Im Herzen tief vergraben
von Kira
Hier ein etwas ungewöhnliches Werk von mir. Diese Geschichte
ist in klassischer Sprache verfasst. Daher bin ich um so gespannter, ob sie euch gefällt und würde mich sehr über
Feedback freuen!
Liebe Grüße,
Kira
Im
unendlichen Schweigen der alles bedeckenden Nacht, schlich sich, ein in Schwarz
gehüllter Mann, durch die Gänge des schlafenden Schlosses.
Er
war rastlos. Gehetzt durch das blanke Entsetzen, das sich in der Nacht zuvor
seinen Augen geboten hatte. Wenn auch heute die Nacht des geheiligten Vaters
war, so hatte die Nacht zuvor der Huldigung des Satans gedient. In völliger
Gewissheit dieses Frevels, beging er nun das Fest der Liebe ohne jegliche Wärme
und Geborgenheit, um seine Schuld, zu eines verschwindend geringen Anteils heut
zu sühnen.
Kein
Glanz sollte sein Auge treffen - kein Wort der Freundlichkeit an sein Ohr
dringen.
Gefangen
in des eignen Trübsinns schritt er dahin, gefolgt nur von den stets ihn
begleitenden Dämonen.
Doch
Einhalt gebot ihm nun einer Kerze Schein. Welch Unmut trat in ihm zutage, als
er des Funkeln wurd gewahr.
Denn
bald darauf erblickte sein Auge, was er so sorgsam sich bislang verboten hatte.
Ein Weib, so engelsgleich, dass seine Seele ward berührt, schlich sich gleich
ihm, zu einem unbekannten Ziele.
Seines
Herzens Schlag hielt inne und er sah, wie sie ihn ebenfalls erblickte. Ein Aug
traf das andre, und ins Schwarz der Nacht gehüllt, hätt er nicht vermocht zu
sagen, ob sie erschreckt oder schlicht nur überrascht.
"Was
wollt Ihr hier bei Nacht und auf dem Flure?" fand er mit Müh die Stimme
wieder, die ihm sonst allseits gegenwärtig war.
Doch
seine Rede war wohl nur ein Flüstern, denn die Jungfer, die sich Hermine nannt,
wandte den Kopf in seine Richtung, als habe sie seiner Worte Klang kaum
vernommen.
"Oh,
Sire - verzeiht, ich habe mich nur bemüht eines Traumes Schatten von mir zu
lösen. Wollt mich entwenden dem boshaften Griff der eignen Gedanken, indem ich
Zerstreuung suchte - und Schutz."
"Schutz?"
fragte er mit einer Stimme, die ihm nicht schien wie die sonst doch so
vertraute.
"Gewiss
- und wo ich Euch nun vor mir sehe, da spüre ich, dass Ihr mit der Nacht so
eins seid, dass Ihr in der Lage wärt sie zu bändigen. Sprecht mit dieser Euch
vertrauten Seele und bittet sie, mir nicht mehr nachzustellen. Denn ich bin am
Ende meiner Kräfte - und will sie mich besiegen, so ist es ihr bereits
geglückt."
Sein
Geist wurde langsam nur gewahr, welch sonderbare Forderung sie an ihn stellte.
"Die
Nacht ist mir ebenso fremd wie Euch. Wie kommt es, dass Ihr denkt sie sei meine
Verbündete?"
"Weil
Ihr der Nacht so gleicht. So kalt - so dunkel - so leblos."
Das
Herz - in seines Körpers Wärme doch gehüllt - fühlte sich mit einem male so
leblos an, wie sie es ihm und der unschuldigen Nacht zum Vorwurf machte.
"Wenn
Ihr mich verletzen wollt, so reiche ich Euch lieber eine Klinge. Die Hiebe
eines Schwertes scheinen mir leichter zu ertragen als die Wunden, die Eure
Worte schlagen", erwiderte er mit schwacher Stimme.
Ihr
Blick war forschend, unstet, voller Zweifel ob das was sie gehört, dem Munde
des Mannes vor ihr war entsprungen. Doch schließlich schlug sie ihre Augen
nieder.
"Verzeiht
- ich wollte Euch nicht verletzen. Ich dacht vielmehr, dass dies Euer Begehren
sei. Schwarz wie die Nacht - geheimnisvoll, ebenso voller Rätsel. Die Nacht
erweckt Furcht - auch dies scheint Ihr mit Eurem Gebaren zum Ausdruck bringen
zu wollen."
Ein
Seufzen entrang sich seiner Kehle, das nicht schauriger von einem Sterbenden
hätte ausgestoßen werden können.
"So
seid auch Ihr nur allzu gern bereit, das zu sehen, was das Auge mit dem ersten
Blicke wahrnimmt. Wie könnte ich es Euch verdenken. Sprecht, was soll ich tun
um Euch den Schrecken der Nacht zu nehmen?"
"Erklärt
Euch! - So erklärt ihr mir vielleicht ebenso die Nacht und nehmt mir meine
Furcht vor Dunkelheit und bösem Traume!"
"Es
gibt nichts zu erklären. Was mein Dasein ausmacht ist in einer hohlen Hand zu
tragen. Der Rest ist wertlos wie des Wassers Glanz."
"Und
wenn des Wassers Glanz zwar wertlos, aber dennoch von außerordentlicher
Schönheit ist? Was dann, mein Herr? Was, wenn der Glanz an sich, mir wichtiger
erscheint als der Wert des Goldes das ihn ausstrahlt? Ich dachte so oft an Euch
in letzter Zeit. Meine Gedanken waren auch heute bei Euch - bevor ich
einschlief sah ich, wie Ihr Euch grämtet. Doch erst der Traum verlieh mir
Einsicht. Ihr grämt Euch nicht nur - Ihr leidet! Wie eines Tieres unerhörter
Schmerzensschrei, so schreit auch Ihr in die Nacht - vergessen von allen, die
Euch einst liebten."
"Da
gibt es nicht viele, die sich des Vergessens schuldig machten", erwiderte
er tonlos.
Sie
sah ihm schweigend ins Gesicht. Seine dunklen Augen ließen sie vergessen, was
sie zu sagen sich vorgenommen.
Auf
die Zehenspitzen sich erhebend, brachte sie die Lippen auf die seinen, bevor
ein Zurückweichen seinerseits zur Unterbrechung dieses leichten Kusses führte.
"Ihr
solltet nicht mit einem Manne spielen, der Euch zu leicht nur für ein Spielzeug
halten könnte."
Ihr
Blick war sonderbar entrückt während sie die Finger an die Lippen führte, als
wolle sie erspüren, ob es die selben waren wie vor dem Kusse.
"Wenn
Ihr mich für ein Spielzeug haltet, dann spielt mit mir. Unter Euren schlanken
Händen will ich gerne so lange zu Eurer Freude dienen, bis Ihr des Spielens
müde seid."
"Nein,
das ist nicht recht. Ihr seid Euch nicht im Klaren was Ihr sagt. Wenn Ihr es
wärt, so würdet Ihr es einem Jüngling zuflüstern der Eurer würdig ist. Ich
werde Euch jetzt verlassen, bevor der Wille mir entgleitet Euch unbeschadet
ziehen zu lassen."
Mit
eindringlicher Stimme hielt sie ihn auf. "Ihr könnt mir nicht schaden wenn
Ihr bleibt - wohl aber wenn Ihr nun geht!"
Nur
eine Armeslänge von ihr entfernt, gefesselt vom Klang der verführerischen
Stimme, hielt er inne.
"Ihr
scheint wirklich nicht zu wissen was Ihr sprecht. Glaubt Ihr gar es sei ein
Traum, der sich hier zwischen uns ereignet. So lasst mich Euch versichern, dem
ist nicht so. Bis heut hasstet Ihr mich so tief aus Eurer Seele, dass kein Ende
der Verachtung abzusehen war. Und nun - Ihr bittet mich zu bleiben - mehr noch
- Euch zu berühren?"
"Ihr
habt mich recht verstanden. Es war der Wunsch Euch heut zu spüren, der mich
hinausgetrieben aus meinem warmen Bette auf diesen eisgen Flur."
Er
wich einen Schritt weiter von ihr und seine Augen forschten nach einem Funken
des Spottes. Als er keinen zu erkennen vermochte, hob er fest entschlossen
seine Stimme an.
"So
lasst mich denn einen Handel anbieten. Wenn es Euch ernst ist mit Eurem
Wunsche, so werden wir uns morgen just zur selben Zeit wieder hier an diesem
Orte finden. Erscheint Ihr nicht, so werden wir niemals mehr über dies Ereignis
sprechen. Nehmt Ihr meinen Handel an?"
Sie
tat einen Schritt in seine Richtung und zögerlich, als wolle sie ihn nicht
erschrecken, wagte sie einen zweiten. Dann, ehe er abermals Gelegenheit zum
Rückzug hatte, streckte sie ihre Hand nach seiner aus und schüttelte sie gar
tugendhaft.
"Dieser
Handel gilt, Sire. Ihr werdet mich hier wieder finden - und seid Euch dann
bewusst, wonach ich suche."
So
sprach sie und verschwand so schnell, gleich dem Schein einer Kerze die der
Sturm hat ausgelöscht.
In
dieser Nacht konnt er den Schlaf nur mühsam finden und als das erste Licht des
Tages brach herein, war er entschlossen der Verlockung zu widerstehn. Die
Gedanken in seinem Kopfe hatte er hin und hergewälzt, genau wie seinen Körper
in dem Bette.
Doch
was nicht sein durfte, würde er nicht aus einer Lasterhaftigkeit heraus
geschehen lassen.
Bewies
nicht die Enthaltsamkeit zur richtigen Zeit, die Standhaftigkeit des Mannes?
War es nicht ein Loblied auf die Sittsamkeit, wenn er dem verführerischen
Körper strikt entsagte, den sie ihm gar so vorbehaltlos feil bieten wollte.
Und
würde sie ihn auch noch so sehr umgarnen in der kommenden Nacht - sein
Entschluss stand fest - er würde ihr trotzen.
Doch
als die Stunde hereinbrach, in der das Treffen nahte, war er geleitet von des
Menschen größtem Daseinswunsch. Er wollte sie noch einmal sehen - so ganz und
gar in voller Pracht - doch nur schauen, nicht berühren - sie verlassen, bevor
seine Gier den reinen Wunsch verdrängen würde.
So
ging er, eingehüllt in dunkle Roben, erneut zur Stelle wo er sie des Tags zuvor
getroffen hatte.
Die
schlanke Gestalt eilte ihm so geschwind entgegen, dass er die abwehrenden Hände
nur im letzten Moment erheben konnte.
Fragenden
Blickes sah sie ihn an. "Ihr machtet mir einen Vorschlag. Warum seid Ihr
hier, wenn Ihr nicht gebt, was Ihr zu versprechen ward bereit?"
Der
Glanz in ihren Augen rührte ihn an, bis ins tiefste Innere. Dennoch ließ er
seine Hände in zurückweisender Geste zwischen ihnen schweben.
"Ich
kam nur um Euch zu Verstand zu bringen. Geht nun zurück in Euren Turm und
träumet nicht von Dingen, die Euch nicht bestimmt sind."
"Nicht
bestimmt? Nicht bestimmt? Wollt Ihr bestimmen, was mir vom Schicksal ist
bestimmt?"
Ein
Seufzen entrang sich seiner Kehle. "Schicksal ist ein allzu großes Wort.
Es war wohl eher die Laune des Zufalls, dass wir uns gestern sind
begegnet."
"Zufall?"
fragte sie schwach, "Zufall...ich liebe Euch und Ihr nennt es einen Zufall?"
Eh er
sich klar über ihr Tun, wand sie sich schnell an ihm vorbei und lief davon, wie
Wild das vor dem Wolfe zu flüchten sucht.
"Es
ist besser so..." dies war ein Flüstern nur auf seinen Lippen und seine
brennenden Lenden straften diese Worte lügen - doch er war sich des Sieges über
seine Lust gewahr und nahm mit Stolz ihn zur Kenntnis.
Als
er die Halle querte, sah er die Eingangspforte offen stehn. Leise Schneeflocken
wirbelten herein und bedeckten schon der Halle kalten Boden.
Mit
schnellen Schritten ging er zu Tür, doch ehe er sie schloss, kam ein Gedanke
ihm. Und um sich seines Verdachtes zu vergewissern, spähte er hinaus in die
eisige Nacht.
Da
sah er Fußspuren, wie sie nicht eindeutiger hätten zu erkennen können. Sie
führten von dem Schlosse fort.
Mit
bangem Herzen zog er den Umhang fester um sich und verließ nun ebenfalls das
Schloss, ohne sich zuvor in wärmere Gewänder zu hüllen.
Der
Schnee gab knirschend Laut unter seinen Schritten, doch sonst war alles seltsam
still.
Um
ihn herum fiel Flocke um Flocke, sich vermehrend zu einer immer dicker werdenden
Decke aus Schnee. Diese Decke umfing auch ihn nun sacht. Die Kälte in den
Knochen spürend, ging er den Spuren nach, die er im glatten Weiß mühelos zu
erkennen vermochte.
Dann
sah er sie dort liegen.
Mitten
im Schnee erstreckte sich Hermines jugendlicher Körper.
Mit
eiligen Schritten war er an ihrer Seite angelangt. Seine Hand nach ihrer Wange
ausgestreckt, die bereits erschreckend kalt war, ließ er sich auf die Knie
sinken.
"Was
macht Ihr nur?" fragte er ohne die geringste Hoffnung auf Antwort.
"Sterben",
erwiderte sie leise.
"Kommt
mit ins Warme, sonst sterbt Ihr wirklich noch", gab er sich Müh zum
Aufstehen sie zu bewegen.
"Lasst
mich hier. Ich spür die Kälte bereits nicht mehr. Sie hat mich angenommen als
ihresgleichen. Mein Herz ist kalt, jetzt, da Ihr es zurückgewiesen habt.
Kümmert Euch nicht um mich - geht - geht und vergesst mich!"
"Wenn
man mich morgen schuldig macht für Euren erfrornen Körper, kann ich schwerlich
nur vergessen. Kommt mit mir und nehmt Abstand von diesem törichten Plan."
"Warum?
Nur damit man Euch nicht die Schuld geben kann für meinen Tod? Ihr seid Schuld
- denn ich bin gestorben - auch wenn mein Herz noch schlägt."
Er
hob sie ohne jede Mühe auf seine Arme. Ihrer Hand, die nach ihm schlug, wich
mit Leichtigkeit er aus und hielt sie schließlich fest, um ihr die Kraft zur
Gegenwehr zu nehmen.
"Euer
Herz wird wieder lebendig schlagen, wenn Ihr den Richtigen gefunden habt. Das ich dies nicht bin wird Euch dann so
klar erscheinen, dass es Euch schmerzen wird je dieses Schauspiel aufgeführt zu
haben. Doch seid Euch meines Schweigens sicher. Ihr sollt nicht leiden unter
diesem Fehltritt heute, wenn Ihr nun vernünftig werdet und mit mir ins Schloss
zurückkehrt."
Kein
Zeichen oder Nicken kam von ihr. Sie war erstarrt von Kälte - innerlich wie
äußerlich.
Leblos hatte sie einen Tag zuvor ihn
noch genannt. Nein, leblos war er nicht. Auch wenn er sich nur allzu bewusst
war, dass seine Pflicht darin bestand sie zu beschützen - da von Gesetzes wegen
sie unter seiner Obhut stand - so klopfte dennoch nicht nur sein Herz in einem
sonderbaren Takt, als er so nah sie spürte und ihre Brust an seiner weich zu
liegen kam.
Was
das Gesetz verbat, schien angesichts des Sturms in seinem Körper wie blanker
Hohn, denn die Natur war stark und forderte von ihm, sich dem zu ergeben was
das Leben stets von Neuem schuf.
Das
Rauschen des Blutes in seinen Lenden und die erhebende Wirkung desgleichen,
ließ ihn sie näher nun betrachten.
Wie
leicht es wäre - wie erfüllend. Doch nur für einen Augenblick wär dies die Wirkung
- was folgen würde wär Verdammnis.
So
trug er sie, bis sie im Schlosse angelangt.
Dort
sah er ernst ihr ins Gesicht, um dann auf eigne Füße sie zu stellen.
"Ich
möcht nun keinerlei Unbedachtheiten mehr von Euch hören. Geht in Euren Turm und
erfreut Euch der Jungfräulichkeit, die Ihr immer noch als höchstes Gut besitzt,
und einst dem Manne schenken könnt, der Euch zur Gattin wird gewinnen. Macht
nun, dass Ihr mir aus den Augen kommt!"
Mit
kaltem Blick der nichts nach außen dringen ließ, sah er ihr nach, wie sie in
stillen Tränen schwimmend ihm den Rücken kehrte und leise bebend ihn verließ.
oooooooooooooooooooooooooooo
Ein
Jahr war vergangen, in dem sie tunlichst des anderen Wegs gemieden hatten. Wenn
er sie Zaubertränke lehrte, so geschah dies mit größter Gleichgültigkeit und
Distanz. Seine Augen ruhten nie lang genug auf ihr um preis zu geben, ob er ihr
auch nur die geringste Bedeutung zumaß.
Er
wollte sie nicht strafen, doch jeglicher Kontakt hätte das Feuer in ihm erneut
entfacht, das er mit Öl schien gelöscht zu haben.
Heut
war der Tag des großen Weihnachtsballes. Severus war beseelt von eigentümlicher
Stimmung. Es war so sonderbar in diesem Jahre nicht zu grauenvollen Taten im
Zeichen seines wahren Meisters gezwungen gewesen zu sein.
Der
Lord war nunmehr seit einem halben Jahr in der ewigen Dunkelheit verschwunden,
die früher oder später jedes lebende Wesen umfing.
Der
Meister der Zaubertränke hatte nie solche Erleichterung bisher erfahren, wie an
dem Tage als diese Botschaft ihn erreichte.
Nun
saß er hier, inmitten seiner Kampfgefährten und Kollegen und spürte, dass er zu
lange sich all dem verschlossen hatte.
Ob er
es jemals schaffen würde, sich wohl zu fühlen unter diesen Menschen? Doch wenn
nicht unter diesen Menschen, dann
wohl bei niemand sonst.
Unwillkürlich
ging sein Blick zur jungen Frau, die leichten Fußes und mit glockenhellem
Lachen sich im Kreise drehte. Ihr die Hände reichend, tanzte ein Jüngling mit
ihr, dessen braunes Haar bis auf die Schultern reichte. Er gehörte dem Hause
der Ravenclaws an und war mit Gewissheit nicht dumm. Kein Wunder, dass ihre
Wahl auf ihn gefallen war. Doch noch weniger verwunderlich war, dass seine Wahl
genau auf diese junge Frau gefallen - war sie doch zu einer wahren Schönheit
nun gereift.
Severus
Augen trafen kurz sich mit den ihren, als in ihrer Drehung sie zu ihm sah. Er
verbat sich jede Reaktion und gelangweilt war sein Ausdruck, als er den Kopf in
eine andre Richtung wand.
In
seinem Geiste war das Bild von ihr, wie sie ihm all dies angeboten, was nun ein
jeder Junge im Schlosse sein größtes Begehren würd nennen. Dies hätte nie
geschehen dürfen - nie hätte er ihr einen Vorschlag machen dürfen, sich ihrem
Willen zu beugen, wenn sie sich wiederträfen.
Nun
verschwendete sie keinen Gedanken mehr an ihn - und ihm war auferlegt, sich
nicht nur damals stark zu zeigen, sondern immer wenn seine Gedanken zu ihr
schweiften, was zweifellos zu oft geschah. Und dann dieser junge Mann, der sie
nun sacht im Arme hielt. Ob er bei Nacht ebenfalls so zärtlich sie berührte?
Severus
schalt sich selbst einen Narren - was ging es ihn an? Doch das Tier mit Krallen
und Zähnen, welches den Namen Eifersucht trug, hatte sich an ihn
herangeschlichen und war über ihn hergefallen, bevor er sich erwehren konnte.
Es würde ihn langsam zerfleischen, ohne dass er auch nur ein Zeichen des
Schmerzes und der Qual von sich geben würde.
Denn
Hermine war nicht Sein! Sie war nie Sein gewesen - und sie würde nie die Seine
werden.
Auf
der Tanzfläche drehte sich mit sanftem Wiegen Hermine im Arme eines großen
Jünglings. So oft sie ihn auch ansah - sein Haar war von zu hellem Ton und
seine Augen trugen den selben Makel. Seine Haut war nicht blass genug und sein
Blick war viel zu zart um ihr Blut in Wallung zu versetzen.
Der
Mann, dem dies bisher als einziger gelungen, würdigte sie kaum noch einer
kurzen Aufmerksamkeit. Sie hatte sich ihm schutzlos gezeigt und war vernichtet
worden, denn mit seiner Gleichgültigkeit ihr gegenüber, hatte sie in diesem
Ausmaß nicht gerechnet.
Es
hatte lang gedauert bis sie dies begriffen hatte. Er liebte sie nicht -
begehrte sie nicht. Und wenn Hundert Männer sie begehrten, es war doch nicht
dasselbe. Sie hatte ihn gewollt -
wollte ihn immer noch.
Doch
er war nicht der Ihre - war nie der Ihre gewesen - und er würde auch nie der
Ihre werden.
Ende