am frühen morgen.
Schließlich sagte sie trocken:
„Wenn sie es dir verraten hat, Alexa, dann kannst du mir ja verraten, in wen ich verliebt bin, o.k. Ich meine ja nur, dass ich es vielleicht auch wissen sollte, oder?"
Ginny grinste nur. Sie nahm Hermine keinen Moment ihre Unschuldsrolle ab.
Hermine zog sich nun schnell um und schlug vor, zum Frühstück zu gehen.
Als sie in der großen Halle angekommen waren, nahm sie ihrer Freundin die Sticheleien schon nicht mehr übel und sie machte mit den beiden Scherze, wie immer.
Ab und zu wanderte ihr Blick zum Lehrertisch, der an diesem Wochenende ebenfalls so gut wie leer war, da auch die wenigsten Lehrer sich im Schloss aufhielten.
Snapes Platz blieb ebenfalls leer.
Dies war nicht weiter verwunderlich, da er auch wenn es ihm gut gehen würde, niemals freiwillig am Wochenende dort erscheinen würde.
Trotzdem fragte sich Hermine, wie es ihm wohl gerade ging.
Aber sie war nun mal nicht sein Babysitter.
Morgen, da war sie sich sicher, würde er mit gewohnter Härte seinen Unterricht durchziehen. Niemand würde etwas ahnen, von dem was er durchgemacht hatte. Nur sie würde es wissen und sie würde ebenso wissen, warum er alle andern so schlecht behandelte.
Irgendwie musste sich der stumme Schmerz entladen.
Seine Schüler würden ihm dafür gerade recht kommen.
Kapitel 12
Scharfe Schwerter
schneiden sehr, scharfe Zungen noch viel mehr
Gegen Abend füllte sich das Schloss wieder. Alle kehrten von ihren Wochenendausflügen zurück und bereits beim Abendessen waren die Schülertische in der großen Halle fast vollständig besetzt.
Lediglich der Lehrertisch wies noch etliche Lücken auf.
Wirklich vollständig wäre er aber ohnehin erst wieder, wenn auch Professor Dumbledore zurückgekehrt wäre.
Der Abend verlief ereignislos. Hermine ging kurz vor dem Schlafengehen hinunter zu den Kerkern und überlegte kurz ob sie anklopfen und sich nach Snapes Befinden erkundigen sollte.
Sie verwarf diesen Gedanken schnell wieder.
Hastig zog sie den Schlüssel aus der Tasche und verschloss die Tür.
Dann eilte sie in ihren Turm und verschwendete keinen weiteren Gedanken mehr daran.
Sie schlief einen erholsamen Schlaf und stellte am nächsten morgen fest, dass sogar die Träume gnädig mit ihr gewesen waren.
Für einen moment überlegte sie, ob sie tatsächlich joggen gehen sollte.
Der Schlafsaal war nun wieder vollzählig belegt, die anderen schliefen jedoch noch und Hermine genoss es, einfach im Bett zu liegen und die Morgensonne zu betrachten.
Dies versprach wieder ein sonniger Tag zu werden. Die Temperaturen hatten jedoch, nach dem großen Gewitter, merklich abgekühlt.
Hermine ging in Gedanken ihren Stundenplan durch.
Als erstes stand Kräuterkunde auf dem Programm.
Dann eine Doppelstunde Muggelkunde und danach Verwandlungen.
Und zu guter Letzt noch eine Doppelstunde Zaubertränke.
Das ließ sich wohl nicht vermeiden.
Schließlich hatte sie gewußt, dass sie ihm nicht aus dem Weg gehen konnte.
Sie hatte aber immerhin den ganzen Vormittag, um sich darauf vorzubereiten.
Als die anderen ebenfalls erwachten, war Hermine bereits auf dem Weg zum Kerker.
'Es geht doch,' dachte sie, nachdem sie flugs die Tür aufgeschlossen hatte und sich dann wieder auf dem Weg nach oben befand.
Als sie in der Halle ankam fasste sie jemand an die Schulter.
„Hermine. Wie geht es Dir?"
Hermine drehte sich hastig um und blickte erschrocken die Person an, die sie angesprochen hatte.
Es war Madam Pomfrey, die bereits ihre Schwesternuniform trug und Hermine seltsam ansah.
„Äh, gut," stammelte Hermine.
Poppy schien nicht überzeugt.
„Du bist ganz blass, meine Liebe."
Hermine versuchte ein Lächeln.
„Sie haben mich nur ein wenig erschreckt. Mir geht es wirklich gut."
Die Krankenschwester nickte nachdenklich.
„Aber wir wollen doch kein Risiko eingehen, nicht wahr? Du solltest dich doch sowieso heute bei mir melden, oder hast du das vergessen?"
Hermine hätte keine Sekunde mehr daran gedacht, trotzdem sagte sie:
„Nein, nein. Ich wollte mich gleich auf den Weg zu Ihnen machen."
Poppy sah sie immer noch abschätzend an.
„So, dann kannst du ja jetzt ebensogut sofort mit mir kommen."
Hermine nickte, und folgte ihr in den Krankenflügel.
Sie musste sich auf eines der Betten setzten und fühlte sich dabei irgendwie elend.
Die Krankenschwester begann mit ihren routinemässigen Untersuchungen.
Während sie Hermine in die Augen leuchtete sagte sie bedächtig.
„Am Freitag hast du wohl einen kleinen Ausflug gemacht, nicht wahr?"
Hermine wusste, dass es sinnlos war zu leugnen. Also sagte sie:
„Ja, ich habe Professor Snape so lange genervt bis er es mir erlaubt hat. Und es ging mir ja auch schon wieder gut," versicherte sie dann hastig.
Poppy nickte, dann sagte sie.
„Du bist wirklich wieder genesen. Trotzdem mache ich mir Sorgen um dich."
Hermine spürte einen Kloß in ihrer Kehle. Sie wollte es eigentlich nicht hören, trotzdem fragte sie:
„Warum denn?"
Poppy zögerte nun.
„Nun ja, Hermine. Versteh mich nicht falsch, aber Professor Snape ist nun mal ein sehr undurchschaubarer Mensch. Vielleicht empfinde nur ich das so, aber ich habe stets den Eindruck er hat etwas zu verbergen. Ich traue ihm nicht und ich fürchte, dass er ein junges Mädchen wie dich leicht beeinflussen kann."
Hermine war sprachlos.
Ihr Herz klopfte bis zum Hals und sie war froh, dass die Krankenschwester ihr bereits den Puls gemessen hatte, sonst wäre sie bestimmt sofort stationär aufgenommen worden.
„Ich weiß nicht was Sie meinen," sagte Hermine unsicher.
Die Krankenschwester packte umständlich ihre Untersuchungsinstrumente weg.
„Ach eigentlich gar nichts. Es machte mich nur stutzig, dass du eben aus den Kellerverliesen kamst."
Hermine betete, dass sie nicht rot werden würde.
Ausgerechnet heute sprach sie jemand darauf an.
Heute hatte sie dort nichts getan, als die Tür aufzuschließen.
Aber auch das durfte sie nicht erzählen.
Ihr war sehr mulmig bei dem Gedanken was geschehen würde, wenn Poppy herausfand dass sie sowohl die Nacht von Freitag auf Samstag noch gegen ihre Anweisung bei ihm verbracht hatte, sowie die Nacht von Samstag auf Sonntag, in der sie zu allem Überfluss auch noch eine Menge Whiskey konsumiert hatte.
Was würde gar geschehen wenn jemand wüsste, dass Snape sie geküsst hatte?
Es durfte eben nie jemand erfahren.
Hermine überlegte nicht lange als sie mit einem harmlosen Lachen erklärte:
„Ach so, ich hatte noch etwas dort vergessen und zwar mein Kräuterkundeheft. Wissen Sie, ich habe die Hausaufgaben gemacht als ich beim Professor war und leider mein Heft liegen lassen."
Poppy lachte erleichtert auf.
„Na, ich dachte mir schon so etwas. Ich weiß auch nicht was mich vorhin geritten hat, Hermine. Eigentlich kann ich mir schon denken, dass ein intelligentes Mädchen wie du wohl kaum Gemeinsamkeiten mit diesem unangenehmen Menschen hat - naja, bis auf eine..."
Sie grinste nun schelmisch.
Hermine gefror ihr Lächeln und sie spürte wie sich ihre Gesichtsmuskeln verkrampften.
„Was für eine Gemeinsamkeit?" fragte sie dann verwirrt.
„Oh, es ist mir nur zufällig aufgefallen. Weil ich noch am Freitag, bevor ich ging die Krankenakten neu sortiert habe..."
Hermine konnte es kaum noch aushalten, warum sprach diese Frau immer in Rätseln?
„Tja, dabei habe ich festgestellt dass du, und der äußerst reizende Professor Snape, am gleichen Tag Geburtstag habt."
Hermine starrte die Krankenschwester an.
Er hatte am gleichen Tag wie sie Geburtstag? Aber natürlich war dies möglich. Warum auch nicht, schließlich musste er ja auch irgendwann Geburtstag haben. Es war ihr nur noch nie aufgefallen, da er seinen natürlich nicht zu feiern pflegte.
Poppy betrachtete die Schülerin belustigt:
„Naja, es liegen allerdings schon etliche Jahre dazwischen. Trotzdem finde ich es interessant, dass ihr beide Sternzeichen Zwillinge seid. Unterschiedlicher kann man ja eigentlich kaum sein, nicht wahr?"
Hermine nickte nun und rang sich ein Lachen ab, das eher einem Keuchen glich.
„Ja, stimmt," sagte sie dann und blickte auf ihre Uhr.
„Bin ich fertig, Poppy? Dann schaffe ich es noch pünktlich zum Unterricht."
Die Krankenschwester nickte und Hermine verabschiedete sich eilig.
Sie eilte den Flur entlang und kam noch gerade rechtzeitig zum Beginn der Stunde.
Die Unterrichtsstunden vergingen für Hermine wie im Fluge.
Bei Verwandlungen wirkte Professor McGonagall vergnügt, wie noch nie.
Hermine und ihre beiden Freunde grinsten sich an, als sie bemerkten, dass die Lehrerin sie heute nur Blumen zaubern liess.
Es dauerte nicht lang und das Klassenzimmer glich einem Blumenmeer. Das wirklich Eigenartige dabei war allerdings, dass sie die Schüler zum Ende des Unterrichts nicht anwies den Zauber rückgängig zu machen, sondern einfach in der Blütenpracht sitzen blieb.
Als die drei Freunde auf dem Weg in die Kerker waren sagte Harry lachend:
„Mir scheint, Ron ist nicht der einzige, der frisch verliebt ist..."
Die anderen beiden grinsten nur.
Je näher sie dem Kerker kamen, desto weniger war Hermine zum Lachen zumute.
Sie merkte wie sie langsam nervös wurde.
Als sie an ihren Plätzen saßen wunderten sie sich, dass Snape noch nicht im Klassenraum war.
Die Schüler wurden langsam unruhig und sofort begannen die Sticheleien zwischen den Gryffindors und den Slytherins.
Hermine und Harry behielten Ron im Auge, damit er sich nicht zu einer neuen Dummheit hinreissen ließ.
Als die Lage langsam brenzlig wurde, kam der Lehrer schließlich doch noch in den Unterrichtsraum.
Hermine fiel sofort auf, dass seine Schritte bedächtiger waren als üblich.
Er ging bis zum Pult und ließ sich dann sofort auf seinen Stuhl sinken.
„Bücher raus!" befahl er herrisch.
Als jeder sein Buch vor sich liegen hatte und wieder absolute Stille herrschte, sagte er:
„Sie arbeiten Kapitel 10 durch. Ich möchte eine schriftliche Arbeit zu den Fragen, die am Ende aufgeführt sind. Fangen Sie an!"
Hermine blätterte, genau wie alle anderen in ihrem Buch, bis sie bei der entsprechenden Stelle war.
Sie überflog die Seiten und sah sich dann die Fragen an.
Das dürfte kein Problem für sie darstellen. Sie griff nach ein paar Blättern und ihrem Federhalter und begann die erste Frage zu beantworten.
Plötzlich fühlte sie sich unbehaglich. Sie sah auf und bemerkte Snapes bohrenden Blick.
Fragend sah sie ihn an.
„Miss Granger. Vielleicht wäre es sinnvoll den Text zu lesen, bevor Sie die Fragen beantworten," sagte er süffisant.
Sie bemühte sich um Ruhe.
„Ich kenne den Text bereits, Sir," erwiderte sie fest.
Er schüttelte resigniert den Kopf.
„Gibt es noch einen Text in dem Buch, den Sie noch nicht gelesen haben?" fragte er dann genervt.
Sie schüttelte vorsichtig den Kopf.
Die meisten Schüler lachten leise vor sich hin.
Auf einen Blick von Snape verstummten sie.
Er stand vorsichtig auf und nahm etwas aus seiner Tasche.
Kurz darauf hielt er ein dickes Buch in den Händen und trat ein wenig auf Hermines Pult zu.
Aus einer Entfernung von zwei Metern warf er das Buch auf ihren Tisch.
Es knallte vor ihr auf die Holzplatte und schlitterte dann in ihre Richtung.
Hermine musste die Wucht mit beiden Händen abstoppen.
Sie sah erschrocken ihren Lehrer an.
Er stand da, mit regloser Miene.
„Damit wir auch Ihren Horizont erweitern, habe ich etwas ausgesucht, mit dem Sie sich offensichtlich noch nicht besonders gut auskennen. Lesen Sie Kapitel 4 und fassen Sie es dann schriftlich zusammen," sagte er kurz angebunden.
Dann drehte er sich um und ging zurück zu seinem Pult.
Es entging Hermine nicht, dass er es heute unterließ, sich herrisch in Pose zu werfen.
'Muss wohl an der Bauchwunde liegen,' dachte Hermine und bemerkte eine Spur von Schadenfreude.
Wieso musste er sie auch schon wieder vor der ganzen Klasse blamieren. Verdammt, vielleicht war sie ja eine Streberin, aber musste er immer darauf herumreiten?
Sie betrachtete das Buch.
Es war ein sehr seltenes Exemplar über umstrittene Zaubertränke. Die meisten Tränke, die dort verzeichnet waren, wurden heute mit ungefährlicheren Zutaten gebraut. Allerdings, so wusste Hermine, waren viele Tränke dadurch auch nur von schwächerer Wirkung als das Original.
Vorsichtig schlug sie das angegebene Kapitel auf und stutzte als sie die Überschrift las.
„Wundheilungstränke mit sehr schneller Wirkungskraft," stand dort.
Sie schaute erstaunt zu Snape.
Dieser hatte sich jedoch in die Arbeiten einer anderen Klasse vertieft und bemerkte ihren Blick nicht.
Sie schaute wieder in das Buch.
Na toll, wollte er sie jetzt etwa zu seiner privaten Krankenschwester ausbilden?
Hatte sie nun die Ehre ihn Monat für Monat zusammenflicken zu dürfen, nachdem Voldemort mit ihm fertig war?
Hermine fühlte eine Beklemmung, die ihr den Atem nahm.
Sie las die verschiedenen Rezepturen durch und hatte das ungute Gefühl, dass man mit manchen davon tatsächlich mehr Schaden, als Nutzen anrichten könnte.
Die Liste der Verletzungen, die man damit heilen konnte las sich wie ein Horror-Roman.
Hermine schüttelte unweigerlich den Kopf.
Nachdem sie mit Lesen fertig war, griff sie abermals zu Papier und Stift.
Doch bevor sie mit ihrer eigentlichen Aufgabe begann, schrieb sie:
„Es gibt Wunden die heilen nie. Egal wie man sie behandelt. Egal wie lange sie schon verheilt zu sein scheinen - sie brechen immer wieder auf. Für diese Wunden gibt es keine Heilung, es gibt nur Linderung.
Für diese Linderung ist jedoch kein Rezept von Nöten. Nur Freundschaft bedarf es dazu - und Vertrauen.
Darunter handelte sie den Text mit eigenen Worten ab. Sie führte die Zutaten für den Heilungstrank eines Schnittes auf und wusste zugleich, dass es besser wäre ihn langsamer zu heilen. Der Schmerz, den der Heiltrank auslösen musste, wäre sicher schier unerträglich. Es wäre, als würde man mit Säure einen Schnitt verschließen wollen. Aber wenn sie eins in dieser kurzen Zeit gelernt hatte, dann, dass der Schmerz eine untergeordnete Rolle spielte...es ging hier nur ums Überleben.
Sie schauderte.
Vielleicht war es genau das, worum es hier eigentlich ging. Sie sollte verstehen, dass es hier nur ums Überleben ging - um nichts sonst!
Sie sah abermals zu ihm und konnte gerade noch erkennen, wie er den Kopf wieder über seine Unterlagen senkte.
Um sie herum hatten nun ebenfalls alle zu ihren Füllern gegriffen und schrieben fleißig.
Hermine wurde unruhig.
Sie starrte auf ihr Blatt und dann wieder auf ihren Lehrer.
Hermine schrieb, ehe sie weiter darüber nachdenken konnte:
„Es gehört mehr zum Leben, als nur das Überleben. Warum können Sie das nicht sehen? Sie wollen mich das Heilen lehren? Dann lernen Sie erst einmal andere nicht mehr zu verletzen!"
Sie knallte den Füller auf das Pult und schlug das Buch zu.
Ron sah sie entgeistert von der Seite an.
Auch Snape hatte nicht überhören können, dass seine Schülerin offensichtlich mit ihrem Aufsatz fertig war und kam zu ihr um das Blatt einzusammeln. Die anderen schrieben noch fleißig weiter. Da die Stunde noch nicht rum war, setzte er sich wieder mit Hermines Arbeit an sein Pult und begann zu lesen.
Hermine beobachtete ihn.
Eine steile Falte bildete sich auf seiner Stirn.
Sie glättete sich ein wenig, als er ihre Zusammenfassung las.
Dann jedoch wurde sie um so tiefer und er sah zornesfunkelnd zu Hermine.
Er hob das Blatt hoch und riss es mitten durch. Alle in der Klasse blickten erschrocken auf.
Der Lehrer hatte jedoch nur Hermine im Visier, als er das Blatt abermals zerriss.
Er zerriss es solange, bis nur noch kleine Fetzen davon übrig waren.
Hermine sah ihn ausdrucklos an.
„Sie haben genau," er sah auf die Uhr, „zwanzig Minuten. Fangen Sie von vorne an!" presste er hervor.
Hermine griff nach einem neuen Blatt und begann zu schreiben:
„Wenn Sie Gryffindor Punkte abziehen wollen - nur zu! Die Wahrheit scheint ein Schmerz zu sein, den Sie nicht zu ertragen fähig sind!"
Sie stand auf und brachte ihm das Blatt nach vorne.
Hermine war noch nicht ganz auf ihren Platz zurückgekehrt, als er sie von hinten an der Schulter herumriss.
„Sie werden jetzt diesen Aufsatz schreiben, sonst werden Sie es bereuen," zischte er sie an.
Hermine versuchte ihre Angst zu verbergen und schüttelte seine Hand ab.
Ihre Klassenkameraden sahen allesamt geschockt zu ihr.
Harry schien lautlos auf sie einzureden.
Hermine versuchte alles zu ignorieren.
Sie setzte sich auf ihren Platz und würdigte Snape, der neben ihr stand, keines Blickes als sie erneut nach einem Blatt griff und zu schreiben begann:
„Ich würde Sie so gerne verstehen. Was geht jetzt in Ihnen vor? Möchten Sie mich lieber schlagen oder küssen?"
Kaum hatte sie das geschrieben, griff seine Hand das Blatt und er zerknüllte es in seiner Faust.
Sie sah das die Ader auf seiner Stirn heftig pulsierte.
„Granger, 50 Punkte Abzug für Gryffindor. Sie werden nachsitzen, bis ich Ihnen erlaube zu gehen! Die anderen geben ihre Arbeiten jetzt ab. Legen Sie sie auf mein Pult."
Er sah Hermine hasserfüllt an. Sie schluckte schwer als die anderen den Kerker verliessen.
Wie konnte es sein, dass sie sich nun wieder in der gleichen Lage befand wie schon in der vorigen Woche?
Auge in Auge mit einem fuchsteufelswilden Snape - das glich einem Selbstmordkommando.
Er ging jedoch zu seinem Pult ohne sie eines Blickes zu würdigen.
Dann packte er die Arbeiten ein und ging zur Tür.
„Bis ich Ihnen erlaube zu gehen..." wiederholte er drohend und verließ den Kerker.
Hermine seuftze.
Sie ließ den Kopf auf die Tischplatte sinken und schloss die Augen.
Was war nur mit ihr los?
Wie kam sie darauf, sich immer wieder mit ihm anzulegen?
Sie sah auf die Uhr.
Es war 14.00 Uhr. Eigentlich Zeit fürs Mittagessen.
Ihr Magen knurrte wie zur Bestätigung.
Sie seuftze abermals.
Wie lange würde er sie hier schon sitzen lassen können? Schließlich hatte sie doch auch Rechte.
Er konnte sie doch nicht hier verhungern lassen.
Als der Zeiger 16.00 Uhr anzeigte kam sie zu dem Schluss, dass er sie sehr wohl verhungern lassen konnte.
Aber schlimmer war, dass sie fast starb vor Langeweile.
Mit den Hausaufgaben war sie schon seit über einer Stunde fertig.
Hermine war sich sicher, dass er sie nun bald erlösen würde.
Immerhin harrte sie schon zwei Stunden hier aus.
Sie überlegte, was wohl passieren würde, wenn sie Papierflieger aus den Seiten seines Buches basteln würde.
Undenkbar, wenn sie den nächsten Tag noch erleben wollte.
Sie schlug mit ihrer Faust auf das Buch. Das tat irgendwie gut. Also wiederholte sie es , nochmal und nocheinmal.
Als es 17.00 Uhr wurde dachte sie darüber nach, ob er sie vielleicht einfach hier vergessen hatte.
Sie dachte darüber nach, ob sie einfach gehen sollte.
'Unwahrscheinlich, dass er mich vergessen hat,' dachte sie dann.
Hermine begann wieder, sich über sie selbst zu ärgern.
Wie hatte sie seine Grausamkeit nur so unterschätzen können?
Mittlerweile war ihr ganz schlecht, vor Hunger und Durst.
Sie dachte an den Tag, der zweifellos wunderschön gewesen war und den sie, dank ihrer Unbesonnenheit, nun in einem dunklen Keller verbracht hatte.
Als der Uhrzeiger weiterkroch wurde ihr klar, dass er sie auch jetzt nicht erlösen würde.
Alles war so ungerecht. Er war ungerecht.
Sie hasste ihn.
'Dieser verdammte Idiot, glaubt er kann mit mir machen was er will. Aber nicht mit mir. Ich hasse ihn! Ich hasse ihn! Ich hasse diesen gemeinen Kerl, der nicht einen Funken Gefühl in sich hat.'
Hermine spürte wie eine Träne sich aus ihrem Auge stahl.
Noch bevor sie es verhindern konnte entwich eine zweite und bald darauf floß ein nicht enden wollendes Rinnsal über ihre Wangen.
'Hoffentlich kommt er nicht ausgerechnet jetzt,' dacht sie sarkastisch.
Aber sie musste noch eine weitere Stunde ausharren, bevor sich die Tür zum Kerker öffnete.
Ihre Tränen waren inzwischen versiegt.
Sie konnte jedoch fühlen wie ihre Augen brannten und war sich sicher das sie feuerrot und verquollen waren.
Sie hörte seine Schritte hinter sich, drehte sich jedoch nicht um.
Er sollte nicht sehen, dass er gewonnen hatte.
„Kann ich jetzt gehen," versuchte sie ihre Stimme trotzig klingen zu lassen.
Sie wurde wütend auf sich selbst, weil sie hörte wie tränenerstickt ihre Worte klangen.
Aus den Augenwinkeln konnte sie sehen wie er um sie herum ging.
Schnell senkte sie den Kopf.
Er stellte sich vor sie und sie konnte hören wie er leise seuftze.
„Sehen Sie mich an," sagte er dann.
Hermine schüttelte den Kopf.
Er ging vor ihr in die Hocke und suchte ihren Blick.
Sie senkte den Kopf noch mehr und war dankbar für den Pony, der in ihre Stirn fiel.
Doch plötzlich legte er die Finger an ihr Kinn und zwang sie, ihm in die Augen zu sehen.
Hermine schloß die ihren für einen Moment und gab dann resigniert auf.
Sie sah ihn an.
Eigentlich wollte sie ihn unnachgiebig und trotzig ansehen, aber in dem Moment, wo sie seine Augen sah war sie irritiert und vergaß ihre Wut.
Sie stellte fest, dass er fast genauso traurig aussah wie sie.
„Ich weiß, ich habe sie lange warten lassen. Sie fühlen sich ungerecht behandelt. Und damit haben Sie recht. Es war ungerecht Sie hier so lange festzuhalten. Wahrscheinlich haben Sie ziemlichen Hunger. Sehen Sie Hermine, wenn Sie etwas aus dieser Lektion gelernt haben, war es das alles wert."
Hermine stutzte, dann keifte sie ihn an:
„Was soll ich gelernt haben? Das Sie über mich bestimmen können? Das Sie am längeren Hebel sitzen? Das Sie so ungerecht und gemein sind wie alle immer glauben?"
Sie spürte wie die Tränen, die sie längst versiegt geglaubt hatte, wieder anfingen zu fließen.
„Nein. Oder ja. Das alles wahrscheinlich auch," gab er dann zu.
„Und was wohl noch," fragte Hermine mit kratziger Stimme.
„Das ich nicht gut für Sie bin. Das Sie nichts in mir sehen sollten, als den gemeinen Sadisten, für den Sie mich gerade halten."
Hermine sah ihn aufmerksam an.
Sie zögerte kurz, bevor sie ihn leise fragte:
„Warum liegt Ihnen so verdammt viel daran, dass ich Sie hasse?"
Er erhob sich und deutete auf die Tür.
„Sie können jetzt gehen."
Hermine verschränkte die Arme vor der Brust.
„Warum antworten Sie mir nicht?" fragte sie eindringlich.
Er kniff kurz die Augen zusammen ehe er wiederholte:
„Miss Granger, Sie können jetzt gehen. Und hören Sie endlich auf damit. Sonst vergesse ich mich noch!"
Hermine stand auf und ging in seine Richtung, als sie vor ihm stand sagte sie flüsternd:
„Sie sind mir noch viele Antworten schuldig. Zum Beispiel die