Ein Horrortrip oder Wie ich meine Mutter zur Vernunft brachte

Ein Horrortrip oder Wie ich meine Mutter zur Vernunft brachte

 

 

von Talamina

 

 

 

 

So Ihr Lieben...hier nun meine kleine Satire rund um Snape...und (???)*ggg*. Es ist eine *etwas andere* Mutter-Sohn Geschichte, und ich hoffe in dieser Form gibt es noch nix ähnliches. Die Story ist natürlich rein fiktiv. Alle erwähnten Personen sind geistiges und finanzielles Eigentum von JKR...aber wer weiss schon, ob es sich nicht wenigstens ansatzweise so, oder ähnlich zutragen könnte. Ich wünsche Euch viel Spaß beim lesen und hoffe Ihr fühlt Euch nicht irgendwie angegriffen davon. Betrachtet es einfach mit einem Augenzwinkern, genau wie ich es auch tue. Viel Vergnügen! Talamina

 

 

 

 

Vor dem Fenster ihres Arbeitszimmers begann sich die Dunkelheit auszubreiten. Die hübsche blonde Frau schaltete die Schreibtischlampe ein und ging gedankenversunken auf das große Bücherregal zu. Schon den ganzen Tag lang wollte ihr ein bestimmer Gedanke nicht mehr aus dem Kopf gehen. Sie musste mit Ihm reden und zwar jetzt und hier. Ihr Blick schweifte über eine Ansammlung schwarzer Ordner, welche sorgfältig mit den Namen ihrer "Kinder" beschriftet waren. Nach einer Weile fand sie das gesuchte Objekt und nahm es mit dem Gedanken "ich sollte sie endlich alphabetisch ordnen" heraus. Sie ging hinüber zu ihrem Schreibtisch und legte den Ordner ab. Als sie sich eine Tasse Tee eingeschenkt hatte, setzte sie sich und blickte schmunzelnd auf den Namen, der rot und in Großbuchstaben aufgedruckt war: PROF. SEVERUS SNAPE Dann schlug sie die Mappe auf und sagte leise in den Raum hinein "Severus...bist Du da? Zeig Dich!" Nichts geschah. Sie schloß die Augen und in ihrem Inneren begann ein Bild Gestalt anzunehmen. Ein Mann, groß und schlank, in schwarz gehüllt, mit stolzer Haltung, markanten Gesichszügen und unergründlichem Blick erschien. Sie öffnete ihre Augen wieder und er stand vor ihr.

 

 

"Hallo Severus, schön das du gekommen bist" sagte sie lächelnd.

 

"Guten Abend Mutter...Du hast mich gerufen" kam die Antwort von ihm und er verneigte sich tief vor ihr.

 

"Ja, das habe ich..., wir haben etwas zu besprechen, ansonsten hätte ich dich nicht belästigt. Setz Dich doch und nimm Dir auch eine Tasse Tee, mein Lieber." bat sie ihn mit gütiger Stimme. "Ich hoffe, ich habe Dich bei nichts wichtigem gestört."

 

"Nein, nein...das hast du nicht...außerdem darfst Du mich jederzeit stören. Es ist mir immer eine besonders große Ehre wenn Du mich zu Dir rufst." gab er höflich zurück und ließ sich mit einer eleganten Bewegung auf dem Stuhl vor Ihrem Schreibtisch nieder.

 

"Es tut gut Dich zu sehen. Ich bedauere sehr, dass ich Dich etwas vernachlässigt habe in letzter Zeit. Wie geht es Dir, mein Sohn?" fragte sie ihn liebevoll.

 

"Danke, es geht mir gut Mutter, ich habe geschlafen, das tue ich immer, wenn du mich gerade nicht brauchst."

 

"Dann entschuldige, dass ich Dich geweckt habe aber es gibt da eine Angelegenheit, die ich mit Dir klären möchte. Ich mache mir schon eine ganze Weile ernsthafte Gedanken über Dich." sprach sie nun und ein Hauch Besorgnis war aus Ihrer Stimme zu vernehmen. "Gewisse Ereignisse..." druckste sie verlegen "...nun ja, Vorkommnisse, irgendwie absonderliche Tendenzen, über die ich nicht länger unbedacht hinwegsehen kann." gab sie leicht gequält zu.

 

"Oh, nun..." begann er leicht verdrossen "...dann sollten wir nicht länger um den heißen Brei herum reden. Ich kann mir schon denken, welche Tendenzen Du meinst, ich habe schon lange mit *soetwas* gerechnet und Du weißt, Mutter, egal was Du mit mir machen willst, ich begebe mich willig und ohne zu klagen in Deine Hand." sagte er demütig.

 

"Dann ahnst Du also schon, auf was ich hinaus will?" sprudelte sie erleichtet heraus. "Ich hätte es wissen müssen, mein schlauer Professor..." sagte sie stolz. "...dich kann man eben nicht so leicht täuschen, Du bist einfach zu clever und gerissen als das Dir meine geheimen und noch nicht ausgesprochenen Gedanken lange verborgen bleiben könnten. Nicht umsonst habe ich Dir Okklumentik beigebracht." strahlte sie Ihn an.

 

"Das ich irgendwann *von der Bildfläche verschwinden* müsse, war mir von Anfang an klar..." sprach er niedergeschlagen "...aber das dieser Zeitpunkt schon so bald kommen würde...Ich...ich dachte einfach nicht, das Ende könnte jetzt plötzlich so schnell nahen. Wir sind doch noch mitten drin in der ganzen Geschichte, es ist doch noch nichts entschieden, oder? Ich meine mir verdient zu haben, dem Finale doch etwas näher zu kommen und darin wenigstens eine kleine Rolle spielen zu dürfen. Aber nun, da Du offensichtlich beschlossen hast mich loszuwerden..."

 

"Severus, warte doch...Ich..." versuchte sie ihm zu erklären.

 

"Nein, schon gut Mutter." unterbrach er Sie bestimmt. "Du musst Dich natürlich nicht rechtfertigen dafür...wenn Du meinst ich würde überflüssig oder unnütz werden...Bitteschön...dann werde ich mich, ohne mich weiter darüber zu beklagen in mein Schicksal fügen." endete er traurig.

 

"Severus, was redest du da nur?" prustete sie lachend hervor. "Du denkst ich will Dich einfach abschieben, Dich loswerden, Dich zu einem verfrühten Todesurteil verdonnern? Dich, eines meiner liebsten Babys. Sei nicht albern!" kicherte sie. "Ich dachte, du würdest mich besser kennen und wüsstest, wovon ich rede."

 

Verwirrt schaute er zu Ihr auf. "Dann geht es also garnicht um mein Ende?" fragte er vorsichtig hoffend. "Und ich dachte schon meine Person wäre Dir und den Anderen lästig geworden. Dann...dann...das heißt also, Du meinst also..." stammelte er zerstreut "...ich darf also bei Dir bleiben und weitermachen?" strahle er Sie fragend an.

 

"Natürlich, Du dummer Junge!" grinste sie schelmisch. "Du bist viel zu wichtig für die ganze Geschichte...Wir brauchen dich doch noch! Und das...bis zum bitteren Ende, soviel kann ich Dir versichern. Ich hoffe das beruhigt Dich!"

 

"Prima!" ein breites Lächeln zeichnete sich auf seinem sonst so ernsten und strengen Gesicht ab. "Aber..." fragte er vorsichtig und mit leichtem Mißtrauen "...was ist es dann? Was wolltest Du so dringendes mit mir klären? Raus damit! Nun komm schon, spann mich nicht so lange auf die Folter...jetzt kann mich nichts mehr so schnell umhauen."

 

"Sei Dir da nicht so sicher..." murmelte sie verlegen "...es ist so..." sie verdrehte leicht gekünstelt die Augen. "Ich weiß gar nicht, wie ich es Dir sagen soll...irgendwie finde ich die ganze Angelegenheit etwas peinlich, musst Du wissen."

 

"Schieß schon endlich los. Ich meine, wir sind doch erwachsene Menschen und brauchen keine Geheimnisse voreinander zu haben, oder?" sprudelte er eilig heraus. "Du warst immer ehrlich zu mir und ich habe jede deiner Entscheidungen, die meine Person betrafen klaglos akzeptiert." Nun war er aber wirklich gespannt welche Wendung diese Gespräch nehmen würde.

 

"Also gut..." sagte sie entschlossen. "folgendes...ich werde Dir eine kleine Geschichte erzählen...bitte lass mich zuerst ausreden, bevor Du gleich lospolterst, ok?"

 

"Ja, gut...fang an." knurrte er angespannt.

 

"Mein ganzes Leben..." begann sie "...dreht sich nur um *Euch* und um den Fortgang der Harry Potter-Reihe. Zwei Bücher stehen noch aus und es wird nicht mehr allzu lange dauern und Band 6 wird erscheinen. Täglich habe ich mit Fanpost zu kämpfen, haste von einer Veranstaltung zur nächsten, halte Lesungen ab, beantworte die verrücktesten und neugierigsten Fragen meiner Leser, schreibe mir die Finger an Autogrammkarten wund. Die große berühmte Joanne K. Rowling...Jeder will etwas von mir, alle wollen mich plötzlich kennen. Sowas verpflichtet! Das soll keine Beschwerde sein...ganz im Gegenteil! ICH LIEBE ES!!! Alles was ich mir je ertträumt hatte ist durch meine "Kinder" wahr geworden...durch *Euch* und meine lieben Leser. Wir hatten ja schon einmal ein sehr langes Gespräch darüber..." zwinkerte Sie Severus zu. "...Wie sehr ich meinen...und den euren Fans verpflichtet bin, dürfte Dir bewußt sein, nämlich stärker denn je. Seit einiger Zeit nun, ist mir ein gewisser Trend nicht verborgen geblieben, den ich anfangs nur für Spinnerei gehalten habe. Ja, es hat mich zuerst einfach nur amüsiert. Aber mittlerweile hat sich eine regelrechte *Sekte* daraus entwickelt, die sich stetig weiter und weiter entwickelt. Ich rede von Fan Fictions."

 

"Fan Fictions? Das kenne ich nicht. Erklärst Du mir bitte was genau das ist, Mutter?" unterbrach er Sie stirnrunzelnd.

 

"Tja, wie könnte ich das am besten beschreiben..." fuhr sie fort "...Fan Fictions sind Geschichten, die sich die Leser der HP Bücher ausdenken. Sie *spinnen* einfach die Story weiter um die langen Wartezeiten zwischen den einzelnen Bänden zu überbrücken. Sie erzählen das Ganze oft nicht nur einfach weiter, sondern erfinden neue Handlungsstränge, neue Charaktere und Schauplätze. Und..." fuhr sie begeistert fort "...Sie sind richtig gut darin, sie haben soviel Talent und Fantasie...hach, ich werde manchmal richtig neidisch...und ja, ich gebe es zu, ich ärgere mich vielleicht auch ab und zu ein ganz winzig kleines Bißchen...warum mir der eine oder andere Aspekt an der Geschichte nicht selbst eingefallen ist." seufzte Joanne.

 

"Aber das ist doch toll!...daran kann doch nun wirklich nichts falsch sein. Lass ihnen doch einfach diesen kleinen, harmlosen Spaß. vielleicht ist ja sogar der Eine oder Andere dabei, der irgendwann die Nachfolge der berühmten, großen JKR antritt." platzte es begeistert aus ihm heraus.

 

"Ja...vielleicht." fuhr sie in Gedanken versunken fort. "Aber das eigentliche Problem ist ein anderes. Die Frage nämlich ist, in wie weit soll, muss und darf ich mich davon beeinflussen lassen? Haben die geschätzen Leser ein Anrecht darauf *Ihre* Figuren auch so zu bekommen, wie sie sich diese wünschen und erträumen? Sollte ich Charaktere nach Ihren Vorstellungen erweitern, verändern und Dinge tun lassen, die so...eigentlich garnicht vorgesehen waren? Diese Frage bereitet mir schlaflose Nächte musst du wissen. Ich möchte sie einfach nicht enttäuschen und mit Ihren Gedanken und Sehnsüchten über einzelne Figuren auf dem Trockenen sitzen lassen."

 

"Darf ich annehmen..." plapperte er eilig dazwischen "...das Ich eine dieser Figuren bin, von denen Du redest? Du hättest mich sonst sicher nicht zu Dir gerufen, wenn ich davon nicht betroffen wäre, hab ich Recht?"

 

"Wir nähern uns dem eigentlichen Punkt, Severus." nickte Sie zustimmend. "Viele dieser ausgedachten Geschichten drehen sich um Deine Person. Besonders die Damenwelt beschäftigt sich mehr als erwartet mit Dir, sie finden Dich irgendwie sehr anziehend und sexy. Das gibt mir schon länger zu denken. Und was ich da teilweise lesen muss..." räusperte sie sich verlegen "...nun, ich sage nur...jugendfrei ist das manchmal schon nichtmehr. Im Endeffekt läuft es fast immer auf *das Eine* hinaus."

 

"Was meinst Du mit *das Eine*?" und seine Stimme hatte dabei einen fast schon schrillen, panischen Unterton angenommen. "Du redest doch nicht etwa von...von...Du meinst doch nicht..." Schamesröte schoß ihm ins Gesicht "...unanständigen Ferkeleien?" beendete er schockiert den Satz und sah sie mit seinen schwarzen Tunnelaugen, die nun vor Entsetzen weit aufgerissen waren an.

 

"Doch..." fuhr sie vorsichtig fort "...ich befürchte, genau davon rede ich. 80 % dieser Werke, die sich um Dich drehen, drehen sich auch automatisch um diesen einen zentralen Punkt. Ich weiß wirklich nicht, was die Mädels dazu treibt. Ich meine sind die irgendwie plötzlich alle masochistisch veranlagt?...Du bist doch schließlich nun wirklich nicht Prince Charming." grübelte sie vor sich hin. "Romanzen, Liebe, Ehe, Kinder und Se..."

 

"Du lieber Himmel..." stöhnte er auf "...sprich bloß nicht weiter, sprich das grässliche *S-Wort* ja nicht aus." raunte er sichtlich peinlich berührt. "Sind die Frauen denn alle völlig verrückt geworden? Ich begreife nicht, was hier plötzlich los ist. Die müssen unter irgendeiner neuartigen Liebesdroge stehen, anders lässt sich sowas doch nicht erklären, oder? Alles, ich ertrage wirklich jedes von Dir erdachte Los...aber DAS nicht!"

 

"...und Sex mit Dir...*puh*" strich sie sich theatralisch über die Stirn "...nun ist es also raus." In diesem Moment begann sie zu kichern, sie versuchte den Blick von seinem Gesicht abzuwenden, schaffte es aber nicht, und jedes mal wenn sie ihn ansah, wurde ihr Gekichere schlimmer. Sein Anblick war unbeschreiblich. Eine Mischung aus Zorn, gekränktem Stolz, angewidertem Entsetzen und maßlosem Unverständnis war darin abzulesen...der Angstschweiß war ihm ausgebrochen. Sie versuchte sich so gut es eben ging wieder unter Kontrolle zu bekommen und presste zwischen einem neuerlichen Ausbruch ihres Lachanfalls zwischen ihren zusammengekniffenen Lippen ein "Ach, Severus...Du müsstest Dich sehen...nein, köstlich." hervor.

 

"Weiber!"rotzte er mittlerweile übellaunig und gereizt heraus. "Warum nimmst du nicht Lupin, den geilen, triebigen Wehrwolf...stehen Frauen nicht auf animalische Naturen? Oder Du hättest es Black anhängen können, dem verdammten smarten Alleskönner." schnaubte er zynisch. "Warum nur wollen Sie gerade mich, bin ich Ihnen noch nicht fies genug? Als ob ich nicht schon genug Nerverei am Hals hätte...Potter, die kleine Ratte, Scharen von nichtsnutzigen Schülern, verrückte Kollegen, den Orden, die Todesser und Voldi hab ich schließlich auch immer noch an der Backe. Aber nein...das scheint ja noch nicht zu genügen...setzen wir doch noch eins drauf und machen Schniefelus die alte Spaßbremse völlig fertig...ja, bindet doch dem miesepetrigen Snape auch noch ne putzikleine liebliche Romanze ans Bein...*Aaarrrggg*." verdrehte er die Augen gekünstelt nach oben und täuschte einen Brechanfall vor.

 

"Nun, komm schon Snape, alter Spielverderber...tu bloß nicht so prüde und unschuldig...die Mädels finden Dich eben heiß und erotisch, sie haben beschlossen Deine verletzte Seele zu retten und Dein Herz zu heilen." sprach sie weiter, als sie ihre Fassung wiedergewonnen hatte. "Wir können absolut nichts dagegen tun...die Gedanken sind nun mal frei...und keiner kann es ihnen verbieten, auch wenn es sicher nicht jedem gefällt. Und doch finde ich den Gedanken irgendwie reizvoll...ansatzweise jedenfalls."

 

"Das ist mir selbst klar..." murrte er. "Aber das Du ernsthaft darüber nachdenkst, mich zum Clown zu machen und zukünftig solche Handlungen einzubauen...das...das...vergewaltigt meine Figur ja regelrecht, ich würde zum wandelnden Klischee werden. Du würdest mich zum Gespött der Leute machen und mein Image wäre ruiniert." Grimmig sah er sie an. "Lass das nicht zu...bitte prostituiere mich nicht so. Dann will ich lieber sofort auf der ersten Seite des nächsten Bandes sterben. Der Potter Junge oder Longbottem der Cretin, Dementoren, Askaban, Voldemort, lass von mir aus Sirius, den Angeber oder den arroganten James wieder auferstehen...jede Folter und jegliche Qualen, ich akzeptiere alles...mach es schön brutal und blutig und grausam. Ich kann`s vertragen, bin ja schließlich kein Weichei. Aber stempel mich um Gotte Willen nicht zum völligen Idioten und handzahmen Liebestrottel oder Sexspielzeug ab." flehte er Sie eindringlich an. "Oder, wie wäre es mit dem Cruciatus Fluch...lass mich einfach den Verstand verlieren...wenn Du mich schon zum Deppen machen willst." rief er hastig und mit verzweifelter Miene aus, um nach dem letzten verbleibenden Strohhalm der Hoffnung zu greifen.

 

"Severus, nun komm wieder runter, beruhige Dich doch erstmal und..." versuchte sie fortzufahren.

 

"Ich will mich aber nicht beruhigen...das ist der reine Horrortrip." zischte er störrisch und trotzig, dabei stampfte er geräuschvoll mit dem Fuß auf, die Mundwinkel zu einem übellaunigen Schmollen verzogen.

 

"Hör sofort auf Dich so kindisch zu benehmen! Du vergisst wohl wen Du vor Dir hast? Ich befürchte du hast das Angesicht Deiner Mutter vergessen." gab sie nun, ihrerseits zornig zurück.

 

Er schlug reumütig die Augen nieder und murmelte ein leises zerknirschtes "Ich habe mich gehen lassen...Entschuldigung, Mam."

 

Ihr Gesicht entspannte sich langsam wieder und milder lächelnd sprach sie erneut. "Du solltest das alles nicht so eng sehen, es steht noch nichts fest. Es war lediglich ein flüchtiger Gedankenansatz von mir, eventuell eine kleine Romanze...hmm, oder sagen wir besser den Ansatz einer Romanze um Deine Person einfließen zu lassen. Und schließlich hätte ich Dich nicht hergebeten, wenn es mir völlig egal wäre, wie Du darüber denkst. Aber ich hätte es wissen müssen, ich sollte Dich natürlich besser kennen...WER wenn nicht ich? Ich habe Dich schließlich zu Dem gemacht, der Du nun mal bist und wahrscheinlich auch bleiben wirst. Und aus der Nummer kommen wir nun anscheinend bei nicht mehr raus. Du alter Stiesel!"

 

Sichtlich erleichtert und dankbar sah er nun wieder zu Ihr auf. "Ähm...Danke. Ich wollte Dich nicht verärgern Mutter. Aber versteh mich bitte auch...Ich mag meine Rolle so wie sie ist. Ich bin gern so. Es passt zu mir und ich will so bleiben wie ich bin, weil ich mich gerade dadurch von den anderen Figuren so grundlegend unterscheide. Können Wir es bitte dabei belassen, ja?" hoffnungsvoll lechzte er nach Ihrer Antwort.

 

"Gut, ich werde darüber nachdenken und Dich meine Entscheidung wissen lassen, wenn die Zeit gekommen ist. Aber um mich ganz und unumstößlich zu überzeugen, das Du nicht zu retten bist, schlage ich Dir zum Abschluß unserer Unterhaltung ein kleines Spiel vor. Einverstanden?" grinste sie ihn herausfordernd an.

 

"Ich dachte, dieses Alter hätte ich glücklicherweise endgültig hinter mir gelassen..." sagte er in leicht genervten Tonfall. "...außerdem bin ich ein miserabler Verlierer...gerade Du müsstest das am Besten wissen." frotzzelte er nun.

 

"Ein einfaches Spiel...ich nenne Dir Wörter und Du assoziierst so viele Deiner eigenen Gedanken dafür wie Dir spontan einfallen. Überlege Dir genau, was Du antworten willst, ok? Fangen wir an." und ein leicht hinterhältiges Lächeln umspielte dabei ihre Mundwinkel.

 

1. Sex

- Zeitvertreib, anstrengend, unhygienisch, Haltungsnoten, eingezogene Bäuche (bei Frauen), Schreck am Morgen danach, Energieverschwendung

 

2. Schülerinnen

- lästige kleine Biester, nerviges Gekicher, pubertäres und affektiertes Gehabe, Lärm, Kindergarten

 

3. raue Schale, weicher Kern(???)

- Nüsse, Schildkröten, Hagrid

 

4. heiraten

- ein unsinniges und überholtes Ritual, Geldverschwendung, heulende Familienmitglieder (die man, leider gratis dazu bekommt), Versklavung, Sonntagsnachmittagskaffeetrinken und endlose Langeweile bei den *lieben Verwandten*, teure Scheidungsverfahren und Streit um jede einzelnen Kessel, Zeitverschwendung

 

5. eigene Kinder

- wenn man Lehrer ist...braucht man keine eigenen Kinder, wozu gibt es Verhütungstränke, undankbare und geldgierige Rotznasen, unsichere Altersversorgung

 

6. Romantik

- Was ist das?...Kerzenschein? Sonnenuntergänge? Mondscheinspaziergang?...nein, Danke! Ich bleibe Realist.

 

7. neue (vorzugsweise junge, schlanke, langhaarige) Lehrerinnen

- keine Gefahr für mich...naja, Dir kann ich´s ja verraten...wenn überhaupt dann bevorzuge ich reifere Damen mit burschikosem Haarschnitt...eher den fülligeren, robusteren Typen eben

 

8. homoerotische Gedanken

- ich bin der einzige Mann, den ich wirklich erotisch und anziehend finde...Narzismus nennt man sowas wohl...und was meine Vorlieben angeht...s.7.

 

9. Hermine Granger

- Hermine Wer???...Granger?...ach, Du meinst die häßliche Schnepfe aus Gryffindor, kleine Besserwisserin, Potter-Freundin, Streberin, Hintern und Brüste zu flach und Mundwerk eindeutig zu groß

 

10. Küssen

- Mundgeruch und Zahnbelag, Bakterienaustausch, Zungenkrampf, führt meist unweigerlich zu 1.

 

11. Liebe

- meist einseitig, vergeudete Zeit und Mühe, vergeblich, Wunschdenken, purer Eigennutz, endet meist in egoistischen Beziehungskisten

 

12. Frauen (allgemein)

- weinerlich, kostspielig, Eifersucht, Gekeife, Putzfimmel, Stress, überfüllte Kleiderschränke, Kaufrausch

 

13. die Geburten potenzieller Kinder

- Frauensache, ich kann kein Blut sehen, ich müsste mir extra das rauchen angewöhnen, ich kann nicht warten und bin schnell genervt

 

14. Aussehen

- lässt mich kalt, man kann mir nur mit Intelligenz, Selbstdiziplin und Können wirklich imponieren, oberflächlich, außen hui...innen pfui, leere Hülle, unwichtig

 

15. Prof. Severus Snape

- unbeliebt (außer bei mir selbst und Dumbledore, dem zitronenbrausebonbonsüchtigen, verrückten alten Kauz), Selbstkontrolle, Talent, Außenseiter (und das gern!!!), Egomane, Meister auf vielen Gebieten, ist bevorzugt allein und berauscht sich in seinem dunklen Kerker an Zaubertrankdämpfen und Schülerangstschweiß

 

 

"Gut, Severus...das sollte reichen...ich sehe schon...Du bist einfach ein hoffnungsloser Fall, keinerlei Chance auf Besserung oder Veränderungen. Wir belassen es einfach dabei und machen so weiter wie gehabt." sagte sie ein klein wenig enttäuscht. "Dein Charakter ist einfach zu gefestigt, als das ich ihn umpolen oder weichzeichnen könnte. Man kann aus einem Stachelschwein eben keinen Kuschelhasen machen. Das habe ich vorher nicht bedacht." endete sie leicht resigniert. Dann schüttelte sie diesen verrückten Gedanken einfach ab und sagte abschließend, nicht ganz ohne Stolz in ihrer Stimme. "Wir bringen das gemeinsam zu Ende. Mögen die Leserinnen ihre erotischen Gedanken weiter verfolgen und sich mit Dir in einsamen, schwülen Nächten auf Ihre ganz eigene Art und Weise vergnügen. Ich jedenfalls liebe Dich genauso wie Du bist, und eben weil du so bist." seufzte Sie.

"Ich danke dir das Du hier warst und mir Deine Zeit geopfert hast. Geh nun wieder schlafen bis ich Dich dich erneut rufe, ich wünsche Dir angenehme Träume, mein Sohn."

 

"Leb wohl, Mutter!" sagte er erleichtert und triumphierend lächelnd. Ja, er würde sehr angenehme Träume haben, soviel war sicher. Er hatte es geschafft den *Romantik-Horror* gerade noch von sich abzuwenden und konnte nun auf sein lang erkämpftes und verdientes Ende warten und das ganz ohne *Anhang*.

 

Er wollte sich gerade in sein wohlverdientes *Nichts* auflösen...als er sich noch einmal zu Ihr umdrehte und verblüfft fragte "Warum musste es gerade dieser Alan Rickman sein? Er ist schuld an allem, nicht wahr? Hast Du keinen fieser aussehenden Schauspieler in ganz England gefunden, der meine Rolle hätte übernehmen können? Er hat scheinbar einfach zu hübsche Augen für den Job." brummte er nachdenklich.

 

"Wäre Dir Rowan Atkinson lieber gewesen?" kam es erstaunt zurück und Beide brachen in schallendes Gelächter aus. Beim nächsten Augenzwinkern war die Gestalt verschwunden. Und sie wendete sich erneut ihrem großen Bücherregal zu und nahm den nächsten Ordner in die Hand. Remus Lupin war darauf zu lesen. "Ja...", dachte sie schmunzelnd bei sich "...warum eigentlich nicht...einen Versuch ist es doch allemal wert."

 

 

The End