BEI NACHT SIND ALLE KATZEN GRAU
von Kira
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Kapitel 1 - 8
Die
handelnden Personen sind entliehen von Joanne K. Rowling - und wie es so ist
mit entliehenen Dingen, gibt man sie nach Gebrauch zurück. Kurz und gut. Mir
gehört nichts und ich habe keinen finanziellen Nutzen hierdurch.
Kapitel 1
Erst denken - dann reden
Es war
ein heißer Sommertag. Die Temperatur war auf nahezu 30 °C gestiegen, dabei war es gerade einmal Anfang
Juni.
Für
die Schüler von Hogwarts war dies ein qualvoller Schultag, denn die Ferien
waren noch lange nicht in Sicht und Hitzefrei kannte die Zauberschule
Großbritanniens nicht.
Harry
und Ron hatten eine Freistunde und suchten sich einen Platz am See, um ihre
Füße in das kalte Wasser tauchen zu können.
Ron
seufzte kurz, als seine Füße das kühle Nass berührten und grinste dann zu
seinem Freund Harry Potter hinüber.
„Hermine
ist selber schuld, dass sie immer noch schwitzend im Klassenraum sitzt. Sie
hätte ja nicht all diese Extra-Kurse belegen müssen."
Harry
schien einen Moment zu überlegen was er darauf antworten sollte, schließlich
sagte er:
„Ach,
ich weiß nicht. Vielleicht hätten wir auch ein paar Extra-Kurse belegen sollen.
Ich muss zugeben, dass wir es bestimmt nötiger hätten als Hermine. Und
schließlich wollen wir ja auch einen guten Abschluß erzielen. Ich kann gar
nicht fassen, dass wir nach dem Sommer schon in der Abschlußklasse sind."
„Hm..."
machte Ron daraufhin. Es passte ihm ganz und gar nicht, dass sein Freund ihm
nun noch ein schlechtes Gewissen machte, denn wenn er ehrlich war, hatte er
dieses schlechte Gewissen bereits von selber.
„Egal,"
versuchte er sich zu beruhigen, „ wir haben ja noch das ganze nächste Jahr um
uns mächtig ins Zeug zu legen. Heute bin ich froh, dass ich hier am See sitzen
kann und vergiß nicht...nur ein entspannter Geist ist auch lernfähig!"
Harry
grinste nun.
„Aha.
Na dann..." sagte er und ließ sich dabei rückwärts ins Gras fallen.
Einige
Zeit lagen die Freunde einfach nur nebeneinander und schwiegen. Jeder hing
seinen Gedanken nach.
Dann
fragte Ron plötzlich:"Sag mal Harry, glaubst du dass Emilie sich nur für
erfolgreiche Quidditchspieler interessiert?"
Harry
schmunzelte, aber er wollte seinen besten Freund nicht aufziehen. Inzwischen
hatte selbst ein Harry Potter erfahren müssen, wie schlimm es war unglücklich
verliebt zu sein.
Vorsichtig
antwortete er: „Ich denke sie hat im Moment einfach ein Faible für berühmte Personen. Aber das wird sich
sicher geben. Sie sieht nun mal super aus und vielleicht hat sie das Gefühl
sich unter Wert zu verkaufen wenn sie nicht einen tollen, angesagten Typen
abschleppt. Aber was wirklich zählt sind doch schließlich die inneren Werte,
oder?"
Ron
sah ihm plötzlich direkt in die Augen
und zog die Mundwinkel nach unten.
„Jaja,
die inneren Werte! Weißt du was, ich war einmal bei einem Muggelarzt, in dessen
Wartezimmer lagen so merkwürdige Zeitschriften rum. Da ging es in fast allen um
das Verhältnis zwischen Männern und Frauen. Da war auch immer von inneren
Werten die Rede. Aber auf den Werbebildern waren immer diese Supertypen drauf
und bei den Leserbriefen ging es den Weibern um Typen mit Muskeln und
Knackarsch. Ist doch alles gelogen. Genau wie die Aussage auf die Größe
von...naja, Du weißt schon... kommt es nicht an. Ist doch echt Schwachsinn was
so geredet wird. Ich glaube Emilie ist scharf auf dich, wenn du es genau
wissen willst!"
Nun
drehte Ron sich mit erboster Miene weg und Harry war unsicher ob er auf diese
Provokation überhaupt reagieren sollte.
Das
Schlimmste war, dass Emilie sich erst vor zwei Tagen an ihn herangemacht hatte.
Sie war nach einem Spiel in die Umkleidekabine der Jungen geschlichen, nachdem
sie gesehen hatte dass alle anderen den Raum schon verlassen hatten und Harry
sich noch als letzter dort aufhielt. Er war sehr überrascht gewesen sie dort
anzutreffen und unendlich froh, dass er inzwischen wieder angezogen war.
Aber
als sie dann auf ihn zugekommen war und versuchte ihn zu küssen war er völlig
hilflos gewesen.
Er
wusste, dass Ron bis über beide Ohren in sie verliebt war. Nicht dass er sie
nicht attraktiv fand, aber er wusste, dass sie sich ihn nur wegen seines Ruhms
ausgesucht hatte. Schließlich hatte er das letzte Spiel aufgrund seines
Einsatzes zugunsten von Gryffindor entschieden und war wie schon öfters
lauthals bejubelt worden.
Aber
er hatte schon lange den Gedanken, dass Emilie und Ron wirklich ein perfektes
Paar abgeben würden und so hatte er sie leicht von sich geschoben und ihr den
Rat erteilt in ihr Herz zu schauen.
Oh
Gott. Was für Worte aus dem Mund eines Sechzehnjährigen.
Aber
eigenartigerweise hatte sie nach einigen Sekunden gesagt:
„Ich
denke du hast recht. Danke für den Tipp."
Ob
sich ihre Gedanken nun allerdings auf Ron richteten, konnte er beim besten
Willen nicht sagen und so versuchte er sich aus der Geschichte soweit wie möglich
rauszuhalten.
„Nein,
ich glaube nicht, dass sie scharf auf mich ist Ron. Aber wenn dir soviel an ihr
liegt, wie wäre es dann wenn du sie einfach mal ansprichst?"
Jetzt
lachte Ron gespielt auf.
„Ja
klar. Ich geh einfach hin und sage: hey, ich weiß du kannst mich nicht
ausstehen aber willst du mit mir gehen?"
„Super
Ron, das reimt sich sogar," entfuhr es Harry, der nun ein wenig genervt war.
Die
Liebe war eben schrecklich. Sie erwischte einen völlig unverhofft und manchmal
sogar unerwünscht. Dann ließ sich kaum noch etwas dagegen unternehmen und die
Welt um einen herum stürzte ein wenn sie nicht erwidert wurde.
Das
Schlimmste daran war jedoch, dass kein anderer es wahrnahm, wie schlecht es
einem deswegen ging, wenn man es nur gut genug verbarg.
Harry
sah auf seine Uhr.
„Mensch
Ron, wir müssen los! Zaubertränke fängt in fünf Minuten an. Snape reisst uns
den Kopf ab wenn wir zu spät kommen."
Ron
riss sich aus seinem Selbstmitleid und sprang auf die Füße. „Mist," fluchte er,
„Snape hat mir gerade noch gefehlt."
Die
beiden zogen schnell ihre Strümpfe und Schuhe wieder an und rannten dann zum
Schloß um nicht zu spät zum Unterricht zu erscheinen.
Vor
der Kerkertür trafen sie auf Hermine, die es offensichtlich auch nur auf den
letzten Drücker in den Keller geschafft hatte.
„Treppe...Richtung....geändert..."
japste sie, während sie die Tür zum Kerker aufstieß und den beiden Jungen den
Vortritt überließ.
Schnell
hechteten die drei Jugendlichen an ihren Platz.
Snape,
der schon ein Experiment vorbereitet hatte, blickte auf seine Uhr und wirkte
zerknirscht als er feststellen musste, dass die drei es noch in der letzten
Sekunde geschafft hatten auf ihren Plätzen zu sitzen.
„Schön
dass die drei Gryffindors es noch geschafft haben sich zu uns zu gesellen,"
sagte er in lieblichem Tonfall, der bedeutete dass er es ganz und gar nicht
erfreulich fand.
Die
drei erwiderten natürlich nichts darauf, denn sie hingen an ihrem Leben.
Snape
blitzte sie noch einmal mit seinen Augen an, dann begann er mit dem Unterricht.
Es
handelte sich um eine Doppelstunde und so
hatte er einen Versuch ausgewählt, der insgesamt etwas länger dauerte.
Da die
komplette Zubereitung des Trankes trotzdem den zeitlichen Rahmen gesprengt
hätte, hatte Snape die Zutaten schon an die einzelnen Tische verteilt, so dass
sie nur noch der Reihe nach den jeweiligen Gebräuen zugefügt werden mussten.
In
seiner gewohnt gelangweilten und sehr leisen Art sagte Snape gerade:
„Nun
mischen Sie die Hufeisen-Azurjungferflügel in den Trank und danach erst den
Strandflieder."
Kaum
hatte er diese Worte gesprochen, als eine ausgesprochen übelriechende Wolke im
Raum entstand und augenblicklich alle Schüler anfingen zu würgen.
„Verdammt,
Granger!" brüllte Snape zornig, bevor er die Tür aufriss und einen
Einbannungszauber über den Qualm sprach. Er konnte nun den Rauch anfassen und
schob ihn zur Tür hinaus. Auf dem Gang öffnete
er ein Fenster und schob ihn hindurch ins Freie.
Als er
den Kerker wieder betrat sah man gleich, dass es in ihm kochte.
„Miss
Granger, habe ich nicht gerade vor einer Minute noch die Reihenfolge der
Beigabe erklärt?"
Hermine
war sehr bleich, und stammelte:
„Nun,
ich habe gedacht, man könne den Prozess ein wenig beschleunigen wenn..."
„Ruhe!"
brüllte Snape.
Er
taxierte seine Schülerin mit einem stechenden Blick, während er langsam auf sie
zu schritt.
Hermine
fühlte eine Beklemmung hochsteigen, doch plötzlich wandte Snape sich um und
ging zurück zu seinem Pult.
„Nun
gut. Wenigstens hat sich der Schaden in Grenzen gehalten und wir können
fortfahren...Miss Granger, Sie holen sich die Zutaten, die Ihnen nun fehlen
selber aus dem Nebenraum. Das dürfte Sie einen Großteil ihrer Zeit kosten, aber
vielleicht schaffen Sie es ja dennoch den Trank in der angegebenen Zeit
fertigzustellen..."
Harry
und Ron sahen sich kurz an und beide schauten dann mitleidig zu Hermine. Ihnen
war völlig klar, dass Hermine, da sie nun von vorne anfangen musste, es nicht
rechtzeitig schaffen konnte den Trank fertigzustellen und Snape ihr am Ende der
Stunde eine schlechte Note aufbrummen würde.
Hermine
erhob sich schwerfällig und schlich in den Nebenraum.
Sie
ging langsam an den Regalen vorbei und suchte den Strandflieder. Die Regale
waren alle ordentlich aufgeräumt und jedes Fläschen und jeder Tiegel war
beschriftet. Dennoch hatte Hermine Probleme, das Gewünschte zu finden.
Immer
wieder verschwamm die Schrift vor ihren Augen.
Da,
endlich hatte sie auch die letzte Zutat gefunden und konnte wieder ins
Klassenzimmer zurückkehren um endlich von vorne anzufangen.
Die
anderen Mitschüler rührten schon fleissig in ihren Kesseln und allen schien der
Trank einigermassen gelungen zu sein.
Hermine
seufzte und griff nach dem Messer um ihre Zutaten zu zerkleinern.
Sie
hatte ungefähr die Hälfte zerschnitten, als ihr für einen Moment die Augen
zufielen und das Messer abrutschte.
Statt
einem Stengel des Strandflieders hatte sie ihren Finger erwischt und der kurze
Schmerz riss sie wieder ins Hier und Jetzt.
Ihr
Aufschrei hatte sie in den Mittelpunkt von Snapes Aufmerksamkeit gebracht.
Mit
schnellen Schritten war er an ihrem Pult und griff nach ihrer Hand.
Ihr
war seltsam unbehaglich zumute und sie wollte ihm ihre Hand schnell entziehen.
Snape
hielt sie mit eisernem Griff fest und zog mit seiner anderen Hand, wie aus dem
Nichts, ein Taschentuch hervor.
Mit
drei kurzen Handgriffen hatte er es ihr um den Finger gewickelt und ließ sie
nun endlich los.
„Miss
Granger," sagte er gefährlich leise,
„könnten
Sie Ihre Selbstmordversuche auf Ihre Freizeit verschieben?"
Hermine
konnte nichts sagen. Es war ihr unendlich peinlich ausgerechnet von Snape
verarztet worden zu sein.
Er
wartete offensichtlich noch auf eine Erwiderung von ihr, denn er hatte sie
immer noch im Visier.
Seine
Augen waren etwas zusammengekniffen als er sie genau beobachtete.
„Machen
sie weiter..." sagte er schließlich nur und die Schüler sahen sich fragend an,
als er Hermine wieder so ungeschoren davon kommen ließ und sich zu seinem Pult
zurückbegab.
Die
erste der Doppelstunden war inzwischen vergangen und Hermine hatte ihren Trank
nun endlich soweit, dass er erst ein wenig vor sich hinköcheln musste, bevor
sie die nächsten Zutaten hinzufügen konnte.
Sie
sah auf die Uhr. Verdammt - das würde
mehr als knapp werden. Sie durfte nicht riskieren die Zutaten zu früh dazu zu
geben, auch wenn sie unter Zeitdruck stand. Nicht dass hier noch etwas explodierte.
Sie
merkte wie schläfrig sie während des Wartens wurde. 'Reiss dich zusammen,'
dachte sie.
Wieviel
Zeit war jetzt eigentlich vergangen? Waren die zehn Minuten schon rum? Ach
nein, erst die Hälfte, also noch etwas warten, nein, nicht einschlafen...war
ihr letzter Gedanke.
Das
nächste was sie hörte war wiederum Snapes Stimme.
Er
brüllte. Es hörte sich an wie in einem Albtraum.
Nur
dass sie nicht träumte - nicht mehr
jedenfalls.
Sie
war wohl doch eingenickt und als sie nun so unsanft aus dem Schlaf gerissen
wurde, musste sie feststellen, dass ihr Kessel dabei war überzukochen.
Instinktiv
griff sie mit den Händen danach, um ihn von der Feuerstelle zu ziehen.
Das
erste mal in ihrem Leben wünschte sie sich, dass Neville mit ihr zusammen an
diesem Versuch gearbeitet hätte, dann wäre es sicher gar nicht soweit gekommen.
Aber
Neville war zu seiner kranken Großmutter gefahren und so saß sie allein vor
ihrem Kessel als das Unglück geschah.
Sie hörte
Snape etwas rufen, aber zu spät. Der Inhalt des Kessels ergoss sich über ihre
Hände, die sich sofort so anfühlten, als stünden sie in Flammen.
Zum
wiederholten Male stand ihr Lehrer neben ihr und versuchte den Schaden
einzugrenzen.
Er
hatte sich um den überkochenden Kessel gekümmert und das Feuer gelöscht.
Nun
sah er durch seine wirren Haare, die ihm ins Gesicht gefallen waren, auf ihre
verbrühten Hände und eine Zornesfalte bildete sich auf seiner Stirn.
„Verdammt
Granger! Was ist nur los mit Ihnen?" schrie er aus Leibeskräften.
„Sie
kleine Streberin machen doch sonst immer alles richtig. Wie kann man nur so blöd
sein, an einem einzigen Tag alles falsch zu machen? Gryffindor bekommt wegen
Ihnen 50 Punkte abgezogen, lassen Sie sich das gesagt sein. Ich will sofort
eine Erklärung wieso ihr Trank übergekocht ist!"
Bevor
Hermine richtig nachdenken konnte, was ihr durch ihre schmerzenden Hände
ohnehin ungemein schwer fiel, hatte sie schon die Worte gesprochen, die sie
unbedingt vermeiden wollte.
„Ich
bin eingeschlafen," murmelte sie.
Jetzt
schien Snape tatsächlich zu explodieren.
„Sie
sind eingeschlafen?" donnerte er.
„Ich
werde Sie lehren in meinem Unterricht einzuschlafen. Sie sind wohl
unterfordert. Gut, ich kann auch anders. Sie werden von mir nach der Stunde ein
paar Extraaufgaben zugeteilt bekommen. Die werden Sie mit Sicherheit nicht mehr
unterfordern, das kann ich Ihnen sagen."
Hermine
versuchte die Situation wenigsten ein bißchen zu entschärfen und sagte leise:
„Sir,
ich bin nicht unterfordert. Nun ich, ich ..."
„Was?"
knurrte Snape.
„Nun,
ich bin einfach nur müde..." gab Hermine schwach zu.
„Dann
sollten Sie Nachts vielleicht schlafen, statt mit ihren Freunden unerlaubt
durch das Schloß zu schleichen," sagte Snape gedehnt, während er einen kurzen
Blick zu Harry und Ron schickte.
„Dafür
werde ich Gryffindor wohl noch einmal 50 Punkte abziehen müssen," sagte er
gespielt bedauernd.
„Wir
sind nicht durch das Schloß geschlichen. Ich hatte etwas zu erledigen." sagte
Hermine und hörte selbst, wie dumm das klang.
Auch
Snape war das natürlich nicht entgangen. Er zeigte nun falsches Interessse.
„Oh,
Sie hatten noch was zu erledigen. Wie soll ich bitte das verstehen? Lassen Sie
mich überlegen. Was könnte wohl eine Schülerin im Alter von 16 Jahren nachts zu
erledigen haben, dass sie morgens offensichtlich zu müde und erschöpft ist um
am Unterricht teilzunehmen..." und dann fügte er noch an: „ ich hoffe Sie
werden wenigstens gut dafür bezahlt!"
Hermine
wurde mit einem mal klar, dass er ihr unterstellte, ihren Körper für Geld an
Männer anzubieten. Nur ein widerwärtiges Ekel wie Snape konnte auf so einen
fürchterlichen Gedanken kommen.
Hermine
spürte nun unbändigen Zorn in sich, während sie die Slytherins an ihren Tischen
einige Bemerkungen wie: „die will doch eh keiner," oder „was kostest du denn,
du Schlammblut" machen hörte.
Ehe sie
darüber nachdenken konnte, war sie aufgesprungen, hatte sich vor ihrem Lehrer
aufgebaut, stemmte die Hände in die Hüften und schrie ihn an:
„Sie
sind das Allerletzte, wissen Sie das? Ich könnte Ihnen genau erzählen was ich
heute nacht gemacht habe. Aber ich bin ja nicht so ein egoistisches Schwein wie
Sie! Aber das ist das letzte Mal, dass ich Babysitter gespielt habe. Das sag
ich Ihnen!"
Snape
stand der Schülerin, die ihm gerade mal bis zur Brust reichte, gegenüber und
hatte den Mund geöffnet um sie aufs Schärfste zurechtzuweisen. Plötzlich hatten
ihm jedoch die Worte gefehlt und er stand da mit offenem Mund.
Hermine
konnte förmlich sehen, wie es in seinem Hirn ratterte.
In der
Klasse war es erstaunlich still. Selbst die Slytherins wagten keinen blöden Kommentar
mehr. Nur Harry hörte man leise murmeln: „Das gibt Ärger..."
Hermine
schlug sich mit einem Mal die Hand vor den Mund, 'Oh mein Gott,' dachte sie.
'Was hab ich jetzt alles gesagt? Ich hab ihn grade ein egoistisches Schwein
genannt. Der bringt mich um.'
Jetzt
war eh alles zu spät. Sie konnte seinen Anblick nicht mehr ertragen und sah
statt dessen auf ihre geschundenen Hände, die mit einem mal wieder unsagbar weh
taten.
Snape
schien sich gefangen zu haben und sie hörte wie er sich der Klasse zuwandte.
„Der
Unterricht ist beendet," sagte er gefährlich leise.
„Sie
alle werden eine schriftliche Arbeit über den Trank schreiben, die nicht
weniger als zehn Seiten umfassen sollte. Raus jetzt!"setzte er noch hinzu.
Alle
Schüler verliessen eilig den Klassenraum. Ron und Harry schauten noch einmal
kurz zu Hermine, die sich gerade in Bewegung setzen wollte, als Snape sie mit
seinem Blick festnagelte.
„Sie
bleiben," zischte er.
Mit
einer ruckartigen Bewegung sah er zu den beiden Freunden von Hermine.
„Tür
zu - von aussen" schnauzte er sie an.
Die
beiden ergriffen die Flucht.
Als
sie die Tür geschlossen hatten, versuchten sie zu lauschen was drinnen vor sich
ging.
Sie
machten sich ernsthaft Sorgen um Hermine.
Plötzlich
donnerte ein Fluch gegen die Tür, der ihnen fast das Trommelfell durchschlug.
Danach hörten sie nichts mehr.
Der
Lehrer hatte offensichtlich einen Schallzauber über die Tür gelegt.
Völlig
ratlos stiegen sie die Treppe zur großen Halle hinauf.
„Wir
müssen Dumbledore informieren," sagte Ron.
Harry
schaute ihn zweifelnd an. „Und was willst du ihm sagen?"
„Na,
dass Snape Hermine foltert," sagte Ron wie aus der Pistole geschossen.
Harry
schüttelte den Kopf.
„Sag
mal Ron, hörst du dir eigentlich manchmal auch selber zu? Wir wissen doch gar
nicht was da drin jetzt geschieht. Wir machen uns lächerlich. Ganz abgesehen
davon, dass Snape uns umbringt, wenn wir ihn verleumden. Wir können nichts tun
- außer abwarten."
„Ja
aber sie ist unsere Freundin. Außerdem hat Snape sie übel beleidigt. Ich meine,
er hat sie hingestellt wie eine..."
„Was
genau hat er denn gesagt, Ron?" fragte Harry vorsichtig.
Ron
zuckte kurz die Achseln.
„Nun,
er hat sie immerhin gefragt ob sie Geld dafür bekommt," verteidigte er sich.
„Genau
Ron. Er hat wie immer nichts Konkretes gesagt. Hätte er ein falsches Wort in
den Mund genommen, hätten wir zu Dumbledore gehen können. So können wir ihm gar
nichts anhaben, er hätte ja auch sonst was meinen können. Aber Hermine hat
ziemlich viel gesagt was gegen sie verwendet werden könnte. Ich glaube wir tun
ihr einen Gefallen wenn wir die Sache nicht so an die große Glocke hängen."
Ron
gab nach - auch wenn ihm alles andere als wohl dabei war.
„Manchmal
frage ich mich, wessen Freund du eigentlich bist," sagte er leise, nur um Harry
noch eins auszuwischen.
Kapitel 2
Jede Nacht eine gute Tat
Nachdem
die Kerkertür ins Schloss gefallen war, hatte Snape einen Schallzauber darüber
gelegt.
Hermine
dachte kurz nach was dies nun für sie bedeutete.
Niemand
würde sie hören können.
Egal
was Snape nun mit ihr tat.
Sie
fühlte sich hilflos wie nie zuvor in ihrem Leben.
Sie
wusste, dass er sehr wütend auf sie war. Hinzu kam, dass sie ihm so gut wie
alles zutraute.
'Toll
Hermine,' dachte sie bei sich, 'er wird körperliche Gewalt anwenden und du hast
dich dem auch noch selber ausgesetzt. Hättest du doch nur die Klappe gehalten.'
Sie
traute sich kaum zu atmen solche Angst hatte sie.
Ihr
Blick war immer noch nach unten gerichtet. Ihre Hände waren inzwischen mit
einigen Brandblasen geschmückt.
'Wer
weiß, was mir noch bevorsteht...' schoss es ihr durch den Kopf, als sie
bemerkte wie Snape durch die Nebentür verschwand und kurz darauf mit einem
langen Band in den Händen wieder auftauchte.
'Na
super, er wird dich fesseln und dann bestrafen
mit...Schlägen...Flüchen...oder...?'
Noch
ehe sie diese Visionen zu ende geführt hatte, spürte sie wie er nach ihren
Händen griff.
Plötzlich
verselbständigten sich ihre Gedanken wieder.
'Vielleicht
wird er dich anders bestrafen,' dachte sie plötzlich, 'er hält dich doch
ohnehin für eine Hure.'
„Nein!"
schrie sie mit einem mal aus Leibeskräften.
Snape,
der bereits begonnen hatte ihre verletzten Hände mit dem Verband zu umwickeln,
hielt inne und sah sie erstaunt an.
„Das
kann nicht weh tun," sagte er verwirrt, „ ich habe den Verband mit einem schmerzstillenden
Mittel getränkt."
Hermine
bemerkte erst jetzt, dass die Schmerzen der bereits umwickelten Hand merklich
nachgelassen hatten.
Sie
wurde rot als sie bemerkte, dass er langsam begriff, dass sie gedacht hatte er
würde ihr Schmerzen zufügen wollen.
„Danke
- schon besser..." murmelte sie.
Er hob
kurz eine Augenbraue und machte sich daran auch die zweite Hand zu verbinden.
Als er
fertig war zog er einen Stuhl aus der ersten Reihe direkt vor sein Pult und
forderte sie auf sich zu setzen.
Hermine
war ihr Verdacht von vorhin immer noch sehr peinlich.
Sie
ließ sich auf den Stuhl sinken und wartete während sie nun ausführlich die
verbundenen Hände inspizierte.
Snape
hatte sich an sein Pult gesetzt und sagte:"Ich warte..."
Hermine
sah kurz zu ihm und erkannte, dass er nicht weitersprechen würde.
'Wie
ein Kaninchen vor der Schlange', schoss es ihr durch den Kopf.
Sie
versuchte ihre Zunge vom Gaumen zu lösen, die dort plötzlich wie angewachsen
schien.
„Ähm,
entschuldigen Sie bitte was ich vorhin gesagt habe. Ich wollte nicht..." Sie
hatte den Faden verloren. Wie entschuldigte man sich für das was sie gesagt
hatte, um Snape gerecht zu werden? Es schien ihr, dass Worte nicht ausreichten.
Vielleicht sollte sie sich selbst geißeln um ihn zu besänftigen, dachte sie eingeschüchtert.
„Was?,"
entfuhr es Snape ungeduldig.
Hermine
spürte Verzweiflung.
„Was
soll ich tun?" fragte sie jetzt ohne Umschweife.
„Sie
sollen mir erklären was Sie eben damit gemeint haben," antwortet ihr Lehrer.
Hermine
war verwirrt.
„Ähm,
mit dem egoistischen Schwein?"fragte sie vorsichtig.
Ihr
Gegenüber rang um seine Beherrschung.
„Nein,
Miss Granger. Was Sie damit gemeint haben ist mir schon klar! Ich meine die
Sache mit dem Babysitter." Bei dem letzten Satz war seine Stimme leiser
geworden. Irgendwie vertraulicher.
„Achso,"
sagte Hermine erleichtert.
Aber
plötzlich wurde ihr bewusst, dass dies ebenso gefährlich und vor allem peinlich
war zu erklären. Also schwieg sie wieder.
Snape
rückte ein Stück auf seinem Stuhl vor und rieb sich die Stirn als habe er
Kopfschmerzen.
„Nun
Miss Granger. Mir ist durchaus bewusst, dass ihre Freunde mit jeder Minute die
ich Sie hier festhalte, sich mehr in Horrorszenarien verennen was ich hier wohl
mit Ihnen anstelle. Also würden Sie es mir bitte erklären, bevor Abgesandte von
Askaban vor meiner Türe stehen."
Hermine
überlegte ob er wohl gerade einen Scherz gemacht hatte, entschied aber aufgrund
seines Blickes, dass er es durchaus für möglich hielt für sein Vorgehen
getadelt zu werden - wenn auch 'nur'
von Dumbledore.
Sie
spürte, dass das nun Kommende unangenehm würde. Aber was an diesem verdammten
Tag war bisher nicht unangenehm gewesen?
Plötzlich
hörte sie im Geiste wieder die Slytherins lachen. Augenblicklich spürte sie Wut
in sich aufsteigen.
'Soll
er doch Kopfschmerzen haben. Soll er doch nach Askaban gebracht werden. Soll er
doch in Ausübung seiner Spionagetätigkeit grausam gefoltert werden...'
„Sie
haben mir Dinge unterstellt die ungeheuerlich sind..." schoss es aus ihrem
Mund.
Snape
war aufgrund dieses Themenwechsels ein wenig irritiert.
Dann
dämmerte es ihm.
Ein
kurzes Grinsen zuckte um seinen Mundwinkel.
Hermine,
die es bemerkt hatte wurde zornesrot.
„Sie
lachen auch noch darüber. Dabei habe ich gedacht, so einer wie Sie kann gar
nicht lachen!"
Snape
wurde augenblicklich ernst.
„So
einer wie ich?" fragte er nun wieder gefährlich leise.
Hermine
schloss kurz die Augen.
Sie
hatte es schon wieder getan. Vielleicht sollte sie aufhören ihn zu beleidigen,
wenn sie hier einigermassen heil herauskommen wollte.
„Sie
haben mich hingestellt wie eine...eine..." Hermine konnte nicht weitersprechen,
sie spürte zu ihrem eigenen Entsetzen wie sich Tränen ihren Weg bahnten und
versuchte sie wegzuwischen ehe er sie sah.
Snape
seufzte.
Abermals
reichte er ihr ein Taschentuch. Er schien einen großen Vorrat zu haben. Dabei
war er eigentlich nicht gerade als Tröster der Witwen und Waisen bekannt.
Sie
ärgerte sich über ihn, aber am meisten über sich selbst. Also riss sie ihm das
Taschentuch mit einem Ruck aus der Hand und schneuzte sich geräuschvoll.
„Fertig
jetzt?" fragte er genervt.
„Hm,"
machte Hermine.
„Sie
glauben doch nicht ernsthaft, dass ich so etwas von Ihnen denke, Hermine."
Sie
sah ihn erstaunt an. Er hatte sie beim Vornamen genannt.
Dann
kochte ihre Wut wieder hoch.
„Aber
die anderen denken das jetzt, weil Sie sie darauf gebracht haben. Sie haben
doch gehört wie Ihre Slytherins gelacht haben." In die Worte 'ihre Slytherins'
hatte sie soviel Verachtung gelegt wie ihr möglich war.
Wieder
dieses Grinsen.
„Nun,
da hat Ihr makelloser Ruf wohl etwas gelitten, nicht wahr?" fragte er
süffisant.
„Aber
Miss Granger, Sie können mir glauben, dass Ihnen das wirklich keiner zutraut."
Was
meinte er denn damit schon wieder? fragte sich Hermine im Stillen.
„Ein
bisschen Spott hat noch keinem geschadet," sagte er abweisend.
„Na,
da haben Sie ja Erfahrung," sagte Hermine leise und hoffte im selben Augenblick
dass er es nicht gehört hatte.
Wenn
er es hatte, so ließ er es sich nicht anmerken.
„Ich höre
schon die Dementoren..." versuchte er noch einmal auf das eigentliche Thema
zurückzukommen.
„Wir
haben nicht mehr viel Zeit Miss Granger. Hätten Sie jetzt bitte die Güte mir
die Geschichte mit dem Babysitten zu erklären. Um welches 'Baby' handelt es
sich denn?"
Hermine
schluckte.
„Tja,
eigentlich ist es kein Baby...eher..."
„Ja?"
forderte der Professor.
Hermine
überlegte und entschied dann, dass Angriff die beste Verteidigung ist.
„Sie!"sagte
sie laut und deutlich.
Die
Schülerin konnte praktisch sehen, wie sich ein Fragezeichen über dem Kopf ihres
Lehrers bildete.
„Ich?"
fragte er genauso einsilbig zurück.
Hermine
erkannte, dass nun alles ans Licht kommen würde, obwohl sie gehofft hatte, dass
sie alles was letzte Nacht geschehen war vergessen könnte und gewiss nicht mit
ihrem Lehrer darüber sprechen wollte.
Snape
schien nun verunsichert, was eine interessante Erfahrung für seine Schülerin
war.
„Bitte
von Anfang an," befahl er mit einer Stimme, die keinen Widerspruch duldete.
Hermine erkannte darin aber auch eine Spur von 'Augen zu und durch'.
Sie
räusperte sich kurz, dann begann sie zu erzählen:
„Gestern
abend, als ich meine Schultasche auspackte, fiel mir auf, dass mein
Muggelkundebuch nicht mehr da war. Es war das letzte Fach gewesen das ich hatte
und ich ging in Gedanken durch, wo ich es
liegen gelassen haben konnte.
Nachdem
ich alles erfolglos abgesucht hatte, musste ich aufgeben, weil es Zeit zum
Schlafen war. Später jedoch, als ich im Bett lag - naja, genaugenommen mitten
in der Nacht, fiel mir auf einmal ein, dass ich es auf der Mädchentoilette im
unteren Stockwerk auf die Ablage über dem Waschbecken gelegt hatte. Ich weiss
nicht ob es Ihnen auch so geht, aber manchmal erwache ich und solche Dinge
gehen mir durch den Kopf.
Dann
konnte ich nicht mehr schlafen, bevor ich mich davon überzeugt hatte, dass es
tatsächlich dort lag. Ich wollte nicht erst warten bis morgens. Vielleicht
hätte dann auch schon jemand anderes das Buch gefunden. So war ich mir ziemlich
sicher dass es noch dort liegen würde, denn nach dem Unterricht geht dort kaum
jemand auf Toilette.
Gut
das interessiert Sie nicht," sagte sie, als sie Snapes genervten
Gesichtsausdruck sah.
„Also
egal, ich bin jedenfalls aus dem Turm geschlichen um mir das Buch zu holen und
wollte dann sofort zurück ins Bett, schliesslich brauche ich meinen Schlaf..."
sagte sie und sah ihn durchdringend an.
Snape,
etwas irritiert durch diesen Blick, forderte sie auf weiterzuerzählen.
„Ich
hatte es tatsächlich dort liegenlassen und war gerade auf meinem Rückweg, als
ich ein Geräusch hörte.
Es
waren Schritte. Sehr leise nur, aber deutlich zu erkennen. Natürlich hatte ich
mir schon die Erklärung für mein nächtliches Herumschleichen zurechtgelegt.
Schliesslich hatte ich einen guten Grund für meinen Ausflug. Wie erwartet
standen Sie auf einmal vor mir. Ich
weiss ja, dass Sie und Mr. Filch nachts die Gänge inspizieren.
Gerade
wollte ich zu einer Erklärung ansetzen, als ich erkannte, dass Sie ....,"
Hermine wurde nun feuerrot.
„Äh,
ja , also...ich merkte halt, dass Sie eigentlich nicht wach waren."
„Wie
bitte?" entfuhr es Snape.
„Sie
schlafwandelten - Sir,"fügte sie rasch hinzu, damit es nicht ganz so respektlos
klang.
„Das
kann nicht sein!"schrie er.
Hermine
zuckte zusammen.
Er war
aufgesprungen und funkelte sie böse an.
„Ich
habe....verdammt...ich habe es gestern vergessen..."sprach er offensichtlich
mit sich selbst und setzte sich langsam wieder auf seinen Stuhl.
„Aber
das kann nicht sein...nein...oh nein..." er stützte den Kopf in seine Hände.
Hermine
hatte mit viel gerechnet, aber sicher nicht damit, dass ihr verhasster Lehrer
nun wie ein Häufchen Elend vor ihr saß und Selbstgespräche führte.
Sie
räusperte sich.
Er hob
seinen Kopf und sah gequält aus, als er zu einer Erklärung ansetzte.
„Ich
weiß seit einiger Zeit, dass ich wohl schlafwandeln muss. Ich habe es an Dingen
in meinen Privaträumen erkannt, zu dem sonst niemand Zutritt hat.
Nur ich konnte diese Dinge verändert haben.
Aber ich war mir nicht sicher, ob ich auch durch das Schloss wandle.
Um
kein Risiko einzugehen habe ich die Tür zu meinen Räumen immer magisch verschlossen.
Offensichtlich keine gute Methode, da ich wohl auch im Schlaf die Fähigkeit
habe den Gegenzauber zu sprechen. Oh Gott. Wenn das bekannt wird..."
Hermine
konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen: „Jaja, ein bißchen Spott hat noch
keinem geschadet," zitierte sie ihn.
Er
blickte sie zornig an.
„Miss
Granger, es geht hier nicht um Kindereien. Wie Sie als eine der wenigen (lol)
wissen, arbeite ich für Professor Dumbledore als Spion bei Lord Voldemort.
Glauben Sie unsere Unternehmung ist noch einen Pfifferling wert, wenn die
Todesser herausbekommen, dass einer von ihnen zeitweise keine Kontrolle über
sein Handeln hat?"
Nun
schwieg Hermine betreten.
Er
hatte Recht. Es war mehr als nur gefährlich. Für ihn stellte sein Schlafwandeln
eine echte Lebensgefahr dar.
Aber
Hermine war ratlos.
„Sie
müssen mit Professor Dumbledore sprechen," sagte sie dann.
„Ja,"
sagte Snape leise und diesmal ohne gefährlichen Unterton, „das muss ich wohl."
Die
Tatsache dass ich schlafwandle erklärt aber noch nicht Ihren Schlafmangel Miss Granger," sagte er nun und Hermine fand,
dass seine Stimme ein wenig belegt klang.
Hermine
war unwohl, aber er hatte natürlich Recht. Sie musste ihm deshalb den Rest auch
noch erzählen
„Nun,"
begann sie erneut,
„ich
wollte mich eigentlich schnell aus dem Staub machen als Sie nicht auf mich
reagierten. Aber dann habe ich gesehen dass Sie in Richtung Eingangstür
unterwegs waren. Da bin ich Ihnen gefolgt."
Snape
sah sie erstaunt an. Er hatte die Befürchtung dass es noch schlimmer kam. Und
so kam es auch.
„Sie
gingen direkt in den verbotenen Wald."
„Und
Sie sind mir gefolgt?"fragte er ungläubig.
Hermine
setzte eine beleidigte Miene auf.
„Na
was hätte ich denn sonst machen können.? Man darf einen Schlafwandler ja
bekanntlich nicht wecken. Der könnte einen Schock kriegen. Aber ich konnte Sie
doch nicht so allein da im Wald rumrennen lassen. Also hab ich geguckt dass
Ihnen nichts....passiert" schloss sie schwach.
Sein
Gesichtsausdruck war ihr völlig neu. „So sieht Snape also aus wenn ihm etwas
peinlich ist," schoss es ihr durch den Kopf.
Der
Lehrer rang um Kontrolle.
„Was
wäre mir denn passiert," fragte er immer noch etwas beklommen.
Hermine
wandt sich.
„Nun
ja, da waren ein paar Gnome die sich auf Sie stürzen wollten, aber mit denen
bin ich ganz gut fertig geworden. Und einmal wären Sie fast in eine Schlucht
gestürzt, aber ich habe Sie in eine andere Richtung gedreht, das hat auch ganz
gut geklappt."
Snape
legte die Hand vor seine Augen und schien etwas zu murmeln. Dann sah er wieder
auf und fragte bestimmt:"Wann bin ich denn wieder ins Schloss zurückgekehrt?"
„Tja,
das war so um die Zeit als es zu dämmern anfing."
„Nun,"
sagte er und räusperte sich. „Das erklärt in der Tat warum Sie so müde sind."
Ein
paar Sekunden vergingen und jeder hing seinen Gedanken nach.
„Miss
Granger," sagte er dann wieder mit unnachgiebiger Stimme,
„Diese
Sache bleibt unter uns, ist das klar? Ich kann mir schon denken wieviel Freude
es Ihnen bereiten würde Ihren Freuden von meiner kleinen Schwäche zu berichten.
Aber ich werde Sie von der Schule werfen lassen wenn mir jemals zu Ohren kommen
sollte, dass Sie etwas erzählt haben."
Er
hatte sich also wieder aufs Drohen verlegt.
Hermine
war enttäuscht und verwirrt.
Dieser
Mann war unmöglich.
Sie
hatte sich die Nacht für ihn um die Ohren geschlagen und statt sich zu bedanken
drohte er ihr!
„Gehen
sie jetzt!"sagte er noch sehr kühl.
Hermine
erhob sich und ging langsam zur Tür.
Sie
hatte sie schon geöffnet und war auf dem Weg nach draußen als sie sich noch
einmal zu ihm umdrehte:
"Ach
Professor Snape, eins noch...ich denke Sie sollten ab jetzt lieber nicht mehr
nackt schlafen." Damit schloss sie die Tür und war verschwunden.
„Gottverdammte
Scheiße..."murmelte Snape.
Kapitel 3
Reden ist Silber - Schweigen
ist Gold
Zum
Abend hin war es unerträglich schwül geworden und eine bleierne Müdigkeit hing
über Hogwarts.
Das
Abendessen in der großen Halle war soeben beendet worden und die Schüler
schlichen förmlich zum Ausgang.
Hermine
hatte am Nachmittag schleunigst ihre Hausaufgaben erledigt und danach versucht
ein wenig Schlaf nachzuholen.
Da
fast alle Schüler am See gewesen waren, hatte sie zwar im Schlafraum Ruhe
gefunden, mit einem Ohr hatte sie allerdings auch ständig das Lachen und
Kreischen der anderen gehört und so fühlte sie sich immer noch nicht wirklich
erholt.
Ron
und Harry hatten während des Essens versucht herauszufinden was eigentlich mit
ihrer Freundin los war.
Erst
dieses eigenartige Verhalten im Unterricht, dann die Unterredung (wie Hermine
es genannt hatte) mit Snape und schließlich war sie auch noch den ganzen
Nachmittag unauffindbar gewesen.
Die
beiden mussten ja schier sterben vor Neugier.
Draußen
auf dem Flur hatten sie ihr dann auch regelrecht aufgelauert.
„Hermine
wo warst Du denn? Jetzt erzähl doch mal, was hat Snape denn bei eurer
„Unterredung" gesagt? Hat er dir die Zunge rausgerissen oder warum bist du so
schweigsam?"
Hermine
lächelte ihre Freunde flüchtig an.
„Ach
Ron. Ich hab einfach keine Lust drüber zu reden. Ich bin schrecklich müde. Ich
habe letzte Nacht schlecht geschlafen. Am besten gehe ich jetzt ins Bett, dann
bin ich morgen sicher wieder fit."
Sie
lächelte beide noch einmal kurz an und wollte dann an ihnen vorbei die Treppe
zum Gryffindor-Turm hoch.
Eine
piepsige Stimme hielt sie zurück.
Melly,
die Hauselfe fuchtelte mit einem Brief in der Hand vor ihr herum.
„Miss
Hermine Granger, ich habe eine Nachricht für Sie. Wichtig! Wichtig!"rief sie
aufgeregt.
Hermine
runzelte die Stirn.
Eine
Nachricht für sie? Seit wann bekamen Schüler Nachrichten von Hauselfen
zugestellt?
Das
war eigentlich meistens den Lehrern vorbehalten, weil es sich um hausinterne
Angelegenheiten handelte.
Neugierig
nahm sie dem kleinen Wesen den Brief ab und sah sich den Umschlag an.
Kein
Absender, stellte sie fest.
Lediglich
ein Wort zierte den Umschlag. Dieses eine Wort jedoch schien sie regelrecht
anzuspringen:
VERTRAULICH,
stand dort in großen Lettern ohne jeglichen Schnörkel.
Eine
Ahnung über den Absender stieg in Hermine auf und genau das schien auch der
Zweck dieses einzelnen Wortes zu sein.
Harry
und Ron durften auf keinen Fall erfahren von wem dieser Brief stammte.
„Von
wem ist der?"fragte Ron auch sofort.
„Hermine,
mach doch mal auf!"forderte Harry.
Sie
wartete bis Melly sich endlich nach endlosem Verbeugen und Knicksen
zurückgezogen hatte und öffnete dann vorsichtig den Umschlag.
Mit
zwei Fingern zog sie das darin enthaltene Blatt heraus und drehte sich beim
Entfalten so, dass die Jungs ihr nicht über die Schulter sehen konnten.
Ihre
Augen überflogen kurz den Text und ihre Ahnung wurde durch die Unterschrift
bestätigt.
Als
sie merkte wie Harry und Ron um sie herumgingen um ebenfalls einen Blick auf
den Absender werfen zu können klappte sie das Blatt schnell zusammen und rief
etwas lauter als beabsichtigt:
"dachte
ich's mir doch. Ein Irrtum! Der Brief ist gar nicht für mich. Da hat Melly aber
einen großen Fehler gemacht. Der Brief ist für Professor Snape. Ihr wisst ja
wie er ist. Wenn der erfährt, dass Melly ihn falsch überbracht hat, reißt er
ihr bestimmt den Kopf ab. Ich bring ihn mal lieber schnell selbst zu ihm."
Harry
und Ron standen da wie vom Donner gerührt.
„Äh,
der ist für Snape?"fragte Ron verwirrt.
„Ja,
ja für Snape." stammelte Hermine jetzt.
„Von,
äh Professor Dumbledore," fügte sie hinzu.
Irgendwie
musste sie die beiden loswerden. Also wieder mal die Flucht nach vorne,
entschied sie.
Sie
schwenkte den Brief vor deren Nasen und fragte:
"Wollt
ihr nicht mitkommen wenn ich ihn Snape bringe?"
Ron
und Harry hatten auf einmal wichtige Dinge zu erledigen.
„Ne
Hermine, ich glaube es reicht wenn einer zu ihm geht. Das geht ihm ja eh bloß
auf den Nerv wenn wir da alle vor seinem Kerker rumhängen. Außerdem muss ich
noch meinen Aufsatz zu ende machen," sagte Harry eilig.
Ron,
dem nichts besseres einfiel, beschränkte sich auf ein:"Ja, genau! Ach, ich
helfe dir beim Aufsatz, Harry."
Die
beiden verschwanden schnell in die andere Richtung.
Hermine
seufzte.
Was
für ein Glück, dass sie die beiden so gut kannte.
Sie
hatte gewusst, dass sie auf keinen Fall freiwillig zu Snape gehen würden.
Genau
dorthin musste sie aber nun. Nicht etwa weil dieser Brief für ihn gewesen wäre,
sondern weil eben jener Brief von ihm stammt und er sie gebeten, oder dem
Tonfall nach eher befehligt hatte, dass sie ihn noch heute abend in seinen
Privaträumen aufsuchen sollte.
Hermine
spürte eine eigenartige Mischung aus Angst und Neugier in ihrem Bauch.
Sie
war noch nie in Snapes Privaträumen gewesen. Eigentlich war sie noch in gar
keinem Privatraum eines Lehrers gewesen. Aber wenn sie auf einen neugierig war
dann mit Sicherheit auf Snapes.
Sie
kannte die Witze, die unter den Schülern kursierten. Wie etwa den, dass der
Zaubertranklehrer auf einer Folterbank schlief. Oder dass in seinem
Vorratsschrank Einmachgläser mit toten Reptilien standen. Genauso wie die
Vermutung, dass seine Zimmer keinen Wasseranschluss hatten und ihm deshalb die
Möglichkeit sich die Haare zu waschen oder gar zu duschen, verwehrt bliebe.
In ein
paar Minuten würde sie wissen wie es bei ihm aussah.
Sie
steckte den Brief in ihren Umhang und ging eilig die Stufen zu den Kerkern
hinunter.
Als
sie unten im dunklen Flur ankam verging ihr das Gefühl der Neugierde allerdings
etwas.
Sie
stellte fest, dass es ein großer Unterschied war zum Unterricht mit einer Menge
lärmender Mitschüler hier herunterzukommen oder am Abend, völlig
mutterseelenallein. Irgendwie gruselte sie sich nun.
Die
Fackeln im Gang leuchteten träge vor sich hin, als hätten sie selbst Angst die
Dunkelheit hier unten zu stören.
Hermine
ging nun langsam und vorsichtig zur Tür, die sie noch nie durchschritten hatte.
Sie
bemerkte mit einem mal, dass sie auf Zehenspitzen ging und ihr Atem ungewohnt
flach war.
'So
etwas idiotisches,' schoss es ihr durch den Kopf.
'Vor
was habe ich eigentlich angst? Schließlich hat er mich selbst zu sich gerufen.
Dann sollte ich mich nicht fühlen wie ein Eindringling'.
Beherzt
klopfte sie nun an die Kerkertür.
Nur
wenig später wurde sie schwungvoll geöffnet und Snape sah sie finster an.
Hermine
wollte etwas sagen. Sie öffnete den Mund, aber dann streikte plötzlich ihr
Gehirn und kein anständiger Satz wollte sich formen.
Das
schien jedoch auch nicht nötig zu sein, denn Snape bedeutete ihr mit einer
Handbewegung dass sie eintreten sollte.
Sie
folgte ihm hinein in den spärlich beleuchteten Raum.
Im
ersten Moment war sie irritiert. Dieser Raum war so völlig anders als sie
erwartet hatte.
Er sah
irgendwie so normal aus.
Sie
sah einen Schreibtisch, der den Raum dominierte, dahinter ein großes
Bücherregal, aber ebenso gab es eine Couch und einen Sessel mit einem kleinen
Tisch davor und daneben einen Kamin.
Bei
den heißen Temperaturen, die zur Zeit draußen herrschten empfand sie die Kühle
des Raumes als sehr angenehm. Im Winter jedoch war der Kamin sicher sehr von Nöten,
dachte Hermine und fröstelte bei diesem Gedanken unwillkürlich.
Dennoch
beneidete sie ihren Lehrer beinahe um diese Räumlichkeiten, denn er hatte
sicher zur Zeit nicht das Problem vor Hitze nicht schlafen zu können.
Teppiche
dämpften ihre Schritte und an den Wänden hingen einige Bilder. Es waren vergrößerte
Fotografien, wie sie feststellte. Ausschließlich Landschaften.
Sie
erkannte auf einigen das Umland von Hogwarts, andere mussten in Gegenden
aufgenommen sein, die sie noch nie zuvor gesehen hatte.
Hermine
hatte sich nie gefragt was ihr Lehrer wohl in seinem Urlaub unternahm.
'Noch
so ein Witz' schoss es ihr durch den Kopf. Die Schüler glaubten, Snape würde
sich während ihrer Ferien in einen Sarg legen und schlafen bis die Schule
wieder los ging.
Ihr
Lehrer war inzwischen zu seinem Schreibtisch gegangen und wies auf den Stuhl,
der davor stand.
Hermine
setzte sich zögernd.
Sie
konnte nicht widerstehen und wandte den Kopf nach rechts zu dem Regal das dort
stand.
Darin
befanden sich mehrere alte Fotoapparate. Sie glaubte zu wissen, dass manche von
ihnen durchaus als Antiquität anzusehen waren.
Leider
erstreckte sich ihr Wissen darüber nicht soweit, dass sie einordnen konnte ob
sie wertvoll waren oder nicht.
Sie
erkannte aber auch in einem Fach darüber Fotoapparate die durchaus neuerem
Datums waren. Mehrere Objektive lagen gut verpackt daneben. Ein Stativ lehnte
neben dem Regal an der Wand.
Snape,
der gemerkt hatte dass sie verblüfft seine persönlichen Gegenstände
betrachtete, räusperte sich um ihre Aufmerksamkeit zu erlangen.
Sofort
schaute sie schuldbewusst zu ihm.
Etwas
zu schnell für ihn, denn es dauerte den Bruchteil einer Sekunde ehe er seinen
sonst immer gegenwärtigen genervten Gesichtsausdruck aufgesetzt hatte, den er
seinen Schülern entgegenbrachte.
Hermine
wartete gespannt was er ihr zu sagen hatte.
Der
Professor hatte sich offenbar schon eine kleine Rede zurechtgelegt, denn er
begann nun ohne Umschweife.
„Miss
Granger, Sie sollen wissen, dass es nicht meine Idee war, was ich Ihnen nun
mitteile. Es ist Anweisung von Professor Dumbledore. Ich habe ihm mein Problem
erläutert und kam nicht umhin Ihre Beteiligung von letzter Nacht zu erwähnen.
Professor Dumbledore hat mir zugesichert mit mir zusammen an einer dauerhaften
Lösung zu arbeiten. Er ist jedoch für die nächsten 2 Wochen nicht in Hogwarts,
da er an einer wichtigen Schulleiterversammlung in Prag teilnehmen muss.
Bis
dahin bin ich bemüht einen Trank zu kreieren, der mein Schlafwandeln
hoffentlich unterdrückt. Professor Dumbledore wird, wenn er wieder hier ist,
einige Sicherheitszauber des Schlosses so modifizieren, dass es mir nicht mehr
möglich sein sollte im Schlaf Gegenzauber zum öffnen meiner Tür zu sprechen,
sondern nur in wachem Zustand. Dies wird jedoch eine ebenso schwierige Aufgabe
wie das Brauen eines Zaubertrankes. Denn bislang gibt es keinen Präzedenzfall und
wir werden Wochen brauchen um die Erfolge zu testen.
Nun
werden Sie sich sicher fragen warum ich Ihnen - einer Schülerin - das alles
erkläre. Es ist mit Sicherheit nicht weil ich mich so gerne mit Ihnen
unterhalte..."
„Sicher
nicht..." murmelte Hermine.
Nun
schien Snape das erste Mal seit seiner langen Rede aus dem Konzept zu sein.
„Ich,
äh, also wie gesagt, die Idee stammt von Professor Dumbledore und eigentlich
hatte ich ihn gebeten es Ihnen zu erklären, aber er war der Meinung Sie würden
ihm das nicht glauben und so muss ich Sie selber bitten..."
Hermine
war nun sichtlich irritiert. Dumbledore dachte Hermine würde ihm nicht glauben?
Wie sollte sie sich anmaßen dem Schulleiter etwas nicht zu glauben. Aber das
eigentlich Unfassbare war, dass Snape
sie um etwas bitten wollte. Seit wann bat er um irgendetwas?
Seine
schwarzen Augen funkelten sie böse an. Anscheinend sollte sie gar nicht erst
auf den Gedanken kommen eine Schwäche bei ihm festzustellen, auch wenn er sie
um etwas bitten musste. Seine Stimme blieb denn auch unbeugsam als er sagte:
„Es
gibt nur eine Möglichkeit meine nächtlichen Ausflüge in der nächsten Zeit
sicher zu unterbinden. Ich muss eingeschlossen werden.
Professor
Dumbledore hätte das natürlich selbst übernommen, da er aber wie gesagt leider
nicht anwesend ist und Sie bereits in
die Sache eingeweiht sind, hielt er es für das Beste wenn Sie das für die
nächsten zwei Wochen übernehmen würden.
Natürlich
könnte ich auch Mr. Filch fragen, oder einen der anderen Lehrer, oder jemanden
aus Hogsmeade..."
Hermine
schmunzelte nun:"Oder einen anderen Schüler. Harry zum Beispiel..."
Snape
stutzte.
Seine
Augen schienen Blitze zu schicken als er sagte:
„Die
Sache darf niemand erfahren. Nur darum kommen sie in den Genuss - und das ist
es zweifellos für sie, nicht wahr - einen Lehrer in seinen Räumen
einzusperren!"
„Es
würde mir bei niemandem mehr Freude bereiten als bei ihnen, Sir," bestätigte
Hermine nun freimütig.
Der
Professor zog einen Mundwinkel in die Höhe, was bei ihm wohl einem Lächeln am
nächsten kam.
„Dachte
ich mir doch," sagte er durch die Zähne geknirscht.
„Es
gibt aber noch ein Problem, das wir unbedingt erörtern müssen," sagte er nun
wieder in seiner Lehrerstimme.
Hermine
war gespannt was als nächstes kam. Dieses Gespräch war bisher schon sehr
merkwürdig verlaufen.
„Tee?"
fragte Snape auf einmal völlig aus dem Zusammenhang heraus.
Hermine
wusste im ersten Moment nicht was an „Tee" für ein Problem sein sollte das man
noch erörtern musste, bis sie realisierte dass ihr Lehrer sich auf einmal auf
seine Gastgeberrolle besann.
„Äh,
gerne," erwiderte sie knapp.
Snape
erhob sich und verschwand durch eine Tür die Hermine bisher noch gar nicht
aufgefallen war.
Sie
wollte gerade einen Blick hindurch werfen, als er auch schon wieder zurückkam
mit einem Tablett in der Hand, worauf sich eine kleine Teekanne, zwei Tassen, Löffel
und Kandiszucker befand.
Vorsichtig
stellte er das Tablett auf seinem Schreibtisch ab. Dann schenkte er eine Tasse
ein und stellte sie vor Hermine ab.
Nachdem
er seine eigene Tasse gefüllt hatte begann er zu sprechen.
„Nun,
wie Sie ja durch einige unglückliche Zufälle erfahren haben, arbeite ich als
Spion für Professor Dumbledore. Es ist also zwingend notwendig, dass ich an den
Todessertreffen teilnehme. Da ich zur Zeit nicht zum Vertrautenkreis von Lord
Voldemort gehöre reicht es aus, wenn ich die Treffen an Neumond besuche.
Nächste
Woche ist es wieder soweit. Es versteht es sich also von selbst, dass Sie dann
auf keinen Fall meine Türe verschliessen dürfen. Ich werde Sie daran erinnern."
Hermine
nickte.
„Was
ist wenn Sie an diesem Abend schlafwandeln? Dann werden Sie gar nicht merken
dass er Sie ruft, oder?"
Snape
hatte sich mehrere Kandis gegriffen und in seiner Teetasse versenkt. Obwohl er
stets Dumbledores Süßigkeiten mit einem angeekelten Gesicht ablehnte, schien er
seinen Tee sehr süß zu trinken.
Der
Lehrer rührte mit Hingabe in seiner Tasse herum als er sagte:
„Das
kann nicht passieren, ich pflege mich an solchen Abenden nicht einmal schlafen
zu legen."
Hermine
fiel auf einmal ein, dass er an den Unterrichtstagen nach Neumond noch
schlechter gelaunt war als sonst. Nun kannte sie auch den Grund dafür.
Er
hatte also in den Nächten davor kein Auge zugemacht und war zudem noch der
Willkür von Voldemort ausgesetzt, der sonstwas mit ihm angestellt hatte.
Dennoch war er an den folgenden Tagen immer pünktlich zum Unterricht erschienen
und außer einer verdammt schlechten Laune hatte man ihm nichts angemerkt.
Snape
schien in ähnliche Gedanken versunken zu sein.
Schließlich
hob er die Tasse an den Mund und nahm einen Schluck Tee.
Fast
hätte er ihn zurück in die Tasse gespuckt.
'Hm,
wohl doch zu süß' dachte Hermine.
Aber
statt belustigt zu sein, war sie auf einmal sehr beunruhigt.
Wenn
ihr Lehrer durch dieses Gespräch derart aus dem Konzept geriet, dass er seinen
Tee ungenießbar machte, war dies sicher kein gutes Zeichen.
Sie
trank nun auch vorsichtig einen Schluck von dem heißen Getränk und war immer
noch in Gedanken versunken als er sie ansprach.
„Professor
Dumbledore hat es abgelehnt, dass Sie die Tür mit einem Zauber verschliessen
dürfen. Das Risiko, dass ich diesen brechen würde, war ihm zu groß. Wir werden
also auf Muggelmethoden ausweichen müssen."
Mit
diesen Worten öffnete er eine Schublade an seinem Schreibtisch und holte einen
messingfarbenen Schlüssel hervor.
„Dies
ist der Schlüssel für meine Tür. Verlieren Sie ihn bloß nicht. Ich besitze nur
diesen einen.
Also
kann ich, wenn Sie von aussen abgeschlossen haben, höchstens noch die Tür
aufbrechen.
Das
wiederum sollte mir in schlafendem Zustand jedoch unmöglich sein. Zwingen Sie
mich bitte nicht, dass ich so eine drastische Maßnahme in wachem Zustand
durchführen müsste."
Hermine
war sprachlos. Sie versuchte ihre Gedanken zu ordnen.
Er war
gezwungen, ihr seinen Schlüssel auszuhändigen, musste sie bitten ihn
einzuschliessen und natürlich auch wieder herauszulassen. Er musste sich fühlen
wie ein Tier, das auf die Güte eines anderen angewiesen war.
'Ach
nein, du übertreibst,' dachte sie dann bei sich. 'Immerhin kann er ja die Tür aufbrechen
wenn er will'.
Aber
das Aufbrechen der Tür wäre für jeden ein klares Zeichen, dass hier irgendetwas
nicht stimmte.
Erst
jetzt wurde ihr klar dass sie, wenn sie zustimmte, eine echte Verantwortung
tragen würde.
Aber
blieb ihr überhaupt die Möglichkeit abzulehnen?
Sie
würde damit nicht nur Snapes Groll auf sich ziehen, sondern Professor Dumbledore wäre sicher sehr enttäuscht von ihr.
Außerdem
hatte Snape sie ja gebeten - hatte er
eigentlich?
Nachdenklich
drehte sie den Schlüssel in ihren Händen hin und her.
Sie
musste daran denken wie Snape ihr heute mittag eben diese Hände verbunden
hatte. Dank seiner Hilfe waren keine Spuren der Verletzungen zurückgeblieben.
Hatte
sie ihm dafür eigentlich richtig gedankt? Und was wichtiger war - hatte er es
überhaupt erwartet?
Nein,
dieser Mann half ohne eine Gegenleistung zu erwarten und sie würde ihm auch
helfen ohne ein großes Dankeschön zu erwarten.
„Sie können
sich auf mich verlassen. Ich werde Ihnen die Tür morgens Punkt sieben öffnen.
Äh, wann soll ich Sie denn Abends einschließen?"
Snapes
Mundwinkel gingen eine Spur nach unten.
„Nun,
da Sie um zehn spätestens im Gryffindorturm sein müssen ist es wohl logisch,
dass Sie meine Tür kurz vorher verschließen müssen. Ich werde mit Mr. Filch
sprechen, dass er in den nächsten zwei Wochen die Inspektionsrunden allein
übernehmen muss."
„Hm,
gut..." murmelte Hermine.
Plötzlich
fiel ihr ein, was sie unterschwellig schon die ganze Zeit an diesem Plan gestört
hatte.
„Ähm,
was ist denn wenn irgendetwas mit Ihnen ist?"
Snape
zog die Augenbrauen in die Höhe.
„Was
soll denn mit mir sein?" fragte er erstaunt.
Hermine
spürte wie sie rot wurde.
„Naja,
ich meine wenn Sie krank werden. Oder sich verletzen. Es kann ja auch sein,
dass Sie Nachts von jemandem gerufen werden. Von einem der Lehrer, wenn es
Probleme gibt, oder...vielleicht doch von Lord Voldemort. Dann sind Sie
eingeschlossen. Wollen Sie dann wirklich die Tür aufbrechen? Ich meine, wenn
Ihnen etwas passiert ist, sind Sie dazu vielleicht gar nicht mehr in der Lage."
Snape
betrachtete sie eingehend, dann schnaubte er mehrfach, was wohl einem Lachen
gleichkam.
„Sie
sind um mich besorgt?" fragte er spöttisch.
Hermine,
die nun merkte dass ihre Gesichtsfarbe noch einen Ton dunkler wurde, gab sich
gleichgültig.
„Nein,
es ist ja nur dass ich dann sozusagen die Verantwortung trage."
„Sie
sagten doch, Sie wollen nicht mehr Babysitter spielen - dann tun Sie es auch
nicht!" fuhr Snape sie an.
„Aber
mit Lord Voldemort haben Sie Recht. Es wäre verheerend für den Orden des Phönix,
wenn mir der Lord noch mehr misstrauen würde, als er es ohnehin schon tut.
Vermutlich würde er, falls ich nicht erscheine wenn er mich ruft, beim nächsten
Treffen kurzen Prozess mit mir machen und dann wäre ein wichtiges Instrument
für den Orden verloren."
Hermine
glaubte ihren Ohren nicht trauen zu können.
Da saß
dieser Mann und bezeichnete sich selbst als Instrument, um das man nur trauern
würde weil man es nicht mehr benutzen könnte.
Ohne
darauf zu achten dass sie bereits wieder rot wurde, sagte sie mit festem Blick in seine Augen:
„Nur
damit Sie es wissen. Ich habe eben gelogen. Ich sorge mich tatsächlich um Sie.
Wenn Sie Ihren Mitmenschen auch nicht das geringste Mitgefühl zukommen lassen,
muss ich Ihnen sagen dass das auf andere nicht zutrifft. Niemand will, dass
Ihnen etwas zustösst."
Der
Lehrer saß da wie vom Donner gerührt.
Seine
Maske war für einen Moment von ihm abgefallen und in seinen Augen stand
Schmerz.
Dann
versteinerte sich seine Miene wieder als er sagte:
„Sie
wissen so gut wie ich, dass die meisten meiner Schüler jubeln würden, wenn ich
das Zeitliche segne. Und dem Rest wäre es vermutlich einfach egal. Also bitte,
sparen Sie sich Gefühlsduseleien für diejenigen auf, die sie brauchen."
Hermine
schüttelte resigniert den Kopf.
Er
hatte ja mit der Vermutung was seine Schüler anging Recht.
Aber
hatte dieser Mann wirklich niemanden der ihm nachtrauern würde?
Dumbledore
sicherlich. Aber der Schulleiter war ja auch unendlich nachgiebig und geduldig
was seinen Schützling anging. Kein anderer Mensch konnte es mit so einem Ekel
wie Snape aushalten.
Hermine
wurde plötzlich wütend.
„Sie
wollen doch gehasst werden. Immer drangsalieren Sie alle. Und da wundern Sie
sich, dass niemand Sie mag?"
Snapes
Gesichtsausdruck war nun unergründlich.
„Genau
Miss Granger. Ich kümmere mich um niemanden und genau das erwarte ich auch von meinen Mitmenschen. Niemand soll sich um
mich kümmern. Sie sollen nur meine Tür ab- und aufschliessen. Nichts weiter. Es
verpflichtet Sie zu nichts. Sie brauchen noch nicht einmal einen weiteren Gedanken
daran zu verschwenden. Ist das zuviel für Sie?"
Er war
im Laufe der Zeit immer lauter geworden. Den letzten Satz hatte er gebrüllt.
Hermine
war zusammengezuckt über seinen Wutausbruch.
Er
wollte also gar nicht vermisst werden. Auch gut.
Aber
so einfach war das nicht. Das Mitgefühl, das in Hermine aufgestiegen war, wurde
durch seine Wut nur noch verstärkt.
Zeugte
es nicht eher bei ihm von übertriebener Sorge um seine Mitmenschen, wenn er
nicht wollte dass jemand um ihn trauerte.
'Jetzt
ist es aber gut Hermine,' schalt sie sich selbst.
Snape
ist die große Ausnahme. Jeder Mensch will verstanden und geliebt werden. Er
nicht!
Er hat
es Dir gesagt! Und außerdem kann es Dir ja auch völlig egal sein!'
„Nein,
das ist nicht zu viel für mich. Also was ist jetzt mit Voldemort?" fragte sie
so gelangweilt wie möglich.
Der
Lehrer hatte sich inzwischen wieder etwas beruhigt.
Er
schien einen Moment zu grübeln.
„Nun,
eine Art Erkennungszeichen wäre nicht schlecht," murmelte er mehr zu sich
selbst.
„Erkennungszeichen?"
hakte Hermine nach.
Jetzt
sah er sie an.
„Ja,
geben Sie doch mal ihren Zauberstab."
Hermine
holte ihn unter ihrem Umhang hervor und gab ihn an Snape.
Dieser
beäugte ihn kritisch.
„Hm,
der hat nicht allzuviel Macht, aber ich denke das sollte doch klappen," sprach
er wieder mit sich selbst.
Hermine
war verärgert. Was sollte das heissen, 'er hat nicht allzuviel Macht.'
Ihm
war aber schon klar, dass es sich um einen Schülerzauberstab handelte, oder?
Sie
sah ihm kritisch zu, wie er den Zauberstab in der Hand wog und spürte ein
eigenartiges Gefühl, fast so als würde er nicht ihren Stab, sondern sie selbst
so genau in Augenschein nehmen.
Immerhin
war ein Zauberstab ein sehr persönlicher Gegenstand.
Wahrscheinlich
war es einem Zauberer wie ihm sogar möglich von dem Zauberutensil auf Hermines
Charakter zu schließen.
Gebannt
versuchte sie in seinem Gesicht zu lesen.
Er
hielt den Stab jetzt senkrecht und sprach einen Zauber, den Hermine noch nie
gehört hatte.
„So,"
sagte er dann zufrieden, „damit wäre auch dieses Problem gelöst. Sollte ich
wirklich Hilfe benötigen - aus dem
einen oder anderen Grund," dabei sah er sie kurz versöhnlich an, „dann wird ihr
Zauberstab in rötlichem Licht schimmern. Unauffällig genug um niemanden zu
verwirren, aber doch genug um Sie aufmerksam zu machen."
Für
ihn schien dieses Thema beendet zu sein und er reichte Hermine ihren Zauberstab
wieder über den Schreibtisch zurück.
Sie
nahm ihn verdattert entgegen und sah nach, ob man einen Unterschied feststellen
konnte.
Da sie
nichts erkennen konnte, steckte sie ihn ein, dabei knirschte sie jedoch durch
die Zähne:"Nett dass Sie vorher gefragt haben, bevor Sie meinen Zauberstab
verhexen."
Snape
überhörte die Kritik geflissentlich.
„Ich
denke unsere Unterredung ist hiermit beendet. Es ist schon spät geworden. Gehen
Sie bitte unverzüglich in Ihren Turm. Falls Sie jemand rügen sollte, weil Sie
noch auf den Gängen unterwegs sind, können Sie sich gerne auf mich berufen."
Damit
bedeutete er ihr sich zur Tür zu begeben.
Hermine
war immer noch verwirrt wegen all der Dinge die er ihr gesagt hatte und die sie
nun vor sich hatte.
Sie
konnte sich auf ihn berufen falls sie Ärger bekam, dachte sie irritiert.
Als
sie die Hand auf der Klinke hatte, wandte sie sich wieder zu ihm um und sagte:
„Sie
sind doch nicht etwa um mich besorgt?"
Snape
stutzte.
Konnte
diese Person nicht einmal seine Räume verlassen ohne persönlich zu werden.
„Nein,"
knirschte er dann hervor.
„Gehen
Sie nun und vergessen Sie nicht abzuschliessen," war das einzige was er noch
hinzufügte.
Kapitel 4
Was Du nicht willst das man Dir
tut, das füg auch keinem anderm zu
Der
nächste Tag versprach genauso heiß zu werden wie der vergangene.
Die
Sonne war gerade dabei aufzugehen, als Hermine sich aus ihrem Bett quälte.
So
konnte das nicht gehen, entschied sie.
Dass
sie in den nächsten zwei Wochen früher aufstehen musste, um ihren
Zaubertranklehrer aus seinem 'Gefängnis' zu befreien, konnte ja gerade noch
angehen.
Aber
dass sie wegen ihm nun schon die zweite, fast schlaflose Nacht hinter sich
gebracht hatte, ging nun wirklich zu weit.
Sie
musste mit ihm darüber reden.
Aber
wann wäre ein guter Zeitpunkt?
'Am
besten sofort,' entschied sie.
Die
anderen Mädchen im Schlafraum träumten noch friedlich vor sich hin.
Hermine
sah kurz auf Ginny Weasley, die im Schlaf lächelte. 'Anscheinend ein angenehmer
Traum,' dachte sie neidisch.
Die
ersten Sonnenstrahlen fielen durch das kleine Fenster im Schlafsaal und
kitzelten Hermine an der Nase.
Im
letzten Moment konnte sie ein Niesen unterdrücken.
'Jetzt
aber schnell, bevor noch jemand aufwacht,' dachte sie und fing an sich eilig
anzuziehen.
Eine
handvoll Wasser ins Gesicht würde heute reichen müssen.
Leise
verließ sie den Gryffindorturm.
Die
'Fette Dame' war gerade aufgewacht und schaute Hermine freundlich an.
„Oh,
noch eine Frühaufsteherin wie ich," sagte sie erfreut.
Hermine
lächelte sie kurz an und erklärte:
„Ja,
ich habe mir vorgenommen an den nächsten Morgenden vor dem Frühstück zu Joggen.
Dann macht es Ihnen also nichts aus, mich so früh morgens raus zu lassen?"
„Aber
nein, meine Liebe. Ich würde ja gerne mit Ihnen Joggen, aber leider kann ich ja
nicht aus meinem Rahmen." Und als sei dies der köstlichste Witz, der je erzählt
worden war, fing sie an zu lachen.
Hermine
stimmte kurz mit ein und verabschiedete sich dann eilig.
Dieser
Frau war ja noch nicht einmal aufgefallen dass Hermine keine Joggingkleidung
trug.
Schnell
ging Hermine die Treppen hinunter und vergewisserte sich, dass niemand in der
großen Halle war, bevor sie die Stufen zum Kerker hinunterstieg.
Vor
Snapes Tür angekommen überlegte sie, ob sie wohl erst klopfen und dann
aufschliessen sollte oder erst aufschliessen und dann klopfen.
'Was
für eine blöde Entscheidung,' dachte sie.
Sie
entschied sich für ein kurzes Klopfen und drehte dann schnell den Schlüssel im
Schloss, damit Snape ihr öffnen
konnte.
Ihr
Herz pochte so laut, dass sie dachte, sie würde damit das ganze Schloss wecken.
Es
dauerte einige Zeit, dann jedoch wurde die Tür einen Spalt breit geöffnet und
sie konnte lediglich einen Ausschnitt seines Gesichtes erkennen.
Er
schaute sie offenbar verärgert an.
„Miss
Granger, es reicht wenn Sie die Tür einfach aufschliessen. Sie brauchen mich
nicht jeden Morgen persönlich zu begrüßen!" fauchte er.
Seine
überaus 'nette' Art sorgte nicht gerade dafür, dass sich Hermines Herzschlag
beruhigte.
Sie
hatte die Befürchtung, dass jemand sehen könnte wie sie hier am frühen Morgen
vor den Privaträumen ihres Lehrers stand.
Vielleicht
würde noch jemand glauben, dass sie die Nacht hier verbracht hatte - das würde
die neuen Gerüchte über sie enorm anheizen.
Sie
wurde daher sehr ungeduldig und zischte ihn an:
„Ich
muss mit Ihnen reden. Lassen Sie mich doch bitte rein, bevor mich hier noch
jemand sieht."
Sie hörte
ihn resigniert stöhnen.
Dann öffnete
er die Tür gerade so weit, um sie hindurchzulassen.
Im
ersten Moment war sie einfach nur erleichtert endlich aus der Gefahrenzone zu
sein, doch als sie sich nun zu ihm umwandte, war sie einer Panik nahe.
Snape
stand vor ihr, mit nichts an als einer blütenweißen Unterhose.
Seine
Haare waren noch nass und er war offensichtlich gerade dabei gewesen sich zu
rasieren, denn Rasierschaum zierte seine rechte Wange.
Hermine,
die gar nicht wusste wohin sie schauen sollte, blickte hinab zu ihren Schuhen
und fing an zu stammeln:
„Äh,
es ist echt wichtig. Aber so wichtig auch wieder nicht. Vielleicht können wir
heute abend...äh ich meine, wenn Sie dann kurz Zeit haben...können wir auch
später..."
Abermals
stöhnte Snape verzweifelt auf.
„Miss
Granger. Jetzt sind Sie ja schon mal da. Außerdem haben Sie, wenn ich mich
recht erinnere ja wohl schon mehr von mir gesehen als jetzt."
Hermine
traute sich immer noch nicht ihm in die Augen zu sehen, erst recht nicht nach
dieser Bemerkung, also ließ sie ihren Blick auf eines der Fotos an der Wand
gerichtet als sie sagte:
„Es
war dunkel. Ich konnte ja eigentlich kaum was erkennen."
'Oh
Gott, was hab ich jetzt wieder gesagt,' schoss es ihr durch den Kopf.
Aus
dem Augenwinkel konnte sie sehen wie er den Kopf schüttelte.
„Na
das tut mir jetzt aber wirklich leid," sagte er sarkastisch.
Hermine
glaubte aber einen erleichterten Unterton in seiner Stimme mitschwingen zu hören.
Endlich
drehte sie sich zu ihm und wollte ihm ihr Problem bezüglich der letzten Nacht
schildern als ihr Blick sich an seinem Körper verfing.
„Also
ich muss mit Ihnen reden, wegen dem...wegen dem...dem..."
Sie
war wie in Trance als sie seine Muskeln sah, seinen flachen Bauch in dessen
Mittellpunkt sich ein extrem sexy Bauchnabel befand.
Sie
konnte einige lange Narben auf seinem Oberkörper erkennen. Auch das Todessermal
auf seinem linken Arm entging ihr nicht.
Seine
Beine waren lang und schlank, dabei aber ebenfalls sehr muskulös.
Seine
Brust wirkte, als würde er regelmässiges Training betreiben. Und sein Haar fiel
ihm ungebändigt ins Gesicht. Sie spürte ein Verlangen hineinzugreifen und es zu
durchwühlen.
Snape
ging mit einigen Schritten zu einem Schrank und holte einen schwarzen
Bademantel hervor.
Mit
schnellen Bewegungen hatte er ihn übergezogen und den Gürtel gebunden.
„Besser
jetzt?" fragte er belustigt.
„Äh,
nein. Nicht wirklich," gab Hermine ehrlich zurück.
Er
seufzte.
„Könnten
Sie sich jetzt sammeln? Ich muss gleich in meinen Unterricht und ehrlich
gesagt, Sie stören gerade ein bisschen."
Hermine
versuchte innerlich das Bild dieses Mannes abzuschütteln und sich an ihre Wut
von vorhin zu erinnern.
Sie
merkte dass es ihr einfach nicht gelingen wollte.
Bevor
sie sich hier weiterhin lächerlich machte entschied sie sich lieber für Flucht.
„Ach,
so spät schon," sagte sie mit einem gehetzten Blick auf ihre Uhr.
„Na,
da ist leider keine Zeit mehr für mein Anliegen. Ich denke wir sollten das
verschieben. Einverstanden? Gut! Bis später!"
Damit
hetzte sie zur Tür und hinaus auf den Flur.
In
ihrer Eile knallte die Tür laut ins Schloss.
'Super
hingekriegt,' dachte Hermine und fing an sich selbst spöttisch zu beschimpfen.
**************
„Gehen
wir heute an den See?" fragte Harry. Hermine und Ron bejahten sofort.
Sie
saßen gemeinsam beim Frühstück und planten schon mal den Tag.
Heute
war ein gar nicht so übler Schultag, hatten die drei gerade entschieden. Sie
hatten nur fünf Stunden Unterricht und dabei noch nicht einmal Zaubertränke. So
blieb ihnen der ganze Nachmittag. Natürlich standen da immer noch einige Aufsätze
und Referate an, aber nichts davon war am nächsten Tag fällig und so hatten sie
entschieden sich den Nachmittag einfach frei zu nehmen.
„Das
wird super," sagte Ron begeistert.
„Mensch
Hermine, dass du dich endlich mal durchringst alles stehen und liegen zu lassen
müssten wir eigentlich rot im Kalender ankreuzen."
Hermine
lachte und versuchte sich fitter zu geben als sie sich fühlte.
'Ein
Bad im kühlen See wird mich schon wieder auf die Beine bringen. Es ist bestimmt
nicht gut wenn ich mich heute nachmittag wieder schlafen lege. Dann kommt mein
Schlafrythmus bestimmt völlig aus dem Gleichgewicht,' dachte sie.
Ihr
Blick fiel auf den Lehrertisch und sie sah dass Snape sie beobachtete.
Schnell
sah sie weg.
Da war
sie ja wieder - die Wut auf ihn, stellte sie erleichtert fest.
Er war
schließlich Schuld, dass sie ständig ein Gähnen unterdrücken musste.
Als
das Frühstück beendet war eilten die Schüler schnell zum Unterricht.
Die