Inter Spem Et Metum: Zwischen Hoffnung und Furcht


von WatchersGoddess



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Fanart zur Story


Kapitel 49 - 60



***

I know I’ve been a liar

and I know I’ve been a fool.

I hope we didn’t break it

but I’m glad we broke the rules.


(Damien Rice – The animals were gone)


***


Kapitel 49 – Geburtstagstänze – Teil 1


In den Tagen nachdem Harry die Macht Professor Dumbledores erhalten hatte, bekam Hermine einmal mehr das Gefühl, dass das Leben nur aus Etappen bestand, die entweder rasend schnell oder entsetzlich langsam vergingen. Diese zog sich wie ein zäher Kaugummi.

Harry war damit beschäftigt, die neue Kraft in sich irgendwie unter Kontrolle zu bekommen. Es passierte mehr als einmal, dass er die merkwürdigsten Dinge im Unterricht anstellte (zum Beispiel schaffte er es einmal, den ganzen Klassenraum auf den Kopf zu stellen, so dass sie mit den Füßen an der Decke klebten und sämtliche Gegenstände auf den Tischen zu Boden fielen, weil diese den Kopfstand ebenfalls mitmachten. Einzig Professor McGonagall fand das Ganze nicht im Mindesten amüsant, sondern beendete den Zauber recht resolut) und die Lehrer hatten ihre liebe Not, aufkommende Fragen zu beruhigen. Sofern sie nicht selbst zu den Fragenden gehörten, denn bei Weitem nicht alle waren eingeweiht.

Ron beobachtete alles aus der Distanz (oder halt von der Decke aus) und Hermine zwang sich oftmals, zu ihm zu gehen und ihm zu zeigen, dass er nach wie vor dazugehörte. Sofern sie das überhaupt noch beurteilen konnte; sie wusste ja noch nicht mal, ob sie noch dazu gehörte.

Doch er war ihr dankbar für diese Gesten und sie lenkten sich gegenseitig ab. Ron von der Tatsache, dass er auch nach seinem Einsatz im Kampf gegen Voldemort nicht aus Harrys Schatten herausgetreten war und dies vermutlich auch nie tun würde. Hermine von dem Warten auf eine Nachricht von Snape.

Sekunden, Minuten, Stunden, Tage zogen vorbei und sie bekam nicht einmal einen Zipfel seiner Robe zu sehen. Ihre Konzentration schwand zusehends und zum ersten Mal war Lernen für sie wirkliche Arbeit. Das Wissen speicherte sich nicht mehr im Vorbeigehen und sie musste darum kämpfen, sich die leichtesten Dinge zu merken. Madam Pince sah sie in dieser Zeit oft mahnend an, wenn sie ein weiteres Mal frustriert und viel zu laut aufstöhnte.

Und kein einziges Stöhnen machte irgendetwas besser. Snape blieb wie vom Erdboden verschluckt und ihr Respekt vor seiner Person war zu groß, als dass sie sich freiwillig über seine Bitte hinwegsetzen würde. Sie kam nicht einmal in die Nähe der Kerker, auch wenn das die härteste Prüfung überhaupt war. Hermine ertrug auch diese und war gewillt, sie mit Bravour zu bestehen.


***


Harry, lass den Zauberstab liegen!“

Rons Stimme klang panisch, als sein bester Freund nach eben diesem Gerät griff, um sich einen Korb mit Toast heranzuholen. Mit hochgezogenen Augenbrauen musterte der Dunkelhaarige die Haltung Rons und seufzte schließlich ergeben. Hermine betrachtete es halb amüsiert, halb Rons Meinung.

Irgendwie muss ich doch lernen, mit dem Kram umzugehen“, empörte er sich und stöhnte resignierend auf.

Das wirst du auch. Aber bitte nicht beim Frühstück. Ich denke, der Großteil der Anwesenden würde die nächste halbe Stunde gerne überleben“, wandte Hermine mit leicht ironischem Unterton ein und lächelte schief.

Sei froh, dass du heute Geburtstag hast...“, drohte er mit dramatisch verengten Augen und sie grinste.

Ich liebe diesen Tag, ehrlich.“

Harry schien etwas darauf erwidern zu wollen, doch in diesem Moment begann es über ihren Köpfen laut zu rauschen und eine graue Wolke aus Posteulen senkte sich aus dem schwer mit Wolken verhangenen Himmel über die Große Halle. Es gab wildes Kreischen, großen Tumult und in vielen Gläsern und Tassen landeten mehr oder weniger große Federn; Ron bekam eine dunkelbraune Schwungfeder ab.

Super“, knirschte er und fischte das Ungetüm aus seinem Kürbissaft. Mit einem angewiderten Blick warf er die Feder hinter sich auf den Boden und verdrehte die Augen.

Hermine wandte den Blick von dieser Szene ab, als ein Brief vor ihr auf dem Tisch landete. Sie war froh, dass sie ihr Frühstück bereits beendet hatte, denn auf dem Teller hatte vor drei Minuten noch eine mit reichlich Marmelade beschmierte Scheibe Toast gelegen.

Sie griff nach dem Umschlag und versuchte herauszufinden, von wem er sein mochte. Ihre Geburtstagspost hatte sie bereits am Morgen in ihrem Zimmer bekommen. Von Snape war nichts dabei gewesen und sie versuchte den schmerzhaften Stich zu ignorieren, den sie dabei verspürte.

Nichtsdestotrotz hatte sie Hoffnung, dass sich sein fehlendes Interesse nun geben würde und ihr Herz tat gleich mehrere aufgeregte Schläge, als sie wirklich seine fein geschwungene Handschrift auf dem Pergament erblickte.

Ihre Augen wanderten einmal durch die Halle. Sie wollte sich vergewissern, dass niemand sie beobachtete und womöglich bemerkte, dass sie Post von Snape bekam. Es war wirklich unglaublich, wie unvorsichtig er war. Als ob es so schwer gewesen wäre, den Brief schon heute morgen zu schicken!

Schließlich wandte sie sich wieder dem Pergament zu und als sie auch das untere Drittel aufklappte, stellte sie enttäuscht fest, dass es eher eine kurze Notiz als ein wirklicher Brief war.

Komm heute Abend um Acht zum Apparierpunkt und zieh dir etwas Hübsches an!

Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag.‘

Ihre Augenbrauen hoben sich überrascht. Er wollte mit ihr ausgehen?

Ich habe ein Date? Mit Severus Snape?

An diesem Punkt begann sie dümmlich zu grinsen und steckte das Pergament vorsichtig in ihren Umhang. Ja, sie liebte diesen Tag wirklich!


***


Dennoch hatte irgendjemand beschlossen, dass sie an ihrem achtzehnten Geburtstag kein schönes Wetter verdient hatte. Und irgendwie musste Hermine diesem Jemand sogar zustimmen. Sie war ein sehr böses Mädchen gewesen im vergangenen Jahr. Und sie bereute nichts. Mal abgesehen von den Dingen, die sie beim Endkampf getan hatte.

Habe tun müssen!

Resolut schob sie diese Gedanken ganz weit von sich.

Deswegen konnte ihr kein Grollen und kein Blitzen, kein Rauschen und keine trübe Dunkelheit die gute Laune vermiesen, die sie an diesem Tag durch den Unterricht begleitete. Ihre mündliche Beteiligung erreichte ihre alte Hochform zurück, was Professor McGonagall mit einem zufriedenen Lächeln zur Kenntnis nahm. Harry und Ron versuchten den ganzen Tag über, eine triftige Erklärung für ihre plötzliche gute Laune zu finden, die bestenfalls nichts mit Snape zu tun hatte. Hermine vermutete, dass sie den wahren Grund schlichtweg ignorierten, in der Hoffnung, er würde einfach so verschwinden. Als ob diese Einstellung schon jemals funktioniert hätte.

Einzig Ginnys Augen begannen begeistert zu leuchten, als Harry ihr von dem geheimnisvollen Brief berichtete. „Heute Abend in deinem Zimmer?“, fragte Ginny ohne auf Harrys Umarmung zu achten und Hermine nickte begeistert. Sie mochte es, zusammen mit Ginny ein Kleid für solche Gelegenheiten auszusuchen; sie hatten es schon damals beim Weihnachtsball zum Trimagischen Turnier so gemacht.

Doch heute Abend musste sie sich noch so viel mehr ins Zeug legen, als sie es damals schon getan hatte. Sie wollte Snape den Atem rauben.


***


Was meinst du, was er mit dir machen wird?“ Ginnys Stimme klang gedämpft und sie nuschelte leicht, hatte sie sich doch mehrere fiepsende Haarnadeln zwischen die Lippen geklemmt und versuchte mühsam, die sich windenden Metallstücke unter Kontrolle zu bekommen, während sie Hermines Mähne zu einer eleganten Hochsteckfrisur formte. Natürlich tat sie dies nicht ohne die Unterstützung ihres Zauberstabes.

Ich weiß es nicht“, antwortete Hermine nervös und ihre schweißnassen Hände strichen noch einmal an dem weichen Stoff ihres Kleides entlang. Sie hatte sich für ein schwarzes, bodenlanges Gewand entschieden, das unter ihrer Brust eng geschnürt war und am Dekolleté einen feinen Spitzenbesatz hatte. Ärmellos wie es war, würde sie später eine kurze Jacke darüber tragen und für diesen Abend gänzlich das gewöhnliche Aussehen der Hexen ablegen.

Ist das aufregend!“, quietschte Ginny hinter ihr und ließ sämtliche Strähnen fallen, die sie zuvor noch fest in der Hand gehabt hatte. Unverständliches Fluchen folgte und Hermine begann mit ihren Fingern zu spielen.

Wenn ich das bloß nicht so spüren würde“, nuschelte die Ältere und kaute auf ihrer Unterlippe herum.

Hermine, lass deine Lippen in Ruhe! Denk an den Lippenstift!“, ermahnte Ginny ihre beste Freundin und Hermine überging die Tatsache, dass sie wusste, was sie tat, auch ohne dass sie vor einem Spiegel saß.

„‘Tschuldigung.“

Schweigend ging Ginny daraufhin ihrer Aufgabe nach, suchte sich die Strähnen wieder zusammen und eine Viertelstunde später hatten Hermines lockige Haare die gebändigte Form einer verspielten Frisur angenommen. Mehrere Strähnen kräuselten sich um ihr Gesicht herum und Ginny betrachtete sie nachdenklich.

Sollte gehen“, befand sie dann und Hermines Augen weiteten sich panisch, während die Haarnadeln empört aufquietschten.

Diese Angewohnheit könnte noch sehr bedenklich werden.

„‚Sollte gehen‘ ist nicht genug, Ginny!“, rief Hermine jedoch, anstatt auf die Haarnadeln einzugehen, und lief hastig ins Bad, um ihr Aussehen skeptisch unter die Lupe zu nehmen. Sie konnte nicht leugnen, dass Ginny wirklich gute Arbeit geleistet hatte. Dennoch wischte sie hier und da an ihrem Make-up herum und hoffte, dass es nicht zu auffällig war.

Du siehst umwerfend aus, Hermine!“, beruhigte Ginny sie mit inzwischen leicht genervt klingender Stimme. „Ich frag mich bloß, wie du so hergerichtet ungesehen aus dem Schloss kommen willst.“

Tarnumhang“, kommentierte Hermine unbedacht und rubbelte auf einem Fleck an ihrem Kinn herum.

Du hast einen Tarnumhang?“ Ginny kiekste aufgeregt.

Severus hat ihn mir gegeben. Guck mal, ist das hier ein Pickel?“ Sie streckte ihrer Freundin ihr Kinn entgegen und deutete mit dem Finger darauf, während Ginnys Augen aufgeregt hüpften.

Die Angesprochene wischte Hermines Hand zur Seite und verdrehte die Augen. „Nein, das ist ein Schatten! Und wenn du endlich aufhören würdest, daran herumzuwischen, dann würde es auch nicht rot anlaufen.“

Daraufhin lief Hermines gesamtes Gesicht rot an und sie wimmerte verzweifelt. „Ich werde mich blamieren, Ginny... Ich seh‘ es schon kommen.“ Sie wandte sich wieder zum Spiegel um und unterzog ihre Augen einer weiteren genauen Musterung.

Wirst du nicht! Außer du stehst noch lange da rum und guckst dich an. Du solltest dich beeilen!“ Die Rothaarige deutete auf die Uhr in Hermines Zimmer und für einen Moment glaubte Hermine, ihr Herz würde stehen bleiben. Ganz im Gegensatz zum Sekundenzeiger, der sich amüsiert verbog und ihr eine lange Nase machte.

Warum sagst du das erst jetzt, du Wahnsinnige?“, polterte sie hysterisch und stürzte zu ihrem Schrank. Keine zehn Sekunden später hatte sie einen Schweigezauber auf die Haarnadeln gelegt und war unter dem Tarnumhang verschwunden. Ginny bemerkte ihren Aufbruch nur durch die Tür, die aufgerissen und danach laut ins Schloss geworfen wurde.


***


Hermines Gesicht brannte vor Aufregung und Anstrengung, als sie mit ihren zierlichen Sandalen über den unebenen Boden des Geländes lief. Sie konnte Snape bereits am Apparierpunkt stehen sehen. Irgendwie hatte seine schwarze Silhouette etwas Nostalgisches an sich. Vor allem angesichts der Tatsache, dass sie ihn niemals wieder von einem der Treffen würde abholen müssen.

Direkt vor ihm stehend zog sie sich den Umhang vom Körper und sah mit einem leichten Kopfschütteln, dass er milde lächelte. „Ich kann dich nicht erschrecken, hm?“, fragte sie leise und neigte den Kopf zur Seite. Es tat unglaublich gut, ihn endlich zu sehen, ihn im Grunde sogar berühren zu können.

Verdammt, dieser zynische Bastard hat mir echt gefehlt!

Er schüttelte seinen Kopf und antwortete: „Erschrecken nicht. Aber erstaunen immer wieder. Du siehst umwerfend aus.“

Hermine errötete und machte einen kleinen Knicks. Dabei glitten ihre Blicke an seiner Gestalt hinab und sie sah, dass er seine schlichten schwarzen Umhänge getauscht hatte – durch etwas raffiniertere schwarze Umhänge. Sie musste sich ein Lachen verkneifen. „Danke, du auch – wie immer.“

Er hob eine Augenbraue und sah sie ernüchtert an, als er verstand, was sie meinte. „Es hat seinen Grund, warum der Mann für die Komplimente zuständig ist.“

Und der wäre?“

Er muss so seine kostbare Zeit nicht damit verschwenden, nach der geeigneten Robe zu suchen.“ Dann hielt er ihr seinen Arm hin, den Hermine amüsiert und mit einem nervösen Kribbeln ergriff. „Darf ich bitten?“, fragte er dabei förmlich.

Aber natürlich. Sonst verschwenden wir noch kostbare Zeit…“

Er funkelte sie auf eine Art und Weise an, die Hermine nicht gänzlich entschlüsseln konnte. Kurz darauf waren sie verschwunden.


***


Snape führte sie in ein kleines Lokal in einer Seitenstraße der Winkelgasse. Hermine sah sich mit großen Augen in dem niedlichen Restaurant um. Es hatte einen leicht dunklen Stil, wirkte dadurch aber nicht bedrohlich, sondern eher lauschig und beinahe romantisch. In der Mitte des Raumes war eine große Tanzfläche, auf der sich bereits jetzt einige Paare drehten. Um die Parkettfläche herum waren Tische in kleinen Nischen verteilt, die ein angenehmes Maß an Intimität und Ungestörtheit garantieren würden.

Mehrere förmlich gekleidete Kellner liefen durch die Gegend und ließen eine Flotte-Schreibe-Feder die Bestellungen der Gäste notieren. Hermine erinnerte sich an Harrys Ausführungen über dieses Utensil und fragte sich, wie viel diese Dinger hier dazudichten würden.

Schließlich wandte sich einer der Kellner auch ihnen zu, nahm Hermines Jacke und Snapes Umhang entgegen und geleitete sie zu ihrem Platz. Er legte zwei Speisekarten vor ihnen auf den Tisch und fragte mit nasal klingender Stimme: „Darf es schon etwas sein?“

Snape sah Hermine mit hochgezogenen Augenbrauen an und sie schnappte etwas nervös nach Luft. Was bestellte man denn, ohne auch nur einmal in die Karte gesehen zu haben? Wasser? Alkohol?

Hilfe?

Nein, vorerst nicht. Vielen Dank“, antwortete Snape schließlich und mit einem knappen Nicken verschwand der Kellner. Hermine atmete sichtlich auf.

Was Snape dazu veranlasste, sie amüsiert zu mustern. „Ich gehe davon aus, dass du noch nicht häufig in einem solchen Restaurant gewesen bist?“

Sie schüttelte den Kopf. Am liebsten hätte sie ihm gesagt, dass es weniger das Restaurant war, das sie nervös machte, als eher seine Anwesenheit. Sie wartete darauf, dass er ihr irgendein Zeichen gab, was nun mit ihnen war. Beinahe drei Wochen hatte sie nichts von ihm gehört und nun tat er so, als wäre nichts geschehen. „Aber es gefällt mir“, sagte sie schließlich und lächelte ihn ehrlich an.

Das hatte ich gehofft.“ Er öffnete seine Speisekarte und Hermine tat es ihm gleich.

Die Karte begann in leiser und gleichmäßiger Stimme aufzuzählen, was sie zu bieten hatte und verwies mehrere Male überdeutlich auf das Gericht des Tages: Kalbsroulade mit Rucola und Sonnenblumenbrot. Hermine kannte diese Eigenart der magischen Karten, doch sie war eher daran gewöhnt, dass Gerichte und Werbung so wild durcheinander geschrien wurden, dann sie meistens das erstbeste nahm, nur um die Karte rasch wieder schließen zu können. Es war eine wunderbare Abwechslung, sich die Auswahl so gemäßigt vortragen zu lassen.

Und es dauerte auch nicht lange, bis sie sich auf ein Gericht geeinigt hatten. Snape winkte den Kellner erneut heran und bestellte. „Und ich denke, wir nehmen einen passenden Rotwein dazu“, schloss er ab und die Feder kritzelte so aufgeregt vor sich hin, dass Hermine skeptisch den Kopf zur Seite legte.

Ich frage mich wirklich, was die alles notiert hat“, murmelte sie, ihre Blicke noch immer auf dem Kellner ruhend, nachdem dieser sich umgedreht hatte und gegangen war.

Alles“, antwortete Snape schlicht und lenkte ihre Blicke damit wieder auf sich.

Was meinst du damit?“

Er holte tief Luft und begann in einem Plauderton, den sie so bisher noch nie bei ihm gehört hatte: „Wie deine Haare aussehen, ob du mit der Auswahl zufrieden scheinst, was deine Hände tun, wohin deine Blicke gleiten...“

Hermine lief rot an. „Und... sie notiert sich nur Dinge über mich?“, hakte sie dann nach und es kostete sie Mühe, ihre Stimme ruhig zu halten.

Snape beugte sich ein wenig nach vorne und griff nach seinem Wasserglas. Sein Zeigefinger strich beinahe zärtlich über die glatte Oberfläche, während seine Blicke sie fixierten. „Wenn sie sich ausnahmsweise einmal auf das Wesentliche konzentriert...“

Ihr Mund wurde trocken und hastig langte sie ebenfalls nach ihrem Wasser, was Snape leise auflachen ließ. Hermine trank zwei große Schlucke und stellte das Glas dann zurück, ohne es loszulassen. Ihre Hände waren heiß und die Kühle des Glases hatte beinahe eine berauschende Wirkung. Wenn sie so aussah, wie sie sich fühlte, hätte Ginny sich die Arbeit mit Make-up und Frisur sparen können.

Was stimmt nicht?“, fragte Snape mit ernster Miene und stellte erst jetzt sein Glas wieder auf den Tisch.

Hermine seufzte verhalten. „Das alles... Versteh mich nicht falsch, Severus, es ist wundervoll. Aber es verwirrt mich.“ Sie machte eine Pause und sah ihn leicht zerknirscht an. „Beinahe drei Wochen lang lässt du nichts von dir hören. Ich habe mir Sorgen um dich gemacht, habe mir Vorwürfe gemacht, was ich dir angetan habe, indem ich diesen Schritt von dir verlangte. Und jetzt führst du mich einfach aus und tust so, als sei nichts gewesen. Mehr noch, als hättest du mich nie abgewiesen. Ich verstehe das nicht. Warum erst jetzt? Warum diese drei Wochen?“

Er verdrehte in einer theatralischen Geste die Augen und sagte dann: „Jetzt kann man mir wenigstens nicht mehr vorwerfen, ich würde mich auf eine Minderjährige einlassen.“ In seiner Stimme stand die entnervte Schärfe ihres Lehrers.

Hermine starrte ihn ungläubig an. „Das ist alles? Du lässt mich verdammte drei Wochen warten, weil ich nach Muggelrecht noch minderjährig war? Und das obwohl wir beide dem magischen Recht unterstehen, nach dem ich schon seit einem Jahr volljährig bin?“

Wenn er jetzt Ja sagt, gehe ich!

Er hielt ihrem verärgerten Blick einige Momente stand, dann senkte er den Kopf. „Nein.“

Auch dein Glück, mein Lieber!

Eine lange Pause entstand, in der er gründlich über eine Antwort nachdachte, schließlich jedoch resignierte und sagte: „Ich will dich, Hermine. Ich wollte dich, seitdem du mich damals beinahe auf den Ländereien hättest liegen lassen. Und ich will dich jetzt mehr denn je.“ Sie schluckte, während er leicht den Kopf schüttelte und spöttisch lächelte. „Ich hatte Recht mit der Vermutung, dass diese Macht eine Stimme der Vernunft war. Doch sie hielt mich nicht davon ab, dich zu hassen. Sie hielt mich davon ab, dich zu begehren, wie ich es niemals hätte tun dürfen. Ich habe die verdammten letzten drei Wochen versucht, mich daran zu erinnern, warum ich dem nicht nachgeben darf.“ Erneut eine Pause. „Ich weiß es noch immer nicht.“

Hermine atmete auf, ihr Herz schlug ihr bis zum Hals. Sie schluckte und blinzelte mühsam, um ihn nicht allzu offensichtlich anzustarren, dann lächelte sie ihn mit einem warmen Blick an. „Das war der beste Vortrag, den Sie je gehalten haben, Professor Snape“, sagte sie schließlich.

Ein verhaltenes Lächeln zerrte an seinen Mundwinkeln, das er jedoch angestrengt zu verbergen versuchte. „Lassen Sie das Schleimen, Miss Granger. Das zieht bei mir nicht.“ Er hob in bester Lehrerangewohnheit seine Augenbraue.

Ein warmes Rauschen von Sicherheit und Entspannung flutete durch Hermines Bauch. „Das ist kein Schleimen, Sir. Das habe ich nicht nötig“, erwiderte sie dann und als seine Augen schelmisch blitzten wusste sie, dass die stumpfsinnigen Regeln zwischen ihnen soweit aufgehoben waren, wie sie es unter Professor McGonagalls Nase wagen konnten.

Ein weiteres Mal wurde aus ‚Professor Snape‘ ‚Severus‘ – und Hermine plante nicht, an diesem Zustand allzu bald wieder etwas zu ändern.


***


Nach dem Essen saßen sie noch lange beieinander und unterhielten sich über so viele Dinge, dass Hermine schon bald nicht mehr alle hätte aufzählen können. Sie gelangten vom Zaubertrankunterricht zum Lehrkörper von Hogwarts, zum Orden des Phönix, zum Endkampf, zu den Tagen danach und wären sicherlich irgendwann bei den Dingen gelandet, die unausgesprochen zwischen ihnen schwebten, wenn Severus nicht beschlossen hätte, auf eine ihrer Äußerungen nicht mehr zu antworten.

Nichtsdestotrotz wartete Hermine auf eine Antwort und warf ihm über ihren Nachtisch hinweg immer wieder flüchtige Blicke zu, die er allerdings schlichtweg absorbierte, beinahe wie ein schwarzes Loch.

Gerade, als sie ihn erneut ansprechen wollte, fragte er: „Möchtest du tanzen?“

Er hielt ihr eine Hand hin und Hermines Blicke wanderten beinahe panisch zwischen der Tanzfläche und seinem Gesicht hin und her. Sie konnte nicht tanzen! Das, was sie mit Viktor Krum auf dem Weihnachtsball zustande gebracht hatte, war das Resultat nicht enden wollenden Unterrichts von Ginny gewesen. Und die Musik, die gerade lief, passte so gar nicht zu dieser speziellen Art Tanz.

Ich... ähm... kann nicht tanzen“, gab sie nach langen Sekunden sehr kleinlaut zu und Severus feixte.

Habe ich also endlich doch das Gebiet gefunden, auf dem du scheiterst“, murmelte er sichtlich zufrieden und Hermine sah ihn böse an. Das veranlasste ihn schließlich dazu, hinzuzufügen: „Oh, ich werde dich nicht auflaufen lassen. Ich werde führen!“

Und ehe sie es sich versah, hatte er sie bereits resolut zur Tanzfläche gezogen und mit nachdrücklichen Griffen in die Position gebracht, in der er sie brauchte. Hermine versteifte sich und starrte ihn an, einem hysterischen Anfall wirklich sehr nahe.

Folge mir einfach“, wies er sie leise an und seine schwarzen Augen lagen ruhig und sicher auf ihr. Hermine erschauderte unter diesen Blicken und hatte mehr als einmal Probleme, ihre Füße richtig zu setzen. „Und sei um Himmels Willen nicht so steif!“, fügte er dann noch hinzu und ruckelte mit seinem Arm mehrmals an ihrer Taille. Angestrengt entspannte Hermine sich und fragte sich im gleichen Moment, ob man sich wirklich angestrengt entspannen konnte. „Tanzen ist etwas Fließendes, Hermine. Man kann es nicht theoretisch lernen, egal wie viele Schritttabellen es vielleicht geben mag. Es kommt aus einem selbst. Es ist wie das Wissen, wann man einem Trank welche Zutat beifügen muss, wann genau er fertig ist, ohne auch nur einmal in die Anleitung zu sehen.“

Diese kleine Ansprache schaffte es tatsächlich, dass sie den unbewusst angehaltenen Atem entweichen ließ und weicher in seinen Armen wurde. „Ich hatte schon immer meine Probleme mit diesem ‚von-innen-heraus‘-Ding“, nuschelte sie verlegen, spürte aber im gleichen Moment zum ersten Mal bewusst seinen festen Griff auf ihrem Rücken. Die Wärme seiner Hand drang durch den dünnen Stoff ihres Kleides und ließ eine Gänsehaut ihren Rücken hinunterlaufen, die sich intensivierte, als seine Finger sich über das feine Material bewegten. Sie schloss für einen Moment die Augen und musste sich ein Stöhnen verkneifen.

Das sehe ich anders“, murmelte Severus mit einem wissenden Blick und ihr Mund öffnete sich zu einer Erwiderung, die allerdings irgendwo auf dem Weg vom Kopf zum Mund verschwand. Beinahe so, als hätte es sie nie gegeben.

Hermine ließ sich fallen in seinen Halt, folgte den Schritten, die er tat, ohne dass sie sich dessen bewusst war, und Severus lenkte sie hinüber in den hinteren Teil des Lokals. Hier war das Licht gedämpfter, die Geräusche von vorne waren nur leise zu hören und sie waren von kaum einer Stelle wirklich zu sehen.

Nur die Musik war nach wie vor gut zu hören und Hermine schloss erneut ihre Augen, ließ sich blind von ihm führen. Es war ein unglaubliches Gefühl, in diesem Einklang mit ihm zu tanzen. Es war wie das Klavierspielen in Scarborough und zugleich so viel intensiver, denn sie saßen nicht nur nebeneinander, sondern berührten sich an so vielen Stellen ihrer Körper.

Ein Summen setzte tief in ihrem Bauch an, was sie schließlich auch dazu veranlasste, ihre Hand aus seiner zu lösen und langsam seinen Arm hinaufzuwandern. Zögerlich blinzelte Hermine und beobachtete, wie Severus darauf reagieren würde. Er sah ausdruckslos auf sie hinab, schien nicht sonderlich begeistert, hielt sie jedoch auch von nichts ab.

Irgendwann kam sie auf seiner Schulter an und zog langsam auch ihren anderen Arm hinauf. Um nicht den Halt zu verlieren, fasste sie sich hinter seinem Kopf bei den Händen, kam ihm noch näher. Ein wunderbar herber, männlicher Geruch stieg ihr in die Nase, unter dem noch immer der zarte Sanddornduft lag.

Nachdem Hermine sicher war, dass er sie nicht abrupt von sich stoßen würde, lehnte sie ihre Stirn gegen seine Brust und atmete lang gezogen aus, als er seine Arme fest um ihre Taille schloss. Zärtlich drückte sie sich gegen das Hemd, das er an diesem Abend trug, drehte ihr Gesicht dann soweit herum, dass sie ihre Nase in seine Halsbeuge senken konnte und strich dort über die warme Haut.

Ein leises Seufzen entwich ihrem halb geöffnetem Mund und ihre Hände lösten sich voneinander. Eine wanderte zu seiner Schulter zurück und legte sich auf seinen Oberarm. Sie konnte seine Muskeln durch das Hemd spüren, wie sie sich rhythmisch anspannten und wieder locker wurden, und das Summen intensivierte sich.

Ihre andere Hand legte sich in seinen Nacken, so dass sie sich ein Stück zu ihm hinaufziehen konnte. Ihr Nasenrücken stieß gegen sein Kinn und Hermine blinzelte träge, drehte ihren Kopf allerdings dann doch wieder so, dass sie einen weiteren Atemzug seines Duftes aufnehmen konnte.

Sie war umgeben von seiner Wärme und dem Halt, den er ihr nach langer Zeit endlich ohne zu zögern gab. Dass sie sich in einem öffentlichen Restaurant befanden, hatte sie schon beinahe vergessen. Sie bewegte sich einfach nach seinen Schritten und griff noch ein Stück weiter um seinen Hals herum, zog ihn noch dichter an sich. Ihre Lippen schnappten kurz nach seinem Ohrläppchen und Severus geriet kurzzeitig aus dem Rhythmus. Hermine lächelte, als sie ihn ganz leise stöhnen hörte.

Liebe mich, Severus“, flüsterte sie schließlich aus einem Impuls heraus und ihre Worte waren nicht mehr als ein warmer Hauch, eine sehnliche Bitte. Sie spürte ihn unter sich erzittern und schlang schließlich auch ihren anderen Arm um seinen Hals. Ganz fest zog sie ihn an sich heran und schließlich hielten sie inne. So dicht, wie sie beieinander standen, war es nicht mehr möglich zu tanzen.

Severus schluckte vernehmlich und atmete einmal tief durch. Hermines Herz schlug so laut, dass sie meinte, er müsse es hören. Dann flüsterte er auf die gleiche Art wie sie: „Das tue ich doch schon so lange...“

Hermine schluchzte trocken auf und küsste seinen Hals. Sie war außerstande zu beschreiben, was diese Worte in ihr auslösten. Die ganze Szene war so entsetzlich surreal, dass sie sich später selbst nicht mehr glauben würde, dass das wirklich geschehen war.

Bei Merlin, das tue ich doch!“, wiederholte er dann noch einmal und sie nickte an seinem Hals.

Ein paar hirnverdrehend sinnliche Augenblicke später, in denen sie ihre Nase gegen seine Haut gerieben und hin und wieder mit ihren Lippen seinen Puls ertastet hatte, schob sie sich von ihm.

Und jetzt küss mich!“, stellte sie die nächste Forderung an ihn und für einen ganz kurzen Moment schien ein Lächeln auf seinem Gesicht zu blitzen, ehe er ihrem Befehl nachkam.


***


I’ll take you up

above ground.

Over feel,

overfire.


(THC – Overfire)


***


Kapitel 50 – Geburtstagstänze – Teil 2


Sie wartete auf den Abschied. Es war vollkommen irrational und eigentlich das Letzte, woran sie an diesem Abend denken sollte. Aber er würde kommen, davon war sie überzeugt.

Severus hatte sie zu diesem wundervollen Essen ausgeführt und er hatte ihr gesagt, dass er sie liebte. Was mehr könnte sie noch von diesem Abend erwarten? Hermine unterdrückte die Stimme, die ihr selbstsüchtig „Alles!“ ins Ohr flüsterte.

Man bekommt nie alles!

Nichtsdestotrotz ging sie betont langsam neben ihm über die Ländereien aufs Schloss zu. Es war weit nach Mitternacht und die Fenster waren dunkel, das ganze Gebäude lag in vollkommener Stille in der grünen Landschaft.

Bei Merlin, sie wollte nicht, dass es endete! Nicht bereits jetzt. Die vergangenen Stunden waren viel zu wenig, um die Wochen und letztendlich auch die Monate aufzuwiegen, die sie davor hatte warten müssen.

Dennoch bereitete sie sich auf den Abschied vor, während sie schweigend die Eingangshalle betraten, und dementsprechend geriet sie etwas aus dem Gleichgewicht, als er sie am Arm fasste und mit sanfter Gewalt zum Kerkergang lenkte.

Oder wolltest du schon ins Bett?“, fragte er mit einem Lächeln, das ihr angesichts des Blitzens seiner Augen nur beiläufig auffiel.

N-Nein!“, antwortete sie eilig und lauschte auf den betörenden Tanz ihres Herzschlages. Sein Griff löste sich, die Hand rutschte weiter nach unten und umfasste ihre Finger.

Nun dann, wenn ich bitten darf…“ Er gestikulierte in den dunklen Gang, der zu seinen Räumen führte.

Hermine strahlte begeistert und drängte sich dichter an seine Seite, während sie ihm durch die düsteren Flure folgte. Den Gedanken, dass sie mit großem Pech Schülern oder Lehrern begegnen könnten, hatte sie komplett aus ihrem Kopf verbannt. Wer – außer Severus selbst – lief schon um diese Uhrzeit Patrouille in den Kerkern?

Severus führte sie in sein Wohnzimmer und stellte sie mitten in den Raum, den Rücken dem Kamin zugewandt. Er legte seine Hände auf ihre Schultern und betrachtete sie auf eine Art und Weise, die sie erzittern ließ, dann strich er so flüchtig mit einem Daumen über ihre Lippen, wie man nippend einen Wein testete. „Bleib so stehen!“, forderte er anschließend, nachdem er ihre suchenden Lippen zurückgewiesen hatte.

Hermine runzelte irritiert die Stirn, nickte aber.

Er trat an ihr vorbei zum Kamin und entzündete ein Feuer darin. Dann ging er ein paar Schritte durch den Raum und Hermine musste gegen den Drang ankämpfen, sich zu ihm umzudrehen. „Was tust du?“, fragte sie deswegen irgendwann und hasste es, dass ihre Nervosität auch im Klang ihrer Stimme zu vernehmen war; ein unterschwelliges Zittern, das sie allerdings auch zu einem gewissen Teil der Erregung zuschrieb. Ihr Körper hatte seit dem Tanz nicht mehr aufgehört zu summen und ihre Wangen brannten, als hätte sie zu lange in der Sonne gelegen. Zusammen mit ihren kalten Fingern fühlte sich das wirklich abstrakt an.

Du wirst es bald sehen“, erwiderte er und Hermine erschrak. Severus hatte sich unbemerkt so dicht hinter sie gestellt, dass sein Atem beim Sprechen über ihre halb nackten Schultern strich. Sie schnappte nach Luft.

Musst du mich so erschrecken?“ Sie wollte sich zu ihm umdrehen, doch mit einem nachdrücklichen Griff hielt er sie davon ab. Das Lächeln, das sie vorher auf den Lippen gehabt hatte, gefror.

Bleib so stehen!“, befahl er, was beinahe wie ein Zischen klang, und sie schluckte.

Severus, was hast du vor?“ Ihr Herzschlag raste und sie musste gegen den Fluchtreflex ankämpfen, der sie überkam. Seine Stimme hatte damals in der ersten Nacht in Scarborough ähnlich geklungen.

Doch Severus antwortete nicht, sondern begann zu ihrer Überraschung damit, die durch einen Zauber nach wie vor stummen Haarnadeln aus ihrer Frisur zu ziehen und beiläufig auf einen kleinen Beistelltisch zu legen. Eine Strähne nach der anderen löste sich und fiel mit sinnlichem Kitzeln auf ihren Rücken. Hermine beruhigte sich langsam wieder.

Sie wusste, worauf dieses Spiel hinauslaufen würde, als auch die letzte Nadel gezogen wurde und die Schwere ihrer Haare sich von ihrem Kopf löste. Trotz der noch immer zart vibrierenden Angst entkam ihr ein erwartendes Stöhnen und sie hatte Probleme, nicht zu schwanken.

Im nächsten Moment wurde ihr schwarz vor Augen und einen verrückten Moment lang glaubte sie, sie würde in Ohnmacht fallen. Doch er hatte ihr lediglich ein Tuch um den Kopf gelegt, das er nun vorsichtig an ihrem Hinterkopf verknotete.

Vertraust du mir, Hermine?“, fragte er mit tiefer, anschmiegsamer Stimme, die weich wie Samt über ihren Körper strich und ihren Schoß pochen ließ.

Hermine zögerte. Einen Herzschlag lang, einen weiteren und noch einen.

Vertraue ich ihm?

Ja.“ Und ihre Angst verschwand gänzlich.

Severus hingegen lachte leise auf.

Warum lachst du?“ Sie kam sich dumm vor, weil sie gezögert hatte. Und weil er es anscheinend bemerkt hatte. Doch sie hatte nicht anders gekonnt. Zu viel war geschehen, bei dem sie nicht sicher war, wie sie damit umgehen sollte. Vor allem die letzten drei Wochen waren geschehen. Sie hatte jedes Recht, in Ruhe abzuwägen.

Es ist absolut erstaunlich, dass du sogar in einer Situation wie dieser die einzig richtige Antwort gibst.“ Seine Stimme klang aus einer anderen Richtung. Hermine vermutete, dass er neben ihr stand.

Unsicher drehte sie den Kopf in diese Richtung und runzelte die Stirn. „Du wusstest, was ich antworten würde.“

Er machte einen zustimmenden Laut und raue Fingerspitzen legten sich viel zu zart auf ihre Schulter, strichen den Oberarm hinab und bis zu ihrem Handgelenk. Hermine schauderte und holte tief Luft. Sie wollte nach seiner Hand greifen, doch da war sie schon wieder verschwunden. „Aber ich hätte dir nicht geglaubt, wenn du zu schnell geantwortet hättest“, erklärte er dann seine Reaktion und sie schnaubte beinahe unmerklich.

Du bist und bleibst ein Skeptiker“, murmelte sie und hörte, wie er vor ihr entlang ging. Flüchtig strich eine Berührung an ihrer Wange entlang und noch ehe Hermine ihren Kopf hineinlehnen konnte, war auch sie bereits wieder verschwunden, ließ ihre Haut allerdings kribbelnd zurück.

Man kann niemals skeptisch genug sein.“ Sie hätte gerne die Augen verdreht, doch die Geste war nutzlos, wenn niemand sie sah. „Allerdings ging es mir hier darum, dass du nicht vergessen hast, wer ich bin.“

Noch während er sprach, wanderte er weiter auf ihre andere Seite, berührte auch dort ihren Arm und verweilte für ihren Geschmack viel zu kurz. Und auch dieses Prickeln blieb.

Mmmm...

Ich könnte es nicht vergessen“, antwortete sie wahrheitsgemäß und spürte, dass er hinter ihr stehen blieb.

Und das ist gut so.“

Seine Finger öffneten den oberen Knopf der sehr langen Reihe, mit der ihr Kleid am Rücken geschlossen war. Hermine stockte der Atem.

Ich würde es manchmal gerne“, flüsterte sie, gebannt von dem, was er tat.

Doch dann...“

Der zweite Knopf.

... liebst du...“

Noch ein Knopf.

... nicht länger mich.“

Zwei Knöpfe auf einmal.

Dann wäre es nur noch das lächerliche Hirngespinst eines Teenagers, der seinen Träumen nachjagt.“

Mit der Nasenspitze glitt er über die nun freigelegte Haut und sie hörte ihn die Luft scharf einsaugen. Sehr langsam entließ er sie anschließend wieder aus seinen Lungen und pustete damit so angenehm kühl über ihren Rücken, dass Hermine eine Gänsehaut bekam.

Mit einem letzten Kitzeln seiner Haare richtete er sich wieder auf und legte die Hände flach auf ihre Schulterblätter, genau dorthin, wo die Haut von der vorherigen Behandlung so unglaublich sensibel war. Hermine konnte ein verlangendes Stöhnen nicht unterdrücken, als die brennende Hitze an ihre Nervenenden gelangte und diese in Ekstase versetzte.

Um Merlins Willen...

Wie gesagt...“, brachte sie mühsam hervor und kaute auf ihrer Unterlippe herum. „... ich könnte es nicht vergessen.“

Severus schob ihre Haare über eine Schulter und strich mit seinen Lippen über ihren Nacken. Hin und wieder spitzte er sie zu einem neckenden Kuss, doch die meiste Zeit berührte er ihre Haut so knapp, dass sie versucht war, sich ihm weiter entgegen zu lehnen.

Hermines Hände tasteten nach etwas, an dem sie sich festhalten konnte, als sie den warmen Luftzug seines Atems spürte, die Sanftheit dieser Geste und sie beugte ihren Kopf so weit nach vorne, wie sie konnte.

Heiliger Hippogreif...“, hauchte sie, gefangen von seinem Spiel und ihre Haut war so empfindlich, so erwartend gereizt, dass es beinahe schmerzte.

Severus grunzte. Von ihr fast unbemerkt, öffnete er die letzten Knöpfe und Hermine keuchte überrascht auf, als ihr Kleid nach einem kurzen Anstoß zu Boden fiel. Mit einem dumpfen Rauschen wellte es sich um ihre Füße und sie stand nur in BH und Slip vor ihm.

Nun weiß ich endlich, wofür du dein Geld ausgibst...“, sagte er und sie lächelte verlegen.

U-huh, schwarze Spitzenunterwäsche! Ich wusste, ich würde sie irgendwann brauchen... – Hermine hielt es jedoch für schlauer, nichts zu sagen.

Seine Fingerspitzen legten sich nun auf den unteren Teil ihres Rückens und er umrundete sie so, dass sie es spürte. Vier heißkalte Spuren zogen sich an ihrer Taille vorbei – sie hob sehr bereitwillig ihre Arme an, nur damit er seinen Weg fortsetzen konnte – und schließlich über ihren Bauch. Sein kleiner Finger verschwand flüchtig in ihrem Nabel und entgegen ihrer vorherigen Bewegung, legte sie den Kopf nun in den Nacken und keuchte verlangend.

Ooohhh...

Du machst mich wahnsinnig“, flüsterte sie mit belegter Stimme und konnte ihn beinahe dreckig lächeln hören. Kurz darauf lag ihr BH ebenfalls irgendwo auf dem Boden.

Das ist Sinn und Zweck des Spiels. Und eine kleine Rache…“ So dicht an ihrem Ohr, dass sie die Hand hob und sie nach seinem Gesicht ausstreckte. Flüchtig bekam sie es zu fassen und spürte die leicht kratzige Haut seines Gesichts, auf dem bereits der Bart nachwuchs.

Hermine wimmerte. Sie wollte ihn mehr berühren, intensiver und sicherer. Ihr Körper war zum Zerreißen gespannt und jede noch so kleine Berührung seinerseits verwandelte sich in elektrisierende Wellen aus Lust, die sich unfairerweise alle in ihrem Schoß sammelten und dort pochendes Erwarten weckten.

Bitte, Severus...“, flehte sie und tastete nach dem Mann, der sie wissentlich um den Verstand brachte.

Was denn, meine Liebe?“

Er stand vor ihr und sie legte ihre Hände ungeschickt auf seine Brust. Die zu ihrem Entsetzen noch immer bekleidet war und so begann sie ungeduldig und vor allem sehr ungeschickt, seine Kleidung zu öffnen. Zu ihrer Überraschung ließ er es geschehen.

Bitte berühre mich!“

Das tue ich“, schmetterte er ihre Worte ab, doch sie glaubte allmählich auch bei ihm Erregung und Verlangen zu hören.

Nein, fester!“

Er packte ihre Schultern und drückte sie. „So?“

Hermine stöhnte frustriert und eine ihrer Hände raste hinab an die Stelle, wo sie seinen Schritt vermutete. Hart legte sie sich auf seine bereits zu spürende Erektion und trat einen Schritt auf ihn zu. „Nein, so!“, sagte sie dann und hörte ihn nach Luft schnappen.

Nun endlich hatte sie genug Mut, sich die Augenbinde abzunehmen und blinzelte irritiert in das vergleichsweise helle Licht, konzentrierte sich dann allerdings auf seine geschlossenen Augen.

Bevor Severus etwas zu ihrem Vorstoß sagen konnte, legte sie ihre freie Hand in seinen Nacken und zog seinen Kopf zu sich herunter. Mit der anderen massierte sie weiterhin seinen Schritt (wobei sie hoffte, sich nicht allzu dumm anzustellen; die Rolle der Verführerin war neu für sie) und forderte seine Lippen zu einem ähnlichen Tanz auf, wie sie ihn bereits vorhin getanzt hatten. Ihre Brüste rieben sich gegen den groben Stoff seiner Kleidung und machten ihre Brustwarzen noch empfindlicher, als sie es ohnehin schon waren. Gespanntes Stöhnen entkam ihr gleichermaßen wie ihm.

Oh ja...

Hermine drängte ihren Unterleib gegen seinen und zog ihre andere Hand hinauf. Feine Strähnen schwarzer Haare flossen kurz darauf hindurch und ließen den Mann darunter schnurren wie eine Katze, während sein Kopf sich etwas in den Nacken legte.

Pass auf, was du tust!“, knurrte er halbherzig als sie nach Luft schnappen musste, doch sie schüttelte den Kopf.

Ich will nicht aufpassen. Ich will dich spüren.“ Und erstickte jeden weiteren Einwand durch einen Kuss.

Ihre Lippen schoben sich so gierig gegen seine, dass sie beinahe schmerzhaft zu kribbeln begannen und tiefrot anschwollen. Ihre Zunge schlängelte sich geschickt in seinen Mund und erforschte den nachhaltigen Geschmack des guten Rotweines. Immer wieder rieb ihre Nase an seiner entlang und unnachgiebige Hände hielten seinen Kopf in dieser Position.

Schließlich umfasste er ihren Po und hob sie hoch, Hermine schlang ihre Beine um seine Taille. So von ihm getragen, den Kuss nicht unterbrechend, stolperten sie hinüber ins Schlafzimmer (wobei sie einmal den Türrahmen rammten) und Severus ließ sie etwas unsanft auf sein Bett fallen.

Rasch zückte er den Zauberstab und entzündete zwei Kerzen, dann warf er das magische Hilfsmittel in die Ecke und betrachtete die Frau auf seinem Bett. Glänzende Bewunderung und tiefes Verlangen spiegelten sich in seinen Augen und Hermine wand sich erwartungsvoll darunter.

Zieh dich aus!“, forderte sie mit sicherer Stimme, war aber dennoch erstaunt, dass er dieser Aufforderung sogar folgte. Es dauerte nicht lange, bis er nackt vor ihr stand und Hermine schnappte keuchend nach Luft.

Ich hatte wirklich vergessen, wie gut er gebaut ist... unfassbar!

Dieser Anblick raubte ihr beinahe den Verstand. Das Licht der Kerzen zeichnete flackernde Schatten auf seiner blassen Haut, schien auf Stellen zu deuten, die sie unbedingt mit ihren Fingern und Lippen kennenlernen wollte und ließ eine so verführerisch riechende Schicht aus frischem Schweiß auf ihrer beider Körper entstehen.

Hermine rutschte auf dem Bett nach hinten und Severus folgte ihr. Stürmisch nahm er ihre Lippen in Besitz und sie ließ ihre Hände über seinen Oberkörper streichen, beinahe so sanft und quälend, wie er es zuvor bei ihr getan hatte. Mehrmals tauchte sie flüchtig in seinen Schambereich und strich an seinem Glied entlang. Severus stöhnte. Doch niemals verweilte sie lange genug, um seinem Verlangen zu genügen.

Hermine genoss die klebrige Hitze, die der Schweiß verursachte, wenn sich ihre Haut an seine legte. Ihre Arme griffen grob um den breiten Rücken herum und sie klammerte sich daran fest, seine Stirn ruhte an ihre gelehnt und tief atmend sah sie dunkles Verlangen in seinen Augen. Er wollte etwas sagen, doch sie schüttelte den Kopf.

Egal, was es ist... nicht jetzt!“, bat sie flüsternd und auch wenn er kurz zögerte, fügte er sich ihrer Bitte und küsste sie stattdessen.

Seine Hände pressten sich immer wieder gegen ihre Brüste, die harten Knospen schoben sich erregend intensiv gegen seine von der andauernden Arbeit mit dem Feuer schwieligen Handflächen.

Oh-ohhhh... jaah!

Hermine jammerte frustriert auf, als er sich davon löste und an ihrer Seite hinabglitt, bis er an ihrem Oberschenkel ankam und diesen fest packte. Mit einem Blick vergewisserte er sich, dass sie bereit war, dann zog er ihr Bein an seiner Seite hoch, während sie das andere eigenständig um seine Hüfte legte.

Für mehrere quälende Sekunden spürte sie seine Eichel an ihrem Eingang. Er tauchte leicht in die schlüpfrige Hitze, zog sich aber immer wieder zurück, so dass sie beinahe wahnsinnig wurde. Irgendwann schob sie ihren Unterleib so plötzlich gegen seinen Schaft, dass er überrascht nach Luft schnappte und Hermine verhalten aufschrie.

Biest!“, fluchte er gepresst und sie lachte kurz auf.

Sadist!“, gab sie das Kompliment zurück und ihre Fingernägel bohrten sich in seine Schultern, an denen sie sich verzweifelt festhielt. Es fühlte sich an, als würde sie fallen. Tiefer und tiefer und niemand war da, um sie aufzufangen. Noch nicht. Irgendwann würde er dastehen und sie wusste, sie würde weich fallen.

Sei froh, dass ich nicht mehr dein Lehrer bin!“

Sowieso...“, nuschelte sie mühsam und grinste ihn keck an.

Ich hoffe, dir ist bewusst, dass du mit dem Feuer spielst.“ Er kniff abwartend die Augen zusammen. In diesem Moment hasste Hermine ihn dafür, dass er sie einfach so hinhalten konnte, nur weil er Lust dazu hatte.

Allerdings“, stimmte sie ihm zu. „Und jetzt… hör… verdammt!“ Er hatte ihren Versuch, selbständig Bewegung aufzunehmen, mit seiner Hand gestoppt. „…endlich auf… zu reden!“ Er machte ein schnaubendes Geräusch, fügte sich ihrer Anweisung nach ein paar weiteren quälenden Momenten jedoch.

Severus begann sich in ihr zu bewegen, erst langsam und vorsichtig, dann wurde er allerdings schneller und sie bemerkte, wie er den Bereich der rationalen Zurückhaltung verließ und sich nahm, was er wollte und brauchte, was er seit Wochen und Monaten verleugnet und hinten angestellt hatte.

Und sie gab es ihm bereitwillig.

Ihre Körper schlugen rhythmisch gegeneinander, ihre Hände vollführten irritierende Bewegungen ohne Sinn und Verstand und erfüllten dennoch ihren Dienst. Die Erregung wuchs stetig, immer höher und Hermine glaubte ab einem gewissen Punkt, sie müsse verbrennen, weil sein Körper sich so unendlich erhitzt immer wieder gegen ihren presste. Sie glaubte, ihre Synapsen würden einen elenden Tod wegen Überreizung sterben. Sie glaubte, jegliche Ordnung, die in ihrem Körper möglicherweise irgendwann einmal geherrscht hatte, wäre nun heillos durcheinander geraten, ohne Hoffnung auf Wiederherstellung.

Spiel mit dem Feuer, allerdings!

Geräusche und Bilder, Empfindungen und Gerüche vermischten sich zu einem nicht identifizierbaren Gewirr aus Sinneswahrnehmungen. In ihren Ohren rauschte es und ihr Herzschlag pochte laut, drängend, beinahe schmerzhaft in ihrem Kopf, wollte sich anscheinend in Einklang bringen mit dem Pochen ihres Schoßes.

Verrückte Laute entwichen ihrem Mund, Töne, die zwischen Jaulen und Schreien, Flehen und Stöhnen schwankten und nur die Tatsache, dass er ähnliche Geräusche von sich gab, hielten sie davon ab, sich auf die Zunge zu beißen.

Und dann erreichte dieser unglaublich weltfremde Zustand, diese Ekstase ihren absoluten Höhepunkt und Hermine schrie laut auf, bog sich seinem Körper entgegen und schlug ihre Nägel in seine Haut. Helle Punkte tanzten vor ihren Augen, sie glaubte für mehrere Sekunden, ihr Herz würde endgültig stehen bleiben. Dann trommelte es wild drauf los und sie schnappte nach Luft, ließ sich erschöpft fallen und sämtliche Anspannung wich aus ihrem Körper.

Mit geschlossenen Augen lag sie einfach da und aus der Tatsache, dass Severus kurz darauf ebenso erschöpft atmend neben ihr zur Ruhe kam, schloss sie, dass er seinen Höhepunkt auch erreicht hatte. Vielleicht sogar zusammen mit ihr. Sie hatte nichts davon mitbekommen.

Und auch das ist absolut unfassbar, Miss Granger!

So wie Motten unweigerlich zum Licht schwärmten, drehte sie ihren müden Körper zu ihm und drängte sich dicht an den erschöpften Haufen Mann, der sie ohne lange zu zögern empfing. Hermine atmete den herben Geruch erfüllter Erregung ein und küsste seine Brust, schmeckte den Schweiß und genoss die Hitze an ihrem Gesicht.

Minutenlang blieben sie so liegen und als das Feuer der Leidenschaft zu einem zufriedenen Flämmchen abflaute, zog Severus die Bettdecke unter ihnen hervor und hüllte sie darin ein. Hermine drängte ein Bein zwischen seine, so wie sie es in der Nacht nach dem Endkampf bereits getan hatte. Eine wundervolle Geborgenheit ging von dieser Position aus und sie wollte sich vergewissern, dass er sie nicht wieder von sich stoßen würde.

Zuerst kam die Müdigkeit und sie gab sich diesem wundervoll ermatteten Gefühl einige Zeit hin. Dann setzte die Funktion ihres Gehirns wieder ein und sie lächelte dümmlich, als sie fragte: „War das der Standard?“

Erst als es aufhörte, bemerkte sie, dass seine Hand gleichmäßig über ihren Rücken gestreichelt hatte. „Nein“, antwortete er dann und Hermine seufzte. Doch Severus fügte noch hinzu: „Es gibt keinen Standard, Hermine. Jedes Mal wird anders sein. Vielleicht erinnert es hin und wieder an etwas, das man bereits erlebt hat, aber es wird nie wieder so sein wie heute Nacht.“

Es klang eine gewisse Traurigkeit aus seinen Worten, die sie nur zu gut verstehen konnte. Diese Nacht war wirklich ausgesprochen gut gewesen. „Wird es besser werden?“, fragte sie deswegen, denn eigentlich wollte sie die Nacht mit einem zufriedenen Gefühl abschließen.

Vielleicht“, erwiderte er vage.

Sie schob sich ein Stück zurück und strich mit ihrer Hand über sein Gesicht. Es war noch immer leicht feucht und seine Haare klebten ihm auf der Stirn, sahen anbetungswürdig ungeordnet aus. Nachdem sie ihn ein paar Momente lang so angesehen hatte, küsste sie erst seine Nase, dann seine Wangen, schließlich seinen Mund. Severus knurrte unwillig über diese Behandlung, was Hermine geflissentlich ignorierte.

Lass es uns noch ganz oft viel besser machen“, bat sie inständig.

Severus lachte dreckig auf. „Kann es sein, dass du auf den Geschmack gekommen bist?“

Eine zarte Röte überzog Hermines Gesicht und sie kaute auf ihrer Unterlippe. „Möglicherweise.“

Severus‘ Blick wurde wieder ernst. „Ich weiß nicht, ob ich dir das geben kann, was du suchst.“

Hermine konnte tief empfundene Angst und Verletzlichkeit in seinen Augen sehen. Dennoch nickte sie überzeugt. „Ich habe gesehen, dass du es kannst, Severus. Und ich bin nicht Lily. Ich weiß dein Geschenk zu schätzen und ich werde dich nicht enttäuschen. Dein Bett ist auch viel bequemer als die Kerkergänge.“ Hier hob er eine Augenbraue, was Hermine dazu veranlasste, das Plappern sein zu lassen. „Wie auch immer… Ich würde am liebsten der ganzen Welt von uns erzählen.“ Sie grinste und das Rot wurde noch dunkler, dieses Mal allerdings wegen der Begeisterung, die sie bei dem Gedanken verspürte.

Severus schloss seine Augen und lehnte seine Stirn gegen ihre. „Ich möchte mir gar nicht ausmalen, was die Welt davon halten würde.“

Sie wird es akzeptieren müssen. Ich habe lange genug getan, was andere von mir erwarteten. Himmel, nachher ist Schule und ich denke nicht mal im Traum daran, hinzugehen!“ Sie lachte leise auf.

Wie ich bereits sagte, ich tue dir nicht gut“, nutzte er ihren Einwand allerdings prompt, um zu seinem Standardargument zurückzukehren – er klang jedoch nicht so ernst, wie es sonst immer der Fall gewesen war.

Nein, Severus. Du bist das Beste, was mir je passiert ist. Na ja, abgesehen vielleicht von dem Brief, dass ich in Hogwarts aufgenommen wurde.“ Er grunzte spöttisch. Hermine ignorierte auch das. „Und irgendwann werden die anderen es auch sehen. Gib ihnen Zeit! Selbst ich habe beinahe zwei Jahre gebraucht, um es zu erkennen.“ Mit zitternden Fingern strich sie an seinem Gesicht entlang. „Gib mich nicht auf, Severus.“

Er gab ein unwilliges Geräusch von sich. „Selbst wenn ich es wollte, könnte ich es nicht.“

Hermine lächelte erleichtert. „Das ist gut. Das ist sogar sehr gut!“ Sie zog ihn wieder in ihre Umarmung und versteckte ihr Gesicht ganz tief an seiner Halsbeuge.

Meine naive, junge Hermine, du weißt ja gar nicht, was du da sagst...“, hauchte er seufzend an ihrem Ohr, doch sein Griff wurde fester anstatt schwächer.

Hermine schloss die Augen und küsste seinen Hals. „Das bin ich“, wisperte sie dann und er erstarrte. Mit einem ungläubigen Blick auf dem Gesicht schob er sie wieder soweit von sich, dass er sie ansehen konnte. „Dein!“, erklärte sie dann ihre Äußerung mit einem schiefen Lächeln.

Er schnaubte und verdrehte die Augen. „Du wirst kitschig!“

Sie zuckte schmollend mit den Schultern. „Und wenn schon. Glaube mir, Severus, ich weiß, worauf ich mich einlasse. Ich habe Erinnerungen von dir gesehen, ich war in deinem Verstand. Du hast mich verletzt und gequält und ich bin nicht gegangen. Weil du mich im Gegenzug auch gepflegt und auf mich aufgepasst hast. Weil du mich aufgefangen und geliebt hast. Ich denke, es ist an der Zeit, dass du auch mir und meinen Worten vertraust.“

Als wäre er des Gesprächs müde geworden, schlossen sich seine Augen und er drängte sich seufzend tiefer in die Kissen. „Ich werde es versuchen“, versprach er allerdings und Hermine nickte einverstanden. „Aber ich bin ein schwieriger Schüler.“

Sie schnaubte kurz. „Und ich bin ein Dickkopf, wie er im Buche steht. Außerdem habe ich es geschafft, Neville soviel Zaubertränke beizubringen, dass er in deinem Unterricht nicht vollkommen untergeht.“

Er öffnete ein Auge und sah sie mit gerunzelter Stirn an. „Du bist wahrlich eine miese Lehrerin“, behauptete er dann und ihr Mund öffnete sich empört.

Hätte ich ihm nichts beigebracht, würde er den Kessel heute mit der Öffnung nach unten übers Feuer hängen!“

Severus wog diesen Einwand ab und zuckte mit der Schulter. „Nun ja, ich denke, es wäre vielleicht einen Versuch wert“, gab er schließlich großzügig zu und Hermines Gesichtsausdruck wurde noch empörter.

Allerdings nur für einen kurzen Moment. Dann sagte sie: „Glaube mir, diese Prüfung wird das beste Ergebnis von allen haben!“ Stolz nickend sah sie ihn an und der leichte Schelm schwand aus seinem Gesicht, während er sie wieder an sich zog.

Bei Merlin, ich hoffe es sehr! Und schon allein dafür sollte man mich nach Askaban bringen.“

Shhh!“, machte sie eilig. „Rede nicht so etwas. Es wird nicht leicht, aber das war es noch nie. Wir werden uns gegenseitig helfen.“

Er nickte stumm. „Trotzdem müssen wir uns bedeckt halten, bis du mit der Schule fertig bist. Minerva macht mich sonst einen Kopf kürzer.“

Hermine lächelte. „Ja, vermutlich. Aber es ist ja nicht mehr lange.“

Severus erwiderte darauf nichts und so schlief sie irgendwann ein, überzeugt davon, dass das der beste Geburtstag gewesen war, den sie je gehabt hatte.


***


I still remember the world
from the eyes of a child.
Slowly those feelings
were clouded by what I know now.


(Evanescence – Field of innocence)


***


Kapitel 51 – Experimente


Es kostete Hermine viel Kraft und Selbstbeherrschung, nach ihrem Geburtstag in den alten Trott zurückzufinden. Sie musste sich zwanghaft davon abhalten, mit allzu guter Laune durch die Schule zu laufen, auch wenn ihre Freunde sofort bemerkten, dass irgendetwas anders war. Allerdings berichtete sie vorerst nur Ginny grob von dem, was geschehen war.

Ihr seid jetzt also zusammen?“, fragte sie, während ihr Pigwidgeon um den Kopf sauste und darauf wartete, dass sie ihm endlich den Brief an ihre Eltern ans Bein band. Ginny hingegen bekam davon nichts mit. Sie starrte lediglich Hermine mit großen Augen an.

Diese wiederum kaute auf ihrer Unterlippe und zuckte mit den Schultern. „Ich denke schon...“ Es war ein absolut verrücktes Gefühl, an ihrem ehemaligen Lehrer Professor Severus Snape als ihren Freund zu denken. Verrückt aber süchtig machend. Verlegen grinsend schnappte die sich die Eule und hielt Ginny das kleine Bein des quirligen Tiers entgegen.

Das klingt ja sehr überzeugt“, lachte Ginny und ließ sich nun endlich dazu herab, Pig mit Arbeit zu versorgen.

Na ja, also er hat mir immerhin gesagt, dass er mich liebt...“ Das Rot wurde dunkler und Hermine wandte sich schnell zum Fenster um und warf die Eule unsanft hinaus. „Aber er meinte auch, dass wir zumindest bis Ende des Schuljahres ein Geheimnis draus machen müssen“, fügte sie rasch hinzu, als sie Ginnys nun noch größere Augen sah. „Also bitte erzähle niemandem davon, schon gar nicht Harry oder Ron!“

Natürlich nicht. Aber ich finde das alles furchtbar aufregend! Wie ist er denn so? Also privat, meine ich...“

Hermine sah sie empört, sprangen ihre Gedanken doch sofort zu den Dingen, die er mit ihrem Körper angestellt hatte. Ihr wurde noch immer ganz warm, wenn sie nur daran dachte. Und das war gefährlich häufig. „Anders. Ich will nicht sagen, dass er viel umgänglicher wäre als im Unterricht. Er verlangt Konzentration bei Gesprächen und duldet keine Ablenkung. Das allerdings in jeder Beziehung...“ Sie wurde erneut rot.

Bei allen Göttern des Himmels, Hermine!“, quietschte Ginny und schlug sich eine Hand vor den Mund. „Ihr habt doch nicht wirklich... oder?“

Hermine lachte amüsiert, aber auch angemessen nervös auf. „Was dachtest du, dass er die ganze Nacht mit mir tut? Händchen halten?“

Ginny sah recht zerknirscht aus. „Nun ja... ja.“

Du hast ja keine Ahnung...“, intonierte Hermine und ein zweideutiges Grinsen stahl sich auf ihr Gesicht.

Das befürchte ich auch.“ Ginny schluckte. „Es ist nur, dass ich irgendwie nie... direkt so... an ihn gedacht habe.“

Und du tust es besser auch jetzt nicht!“ Die Augen der Brünetten verengten sich mahnend.

Zu spät“, nuschelte Ginny verlegen und verbarg für einen Moment das Gesicht hinter ihren Händen. „Aber falls dich das irgendwie beruhigen sollte, der Gedanke ist nicht schlecht.“

Oh ja, das beruhigt mich ungemein.“ Hermine konnte die aufgesetzte Empörung allerdings nicht lange halten und so fingen beide nach ein paar befangenen Sekunden an zu lachen.


***


Diese recht unbeschwerten Unterhaltungen, die Hermine hin und wieder mit Ginny führen konnte, machten ihr regelmäßig bewusst, dass sie sich das alles nicht nur einbildete. Es schien so unwirklich, dass sie mit Severus geschlafen und er ihr versichert hatte, dass er sie liebte, wenn er morgens nach dem Frühstück an ihr vorbei rauschte, als würde sie gar nicht existieren. Wüsste sie nicht, dass er für gewöhnlich gar nicht am Frühstück teilnahm, hätte es sie vermutlich schwer getroffen, diese Gleichgültigkeit zu spüren. So hingegen sagte sie sich selbst, dass er nur kam, um sie sehen zu können.

Hach ja, Einbildung ist eine tolle Bildung.

Zwei Tage nach ihrem Geburtstag ging sie abends hinunter in die Kerker. Morgen war Samstag und so hätten sie viel Zeit, sich den Dingen zu widmen, die außerdem ihre Aufmerksamkeit verlangten. Sie musste ihm irgendwie beibringen, dass sie sein Mal entfernen mussten, damit er die Zerstörung Voldemorts überlebte.

Professor Dumbledore hatte nie behauptet, dass mit Sicherheit alle Todesser sterben würden, wenn man Voldemort zerstörte. Doch Hermine ging vorerst davon aus, dass es so sein würde. Niemals würde sie es riskieren, dass Severus einfach abwartete und sein Schicksal mit Gleichmut hinnahm.

Und deswegen würde sie ihm auch nicht sagen, dass es sich nur um eine Vermutung handelte. Sie würde auf Nummer Sicher gehen und wenn das bedeutete, zumindest zum Teil eine Lüge vorzuspielen, so würde sie das tun. Mit ein bisschen Glück würde er es nie herausfinden.

Sie war erstaunlich ruhig, als sie an die Tür zu seinem Büro klopfte. Es dauerte nicht lange, bis er öffnete und Hermine versuchte den Ausdruck auf seinem Gesicht zu identifizieren. „Guten Abend, Sir. Haben Sie etwas Zeit für mich?“, begrüßte sie ihn in dem distanzierten Ton, den sie ihm auch früher immer entgegengebracht hatte.

Wenn es nicht zu lange dauert...“, erwiderte er theatralisch und trat zur Seite.

Während Hermine noch darüber nachdachte, ob er das jetzt wegen des äußeren Scheins gesagt hatte oder weil er wirklich so dachte, stieß er die Tür hinter ihr ins Schloss, fasste sie beinahe grob am Oberarm und zog sie zu sich herum. Hermine wusste kaum, wie ihr geschah, als er sie hart und verlangend küsste, doch nach ein paar überraschten Sekunden drängte sie ihren Körper dicht gegen seinen und genoss das wilde Prickeln, das er in ihr auslöste.

Beide schnappten nach Luft, als sie sich voneinander lösten und Hermine wischte sich befangen über das Gesicht. „Das ist mal eine Begrüßung...“, nuschelte sie und lächelte verklärt.

Severus wich ihren Blicken aus und räusperte sich. „Es tut mir Leid, ich hätte mich kontrollieren müssen.“

Hermine stöhnte, während er sich umwandte und zum Kamin ging. Seufzend setzte er sich in einen der Sessel und sie folgte ihm mit verschränkten Armen. „Hör endlich auf, dich wegen solchen Dingen zu entschuldigen! Ich hätte mich schon gewehrt, wenn ich es nicht gewollt hätte.“ Sie setzte sich in den anderen Sessel, sehnte sich aber eigentlich danach, ihm näher zu sein. Der Kuss hatte das tiefe Verlangen nach seinem Körper wieder geweckt. Vor allem da er anscheinend beschlossen hatte, sie nicht wieder alleine zu lassen.

Wir wissen beide, dass es Situationen gibt, in denen du keine Chance hättest“, schmetterte er ihren Einwand ab und sie hob eine Augenbraue.

Meinst du, ich hätte mich bei unserem ersten Mal nicht wehren können? Und ob ich gekonnt hätte. Aber ich wollte es nicht... Wobei mir das im Nachhinein ehrlich gesagt mehr Angst gemacht hat als die Geschehnisse an sich.“ Verlegen senkte sie den Blick.

Was führt dich zu mir?“, wechselte er nach ein paar Momenten das Thema und beschwor eine Kanne Tee und zwei Tassen herauf.

Der Haken an der Sache“, antwortete Hermine mechanisch und er hielt kurz inne, ihre Tasse zu füllen. Erstaunte Blicke musterten ihr Gesicht und sie wusste, dass er verstanden hatte, worauf sie hinaus wollte.

Ich hatte gehofft, dass du mir irgendwann sagen wirst, was dieser Haken ist.“

Du hättest mich fragen können.“

Das habe ich.“ Die Kanne gab einen klingenden Laut von sich, als er sie auf das schmale Tischchen zwischen den Sesseln stellte. „Aber du wolltest mir nicht antworten.“

Das war noch bevor du Harry die Macht Professor Dumbledores gegeben hast!“, verteidigte sie sich.

Ich bin nicht der Typ, der zweimal fragt, Hermine.“ Er nippte an seinem Tee und sie kniff frustriert die Augen zusammen.

Das stimmt nicht. Du hast mich dreimal gefragt, warum ich mich um dich kümmere.“

Weil ich eine ehrliche Antwort wollte!“ Seine Stimme war merklich scharf geworden. „Und als ich die hatte, habe ich mir gewünscht, du hättest weiter gelogen.“ Seine Blicke wanderten zum Feuer zurück.

Hermines Mund stand ein Stück offen. „Hast du denn die ganze Zeit nicht bemerkt, wie ich für dich empfinde? Was glaubst du, warum ich immer und immer wieder auf den Ländereien auftauchte? Dachtest du, ich lasse mich gerne ankeifen? Du warst es, wegen dem ich diesen Trank genommen habe, Severus!“

Das weiß ich doch!“, polterte er plötzlich und stand auf. Hermine hingegen zog ihre Füße auf die Sitzfläche des Sessels und wartete ab, wohin dieses Gespräch noch führen würde. Sicherlich nicht in die Richtung, die sie sich vorgestellt hatte. „Aber du warst meine Schülerin. Glaubst du, ich habe dir gesagt, wie du den Trank modifizieren sollst, damit er bekömmlicher wird, wenn ich nicht gewusst hätte, dass er nötig war?“ Er blitzte sie ungehalten an. „Ich hätte dich am liebsten der Schule verwiesen, weil du deine Laborzeit dafür genutzt hast, ihn zu brauen!“

Hermine blinzelte ihn von unten herauf an und schlang die Arme um ihre Knie. „Ich habe den Trank danach nie wieder genommen“, antwortete sie monoton.

Er nickte. „Auch das weiß ich. Sonst wärst du wohl kaum in Scarborough aufgetaucht.“ Er fuhr sich mit einer Hand durch die Haare.

Hermine schluckte und zweifelte für einen Moment, ob sie diese Frage, die ihr auf der Zunge lag, wirklich stellen sollte. Schließlich entschied sie sich dafür: „Hast du es jemals bereut, mich damals nicht weggeschickt zu haben?“

Er drehte sich langsam zu ihr um und sah sie nachdenklich an. Dann nickte er. „Natürlich habe ich das. Jeden Moment, den du da warst. Jede einzelne Sekunde, in der du mich so ertragen musstest. Und ich habe Albus verflucht, dass er es von dir verlangt hat. Habe es verflucht, dass er diese Macht in mir hinterlassen hatte, die mich gleichermaßen schwächer und stärker gemacht hat.“

Sie runzelte die Stirn. „Was meinst du damit?“

Severus schnaubte verächtlich. „Wäre dieser vermaledeit sensible Teil von Albus nicht in mir gewesen, hättest du mich nie mit diesem ersten Kuss erreichen können. Ich bin immer wirklich abwesend gewesen nach diesen Treffen, Hermine. Es hat Stunden, manchmal sogar Tage gedauert, ehe ich meinen Geist nach den Übergriffen des Lords wieder soweit geordnet hatte, dass ich irgendetwas von außen mitbekam. Dein Kuss traf mich wie ein Schlag ins Gesicht.“ Er kehrte zu seinem Sessel zurück und ließ sich erschöpft hineinfallen. Tiefe Müdigkeit zeichnete sein Gesicht und er schloss die Augen.

Ich habe es nicht bereut, dass ich geblieben bin“, versicherte sie ihm mit leiser, aber nachdrücklicher Stimme. Er stieß die Luft laut aus seiner Nase.

Das hatte ich befürchtet. Ich hoffe, es bleibt dabei.“ Träge drehte er seinen Kopf zu ihr und ein verdrehter Teil in Hermine wünschte sich, dass ihre Klassenkameraden ihren Lehrer einmal so sehen würden. Sicherlich würden sie dann anders über ihn denken.

Das hoffe ich auch“, war alles, was sie auf seine Feststellung antworten konnte, denn sie wollte realistisch bleiben. Wer wusste schon, wie sie diesen Mann in fünf Jahren sehen würde? Oder in zehn Jahren?

Garantiert niemals wieder so wie vor zwei Jahren.

Das war aber nicht der Grund für dein Kommen“, besann er sie beide schließlich wieder auf das Thema und Hermine riss sich aus ihren Gedanken.

Nein, das war er nicht.“ Sie senkte den Blick in ihren Schoß und spielte mit dem Saum ihres Pullovers. „Severus, weißt du, wie genau Voldemort vernichtet werden soll?“

Er zuckte angedeutet mit den Schultern. „Ich habe eine Ahnung, aber erklär‘ es mir ruhig! Der Direktor…“ Er unterbrach sich, räusperte sich erneut und fuhr dann fort: „Albus hat sicherlich sehr genaue Vorstellungen davon, wie er es angehen möchte.“

Hermine überging seinen Stolperer und nickte. „Er will Voldemort dazu zwingen, sich einen Körper suchen zu müssen. Harry wird der Einzige sein, der zur Verfügung steht. Und Harry wird dagegen ankämpfen, dies zuzulassen, solange bis Voldemort daran zugrunde geht.“

Severus ließ diesen Plan ein paar Mal durch seinen Kopf wandern, dann nickte er anerkennend. „Ich mag die Idee. Potter sollte sich schon mal darauf vorbereiten, seinen Okklumentik-Unterricht fortsetzen.“ Ein durchaus schadenfrohes Grinsen huschte über das Gesicht des Mannes und Hermine verdrehte die Augen.

Er ist und bleibt ein Bastard…

Ich werde es ihm ausrichten. Vorher muss er aber erstmal lernen, mit Professor Dumbledores Macht umzugehen. Ich denke, das war ein ziemlicher Hammer.“ Severus nickte abwesend. „Wie lange hast du gebraucht, um damit klarzukommen?“

Er wandte langsam seinen Blick zu ihr und Hermine befürchtete, dass ihr seine Antwort nicht gefallen würde. „Ich hatte eine Stunde.“ Sie keuchte entsetzt.

Mehr nicht? Wann war das?“ Sie rappelte sich aus ihrer bequemen Sitzposition und sah ihn mit weit aufgerissenen Augen an.

An dem Abend, an dem ich Albus tötete. Als du an der Grenze auf mich gewartet hast, war es gerade eine Stunde her, dass er mir seine Macht gab. Sie hat mich furchtbar verwirrt und gefühlsduselig gemacht. Unter normalem Umständen hätte ich mich dir damals nie so genähert.“

Sie schluckte schwer, fing sich dann aber rasch wieder und sagte: „Unter normalen Umständen hättest du es bis heute nicht getan. Ich sollte ihm wirklich dankbar sein.“

Severus deutete ein Lächeln an. „Möglicherweise.“

Hermine erwiderte das Lächeln und legte ihre Hand auf das Tischchen, hoffte, dass er sie ergreifen würde. Severus tat ihr den Gefallen und begann, mit seinem Daumen sanft über ihren Handrücken zu streicheln.

Also, was ist nun der Haken?“

Hermine blinzelte einige Male und versuchte den Faden wiederzufinden, den sie irgendwann im Laufe dieses Gespräches verloren hatte. „Es geht um das Dunkle Mal“, hakte sie schließlich wieder ein und griff nun ihrerseits nach seiner Hand, damit er sie nicht zurückzog.

Was ist damit?“ An dem distanzierten und beinahe scharfen Ton seiner Stimme konnte sie spüren, wie wund dieser Punkt bei ihm noch immer war. Und vermutlich auch immer sein würde.

Professor Dumbledore vermutet, dass alle Todesser über dieses Mal auf eine Art und Weise mit Voldemort verbunden sind, die sie töten wird, wenn Voldemort stirbt. Wir müssen eine Möglichkeit finden, das Mal zu entfernen, bevor Harry sich Voldemort stellt.“ Ihre beinahe entschuldigenden Blicke trafen ihn und nun schaffte er es doch, seine Hand ihrem Griff zu entwenden. Stöhnend stand er auf.

Hermine verfolgte seinen Lauf durch das Zimmer, der schließlich damit endete, dass er sich erneut mit einer Hand am Kaminsims abstützte und die andere in die Seite stemmte. „Das wird nicht möglich sein, Hermine. Man kann das Mal nicht entfernen. Ich habe es lange Zeit versucht.“

Er sah sie dabei nicht an und Hermine musste hart gegen den Knoten ankämpfen, der sich in ihrer Brust zusammenballte. Sie stand nun ebenfalls auf und ging zu ihm hinüber. Ihre Hand legte sich auf seinen Arm und mit ausdruckslosem Gesicht sah er sie an. „Du wirst sicherlich verstehen, dass ich diese Tatsache nicht hinnehmen kann, ohne es selbst versucht zu haben“, sagte sie dann ruhig und konnte zu ihrer Erleichterung sehen, dass ein missmutiger Ausdruck auf sein Gesicht trat.

Natürlich nicht.“

Ich verlange nicht, dass du mir hilfst. Aber ich fürchte, ich brauche deinen Arm zu Testzwecken.“ Sie streckte die Hand aus und strich mit ihren Fingerspitzen über das schmale Stück freier Haut an seinem Handgelenk, über dem sie das Dunkle Mal wusste. Flüchtig spürte sie seinen Puls, schneller als sonst, aber nicht übermäßig aufgeregt.

Schließlich wandte er sich vom Feuer ab und drehte sich ihr zu. „Es wird nichts bringen, Hermine“, sagte er inständig.

Lass das meine Sorge sein. Darf ich dich nun regelmäßig nerven und die Resistenz dieses Mals austesten?“ Sie legte ihren Kopf zur Seite und hoffte, dass ihn das überzeugen würde, zumal sie ihn nur ungern an sein Versprechen erinnern wollte. Er sollte es zulassen, weil er es jetzt wollte, nicht weil er es vor einigen Wochen versprochen hatte.

Ein tiefes Seufzen entwich ihm und schließlich zuckte er ergeben mit den Schultern. „Eher gibst du sowieso keine Ruhe.“

Ein zufriedenes Kopfschütteln folgte und Hermine trat die letzten paar Schritte auf ihn zu, um sich von ihm in den Arm nehmen zu lassen. Ihre Hände krabbelten um seine Taille und rutschten hinab bis auf den Po, der sich unter der Robe fest und wohlgeformt abzeichnete. Der herbe moschusartige Geruch stieg ihr in die Nase und sie sog ihn gierig auf, rieb zuerst nur ihr Gesicht, dann auch die Innenseite ihres Beines an ihm.

Hast du... heute Abend eigentlich noch was vor?“, fragte sie vorsichtig und blinzelte unschuldig zu ihm hoch.

Ein Glänzen hatte sich über seine schwarzen Augen gelegt und er nickte. „Ich habe da noch eine sehr anhängliche Ex-Schülerin, die einen Großteil meiner Aufmerksamkeit für sich beansprucht.“

Hermine setzte eine ernste Miene auf. „Die solltest du ihr unbedingt schenken. Man weiß nie, bei wem sie sich sonst beschwert.“ Nach ein paar Sekunden lachte sie leise auf und streckte sich, um seine Lippen kosten zu können.

Und dann noch so viel mehr.


***


Die nächsten Wochen verbrachte Hermine ausschließlich mit Unterricht, Recherche, Hausaufgaben und Schlafen. Dazwischen quetschte sie hin und wieder noch eine Mahlzeit, ansonsten sah man sie kaum. Sie hatte es sich zum Ziel gesetzt, Severus von diesem Mal zu befreien und sie würde nicht aufgeben, ehe sie es geschafft hatte. Und da es ohnehin noch fragwürdig war, wann Harry endlich mit dieser neuen Macht so sicher umgehen konnte, dass er einen weiteren Kampf gegen Voldemort auch nur in Betracht ziehen konnte, hatte sie alle Zeit der Welt.

Da Severus bei ihren Versuchen anwesend sein musste – und wenn es nur um den testenden Teil ging – hatte er sich Beschäftigung gesucht und verbrachte die Stunden, die Hermine konzentriert im Labor arbeitete, an seinem Schreibtisch sitzend. Meistens schrieb er etwas, hin und wieder las er auch einfach nur. Doch er störte sie nie, sprach sie nicht an und weigerte sich nicht, sie ihre Tränke testen zu lassen.

Hermine hatte eine Liste erstellt mit allem, was sie als interessant für ihre Zwecke erachtete. Sie hatte beschlossen, mit den vielversprechenden Tränken anzufangen, die sie in der Literatur gefunden und leicht modifiziert hatte. Sicherlich hatte Severus dies selbst bereits getan, doch sie wollte seine Gedankengänge verfolgen und für sich selbst sehen, wie das Mal auf welchen Trank reagierte.

Der Erste, den sie testen wollte, war ein recht simpler und sie war von vornherein davon ausgegangen, dass er nicht wirken würde. Es war der Trank, mit dem gewöhnliche Tätowierungen entfernt wurden; er drang in die obersten Hautschichten ein und zerstörte die dort liegenden Farbpartikel.

Severus sah sie ungläubig an, als sie damit bei ihm aufkreuzte. „Glaubst du wirklich, dass der Lord so einfallslos war, dass dieser Trank das Mal beseitigen könnte? Und glaubst du, ich hätte es damit nicht auch schon versucht?“

Hermine hob ihren Blick und sah ihn ruhig an. „Zum Einen scheine ich ja nicht die Einzige zu sein, die Voldemort für so einfallslos hält, wenn du es auch schon versucht hast.“ Sie ließ dieses Argument auf ihn wirken und sah, wie seine Augenbrauen noch weiter nach oben rutschten. „Und zum Anderen will ich sehen, ob das Mal irgendwie darauf reagiert, auf welche Art auch immer. Ich muss es verstehen und noch ist es ein ziemlich großes Rätsel für mich.“

Nachdenklich runzelte sie die Stirn, denn mit exakt diesem Gedanken hatte die ganze Geschichte damals begonnen. Für einen Moment fragte sie sich, ob sie jetzt auch nach einer Möglichkeit suchen würde, das Mal zu zerstören, wenn sie sich nicht um Severus gekümmert und sich in ihn verliebt hätte.

Vermutlich nicht.

Das ist es auch für mich noch immer“, wandte er ein, krempelte dabei allerdings seinen Ärmel hoch.

Hermine überging seinen Einwand und träufelte etwas von dem Trank auf das Mal. Dann zog sie Pergament und Feder herbei und notierte was sie sah – nämlich gar nichts. „Vollkommen reaktionslos“, murmelte sie leise und schrieb genau diese Worte auf.

Wie ich sagte“, stimmte Severus zu und reinigte seinen Arm mit einem Wink seines Zauberstabes.

Hermine kehrte zu ihrem Kessel zurück, strich den ersten Trank auf ihrer Liste weg und wandte sich dem nächsten zu.

Dieser sollte Fremdkörper aus der Haut entfernen, die dort von Menschenhand platziert worden waren. Normalerweise wurde er benutzt, um Sender oder Wanzen ausfindig zu machen (welche nicht unbedingt aus Drähten und Kunststoffen bestehen mussten; die Zaubererwelt hatte da ihre ganz eigenen Exemplare entwickelt), die direkt unter die Haut gesetzt wurden, um nicht aufzufallen. Hier würde er vielleicht andere Dienste erfüllen.

Du könntest mir deine Hausaufgaben mitbringen. Dann habe ich was zu tun, während ich hier rumsitze“, sagte Severus, als sie zwei Stunden später mit diesem Trank zu ihm kam und er erneut seinen Ärmel hochkrempelte.

Du willst meine Hausaufgaben machen?“, fragte sie und sah ihn ungläubig an.

Er schnaubte abwertend. „Sehe ich so aus? Ich will sie durchsehen! Ich weiß, dass du mehr Aufmerksamkeit auf dieses Mal verwendest, als gut für dich ist. Zweifellos hat die Qualität deiner Arbeiten gelitten. Ich will wenigstens die gröbsten Fehler raussuchen.“

Zuerst wollte sie fragen, warum er das für sie tun wollte, doch dann konnte sie sich diese Frage selbst beantworten. Sie tat das alles für ihn und er wollte ihr zumindest ein bisschen dafür danken (und möglicherweise spielte auch Professor McGonagall eine gewisse Rolle bei diesem Vorschag). Auch wenn ihr die Art und Weise nicht besonders zusagte. Denn sie musste ihm Recht geben, sie war nachlässig geworden mit der Erfüllung ihrer Aufgaben.

Ich werde sie dir morgen mitbringen“, fügte sie sich allerdings und er nickte einverstanden. Dann hielt er ihr den Arm hin und Hermine träufelte erneut den Trank auf seinen Unterarm.

Abwartend griff sie nach Pergament und Feder und wartete, was geschah. Severus stöhnte leise und sie sah ihn neugierig an. „Ist alles in Ordnung?“

Seine Hand ballte sich zu einer Faust. „Wie man es nimmt... Die Farbpartikel wehren sich gegen den Trank und sie werden erfolgreich sein. Es tut bloß weh.“

Hermine nickte und notierte sich diese Details. Sie glaubte sogar, die feinen Linien des Mals ein wenig wabern zu sehen, während sie dem Einfluss des Trankes auswichen. Doch nichts schien sie an die Oberfläche treiben zu können.

Hast du genug beobachtet?“, fragte Severus schließlich scharf und die Venen zeichneten sich bereits auf seinem Unterarm ab, da er so viel Kraft aufwandte, um den Schmerz zu kontrollieren. Hermine nickte hastig und wiederum entfernte er den Trank mit seinem Zauberstab. „Das reicht für heute. Du sitzt seit vier Stunden hier unten, was mich nicht stören würde, wenn ich dir nicht Gesellschaft leisten müsste.“

Hermine schmunzelte und legte ihre Aufzeichnungen zur Seite. „Ich denke, ich muss das sowieso erstmal wiedergutmachen“, erwiderte sie mit verführerischer Stimme und umfasste sein Gesicht, zog es zu einem Kuss heran.

Der erste vernünftige Satz seit vier Stunden“, knurrte Severus genießend und sie lachte leise gegen seinen Mund, während er sie auf seinen Schoß zog und so dichter an sich brachte. Bereitwillig ließ Hermine sich auf eine ganz andere Art der Recherche ein und stellte fest, dass ihr diese sehr viel mehr zusagte.


***


Am nächsten Tag trafen sie sich zur gleichen Zeit im Labor und nachdem sie ihn mit einem flüchtigen Kuss begrüßt hatte, legte sie ihm ihre Hausaufgaben auf den Schreibtisch. „Viel Spaß dabei, Professor Binns hatte heute seine sadistischen fünf Minuten“, sagte sie dabei und wandte sich ihren Versuchen zu.

Das heißt?&l