Das Herz der Dunkelheit


von Darkchild




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Die Autorin hat eine Homepage zu Rickman und Snape.
Hier gibt es u. a. auch Interessantes über den Zaubertränkemeister zu lesen.



Kapitel 4


Kapitel 4: Die Rückkehr



„Hier!"
Snape drückte Hermine eine Einkaufstüte in die Hand. Verwirrt sah sie ihn an.
„Draco hat Ihnen diese Sachen besorgt. Die sollten besser sein, das der Dreck, den Wurmschwanz mitgebracht hatte - zumindest hoffe ich das. Er ist in ihrem Alter und kennt sich eher mit so etwas aus. Denn schließlich können Sie in Hogwarts nicht in meinen Sachen auftauchen."
„Nicht?" fragte sie verstört. Die Vorstellung, auf ihre liebgewonnene schwarze Kleidung zu verzichten, war so irritierend, als hätte Snape sie aufgefordert, ihre Haut hier zurückzulassen.
„Aber -"
„Keine Widerrede, Gryffindor. Sie werden nicht in meiner Kleidung nach Hogwarts gehen!"
Sie sah in Snape Gesicht und erkannte, daß er in diesem Punkt nicht bereit war, mit sich verhandeln zu lassen.
„Aber die Kleidung gibt mir Schutz und Sicherheit!" appellierte sie an Snapes Logik.
Seine Hände legten sich fest um ihre Schultern, er beugte sich zu ihr herunter, so das sich ihre Gesichter auf gleicher Höhe befanden.
„Gryffindor, jetzt beruhigen Sie sich wieder, und hören Sie mir zu:
Sie gehen nach Hogwarts zurück und nicht zu den Todessern! Meine Kleidung wäre in Hogwarts völlig unangebracht. Und überhaupt - sind Sie nicht froh, wieder Sachen anziehen zu können, die Ihrem Alter entsprechen?"
„Meinem ... meinem ... WAS?" rief sie vollends verwirrt. „Was soll denn das heißen? Meinem Alter entsprechen? Sie tragen doch auch diese Kleidung!"
„Ja! Aber ich bin auch zwanzig Jahre älter als Sie, Gryffindor!"
„Na ja ... na ja ... und was? Zwanzig Jahre, ich meine - pfff! Also wirklich! Wie alt macht Sie das eigentlich, hmm - 38?
Na klasse, also danke auch für diesen Hinweis! Wie konnte ich nur vergessen, daß sie so alt sind? Warum ... warum-bestellen-Sie-sich-nicht-gleich-einen-Platz-auf-dem-Friedhof - SIR?!"
Wütend riß sie sich von Snape los, griff nach der Tüte und knallte die Küchentür hinter sich zu. Er hörte Hermine die Treppe hochstapfen. Wütend und laut, seine Stimme imitierend und vor sich herbrummend :
'Aber ich bin auch zwanzig Jahre älter als Sie, Gryffindor' ... Pfff! ... was soll denn das wieder heißen? ... 'Die Ihrem Alter entsprechen' ... tzzz - verdammt!"
Und mit diesen Worten knallte die Tür zu ihrem Zimmer zu.
Der Professor schaute komplett verwirrt den Schrank an, der harmlos und unbeteiligt tat.
„Muß ich das verstehen?" fragte Snape den Schrank.
„Nö ..." antwortete dieser nur, verstand aber sehr wohl, was gerade geschehen war.
Schade nur, daß Severus es nicht verstand.

Es fiel Hermine schwer, sich wieder abzuregen. Sie wußte nicht einmal, warum sie sich so aufgeregt hatte. Sie zog ihre - oh nein, Professor Snapes, Kleider aus, pfefferte sie immer noch wütend in die Ecke und stülpte die Tüte um.
Toll, dachte sie. Draco Malfoy hatte dem Schlammblut Granger Klamotten besorgt. Das konnte ja nur in extremer Geschmacklosigkeit enden. Wenn sie suchte, würde sie vielleicht noch Wurmschwanzs scheußliche Erotikdessous finden. Die würden vermutlich besser sein, als alles, was Malfoy ihr besorgt hatte. Sie warf einen Blick auf den Kleiderstapel und wurde überrascht.
Woher wußte Malfoy was ...?
Hermine hob die Jeans auf, sah auf das Tanktop, die Kaputzenjacke, die Turnschuhe und Socken ...
Es waren Muggelkleider. Dennoch sah alles gut aus, war modisch, paßte zusammen. Die Preisetiketten waren sogar noch dran; die Kleidung war neu.
Woher wußte Malfoy, was Muggel trugen? Ausgerechnet Malfoy. Wo Zauberer doch nie eine Ahnung hatten, wie man sich als Muggel richtig anzog. Und Malfoy war ein Reinblutzauberer. Er sollte so etwas erst recht nicht wissen!
Hermine starrte auf die Kleidung und traute dem Ganzen nicht. Hatte Malfoy die Kleidung vielleicht verzaubert? Würde sie sich in Fetzen auflösen, sobald sie sie trug? Aber vielleicht hatte er sie auch mit Weasleys Laß jucken! Juckpulver verseucht?
Sie richtete ihren Zauberstab auf den Kleiderstapel, sprach: „Specialis revelio!"
Ein Lichtstrahl hüllte die Kleidung ein. Absolut gar nichts geschah.
Die Sachen waren sauber, erkannte sie, keine versteckten Tricks.
Hermine warf einem sehnsuchtsvollen Blick auf die in die Ecke gefeuerten schwarzen Sachen und fing an 'sich ihrem Alter entsprechend' anzuziehen ... tztztz!
Dann hob sie die schwarzen Kleider auf und hängte sie neben ihren Hogwartsumhang. Sie strich mit der Hand über den schwarzen Überrock, das Hemd, die Hose.
Es war wie ein Abschiednehmen. Warum fiel es ihr so schwer, auf die Kleidung zu verzichten? War doch irgendwie lächerlich ... aber andererseits ... warum sie zurücklassen? Warum sie nicht einfach schrumpfen, bis auf Puppengröße einlaufen lassen und einfach mitnehmen ...
Hermine grinste.
Er mußte es ja nicht wissen, oder? Außerdem war die Kleidung ein wichtiger Schutz. Für den Kampf. Genau!
Und sie würde sie natürlich nicht in Hogwarts tragen. Der Professor hatte recht.
Sie konnte schlecht in Hogwarts wie der Ableger einer übergroßen Fledermaus herumlaufen. Das wäre alles andere als vertrauenerweckend und mit Sicherheit nicht hilfreich bei ihrem Auftrag.
Ja, ja, ja! Natürlich hatte er recht, dachte sie ernüchtert. Aber es war nur so überraschend gekommen. Sie mochte nun mal die Kleidung, es war, als würde der Professor sie schützend in seinen Armen halten.
Hermines Augen wurden bei diesem Gedanken riesengroß - also das hatte sie mit Sicherheit gerade nicht gedacht.
Sie legte den Kopf schief. Oder doch? Dann schüttelte sie energisch den Kopf: Nein, hatte sie definitiv nicht!
(Zwanzig Jahre, tzz!)
Sie ging zurück in die Küche, um sich zu entschuldigen. Was war nur in sie gefahren?

~~~~

Da stand also diese viel zu junge Frau in seiner Küche und entschuldigte sich bei ihm.
Sie sah ganz genau wie diese hab-ichs-nicht-von-Anfang-an-gesagt Hermine Granger aus, die ihn während ihrer Zusammenarbeit in Hogwarts bisweilen den letzten Nerv geraubt - und sich dennoch seinen widerwilligen Respekt verdient hatte.
Aber gleichzeitig sah sie wie Gryffindor aus. Diese ganz erstaunliche junge Frau, mit der er die letzten Monate verbracht hatte (zugegebenermaßen nicht ganz freiwillig).
Vor seinen Augen hatte sich die junge Frau in eine Kriegerin von außergewöhnlichem Können verwandelt. Und wie um dem Ganzen den Gipfel aufzusetzen, hatte sie sich jetzt als Hermine Granger verkleidete. Was Kleider bewirken konnten, dachte der Professor irritiert und stellte fest, daß ihn ihr Outfit viel zu sehr ablenkte.
„Gryffindor."
„Sir?"
„Sie könnten mir einen Gefallen tun."
„Ja?"
„So lange sie noch bei mir sind, könnten sie ... vielleicht doch einfach meine Kleidung tragen."
Kaum hatte er es ausgesprochen, war Hermine auch schon aus der Küche und polterte eilig die Treppe zu ihrem Zimmer hoch.
Nicht einmal drei Minuten später stand sie im vertrauten Schwarz vor ihm und sie beide fühlten sich sichtlich erleichtert.

„Ähm - nun gut", sagte der Professor, seine schwarzen Augen ruhten wieder mit Wohlgefallen auf ihr. Hermine strahlte ihn glücklich an.
„Morgen kehren Sie nach Hogwarts zurück."
Das Strahlen verblaßte. Sie setzte sich ernüchtert an den Tisch.
„Oh", sagte sie leise, klang wie ein Luftballon, dem gerade die Luft ausging.
„Ich hab keine Ahnung, wie ich daß ohne Sie durchstehen soll, Professor Snape", sagte sie leise. „Diese Sache - sie ist so groß. Es macht mir Angst."
Snape setzte sich zu ihr.
„Das kann ich nur zu gut verstehen, Gryffindor. Aber ich habe Vertrauen in Sie und ihre Fähigkeiten. Sie haben in den letzten Monaten so viel gelernt ... mehr als die meisten in all ihren sieben Jahren in Hogwarts, mehr als manch einer in seinem ganzen Leben."
„Das stimmt wohl", stellte Hermine ganz unbescheiden fest. Der Professor hatte recht, warum es leugnen? „Doch ich hatte Sie, Sir. Sie haben mich an meine Grenzen getrieben und darüber hinaus. Sie haben mir Dinge beigebracht, die mir kein anderer hätte beibringen können, weil ich sie von keinem anderen hätte annehmen können.
Sie hatten Vertrauen in meine Fähigkeiten, Vertrauen in mich - das war etwas, was ich von Ihnen am allerwenigsten erwartet hatte."
Snape lächelte. Im gefiel Hermines Offenheit. Er hatte den Eindruck, daß sie an einen neuen Punkt in ihrer Beziehung ankamen. Das Student / Lehrer Verhältnis hob sich auf.
„Ich weiß, daß ich von Ihnen überdurchschnittlich viel gefordert habe. Mehr als ich es jemals von einem anderen getan hab. Doch hätte ich Sie nicht dermaßen gefordert, wäre es nur eine Verschwendung Ihres Potenzials gewesen. Ich habe Sie nicht bis an Ihre Grenzen geschickt, um sie zu quälen. Ich hoffe, das wissen Sie, Gryffindor.
Ich habe Sie zur Kriegerin ausbilden wollen, damit sie überleben! Denn was auf uns zukommt, das ist kein Sturm, sondern ein Orkan. Und nur diejenigen werden ihn überleben, die sich ihm gut gewappnet entgegen stellen."
Snape schwieg einen Moment. Dann sagte er:
„Es bleibt unter uns, Gryffindor." Ein Funkeln trat in seine Augen. Ein leises, angedeutetes Lächeln umspielte seine Lippen. „Aber ich bin wirklich sehr stolz auf Sie. Sie haben meine Erwartungen weit übertroffen."
Hermine sah ihn überrascht an.
„Ähm ... Danke, Sir."
Für einen Moment herrschte angenehmes Schweigen zwischen ihnen, sie hingen beide ihren eigenen Gedanken nach. Dann sagte Snape:
„Ihre angebliche Flucht wird sich sehr dramatisch gestalten. Schließlich soll Draco wie ein wahrer Held in Hogwarts eintreffen."
Hermine hob interessiert eine Braue.
„Sie erinnern sich an den glorreichen Abgang der Weasley Zwillinge in Hogwarts?"
Hermine nickte, ihr schwante Übles.
„Draco hat sich Potters Feuerblitz geliehen-"
„WAS!" schnappte Hermine verblüfft. „Harry hat Malfoy seinen Feuerblitz überlassen??"
„Mister Potter macht sich anscheinend größte Vorwürfe wegen dem, was damals geschehen ist. Er ist wohl bereit, sich an jeden Strohhalm der Hoffnung zu klammern.
Gut für uns! Also um fortzufahren:
Draco wird Sie auf dem Feuerblitz und unter Potters Tarnmantel verborgen -"
„Den hat Harry Malfoy auch überlassen?" fragte Hermine geschockt. Doch Snape fuhr fort, ohne sich von ihr ablenken zu lassen:
„... nach Hogwarts fliegen -"
„Das glaub ich einfach nicht", stöhnte Hermine und versenkte ihr Gesicht zwischen den Händen. Snapes Stimme erhob sich ein wenig:
„... und Sie dort wohlbehalten abliefern. Er wird der Held der Stunde sein, Sie das verlorene Schaf, das zur Herde zurückkehrt. Ende gut, alles gut!" schloß Snape seine kurze Rede, während Hermine ihn ansah, als hätte er den Verstand verloren.
„Das glaubt doch keiner!" platzte es aus ihr heraus.
„Oh, das glaubt jeder, der daran glauben will. Und absolut jeder wird daran glauben wollen, weil man Sie schmerzlich vermißt hat! Vermeiden Sie intensives Nachfragen über ihren Aufenthalt hier. Täuschen Sie Gedächtnisverlust vor, brechen Sie in Tränen aus, wenn man nachhaken will.
Und vor allem: Vermeiden sie jede Art von Untersuchung! Keiner darf das dunkle Mal oder die Zeichen auf ihrem Körper sehen. Gehen Sie Moody aus dem Weg. Es könnte sein, daß er die Kraft der alten Magie fühlt. Ich habe nie wirklich herausbekommen, wie sein magisches Auge arbeitet. Dumbledore zu täuschen, wird wiederum schwieriger. Aber vielleicht ist es auch nicht nötig."
Hermine sah Snape erleichtert an.
„Dann kann ich doch mit ihm darüber reden?"
„Niemals!" sage Snape entschieden.
„Doch Dumbledore akzeptiert ein Schweigen. Und ich bin mir sicher, daß er mich nach wie vor für keinen Verräter hält. Dafür -", Snape schwieg einen Moment.
„Dafür weiß er einfach zuviel über mich, kennt mich viel zu gut", sagte er schließlich.
Hermine dachte kurz über den letzten Satz nach, fragte sich, was Dumbledore alles über Severus Snape wußte.
„Morgen also ..." sagte Hermine leise.
Snape nickte.
„Ach ja, noch was: Nur wenn alle Stricke reißen, aber wirklich nur dann, zeigen Sie Dumbledore das dunkle Mal und auch die Zeichen. Aber nur ihm, und sprechen Sie nicht mit ihm über irgendetwas, was ihren Aufenthalt hier betrifft. Er wird verstehen und keine Fragen stellen. Ebenso wird er ihnen jeden anderen vom Hals halten. Reden Sie nicht mit ihm über Ihren Auftrag, bis Sie von mir das Okay haben, verstanden?"
Hermine nickte.
„In Ordnung. Was meinen Sie, wie lange muß ich diese Täuschung aufrecht erhalten? Wann wird der Dunkle Lord ...?"
„Es kann nicht allzulange dauern. Denn mit jedem Tag, der vergeht, wird man sich zu fragen beginnen, was mit Ihnen geschehen ist. Man wird sich fragen, wie Sie die ganze Zeit über bei den Todesser überleben konnten und ob man nicht vielleicht eine Zeitbombe zurückgeschickt bekommen hat. Die Ordensleute sind nicht naiv, Gryffindor. Sie wissen haargenau, wie der Feind arbeitet.
Und auch der Dunkle Lord ist ungeduldig. Er will Dumbledore endlich zur Strecke bringen. Er will diese ganze Angelegenheit mit Potter und der Prophezeiung erledigen. Und er will Hogwarts! Es ist der einzige Ort, an dem er sich jemals Zuhause gefühlt hat."
Hermines Augen wurden groß.
„Wird dann die Falle ...?"
„Ja", sagte Snape knapp. „Sie wird in Hogwarts zuschnappen und Draco wird Ihnen dabei helfen. Er wird Sie unterstützen wie auch die Kinder der anderen Todesser­familien, die sich noch in Hogwarts aufhalten. Wobei diese eventuell noch zu überzeugen sind. Doch das sollte kein Problem für Sie darstellen, nach all dem, was ich Sie gelehrt habe. Keine der Familien wird sich offen gegen den Dunklen Lord stellen. Man wird vielleicht versuchen Ihnen Steine in den Weg zu werfen. Warten Sie ab. Eventuell werden Sie überzeugende Argumente einbringen müssen ..."
„Das verstehe ich nicht ..."
„Todesser kann man nur durch Macht überzeugen. Sie werden ein paar Knochen brechen, blutige Nasen verteilen, kurzum Macht ausüben müssen! Ohne Rücksicht oder Gewissensbisse. Sie sind die Waffe des Dunklen Lords, denken Sie daran!
Wer sich an Ihnen vergreift, vergreift sich an ihm. Das waren seine Worte, und die sind Gesetz. Dementsprechend können Sie handeln.
Draco können Sie mehr vertrauen, als jedem anderen in Hogwarts - zumindest wenn es um diesen Auftrag geht. Vielleicht sogar darüber hinaus.
Ich weiß nicht ... der Junge hat sich in letzter Zeit verändert. Er scheint einige seiner bisherigen Werte, in Frage zu stellen ... und ich frage mich wieso", fügte der Lehrer für Zaubertränke nachdenklich an.
„Er war damals anwesend", murmelte Hermine.
Snape blickte auf, verstand sofort auf welches damals sie anspielte.
„Doch das wußte ich nicht. Ich hatte ihn nicht gesehen", fuhr Hermine leise fort.
„Draco hat es mir gestern gesagt. Hat sich bei mir entschuldigt. Das muß man sich mal vorstellen! Er entschuldigte sich bei mir, weil er mir damals nicht half. Und ich konnte sehen, daß er es ernst meinte ..."
Hermine verstummte, suchte nach Snapes Blick.
„Seltsam, nicht wahr?"
„Nein", sagte der Professor, schüttelte den Kopf. „nicht in meinen Augen. Es beweist nur, daß ich mich in Draco nicht getäuscht habe. Er ist ein intelligenter junger Mann. Er hat seinen eigenen Kopf und für seine Erziehung kann nichts. Fast ist es ein Wunder, daß er noch zwischen Recht und Unrecht unterscheiden kann. Schließlich kenne ich seine Eltern und weiß, wie Draco aufgewachsen ist.
Hmm, was sie gerade gesagt haben, erklärt natürlich einiges ... dennoch würde ich empfehlen, ihm nicht wirklich zu trauen. Seine neu gewonnenen Ansichten und Erkenntnisse sind womöglich noch zu neu, als das wir darauf bauen sollten. Wir können nicht wissen, ob es dabei bleiben wird. Doch trotzdem wird er Ihr verläßlichster Verbündeter in Hogwarts sein."
„Mag sein. Doch ich traue ihm nicht. Er ist, was er ist: Draco Malfoy, Reinblut und Slytherin. Und ich bin Schlammblut Granger, eine Gryffindor. Ich werde ihm niemals trauen. Zwischen uns stehen sieben Jahre gegenseitigen Mißtrauens und der Verachtung. Ganz genauso wie die Feindschaft unserer Häuser. Nein, da gibt es nicht viel mehr, was ich dazu sagen könnte."
Severus Snape nickte.
„Wie Sie meinen, Gryffindor. Doch vergessen Sie nicht, daß auch ich ein Slytherin bin. Dennoch sind wir gut miteinander ausgekommen, oder etwa nicht?"
Hermine blickte Snape betroffen an. Er hatte recht. Sie hatte völlig vergessen, daß Snape nicht nur Slytherin, sondern sogar Slytherins Hauslehrer war!
Der Professor nickte ihr zu.
„Es wird jetzt Zeit, für Sie zu packen. Nehmen Sie alles mit, das Sie hier angefertigt und gebraut haben. Sie werden es benötigen. Ich hab Ihnen einen Besen bereitgestellt, den Sie ebenfalls mitnehmen werden. Sie können nicht apparieren und er könnte Ihnen hilfreich sein. Lassen Sie alles schrumpfen, meine Kleidung natürlich auch, und verstauen Sie das alles in der kleinen Box, die ich ihnen aufs Zimmer gebracht habe. Diese wird Ihnen Draco in Hogwarts zurückgeben."
Er schmunzelte, als er ihren verblüfften Gesichtsausdruck bemerkte.
„Sie werden alles brauchen, wenn es zum Entscheidungskampf kommt. Und ich will Sie auf gar keinen Fall ohne den Schutz meiner Kleidung wissen - und außerdem", Snapes Augen glitzerten freundlich, „sehen Sie in Schwarz wirklich gut aus."
Hermine mußte erleichtert auflachen und war froh, daß sie Professor Snape nicht hinters Licht führen mußte.

~~~~

In dieser Nacht schreckte Hermine immer wieder aus dem Schlaf auf. Sie war unruhig. Der Gedanke daran, wieder in ihr altes Leben zurückzukehren, war beunruhigend.
Besonders, da sie ab morgen den Verrat an Harry und Dumbledore würde planen müssen.
Es war kurz vor drei, als Hermine sich entschied aufzustehen und zum Schrank in die Küche zu gehen. Sie konnte einfach keinen Schlaf finden, hatte jetzt bestimmt schon eine Stunde wach im Bett gelegen. Schnell wickelte sie sich in die dünne Decke ein, nahm den Zauberstab (was für für alle Zauberer und Hexen wie Socken anziehen war) und verließ leise ihr Zimmer.
Es war still im Haus. Hermine schlich die Treppe hinunter, ging am Wohnzimmer vorbei und blieb dann überrascht stehen. Leise Geräusche drangen von jenseits der Tür. Sie lauschte.
Es war ein gleichmäßiges leises Geräusch - ein ... Hermine fragte sich, ob sie sich täuschte, aber tatsächlich klang es wie ein leises Schnarchen. Sie atmete tief durch und legte die Hand auf die Wohnzimmertür. Vorsichtig versuchte sie, diese aufzu­drücken. Und tatsächlich schwang die Tür auf und enthüllte den Blick auf einen auf Sofa ausgestreckt liegenden, schlafenden Severus Snape. Er trug ein graues knielanges Nachhemd, stellte Hermine überrascht fest, und es war ihm über die Schenkel gerutscht. Der Schein der Kerze auf dem Tisch erhellte sein entspanntes Gesicht und das leise Schnarchen kam tatsächlich von ihm.
Hermine bemerkte, wie einige der magischen Zeichen scheinbar aus dem Nichts auf seiner Haut auftauchten, und träge über seine Beine und Arme wandernden.
Vermutlich würde sie sich nie diesen Anblick gewöhnen. Ob bei ihm oder ihr.
Eine Flasche mit goldfarbener Flüssigkeit stand auf dem Tisch, und ein Glas, das zu einem fingerbreit gefüllt war, hatte der Professor sich auf der Brust abgestellt. Doch es drohte nun langsam von dort hinunterzurutschen.
Verunsichert betrat Hermine das Wohnzimmer. Sie fand, daß sie den Professor so nicht sehen sollte. Es war irgendwie peinlich. Am besten, sie nahm ihm das Glas ab, löschte die Kerze und verschwand. Doch als sie sich ihm näherte, bemerkte sie ein Frauengesicht in den Flammen der Kerze. Es wandte sich ihr zu und erschreckt keuchte Hermine auf, sprang zurück.
„Schon gut, Hermine Granger", sagte das Gesicht in der Flamme leise und sie erkannte in der Stimme die Frauenstimme, die sie in jener Nacht gehört hatte, als sie unfreiwillig (na gut, fast unfreiwillig) das Gespräch zwischen Professor Snape und der unbekannten Frau mitangehört hatte.
„Sie kennen mich?" fragte Hermine vorsichtig. Dann sah sie sich das Gesicht in der Flamme genauer an und es kam ihr vage bekannt vor.
„Sicher. Severus hat nicht oft eine Frau über Nacht in unserm Haus. Und du bist nun schon seit Monaten unser Gast. Komm setz dich kurz zu mir."
„Ich weiß nicht, ob das so eine gute Idee ist, Miss -?"
„Mrs." verbesserte sie das Flammengesicht. „Mrs. Snape."
Hermine riß die Augen auf und setzte sich nun doch in den Sessel. Jetzt begriff sie, warum ihr das Gesicht vertraut vorgekommen war. Das Kinn, die Wangenknochen, das Haar - es ließ sich nicht verleugnen. Severus Snape war ihr Sohn.
„Mrs. Snape", flüsterte sie nun doch etwas aufgeregt. „Das ist ja toll, daß ich Sie kennenlerne. Aber ich glaube nicht, daß es dem Professor recht wäre, wenn er wüßte, daß ich hier bin und ihn in seinem Nachthemd sehe."
„Papperlapapp!" widersprach ihr Severus' Mutter resolut. „Ich laß mir doch nicht die Gelegenheit zu einem Gespräch entgehen, nur weil es meinem Severus peinlich wäre, wenn er wüßte ... blah, blah, blah ... was er im übrigen gar nicht weiß! Du siehst doch, daß er zuviel getrunken hat und die nächsten Stunden erst mal seinen Rausch ausschlafen wird. Der Junge verträgt einfach nichts! Zu viel Zaubertränke, wenn du mich fragst ... er sollte sich besser mal von meinem Schrank anständig bekochen lassen und öfter einen Heben gehen! Manchmal denke ich, daß in Binns mehr Leben steckt als in meinem Sohn."
Hermine starrte mit offenem Mund auf das Gesicht in der Flamme und wußte nicht, ob sie lachen oder schockiert sein sollte.
„Und jetzt mach den Mund zu, Mädchen, und zieh nicht so ein Gesicht. Vor allem aber nimm ihm endlich das Glas ab, bevor es herunterfällt! Ich kann es mir ja kaum mitansehen. Du siehst doch, daß ich nichts tun kann. Und bei der Gelegenheit kannst du es gleich austrinken. Merlin, was würde ich darum geben, selbst einen Singlemalt trinken zu können ..."
Hermine stand auf, beugte sich vor und nahm Professor Snape das Glas aus den Händen. Kurz öffneten sich seine Augen und er lächelte sie mit glasigen Augen an. Dann murmelte er leise Gryffindor, drehte sich zur Seite und schlief weiter. Sein nacktes von wandernden Zeichen überzogenes Hinterteil streckte sich ihr entgegen. Hermine räusperte sich und bedeckte es schnell mit seinem Nachthemd.
„Was hab ich gesagt?" meinte Snapes Mutter trocken. „Und jetzt trink das Glas leer, du hast es verdient!"
Hermine widersprach nicht, hatte sie doch den Eindruck, jetzt dringend den Whisky zu brauchen. Und wieso mußte sie ständig auf Snapes Hinterteil starren?
Der scharfe brennende Geschmack des Whisky trieb ihr die Tränen in die Augen und sie stieß ein ersticktes Keuchen aus.
Dann stellte sie das Glas mit einem Ruck auf dem Tisch ab und wischte sich die Tränen aus den Augenwinkeln. Immerhin - stellte sie fest - starrte sie jetzt nicht mehr seinen Hintern an. Hermine nahm Platz und sah in die Kerze.
„Mrs. Snape", sagte sie dann und wurde sofort unterbrochen. „Eileen, Liebes. Nenn mich doch bitte Eileen." Hermine räusperte sich. „In Ordnung ... Mrs. ... ähm ... Eileen." Wieder räusperte sie sich und kam sich einen schrecklichen Moment lang wie Umbridge vor. Doch dann platzte es aus ihr heraus:
„Also was machen Sie hier? Mitten in der Nacht - und dazu noch in dieser Kerze?!"
Das Gesicht in der Flamme lachte.
„Aber, Kindchen, ich bin tot! Die Toten können nur in der Nacht kommen und auch nur, wenn sie anständig heraufbeschworen werden. Severus kann das. Er hat mich mit seinen Gaben schon immer mächtig stolz gemacht ... Wünschte nur, er hätte sie weiser eingesetzt."
Hermine griff nach dem Whisky, schenkte sich nach („Recht so!" kommentierte Eileen Snape) und nahm einen Riesenschluck.
„Sie sind tot??" fragte sie etwas erschüttert.
„Mausetot", bestätigte Mrs. Snape.
Hermine fiel in den Sessel zurück und fühlte, wie ihr langsam der Whisky ins Blut stieg. Sie strich sich ihr Haar aus dem Gesicht.
„Mein Beileid", sagte sie dann automatisch und im selben Moment wurde ihr klar, daß sie Eileen Snape zu ihrem eigenen Tod das Mitgefühl aussprach. Sie stöhnte auf und verbarg beschämt ihr Gesicht zwischen den Händen. Am liebsten wäre sie im Erdboden versunken. Doch Eileen Snape hingegen lachte nur vergnügt.
„Oh, Danke", rief sie fröhlich. „Das ist gut! Das werde ich sofort weiter erzählen! Ihr Lebenden seit lustig! Und der Spruch hat das Zeug zum running gag!"
„Ma'am!" rief Hermine in einer Mischung aus Empörung und Belustigung und stellte fest, daß sie Snapes Mutter auf Anhieb sympathisch fand. Mochte sie nun tot oder untot sein, in ihrer Art glich sie überhaupt nicht ihrem Sohn.
„Sagen Sie, Mrs. (ein strenger Blick traf sie und schnell verbesserte sie sich) Eileen, ist das ... hmm ... na ja ... vielleicht auch ... schwarze Magie? Ich meine, daß Sie hier sind?"
„Schwarz, weiß, grau ... also ehrlich, wen interessiert das schon? Vor allem aus meiner Perspektive, wie du dir vorstellen kannst! Du solltest es doch inzwischen besser wissen. Die Magie läßt sich nicht in schwarz oder weiß aufspalten. Das sind doch nur leere nichtssagende Konzepte, die von ängstlichen Idioten entworfen worden sind. Von solchen, die sich vor der Macht der Magie fürchten -"
„Und die verdammt gut daran tun!" unterbrach Hermine Eileen Snape aufgebracht.
„Ich weiß inzwischen selbst viel zu gut, wie sehr einen die Magie in Versuchung führt. Aber vielleicht ist das etwas, was man vergißt, wenn man tot ist -"
Hermine schlug sich erschrocken die Hand vor den Mund.
„Oh - Entschuldigung! Ich wollte nicht unhöflich oder grob sein, Mrs. Snape."
„Eileen", wiederholte Snapes Mutter sanft. „Und du bist nicht unhöflich. Es ist wohl die Wahrheit. Tatsächlich vergißt man eine Menge, wenn man tot ist. Die Toten vergessen, wie schwer es die Lebenden haben. Wir vergessen, daß das Leben oft genug nur ein blankes Überleben ist.
Ja, wir erinnern uns zwar noch an die Liebe und den Schmerz, erinnern uns an das Vergnügen des Essens und Trinkens, an die Sonne auf der Haut und den Wind in den Haaren, aber wir haben vergessen, wie es sich anfühlt, das ist die simple Wahrheit.
Wir sind kein Fleisch mehr, haben keine Körper mehr ..."
Das Flammengesicht war nachdenklich geworden, doch dann lächelte Mrs. Snape Hermine freundlich zu.
„Es ist schön, endlich mal jemanden anderen zu Gesicht zu bekommen. Besonders, wenn man seit Jahren mit so einem Griesgram wie meinem Sohn auskommen muß. Außerdem ruft mich Severus sowieso nur dann herbei, wenn er sich mit mir beraten oder aussprechen will. Aber mich mal zu einem kleinen Plausch einzuladen, auf die Idee käme er nicht. Hast du überhaupt Lust, dich mit mir zu unterhalten, Hermine?
Hast du Zeit?"
Hermine starrte in die Kerzenflamme, warf einen Blick auf den schlafenden Severus Snape und dachte, daß es eine gute Gelegenheit wäre, ihren Professor mal aus einer anderen Perspektive kennenzulernen.
„Na aber klar doch, Eileen!" sagte sie.

~~~~

Gute zwei Stunden später sank Hermine auf ihre Matratze zurück und schlief ein, um nur einen Moment später - zumindest schien es ihr so - mit dem üblichen Faustschlag gegen die Tür geweckt zu werden.
Nach ihrer Dusche und einem immer noch irritierten Blick auf ihre wandernden Zeichen fand sie sich in Muggelkleidung am Küchentisch sitzend wieder. All ihre wenigen Habseligkeiten hatte sie in der gerade mal Schuhkarton große Box verstaut, auch Snapes Kleidung und den Besen. Anschließend hatte sie die Box noch auf handtellergröße geschrumpft. Alles war für ihren Aufbruch bereit.
„Ich bringe Sie in ein paar Stunden zum vereinbarten Treffpunkt. Dort trennen sich unsere Wege. Ich glaube nicht, daß wir in Kontakt treten werden, ehe es zum Entscheidungs­kampf kommt."
Hermine nickte. Sie fühlte sich mies, hatte viel zu wenig geschlafen und dazu noch Kopfweh. Der nächtliche Plausch mit Mrs. Snape hatte ihr keine wirklichen Kenntnisse über Professor Snape eingebracht. Eileen war den Fragen nach ihrem Sohn ausgewichen, hatte aber bereitwillig mit Hermine über sich selbst geredet. Was nicht minder interessant gewesen war und durchaus Rückschlüsse auf Snapes Kindheit zuließ. Auch hatte Mrs. Snape Hermine über alles mögliche ausgefragt. Hogwarts, die Todesser, Dumbledore, Harry und auch über sie selbst. Es hatte Hermine überrascht, wie gut sich Mrs. Snape in der Muggelwelt auskannte, selbst über aktuelle Trends Bescheid wußte. Auf Hermines Rückfrage hatte sie nur vage angedeutet, daß die Toten es liebten, die Lebenden zu beobachten, sie aber nicht viel mehr darüber sagen durfte. Schließlich gäbe es auch in der Welt der Toten Gesetze. Aber was gäbe es für verstorbene Zauberer schon lustigeres als die Muggelwelt?
Es war kurz nach fünf, als sich Eileen Snape verabschiedete und sagte, daß sie nicht länger bleiben könne, weil der Tag nun endgültig anbrach. Die Kerze war verloschen und Hermine hatte noch zwei Stunden Schlaf nachholen können.




Draco wird Sie in alles weitere einweihen", sagte der Professor, während er Hermine einen Teller mit Porridge über den Tisch schob. Sie hatte keinen großen Hunger und wollte nicht viel essen, da sie langes Fliegen auf dem Besen krank machte.
„Er weiß genaueres über die Absichten des Dunklen Lords. Ich habe zwar eine Vorstellung davon, wo der Verrat stattfinden könnte, doch ich bin nicht über die weitere Vorgehensweise in Hogwarts informiert.
So arbeitet Lord Voldemort übrigens immer. Er läßt nie zu, daß jemand außer ihm selbst seine Absichten in ihrer Gesamtheit erkennt. Aber da Hogwarts selbst, als auch das ganze Gelände von mächtigen Zaubern und Flüchen geschützt ist, wird es wohl im Felsen stattfinden ... und dies ist kein sicherer Ort."
Hermine zog interessiert eine Braune hoch, sah den Professor fragend an.
„Ich will nicht darüber reden", sagte er. „Es gibt Geheimnisse, von denen man besser nichts weiß. Und ich werde Sie sicherlich nicht auch noch mit der Nase auf etwas stoßen, das gefährlicher ist, als alles, was Sie sich vorstellen können."
Snape verstummte. Dann schlug er mit einem verärgerten Verdammt! die Faust auf den Tisch und Hermine schreckte zurück, sah ihn überrascht an.
„Schon gut", murmelte der Professor entschuldigend und lehnte sich zurück. „Es ist frustrierend, nicht zu wissen, was in Hogwarts geschehen wird ..."
„Keine Angst, Professor", sagte Hermine beruhigen. "Ich werde es schaffen. Wir haben die letzten Monate nicht so hart gearbeitet, damit ich im entscheidenden Moment scheitere! Ich werde es schaffen. Versprochen!"
Snape nickte und griff nach Hermines Hand, drückte sie.
„Ja", sagte er. „Ich weiß, daß Sie gut sind. Aber es gibt in Hogwarts Gefahren, von denen Sie nichts wissen, von denen Sie nicht die leiseste Ahnung haben.
Hogwarts ist ein magischer Ort, vergessen Sie das nicht. Die Schule ist tausend Jahre alt und man hat längst mehr über ihre Ursprünge vergessen, als man jemals wieder herausfinden wird.
Tausend Jahre sind eine lange Zeit. Das sind viele Generationen von Hexen und Zauberern. Generationen, die kamen und gingen. Und sie alle hinterließen ihre magischen Fingerabdrücke in Hogwarts. Glauben Sie mir:
Hogwarts ist gefährlich. Und nur die allerwenigsten wissen wie gefährlich. Hätten die Leute auch nur eine Ahnung von den Dingen, die ich weiß, würden sie ihre Kinder nie dorthin schicken. Und daß der Entscheidungskampf in Hogwarts stattfinden soll, gefällt mir nicht.
Noch weniger gefällt es mir, daß Sie es vorbereiten sollen. Der Dunkle Lord weiß etwas, das er uns nicht mitgeteilt hat. Und sollte er das Geheimnis des Felsens kennen, dann kennt er vielleicht sogar das Labyrinth. Es könnte sein, daß er deswegen ..."
Snape runzelte die Stirn und warf ihr einen schnellen Blick zu. Hermine erkannte, daß er den Eindruck hatte, bereits zuviel gesagt zu haben. Er ließ ihre Hand los.
„Geben Sie Draco eine Chance. Er kann Ihnen in Hogwarts eine Hilfe sein, er wird Sie unterstützen. Vielleicht steht er ja am gleichen Wendepunkt in seinem Leben, wie auch ich es einst tat. Sie müssen ihn ja nicht gleich mögen - aber geben Sie ihm einfach eine Chance."
Hermine nickte.
„Ich will es versuchen. Aber es wird mir bestimmt nicht leicht fallen. Ausgerechnet Draco Malfoy", sagte sie und verdrehte die Augen.
Dann starrte sie in ihren Porridge, stocherte lustlos mit dem Löffel darin rum und dachte an das, was ihr bevorstand. Sie hoffte, daß sie keinen ihrer Freunde verletzen mußte. Und als sie wieder aufsah, begegnete sie Snapes fragendem Blick. Sie schnaubte kurz und stellte leise fest:
„Wissen Sie, es sind jetzt fünf Monate vergangen. Es waren die fünf längsten und anstrengendsten Monate meines Lebens. Es gab Momente, in denen ich mir wirklich gewünscht hatte, Sie hätten mich auf dem Schlachtfeld, bei den Inferi, zurückgelassen."
Sie grinste den Professor schief an und sie wußten beide, daß sie auf die ersten Wochen bei ihm anspielte.
„Aber ich habe diese Momente durchgestanden. Ich bin gewachsen, sogar über mich hinaus. Doch all das, was ich in diesen vergangenen Monaten gelernt habe, was ich getan habe ... es hat mich verändert, läßt sich nicht mehr rückgängig machen ... "
Hermine legte den Löffel zur Seite und lehnte sich zurück. Sie begegnete ruhig Snapes Blick und sagte:
„Ich habe mich damit abgefunden, es erschreckt mich nicht länger. Und gerade weil ich erkannt habe, daß es kein Zurück mehr für mich gibt, weiß ich, daß ich von nun an nur noch vorwärts gehen kann.
Wenn ich eine Zukunft haben will, muß ich ihr entgegen gehen, muß ich sie umarmen. Nur die Furchtsamen bleiben stehen und warten ab. Und ich denke nicht, daß ich jemals zu denen gehört habe."
Nachdenklich verstummte sie. Auch der Professor blieb stumm. Dann sagte Hermine leise:
„Ich weiß nicht mehr, wer ich bin, Professor. Manchmal glaube ich, daß ich mich selbst verloren habe. Dann fühle ich, wie etwas in mir aufsteigt, eine unbändige Kraft, die mir zuflüstert, daß ich mich in Wirklichkeit gefunden habe. Daß ich mich endlich mit all meiner Macht akzeptieren soll und ich mich nicht länger vor mir selbst fürchten soll.
Und wissen Sie was, Professor?
Es ist genau das, was mir am meisten Angst macht! Was wird geschehen, wenn ich mich als das annehme, was ich geworden bin? Was wird mit mir geschehen? Wer bin ich inzwischen?"
Hermines Stimme war kaum hörbar, als sie sich über den Tisch zum Professor vorbeugte, ihm zuflüsterte:
„Ich habe getötet, Professor, gemordet! Ich trage das dunkle Mal, und es flüstert mir zu, in jedem Moment meines Lebens. Es ist eine abscheuliche finstere Magie, und ich kann sie mit jedem meiner Herzschläge, mit jedem meiner Atemzüge in mir fühlen.
Sie flüstert von Macht und davon, daß andere weniger wert sind als ich ... sie durchströmt mich wie das Blut meine Adern durchströmt. Ist in mir und versucht mich zu vergiften ... und nur diese uralte Magie, die sich mit mir verbunden hat, hält sie in Schach. Auch das fühle ich. Und auch sie flüstert mir zu, aber ich verstehe sie nicht.
Sie ist mir zu fremd."
Hermine sah Snape gequält an.
„Wird das jemals aufhören? Werde ich jemals in Frieden mit mir selbst leben? Werde ich jemals wieder frei sein?"
Der Professor hatte Hermine betroffen angesehen. Er hatte nicht gewußt, daß sie so sehr litt. Für ihn war der ständige Kampf dieser beider Mächte in ihm längst schon ein Teil seines Lebens geworden. Er hatte nicht daran gedacht, wie es sich für Hermine anfühlen mußte.
„Es wird in dem Moment aufhören, in dem der Dunkle Lord für immer aus unserer Welt verschwindet. Wenn er stirbt und kein Horkrux mehr übrig bleibt, sind wir frei, und das dunkle Mal wird keine Macht mehr über uns besitzen."
Hermine schloß die Augen und atmete erleichtert durch. Es würde aufhören.
Sie konnte darauf hoffen, frei zu sein. Und als sich ihre Augen wieder öffneten und der Professor ihrem Blick begegnete, erkannte er ihre kalte klare Entschlossenheit. Und Hermines Stimme war von Leidenschaft erfüllt, als sie sagte:
„Dann will ich mich verpflichten, Sir. Hier und heute und nicht aus dem Zwang heraus, überleben zu wollen, sondern weil ich es will:
Ich verspreche, ich werde niemals verzeihen, niemals ruhen und niemals aufgeben. So lange nicht bis Voldemort vernichtet ist oder ich beim Versuch ihn zu vernichten, getötet worden bin."
Hermines Kraft, ihre Leidenschaft und Präsenz, füllte die kleine Küche aus. Sie stand auf und auch Snape erhob sich. Sie fühlten beide, daß dies ein neues Kapitel in ihrer Beziehung war.
„Wir stehen auf einer Seite, Professor", stellte Hermine fest und reichte ihm die Hand.
Und Snape ergriff sie, hielt sie mit beiden Händen fest. Seine Stimme war rauh, als er sagte:
„Und ich schwöre, Sie werden nicht allein sein. Ich werde da sein. Wir werden gemeinsam kämpfen, wir werden gemeinsam siegen - sollten wir aber fallen, werden wir gemeinsam fallen. Sie sind nicht allein. Von nun an wollen wir Waffengefährten und Verbündete sein."
Ihre Blicke trafen sich, verhakten sich ineinander. Sie waren zwei Krieger, die gerade einen Bund schlossen. Er war für sie genauso bindend wie der Unbrechbare Schwur für jeden anderen. Sie wußten, sie waren bereit, für ihr Ziel Unaussprechliches zu tun. Sie würden stehlen, schlagen, quälen, verraten und wenn es sein mußte auch morden.
Sie waren nicht viel besser, als die, die sie bekämpften. Nur ihre Ziele waren andere, bessere. Und Hermine, die in diesem Moment das alles erkannte, erkannte noch etwas anders.
Sie erkannte, daß sie Snape wollte! Sie wollte ihn haben, wie eine Frau nur einen Mann haben kann. Sie wollte ihn fühlen, wollte seine Haut auf der ihren spüren, seine Hände auf ihrem Körper, seine Lippen auf den ihren.
Sie wollte seine kratzigen Wangen fühlen, seinen Schweiß schmecken und in seinem Geruch baden.
Und jenseits der Finsternis Snapes Augen, dieser schwarzen undurchdringlichen finsteren Höhlen, sah sie das gleiche Verlangen auflodern.
Ihr Atem beschleunigte sich, als sie seinen Hunger sah. Ihre Hand löste sich aus seinen Händen und sie griff nach seinem Umhang. Mit einem Ruck zog sie ihn zu sich, drückt sich hart an ihn.
„Es ist mir egal" flüsterte sie dann erregt. „Es ist mir egal, ob es sich schickt oder nicht. Es ist mir egal, ob jetzt der richtige Zeitpunkt ist oder nicht. Es wird nie einen richtigen Zeitpunkt geben, wir sind im Krieg! Aber wir können uns die Zeit stehlen. Bevor ich gehe, Severus, will ich mich dir hingeben, und ich will deine Hingabe fühlen. Liebe mich."
Hermines Hand fuhr zwischen sie, streichelte sanft über die Härte, die sich ihr entgegendrückte. „Und wie könntest du leugnen, daß du mich nicht auch haben willst?"
Snape sah sie mit verkrampften Gesicht an. Er konnte sich kaum beherrschen, wollte sie mehr als jede andere Frau zuvor. Aber ...
„Es darf nicht sein, Hermine. Es war schon beim ersten Mal ein Fehler -", er brach ab, biß sich auf die Lippen und schloß aufstöhnend die Augen, als Hermines Hand sich in seine Hose schob. Ihre Lippen suchten die seinen, und dabei flüsterte sie:
„Ach ja? Schon beim ersten Mal? Dann ist es schon einmal geschehen und du Bastard hast mir die Erinnerung genommen? Kein Wunder daß ich mich immer so komisch in deiner Nähe gefühlt habe."
Ihr Mund fand den seinen, ihre Lippen saugten und knabberten an ihm, ihre Zungen berührten sich. Snape konnte sich nicht länger zurückhalten, mit der einen Hand drückte ihren Kopf an sich, begegnete ihrem leidenschaftlichem Kuß, während er mit der anderen blind nach seinem Zauberstab tastete.
Hermine ertrug das Kribbeln zwischen ihren Beinen kaum noch. Wenn er sie nicht bald dort berührte, würde sie sich selbst berühren. Aber vor allem wollte sie das, worüber gerade ihre Hand glitt.
Ihr Mund löste sich ein wenig von seinem, so daß sie ihm während ihren Küssen zuflüsterte: „Oh, bitte ... Severus ... bitte ... ich will es ... will es doch ... so sehr ... liebe mich."
Endlich hatte er den Zauberstab gefunden!
Plopp.
Skotomênê nox!"
Vollkommene Finsternis umgab Hermine. Eine Stimme, flüsterte ihr ins Ohr:
„Komm, mein Engel, zieh dich aus - zieh dich aus. Ich will deine Haut auf meiner spüren, will dich mit meinen Küssen bedecken, ich will -"
Hermines hungriger Kuß verschloß ihm den Mund, während sie schon anfing, sich auszuziehen. Auch Snape entledigte sich seiner Kleidung. Er wollte Hermine fühlen. Wollte ihre Wärme und Weichheit spüren, wollte ihre kleinen Schreie und Seufzer der Lust hören, wollte fühlen, wie sich sich zuckend um ihn verkrampfte, seinen Namen rief - und ihn mit ihrer Hingabe für einen Moment heil sein ließ.

Später ...

„Sag mal, hast du mich vorhin in der Küche einen Bastard genannt?" fragte der Professor ungläubig.
„Upps!" flüsterte Hermine und wandte sich ihm im Dunklen zu.
„Das könnte durchaus sein."
Ihre Hand streichelte über das seidige Haar seiner Brust.
„Hmm", brummte er. „Das ist eine seltsame Art einem zu sagen, daß man mit ihm -"
„Hey!" unterbrach ihn Hermine. „Du hast mir die Erinnerung genommen, was erwartest du von mir? Freudentränen? Ich meine, wenn unser erstes Mal nur halb so gut wie gerade eben war, dann ist das verdammt unfair! Kann ich die Erinnerung nicht wiederhaben? Nur für einen Moment?"
Der Professor seufzte.
„In Ordnung", und sein Zauberstab tippte kurz an Hermines Schläfe.
„Oh ..." flüsterte Hermine, nur um sich dann stöhnend aufzubäumen, atemlos zurückzufallen und seinen Namen zu keuchen.
„Hermine!" rief Snape erschrocken. „Alles in Ordnung?"
Er hörte sie neben sich nach Luft schnappen. Dann rollte sie sich auf ihn und ihr Becken rieb sich wohllüstig an ihm. Ihr hungriger Kuß erweckte in ihm erneut die Leidenschaft und er spürte, wie er hart wurde.
„Hermine", flüsterte er und seine Hände fuhren über die Kurven ihres Körpers, „was tust du da?"
„Wie fühlt es sich denn an?" antwortete sie. „Ich möchte mich bei dir bedanken.
Du hast mich nicht nur zur Kriegerin ausgebildet, sondern mir auch die Freude an meinem Körper zurückgegeben. Du hast mir gezeigt, daß ich Lust empfinden kann, trotz allem was passiert ist. Du bist nicht nur ein guter Liebhaber, Severus, du bist sogar ein guter Mann. Und wer hätte gedacht, daß ich das jemals sagen würde!" kicherte sie.
„Du mußt mir später unbedingt diese Erinnerung nehmen - ist ja peinlich!"
Und dann sagte sie nichts mehr, sondern arbeitete sie sich küssend und zärtlich knabbernd bis zu seiner Männlichkeit vor. Sie zögerte nur einen Moment, doch dann umschlossen ihre Lippen sanft seinen Schaft, und ihre Zunge strich über den Rand der Glätte. Sie kitzelte mit ihrer Zunge die kleine Falte, die den starken Schaft mit der Glätte verband und ihre Lippen umschlossen ihn vollständig. Sie sog an ihm, leckte und knabberte an ihm, streichelte über seinen Hoden und Snapes keuchender Atem belohnte sie, sein zuckendes Becken ermutigte sie weiterzumachen und seine Hände zerwühlten ihr Haar, zogen sie noch näher zu sich.
Und Hermine genoß dieses Spiel. Sie knabberte an ihm, saugte und spielte mit Zunge und Zähnen an ihm. Scharf hörte sie ihn Luft holen und sein tiefes Stöhnen erregte sie ebenso, wie ihr Mund ihn erregte.
Doch nicht lange und er zog sie von sich fort, zog sie hoch zu sich und küßte sie. Küßte sie mit solcher Intensität, daß es sie atemlos nach Luft schnappen ließ. Seine Hand wühlte sich wieder in ihr Haar und er zog ihren Kopf zu sich hinunter, bis ihre Münder aufeinander trafen und Lippen und Zungen zueinanderfanden. Und seine andere Hand fand zu ihrer feuchten Spalte, seine Finger schoben die Hautfalten auseinander und rieben die kleine feste Erhebung, streichelten und drückten sie, massierten das anschwellende Fleisch bis sich ihr Becken ihm entgegenhob, ihr keuchender Atem, ihr verschwitzter Nacken und ihre warme Feuchtigkeit ihm sagten, daß sie bereit war, daß sie es ebenso sehr nach ihm drängte, wie es ihn zu ihr zog.
Eine schnelle Drehung und Hermine lag auf dem Rücken, fühlte seine Härte am Eingang ihrer Weiblichkeit, und sie hob sich ihm erwartungsvoll entgegen.
„Ja", flüsterte sie ihm ins Ohr. "Komm, laß es uns noch einmal tun. Und dieses Mal will ich all deine Leidenschaft. Halte dich nicht zurück! Ich will dich, wie du bist. Ich hab keine Angst mehr vor dir ..."
Und als hätte er nur auf diese Worte gewartet, drang er mit einer einzigen Bewegung in sie ein, füllte sie aus, bis kein Platz mehr in ihrem Körper noch in ihrem Geist war, bis noch er da war, so tief in ihr, so tief in ihren Gedanken und ihrem Körper, daß da nur noch ihr Hunger, ihre gemeinsame Leidenschaft und ihre Gier aufeinander blieb.
Wieder und wieder stieß er zu, und Hermine drängte sich ihm entgegen, nahm jeden seiner Stöße auf, rieb sich an ihm, biß ihm vor Lust aufschreiend in die Schulter, bäumte sich auf, leckte ihm den Schweiß vom Hals und gab sich seinen wilden Küssen hin. Sie stöhnte, wenn sie die Lust nicht länger ertrug, schrie vor Verzückung, wenn sich ihr Fleisch pulsierend um ihn herum verkrampfte, hielt sich an ihm fest, wurde von ihm gehalten. Süßer Wahn ergriff sie beide, ihre Erregung erreichte Höhen, die ihnen zuvor unbekannt gewesen waren.
Hermine klammerte sich mit ihrem gesamten Körper an ihn, drehte ihn auf den Rücken und setzte sich auf. Sie ließ ihr Becken kreisen, hielt ihn fest, und seine Hände umschlossen ihre Hüften, dirigierten ihren lustvollen Ritt. Und als eine seiner Hände den sensiblen Punkt zwischen ihren Schenkeln fand und rieb, schrie Hermine, vor Lust halb wahnsinnig geworden, auf.
Immer wieder rief sie seinen Namen in die Dunkelheit, war sich dessen nicht bewußt. Sie fühlte nur noch Lust in sich, fühlte, wie sie in ihr aufstieg und Grenzen überwinden ließ, die jenseits aller Ekstase lagen.
In Verzückung aufstöhnend, drehte sie sich auf den Rücken und nahm die drängenden Stöße ihres Geliebten in sich auf, wandt sich in dessen Armen, wölbte sich ihm entgegen, fühlte ihn in ihrem Körper, in ihrem Geist ... und fühlte, wie sich ihre Seelen miteinander verbanden. Und dann, als es keine Steigerung mehr geben konnte, wurden sie auf den Wogen ihrer Leidenschaft davongetragen, bis sie sich in den Armen des anderen wiederfanden.

Lange herrschte Schweigen zwischen ihnen. Nur ihre Hände streichelten sich gegenseitig. Ihre Münder küßten sich zärtlich. Ihre Wangen rieben sich aneinander.
Schließlich flüsterte Hermine:
„Nimm mir die Erinnerung, Severus. Es wird Zeit für mich zu gehen."
Sie setzten sich gemeinsam auf.
„Ich will es nicht", flüsterte er und drückte ihre Hand auf seine Lippen.
Küßte jede einzelne der Fingerspitzen, ihre Handfläche, das Handgelenk. Dann fuhr seine Zunge ihren Unterarm hoch, wo er stoppte und ihre Armbeuge küßte.
Knabbernd wanderte er an der Innenseite ihres Arms entlang und Hermine mußte lachen, weil es so sehr kitzelte.
„Severus", kicherte sie, „es ist mein Ernst!"
„... und was, wenn es auch meiner ist?"
Für einen Moment herrschte Stille. Dann sagte Hermine leise:
„Wir können uns nicht im Dunklen verbergen, Severus. Wir haben eine Aufgabe zu erfüllen. Wir müssen aus der Dunkelheit hinaustreten und uns zum Licht bekennen."
Hermine entzog ihm den Arm und begann, nach dem Zauberstab zu tasten. Snape machte keine Anstalt ihr zu helfen. Er wußte, wo dieser lag, mußte nicht danach suchen. Doch sein Verstand versuchte Lösungen zu finden. Lösungen, die Hermine und ihm eine Chance gaben. Doch er fand keine.
Aufseufzend griff er nach dem Zauberstab.
„Laß nur, du mußt nicht länger suchen. Hier ist er."
Hermine setzte sich zu ihm. Ihre Hand suchte tastend nach ihm, fand seine Hand mit dem Zauberstab.
„Ich will es auch nicht", flüsterte sie. „Aber im Augenblick haben wir keine andere Wahl. Es ist richtig, mir die Erinnerung zu nehmen, Severus. Es muß sein. Ich kann unmöglich diese Sache durchstehen, wenn ich mich an das hier erinnere. Ich wäre krank vor Sorge um dich, krank vor Leidenschaft. Ich könnte an nichts anderes mehr denken, als an deine Sicherheit. Ich wäre nicht länger eine Kriegerin, sondern nur noch eine verliebte Frau."
„Verliebt?" fragte der schwarzhaarige Zauberer zweifelnd.
„Oh ja, Severus, ich denke, ich habe mich in dich verliebt. Aber sicher bin ich mir nicht. Dafür ist die Situation, in der wir sind, einfach zu ungewöhnlich. Vielleicht sind es auch nur die Hormone. Aber vielleicht ist es ja auch so etwas wie das Stockholm Syndrom."
„Sehr witzig", murmelte der Professor. „Ich habe dich gerettet, nicht entführt."
„Ach!" sagte Hermine belustigt und stubste ihn. „Jetzt sei nicht gleich beleidigt!
Es war ein Witz! Und woher weißt du überhaupt, was das Stockholm Syndrom ist? Das ist ein Begriff aus der Muggelwelt. Du überrascht mich immer wieder ..."
Dann nahm sie seine Hand und führte sich den Zauberstab an die Stirn.
„Tu es. Aber nimm mir nicht alles - bitte. Laß mir die Erinnerung an einen Traum. Wenn ich dich schon nicht haben kann, dann kann ich doch wenigstens von dir träumen."
Ihre Hand streichelte seine Wange und sie bemerkte eine Spur von Feuchtigkeit darauf. Tränen? Doch noch bevor sie etwas sagen konnte, hörte sie Snapes Stimme:
„Schlaf."
Und sie sank in tiefen Schlaf.

~~~~

Wieder war es geschehen, dachte Snape.
Es war wieder geschehen und das, obwohl es eigentlich niemals hätte geschehen dürfen. Nicht das erste und erst recht nicht ein zweites Mal.
Der schwarzhaarige Zauberer starrte auf Hermine, die wieder in ihrer Muggelkleidung am Küchentisch saß und mit leerem Blick geradeaus starrte. Die Erinnerung an die vergangenen Stunden ihrer Leidenschaft hatte er tief in ihr vergraben, hatte sie als Traum verkleidet.
Er starrte sie an, konnte immer noch nicht glauben, wie intensiv ihre Vereinigung gewesen war. Er begriff nicht, wie das möglich gewesen war. Verstand nicht, warum sie diese Gefühle in ihm auslöste und noch weniger verstand er, warum auch sie ihn wollte.
Heute hatten sie sich nicht zurückgehalten. Keiner von ihnen. Sie waren sich mit der gleichen Leidenschaft, dem gleichen Feuer und dem gleichen tiefen Verlangen nach einander begegnet. Sie hatte sich ihm rückhaltlos hingegeben, so wie auch er sich ihr. Dies war tiefer gegangen als jede körperliche Vereinigung, die er erlebt hatte. Snape wußte, es war Magie gewesen. Eine Magie, die so alt war, wie die Menschheit.
War es Liebe?
Er wußte es nicht, hatte er doch noch nie geliebt. Und das jemand ihn lieben könne, war ihm nie in den Sinn gekommen. Er war nur ein verbrauchter alter Narr. Nur ein alternder Zauberer, der viel zu oft in seinem Leben die falsche Wahl getroffen hatte.
Und eben so oft hatten andere den Preis dafür zahlen müssen.
Snape starrte auf Hermine, die gerade mal halb so alt war wie er, die mit ihrer offenen Haarmähne viel zu jung aussah. Er starrte auf ihre Muggelkleidung, und ihre Kleider erinnerte ihn nur zu deutlich daran, wer sie war, was ihre Abstammung war.
Er seufzte.
In weniger als einer Stunde würde sie sein Leben verlassen. Sie würden von nun an getrennt operieren, würden an dem großen Verrat arbeiten, der den Fall des Dunklen Lords herbeiführen sollte.
Nein, dachte der Zauberer, Hermine hatte Recht. Da gab es keinen Raum für Sentimentalitäten. Keinen Platz für Liebe. Sie waren beide Krieger. Sie hatten sich entschieden, hatten ihre Wahl getroffen und dienten nun beide der gleichen Sache.
Sie hatten sich zu Verbündeten und Waffengefährten erklärt. Und die Wahrschein­lichkeit, daß auch nur einer von ihnen den Kampf überlebte, war - nüchtern betrachtet - verschwindend gering.
Aber Snape wußte, wenn es eine Chance gab, daß einer von ihnen beiden überlebte, würde er alles daran setzten, daß sie es war. Sie hatte noch ihr ganzes Leben vor sich, hatte noch so viel Liebe zu geben. Und er ...?
Was war er schon anderes als ein abtrünniger Todesser. Welche Zukunft konnte es für einen wie ihn schon geben?

Hermines Blick begann sich zu klären. Der Zauber, mit dem Snape sie belegt hatte, hatte seine Wirkung getan und ihr Bewußtsein kehrte zurück. Sie sah den Professor verwirrt an.
„Was hatten Sie gerade gesagt, Sir? Ich glaube, ich war gerade etwas geistesab­wesend."
„Ich sagte", antwortet der Meister der Zaubertränke in geduldigem Tonfall und tat so, als müsse er sich wiederholen, „daß Sie auch meine privaten Räume im Kerker nutzen können. Es ist kaum anzunehmen, daß Dumbledore sie jemand anderen zugänglich gemacht hat. Also: Wenn Sie noch den einen oder anderen Trank brauen möchten oder sonst etwas tun müssen, das verborgen bleiben soll, tun Sie es dort. In einem geheimen Raum auf der Rückseite des Kamins befindet sich ein kleines Labor mit allerlei interessante Zutaten. Es sind auch einige verbotene Gegenstände dort verborgen, von denen Dumbledore besser nichts weiß! Und Sie sollten nichts anfassen, von dem Sie nicht wirklich wissen, was es ist, Gryffindor. Das ist mein Erst!"
Hermine nickte. Wenn Professor Snape sie warnte, tat er das nicht ohne Grund.
„In Ordnung, Sir", sie zögerte einen Moment, bevor sie weitersprach. „Ich habe den Eindruck, etwas Wichtiges vergessen zu haben", sagte sie und runzelte die Stirn.
„Aber ich komme einfach nicht dahinter ..."
„Dann kann es nicht so wichtig gewesen sein" erwiderte der Professor knapp. „Alles was sie brauchen, haben Sie dabei. Ich denke, es ist Zeit, aufzu­brechen. Wir haben alles gesagt, was es zu sagen gibt, alles besprochen, was es zu besprechen gibt. Es bleibt uns nur noch zu gehen."
Hermine nickte. Sie stand auf, sah sich um.
„Kann ich noch mal ..."
Hermine wußte nicht, was sie sagen sollte. Sie wollte einfach noch einmal durchs Haus gehen, wollte sich von dem Haus verabschieden, das in den vergangenen fünf Monaten zu ihrem Zuhause geworden war.
Allein das Hochziehen seiner Braue ließ Hermine erahnen, daß ihr Wunsch den Professor verwirrte.
„Ich bin im Wohnzimmer", sagte er schließlich. „Sie können gerne auch noch einen kleinen Imbiß zu sich nehmen."
Mit diesen Worten verschwand er aus der Küche.
Hermine sah zum Schrank, lächelte ihn an.
„Ich werde dich vermissen", sagte sie. „Du bist mir in den letzten Monaten ein echter Freund geworden und daß du ein hervorragendes Essen machst, muß ich dir nicht sagen."
Das dunkle Astlochaugenpaar des Schranks sah sie an und seine Türgriffe hingen traurig herunter.
„Ich werde dich auch vermissen, Hermine. Du warst eine so nette Gesprächspartnerin und hast mich immer ernst genommen. Wirst du mich mal besuchen kommen, wenn diese Sache vorbei ist? Ich kann dir jederzeit was Leckeres herbeizaubern!"
Das Holzgesicht in der Maserung zwinkerte ihr wieder vergnügt zu. Hermine ging zum Schrank und streichelte ihn.
„Ich komme sehr gern wieder. Natürlich nur, wenn der Professor nichts dagegen hat. Und dann kannst du mich nach Strich und Faden verwöhnen."
„Und möchtest du vielleicht jetzt noch etwas mitnehmen? Ich könnte dir eine Picknicktüte zusammenstellen."
„Nein, laß mal gut sein. Ich bin zwar schon wieder hungrig (komisch, dachte sie), aber ich vertrage das Fliegen auf dem Besen nicht. Besonders nicht, wenn es schnell ist ... und schnell wird es sein."
Feuerblitz, dachte Hermine und mochte erst gar nicht darüber nachdenken. Sie wünschte dem Schrank ein Lebwohl und verließ die Küche, bevor sie doch noch zu sentimental wurde. Dann ging sie in ihr kleines Zimmer, sah sich in Ruhe um, besuchte den magischen Raum, der noch immer wie ihr allmorgentliches gammliges Bad aussah und ging schließlich in den Keller, um noch einmal einen Blick auf das Labor zu werfen.
Hier hatte alles angefangen, dachte sie, als sie sich umsah. Dort hinten in der Ecke war ihr Matratzenlager gewesen. Wie fremd ihr diese Erinnerung inzwischen war.
Hermine ging durch die Regalreihen und lächelte, als sie das leuchtende Gespinst des Psilocybe cyanescens wiedererkannte. Ihre Fingerspitzen strichen liebevoll und Abschied nehmend über die alten Kessel. Dann sah sie sich noch einmal in aller Ruhe um, saugte das Bild des Labors förmlich in sich auf und ging schließlich nach oben. Leise klopfte sie an die Wohnzimmertür. Professor Snape öffnete sie, trat hinaus und sah sie an.
„Bereit zu gehen?"
Hermine nickte. Alles in ihr drängte sie, den Professor zu berühren, ihn zu umarmen.
Sie hatte keine Ahnung, woher diese plötzliche Gefühlsauf­wallung kam. Sie wußte nur, daß sie ihn nicht verlassen wollte, daß sie bei ihm bleiben wollte. Aber sie wußte auch, daß sie gehen mußte.
Sie waren Krieger, Verbündete, Waffengefährten. Nicht mehr, nicht weniger und vor allem nichts anderes. Was sie einte, war allein das gemeinsame Ziel. Und so sagte sie einfach nur:
„Ja."

~~~~

Plopp.

Hermine sah sich um. Sie standen inmitten einer verwilderten Wiese, mannshohe Weisdornecken umschlossen das Gelände. Brachliegende Felder standen im Hintergrund und eine kleine schiefergraue Stadt mit viel zuviel Industrie erhob sich am Horizont. Der Himmel war düster, die Regenwolken hingen tief und Abgase verdeckten die Sicht.
Sie und der Professor hatten das Haus verlassen und waren in einer schmierigen kleinen Seitenstraße nur wenige Meter vom Haus entfernt disappariert. Es war ein deprimierendes Bild gewesen, das sich Hermine außerhalb Snapes Haus geboten hatte. Und sie hatte sich einen Moment lang gefragt, ob der Professor hier aufgewachsen war.
„Draco sollte bald auftauchen", sagt der Professor.
„Ich bin schon da!" tönte es ihnen aus einer naheliegenden Baumgruppe entgegen.
Draco Malfoy kam ihnen, mit dem Feuerblitz auf der Schulter, entgegen. Sein Haar war vom Wind zerzaust, und auf seinen normalerweise blassen und farblosen Wangen zeigte sich ein gesundes Rot. Er trug seine Hogwartsuniform und seine grauen Augen blitzen unternehmungslustig auf. In seinem Gesicht trug er ein breites Lächeln.
Ganz offensichtlich gefiel ihm der Gedanke, mit Hermine auf dem Besen als gefeierter Held nach Hogwarts zurückzukehren. Ihr dagegen gefiel der Gedanke überhaupt nicht!
„Hervorragend!" sagte Professor Snape knapp. Dann wandte er sich Hermine zu.
„Draco hat seine Befehle direkt vom Dunklen Lord empfangen und wird Ihnen sagen, wie es weitergeht."
Der Professor sah zu Malfoy.
„Ich verlasse mich auf dich, Draco. Ich weiß, daß das schwierig für dich ist und daß du über deinen eigenen Schatten springen mußt. Aber denke daran: Sie ist die Waffe des Dunklen Lords. Sie ist nicht anzurühren und darüber hinaus, ist sie zu schützen. Wenn sie dich um Hilfe bittet, wirst du ihr Hilfe gewähren und zwar ohne weitere Fragen.
Haben wir uns verstanden?"
Draco Malfoy maß Hermine mit kühlen Blick, daß breite Grinsen war aus seinem Gesicht verschwunden. Gelassen begegnete Hermine seinen grauen Augen, und Malfoy nickte langsam.
„Sie können sich auf mich verlassen, Sir", antwortete er dem Professor.
Snape streckte Hermine seine Hand entgegen.
„Es war - interessant", war alles, was er sagte. Hermine nickte, griff nach seiner Hand, drückte sie kurz und sagte:
„Leben Sie wohl, Professor ... und danke für mein neues Leben."
Der schwarzhaarige Zauberer nickte, drehte sich um und mit einem Plopp war er aus aus ihrem Leben verschwunden.
Hermine fühlte für einen kurzen Moment einen seltsam stechenden Schmerz in ihrer Herzgegend, und unendliche Leere stieg in ihr auf.
Trauer machte sich in ihr breit. Sie hatte sich so sehr an Professor Snapes Nähe gewöhnt, daß ihr seine Abwesenheit, die Endgültigkeit ihrer Trennung, regelrecht weh tat. Gerade noch rechtzeitig besann sie sich eines besseren.
Von nun an war sie auf sich allein gestellt, jeder Fehler würde tödliche Konsequenzen haben. Nicht nur für sie selbst, sondern höchst wahrscheinlich auch für Professor Snape. Allein schon ihm zuliebe, würde sie auf sich aufpassen.
Sie wandte sich Malfoy zu.
„Nun?"
„Wir müssen mal ausprobieren, wie wir beide auf den Besen passen. Vielleicht stellst du dich einfach mal vor mich, Granger. Ich denke, es wäre am Besten, wenn du vor mir auf dem Besen sitzt. Du bist so klein, daß das wohl am ehesten klappt - und vermutlich auch am sichersten für dich ist. Denn ich habe nicht vor, langsam zu fliegen."
„Klasse, ich hasse Besen!" murmelte Hermine und trat vor Malfoy. Sie reichte ihm gerade mal bis knapp an die Schulter. Dann fühlte sie ihn in ihrem Rücken und unwillkürlich trat sie einen Schritt vor, versuchte Abstand zwischen sich zu bringen.
„So geht das nicht, Granger. Es läßt sich nicht vermeiden, daß wir in engem Kontakt zueinander auf dem Besen sitzen werden."
„Ich kann das nicht!" fauchte Hermine gereizt und wandte sich wieder Malfoy zu.
„Das ist so unnatürlich! Ich soll dir mein Leben anvertrauen, Malfoy? Dir? Woher soll ich wissen, daß du mich nicht mitten in der Luft herunterstößt? Das würde zu dir passen und dir sicherlich auch noch gefallen. Du kannst mich genauso wenig leiden wie ich dich!"
Der junge Mann maß Hermine mit kaltem Blick.
„Du bist seine Waffe, Granger! Ich würde mich niemals gegen ihn stellen, niemals! Wir müssen uns nicht leiden können, um ihm zu dienen. Und in einem kannst du dir sicher sein: Von mir hast du nichts zu befürchten - okay?!"
Hermine atmete tief durch, warf sich das Haar zurück und funkelte Malfoy zornig an.
Dann drehte sie ihm den Rücken zu, sagte:
„In Ordnung. Bringen wir es hinter uns!"
Draco legte ihr den Tarnumhang über und dann stellte er sich hinter sie, der Besen schob sich zwischen ihre Beine und Malfoy lehnte sich vor, hielt den Besenstiel mit beiden Händen fest.
Hermine war nun zwischen Draco Malfoys Brust, dem Besenstiel und seinen Armen, eingeklemmt wie in einen Schraubstock. Sie würde tatsächlich kaum vom Besen fallen können.
„Du solltest dich besser an meinen Armen festhalten, Granger. Denn jetzt gehts los!"
Der Besen schoß in die Höhe und Hermine stieß ein erschrecktes Keuchen aus, rutschte mit einem Ruck gegen Malfoys Brust, ihr Hintern schob sich fast auf sein Becken. Sie umschlang in wilder Panik seine Arme. Doch Draco Malfoy lachte auf, beugte sich noch weiter vor, während der Besen mit irrwitziger Geschwindigkeit in die Höhe schoß und Hermine so laut fluchte, daß sie damit selbst Malfoys Lachen übertönte.
Doch dieser stellte überrascht und trunken vor Freude fest, daß er Hermines Gewicht an seiner Brust und ihren Hintern zwischen seinen Schenkeln nicht einmal als unangenehm empfand. Auch ihr unentwegtes Schimpfen und Fluchen hob seine Laune beträchtlich. Und so flog dieses seltsame Paar Hogwarts entgegen und alles sprach für eine überaus dramatische Ankunft der beiden. Keiner von ihnen ahnte auch nur, daß ihre Zusammen­arbeit, die Welt für immer verändern sollte.





Ich kann nicht glauben, daß du ihm deinen Feuerblitz gegeben hast", murmelte Ron leise vor sich her. „Der Arsch ist doch bestimmt damit abgehauen. Wieso glaubst du überhaupt, daß der weiß, was mit Hermine geschehen ist? Seit fünf Monaten haben wir nichts von ihr gehört, wissen nicht mal, ob sie noch lebt oder tot ist ..."
„Ja! Aber wir haben auch keine Leiche gefunden und Malfoy hat immerhin öfters mal angedeutet -"
„Aber das hat er doch nur gesagt, um sich wichtig zu tun, Harry", unterbrach ihn Ginny.
„Ich kann mir nicht vorstellen, daß der wirklich weiß, wo Hermine ist, oder was mit ihr geschehen ist. Der spielt sich doch nur auf, spielt mit deinen Gefühlen und du läßt es zu. Kannst du nicht sehen, daß er dich nur benutzt?" fragte sie ihren Freund.
„Hermine ist meine beste Freundin, aber ... manchmal sollte man einfach einen Schlußstrich ziehen können. Deine Hoffnung macht dich angreifbar, Harry. Und Malfoy nutzt das aus. Du hast ihm deinen Tarnumhang
und den Feuerblitz gegeben, und das nur, weil er gesagt hat, er könne Hermine wieder nach Hogwarts zurückbringen. Aber warum sollte er das tun, Harry? Er verachtet jeden einzelnen von uns und ganz besonders Hermine ... Harry -"
Ginny griff nach seinem Arm, doch dieser schüttelte nur zornig ihre Hand ab.
„Fein! Dann hast du sie eben aufgegeben!Na toll! Schöne Freunde seit ihr! Aber ich hoffe immer noch! Und ich werde erst glauben, daß Hermine tot ist, wenn man mir ihre Leiche zeigt. Aber so lange werde ich hoffen und jede Möglichkeit wahrnehmen, die sie wieder zu uns zurückbringen kann. Hermine lebt! Und es ist mir egal, warum Malfoy ihr helfen will. So lange er es nur tut!"
Harry schnaubte wütend, wandte sich ab und starrte in den Himmel. Malfoy hatte gesagt, daß er am Abend mit Hermine zurückkehren würde. Der Junge mit der Narbe wußte nicht, warum er Malfoy glaubte, wußte nicht, ob er ihm überhaupt glauben sollte ... aber etwas in ihm wollte ihm einfach glauben. Wenn es auch nur die leiseste Chance gab, daß Hermine lebte, daß sie nur darauf wartete, befreit zu werden, würde er alles hergeben, was ihr die Freiheit bringen würde. Und wenn das sein Feuerblitz oder der Tarnumhang waren, dann war das nur ein geringer Preis für Hermines Leben. Schließlich war es seine Schuld, daß sie zurückgeblieben war ...

Harry starrte suchend in den Himmel. Er wußte, wie verrückt seine Hoffnung war, daß ausgerechnet Malfoy Hermine zurückbringen würde. Dessen Vater war Todesser!
Malfoy zudem Snapes Liebling! Warum ... warum nur glaubte er, daß dieser arrogante Slytherin Hermine helfen würde?
Tief in sich kannte Harry die Antwort. Er wußte, daß er sich bis an sein Lebensende Vorwürfe machen würde, sollte Hermine seinetwegen umgekommen sein. Und so klammerte er sich an jeden noch so winzigen Strohhalm der Hoffnung. Selbst wenn ihm dieser von Draco Malfoy gereicht wurde. Ginny hatte Recht, doch er wollte es sich nicht eingestehen.
Seine Augen brannten vor Anstrengung, als er den Himmel zum wiederholten Mal absuchte. Ginny und Ron standen mit ihm am Rand des Quidditchspielfelds, sahen ihm besorgt zu, und er bereute es zutiefst, sie eingeweiht zu haben.
Gegen Abend, hatte Malfoy gesagt. Gegen Abend würde er zurück sein. Harry stand jetzt schon seit einer geschlagenen Stunde am Spielfeld und hörte sich Rons und Ginnys Argumente an. Jedem einzelnen von ihnen hätte er rückhaltlos zustimmen können. Es gab keinen einzigen Grund, warum Malfoy Hermine hätte helfen sollen. Aber das war ihm egal.
Der Himmel verfärbte sich langsam, es wurde dunkler. Nicht mehr lange und die Nacht würde anbrechen. Doch Harry hatte sich vorgenommen selbst bis in die Nacht hinein am Spielfeld zu bleiben. Malfoy würde auftauchen, er mußte es ganz einfach ...
Und dann entdeckten er einen dunklen Flecken in der Ferne. Er kam schneller näher.
Harry zwickte eine Augen zusammen. Sein Herz begann vor Aufregung schneller zu schlagen. Tatsächlich konnte das nur jemand auf einem Besen sein ... und zwar auf einem verdammt schnellen Besen.
„Ich sehe was", flüsterte er heiser vor Aufregung Ginny zu und deutete dabei in die Richtung des dunklen Flecks.
„Verflucht ...", murmelte Ron ungläubig, während Ginny stumm in die angegebene Richtung blickte.
Der Fleck wurde größer, kam näher. Die Gestalt eines Jungen auf einem Besen wurde sichtbar. Und nicht genug damit. Ein Paar jeansbekleidete Beine ohne sichtbaren Oberkörper waren ebenfalls zu sehen.
Weißblondes Haar blitzte im ersterbenden Licht der Sonne hell auf. Der Besenreiter wurde langsamer, drehte eine Runde ums Spielfeld und landete schließlich knappe zehn Meter von den drei Freunden entfernt. Eine Hand wurde sichtbar und zog den Tarnumhang herunter. Den ungläubigen Blicken ihrer Freunde enthüllte sich eine vom Wind zerzauste Hermine.

„Hermine", flüsterte Harry kaum hörbar. Seine Stimme war trocken und spröde. Mit hölzernen, irgendwie unbeholfen wirkenden Bewegungen stakste er dem löwenmähnigen Mädchen entgegen.
Malfoy zog stumm den Besen zwischen sich und Hermine hervor, nahm ihr den Tarnumhang aus den Händen und stieß sie sanft in Harrys Richtung.
Hermine torkelte fast ebenso steif und unbeholfen Harry entgegen. Die ganze Zeit über blieben ihre Blick ineinander verhakt. Dann standen sie sich gegenüber. Still und stumm starrten sie einander an und Harry rannten Tränen wie ein unaufhaltsamer Strom über die Wangen.
„Hermine ...", flüsterte er mit brechender Stimme, konnte nicht mehr sagen. Seine Hand strich ungläubig über ihre Wange.
Und als ob er damit einen Bann gebrochen hätte, lagen sie sich beide plötzlich schluchzend in den Armen, und Harry flüsterte ihr immer wieder
Du lebst, du lebst! ins Ohr, wiegte sie in seinen Armen und preßte sie so hart an seine Brust, daß er ihr damit fast die Luft aus dem Leib drückte.
Hermine aber lachte erleichtert auf.
„Ja!" rief sie, „ich lebe!"
Und dann lachten sie beide vor Freude auf, griffen nach ihren Händen, sprangen wie wild auf der Stelle herum, umarmten sich dabei immer wieder. Ginny kam herbeigeeilt und umarmte ihre beiden Freunde, stimmte in ihr Lachen ein, und ihnen allen liefen Tränen der Freude und Erleichterung über die Wangen.
„Was ist geschehen?" fragte Hermine atemlos. „Wo war ich die ganze Zeit, Harry? Es kommt mir vor, als sei ich aus einem furchtbaren Alptraum erwacht. Ich erinnere mich an gar nichts mehr. Nur noch daran, daß wir im Nebel standen und die Inferi immer näher kamen ... und dann ... dann stand plötzlich Malfoy mit deinem Besen und deinem Tarnumhang in der Hand vor mir, sagte: Frag nicht, spring auf! Und weg waren wir!"
Hermine drehte sich Malfoy zu.
„Was ist geschehen?"
Alle Blicke wandten sich Draco Malfoy zu.
„Ich habe dich zurückgebracht, das ist alles."
„Aber -", begann Harry.
„Nein!" unterbrach ihn Malfoy. „Ich hab gesagt, ich bringe sie zurück. Und das hab ich getan."
Er kam auf die drei zu, drückte Harry entschlossen den Besen und den Umhang in die Hand, fügte noch mit fester Stimme an:
„Keine weitere Fragen!"
Harry starrte seinem Gegenüber kurz in die grauen Augen. Dann nicke er.
„In Ordnung."
Er streckte Malfoy die Hand entgegen.
„Danke!"
Draco Malfoy sah auf Harrys ausgestreckte Hand, hob den Blick und begegnete Harrys grünen Augen.
„Danke mir nicht, Potter. Es war das Einzige, was ich tun konnte."
Und mit diesen rätselhaften Worten ließ er Harry stehen und ging an Ron vorbei, der immer noch abseits der Dreien stand und Hermine ungläubig anstarrte. Schließlich drehte er sich wortlos um und ging. Er verschwand direkt hinter Malfoy im Dunklen.
„Was ist mit Ron?" fragte Hermine verwirrt und wie vor den Kopf gestoßen.
Kurz herrschte betretenes Schweigen, dann sagte Ginny:
„Er war fest davon überzeugt, daß du tot bist. Deine Rückkehr ...", sie stockte kurz, „... ist so was wie die Auferstehung von den Toten. Ich denke, darüber muß er erst mal hinweg kommen."
„Was!?" rief Hermine empört, „darüber, daß ich
nicht tot bin!"
„Hermine!"rief Harry beschwichtigend und umfaßte ihr Gesicht mit beiden Händen.
„Es sind inzwischen fünf Monate vergangen!"
„Was?" rief Hermine laut, befreite sich aus Harrys Griff und stieß ihn von sich .
„A- aber das kann nicht sein! Ich meine -", sie verstummte, sah hilflos Ginny an. Doch diese nickte nur bestätigend.
„... das kann nicht sein", flüsterte Hermine und sank wie betäubt aufs Spielfeld, starrte zu ihren beiden Freunden hoch und murmelte wie benommen:
„Das kann nicht sein ..."
„Es tut mir leid", flüsterte Ginny und setzte sich neben ihre Freundin, streichelte ihr die Hand.
„Fünf Monate?" wiederholte Hermine ungläubig.
Ginny nickte.
„Ich erinnere mich an gar nichts!" flüsterte Hermine und sah zu Harry hoch.

    

Alles war so viel einfacher gewesen, als es sich Hermine vorgestellt hatte. Ihre Rückkehr nach Hogwarts waren wie ein Film im Schnelldurchlauf an ihr vorüber­gezogen. Ginny und Harry hatten sie an neugierig flüsternden Schülern vorbei zu Dumbledores Büro gebracht.
Dort hatte sie der Schulleiter sanft befragt, hatte gefragt, wie es ihr ging, wie sie sich fühlte und vorgeschlagen, daß sie doch zu Madam Pomfrey gehen sollte. Doch Hermine hatte umgehend abgelehnt, gesagt, es ginge ihr gut - abgesehen von dieser Lücke in ihrem Gedächtnis. Sie hatte darauf bestanden, zu Bett zu gehen.
Gryffindors Hauslehrerin, McGonagall, hatte sich stumm die Tränen aus den Augen­winkeln gewischt, kurz Hermines Hand gedrückt und keine Einwände gehabt, als Hermine darum gebeten hatte, eins der leerstehenden Zimmer für sich selbst haben zu können. Nur Ginny war mit einem seltsam traurigen Blick in ihren Augen im Gemein­schafts­raum zurückgeblieben.

Nun lag Hermine entspannt auf ihrem Bett, sah an die Decke und konnte kaum glauben, daß sie wieder in Hogwarts war, daß ihre Rückkehr so glatt verlaufen war.
Professor Snape hatte Recht behalten. Keiner hatte nachgehakt, keiner hatte darauf bestanden, daß sie sich an irgendetwas erinnern mußte. Alle waren einfach nur erleichtert gewesen.
Natürlich war Hermine klar, daß die eigentlichen Fragen und Diskussionen über ihr Verschwinden, ihre Rückkehr und was wohl während den fünf Monaten ihrer Abwesenheit geschehen war, ohne sie abliefen ... und zwar vermutlich gerade jetzt. Aber es störte sie nicht weiter. Sie würde auch weiterhin Gedächtnisverlust vortäuschen, sporadisch am Unterricht teilnehmen, so tun als versuche sie, sich wieder einzugewöhnen.
Und zusammen mit Malfoy würde sie sich dabei ganz ihrer eigentlichen Aufgabe widmen und den Verrat an Harry und Dumbledore vorbereiten.
Malfoy klangen vermutlich gerade die Ohren, von all den Fragen, die ihm gestellt würden, dachte Hermine etwas schadenfroh. Doch Professor Snape hatte versichert, daß Dumbledore ein Schweigen akzeptierte, besonders wenn es aus Gründen der eigenen Sicherheit geschah. Für den Schulleiter zählten Ergebnisse. Und die hatte Malfoy geliefert, als er sie zurückgebracht hatte. Insoweit hatte Malfoy nichts zu befürchten.
Allein Rons Verhalten machte Hermine Kopfzerbrechen. Es verwirrte sie, daß er so abweisend auf ihre Rückkehr reagiert hatte. Das hatte sie nicht erwartet. Waren sie drei nicht ein untrennbares Trio gewesen? Nicht einmal die Liebschaften der beiden Jungs hatten das jemals ändern können.
Ein wenig verletzte sie sein Verhalten schon, und sie verstand es nicht. Fast schien es, als würde er sich nicht freuen, daß sie noch am Leben war.
Als sie aus Dumbledores Büro zurückgekommen war, hatte er schon wartend im Gemeinschaftsraum gesessen. Er war nervös aufgesprungen, war mit einem kaum merklich humpelnden Gang auf sie zugekommen (Hermine vermutete, daß er sich bei einem Spiel verletzt hatte), und hatte sie vorsichtig umarmt, als hätte er Angst, sie zu zerbrechen. Dann hatte er ganz leise gesagt, daß sie miteinander reden mußten und ihr dabei kaum in die Augen sehen können. Sie hatte genickt und war mit McGonagall in den Mädchenunterkünften verschwunden.
Merkwürdig, dachte Hermine, stand auf und begann gedankenverloren ihre Sachen in den Schrank einzuräumen. McGonagall hatte diese weggeschlossen, als sie verschwunden war.
Hatte sie nicht nach Hause schicken wollen, so lange noch unklar war, was aus ihr geworden war.
Hermine fand es nicht ungewöhnlich, ihre Sachen von Hand einräumte. Viel zu sehr war sie es gewöhnt, solche Arbeiten mit ihren eigenen Händen zu erledigen. Eine in der Zauber­welt geborene Hexe hätte sicherlich den Zauberstab benutzt, doch als Muggelgeborene hatte sie es so gelernt, und alte Gewohnheiten ließen sich nur schwer ablegen.
Später starrte sie aus dem Fenster hinaus auf den dunklen Wald. Hagrids Hütte war beleuchtet, Rauch stieg auf. Hermine freute sich schon darauf, ihren großen Freund wiederzusehen. Um ihn auszuschalten, dachte sie, würde sie sich allerdings schon was besseres als Zauberei einfallen lassen müssen. Vielleicht konnte sie ihn ja auch ganz aus dem Kampf heraushalten. Sie hatte keine Ahnung, was der Dunkle Lord geplant hatte, was in Hogwarts geschehen sollte und vor allem,
wie es geschehen sollte. Schließlich war das Schulgelände durch mächtige Zauber geschützt, ein apparieren innerhalb der Schule und dem dazugehörigen Ländereien unmöglich. Wie also sollten die Todesser hier hinein gelangen?

Sie legte sich aufs Bett und grübelte nicht länger nach. Es war einfach schön, wieder hier zu sein. Und für den Moment mußte sie nicht länger über die Pläne des Dunklen Lords nachdenken, und auch nicht über ihre eine Rolle in diesem Spiel.
Sie konnte es genießen, wieder durch die Gänge der Schule zu streifen, ihre Freunde zu sehen, mit Dumbledore zu reden und den vertrauten Geruch des Gemeinschaftsraums einzuatmen. Und doch, erkannte sie zögernd, es ließ sich nicht leugnen.
Alles war anders geworden. Es war, als würde sie nur eine Rolle spielen, als würde sie das Leben einer anderen fortführen, das nicht ihr eigenes war. Seit sie Professor Snape verlassen hatte, kam es ihr vor, als seien nur die letzten Monate in ihrem Leben real gewesen, als sei alles, was zuvor gewesen war, nur ein Traum.
Unbewußt legte sich ihre Hand auf den Arm, auf das dunkle Mal. Im fahlen Schein der Nacht konnte sie nur schemenhaft die magischen Zeichen über ihre Haut wandern sehen.

Ja, dachte sie. Alles hatte sich verändert. Müde geworden drehte sie sich auf die Seite und schlief fast augenblicklich ein.

Tief unter ihr, in den Kerkern Hogwarts, lag ein junger Mann noch lange Zeit wach auf seinem Bett und grübelte über alles mögliche nach. Draco fragte sich, wann wohl der beste Zeitpunkt war, Hermine Granger in die Pläne des Dunklen Lords einzuweihen. All zu lang durften sie nicht warten, doch andereseits mußten sie die ersten Tage verstreichen lassen. Zu viel Aufmerksamkeit lag auf allem, was Granger die nächsten Tage tun würde.
Dumbledore hatte ihn spät am Abend noch zu sich gebeten. Hatte sich für Grangers Rettung bedankt. Hatte ihn gefragt, ob er ihm genaueres sagen könne.
Doch er hatte nur den Kopf geschüttelt, gesagt:
„Ich wünschte, ich könnte, Sir. Doch ich darf nicht. Es würde mich selbst nur gefährden. Bitte geben Sie sich einfach damit zufrieden, daß Granger wieder da ist."
Dann hatte er einen Moment geschwiegen und war dem fragenden Blick des Schulleiters mit stoischer Gelassenheit begegnet. Schließlich hatte er gesagt:
„Sie weiß nichts von den vergangenen Monaten, und das ist ganz gut so, Sir. Auch ich weiß nicht viel darüber. Doch was ich weiß, läßt mich denken, daß es gut ist, daß sie sich nicht mehr daran erinnert."
Danach hatte er geschwiegen. Doch Dumbledore hatte in Dracos Blick etwas erkannt, was er dort nicht vermutet hätte. Ehrliches Mitgefühl - und noch etwas anderes hatte er darin gesehen: Schuld, Furcht, Lüge.
„In Ordnung, Draco", sagte der alte Zauberer. „Du hast heute die richtige Entschei­dung getroffen. Wenn es etwas gibt, daß du mir noch sagen möchtest, kannst du jederzeit bei mir vorbeikommen. Ich werde immer für dich da sein."
Dumbledore war auf ihn zu gegangen und hatte ihm die Hand gegeben:
„Danke, Draco."
Er hatte nicht in Dumbledores Augen sehen können, als er ihm die Hand schüttelte.
Und nun lag er in seinem Bett, starrte in die Dunkelheit und ...
Auch wenn er es nicht zugeben wollte. Hermine Granger hatte ihn beeindruckt, sehr sogar. Sie hatte jeden beeindruckt, der sie vor zwei Nächten auf der Lichtung gesehen hatte. Als er später mit seinen Eltern heimkam, hatte sein Vater sich noch lange mit ihm unterhalten, hatte ihm gesagt, daß er unbedingt mit dem
Schlammblut zusammen­arbeiten müsse, sich bei ihr unentbehrlich machen solle. Daß das wieder die Chance für die Familie sei, im Ansehen des Dunklen Lords zu steigen. Draco hatte genickt, gemurmelt, daß sie jetzt sowieso Todesser sei und damit - de facto - zu ihnen gehörte. Sein Vater hatte daraufhin vor Wut eine Vase an der Wand zertrümmert und war disappariert. Das tat er immer, wenn ihn die Wut überkam.
Und Draco erinnerte sich auch an die Schuld, die er auf sich geladen hatte, weil er vor fünf Monaten geschwiegen und nichts getan hatte. Nun, da er in Hogwarts für Grangers Sicherheit verantwortlich war, würde er dies wiedergutmachen. Nicht weil sein Vater es wollte, sondern weil er es wollte.

Draco drehte sich zur Seite und dachte müde, daß sich alles verändert hatte ...

Und so schliefen diese beiden so unterschiedlichen jungen Menschen einer Zeit entgegen, die sie für immer verändern sollte. Sie schliefen friedvoll, während sich der dunkle Planet unter ihnen drehte und die Echos der Vergangenheit und der Zukunft durch die uralten Gemäuer Hogwarts hallten ...


... und hier endet die Geschichte.




Nachwort:


Das also war die Geschichte von Hermine, wie sie zur Kriegerin und Todesserin wurde. Und von Snape, der zum ersten Mal in seinem Leben der Liebe begegnet, und sie wieder ziehen lassen mußte.



Wie geht es weiter?


Die Geschichte von Draco und Hermine wird im Labyrinth der Finsternis weitererzählt.

Die beiden werden über gefährliche Geheimnisse stolpern und sehr viel über sich selbst erfahren. Nur ob sie es so genau hatten wissen wollen?

Natürlich wird es auch zu einem Wiedersehen mit Snape kommen. Jedoch erst, wenn es zum großen Entscheidungskampf kommt, wenn Draco und Hermine alles vorbereitet haben. Und dann wird sich zeigen, ob das Schicksal diejenigen begünstigt, die sich ihm mutig entgegen stellen oder ob es jeden zerschmettert, gleichgültig wie tapfer man auch ist.


Auch wird sich noch zeigen müssen, ob es eine Chance für Hermine und Snape gibt, oder ob alles, was zwischen ihnen geschehen ist, nur flüchtige Momente der Leidenschaft waren.


Ihr dürft also weiterhin gespannt bleiben.


Bis die Geschichte online geht, wird noch Zeit verstreichen, ich bitte um Geduld. Doch die Story ist größtenteils fertiggeschrieben (wobei ich schon wieder am Erweitern der Erzählung bin). Doch ich beabsichtige, sie noch vor Erscheinen von Buch 7 (21.07.07) auf meiner HP hochzuladen (ich versuche es, ehrlich. Hab aber inzwischen Zweifel ob's klappt. Die Story wird immer länger *stöhn*).

Nach Erscheinen des 7ten Buchs wird sowieso alles anders sein, und viele Gedankengänge und angenommene Charaktereigenschaften werden sich als falsch erweisen. *grummel* Anderer­seits ist diese Story ohnehin eine AU Geschichte. (Gott sei dank!)


Danke fürs Lesen meiner Geschichte.

Wenn sie dir gefallen hat, schickt mir doch ein Feedback. Darüber freue ich mich und es die einzige Anerkennung, die wir FanFic Schreiberlinge für unsere Arbeit bekommen. :-)