BEI NACHT SIND ALLE KATZEN GRAU

     von Kira


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Kapitel 1 - 8



Die handelnden Personen sind entliehen von Joanne K. Rowling - und wie es so ist mit entliehenen Dingen, gibt man sie nach Gebrauch zurück. Kurz und gut. Mir gehört nichts und ich habe keinen finanziellen Nutzen hierdurch.

 

 

Kapitel 1

Erst denken - dann reden

 

Es war ein heißer Sommertag. Die Temperatur war auf nahezu 30 °C gestiegen, dabei war es gerade einmal Anfang Juni.

Für die Schüler von Hogwarts war dies ein qualvoller Schultag, denn die Ferien waren noch lange nicht in Sicht und Hitzefrei kannte die Zauberschule Großbritanniens nicht.

Harry und Ron hatten eine Freistunde und suchten sich einen Platz am See, um ihre Füße in das kalte Wasser tauchen zu können.

Ron seufzte kurz, als seine Füße das kühle Nass berührten und grinste dann zu seinem Freund Harry Potter hinüber.

„Hermine ist selber schuld, dass sie immer noch schwitzend im Klassenraum sitzt. Sie hätte ja nicht all diese Extra-Kurse belegen müssen."

Harry schien einen Moment zu überlegen was er darauf antworten sollte, schließlich sagte er:

„Ach, ich weiß nicht. Vielleicht hätten wir auch ein paar Extra-Kurse belegen sollen. Ich muss zugeben, dass wir es bestimmt nötiger hätten als Hermine. Und schließlich wollen wir ja auch einen guten Abschluß erzielen. Ich kann gar nicht fassen, dass wir nach dem Sommer schon in der Abschlußklasse sind."

„Hm..." machte Ron daraufhin. Es passte ihm ganz und gar nicht, dass sein Freund ihm nun noch ein schlechtes Gewissen machte, denn wenn er ehrlich war, hatte er dieses schlechte Gewissen bereits von selber.

„Egal," versuchte er sich zu beruhigen, „ wir haben ja noch das ganze nächste Jahr um uns mächtig ins Zeug zu legen. Heute bin ich froh, dass ich hier am See sitzen kann und vergiß nicht...nur ein entspannter Geist ist auch lernfähig!"

Harry grinste nun.

„Aha. Na dann..." sagte er und ließ sich dabei rückwärts ins Gras fallen.

Einige Zeit lagen die Freunde einfach nur nebeneinander und schwiegen. Jeder hing seinen Gedanken nach.

Dann fragte Ron plötzlich:"Sag mal Harry, glaubst du dass Emilie sich nur für erfolgreiche Quidditchspieler interessiert?"

Harry schmunzelte, aber er wollte seinen besten Freund nicht aufziehen. Inzwischen hatte selbst ein Harry Potter erfahren müssen, wie schlimm es war unglücklich verliebt zu sein.

Vorsichtig antwortete er: „Ich denke sie hat im Moment einfach ein Faible für berühmte Personen. Aber das wird sich sicher geben. Sie sieht nun mal super aus und vielleicht hat sie das Gefühl sich unter Wert zu verkaufen wenn sie nicht einen tollen, angesagten Typen abschleppt. Aber was wirklich zählt sind doch schließlich die inneren Werte, oder?"

Ron sah ihm plötzlich direkt in die Augen und zog die Mundwinkel nach unten.

„Jaja, die inneren Werte! Weißt du was, ich war einmal bei einem Muggelarzt, in dessen Wartezimmer lagen so merkwürdige Zeitschriften rum. Da ging es in fast allen um das Verhältnis zwischen Männern und Frauen. Da war auch immer von inneren Werten die Rede. Aber auf den Werbebildern waren immer diese Supertypen drauf und bei den Leserbriefen ging es den Weibern um Typen mit Muskeln und Knackarsch. Ist doch alles gelogen. Genau wie die Aussage auf die Größe von...naja, Du weißt schon... kommt es nicht an. Ist doch echt Schwachsinn was so geredet wird. Ich glaube Emilie ist scharf auf dich, wenn du es genau wissen willst!"

Nun drehte Ron sich mit erboster Miene weg und Harry war unsicher ob er auf diese Provokation überhaupt reagieren sollte.

Das Schlimmste war, dass Emilie sich erst vor zwei Tagen an ihn herangemacht hatte. Sie war nach einem Spiel in die Umkleidekabine der Jungen geschlichen, nachdem sie gesehen hatte dass alle anderen den Raum schon verlassen hatten und Harry sich noch als letzter dort aufhielt. Er war sehr überrascht gewesen sie dort anzutreffen und unendlich froh, dass er inzwischen wieder angezogen war.

Aber als sie dann auf ihn zugekommen war und versuchte ihn zu küssen war er völlig hilflos gewesen.

Er wusste, dass Ron bis über beide Ohren in sie verliebt war. Nicht dass er sie nicht attraktiv fand, aber er wusste, dass sie sich ihn nur wegen seines Ruhms ausgesucht hatte. Schließlich hatte er das letzte Spiel aufgrund seines Einsatzes zugunsten von Gryffindor entschieden und war wie schon öfters lauthals bejubelt worden.

Aber er hatte schon lange den Gedanken, dass Emilie und Ron wirklich ein perfektes Paar abgeben würden und so hatte er sie leicht von sich geschoben und ihr den Rat erteilt in ihr Herz zu schauen.

Oh Gott. Was für Worte aus dem Mund eines Sechzehnjährigen.

Aber eigenartigerweise hatte sie nach einigen Sekunden gesagt:

„Ich denke du hast recht. Danke für den Tipp."

Ob sich ihre Gedanken nun allerdings auf Ron richteten, konnte er beim besten Willen nicht sagen und so versuchte er sich aus der Geschichte soweit wie möglich rauszuhalten.

„Nein, ich glaube nicht, dass sie scharf auf mich ist Ron. Aber wenn dir soviel an ihr liegt, wie wäre es dann wenn du sie einfach mal ansprichst?"

Jetzt lachte Ron gespielt auf.

„Ja klar. Ich geh einfach hin und sage: hey, ich weiß du kannst mich nicht ausstehen aber willst du mit mir gehen?"

„Super Ron, das reimt sich sogar," entfuhr es Harry, der nun ein wenig genervt war.

Die Liebe war eben schrecklich. Sie erwischte einen völlig unverhofft und manchmal sogar unerwünscht. Dann ließ sich kaum noch etwas dagegen unternehmen und die Welt um einen herum stürzte ein wenn sie nicht erwidert wurde.

Das Schlimmste daran war jedoch, dass kein anderer es wahrnahm, wie schlecht es einem deswegen ging, wenn man es nur gut genug verbarg.

Harry sah auf seine Uhr.

„Mensch Ron, wir müssen los! Zaubertränke fängt in fünf Minuten an. Snape reisst uns den Kopf ab wenn wir zu spät kommen."

Ron riss sich aus seinem Selbstmitleid und sprang auf die Füße. „Mist," fluchte er, „Snape hat mir gerade noch gefehlt."

Die beiden zogen schnell ihre Strümpfe und Schuhe wieder an und rannten dann zum Schloß um nicht zu spät zum Unterricht zu erscheinen.

Vor der Kerkertür trafen sie auf Hermine, die es offensichtlich auch nur auf den letzten Drücker in den Keller geschafft hatte.

„Treppe...Richtung....geändert..." japste sie, während sie die Tür zum Kerker aufstieß und den beiden Jungen den Vortritt überließ.

Schnell hechteten die drei Jugendlichen an ihren Platz.

Snape, der schon ein Experiment vorbereitet hatte, blickte auf seine Uhr und wirkte zerknirscht als er feststellen musste, dass die drei es noch in der letzten Sekunde geschafft hatten auf ihren Plätzen zu sitzen.

„Schön dass die drei Gryffindors es noch geschafft haben sich zu uns zu gesellen," sagte er in lieblichem Tonfall, der bedeutete dass er es ganz und gar nicht erfreulich fand.

Die drei erwiderten natürlich nichts darauf, denn sie hingen an ihrem Leben.

Snape blitzte sie noch einmal mit seinen Augen an, dann begann er mit dem Unterricht.

Es handelte sich um eine Doppelstunde und so hatte er einen Versuch ausgewählt, der insgesamt etwas länger dauerte.

Da die komplette Zubereitung des Trankes trotzdem den zeitlichen Rahmen gesprengt hätte, hatte Snape die Zutaten schon an die einzelnen Tische verteilt, so dass sie nur noch der Reihe nach den jeweiligen Gebräuen zugefügt werden mussten.

In seiner gewohnt gelangweilten und sehr leisen Art sagte Snape gerade:

„Nun mischen Sie die Hufeisen-Azurjungferflügel in den Trank und danach erst den Strandflieder."

Kaum hatte er diese Worte gesprochen, als eine ausgesprochen übelriechende Wolke im Raum entstand und augenblicklich alle Schüler anfingen zu würgen.

„Verdammt, Granger!" brüllte Snape zornig, bevor er die Tür aufriss und einen Einbannungszauber über den Qualm sprach. Er konnte nun den Rauch anfassen und schob ihn zur Tür hinaus. Auf dem Gang öffnete er ein Fenster und schob ihn hindurch ins Freie.

Als er den Kerker wieder betrat sah man gleich, dass es in ihm kochte.

„Miss Granger, habe ich nicht gerade vor einer Minute noch die Reihenfolge der Beigabe erklärt?"

Hermine war sehr bleich, und stammelte:

„Nun, ich habe gedacht, man könne den Prozess ein wenig beschleunigen wenn..."

„Ruhe!" brüllte Snape.

Er taxierte seine Schülerin mit einem stechenden Blick, während er langsam auf sie zu schritt.

Hermine fühlte eine Beklemmung hochsteigen, doch plötzlich wandte Snape sich um und ging zurück zu seinem Pult.

„Nun gut. Wenigstens hat sich der Schaden in Grenzen gehalten und wir können fortfahren...Miss Granger, Sie holen sich die Zutaten, die Ihnen nun fehlen selber aus dem Nebenraum. Das dürfte Sie einen Großteil ihrer Zeit kosten, aber vielleicht schaffen Sie es ja dennoch den Trank in der angegebenen Zeit fertigzustellen..."

Harry und Ron sahen sich kurz an und beide schauten dann mitleidig zu Hermine. Ihnen war völlig klar, dass Hermine, da sie nun von vorne anfangen musste, es nicht rechtzeitig schaffen konnte den Trank fertigzustellen und Snape ihr am Ende der Stunde eine schlechte Note aufbrummen würde.

Hermine erhob sich schwerfällig und schlich in den Nebenraum.

Sie ging langsam an den Regalen vorbei und suchte den Strandflieder. Die Regale waren alle ordentlich aufgeräumt und jedes Fläschen und jeder Tiegel war beschriftet. Dennoch hatte Hermine Probleme, das Gewünschte zu finden.

Immer wieder verschwamm die Schrift vor ihren Augen.

Da, endlich hatte sie auch die letzte Zutat gefunden und konnte wieder ins Klassenzimmer zurückkehren um endlich von vorne anzufangen.

Die anderen Mitschüler rührten schon fleissig in ihren Kesseln und allen schien der Trank einigermassen gelungen zu sein.

Hermine seufzte und griff nach dem Messer um ihre Zutaten zu zerkleinern.

Sie hatte ungefähr die Hälfte zerschnitten, als ihr für einen Moment die Augen zufielen und das Messer abrutschte.

Statt einem Stengel des Strandflieders hatte sie ihren Finger erwischt und der kurze Schmerz riss sie wieder ins Hier und Jetzt.

Ihr Aufschrei hatte sie in den Mittelpunkt von Snapes Aufmerksamkeit gebracht.

Mit schnellen Schritten war er an ihrem Pult und griff nach ihrer Hand.

Ihr war seltsam unbehaglich zumute und sie wollte ihm ihre Hand schnell entziehen.

Snape hielt sie mit eisernem Griff fest und zog mit seiner anderen Hand, wie aus dem Nichts, ein Taschentuch hervor.

Mit drei kurzen Handgriffen hatte er es ihr um den Finger gewickelt und ließ sie nun endlich los.

„Miss Granger," sagte er gefährlich leise,

„könnten Sie Ihre Selbstmordversuche auf Ihre Freizeit verschieben?"

Hermine konnte nichts sagen. Es war ihr unendlich peinlich ausgerechnet von Snape verarztet worden zu sein.

Er wartete offensichtlich noch auf eine Erwiderung von ihr, denn er hatte sie immer noch im Visier.

Seine Augen waren etwas zusammengekniffen als er sie genau beobachtete.

„Machen sie weiter..." sagte er schließlich nur und die Schüler sahen sich fragend an, als er Hermine wieder so ungeschoren davon kommen ließ und sich zu seinem Pult zurückbegab.

Die erste der Doppelstunden war inzwischen vergangen und Hermine hatte ihren Trank nun endlich soweit, dass er erst ein wenig vor sich hinköcheln musste, bevor sie die nächsten Zutaten hinzufügen konnte.

Sie sah auf die Uhr. Verdammt - das würde mehr als knapp werden. Sie durfte nicht riskieren die Zutaten zu früh dazu zu geben, auch wenn sie unter Zeitdruck stand. Nicht dass hier noch etwas explodierte.

Sie merkte wie schläfrig sie während des Wartens wurde. 'Reiss dich zusammen,' dachte sie.

Wieviel Zeit war jetzt eigentlich vergangen? Waren die zehn Minuten schon rum? Ach nein, erst die Hälfte, also noch etwas warten, nein, nicht einschlafen...war ihr letzter Gedanke.

Das nächste was sie hörte war wiederum Snapes Stimme.

Er brüllte. Es hörte sich an wie in einem Albtraum.

Nur dass sie nicht träumte - nicht mehr jedenfalls.

Sie war wohl doch eingenickt und als sie nun so unsanft aus dem Schlaf gerissen wurde, musste sie feststellen, dass ihr Kessel dabei war überzukochen.

Instinktiv griff sie mit den Händen danach, um ihn von der Feuerstelle zu ziehen.

Das erste mal in ihrem Leben wünschte sie sich, dass Neville mit ihr zusammen an diesem Versuch gearbeitet hätte, dann wäre es sicher gar nicht soweit gekommen.

Aber Neville war zu seiner kranken Großmutter gefahren und so saß sie allein vor ihrem Kessel als das Unglück geschah.

Sie hörte Snape etwas rufen, aber zu spät. Der Inhalt des Kessels ergoss sich über ihre Hände, die sich sofort so anfühlten, als stünden sie in Flammen.

Zum wiederholten Male stand ihr Lehrer neben ihr und versuchte den Schaden einzugrenzen.

Er hatte sich um den überkochenden Kessel gekümmert und das Feuer gelöscht.

Nun sah er durch seine wirren Haare, die ihm ins Gesicht gefallen waren, auf ihre verbrühten Hände und eine Zornesfalte bildete sich auf seiner Stirn.

„Verdammt Granger! Was ist nur los mit Ihnen?" schrie er aus Leibeskräften.

„Sie kleine Streberin machen doch sonst immer alles richtig. Wie kann man nur so blöd sein, an einem einzigen Tag alles falsch zu machen? Gryffindor bekommt wegen Ihnen 50 Punkte abgezogen, lassen Sie sich das gesagt sein. Ich will sofort eine Erklärung wieso ihr Trank übergekocht ist!"

Bevor Hermine richtig nachdenken konnte, was ihr durch ihre schmerzenden Hände ohnehin ungemein schwer fiel, hatte sie schon die Worte gesprochen, die sie unbedingt vermeiden wollte.

„Ich bin eingeschlafen," murmelte sie.

Jetzt schien Snape tatsächlich zu explodieren.

„Sie sind eingeschlafen?" donnerte er.

„Ich werde Sie lehren in meinem Unterricht einzuschlafen. Sie sind wohl unterfordert. Gut, ich kann auch anders. Sie werden von mir nach der Stunde ein paar Extraaufgaben zugeteilt bekommen. Die werden Sie mit Sicherheit nicht mehr unterfordern, das kann ich Ihnen sagen."

Hermine versuchte die Situation wenigsten ein bißchen zu entschärfen und sagte leise:

„Sir, ich bin nicht unterfordert. Nun ich, ich ..."

„Was?" knurrte Snape.

„Nun, ich bin einfach nur müde..." gab Hermine schwach zu.

„Dann sollten Sie Nachts vielleicht schlafen, statt mit ihren Freunden unerlaubt durch das Schloß zu schleichen," sagte Snape gedehnt, während er einen kurzen Blick zu Harry und Ron schickte.

„Dafür werde ich Gryffindor wohl noch einmal 50 Punkte abziehen müssen," sagte er gespielt bedauernd.

„Wir sind nicht durch das Schloß geschlichen. Ich hatte etwas zu erledigen." sagte Hermine und hörte selbst, wie dumm das klang.

Auch Snape war das natürlich nicht entgangen. Er zeigte nun falsches Interessse.

„Oh, Sie hatten noch was zu erledigen. Wie soll ich bitte das verstehen? Lassen Sie mich überlegen. Was könnte wohl eine Schülerin im Alter von 16 Jahren nachts zu erledigen haben, dass sie morgens offensichtlich zu müde und erschöpft ist um am Unterricht teilzunehmen..." und dann fügte er noch an: „ ich hoffe Sie werden wenigstens gut dafür bezahlt!"

Hermine wurde mit einem mal klar, dass er ihr unterstellte, ihren Körper für Geld an Männer anzubieten. Nur ein widerwärtiges Ekel wie Snape konnte auf so einen fürchterlichen Gedanken kommen.

Hermine spürte nun unbändigen Zorn in sich, während sie die Slytherins an ihren Tischen einige Bemerkungen wie: „die will doch eh keiner," oder „was kostest du denn, du Schlammblut" machen hörte.

Ehe sie darüber nachdenken konnte, war sie aufgesprungen, hatte sich vor ihrem Lehrer aufgebaut, stemmte die Hände in die Hüften und schrie ihn an:

„Sie sind das Allerletzte, wissen Sie das? Ich könnte Ihnen genau erzählen was ich heute nacht gemacht habe. Aber ich bin ja nicht so ein egoistisches Schwein wie Sie! Aber das ist das letzte Mal, dass ich Babysitter gespielt habe. Das sag ich Ihnen!"

Snape stand der Schülerin, die ihm gerade mal bis zur Brust reichte, gegenüber und hatte den Mund geöffnet um sie aufs Schärfste zurechtzuweisen. Plötzlich hatten ihm jedoch die Worte gefehlt und er stand da mit offenem Mund.

Hermine konnte förmlich sehen, wie es in seinem Hirn ratterte.

In der Klasse war es erstaunlich still. Selbst die Slytherins wagten keinen blöden Kommentar mehr. Nur Harry hörte man leise murmeln: „Das gibt Ärger..."

Hermine schlug sich mit einem Mal die Hand vor den Mund, 'Oh mein Gott,' dachte sie. 'Was hab ich jetzt alles gesagt? Ich hab ihn grade ein egoistisches Schwein genannt. Der bringt mich um.'

Jetzt war eh alles zu spät. Sie konnte seinen Anblick nicht mehr ertragen und sah statt dessen auf ihre geschundenen Hände, die mit einem mal wieder unsagbar weh taten.

Snape schien sich gefangen zu haben und sie hörte wie er sich der Klasse zuwandte.

„Der Unterricht ist beendet," sagte er gefährlich leise.

„Sie alle werden eine schriftliche Arbeit über den Trank schreiben, die nicht weniger als zehn Seiten umfassen sollte. Raus jetzt!"setzte er noch hinzu.

Alle Schüler verliessen eilig den Klassenraum. Ron und Harry schauten noch einmal kurz zu Hermine, die sich gerade in Bewegung setzen wollte, als Snape sie mit seinem Blick festnagelte.

„Sie bleiben," zischte er.

Mit einer ruckartigen Bewegung sah er zu den beiden Freunden von Hermine.

„Tür zu - von aussen" schnauzte er sie an.

Die beiden ergriffen die Flucht.

Als sie die Tür geschlossen hatten, versuchten sie zu lauschen was drinnen vor sich ging.

Sie machten sich ernsthaft Sorgen um Hermine.

Plötzlich donnerte ein Fluch gegen die Tür, der ihnen fast das Trommelfell durchschlug. Danach hörten sie nichts mehr.

Der Lehrer hatte offensichtlich einen Schallzauber über die Tür gelegt.

Völlig ratlos stiegen sie die Treppe zur großen Halle hinauf.

„Wir müssen Dumbledore informieren," sagte Ron.

Harry schaute ihn zweifelnd an. „Und was willst du ihm sagen?"

„Na, dass Snape Hermine foltert," sagte Ron wie aus der Pistole geschossen.

Harry schüttelte den Kopf.

„Sag mal Ron, hörst du dir eigentlich manchmal auch selber zu? Wir wissen doch gar nicht was da drin jetzt geschieht. Wir machen uns lächerlich. Ganz abgesehen davon, dass Snape uns umbringt, wenn wir ihn verleumden. Wir können nichts tun - außer abwarten."

„Ja aber sie ist unsere Freundin. Außerdem hat Snape sie übel beleidigt. Ich meine, er hat sie hingestellt wie eine..."

„Was genau hat er denn gesagt, Ron?" fragte Harry vorsichtig.

Ron zuckte kurz die Achseln.

„Nun, er hat sie immerhin gefragt ob sie Geld dafür bekommt," verteidigte er sich.

„Genau Ron. Er hat wie immer nichts Konkretes gesagt. Hätte er ein falsches Wort in den Mund genommen, hätten wir zu Dumbledore gehen können. So können wir ihm gar nichts anhaben, er hätte ja auch sonst was meinen können. Aber Hermine hat ziemlich viel gesagt was gegen sie verwendet werden könnte. Ich glaube wir tun ihr einen Gefallen wenn wir die Sache nicht so an die große Glocke hängen."

Ron gab nach - auch wenn ihm alles andere als wohl dabei war.

„Manchmal frage ich mich, wessen Freund du eigentlich bist," sagte er leise, nur um Harry noch eins auszuwischen.

 

 

Kapitel 2

Jede Nacht eine gute Tat

 

 

Nachdem die Kerkertür ins Schloss gefallen war, hatte Snape einen Schallzauber darüber gelegt.

Hermine dachte kurz nach was dies nun für sie bedeutete.

Niemand würde sie hören können.

Egal was Snape nun mit ihr tat.

Sie fühlte sich hilflos wie nie zuvor in ihrem Leben.

Sie wusste, dass er sehr wütend auf sie war. Hinzu kam, dass sie ihm so gut wie alles zutraute.

'Toll Hermine,' dachte sie bei sich, 'er wird körperliche Gewalt anwenden und du hast dich dem auch noch selber ausgesetzt. Hättest du doch nur die Klappe gehalten.'

Sie traute sich kaum zu atmen solche Angst hatte sie.

Ihr Blick war immer noch nach unten gerichtet. Ihre Hände waren inzwischen mit einigen Brandblasen geschmückt.

'Wer weiß, was mir noch bevorsteht...' schoss es ihr durch den Kopf, als sie bemerkte wie Snape durch die Nebentür verschwand und kurz darauf mit einem langen Band in den Händen wieder auftauchte.

'Na super, er wird dich fesseln und dann bestrafen mit...Schlägen...Flüchen...oder...?'

Noch ehe sie diese Visionen zu ende geführt hatte, spürte sie wie er nach ihren Händen griff.

Plötzlich verselbständigten sich ihre Gedanken wieder.

'Vielleicht wird er dich anders bestrafen,' dachte sie plötzlich, 'er hält dich doch ohnehin für eine Hure.'

„Nein!" schrie sie mit einem mal aus Leibeskräften.

Snape, der bereits begonnen hatte ihre verletzten Hände mit dem Verband zu umwickeln, hielt inne und sah sie erstaunt an.

„Das kann nicht weh tun," sagte er verwirrt, „ ich habe den Verband mit einem schmerzstillenden Mittel getränkt."

Hermine bemerkte erst jetzt, dass die Schmerzen der bereits umwickelten Hand merklich nachgelassen hatten.

Sie wurde rot als sie bemerkte, dass er langsam begriff, dass sie gedacht hatte er würde ihr Schmerzen zufügen wollen.

„Danke - schon besser..." murmelte sie.

Er hob kurz eine Augenbraue und machte sich daran auch die zweite Hand zu verbinden.

Als er fertig war zog er einen Stuhl aus der ersten Reihe direkt vor sein Pult und forderte sie auf sich zu setzen.

Hermine war ihr Verdacht von vorhin immer noch sehr peinlich.

Sie ließ sich auf den Stuhl sinken und wartete während sie nun ausführlich die verbundenen Hände inspizierte.

Snape hatte sich an sein Pult gesetzt und sagte:"Ich warte..."

Hermine sah kurz zu ihm und erkannte, dass er nicht weitersprechen würde.

'Wie ein Kaninchen vor der Schlange', schoss es ihr durch den Kopf.

Sie versuchte ihre Zunge vom Gaumen zu lösen, die dort plötzlich wie angewachsen schien.

„Ähm, entschuldigen Sie bitte was ich vorhin gesagt habe. Ich wollte nicht..." Sie hatte den Faden verloren. Wie entschuldigte man sich für das was sie gesagt hatte, um Snape gerecht zu werden? Es schien ihr, dass Worte nicht ausreichten. Vielleicht sollte sie sich selbst geißeln um ihn zu besänftigen, dachte sie eingeschüchtert.

„Was?," entfuhr es Snape ungeduldig.

Hermine spürte Verzweiflung.

„Was soll ich tun?" fragte sie jetzt ohne Umschweife.

„Sie sollen mir erklären was Sie eben damit gemeint haben," antwortet ihr Lehrer.

Hermine war verwirrt.

„Ähm, mit dem egoistischen Schwein?"fragte sie vorsichtig.

Ihr Gegenüber rang um seine Beherrschung.

„Nein, Miss Granger. Was Sie damit gemeint haben ist mir schon klar! Ich meine die Sache mit dem Babysitter." Bei dem letzten Satz war seine Stimme leiser geworden. Irgendwie vertraulicher.

„Achso," sagte Hermine erleichtert.

Aber plötzlich wurde ihr bewusst, dass dies ebenso gefährlich und vor allem peinlich war zu erklären. Also schwieg sie wieder.

Snape rückte ein Stück auf seinem Stuhl vor und rieb sich die Stirn als habe er Kopfschmerzen.

„Nun Miss Granger. Mir ist durchaus bewusst, dass ihre Freunde mit jeder Minute die ich Sie hier festhalte, sich mehr in Horrorszenarien verennen was ich hier wohl mit Ihnen anstelle. Also würden Sie es mir bitte erklären, bevor Abgesandte von Askaban vor meiner Türe stehen."

Hermine überlegte ob er wohl gerade einen Scherz gemacht hatte, entschied aber aufgrund seines Blickes, dass er es durchaus für möglich hielt für sein Vorgehen getadelt zu werden - wenn auch 'nur' von Dumbledore.

Sie spürte, dass das nun Kommende unangenehm würde. Aber was an diesem verdammten Tag war bisher nicht unangenehm gewesen?

Plötzlich hörte sie im Geiste wieder die Slytherins lachen. Augenblicklich spürte sie Wut in sich aufsteigen.

'Soll er doch Kopfschmerzen haben. Soll er doch nach Askaban gebracht werden. Soll er doch in Ausübung seiner Spionagetätigkeit grausam gefoltert werden...'

„Sie haben mir Dinge unterstellt die ungeheuerlich sind..." schoss es aus ihrem Mund.

Snape war aufgrund dieses Themenwechsels ein wenig irritiert.

Dann dämmerte es ihm.

Ein kurzes Grinsen zuckte um seinen Mundwinkel.

Hermine, die es bemerkt hatte wurde zornesrot.

„Sie lachen auch noch darüber. Dabei habe ich gedacht, so einer wie Sie kann gar nicht lachen!"

Snape wurde augenblicklich ernst.

„So einer wie ich?" fragte er nun wieder gefährlich leise.

Hermine schloss kurz die Augen.

Sie hatte es schon wieder getan. Vielleicht sollte sie aufhören ihn zu beleidigen, wenn sie hier einigermassen heil herauskommen wollte.

„Sie haben mich hingestellt wie eine...eine..." Hermine konnte nicht weitersprechen, sie spürte zu ihrem eigenen Entsetzen wie sich Tränen ihren Weg bahnten und versuchte sie wegzuwischen ehe er sie sah.

Snape seufzte.

Abermals reichte er ihr ein Taschentuch. Er schien einen großen Vorrat zu haben. Dabei war er eigentlich nicht gerade als Tröster der Witwen und Waisen bekannt.

Sie ärgerte sich über ihn, aber am meisten über sich selbst. Also riss sie ihm das Taschentuch mit einem Ruck aus der Hand und schneuzte sich geräuschvoll.

„Fertig jetzt?" fragte er genervt.

„Hm," machte Hermine.

„Sie glauben doch nicht ernsthaft, dass ich so etwas von Ihnen denke, Hermine."

Sie sah ihn erstaunt an. Er hatte sie beim Vornamen genannt.

Dann kochte ihre Wut wieder hoch.

„Aber die anderen denken das jetzt, weil Sie sie darauf gebracht haben. Sie haben doch gehört wie Ihre Slytherins gelacht haben." In die Worte 'ihre Slytherins' hatte sie soviel Verachtung gelegt wie ihr möglich war.

Wieder dieses Grinsen.

„Nun, da hat Ihr makelloser Ruf wohl etwas gelitten, nicht wahr?" fragte er süffisant.

„Aber Miss Granger, Sie können mir glauben, dass Ihnen das wirklich keiner zutraut."

Was meinte er denn damit schon wieder? fragte sich Hermine im Stillen.

„Ein bisschen Spott hat noch keinem geschadet," sagte er abweisend.

„Na, da haben Sie ja Erfahrung," sagte Hermine leise und hoffte im selben Augenblick dass er es nicht gehört hatte.

Wenn er es hatte, so ließ er es sich nicht anmerken.

„Ich höre schon die Dementoren..." versuchte er noch einmal auf das eigentliche Thema zurückzukommen.

„Wir haben nicht mehr viel Zeit Miss Granger. Hätten Sie jetzt bitte die Güte mir die Geschichte mit dem Babysitten zu erklären. Um welches 'Baby' handelt es sich denn?"

Hermine schluckte.

„Tja, eigentlich ist es kein Baby...eher..."

„Ja?" forderte der Professor.

Hermine überlegte und entschied dann, dass Angriff die beste Verteidigung ist.

„Sie!"sagte sie laut und deutlich.

Die Schülerin konnte praktisch sehen, wie sich ein Fragezeichen über dem Kopf ihres Lehrers bildete.

„Ich?" fragte er genauso einsilbig zurück.

Hermine erkannte, dass nun alles ans Licht kommen würde, obwohl sie gehofft hatte, dass sie alles was letzte Nacht geschehen war vergessen könnte und gewiss nicht mit ihrem Lehrer darüber sprechen wollte.

Snape schien nun verunsichert, was eine interessante Erfahrung für seine Schülerin war.

„Bitte von Anfang an," befahl er mit einer Stimme, die keinen Widerspruch duldete. Hermine erkannte darin aber auch eine Spur von 'Augen zu und durch'.

Sie räusperte sich kurz, dann begann sie zu erzählen:

 

„Gestern abend, als ich meine Schultasche auspackte, fiel mir auf, dass mein Muggelkundebuch nicht mehr da war. Es war das letzte Fach gewesen das ich hatte und ich ging in Gedanken durch, wo ich es liegen gelassen haben konnte.

Nachdem ich alles erfolglos abgesucht hatte, musste ich aufgeben, weil es Zeit zum Schlafen war. Später jedoch, als ich im Bett lag - naja, genaugenommen mitten in der Nacht, fiel mir auf einmal ein, dass ich es auf der Mädchentoilette im unteren Stockwerk auf die Ablage über dem Waschbecken gelegt hatte. Ich weiss nicht ob es Ihnen auch so geht, aber manchmal erwache ich und solche Dinge gehen mir durch den Kopf.

Dann konnte ich nicht mehr schlafen, bevor ich mich davon überzeugt hatte, dass es tatsächlich dort lag. Ich wollte nicht erst warten bis morgens. Vielleicht hätte dann auch schon jemand anderes das Buch gefunden. So war ich mir ziemlich sicher dass es noch dort liegen würde, denn nach dem Unterricht geht dort kaum jemand auf Toilette.

Gut das interessiert Sie nicht," sagte sie, als sie Snapes genervten Gesichtsausdruck sah.

„Also egal, ich bin jedenfalls aus dem Turm geschlichen um mir das Buch zu holen und wollte dann sofort zurück ins Bett, schliesslich brauche ich meinen Schlaf..." sagte sie und sah ihn durchdringend an.

Snape, etwas irritiert durch diesen Blick, forderte sie auf weiterzuerzählen.

„Ich hatte es tatsächlich dort liegenlassen und war gerade auf meinem Rückweg, als ich ein Geräusch hörte.

Es waren Schritte. Sehr leise nur, aber deutlich zu erkennen. Natürlich hatte ich mir schon die Erklärung für mein nächtliches Herumschleichen zurechtgelegt. Schliesslich hatte ich einen guten Grund für meinen Ausflug. Wie erwartet standen Sie auf einmal vor mir. Ich weiss ja, dass Sie und Mr. Filch nachts die Gänge inspizieren.

Gerade wollte ich zu einer Erklärung ansetzen, als ich erkannte, dass Sie ....," Hermine wurde nun feuerrot.

„Äh, ja , also...ich merkte halt, dass Sie eigentlich nicht wach waren."

„Wie bitte?" entfuhr es Snape.

„Sie schlafwandelten - Sir,"fügte sie rasch hinzu, damit es nicht ganz so respektlos klang.

„Das kann nicht sein!"schrie er.

Hermine zuckte zusammen.

Er war aufgesprungen und funkelte sie böse an.

„Ich habe....verdammt...ich habe es gestern vergessen..."sprach er offensichtlich mit sich selbst und setzte sich langsam wieder auf seinen Stuhl.

„Aber das kann nicht sein...nein...oh nein..." er stützte den Kopf in seine Hände.

Hermine hatte mit viel gerechnet, aber sicher nicht damit, dass ihr verhasster Lehrer nun wie ein Häufchen Elend vor ihr saß und Selbstgespräche führte.

Sie räusperte sich.

Er hob seinen Kopf und sah gequält aus, als er zu einer Erklärung ansetzte.

„Ich weiß seit einiger Zeit, dass ich wohl schlafwandeln muss. Ich habe es an Dingen in meinen Privaträumen erkannt, zu dem sonst niemand Zutritt hat.

Nur ich konnte diese Dinge verändert haben. Aber ich war mir nicht sicher, ob ich auch durch das Schloss wandle.

Um kein Risiko einzugehen habe ich die Tür zu meinen Räumen immer magisch verschlossen. Offensichtlich keine gute Methode, da ich wohl auch im Schlaf die Fähigkeit habe den Gegenzauber zu sprechen. Oh Gott. Wenn das bekannt wird..."

Hermine konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen: „Jaja, ein bißchen Spott hat noch keinem geschadet," zitierte sie ihn.

Er blickte sie zornig an.

„Miss Granger, es geht hier nicht um Kindereien. Wie Sie als eine der wenigen (lol) wissen, arbeite ich für Professor Dumbledore als Spion bei Lord Voldemort. Glauben Sie unsere Unternehmung ist noch einen Pfifferling wert, wenn die Todesser herausbekommen, dass einer von ihnen zeitweise keine Kontrolle über sein Handeln hat?"

Nun schwieg Hermine betreten.

Er hatte Recht. Es war mehr als nur gefährlich. Für ihn stellte sein Schlafwandeln eine echte Lebensgefahr dar.

Aber Hermine war ratlos.

„Sie müssen mit Professor Dumbledore sprechen," sagte sie dann.

„Ja," sagte Snape leise und diesmal ohne gefährlichen Unterton, „das muss ich wohl."

Die Tatsache dass ich schlafwandle erklärt aber noch nicht Ihren Schlafmangel Miss Granger," sagte er nun und Hermine fand, dass seine Stimme ein wenig belegt klang.

Hermine war unwohl, aber er hatte natürlich Recht. Sie musste ihm deshalb den Rest auch noch erzählen

„Nun," begann sie erneut,

„ich wollte mich eigentlich schnell aus dem Staub machen als Sie nicht auf mich reagierten. Aber dann habe ich gesehen dass Sie in Richtung Eingangstür unterwegs waren. Da bin ich Ihnen gefolgt."

Snape sah sie erstaunt an. Er hatte die Befürchtung dass es noch schlimmer kam. Und so kam es auch.

„Sie gingen direkt in den verbotenen Wald."

„Und Sie sind mir gefolgt?"fragte er ungläubig.

Hermine setzte eine beleidigte Miene auf.

„Na was hätte ich denn sonst machen können.? Man darf einen Schlafwandler ja bekanntlich nicht wecken. Der könnte einen Schock kriegen. Aber ich konnte Sie doch nicht so allein da im Wald rumrennen lassen. Also hab ich geguckt dass Ihnen nichts....passiert" schloss sie schwach.

Sein Gesichtsausdruck war ihr völlig neu. „So sieht Snape also aus wenn ihm etwas peinlich ist," schoss es ihr durch den Kopf.

Der Lehrer rang um Kontrolle.

„Was wäre mir denn passiert," fragte er immer noch etwas beklommen.

Hermine wandt sich.

„Nun ja, da waren ein paar Gnome die sich auf Sie stürzen wollten, aber mit denen bin ich ganz gut fertig geworden. Und einmal wären Sie fast in eine Schlucht gestürzt, aber ich habe Sie in eine andere Richtung gedreht, das hat auch ganz gut geklappt."

Snape legte die Hand vor seine Augen und schien etwas zu murmeln. Dann sah er wieder auf und fragte bestimmt:"Wann bin ich denn wieder ins Schloss zurückgekehrt?"

„Tja, das war so um die Zeit als es zu dämmern anfing."

„Nun," sagte er und räusperte sich. „Das erklärt in der Tat warum Sie so müde sind."

Ein paar Sekunden vergingen und jeder hing seinen Gedanken nach.

„Miss Granger," sagte er dann wieder mit unnachgiebiger Stimme,

„Diese Sache bleibt unter uns, ist das klar? Ich kann mir schon denken wieviel Freude es Ihnen bereiten würde Ihren Freuden von meiner kleinen Schwäche zu berichten. Aber ich werde Sie von der Schule werfen lassen wenn mir jemals zu Ohren kommen sollte, dass Sie etwas erzählt haben."

Er hatte sich also wieder aufs Drohen verlegt.

Hermine war enttäuscht und verwirrt.

Dieser Mann war unmöglich.

Sie hatte sich die Nacht für ihn um die Ohren geschlagen und statt sich zu bedanken drohte er ihr!

„Gehen sie jetzt!"sagte er noch sehr kühl.

Hermine erhob sich und ging langsam zur Tür.

Sie hatte sie schon geöffnet und war auf dem Weg nach draußen als sie sich noch einmal zu ihm umdrehte:

"Ach Professor Snape, eins noch...ich denke Sie sollten ab jetzt lieber nicht mehr nackt schlafen." Damit schloss sie die Tür und war verschwunden.

„Gottverdammte Scheiße..."murmelte Snape.

 

 

Kapitel 3

Reden ist Silber - Schweigen ist Gold

 

Zum Abend hin war es unerträglich schwül geworden und eine bleierne Müdigkeit hing über Hogwarts.

Das Abendessen in der großen Halle war soeben beendet worden und die Schüler schlichen förmlich zum Ausgang.

Hermine hatte am Nachmittag schleunigst ihre Hausaufgaben erledigt und danach versucht ein wenig Schlaf nachzuholen.

Da fast alle Schüler am See gewesen waren, hatte sie zwar im Schlafraum Ruhe gefunden, mit einem Ohr hatte sie allerdings auch ständig das Lachen und Kreischen der anderen gehört und so fühlte sie sich immer noch nicht wirklich erholt.

Ron und Harry hatten während des Essens versucht herauszufinden was eigentlich mit ihrer Freundin los war.

Erst dieses eigenartige Verhalten im Unterricht, dann die Unterredung (wie Hermine es genannt hatte) mit Snape und schließlich war sie auch noch den ganzen Nachmittag unauffindbar gewesen.

Die beiden mussten ja schier sterben vor Neugier.

Draußen auf dem Flur hatten sie ihr dann auch regelrecht aufgelauert.

„Hermine wo warst Du denn? Jetzt erzähl doch mal, was hat Snape denn bei eurer „Unterredung" gesagt? Hat er dir die Zunge rausgerissen oder warum bist du so schweigsam?"

Hermine lächelte ihre Freunde flüchtig an.

„Ach Ron. Ich hab einfach keine Lust drüber zu reden. Ich bin schrecklich müde. Ich habe letzte Nacht schlecht geschlafen. Am besten gehe ich jetzt ins Bett, dann bin ich morgen sicher wieder fit."

Sie lächelte beide noch einmal kurz an und wollte dann an ihnen vorbei die Treppe zum Gryffindor-Turm hoch.

Eine piepsige Stimme hielt sie zurück.

Melly, die Hauselfe fuchtelte mit einem Brief in der Hand vor ihr herum.

„Miss Hermine Granger, ich habe eine Nachricht für Sie. Wichtig! Wichtig!"rief sie aufgeregt.

Hermine runzelte die Stirn.

Eine Nachricht für sie? Seit wann bekamen Schüler Nachrichten von Hauselfen zugestellt?

Das war eigentlich meistens den Lehrern vorbehalten, weil es sich um hausinterne Angelegenheiten handelte.

Neugierig nahm sie dem kleinen Wesen den Brief ab und sah sich den Umschlag an.

Kein Absender, stellte sie fest.

Lediglich ein Wort zierte den Umschlag. Dieses eine Wort jedoch schien sie regelrecht anzuspringen:

VERTRAULICH, stand dort in großen Lettern ohne jeglichen Schnörkel.

Eine Ahnung über den Absender stieg in Hermine auf und genau das schien auch der Zweck dieses einzelnen Wortes zu sein.

Harry und Ron durften auf keinen Fall erfahren von wem dieser Brief stammte.

„Von wem ist der?"fragte Ron auch sofort.

„Hermine, mach doch mal auf!"forderte Harry.

Sie wartete bis Melly sich endlich nach endlosem Verbeugen und Knicksen zurückgezogen hatte und öffnete dann vorsichtig den Umschlag.

Mit zwei Fingern zog sie das darin enthaltene Blatt heraus und drehte sich beim Entfalten so, dass die Jungs ihr nicht über die Schulter sehen konnten.

Ihre Augen überflogen kurz den Text und ihre Ahnung wurde durch die Unterschrift bestätigt.

Als sie merkte wie Harry und Ron um sie herumgingen um ebenfalls einen Blick auf den Absender werfen zu können klappte sie das Blatt schnell zusammen und rief etwas lauter als beabsichtigt:

"dachte ich's mir doch. Ein Irrtum! Der Brief ist gar nicht für mich. Da hat Melly aber einen großen Fehler gemacht. Der Brief ist für Professor Snape. Ihr wisst ja wie er ist. Wenn der erfährt, dass Melly ihn falsch überbracht hat, reißt er ihr bestimmt den Kopf ab. Ich bring ihn mal lieber schnell selbst zu ihm."

Harry und Ron standen da wie vom Donner gerührt.

„Äh, der ist für Snape?"fragte Ron verwirrt.

„Ja, ja für Snape." stammelte Hermine jetzt.

„Von, äh Professor Dumbledore," fügte sie hinzu.

Irgendwie musste sie die beiden loswerden. Also wieder mal die Flucht nach vorne, entschied sie.

Sie schwenkte den Brief vor deren Nasen und fragte:

"Wollt ihr nicht mitkommen wenn ich ihn Snape bringe?"

Ron und Harry hatten auf einmal wichtige Dinge zu erledigen.

„Ne Hermine, ich glaube es reicht wenn einer zu ihm geht. Das geht ihm ja eh bloß auf den Nerv wenn wir da alle vor seinem Kerker rumhängen. Außerdem muss ich noch meinen Aufsatz zu ende machen," sagte Harry eilig.

Ron, dem nichts besseres einfiel, beschränkte sich auf ein:"Ja, genau! Ach, ich helfe dir beim Aufsatz, Harry."

Die beiden verschwanden schnell in die andere Richtung.

Hermine seufzte.

Was für ein Glück, dass sie die beiden so gut kannte.

Sie hatte gewusst, dass sie auf keinen Fall freiwillig zu Snape gehen würden.

Genau dorthin musste sie aber nun. Nicht etwa weil dieser Brief für ihn gewesen wäre, sondern weil eben jener Brief von ihm stammt und er sie gebeten, oder dem Tonfall nach eher befehligt hatte, dass sie ihn noch heute abend in seinen Privaträumen aufsuchen sollte.

Hermine spürte eine eigenartige Mischung aus Angst und Neugier in ihrem Bauch.

Sie war noch nie in Snapes Privaträumen gewesen. Eigentlich war sie noch in gar keinem Privatraum eines Lehrers gewesen. Aber wenn sie auf einen neugierig war dann mit Sicherheit auf Snapes.

Sie kannte die Witze, die unter den Schülern kursierten. Wie etwa den, dass der Zaubertranklehrer auf einer Folterbank schlief. Oder dass in seinem Vorratsschrank Einmachgläser mit toten Reptilien standen. Genauso wie die Vermutung, dass seine Zimmer keinen Wasseranschluss hatten und ihm deshalb die Möglichkeit sich die Haare zu waschen oder gar zu duschen, verwehrt bliebe.

In ein paar Minuten würde sie wissen wie es bei ihm aussah.

Sie steckte den Brief in ihren Umhang und ging eilig die Stufen zu den Kerkern hinunter.

Als sie unten im dunklen Flur ankam verging ihr das Gefühl der Neugierde allerdings etwas.

Sie stellte fest, dass es ein großer Unterschied war zum Unterricht mit einer Menge lärmender Mitschüler hier herunterzukommen oder am Abend, völlig mutterseelenallein. Irgendwie gruselte sie sich nun.

Die Fackeln im Gang leuchteten träge vor sich hin, als hätten sie selbst Angst die Dunkelheit hier unten zu stören.

Hermine ging nun langsam und vorsichtig zur Tür, die sie noch nie durchschritten hatte.

Sie bemerkte mit einem mal, dass sie auf Zehenspitzen ging und ihr Atem ungewohnt flach war.

'So etwas idiotisches,' schoss es ihr durch den Kopf.

'Vor was habe ich eigentlich angst? Schließlich hat er mich selbst zu sich gerufen. Dann sollte ich mich nicht fühlen wie ein Eindringling'.

Beherzt klopfte sie nun an die Kerkertür.

Nur wenig später wurde sie schwungvoll geöffnet und Snape sah sie finster an.

Hermine wollte etwas sagen. Sie öffnete den Mund, aber dann streikte plötzlich ihr Gehirn und kein anständiger Satz wollte sich formen.

Das schien jedoch auch nicht nötig zu sein, denn Snape bedeutete ihr mit einer Handbewegung dass sie eintreten sollte.

Sie folgte ihm hinein in den spärlich beleuchteten Raum.

Im ersten Moment war sie irritiert. Dieser Raum war so völlig anders als sie erwartet hatte.

Er sah irgendwie so normal aus.

Sie sah einen Schreibtisch, der den Raum dominierte, dahinter ein großes Bücherregal, aber ebenso gab es eine Couch und einen Sessel mit einem kleinen Tisch davor und daneben einen Kamin.

Bei den heißen Temperaturen, die zur Zeit draußen herrschten empfand sie die Kühle des Raumes als sehr angenehm. Im Winter jedoch war der Kamin sicher sehr von Nöten, dachte Hermine und fröstelte bei diesem Gedanken unwillkürlich.

Dennoch beneidete sie ihren Lehrer beinahe um diese Räumlichkeiten, denn er hatte sicher zur Zeit nicht das Problem vor Hitze nicht schlafen zu können.

Teppiche dämpften ihre Schritte und an den Wänden hingen einige Bilder. Es waren vergrößerte Fotografien, wie sie feststellte. Ausschließlich Landschaften.

Sie erkannte auf einigen das Umland von Hogwarts, andere mussten in Gegenden aufgenommen sein, die sie noch nie zuvor gesehen hatte.

Hermine hatte sich nie gefragt was ihr Lehrer wohl in seinem Urlaub unternahm.

'Noch so ein Witz' schoss es ihr durch den Kopf. Die Schüler glaubten, Snape würde sich während ihrer Ferien in einen Sarg legen und schlafen bis die Schule wieder los ging.

Ihr Lehrer war inzwischen zu seinem Schreibtisch gegangen und wies auf den Stuhl, der davor stand.

Hermine setzte sich zögernd.

Sie konnte nicht widerstehen und wandte den Kopf nach rechts zu dem Regal das dort stand.

Darin befanden sich mehrere alte Fotoapparate. Sie glaubte zu wissen, dass manche von ihnen durchaus als Antiquität anzusehen waren.

Leider erstreckte sich ihr Wissen darüber nicht soweit, dass sie einordnen konnte ob sie wertvoll waren oder nicht.

Sie erkannte aber auch in einem Fach darüber Fotoapparate die durchaus neuerem Datums waren. Mehrere Objektive lagen gut verpackt daneben. Ein Stativ lehnte neben dem Regal an der Wand.

Snape, der gemerkt hatte dass sie verblüfft seine persönlichen Gegenstände betrachtete, räusperte sich um ihre Aufmerksamkeit zu erlangen.

Sofort schaute sie schuldbewusst zu ihm.

Etwas zu schnell für ihn, denn es dauerte den Bruchteil einer Sekunde ehe er seinen sonst immer gegenwärtigen genervten Gesichtsausdruck aufgesetzt hatte, den er seinen Schülern entgegenbrachte.

Hermine wartete gespannt was er ihr zu sagen hatte.

Der Professor hatte sich offenbar schon eine kleine Rede zurechtgelegt, denn er begann nun ohne Umschweife.

„Miss Granger, Sie sollen wissen, dass es nicht meine Idee war, was ich Ihnen nun mitteile. Es ist Anweisung von Professor Dumbledore. Ich habe ihm mein Problem erläutert und kam nicht umhin Ihre Beteiligung von letzter Nacht zu erwähnen. Professor Dumbledore hat mir zugesichert mit mir zusammen an einer dauerhaften Lösung zu arbeiten. Er ist jedoch für die nächsten 2 Wochen nicht in Hogwarts, da er an einer wichtigen Schulleiterversammlung in Prag teilnehmen muss.

Bis dahin bin ich bemüht einen Trank zu kreieren, der mein Schlafwandeln hoffentlich unterdrückt. Professor Dumbledore wird, wenn er wieder hier ist, einige Sicherheitszauber des Schlosses so modifizieren, dass es mir nicht mehr möglich sein sollte im Schlaf Gegenzauber zum öffnen meiner Tür zu sprechen, sondern nur in wachem Zustand. Dies wird jedoch eine ebenso schwierige Aufgabe wie das Brauen eines Zaubertrankes. Denn bislang gibt es keinen Präzedenzfall und wir werden Wochen brauchen um die Erfolge zu testen.

Nun werden Sie sich sicher fragen warum ich Ihnen - einer Schülerin - das alles erkläre. Es ist mit Sicherheit nicht weil ich mich so gerne mit Ihnen unterhalte..."

„Sicher nicht..." murmelte Hermine.

Nun schien Snape das erste Mal seit seiner langen Rede aus dem Konzept zu sein.

„Ich, äh, also wie gesagt, die Idee stammt von Professor Dumbledore und eigentlich hatte ich ihn gebeten es Ihnen zu erklären, aber er war der Meinung Sie würden ihm das nicht glauben und so muss ich Sie selber bitten..."

Hermine war nun sichtlich irritiert. Dumbledore dachte Hermine würde ihm nicht glauben? Wie sollte sie sich anmaßen dem Schulleiter etwas nicht zu glauben. Aber das eigentlich Unfassbare war, dass Snape sie um etwas bitten wollte. Seit wann bat er um irgendetwas?

Seine schwarzen Augen funkelten sie böse an. Anscheinend sollte sie gar nicht erst auf den Gedanken kommen eine Schwäche bei ihm festzustellen, auch wenn er sie um etwas bitten musste. Seine Stimme blieb denn auch unbeugsam als er sagte:

„Es gibt nur eine Möglichkeit meine nächtlichen Ausflüge in der nächsten Zeit sicher zu unterbinden. Ich muss eingeschlossen werden.

Professor Dumbledore hätte das natürlich selbst übernommen, da er aber wie gesagt leider nicht anwesend ist und Sie bereits in die Sache eingeweiht sind, hielt er es für das Beste wenn Sie das für die nächsten zwei Wochen übernehmen würden.

Natürlich könnte ich auch Mr. Filch fragen, oder einen der anderen Lehrer, oder jemanden aus Hogsmeade..."

Hermine schmunzelte nun:"Oder einen anderen Schüler. Harry zum Beispiel..."

Snape stutzte.

Seine Augen schienen Blitze zu schicken als er sagte:

„Die Sache darf niemand erfahren. Nur darum kommen sie in den Genuss - und das ist es zweifellos für sie, nicht wahr - einen Lehrer in seinen Räumen einzusperren!"

„Es würde mir bei niemandem mehr Freude bereiten als bei ihnen, Sir," bestätigte Hermine nun freimütig.

Der Professor zog einen Mundwinkel in die Höhe, was bei ihm wohl einem Lächeln am nächsten kam.

„Dachte ich mir doch," sagte er durch die Zähne geknirscht.

„Es gibt aber noch ein Problem, das wir unbedingt erörtern müssen," sagte er nun wieder in seiner Lehrerstimme.

Hermine war gespannt was als nächstes kam. Dieses Gespräch war bisher schon sehr merkwürdig verlaufen.

„Tee?" fragte Snape auf einmal völlig aus dem Zusammenhang heraus.

Hermine wusste im ersten Moment nicht was an „Tee" für ein Problem sein sollte das man noch erörtern musste, bis sie realisierte dass ihr Lehrer sich auf einmal auf seine Gastgeberrolle besann.

„Äh, gerne," erwiderte sie knapp.

Snape erhob sich und verschwand durch eine Tür die Hermine bisher noch gar nicht aufgefallen war.

Sie wollte gerade einen Blick hindurch werfen, als er auch schon wieder zurückkam mit einem Tablett in der Hand, worauf sich eine kleine Teekanne, zwei Tassen, Löffel und Kandiszucker befand.

Vorsichtig stellte er das Tablett auf seinem Schreibtisch ab. Dann schenkte er eine Tasse ein und stellte sie vor Hermine ab.

Nachdem er seine eigene Tasse gefüllt hatte begann er zu sprechen.

„Nun, wie Sie ja durch einige unglückliche Zufälle erfahren haben, arbeite ich als Spion für Professor Dumbledore. Es ist also zwingend notwendig, dass ich an den Todessertreffen teilnehme. Da ich zur Zeit nicht zum Vertrautenkreis von Lord Voldemort gehöre reicht es aus, wenn ich die Treffen an Neumond besuche.

Nächste Woche ist es wieder soweit. Es versteht es sich also von selbst, dass Sie dann auf keinen Fall meine Türe verschliessen dürfen. Ich werde Sie daran erinnern."

Hermine nickte.

„Was ist wenn Sie an diesem Abend schlafwandeln? Dann werden Sie gar nicht merken dass er Sie ruft, oder?"

Snape hatte sich mehrere Kandis gegriffen und in seiner Teetasse versenkt. Obwohl er stets Dumbledores Süßigkeiten mit einem angeekelten Gesicht ablehnte, schien er seinen Tee sehr süß zu trinken.

Der Lehrer rührte mit Hingabe in seiner Tasse herum als er sagte:

„Das kann nicht passieren, ich pflege mich an solchen Abenden nicht einmal schlafen zu legen."

Hermine fiel auf einmal ein, dass er an den Unterrichtstagen nach Neumond noch schlechter gelaunt war als sonst. Nun kannte sie auch den Grund dafür.

Er hatte also in den Nächten davor kein Auge zugemacht und war zudem noch der Willkür von Voldemort ausgesetzt, der sonstwas mit ihm angestellt hatte. Dennoch war er an den folgenden Tagen immer pünktlich zum Unterricht erschienen und außer einer verdammt schlechten Laune hatte man ihm nichts angemerkt.

Snape schien in ähnliche Gedanken versunken zu sein.

Schließlich hob er die Tasse an den Mund und nahm einen Schluck Tee.

Fast hätte er ihn zurück in die Tasse gespuckt.

'Hm, wohl doch zu süß' dachte Hermine.

Aber statt belustigt zu sein, war sie auf einmal sehr beunruhigt.

Wenn ihr Lehrer durch dieses Gespräch derart aus dem Konzept geriet, dass er seinen Tee ungenießbar machte, war dies sicher kein gutes Zeichen.

Sie trank nun auch vorsichtig einen Schluck von dem heißen Getränk und war immer noch in Gedanken versunken als er sie ansprach.

„Professor Dumbledore hat es abgelehnt, dass Sie die Tür mit einem Zauber verschliessen dürfen. Das Risiko, dass ich diesen brechen würde, war ihm zu groß. Wir werden also auf Muggelmethoden ausweichen müssen."

Mit diesen Worten öffnete er eine Schublade an seinem Schreibtisch und holte einen messingfarbenen Schlüssel hervor.

„Dies ist der Schlüssel für meine Tür. Verlieren Sie ihn bloß nicht. Ich besitze nur diesen einen.

Also kann ich, wenn Sie von aussen abgeschlossen haben, höchstens noch die Tür aufbrechen.

Das wiederum sollte mir in schlafendem Zustand jedoch unmöglich sein. Zwingen Sie mich bitte nicht, dass ich so eine drastische Maßnahme in wachem Zustand durchführen müsste."

Hermine war sprachlos. Sie versuchte ihre Gedanken zu ordnen.

Er war gezwungen, ihr seinen Schlüssel auszuhändigen, musste sie bitten ihn einzuschliessen und natürlich auch wieder herauszulassen. Er musste sich fühlen wie ein Tier, das auf die Güte eines anderen angewiesen war.

'Ach nein, du übertreibst,' dachte sie dann bei sich. 'Immerhin kann er ja die Tür aufbrechen wenn er will'.

Aber das Aufbrechen der Tür wäre für jeden ein klares Zeichen, dass hier irgendetwas nicht stimmte.

Erst jetzt wurde ihr klar dass sie, wenn sie zustimmte, eine echte Verantwortung tragen würde.

Aber blieb ihr überhaupt die Möglichkeit abzulehnen?

Sie würde damit nicht nur Snapes Groll auf sich ziehen, sondern Professor Dumbledore wäre sicher sehr enttäuscht von ihr.

Außerdem hatte Snape sie ja gebeten - hatte er eigentlich?

Nachdenklich drehte sie den Schlüssel in ihren Händen hin und her.

Sie musste daran denken wie Snape ihr heute mittag eben diese Hände verbunden hatte. Dank seiner Hilfe waren keine Spuren der Verletzungen zurückgeblieben.

Hatte sie ihm dafür eigentlich richtig gedankt? Und was wichtiger war - hatte er es überhaupt erwartet?

Nein, dieser Mann half ohne eine Gegenleistung zu erwarten und sie würde ihm auch helfen ohne ein großes Dankeschön zu erwarten.

„Sie können sich auf mich verlassen. Ich werde Ihnen die Tür morgens Punkt sieben öffnen. Äh, wann soll ich Sie denn Abends einschließen?"

Snapes Mundwinkel gingen eine Spur nach unten.

„Nun, da Sie um zehn spätestens im Gryffindorturm sein müssen ist es wohl logisch, dass Sie meine Tür kurz vorher verschließen müssen. Ich werde mit Mr. Filch sprechen, dass er in den nächsten zwei Wochen die Inspektionsrunden allein übernehmen muss."

„Hm, gut..." murmelte Hermine.

Plötzlich fiel ihr ein, was sie unterschwellig schon die ganze Zeit an diesem Plan gestört hatte.

„Ähm, was ist denn wenn irgendetwas mit Ihnen ist?"

Snape zog die Augenbrauen in die Höhe.

„Was soll denn mit mir sein?" fragte er erstaunt.

Hermine spürte wie sie rot wurde.

„Naja, ich meine wenn Sie krank werden. Oder sich verletzen. Es kann ja auch sein, dass Sie Nachts von jemandem gerufen werden. Von einem der Lehrer, wenn es Probleme gibt, oder...vielleicht doch von Lord Voldemort. Dann sind Sie eingeschlossen. Wollen Sie dann wirklich die Tür aufbrechen? Ich meine, wenn Ihnen etwas passiert ist, sind Sie dazu vielleicht gar nicht mehr in der Lage."

Snape betrachtete sie eingehend, dann schnaubte er mehrfach, was wohl einem Lachen gleichkam.

„Sie sind um mich besorgt?" fragte er spöttisch.

Hermine, die nun merkte dass ihre Gesichtsfarbe noch einen Ton dunkler wurde, gab sich gleichgültig.

„Nein, es ist ja nur dass ich dann sozusagen die Verantwortung trage."

„Sie sagten doch, Sie wollen nicht mehr Babysitter spielen - dann tun Sie es auch nicht!" fuhr Snape sie an.

„Aber mit Lord Voldemort haben Sie Recht. Es wäre verheerend für den Orden des Phönix, wenn mir der Lord noch mehr misstrauen würde, als er es ohnehin schon tut. Vermutlich würde er, falls ich nicht erscheine wenn er mich ruft, beim nächsten Treffen kurzen Prozess mit mir machen und dann wäre ein wichtiges Instrument für den Orden verloren."

Hermine glaubte ihren Ohren nicht trauen zu können.

Da saß dieser Mann und bezeichnete sich selbst als Instrument, um das man nur trauern würde weil man es nicht mehr benutzen könnte.

Ohne darauf zu achten dass sie bereits wieder rot wurde, sagte sie mit festem Blick in seine Augen:

„Nur damit Sie es wissen. Ich habe eben gelogen. Ich sorge mich tatsächlich um Sie. Wenn Sie Ihren Mitmenschen auch nicht das geringste Mitgefühl zukommen lassen, muss ich Ihnen sagen dass das auf andere nicht zutrifft. Niemand will, dass Ihnen etwas zustösst."

Der Lehrer saß da wie vom Donner gerührt.

Seine Maske war für einen Moment von ihm abgefallen und in seinen Augen stand Schmerz.

Dann versteinerte sich seine Miene wieder als er sagte:

„Sie wissen so gut wie ich, dass die meisten meiner Schüler jubeln würden, wenn ich das Zeitliche segne. Und dem Rest wäre es vermutlich einfach egal. Also bitte, sparen Sie sich Gefühlsduseleien für diejenigen auf, die sie brauchen."

Hermine schüttelte resigniert den Kopf.

Er hatte ja mit der Vermutung was seine Schüler anging Recht.

Aber hatte dieser Mann wirklich niemanden der ihm nachtrauern würde?

Dumbledore sicherlich. Aber der Schulleiter war ja auch unendlich nachgiebig und geduldig was seinen Schützling anging. Kein anderer Mensch konnte es mit so einem Ekel wie Snape aushalten.

Hermine wurde plötzlich wütend.

„Sie wollen doch gehasst werden. Immer drangsalieren Sie alle. Und da wundern Sie sich, dass niemand Sie mag?"

Snapes Gesichtsausdruck war nun unergründlich.

„Genau Miss Granger. Ich kümmere mich um niemanden und genau das erwarte ich auch von meinen Mitmenschen. Niemand soll sich um mich kümmern. Sie sollen nur meine Tür ab- und aufschliessen. Nichts weiter. Es verpflichtet Sie zu nichts. Sie brauchen noch nicht einmal einen weiteren Gedanken daran zu verschwenden. Ist das zuviel für Sie?"

Er war im Laufe der Zeit immer lauter geworden. Den letzten Satz hatte er gebrüllt.

Hermine war zusammengezuckt über seinen Wutausbruch.

Er wollte also gar nicht vermisst werden. Auch gut.

Aber so einfach war das nicht. Das Mitgefühl, das in Hermine aufgestiegen war, wurde durch seine Wut nur noch verstärkt.

Zeugte es nicht eher bei ihm von übertriebener Sorge um seine Mitmenschen, wenn er nicht wollte dass jemand um ihn trauerte.

'Jetzt ist es aber gut Hermine,' schalt sie sich selbst.

Snape ist die große Ausnahme. Jeder Mensch will verstanden und geliebt werden. Er nicht!

Er hat es Dir gesagt! Und außerdem kann es Dir ja auch völlig egal sein!'

„Nein, das ist nicht zu viel für mich. Also was ist jetzt mit Voldemort?" fragte sie so gelangweilt wie möglich.

Der Lehrer hatte sich inzwischen wieder etwas beruhigt.

Er schien einen Moment zu grübeln.

„Nun, eine Art Erkennungszeichen wäre nicht schlecht," murmelte er mehr zu sich selbst.

„Erkennungszeichen?" hakte Hermine nach.

Jetzt sah er sie an.

„Ja, geben Sie doch mal ihren Zauberstab."

Hermine holte ihn unter ihrem Umhang hervor und gab ihn an Snape.

Dieser beäugte ihn kritisch.

„Hm, der hat nicht allzuviel Macht, aber ich denke das sollte doch klappen," sprach er wieder mit sich selbst.

Hermine war verärgert. Was sollte das heissen, 'er hat nicht allzuviel Macht.'

Ihm war aber schon klar, dass es sich um einen Schülerzauberstab handelte, oder?

Sie sah ihm kritisch zu, wie er den Zauberstab in der Hand wog und spürte ein eigenartiges Gefühl, fast so als würde er nicht ihren Stab, sondern sie selbst so genau in Augenschein nehmen.

Immerhin war ein Zauberstab ein sehr persönlicher Gegenstand.

Wahrscheinlich war es einem Zauberer wie ihm sogar möglich von dem Zauberutensil auf Hermines Charakter zu schließen.

Gebannt versuchte sie in seinem Gesicht zu lesen.

Er hielt den Stab jetzt senkrecht und sprach einen Zauber, den Hermine noch nie gehört hatte.

„So," sagte er dann zufrieden, „damit wäre auch dieses Problem gelöst. Sollte ich wirklich Hilfe benötigen - aus dem einen oder anderen Grund," dabei sah er sie kurz versöhnlich an, „dann wird ihr Zauberstab in rötlichem Licht schimmern. Unauffällig genug um niemanden zu verwirren, aber doch genug um Sie aufmerksam zu machen."

Für ihn schien dieses Thema beendet zu sein und er reichte Hermine ihren Zauberstab wieder über den Schreibtisch zurück.

Sie nahm ihn verdattert entgegen und sah nach, ob man einen Unterschied feststellen konnte.

Da sie nichts erkennen konnte, steckte sie ihn ein, dabei knirschte sie jedoch durch die Zähne:"Nett dass Sie vorher gefragt haben, bevor Sie meinen Zauberstab verhexen."

Snape überhörte die Kritik geflissentlich.

„Ich denke unsere Unterredung ist hiermit beendet. Es ist schon spät geworden. Gehen Sie bitte unverzüglich in Ihren Turm. Falls Sie jemand rügen sollte, weil Sie noch auf den Gängen unterwegs sind, können Sie sich gerne auf mich berufen."

Damit bedeutete er ihr sich zur Tür zu begeben.

Hermine war immer noch verwirrt wegen all der Dinge die er ihr gesagt hatte und die sie nun vor sich hatte.

Sie konnte sich auf ihn berufen falls sie Ärger bekam, dachte sie irritiert.

Als sie die Hand auf der Klinke hatte, wandte sie sich wieder zu ihm um und sagte:

„Sie sind doch nicht etwa um mich besorgt?"

Snape stutzte.

Konnte diese Person nicht einmal seine Räume verlassen ohne persönlich zu werden.

„Nein," knirschte er dann hervor.

„Gehen Sie nun und vergessen Sie nicht abzuschliessen," war das einzige was er noch hinzufügte.

 

 

 

Kapitel 4

 

Was Du nicht willst das man Dir tut, das füg auch keinem anderm zu

 

Der nächste Tag versprach genauso heiß zu werden wie der vergangene.

Die Sonne war gerade dabei aufzugehen, als Hermine sich aus ihrem Bett quälte.

So konnte das nicht gehen, entschied sie.

Dass sie in den nächsten zwei Wochen früher aufstehen musste, um ihren Zaubertranklehrer aus seinem 'Gefängnis' zu befreien, konnte ja gerade noch angehen.

Aber dass sie wegen ihm nun schon die zweite, fast schlaflose Nacht hinter sich gebracht hatte, ging nun wirklich zu weit.

Sie musste mit ihm darüber reden.

Aber wann wäre ein guter Zeitpunkt?

'Am besten sofort,' entschied sie.

Die anderen Mädchen im Schlafraum träumten noch friedlich vor sich hin.

Hermine sah kurz auf Ginny Weasley, die im Schlaf lächelte. 'Anscheinend ein angenehmer Traum,' dachte sie neidisch.

Die ersten Sonnenstrahlen fielen durch das kleine Fenster im Schlafsaal und kitzelten Hermine an der Nase.

Im letzten Moment konnte sie ein Niesen unterdrücken.

'Jetzt aber schnell, bevor noch jemand aufwacht,' dachte sie und fing an sich eilig anzuziehen.

Eine handvoll Wasser ins Gesicht würde heute reichen müssen.

Leise verließ sie den Gryffindorturm.

Die 'Fette Dame' war gerade aufgewacht und schaute Hermine freundlich an.

„Oh, noch eine Frühaufsteherin wie ich," sagte sie erfreut.

Hermine lächelte sie kurz an und erklärte:

„Ja, ich habe mir vorgenommen an den nächsten Morgenden vor dem Frühstück zu Joggen. Dann macht es Ihnen also nichts aus, mich so früh morgens raus zu lassen?"

„Aber nein, meine Liebe. Ich würde ja gerne mit Ihnen Joggen, aber leider kann ich ja nicht aus meinem Rahmen." Und als sei dies der köstlichste Witz, der je erzählt worden war, fing sie an zu lachen.

Hermine stimmte kurz mit ein und verabschiedete sich dann eilig.

Dieser Frau war ja noch nicht einmal aufgefallen dass Hermine keine Joggingkleidung trug.

Schnell ging Hermine die Treppen hinunter und vergewisserte sich, dass niemand in der großen Halle war, bevor sie die Stufen zum Kerker hinunterstieg.

Vor Snapes Tür angekommen überlegte sie, ob sie wohl erst klopfen und dann aufschliessen sollte oder erst aufschliessen und dann klopfen.

'Was für eine blöde Entscheidung,' dachte sie.

Sie entschied sich für ein kurzes Klopfen und drehte dann schnell den Schlüssel im Schloss, damit Snape ihr öffnen konnte.

Ihr Herz pochte so laut, dass sie dachte, sie würde damit das ganze Schloss wecken.

Es dauerte einige Zeit, dann jedoch wurde die Tür einen Spalt breit geöffnet und sie konnte lediglich einen Ausschnitt seines Gesichtes erkennen.

Er schaute sie offenbar verärgert an.

„Miss Granger, es reicht wenn Sie die Tür einfach aufschliessen. Sie brauchen mich nicht jeden Morgen persönlich zu begrüßen!" fauchte er.

Seine überaus 'nette' Art sorgte nicht gerade dafür, dass sich Hermines Herzschlag beruhigte.

Sie hatte die Befürchtung, dass jemand sehen könnte wie sie hier am frühen Morgen vor den Privaträumen ihres Lehrers stand.

Vielleicht würde noch jemand glauben, dass sie die Nacht hier verbracht hatte - das würde die neuen Gerüchte über sie enorm anheizen.

Sie wurde daher sehr ungeduldig und zischte ihn an:

„Ich muss mit Ihnen reden. Lassen Sie mich doch bitte rein, bevor mich hier noch jemand sieht."

Sie hörte ihn resigniert stöhnen.

Dann öffnete er die Tür gerade so weit, um sie hindurchzulassen.

Im ersten Moment war sie einfach nur erleichtert endlich aus der Gefahrenzone zu sein, doch als sie sich nun zu ihm umwandte, war sie einer Panik nahe.

Snape stand vor ihr, mit nichts an als einer blütenweißen Unterhose.

Seine Haare waren noch nass und er war offensichtlich gerade dabei gewesen sich zu rasieren, denn Rasierschaum zierte seine rechte Wange.

Hermine, die gar nicht wusste wohin sie schauen sollte, blickte hinab zu ihren Schuhen und fing an zu stammeln:

„Äh, es ist echt wichtig. Aber so wichtig auch wieder nicht. Vielleicht können wir heute abend...äh ich meine, wenn Sie dann kurz Zeit haben...können wir auch später..."

Abermals stöhnte Snape verzweifelt auf.

„Miss Granger. Jetzt sind Sie ja schon mal da. Außerdem haben Sie, wenn ich mich recht erinnere ja wohl schon mehr von mir gesehen als jetzt."

Hermine traute sich immer noch nicht ihm in die Augen zu sehen, erst recht nicht nach dieser Bemerkung, also ließ sie ihren Blick auf eines der Fotos an der Wand gerichtet als sie sagte:

„Es war dunkel. Ich konnte ja eigentlich kaum was erkennen."

'Oh Gott, was hab ich jetzt wieder gesagt,' schoss es ihr durch den Kopf.

Aus dem Augenwinkel konnte sie sehen wie er den Kopf schüttelte.

„Na das tut mir jetzt aber wirklich leid," sagte er sarkastisch.

Hermine glaubte aber einen erleichterten Unterton in seiner Stimme mitschwingen zu hören.

Endlich drehte sie sich zu ihm und wollte ihm ihr Problem bezüglich der letzten Nacht schildern als ihr Blick sich an seinem Körper verfing.

„Also ich muss mit Ihnen reden, wegen dem...wegen dem...dem..."

Sie war wie in Trance als sie seine Muskeln sah, seinen flachen Bauch in dessen Mittellpunkt sich ein extrem sexy Bauchnabel befand.

Sie konnte einige lange Narben auf seinem Oberkörper erkennen. Auch das Todessermal auf seinem linken Arm entging ihr nicht.

Seine Beine waren lang und schlank, dabei aber ebenfalls sehr muskulös.

Seine Brust wirkte, als würde er regelmässiges Training betreiben. Und sein Haar fiel ihm ungebändigt ins Gesicht. Sie spürte ein Verlangen hineinzugreifen und es zu durchwühlen.

Snape ging mit einigen Schritten zu einem Schrank und holte einen schwarzen Bademantel hervor.

Mit schnellen Bewegungen hatte er ihn übergezogen und den Gürtel gebunden.

„Besser jetzt?" fragte er belustigt.

„Äh, nein. Nicht wirklich," gab Hermine ehrlich zurück.

Er seufzte.

„Könnten Sie sich jetzt sammeln? Ich muss gleich in meinen Unterricht und ehrlich gesagt, Sie stören gerade ein bisschen."

Hermine versuchte innerlich das Bild dieses Mannes abzuschütteln und sich an ihre Wut von vorhin zu erinnern.

Sie merkte dass es ihr einfach nicht gelingen wollte.

Bevor sie sich hier weiterhin lächerlich machte entschied sie sich lieber für Flucht.

„Ach, so spät schon," sagte sie mit einem gehetzten Blick auf ihre Uhr.

„Na, da ist leider keine Zeit mehr für mein Anliegen. Ich denke wir sollten das verschieben. Einverstanden? Gut! Bis später!"

Damit hetzte sie zur Tür und hinaus auf den Flur.

In ihrer Eile knallte die Tür laut ins Schloss.

'Super hingekriegt,' dachte Hermine und fing an sich selbst spöttisch zu beschimpfen.

 

**************

„Gehen wir heute an den See?" fragte Harry. Hermine und Ron bejahten sofort.

Sie saßen gemeinsam beim Frühstück und planten schon mal den Tag.

Heute war ein gar nicht so übler Schultag, hatten die drei gerade entschieden. Sie hatten nur fünf Stunden Unterricht und dabei noch nicht einmal Zaubertränke. So blieb ihnen der ganze Nachmittag. Natürlich standen da immer noch einige Aufsätze und Referate an, aber nichts davon war am nächsten Tag fällig und so hatten sie entschieden sich den Nachmittag einfach frei zu nehmen.

„Das wird super," sagte Ron begeistert.

„Mensch Hermine, dass du dich endlich mal durchringst alles stehen und liegen zu lassen müssten wir eigentlich rot im Kalender ankreuzen."

Hermine lachte und versuchte sich fitter zu geben als sie sich fühlte.

'Ein Bad im kühlen See wird mich schon wieder auf die Beine bringen. Es ist bestimmt nicht gut wenn ich mich heute nachmittag wieder schlafen lege. Dann kommt mein Schlafrythmus bestimmt völlig aus dem Gleichgewicht,' dachte sie.

Ihr Blick fiel auf den Lehrertisch und sie sah dass Snape sie beobachtete.

Schnell sah sie weg.

Da war sie ja wieder - die Wut auf ihn, stellte sie erleichtert fest.

Er war schließlich Schuld, dass sie ständig ein Gähnen unterdrücken musste.

 

Als das Frühstück beendet war eilten die Schüler schnell zum Unterricht.

Die