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Severus Snape und Hermine Granger - ein sehr beliebtes Thema. Zwischen beiden Charakteren eine (erotische) Liebesbeziehung zu zaubern, verlangt viel Einfühlungsvermögen und Talent. Doch hier bleibt Snape einfach der Snape, wie wir ihn aus den Büchern kennen. Wer ihn nach dieser Kurzgeschichte vielleicht nicht mehr leiden kann: Hinter Snapes garstiger Oberfläche steckt sicherlich viel mehr Menschlichkeit, als wir es uns vorstellen können, doch hier bleibt sie einmal mehr hinter seinem seelischen Schleier verborgen...
Unten im Kerker war es so still, dass sie ihr eigenes Augenklimpern hören konnte. Sie schlich langsam in den tristen, ungemütlichen Raum, den wohl noch niemand außer Snape persönlich genauer hatte sehen können.
Es war finster und ein unangenehm scharfer, kalter Luftzug wehte an den Wänden entlang, der schubweise einen unergründlichen Geruch aus verschiedenen Extrakten und Zutaten mit sich trug. Tatsächlich waren beinahe alle Wände voller stabiler Holzregale über und über ausgefüllt mit alten Büchern, Heftchen, Tafeln, Skizzen, Pflanzen, Pilzen, eingelegten Tieren und Organen - Wissen, Materialien und aufgedeckte Geheimnisse aus Jahrhunderten intensiver Forschung; alles peinlich genau geordnet und sortiert, sehr oft genutzt, jedoch kaum abgenutzt. Ein einziges kleines Regal in der Ecke war voller Behälter, Kessel, Zutaten und Merkzettel. Hermine ertappte sich dabei, wie sie unaufmerksam versuchte, mehrere der krakeligen Notizen zu entziffern. Auf einmal wieder mehr als nervös legte sie Papiere genau so in das Regal zurück, wie sie sie vorgefunden hatte. Das sonst so unscheinbar leise Rascheln eines kleines Papierstapels schien in der unheimlichen Stille des Kerkers den ganzen Raum auszufüllen.
Aber es war nicht das, was sie suchte. Sie entschloss sich, langsam weiter zu gehen. Sie gelangte in das Schlafzimmer des Professors und Hermine wurde es auf einmal unangenehm warm. Sie wusste so genau wie nie zuvor, dass sie etwas absolut Untersagtes tat, etwas, das gerade ihr niemand zugetraut hätte. Der kleine Raum hatte nur ein Bett an der Wand, einen kleinen Tisch daneben und ein Steinbecken an der anderen Wand. Es gab kein Fenster, und die vier Kerzen an jeder Ecke waren fast gänzlich heruntergebrannt. Ansonsten war nichts zu sehen. Alle Dinge, die Snape etwas bedeuteten, hatte er wohl sauber aufgeräumt, als würde er tatsächlich mit Einbrechern rechnen. Hermine überkam ein Gefühl der Hoffnungslosigkeit, die nur von der ständigen Angst, erwischt zu werden, soweit betäubt wurde, dass sie nicht die Ruhe und Leichtsinnigkeit aufbrachte, sich auf das spärlich bezogene Bett zu setzen, um krampfhaft zu überlegen, wie um alles in der Welt sie das finden sollte, was sie suchte. Es wäre ebenso riskant, in der ungewaschenen, gräulichen und rauen Bettdecke fremde Falten zu hinterlassen, wie die Regale und Fächer aufwändig zu durchsuchen. Also machte sie nach anfänglichem Zögern langsam und schwitzend kehrt. Sie drehte sich in Richtung Tür um, um den Raum zu verlassen; und in einem blinden Moment der Gedankenlosigkeit und der sie antreibenden Eile schrie Hermine auf, weil sie gegen etwas Dunkles, Weiches, aber Unnachgiebiges gestoßen war. Reflexartig riss sie die Augen auf und sprang rückwärts vor das harte, ungemütliche, selten gebrauchte Bett.
Vor ihr, in der Tür, entpuppte sich eine eben noch nicht da gewesene, schwarze, unheimliche, kerzengerade Silhouette, die so unverkennbar deutlich und unfassbar wirklich war, als niemand anderes als Professor Severus Snape. Er trug seine Robe mit dem bekannten tiefschwarzen, weiten Umhang. Er stand mit seinen entsetzlich fettigen Haaren, seiner blassen Haut und schwarzen, stechenden Augen, die Hermine mit kalter Wut fixierten, vor ihr. Er war nicht nervös, er atmete nicht anders als normal, dennoch steckte die unterdrückte Wut in jeder Ritze seines Gesichtes, in jeder Falte des Umhangs, im ganzen Raum. Und genau so, wie sie seine Stimmung regelrecht riechen konnte, wusste er ganz genau, dass Hermines Herz hämmerte.
Hermine spürte, dass es sinn- und zwecklos war, um Entschuldigung zu bitten, geschweige denn eine Ausrede zu finden. Sie bemühte sich, so ruhig wie möglich zu bleiben und Snape keinen Einblick in ihre zugegebenermaßen sehr unehrlichen Gedanken zu gewähren. Die reine Angst kroch ihr bis an die Haarspitzen.
"Das hat Folgen, glauben Sie mir."
Er ging einen Schritt auf sie zu. Seine schwarzen Augen bohrten sich lieblos in die ihren. Hermine konnte dem Blick kaum standhalten.
"Sie brauchen mir nicht erst sagen, dass Sie das nicht gewollt haben, Miss Granger, ich werde Ihnen nicht das geringste Wort glauben."
Hermine ging einen Schritt rückwärts. Sie glaubte, sich in seinen funkelnden, schwarzen Augen selbst zu sehen, wie sie klein, ängstlich und schlechten Gewissens vor ihm stand. Sie war allein, niemand würde es bemerken, wenn Professor Snape die Beherrschung verlor, keine Seele würde je darauf kommen, dass Hermine sich in Snapes Kerker befand, wo ihr nun Dinge zustoßen konnten, die sie sich nicht vorstellen wollte. Schon bevor Snape seinen anderen Fuß gänzlich nachgezogen hatte und er still und viel zu nah vor ihr stand, zischte er ihr mit leiser, bedrohlicher Stimme seine quälend klar betonten und unmissverständlichen Worte entgegen.
"Von Anfang an waren sie eine großsprecherische, vorlaute, aufdringliche, neunmalkluge Göre, Miss Granger. Es ist an der Zeit, dass Sie mich von einer ganz anderen Seite kennen lernen. Potter wird ihnen einiges dazu erzählen können. Ich bezweifle nicht, dass seine renitente, unbrauchbare Gesellschaft Ihren Charakter noch einschneidender verdorben hat, als er es ohnehin schon war; die Folgen können Sie hier sehen. Meine Geduld ist weit genug ausgereizt. Sie werden eine Arbeit verrichten, die Ihnen bestmögliche Einsicht garantiert. Sie werden - hier in meinem Kerker - so lange aufräumen und sortieren, bis Sie das gefunden haben, was Sie suchen. Wenn Sie mir nicht sagen, was Sie suchen, dann sortieren sie meine Materialien bis in alle Ewigkeiten, zudem werde ich mir etwas aussuchen, das Sie anschließend trinken dürfen."
Er machte eine künstliche Pause, in der er aus einer Mischung aus Abscheu und Süffisanz zu Hermine hinunterblickte.
"Und noch dazu, Miss Granger, werden Sie nackt sein müssen. So, wie Sie gerade schwitzen, werden Sie ein bisschen Abkühlung sicherlich brauchen können. Immerhin hat es hier fünf Grad."
Seine Lippen schürzten sich und ein Lächeln der Schadenfreude machte sich breit.
"Professor, Sie können nicht..."
"Schon wieder sind Sie aufdringlich und vorlaut. Ich werde Ihnen nicht zuhören, ehe Sie sich an die Arbeit gemacht haben."
"Das kann ich nicht."
"Das erste Mal, dass ich von Ihnen diese Worte höre, Miss Granger. Sie sollten sie öfters benutzen, dort, wo sie zutreffen."
"Ich werde nicht tun, was Sie sagen!"
Snape machte eine jähe Bewegung mit der Hand, woraufhin Hermine zuckte.
"Leider ist es mir in diesem Schulhaus verboten, andere... Methoden zu verwenden. Der Schulleiter steht zweifellos auf der Seite seiner verzogenen Schüler. Dennoch wird er mich nicht aufhalten, gewisse Maßnahmen zu ergreifen. Und eine Strafarbeit wird er sicherlich nicht untersagen."
"Ich werde die Strafarbeit verrichten, aber ich behalte meine Sachen an!"
"Ach, wirklich?"
Wieder machte er eine jähe Handbewegung und Hermine blickte umher, um eine Wirkung zu sehen. Aber alles war so, wie es immer gewesen war.
"Es ist nicht erlaubt, die Schüler zu schikanieren!", rief sie zur Gänze verunsichert aus.
"Halten Sie ihren schrillen Mund und reißen Sie sich jetzt sofort zusammen!", wischte ihr Snape entgegen. "Und es gilt immer noch die Regel, dass Sie mich Sir zu nennen haben."
Hermine öffnete ihren Mund, um zu wiedersprechen, als sie bemerkte, dass ihr auf einmal eiskalt war. Sie blickte an sich herunter und erstarrte. Noch nie zuvor in ihrem Leben hatte sie sich gefühlt, als stürze sie in einen tieferen Abgrund, und es war sogar schlimmer. Es war, als brächen in ihrem Körper die Knochen zusammen, als sackten ihre Eingeweide in die bleischweren Beine, als sickerte ihr das Lebensgefühl aus den Füßen, um in den tiefen Spalten des eiskalten Steinbodens zu verschwinden: Sie hatte nichts mehr an. Hermine starrte zuerst an sich herunter, dann, im Moment des Schocks, vollkommen emotionslos auf den Boden, und zuletzt, irgendwann, nach gefühlten Stunden reinen Entsetzens, mit zutiefst beschämten, ungewollten Tränen in den Augen, zu Snape zurück, der sich nicht gerührt hatte.
"Professor!", hauchte sie entsetzt.
"Sie werden jetzt umgehend mit der Arbeit beginnen, Miss Granger. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg."
Mit einem höhnischen Grinsen trat er noch näher zu Hermine heran.
"Sie sollten ein wenig abnehmen, Miss Granger."
Er musterte sie von oben bis unten, absichtlich langsam. Dann fügte er hinzu:
"Aber die Gänsehaut steht ihnen gut, wenn man bedenkt, dass Sie ständig schnattern müssen, nicht wahr?"
Ohne ein weiteres Wort wandte sich Snape mit einer gleitenden Bewegung um; sein Umhang wehte und brachte einen zusätzlichen, kalten Luftzug an Hermines nackte Haut.
"Und wie Sie sicherlich schon wissen: Gibt man das Haar eines Menschen, der entsetzlich gefroren hat, in einen Dubbliotrank, entsteht ein tückisches Gift. Passen Sie also auf, was Sie tun."
Es war das erste Mal, dass Hermine Snape lachen hörte. Es hallte kalt und herablassend von den Wänden wider. Hermine hasste ihn, sie hasste ihn und sie schämte sich vor ihm, doch irgendetwas an seiner Lache gefiel ihr, und als Snape schon für mehrere Sekunden nicht mehr zu hören war, vergaß sie das Frieren und erkannte sein unverkennbares Talent an, in Sachen Gemeinheiten dermaßen einfallsreich zu sein, dass sie ihn sogar beneidete - Malfoy hätte eine solche Schikane wie diese dicke verdient, dachte sie und stellte sich seine dürre Gestalt vor, wie sie nackt und bibbernd vor Kälte im Kerker kauerte und verzweifelt Etiketten von Einmachgläsern erneuerte. Beim nächsten Mal war es Hermines Lachen, das von den Wänden erscholl, doch war es weitaus bitterer, als man es sonst von ihr kannte.