Inter Spem Et Metum: Zwischen Hoffnung und Furcht


von WatchersGoddess



Missing Scenes zu Kap. 1- 5



- zu Kapitel 1 -
oder: 'Was ist letzte Nacht passiert?'


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zu dieser Szene: Ich wurde oft gefragt, wie Severus reagiert hat, als er erfuhr, dass Hermine ihm das Leben gerettet hat. Hier ist nun die eindeutige Antwort. ;)


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- am Tag nachdem Hermine Severus gerettet hat (Kapitel 1)


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Severus war gerade dabei, sich seinen Gehrock zuzuknöpfen, als der Direktor den Krankenflügel betrat. Madam Pomfrey beäugte beide von ihrem Büro aus und der Tränkemeister warf ihr ein paar besonders giftige Blicke zu, so dass sie letztendlich doch die Tür hinter sich schloss – so schwungvoll, dass ein paar Staubflocken zu Boden segelten.

Albus drehte sich mit hochgezogenen Augenbrauen zum Büro der Medihexe um und schüttelte dann schmunzelnd den Kopf. „Du solltest nicht so harsch zu ihr sein, Severus. Sie hat immerhin dafür gesorgt, dass du schon heute den Krankenflügel wieder verlassen kannst“, mahnte der alte Mann und setzte sich auf das Bett neben dem, das Severus in der letzten Nacht belegt hatte.

Er schnaubte. „Das ist ihr Job.“

„Den sie außerordentlich gut macht.“

„Was kein Grund ist, ihre Nase in anderer Leute Angelegenheiten zu stecken.“

„Sie ist Mitglied des Ordens. Sie hat ein Recht darauf, diese Dinge zu erfahren.“

Severus warf seinem Vorgesetzten missmutige Blicke zu und setzte sich mit nun einwandfrei sitzender Kleidung auf das Bett. Es hatte sicherlich nicht viel Sinn, sich bei ihm über die Auswahl der Ordensmitglieder zu beschweren. „Bist du nur hergekommen, um mir diese Dinge zu sagen, Albus?“, fragte er deswegen spitz.

Der weißhaarige Mann lächelte und schüttelte dann den Kopf. „Nein, das bin ich nicht. Aber lass uns ein paar Schritte gehen. In Hogwarts haben selbst die Wände Ohren und die des Krankenflügels scheinen besonders aufmerksam zu sein.“

Severus nickte zustimmend und verließ vor dem Älteren den Krankenflügel. Seine Erinnerungen an die letzte Nacht waren sehr vage, vor allem wenn er an die Zeitspanne zwischen seiner Rückkehr und dem Erwachen an diesem Morgen dachte. Er glaubte sich an eine ihm bekannte Stimme zu erinnern, konnte sie aber nicht zuordnen. Er wusste nicht einmal, wie er überhaupt in den Krankenflügel gelangt war, geschweige denn, was er dem Direktor schon alles erzählt hatte. Es gab gewisse Details, die er gerne verschweigen würde. Die neuerliche Bekanntschaft mit dem Cruciatus war eines davon.

Albus legte einen Illusionszauber über sie, so dass sie ungestört durch die Gänge gehen und sich unterhalten konnte. Severus steuerte automatisch den Weg in die Kerker an. Albus folgte ihm, ohne etwas dazu zu sagen.

„Was ist letzte Nacht passiert?“, fragte er stattdessen gezielt und mit nun ernster Stimme.

Aufgrund dieser offenen Frage begann Severus zu hoffen, dass er dem alten Mann noch nicht viel erzählt hatte. „Das erste Treffen nach dem Trimagischen Turnier, das ist passiert. Der Dunkle Lord war wenig begeistert von den Geschehnissen, vor allem der Verbleib von Barty Crouch Junior ist ihm ziemlich bitter aufgestoßen.“

Er sah Peeves um die Ecke biegen und beäugte den Geist skeptisch. Selbst mit dem Illusionszauber schien das stets der bessere Weg zu sein, wenn man überraschenden Angriffen aus dem Weg gehen wollte. Und da die Narbe auf seinem Bauch noch immer unangenehm ziepte, hatte er es nicht darauf angelegt, sich allzu bald wieder dem Kreuzfeuer auszuliefern – welchem auch immer.

„Damit hatte ich gerechnet“, erwiderte Albus und spielte mit seinem Zauberstab. Eine plötzliche Windböe wehte Severus die Haare über die Schultern und Peeves in einen anderen Gang. Der Poltergeist gab ein lautes Jaulen von sich und zischte zurück um die Ecke, nur um zwei Slytherins ins Visier zu nehmen, die das Pech hatten, gerade auf dem Weg zum Frühstück zu sein. Severus beobachtete, wie die Augen des Störenfrieds sich verengten. Seine Schüler schluckten.

„War das wirklich nötig?“, wandte Severus sich missmutig an seinen Vorgesetzten.

Dieser beobachtete mit wackelnder Brille, was weiter passierte. „Oh Severus, du solltest aufhören, alles als persönlichen Angriff auf dich und dein Haus anzusehen. Erzähl mir lieber, was weiter passiert ist.“

Der Tränkemeister hatte seine liebe Mühe, sich über das Klappern mehrerer Rüstungen, die Peeves wie übergroße Marionetten tanzen ließ und damit die beiden Schüler in eine Ecke drängte, verständlich zu machen. Mit beginnendem Pochen zwischen seinen Schläfen und gerunzelter Stirn fuhr er fort: „Nun, der Dunkle Lord hat sich zur Aufmunterung eine Art groteskes Theater inszeniert. Wir durften uns duellieren, vergnügen und Muggel foltern. Bitte, Albus, setz‘ diesem Schindluder endlich ein Ende!“ Inzwischen rieselte der Putz von der Decke, direkt auf seine schwarzen Haare.

Albus tat, worum Severus ihn gebeten hatte, woraufhin die Rüstungen wieder auf ihre Plätze flogen. Dann fixierte er den Tränkemeister mit tief gerunzelter Stirn. „Er vergreift sich also wieder an Muggeln“, stellte er fest, während die Schüler rasch das Weite suchten und Peeves sich lautstark darüber beschwerte, dass das Schloss sich heute gegen ihn verschworen hatte.

„Hattest du etwas anderes erwartet?“ Der Tränkemeister hasste es, so alltäglich über die Methoden des Dunklen Lords reden zu müssen. Aber es war tatsächlich abzusehen gewesen, dass Muggel und muggelstämmige Zauberer und Hexen erneut die Leidtragenden sein würden. So war es damals und so würde es auch heute sein.

„Ich hatte gehofft, dass zwölf Jahre im Exil seinem Verstand geholfen haben, die Ziele auf das Wesentliche zu reduzieren“, gestand der Schulleiter nachdenklich. „Wer verletzte dich so schwer?“, wechselte er dann abrupt das Thema.

Severus grunzte leise. „Avery. Hat einen zufälligen Treffer gelandet, der verdammte Mistkerl.“

„Verdächtigt er dich?“

„Sicher. Der Lord hat mich zwar anfänglich wieder in die Gruppe aufgenommen und allen verboten, sich zu viele Gedanken über Dinge zu machen, die sie nichts angehen. Doch selbst in dem Haufen der Todesser gibt es ein paar zum Denken fähige Menschen und Avery gehört dummerweise dazu. Er bekam einen Auftrag vom Lord. Ich habe nicht in Erfahrung bringen können, worum es geht.“ Er verzog das Gesicht, denn diesen Teil des Treffens hatte er unter einem Cruciatus verbracht. Aufmerksam musterte er das Gesicht des Zauberers neben ihm, doch Albus ließ ihn durch seine Mimik nicht wissen, ob er die genaueren Umstände bereits wusste. Severus ärgerte sich maßlos darüber, dass er nicht mehr wusste, was er dem alten Mann letzte Nacht alles erzählt hatte.

„Wie kam es, dass er dich im Duell besiegte?“, überging Albus nach kurzem Schweigen die letzte Information und schmunzelte neuerlich.

„Das tat er nicht. Er landete lediglich einen Treffer.“ Severus konnte sich ein feines Lächeln der Genugtuung nicht verkneifen.

„Nun gut“, ließ Albus das Thema fallen, als sie an der Tür zu Severus‘ privaten Räumen angelangt waren. „Wir sollten also möglichst bald einen Weg finden, dem Ganzen ein Ende zu bereiten. Und ich wäre dir sehr verbunden, wenn du irgendwie an die Details über diesen Auftrag kommen könntest.“

„Natürlich, Direktor. Ich werde sehen, dass ich einen Weg finde, an detaillierte Informationen zu gelangen. Allerdings ist Avery mir gegenüber wie gesagt nicht sehr zutraulich und der Lord hat sich darauf verlegt, Wurmschwanz mehr als mir zu vertrauen. Diese Ratte hat es geschafft, sich im richtigen Moment einzuhaken.“

„Es ist ein unglücklicher Zufall, dass er zur richtigen Zeit am richtigen Ort war“, gab der Direktor zu. „Aber es hätte schlimmer kommen können.“

Severus schnaubte. Er hasste diesen Spruch wirklich. Doch irgendwelche höheren Mächte, die sich einen Jux daraus machten, ihm das Leben zu erschweren, hatten beschlossen, dass Albus Dumbledore ihn liebte.

„Ich sehe dich beim Abendessen“, verabschiedete Albus sich und Severus nickte.

Als der Schulleiter bereits einige Schritte in Richtung der Eingangshalle zurückgelegt hatte, hielt er ihn allerdings noch einmal zurück. Die blauen Augen musterten ihn neugierig. „Wie kam ich in den Krankenflügel?“, fragte Severus dann und legte den Kopf schief.

Bereits als er das diebische Lächeln auf dem Gesicht des Schulleiters sah, wusste er, dass ihm die Antwort nicht gefallen würde. „Miss Granger hatte das zweifelhafte Vergnügen, auf den Ländereien über dich zu stolpern. Du solltest ihr danken, sie hat dir das Leben gerettet.“ Damit wandte er sich um und ging weiter.

Severus‘ Kiefer mahlten. „Ich hoffe, du hast ihr viele Punkt für das Verlassen des Turms nach Einbruch der Dunkelheit abgezogen!“, rief er dem alten Mann hinterher.

Dieser hob jedoch nur die Hand und winkte ihm damit, ohne sich umzudrehen.


- zu Kapitel 3 -
oder: 'Sirius Black.'


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zu dieser Szene: Details über die Treffen der Todesser wurden oftmals erfragt und irgendwann habe ich mich dem gebeugt und beschlossen, dass es auch von diesen grausamen... widerwärtigen... schmerzhaften... *räusper* Wie auch immer, es wird auf jeden Fall Szenen geben. :D (Und ich darf kaum erzählen, wie viel Spaß es bringt, diese Szenen zu schreiben...)
Gleichzeitig ist dies auch der erste erfüllte Wunsch. Die Geschehnisse rund um Severus' Entdecken von Hermine auf dem Eulenturm sollten näher beleuchtet werden.


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- Todessertreffen, nach dem Severus Hermine in der Eulerei entdeckt (Kapitel 3)


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Er hatte ihn mitten aus einem Experiment gerissen.

Der Ruf war stark und unerwartet gewesen und hatte einer Flasche sündhaft teuren Nesselextrakts das Leben gekostet. Der Trank stand nun mit einem Frischezauber belegt in seinem Labor und verdarb trotzdem langsam, weil diese verdammte Mischung so extrem empfindlich war. Severus hätte gerne missmutige Laute von sich gegeben, doch in der Runde der Todesser mit dem Lord persönlich direkt neben sich war das eine wirklich schlechte Idee.

Zumal er endlich einmal nicht das Ziel des Meisters war. Über sein gut von der Kapuze und vor allem der Maske verdecktes Gesicht huschte ein schadenfrohes Lächeln. Er hatte gewusst, dass Avery irgendwann noch einmal leiden würde für diese erniedrigende Verletzung, die er ihm damals zugefügt hatte.

Doch das war bei Weitem nicht das Beste an diesem Treffen. Nach langen Monaten des Bohrens und Forschens erfuhr er endlich, worum es sich bei diesem Auftrag gehandelt hatte. Und glücklicherweise war die Erfüllung eben diesens gründlich daneben gegangen. Dass viele der Todesser weniger schlau als grobschlächtig waren, zahlte sich hin und wieder doch aus.

„Avery“, zischte der Dunkle Lord merkbar gereizt und Severus senkte den Blick so weit gen Boden, dass er zwar unauffällig und demütig wirkte, Avery aber dennoch im Auge behalten konnte. Es erzeugte weniger schlechtes Gewissen, wenn die Bösen gefoltert wurden.

„J-Ja, mein Meister…“, stotterte der ansonsten so selbstsichere Mann und Severus grinste noch breiter.

In Momenten wie diesen musste er jedes Mal sehr vorsichtig sein, dass der Lord nichts von seinen Gedanken bemerkte. Der Tränkemeister hatte den Verdacht, dass er auch Gedanken wahrnehmen konnte, ohne offensiv in den Verstand seines Opfers einzudringen. Er wusste beim besten Willen nicht, wie er dies tat (und das wurmte ihn mehr, als Severus jemals freiwillig zugeben würde), doch er zweifelte nicht daran, dass es funktionierte.

„Ich bin enttäuscht.“

Bei diesen Worten merkte Severus auf. Wenn der Lord so milde Formulierungen benutzte, war er meistens sehr unternehmungslustig. Möglicherweise hatte Avery doch ein gewisses Maß an Mitleid verdient.

In diesem Moment schlängelte Nagini sich zu seinen Füßen durch das Gras und fauchte ihn drohend an. Dieses Mistvieh hatte dummerweise schon lange mitbekommen, dass er nicht mehr der loyale Todesser war. Severus konnte nur hoffen, dass der Lord nicht allzu bald damit beginnen würde, seinem Haustier mehr Glauben zu schenken als nötig.

„Es tut mir Leid, Meister. Der Fehler ist unentschuldbar.“

Oh ja, das war er allerdings. In die Mysteriumsabteilung im Ministerium für Zauberei einzudringen und erst dort festzustellen, dass die Prophezeiungen nur von den betroffenen Personen aus dem Regal genommen werden konnten, war ein Fehler, der so dumm war, dass niemand ihn machen sollte. Dass dies dennoch geschehen war, war ein Beweis dafür, dass die wahre Gefahr der Todesser nur von ihren impulsiven Handlungen ausging. Einzig der Dunkle Lord selbst war aufgrund seiner Intelligenz und Skrupellosigkeit gefährlich.

„In der Tat. Sag mir, wie soll ich einen unentschuldbaren Fehler bestrafen?“

Severus feixte. Wenn er nur darauf wartete, dass Avery zugab, vollkommen ahnungslos zu sein (was generell die bessere Wahl war), könnte er sich einschalten und den Abend retten. Möglicherweise brachte ihn das ein Stück weiter.

„I-Ich… M-Meister, es liegt nicht in meinem Ermessen…“

Voldemort machte eine wegwischende Bewegung mit der Hand, die Avery verstummen ließ. Severus beobachtete, wie mehrere umstehende Todesser nervöse Bewegungen machten. „Das tut es wirklich nicht. Nun denn… Crucio!“

Avery kippte nach hinten und wand sich zuckend und schreiend auf dem Boden. Mit einer weiteren Bewegung des Lords wurde das Schreien leiser, so dass er sich gut mit dem Rest seiner Anhängerschaft unterhalten konnte: „Nun, irgendwelche Vorschläge, wie man Averys Patzer korrigieren könnte?“
Severus hatte seinen Blick unverwandt auf den Mann am Boden gerichtet und konnte nun doch nicht so recht Mitleid für ihn aufbringen. Dafür hatte er selbst schon zu oft in dieser Position die Treffen erlebt.

Unter den anderen Todessern breitete sich derweil unruhiges Gemurmel aus. Doch niemand wagte es, seinen Platz im Kreis zu verlassen, geschweige denn eine Lösung vorzuschlagen. Elende Feiglinge! Die Antwort war so simpel, dass es wirklich auffallen würde, wenn er sie nicht gab. Er hasste Situationen wie diese.

„Sirius Black“, sagte er schließlich gedehnt und mit einem Male kehrte Ruhe ein.

Der Lord wandte sich ihm zu. „Black? Was ist mit ihm?“

Severus wandte endlich den Blick von Avery, der von der ganzen Unterhaltung nichts mitbekam. Ohne den Blick jedoch zu heben, drehte er sich leicht dem Lord zu. „Er könnte den Köder spielen. Wir brauchen den Jungen im Ministerium. Wenn Harry Potter denkt, Black wäre im Ministerium, würde er dumm genug sein, dorthin zu gehen und versuchen, ihn zu retten."

Der Dunkle Lord gab einige nachdenkliche Laute von sich und beendete beiläufig den Cruciatus. Avery blieb zitternd und winselnd wie ein getretener Hund liegen und rollte sich zu einem Ball zusammen. Severus glaubte Blut aus seiner Nase und dem Mund laufen zu sehen, legte es aber nicht darauf an, es genau zu erkennen. „Das könnte in der Tat funktionieren. Jemand müsste ihm ausreichend Informationen zuspielen, damit die Mysteriumsabteilung interessant für ihn wird.“

„Das sollte kein Problem sein“, erwiderte Severus kooperativ und schielte flüchtig nach oben, ohne den Kopf zu heben.

„Nun denn… steh‘ auf, Avery!“

Der Mann am Boden gab einen letzten jaulenden Ton von sich und kam nach mehreren Anläufen stolpernd wieder auf die Beine. Nach vorne gebückt und sich auf den Knien abstützend, deutete er eine Verbeugung an. „M-Mein Meister“, nuschelte er und mehrere Tropfen Blut zogen lange Fäden bis zum Boden.

Severus rümpfte die Nase.

„Deine Arbeit an diesem Auftrag ist beendet. Du kannst gehen.“

Diese Art von Verabschiedung war Severus bekannt. Er hatte sie nie am eigenen Leib erfahren, wusste aber, dass das Disapparieren aus der Mitte des vollständigen Kreises eine der schmerzhaftesten Angelegenheiten war, die der Lord sich jemals ausgedacht hatte. Dennoch nickte Avery und ließ sich kein Zögern anmerken. Kurz darauf war er verschwunden und nur der Ansatz eines Schreis hallte über den menschenleeren Friedhof.

„Ich erwarte“, wandte der Lord sich dann wieder an Severus, „dass du bald Bericht erstatten kannst. Lass den Jungen wissen, was er wissen muss. Ich werde dafür sorgen, dass Black zur rechten Zeit im Ministerium ist.“

Zuerst neigte Severus einverstanden den Kopf, dann allerdings witterte er die Falle dahinter. „Meister“, wandte er deswegen ein und verbeugte sich.

„Ja?“

„Möglicherweise wäre es sicherer, wenn Black nicht im Ministerium auftaucht. Er ist zu allem bereit, wenn es darum geht, Potters Leben zu retten.“ Er redete sich um Kopf und Kragen, rutschte immer mehr auf die Seite der Todesser, ließ die Grenze hinter sich. So explizit, wie er den Plan hier ausbaute, musste er nachher einiges anstellen, um Potter heil wieder aus der Sache herauszubekommen. Albus würde das gar nicht gefallen.

Und doch gab es keinen anderen Weg, wenn er das Vertrauen des Lords behalten wollte.

„Das ist in der Tat eine gute Überlegung. Ich werde darüber nachdenken. Sorge du nur dafür, dass Potter die Informationen bekommt.“

„Gewiss, Herr.“ Erneut verbeugte er sich.

Kurz darauf beendete der Dunkle Lord das Treffen und Severus war froh, den Friedhof verlassen zu können. Den Trank konnte er zwar vergessen und an diesem Abend war nicht mehr daran zu denken, einen neuen anzusetzen. Doch er hatte die Versammlung hinter sich gebracht, ohne selbst das Opfer des Cruciatus zu werden. Und er hatte Avery leiden sehen, was definitiv eine gewisse Genugtuung mit sich brachte.

Und, so stellte er wenig später fest, als er an der Grenze von Hogwarts auftauchte, er hatte Granger mitten in der Nacht außerhalb des Bettes erwischt. Mit einem zufriedenen Grinsen führte er den Zauber aus, den auch sie zweifellos verwendet hatte. Ihre Augen wurden groß, als sie eins und eins zusammenzählte. Kurz darauf war sie vom Turmfenster verschwunden.

Severus beendete seinen Zauber und machte sich auf den Weg über die Ländereien. Er könnte jetzt sofort zu Albus gehen, doch dann müsste er auch detailliert von dem Treffen berichten. Deswegen beschloss er, Granger noch eine Nacht voller Angst zu gönnen.



- zu Kapitel 3 -
oder: 'Sie ist was?'


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zu dieser Szene: Ich weiß nicht, ob dieses Gespräch von irgendjemandem vorgeschlagen wurde, aber ich fand es allein schon wegen Severus‘ Reaktion so reizvoll, dass ich nicht anders konnte. ;)


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- kurz nachdem Dumbledore Hermine in den Orden aufgenommen hat (Kapitel 3)


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Mit missmutiger Miene streifte Severus über das Gelände. Der Tag hatte wirklich gut angefangen. Erst ein kurzer Hinweis an Albus, dass Granger nach Ausgangssperre im Schloss unterwegs gewesen war, und dann die Erstklässler von Rawenclaw und Hufflepuff zum Quälen. Er hatte wirklich geglaubt, dass er heute mit einigermaßen guter Laune ins Bett gehen würde.

Doch das Blatt hatte sich gewendet, als er sich daran erinnert hatte, dass der Kelch mit der Pausenaufsicht heute bei ihm hängengeblieben war. Minerva hatte sich feixend gefreut, dass sie bei der Hitze im kühlen Schloss bleiben konnte. Nonsens!

Jedoch, mit hinter dem Rücken verschränkten Armen musste er zugeben, dass es heute wirklich warm war. Der Sommer war nicht mehr weit, auch wenn es nach dem Kalender noch Frühling war. Es kamen heiße Monate auf sie zu und er bereute es einmal mehr, sich vor so vielen Jahren für schwarze Kleidung entschieden zu haben.

Die Schüler aus sämtlichen Jahrgängen tollten über das Gelände, verstummten jedoch, sobald er in ihre Nähe kam. Hausaufgaben verschwanden in den Taschen und verräterische Gespräche wurden abrupt beendet. Natürlich ließ er es sich dennoch nicht nehmen, hier und da ein wenig Unruhe zu stiften: „Miss Sinclair, Hausaufgaben sind dazu da, um sie am Nachmittag nach dem Unterricht zu machen und nicht in den letzten fünf Minuten vor dem Unterricht. Zehn Punkte von Hufflepuff!“

Das Mädchen mit den strohblonden Haaren lief rot an und einige Pergamentrollen plumpsten hinter ihr zu Boden. „Entschuldigen Sie, Professor Snape“, murmelte sie geflissentlich und begegnete den verlegenen Blicken ihrer Klassenkameraden, ehe sie umständlich nach ihren Sachen angelte.

Severus schenkte ihr nicht mehr als einen letzten mahnenden Blick, ehe er sich abwandte und den Weg zum See einschlug. Erfahrungsgemäß fanden sich dort die meisten Schüler, bei denen man Punkte abziehen konnte. Diese lästigen Individuen, die das Schloss zuhauf bevölkerten, hatten inzwischen mitbekommen, dass viele seiner Kollegen zu faul waren, den Abhang zum See hinabzusteigen, nur um für Ordnung zu sorgen.

Auf halbem Weg wurde er allerdings von Albus eingeholt, der mit großen Schritten und einem luftigen, butterblumgelben Umhang gekleidet aus dem Schloss kam. Severus verbot sich ein Seufzen, das nicht nur mit dem recht eigenwilligen Kleidungsstil zu tun hatte. Er war bisher noch nicht dazu gekommen, dem Direktor vom Treffen am Abend zuvor zu berichten. Gleichzeitig war er gespannt zu hören, was dieser mit Granger angestellt hatte.

„Ich freue mich zu sehen, dass du das schöne Wetter genießt, Severus“, begrüßte der weißhaarige Mann ihn und drosselte seine Geschwindigkeit, so dass sie nebeneinander her gehen konnten.

„Ob es ein Genuss ist, sei dahingestellt“, erwiderte Severus und verzog das Gesicht.

Albus ging nicht näher darauf ein, sondern zückte den Zauberstab, um sie mit einem Illusionszauber zu belegen. Die Schüler würden sie nun zwar sehen, jedoch nicht bemerken, dass sie sich unterhielten. „Was gibt es Neues?“, fragte er dann gezielt und verschränkte die Arme auf ähnliche Weise hinter dem Rücken wie Severus.

„Nichts Gutes. Avery hatte den Auftrag, die Prophezeiung aus der Mysteriumsabteilung zu besorgen.“

Albus ließ ein sehr amüsiertes Schnauben hören. „Welchen er natürlich nicht erfüllen konnte.“

„Natürlich nicht. Er war schon immer zu voreilig. Kein Sinn für ausreichende Recherche.“ Severus hielt seine Blicke konsequent auf die Schüler gerichtet. Er war sich nicht sicher, was Albus von den neusten Entwicklungen halten würde. Zweifellos hatten sie nun eine gewisse Gewalt über den Lord und dessen Pläne um die Prophezeiung. Doch das änderte nichts daran, dass Potter neuerlich die Aufmerksamkeit auf sich gezogen hatte – noch mehr als sonst.

„Was plant Voldemort nun?“

Severus gab ein knurrendes Geräusch von sich. „Er hat mich getestet.“ Es war sicherlich nicht falsch, die Dinge ein bisschen zu seinen Gunsten auszulegen.

„Inwiefern?“

„Er verlangte einen neuen Plan und ich schlug ihm vor, Black als Köder zu nutzen, um Potter ins Ministerium zu bekommen. Das Ganze ist so simpel, dass es auffällig gewesen wäre, wenn ich es nicht vorgeschlagen hätte.“ Nun glitten seine Blicke flüchtig zu den blauen Augen des Mannes neben ihm. Er ließ sich nicht anmerken, was er von diesen Entwicklungen hielt.

„Das war leichtsinnig“, sagte er dann allerdings.

„Das war es, in der Tat. Aber ich hatte keine andere Wahl. Der Lord schließt mich nach wie vor von den wichtigen Geschehnissen aus. Dass Avery versagte, war ein Zufall, den ich nicht ungenutzt lassen konnte.“ Sie bogen um einen Ausbau des Schlosses und der See kam ins Blickfeld. Einige Schüler hatten sich Schuhe und Socken ausgezogen und wateten am flachen Ufer entlang, andere ließen sich die Fußsohlen vom Kraken kitzeln.

„Wie auch immer“, fuhr Albus mit ernster Miene fort, „unter diesen Umständen ist es noch wichtiger, dass Harry Okklumentik lernt. Wie geht es voran mit dem Unterricht?“

Severus grunzte. „Überhaupt nicht. Der Junge stellt sich an, als hätte er noch niemals versucht, seine Gedanken zu selektieren. Ich habe selten einen so unorganisierten, labilen und schwachen Verstand wie den seinen gesehen. Wenn der Lord die Verbindung zu verstehen beginnt, haben wir ein Problem.“

„Dann solltest du dafür sorgen, dass Harry es vorher lernt.“

„Möglicherweise solltest du ihn unterrichten. Er vertraut mir nicht und meine Meinung über ihn ist ebenso wenig hilfreich. Das sind nicht die besten Voraussetzungen für Okklumentik.“

„Ganz im Gegenteil. Eben weil er dir nicht vertraut, sollte es ein Anreiz sein, seinen Verstand zu verschließen.“

Ein weiteres Schnauben erklang. „Potter denkt nicht in diesen Bahnen.“

Albus schmunzelte. „Er ist ein Teenager, Severus. Erwarte nicht zu viel von ihm. Erinnere dich daran, wie es war, als du Okklumentik lerntest.“ Einige weise Blicke streiften den Tränkemeister und er verzog neuerlich das Gesicht. Er hasste es wirklich, wenn Albus auf diese Tour kam.

„Ich habe mich niemals so ungeschickt angestellt“, beharrte er deswegen und das stimmte auch. Albus war es gewesen, der ihm Okklumentik gelehrt hatte, und Severus hatte genug Erinnerungen gehabt, die er dem Direktor um keinen Preis hatte zeigen wollen. Es war eine Sache von zwei Wochen gewesen, bis er es beherrscht hatte. Nach zwei Monaten war er Meister gewesen.

Harry Potter hingegen eierte schon seit drei Monaten herum und schaffte es nicht einmal, ruhig zu bleiben, wenn Severus ein paar heikle Erinnerungen hervor zerrte. Severus konnte nicht leugnen, dass der Junge Schlimmes bei seiner Tante und seinem Onkel erlebt hatte, doch es hätte ihn stärker machen sollen. Stattdessen verging er in Selbstmitleid und das ließ das Ansehen in Severus‘ Augen nicht gerade steigen. Sie befanden sich im Krieg. Sie hatten keine Zeit für die Mitleidsnummer.

Ehe Albus etwas zu seiner halbherzigen Antwort sagen konnte, setzte Severus hinzu: „Hast du mittlerweile mit Miss Granger gesprochen?“

Der Direktor nickte auf diese Art, die Severus sofort skeptisch werden ließ. „In der Tat, das habe ich.“

„Ich hoffe für dich, dass dieses Mal einige Punkte fällig geworden sind.“ Es war nicht so, dass er Albus wirklich drohen könnte. Aber es war immer gut, dem alten Mann deutlich zu machen, dass seine Laune dabei war, noch tiefer zu sinken.

„Ich muss dich enttäuschen, Severus. Miss Granger hatte einige sehr schlagkräftige Argumente vorzubringen.“

„Und das heißt?“ Mittlerweile waren sie beim See angelangt und Severus sah aus dem Augenwinkel, wie sich ein Arm des Krankens unbemerkt um den Knöchel eines Drittklässlers aus Rawenclaw wickelte. Noch bevor der Junge schreien konnte, hatte Severus seinen Zauberstab gezückt und den Kraken daran erinnert, dass Schüler nicht auf seinem Speiseplan standen. Unter normalen Umständen hätte er auch den Schüler daran erinnert, dass es absolut dämlich war, den Kraken dermaßen in Versuchung zu führen. Doch Albus‘ Antwort hielt ihn davon ab.

„Sie ist nun Mitglied des Ordens. Und sie wird ein Auge auf dich haben.“

Severus‘ Miene erstarrte und sein Kopf ruckte zum Direktor herum. „Sie ist was?“, fragte er mit mühsam beherrschter Stimme.

„Ordensmitglied, mein Lieber.“

Severus verkniff es sich, darauf zu antworten. Alles, was ihm in den Sinn kam, konnte nicht einmal mehr bei großzügiger Betrachtung in die Kategorie ‚höflich, aber empört‘ sortiert werden. Stattdessen kniff er die Lippen zu einem so schmalen Strich zusammen, dass er sogar Minerva Konkurrenz gemacht hätte.

„Oh, nun hör schon auf, mich so anzusehen.“ Der Direktor machte eine wegwischende Bewegung mit der Hand.

„Sie ist sechzehn“, ging Severus nicht darauf ein.

„Du wirst mir sicherlich zustimmen, dass ihre geistige Reife ein sehr viel höheres Niveau hat.“

„Sie ist Schülerin.“

„Eine durchaus talentierte, in der Tat. Ich bin mir sicher, dass sie es problemlos mit Schülern aus dem siebten Jahrgang aufnehmen könnte.“

„Sie ist unerfahren.“ Er wurde nicht müde, sämtliche Gegenargumente aufzuzählen, die ihm in den Sinn kamen. Und das waren noch so einige, obwohl er nicht einmal die persönliche Abneigung dazu gezählt hatte.

„Miss Granger hat auch lediglich die Aufgabe, sicher zu stellen, dass du wohlbehalten vom Apparierpunkt ins Schloss gelangst. Sie agiert nur auf dem Schlossgelände und sie wird nicht an den offiziellen Treffen teilnehmen.“

Zumindest der letzte Punkt sollte ihn besänftigen. Doch angesichts der Tatsache, dass er das Opfer ihrer Hartnäckigkeit und Aufdringlichkeit war, fiel es kaum ins Gewicht. „Herrgott, Albus! Du solltest sie mir vom Hals schaffen und ihr nicht den Weg für ihre nervtötende Art ebnen.“

„Dann hättest du sie selbst zurechtweisen und nicht zu mir schicken sollen. Manchmal, Severus, ist es eben doch sinnvoller, wenn du dich auch mit Schülern aus Minervas Haus alleine auseinandersetzt, die nicht Harry Potter oder Ronald Weasley heißen.“ Der alte Mann zwinkerte und fügte abschließend hinzu: „Finde dich damit ab, dass sie dich an den heiklen Abenden beobachten wird. Und bemühe dich, Harry Okklumentik beizubringen. Ich erwarte dich heute Abend zu einem Gläschen Wein, um den Plan Voldemorts und unsere Antwort darauf genauer zu besprechen.“ Dann löste er den Illusionszauber auf und wandte sich so schnell wieder dem Schloss zu, dass Severus mit all seiner aufgestauten Wut alleine am See stehen blieb.

Die Zaubertrankklasse am Nachmittag – Gryffindor und Slytherin des sechsten Jahrganges – hatte wahrlich nichts zu lachen.



- zu Kapitel 5 -
oder: 'Potter hatte es verpatzt.'


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zu dieser Szene: Ich denke mal, es wird nicht wenige verwirrt haben, dass der zweite Abend von Hermines Strafarbeit eine derartige Kehrtwende machte. Deswegen habe ich gedacht, ich beleuchte Severus‘ Überlegungen dazu ein bisschen genauer. :)

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- nachdem Hermine am ersten Abend ihrer Strafarbeit Snapes Handel ausgeschlagen hat (Kapitel 5)

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Kaum hatte Granger die Tür zu seinem Büro hinter sich zugezogen, griff Severus nach dem Tintenfass und warf es wutentbrannt gegen die gegenüberliegende Wand. Die dunkelblaue Flüssigkeit hinterließ einen abstrakten Fleck an der Steinwand und zog lange Streifen, als sie daran hinablief. Er beobachtete es ein paar Momente, dann schloss er die Augen, atmete tief durch und drehte den Kopf leicht, um seine Nackenmuskeln zu entspannen.

Was hatte er erwartet? Granger hatte bewiesen, dass sie wild entschlossen war, ihren Auftrag zu erfüllen. Severus schnaubte. Er hatte gehofft, dass sie im Laufe dieses Abends darum betteln würde, die Strafarbeit fallen und ihn endlich in Ruhe zu lassen. Stattdessen hatte sie sich beinahe in die Blindheit manövriert und ihn in die Verlegenheit gebracht, sich die Zähne an einer Schülerin auszubeißen.

Ooh, er hasste dieses Gör ja so sehr!

Und gleichzeitig war sie diejenige, die bald wirklich nützlich für ihn sein würde. Potter hatte es verpatzt. Er konnte sich nicht darauf verlassen, dass der Plan des Lords schief gehen würde, denn Okklumentik beherrschte der dumme Junge noch immer nicht. Er würde diese falschen Bilder von Black im Ministerium sehen und blindlings in die Falle tappen. Severus musste einen anderen Weg finden, ihn von dort fernzuhalten. Er würde sonst Albus und den Auroren des Ministeriums im Wege stehen, wenn der Lord sich selbst dorthin bequemte.

Wenn… Es gab eindeutig zu viele Wenns in diesem Plan.

Severus fuhr sich mit den Händen durch die Haare und stand auf. Er würde Granger morgen warnen und ihr sagen, dass sie Potter um jeden Preis im Schloss halten sollte. Sie war entschlossen, etwas für den Orden zu tun, das hatte ihre Reaktion auf seinen Handel eben gezeigt. Hoffentlich war sie auch gewillt, sich gegen ihre Freunde zu stellen.

Mit Hilfe seines Zauberstabes fügte er die am Boden liegenden Scherben wieder zu einem heilen Glasfässchen zusammen und saugte die Tinte hinein. Dann stellte er es auf seinen Schreibtisch zurück und stützte sich mit den Händen auf der Lehne des Besucherstuhls ab. Der Stoff unter seinen Fingern war noch warm.

Es kam einer Kapitulation gleich, sich dies einzugestehen, doch vorhin hatte ihn tatsächlich leichte Angst überfallen. Was hätte Granger getan, wenn er nicht ins Labor gegangen wäre? Wäre sie mit ihrem Auge zu ihm gekommen, nachdem sie sich ausreichend übergeben hatte? Oder wäre sie aus reinem Trotz dort geblieben und hätte ihr Augenlicht riskiert? War das Spiel zwischen ihnen wirklich so hart, dass sie eine solche Entscheidung traf, nur um vor ihm keine Schwäche zu zeigen?

Nachdem der Stuhl soweit abgekühlt war, dass sich auch die letzten Spuren von Grangers Anwesenheit verflüchtigt hatten, zog Severus sich seinen Umhang aus und warf ihn achtlos auf seinen eigenen Stuhl hinter dem Schreibtisch. Er befand sich momentan in einer Situation, in der ihm die Kontrolle zunehmend entglitt. Der Lord vertraute ihm einigermaßen, er wusste grob Bescheid. Doch er war nicht in der Position, die Pläne unauffällig zu beeinflussen. Potter hatte Informationen von ihm und vom Lord selbst bekommen, die ihn zweifellos ins Ministerium treiben würden. In die Mysteriumsabetilung, um genauer zu sein. Aber Severus hatte es nicht geschafft, ihn mit ausreichend Rationalität und Wissen um Legilimentik und Okklumentik zu versorgen, dass er mit diesen Informationen umgehen konnte. Er hatte versagt und musste hoffen, dass Granger ihn retten würde.

Diese Erkenntnis ließ ihn die Hände zu Fäusten ballen und mit harten Schritten ins Wohnzimmer gehen. Dort angekommen, wandte er sich dem schmalen Schrank zu und zog ein Glas und eine Flasche Feuerwhisky hervor. Morgen früh hatte er nur die Erstklässler zu beschäftigen. Dafür brauchte er keine großartige Konzentration.