Das Image
von Zan
In Harrys sechstem Schuljahr wurde Professor
Severus Snape, seines Zeichens Meister der Zaubertränke auf Hogwarts Schule für
Hexerei und Zauberei, durch einen unglücklichen Zufall in ein Baby
zurückverwandelt. Im Nachhinein konnte keiner mehr genau sagen, wie es
eigentlich passiert war. War es ein schief gegangenes Experiment, oder ein
dummer Streich einiger Schüler, oder Lord Voldemorts Werk? Das Resultat auf
jeden Fall brauchte alle paar Stunden sein Fläschchen, hatte öfter als nicht die
Hosen voll und schrie die Nächte durch. Madam Pomfrey, die Aufseherin des
Krankenflügels, hatte schon ganz dunkle Augenringe und war gereizt bis zum in
die Luft gehen. Schließlich warf sie das Handtuch, schnappte sich das Kind und
stampfte damit zum Direktor.
„So KANN das nicht weitergehen! Wenn ich Kinder
haben hätte wollen, hätte ich meine eigenen fabriziert! Nichts gegen Professor
Snape, aber als Erwachsener hat er MIR besser gefallen!"
Professor Dumbledore sah ein, dass er zu Plan B
übergreifen musste. Er beauftragte Hermine Granger, das Kind in ein Waisenhaus
zu bringen, denn irgendwie musste die Schülerin mit in diese Geschichte
verwickelt werden, da es sich immerhin um Snape handelte. Hermine also fuhr mit
Babysnape im Schlepptau mit dem Hogwarts Express nach London, wo sie die
Adresse eines Muggelwaisenhauses ausfindig gemacht hatte. In der Zaubererwelt
gab es nämlich keine Waisenhäuser, weil dort noch das System „Großfamilie"
vorherrschte und so immer (außer in Snapes Fall) jemand übrig blieb, der sich
verwaister Kinder annahm (und sei es auch die
Ur-Ur-Ur-Ur-Ur-Ur-Ur-Ur-Ur-Ur-Ur-Ur-Ur-Ur-Ur-Ur-Großtante mütterlicherseits,
zweiten Grades). Hermine war ein schlaues Mädchen, und hatte eigentlich darauf
gewartet, erwachsen zu werden, um sich an ihren Zaubertränkelehrer
heranzumachen (sie fühlte schon seit langem, dass dies ihre Bestimmung war,
denn nur sie mit ihrer ausgesprochenen Intelligenz konnte den subtilen Humor
dieses Mannes vollkommen verstehen, und sie hatte zahlreiche Geschichten in ihr
Tagtraumbuch geschrieben, in denen sie auf die verschiedensten Arten mit ihrem
Lehrer zusammenkam), doch dieses Abenteuer setzte sie in den Sand.
Anstatt den kleinen Severus vor der Tür des
Waisenhauses zu deponieren, um dann versteckt in einer Ecke zu warten, bis er
gefunden wurde, legte sie ihn vor irgendeiner Tür ab, weil sie das Gefühl
hatte, dies sei das einzig richtige, das sie tun konnte. Danach machte sie sich
schnurstracks auf den Weg zurück in die Innenstadt, wo es am Leicester Square
in einem der Buchläden einen Eröffnungsverkauf mit bis zu 50% Rabatt gab. Wäre
sie um eine Sekunde später gekommen, hätte sie die wundervolle neue
Enzyklopädie der Weltgeschichte nicht mehr bekommen, da fast im gleichen
Augenblick ein bebrillter Junge gierig danach gegriffen hatte. Wie glücklich
war sie also, dass sie nicht erst groß bis zum Waisenhaus gelaufen war! Ihrem
Direktor erzählte sie, dass alles nach Plan verlaufen war (immerhin hatte sie
die Enzyklopädie ja bekommen, auf die sie schon im Vorbeigehen ein Auge geworfen
hatte), und verbrachte dann glücklich und zufrieden den Rest ihrer
Schullaufbahn, schnitt als Beste ihres Jahrganges ab, wurde in die Hohe
Akademie der Zauberkünste, Abteilung Politikwissenschaft, aufgenommen,
heiratete Ron Weasley, ihren Jugendfreund, mangels Snape-Verfügbarkeit und
brach ihr Studium nach zwei Jahren ab, da sie schwanger war und sich um den
Nachwuchs kümmern wollte. Es sollten noch acht weitere Kinder folgen.
Harry Potter indessen hatte den mächtigen Lord
Voldemort besiegt und es herrschte einmal mehr Frieden und Zufriedenheit in der
Zaubererwelt. Speziell auf Hogwarts war man glücklich, da der immer grantige
Zaubertrankmeister endlich weg war und die neue Lehrerin für dieses Fach, eine
ältere Hexe aus Slowenien, lustig, nett und einfühlsam mit ihren Schülern
umging, obwohl sie manchmal nicht alles verstand, was man sie fragte, und
umgekehrt.
Was aber war in der Zwischenzeit mit dem kleinen
Snape geschehen?
An dem Tag, an dem Hermine ihn so achtlos vor der
Tür einer wildfremden Person abgesetzt hatte, war er eine Weile still und
gehorsam liegen geblieben, vielleicht wollte er einen guten ersten Eindruck
schinden bei seinen neuen Eltern. Irgendwann jedoch hatte er Hunger bekommen,
und da sich nach zwei ganzen Stunden keine Seele gezeigt hatte (außer einer
Katze, die klein und groß gleichzeitig war), fing er aus Leibeskräften an zu
schreien. Daraufhin hörte er ein Poltern in dem Haus, in dessen Eingang er lag,
dann wurde die Tür geöffnet und seine neue Stiefmutter kniete sich zu ihm hinunter.
„Nicht schon wieder!" rief sie aus. In ihren
Rücken hinein rannten drei Jungs, etwa im Alter von zwei bis sechs Jahren.
„Der Storch hat noch eins gebracht!" jubelten die
drei wie wild und tanzten einen Indianertanz um das Baby.
„Jetzt kriegt euch mal wieder ein, ihr erschreckt
den Kleinen total!" Damit hob sie das Kind vom Boden auf, trug es ins Haus und
fütterte, badete und wickelte es gekonnt.
Severus Snape, dessen Name seiner neuen
Stiefmutter nicht bekannt war, hieß von nun an Saudi Arabien. Sie benannte alle
ihre Kinder nach Orten. Seine Brüder hießen Kentucky, Seoul und Maastricht.
Später kam noch eine kleine Schwester hinzu, die Wörthersee getauft wurde.
Seine Stiefmutter selbst hieß Flora, was für ein hässlicher Name, aber meistens
nannte er sie einfach „Mama", wie die anderen auch.
Flora war aus der Schweiz, sie sprach deutsch,
französisch und italienisch als Muttersprachen, die sie an ihre Kinder
weitergab, plus fließend englisch, wobei man einen leichten Akzent heraushören
konnte. Zu ihren fünf Sprösslingen war sie gekommen wie die Jungfrau zum Kinde.
Jeder einzelne wurde im Säuglingsalter vor ihrer Tür abgelegt, und da sie ein
gutes Herz hatte und finanziell unabhängig war, behielt sie die Kleinen
einfach. Trotzdem wunderte sie sich manchmal, ob nicht jemand ein geheimes
unsichtbares Zeichen an ihre Tür gemalt hatte, das soviel hieß wie: Gute
Seele, finanziell abgesichert, mag Kinder, ungewollte Babys bitte vor der Tür
ablegen.
Sie hatte natürlich viel zu tun mit fünf Kindern
und ohne Mann, der ihr helfen konnte, doch da sie ihrem Beruf von zu Hause aus
nachging - sie war Schriftstellerin - hatte sie alle Zeit der Welt und
flüchtete sich nur ab und zu in ihre Phantasie, wenn sie sehr gestresst war.
Sie verfasste einige Kinderbücher, die hauptsächlich aus Episoden ihres eigenen
Lebens geklaut waren, außerdem schrieb sie eine Kolumne für die Zeitschrift
„Kinder", in der sie über ihre Erfahrungen und Erlebnisse sprach. Auch ihre
Romane kamen gut bei der Leserschaft an, weshalb sie schon bald in ein größeres
Haus am Stadtrand umzogen, in dem jedes Kind sein eigenes Zimmer bekam, genauso
wie die kleine große Katze Hannelore, die aber trotzdem immer bei Flora
schlief. Außerdem hatten sie dort einen riesigen Garten mit vielen Obstbäumen,
darunter Kirsche, Zwetschge, Birne, Apfel und Quitte, es gab tonnenweise
Johannisbeer-, Hagebutten- und Kapstachelbeersträucher, Walderdbeeren zierten
die ganze Wiese, Flora pflanzte Kartoffeln, Kürbisse für Halloween, Lauch,
Radieschen, Tomaten, Zwiebeln, Gartenkräuter wie Petersilie, Rosmarin, Thymian
und Basilikum, und an einer Hauswand rankte sich Wein hoch, der jeden Sommer
Berge von roten Trauben trug. Zusammen bauten sie einen Freisitz in der Nähe
des kleinen Teichs, den sie mit weißem Wein bepflanzten, und sie legten in der
Nähe ein ganzes Beet mit Himbeeren, Brombeeren und Blaubeeren an. Ihr Garten
sah wild und bunt aus, es gab Ecken, in denen unordentlich Sträucher wuchsen,
dort konnten die Kinder Räuberhöhle spielen. Es gab einen Rasen mit
Gänseblümchen und Löwenzahn, der sich ideal zum Fangsti-, Ball-, Federball- und
Frisbeespielen eignete und in einer uralten Linde ein Baumhaus, in dem sie im
Sommer oft übernachteten. Kurz, es war ein Traum für Kinder und Katzen.
Natürlich war Flora auf der Suche nach einem passenden
Mann, doch diese gestaltete sich sehr schwierig, da alle ihre Kinder etwas ganz
besonderes waren und sehr viel Aufmerksamkeit bedurften. Kaum ein Mann war
gewillt, sich mit fünf Bälgern abzugeben, die nicht einmal seine eigenen waren.
Kentucky zum Beispiel kam eines Tages, als er ca. zehn war und sie gerade erst
in die neue Nachbarschaft gezogen waren, nach Hause und rief stolz vom Gehsteig
aus:
„Guck mal Mama, was ich auf der Straße gefunden
habe! Darf ich das behalten?" Flora, die in der Küche gerade das Abendessen
vorbereitete, spähte aus dem offenen Fenster und fiel fast um vor Schreck.
Kentucky hielt einen blauen Trabbi hoch über seinem Kopf und grinste von einem
Ohr zum anderen. Es dauerte eine Weile, bis er verstand, dass Objekte, die
größer waren als er selbst (wie zum Beispiel der Zaun um den Buckingham Palace)
nicht zu den Dingen gehörten, die Menschen auf der Straße verloren, weswegen er
sie auch nicht wegnehmen dürfe.
Seoul liebte es, sein Zimmer in ein Spinnennetz zu
verwandeln. Flora war sich nicht ganz im Klaren, wie er das immer anstellte,
doch zumindest hatten sie nie Probleme mit Fliegen oder Mücken im Haus.
Maastricht hingegen baute einen Teil des Kellers
in eine geheime Zentrale um, buddelte einen Tunnel nach draußen und entwickelte
technische Hilfsmittel zur Bekämpfung des Bösen.
Saudi Arabien konnte stundenlang vor dem Spiegel
in Floras Schlafzimmer verbringen und seinen bösen Blick üben. Er hatte es
schon mit fünf drauf, eine Augenbraue hochzuziehen und herablassend zu sagen:
„Und du glaubst also, du bist was GANZ besonderes..." Da wurde seiner Mutter
immer ganz warm ums Herz. Sie liebte Männer in Umhängen, und schneiderte einen
umhanggleichen Mantel extra für ihren jüngsten Sohn, in dem er wie die neue
Version von Graf Dracula aussah. Er übte sich darin, den Mantel gekonnt um sich
zu werfen, mit langen Schritten durchs Haus zu stolzieren und die Insassen
anzufauchen. Flora wusste, er würde später einmal ein Mädchenschwarm werden.
Wörthersee war vernarrt in Katzen. Da Hannelore
aber nicht bei ihr schlafen wollte, holte sie nach und nach jede Streunerkatze,
die sie finden konnte, ins Haus, sodass Flora bald 20 hungrige Katzenmäuler zu
stopfen hatte. Was ihr natürlich nichts ausmachte. Wörthersee liebte es
außerdem, sich schwarze Leggins, ein schwarzes Bikinioberteil und Floras
Stöckelschuhe (die ihr viel zu groß waren) anzuziehen und mit einer Peitsche
bewaffnet in den Bäumen zu klettern. Wenn sie in diesem Aufzug an den Jungs
vorbei schlich, bekamen diese Stielaugen und Flora fragte sich, wie sie es
jemals schaffen würde, den Kindern beizubringen, dass sie sich wie Geschwister
zu sehen hatten.
ooOoo
So gingen sie alle ihren Beschäftigungen nach,
bemühten sich, in der Schule nicht plötzlich das Fliegen anzufangen oder
klebrige Netze zu versprühen, und in der Nacht in von Flora geschneiderten
Kostümen die Welt zu retten. Sie liebte es, wenn ihre drei Ältesten (Saudi
Arabien und Wörthersee ließ sie noch nicht nachts in der Stadt herumstreunen)
ausflogen/ -hangelten/ -fuhren, um das Böse zu bekämpfen. Sie sahen so
wahnsinnig schick aus, obwohl Seoul sich rundweg geweigert hatte, einen Umhang
zu seinem Kostüm anzuziehen. Er sah in dem engen Anzug aber auch so sehr gut
aus.
Kentucky, Seoul und Maastricht waren bereits in
der Oberschule und Saudi Arabien sollte nach diesem Sommer auf die gleiche
Schule gehen, als gegen Mitte Juli ein seltsamer Brief per Eule zugestellt
wurde. Er war adressiert an
Hr. Saudi
Arabien Fauna
Heldenweg 13
zweites Zimmer links im fünften Stock
am Stadtrand von London
Versiegelt war er mit einem roten Wappen aus
Wachs, auf dem ein verschnörkeltes H zu erkennen war. Es war die Einladung auf
die berühmte (obwohl Floras Familie noch nie etwas davon gehört hatte)
Zauberer- und Hexenschule Hogwarts.
Am 1. September wurde Saudi Arabien von seiner
Mutter und seinen Geschwistern zum Bahnsteig gebracht. Flora war der Meinung,
dass keines ihrer Kinder dieses einmalige Erlebnis verpassen durfte, weswegen
sie den betroffenen Schulen geschrieben hatte, dass ihre Kinder allesamt einen
schweren Anfall von Faulritis, einer neuen und bisher noch kaum erforschten
Krankheit, bekommen hätten und erst am darauf folgenden Tag das Schuljahr
beginnen konnten.
Saudi Arabien hatte sich zusammen mit seiner
Mutter Gedanken um seinen Namen gemacht. Beide waren sich einig, dass ein
zukünftiger Mädchenschwarm und gefürchtetster Schüler einer Magierschule einen
wohlklingenderen Namen brauchte als „Saudi Arabien Fauna". Flora war mit dem
Nachnamen „Snape" aufgefahren. Sie hatten im Sommer eine Reise mit dem Zug quer
durch England gemacht, und auf dem Rückweg nach London hatte sie einen Ort
entdeckt, der so hieß. Saudi Arabien war begeistert gewesen, solch ein wütender
Name passte wunderbar zu dem Image, das er sich aufbauen wollte. Maastricht
schließlich hatte auf seinem Schüleraustausch nach Augsburg ein Jahr zuvor
einen deutschen Jungen mit Namen Severin Rampelshammer kennen gelernt, der sie
im Sommer zwei Wochen besucht hatte. Da er ein sehr netter Junge war und sein
Name allen gefiel, beschloss die Familiensitzung einstimmig, dass Saudi Arabien
in Hogwarts als „Severin Snape" bekannt sein sollte. Flora schrieb dem Direktor
der Schule einen höflichen Brief mit der Bitte, diese Namensänderung in seinen
Unterlagen zu vermerken, was gerne gewährt wurde.
So halfen ihm seine älteren Brüder, den schweren
Koffer in den Zug zu heben, was für Kentucky ein leichtes war. Wörthersee gab
ihm ein Kätzchen aus dem neuesten Wurf ihrer Lieblingskatze mit, wobei sie sich
weinend an ihn klammerte, da sie ihn sehr vermissen würde. Auch Flora rannen
Tränen über die Wangen. Damit hatte sie nicht gerechnet, dass eins ihrer Kinder
auf ein Internat gehen würde und nur in den Ferien heimkam. Als der Zug abfuhr,
liefen alle fünf wie wild neben dem Zug her und winkten, bis er in der Ferne
verschwunden war.
Saudi Arabien in der Zwischenzeit hatte sich zu
dem netten Jungen gesellt, den er beim Einkaufen eine Woche vorher kennen
gelernt hatte. Er hatte weißblondes Haar, braune Augen und hieß Henry. Seine
Eltern hatten ihnen geholfen, in die Diagon Alley zu kommen, und dann auch beim
Einkaufen. Außerdem hatten sie ihnen erklärt, wie man zum Bahnsteig 9¾ kommt.
Henry hatte zwei jüngere Schwestern, die beide außerordentlich hübsch waren.
Saudi Arabien gefiel die Rothaarige am besten, sie war zwar erst fünf, aber
sehr süß, und man konnte jetzt schon ahnen, dass sie einmal eine Schönheit sein
würde. Auch die Mutter war perfekt. Sie war Französin und sprach mit einem
wundervollen Akzent englisch. Flora und sie hatten sich eine ganze Weile auf Französisch
über einen Film unterhalten, dessen Hauptakteur sie beide absolut göttlich
fanden. Henrys Vater hatte ganz langes Haar und trug in einem Ohr einen Ohrring
mit einer Spinne dran, der es besonders Seoul angetan hatte.
„Meine Schwestern haben sich fast die Augen
ausgeheult, weil ich jetzt so weit weg wohne. Weiber!" sagte Henry zu Saudi
Arabien, den er nur unter dem Namen Severin kannte.
„Meine kleine Schwester auch! Weiber!" bekräftigte
Saudi Arabien, der sich ab jetzt nur noch Severin nennen wollte.
Severin hatte viel über Hogwarts gelesen, nachdem
er den Brief bekommen hatte. Er wollte vorbereitet sein, um sein Image aufbauen
zu können. Er weihte Henry in seinen Plan ein, der ihm versprach, ihm zu
helfen.
„Ich wette, ich komme nach Gryffindor, meine ganze
Familie war bis jetzt dort gewesen. Außer meiner Mutter natürlich, die war aber
gar nicht in Hogwarts. Und mein Onkel Draco, der war in Slytherin, ist aber
auch nur angeheiratet."
„Ich muss unbedingt nach Slytherin", sagte
Severin, „dort kommen die ganzen Fieslinge her. Ich hab in Hogwarts - A New
History zwar gelesen, dass das neuerdings nicht mehr so ist und die
Häusergrenzen ziemlich verwischt sind, aber trotzdem muss ich unbedingt in
Slytherin landen!"
„Cool, zwischen Slytherin und Gryffindor gibt es
immer noch so alte Fehden bzw. Sticheleien. Zwischen den beiden Häusern gibt's
auch die wenigsten Freundschaften, also wenn wir in den beiden Häusern landen,
können wir uns immer anfeinden und so tun, als könnten wir uns nicht leiden. Du
kannst fies zu mir sein, und ich nehm's dir nicht übel, und das würde deinem
Ruf sicher gut tun!"
„Okay!" Die beiden schlugen darauf ein.
Bei der Einordnungszeremonie in die vier Häuser
wartete Severin ungeduldig, dass er an die Reihe kam. Schließlich wurde sein Name
aufgerufen, und einige der Lehrer sahen ihn neugierig an. Besonders ein älterer
Mann mit Haar, das schon mehr grau als hellbraun war und extrem schäbigen
Roben, stierte ihn förmlich in Grund und Boden. Er setzte sich den Hut auf den
Kopf, und dieser begann in seinem Kopf zu sprechen.
„Aha... was haben wir denn da... ich würde dich
spontan nach Ravenclaw weisen."
Nein nein, dachte Severin, ich muss
nach Slytherin!!!
„Hmmm - aber Slytherin passt gar nicht zu dir.
Früher einmal, ja... aber jetzt? Nein, jetzt bist du anders, ganz anders..."
Ich MUSS aber nach Slytherin, verstehst du das
nicht, du dummer Hut!
„Wie wär's mit Gryffindor? Tapferkeit ist eine
deiner Stärken, wie ich sehe..."
Kruzitürken noch einmal! Wenn du mich nicht nach
Slytherin gibst, schreib ich meiner Mama!
Der sprechende Hut, der in Severins Kopf genau
sehen konnte, was seine Mutter mit ihm anstellen würde, wenn er ihren Sohn in
ein Haus stecken würde, in das er nicht wollte, entschied unter diesen
Umständen lieber „SLYTHERIN!". Severin lief unter tosendem Applaus zu seinem
Tisch, wo er Schulter klopfend empfangen wurde.
Als Henry dran war, bibberte Severin mit ihm, dass
er nach Gryffindor kommen würde, was glücklicherweise auch geschah. Nach dem
großen Festessen trafen die beiden wie zufällig aufeinander, als sie aus der
großen Halle gingen.
„Na, Wiesel! Heulst du schon nach deiner Mami?"
„Fest steht auf jeden Fall, dass deine nicht nach
dir heult, Ape!" (Diese genialen Spitznamen füreinander hatten sie sich im Zug
ausgedacht.)
Die Wochen zogen ins Land. Weil Severin und Henry
sich in Wirklichkeit sehr gerne mochten, fingen sie an, sich gegenseitig Briefe
auf Französisch zu schicken und sie mit Mädchennamen zu unterschreiben. Severin
nannte sich Nicole, und Henry nannte sich Claire. Per Brief, die Severins Katze
Tusnelda vom einen zum anderen brachte, heckten sie die unmöglichsten Streiche
aus und kamen immer davon, weil die Lehrer nach einem Lausbubenpaar suchten
aber nicht auf die Idee kamen, dass es gerade die beiden „Erzfeinde" waren. Ihre
Familien wussten natürlich bescheid, und so verbrachten sie die meisten Ferien
zusammen entweder bei der Familie Weasley oder der Familie Fauna.
Severin hatte sich schon bald einen Namen als
mysteriöser, undurchsichtiger Bösewicht gemacht, der nichts Gutes im Schilde
führte. Natürlich hatte er ein paar Freunde gefunden, denen er blind vertrauen
konnte, und die wurden natürlich in sein kleines Geheimnis eingeweiht.
Ansonsten dachte die ganze Schule, er sei der nächste Lord Voldemort. Lange
Zeit blieb er für sein Alter extrem klein und dünn, wohingegen Henry mit 14
schon stattliche 1,80 m groß und mit seinem langen blonden Schopf und dem
Totenkopfohrring der Mädchenschwarm schlechthin war. Doch mit etwa siebzehn
bekam auch Severin einen Wachstumsschub, und in dem neuen schwarzen
Mantelumhang, den Flora ihm über den Sommer gemacht hatte, traf er zu seinem
letzten Jahr in Hogwarts ein. Manch einem Mädchen blieb der Atem weg. Er trug
seine schulterlangen Haare offen, seine muskulösen Beine steckten in schwarzen
Seidenhosen, sein schwarzer Rollkragenpullover aus Cashmir ließ ihn noch größer
erscheinen und der ausladende Mantel betonte nicht nur seine breiten Schultern,
sondern wehte auch auf eine sehr coole Art und Weise hinter ihm, wenn er durch
die Gänge streifte. Sie gafften ihm nach, und er wusste es. Sie verzehrten sich
nach ihm, er grinste in sich hinein. Genau das hatte seine Mutter ihm
prophezeit, und dank ihres unermüdlichen Trainings und der zahlreichen Tipps,
wie er sich bewegen, wie er seinen Kopf neigen, wie er seine Gesichtszüge in
Form bringen musste, um die Damenwelt durcheinander zu wirbeln, gab es aber
auch nicht eine, die sich nicht heimlich in ihn verliebte. Nach wie vor galt er
als der Schrecken von Hogwarts, doch nun war er ein sehr interessanter
Schrecken geworden.
ooOoo
Flora war mächtig stolz auf alle ihre Kinder. Bis
auf Saudi Arabien setzten sich alle für ein sicheres, verbrecherfreies London
ein. Wörthersee schlug manchmal ein wenig über die Stränge, doch das war eben
ihre Katzenart, und keiner konnte ihr so recht böse sein. Speziell Henry
schmolz dahin, wenn sie ihm einen üblen Streich spielte (wie zum Beispiel seine
Hosen vor versammelter Mannschaft herunterzuziehen), er wütend war und sie dann
schuldbewusst lächelnd ihren dunklen Schopf an seinem Arm rieb und sich bei ihm
entschuldigte. Er war mindestens seit dem Moment in das Mädchen verliebt, als
sie ihm in den ersten Weihnachtsferien, die die beiden Familien zusammen
verbracht hatten, die langen Haare abgeschnitten hatte, während er schlief.
Natürlich wollte Wörthersee nichts von ihm wissen, er biss sich fast die Zähne
an ihr aus, aber sie wies ihn immer zurück.
Saudi Arabien, auf seine Weise, trug ebenso zu
einer besseren Welt bei.
Er sah verdammt gut aus.
Und außerdem wollte er Lehrer werden, die jungen
Gemüter erziehen, ihnen gute Grundsätze einprägen und sie ein Stück auf ihrem
Lebensweg begleiten. Schon in seinem ersten Schuljahr hatte er erkannt, dass
die Lehrerin für Zaubertränke, so nett sie auch war, ihm nichts beibringen konnte.
Zaubertränke waren einfach seine Welt, er verstand die Philosophie dahinter,
konnte sich Rezepte ohne Mühe merken, wusste alle für die Zubereitung eines
Trankes nötigen Vorgänge auswendig, sobald er die Zutaten an der Tafel stehen
sah, erfand am laufenden Band neue Rezepte (sein bestes bisher war ein Trank,
der bei Jungen einen Dauerständer auslöste, was von Henry und ihm oft für
unschuldige Scherzchen ausgenutzt wurde) und verbesserte alte, sodass sie noch
effektiver wurden. Er verdiente sich schon sehr früh ein hübsches Taschengeld,
indem er Madam Pomfreys Medizinbestand regelmäßig aufstockte.
Nach seinem Abschluss mit Bravour studierte er an
der Hohen Akademie der Zauberkünste,
Abteilung Chemie, Biologie und Physik, verkürzte sein Studium auf drei Jahre
und bewarb sich dann für den gerade eben vakant gewordenen Posten als
Zaubertrankmeister in Hogwarts. Mit seinen 21 Jahren war er somit der jüngste
Lehrer der Fakultät, nichtsdestotrotz war er hoch angesehen aufgrund seiner
Fertigkeiten, und an Respekt bei seinen Schülern mangelte es ihm auch nicht, da
er bei vielen älteren noch als der Schrecken von Hogwarts bekannt war. Er
favorisierte sein eigenes Haus, da es bei einem Bösewicht so sein musste,
obwohl er die Schüler aus Hufflepuff sehr gern hatte, denn sie liebten die
Natur genauso wie er und seine Familie. Jedoch zeigte er dies niemals, immerhin
hatte er einen Ruf zu verlieren.
Flora in der Zwischenzeit hatte einen der Prinzen
von England kennen gelernt. Er war etwas jünger als sie, hatte eher große Ohren
und zwei verwaiste Kinder, da seine adlige Frau dahingeschieden war. Als
weiterer Pluspunkt auf seiner Seite stand definitiv seine Affinität zu
Schottenröcken, die er, wie Flora bald herausfand, nach alter schottischer
Tradition trug.
Nachdem der Vater des Prinzen zum König gekrönt
wurde, da die alte Königin ebenfalls das Zeitliche gesegnet hatte, war es kein
Problem, dass sie ihren Prinzen schon bald heiratete. Jedermann in England fand
die Idee, dass eine bürgerliche Frau, die fünf fremde Kinder großgezogen hatte,
sich nun um zwei Sprösslinge ihrer hoheitlichen Familie kümmern würde, sehr
gut. In manch einem Pub wurde kräftig gefeiert, als die Hochzeit vonstatten
ging, und viele (besonders die, die schon ein paar Bier zu viel getrunken
hatten) redeten davon, als hätten sie höchstpersönlich diese Heirat in die Wege
geleitet. Flora, die ihrem Mann und ihren zwei neuesten Kindern von den
Superkräften ihrer anderen fünf erzählte, freute sich besonders auf lange
Theorienabende mit denselben, in denen sie Karten spielend planten, die
Weltherrschaft an sich zu reißen. Manchmal stießen ihr Schwager mit seiner Frau
Susan, eine blonde Deutsche aus Leipzig, und ihren Kindern Amanda, Cole, Sarah
und Benjamin zu ihnen und schmiedeten Pläne, zusammen mit ihnen die Weltherrschaft
an sich zu reißen, um sie dann nach gelungener Übernahme vom Bösewicht Snape
vergiften zu lassen.
Außerdem war Kentucky immer wieder hilfreich, wenn
es darum ging, schnell von Punkt A zu Punkt B zu kommen, und Arthur und
Elizabeth (sowie die anderen vier kleinen Hoheiten) liebten es, auf seinem
Rücken durch die Wolken zu reiten. Bald wurde Flora selbst schwanger und gebar
Zwillinge, die sie und ihr Mann einvernehmlich Scotland und Ireland nannten.
Severin in der Zwischenzeit beging sein erstes
Jahr als Lehrer. Wenn er durch die Gänge streifte, wusste er, dass sich alle
Mädchen nach ihm umdrehten, und wie vor ein paar Jahren war heimlich die
gesamte Damenwelt Hogwarts (einschließlich Mrs. Norris und Tusnelda, die sich
eifersüchtige Kämpfe lieferten) in ihn verschossen. Alle Mädchen fürchteten
sich vor ihm, doch so manch ein Tagebuch war voll von seinem Namen in roten und
rosa Herzchen. Er beschloss, dass er gleich zu Anfang ein Exempel statuieren
musste und sich
1. einen Lieblingsschüler und
2. einen Hassschüler aussuchen musste.
Vorzugsweise aus der ersten Klassenstufe, damit
beide in den Genuss von sieben Jahren einer besonders aufmerksamen Behandlung
kommen konnten. Seinen Lieblingsschüler hatte er schon im Sommer gefunden, denn
das Liebesprodukt des ehemaligen Slytherin Draco Malfoy und der dem
Weasley-Clan zugehörigen Ginny wurde in diesem Jahr eingeschult, und es durfte
erwartet werden, dass er in Slytherin landete. So war es auch. Sein Name war
Gerard Malfoy, er hatte das rote Haar der Weasleys, die grauen Augen seines
Vaters und wusste von Severins Plan. Wie seine Mutter hatte er es nämlich
faustdick hinter den Ohren und hatte solange gelauscht, bis er alles
herausgefunden hatte. Sein bester Freund war sein Cousin Harry, der Rons und Hermines
fünftes Kind war. Er landete in Gryffindor, hatte braune Locken und himmelblaue
Augen und sollte der beste Quidditch-Treiber werden, der jemals die Schule
besucht hatte. Seine älteren Geschwister Percy, Alan und Keira die Zwillinge
und Albus waren ebenfalls in Gryffindor.
Ein geeignetes Opfer für seinen Unmut hatte
Severin auch bald gefunden. Er hatte zwar nichts persönlich gegen das Mädchen,
und sie wäre auch sonst niemals unangenehm aufgefallen, doch ihr Nachname war
einfach zu perfekt, um wahr zu sein. Man konnte ihn so richtig schön
ausspucken, was dem ganzen viel mehr Kraft und Eleganz verlieh. Natalie Potter
war die Tochter des berühmten Harry Potter, der Lord Voldemort zweimal besiegt
hatte. Ihre drei älteren Geschwister waren nicht in Hogwarts, da sie Squibs
waren. Bei ihrem jüngeren Bruder würde es sich in drei Jahren herausstellen, ob
er ein Zauberer war oder nicht. Natalie war eher schüchtern, keine besondere
Leuchte in der Schule (speziell in Zaubertränke) und keiner wusste, warum sie
ausgerechnet in Ravenclaw gelandet war. Severin tat sie manchmal ein bisschen
leid, weil er wusste, dass die Hälfte ihrer Zaubertränke etwas geworden wäre,
wenn er sie nicht auf dem Kieker hätte. Ein ausgespieenes „Potter!", wenn sie
es am wenigsten vermutete, brachte sie immer wieder dazu, rechtzeitig etwas
umzustoßen oder eine Zutat zum falschen Zeitpunkt hinzuzufügen. Von allen
Frauen auf Hogwarts war sie die einzige, die weit davon entfernt war, sich an
der Oberfläche vor ihm zu fürchten und heimlich zu wünschen, er möge sie in
seine starken Arme schließen. Nein, sie hatte einen abgrundtiefen Horror vor
ihm und träumte regelmäßig, er würde sie in seinen Keller locken, sie fesseln
und knebeln und dann bei lebendigem Leibe auffressen.
ooOoo
In der Zwischenzeit war Severins bester Freund
Henry todunglücklich. Wörthersee war für ein Jahr nach Südafrika gegangen, um
sich dort gegen die immer noch spürbare Apartheid einzusetzen, und er hatte ihr
einmal mehr einen Heiratsantrag gemacht, bevor sie wegflog. Wieder hatte sie
ihn lachend abgewiesen und gesagt, sie sei nicht anders als eine Schwester an
ihm interessiert. Henry war auf dem besten Wege, vor Liebeskummer
dahinzusiechen, als Flora ihn zu sich in ihr schönes Haus einlud. Er verbrachte
viel Zeit mit ihrem Mann und ihren vier kleinen Kindern. Scotland und Ireland
hatten es ihm besonders angetan, sie waren mittlerweile etwa ein Jahr alt und
konnten schon mit Sachen um sich werfen, wenn ihnen etwas nicht passte, sahen
ihn dann aber mit Augen nicht unähnlich denen ihrer großen Stiefschwester an,
wenn er sie schimpfte. Flora begann alsbald wieder einmal, einen Mann darin zu
unterrichten, wie man mit Frauen umgehen musste, um sie verrückt nach einem zu
machen. Speziell in diesem Fall konnte sie ihm besonders gut helfen, da es sich
bei der zu erobernden Dame um ihre eigene Tochter handelte, die sie besser
kannte als sonst einer.
Als Wörthersee, die auf Henrys erste drei Briefe
nicht geantwortet hatte, worauf er es auf Floras strenge Anordnung hin bleiben
ließ, nach dreizehn Monaten zurückkam, erfuhr sie, dass Henry für zweieinhalb
Jahre zu seinem Onkel Charley nach Rumänien gegangen war, um sich mit der
Aufzucht von Drachen zu beschäftigen.
„Ist ja nett, dass ich das auch mal erfahr!" sagte
sie nach einer kurzen Pause.
„Hat er dir das denn nicht geschrieben?" fragte
Flora unschuldig.
„Nee, der Depp hat mir drei Briefe geschrieben und
dann kein Wort mehr von sich hören lassen! Du hättest mir ja ruhig bescheid
geben können, dann wär ich hergekommen, um ihn zu verabschieden!"
„Ach so, ich dachte, ihr steht in Briefkontakt,
deswegen habe ich das nicht erwähnt. Ich dachte, was Wichtiges wie das wird er
dir schon selber schreiben..."
Wörthersee war definitiv ungehalten. Wie konnte er
nur einfach abhauen, ohne ein Sterbenswörtchen zu sagen? Doch dann lachte sie
sich darüber hinweg und sagte sich: „Ist ja nicht so, dass ich ihn groß
vermisse! Von mir aus kann er für immer dort bleiben." Insgeheim aber nagte ein
hinterhältiger Gedanke an ihr. Was wäre, wenn er eine Frau dort kennen lernen
würde, wahrscheinlich auch noch eine mit dem breitesten Arsch der Welt, und die
würde sich ihn einfach schnappen. Nicht, dass es ihr was ausmachen würde, sie
wollte ja von Henry weiß Gott nichts, aber sie wusste, wäre die Frau auch noch
so eine Tomate, wenn sie ihm auf die Mitleidstour kommen würde, würde er sich
garantiert erweichen lassen und sie heiraten. Dieser Gedanke quälte sie sehr.
Genauso wenig wie sie einem ihrer Brüder eine Tussi als Frau wünschte, wünschte
sie es auch Henry nicht. Eigentlich war es ihr ja vollkommen gleichgültig, aber
sie wusste, dass Saudi Arabien sich wahnsinnig grämen würde, wenn sein bester
Freund nicht mindestens die intelligenteste Frau nehmen würde, die es auf der
Welt gab. Ja, um ihres geliebten Bruders willen musste sie etwas unternehmen!
Zu dieser Schlussfolgerung kam sie nach etwa neun
Monaten, in denen sie vergebens auf einen Brief von ihm gewartet hatte. Deshalb
stieg sie in ein Flugzeug nach Rumänien und fand den Ort, an dem die Zauberer
und Hexen mit den Drachen arbeiteten. Als Henry sie erkannte, machte sein Herz
einen wilden Sprung, doch er ließ sich nichts anmerken. Flora hatte ihn wissen
lassen, dass Wörthersee fast weich gekocht war und er sie bald erwarten durfte.
Nun musste er aufpassen, dass er nichts Falsches tat. Nach strikter
schwiegermütterlicher (in spe) Anordnung kam er auf sie zu, grinste sie breit
an, zog sie in seine nackten, muskulösen Arme und drückte sie.
„Wörthersee! Wie geht's dir?" Er konnte es kaum
glauben, doch ihre Wangen waren von einer Röte überzogen, die er noch nie an
ihr gesehen hatte.
„Gut. Und dir?" Er nickte. Dann nahm er sie auf
eine kleine Tour über das Gelände mit, stellte sie beiläufig seinen Freunden
vor (die bescheid wussten) und fragte sie, was sie hier machte. Sie druckste
eine Sekunde herum, bevor sie sagte:
„Ich hab in der Nähe was zu erledigen und dachte
mir, ich schau einfach mal bei dir vorbei... wir haben uns ja ewig nicht
gesehen..."
„Mmhmm." war alles, was er dazu sagte, dann
widmete er sich wieder seiner Arbeit, nämlich die Nester der verwaisten
Dracheneier anzuheizen.
Insgesamt war der Ausflug für Wörthersee von einer
wenig befriedigenden Natur. Sie hatte aus Henry nicht herausgebracht, ob
irgendeine dahergelaufene Kuh sich schon an ihn herangeschleimt hatte, und er
hatte sich gefreut, sie wieder zu sehen, aber nicht so, wie sie es erwartet
hatte. Früher hatte er immer ein Leuchten in den Augen gehabt, wenn er sie
angesehen hatte. Und jetzt?
Sie kam vier Tage später nach England zurück und
war übelst deprimiert. Henry liebte sie nicht mehr. Nicht, dass es für sie
persönlich eine Rolle gespielt hätte, denn sie sah in ihm ja nichts anderes als
einen Bruder oder bestenfalls den besten Freund ihres Bruders. Aber seine
kindische Verliebtheit in sie wäre noch das Einzige gewesen, das ihn vor einer
unglücklichen Ehe mit einer lüsternen Frau bewahrt hätte.
Sie hatte Fotos gemacht, die sie in ihrem Zimmer
aufhing. Eins gefiel ihr besonders gut, auf dem sah man ihn schräg von hinten,
wie er mit einer Schaufel Kohle auf die Dracheneier häufte. Eine Strähne seines
weißblonden Haares fiel ihm ins Gesicht, Schweißperlen standen ihm überall auf
der nackten Haut, sein enges Shirt war durchgeschwitzt... er sah so stark, so
männlich aus! Sie versteckte es unter ihrem Bett, und sah es jeden Tag nach dem
Aufwachen und vor dem Schlafengehen an. Sie schickte ihm einige der Bilder und
wartete ungeduldig auf Antwort. Früher hatte er ihr immer lange, witzige,
liebevolle Briefe geschrieben, obwohl sie ihm kaum geantwortet hatte und wenn,
dann nur ganz kurz. Aber sie hatte immer gerne gelesen, was er ihr aus seinem
Leben schrieb.
Sie wartete drei Monate, bis ein Einzeiler per
Eule zurückkam:
Danke für die Bilder. Bin sehr beschäftigt. Hoffe
es geht allen gut. Henry
Nun war es an Wörthersee, vor Kummer
dahinzusiechen. Sie schrieb ihrem Bruder, er solle ein ernstes Wort mit Henry
über heiratswütige Rumäninnen reden, dieser jedoch schrieb ihr zurück, sie
solle sich nicht in Angelegenheiten einmischen, die sie weiß Gott nichts
angingen.
„Aber sie gehen mich etwas an!" rief sie aus,
während sie Saudi Arabiens Brief las. „Ich kann nicht einfach tatenlos zusehen,
wie dieser dumme Mann sich an die Nächstbeste wirft! Er könnte niemals
glücklich werden mit einer... mit einer so..."
Ja, mit was eigentlich? Läge es wirklich daran,
dass er unglücklich mit einer Rumänin werden würde, oder galt diese
Feststellung allen Frauen auf der ganzen Welt, die nicht sie selbst waren?
Natürlich, sie wollte ihn ja eigentlich gar nicht heiraten, immerhin hatte sie
ihn x-mal abgewiesen, aber sie konnte einfach nicht zusehen, wie er sich in das
sichere Unglück stürzte. Es gab nur eine Möglichkeit, das sah sie jetzt ein:
sie musste sich selbst opfern, musste über ihren Schatten springen, um das
Leben des besten Freundes ihres Bruders zu retten, den sie wie ihren eigenen
Bruder liebte.
Entschlossen setzte sie sich einmal mehr in ein
Flugzeug und besuchte ihn. Als sie auf dem Gelände ankam, tasteten ihre Augen
jeden Winkel ab. Manchmal wünschte sie sich, sie hätte den Röntgenblick ihres
ältesten Bruders. Dann sah sie ihn. Er stand vor einem Holzzaun, an den sich
kokett eine junge Frau gelehnt hatte, und lachte über irgendetwas, was dieses
hinterhältige Biest erzählte. Wörthersee wusste sofort, dass sie hinterhältig
war, sie konnte es in ihren Augen sehen. Abgesehen davon war sie sehr hübsch,
was die Sache nicht besser machte. Die beiden beachteten sie erst, als sie sich
direkt neben Henry aufstellte, sich wie eine verliebte Gans vorkam, als sie rot
wurde und „Hi!" sagte. Henry drehte sich überrascht zu ihr.
„Wörthersee! Was machst du denn hier?" Diesmal
nahm er sie nicht in den Arm wie das letzte Mal, acht Monate und einundzwanzig
Tage vorher.
Wörthersees Herz zerkrümelte zu Blaukraut. Er
liebte dieses Mädchen! Und sie schien nicht nur hübsch, sondern auch witzig und
intelligent zu sein. Natürlich war sie tief drinnen verdorben wie ein faules
Ei, aber das würde er erst nach der Hochzeit herausfinden, und dann wäre er auf
ewig verloren und unglücklich, und sie ebenfalls, denn der einzige Mann, den
sie jemals geliebt hatte, liebte sie nicht mehr. Wie hatte sie nur so
hirnverbrannt dumm sein können, ihn zurückzuweisen? Was hatte sie sich dabei
gedacht, ihm ins Gesicht zu lachen und zu sagen, dass sie nicht an ihm
interessiert sei? War er nicht derjenige gewesen, den sie vor alle anderen
gestellt hatte? Hatte sie nicht jeden anderen abgewiesen, weil er nicht so
humorvoll, so groß, so blond, so ... war wie Henry. Der Henry, der jetzt vor
ihr stand und eine andere liebte!
Sie drehte sich um und lief zurück zum Pferd, das
sie an diesen traurigen Ort gebracht hatte. Am Flughafen schlug sie
gedankenverloren fast einen Angestellten zu Brei, weil er behauptete, es gäbe
keine Plätze mehr im Flugzeug nach England. Als sie weinend zusammenbrach und
ihm erzählte, dass ihre wahre Liebe eine andere Frau heiraten würde, sah er
1. davon ab, sie anzuzeigen und
2. überredete er den Kapitän des Flugzeuges, sie im Cockpit mitfliegen zu
lassen.
Der Kapitän war glücklicherweise Italiener und
hatte vollstes Verständnis für Wörthersees desperate Lage.
In London angekommen warf sie sich schluchzend auf
ihr Bett. Flora folgte ihr vorsichtig und redete so lange beruhigend auf sie
ein, bis ihre Tochter sich ihr anvertraute. Dann ging sie in ihr Arbeitszimmer
(nämlich der Esstisch im Wohnzimmer, damit sie die Kinder immer im Auge hatte)
und schrieb Komm sofort her. Sie ist durch. auf ein Stück Papier, das
sie mit ihrer Graueule Elfrida wegschickte. Etwa drei Stunden später spürte
Wörthersee, die sich auf ihrem Bett in einen unruhigen Schlaf geweint hatte,
wie sich jemand neben sie auf die Matratze setzte. Sie drehte den Kopf mit der
Erwartung, ihre Mutter zu sehen. Stattdessen blickte sie in die strahlenden
Augen Henrys. Er drehte sie auf den Rücken, schlang einen Arm um sie und legte
sich auf sie drauf.
„Und wenn du noch einmal nein sagst, leg ich dich
übers Knie!" Dann küsste er sie.
ooOoo
Severin war sehr zufrieden. Die ersten fünf Jahre
seiner Karriere als Lehrer waren herausstechend gut verlaufen. Er war
verschrien unter den Schülern, sodass alle neuen Erstklässler sofort wussten,
mit wem sie es zu tun hatten, sein bester Freund hatte seine Schwester
geheiratet (ein Plan, den die beiden seit Henrys 15. Geburtstag verfolgt
hatten, als sie beschlossen hatten, sich gegenseitig Trauzeugen zu sein) und
das erste Kind war unterwegs. Maastricht hatte sich mit der hübschen Rumänin
verlobt, auf die Wörthersee so eifersüchtig gewesen war, und Catherine, Henrys
jüngste Schwester, hatte ein Auge auf Seoul geworfen. Kentucky war zwar immer
noch unglücklich verliebt in seine Partnerin, eine Fotografin, die die Bilder
zu seinen Artikeln lieferte (er arbeitete bei einer unabhängigen Zeitung in
London), aber mit Floras Know-how würde sich dieser Zustand bald in
Wohlgefälligkeit auflösen. Er steckte schon mitten in hartem Training.
Für sich selbst hatte Severin die beste Zukünftige
gefunden, die sich ein Mann wünschen konnte. Natalie Potter war die
auserwählte, und er würde sie heiraten, sobald sie mit der Schule fertig war.
Natürlich wusste das Mädchen noch nichts davon, aber das war ja auch nicht
wichtig. Er hatte herausgefunden, dass sie wunderbar kochte (ähnlich wie seine
Mutter), dass sie fleißig und ordentlich war, aber nicht zu ordentlich, dass
sie liebevoll und anhänglich war, dass sie sich gern fürchtete und dann
schutzsuchend an ihre Freunde schmiegte oder sich hinter ihnen versteckte, was
er sehr süß fand, und dass sie aus tiefstem Herzen vor ihm Angst hatte. Er
dachte sich, mit so einer Frau würde er ein wunderbares Leben führen. Sie würde
irgendwann lernen, ihn zu lieben, da es in ihrer Natur lag, aber er würde ihr
niemals erlauben, die Barriere der Angst vor ihm zu brechen, sodass sie bei
allen Streitigkeiten kuschen würde, ach was! es gäbe überhaupt keine
Streitigkeiten!
Als er Henry von seinem Plan erzählte, schien
dieser komischerweise nicht begeistert.
„Es wird dir langweilig werden, wenn du eine Frau
hast, die dir immer nur nach dem Mund redet..." Sein Freund hatte eben keine
Ahnung.
Als Natalie in ihrem siebten Schuljahr war,
beobachtete Severin einen ihrer Klassenkameraden dabei, wie er ihr einen Kuss
auf die Wange gab. Eifersüchtig zog er dem Jungen fünfhundert Hauspunkte ab,
obwohl es sich um einen Slytherin handelte, und brummte Natalie für
impertinentes und moralisch nicht vertretbares Verhalten eine Strafarbeit für
die nächsten zwei Monate auf. Sie musste in seinem Büro (welch Zufall, dass er
gerade jetzt sehr viel zu tun hatte) Ordnung schaffen. Er beobachtete ihre
kleine, zierliche Figur, wie sie mit dem Staubtuch über die leer geräumten
Regale fuhr, wie sie Schubladen aus- oder wieder einräumte, wie sie vorsichtig
um ihn herumschlich, um ihm ja nicht einen Mykrometer näher zu kommen, als
unbedingt erforderlich, und wie sie Döschen, Flaschen und Gläser von den vergilbten
Etiketten befreite und blendendweiße draufklebte, die in ihrer sauberen
Handschrift erstrahlten. Manchmal hatte er wirklich das Bedürfnis, seine Arme
um ihre schmale Taille zu wickeln (das ging sicher drei- bis viermal), sie fest
an sich zu ziehen und ihr den Schutz zu geben, den sie brauchte. Er wollte
gerne nett zu ihr sein, aber das hätte seinem Image als Bösewicht geschadet,
und dann wäre die Weiberwelt lang nicht so interessiert an ihm gewesen...
Am ersten Tag der Sommerferien sprach er bei Harry
Potter vor. Er wollte um Natalies Hand anhalten, doch Mr. Potter erklärte ihm
bedauernd, dass seine Tochter heute Morgen nach Mexiko gereist sei, wo sie eine
Ausbildung zur Krankenschwester (Muggelversion) machte.
Zum Teufel auch mit diesen Weibern! Wütend kehrte
er zu seiner Familie zurück und schmollte mindestens zehn Tage lang. Er schrieb
seiner Angebeteten Briefe (keine Liebesbriefe, ein Antagonist wie er hatte
keine zarten Gefühle für rehäugige, elfengleiche Ex-Schülerinnen), in denen er
ihr sagte, dass wenn sie nicht einwilligte, ihn zu heiraten, er ihr die Haare
vom Kopf rasieren würde, während sie schlief. Leider blieben diese seine
Ergüsse effektlos. Als er versuchte, sie zu besuchen, um seine Sache in
gesprochenem Worte vorzutragen, konnte er sie absolut nirgends finden. Ihr
Vater musste ihm wohl eine falsche Adresse gegeben haben, doch dann erinnerte
er sich, dass er einfach einen Brief von ihr an ihre Familie geklaut hatte, der
bei seinem letzten Besuch auf dem Küchentisch gelegen hatte, und auf dem
deutlich lesbar der Absender stand. Hm... sie musste sich wohl mit einem
Abwehr- und Versteckzauber gegen ihren heißblütigen Liebhaber gesichert haben.
Frustriert warf er Gegenstände aus seinem Büro an die Wand (nicht die, die sie
bei ihrer Aufräumaktion berührt hatte, die standen mittlerweile hinter
gesichertem Panzerglas, damit keiner seiner idiotischen Schüler ihre wertvolle
Arbeit zerstörte). Schlechtgelaunt trottete er durch die Gänge, fauchte jeden
an, der nicht sofort in Deckung ging und benahm sich überhaupt schlimmer als je
zuvor. Zum ersten Mal in seinem Leben spielte er die Rolle des fiesen Mannes
nicht, zum ersten Mal meinte er es, wenn er jemanden zur Schnecke machte. Für
eine kurze Weile war es ein befriedigendes Gefühl, sobald ein Schüler in Tränen
ausbrach, doch bald schon brachte ihm auch das keine Erleichterung mehr.
Er vermisste seine Natalie!
Er erinnerte sich genau an die Nacht, als er
beschlossen hatte, sie später einmal zu heiraten. Sie war in ihrem fünften
Schuljahr gewesen und hatte von ihm (wie so oft) eine gemeine Strafarbeit
aufgetragen bekommen. Sie musste mit ihm in den Verbotenen Wald gehen und
Korkblüten sammeln. Er wusste, dass sie sich vor diesem dunklen, bedrohlichen
Wald fast genauso fürchtete wie vor ihm selbst, aber er und der Wald im
Doppelpack hatten ihr den Rest gegeben. Bei dem ersten Knacken eines trockenen
Zweiges, das sie selbst verursacht hatte, hatte sie sich mit einem Aufschrei in
seine Seite gerammt, den Kopf in seinem schwarzen Umhangmantel vergraben und zu
weinen angefangen. Zum Glück waren sie gerade drei Schritte entfernt vom
Waldrand gewesen, doch er musste das aufgebrachte Mädchen zum Schloss
ZURÜCKTRAGEN, während ihr die heißen Tränen hinunterliefen. Damals hatte er
sich ernsthaft gefragt, warum er eigentlich einen Ruf als Bösewicht haben
wollte. Es war doch so viel schöner, der stützende Lichtblick in den Augen
eines seidenhaarigen Mädchens zu sein.
Zwei Jahre zogen ins Land. Severin hörte und sah
nichts von Natalie Potter, der Name der Weasleys war Hase und sie wussten von
nichts (inklusive seiner Schwester, die er ständig bearbeitete), Nats Familie
war immer freundlich zu ihm, wenn er sie besuchte und drohte, die ganze Bude in
die Luft zu sprengen, wenn sie sie nicht endlich herausrückten, außerdem waren
Mrs. Potters Apfelküchlein die besten, die er jemals gegessen hatte, und seine
Briefe, die von kühl über drohend bis vorschlagend nach innig bittend zu
flehend übergegangen waren, blieben unbeantwortet.
Kurz vor Anfang des neunten Schuljahrs, das
Severin als Lehrkraft beging, während die Großfamilien Fauna, Weasley und
Potter inklusiv Severin Rampelshammer im Garten der Faunas grillten, klingelte
es an der Tür. Wörthersee ging mit ihrer Tochter im Arm durch das große Haus
zur Eingangstür und machte Natalie auf. Sie trat nervös ein und folgte
Wörthersee in den Garten. Severin erhob sich aus seinem Regiestuhl, als er sie
sah. Sie lächelte ihn schüchtern an, doch er war schon auf dem Weg zu ihr,
wickelte seine Arme um sie (wenn sie aus Gummi wären, ginge es tatsächlich
dreimal), hob sie hoch und wirbelte sie umher. Seine Augen leuchteten, wie sie
es nie zuvor gesehen hatte, und plötzlich sah er gar nicht mehr so Furcht
erregend aus.
„Wo bist du nur gewesen? Wo warst du nur?"
stammelte er plötzlich und vergrub seinen Kopf schluchzend in ihrer Halsbeuge.
„Ich habe dich so vermisst!"
Natalie legte ihre Arme vorsichtig um seine
breiten Schultern. Heute trug er ganz leger ein dunkelblaues Hemd ohne Krawatte
und eine schwarze Jeans. Sie strich ihm sanft über das schwarze lange Haar,
dann setzte er sie auf den Boden ab.
„Kann ich mit dir alleine sprechen?" fragte er
sie. Sie nickte und gab ihm ihre Hand. Er zog sie ins Haus hinein, während im
Garten das muntere Geschnatter fröhlicher Personen wieder losging.
Harry Potter und seine Frau kamen auf Flora zu.
„Ich hätte ehrlich nicht gedacht, dass sie sich so
stürmisch von ihm umarmen lässt." sagte Natalies Vater.
„Nach all den wundervollen Liebesbriefen, die er
ihr im Laufe der zwei Jahre geschrieben hat, muss sie doch ihre Angst vor ihm
verloren haben." sagte Natalies Mutter.
„Und ich habe euch ja gesagt, dass er es endlich
kapieren wird, dass er sie liebt, wenn er sie eine Weile nicht sieht. Das hat
bei einem anderen meiner Kinder auch funktioniert, aber ich will ja keine Namen
nennen." Flora stierte auffällig in Richtung ihrer ältesten Tochter.
Tatsächlich brach mit Severins Verlobung und
Heirat mit Natalie seine Schreckensherrschaft auf Hogwarts ab. Er gab
öffentlich bekannt, dass er und Henry schon seit dem ersten Tag die besten
Freunde gewesen waren (nun ging so manch einem ihrer ehemaligen Lehrer und
Mitschüler ein Licht auf, wer da wohl hinter all den Streichen gesteckt hatte),
und er wurde ein devoter Ehemann und liebevoller Vater, der seine Frau auf
Händen trug, ihr jeden Wunsch von den weichen Lippen las und sich bei jeder
Argumentation von ihr um den Finger wickeln ließ. Um den kleinen.