Missing Scenes zu Kap. 1- 5
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zu Kapitel 1 -
oder: 'Was ist letzte Nacht passiert?'
***
zu dieser Szene: Ich wurde oft gefragt, wie Severus reagiert hat, als er erfuhr, dass Hermine ihm das Leben gerettet hat. Hier ist nun die eindeutige Antwort. ;)
***
- am Tag nachdem Hermine Severus gerettet hat (Kapitel 1)
***
Severus
war gerade dabei, sich seinen Gehrock zuzuknöpfen, als der
Direktor den Krankenflügel betrat. Madam Pomfrey beäugte
beide von ihrem Büro aus und der Tränkemeister warf ihr ein
paar besonders giftige Blicke zu, so dass sie letztendlich doch die
Tür hinter sich schloss – so schwungvoll, dass ein paar
Staubflocken zu Boden segelten.
Albus drehte sich mit
hochgezogenen Augenbrauen zum Büro der Medihexe um und
schüttelte dann schmunzelnd den Kopf. „Du solltest nicht
so harsch zu ihr sein, Severus. Sie hat immerhin dafür gesorgt,
dass du schon heute den Krankenflügel wieder verlassen kannst“,
mahnte der alte Mann und setzte sich auf das Bett neben dem, das
Severus in der letzten Nacht belegt hatte.
Er schnaubte. „Das
ist ihr Job.“
„Den sie außerordentlich gut
macht.“
„Was kein Grund ist, ihre Nase in anderer
Leute Angelegenheiten zu stecken.“
„Sie ist
Mitglied des Ordens. Sie hat ein Recht darauf, diese Dinge zu
erfahren.“
Severus warf seinem Vorgesetzten missmutige
Blicke zu und setzte sich mit nun einwandfrei sitzender Kleidung auf
das Bett. Es hatte sicherlich nicht viel Sinn, sich bei ihm über
die Auswahl der Ordensmitglieder zu beschweren. „Bist du nur
hergekommen, um mir diese Dinge zu sagen, Albus?“, fragte er
deswegen spitz.
Der weißhaarige Mann lächelte und
schüttelte dann den Kopf. „Nein, das bin ich nicht. Aber
lass uns ein paar Schritte gehen. In Hogwarts haben selbst die Wände
Ohren und die des Krankenflügels scheinen besonders aufmerksam
zu sein.“
Severus nickte zustimmend und verließ
vor dem Älteren den Krankenflügel. Seine Erinnerungen an
die letzte Nacht waren sehr vage, vor allem wenn er an die Zeitspanne
zwischen seiner Rückkehr und dem Erwachen an diesem Morgen
dachte. Er glaubte sich an eine ihm bekannte Stimme zu erinnern,
konnte sie aber nicht zuordnen. Er wusste nicht einmal, wie er
überhaupt in den Krankenflügel gelangt war, geschweige
denn, was er dem Direktor schon alles erzählt hatte. Es gab
gewisse Details, die er gerne verschweigen würde. Die neuerliche
Bekanntschaft mit dem Cruciatus war eines davon.
Albus legte
einen Illusionszauber über sie, so dass sie ungestört durch
die Gänge gehen und sich unterhalten konnte. Severus steuerte
automatisch den Weg in die Kerker an. Albus folgte ihm, ohne etwas
dazu zu sagen.
„Was ist letzte Nacht passiert?“,
fragte er stattdessen gezielt und mit nun ernster Stimme.
Aufgrund
dieser offenen Frage begann Severus zu hoffen, dass er dem alten Mann
noch nicht viel erzählt hatte. „Das erste Treffen nach dem
Trimagischen Turnier, das ist passiert. Der Dunkle Lord war wenig
begeistert von den Geschehnissen, vor allem der Verbleib von Barty
Crouch Junior ist ihm ziemlich bitter aufgestoßen.“
Er
sah Peeves um die Ecke biegen und beäugte den Geist skeptisch.
Selbst mit dem Illusionszauber schien das stets der bessere Weg zu
sein, wenn man überraschenden Angriffen aus dem Weg gehen
wollte. Und da die Narbe auf seinem Bauch noch immer unangenehm
ziepte, hatte er es nicht darauf angelegt, sich allzu bald wieder dem
Kreuzfeuer auszuliefern – welchem auch immer.
„Damit
hatte ich gerechnet“, erwiderte Albus und spielte mit seinem
Zauberstab. Eine plötzliche Windböe wehte Severus die Haare
über die Schultern und Peeves in einen anderen Gang. Der
Poltergeist gab ein lautes Jaulen von sich und zischte zurück um
die Ecke, nur um zwei Slytherins ins Visier zu nehmen, die das Pech
hatten, gerade auf dem Weg zum Frühstück zu sein. Severus
beobachtete, wie die Augen des Störenfrieds sich verengten.
Seine Schüler schluckten.
„War das wirklich
nötig?“, wandte Severus sich missmutig an seinen
Vorgesetzten.
Dieser beobachtete mit wackelnder Brille, was
weiter passierte. „Oh Severus, du solltest aufhören, alles
als persönlichen Angriff auf dich und dein Haus anzusehen.
Erzähl mir lieber, was weiter passiert ist.“
Der
Tränkemeister hatte seine liebe Mühe, sich über das
Klappern mehrerer Rüstungen, die Peeves wie übergroße
Marionetten tanzen ließ und damit die beiden Schüler in
eine Ecke drängte, verständlich zu machen. Mit beginnendem
Pochen zwischen seinen Schläfen und gerunzelter Stirn fuhr er
fort: „Nun, der Dunkle Lord hat sich zur Aufmunterung eine Art
groteskes Theater inszeniert. Wir durften uns duellieren, vergnügen
und Muggel foltern. Bitte, Albus, setz‘ diesem Schindluder
endlich ein Ende!“ Inzwischen rieselte der Putz von der Decke,
direkt auf seine schwarzen Haare.
Albus tat, worum Severus ihn
gebeten hatte, woraufhin die Rüstungen wieder auf ihre Plätze
flogen. Dann fixierte er den Tränkemeister mit tief gerunzelter
Stirn. „Er vergreift sich also wieder an Muggeln“,
stellte er fest, während die Schüler rasch das Weite
suchten und Peeves sich lautstark darüber beschwerte, dass das
Schloss sich heute gegen ihn verschworen hatte.
„Hattest
du etwas anderes erwartet?“ Der Tränkemeister hasste es,
so alltäglich über die Methoden des Dunklen Lords reden zu
müssen. Aber es war tatsächlich abzusehen gewesen, dass
Muggel und muggelstämmige Zauberer und Hexen erneut die
Leidtragenden sein würden. So war es damals und so würde es
auch heute sein.
„Ich hatte gehofft, dass zwölf
Jahre im Exil seinem Verstand geholfen haben, die Ziele auf das
Wesentliche zu reduzieren“, gestand der Schulleiter
nachdenklich. „Wer verletzte dich so schwer?“, wechselte
er dann abrupt das Thema.
Severus grunzte leise. „Avery.
Hat einen zufälligen Treffer gelandet, der verdammte
Mistkerl.“
„Verdächtigt er dich?“
„Sicher.
Der Lord hat mich zwar anfänglich wieder in die Gruppe
aufgenommen und allen verboten, sich zu viele Gedanken über
Dinge zu machen, die sie nichts angehen. Doch selbst in dem Haufen
der Todesser gibt es ein paar zum Denken fähige Menschen und
Avery gehört dummerweise dazu. Er bekam einen Auftrag vom Lord.
Ich habe nicht in Erfahrung bringen können, worum es geht.“
Er verzog das Gesicht, denn diesen Teil des Treffens hatte er unter
einem Cruciatus verbracht. Aufmerksam musterte er das Gesicht des
Zauberers neben ihm, doch Albus ließ ihn durch seine Mimik
nicht wissen, ob er die genaueren Umstände bereits wusste.
Severus ärgerte sich maßlos darüber, dass er nicht
mehr wusste, was er dem alten Mann letzte Nacht alles erzählt
hatte.
„Wie kam es, dass er dich im Duell besiegte?“,
überging Albus nach kurzem Schweigen die letzte Information und
schmunzelte neuerlich.
„Das tat er nicht. Er landete
lediglich einen Treffer.“ Severus konnte sich ein feines
Lächeln der Genugtuung nicht verkneifen.
„Nun
gut“, ließ Albus das Thema fallen, als sie an der Tür
zu Severus‘ privaten Räumen angelangt waren. „Wir
sollten also möglichst bald einen Weg finden, dem Ganzen ein
Ende zu bereiten. Und ich wäre dir sehr verbunden, wenn du
irgendwie an die Details über diesen Auftrag kommen
könntest.“
„Natürlich, Direktor. Ich
werde sehen, dass ich einen Weg finde, an detaillierte Informationen
zu gelangen. Allerdings ist Avery mir gegenüber wie gesagt nicht
sehr zutraulich und der Lord hat sich darauf verlegt, Wurmschwanz
mehr als mir zu vertrauen. Diese Ratte hat es geschafft, sich im
richtigen Moment einzuhaken.“
„Es ist ein
unglücklicher Zufall, dass er zur richtigen Zeit am richtigen
Ort war“, gab der Direktor zu. „Aber es hätte
schlimmer kommen können.“
Severus schnaubte. Er
hasste diesen Spruch wirklich. Doch irgendwelche höheren Mächte,
die sich einen Jux daraus machten, ihm das Leben zu erschweren,
hatten beschlossen, dass Albus Dumbledore ihn liebte.
„Ich
sehe dich beim Abendessen“, verabschiedete Albus sich und
Severus nickte.
Als der Schulleiter bereits einige Schritte in
Richtung der Eingangshalle zurückgelegt hatte, hielt er ihn
allerdings noch einmal zurück. Die blauen Augen musterten ihn
neugierig. „Wie kam ich in den Krankenflügel?“,
fragte Severus dann und legte den Kopf schief.
Bereits als er
das diebische Lächeln auf dem Gesicht des Schulleiters sah,
wusste er, dass ihm die Antwort nicht gefallen würde. „Miss
Granger hatte das zweifelhafte Vergnügen, auf den Ländereien
über dich zu stolpern. Du solltest ihr danken, sie hat dir das
Leben gerettet.“ Damit wandte er sich um und ging
weiter.
Severus‘ Kiefer mahlten. „Ich hoffe, du
hast ihr viele Punkt für das Verlassen des Turms nach Einbruch
der Dunkelheit abgezogen!“, rief er dem alten Mann
hinterher.
Dieser hob jedoch nur die Hand und winkte ihm
damit, ohne sich umzudrehen.
-
zu Kapitel 3 -
oder: 'Sirius Black.'
***
zu
dieser Szene: Details über die Treffen der Todesser wurden
oftmals erfragt und irgendwann habe ich mich dem gebeugt und
beschlossen, dass es auch von diesen grausamen... widerwärtigen...
schmerzhaften... *räusper* Wie auch immer, es wird auf jeden
Fall Szenen geben. :D (Und ich darf kaum erzählen, wie viel Spaß
es bringt, diese Szenen zu schreiben...)
Gleichzeitig ist dies
auch der erste erfüllte Wunsch. Die Geschehnisse rund um
Severus' Entdecken von Hermine auf dem Eulenturm sollten näher
beleuchtet werden.
***
- Todessertreffen, nach dem Severus Hermine in der Eulerei entdeckt (Kapitel 3)
***
Er
hatte ihn mitten aus einem Experiment gerissen.
Der Ruf war
stark und unerwartet gewesen und hatte einer Flasche sündhaft
teuren Nesselextrakts das Leben gekostet. Der Trank stand nun mit
einem Frischezauber belegt in seinem Labor und verdarb trotzdem
langsam, weil diese verdammte Mischung so extrem empfindlich war.
Severus hätte gerne missmutige Laute von sich gegeben, doch in
der Runde der Todesser mit dem Lord persönlich direkt neben sich
war das eine wirklich schlechte Idee.
Zumal er endlich einmal
nicht das Ziel des Meisters war. Über sein gut von der Kapuze
und vor allem der Maske verdecktes Gesicht huschte ein schadenfrohes
Lächeln. Er hatte gewusst, dass Avery irgendwann noch einmal
leiden würde für diese erniedrigende Verletzung, die er ihm
damals zugefügt hatte.
Doch das war bei Weitem nicht das
Beste an diesem Treffen. Nach langen Monaten des Bohrens und
Forschens erfuhr er endlich, worum es sich bei diesem Auftrag
gehandelt hatte. Und glücklicherweise war die Erfüllung
eben diesens gründlich daneben gegangen. Dass viele der Todesser
weniger schlau als grobschlächtig waren, zahlte sich hin und
wieder doch aus.
„Avery“, zischte der Dunkle Lord
merkbar gereizt und Severus senkte den Blick so weit gen Boden, dass
er zwar unauffällig und demütig wirkte, Avery aber dennoch
im Auge behalten konnte. Es erzeugte weniger schlechtes Gewissen,
wenn die Bösen gefoltert wurden.
„J-Ja, mein
Meister…“, stotterte der ansonsten so selbstsichere Mann
und Severus grinste noch breiter.
In Momenten wie diesen
musste er jedes Mal sehr vorsichtig sein, dass der Lord nichts von
seinen Gedanken bemerkte. Der Tränkemeister hatte den Verdacht,
dass er auch Gedanken wahrnehmen konnte, ohne offensiv in den
Verstand seines Opfers einzudringen. Er wusste beim besten Willen
nicht, wie er dies tat (und das wurmte ihn mehr, als Severus jemals
freiwillig zugeben würde), doch er zweifelte nicht daran, dass
es funktionierte.
„Ich bin enttäuscht.“
Bei
diesen Worten merkte Severus auf. Wenn der Lord so milde
Formulierungen benutzte, war er meistens sehr unternehmungslustig.
Möglicherweise hatte Avery doch ein gewisses Maß an
Mitleid verdient.
In diesem Moment schlängelte Nagini
sich zu seinen Füßen durch das Gras und fauchte ihn
drohend an. Dieses Mistvieh hatte dummerweise schon lange
mitbekommen, dass er nicht mehr der loyale Todesser war. Severus
konnte nur hoffen, dass der Lord nicht allzu bald damit beginnen
würde, seinem Haustier mehr Glauben zu schenken als nötig.
„Es
tut mir Leid, Meister. Der Fehler ist unentschuldbar.“
Oh
ja, das war er allerdings. In die Mysteriumsabteilung im Ministerium
für Zauberei einzudringen und erst dort festzustellen, dass die
Prophezeiungen nur von den betroffenen Personen aus dem Regal
genommen werden konnten, war ein Fehler, der so dumm war, dass
niemand ihn machen sollte. Dass dies dennoch geschehen war, war ein
Beweis dafür, dass die wahre Gefahr der Todesser nur von ihren
impulsiven Handlungen ausging. Einzig der Dunkle Lord selbst war
aufgrund seiner Intelligenz und Skrupellosigkeit gefährlich.
„In
der Tat. Sag mir, wie soll ich einen unentschuldbaren Fehler
bestrafen?“
Severus feixte. Wenn er nur darauf wartete,
dass Avery zugab, vollkommen ahnungslos zu sein (was generell die
bessere Wahl war), könnte er sich einschalten und den Abend
retten. Möglicherweise brachte ihn das ein Stück
weiter.
„I-Ich… M-Meister, es liegt nicht in
meinem Ermessen…“
Voldemort machte eine
wegwischende Bewegung mit der Hand, die Avery verstummen ließ.
Severus beobachtete, wie mehrere umstehende Todesser nervöse
Bewegungen machten. „Das tut es wirklich nicht. Nun denn…
Crucio!“
Avery kippte nach hinten und wand sich zuckend
und schreiend auf dem Boden. Mit einer weiteren Bewegung des Lords
wurde das Schreien leiser, so dass er sich gut mit dem Rest seiner
Anhängerschaft unterhalten konnte: „Nun, irgendwelche
Vorschläge, wie man Averys Patzer korrigieren könnte?“
Severus
hatte seinen Blick unverwandt auf den Mann am Boden gerichtet und
konnte nun doch nicht so recht Mitleid für ihn aufbringen. Dafür
hatte er selbst schon zu oft in dieser Position die Treffen
erlebt.
Unter den anderen Todessern breitete sich derweil
unruhiges Gemurmel aus. Doch niemand wagte es, seinen Platz im Kreis
zu verlassen, geschweige denn eine Lösung vorzuschlagen. Elende
Feiglinge! Die Antwort war so simpel, dass es wirklich auffallen
würde, wenn er sie nicht gab. Er hasste Situationen wie
diese.
„Sirius Black“, sagte er schließlich
gedehnt und mit einem Male kehrte Ruhe ein.
Der Lord wandte
sich ihm zu. „Black? Was ist mit ihm?“
Severus
wandte endlich den Blick von Avery, der von der ganzen Unterhaltung
nichts mitbekam. Ohne den Blick jedoch zu heben, drehte er sich
leicht dem Lord zu. „Er könnte den Köder spielen. Wir
brauchen den Jungen im Ministerium. Wenn Harry Potter denkt, Black
wäre im Ministerium, würde er dumm genug sein, dorthin zu
gehen und versuchen, ihn zu retten."
Der Dunkle Lord gab
einige nachdenkliche Laute von sich und beendete beiläufig den
Cruciatus. Avery blieb zitternd und winselnd wie ein getretener Hund
liegen und rollte sich zu einem Ball zusammen. Severus glaubte Blut
aus seiner Nase und dem Mund laufen zu sehen, legte es aber nicht
darauf an, es genau zu erkennen. „Das könnte in der Tat
funktionieren. Jemand müsste ihm ausreichend Informationen
zuspielen, damit die Mysteriumsabteilung interessant für ihn
wird.“
„Das sollte kein Problem sein“,
erwiderte Severus kooperativ und schielte flüchtig nach oben,
ohne den Kopf zu heben.
„Nun denn… steh‘
auf, Avery!“
Der Mann am Boden gab einen letzten
jaulenden Ton von sich und kam nach mehreren Anläufen stolpernd
wieder auf die Beine. Nach vorne gebückt und sich auf den Knien
abstützend, deutete er eine Verbeugung an. „M-Mein
Meister“, nuschelte er und mehrere Tropfen Blut zogen lange
Fäden bis zum Boden.
Severus rümpfte die
Nase.
„Deine Arbeit an diesem Auftrag ist beendet. Du
kannst gehen.“
Diese Art von Verabschiedung war Severus
bekannt. Er hatte sie nie am eigenen Leib erfahren, wusste aber, dass
das Disapparieren aus der Mitte des vollständigen Kreises eine
der schmerzhaftesten Angelegenheiten war, die der Lord sich jemals
ausgedacht hatte. Dennoch nickte Avery und ließ sich kein
Zögern anmerken. Kurz darauf war er verschwunden und nur der
Ansatz eines Schreis hallte über den menschenleeren
Friedhof.
„Ich erwarte“, wandte der Lord sich dann
wieder an Severus, „dass du bald Bericht erstatten kannst. Lass
den Jungen wissen, was er wissen muss. Ich werde dafür sorgen,
dass Black zur rechten Zeit im Ministerium ist.“
Zuerst
neigte Severus einverstanden den Kopf, dann allerdings witterte er
die Falle dahinter. „Meister“, wandte er deswegen ein und
verbeugte sich.
„Ja?“
„Möglicherweise
wäre es sicherer, wenn Black nicht im Ministerium auftaucht. Er
ist zu allem bereit, wenn es darum geht, Potters Leben zu retten.“
Er redete sich um Kopf und Kragen, rutschte immer mehr auf die Seite
der Todesser, ließ die Grenze hinter sich. So explizit, wie er
den Plan hier ausbaute, musste er nachher einiges anstellen, um
Potter heil wieder aus der Sache herauszubekommen. Albus würde
das gar nicht gefallen.
Und doch gab es keinen anderen Weg,
wenn er das Vertrauen des Lords behalten wollte.
„Das
ist in der Tat eine gute Überlegung. Ich werde darüber
nachdenken. Sorge du nur dafür, dass Potter die Informationen
bekommt.“
„Gewiss, Herr.“ Erneut verbeugte
er sich.
Kurz darauf beendete der Dunkle Lord das Treffen und
Severus war froh, den Friedhof verlassen zu können. Den Trank
konnte er zwar vergessen und an diesem Abend war nicht mehr daran zu
denken, einen neuen anzusetzen. Doch er hatte die Versammlung hinter
sich gebracht, ohne selbst das Opfer des Cruciatus zu werden. Und er
hatte Avery leiden sehen, was definitiv eine gewisse Genugtuung mit
sich brachte.
Und, so stellte er wenig später fest, als
er an der Grenze von Hogwarts auftauchte, er hatte Granger mitten in
der Nacht außerhalb des Bettes erwischt. Mit einem zufriedenen
Grinsen führte er den Zauber aus, den auch sie zweifellos
verwendet hatte. Ihre Augen wurden groß, als sie eins und eins
zusammenzählte. Kurz darauf war sie vom Turmfenster
verschwunden.
Severus beendete seinen Zauber und machte sich
auf den Weg über die Ländereien. Er könnte jetzt
sofort zu Albus gehen, doch dann müsste er auch detailliert von
dem Treffen berichten. Deswegen beschloss er, Granger noch eine Nacht
voller Angst zu gönnen.
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zu Kapitel 3 -
oder: 'Sie ist was?'
***
zu dieser Szene: Ich weiß nicht, ob dieses Gespräch von irgendjemandem vorgeschlagen wurde, aber ich fand es allein schon wegen Severus‘ Reaktion so reizvoll, dass ich nicht anders konnte. ;)
***
- kurz nachdem Dumbledore Hermine in den Orden aufgenommen hat (Kapitel 3)
***
Mit
missmutiger Miene streifte Severus über das Gelände. Der
Tag hatte wirklich gut angefangen. Erst ein kurzer Hinweis an Albus,
dass Granger nach Ausgangssperre im Schloss unterwegs gewesen war,
und dann die Erstklässler von Rawenclaw und Hufflepuff zum
Quälen. Er hatte wirklich geglaubt, dass er heute mit
einigermaßen guter Laune ins Bett gehen würde.
Doch
das Blatt hatte sich gewendet, als er sich daran erinnert hatte, dass
der Kelch mit der Pausenaufsicht heute bei ihm hängengeblieben
war. Minerva hatte sich feixend gefreut, dass sie bei der Hitze im
kühlen Schloss bleiben konnte. Nonsens!
Jedoch, mit
hinter dem Rücken verschränkten Armen musste er zugeben,
dass es heute wirklich warm war. Der Sommer war nicht mehr weit, auch
wenn es nach dem Kalender noch Frühling war. Es kamen heiße
Monate auf sie zu und er bereute es einmal mehr, sich vor so vielen
Jahren für schwarze Kleidung entschieden zu haben.
Die
Schüler aus sämtlichen Jahrgängen tollten über
das Gelände, verstummten jedoch, sobald er in ihre Nähe
kam. Hausaufgaben verschwanden in den Taschen und verräterische
Gespräche wurden abrupt beendet. Natürlich ließ er es
sich dennoch nicht nehmen, hier und da ein wenig Unruhe zu stiften:
„Miss Sinclair, Hausaufgaben sind dazu da, um sie am Nachmittag
nach dem Unterricht zu machen und nicht in den letzten fünf
Minuten vor dem Unterricht. Zehn Punkte von Hufflepuff!“
Das
Mädchen mit den strohblonden Haaren lief rot an und einige
Pergamentrollen plumpsten hinter ihr zu Boden. „Entschuldigen
Sie, Professor Snape“, murmelte sie geflissentlich und
begegnete den verlegenen Blicken ihrer Klassenkameraden, ehe sie
umständlich nach ihren Sachen angelte.
Severus schenkte
ihr nicht mehr als einen letzten mahnenden Blick, ehe er sich
abwandte und den Weg zum See einschlug. Erfahrungsgemäß
fanden sich dort die meisten Schüler, bei denen man Punkte
abziehen konnte. Diese lästigen Individuen, die das Schloss
zuhauf bevölkerten, hatten inzwischen mitbekommen, dass viele
seiner Kollegen zu faul waren, den Abhang zum See hinabzusteigen, nur
um für Ordnung zu sorgen.
Auf halbem Weg wurde er
allerdings von Albus eingeholt, der mit großen Schritten und
einem luftigen, butterblumgelben Umhang gekleidet aus dem Schloss
kam. Severus verbot sich ein Seufzen, das nicht nur mit dem recht
eigenwilligen Kleidungsstil zu tun hatte. Er war bisher noch nicht
dazu gekommen, dem Direktor vom Treffen am Abend zuvor zu berichten.
Gleichzeitig war er gespannt zu hören, was dieser mit Granger
angestellt hatte.
„Ich freue mich zu sehen, dass du das
schöne Wetter genießt, Severus“, begrüßte
der weißhaarige Mann ihn und drosselte seine Geschwindigkeit,
so dass sie nebeneinander her gehen konnten.
„Ob es ein
Genuss ist, sei dahingestellt“, erwiderte Severus und verzog
das Gesicht.
Albus ging nicht näher darauf ein, sondern
zückte den Zauberstab, um sie mit einem Illusionszauber zu
belegen. Die Schüler würden sie nun zwar sehen, jedoch
nicht bemerken, dass sie sich unterhielten. „Was gibt es
Neues?“, fragte er dann gezielt und verschränkte die Arme
auf ähnliche Weise hinter dem Rücken wie Severus.
„Nichts
Gutes. Avery hatte den Auftrag, die Prophezeiung aus der
Mysteriumsabteilung zu besorgen.“
Albus ließ ein
sehr amüsiertes Schnauben hören. „Welchen er
natürlich nicht erfüllen konnte.“
„Natürlich
nicht. Er war schon immer zu voreilig. Kein Sinn für
ausreichende Recherche.“ Severus hielt seine Blicke konsequent
auf die Schüler gerichtet. Er war sich nicht sicher, was Albus
von den neusten Entwicklungen halten würde. Zweifellos hatten
sie nun eine gewisse Gewalt über den Lord und dessen Pläne
um die Prophezeiung. Doch das änderte nichts daran, dass Potter
neuerlich die Aufmerksamkeit auf sich gezogen hatte – noch mehr
als sonst.
„Was plant Voldemort nun?“
Severus
gab ein knurrendes Geräusch von sich. „Er hat mich
getestet.“ Es war sicherlich nicht falsch, die Dinge ein
bisschen zu seinen Gunsten auszulegen.
„Inwiefern?“
„Er
verlangte einen neuen Plan und ich schlug ihm vor, Black als Köder
zu nutzen, um Potter ins Ministerium zu bekommen. Das Ganze ist so
simpel, dass es auffällig gewesen wäre, wenn ich es nicht
vorgeschlagen hätte.“ Nun glitten seine Blicke flüchtig
zu den blauen Augen des Mannes neben ihm. Er ließ sich nicht
anmerken, was er von diesen Entwicklungen hielt.
„Das
war leichtsinnig“, sagte er dann allerdings.
„Das
war es, in der Tat. Aber ich hatte keine andere Wahl. Der Lord
schließt mich nach wie vor von den wichtigen Geschehnissen aus.
Dass Avery versagte, war ein Zufall, den ich nicht ungenutzt lassen
konnte.“ Sie bogen um einen Ausbau des Schlosses und der See
kam ins Blickfeld. Einige Schüler hatten sich Schuhe und Socken
ausgezogen und wateten am flachen Ufer entlang, andere ließen
sich die Fußsohlen vom Kraken kitzeln.
„Wie auch
immer“, fuhr Albus mit ernster Miene fort, „unter diesen
Umständen ist es noch wichtiger, dass Harry Okklumentik lernt.
Wie geht es voran mit dem Unterricht?“
Severus grunzte.
„Überhaupt nicht. Der Junge stellt sich an, als hätte
er noch niemals versucht, seine Gedanken zu selektieren. Ich habe
selten einen so unorganisierten, labilen und schwachen Verstand wie
den seinen gesehen. Wenn der Lord die Verbindung zu verstehen
beginnt, haben wir ein Problem.“
„Dann solltest du
dafür sorgen, dass Harry es vorher lernt.“
„Möglicherweise
solltest du ihn unterrichten. Er vertraut mir nicht und meine Meinung
über ihn ist ebenso wenig hilfreich. Das sind nicht die besten
Voraussetzungen für Okklumentik.“
„Ganz im
Gegenteil. Eben weil er dir nicht vertraut, sollte es ein Anreiz
sein, seinen Verstand zu verschließen.“
Ein
weiteres Schnauben erklang. „Potter denkt nicht in diesen
Bahnen.“
Albus schmunzelte. „Er ist ein Teenager,
Severus. Erwarte nicht zu viel von ihm. Erinnere dich daran, wie es
war, als du Okklumentik lerntest.“ Einige weise Blicke
streiften den Tränkemeister und er verzog neuerlich das Gesicht.
Er hasste es wirklich, wenn Albus auf diese Tour kam.
„Ich
habe mich niemals so ungeschickt angestellt“, beharrte er
deswegen und das stimmte auch. Albus war es gewesen, der ihm
Okklumentik gelehrt hatte, und Severus hatte genug Erinnerungen
gehabt, die er dem Direktor um keinen Preis hatte zeigen wollen. Es
war eine Sache von zwei Wochen gewesen, bis er es beherrscht hatte.
Nach zwei Monaten war er Meister gewesen.
Harry Potter
hingegen eierte schon seit drei Monaten herum und schaffte es nicht
einmal, ruhig zu bleiben, wenn Severus ein paar heikle Erinnerungen
hervor zerrte. Severus konnte nicht leugnen, dass der Junge Schlimmes
bei seiner Tante und seinem Onkel erlebt hatte, doch es hätte
ihn stärker machen sollen. Stattdessen verging er in
Selbstmitleid und das ließ das Ansehen in Severus‘ Augen
nicht gerade steigen. Sie befanden sich im Krieg. Sie hatten keine
Zeit für die Mitleidsnummer.
Ehe Albus etwas zu seiner
halbherzigen Antwort sagen konnte, setzte Severus hinzu: „Hast
du mittlerweile mit Miss Granger gesprochen?“
Der
Direktor nickte auf diese Art, die Severus sofort skeptisch werden
ließ. „In der Tat, das habe ich.“
„Ich
hoffe für dich, dass dieses Mal einige Punkte fällig
geworden sind.“ Es war nicht so, dass er Albus wirklich drohen
könnte. Aber es war immer gut, dem alten Mann deutlich zu
machen, dass seine Laune dabei war, noch tiefer zu sinken.
„Ich
muss dich enttäuschen, Severus. Miss Granger hatte einige sehr
schlagkräftige Argumente vorzubringen.“
„Und
das heißt?“ Mittlerweile waren sie beim See angelangt und
Severus sah aus dem Augenwinkel, wie sich ein Arm des Krankens
unbemerkt um den Knöchel eines Drittklässlers aus Rawenclaw
wickelte. Noch bevor der Junge schreien konnte, hatte Severus seinen
Zauberstab gezückt und den Kraken daran erinnert, dass Schüler
nicht auf seinem Speiseplan standen. Unter normalen Umständen
hätte er auch den Schüler daran erinnert, dass es absolut
dämlich war, den Kraken dermaßen in Versuchung zu führen.
Doch Albus‘ Antwort hielt ihn davon ab.
„Sie ist
nun Mitglied des Ordens. Und sie wird ein Auge auf dich
haben.“
Severus‘ Miene erstarrte und sein Kopf
ruckte zum Direktor herum. „Sie ist was?“, fragte er mit
mühsam beherrschter Stimme.
„Ordensmitglied, mein
Lieber.“
Severus verkniff es sich, darauf zu antworten.
Alles, was ihm in den Sinn kam, konnte nicht einmal mehr bei
großzügiger Betrachtung in die Kategorie ‚höflich,
aber empört‘ sortiert werden. Stattdessen kniff er die
Lippen zu einem so schmalen Strich zusammen, dass er sogar Minerva
Konkurrenz gemacht hätte.
„Oh, nun hör schon
auf, mich so anzusehen.“ Der Direktor machte eine wegwischende
Bewegung mit der Hand.
„Sie ist sechzehn“, ging
Severus nicht darauf ein.
„Du wirst mir sicherlich
zustimmen, dass ihre geistige Reife ein sehr viel höheres Niveau
hat.“
„Sie ist Schülerin.“
„Eine
durchaus talentierte, in der Tat. Ich bin mir sicher, dass sie es
problemlos mit Schülern aus dem siebten Jahrgang aufnehmen
könnte.“
„Sie ist unerfahren.“ Er wurde
nicht müde, sämtliche Gegenargumente aufzuzählen, die
ihm in den Sinn kamen. Und das waren noch so einige, obwohl er nicht
einmal die persönliche Abneigung dazu gezählt hatte.
„Miss
Granger hat auch lediglich die Aufgabe, sicher zu stellen, dass du
wohlbehalten vom Apparierpunkt ins Schloss gelangst. Sie agiert nur
auf dem Schlossgelände und sie wird nicht an den offiziellen
Treffen teilnehmen.“
Zumindest der letzte Punkt sollte
ihn besänftigen. Doch angesichts der Tatsache, dass er das Opfer
ihrer Hartnäckigkeit und Aufdringlichkeit war, fiel es kaum ins
Gewicht. „Herrgott, Albus! Du solltest sie mir vom Hals
schaffen und ihr nicht den Weg für ihre nervtötende Art
ebnen.“
„Dann hättest du sie selbst
zurechtweisen und nicht zu mir schicken sollen. Manchmal, Severus,
ist es eben doch sinnvoller, wenn du dich auch mit Schülern aus
Minervas Haus alleine auseinandersetzt, die nicht Harry Potter oder
Ronald Weasley heißen.“ Der alte Mann zwinkerte und fügte
abschließend hinzu: „Finde dich damit ab, dass sie dich
an den heiklen Abenden beobachten wird. Und bemühe dich, Harry
Okklumentik beizubringen. Ich erwarte dich heute Abend zu einem
Gläschen Wein, um den Plan Voldemorts und unsere Antwort darauf
genauer zu besprechen.“ Dann löste er den Illusionszauber
auf und wandte sich so schnell wieder dem Schloss zu, dass Severus
mit all seiner aufgestauten Wut alleine am See stehen blieb.
Die
Zaubertrankklasse am Nachmittag – Gryffindor und Slytherin des
sechsten Jahrganges – hatte wahrlich nichts zu lachen.
-
zu Kapitel 5 -
oder: 'Potter hatte es verpatzt.'
***
zu
dieser Szene: Ich denke mal, es wird nicht wenige verwirrt haben,
dass der zweite Abend von Hermines Strafarbeit eine derartige
Kehrtwende machte. Deswegen habe ich gedacht, ich beleuchte Severus‘
Überlegungen dazu ein bisschen genauer. :)
***
-
nachdem Hermine am ersten Abend ihrer Strafarbeit Snapes Handel
ausgeschlagen hat (Kapitel 5)
***
Kaum
hatte Granger die Tür zu seinem Büro hinter sich zugezogen,
griff Severus nach dem Tintenfass und warf es wutentbrannt gegen die
gegenüberliegende Wand. Die dunkelblaue Flüssigkeit
hinterließ einen abstrakten Fleck an der Steinwand und zog
lange Streifen, als sie daran hinablief. Er beobachtete es ein paar
Momente, dann schloss er die Augen, atmete tief durch und drehte den
Kopf leicht, um seine Nackenmuskeln zu entspannen.
Was hatte
er erwartet? Granger hatte bewiesen, dass sie wild entschlossen war,
ihren Auftrag zu erfüllen. Severus schnaubte. Er hatte
gehofft, dass sie im Laufe dieses Abends darum betteln würde,
die Strafarbeit fallen und ihn endlich in Ruhe zu lassen. Stattdessen
hatte sie sich beinahe in die Blindheit manövriert und ihn in
die Verlegenheit gebracht, sich die Zähne an einer Schülerin
auszubeißen.
Ooh, er hasste dieses Gör ja so
sehr!
Und gleichzeitig war sie diejenige, die bald wirklich
nützlich für ihn sein würde. Potter hatte es verpatzt.
Er konnte sich nicht darauf verlassen, dass der Plan des Lords schief
gehen würde, denn Okklumentik beherrschte der dumme Junge noch
immer nicht. Er würde diese falschen Bilder von Black im
Ministerium sehen und blindlings in die Falle tappen. Severus musste
einen anderen Weg finden, ihn von dort fernzuhalten. Er würde
sonst Albus und den Auroren des Ministeriums im Wege stehen, wenn der
Lord sich selbst dorthin bequemte.
Wenn… Es gab
eindeutig zu viele Wenns in diesem Plan.
Severus fuhr sich mit
den Händen durch die Haare und stand auf. Er würde Granger
morgen warnen und ihr sagen, dass sie Potter um jeden Preis im
Schloss halten sollte. Sie war entschlossen, etwas für den Orden
zu tun, das hatte ihre Reaktion auf seinen Handel eben gezeigt.
Hoffentlich war sie auch gewillt, sich gegen ihre Freunde zu
stellen.
Mit Hilfe seines Zauberstabes fügte er die am
Boden liegenden Scherben wieder zu einem heilen Glasfässchen
zusammen und saugte die Tinte hinein. Dann stellte er es auf seinen
Schreibtisch zurück und stützte sich mit den Händen
auf der Lehne des Besucherstuhls ab. Der Stoff unter seinen Fingern
war noch warm.
Es kam einer Kapitulation gleich, sich dies
einzugestehen, doch vorhin hatte ihn tatsächlich leichte Angst
überfallen. Was hätte Granger getan, wenn er nicht ins
Labor gegangen wäre? Wäre sie mit ihrem Auge zu ihm
gekommen, nachdem sie sich ausreichend übergeben hatte? Oder
wäre sie aus reinem Trotz dort geblieben und hätte ihr
Augenlicht riskiert? War das Spiel zwischen ihnen wirklich so hart,
dass sie eine solche Entscheidung traf, nur um vor ihm keine Schwäche
zu zeigen?
Nachdem der Stuhl soweit abgekühlt war, dass
sich auch die letzten Spuren von Grangers Anwesenheit verflüchtigt
hatten, zog Severus sich seinen Umhang aus und warf ihn achtlos auf
seinen eigenen Stuhl hinter dem Schreibtisch. Er befand sich momentan
in einer Situation, in der ihm die Kontrolle zunehmend entglitt. Der
Lord vertraute ihm einigermaßen, er wusste grob Bescheid. Doch
er war nicht in der Position, die Pläne unauffällig zu
beeinflussen. Potter hatte Informationen von ihm und vom Lord selbst
bekommen, die ihn zweifellos ins Ministerium treiben würden. In
die Mysteriumsabetilung, um genauer zu sein. Aber Severus hatte es
nicht geschafft, ihn mit ausreichend Rationalität und Wissen um
Legilimentik und Okklumentik zu versorgen, dass er mit diesen
Informationen umgehen konnte. Er hatte versagt und musste hoffen,
dass Granger ihn retten würde.
Diese Erkenntnis ließ
ihn die Hände zu Fäusten ballen und mit harten Schritten
ins Wohnzimmer gehen. Dort angekommen, wandte er sich dem schmalen
Schrank zu und zog ein Glas und eine Flasche Feuerwhisky hervor.
Morgen früh hatte er nur die Erstklässler zu beschäftigen.
Dafür brauchte er keine großartige Konzentration.