Missing Scenes zu Kap. 12-18
– zu Kapitel 12 –
oder: 'Weil er dir nicht egal ist.'
zu dieser Szene: Dass Draco den Auftrag bekam, war nur die halbe Miete. Der Schwur fehlte und um dieses Detail herum entwickelte sich ein kleiner, in ISEM niemals erwähnter Plot…
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- bevor/während Hermine an ihrem Trank braut (Kapitel 12)
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Severus stieß ein Schnauben aus und schüttelte ungläubig den Kopf, während er die Tränke untersuchte, mit denen Granger sein Labor belagerte. Versuchsreihe… Natürlich hatte er es ihr nicht geglaubt. Der Trank, den sie vorgegeben hatte zu brauen, hätte unter keinen Umständen solche Veränderungen durchgemacht, wie er es gestern Abend beobachtet hatte. Und in den letzten 24 Stunden hatte sich dieser Verdacht mehr als bestätigt.
Das trübe Weiß, das ihn aus dem Kessel geradezu penetrant anstarrte, passte absolut nicht ins Schema. Mit gerunzelter Stirn schöpfte er eine kleine Probe daraus und unterzog diese diversen Tests. Er brauchte nicht lange, ehe er zumindest die Richtung erkannt hatte, in die dieser Trank ging. Er würde eine Wirkung auf das Gefühlsleben desjenigen nehmen, der ihn zu sich nahm.
Für einen Moment überlegte er, ob er Granger auffliegen lassen sollte. Er könnte ihr ein gewaltiges Maß an Punkten abziehen und eine so lange Strafarbeit aufs Auge drücken, dass sie sie noch nach ihrem Schulabschluss würde absitzen können.
Dann allerdings dachte er die andere Möglichkeit weiter. Tränke wie dieser hatten Nebenwirkungen, die nicht nur amüsant sondern äußerst verräterisch waren. Es interessierte ihn, ob sie wirklich plante, diesen Trank selbst zu nehmen. Und wie es schien, hatte sie diesen tatsächlich modifiziert, insofern wäre das Beobachten der Anwendung und Wirkung das Risiko einer Vergiftung wert. Zumal sie sich ohnehin oft genug in seiner Nähe aufhielt, als dass er eingreifen könnte, wenn es gefährlich wurde.
Ein diabolisches Lächeln umspielte seine Lippen, als er sich für die zweite Möglichkeit entschied.
Also brachte er alles in den vorherigen Zustand zurück und ging in sein Büro hinüber. Sollte Granger ihre Tränke panschen und eine Lektion lernen, die sie nur die praktische Erfahrung lehren konnte. Er würde es sich in der ersten Reihe bequem machen und dabei zusehen.
Mit nun wieder besserer Laune machte er sich über die Papiere her, die auf seinem Schreibtisch lagen. Hausarbeiten, die er bis nach den Ferien korrigieren sollte. Wirklich darauf konzentrieren konnte er sich nicht.
Seit dem Gespräch mit Albus vor zwei Tagen war er angespannt und noch mehr denn je darauf versessen, auf alles zu achten. Es gab bisher keine konkreten Pläne, wie sie Dracos Auftrag entschärfen oder aus dem Weg gehen sollten. Vorerst galt es abzuwarten. Er gab ein missmutiges Knurren von sich.
Dann entschied er, dass es der falsche Zeitpunkt für Überlegungen dieser Art war, und wandte sich den Aufsätzen zu. Der oberste stammte von Neville Longbottom und sein Mund verzog sich zu einem schadenfrohen Grinsen. Beschwingt tauchte er seine Feder in die rote Tinte und begann zu lesen.
Er hatte um die zehn Anmerkungen allein in den ersten fünf Absätzen getätigt, als es an der Tür klopfte. „Herein!“, murmelte er gerade laut genug, dass man es vor der Tür hören würde.
Granger betrat das Büro und sah ihn einen Moment lang irritiert an. Severus erwiderte den Blick und fragte sich, ob er etwas an der Nase hatte, weigerte sich aber, diesen Gedankengang zu deutlich zu zeigen. „Guten Abend, Professor Snape. Kann ich ins Labor?“, besann sie sich dann auf den Grund ihres Erscheinens.
Er blinzelte mehrmals und nickte abwesend. „Gehen Sie hier durch, die Tür ist offen. Dann muss ich nicht extra aufstehen.“ Er deutete auf den Durchgang, der von seinem Büro aus zum Labor führte. Zu seiner großen Zufriedenheit beeilte sie sich, sein Büro zu verlassen.
Danach wandte er sich wieder den Aufsätzen zu und schaffte es sogar, eine ganze Zeit ohne Unterbrechungen zu arbeiten. In dieser Beziehung hatte er sich mit Granger wenigstens jemanden ins Labor geholt, der ohne Aufsicht auskommen konnte und in diesem Fall auch musste. Zumindest wenn er ihr kleines Experiment weiter verfolgen wollte.
Etwa zehn Aufsätze später (es war eine wahre Freude zu beobachten, wie der Stapel zusehends schrumpfte) klopfte es erneut an seiner Tür und dieses Mal zog Severus seine Augenbrauen sehr dicht zusammen. Wer sollte ihn jetzt aufsuchen? Es waren keine Schüler aus seinem Haus im Schloss, Albus hielt sich wenn möglich mit Besuchen zurück und seine ganze persönliche Nervensäge befand sich nebenan und braute irgendwelche obskuren Tränke. Es widerstrebte ihm, die Korrekturen jetzt zu unterbrechen. Andererseits würde er nicht herausfinden, wer ihn nerven wollte, wenn er nicht nachsah.
Also stand er auf, sprach einen Isolationszauber über die Labortür und öffnete dann die zum Flur. Wen er dort entdeckte, ließ seine Augen größer und seine Gesichtsfarbe eine Nuance heller werden. Narcissa Malfoy sah ihn unbeeindruckt an, die blonden Haare wie immer fein frisiert und den Mund auf diese gewisse Art verzogen, die ihn anfangs ständig irritiert hatte.
„Guten Abend, Severus.“ Ihre Stimme klang gedämpft, riss ihn aber aus seiner Starre. Er trat zur Seite und sie ging an ihm vorbei.
„Narcissa“, murmelte er wenig begeistert von ihrem Besuch. „Was führt dich hierher?“
Sie verschränkte die Arme vor der Brust, als sie sich zu ihm umdrehte. „Lucius ist beim Direktor und beschwert sich mal wieder über dies und das. Ich hab ihm gesagt, ich gehe nach draußen. Wenn er erfährt, dass ich bei dir war…“ Sie beendete den Satz nicht, doch der gehetzte Ausdruck in ihren Augen sagte genug.
„Und warum nimmst du dieses Risiko auf dich?“, wiederholte Severus seine vorherige Frage in etwas anderer Formulierung und hoffte, dass sie ihm dieses Mal eine vernünftige Antwort geben würde.
„Draco. Sein Auftrag.“
Severus hob seine Augenbrauen, ehe er zum Schreibtisch zurückkehrte, sich allerdings von dieser Seite dagegen lehnte. „Was soll ich dabei tun?“
„Du sollst dafür sorgen, dass der Lord ihm nichts antun wird. Draco kann Dumbledore nicht töten. Er ist gar nicht in der Lage dazu.“ Ihre Stimme wurde dünner, so wie sie es immer zu tun pflegte, wenn sie etwas wollte oder sich um ihren Sohn sorgte. In diesem Fall traf beides zu.
„Narcissa, ich habe bereits vom Lord den Auftrag bekommen, Draco zu unterstützen. Und du kannst mir vertrauen, dass er dazu in der Lage sein wird, den alten Narren umzubringen, wenn es an der Zeit dazu ist.“ Wenn Lucius ihn schon als Maulwurf verdächtigte, musste er Narcissa ja nicht noch weitere Anhaltspunkte dafür liefern.
Sie kam mit großen Schritten auf ihn zu. „Das ist ja gerade das, was nicht passieren soll! Severus, du hast versprochen, ihn zu schützen. Ihn aus dem Kreis der Todesser fernzuhalten!“ Ihre Augen traten ein wenig aus den Höhlen hervor, wirkten dadurch irr und bedrohlich.
Er ließ sich nicht einschüchtern: „Du hast es ebenso versprochen! Und was tust du? Du traust dich ja nicht einmal, deinem Mann ins Gewissen zu reden.“
„Er würde mich umbringen!“
„Das würde er nicht wagen“, wischte Severus den Einwand rigoros hinfort. Auch wenn es schon einige Zeit her war, Narcissa war immer das Einzige gewesen, das Lucius wirklich etwas bedeutet hatte. Niemals würde er ihr Leben opfern, geschweige denn es ihr selbst nehmen.
„Du kennst ihn nicht mehr, Severus.“ Sie wischte sich mit einer zitternden Hand über die Stirn und dass sie so offensichtlich Schwäche zeigte und noch dazu ihr Make-up riskierte, ließ ihn aufmerksam werden.
Möglicherweise sparte er sich deswegen den Einwand, dass Lucius niemand war, der seinen Charakter freiwillig änderte. „Und was erwartest du nun von mir?“
Sie sah ihn direkt an. „Einen Unbrechbaren Schwur. Ich will, dass du alles tust, um Draco da rauszuholen.“
Severus schnaubte. „Warum sollte ich das tun?“
„Weil er dir nicht egal ist. Du bist bei seiner Geburt gewesen, hast ihn aufwachsen sehen. Er ist wie ein Sohn für dich.“
„Wie sollte er ein Sohn für mich sein, wenn du mich seit Jahren von ihm fern hältst?“ In seinen Augen funkelte die Wut, die sie damals in ihm geweckt hatte. Draco war gerade vier gewesen, als sie plötzlich nicht mehr wollte, dass Severus zu viel Zeit mit dem Jungen verbrachte.
„Das ändert nichts daran, was er dir bedeutet. Ich kenne dich, Severus. Und ich habe gesehen, wie du auf den Auftrag des Lords reagiert hast. Er mag blind für die Wahrheit in deinen Augen sein, ich bin es nicht.“ Sie fixierte ihn eindringlich und als Severus blinzelte, wussten beide, dass er diesen Fluch leisten würde. „Komm morgen Abend mit einem Zeugen in den Verbotenen Wald, hinter die Appariergrenze. Ich werde dort auf euch warten.“
„Wen sollte ich als Zeugen mitbringen? Dumbledore?“, begehrte er auf.
Narcissa verzog das Gesicht. „Und wen sollte ich mitbringen, ohne dass Lucius es mitbekommt? Ich werde genug Mühe haben, das Haus zu verlassen. Du wirst schon jemanden finden.“ Mit nun wieder aufgeräumter Miene atmete sie tief durch und wandte sich dann der Tür zu. „Morgen Abend um zehn Uhr, Severus. Enttäusche mich nicht!“ Sie sah ihn noch einmal intensiv an, dann verließ sie sein Büro.
Severus seinerseits erlebte einmal mehr das Gefühl, die Kontrolle zu verlieren. Letztes Jahr war es Potter gewesen, der ihn in diese Lage gebracht hatte, dieses Jahr schafften Draco und seine Familie es. Was hatte er nur falsch gemacht, dass er sich ständig mit Schülern rumärgern musste?
Bei dem Gedanken an Schüler zog er knurrend seinen Zauberstab und hob den Isolationszauber wieder auf – nur um gerade noch ein vernehmliches Stöhnen aus dem Labor mitzubekommen. Was hatte Granger jetzt schon wieder angestellt?
An dieser Stelle seiner Gedanken hielt er jedoch inne. Granger… Mit einem zufriedenen Lächeln auf den Lippen bereitete er sich darauf vor, sie zurechtzuweisen und rauszuschmeißen. Und danach würde er sich überlegen, wie er es am besten anstellte, sie morgen in den Verbotenen Wald zu bekommen.
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– nach Kapitel 12 –
oder: 'Möglicherweise…'
zu dieser Szene: Ich konnte es nicht lassen…
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- am Abend nachdem Hermine den Trank zur Unterdrückung ihrer Gefühle erfolgreich gebraut hat (Kapitel 12)
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Severus gab ein vernehmliches Knurren von sich, als es an seiner Tür klopfte. Er legte das Buch beiseite, in das er sich zur Ablenkung vertieft hatte, und empfing Granger mit so düsteren Blicken, dass sie hoffentlich nicht versuchen würde, ihn noch weiter zu reizen.
„Professor Snape“, sagte sie und setzte sich, nachdem er auf den Stuhl vor seinem Schreibtisch gedeutet hatte.
Er beobachtete ihr Verhalten genau. Wie es aussah, hatte sie gestern ihren Trank beendet und nachdem sie ihn mit fadenscheinigen Ausreden von der Tatsache hatte ablenken wollen, dass sie ihn gleich im Labor eingenommen hatte, war er doch gespannt, wie er wirkte. Sie schien gefasst und konzentriert, zwei Dinge, die er in letzter Zeit etwas vermisst hatte. Das war gut. Er brauchte sie heute mit klarem Verstand.
„Sie können heute unter Beweis stellen, wie viel Sie für den Orden bereit sind zu tun, Miss Granger“, erklärte er unvermittelt und sah mit Genugtuung, wie sie zusammenzuckte.
„Worum geht es, Sir?“
Severus lehnte sich auf seinem Stuhl zurück. Es war erst neun. Sie hatten genug Zeit. „Zuerst möchte ich Ihnen sagen, dass ich nicht gedenke, Ihnen die Erinnerungen an diesen Abend zu lassen. Falls Sie sich dazu bereit erklären, mir einen Gefallen zu tun, werden Sie heute vor dem Schlafengehen diesen Trank nehmen.“ Er stellte ihr eine Phiole vor die Nase, in der sich eine klare, rote Flüssigkeit befand.
Granger betrachtete das Glasgefäß einen Moment lang und schien abzuwägen. „Ich denke, das sollte kein Problem sein“, entschied sie schließlich.
Severus spürte gegen seinen Willen, wie sein Respekt vor dem Mädchen stieg. Er an ihrer Stelle hätte seine Erinnerungen nicht einfach in die Hände seines Lehrers gegeben. Schon gar nicht, wenn dieser Träger des Dunklen Mals war. Doch er würde sich nicht beschweren, es kam ihm nur zugute. „Schön. Sie werden heute Nacht Zeugin bei einem Unbrechbaren Schwur sein.“
Ihre Augen wurden eine Nuance größer, aber ansonsten blieb ihre Fassung bestehen.
„Erzählen Sie mir, was Sie über den Unbrechbaren Schwur wissen, Miss Granger.“
Sie holte Luft und bereits da wusste er, dass er sich diese Aufforderung lieber hätte sparen sollen. „Der Unbrechbare Schwur ist ein Schwur, der magisch besiegelt und absolut verbindlich ist. Er wird von zwei Personen geschlossen, eine dritte fungiert als Zeuge und Spender der magischen Flamme. Wer den Fluch bricht, wird sterben.“
Severus nickte zustimmend. Er wartete einen Moment, ob Granger möglicherweise eine Reaktion darauf zeigte, dass er ihr keine Punkte gab, doch sie erwiderte lediglich seinen Blick auf eine unergründliche Weise, wie er sie noch nie bei ihr gesehen hatte. „Sie werden nicht viel zu tun haben. Legen Sie nur Ihren Zauberstab auf die verschränkten Hände und halten Sie den Mund.“
„Ja, Sir.“
„Gut.“ Er richtete sich wieder auf. „Haben Sie noch Fragen? Wenn ja, stellen Sie sie jetzt. Ich möchte nachher nicht ein Wort von Ihnen hören!“
Granger hob eine Augenbraue. Offenbar verwirrte sie sein Angebot, Fragen zu beantworten. Wobei sie wirklich naiv war, wenn sie glaubte, dass er ihr alles beantworten würde. Dass sie die Fragen stellen sollte, bedeutete schließlich nicht, dass er darauf eingehen würde.
„Warum ich?“, riss sie ihn dann aus seinen Überlegungen.
„Weil Sie – so sehr es mir missfällt, dies zugeben zu müssen – die einzige sind, die greifbar und schlau genug ist, auf meine Befehle zu hören.“ Er griff nach der Phiole und steckte sie in eine der vielen Taschen seines Umhanges.
Granger gab sich mit dieser Auskunft augenscheinlich zufrieden. Severus beobachtete es fasziniert. Je länger er die Veränderungen in ihrem Verhalten ihm gegenüber bemerkte, desto mehr drängte sich ihm der Verdacht auf, dass er der Grund war, warum sie diesen Trank überhaupt nahm. Der Gedanke gefiel ihm nicht. Er gefiel ihm überhaupt nicht. Granger wäre nicht so dumm, sich wegen Gefühlen um ihren Schulabschluss zu bringen. Doch der Trank konnte nicht zu lange eingenommen werden, ohne gesundheitliche Probleme zu verursachen. Wenn er wirklich der Grund für ihr Handeln war, würde er sich früher oder später damit auseinander setzen und eine Entscheidung treffen müssen.
Vorerst zwang er sich jedoch dazu, mit seinen Gedanken ins Hier und Jetzt zurückzukehren. „Kommen Sie, Miss Granger. Wir müssen in den Verbotenen Wald.“
„Werden wir dort denjenigen treffen, dem Sie den Schwur geben wollen, Sir?“ Ihre Augen waren eine Spur größer geworden bei der Aussicht, nachts den Wald betreten zu müssen.
Er wog das Für und Wider sorgfältig ab, entschied allerdings, dass er ihr diese Frage noch durchgehen lassen würde. „In der Tat. Und von jetzt an möchte ich keinen Mucks mehr von Ihnen hören.“
„Natürlich, Sir.“
Severus nahm seinen Reiseumhang vom Haken und warf ihn sich über. Dann hielt er seiner Schülerin die Tür auf und errichtete die Banne hinter sich, bevor er ihr folgte. Granger wartete im Gang darauf, dass er vorgehen und sie anführen würde. Ihm wurde der Gehorsam allmählich unheimlich. Allerdings würde es sich möglicherweise noch als nützlich erweisen, dass sie ohne die restlichen zwei Drittel des Trios durchaus hilfreich sein konnte – wenn sie nicht gerade an irgendeiner Wunde von ihm herum fuhrwerkte.
Über diese Gedanken erreichten sie die ersten Ausläufer des Waldes und Severus schlug zielsicher einen Weg ein, der sie rasch zur äußeren Grenze bringen würde. Der Wald selbst lag zu einem großen Teil außerhalb der Appariersperre, was der Hauptgrund für Albus war, die Schüler daraus fernzuhalten. Dass ausgerechnet Potter ein so großes Interesse an diesem Stück Land entwickelt hatte, war mehr als unglücklich, denn unter den Todessern waren die Details über das Gelände durchaus bekannt. Potter täte besser daran, hin und wieder auf seine naseweise Freundin zu hören.
Die Dunkelheit der kalten Winternacht war beinahe undurchdringlich unter den Bäumen, die einen Großteil des Schnees davon abgehalten hatten, bis zum Boden vorzudringen. Dennoch knarzten ihre Schritte und scheuchten hin und wieder kleinere Tiere auf, die raschelnd das Weite suchten. Einmal glaubte er sogar einen Zentauren in den Schemen des schwachen Lichts zu sehen, doch er stand in der Gunst dieser Geschöpfe (wenn auch nur auf Albus‘ Verhandlungsgeschick hin) und so hatten sie nichts zu befürchten.
Zu seinem großen Erstaunen sagte Granger tatsächlich die ganze Zeit über nicht ein Wort, achtete allerdings darauf, sich dicht hinter ihm zu halten. Das Ganze entwickelte sich bisher problemloser, als er es erwartet hatte. Vielleicht war es nicht schlecht, dass er ihre Trankexperimente nicht hatte auffliegen lassen.
Nach einer halben Stunde Fußmarsch durch das unwegige Gelände hatte Severus zu schwitzen begonnen und hielt Ausschau nach den Markierungen, die ihm zeigten, dass sie den Apparierschutz hinter sich gelassen hatten. Die drei Fichten mit der Hütte in ihrem Zentrum waren schwer zu übersehen – zumindest wenn man wusste, was sie bedeuteten.
Nachdem er sie hinter sich gelassen hatte, lief er noch etwa einhundert Meter weiter geradeaus und wartete auf das kaum merkliche Kribbeln, das das Verlassen der Banne mit sich brachte. Er blieb stehen und deutete Granger stumm an, sich neben ihn zu stellen. Narcissa war noch nicht da und so warf er einen Blick auf seine Uhr. Es war zehn vor zehn.
„Sie bleiben besser stehen, Miss Granger“, warnte er mit seidiger Stimme, als sie einige Schritte ging. Ihre Augen leuchteten etwas, als sie ihn direkt ansah. „Wir haben die Banne von Hogwarts verlassen. Wenn Sie sie wieder durchschreiten, ohne dass ich Ihnen vorher ein Portal erschaffe, werden Sie das ganze Schloss wecken.“
Sie senkte schuldbewusst den Blick. „Entschuldigen Sie, Sir.“ Und trat sicherheitshalber noch einen Schritt weiter weg.
Severus antwortete nicht darauf. Sie traf keine Schuld, doch er würde sich hüten, ihr dies zu sagen. Es verlangte viel Aufmerksamkeit, um das Kribbeln der Banne von einem schlichten Kälteschauer zu unterscheiden. Besonders in kalten Nächten wie dieser.
Im nächsten Moment ploppte es neben ihnen und Severus stellte sich so, dass Narcissa Granger nicht sofort entdecken würde. Zweifellos würde sie sie erkennen und er wusste schon jetzt, dass sie nicht angetan sein würde von seinem Plan. Doch wenigstens würden sie dieses Treffen so auf das Nötigste beschränken können. „Narcissa“, grüßte er deswegen ölig und neigte den Kopf.
Sie wirkte gehetzt, weniger gefasst als gestern. „Severus. Wo ist der Zeuge?“
Der Tränkemeister griff hinter sich und zog Granger am Arm an seine Seite. Auch dies ließ sie wortlos geschehen.
„Das Schlammblut?“ Narcissa verzog den Mund und rümpfte die Nase.
Granger reagierte nicht.
Severus zuckte unbekümmert mit den Schultern. „Etwas Besseres ließ sich in so kurzer Zeit nicht auftreiben. Aber ich werde ihr die Erinnerungen nehmen, also spar dir deine Kraft.“
Die blonde Frau musterte ihn herablassend und mit sehr schmalen Augen. Severus war überzeugt, dass sie sich auf diese Sache nicht einlassen würde, wenn es ihr nicht wirklich wichtig wäre. „Also schön“, entschied sie schließlich und kniete sich auf den kalten, frostigen Boden.
Severus nickte Granger kurz zu, ehe er sich Narcissa gegenüber kniete und ihre rechte Hand ergriff. Granger trat an sie heran und legte die Spitze ihres Zauberstabes auf die verschlungenen Hände. Severus erlaubte sich einen kurzen Blick in das Gesicht seiner Schülerin. Faszination und Neugierde tanzten in ihren braunen Augen, doch ihre Miene blieb ausdruckslos.
„Wirst du, Severus, über meinen Sohn Draco wachen, wenn er versucht, die Wünsche des Dunklen Lords zu erfüllen?“, begann Narcissa in diesem Moment den Schwur und er richtete seine Aufmerksamkeit wieder darauf.
„Das werde ich“, antwortete er.
Aus Grangers Zauberstab glitt eine rote Flamme, die sich prickelnd und heiß um ihre Hände wand und die Haut darunter kränklich blass wirken ließ.
„Und wirst du ihn mit all deinen Kräften vor Gefahren schützen?“
„Das werde ich“, wiederholte er. Die zweite Flamme gesellte sich dazu und intensivierte die Hitze.
„Und sollte es sich als notwendig erweisen... wenn Draco zu scheitern droht...“, setzte Narcissa zur letzten Bedingung an, „Wirst du selbst die Tat ausführen , die der Dunkle Lord Draco befohlen hat?“
Severus musste sich dazu zwingen, die Hand in ihrer ruhen zu lassen. Er wusste, dass er in diesem Moment sein Schicksal besiegelte, egal wie es ausging. Dennoch reckte er das Kinn vor und sprach deutlich: „Das werde ich.“
Die dritte Flamme verband sich mit den ersten beiden und alle drei zusammen schnürten sich zu einem festen Band, das mit einem schmerzhaften Reißen in ihre Haut sank und erlosch. Einige Sekunden lang blieben Narcissa und Severus noch auf dem Boden knien, dann zog sie ihre Hand zurück und stand auf. Severus tat es ihr gleich und während sie sich die Kleidung abklopfte, bedeutete er Granger, sich hinter ihn zu stellen. „Ich danke dir, Severus“, sagte Narcissa schließlich und nur die Tatsache, dass sie ihm dabei fest in die Augen sah, ließ ihn ihre Worte glauben.
Er antwortete mit einem Nicken und beobachtete, wie sie mit einem letzten skeptischen Blick auf Granger disapparierte.
Severus straffte seine Haltung und wandte sich zu seiner Schülerin um. „Gute Arbeit“, murmelte er leise und ging zur Grenze der Banne hinüber. Nach einigen leisen Worten wurde ein schwach schimmerndes Loch sichtbar, durch das er sie schickte. Granger zog sogar den Kopf ein, als sie seiner Aufforderung nachkam.
Sie hatte nichts zu seinem Lob gesagt und auch die ersten zehn Minuten ihres Rückweges schwieg sie. Severus hingegen drängte es danach, ein Gespräch zu führen. Er wollte nicht daran denken, was er eben geschworen hatte. Und noch viel weniger wollte er daran denken, wie Albus darauf reagieren würde.
Also beschloss er, sich mit dem nun sehr viel unwichtigeren Problem zu beschäftigen: „Ich weiß, dass Sie mehr als die Testreihe durchgeführt haben, Miss Granger.“
Sie sah mit großen Augen zu ihm auf. „Sir?“
Er lächelte auf die diabolische Art, die Schülern immer das Herz in die Hose rutschen ließ. Ihr Blick blieb allerdings klar auf ihn gerichtet, während er über einen Baumstamm stieg. „Ich weiß, was Sie in den letzten Tagen im Labor angestellt haben. Ich hoffe sehr, Ihnen ist klar, was für Nebenwirkungen ein Trank wie dieser hat.“
Daraufhin wandte sie ihre Aufmerksamkeit wieder auf den Weg vor sich. Sie schwieg eine Weile. „Gehe ich recht in der Annahme, dass Sie dieses Thema nur ansprechen, weil ich es nachher wieder vergessen werde?“
Severus schnaubte. „Worauf Sie Gift nehmen können.“
„Danke, ich verzichte“, murmelte sie trocken, was ihm tatsächlich ein angedeutetes Lächeln entlockte. „Aber um auf Ihre Frage zurückzukommen: Ja, ich weiß um die Nebenwirkungen. Ich habe mein Bestes getan, sie abzuschwächen, aber ich maße mir nicht an, es perfekt hinbekommen zu haben.“
„Das ist bei dieser Mischung auch nicht möglich.“ Er schwieg eine Zeitlang. „Sind Sie sicher, dass es sich lohnt, diesen Trank zu nehmen, Miss Granger? Dass es keinen anderen Weg gibt?“ Er scheute sich davor, sie anzusehen. Und er tat es dennoch.
Sie nickte und wirkte dabei so erwachsen, dass es ihm einen Schauer über den Rücken jagte. Was war bloß mit diesem Mädchen passiert?
„Ich würde Ihnen gerne einige Ratschläge im Umgang mit diesem Trank geben, aber wie Sie selbst festgestellt haben, kann ich dies nicht tun, ohne Ihnen dafür eine Strafe zu geben. Und dann würde Albus erfahren wollen, worum es geht, denn diese Strafe würde in die Geschichte Hogwarts‘ eingehen.“ Er sah sie aus dem Augenwinkel lächeln. „Ich befürchte also, dass ich Sie blindlings hineinstolpern lassen muss.“
„Es scheint so, Sir.“
Den restlichen Weg hinauf zum Schloss schwiegen sie. Severus begleitete Granger durch die Schule bis zum Portrait der Fetten Dame, die noch schlief. Gleich würde Granger sie wecken müssen. Nun allerdings zog Severus erstmal die Phiole aus der Tasche und reichte sie ihr. Granger entkorte sie ohne zu zögern und setzte an. Severus wusste selbst nicht, woher der Impuls gekommen war, doch er legte eine Hand auf ihre und wurde so zum Zentrum ihrer Aufmerksamkeit.
„Ich verspreche Ihnen, dass ich da sein werde, wenn der Trank seinen Tribut fordert.“
Einige Sekunden lang starrte sie ihn aus großen Augen an und er glaubte eine Mischung von Emotionen über ihr Gesicht huschen zu sehen, die seine Theorie mehr als bestätigten. Unweigerlich regte sich Mitgefühl für sie in ihm, denn sie hatte sich keinen leichten Weg ausgesucht. Auch wenn er sich eingestehen musste, dass ihre Stärke und neugewonnene Disziplin ihn beeindruckt hatten. Möglicherweise...
„Danke, Sir“, beendete sie seinen Gedankengang abrupt und Severus blinzelte mehrmals.
Dann erst zog er seine Hand zurück und wandte sich mit wehendem Umhang um. Es war besser, wenn er nicht mehr hier war, wenn sie den Trank genommen hatte.
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– nach Kapitel 12 –
oder: 'Das ist nicht gut.'
zu dieser Szene: Irgendwie musste der gute Herr Direktor ja von seinem Schicksal erfahren...
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- am Tag nachdem Severus den Unbrechbaren Schwur abgelegt hat (Kapitel 12)
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Mit gewohnt verdrossener Miene saß Severus in der rechten hinteren Ecke des Lehrerzimmers und bemühte sich, nicht in den Mittelpunkt des Treffens zu geraten. Er hasste Lehrerkonferenzen und besonders hasste er die, in denen Minerva ihre Löwenbabys zu verteidigen versuchte.
„Ich bin dennoch der Meinung, dass Mr Hillerong eine härtere Strafe verdient hat. Es ist nicht als Dumme Jungen-Streich hinzunehmen, wenn er eine Schülerin aus der vierten Jahrgangsstufe in einen Wandschrank sperrt und Mr Filch hinterher schickt, um nachzusehen, was das für merkwürdige Geräusche sind.“
Severus fuhr sich über den Mund, um ein dreckiges Grinsen zu verbergen. Er fragte sich ernsthaft, für wen der beiden Gefangenen diese Erfahrung unangenehmer war. Immerhin war es Filch, der seit fast zehn Jahren mindestens einmal im Monat zu ihm kam, um sich das ‚Elexier für eine Nacht frei‘ abzuholen, wie er es immer nannte.
„Ich denke, Mr Filch wird die Strafarbeit des besagten Herren unangenehm genug gestalten, Minerva“, wandte Albus mit blitzenden Augen ein, ehe er Severus einen wissenden Blick zuwarf. Severus seinerseits entwickelte großes Interesse an den Schnitzereien im Kaminsims. Er wollte es sich mit Filch nicht verderben, dafür war er eine zu angenehme Möglichkeit, die Kröten loszuwerden.
Minerva machte ein missmutiges Gesicht, schwieg jedoch.
„Nun, ist das dann alles? Oder habe ich noch etwas vergessen?“ Albus sah jedem der anwesenden Kollegen in die Augen, doch von keinem bekam er eine andere Reaktion als ein Kopfschütteln. „Dann erkläre ich die Konferenz für beendet.“
Ein allgemeines Stühlerücken schwoll an, begleitet von diversen gedämpften Gesprächen. Severus stand zwar auf, ergriff aber – ganz im Gegensatz zu sonst – nicht sofort die Flucht. Er musste mit Albus sprechen. Oder die Beichte ablegen, je nachdem wie man es nennen wollte. Er selbst bezeichnete es am liebsten als ‚ihn über die neusten Geschehnisse in Kenntnis setzen‘.
„Ich denke, wir gehen besser in mein Büro“, entschied Albus, als er Severus‘ Miene sah.
Der Tränkemeister nickte und folgte dem Direktor zum Kamin hinüber. Es war allgemein bekannt, dass der gnädige Herr zu bequem war, um den Weg vom Lehrerzimmer in sein Büro zu Fuß zurückzulegen, wenn es nicht einen triftigen Grund dafür gab. Und Severus hatte es irgendwann aufgegeben, ihn deswegen aufzuziehen.
Kurz darauf hatte er sich also vor Albus‘ Schreibtisch niedergelassen und wartete darauf, dass der Ältere seine Schale mit den Bonbons aufgefüllt und sich mindestens zwei davon in den Mund geschoben hatte. Das machte ein Gespräch wie dieses meistens angenehmer.
„Gab es schon wieder ein Treffen?“, fragte er schließlich mit besorgter Miene.
„Nicht direkt.“ Severus überlegte kurz, wie er es am besten anfing. Dann entschied er sich für den direkten Weg: „Narcissa Malfoy kam vorgestern zu mir, während du dich mit Lucius beschäftigt hast. Sie forderte meine Unterstützung für Draco und in diesem Zusammenhang einen Unbrechbaren Schwur.“
Albus‘ Mimik blieb vorerst unbewegt, doch Severus wusste, dass es hinter der Stirn des alten Mannes arbeitete. „Nun, das ist eine interessante Wendung. Ich gehe mal davon aus, dass du den Schwur bereits geleistet hast?“
Severus runzelte irritiert die Stirn. „In der Tat.“ Woher wusste er das bloß?
Albus nickte. „Man kann es dir an der Nasenspitze ablesen. Zumindest, wenn man dich so gut kennt, wie ich es tue.“
Der Tränkemeister verdrehte die Augen, sagte jedoch nichts dazu.
„Also, wie genau lautete der Schwur?“
„Ich denke, das schaust du dir lieber selbst an. Aber bevor du dies tust, muss ich dich vorwarnen. Ich habe Miss Granger als Zeugin mitgenommen.“ Severus zog eine kleine Glasflasche aus der Tasche, in der sich weiß wabernd seine Erinnerung an den letzten Abend befand. Zumindest die zensierte Version.
„Ich gehe mal davon aus, dass du ihr die Erinnerungen daran genommen hast“, murmelte Albus, während er mit dem Fläschchen zu seinem Denkarium hinüberging und die Erinnerung hineinschüttete.
„Natürlich habe ich das. Diese Dinge muss sie nicht wissen. Es würde sie nur in Gefahr bringen.“
Die Antwort des Direktors bestand aus einem Nicken, dann vertiefte er sich in die Bilder des letzten Abends. Severus ließ seine Blicke schweifen, während hin und wieder ein paar Wortfetzen an seine Ohren drangen.
„Das ist nicht gut“, stellte Albus mit sorgenvoller Stimme fest, nachdem er alles gesehen hatte.
„Ich denke, das ist noch untertrieben.“
Albus kehrte zu seinem Schreibtisch zurück und ließ sich seufzend in den großen Sessel fallen. „Dann sollten wir uns wohl um die Planung meines Ablebens kümmern.“
Severus spürte, wie ihm die Farbe aus dem Gesicht wich. Dennoch straffte er seine Haltung und wappnete sich gegen das, was nun folgen würde.
***
– zu Kapitel 13 –
oder: 'Verdammt!'
zu dieser Szene: Ein paar Gedankenspiele haben hin und wieder auch ihren Reiz. :)
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- nachdem Hermine Severus‘ Verletzung geheilt hat (Kapitel 13)
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Sein Kopf fühlte sich an, als wäre er in Watte gepackt worden. Ein widerwärtiger Geschmack lag auf seiner Zunge und er verzog das Gesicht, während er trocken schluckte. Angenehme Wärme flutete ihm entgegen, als er sich aufrichtete, und sein Umhang rutschte in seinen Schoß.
Severus sah sich verwirrt um. Nur langsam kehrten die Erinnerungen an den Abend zurück. Er stöhnte leise und ließ sich wieder in den Sessel sinken. Egal wie es begann – wenn er und Hermine aufeinander trafen, schien es immer in einem Desaster zu enden.
Doch sie wusste, wie man eine Fleischwunde versorgte. Prüfend hob er den linken Arm von der Lehne des Sessels und ballte die Hand mehrmals zu einer Faust. Er war schmerzfrei, auch wenn seine Finger leicht zitterten.
Während er sich aus dem Sessel kämpfte und das Feuer löschte, das sie vor dem Verlassen seiner Räume entzündet haben musste, rollte er den Ärmel wieder nach unten und wischte sich anschließend durch die fettigen Haare. Seine Beine fühlten sich an wie Pudding, nachdem sie heute geschlagene vier Stunden Duellübungen absolviert hatten. Selbst Draco war dabei gewesen, doch Avery hatte ihn so ungünstig erwischt, dass er schon eher nach Hogwarts zurückgekehrt war. Danach hatte Severus sich mehrmals bei dem Wunsch, ebenfalls so getroffen zu werden, ertappt.
Nicht, dass er es darauf angelegt hätte. Er hatte einen Ruf zu verlieren und in seinem Fall war es wichtiger, dass es nicht dazu kam, als bei jedem anderen Todesser.
Er knöpfte sein Hemd auf, während er ins Bad ging. Seine Kleidung stand vor Dreck und Schweiß. Er würde duschen, bevor er sich noch für einige wenige Stunden in sein Bett legen würde. Das heiße Wasser vertreib das Frösteln, das von seinem Körper Besitz ergriffen hatte, nachdem er die Wärme des Feuers verlassen hatte. Es löste Verspannungen in seinem Nacken und gab seiner Haut eine fast gesunde Farbe.
Unvermittelt traf ihn ein Gedanke, von dem er nicht wusste, ob er real war, oder ob er davon geträumt hatte. Erinnerungen an eine Berührung auf seinem Unterarm. Nicht ängstlich oder flüchtig, wie Madam Pomfrey es sich das eine oder andere Mal betracgtet hatte. Eher neugierig und vorsichtig. Hatte Granger seine Unpässlichkeit ausgenutzt, um sich das Dunkle Mal genauer anzusehen? Severus hob den Arm und starrte die Stelle durch das Wasser hindurch an. Verschwommene Schlieren.
Und wenn sie es getan hatte, würde es ihn stören?
Er knurrte leise und griff nach dem Tiegel, in dem sich seine Mischung für die Haare befand. Es war nicht gut, in welche Richtung sich diese Sache entwickelte. Seitdem sie den Unbrechbaren Schwur bezeugt hatte, ging sie ihm nicht mehr aus dem Kopf. Er fragte sich, ob sie ihm noch immer vertrauen würde, wenn er erstmal dazu beigetragen hatte, dass Albus das Zeitliche segnete. Oder ob sie ihm danach überhaupt noch unter die Augen treten würde.
Dann erinnerte er sich daran, dass sie einen Trank nahm, um Gefühle zu unterdrücken. Gefühle, die sie offenbar für ihn hegte. Was hatte er getan, dass sie so empfand? Seit Lily Evans hatte keine Frau sich die Mühe gegeben, Gefühle in ihn zu investieren. Was sah Hermine in ihm? Oder was glaubte sie zu sehen, wenn es doch gar nichts gab?
Resignierend stützte er seine Hände an der Wand ab und ließ den Kopf zwischen die Schultern sinken. Sein linker Arm zitterte unmerklich, doch Severus achtete nicht darauf. Er hasste es, keine Antworten auf solche Fragen bekommen zu können.
Mit einem Knurren auf den Lippen drehte er die Dusche ab und griff nach einem großen Handtuch. Er sollte schlafen gehen, damit er morgen einigermaßen gebräuchlich für den Unterricht war. Unterricht, in dem unter anderem Hermine Granger sitzen würde.
„Verdammt!“, zischte er, knüllte das Handtuch zusammen und warf es auf den Boden. Dann ging er nackt hinüber in sein Schlafzimmer, zog eine kurze Hose an und legte sich ins Bett. Hoffnungen auf Schlaf machte er sich jedoch nicht.
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– zu Kapitel 14 –
oder: 'Ist das eine Drohung, Sir?'
zu dieser Szene: Draco tut halt nie das, was er soll…
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- an dem Abend, an dem Hermine durch das Schloss läuft (Kapitel 14)
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Severus knurrte verdrossen, als er zwei in Plastiktüten verpackte Zutaten aus dem Karton nahm. Warum – das fragte er sich schon seit Jahren – versandten magische Unternehmen Trankzutaten in Plastiktüten? Diese Dinger reduzierten die Qualität und außerdem gab es wesentlich einfachere Zauber, die eine mindestens doppelt so gute Wirkung hatten. Und die vor allem keinen Müll hinterließen, den er zu entsorgen hatte. Missgestimmt packte er die Katzenminze und das getrocknete Dianthuskraut aus und sortierte beides nach einer genauen Musterung (die die Pflanzen nicht bestanden hätten, ginge es um seinen privaten Vorrat) in den für Schüler unzugänglichen Zutatenschrank.
Eigentlich war es ungewöhnlich, dass er eine Lieferung für den Schulgebrauch selbst auspackte. Das war eine Arbeit, die er sonst gerne die Erstklässler erledigen ließ, die bei ihm zur Strafarbeit antreten mussten. Dummerweise hatte er heute keine Erstklässler und außerdem brauchte er etwas, mit dem er sich ablenken konnte.
Einige Minuten später – er prüfte gerade die Reinheit des Drachenblutes – klopfte es an der Tür und er bat seinen Besuch herein, ohne sich umzudrehen. „Setzen Sie sich, Draco!“, wies er den Jungen an.
Dass er keine Antwort erhielt, bestätigte die Identität des Schülers und so nahm Severus sich noch einige weitere Minuten, ehe er den Karton des Versandhauses mit dem Zauberstab falteten und danach in ein Handtuch verwandelte. Dieses legte er zusammen und packte es zu den anderen, die genauso aussahen. Er bekam häufiger Lieferungen, als er Handtücher verschliss, aber im Zweifelsfall würde die Schulküche sich darüber freuen. Wobei er sicherlich nicht derjenige sein würde, der den Hauselfen die Handtücher brachte. Er hatte besseres zu tun, als sich ewig die gejaulten Dankesbekundungen anzuhören.
Zwischendurch setzte Draco mehrmals zum Sprechen an, doch wann immer Severus hörte, wie sein Schüler Luft holte, hob er eine Hand und brachte ihn damit mühelos wieder zum Schweigen. Als er nun zu Draco ging, nutzte dieser die Aufmerksamkeit seines Lehrers sofort, um seinem Unmut Luft zu machen: „Was wollen Sie von mir, Sir? Ich habe keine Zeit, Ihnen beim Aufräumen zuzusehen. Außerdem ist es inzwischen nicht mehr so einfach, sich aus dem Gemeinschaftsraum zu schleichen. Mir hat keiner geglaubt, dass ich in die Bibliothek gehe!“ Er fuchtelte zu der Tasche, die neben dem Tisch stand.
Severus hob eine Augenbraue. Seitdem Draco den Auftrag vom Dunklen Lord verfolgte, hatte sein Respekt gegenüber den Lehrern gewaltig nachgelassen. Aber dass darunter auch sein Einfallsreichtum litt, bemerkte er zum ersten Mal. „Wenn es Ihnen lieber ist, kann ich Sie das nächste Mal auch für eine Strafarbeit herbestellen. Gründe liefern Sie mir genug. Aber erwarten Sie nicht, dass Sie dieses Klassenzimmer dann vor Mitternacht wieder verlassen werden.“ Er lehnte sich mit verschränkten Armen gegen das Lehrerpult, eine Art gelassene Geste, die er normalerweise nicht gerne nutzte. Doch sie passte definitiv zu dem unbesorgten und vor allem loyalen Todesser, den er mimen musste.
Draco antwortete nicht auf Severus‘ Vorschlag. Er rümpfte lediglich die Nase und erinnerte dabei so sehr an Narcissa, dass es Severus kalt den Rücken herunterlief. Narcissa hatte es schon in ihrer Jugend beherrscht, anderen durch einen bloßen Blick das Gefühl zu geben, morgens die Dusche vergessen zu haben.
„Ich habe Sie herbestellt“, besann Severus sich, „weil ich es nicht länger dulden kann, wie Sie sich im Unterricht verhalten. Sie sind unaufmerksam, aufsässig und tun nicht, was man Ihnen sagt. Ich hätte darüber hinwegsehen können, wenn Sie sich nur bei mir so verhalten würden, aber inzwischen wurde ich schon mehrfach von Kollegen darauf angesprochen.“
„Dann denken Sie sich doch eine Entschuldigung für mich aus“, antwortete Draco, doch weder klang seine Stimme so selbstsicher, wie er es beabsichtigt hatte, noch gelang das arrogante Grinsen.
„Es ist nicht an mir, dafür zu sorgen, dass Sie nicht der Schule verwiesen werden. Ich bin lediglich Ihr Ansprechpartner und die Verbindung zum Lord. Ich kann es mir nicht erlauben, mich zu auffällig zu verhalten – und Sie auch nicht.“ Seine letzten Worte unterstrich er mit einem eindringlichen Blick.
Daraufhin senkte Draco den Blick und schluckte sichtlich an seiner wenig begeisterten Antwort. „War das alles?“, fragte er schließlich.
„Nein.“ Severus reckte das Kinn ein wohl kalkuliertes Stück nach vorne, bevor er zwei große Schritte tat und sich auf der Tischplatte vor Draco abstützte, so dass dieser nach hinten wich. „Sie zeigen besser, dass Sie einer Doppelidentität wie dieser gewachsen sind, sonst verschwinden Sie von der Bildfläche, sobald sich die Möglichkeit dazu bietet.“
Draco verengte seine Augen. „Ist das eine Drohung, Sir?“
„Nur ein gut gemeinter Rat.“ Einige Sekunden hielt er den Schüler noch auf dem Platz fest, dann nickte Severus zur Tür. „Verschwinden Sie!“ Draco griff nach seiner Tasche und wollte aufstehen. „Und denken Sie nicht einmal daran, morgen wieder ohne Hausaufgaben im Unterricht aufzutauchen!“
„Ja, Sir!“, knurrte der Jüngere, dann machte er sich auf den Weg – die Robe von einer Schulter gerutscht und die Tasche schlampig geschlossen.
Severus sah ihm mit geschürzten Lippen hinterher. Erst nachdem die Tür sich wieder geschlossen hatte und es für einige Momente ruhig gewesen war, erlaubte er es seinen Schultern, ein Stück nach unten zu sinken. Niemals zuvor war ihm die Rolle des loyalen Todessers so schwer gefallen wie in den letzten Wochen.
Er massierte sich den steifen Nacken, während er sich umwandte und die Fackeln im Labor löschte. Nebenan in seinem Büro wartete noch ein Stapel Aufsätze auf ihn und der von Hermine Granger lag ganz oben. Eine weitere Sorge ließ ihn die Augenbrauen zusammen ziehen. Seit einiger Zeit konnte er regelrecht dabei zusehen, wie sich ihr Gesundheitszustand verschlechterte. Erst heute hatte er sie dabei beobachtet, wie sie stundenlang ziellos durch das Schloss gelaufen war. Es wurde bald Zeit für ihn, ein Versprechen einzulösen.
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– zu Kapitel 15 –
oder: 'So etwas nennt man Besorgnis.'
zu dieser Szene: Ich mag es, wenn Severus eine rationale Erkenntnis hat…
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- nachdem Dobby das Rezept von Hermines Trank geholt hat und sie wieder bewusstlos ist (Kapitel 15)
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Severus stellte das Tablett mit den Zutaten für das Gegengift in seinem Büro auf dem Schreibtisch ab, bückte sich daneben und öffnete die kleine Tür auf der linken Seite. Blind ertastete er den Flaschenhals des Feuerwhiskeys und zog das Glasbehältnis hervor. Halb voll. Nun, das sollte fürs erste genügen.
Ohne sich noch ein Glas dazu zu holen, nahm er das Tablett wieder auf und ging ins Labor hinüber. Mit bekannten und dennoch fahrigen Handgriffen füllte er Wasser in einen Kupferkessel und hängte diesen über die Feuerstelle, bevor er den Whiskey entkorkte und sich mit dem Rezept in der Hand gegen den Tisch lehnte.
Sie hatte wirklich einige interessante Änderungen gemacht. Das erklärte, warum sie ihre Eigentherapie solange durchgehalten hatte. Seine Stirn furchte sich immer weiter, während er die Liste und die Anweisungen durchlas. Als er am Ende angekommen war, gab er einen gezischten Fluch von sich und setzte die Flasche an die Lippen. Die hochprozentige Flüssigkeit brannte sich ihren Weg hinab in seinen Magen und brachte einen kleinen Rest Vernunft mit sich.
Doch diese Vernunft half ihm ausnahmsweise einmal nicht wirklich weiter. Eher im Gegenteil. Sie ermöglichte es ihm, die Geschehnisse dieses Abends genauer zu analysieren, als es ihm lieb war. Das Wasser warf die ersten Blasen, während er sich umdrehte und die Flasche hart auf den Tisch stellte. Die hellbraune Flüssigkeit schwappte an der Innenseite nach oben und ließ ein leises Plätschern hören.
Severus stützte sich mit beiden Händen an der Kante des Tisches ab und senkte den Kopf zwischen die Schultern. Wenn er seine Augen schloss, sah er, wie sie vor ihm zusammenbrach. Gerade zu weit entfernt, als dass er sie hätte auffangen können. Sicherlich würde er das Geräusch ihres Kopfes, der auf die harte Erde prallte, nicht so bald wieder vergessen.
Er knurrte leise und zwang sich, wieder auf den Kessel zu achten, der vor ihm stand. Beinahe wünschte er sich, er hätte sie zu Poppy gebracht. Dieses Gegengift zu brauen, wäre ihm leichter gefallen, wenn er gewusst hätte, dass sie unter Beobachtung stand. Möglicherweise hätte er Dobby noch nicht wegschicken sollen.
Aber Dobby war nicht dumm. Ein Hauself zwar, aber nicht dumm. Er hätte bemerkt, dass etwas zwischen ihm und seiner Schülerin lief, das Albus sicherlich interessieren würde. Und die Loyalität des Elfen gegenüber Albus war dummerweise größer als die gegenüber ihm. Severus schnaubte kopfschüttelnd.
Das Wasser kochte nun und er streute einige Pulver hinein. Sofort beruhigte sich die aufgewühlte Oberfläche, verfärbte sich grün und wartete auf sein weiteres Vorgehen. Er zog die Alraune heran, schälte sie eilig und schnitt sie in Scheibe, die er platschend in den Kessel warf. Nein, heute würde er niemanden mit seiner präzisen Arbeitsweise beeindrucken.
Dafür beeindruckte es ihn selbst, dass er sich kaum konzentrieren konnte. War es wirklich schon so weit mit ihm gekommen, dass er sich von einer Schülerin aus dem Konzept bringen ließ? Hatte das bloße Wissen, dass sie sich in ihn verliebt hatte, gereicht, um dasselbe bei ihm zu bewirken?
„Unfug“, fluchte er leise, die Augenbrauen so sehr zusammengezogen, dass sich eine tiefe Falte dazwischen gebildet hatte. Der würzige Geruch der gekochten Alraune stieg ihm in die Nase und erinnerte ihn daran, dass er noch nicht fertig war. Ohne nachzudenken warf er einige Beeren in eine Schüssel, streute Salz darüber und nahm einen Mörser, um alles miteinander zu vermengen. Diese Mischung würde ihr nicht gut bekommen, so viel stand fest.
Erneut zog er das Rezept heran und las sich die Anweisungen durch. Sie hatte einige Dinge geändert, die den Trank wenig bekömmlich gestalteten. Ihre Erfahrungen mit dem Verhalten der einzelnen Zutaten waren noch nicht groß genug, um so etwas beurteilen zu können. Aber die Grundlagen waren da. Ein Fundament, auf dem er…
Severus schüttelte den Kopf und rührte die Beerenmischung in den Trank. Ein erneuter Farbumschwung zeigte ihm, dass er noch immer richtig lag.
Er hatte seit Lily niemanden mehr geliebt und war stets gut damit gefahren. Warum sollte er nun etwas daran ändern? Nur weil sie einen Narren an ihm gefressen hatte? Dass ihre Wahrnehmungsfähigkeit nicht unbedingt die beste war, zeigte doch schon die Tatsache, dass sie Potter und Weasley zu ihren Freunden zählte.
Doch je länger er an diesem Trank braute und daran dachte, dass sie bewusstlos und in wirklicher Lebensgefahr in seinem Wohnzimmer lag, desto mehr beschlich ihn die Befürchtung, dass diese Sache nicht viel mit rationalen Entscheidungen zu tun hatte. Hatte es damals bei Lily auch nicht gehabt und was die Folgen gewesen waren, hatte er noch heute täglich vor Augen.
War es das Risiko wert? War sie wie Lily?
Severus seufzte, während er gedankenverloren den Trank umrührte und schließlich den Kessel vom Feuer nahm. Er sollte aufhören, diese Möglichkeiten in seinem Kopf zu wälzen. Bedächtig füllte er das Gegengift in eine kleine Phiole und hielt sie gegen seinen Handrücken. Noch zu heiß, um es ihr zu geben.
Entgegen seiner sonstigen Vorgehensweise verließ er das Labor, ohne vorher Ordnung zu schaffen. Mit großen Schritten durchquerte er das Büro, sah nicht links und nicht rechts. Ebenso lief er an ihr vorbei, ohne sie anzusehen, direkt ins Badezimmer. Unter dem Waschbecken in dem kleinen Schränkchen stand eine Schüssel, die er mithilfe seines Zauberstabes duplizierte. Eine blieb leer, in die andere füllte er lauwarmes Wasser und legte einen sauberen Waschlappen hinein.
Danach drehte er den Wasserhahn auf kalt und hielt die Phiole darunter. Er hatte nicht genug Zeit, um zu warten, bis der Trank von alleine abgekühlt war. Ein Gefühl nagender Nervosität kroch durch seinen Körper und machte ihn kribbelig. Seit seiner Meisterprüfung hatte er sich nicht mehr so gefühlt. Severus rümpfte die Nase, als er sich im Spiegel betrachtete.
„So etwas nennt man Besorgnis“, ließ das normalerweise stumme Ding ihn wissen.
„Was wäre ich ohne deine Weisheiten“, erwiderte Severus gedehnt und warf seinem Spiegelbild einen so scharfen Blick zu, dass es glücklicherweise still blieb.
Schließlich schaltete er das Wasser aus, nahm die beiden Schüsseln und kehrte ins Wohnzimmer zurück. Nun hatte er keine andere Wahl, als sie anzusehen. Die fahlen Haare, das blasse Gesicht, die geschlossenen Augen und die trockenen Lippen.
Und ebenso, wie er nicht drum herum kam sie anzusehen, musste er zugeben, dass er sich um sie sorgte. Und dass es keinen Sinn machte, ihren Namen nicht zu denken. Sie war trotzdem unwiderruflich zu Hermine geworden.
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– zu Kapitel 17 –
oder: 'Er kommt von alleine.'
zu dieser Szene: Mir ist aufgefallen, dass ich Dumbledore noch nie genauer untersucht habe…
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- kurz vor Schuljahrsende, bevor Hermine in Severus' Unterricht einen Schritt zu weit geht (Kapitel 17)
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Albus Dumbledore saß an seinem Schreibtisch und starrte auf ein vor ihm liegendes Pergament, ohne es wirklich zu sehen. Es war zugegebenermaßen auch noch sehr früh, die Liste der neuen Schüler für das nächste Schuljahr durchzugehen. Doch er wusste nicht, wie viel Zeit ihm dafür noch blieb, also sollte er sehen, dass er seine Angelegenheiten geregelt bekam. Sicherlich würde Minerva es begrüßen, wenn sie seinen Posten übernahm.
Ein melodischer Laut riss ihn schließlich aus seinen Gedanken und er hob den Blick zu Fawkes. Das majestetische Tier saß auf seiner Stange und breitete die Flügel aus. „Pass mit dem Bücherregal auf, Fawkes. Noch mehr Reparaturen vertragen die alten Seiten nicht“, mahnte Albus das Tier ohne wirklichen Nachdruck in der Stimme.
Im nächsten Moment stieß Fawkes sich von seiner Stange ab, flog eine Runde durch den Raum und setzte sich auf seine Schulter. Ein Raunen war zu hören, dessen Ursprung die Portraits an der Wand hinter ihm waren. Die alten Herrschaften vergaßen jedes Mal aufs Neue, dass Fawkes durchaus eindrucksvoll wirkte, wenn er flog.
Albus lächelte schmerzlich. Er hatte alles getan, was in seiner Macht stand, damit sein Portrait später ein besser funktionierendes Gedächtnis haben würde. Zwar hatte er sich damit die wirkliche Ruhe nach dem Tod versagt, doch er konnte es nicht riskieren, das Spielfeld zu früh zu verlassen.
Fawkes gurrte leise und rieb seinen Kopf an Albus Wange. Eine intensive Wärme floss von dort aus durch seinen Körper und der Schulleiter schloss die Augen. „Ich danke dir“, murmelte er leise und kraulte den Vogel unter dem Flügel. Normalerweise sorgte eine solche Berührung für einige Brandblasen auf den Fingerkuppen. Lediglich die Jahre, die sie nun schon miteinander verbracht hatten, sorgte dafür, dass Albus' Finger sich daran gewöhnt hatten.
Plötzlich wurde die Tür zu seinem Büro aufgestoßen. Fawles gab einen schrillen Schrei von sich und flatterte in die Höhe, nicht ohne dabei einige von Albus Haaren zu versengen. Der scharfe Geruch stieg ihm in die Nase, noch während er Severus erkannte.
Es war offensichtlich, dass der Jüngere keinen angenehmen Abend hinter sich hatte. Seine Kleidung – der Todesserumhang – war durchnässt und zog feuchte Spuren über den Boden. Die schwarzen Haare hingen ebenso tropfend an seinem Kopf herab. Und das Gesicht verriet eine Menge Missmut.
Albus seufzte lautlos und deutete auf den Stuhl vor seinem Schreibtisch. Er wusste, dass Severus niemals Zitronenbonbons aß, doch er wurde nicht müde, sie ihm immer wieder anzubieten. Möglicherweise würde er ja irgendwann doch einmal akzeptieren und dann würde er merken, dass diese Bonbons mehr waren, als süß und fruchtig. In ihnen steckte eine Zutat, die dem Baldrian nicht unähnlich war. Merlin wusste, vor wie vielen Kreislaufentgleisungen die Bonbons Albus schon bewahrt hatten.
„Wir haben nicht mehr viel Zeit“, kam Severus ohne Umschweife zum Thema und winkte wie gewohnt ab, als Albus ihm die Schüssel hinhielt.
„Davon bin ich ausgegangen angesichts der Tatsache, dass du dir nicht einmal die Zeit genommen hast, deine Kleidung zu trocknen.“
„Firlefanz“, knurrte der Jüngere und schob unter dem weiten Umhang etwas seinen Schoß hinauf. Vermutlich die Todessermaske.
„Was ist passiert?“
„Der Dunkle Lord hat Draco heute ermahnt, sich an den Zeitplan zu halten.“
Albus lächelte kaum sichtbar. „Tom hatte schon immer etwas für das Schuljahresende übrig.“
„Ja“, erwiderte Severus gedehnt. „Wie auch immer. Es wird in nächster Zeit etwas passieren und ich bedaure, aber ich habe nichts herausgefunden. Lucius hat seinem Sohn eingebläut, mir nichts von seinen Plänen anzuvertrauen und der Dunkle Lord überprüft ihn regelmäßig auf den Einsatz von Gedächtniszaubern und –tränken.“
Der Schulleiter nickte. „Damit haben wir gerechnet. Du musst versuchen, in seiner Nähe zu bleiben.“
Severus erwiderte darauf nichts, sondern starrte ihn lediglich mit gereizten Blicken an. Albus seufzte erneut. Er wusste, dass es nicht fair war, was er von Severus verlangte. Und er hätte gerne einen anderen Weg gewählt. Doch der Unbrechbare Schwur, den Severus so blauäugig abgelegt hatte, hatte seinen Tod besiegelt. Und das wussten sie nicht erst seit gestern.
Bereits das ganze Schuljahr über hatte er Harry mit den Informationen versorgt, die er für den Kampf gegen Tom Riddle brauchen würde. Der Junge hatte ihn mehrfach gefragt, warum er diese Informationen jetzt bekam und Albus hatte sich immer mehr verstrickt in ein Gebilde aus Ausreden und Plänen. Sie hatten keinen großen Spielraum und das machte ihn trotz der Zitronenbonbons wirklich nervös.
„Ich werde dir Bescheid sagen, wenn es an der Zeit ist, alles in die Wege zu leiten. Geh dir trockene Kleidung anziehen, bevor du dir den Tod holst!“
Severus stand mit steifen Gliedern auf und rümpfte die Nase. „Den Tod muss man sich nicht holen, alter Mann. Er kommt von alleine.“ Mit aufgrund der Nässe trägem Umhang wandte er sich um und verließ das Büro.
Albus lehnte sich in seinem Stuhl zurück und schloss die Augen. Eigentlich hatte er einen anderen Plan für diesen Krieg gehabt. Er erlaubte sich einige Minuten der Ruhe, bevor er mehrmals schnalzte und sich endlich wieder der Liste mit neuen Schülern zuwandte. Minerva würde es ihm danken.