
Kapitel 4: Die Rückkehr
„Hier!"
Snape
drückte Hermine eine Einkaufstüte in die Hand. Verwirrt sah
sie ihn an.
„Draco hat Ihnen diese Sachen besorgt. Die
sollten besser sein, das der Dreck, den Wurmschwanz mitgebracht hatte
- zumindest hoffe ich das. Er ist in ihrem Alter und kennt sich eher
mit so etwas aus. Denn schließlich können Sie in Hogwarts
nicht in meinen Sachen auftauchen."
„Nicht?"
fragte sie verstört. Die Vorstellung, auf ihre liebgewonnene
schwarze Kleidung zu verzichten, war so irritierend, als hätte
Snape sie aufgefordert, ihre Haut hier zurückzulassen.
„Aber
-"
„Keine Widerrede, Gryffindor. Sie werden nicht
in meiner Kleidung nach Hogwarts gehen!"
Sie sah in Snape
Gesicht und erkannte, daß er in diesem Punkt nicht bereit war,
mit sich verhandeln zu lassen.
„Aber die Kleidung gibt mir
Schutz und Sicherheit!" appellierte sie an Snapes Logik.
Seine
Hände legten sich fest um ihre Schultern, er beugte sich zu ihr
herunter, so das sich ihre Gesichter auf gleicher Höhe befanden.
„Gryffindor, jetzt beruhigen Sie sich wieder, und hören
Sie mir zu:
Sie gehen nach Hogwarts zurück und nicht
zu den Todessern! Meine Kleidung wäre in Hogwarts völlig
unangebracht. Und überhaupt - sind Sie nicht froh, wieder Sachen
anziehen zu können, die Ihrem Alter entsprechen?"
„Meinem
... meinem ... WAS?" rief sie vollends verwirrt. „Was
soll denn das heißen? Meinem Alter entsprechen? Sie
tragen doch auch diese Kleidung!"
„Ja! Aber ich bin
auch zwanzig Jahre älter als Sie, Gryffindor!"
„Na
ja ... na ja ... und was? Zwanzig Jahre, ich meine - pfff! Also
wirklich! Wie alt macht Sie das eigentlich, hmm - 38?
Na klasse,
also danke auch für diesen Hinweis! Wie konnte ich nur
vergessen, daß sie so alt sind? Warum ...
warum-bestellen-Sie-sich-nicht-gleich-einen-Platz-auf-dem-Friedhof -
SIR?!"
Wütend riß sie sich von Snape los,
griff nach der Tüte und knallte die Küchentür hinter
sich zu. Er hörte Hermine die Treppe hochstapfen. Wütend
und laut, seine Stimme imitierend und vor sich herbrummend :
„'Aber
ich bin auch zwanzig Jahre älter als Sie, Gryffindor' ...
Pfff! ... was soll denn das wieder heißen? ... 'Die Ihrem
Alter entsprechen' ... tzzz - verdammt!"
Und mit
diesen Worten knallte die Tür zu ihrem Zimmer zu.
Der
Professor schaute komplett verwirrt den Schrank an, der harmlos und
unbeteiligt tat.
„Muß ich das verstehen?" fragte
Snape den Schrank.
„Nö ..." antwortete dieser nur,
verstand aber sehr wohl, was gerade geschehen war.
Schade nur,
daß Severus es nicht verstand.
Es fiel Hermine schwer,
sich wieder abzuregen. Sie wußte nicht einmal, warum sie sich
so aufgeregt hatte. Sie zog ihre - oh nein, Professor Snapes,
Kleider aus, pfefferte sie immer noch wütend in die Ecke und
stülpte die Tüte um.
Toll, dachte sie. Draco Malfoy
hatte dem Schlammblut Granger Klamotten besorgt. Das konnte ja nur in
extremer Geschmacklosigkeit enden. Wenn sie suchte, würde sie
vielleicht noch Wurmschwanzs scheußliche Erotikdessous finden.
Die würden vermutlich besser sein, als alles, was Malfoy ihr
besorgt hatte. Sie warf einen Blick auf den Kleiderstapel und wurde
überrascht.
Woher wußte Malfoy was ...?
Hermine hob
die Jeans auf, sah auf das Tanktop, die Kaputzenjacke, die Turnschuhe
und Socken ...
Es waren Muggelkleider. Dennoch sah alles gut aus,
war modisch, paßte zusammen. Die Preisetiketten waren sogar
noch dran; die Kleidung war neu.
Woher wußte Malfoy, was
Muggel trugen? Ausgerechnet Malfoy. Wo Zauberer doch nie eine Ahnung
hatten, wie man sich als Muggel richtig anzog. Und Malfoy war ein
Reinblutzauberer. Er sollte so etwas erst recht nicht wissen!
Hermine
starrte auf die Kleidung und traute dem Ganzen nicht. Hatte Malfoy
die Kleidung vielleicht verzaubert? Würde sie sich in Fetzen
auflösen, sobald sie sie trug? Aber vielleicht hatte er sie auch
mit Weasleys Laß jucken! Juckpulver verseucht?
Sie
richtete ihren Zauberstab auf den Kleiderstapel, sprach: „Specialis
revelio!"
Ein Lichtstrahl hüllte die Kleidung ein.
Absolut gar nichts geschah.
Die Sachen waren sauber, erkannte
sie, keine versteckten Tricks.
Hermine warf einem sehnsuchtsvollen
Blick auf die in die Ecke gefeuerten schwarzen Sachen und fing an
'sich ihrem Alter entsprechend' anzuziehen ... tztztz!
Dann
hob sie die schwarzen Kleider auf und hängte sie neben ihren
Hogwartsumhang. Sie strich mit der Hand über den schwarzen
Überrock, das Hemd, die Hose.
Es war wie ein Abschiednehmen.
Warum fiel es ihr so schwer, auf die Kleidung zu verzichten? War doch
irgendwie lächerlich ... aber andererseits ... warum sie
zurücklassen? Warum sie nicht einfach schrumpfen, bis auf
Puppengröße einlaufen lassen und einfach mitnehmen
...
Hermine grinste.
Er mußte es ja nicht wissen,
oder? Außerdem war die Kleidung ein wichtiger Schutz. Für
den Kampf. Genau!
Und sie würde sie natürlich
nicht in Hogwarts tragen. Der Professor hatte recht.
Sie konnte
schlecht in Hogwarts wie der Ableger einer übergroßen
Fledermaus herumlaufen. Das wäre alles andere als
vertrauenerweckend und mit Sicherheit nicht hilfreich bei ihrem
Auftrag.
Ja, ja, ja! Natürlich hatte er recht, dachte sie
ernüchtert. Aber es war nur so überraschend gekommen. Sie
mochte nun mal die Kleidung, es war, als würde der Professor sie
schützend in seinen Armen halten.
Hermines Augen wurden bei
diesem Gedanken riesengroß - also das hatte sie mit
Sicherheit gerade nicht gedacht.
Sie legte den Kopf schief. Oder
doch? Dann schüttelte sie energisch den Kopf: Nein, hatte sie
definitiv nicht!
(Zwanzig Jahre, tzz!)
Sie ging zurück
in die Küche, um sich zu entschuldigen. Was war nur in sie
gefahren?
~~~~
Da stand also diese viel zu junge Frau
in seiner Küche und entschuldigte sich bei ihm.
Sie sah ganz
genau wie diese hab-ichs-nicht-von-Anfang-an-gesagt Hermine
Granger aus, die ihn während ihrer Zusammenarbeit in Hogwarts
bisweilen den letzten Nerv geraubt - und sich dennoch seinen
widerwilligen Respekt verdient hatte.
Aber gleichzeitig sah sie
wie Gryffindor aus. Diese ganz erstaunliche junge Frau, mit
der er die letzten Monate verbracht hatte (zugegebenermaßen
nicht ganz freiwillig).
Vor seinen Augen hatte sich die junge
Frau in eine Kriegerin von außergewöhnlichem Können
verwandelt. Und wie um dem Ganzen den Gipfel aufzusetzen, hatte sie
sich jetzt als Hermine Granger verkleidete. Was Kleider bewirken
konnten, dachte der Professor irritiert und stellte fest, daß
ihn ihr Outfit viel zu sehr ablenkte.
„Gryffindor."
„Sir?"
„Sie
könnten mir einen Gefallen tun."
„Ja?"
„So
lange sie noch bei mir sind, könnten sie ... vielleicht doch
einfach meine Kleidung tragen."
Kaum hatte er es
ausgesprochen, war Hermine auch schon aus der Küche und polterte
eilig die Treppe zu ihrem Zimmer hoch.
Nicht einmal drei Minuten
später stand sie im vertrauten Schwarz vor ihm und sie beide
fühlten sich sichtlich erleichtert.
„Ähm - nun
gut", sagte der Professor, seine schwarzen Augen ruhten wieder
mit Wohlgefallen auf ihr. Hermine strahlte ihn glücklich
an.
„Morgen kehren Sie nach Hogwarts zurück."
Das
Strahlen verblaßte. Sie setzte sich ernüchtert an den
Tisch.
„Oh", sagte sie leise, klang wie ein Luftballon,
dem gerade die Luft ausging.
„Ich hab keine Ahnung, wie ich
daß ohne Sie durchstehen soll, Professor Snape", sagte sie
leise. „Diese Sache - sie ist so groß. Es macht mir
Angst."
Snape setzte sich zu ihr.
„Das kann ich nur
zu gut verstehen, Gryffindor. Aber ich habe Vertrauen in Sie und ihre
Fähigkeiten. Sie haben in den letzten Monaten so viel gelernt
... mehr als die meisten in all ihren sieben Jahren in Hogwarts, mehr
als manch einer in seinem ganzen Leben."
„Das stimmt
wohl", stellte Hermine ganz unbescheiden fest. Der Professor
hatte recht, warum es leugnen? „Doch ich hatte Sie, Sir. Sie
haben mich an meine Grenzen getrieben und darüber hinaus. Sie
haben mir Dinge beigebracht, die mir kein anderer hätte
beibringen können, weil ich sie von keinem anderen hätte
annehmen können.
Sie hatten Vertrauen in meine Fähigkeiten,
Vertrauen in mich - das war etwas, was ich von Ihnen am
allerwenigsten erwartet hatte."
Snape lächelte. Im
gefiel Hermines Offenheit. Er hatte den Eindruck, daß sie an
einen neuen Punkt in ihrer Beziehung ankamen. Das Student / Lehrer
Verhältnis hob sich auf.
„Ich weiß, daß ich
von Ihnen überdurchschnittlich viel gefordert habe. Mehr als ich
es jemals von einem anderen getan hab. Doch hätte ich Sie nicht
dermaßen gefordert, wäre es nur eine Verschwendung Ihres
Potenzials gewesen. Ich habe Sie nicht bis an Ihre Grenzen geschickt,
um sie zu quälen. Ich hoffe, das wissen Sie, Gryffindor.
Ich
habe Sie zur Kriegerin ausbilden wollen, damit sie überleben!
Denn was auf uns zukommt, das ist kein Sturm, sondern ein Orkan. Und
nur diejenigen werden ihn überleben, die sich ihm gut gewappnet
entgegen stellen."
Snape schwieg einen Moment. Dann sagte
er:
„Es bleibt unter uns, Gryffindor." Ein Funkeln trat
in seine Augen. Ein leises, angedeutetes Lächeln umspielte seine
Lippen. „Aber ich bin wirklich sehr stolz auf Sie. Sie haben
meine Erwartungen weit übertroffen."
Hermine sah ihn
überrascht an.
„Ähm ... Danke, Sir."
Für
einen Moment herrschte angenehmes Schweigen zwischen ihnen, sie
hingen beide ihren eigenen Gedanken nach. Dann sagte Snape:
„Ihre
angebliche Flucht wird sich sehr dramatisch gestalten. Schließlich
soll Draco wie ein wahrer Held in Hogwarts eintreffen."
Hermine
hob interessiert eine Braue.
„Sie erinnern sich an den
glorreichen Abgang der Weasley Zwillinge in Hogwarts?"
Hermine
nickte, ihr schwante Übles.
„Draco hat sich Potters
Feuerblitz geliehen-"
„WAS!" schnappte Hermine
verblüfft. „Harry hat Malfoy seinen Feuerblitz
überlassen??"
„Mister Potter macht sich
anscheinend größte Vorwürfe wegen dem, was damals
geschehen ist. Er ist wohl bereit, sich an jeden Strohhalm der
Hoffnung zu klammern.
Gut für uns! Also um
fortzufahren:
Draco wird Sie auf dem Feuerblitz und unter Potters
Tarnmantel verborgen -"
„Den hat Harry Malfoy auch
überlassen?" fragte Hermine geschockt. Doch Snape fuhr
fort, ohne sich von ihr ablenken zu lassen:
„... nach
Hogwarts fliegen -"
„Das glaub ich einfach nicht",
stöhnte Hermine und versenkte ihr Gesicht zwischen den Händen.
Snapes Stimme erhob sich ein wenig:
„... und Sie dort
wohlbehalten abliefern. Er wird der Held der Stunde sein, Sie das
verlorene Schaf, das zur Herde zurückkehrt. Ende gut, alles
gut!" schloß Snape seine kurze Rede, während Hermine
ihn ansah, als hätte er den Verstand verloren.
„Das
glaubt doch keiner!" platzte es aus ihr heraus.
„Oh,
das glaubt jeder, der daran glauben will. Und absolut jeder
wird daran glauben wollen, weil man Sie schmerzlich vermißt
hat! Vermeiden Sie intensives Nachfragen über ihren Aufenthalt
hier. Täuschen Sie Gedächtnisverlust vor, brechen Sie in
Tränen aus, wenn man nachhaken will.
Und vor allem:
Vermeiden sie jede Art von Untersuchung! Keiner darf das dunkle Mal
oder die Zeichen auf ihrem Körper sehen. Gehen Sie Moody aus dem
Weg. Es könnte sein, daß er die Kraft der alten Magie
fühlt. Ich habe nie wirklich herausbekommen, wie sein magisches
Auge arbeitet. Dumbledore zu täuschen, wird wiederum
schwieriger. Aber vielleicht ist es auch nicht nötig."
Hermine
sah Snape erleichtert an.
„Dann kann ich doch mit ihm
darüber reden?"
„Niemals!" sage Snape
entschieden.
„Doch Dumbledore akzeptiert ein Schweigen. Und
ich bin mir sicher, daß er mich nach wie vor für keinen
Verräter hält. Dafür -", Snape schwieg einen
Moment.
„Dafür weiß er einfach zuviel über
mich, kennt mich viel zu gut", sagte er schließlich.
Hermine
dachte kurz über den letzten Satz nach, fragte sich, was
Dumbledore alles über Severus Snape wußte.
„Morgen
also ..." sagte Hermine leise.
Snape nickte.
„Ach
ja, noch was: Nur wenn alle Stricke reißen, aber wirklich nur
dann, zeigen Sie Dumbledore das dunkle Mal und auch die Zeichen. Aber
nur ihm, und sprechen Sie nicht mit ihm über irgendetwas, was
ihren Aufenthalt hier betrifft. Er wird verstehen und keine Fragen
stellen. Ebenso wird er ihnen jeden anderen vom Hals halten. Reden
Sie nicht mit ihm über Ihren Auftrag, bis Sie von mir das Okay
haben, verstanden?"
Hermine nickte.
„In Ordnung. Was
meinen Sie, wie lange muß ich diese Täuschung aufrecht
erhalten? Wann wird der Dunkle Lord ...?"
„Es kann
nicht allzulange dauern. Denn mit jedem Tag, der vergeht, wird man
sich zu fragen beginnen, was mit Ihnen geschehen ist. Man wird sich
fragen, wie Sie die ganze Zeit über bei den Todesser überleben
konnten und ob man nicht vielleicht eine Zeitbombe zurückgeschickt
bekommen hat. Die Ordensleute sind nicht naiv, Gryffindor. Sie wissen
haargenau, wie der Feind arbeitet.
Und auch der Dunkle Lord ist
ungeduldig. Er will Dumbledore endlich zur Strecke bringen. Er will
diese ganze Angelegenheit mit Potter und der Prophezeiung erledigen.
Und er will Hogwarts! Es ist der einzige Ort, an dem er sich
jemals Zuhause gefühlt hat."
Hermines Augen wurden
groß.
„Wird dann die Falle ...?"
„Ja",
sagte Snape knapp. „Sie wird in Hogwarts zuschnappen und Draco
wird Ihnen dabei helfen. Er wird Sie unterstützen wie auch die
Kinder der anderen Todesserfamilien, die sich noch in Hogwarts
aufhalten. Wobei diese eventuell noch zu überzeugen sind. Doch
das sollte kein Problem für Sie darstellen, nach all dem, was
ich Sie gelehrt habe. Keine der Familien wird sich offen gegen den
Dunklen Lord stellen. Man wird vielleicht versuchen Ihnen Steine in
den Weg zu werfen. Warten Sie ab. Eventuell werden Sie überzeugende
Argumente einbringen müssen ..."
„Das verstehe
ich nicht ..."
„Todesser kann man nur durch Macht
überzeugen. Sie werden ein paar Knochen brechen, blutige Nasen
verteilen, kurzum Macht ausüben müssen! Ohne Rücksicht
oder Gewissensbisse. Sie sind die Waffe des Dunklen Lords, denken Sie
daran!
Wer sich an Ihnen vergreift, vergreift sich an ihm.
Das waren seine Worte, und die sind Gesetz. Dementsprechend können
Sie handeln.
Draco können Sie mehr vertrauen, als jedem
anderen in Hogwarts - zumindest wenn es um diesen Auftrag geht.
Vielleicht sogar darüber hinaus.
Ich weiß nicht ...
der Junge hat sich in letzter Zeit verändert. Er scheint einige
seiner bisherigen Werte, in Frage zu stellen ... und ich frage mich
wieso", fügte der Lehrer für Zaubertränke
nachdenklich an.
„Er war damals anwesend", murmelte
Hermine.
Snape blickte auf, verstand sofort auf welches damals
sie anspielte.
„Doch das wußte ich nicht. Ich hatte
ihn nicht gesehen", fuhr Hermine leise fort.
„Draco
hat es mir gestern gesagt. Hat sich bei mir entschuldigt. Das muß
man sich mal vorstellen! Er entschuldigte sich bei mir, weil er mir
damals nicht half. Und ich konnte sehen, daß er es ernst meinte
..."
Hermine verstummte, suchte nach Snapes Blick.
„Seltsam,
nicht wahr?"
„Nein", sagte der Professor,
schüttelte den Kopf. „nicht in meinen Augen. Es beweist
nur, daß ich mich in Draco nicht getäuscht habe. Er ist
ein intelligenter junger Mann. Er hat seinen eigenen Kopf und für
seine Erziehung kann nichts. Fast ist es ein Wunder, daß er
noch zwischen Recht und Unrecht unterscheiden kann. Schließlich
kenne ich seine Eltern und weiß, wie Draco aufgewachsen ist.
Hmm, was sie gerade gesagt haben, erklärt natürlich
einiges ... dennoch würde ich empfehlen, ihm nicht wirklich zu
trauen. Seine neu gewonnenen Ansichten und Erkenntnisse sind
womöglich noch zu neu, als das wir darauf bauen sollten. Wir
können nicht wissen, ob es dabei bleiben wird. Doch trotzdem
wird er Ihr verläßlichster Verbündeter in Hogwarts
sein."
„Mag sein. Doch ich traue ihm nicht. Er ist, was
er ist: Draco Malfoy, Reinblut und Slytherin. Und ich bin Schlammblut
Granger, eine Gryffindor. Ich werde ihm niemals trauen. Zwischen uns
stehen sieben Jahre gegenseitigen Mißtrauens und der
Verachtung. Ganz genauso wie die Feindschaft unserer Häuser.
Nein, da gibt es nicht viel mehr, was ich dazu sagen könnte."
Severus
Snape nickte.
„Wie Sie meinen, Gryffindor. Doch vergessen
Sie nicht, daß auch ich ein Slytherin bin. Dennoch sind wir gut
miteinander ausgekommen, oder etwa nicht?"
Hermine blickte
Snape betroffen an. Er hatte recht. Sie hatte völlig vergessen,
daß Snape nicht nur Slytherin, sondern sogar Slytherins
Hauslehrer war!
Der Professor nickte ihr zu.
„Es wird
jetzt Zeit, für Sie zu packen. Nehmen Sie alles mit, das Sie
hier angefertigt und gebraut haben. Sie werden es benötigen. Ich
hab Ihnen einen Besen bereitgestellt, den Sie ebenfalls mitnehmen
werden. Sie können nicht apparieren und er könnte Ihnen
hilfreich sein. Lassen Sie alles schrumpfen, meine Kleidung natürlich
auch, und verstauen Sie das alles in der kleinen Box, die ich ihnen
aufs Zimmer gebracht habe. Diese wird Ihnen Draco in Hogwarts
zurückgeben."
Er schmunzelte, als er ihren verblüfften
Gesichtsausdruck bemerkte.
„Sie werden alles brauchen, wenn
es zum Entscheidungskampf kommt. Und ich will Sie auf gar keinen Fall
ohne den Schutz meiner Kleidung wissen - und außerdem",
Snapes Augen glitzerten freundlich, „sehen Sie in Schwarz
wirklich gut aus."
Hermine mußte erleichtert auflachen
und war froh, daß sie Professor Snape nicht hinters Licht
führen mußte.
~~~~
In dieser Nacht schreckte
Hermine immer wieder aus dem Schlaf auf. Sie war unruhig. Der Gedanke
daran, wieder in ihr altes Leben zurückzukehren, war
beunruhigend.
Besonders, da sie ab morgen den Verrat an Harry und
Dumbledore würde planen müssen.
Es war kurz vor drei,
als Hermine sich entschied aufzustehen und zum Schrank in die Küche
zu gehen. Sie konnte einfach keinen Schlaf finden, hatte jetzt
bestimmt schon eine Stunde wach im Bett gelegen. Schnell wickelte sie
sich in die dünne Decke ein, nahm den Zauberstab (was für
für alle Zauberer und Hexen wie Socken anziehen war) und verließ
leise ihr Zimmer.
Es war still im Haus. Hermine schlich die Treppe
hinunter, ging am Wohnzimmer vorbei und blieb dann überrascht
stehen. Leise Geräusche drangen von jenseits der Tür. Sie
lauschte.
Es war ein gleichmäßiges leises Geräusch
- ein ... Hermine fragte sich, ob sie sich täuschte, aber
tatsächlich klang es wie ein leises Schnarchen. Sie atmete tief
durch und legte die Hand auf die Wohnzimmertür. Vorsichtig
versuchte sie, diese aufzudrücken. Und tatsächlich
schwang die Tür auf und enthüllte den Blick auf einen auf
Sofa ausgestreckt liegenden, schlafenden Severus Snape. Er trug ein
graues knielanges Nachhemd, stellte Hermine überrascht fest, und
es war ihm über die Schenkel gerutscht. Der Schein der Kerze auf
dem Tisch erhellte sein entspanntes Gesicht und das leise Schnarchen
kam tatsächlich von ihm.
Hermine bemerkte, wie einige der
magischen Zeichen scheinbar aus dem Nichts auf seiner Haut
auftauchten, und träge über seine Beine und Arme
wandernden.
Vermutlich würde sie sich nie diesen Anblick
gewöhnen. Ob bei ihm oder ihr.
Eine Flasche mit goldfarbener
Flüssigkeit stand auf dem Tisch, und ein Glas, das zu einem
fingerbreit gefüllt war, hatte der Professor sich auf der Brust
abgestellt. Doch es drohte nun langsam von dort hinunterzurutschen.
Verunsichert betrat Hermine das Wohnzimmer. Sie fand, daß
sie den Professor so nicht sehen sollte. Es war irgendwie peinlich.
Am besten, sie nahm ihm das Glas ab, löschte die Kerze und
verschwand. Doch als sie sich ihm näherte, bemerkte sie ein
Frauengesicht in den Flammen der Kerze. Es wandte sich ihr zu und
erschreckt keuchte Hermine auf, sprang zurück.
„Schon
gut, Hermine Granger", sagte das Gesicht in der Flamme leise und
sie erkannte in der Stimme die Frauenstimme, die sie in jener Nacht
gehört hatte, als sie unfreiwillig (na gut, fast
unfreiwillig) das Gespräch zwischen Professor Snape und der
unbekannten Frau mitangehört hatte.
„Sie kennen mich?"
fragte Hermine vorsichtig. Dann sah sie sich das Gesicht in der
Flamme genauer an und es kam ihr vage bekannt vor.
„Sicher.
Severus hat nicht oft eine Frau über Nacht in unserm Haus. Und
du bist nun schon seit Monaten unser Gast. Komm setz dich kurz zu
mir."
„Ich weiß nicht, ob das so eine gute Idee
ist, Miss -?"
„Mrs." verbesserte sie das
Flammengesicht. „Mrs. Snape."
Hermine riß die
Augen auf und setzte sich nun doch in den Sessel. Jetzt begriff sie,
warum ihr das Gesicht vertraut vorgekommen war. Das Kinn, die
Wangenknochen, das Haar - es ließ sich nicht verleugnen.
Severus Snape war ihr Sohn.
„Mrs. Snape", flüsterte
sie nun doch etwas aufgeregt. „Das ist ja toll, daß ich
Sie kennenlerne. Aber ich glaube nicht, daß es dem Professor
recht wäre, wenn er wüßte, daß ich hier bin und
ihn in seinem Nachthemd sehe."
„Papperlapapp!"
widersprach ihr Severus' Mutter resolut. „Ich laß mir
doch nicht die Gelegenheit zu einem Gespräch entgehen, nur weil
es meinem Severus peinlich wäre, wenn er wüßte ...
blah, blah, blah ... was er im übrigen gar nicht weiß! Du
siehst doch, daß er zuviel getrunken hat und die nächsten
Stunden erst mal seinen Rausch ausschlafen wird. Der Junge verträgt
einfach nichts! Zu viel Zaubertränke, wenn du mich fragst ... er
sollte sich besser mal von meinem Schrank anständig bekochen
lassen und öfter einen Heben gehen! Manchmal denke ich, daß
in Binns mehr Leben steckt als in meinem Sohn."
Hermine
starrte mit offenem Mund auf das Gesicht in der Flamme und wußte
nicht, ob sie lachen oder schockiert sein sollte.
„Und
jetzt mach den Mund zu, Mädchen, und zieh nicht so ein Gesicht.
Vor allem aber nimm ihm endlich das Glas ab, bevor es herunterfällt!
Ich kann es mir ja kaum mitansehen. Du siehst doch, daß ich
nichts tun kann. Und bei der Gelegenheit kannst du es gleich
austrinken. Merlin, was würde ich darum geben, selbst einen
Singlemalt trinken zu können ..."
Hermine stand auf,
beugte sich vor und nahm Professor Snape das Glas aus den Händen.
Kurz öffneten sich seine Augen und er lächelte sie mit
glasigen Augen an. Dann murmelte er leise Gryffindor, drehte
sich zur Seite und schlief weiter. Sein nacktes von wandernden
Zeichen überzogenes Hinterteil streckte sich ihr entgegen.
Hermine räusperte sich und bedeckte es schnell mit seinem
Nachthemd.
„Was hab ich gesagt?" meinte Snapes Mutter
trocken. „Und jetzt trink das Glas leer, du hast es
verdient!"
Hermine widersprach nicht, hatte sie doch den
Eindruck, jetzt dringend den Whisky zu brauchen. Und wieso mußte
sie ständig auf Snapes Hinterteil starren?
Der scharfe
brennende Geschmack des Whisky trieb ihr die Tränen in die Augen
und sie stieß ein ersticktes Keuchen aus.
Dann stellte sie
das Glas mit einem Ruck auf dem Tisch ab und wischte sich die Tränen
aus den Augenwinkeln. Immerhin - stellte sie fest - starrte sie jetzt
nicht mehr seinen Hintern an. Hermine nahm Platz und sah in die
Kerze.
„Mrs. Snape", sagte sie dann und wurde sofort
unterbrochen. „Eileen, Liebes. Nenn mich doch bitte Eileen."
Hermine räusperte sich. „In Ordnung ... Mrs. ... ähm
... Eileen." Wieder räusperte sie sich und kam sich einen
schrecklichen Moment lang wie Umbridge vor. Doch dann platzte es aus
ihr heraus:
„Also was machen Sie hier? Mitten in der Nacht -
und dazu noch in dieser Kerze?!"
Das Gesicht in der Flamme
lachte.
„Aber, Kindchen, ich bin tot! Die Toten können
nur in der Nacht kommen und auch nur, wenn sie anständig
heraufbeschworen werden. Severus kann das. Er hat mich mit seinen
Gaben schon immer mächtig stolz gemacht ... Wünschte nur,
er hätte sie weiser eingesetzt."
Hermine griff nach dem
Whisky, schenkte sich nach („Recht so!" kommentierte
Eileen Snape) und nahm einen Riesenschluck.
„Sie sind tot??"
fragte sie etwas erschüttert.
„Mausetot",
bestätigte Mrs. Snape.
Hermine fiel in den Sessel zurück
und fühlte, wie ihr langsam der Whisky ins Blut stieg. Sie
strich sich ihr Haar aus dem Gesicht.
„Mein Beileid",
sagte sie dann automatisch und im selben Moment wurde ihr klar, daß
sie Eileen Snape zu ihrem eigenen Tod das Mitgefühl aussprach.
Sie stöhnte auf und verbarg beschämt ihr Gesicht zwischen
den Händen. Am liebsten wäre sie im Erdboden versunken.
Doch Eileen Snape hingegen lachte nur vergnügt.
„Oh,
Danke", rief sie fröhlich. „Das ist gut! Das werde
ich sofort weiter erzählen! Ihr Lebenden seit lustig! Und der
Spruch hat das Zeug zum running gag!"
„Ma'am!"
rief Hermine in einer Mischung aus Empörung und Belustigung und
stellte fest, daß sie Snapes Mutter auf Anhieb sympathisch
fand. Mochte sie nun tot oder untot sein, in ihrer Art glich sie
überhaupt nicht ihrem Sohn.
„Sagen Sie, Mrs. (ein
strenger Blick traf sie und schnell verbesserte sie sich) Eileen,
ist das ... hmm ... na ja ... vielleicht auch ... schwarze Magie? Ich
meine, daß Sie hier sind?"
„Schwarz, weiß,
grau ... also ehrlich, wen interessiert das schon? Vor allem aus
meiner Perspektive, wie du dir vorstellen kannst! Du solltest es doch
inzwischen besser wissen. Die Magie läßt sich nicht in
schwarz oder weiß aufspalten. Das sind doch nur leere
nichtssagende Konzepte, die von ängstlichen Idioten entworfen
worden sind. Von solchen, die sich vor der Macht der Magie fürchten
-"
„Und die verdammt gut daran tun!" unterbrach
Hermine Eileen Snape aufgebracht.
„Ich weiß
inzwischen selbst viel zu gut, wie sehr einen die Magie in Versuchung
führt. Aber vielleicht ist das etwas, was man vergißt,
wenn man tot ist -"
Hermine schlug sich erschrocken die Hand
vor den Mund.
„Oh - Entschuldigung! Ich wollte nicht
unhöflich oder grob sein, Mrs. Snape."
„Eileen",
wiederholte Snapes Mutter sanft. „Und du bist nicht unhöflich.
Es ist wohl die Wahrheit. Tatsächlich vergißt man eine
Menge, wenn man tot ist. Die Toten vergessen, wie schwer es die
Lebenden haben. Wir vergessen, daß das Leben oft genug nur ein
blankes Überleben ist.
Ja, wir erinnern uns zwar noch an die
Liebe und den Schmerz, erinnern uns an das Vergnügen des Essens
und Trinkens, an die Sonne auf der Haut und den Wind in den Haaren,
aber wir haben vergessen, wie es sich anfühlt, das ist die
simple Wahrheit.
Wir sind kein Fleisch mehr, haben keine Körper
mehr ..."
Das Flammengesicht war nachdenklich geworden, doch
dann lächelte Mrs. Snape Hermine freundlich zu.
„Es ist
schön, endlich mal jemanden anderen zu Gesicht zu bekommen.
Besonders, wenn man seit Jahren mit so einem Griesgram wie meinem
Sohn auskommen muß. Außerdem ruft mich Severus sowieso
nur dann herbei, wenn er sich mit mir beraten oder aussprechen will.
Aber mich mal zu einem kleinen Plausch einzuladen, auf die Idee käme
er nicht. Hast du überhaupt Lust, dich mit mir zu unterhalten,
Hermine?
Hast du Zeit?"
Hermine starrte in die
Kerzenflamme, warf einen Blick auf den schlafenden Severus Snape und
dachte, daß es eine gute Gelegenheit wäre, ihren Professor
mal aus einer anderen Perspektive kennenzulernen.
„Na aber
klar doch, Eileen!" sagte sie.
~~~~
Gute zwei
Stunden später sank Hermine auf ihre Matratze zurück und
schlief ein, um nur einen Moment später - zumindest schien es
ihr so - mit dem üblichen Faustschlag gegen die Tür geweckt
zu werden.
Nach ihrer Dusche und einem immer noch irritierten
Blick auf ihre wandernden Zeichen fand sie sich in Muggelkleidung am
Küchentisch sitzend wieder. All ihre wenigen Habseligkeiten
hatte sie in der gerade mal Schuhkarton große Box verstaut,
auch Snapes Kleidung und den Besen. Anschließend hatte sie die
Box noch auf handtellergröße geschrumpft. Alles war für
ihren Aufbruch bereit.
„Ich bringe Sie in ein paar Stunden
zum vereinbarten Treffpunkt. Dort trennen sich unsere Wege. Ich
glaube nicht, daß wir in Kontakt treten werden, ehe es zum
Entscheidungskampf kommt."
Hermine nickte. Sie fühlte
sich mies, hatte viel zu wenig geschlafen und dazu noch Kopfweh. Der
nächtliche Plausch mit Mrs. Snape hatte ihr keine wirklichen
Kenntnisse über Professor Snape eingebracht. Eileen war den
Fragen nach ihrem Sohn ausgewichen, hatte aber bereitwillig mit
Hermine über sich selbst geredet. Was nicht minder interessant
gewesen war und durchaus Rückschlüsse auf Snapes Kindheit
zuließ. Auch hatte Mrs. Snape Hermine über alles mögliche
ausgefragt. Hogwarts, die Todesser, Dumbledore, Harry und auch über
sie selbst. Es hatte Hermine überrascht, wie gut sich Mrs. Snape
in der Muggelwelt auskannte, selbst über aktuelle Trends
Bescheid wußte. Auf Hermines Rückfrage hatte sie nur vage
angedeutet, daß die Toten es liebten, die Lebenden zu
beobachten, sie aber nicht viel mehr darüber sagen durfte.
Schließlich gäbe es auch in der Welt der Toten Gesetze.
Aber was gäbe es für verstorbene Zauberer schon lustigeres
als die Muggelwelt?
Es war kurz nach fünf, als sich Eileen
Snape verabschiedete und sagte, daß sie nicht länger
bleiben könne, weil der Tag nun endgültig anbrach. Die
Kerze war verloschen und Hermine hatte noch zwei Stunden Schlaf
nachholen können.
„Draco
wird Sie in alles weitere einweihen", sagte der Professor,
während er Hermine einen Teller mit Porridge über den Tisch
schob. Sie hatte keinen großen Hunger und wollte nicht viel
essen, da sie langes Fliegen auf dem Besen krank machte.
„Er
weiß genaueres über die Absichten des Dunklen Lords. Ich
habe zwar eine Vorstellung davon, wo der Verrat stattfinden könnte,
doch ich bin nicht über die weitere Vorgehensweise in Hogwarts
informiert.
So arbeitet Lord Voldemort übrigens immer. Er
läßt nie zu, daß jemand außer ihm selbst seine
Absichten in ihrer Gesamtheit erkennt. Aber da Hogwarts selbst, als
auch das ganze Gelände von mächtigen Zaubern und Flüchen
geschützt ist, wird es wohl im Felsen stattfinden ... und dies
ist kein sicherer Ort."
Hermine zog interessiert eine Braune
hoch, sah den Professor fragend an.
„Ich will nicht darüber
reden", sagte er. „Es gibt Geheimnisse, von denen man
besser nichts weiß. Und ich werde Sie sicherlich nicht auch
noch mit der Nase auf etwas stoßen, das gefährlicher ist,
als alles, was Sie sich vorstellen können."
Snape
verstummte. Dann schlug er mit einem verärgerten Verdammt!
die Faust auf den Tisch und Hermine schreckte zurück, sah ihn
überrascht an.
„Schon gut", murmelte der Professor
entschuldigend und lehnte sich zurück. „Es ist
frustrierend, nicht zu wissen, was in Hogwarts geschehen wird
..."
„Keine Angst, Professor", sagte Hermine
beruhigen. "Ich werde es schaffen. Wir haben die letzten Monate
nicht so hart gearbeitet, damit ich im entscheidenden Moment
scheitere! Ich werde es schaffen. Versprochen!"
Snape nickte
und griff nach Hermines Hand, drückte sie.
„Ja",
sagte er. „Ich weiß, daß Sie gut sind. Aber es gibt
in Hogwarts Gefahren, von denen Sie nichts wissen, von denen Sie
nicht die leiseste Ahnung haben.
Hogwarts ist ein magischer Ort,
vergessen Sie das nicht. Die Schule ist tausend Jahre alt und man hat
längst mehr über ihre Ursprünge vergessen, als man
jemals wieder herausfinden wird.
Tausend Jahre sind eine lange
Zeit. Das sind viele Generationen von Hexen und Zauberern.
Generationen, die kamen und gingen. Und sie alle hinterließen
ihre magischen Fingerabdrücke in Hogwarts. Glauben Sie mir:
Hogwarts ist gefährlich. Und nur die allerwenigsten
wissen wie gefährlich. Hätten die Leute auch nur
eine Ahnung von den Dingen, die ich weiß, würden sie ihre
Kinder nie dorthin schicken. Und daß der Entscheidungskampf in
Hogwarts stattfinden soll, gefällt mir nicht.
Noch weniger
gefällt es mir, daß Sie es vorbereiten sollen. Der Dunkle
Lord weiß etwas, das er uns nicht mitgeteilt hat. Und sollte er
das Geheimnis des Felsens kennen, dann kennt er vielleicht sogar das
Labyrinth. Es könnte sein, daß er deswegen ..."
Snape
runzelte die Stirn und warf ihr einen schnellen Blick zu. Hermine
erkannte, daß er den Eindruck hatte, bereits zuviel gesagt zu
haben. Er ließ ihre Hand los.
„Geben Sie Draco eine
Chance. Er kann Ihnen in Hogwarts eine Hilfe sein, er wird Sie
unterstützen. Vielleicht steht er ja am gleichen Wendepunkt in
seinem Leben, wie auch ich es einst tat. Sie müssen ihn ja nicht
gleich mögen - aber geben Sie ihm einfach eine Chance."
Hermine
nickte.
„Ich will es versuchen. Aber es wird mir bestimmt
nicht leicht fallen. Ausgerechnet Draco Malfoy", sagte sie und
verdrehte die Augen.
Dann starrte sie in ihren Porridge, stocherte
lustlos mit dem Löffel darin rum und dachte an das, was ihr
bevorstand. Sie hoffte, daß sie keinen ihrer Freunde verletzen
mußte. Und als sie wieder aufsah, begegnete sie Snapes
fragendem Blick. Sie schnaubte kurz und stellte leise fest:
„Wissen
Sie, es sind jetzt fünf Monate vergangen. Es waren die fünf
längsten und anstrengendsten Monate meines Lebens. Es gab
Momente, in denen ich mir wirklich gewünscht hatte, Sie hätten
mich auf dem Schlachtfeld, bei den Inferi, zurückgelassen."
Sie grinste den Professor schief an und sie wußten beide,
daß sie auf die ersten Wochen bei ihm anspielte.
„Aber
ich habe diese Momente durchgestanden. Ich bin gewachsen, sogar über
mich hinaus. Doch all das, was ich in diesen vergangenen Monaten
gelernt habe, was ich getan habe ... es hat mich verändert, läßt
sich nicht mehr rückgängig machen ... "
Hermine
legte den Löffel zur Seite und lehnte sich zurück. Sie
begegnete ruhig Snapes Blick und sagte:
„Ich habe mich damit
abgefunden, es erschreckt mich nicht länger. Und gerade weil ich
erkannt habe, daß es kein Zurück mehr für mich gibt,
weiß ich, daß ich von nun an nur noch vorwärts gehen
kann.
Wenn ich eine Zukunft haben will, muß ich ihr
entgegen gehen, muß ich sie umarmen. Nur die Furchtsamen
bleiben stehen und warten ab. Und ich denke nicht, daß ich
jemals zu denen gehört habe."
Nachdenklich verstummte
sie. Auch der Professor blieb stumm. Dann sagte Hermine leise:
„Ich
weiß nicht mehr, wer ich bin, Professor. Manchmal glaube ich,
daß ich mich selbst verloren habe. Dann fühle ich, wie
etwas in mir aufsteigt, eine unbändige Kraft, die mir
zuflüstert, daß ich mich in Wirklichkeit gefunden habe.
Daß ich mich endlich mit all meiner Macht akzeptieren soll und
ich mich nicht länger vor mir selbst fürchten soll.
Und
wissen Sie was, Professor?
Es ist genau das, was mir am meisten
Angst macht! Was wird geschehen, wenn ich mich als das annehme, was
ich geworden bin? Was wird mit mir geschehen? Wer bin ich
inzwischen?"
Hermines Stimme war kaum hörbar, als sie
sich über den Tisch zum Professor vorbeugte, ihm
zuflüsterte:
„Ich habe getötet, Professor,
gemordet! Ich trage das dunkle Mal, und es flüstert mir
zu, in jedem Moment meines Lebens. Es ist eine abscheuliche finstere
Magie, und ich kann sie mit jedem meiner Herzschläge, mit jedem
meiner Atemzüge in mir fühlen.
Sie flüstert von
Macht und davon, daß andere weniger wert sind als ich ... sie
durchströmt mich wie das Blut meine Adern durchströmt. Ist
in mir und versucht mich zu vergiften ... und nur diese uralte Magie,
die sich mit mir verbunden hat, hält sie in Schach. Auch das
fühle ich. Und auch sie flüstert mir zu, aber ich verstehe
sie nicht.
Sie ist mir zu fremd."
Hermine sah Snape
gequält an.
„Wird das jemals aufhören? Werde ich
jemals in Frieden mit mir selbst leben? Werde ich jemals wieder frei
sein?"
Der Professor hatte Hermine betroffen angesehen. Er
hatte nicht gewußt, daß sie so sehr litt. Für ihn
war der ständige Kampf dieser beider Mächte in ihm längst
schon ein Teil seines Lebens geworden. Er hatte nicht daran gedacht,
wie es sich für Hermine anfühlen mußte.
„Es
wird in dem Moment aufhören, in dem der Dunkle Lord für
immer aus unserer Welt verschwindet. Wenn er stirbt und kein Horkrux
mehr übrig bleibt, sind wir frei, und das dunkle Mal wird keine
Macht mehr über uns besitzen."
Hermine schloß die
Augen und atmete erleichtert durch. Es würde aufhören.
Sie
konnte darauf hoffen, frei zu sein. Und als sich ihre Augen wieder
öffneten und der Professor ihrem Blick begegnete, erkannte er
ihre kalte klare Entschlossenheit. Und Hermines Stimme war von
Leidenschaft erfüllt, als sie sagte:
„Dann will ich
mich verpflichten, Sir. Hier und heute und nicht aus dem Zwang
heraus, überleben zu wollen, sondern weil ich es will:
Ich
verspreche, ich werde niemals verzeihen, niemals ruhen
und niemals aufgeben. So lange nicht bis Voldemort vernichtet
ist oder ich beim Versuch ihn zu vernichten, getötet worden
bin."
Hermines Kraft, ihre Leidenschaft und Präsenz,
füllte die kleine Küche aus. Sie stand auf und auch Snape
erhob sich. Sie fühlten beide, daß dies ein neues Kapitel
in ihrer Beziehung war.
„Wir stehen auf einer Seite,
Professor", stellte Hermine fest und reichte ihm die Hand.
Und
Snape ergriff sie, hielt sie mit beiden Händen fest. Seine
Stimme war rauh, als er sagte:
„Und ich schwöre, Sie
werden nicht allein sein. Ich werde da sein. Wir werden gemeinsam
kämpfen, wir werden gemeinsam siegen - sollten wir aber fallen,
werden wir gemeinsam fallen. Sie sind nicht allein. Von nun an
wollen wir Waffengefährten und Verbündete sein."
Ihre
Blicke trafen sich, verhakten sich ineinander. Sie waren zwei
Krieger, die gerade einen Bund schlossen. Er war für sie genauso
bindend wie der Unbrechbare Schwur für jeden anderen. Sie
wußten, sie waren bereit, für ihr Ziel Unaussprechliches
zu tun. Sie würden stehlen, schlagen, quälen, verraten und
wenn es sein mußte auch morden.
Sie waren nicht viel
besser, als die, die sie bekämpften. Nur ihre Ziele waren
andere, bessere. Und Hermine, die in diesem Moment das alles
erkannte, erkannte noch etwas anders.
Sie erkannte, daß sie
Snape wollte! Sie wollte ihn haben, wie eine Frau nur einen Mann
haben kann. Sie wollte ihn fühlen, wollte seine Haut auf der
ihren spüren, seine Hände auf ihrem Körper, seine
Lippen auf den ihren.
Sie wollte seine kratzigen Wangen fühlen,
seinen Schweiß schmecken und in seinem Geruch baden.
Und
jenseits der Finsternis Snapes Augen, dieser schwarzen
undurchdringlichen finsteren Höhlen, sah sie das gleiche
Verlangen auflodern.
Ihr Atem beschleunigte sich, als sie seinen
Hunger sah. Ihre Hand löste sich aus seinen Händen und sie
griff nach seinem Umhang. Mit einem Ruck zog sie ihn zu sich, drückt
sich hart an ihn.
„Es ist mir egal" flüsterte sie
dann erregt. „Es ist mir egal, ob es sich schickt oder nicht.
Es ist mir egal, ob jetzt der richtige Zeitpunkt ist oder nicht. Es
wird nie einen richtigen Zeitpunkt geben, wir sind im Krieg! Aber wir
können uns die Zeit stehlen. Bevor ich gehe, Severus, will ich
mich dir hingeben, und ich will deine Hingabe fühlen. Liebe
mich."
Hermines Hand fuhr zwischen sie, streichelte sanft
über die Härte, die sich ihr entgegendrückte. „Und
wie könntest du leugnen, daß du mich nicht auch haben
willst?"
Snape sah sie mit verkrampften Gesicht an. Er konnte
sich kaum beherrschen, wollte sie mehr als jede andere Frau zuvor.
Aber ...
„Es darf nicht sein, Hermine. Es war schon beim
ersten Mal ein Fehler -", er brach ab, biß sich auf die
Lippen und schloß aufstöhnend die Augen, als Hermines Hand
sich in seine Hose schob. Ihre Lippen suchten die seinen, und dabei
flüsterte sie:
„Ach ja? Schon beim ersten Mal? Dann ist
es schon einmal geschehen und du Bastard hast mir die Erinnerung
genommen? Kein Wunder daß ich mich immer so komisch in deiner
Nähe gefühlt habe."
Ihr Mund fand den seinen, ihre
Lippen saugten und knabberten an ihm, ihre Zungen berührten
sich. Snape konnte sich nicht länger zurückhalten, mit der
einen Hand drückte ihren Kopf an sich, begegnete ihrem
leidenschaftlichem Kuß, während er mit der anderen blind
nach seinem Zauberstab tastete.
Hermine ertrug das Kribbeln
zwischen ihren Beinen kaum noch. Wenn er sie nicht bald dort
berührte, würde sie sich selbst berühren. Aber vor
allem wollte sie das, worüber gerade ihre Hand glitt.
Ihr
Mund löste sich ein wenig von seinem, so daß sie ihm
während ihren Küssen zuflüsterte: „Oh, bitte ...
Severus ... bitte ... ich will es ... will es doch ... so sehr ...
liebe mich."
Endlich hatte er den Zauberstab
gefunden!
Plopp.
„Skotomênê
nox!"
Vollkommene Finsternis umgab Hermine. Eine Stimme,
flüsterte ihr ins Ohr:
„Komm, mein Engel, zieh dich
aus - zieh dich aus. Ich will deine Haut auf meiner spüren, will
dich mit meinen Küssen bedecken, ich will -"
Hermines
hungriger Kuß verschloß ihm den Mund, während sie
schon anfing, sich auszuziehen. Auch Snape entledigte sich seiner
Kleidung. Er wollte Hermine fühlen. Wollte ihre Wärme und
Weichheit spüren, wollte ihre kleinen Schreie und Seufzer der
Lust hören, wollte fühlen, wie sich sich zuckend um ihn
verkrampfte, seinen Namen rief - und ihn mit ihrer Hingabe für
einen Moment heil sein ließ.
Später ...
„Sag
mal, hast du mich vorhin in der Küche einen Bastard genannt?"
fragte der Professor ungläubig.
„Upps!" flüsterte
Hermine und wandte sich ihm im Dunklen zu.
„Das könnte
durchaus sein."
Ihre Hand streichelte über das seidige
Haar seiner Brust.
„Hmm", brummte er. „Das ist
eine seltsame Art einem zu sagen, daß man mit ihm -"
„Hey!"
unterbrach ihn Hermine. „Du hast mir die Erinnerung genommen,
was erwartest du von mir? Freudentränen? Ich meine, wenn unser
erstes Mal nur halb so gut wie gerade eben war, dann ist das verdammt
unfair! Kann ich die Erinnerung nicht wiederhaben? Nur für einen
Moment?"
Der Professor seufzte.
„In Ordnung",
und sein Zauberstab tippte kurz an Hermines Schläfe.
„Oh
..." flüsterte Hermine, nur um sich dann stöhnend
aufzubäumen, atemlos zurückzufallen und seinen Namen zu
keuchen.
„Hermine!" rief Snape erschrocken. „Alles
in Ordnung?"
Er hörte sie neben sich nach Luft
schnappen. Dann rollte sie sich auf ihn und ihr Becken rieb sich
wohllüstig an ihm. Ihr hungriger Kuß erweckte in ihm
erneut die Leidenschaft und er spürte, wie er hart
wurde.
„Hermine", flüsterte er und seine Hände
fuhren über die Kurven ihres Körpers, „was tust du
da?"
„Wie fühlt es sich denn an?" antwortete
sie. „Ich möchte mich bei dir bedanken.
Du hast mich
nicht nur zur Kriegerin ausgebildet, sondern mir auch die Freude an
meinem Körper zurückgegeben. Du hast mir gezeigt, daß
ich Lust empfinden kann, trotz allem was passiert ist. Du bist nicht
nur ein guter Liebhaber, Severus, du bist sogar ein guter Mann. Und
wer hätte gedacht, daß ich das jemals sagen würde!"
kicherte sie.
„Du mußt mir später unbedingt
diese Erinnerung nehmen - ist ja peinlich!"
Und dann sagte
sie nichts mehr, sondern arbeitete sie sich küssend und zärtlich
knabbernd bis zu seiner Männlichkeit vor. Sie zögerte nur
einen Moment, doch dann umschlossen ihre Lippen sanft seinen Schaft,
und ihre Zunge strich über den Rand der Glätte. Sie
kitzelte mit ihrer Zunge die kleine Falte, die den starken Schaft mit
der Glätte verband und ihre Lippen umschlossen ihn vollständig.
Sie sog an ihm, leckte und knabberte an ihm, streichelte über
seinen Hoden und Snapes keuchender Atem belohnte sie, sein zuckendes
Becken ermutigte sie weiterzumachen und seine Hände zerwühlten
ihr Haar, zogen sie noch näher zu sich.
Und Hermine genoß
dieses Spiel. Sie knabberte an ihm, saugte und spielte mit Zunge und
Zähnen an ihm. Scharf hörte sie ihn Luft holen und sein
tiefes Stöhnen erregte sie ebenso, wie ihr Mund ihn erregte.
Doch nicht lange und er zog sie von sich fort, zog sie hoch zu
sich und küßte sie. Küßte sie mit solcher
Intensität, daß es sie atemlos nach Luft schnappen ließ.
Seine Hand wühlte sich wieder in ihr Haar und er zog ihren Kopf
zu sich hinunter, bis ihre Münder aufeinander trafen und Lippen
und Zungen zueinanderfanden. Und seine andere Hand fand zu ihrer
feuchten Spalte, seine Finger schoben die Hautfalten auseinander und
rieben die kleine feste Erhebung, streichelten und drückten sie,
massierten das anschwellende Fleisch bis sich ihr Becken ihm
entgegenhob, ihr keuchender Atem, ihr verschwitzter Nacken und ihre
warme Feuchtigkeit ihm sagten, daß sie bereit war, daß
sie es ebenso sehr nach ihm drängte, wie es ihn zu ihr zog.
Eine schnelle Drehung und Hermine lag auf dem Rücken, fühlte
seine Härte am Eingang ihrer Weiblichkeit, und sie hob sich ihm
erwartungsvoll entgegen.
„Ja", flüsterte sie ihm
ins Ohr. "Komm, laß es uns noch einmal tun. Und dieses Mal
will ich all deine Leidenschaft. Halte dich nicht zurück! Ich
will dich, wie du bist. Ich hab keine Angst mehr vor dir ..."
Und
als hätte er nur auf diese Worte gewartet, drang er mit einer
einzigen Bewegung in sie ein, füllte sie aus, bis kein Platz
mehr in ihrem Körper noch in ihrem Geist war, bis noch er da
war, so tief in ihr, so tief in ihren Gedanken und ihrem Körper,
daß da nur noch ihr Hunger, ihre gemeinsame Leidenschaft und
ihre Gier aufeinander blieb.
Wieder und wieder stieß er zu,
und Hermine drängte sich ihm entgegen, nahm jeden seiner Stöße
auf, rieb sich an ihm, biß ihm vor Lust aufschreiend in die
Schulter, bäumte sich auf, leckte ihm den Schweiß vom Hals
und gab sich seinen wilden Küssen hin. Sie stöhnte, wenn
sie die Lust nicht länger ertrug, schrie vor Verzückung,
wenn sich ihr Fleisch pulsierend um ihn herum verkrampfte, hielt sich
an ihm fest, wurde von ihm gehalten. Süßer Wahn ergriff
sie beide, ihre Erregung erreichte Höhen, die ihnen zuvor
unbekannt gewesen waren.
Hermine klammerte sich mit ihrem
gesamten Körper an ihn, drehte ihn auf den Rücken und
setzte sich auf. Sie ließ ihr Becken kreisen, hielt ihn fest,
und seine Hände umschlossen ihre Hüften, dirigierten ihren
lustvollen Ritt. Und als eine seiner Hände den sensiblen Punkt
zwischen ihren Schenkeln fand und rieb, schrie Hermine, vor Lust halb
wahnsinnig geworden, auf.
Immer wieder rief sie seinen Namen in
die Dunkelheit, war sich dessen nicht bewußt. Sie fühlte
nur noch Lust in sich, fühlte, wie sie in ihr aufstieg und
Grenzen überwinden ließ, die jenseits aller Ekstase
lagen.
In Verzückung aufstöhnend, drehte sie sich auf
den Rücken und nahm die drängenden Stöße ihres
Geliebten in sich auf, wandt sich in dessen Armen, wölbte sich
ihm entgegen, fühlte ihn in ihrem Körper, in ihrem Geist
... und fühlte, wie sich ihre Seelen miteinander verbanden. Und
dann, als es keine Steigerung mehr geben konnte, wurden sie auf den
Wogen ihrer Leidenschaft davongetragen, bis sie sich in den Armen des
anderen wiederfanden.
Lange herrschte Schweigen zwischen
ihnen. Nur ihre Hände streichelten sich gegenseitig. Ihre Münder
küßten sich zärtlich. Ihre Wangen rieben sich
aneinander.
Schließlich flüsterte Hermine:
„Nimm
mir die Erinnerung, Severus. Es wird Zeit für mich zu
gehen."
Sie setzten sich gemeinsam auf.
„Ich will es
nicht", flüsterte er und drückte ihre Hand auf seine
Lippen.
Küßte jede einzelne der Fingerspitzen, ihre
Handfläche, das Handgelenk. Dann fuhr seine Zunge ihren Unterarm
hoch, wo er stoppte und ihre Armbeuge küßte.
Knabbernd
wanderte er an der Innenseite ihres Arms entlang und Hermine mußte
lachen, weil es so sehr kitzelte.
„Severus", kicherte
sie, „es ist mein Ernst!"
„... und was, wenn es
auch meiner ist?"
Für einen Moment herrschte Stille.
Dann sagte Hermine leise:
„Wir können uns nicht im
Dunklen verbergen, Severus. Wir haben eine Aufgabe zu erfüllen.
Wir müssen aus der Dunkelheit hinaustreten und uns zum Licht
bekennen."
Hermine entzog ihm den Arm und begann, nach dem
Zauberstab zu tasten. Snape machte keine Anstalt ihr zu helfen. Er
wußte, wo dieser lag, mußte nicht danach suchen. Doch
sein Verstand versuchte Lösungen zu finden. Lösungen, die
Hermine und ihm eine Chance gaben. Doch er fand keine.
Aufseufzend
griff er nach dem Zauberstab.
„Laß nur, du mußt
nicht länger suchen. Hier ist er."
Hermine setzte sich
zu ihm. Ihre Hand suchte tastend nach ihm, fand seine Hand mit dem
Zauberstab.
„Ich will es auch nicht", flüsterte
sie. „Aber im Augenblick haben wir keine andere Wahl. Es ist
richtig, mir die Erinnerung zu nehmen, Severus. Es muß sein.
Ich kann unmöglich diese Sache durchstehen, wenn ich mich an das
hier erinnere. Ich wäre krank vor Sorge um dich, krank vor
Leidenschaft. Ich könnte an nichts anderes mehr denken, als an
deine Sicherheit. Ich wäre nicht länger eine Kriegerin,
sondern nur noch eine verliebte Frau."
„Verliebt?"
fragte der schwarzhaarige Zauberer zweifelnd.
„Oh ja,
Severus, ich denke, ich habe mich in dich verliebt. Aber sicher bin
ich mir nicht. Dafür ist die Situation, in der wir sind, einfach
zu ungewöhnlich. Vielleicht sind es auch nur die Hormone. Aber
vielleicht ist es ja auch so etwas wie das Stockholm Syndrom."
„Sehr
witzig", murmelte der Professor. „Ich habe dich gerettet,
nicht entführt."
„Ach!" sagte Hermine
belustigt und stubste ihn. „Jetzt sei nicht gleich beleidigt!
Es war ein Witz! Und woher weißt du überhaupt,
was das Stockholm Syndrom ist? Das ist ein Begriff aus der
Muggelwelt. Du überrascht mich immer wieder ..."
Dann
nahm sie seine Hand und führte sich den Zauberstab an die
Stirn.
„Tu es. Aber nimm mir nicht alles - bitte. Laß
mir die Erinnerung an einen Traum. Wenn ich dich schon nicht haben
kann, dann kann ich doch wenigstens von dir träumen."
Ihre
Hand streichelte seine Wange und sie bemerkte eine Spur von
Feuchtigkeit darauf. Tränen? Doch noch bevor sie etwas sagen
konnte, hörte sie Snapes Stimme:
„Schlaf."
Und
sie sank in tiefen Schlaf.
~~~~
Wieder war es
geschehen, dachte Snape.
Es war wieder geschehen und das, obwohl
es eigentlich niemals hätte geschehen dürfen. Nicht das
erste und erst recht nicht ein zweites Mal.
Der schwarzhaarige
Zauberer starrte auf Hermine, die wieder in ihrer Muggelkleidung am
Küchentisch saß und mit leerem Blick geradeaus starrte.
Die Erinnerung an die vergangenen Stunden ihrer Leidenschaft hatte er
tief in ihr vergraben, hatte sie als Traum verkleidet.
Er starrte
sie an, konnte immer noch nicht glauben, wie intensiv ihre
Vereinigung gewesen war. Er begriff nicht, wie das möglich
gewesen war. Verstand nicht, warum sie diese Gefühle in ihm
auslöste und noch weniger verstand er, warum auch sie ihn
wollte.
Heute hatten sie sich nicht zurückgehalten. Keiner
von ihnen. Sie waren sich mit der gleichen Leidenschaft, dem gleichen
Feuer und dem gleichen tiefen Verlangen nach einander begegnet. Sie
hatte sich ihm rückhaltlos hingegeben, so wie auch er sich ihr.
Dies war tiefer gegangen als jede körperliche Vereinigung, die
er erlebt hatte. Snape wußte, es war Magie gewesen. Eine Magie,
die so alt war, wie die Menschheit.
War es Liebe?
Er wußte
es nicht, hatte er doch noch nie geliebt. Und das jemand ihn lieben
könne, war ihm nie in den Sinn gekommen. Er war nur ein
verbrauchter alter Narr. Nur ein alternder Zauberer, der viel zu oft
in seinem Leben die falsche Wahl getroffen hatte.
Und eben so oft
hatten andere den Preis dafür zahlen müssen.
Snape
starrte auf Hermine, die gerade mal halb so alt war wie er, die mit
ihrer offenen Haarmähne viel zu jung aussah. Er starrte auf ihre
Muggelkleidung, und ihre Kleider erinnerte ihn nur zu deutlich daran,
wer sie war, was ihre Abstammung war.
Er seufzte.
In weniger
als einer Stunde würde sie sein Leben verlassen. Sie würden
von nun an getrennt operieren, würden an dem großen Verrat
arbeiten, der den Fall des Dunklen Lords herbeiführen sollte.
Nein, dachte der Zauberer, Hermine hatte Recht. Da gab es keinen
Raum für Sentimentalitäten. Keinen Platz für Liebe.
Sie waren beide Krieger. Sie hatten sich entschieden, hatten ihre
Wahl getroffen und dienten nun beide der gleichen Sache.
Sie
hatten sich zu Verbündeten und Waffengefährten erklärt.
Und die Wahrscheinlichkeit, daß auch nur einer von ihnen
den Kampf überlebte, war - nüchtern betrachtet -
verschwindend gering.
Aber Snape wußte, wenn es eine Chance
gab, daß einer von ihnen beiden überlebte, würde er
alles daran setzten, daß sie es war. Sie hatte noch ihr ganzes
Leben vor sich, hatte noch so viel Liebe zu geben. Und er ...?
Was
war er schon anderes als ein abtrünniger Todesser. Welche
Zukunft konnte es für einen wie ihn schon geben?
Hermines
Blick begann sich zu klären. Der Zauber, mit dem Snape sie
belegt hatte, hatte seine Wirkung getan und ihr Bewußtsein
kehrte zurück. Sie sah den Professor verwirrt an.
„Was
hatten Sie gerade gesagt, Sir? Ich glaube, ich war gerade etwas
geistesabwesend."
„Ich sagte", antwortet der
Meister der Zaubertränke in geduldigem Tonfall und tat so, als
müsse er sich wiederholen, „daß Sie auch meine
privaten Räume im Kerker nutzen können. Es ist kaum
anzunehmen, daß Dumbledore sie jemand anderen zugänglich
gemacht hat. Also: Wenn Sie noch den einen oder anderen Trank brauen
möchten oder sonst etwas tun müssen, das verborgen bleiben
soll, tun Sie es dort. In einem geheimen Raum auf der Rückseite
des Kamins befindet sich ein kleines Labor mit allerlei interessante
Zutaten. Es sind auch einige verbotene Gegenstände dort
verborgen, von denen Dumbledore besser nichts weiß! Und Sie
sollten nichts anfassen, von dem Sie nicht wirklich wissen, was es
ist, Gryffindor. Das ist mein Erst!"
Hermine nickte. Wenn
Professor Snape sie warnte, tat er das nicht ohne Grund.
„In
Ordnung, Sir", sie zögerte einen Moment, bevor sie
weitersprach. „Ich habe den Eindruck, etwas Wichtiges vergessen
zu haben", sagte sie und runzelte die Stirn.
„Aber ich
komme einfach nicht dahinter ..."
„Dann kann es nicht
so wichtig gewesen sein" erwiderte der Professor knapp. „Alles
was sie brauchen, haben Sie dabei. Ich denke, es ist Zeit,
aufzubrechen. Wir haben alles gesagt, was es zu sagen gibt,
alles besprochen, was es zu besprechen gibt. Es bleibt uns nur noch
zu gehen."
Hermine nickte. Sie stand auf, sah sich um.
„Kann
ich noch mal ..."
Hermine wußte nicht, was sie sagen
sollte. Sie wollte einfach noch einmal durchs Haus gehen, wollte sich
von dem Haus verabschieden, das in den vergangenen fünf Monaten
zu ihrem Zuhause geworden war.
Allein das Hochziehen seiner Braue
ließ Hermine erahnen, daß ihr Wunsch den Professor
verwirrte.
„Ich bin im Wohnzimmer", sagte er
schließlich. „Sie können gerne auch noch einen
kleinen Imbiß zu sich nehmen."
Mit diesen Worten
verschwand er aus der Küche.
Hermine sah zum Schrank,
lächelte ihn an.
„Ich werde dich vermissen", sagte
sie. „Du bist mir in den letzten Monaten ein echter Freund
geworden und daß du ein hervorragendes Essen machst, muß
ich dir nicht sagen."
Das dunkle Astlochaugenpaar des
Schranks sah sie an und seine Türgriffe hingen traurig
herunter.
„Ich werde dich auch vermissen, Hermine. Du warst
eine so nette Gesprächspartnerin und hast mich immer ernst
genommen. Wirst du mich mal besuchen kommen, wenn diese Sache vorbei
ist? Ich kann dir jederzeit was Leckeres herbeizaubern!"
Das
Holzgesicht in der Maserung zwinkerte ihr wieder vergnügt zu.
Hermine ging zum Schrank und streichelte ihn.
„Ich komme
sehr gern wieder. Natürlich nur, wenn der Professor nichts
dagegen hat. Und dann kannst du mich nach Strich und Faden
verwöhnen."
„Und möchtest du vielleicht jetzt
noch etwas mitnehmen? Ich könnte dir eine Picknicktüte
zusammenstellen."
„Nein, laß mal gut sein. Ich
bin zwar schon wieder hungrig (komisch, dachte sie), aber ich
vertrage das Fliegen auf dem Besen nicht. Besonders nicht, wenn es
schnell ist ... und schnell wird es sein."
Feuerblitz,
dachte Hermine und mochte erst gar nicht darüber nachdenken. Sie
wünschte dem Schrank ein Lebwohl und verließ die Küche,
bevor sie doch noch zu sentimental wurde. Dann ging sie in ihr
kleines Zimmer, sah sich in Ruhe um, besuchte den magischen Raum, der
noch immer wie ihr allmorgentliches gammliges Bad aussah und ging
schließlich in den Keller, um noch einmal einen Blick auf das
Labor zu werfen.
Hier hatte alles angefangen, dachte sie, als sie
sich umsah. Dort hinten in der Ecke war ihr Matratzenlager gewesen.
Wie fremd ihr diese Erinnerung inzwischen war.
Hermine ging durch
die Regalreihen und lächelte, als sie das leuchtende Gespinst
des Psilocybe cyanescens wiedererkannte. Ihre Fingerspitzen
strichen liebevoll und Abschied nehmend über die alten Kessel.
Dann sah sie sich noch einmal in aller Ruhe um, saugte das Bild des
Labors förmlich in sich auf und ging schließlich nach
oben. Leise klopfte sie an die Wohnzimmertür. Professor Snape
öffnete sie, trat hinaus und sah sie an.
„Bereit zu
gehen?"
Hermine nickte. Alles in ihr drängte sie, den
Professor zu berühren, ihn zu umarmen.
Sie hatte keine
Ahnung, woher diese plötzliche Gefühlsaufwallung kam.
Sie wußte nur, daß sie ihn nicht verlassen wollte, daß
sie bei ihm bleiben wollte. Aber sie wußte auch, daß sie
gehen mußte.
Sie waren Krieger, Verbündete,
Waffengefährten. Nicht mehr, nicht weniger und vor allem nichts
anderes. Was sie einte, war allein das gemeinsame Ziel. Und so sagte
sie einfach nur:
„Ja."
~~~~
Plopp.
Hermine
sah sich um. Sie standen inmitten einer verwilderten Wiese, mannshohe
Weisdornecken umschlossen das Gelände. Brachliegende Felder
standen im Hintergrund und eine kleine schiefergraue Stadt mit viel
zuviel Industrie erhob sich am Horizont. Der Himmel war düster,
die Regenwolken hingen tief und Abgase verdeckten die Sicht.
Sie
und der Professor hatten das Haus verlassen und waren in einer
schmierigen kleinen Seitenstraße nur wenige Meter vom Haus
entfernt disappariert. Es war ein deprimierendes Bild gewesen, das
sich Hermine außerhalb Snapes Haus geboten hatte. Und sie hatte
sich einen Moment lang gefragt, ob der Professor hier aufgewachsen
war.
„Draco sollte bald auftauchen", sagt der
Professor.
„Ich bin schon da!" tönte es ihnen aus
einer naheliegenden Baumgruppe entgegen.
Draco Malfoy kam ihnen,
mit dem Feuerblitz auf der Schulter, entgegen. Sein Haar war vom Wind
zerzaust, und auf seinen normalerweise blassen und farblosen Wangen
zeigte sich ein gesundes Rot. Er trug seine Hogwartsuniform und seine
grauen Augen blitzen unternehmungslustig auf. In seinem Gesicht trug
er ein breites Lächeln.
Ganz offensichtlich gefiel ihm der
Gedanke, mit Hermine auf dem Besen als gefeierter Held nach Hogwarts
zurückzukehren. Ihr dagegen gefiel der Gedanke überhaupt
nicht!
„Hervorragend!" sagte Professor Snape knapp.
Dann wandte er sich Hermine zu.
„Draco hat seine Befehle
direkt vom Dunklen Lord empfangen und wird Ihnen sagen, wie es
weitergeht."
Der Professor sah zu Malfoy.
„Ich
verlasse mich auf dich, Draco. Ich weiß, daß das
schwierig für dich ist und daß du über deinen eigenen
Schatten springen mußt. Aber denke daran: Sie ist die Waffe des
Dunklen Lords. Sie ist nicht anzurühren und darüber hinaus,
ist sie zu schützen. Wenn sie dich um Hilfe bittet, wirst du ihr
Hilfe gewähren und zwar ohne weitere Fragen.
Haben wir uns
verstanden?"
Draco Malfoy maß Hermine mit kühlen
Blick, daß breite Grinsen war aus seinem Gesicht verschwunden.
Gelassen begegnete Hermine seinen grauen Augen, und Malfoy nickte
langsam.
„Sie können sich auf mich verlassen, Sir",
antwortete er dem Professor.
Snape streckte Hermine seine Hand
entgegen.
„Es war - interessant", war alles, was er
sagte. Hermine nickte, griff nach seiner Hand, drückte sie kurz
und sagte:
„Leben Sie wohl, Professor ... und danke für
mein neues Leben."
Der schwarzhaarige Zauberer nickte, drehte
sich um und mit einem Plopp war er aus aus ihrem Leben
verschwunden.
Hermine fühlte für einen kurzen Moment
einen seltsam stechenden Schmerz in ihrer Herzgegend, und unendliche
Leere stieg in ihr auf.
Trauer machte sich in ihr breit. Sie
hatte sich so sehr an Professor Snapes Nähe gewöhnt, daß
ihr seine Abwesenheit, die Endgültigkeit ihrer Trennung,
regelrecht weh tat. Gerade noch rechtzeitig besann sie sich eines
besseren.
Von nun an war sie auf sich allein gestellt, jeder
Fehler würde tödliche Konsequenzen haben. Nicht nur für
sie selbst, sondern höchst wahrscheinlich auch für
Professor Snape. Allein schon ihm zuliebe, würde sie auf sich
aufpassen.
Sie wandte sich Malfoy zu.
„Nun?"
„Wir
müssen mal ausprobieren, wie wir beide auf den Besen passen.
Vielleicht stellst du dich einfach mal vor mich, Granger. Ich denke,
es wäre am Besten, wenn du vor mir auf dem Besen sitzt. Du bist
so klein, daß das wohl am ehesten klappt - und vermutlich auch
am sichersten für dich ist. Denn ich habe nicht vor, langsam zu
fliegen."
„Klasse, ich hasse Besen!" murmelte
Hermine und trat vor Malfoy. Sie reichte ihm gerade mal bis knapp an
die Schulter. Dann fühlte sie ihn in ihrem Rücken und
unwillkürlich trat sie einen Schritt vor, versuchte Abstand
zwischen sich zu bringen.
„So geht das nicht, Granger. Es
läßt sich nicht vermeiden, daß wir in engem Kontakt
zueinander auf dem Besen sitzen werden."
„Ich kann das
nicht!" fauchte Hermine gereizt und wandte sich wieder Malfoy
zu.
„Das ist so unnatürlich! Ich soll dir mein Leben
anvertrauen, Malfoy? Dir? Woher soll ich wissen, daß du mich
nicht mitten in der Luft herunterstößt? Das würde zu
dir passen und dir sicherlich auch noch gefallen. Du kannst mich
genauso wenig leiden wie ich dich!"
Der junge Mann maß
Hermine mit kaltem Blick.
„Du bist seine Waffe,
Granger! Ich würde mich niemals gegen ihn stellen,
niemals! Wir müssen uns nicht leiden können, um ihm
zu dienen. Und in einem kannst du dir sicher sein: Von mir
hast du nichts zu befürchten - okay?!"
Hermine atmete
tief durch, warf sich das Haar zurück und funkelte Malfoy zornig
an.
Dann drehte sie ihm den Rücken zu, sagte:
„In
Ordnung. Bringen wir es hinter uns!"
Draco legte ihr den
Tarnumhang über und dann stellte er sich hinter sie, der Besen
schob sich zwischen ihre Beine und Malfoy lehnte sich vor, hielt den
Besenstiel mit beiden Händen fest.
Hermine war nun zwischen
Draco Malfoys Brust, dem Besenstiel und seinen Armen, eingeklemmt wie
in einen Schraubstock. Sie würde tatsächlich kaum vom Besen
fallen können.
„Du solltest dich besser an meinen
Armen festhalten, Granger. Denn jetzt gehts los!"
Der Besen
schoß in die Höhe und Hermine stieß ein erschrecktes
Keuchen aus, rutschte mit einem Ruck gegen Malfoys Brust, ihr Hintern
schob sich fast auf sein Becken. Sie umschlang in wilder Panik seine
Arme. Doch Draco Malfoy lachte auf, beugte sich noch weiter vor,
während der Besen mit irrwitziger Geschwindigkeit in die Höhe
schoß und Hermine so laut fluchte, daß sie damit selbst
Malfoys Lachen übertönte.
Doch dieser stellte überrascht
und trunken vor Freude fest, daß er Hermines Gewicht an seiner
Brust und ihren Hintern zwischen seinen Schenkeln nicht einmal als
unangenehm empfand. Auch ihr unentwegtes Schimpfen und Fluchen hob
seine Laune beträchtlich. Und so flog dieses seltsame Paar
Hogwarts entgegen und alles sprach für eine überaus
dramatische Ankunft der beiden. Keiner von ihnen ahnte auch nur, daß
ihre Zusammenarbeit, die Welt für immer verändern
sollte.
„Ich
kann nicht glauben, daß du ihm deinen Feuerblitz gegeben hast",
murmelte Ron leise vor sich her. „Der Arsch ist doch bestimmt
damit abgehauen. Wieso glaubst du überhaupt, daß der weiß,
was mit Hermine geschehen ist? Seit fünf Monaten haben wir
nichts von ihr gehört, wissen nicht mal, ob sie noch lebt oder
tot ist ..."
„Ja! Aber wir haben auch keine Leiche
gefunden und Malfoy hat immerhin öfters mal angedeutet -"
„Aber
das hat er doch nur gesagt, um sich wichtig zu tun, Harry",
unterbrach ihn Ginny.
„Ich kann mir nicht vorstellen, daß
der wirklich weiß, wo Hermine ist, oder was mit ihr geschehen
ist. Der spielt sich doch nur auf, spielt mit deinen Gefühlen
und du läßt es zu. Kannst du nicht sehen, daß er
dich nur benutzt?" fragte sie ihren Freund.
„Hermine
ist meine beste Freundin, aber ... manchmal sollte man einfach einen
Schlußstrich ziehen können. Deine Hoffnung macht dich
angreifbar, Harry. Und Malfoy nutzt das aus. Du hast ihm deinen
Tarnumhang und den
Feuerblitz gegeben, und das nur, weil er gesagt hat, er könne
Hermine wieder nach Hogwarts zurückbringen. Aber warum sollte er
das tun, Harry? Er verachtet jeden einzelnen von uns und ganz
besonders Hermine ... Harry -"
Ginny griff nach seinem Arm,
doch dieser schüttelte nur zornig ihre Hand ab.
„Fein!
Dann hast du sie eben aufgegeben!Na toll! Schöne Freunde seit
ihr! Aber ich hoffe immer noch! Und ich werde erst glauben, daß
Hermine tot ist, wenn man mir ihre Leiche zeigt. Aber so lange werde
ich hoffen und jede Möglichkeit wahrnehmen, die sie wieder zu
uns zurückbringen kann. Hermine lebt! Und es ist mir egal, warum
Malfoy ihr helfen will. So lange er es nur tut!"
Harry
schnaubte wütend, wandte sich ab und starrte in den Himmel.
Malfoy hatte gesagt, daß er am Abend mit Hermine zurückkehren
würde. Der Junge mit der Narbe wußte nicht, warum er
Malfoy glaubte, wußte nicht, ob er ihm überhaupt glauben
sollte ... aber etwas in ihm wollte ihm einfach glauben. Wenn es auch
nur die leiseste Chance gab, daß Hermine lebte, daß sie
nur darauf wartete, befreit zu werden, würde er alles hergeben,
was ihr die Freiheit bringen würde. Und wenn das sein Feuerblitz
oder der Tarnumhang waren, dann war das nur ein geringer Preis für
Hermines Leben. Schließlich war es seine Schuld, daß sie
zurückgeblieben war ...
Harry starrte suchend in den
Himmel. Er wußte, wie verrückt seine Hoffnung war, daß
ausgerechnet Malfoy Hermine zurückbringen würde. Dessen
Vater war Todesser!
Malfoy zudem Snapes Liebling! Warum ... warum
nur glaubte er, daß dieser arrogante Slytherin Hermine helfen
würde?
Tief in sich kannte Harry die Antwort. Er wußte,
daß er sich bis an sein Lebensende Vorwürfe machen würde,
sollte Hermine seinetwegen umgekommen sein. Und so klammerte er sich
an jeden noch so winzigen Strohhalm der Hoffnung. Selbst wenn ihm
dieser von Draco Malfoy gereicht wurde. Ginny hatte Recht, doch er
wollte es sich nicht eingestehen.
Seine Augen brannten vor
Anstrengung, als er den Himmel zum wiederholten Mal absuchte. Ginny
und Ron standen mit ihm am Rand des Quidditchspielfelds, sahen ihm
besorgt zu, und er bereute es zutiefst, sie eingeweiht zu haben.
Gegen Abend, hatte Malfoy gesagt. Gegen Abend würde er
zurück sein. Harry stand jetzt schon seit einer geschlagenen
Stunde am Spielfeld und hörte sich Rons und Ginnys Argumente an.
Jedem einzelnen von ihnen hätte er rückhaltlos zustimmen
können. Es gab keinen einzigen Grund, warum Malfoy Hermine hätte
helfen sollen. Aber das war ihm egal.
Der Himmel verfärbte
sich langsam, es wurde dunkler. Nicht mehr lange und die Nacht würde
anbrechen. Doch Harry hatte sich vorgenommen selbst bis in die Nacht
hinein am Spielfeld zu bleiben. Malfoy würde auftauchen, er
mußte es ganz einfach ...
Und dann entdeckten er einen
dunklen Flecken in der Ferne. Er kam schneller näher.
Harry
zwickte eine Augen zusammen. Sein Herz begann vor Aufregung schneller
zu schlagen. Tatsächlich konnte das nur jemand auf einem Besen
sein ... und zwar auf einem verdammt schnellen Besen.
„Ich
sehe was", flüsterte er heiser vor Aufregung Ginny zu und
deutete dabei in die Richtung des dunklen Flecks.
„Verflucht
...", murmelte Ron ungläubig, während Ginny stumm in
die angegebene Richtung blickte.
Der Fleck wurde größer,
kam näher. Die Gestalt eines Jungen auf einem Besen wurde
sichtbar. Und nicht genug damit. Ein Paar jeansbekleidete Beine ohne
sichtbaren Oberkörper waren ebenfalls zu sehen.
Weißblondes
Haar blitzte im ersterbenden Licht der Sonne hell auf. Der
Besenreiter wurde langsamer, drehte eine Runde ums Spielfeld und
landete schließlich knappe zehn Meter von den drei Freunden
entfernt. Eine Hand wurde sichtbar und zog den Tarnumhang herunter.
Den ungläubigen Blicken ihrer Freunde enthüllte sich eine
vom Wind zerzauste Hermine.
„Hermine", flüsterte
Harry kaum hörbar. Seine Stimme war trocken und spröde. Mit
hölzernen, irgendwie unbeholfen wirkenden Bewegungen stakste er
dem löwenmähnigen Mädchen entgegen.
Malfoy zog
stumm den Besen zwischen sich und Hermine hervor, nahm ihr den
Tarnumhang aus den Händen und stieß sie sanft in Harrys
Richtung.
Hermine torkelte fast ebenso steif und unbeholfen Harry
entgegen. Die ganze Zeit über blieben ihre Blick ineinander
verhakt. Dann standen sie sich gegenüber. Still und stumm
starrten sie einander an und Harry rannten Tränen wie ein
unaufhaltsamer Strom über die Wangen.
„Hermine ...",
flüsterte er mit brechender Stimme, konnte nicht mehr sagen.
Seine Hand strich ungläubig über ihre Wange.
Und als ob
er damit einen Bann gebrochen hätte, lagen sie sich beide
plötzlich schluchzend in den Armen, und Harry flüsterte ihr
immer wieder Du lebst, du lebst!
ins Ohr, wiegte sie in seinen Armen und preßte sie so hart an
seine Brust, daß er ihr damit fast die Luft aus dem Leib
drückte.
Hermine aber lachte erleichtert auf.
„Ja!"
rief sie, „ich lebe!"
Und dann lachten sie beide vor
Freude auf, griffen nach ihren Händen, sprangen wie wild auf der
Stelle herum, umarmten sich dabei immer wieder. Ginny kam
herbeigeeilt und umarmte ihre beiden Freunde, stimmte in ihr Lachen
ein, und ihnen allen liefen Tränen der Freude und Erleichterung
über die Wangen.
„Was ist geschehen?" fragte
Hermine atemlos. „Wo war ich die ganze Zeit, Harry? Es kommt
mir vor, als sei ich aus einem furchtbaren Alptraum erwacht. Ich
erinnere mich an gar nichts mehr. Nur noch daran, daß wir im
Nebel standen und die Inferi immer näher kamen ... und dann ...
dann stand plötzlich Malfoy mit deinem Besen und deinem
Tarnumhang in der Hand vor mir, sagte: Frag nicht, spring auf! Und
weg waren wir!"
Hermine drehte sich Malfoy zu.
„Was
ist geschehen?"
Alle Blicke wandten sich Draco Malfoy
zu.
„Ich habe dich zurückgebracht, das ist
alles."
„Aber -", begann Harry.
„Nein!"
unterbrach ihn Malfoy. „Ich hab gesagt, ich bringe sie zurück.
Und das hab ich getan."
Er kam auf die drei zu, drückte
Harry entschlossen den Besen und den Umhang in die Hand, fügte
noch mit fester Stimme an:
„Keine weitere Fragen!"
Harry
starrte seinem Gegenüber kurz in die grauen Augen. Dann nicke
er.
„In Ordnung."
Er streckte Malfoy die Hand
entgegen.
„Danke!"
Draco Malfoy sah auf Harrys
ausgestreckte Hand, hob den Blick und begegnete Harrys grünen
Augen.
„Danke mir nicht, Potter. Es war das Einzige, was ich
tun konnte."
Und mit diesen rätselhaften Worten ließ
er Harry stehen und ging an Ron vorbei, der immer noch abseits der
Dreien stand und Hermine ungläubig anstarrte. Schließlich
drehte er sich wortlos um und ging. Er verschwand direkt hinter
Malfoy im Dunklen.
„Was ist mit Ron?" fragte Hermine
verwirrt und wie vor den Kopf gestoßen.
Kurz herrschte
betretenes Schweigen, dann sagte Ginny:
„Er war fest davon
überzeugt, daß du tot bist. Deine Rückkehr ...",
sie stockte kurz, „... ist so was wie die Auferstehung von den
Toten. Ich denke, darüber muß er erst mal hinweg
kommen."
„Was!?" rief Hermine empört,
„darüber, daß ich nicht
tot bin!"
„Hermine!"rief Harry beschwichtigend und
umfaßte ihr Gesicht mit beiden Händen.
„Es sind
inzwischen fünf Monate vergangen!"
„Was?"
rief Hermine laut, befreite sich aus Harrys Griff und stieß ihn
von sich .
„A- aber das kann nicht sein! Ich meine -",
sie verstummte, sah hilflos Ginny an. Doch diese nickte nur
bestätigend.
„... das kann nicht sein", flüsterte
Hermine und sank wie betäubt aufs Spielfeld, starrte zu ihren
beiden Freunden hoch und murmelte wie benommen:
„Das kann
nicht sein ..."
„Es tut mir leid", flüsterte
Ginny und setzte sich neben ihre Freundin, streichelte ihr die
Hand.
„Fünf Monate?" wiederholte Hermine
ungläubig.
Ginny nickte.
„Ich erinnere mich an gar
nichts!" flüsterte Hermine und sah zu Harry
hoch.
Alles war so viel
einfacher gewesen, als es sich Hermine vorgestellt hatte. Ihre
Rückkehr nach Hogwarts waren wie ein Film im Schnelldurchlauf an
ihr vorübergezogen. Ginny und Harry hatten sie an neugierig
flüsternden Schülern vorbei zu Dumbledores Büro
gebracht.
Dort hatte sie der Schulleiter sanft befragt, hatte
gefragt, wie es ihr ging, wie sie sich fühlte und vorgeschlagen,
daß sie doch zu Madam Pomfrey gehen sollte. Doch Hermine hatte
umgehend abgelehnt, gesagt, es ginge ihr gut - abgesehen von dieser
Lücke in ihrem Gedächtnis. Sie hatte darauf bestanden, zu
Bett zu gehen.
Gryffindors Hauslehrerin, McGonagall, hatte sich
stumm die Tränen aus den Augenwinkeln gewischt, kurz
Hermines Hand gedrückt und keine Einwände gehabt, als
Hermine darum gebeten hatte, eins der leerstehenden Zimmer für
sich selbst haben zu können. Nur Ginny war mit einem seltsam
traurigen Blick in ihren Augen im Gemeinschaftsraum
zurückgeblieben.
Nun lag Hermine entspannt auf ihrem
Bett, sah an die Decke und konnte kaum glauben, daß sie wieder
in Hogwarts war, daß ihre Rückkehr so glatt verlaufen war.
Professor Snape hatte Recht behalten. Keiner hatte nachgehakt,
keiner hatte darauf bestanden, daß sie sich an irgendetwas
erinnern mußte. Alle waren einfach nur erleichtert
gewesen.
Natürlich war Hermine klar, daß die
eigentlichen Fragen und Diskussionen über ihr Verschwinden, ihre
Rückkehr und was wohl während den fünf Monaten ihrer
Abwesenheit geschehen war, ohne sie abliefen ... und zwar vermutlich
gerade jetzt. Aber es störte sie nicht weiter. Sie würde
auch weiterhin Gedächtnisverlust vortäuschen, sporadisch am
Unterricht teilnehmen, so tun als versuche sie, sich wieder
einzugewöhnen.
Und zusammen mit Malfoy würde sie sich
dabei ganz ihrer eigentlichen Aufgabe widmen und den Verrat an Harry
und Dumbledore vorbereiten.
Malfoy klangen vermutlich gerade die
Ohren, von all den Fragen, die ihm gestellt würden, dachte
Hermine etwas schadenfroh. Doch Professor Snape hatte versichert, daß
Dumbledore ein Schweigen akzeptierte, besonders wenn es aus Gründen
der eigenen Sicherheit geschah. Für den Schulleiter zählten
Ergebnisse. Und die hatte Malfoy geliefert, als er sie zurückgebracht
hatte. Insoweit hatte Malfoy nichts zu befürchten.
Allein
Rons Verhalten machte Hermine Kopfzerbrechen. Es verwirrte sie, daß
er so abweisend auf ihre Rückkehr reagiert hatte. Das hatte sie
nicht erwartet. Waren sie drei nicht ein untrennbares Trio gewesen?
Nicht einmal die Liebschaften der beiden Jungs hatten das jemals
ändern können.
Ein wenig verletzte sie sein Verhalten
schon, und sie verstand es nicht. Fast schien es, als würde er
sich nicht freuen, daß sie noch am Leben war.
Als sie aus
Dumbledores Büro zurückgekommen war, hatte er schon wartend
im Gemeinschaftsraum gesessen. Er war nervös aufgesprungen, war
mit einem kaum merklich humpelnden Gang auf sie zugekommen (Hermine
vermutete, daß er sich bei einem Spiel verletzt hatte), und
hatte sie vorsichtig umarmt, als hätte er Angst, sie zu
zerbrechen. Dann hatte er ganz leise gesagt, daß sie
miteinander reden mußten und ihr dabei kaum in die Augen sehen
können. Sie hatte genickt und war mit McGonagall in den
Mädchenunterkünften verschwunden.
Merkwürdig,
dachte Hermine, stand auf und begann gedankenverloren ihre Sachen in
den Schrank einzuräumen. McGonagall hatte diese weggeschlossen,
als sie verschwunden war.
Hatte sie nicht nach Hause schicken
wollen, so lange noch unklar war, was aus ihr geworden war.
Hermine
fand es nicht ungewöhnlich, ihre Sachen von Hand einräumte.
Viel zu sehr war sie es gewöhnt, solche Arbeiten mit ihren
eigenen Händen zu erledigen. Eine in der Zauberwelt
geborene Hexe hätte sicherlich den Zauberstab benutzt, doch als
Muggelgeborene hatte sie es so gelernt, und alte Gewohnheiten ließen
sich nur schwer ablegen.
Später starrte sie aus dem Fenster
hinaus auf den dunklen Wald. Hagrids Hütte war beleuchtet, Rauch
stieg auf. Hermine freute sich schon darauf, ihren großen
Freund wiederzusehen. Um ihn auszuschalten, dachte sie, würde
sie sich allerdings schon was besseres als Zauberei einfallen lassen
müssen. Vielleicht konnte sie ihn ja auch ganz aus dem Kampf
heraushalten. Sie hatte keine Ahnung, was der Dunkle Lord geplant
hatte, was in Hogwarts geschehen sollte und vor allem, wie
es geschehen sollte. Schließlich war das Schulgelände
durch mächtige Zauber geschützt, ein apparieren innerhalb
der Schule und dem dazugehörigen Ländereien unmöglich.
Wie also sollten die Todesser hier hinein gelangen?
Sie legte
sich aufs Bett und grübelte nicht länger nach. Es war
einfach schön, wieder hier zu sein. Und für den Moment
mußte sie nicht länger über die Pläne des
Dunklen Lords nachdenken, und auch nicht über ihre eine Rolle in
diesem Spiel.
Sie konnte es genießen, wieder durch die
Gänge der Schule zu streifen, ihre Freunde zu sehen, mit
Dumbledore zu reden und den vertrauten Geruch des Gemeinschaftsraums
einzuatmen. Und doch, erkannte sie zögernd, es ließ sich
nicht leugnen.
Alles war anders geworden. Es war, als würde
sie nur eine Rolle spielen, als würde sie das Leben einer
anderen fortführen, das nicht ihr eigenes war. Seit sie
Professor Snape verlassen hatte, kam es ihr vor, als seien nur die
letzten Monate in ihrem Leben real gewesen, als sei alles, was zuvor
gewesen war, nur ein Traum.
Unbewußt legte sich ihre Hand
auf den Arm, auf das dunkle Mal. Im fahlen Schein der Nacht konnte
sie nur schemenhaft die magischen Zeichen über ihre Haut wandern
sehen.
Ja, dachte sie. Alles hatte sich verändert. Müde
geworden drehte sie sich auf die Seite und schlief fast
augenblicklich ein.
Tief unter ihr, in den Kerkern Hogwarts,
lag ein junger Mann noch lange Zeit wach auf seinem Bett und grübelte
über alles mögliche nach. Draco fragte sich, wann wohl der
beste Zeitpunkt war, Hermine Granger in die Pläne des Dunklen
Lords einzuweihen. All zu lang durften sie nicht warten, doch
andereseits mußten sie die ersten Tage verstreichen lassen. Zu
viel Aufmerksamkeit lag auf allem, was Granger die nächsten Tage
tun würde.
Dumbledore hatte ihn spät am Abend noch zu
sich gebeten. Hatte sich für Grangers Rettung bedankt. Hatte ihn
gefragt, ob er ihm genaueres sagen könne.
Doch er hatte nur
den Kopf geschüttelt, gesagt:
„Ich wünschte, ich
könnte, Sir. Doch ich darf nicht. Es würde mich selbst nur
gefährden. Bitte geben Sie sich einfach damit zufrieden, daß
Granger wieder da ist."
Dann hatte er einen Moment
geschwiegen und war dem fragenden Blick des Schulleiters mit
stoischer Gelassenheit begegnet. Schließlich hatte er gesagt:
„Sie weiß nichts von den vergangenen Monaten, und das
ist ganz gut so, Sir. Auch ich weiß nicht viel darüber.
Doch was ich weiß, läßt mich denken, daß es
gut ist, daß sie sich nicht mehr daran erinnert."
Danach
hatte er geschwiegen. Doch Dumbledore hatte in Dracos Blick etwas
erkannt, was er dort nicht vermutet hätte. Ehrliches Mitgefühl
- und noch etwas anderes hatte er darin gesehen: Schuld, Furcht,
Lüge.
„In Ordnung, Draco", sagte der alte
Zauberer. „Du hast heute die richtige Entscheidung
getroffen. Wenn es etwas gibt, daß du mir noch sagen möchtest,
kannst du jederzeit bei mir vorbeikommen. Ich werde immer für
dich da sein."
Dumbledore war auf ihn zu gegangen und hatte
ihm die Hand gegeben:
„Danke, Draco."
Er hatte
nicht in Dumbledores Augen sehen können, als er ihm die Hand
schüttelte.
Und nun lag er in seinem Bett, starrte in die
Dunkelheit und ...
Auch wenn er es nicht zugeben wollte. Hermine
Granger hatte ihn beeindruckt, sehr sogar. Sie hatte jeden
beeindruckt, der sie vor zwei Nächten auf der Lichtung gesehen
hatte. Als er später mit seinen Eltern heimkam, hatte sein Vater
sich noch lange mit ihm unterhalten, hatte ihm gesagt, daß er
unbedingt mit dem Schlammblut
zusammenarbeiten müsse, sich bei ihr unentbehrlich machen
solle. Daß das wieder die Chance für die Familie sei, im
Ansehen des Dunklen Lords zu steigen. Draco hatte genickt, gemurmelt,
daß sie jetzt sowieso Todesser sei und damit - de
facto - zu ihnen gehörte.
Sein Vater hatte daraufhin vor Wut eine Vase an der Wand zertrümmert
und war disappariert. Das tat er immer, wenn ihn die Wut überkam.
Und
Draco erinnerte sich auch an die Schuld, die er auf sich geladen
hatte, weil er vor fünf Monaten geschwiegen und nichts getan
hatte. Nun, da er in Hogwarts für Grangers Sicherheit
verantwortlich war, würde er dies wiedergutmachen. Nicht weil
sein Vater es wollte, sondern weil er es wollte.
Draco drehte
sich zur Seite und dachte müde, daß sich alles verändert
hatte ...
Und so schliefen diese beiden so unterschiedlichen
jungen Menschen einer Zeit entgegen, die sie für immer verändern
sollte. Sie schliefen friedvoll, während sich der dunkle Planet
unter ihnen drehte und die Echos der Vergangenheit und der Zukunft
durch die uralten Gemäuer Hogwarts hallten ...
...
und hier endet die Geschichte.
Nachwort:
Das also war die Geschichte von Hermine, wie sie zur Kriegerin und Todesserin wurde. Und von Snape, der zum ersten Mal in seinem Leben der Liebe begegnet, und sie wieder ziehen lassen mußte.
Wie geht es weiter?
Die Geschichte von Draco und Hermine wird im Labyrinth der Finsternis weitererzählt.
Die beiden werden über gefährliche Geheimnisse stolpern und sehr viel über sich selbst erfahren. Nur ob sie es so genau hatten wissen wollen?
Natürlich wird es auch zu einem Wiedersehen mit Snape kommen. Jedoch erst, wenn es zum großen Entscheidungskampf kommt, wenn Draco und Hermine alles vorbereitet haben. Und dann wird sich zeigen, ob das Schicksal diejenigen begünstigt, die sich ihm mutig entgegen stellen oder ob es jeden zerschmettert, gleichgültig wie tapfer man auch ist.
Auch wird sich noch zeigen müssen, ob es eine Chance für Hermine und Snape gibt, oder ob alles, was zwischen ihnen geschehen ist, nur flüchtige Momente der Leidenschaft waren.
Ihr dürft also weiterhin gespannt bleiben.
Bis die Geschichte online geht, wird noch Zeit verstreichen, ich bitte um Geduld. Doch die Story ist größtenteils fertiggeschrieben (wobei ich schon wieder am Erweitern der Erzählung bin). Doch ich beabsichtige, sie noch vor Erscheinen von Buch 7 (21.07.07) auf meiner HP hochzuladen (ich versuche es, ehrlich. Hab aber inzwischen Zweifel ob's klappt. Die Story wird immer länger *stöhn*).
Nach Erscheinen des 7ten Buchs wird sowieso alles anders sein, und viele Gedankengänge und angenommene Charaktereigenschaften werden sich als falsch erweisen. *grummel* Andererseits ist diese Story ohnehin eine AU Geschichte. (Gott sei dank!)
Danke fürs Lesen meiner Geschichte.
Wenn sie dir gefallen hat, schickt mir doch ein Feedback. Darüber freue ich mich und es die einzige Anerkennung, die wir FanFic Schreiberlinge für unsere Arbeit bekommen. :-)