Inter Spem Et Metum: Zwischen Hoffnung und Furcht


von WatchersGoddess



Missing Scenes zu Kap. 6-11



zu Kapitel 6 –

oder: 'Obliviate!'


zu dieser Szene: Ich wollte das Ganze eigentlich noch sehr viel ausführlicher darstellen, aber ich bin nicht besonders gut in Kampfszenen und es ist soweit alles drin, was mir wichtig war. Sogar ein kleiner HG/SS-Moment… ;)


***


- die Nacht des Kampfes im Ministerium kurz vor Ende des 5. Schuljahres (nach Kapitel 6)


***


Severus hastete den fensterlosen Gang entlang und warf einen flüchtigen Blick in die Richtung, die zu den Gerichtsräumen im zehnten Stock führte. Er war oft dort gewesen, doch niemals hier. Die unbeschriftete Tür, die zur Mysteriumsabteilung führte, lag unbeteiligt vor ihm, wirkte beinahe harmlos. Trotzdem zögerte er, ehe er sie öffnete.

Einen Moment lang fragte er sich, wer dafür gesorgt hatte, dass mehrere kleine Gruppen von Todessern ins Ministerium und schlimmer noch, in die Mysteriumsabteilung eindringen konnten, ohne dass ein Alarm losging. Der Lord hatte definitiv Mittel und Wege, die er, Severus, nicht kannte.

Er konnte nur hoffen, dass Granger es geschafft hatte, Potter zurückzuhalten. Die Wahrscheinlichkeit, dass es ihr wirklich gelungen war, war groß. Warum sonst sollte der Lord sie ins Ministerium schicken?

Er hatte ihn mit dem Ruf aus einem äußerst amüsanten Gespräch mit Black gerissen. Severus wusste, dass es Dumbledore nicht gefiel, wenn er Black dazu verführte. Doch der Mistkerl hatte genug getan, um ein wenig Triezen zu rechtfertigen. Und dass er im Grimmauldplatz festsaß, war ja nicht seine Schuld.

Nun allerdings schob er den Gedanken an den Köter beiseite. Es war eine halbe Stunde her, seitdem er den Grimmauldplatz verlassen hatte. Der Lord hatte sie und sich selbst mit einer seiner nervtötenden Reden aufgehalten. Und das war nicht mal das Schlimmste. Viel schlimmer war, dass er sie nach dem Spektakel hier im Ministerium erneut erwartete. Er musste schließlich sehen, wie viele seiner Anhänger diese Aktion überlebt hatten.

Severus fand sich kurz darauf in einem großen, runden Raum wieder. Vollkommen schwarz mit identischen Türen und blauen Kerzen an den Wänden hätte er sicherlich Probleme gehabt, sich weiter zu orientieren. Es war eine dumme, wirklich dumme Idee gewesen, sie grüppchenweise ins Ministerium zu bringen. Und noch viel dummer war es gewesen, dass er seine Gruppe verloren hatte, als ein paar Auroren sie aufgespürt hatten. Severus wusste nicht, ob alle seinen Angriff überlebt hatten. Doch jetzt hatte er auch keine Zeit, sich darüber Gedanken zu machen.

Denn zu seinem Glück war irgendjemand der anderen schlau genug gewesen, die entsprechende Tür zu blockieren. Ein Schuh stand dazwischen und verhinderte so, dass der Raum mit seiner üblichen Verwirrtaktik beginnen konnte. Severus überquerte den großen Platz und riss die Tür auf. Kampfgeräusche drangen ihm entgegen und er überprüfte, ob seine Maske richtig saß. Es wäre nicht sehr förderlich, wenn Potter oder Weasley ihn erkennen würden – sofern sie denn da waren.

Aber irgendjemand war da und er hoffte inständig, dass es der Orden war. Albus wusste Bescheid, auch diese Wahrscheinlichkeit war also hoch. Nachdem er sicher war, dass seine Haare und alles andere, was auf ihn schließen lassen würde, unter Maske und Umhang verborgen war, betrat er den kurzen, steinernen Gang, der in einen weitläufigen Raum führte.

Severus hatte bisher nur gerüchteweise davon gehört und konnte es sich nicht verkneifen, einen Blick durch diesen Saal zu werfen. Wie in einer Arena säumten riesige Steinbänke die Seiten, zwischen denen kleine Nischen eingelassen waren. Die Mitte war abgesenkt und rückte damit einen uralten Torbogen in die Aufmerksamkeit eines jeden, der hierher kam. Ein schwarzer, löchriger Vorhang wehte bedächtig darin und ließ nichts von dem vermuten, was er bedeutete.

In diesem Moment sah er, dass sich selbst die größten Wahrscheinlichkeiten, die er sich vorher überlegt hatte, nicht eingetroffen waren. Potter und seine Anhänger waren hier und das bedeutete zu seinem großen Erstaunen nicht nur Granger und Weasley, sondern auch Longbottom, Lovegood und die junge Weasley. Wie zum Teufel konnte dieser Junge so entsetzlich dämlich sein, eine ganze Handvoll seiner Freunde in Gefahr zu bringen?

Diese Frage wurde allerdings unwichtig angesichts der Tatsache, dass der Orden bisher mit Abwesenheit glänzte. Severus hatte den Schuh in der Tür stehen lassen (im Augenwinkel sah er, dass Dolohov mit einem nur besockten Fuß durch die Gegend lief und schüttelte den Kopf über die Einfallslosigkeit dieses Mannes; den Verdopplungszauber lehrte Minerva bereits im ersten Jahrgang) und hoffte, dass Albus bald mit den anderen hier aufkreuzen würde, um die Lage auszugleichen.

Severus stürzte sich hinunter in die Kämpfenden, versuchte aber vorerst, jeder Konfrontation aus dem Weg zu gehen. Er musste erstmal wissen, was überhaupt passiert war. Ein Stupor der jungen Weasley streifte seinen Umhang und kurz begegneten sich ihre Blicke. Sie erkannte ihn nicht, was ein Glück war. Doch Severus musste eine wilde Verrenkung vortäuschen, um das Verfehlen seiner Antwort nachvollziehbar wirken zu lassen.

Direkt vor ihm konnte er Bellatrix ausmachen. Das verrückte Weib hatte sich die Maske vom Gesicht gerissen und spielte mit ihrem Zauberstab an Longbottoms Hals herum. Severus verzog das Gesicht.

In diesem Moment tauchte direkt vor ihm Lovegood auf, zielte und schickte einen Wabbelbeinfluch auf ihn, was ihm eine perfekte Möglichkeit gab, den Arm beim Fluch in die Höhe zu reißen und Bellatrix an der Schulter zu treffen. Longbottom kam frei und nutzte zur Überraschung aller seine Gelegenheit, um ihr einen Stupor entgegen zu schmettern.

Severus begann sich allmählich zu fragen, woher die Knirpse so gut kämpfen konnten. Möglicherweise hatte der Lehrer, den Albus dieses Jahr für Verteidigung eingestellt hatte, endlich mal etwas richtig gemacht. Wie hieß er noch gleich? Jackins? Irgendwie so in der Art. Severus war ihm im ganzen Schuljahr nur zweimal begegnet und vor einer Woche hatte ihn ein Schüler mit einem so verkorksten Fluch getroffen, dass er inzwischen im Sankt Mungo lag. Eigentlich konnte er sich doch glücklich schätzen, dass Albus ihm diesen Posten so standhaft verwehrte. Und trotzdem…

Dann stolperte jemand gegen ihn, gerade als Severus die direkte Nähe zu Granger – ausgerechnet Granger! – ausnutzte, um Avery auszuschalten. In diesem Gewirr hätte niemand nachvollziehen können, ob es nun Granger oder er gewesen war, der den Fluch gesprochen hatte.

Doch es reichte, damit ihre Aufmerksamkeit sich auf ihn richtete. Mit großen Augen starrte sie die weiße Maske an, während eine dünne Blutspur über ihre Schläfe lief und das lockige Haar verkrustete. Schweiß stand auf ihrer Stirn und sie kniff so leicht die Augen zusammen, dass es niemandem aufgefallen wäre, der nicht direkt neben ihr gestanden hatte.

Professor?“, fragte sie ungläubig, doch er kam nie dazu, ihr zu antworten. Sie hatten sich umeinander gedreht, als wer auch immer ihn so unsanft angerempelt hatte, und nun sprang sie regelrecht auf ihn zu und riss ihn zu Boden. Dicht über ihnen schwirrte ein grüner Blitz vorbei.

Wieder fanden ihre Blicke seine Augen und ein dicker Tropfen warmen Blutes fiel von ihrer Stirnwunde durch das rechte der beiden Löcher, die in seine Maske eingelassen worden waren. Severus spürte ihn in seinem Augenwinkel aufkommen und kniff im Affekt die Augen zu. Doch das Blut war nicht dicht genug, um wirklich in sein Auge zu laufen. Stattdessen rann es seinen Wangenknochen hinab, als er sich aufrappelte und Granger quietschend zur Seite fiel.

Obliviate!“, sagte Severus, ohne großartig darüber nachzudenken. Es dauerte bloß zwei Sekunden, ihren Verstand die letzten Momente vergessen zu lassen. Nicht auszudenken, was eine Erinnerung an diese Begegnung bedeuten könnte.

Er stand schnell wieder auf den Beinen, achtete allerdings darauf, dass auch Granger dies gelang, bevor er sich abwandte. Sie wirkte leicht desorientiert, setzte jedoch nach wenigen Sekunden wieder dort an, wo er ihre Anwesenheit vorhin ausgenutzt und sie aus dem Konzept gebracht hatte.

Daraufhin wandte er sich ab und sah sich dazu gezwungen, etwas für seine Tarnung zu tun. Ginny Weasley wurde von ihm in den Rücken getroffen und fiel geschockt zu Boden. Severus rümpfte die Nase und lief weiter um den Vorhang in der Mitte herum.

Nachdem er auch den älteren Weasley und Lovegood ausgeschaltet hatte, mischten sich endlich neue Kämpfer unter die Menge. Der Orden war da und Severus erkannte beiläufig Tonks, Moody, Kingsley, Minerva, Filius, Lupin und… Black. Er gab widerwillige, murrende Geräusche von sich, die einer der anderen Todesser direkt neben ihm glücklicherweise anders verstand. Er folgte Severus‘ Blick und fluchte laut vernehmlich. „Was wollen die hier?“, fügte er dann noch hinzu, ehe er sich auf Minerva stürzte.

Severus hingegen fixierte Black. Dieser räudige Köter hatte absolut nichts hier zu suchen! Sie befanden sich im Ministerium und so sehr Severus es hasste, dies zuzugeben, er war zu wichtig, um hier gefangen genommen zu werden. Er war immerhin der Einzige, der diesen vermaledeiten Hauselfen einigermaßen unter Kontrolle hatte.

Deswegen lief Severus quer durch den Raum und sprang Black von der Seite an. Keuchend landeten beide in einer der Nischen, Severus hinter ihm, einen Arm um den Hals gelegt. „Sage mir, Black, was zum Teufel tust du hier?“ Dabei beobachtete er wachsam das Geschehen und sah, dass die anderen Todesser seinem Beispiel folgten und Geiseln nahmen. Verdammter Mist!

Mein Patensohn ist hier, ich hab zu tun“, brachte Black mühsam hervor und kämpfte gegen Severus‘ Griff. Währenddessen schnappte sich Barras die junge Weasley (irgendjemand vom Orden musste sie wieder aufgeweckt haben) und Dolohov Longbottom. Zwei weitere Nischen waren besetzt und der Orden wurde immer mehr in der Mitte zusammengepfercht. „Ein schönes Beispiel, das du deinen Freunden gibst“, knurrte Black und brachte Severus so dazu, ihn noch ein bisschen fest zu packen.

Wo ist Albus?“, fragte er, sich angestrengt davon abhaltend, auf seine Äußerung zu reagieren. Das hätte möglicherweise tödliche Folgen.

Atrium, hält Voldemort ein bisschen auf Trab.“

Severus‘ Augen wurden groß. „Der Lord ist hier?“

Allerdings. Und er hat es auf Harry abgesehen.“

Ach was!“, zischte Severus, doch er hatte gesehen, was Black meinte. Potter stand gefährlich dicht am Umhang in der Mitte, bedroht von zwei Todessern und nur leidlich geschützt durch Lupin. Die Augen des Jungen hatten einen gefährlichen Glanz angenommen, er wirkte bedrohlich abwesend. „Hör zu, Mistköter“, sagte der Tränkemeister deswegen und war einmal mehr froh darüber, dass man durch die Maske nicht sah, dass er redete. „Du wirst dich gleich befreien und ich werde es zulassen, also sieh zu, dass es glaubwürdig, aber nicht übertrieben ist. Solltest du diese Situation ausnutzen, wirst du es bereuen. Und dann solltest du sehen, dass du Potter von diesem Umhang wegbekommst!“

Liebend gerne“, erwiderte Black prompt und kaum hatte Severus seinen Griff ein wenig gelockert, hatte er einen Ellbogen im Magen und sackte mit einem Keuchen zusammen. Das erlaubte es Black, sich endgültig loszumachen und ihm eine Ganzkörperklammer auf den Hals zu hetzen. Severus fiel stocksteif zu Boden und sah noch Blacks zufriedenes Grinsen, ehe er sich abwandte und in die Mitte des Raumes lief.

Severus konnte mit viel Anstrengung erkennen, wie Black sich in einen Hund verwandelte und unter den Flüchen hinwegduckte, die Todesser in der Mitte ablenkte und es Lupin so erlaubte, Harry vom Umhang weg und durch das allgemeine Getümmel hindurch zum Ausgang zu bugsieren.

Was der Junge nicht mehr sah, Severus hingegen schon, war der Fluch, den Bellatrix aus einer der hinteren Ecken auf ihn abfeuerte. Longbottom war offenbar nicht stark genug gewesen, um dieses entsetzliche Weib gänzlich aufzuhalten. Sirius Black taumelte jaulend durch den Umhang und Severus schloss die Augen.

Wie konnte dieser Kerl bloß so entsetzlich dämlich sein, sich jetzt umbringen zu lassen?

Seine geschlossenen Augen allerdings waren der Grund, warum er nicht mitbekam, wer oder was für die folgende Ohnmacht verantwortlich war. Er spürte nur einen sehr harten Schlag an seinem Kopf und dann rissen seine Erinnerungen ab.


***

zu Kapitel 6 –

oder: 'Wie geht es den Gören?'


zu dieser Szene: Irgendwie konnte ich euch nach dem Ende der letzten Missing Scene nicht so hängen lassen... ;)

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- erstes Aufeinandertreffen von Severus und Albus nach den Geschehnissen im Ministerium (nach Kapitel 6)


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Severus kam mit trägen Schritten aus dem Badezimmer, als es laut an seiner Tür klopfte. Fahrig wischte er sich über den Mund, angelte nach seinem Zauberstab und sprach einen Reinigungszauber über sich, ehe er öffnete. Wenn Albus – und wer sollte ihn sonst um diese Zeit besuchen? – ihn so sah, würde er ihn glatt in den Krankenflügel zerren.

Er hatte den alten Mann selten mit so ernstem Gesichtsausdruck gesehen. Deswegen drehte er sich auch sofort wieder um und kehrte in seine Räume zurück, wobei er angestrengt den Brechreiz zu beherrschen versuchte, der ihn angesichts der Gehirnerschütterung heimgesucht hatte.

Wie geht es dir, Severus?“, fragte der Schulleiter, nachdem er die Tür hinter sich geschlossen hatte.

Severus schluckte schwer und verzog das Gesicht, froh, dass er Albus den Rücken zukehrte. „Ich komme zurecht. Was du suchst, ist im Denkarium auf dem Schreibtisch.“ Mit diesen Worten ließ er sich in den Sessel vorm Kamin sinken und schloss die Augen.

Severus wusste, was jetzt kommen würde. Albus schaffte es irgendwie, die Erinnerungen über dem Denkarium aufsteigen zu lassen. Er musste diese lästige Steinschale nicht mehr kopfüber betreten. Severus beneidete ihn wirklich um diese Fähigkeit.

Ein paar Momente blieb es still im Büro, dann wurde ein Stuhl knarrend über den Boden gezogen und kurz darauf erfüllten die Geräusche seiner eigenen Erinnerung den Raum. Schließlich drehte Severus sich mit dem Sessel um und beobachtete selbst ein weiteres Mal, was er von diesem Abend wusste.

Die Bilder waren durchscheinend, aber im Kerzenlicht deutlich zu erkennen. Lucius Malfoy tat sein Bestes, um Severus aufzuwecken und Severus wusste noch ziemlich genau, dass er ihm dafür am liebsten eine gescheuert hätte.

Verdammt, Severus! Jetzt stell' dich nicht so an und wach endlich auf. Der Lord kann jeden Moment kommen.“

Ein Knurren war die Antwort. Severus war wach gewesen, aber hatte sich nicht die Blöße geben wollen, sich vor Lucius zu übergeben.

Was ist eigentlich heute los mit dir?“, fragte der blonde Mann, als Severus endlich aufrecht saß. „Schaltest Avery und Bella aus, lässt Black entwischen… Der Lord würde dir persönlich den Hals umdrehen, wenn ich nicht dafür gesorgt hätte, dass du handlungsunfähig bist!“

Hier warf Albus ihm einen Blick zu, von dem Severus nicht wusste, ob er amüsiert oder schockiert war. Vermutlich Letzteres, denn wenn selbst Lucius schon bemerkte, dass er sich seltsam verhielt, würde der Lord es garantiert auch merken. Heute hatte er sich davon noch nichts anmerken lassen, aber Severus war überzeugt, dass es nur eine Frage der Zeit war, bis er dies nachholen würde.

Zaubertrankunfall im vierten Jahrgang“, hörte er sich die erstbeste Ausrede murmeln, die ihm einfiel.

Lucius schnaubte. „Muss ja ein umwerfender Trank gewesen sein. Los, steh' auf!“ Dabei zerrte er ihn selbst in die Höhe und überhörte das Würgen, das Severus nicht verbergen konnte.

Wie hat er dich ausgeschaltet?“, fragte Albus zwischendurch, während er beobachtete, wie die beiden Männer durch ein kleines Waldstück zu einer erleuchteten Lichtung liefen.

Hat mir einen der Trümmer an den Kopf geworfen, der verdammte Schweinehund!“, zischte Severus und betastete sich neuerlich den Hinterkopf. Die Wunde hatte er geheilt, doch die Schmerzen waren geblieben. Er hatte bisher keine Zeit gehabt, einen Trank dagegen zu nehmen.

Sei froh, dass es nicht der Avada Kedavra war“, erwiderte der Schulleiter beinahe gleichmütig und würde Severus ihn nicht so gut kennen, wäre er sich wirklich vorgekommen wie ein Schuljunge. Schließlich war er dem Todesfluch an diesem Abend mindestens einmal entgangen. Vielleicht war es sogar Lucius gewesen, der den Fluch auf ihn abgefeuert hatte. Er würde es niemals erfahren.

Deswegen gab er wiederum nur ein Knurren von sich und schloss die Augen. Er musste es sich nicht noch ein zweites Mal angucken, wie er mehr schwankend, denn stehend das Treffen und die ungehaltene Ansprache des Lords hinter sich gebracht hatte. Wie die Cruciatus-Flüche um ihn herumflogen, als wären es wild gewordene Spatzen. Es grenzte beinahe an ein Wunder, dass er nur einen abbekommen hatte.

Schließlich beendete Albus die Erinnerung und lehnte sich zurück. „Voldemort ist offensichtlich geschwächt.“

Severus blinzelte und sah ihn mit einer hochgezogenen Augenbraue an. „Was du nicht sagst.“

Der Schulleiter ließ ein Grinsen sehen, das dem des Tränkemeisters um nichts nachstand. Severus wusste, dass Albus sich einem Duell mit dem Lord gestellt hatte. Und so wie es aussah, war er als Gewinner daraus hervorgegangen. Severus selbst wäre an seiner Stelle mehr als selbstgefällig gewesen.

Wie geht es den Gören?“, fragte Severus, weil Albus es sowieso berichten würde.

Harry ist glimpflich aus der Sache herausgekommen. Ich denke nicht, dass Voldemort die Verbindung noch einmal nutzen wird, um ihm zu schaden. Dafür hat er selbst zu viel abbekommen. Scheinbar hat dein Unterricht doch Früchte getragen.“

Wohl kaum, dachte Severus schnaubend. Doch das würde er dem Schulleiter nicht auf die Nase binden. Wenn er meinte, der Unterricht sei gut verlaufen, sollte ihm dies recht sein.

Den anderen geht es bis auf wenige Wunden und Fluchschäden gut. Miss Granger war etwas verwirrt, aber das ist wohl nicht verwunderlich nach dieser Nacht.“

Severus versteifte sich unmerklich. „Was wollte Black im Ministerium?“, wechselte er abrupt das Thema.

Albus seufzte. „Er hat sich an Remus‘ Fersen geheftet, als dieser apparierte. Es ist eine Tragödie.“

Wohl eher das Resultat seines selbstlosen Charakters.“ Er schaffte es tatsächlich, diese Eigenschaft als etwas Negatives darzustellen, und war sehr zufrieden damit.

Wie auch immer, jedenfalls hat er es Remus ermöglicht, Harry aus dem Raum des Todes zu bringen.“

Severus antwortete daraufhin nichts. Es juckte ihn in den Fingern, Black selbst jetzt noch persönlich den Hals umzudrehen. Er hatte die Todesser ablenken und nicht sich selbst umbringen lassen sollen. Vermaledeite Promenadenmischung! Tat nie, was man ihm sagte.

Bist du dir sicher, dass du zurechtkommst, Severus?“

Er riss sich mit einem tiefen Atemzug aus den Gedanken, bereute es allerdings sofort, als ihm neuerlich die Magensäure hochkam. „Das bin ich“, brachte er dennoch hervor. „Lass mich nur ein paar Stunden schlafen.“

Gerne auch mehr. Die Schüler werden ein paar Tage früher als geplant nach Hause fahren. Die Prüfungen sind gelaufen, die Auswertungen werden sie per Eule erhalten. Ich denke, nachdem nun auch das Ministerium die Rückkehr Voldemorts akzeptiert hat, ist es nicht schlau, die Familien länger als nötig voneinander zu trennen.“

Von mir aus“, murmelte Severus. Er wünschte sich wirklich, Albus würde endlich gehen.

Es bleibt abzuwarten, wie es nun weitergeht.“

Der Tränkemeister sah den alten Mann entnervt an und es dauerte dennoch mehrere Augenblicke, ehe auch dieser endlich verstand, dass er nicht länger willkommen war. Äußerst geschäftig und beinahe so, als hätte er die ganze Zeit nichts anderes vorgehabt, stand er daraufhin auf. „Wir werden uns in den nächsten Tagen weiter unterhalten. Ich wünsche dir eine erholsame Nacht, Severus. Ich finde selbst heraus.“

Kurz darauf ging die Tür hinter dem Schulleiter zu und Severus sackte erschöpft in sich zusammen. Erholsame Nacht… das war sicherlich das Letzte, was er jetzt haben würde. Stöhnend erhob er sich und ging zuerst zu seinem Vorratsschrank hinüber. Ein Trank gegen Kopfschmerzen und einer gegen Übelkeit wurden zu einem bitteren Drink für die Nacht, bei dem er sich anstrengen musste, ihn überhaupt bei sich zu behalten. Irgendwann würde Lucius ihm diese Aktion noch büßen.

Schließlich ging er hinüber ins Schlafzimmer und begann bereits auf dem Weg dorthin sich auszuziehen. Aufräumen konnte er morgen, vielleicht würde dies auch ein Hauself erledigen. Vorerst jedoch wollte er über nichts weiter nachdenken. Nicht darüber, dass Black tot war. Nicht darüber, dass Voldemort enttarnt war. Nicht darüber, dass das wirklich üble Konsequenzen für ihn und alle anderen Todesser haben würde. Und vor allem, dachte er, während er ins Bett fiel und sich auf die Seite rollte, nicht darüber, dass Granger – Hermine – ihm das Leben gerettet hatte. Denn dass sie es vergessen hatte, änderte nichts daran, dass er es noch wusste.


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zu Kapitel 7 –

oder: 'Ich will dich fallen sehen!'


zu dieser Szene: Ich habe mir beim Schreiben von ISEM keine Gedanken darüber gemacht, warum Harry Hermine warnen könnte. Es schien einfach richtig. Nachdem einige Leser mich gefragt haben, warum er es getan hat, hab ich mir dann Gedanken gemacht. Und festgestellt, dass es richtig war.


***


- am Abend nachdem Hermine den Jungs ihre Sicht auf Severus Snape dargelegt hat (Kapitel 7)


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Harry stand gedankenverloren am einem der riesigen Flügelfenster im Gemeinschaftsraum der Gryffindors und starrte hinaus in die Dunkelheit. Allein die Tatsache, dass er kaum mehr die Peitschende Weide sehen konnte, sprach dafür, dass es schon sehr spät war. Und das wiederum war Grund genug für ihn, nervös mit den Fingern auf dem Fensterbrett zu tippen.

Es lag in seiner Hand. Er könnte sich umdrehen, in den Schlafsaal gehen und so tun, als hätte er niemals etwas bemerkt. Bis vor drei Monaten hätte er das definitiv getan. Sollte die Fledermaus doch dort unten…

Er seufzte. Was hatte Hermine noch gesagt? Er hat gesagt, ich solle dich um jeden Preis im Schloss halten.

Sein Gesicht verzog sich zu einer sehr schmerzlichen Maske. Er hätte nur auf Hermine hören müssen und Sirius könnte noch leben. Es war seine Schuld, dass sein Pate gestorben war. Nicht die von Snape und auch nicht die von irgendwem sonst. Er konnte es auf den Gesichtern der anderen lesen, dass sie diese Meinung teilten. Gesagt hatte ihm dies bisher niemand.

Zugegeben, Hermine war kurz davor gewesen. Das allerdings auch nur, weil sie Snape verteidigen wollte. Das Eine ging Hand in Hand mit dem Anderen. Harry wusste wirklich nicht, was da zwischen den beiden ablief. Er hoffte nur, dass Hermine dem Richtigen vertraute.

Er muss Professor Dumbledore genug Beweise liefern, damit er ihm glaubt, dass er auf der guten Seite steht. Und er muss Voldemort genug Beweise liefern, dass er eben das nicht glaubt.

Harry schnaubte. Diese Aufgabe meisterte die Fledermaus wirklich exzellent. Es gab keine Person in diesem Schloss, der er sein Leben weniger gerne anvertrauen würde. Und dennoch schien es in Snapes Händen mehr oder weniger sicher zu sein. Wenn er Dumbledore trauen durfte, war es der Fledermaus zu verdanken, dass Lupin ihn aus der Mysteriumsabteilung hatte schaffen können.

Er schloss die Augen, als der Schmerz in seiner Narbe ein weiteres Mal an Intensität zulegte. Das ging schon den ganzen Tag so. Er wusste, was das bedeutete. Hermine hatte es offenbar nicht bemerkt. Nur Snape hatte ihm beim Abendessen diesen merkwürdigen Blick zugeworfen. Was zum Henker sollte das bedeuten? Sag es ihr? Oder doch eher, sag es ihr nicht, oder du wirst ein weiteres Mal zu spüren bekommen, wie sehr ich dich verabscheue? Er tendierte eindeutig zur zweiten Variante.

Und allein deswegen nickte er mit einem entschlossen Gesichtsausdruck, als Ginny zu ihm trat und ihn besorgt musterte. „Ist alles okay mit dir?“

Ja, es geht mir gut.“ Was gab es Besseres, als Snape so richtig den Abend zu vermiesen? „Ginny, wie ist das Passwort für die Treppe zu den Mädchenschlafsälen?“

Sie zog die Augenbrauen hoch. „Was haben Fred und George ausgeheckt?“

Harry blinzelte irritiert. „Nichts, von dem ich wüsste.“

Was willst du dann mit dem Passwort? Geistern kommen?“ Sie wirkte nicht, als ob sie der Gedanke störte.

Eher nicht“, erwiderte Harry dennoch gedehnt. „Ich muss kurz zu Hermine und hatte nicht vor, Ron vor dem Schlafengehen eine Show zu bieten.“

Verständlich. Habe ich eine Chance, dass du mich irgendwann aufklärst, was hier eigentlich vor sich geht?“

Nachdem sie mit ihm ins Ministerium gegangen war, hatte sie durchaus ein Recht auf Antworten. Dennoch sträubte sich etwas in ihm dagegen. Mitwisserschaft bedeutete Gefahr und zwar für Ginny. Er mochte den Gedanken nicht, dass sie ins Kreuzfeuer geraten könnte. „Ginny, ich weiß nicht, ob…“

Dann finde jemand anderen, der dir hilft“, unterbrach sie ihn und klang dabei so überzeugt von ihrer Methode, dass Harry eine Spur blasser wurde.

Jemand anderen. Ein anderes Mädchen. Eine andere von diesen ewig kichernden Wesen, die ihn alle auf diese bestimmte Art musterten. Diese Art, von der er gar nicht wissen wollte, was sie zu bedeuten hatte. „Okay, ich erkläre es dir. Aber nicht jetzt.“

Ginny grinste zufrieden. „Morgen in der Mittagspause reicht mir auch vollkommen. Das Passwort ist ‚Frohlockende Furien‘ und sprich es ein bisschen höher aus, die Treppe reagiert auch auf die Stimmlage.“ Sie machte ein paar wirre Bewegungen vor ihrem Hals.

Harry sah sie unschlüssig an. „Will ich wissen, wie du das rausgefunden hast?“

Nein“, sagte sie kurz und wirkte auch nicht so, als ob sie ihre Meinung noch ändern würde.

Harry gab sich allerdings auch sehr gerne damit zufrieden und ließ das Lächeln zu, das auf sein Gesicht drängte. „Danke, Ginny“, murmelte er und fasste sie kurz an der Schulter, bevor er sich umdrehte und versuchte, möglichst unauffällig bei den Treppen anzukommen.

Harry will zu den Mädchenschlafsälen!“, verkündeten Fred und George prompt und alle Augen richteten sich auf ihn.

Hey Harry! Ich will dich fallen sehen!“, gröhlte Ron in den aufbrausenden Tumult, woraufhin Harry sich gegen die Stirn tippte. Er war bestens vorbereitet. Niemals würde er sich die Blöße geben, die Treppen anders als aufrecht stehend zu benutzen.


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zu Kapitel 8 –

oder: 'Was führt Sie denn hierher?'


zu dieser Szene: Eigentlich wollte ich nur Severus‘ Gedankengänge nach Hermines Entschuldigung umreißen. Und dann fiel mir ein, dass der arme Kerl immer noch ein kaputtes Bein hat. Also hab ich ihn noch zu Poppy gescheucht und nun wissen wir alle, warum er so ungern zu ihr geht.


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- kurz nachdem Hermine sich zu Beginn des 6. Schuljahres bei Severus entschuldigt hat (Kapitel 8)


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Severus atmete auf, als die Tür sich hinter Granger geschlossen hatte. Während er den Kopf auf den Schultern kreisen ließ, ging er um seinen Schreibtisch herum und setzte sich. Der ganze Abend war der reinste Hohn gewesen.

Der Lord hatte tatsächlich angefangen, sie das Duellieren trainieren zu lassen. Er rief sie mindestens einmal in der Woche zu sich und ließ sie gegeneinander antreten, als wären sie wieder in der Schule. Das Fiasko kurz vor Beginn der Sommerferien hatte ihm anscheinend deutlich vor Augen geführt, wie unfähig ein Großteil seiner Anhänger wirklich war. Die letzten großen Siege, wie er es nannte, waren einfach schon zu lange her. Natürlich hatte er sich noch einige weniger freundliche Äußerungen überlegt, die Severus über alle Maßen amüsiert hatten. Denn er war einer der wenigen, die nicht nachgelassen hatten. Sein Leben hing davon ab.

Nur heute war er nicht auf der Höhe gewesen. Die Rückkehr der Schüler (und insbesondere einer bestimmten) hatte mehr unliebsame Erinnerungen geweckt, als er freiwillig zugeben würde. Dass er ihr die Erinnerung daran genommen hatte, ihm das Leben gerettet zu haben, bereitete ihm ein weitaus schlechteres Gewissen, als ihm lieb war.

Zumal er nicht einmal mehr wusste, warum er ihr diese Erinnerung nicht gelassen hatte. Es war eine Handlung im Affekt gewesen. Ohne groß zu überlegen oder darüber nachzudenken, was sein Handeln zu bedeuten hatte.

Und heute war sie tatsächlich hergekommen und hatte sich entschuldigt. Wollte ihm helfen, um einen Teil ihrer Schuld abzutragen. Er schnaubte trocken, doch es verrutschte arg, weil ihm etwas die Kehle zuschnürte. Sie hatte keine Schuld ihm gegenüber, die sie irgendwie abtragen musste. Sie hatte sein Leben gerettet, das war der Wiedergutmachung genug. Außerdem störte es ihn persönlich nur bedingt, dass die Promenadenmischung das Zeitliche gesegnet hatte.

Doch Grangers Entschuldigung hatte ihm etwas sehr deutlich vor Augen geführt: Dass er sie auf Abstand halten musste. Sie konnte ihm wirklich gefährlich werden. Sie hatte etwas an sich, das ihn dazu verleitete, ihr zu viel zu zeigen, möglicherweise sogar zu sagen. Mehr als gut für sie war. Deswegen hatte er sie weggeschickt und saß noch immer mit seinem verdrehten Knie an.

Rookwood hatte die Gunst der Stunde (oder die Gelegenheit seiner Unkonzentriertheit) nur zu gerne ausgenutzt, um ihn im Duell heute in seine Schranken zu verweisen. Seinem Knie hatte dies nicht gut getan. Aber er sollte morgen unterrichten und konnte den kleinen Kröten wohl kaum so gegenübertreten.

Missmutig stand er deswegen auf und machte sich auf den Weg in den Krankenflügel. Poppy würde sich sicherlich der spontanen Selbstauflösung hingeben, wenn er sich freiwillig zu ihr bemühte. So ließen sich möglicherweise zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Er hätte endlich Zugang zu ihren medizinischen Büchern (die aufgrund der detaillierten Heilungsbeschreibungen nur an Fachpersonal abgegeben wurden) und wäre sie auch noch los.

Dieser Gedanke hob seine Stimmung wenigstens leidlich. Dennoch stieß er nur ein missmutiges Knurren aus, als er humpelnd den Krankenflügel betrat. Poppy war gerade dabei, ihren letzten Kontrollgang zu machen, denn obwohl erst der erste Schultag war, hatten schon zwei Schüler es geschafft, sich einen Platz hier oben zu sichern.

Die Augen der Medihexe wurden groß, als sie Severus erblickten, und sie ließ beinahe die Bettpfanne fallen, die sie in Händen hielt. „Was führt Sie denn hierher?“, fragte sie pikiert. Offensichtlich hatte sie ihm sein harsches Verhalten bei der letzten Wundversorgung noch immer nicht verziehen.

Sieht man das nicht?“ Severus machte noch ein paar Schritte und ließ das Humpeln das erste Mal so deutlich zu, wie sein Knie es eigentlich die ganze Zeit verlangte. Auch ohne einen Blick darauf zu werfen, wusste er, dass es in den schönsten Farben blühen würde.

Es gibt mehr behandlungsbedürftige Dinge bei Ihnen zu sehen als das Bein. Manche sind heilbar, andere…“ Sie beendete den Satz nicht, ließ ihm aber vielsagende Blicke zukommen. „Setzen Sie sich auf das Bett und machen Sie das Bein frei, Professor Snape. Ich bin sofort da.“ Ohne weiter auf ihn zu achten, ging sie zu einem Nebenraum hinüber, von dem er wusste, dass sich dort ein Labor und Lagerraum befand.

Leise Verwünschungen murmelnd, folgte Severus den Anweisungen der Medihexe und setzte sich auf das Bett. Er hatte allerdings nicht vor, die Hose ganz auszuziehen. Stattdessen erweiterte er magisch das Hosenbein, bis er es über sein Knie hochziehen konnte. Tatsächlich hatte er in seinen Vorstellungen zur Farbgestaltung noch gewaltig untertrieben, wie er mit hochgezogenen Augenbrauen feststellte. Hier hätte Granger ihm nicht helfen können.

Als Poppy um den Vorhang herumtrat, der das Bett von dem restlichen Krankenflügel abtrennte, blieb sie stehen und starrte sein Knie an. „Will ich überhaupt wissen, was Sie damit angestellt haben?“

Severus sah sie unbewegt an. „Hat es einen Sinn, Nein zu sagen?“

Sie kam zu ihm und zog sich einen Hocker unter der Liege (und zu seiner Empörung zwischen seinen Beinen) hervor. „Also, ich warte!“

Während Severus noch über ihre Neugierde den Kopf schüttelte, begann sie bereits, sein Knie abzutasten und mit einigen Diagnosezaubern zu durchleuchten. „Ich hatte einen unsanften Zusammenstoß.“ Was nicht einmal gänzlich gelogen war.

Mit einem Bergtroll?“, warf sie auf diese bestimmte Art und Weise ein, die ihm sehr deutlich zeigte, dass sie ihm nicht glaubte.

Wenn Sie meinen, dass das eine solche Verletzung zur Folge hätte… Ja, mit einem Bergtroll.“ Da sie ohnehin wusste, dass er ihr eine Lüge erzählte, musste er sich nicht übermäßig anstrengen, dies zu verbergen.

Ich hoffe, der arme Kerl hat es überlebt.“ Bei diesen Worten drückte sie auf eine bestimmte Stelle, die Severus ein paar unwirsche Flüche und ein schmerzerfülltes Zischen entlockten.

Hat er. Aber wenn Sie so weitermachen, wird es heute noch Tote geben!“ Er funkelte sie gereizt an und war kurz davor, seinen Zauberstab zu zücken.

Keine Drohungen, wenn ich Sie heilen soll, Professor Snape! Oder Sie können die nächsten acht Wochen im Gips verbringen.“ Ein diabolisches Lächeln spielte um ihre Lippen, das sie sich zweifellos von ihm abgeguckt hatte.

Machen Sie einfach, was Sie machen müssen, damit ich mich morgen den Kröten zeigen kann“, knurrte er und wandte missmutig den Blick aus dem Fenster. Poppy erwiderte noch irgendetwas auf seine Äußerung, doch er zog es vor, es sich nicht anzuhören.

Stattdessen musste er sich eingestehen, dass er sich lieber von Granger verarzten ließ. Immerhin konnte er ihr Punkte abziehen, auch wenn sie meistens clever genug war, nicht zu genau nachzufragen. Dass er tatsächlich einmal Grangers Behandlung der von Poppy vorziehen würde, verwunderte ihn nicht so sehr, wie es sollte. Alles war besser als Poppys Behandlungsmethoden.

Dennoch würde er Granger nicht sagen, wann ein Treffen bevorstand. Wenn Potter ihr Bescheid sagte, konnte er nichts dagegen tun. Doch er würde sie nicht freiwillig der Gefahr aussetzen, die er an diesen Abenden war. Sie war eine Schülerin, seine Schülerin. Sie sollte ihre Nächte schlafend im Gryffindorturm verbringen und nicht auf den Ländereien. Was hatte Albus sich nur dabei gedacht?

In diesem Moment wurde er unsanft von einem Schlag auf sein Knie aus den Gedanken gerissen. „Zwei Tage Schonung, dann sollte es wieder vollständig belastbar sein“, sagte Poppy und räumte die Reste von Verbandszeug und Klebestreifen beiseite, mit denen sie sein Knie versorgt hatte.

Severus blickte gedankenverloren auf den Verband hinab, ehe er seine Hose zurechtrückte und aufstand. Sobald er in seinen Räumen war, würde er den Verband wieder entfernen. „Schönen Abend noch“, wünschte er der Medihexe, allerdings sehr sarkastisch, und steuerte auf den Ausgang zu.

Bitteschön, gern geschehen. Nur nicht zu oft!“, rief sie ihm hinterher und Severus machte eine abwinkende Bewegung mit der Hand, ehe die Flügeltüren sich hinter ihm schlossen.


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zu Kapitel 9 –

oder: 'Aha!'


zu dieser Szene: Ich hoffe, ihr habt euch ebenso oft wie ich gefragt, wie Ginny an Harrys Tarnumhang gekommen ist. Anja hat sich dazu eine Antwort einfallen lassen. ;)


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- bevor Hermine mit Hagrid in den Verbotenen Wald geht (Kapitel 9)


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Es war hoffnungslos.

Ginny Weasley linste über den Rand ihres Buches hinweg und begann nervös auf ihrer Unterlippe herumzukauen.

Wie schwer konnte es eigentlich sein, Harry Potter nur für eine Minute alleine zu sprechen? Sie verkniff sich einen frustrierten Laut. Offenbar bedeutend schwieriger, als eine Horde Drittklässler zum Kichern zu bringen.

Seit geraumer Zeit sah sie sich das Spektakel nun an und hatte es zu Anfang noch ungeheure Freude bereitet, Harry so in Bedrängnis zu sehen, so sehr wünschte sich Ginny inzwischen, dass sie einfach zu ihm gehen könnte, um ihm zu sagen, dass sie mit ihm reden wollte. Alleine. Ohne das lästige Gekicher einer handvoll frühpubertärer Dreizehnjähriger, die Harry mit ihren unschuldigen Blicken beinahe auffraßen.

Harry Potter saß am anderen Ende des Gemeinschaftsraumes, sein wirrer Haarschopf tief über ein Pergament gebeugt und es sah nicht so aus, als wäre seine Konzentration durch seine Groupies unbeeinträchtigt. Alle paar Minuten zuckte sein Kopf leicht zur Seite, nur um danach noch tiefer über der Tischoberfläche zu hängen. Aus der Entfernung konnte Ginny sehen, wie sich die Spitze seiner Feder verdächtig bog. Nach einem besonders wütenden Federschwingen spritzte die blaue Tinte bis auf die andere Seite des Tisches und hinterließ einen unschönen Fleck auf Ron Weasleys Nase.

Hey!“, schimpfte Ginnys Bruder und wischte sich die Farbe aus dem Gesicht. Harry nuschelte etwas, das Ginny nicht verstand.

Hey“, sagte eine Stimme neben ihr und sie schrak zusammen.

Dean, hi“, erwiderte sie, ohne jedoch den Blick von Harry abzuwenden.

Die Mädels steckten erneut ihre Köpfe zusammen und tuschelten unter hühnerähnlichem Gegacker, während Harry seine Stirn mit deutlichem Missmut auf sein Pergament sinken ließ und so liegen blieb.

Ginny, sag mal“, begann Dean etwas stockend und räusperte sich. Ginny drehte sich nun doch zu ihm um und bekam noch den Blick mit, den Dean seinem besten Freund Jordan zuwarf, der wiederum auffällige Gesten mit seiner Hand vollführte. Als er Ginnys Aufmerksamkeit bemerkte, hörte er umgehend damit auf und begann sich nicht vorhandenen Staub von der Vorderseite seines Pullovers zu wischen.

Was willst du?“, fragte Ginny und gab sich wirklich allergrößte Mühe, interessiert zu klingen. Es war nicht so, dass sie Dean nicht leiden konnte. Er war nur... ständig da. Um ihr Türen aufzuhalten, ihre Bücher zu tragen, sie zu fragen, ob sie noch etwas von dem Haferbrei haben wollte, bevor er sich den letzten Rest nahm. Es war mehr als irritierend. Als ob sie nicht schon genug Probleme hätte.

Sie unterdrückte ein Schaudern und sah nun endlich Dean an, der wiederum sie angestrengt anzustarren schien.

Ähm... hast du das mit dem reversiven Wachstum der Mandragora verstanden?“

Ja“, antwortete Ginny ohne näher darauf einzugehen.

Und? Kannst du es mir erklären?“

Sie warf einen Blick auf das Buch vor sich. Tatsächlich ging es auf der aufgeschlagenen Seite um eben diesen Vorgang. Nur dass sie das Buch verkehrt herum hielt, da sie es ohnehin nur als Tarnung genutzt hatte. Hastig drehte sie es um.

Äh nein, ich...“ Irgendeine Ausrede. Irgendwas Intelligentes, Unauffälliges. „Das ist doch Stoff der vierten Klasse. Das hattet ihr letztes Jahr.“ Sie hielt inne. Das Argument schien offensichtlich nicht haltbar. „Ich hab's gerade wieder vergessen. Tut mir leid.“

Uuhh ja, das sollte reichen, ihr für immer und ewig das Attribut 'schräg' zu verpassen. Vielleicht sollte sie gleich eine Blutsschwesternschaft mit Luna Lovegood in Betracht ziehen.

Oh, schon gut. Wenn es dir wieder einfällt... ich bin da hinten.“ Dean deutete mit seinem Daumen über die Schulter und entfernte sich rückwärts von ihr.

Ginny seufze erleichtert und klappte das Buch zusammen. Das Hindernis beseitigt, fand sie sich prompt Harrys Blick ausgesetzt, der sich allerdings hastig abwandte und wieder Löcher in sein Pergament zu bohren schien. Aha!

Sie konnte einfach nicht anders. Ein Grinsen breitete sich auf ihrem Gesicht aus und bevor sie es sich anders überlegen konnte, war sie aufgestanden, hatte das Kräuterkundebuch beiseite gelegt und lief mit federnden Schritten auf Harry zu.

Sie ignorierte die missbilligenden Bemerkungen der Hühnergruppe und baute sich neben Harrys und Rons Tisch auf.

Ich brauche deinen Tarnumhang“, platzte sie mit gesenkter Stimme heraus und Harrys sah sie erstaunt an. Bei dem Anblick brach Ginny erneut in hilfloses Grinsen aus. In gespiegelter Schrift stand wieder und wieder auf Harrys Stirn geschrieben: „Ginny, willst du mit mir nach Hogsmeade kommen?“

Sie brauchte einige Sekunden, ehe sie es entziffert hatte, doch die Zeit war ausreichend, um ihren Bruder in heilloses Gelächter fallen zu lassen. Verdutzt sah Harry zu Ron, der sich mit der Hand auf die Stirn schlug. Harrys Gesichtszüge entgleisten schneller, als Neville „Ich brauche einen neuen Kessel“ sagen konnte und er grummelte etwas in seinen nicht vorhandenen Bart.

Ja“, antwortete Ginny, die Hand noch immer vor den Mund geschlagen, um lautes, unpassendes Prusten zu vermeiden. „Ja, ich komme mit nach Hogsmeade. Bekomme ich nun deinen Mantel?“ Harrys Augen leuchteten wie Weihnachtsbaumkugeln. Sie warf hastig einen Blick über ihre Schulter. Dean verfolgte angestrengt jede ihrer Bewegungen. „Ich treffe mich mit einer Freundin am See und will nicht, dass Dean mir folgt.“

Harry starrte sie weiter an, doch als Deans Name fiel hätte Ginny schwören können, ein wütendes Knurren zu hören. Schließlich nickte er und folgte ihrem Blick. „Aber sicher. Solange du willst.“ Er stand auf, erstarrte urplötzlich und deutete mit seinem Zauberstab auf seine Stirn. Die Tinte verschwand. Ohne seine Groupies eines Blickes zu würdigen verschwand er auf der Wendeltreppe, um Ginny seinen Mantel zu holen.

Mission erfolgreich beendet“, murmelte sie. Nicht mehr lange und die Drittklässlerinnen würden Flüche auf sie hetzen, dessen war sie sich sicher. Doch das war es wert. „Sehr erfolgreich“, wiederholte sie.


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zu Kapitel 11 –

oder: 'Vergraule sie uns nicht.'


zu dieser Szene: Nachdem mindestens die Hälfte der Leser so erstaunt waren über Severus‘ plötzliche Kooperation, konnte ich auf diese Missing Scene wirklich nicht verzichten. ;)


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- kurz vor dem Gespräch im 6. Schuljahr, in dem Hermine Professor Snape um die Erlaubnis bittet, außerhalb des Unterrichts Tränke zu brauen (Kapitel 11)


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Severus zerknüllte das Pergament knurrend in seiner Hand, während die kleine Eule, die die Post gebracht hatte, fiepsend durch das noch immer geöffnete Fenster floh. Er stand auf und knallte es zu, wobei die Scheibe leise klirrte, zu ihrem Glück jedoch nicht zerbrach.

Der Tränkemeister stemmte die Hände in die Hüften und atmete mehrmals tief durch. Es war nicht schlau, in aufgebrachter Stimmung zu einem Gespräch mit Albus zu erscheinen. Doch das Wissen, dass es um Granger gehen würde, half ihm nicht sonderlich, sich zu beruhigen.

Schließlich verließ er seine Räume, errichtete über die Schulter hinweg die Banne um sein Büro und zog den halb geöffneten Umhang vor seinem Körper zusammen, als eine Gruppe Slytherins im Flur auftauchte. Sie alberten und lachten, bis sie ihn erblickten. Dann verstummten sie schlagartig und versteckten etwas hinter ihrem Rücken.

Severus fixierte sie mit missmutigen Blicken, schlich langsam an ihnen vorbei und genoss es, die Angst in den Augen der Kröten zu sehen – und das obwohl sie seinem Haus angehörten. Es gab Momente, in denen konnte er nicht wählerisch sein.

Gerade als sie sich in Sicherheit wiegten und ihren Weg fortsetzen wollten, ließ er den Gegenstand, den sie zu verstecken versucht hatten, in die Luft springen. Für ein paar Sekunden war eines der Saugnapf-Augen zu erkennen, die die Weasley-Gören munter im Schloss verkauften, dann zerstob es in viele kleine Stücke, die platschend zu Boden fielen. „Dreißig Punkte Abzug, Mr Lucas!“, schnarrte Severus und lief unberührt weiter. Hinter sich konnte er das leiser werdende Murren seiner Schüler hören und grinste zufrieden.

Einige Minuten später klopfte er an die Tür des Schulleiters und beschwor noch einen letzten Rest Ruhe herauf, ehe er eintrat. „Sie baten um ein Gespräch, Direktor?“

Albus Dumbledore sah von einem Stapel Papiere auf und nickte. „Allerdings. Bitte setz‘ dich, Severus!“ Er deutete mit seiner schlanken Hand auf den Stuhl vor dem Schreibtisch und noch ehe er auch nur auf die Idee kommen konnte, ihm eines dieser lächerlichen Zitronenbonbons anzubieten, machte Severus eine ablehnende Geste.

Der Schulleiter räumte die Pergamente zur Seite, die sich von alleine sauber aufrollten und mit einem dünnen Seidenband umwickelten. Dann stapelten sie sich zu einer länglichen Pyramide auf und gaben ein abschließendes Ploppen von sich. Severus hob eine Augenbraue.

Ich denke, du weißt, warum ich dich hergebeten habe, nicht wahr?“

Er zuckte mit den Schultern. „Ausnahmsweise bin ich mir einmal keiner Schuld bewusst.“

Albus lächelte, doch bereits nach wenigen Sekunden war er wieder ernst. „Es geht um Miss Granger.“ Severus stöhnte, hielt jedoch die Luft an, als ein stechender Blick ihn traf. „Du magst es vielleicht nicht so sehen, doch die Wichtigkeit ihrer Aufgabe wird mir von Tag zu Tag mehr bewusst.“

Der Tränkemeister schnaubte.

Severus, niemand außer mir kennt deinen Patronus. Und ich bin in letzter Zeit selten im Schloss. Die Gefahr, dass du wirklich einmal Hilfe benötigst, während ich nicht anwesend bin, ist groß. Zu groß, als dass ich die Unterstützung von Miss Granger ausschlagen würde.“

Ich hatte es nicht anders erwartet“, murrte Severus und zog eine Grimasse. „War das alles, was du mir sagen wolltest?“ Er wollte sich bereits erheben.

Nein.“

Dieses eine Wort ließ ihn resignierend wieder auf den Stuhl zurücksinken. Geduld heuchelnd, verschränkte er die Hände vor dem Bauch und schlug die Beine übereinander. „Ich höre“, sagte er dann und sah den Schulleiter aufmerksam an.

Severus, ich möchte, dass du endlich aufhörst, es euch beiden so entsetzlich schwer zu machen. Miss Granger ist ein vollwertiges – wenn auch noch nicht offiziell eingeführtes – Mitglied des Ordens. Es ist ihr Auftrag, dir zur Seite zu stehen. Und sie kann diesen Auftrag nicht erfüllen, wenn du ihr laufend Punkte dafür abziehst, dass sie es versucht. Ihr Auftauchen auf den Ländereien ist kein Bestandteil ihrer schulischen Aktivitäten, also höre auf, es als solches zu ahnden!“ Die Stimme des alten Mannes war unmerklich lauter geworden und er hatte sich leicht über den Schreibtisch gelehnt.

Severus fragte sich einen Moment lang, ob Albus überhaupt wusste, welche Geister er mit diesem Auftrag heraufbeschwor. Dass der zwangsmäßig persönlichere Kontakt zwischen ihm und Granger Konsequenzen haben könnte, die weder dem Sinn ihrer Aufgabe entsprachen, noch moralisch vertretbar waren. Ganz zu schweigen von der Gefahr, in die er Granger damit brachte. Doch im Grunde genügte ein Blick in die blauen Augen des alten Mannes, um zu erkennen, dass er es nicht wusste.

Ich habe nie um diese Art des... Beistands geben, Albus! Und ich wünsche nicht, dass sie dort auftaucht, wenn ich zurückkehre. Es ist nicht sicher. Weder für sie, noch für mich“, erwiderte er deswegen aufgebracht.

Albus Dumbledore kniff prüfend die Augen zusammen und schien die Worte des Tränkemeisters zu überdenken. „Du bist ein sehr kontrollierter Mann, Severus. Niemand weiß das besser als ich.“

Und dennoch kennst du mich nach diesen Abenden!“, schoss der Tränkemeister zurück und löste endlich seine gelassene Haltung auf.

Sicher kenne ich dich. Du bist zynisch, unfreundlich und garstig, wenn du von den Treffen zurückkehrst.“ Severus machte eine bestätigende Geste. „Und ich habe nie von dir verlangt, dass du das ablegen sollst.“ Nun legte der Jüngere unverständlich den Kopf schief. „Miss Granger ist eine starke junge Frau. Sie weiß, wie sie dich einzuschätzen hat und sie kann mit deinen Launen umgehen. Nicht umsonst ist sie seit langem die Erste, die im Fortgeschrittenenkurs Zaubertränke ein O hat.“ Dumbledores Augen blitzten zufrieden; Severus gab ein Knurren von sich. „Ich verlange lediglich von dir, dass du ihr keine Punkte mehr abziehst, nur weil sie ihrer Aufgabe nachkommt. Und um Merlins Willen, versuche zumindest ein bisschen kooperativ zu wirken. Wir befinden uns in einer Zeit, in der wir jedes Mitglied im Orden gebrauchen können. Vergraule sie uns nicht.“ Der Schulleiter zwinkerte.

Severus zog es vor, auf diese Bitte nicht zu antworten. Stattdessen wanderten seine Blicke durch das Büro und fixierten schließlich Fawkes, der das Gespräch interessiert aus einer Ecke beobachtete. Die gelben Augen des Vogels bohrten sich in seine und drangen in sein Innerstes ein. Severus spürte, wie ein warmer Schauer durch seinen Körper floss und sogar die kalten Finger milde erwärmte. Es war ihm manchmal wirklich unheimlich, wie genau der Phönix wusste, was er brauchte.

Severus?“ Albus wartete noch immer auf eine Antwort.

Der Tränkemeister knurrte unwillig.

Ich will es in Worten, mein Lieber!“ Der alte Mann tippte mit seinem Zeigefinger fordernd auf die Tischplatte.

Beim Barte des Merlin, ja doch! Ich werde lieb und artig sein und ihr alles auf die Nase binden, was sie wissen muss“, spuckte er daraufhin die gewünschte Antwort vor sich auf den leicht staubigen Boden, woraufhin Dumbledore zufrieden nickte und lächelte. „Aber das bedeutet nicht, dass ich mir Respektlosigkeiten oder ähnliches gefallen lassen werde! Sollte sie es wagen, die Grenzen zu überschreiten, werden Punkte fällig.“ Und er würde für nichts garantieren, dass dieses Arrangement möglicherweise zur Folge haben würde. Aber diesen Hinweis behielt er wohlweislich für sich.

Der Schulleiter dachte kurz über seine laut ausgesprochenen Worte nach, dann neigte er einverstanden seinen Kopf. „Das war dann alles, Severus.“

Der Tränkemeister erhob sich rasch und nutzte die Gelegenheit zur Flucht, bevor der Direktor noch auf andere Ideen kam. Man sollte sein Glück nicht überstrapazieren.


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zu Kapitel 11 –

oder: 'Ja, Meister.'


zu dieser Szene: Eigentlich gibt es hierzu nicht viel zu sagen. Der Handlungsstrang musste halt rein…


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- Todessertreffen, über das Severus Hermine vorher informiert (Kapitel 11)


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Es war eine kleine Runde, die der Dunkle Lord an diesem Abend zu sich gerufen hatte. Und angesichts der Tatsache, dass neben ihm nur noch die Malfoys anwesend waren, fragte Severus sich wirklich, was er hier zu suchen hatte. Oder was noch viel interessanter war: Was hatte Draco hier zu suchen?

Zum ersten Mal seit der Rückkehr Voldemorts schätze Severus sich glücklich, dass die Todessermaske seine Mimik verbarg. Draco war der einzige der Anwesenden, dessen Gesicht frei lag; Lucius und Narcissa erkannte er nur anhand der Haare, die im nächtlichen Wind unter ihren Umhängen hervor flatterten.

Draco musterte ihn mit angespannten Blicken, während sie auf die Ankunft des Dunklen Lords warteten. Lucius musste es ihm und Narcissa verboten haben, mit Severus zu sprechen. Keiner der drei wagte auch nur einen Versuch. Severus wusste ziemlich genau, dass Lucius ihn als den Maulwurf verdächtigte, der er war. Doch er hatte keine Beweise und das wurmte ihn entsetzlich. Es war kaum zu glauben, dass er es gewesen war, der Severus überhaupt erst in diesen Kreis eingeführt hatte. Inzwischen stand Severus weit über Lucius in der Rangfolge.

In diesem Moment materialisierte sich eine schlanke, groß gewachsene Gestalt aus einem schwarzen Nebel neben ihnen. Severus verkniff es sich, darüber die Augen zu verdrehen. Der Dunkle Lord liebte große Auftritte wie diesen, doch sie kosteten eine Menge Kraft. Er wandte sie nur an, wenn er sich seiner Sache sicher war.

Alle vier Köpfe neigten sich dem Boden entgegen und verharrten in dieser Position, bis eine ungeduldige, spinnenartige Hand für alle deutlich sichtbar durch die Luft wedelte. „Ihr fragt euch sicherlich, warum ich dieses Treffen in so engem Kreise abhalte“, begann Voldemort gedehnt und sah dabei besonders Lucius mit hochgezogenen Augenbrauen an.

Nun, eigentlich bedaure ich eher den Treffpunkt. Das Treffen hätte in Malfoy-Manor stattfinden können. Narcissa hätte die Hauselfen gerne angewiesen, ein vorzügliches Mahl zuzubereiten.“ Lucius Blicke konzentrierten sich auf einen Punkt in der Gegend von Voldemorts Kinn. Severus musste sich ein Schnauben verkneifen. Lucius hatte sich noch nie getraut, dem Lord in die Augen zu sehen.

Ein anderes Mal, Lucius. Ich möchte mir deinen Sohn in einer ihm unbekannten Umgebung ansehen.“ Daraufhin fixierte er Draco, der sich in übertriebener Geste verneigte.

Ich stehe zu Euren Diensten“, murmelte er.

Severus runzelte die Stirn. Draco war zu jung, um in den Kreis der Todesser aufgenommen zu werden. Der Dunkle Lord hatte niemals eine Ausnahme gemacht, denn junge Leute mit wenig Erfahrung hatten den Hang dazu, die Nerven zu verlieren. Und Draco war da mit Sicherheit keine Ausnahme, eher im Gegenteil. Dennoch schwieg er. Was auch immer Voldemort geplant hatte, es lag nicht in seiner Macht, gefasste Entschlüsse abzuwenden.

Ich begrüße es sehr, dass du deinen Sohn für diese Aufgabe zur Verfügung stellst, Lucius. Er bietet wirklich eine optimale Chance, zumal ich ungern Severus‘ vorzügliche Stellung gefährden würde.“ Flüchtig wanderten die Blicke zum Tränkemeister und dieser begegnete ihnen offen und ohne falsche Scheu. „Natürlich wirst du es verstehen, dass ich ihn unmöglich jetzt schon offiziell aufnehmen kann“, fuhr Voldemort unbeeindruckt fort. „Er ist zu jung. Doch wenn er den Auftrag erfüllt… Nun, wir werden sehen.“

Severus sah kurz zu Narcissa hinüber. Es erstaunte ihn, dass sie Dracos Einbeziehen in die Belange der Todesser einfach so hinnahm. Sie hatte ihm einmal im Vertrauen gesagt, dass sie alles dafür tun würde, um ihren Sohn aus diesem Kreis rauszuhalten. Er hatte gehofft, dass sie diese Worte wahr machen würde. Doch anscheinend hatte sie nicht den Mut, sich gegen ihren Mann aufzulehnen.

Was allerdings nichts daran änderte, dass sie Angst hatte. Ihre Hand klammerte sich für ihn sichtbar um den Umhang und immer wenn eine Windböe durch den Wand rauschte, schwankte sie leicht. Es schien, als stünde sie nur kurz vor einer Ohnmacht.

Draco, bist du bereit, alles für die Erfüllung des Auftrages zu tun?“, setzte der Dunkle Lord in diesem Moment an und riss Severus aus seinen Gedanken.

Ja, Meister.“

Bist du bereit zu töten, mit allen Konsequenzen?“

Ja, Meister.“

Bist du bereit, der Dunklen Seite zur Stärke zu verhelfen und dafür zu sorgen, dass die Herrschaft über die Zauberer und kurz darauf auch die über die Muggel in meine Hände fällt, so dass ich Großbritannien in eine blutreine Zukunft führen kann?“

Ja, Meister.“ Draco zögerte nicht ein einziges Mal mit seiner Antwort.

Gut. Das muss fürs Erste genügen. Dein Auftrag wird darin bestehen, Albus Dumbledore zu töten und die Leitung der Schule an Severus und somit in die Hände der Todesser zu übergeben. Es ist mir gleich, wie du es anstellst. Sorge nur dafür, dass es geschieht.“

Severus‘ Augen waren unmerklich ein Stück größer geworden und er musste sich beeilen, den neutralen Ausdruck zurück zu erlangen, als der Dunkle Lord in kurz musterte. Dabei entging es Voldemort, wie Draco den Blick hob und sein fahles Gesicht dem Mondlicht aussetzte. Severus war überzeugt, dass er vorhin besser ausgesehen hatte.

Ich werde alles tun, um den Auftrag zu erfüllen, Meister“, sagte er hohl, was den Lord allerdings nicht weiter kümmerte. Er nickte lediglich zufrieden.

Severus, du wirst sein Ansprechpartner sein und mir über die neusten Fortschritte berichten. Achte darauf, dass deine Position in Hogwarts und im Orden nicht in Gefahr gerät!“

Der Tränkemeister verneigte sich neuerlich. „Ja, mein Meister.“ Seine Stimme klang tiefer als die von Draco und das schien Narcissa aus einer Starre zu reißen. Sie gab einen erstickten Laut von sich.

Voldemort ignorierte es: „Das wäre dann vorerst alles. Ich erwarte absolutes Stillschweigen von euch.“

Ein eintöniges „Ja, Meister“, erklang im Wald und verbreitete sich nur mäßig durch die eng stehenden Baumstämme. Danach wandte der Dunkle Lord sich um und schritt davon, wobei er sich immer mehr auflöste, ehe er gänzlich verschwunden war.

Severus‘ akribisch angespannte Körperhaltung lockerte sich etwas und er richtete sich auf. Das Treffen war erstaunlich kurz gewesen, doch er würde sich nicht darüber beklagen. Lucius sah ihn durchdringend an und nahm die Maske ab. Erst danach tat Severus es ihm gleich. „Wenn du irgendetwas tust, das Draco in Gefahr bringt…“, drohte er mit leiser Stimme und rümpfte angewidert die Nase.

Lucius…“, murmelte Nacissa neben ihm und fasste ihren Mann am Arm. Sie trat allerdings eilig einen Schritt zurück, als er sie gereizt ansah.

Nimm Draco mit nach Hogwarts. Ich werde dich im Auge behalten.“ Lucius fasste seine Frau am Arm und zog sie an sich. Nach einem letzten, undefinierbaren Blick auf seinen Sohn disapparierten sie.

Severus nahm daraufhin Draco ins Visier und erlaubte es sich für einen Moment, die vollen Ausmaße des Auftrages durch seinen Verstand rasen zu lassen. Er hatte Draco schützen wollen, so wie Narcissa es ihm damals gesagt hatte. Wäre er nicht Albus‘ Spion, hätte er einiges getan, um Draco aus diesem Auftrag rauszuholen. So allerdings konnte er nur zusehen und hoffen, dass sich irgendeine Lösung bieten würde.

Sir?“, riss Draco ihn in diesem Moment aus seiner Starre und Severus verzog seinen Mund.

Lassen Sie uns gehen, Mr Malfoy“, knurrte er und fasste ähnlich harsch nach dem Arm des Jungen, wie Lucius es bei seiner Frau getan hatte. Er ließ ihm nicht einmal die Möglichkeit, alleine nach Hogwarts zu disapparieren. Es würde wesentlich schneller gehen, wenn er ihn einfach mitnahm.

Dort angekommen, wollte Draco bereits forsch zum Zaun gehen, der das Schulgelände von den umliegenden Ländereien trennte. Severus hielt ihn eilig zurück und belegte ihn mit einem Illusionszauber. „Was soll das, Sir?“, zischte Draco und machte mit seinem Tonfall beinahe die Wirkung der höflichen Anrede zunichte.

Wir werden beobachtet. Halten Sie sich dicht hinter mir. So, dass man Ihre Schritte im Gras von der Eulerei aus nicht sehen kann.“ Nachdem er Granger heute so übermütig auf das Treffen hingewiesen hatte, musste er Draco irgendwie an ihr vorbei schleusen. Sie wusste so schon viel zu viel.

Wer beobachtet uns?“, fragte sein Schützling und klang dabei schon sehr viel begeisterter als zuvor.

Das geht Sie nichts an“, erwiderte Severus und seine Blicke wanderten kurz hinauf zum Turm. Da er wusste, dass Granger dort war, glaubte er, sie sogar auf diese Entfernung sehen zu können. Er rümpfte die Nase und wandte sich wieder dem Schloss zu. Es war wirklich eine grauenhafte Lage, in die Albus ihn gebracht hatte. „Kommen Sie morgen nach dem Abendessen in mein Büro. Dann werden wir alles Weitere besprechen.“ Sie hatten das Schlossportal erreicht und Severus hob den Illusionszauber wieder auf, so dass er Draco gerade noch nicken sehen konnte. „Und nun machen Sie, dass Sie mir aus den Augen kommen, bevor ich Ihnen doch noch Punkte abziehe!“

Der Junge feixte und wandte sich dann mit schnellen Schritten dem Kerkergang zu. Severus hingegen atmete einmal tief durch und fuhr sich mit den Händen durch die Haare. Danach drehte er sich um und machte sich auf den Weg in das Büro des Schulleiters.