
Titel: Das Herz der Dunkelheit
Autor:
Darkchild
Kategorie: Drama, Abenteuer, Erotik
Inhalt:
Hermine und Snape sind wie vom Erdboden
verschwunden. Während des letzten Einsatzes des Phönixordens
ist etwas entsetzlich schiefgegangen und um Hermines Leben zu retten,
mußte Snape sie zu den Todessern mitnehmen. Doch auch hier ist
ihr Leben in Gefahr und Snape bleibt am Ende nur eine Wahl, will er
sie retten: Er muß sie in den Dunklen Künsten ausbilden.
Doch kann das gut gehen? Kann Hermine der Dunkelheit in ihrem eigenem
Herzen widerstehen? Und was hat diese alte, längst verdrängte
Erinnerung Snapes damit zu tun? Eine Erinnerung, in der ihm einst
gesagt wurde, es sei sein Schicksal, eine muggelgeborene Hexe zu
einer furchtbaren Waffe auszubilden ...
FSK:
17 Jahre
Status: Abgeschlossen
betagelesen
von Natalie
"Das
Böse lebt nicht in der Welt der Dinge.
Es lebt allein
im Menschen."
(aus China)
Kleine
Gebrauchsanleitung:
Nichts von den Geschehnissen zum
Ende des Sechsten Buchs ist in dieser Geschichte geschehen. Sie
spielt nach Ende des sechsten Schuljahres, zu Beginn des siebten.
Auch habe ich einige Ereignisse dazu erfunden, die so im sechsten
Buch nicht geschehen sind:
Harry, Ron und Hermine sind inzwischen
Mitglieder des Ordens, sie sind volljährig und der Betrieb in
Hogwarts geht normal weiter. DD ist weiterhin Schulleiter, Draco nach
wie vor auf der Schule. Snape und Hermine begannen bereits zu Ende
des sechsten Schuljahres im Geheimen an einer Zusammenarbeit zum
Lokalisieren der Horkruxe. Keinem der beiden gefiel diese
Zusammenarbeit, doch die Ergebnisse sprachen für sich. Alle
Horkruxe wurden gefunden und bis auf einen entschärft. Bei einer
dieser geheimen Reisen kam es allerdings zu einem tragischen Unfall,
bei dem Hermine von einem unbekannten Fluch getroffen wurde, der ihr
danach das Apparieren unmöglich machte ...
Bitte
beachtet, daß mein Phantasiesnape altersmäßig dem
des Buchs entspricht (also in dem Fall 38 Jahre). Ich hoffe, ihr
werdet an der Geschichte Spaß haben, denn sie bietet alles vom
Abenteuer bis zur Romantik. Zur Warnung noch:
Zu Beginn der
Geschichte konnte ich es mir nicht verkneifen, mich eines der
Lieblingsklischees in Bezug auf Todesser zu bedienen. Ihr werdet
schon lesen, was ich meine. Die gesamte Geschichte unterteilt sich in
zwei Hauptthemen, welches ich in drei Teile unterteilt habe:
Das
Herz der Dunkelheit (Schwerpunkt Snape / Hermine /
Todesser)
Labyrinth der Finsternis (Schwerpunkt Hermine
/ Draco / Hogwarts)
Jenseits der Dunkelheit (ein
Epilog)
Altersfreigabe ist ab:
+16
(wegen
teilweiser schwieriger aber auch erotischer Inhalte. Das ist keine
Geschichte für Kinder. Bitte übernehmt Verantwortung für
euch.)
Disclaimer:
Dies ist eine nicht kommerzielle FanFic, die aus purer
Freude an Frau Rowlings Universum geschrieben wurde. Die darin
verwendeten Figuren und Schauplätze sind geistiges Eigentum von
J.K. Rowling (und teilweise Warner Bros.), die sämtlichen Rechte
daran besitzen. Das einzige, was mir gehört ist ein
Vorratsschrank, ein Labyrinth, ein paar Zaubersprüche, die
Geschichte selbst sowie die Idee zu dieser Geschichte. Mein tief
empfundener Dank geht an Frau Rowling für ihr Geschenk an uns:
der Welt des Harry Potters.
Kapitel 1: Verschlungen von der Finsternis
~~~~
Mit
einem leisen Plopp tauchte die Gestalt des hakennasigen Mannes
aus dem Nichts auf. Es waren nur wenige Stunden vergangen, das er
genau von dieser Stelle aufgebrochen war, stellte Severus Snape
missmutig fest.
Ein lautes Lachen drang durch die Bäume bis
zu ihm vor, und Snape fragte sich, was die versammelten Todesser so
zum Lachen reizte.
Ganz wohl war ihm bei dem Gedanken nicht, und
so machte er sich eilig auf zum Versammlungsplatz.
Am frühen
Abend hatte er dort Hermine Granger zurückgelassen, wohl
wissend, daß dies nicht der sicherste Ort für sie war.
Doch er hatte sie unmöglich zu seinem letzten Auftrag mitnehmen
können. Zudem brauchte er die Erlaubnis des Dunklen Lords, sie
als Waffe gegen Potter und Dumbledore ausbilden zu können.
Sollte der Lord ihm diese Erlaubnis verweigern, würde er das
Mädchen auf der Stelle töten, selbst wenn er sich dadurch
den Unwillen seines Herren zuzog. Es wäre in jedem Fall ein
gnädigeres Schicksal, als das, was Todesser ansonsten mit
Schlammblüter zu tun pflegten.
Daß der Dunkle Lord noch
nicht da war, wußte Snape. Das dunkle Mal brannte nicht oder
ließ sonst erkennen, daß ihr Herr anwesend war.
Snape
eilte durch den dichten Wald und je näher er dem
Versammlungsplatz kam, desto lauter wurde das Stimmengewirr und
Gejohle. Das Lachen klang gehässig und verhieß nichts
Gutes. Seine Besorgnis verstärkte sich nur.
"Antonin",
hörte Snape Amycus sagen, "du hast es ihr nicht richtig
besorgt. Sie kann ja immer noch stehen."
Der Professor
fühlte, wie etwas in ihm zu Stein wurde. Er biß die Zähne
zusammen und erreichte die Lichtung.
In einem lockeren Kreis von
Todessern, manche maskiert, andere ohne Masken, stand eine
schwankende Hermine Granger. Sie hielt den Kopf gesenkt, ihr Haar
verhüllte ihr Gesicht und der lange Umhang ihren Körper.
"Was
soll das?" knurrte er heiser und die Todesser in seiner Nähe
wichen überrascht zurück. Er ging schnell und ohne
anzuhalten weiter, griff nach dem Arm des Mädchens und wollte
sie aus dem Kreis ziehen. Doch sie schreckte vor ihm zurück,
stolperte und fiel zu Boden. Die Todesser lachten.
Snape warf der
auf dem Boden liegenden Hermine einen abschätzenden Blick zu,
dann herrschte er sie an:
"Stehen Sie auf!"
Ungeschickt
erhob sie sich. Dem Professor entging nicht, daß sie vor Furcht
zitterte, noch übersah er, daß sie offensichtlich
Schmerzen hatte. Doch sie sah nicht auf, starrte weiterhin zu Boden
und ihre Haarmähne verdeckte ihr Gesicht.
"Was ist los,
Miss Granger?" höhnte er. "Hat Ihnen die
Gastfreundschaft der Todesser die Sprache verschlagen?"
Amüsiertes
Lachen ringsum. Antonin Dolohow, den Amycus zuvor angesprochen hatte,
lachte am lautesten. Der Professor registrierte, wie Hermine beim
Klang seiner Stimme zusammenzuckte.
"Dabei habe ich sie wie
eine Kostbarkeit behandelt, Snape!" sagte Dolohow. "Kein
verdammtes Haar habe ich ihr gekrümmt - im Gegenteil."
Wieder lachten die Todesser und einer rief:
"Sie sind zu
früh zurück gekommen, Snape. Wir waren noch nicht alle
dran!"
Und die Erkenntnis traf ihn wie ein Schlag ... er
hatte es gewußt! Natürlich hatte er es von dem Moment an
gewußt, in dem er das Lachen gehört hatte. Doch sein
Verstand hatte sich geweigert, das Entsetzliche zu begreifen, hatte
sich geweigert ... seine schwarzen Augen verengten sich.
"Sie
haben …", er richtete den Zauberstab auf Hermine,
flüsterte etwas und für einen Moment hüllte sie
grünlichgelbes Licht ein, "das Mädchen
vergewaltigt!"
Wütend drehte sich Snape in Dolohows
Richtung, seine Hand fuhr scharf durch die Luft und der Todesser flog
von der Wucht des unsichtbaren Schlages getroffen einige Meter
zurück, wo er mit einem tiefen Schnitt im Gesicht halbbewußlos
liegen blieb.
"Sie Narr!" flüsterte der Professor
gefährlich leise. "Ich hatte doch gesagt, daß sie
nicht anzurühren sei. Ich brauche sie intakt. In diesem Zustand
ist sie kaum noch zu etwas gebrauchen."
"Na ja",
erwiderte einer der maskierten Todesser daraufhin gelassen, "dann
können wir ja dort weitermachen, wo wir aufgehört haben.
Schätze ich bin jetzt am Zuge. Es sei denn Sie möchten
zuerst ..."
Der Todesser sah Snape an und wies auf die
schwankende Gestalt Hermines.
Snape warf Hermine nur kurz einen
desinteressierten Blick zu.
Die junge Frau starrte stumm zu
Boden, gab keinen einzigen Laut von sich. Es war offensichtlich, daß
sie am Ende ihrer Kräfte war.
"Keiner rührt das
Schlammblut an", sagte Snape halblaut. "Ich habe sie nicht
zu eurem Vergnügen hierhergebracht. Sie soll gegen Potter und
Dumbledore eingesetzt werden - und das werdet ihr mir das nicht
verderben!"
Dolohow hatte sich zwischenzeitlich erhoben und
sich das Blut aus dem Gesicht gewischt.
Unverholener Haß
blitzte in seine Augen.
"Das werden Sie büßen,
Snape. Keiner schlägt mich ungestraft!"
Der
schwarzhaarige Lehrer für Zaubertränke wandte sich Dolohow
zu und schritt so schnell auf den großen Todesser zu, daß
dieser erschrocken zurückwich. Die anderen hatten kaum Zeit
Snape aus dem Weg zu gehen, stolperten förmlich auseinander. Die
schwarze Robe des Zaubertrankmeisters bauschte sich auf, umgab
ihn wie die ausgebreiteten Schwingen eines Raben.
Dann blieb er
abrupt und nur wenige Zentimeter vor dem großen Todesser
stehen. Er lächelte den blaß gewordenen Dolohow spöttisch
an. Doch der Spott reichte nicht tiefer als bis zur Oberfläche
seiner Haut; Snapes Augen hingegen blieben eiskalt und ohne jede
Regung.
"Ich stehe zu Ihrer Verfügung, Antonin.
Jederzeit und an jedem Ort Ihrer Wahl. Ein Duell unter Zauberer. Wann
immer Sie wollen ...
Vielleicht gleich jetzt?"
Ein leises
zischendes Lachen hallte über die Lichtung. Durch Snape ging ein
Ruck und seine Augen verdunkelten sich um eine weitere Nuance. Immer
noch starrte er Antonin Dolohow an. Dann jedoch drehte er sich auf
den Fersen um und schritt ebenso zügig wie zuvor in Richtung des
Lachens.
"Mylord", flüsterte er und kniete in einer
eleganten Bewegung vor der dunklen Gestalt nieder, die sich aus dem
Schatten der Bäume gelöst hatte. Demütig senkte der
Lehrer für Zaubertänke sein Haupt.
"Severus",
hallte es es leise zischend über die Lichtung. "Ich bin
überrascht.
Warum gönnst du Antonin nach den langen
Jahren in Askaban nicht ein wenig Entspannung? Und nun, nachdem du
ihn erneut aus Askaban befreit hast, gönnst du ihm nicht mal den
kleinen Spaß... Meinst du nicht, daß er sich das verdient
hätte? Für all die Jahre, die er dort in meinem Namen
eingesessen hat? Erheb' dich, Severus, sprich frei und sag mir, was
du denkst."
Ein ungläubiges Murmeln war von den
Todessern zu hören. Severus Snape war nach dem Debakel im
Zaubereiministerium in der Gunst des Dunklen Lords hoch gestiegen.
Und dies schmeckte keinem der hier versammelten Todesser. Denoch ließ
sich nicht bestreiten, daß die beim damaligen Einsatz
Gefangengenommenen nur Dank ihm wieder frei waren. Dolohow
eingeschlossen.
Snape stand auf und sah in Voldemorts rote
Schlangenaugen. Kein Muskel rührte sich im Gesicht des
Zaubertranklehrers, seine Augen blieben finster wie erstarrte Lava.
"Mylord, wir sind Zauberer und keine Muggel. Wir sollten uns
nicht mit ihnen paaren, noch mit ihren Abkömmlingen. Weder aus
Lust noch aus Verachtung. Allein der Gedanke daran ist so widerlich,
daß ich mich übergeben möchte! Ich hab einen Plan für
die da", Snape wies kurz in Hermines Richtung, "und nur
weil sich diese lüsternen Narren hier nicht unter Kontrolle
haben, könnte er scheitern."
Die roten Reptilienaugen
Voldemorts starrten Snape reglos an. Dann wandte sich der Dunkle Lord
von ihm ab und ging in Hermines Richtung. Snape drehte sich um; seine
Augen folgten Voldemort.
Hermine, die die plötzliche Stille
um sich herum wahrnahm, hob kurz den Kopf und sah hinter dem Schleier
ihrer Haare Voldemort auf sich zukommen. Kein klarer Gedanke war mehr
in ihr. Nicht mehr, seit die Todesser sie gedemütigt und
vergewaltigt hatte - wieder und wieder.
Immer noch konnte sie
Dolohows groben Hände an ihrem Körper spüren und der
Schmerz in ihrer Leibesmitte ließ ebensowenig einen Zweifel an
dem, was geschehenen war zu, wie die klebrige Spur, die zwischen
ihren Schenkeln die Beine entlanglief.
Daß Voldemort nun
auf sie zukam, war zuviel. Hermines Beine gaben nach, sie brach in
die Knie und würgte. Doch da war nichts, das sie noch hätte
von sich geben können. Pure Angst schnürte ihr die Kehle
zu, und sie fragte sich, ob das, was der Dunkle Lord mit ihr tun
würde, schlimmer sein konnte, als das, was sie gerade erlitten
hatte.
Doch Voldemort ging an ihr vorüber, beachtete sie gar
nicht. Und Hermine preßte sich vor Erleichterung die Hand vor
den Mund. Versuchte ihr Schluchzen zu unterdrücken, um nicht
doch noch seine Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Wie erstarrt blieb
sie am Boden sitzen, wagte nicht aufzusehen, sich umzudrehen oder
irgendwo anders hinzublicken, als in das Gras vor sich. Ihr war, als
sei gerade ein Wirbelsturm an ihr vorübergezogen, ohne ihr auch
nur ein einziges Haar zu krümmen.
"Nun, Antonin, was
sagst du zu Severus' Anschuldigung? Bist du nichts weiter als ein
perverser alter geiler Narr? Denkst nur bis zur sofortigen
Befriedigung deiner Bedürfnisse? Machst die Pläne meines
geschätzten Doppelspions zunichte, nur weil du so ein
widerwärtiger Perversling bist?"
"Mein Lord! Ich -"
und dann brach Dolohows empörte Stimme ab und ging in schrilles
Kreischen über. Hermine hielt sich die Ohren zu, weil sie das
Heulen, Keuchen und die Schreie ihres Peinigers nicht ertrug; Tränen
rannen ihr über die Wangen.
Wer auch immer glaubte, daß
ein weiteres Unrecht das selbst erlittene wettmachte, lag falsch.
Hermine verspürte keine Befriedigung, als sie Dolohows gequälten
Schreie hörte, sie wünschte sich nicht, daß er ebenso
litt, wie sie gelitten hatte, wünschte sich keine Rache ... das
einzige, was sie sich wünschte, war, daß es endlich vorbei
war. Daß dieser Alptraum endlich ein Ende fand.
Und dann
trat Stille ein.
Hermine hatte sich nicht gerührt, hatte
zusammengekrümmt und erstarrt dagesessen; alles in ihr fühlte
sich versteinert und kalt an. Nur der bohrende Schmerz in ihrer
Leibesmitte erinnerte sie noch daran, daß sie am Leben
war.
Wieder fühlte sie, wie eine dunkle Präsenz an ihr
vorüberging. Sie sah nicht auf. Sie hörte Snape und
Voldemort leise miteinander reden und wenig später sagte Snapes
Stimme ruhig neben ihr:
"Stehen Sie auf, Miss Granger. Wir
verlassen diese Gesellschaft."
Es dauerte, und erst nach dem
vierten Versuch schaffte es Hermine, stehen zu bleiben. Keiner half
ihr, doch dieses Mal lachte auch keiner der Todesser.
"Folgen
Sie mir."
Hermine hob den Kopf, jedoch nur soweit, daß
sie Snapes Rücken sehen und ihm folgen konnte. Sie sah sich
nicht um und wollte auch nicht wissen, ob ihr Vergewaltiger noch
lebte oder tot war. Sie wollte einfach nur weg.
"Hier, trinken Sie", sagte der Lehrer für
Zaubertränke. Seine Stimme war wie immer. Leise und distanziert.
Hermine griff nach dem Becher den ihr Snape reichte, ohne ihn
anzusehen. Sie hatte bisher keine einziges Wort mit ihm gewechselt
und beabsichtigte auch nicht, dies zu ändern. Immer noch hingen
ihr die Haare wirr im Gesicht und auch das beabsichtigte sie nicht zu
ändern. Dahinter konnte sie sich gut verbergen und keiner konnte
sie zwingen, ihn anzusehen.
Vorsichtig schnupperte sie am
dampfenden Inhalt des Bechers und als erstes stieg ihr der strenge
Geruch des Baldrians in die Nase. Sie nahm einen kleinen Schluck vom
Trank und konnte neben dem fast schon alles überdeckenden
bitterem Geschmack des Baldrians weitere Substanzen herausschmecken.
Der Trank würde ihr einen traumlosen schmerzfreien Schlaf
bringen, erkannte sie und trank den Becher in einem Zug aus,
verdrängte den Schmerz, den die heiße Flüssigkeit
beim Herunterschlucken verursachte. Dann stellte sie den Becher
auf dem kleinen wackligen Tisch ab. Sie wartete auf das Einsetzen der
Wirkung des Tranks und lange mußte sie nicht warten. Ihre
Augenlider wurden schwer, ihr Kopf sank still auf ihre Brust und ihr
Bewußtsein in gnädige Dunkelheit.
Snape hatte einfach
nur dagestanden. Hatte gewartet bis ihre gleichmäßigen
Atemzüge ihm verrieten, daß sie tatsächlich
eingeschlafen war. Nun schwenkte er den Zauberstab und die schlafende
Hermine erhob sich in die Luft. Ein weiterer Schwenk des Zauberstabs
und sie lag ausgestreckt wie auf einer unsichtbaren Pritsche da.
Es
war das erste Mal, daß sich der Lehrer für Zaubertränke
die Zeit nahm, seine Schülerin genauer ansehen. Zu sehr war er
darum bemüht gewesen, ihr Leben zu retten und sich selbst nicht
zu verraten. Doch was er nun sah, ließ ihn erahnen, was sie
durchgemacht hatte.
Hermines Gesicht zeigte eindeutig Spuren von
Schlägen. Ein Auge war zugeschwollen, blaue Flecken, Kratzer,
blutige Lippen. Der Professor erkannte, daß sie sich ihre
Lippen selbst blutig gebissen hatte. Vermutlich in dem verzweifeltem
Versuch, nicht zu schreien.
Erbrochenes hing in ihrem Haar,
klebte auf ihrem zerrissenem Shirt. An ihren Handgelenken sah er
dunkle Verfärbungen, blaue Flecken.
Blutergüsse - nein,
Snape korrigierte sich - widerliche Knutschflecken, waren voller
Absicht an ihrem Hals hinterlassen worden, sollten sie noch in den
nächsten Tage an diese Nacht erinnern.
Der schwarzhaarige
Zauberer seufzte und mit einem weiteren Zauber fielen Hermines
Kleider von ihr ab. Er mußte sehen, was ihr ihre Peiniger
angetan hatte, um ihr ausreichend helfen zu können.
Snapes
Augen wanderten mit professioneller Distanz über Hermines
Körper. Er notierte in Gedanken all die Prellungen, die von
Tritten her rührten, die tiefen Schnitte, die ihr vermutlich
durch Flüche zugefügt worden waren sowie die zahllosen
blauen Flecken und Blutergüsse, die besonders um ihre Brüste
und Schenkel zu sehen waren. Ihre blutverschmierte Scham war ein
letzter Beweis für den schmerzhaften Verlust ihrer
Jungfräulichkeit, für ihr erlittenes Martyrium.
Weder
Snapes Miene noch seine Augen verrieten irgendetwas von seinen
Gedanken. Wie immer unterdrückte er alle Emotionen. Er wußte
nur zu gut, wie schwach Mitgefühl machte; wie sehr Gefühle
einen beeinflußbar machten. Dies waren Dinge, die er sich nicht
erlauben konnte.
Er war Severus Snape, Doppelspion und Todesser.
Er tanzte auf des Messers Schneide, und ein einziger falscher Schritt
bedeutete unweigerlich den Tod.
~~~~
Snape hüllte
Hermine in eine dünne fadenscheinige Decke und ließ sie
auf das schäbige Sofa hinabsinken. Dann sprach er einen
Wärmezauber über ihr aus.
"Wurmschwanz", rief
er laut, wohl wissend, daß Peter Pettigrew in der Nähe
war. Und tatsächlich kam der kleine Mann sofort herbeigewuselt,
tat erschreckt, als er Hermine sah.
"Aber das ist doch Harry
Potters kleine Schlammblutfreundin! Was macht die denn hier?"
Er
beugte sich vor und sah sich Hermine genauer an. Dann zog er
angewidert die Nase kraus, als er den Geruch des Erbrochenen
wahrnahm.
"Uhh, was ist denn mit der passiert?"
"Eine
kleine Kollision mit ein paar unserer Freunde - allen voran Antonin
Dolohow. Du wirst jetzt einen großen Waschzuber herbeischaffen,
und diesen mit heißem Wasser füllen. Anschließend
...", Pettigrews Augen leuchteten begehrlich auf - und Snape
formulierte den Satz, den er auf den Lippen hatte, um, "... und
anschließend werde ich Miss Granger säubern."
Kaum hatte er den Satz ausgesprochen, ärgerte er sich auch
schon darüber. Er hatte definitiv keine Lust, Hermine Granger zu
waschen, und ebenso ärgerte er sich über diesen leisen
Anflug von Menschlichkeit in sich.
Doch anderseits hatte seine
Schülerin für eine Nacht genügend Demütigungen
ertragen müssen. Von einem weiteren Widerling mußte sie
sich nun wirklich nicht mehr anfassen lassen. Selbst wenn das hieß,
daß er selbst sie waschen mußte.
"Du tust, was
ich dir aufgetragen habe, Wurmschwanz. Ich bin unten im Labor. Hol
mich, wenn du alles zu meiner Zufriedenheit erledigt hast. Und wenn
du es gut gemacht hast, bekommst du eine Belohnung."
Snapes
Labor war dem in Hogwarts nachempfunden. Es lag im Keller, der, im
Gegensatz zum restlichen Haus, einen gepflegten und sauberen Eindruck
machte. Es war der einzige Bereich seines Hauses, in dem sich der
Professor wirklich zu Hause fühlte. Abgesehen von der
Küche.
Snape hatte sich nie viel aus materiellen Dingen
gemacht. Zaubertränke, Bücher und Magie waren sein Leben.
Was darüber hinaus ging nur Luxus.
Kaum im Labor angekommen
suchte er sich alle erforderlichen Zutaten zusammen und begann an
mehreren Tränken gleichzeitig zu arbeiten.
Zwei der Tränke
würden heilende Badezusätze sein, sie würde die
Blutergüsse verschwinden und die Narben der Schnitte verblassen
lassen, sobald die Wunden verheilt waren. Zwei weitere Tränke
würden ihre innere Wunden verheilen lassen. Für sich selbst
braute der hagere Zauberer auch gleich einen Trank, der ihm
emotionale Stabilität verlieh. Auch ihm hatte die heutige Nacht
viel abverlangt.
Wurmschwanz - so hatte er sich entschlossen -
würde er mit einem berauschenden Trank belohnen. Sein lästiger
Mitbewohner liebte die halluzinogenen Tränke, mit denen er ihn
ab und zu mal belohnte. Vor allem aber würde Wurmschwanz ihm
dann keine weiteren Fragen stellen oder hinter ihm
herschnüffeln.
Keine Stunde später klopfte es
zaghaft an der Tür zum Keller.
"Severus", Snape
verzog das Gesicht. Er mochte es nicht von Pettigrew mit seinem
Vornamen angesprochen zu werden. "Alles ist
vorbereitet."
Schnell füllte er die Flüssigkeiten
in die entsprechenden Flaschen, steckte sie ein und verließ das
Labor. Pettigrew stand wartend vor der Tür.
"Zeig mir,
was du gemacht hast."
Wurmschwanz wuselte wieder vor ihm her
und führte ihn in einen kleinen Raum, der von Snape für
alle möglichen magischen Zwecke genutzt wurde. Es war ein Raum,
der dem Raum der Wünsche nicht unähnlich war, wenn auch
nicht so vielseitig. Doch immerhin vermochte der Raum für die
jeweiligen Zwecke, zu denen er gebraucht wurde, angepaßt
werden.
Pettigrew hatte eine große dreieckige dunkelblaue
Wanne hineingezaubert. Tatsächlich war die Wanne so groß,
daß sie genügend Platz für zwei bot. Heißes
dampfendes klares Wasser füllte sie und kleine goldene Lichter
zogen darin gemütlich ihre Bahnen; Goldfischen nicht unähnlich.
Boden und Wände erweckten den Eindruck mit hellblauem
italienischem Marmor ausgekleidet zu sein, von der Decke hing direkt
über der Wanne ein großer Spiegel. Der Raum war vom Schein
dutzender leuchteter Kerzen in ein warmes Licht getaucht, der Duft
von Sandelholz erfüllte die Luft dieses luxuriösen
Bads.
"Was soll das, Wurmschwanz? Glaubst du ich will mich
mit diesem kleinen Schlammblut hier vergnügen? Ich sagte einen
WASCHZUBER. Wie soll ich die Kleine hierin waschen, ohne selbst dabei
naß zu werden?"
"Aber, aber ich dachte ..."
"Ich
sehe sehr wohl, was du gedacht hast, Wurmschwanz!" unterbrach
ihn Snape grob. "Paß den Raum meinen Bedrüfnissen an
und du bekommst deine Belohnung."
Er griff sich in die Tasche
und hielt Pettigrew eine grünlich leuchtende Phiole
entgegen.
"Und zwar schnell ..."
"Ja, Severus,
sofort. In weniger als 10 Minuten hast du den Raum so, wie du ihn
verlangst."
"Und ich brauche Handtücher,
Waschlappen und so ein Zeug ..."
"Kein Problem, kein
Problem ... alles wird zu deiner Zufriedenheit erledigt!"
Snape
ließ den nun hektisch umhereilenden Pettigrew zurück und
dachte verächtlich, daß sich dieser mehr und mehr in einen
Hauself verwandelte.
Kaum zu glauben, daß Lord Voldemort
diesem häßlichen Gnom seine Rückkehr verdankte.
Snape setzte sich in den alten Sessel gegenüber des
Sofas und sah zu Hermine. Er bedauerte, daß er die Situation,
in der er sie zurückgelassen hatte, nicht richtig
eingeschätzt hatte. Er hatte erwartet, daß sich die
Todesser an das halten würden, was er gesagt hatte.
Er hatte
erwartet, daß sie seinem Wort ebenso gehorchen würden, wie
dem Wort des Dunklen Lords. Galt er doch seit Lucius Malfoys Versagen
als Lord Voldemorts engster Vertrauter. Doch er hatte sich getäuscht.
Hermine Granger hatte den Preis für seine Fehleinschätzung
bezahlt.
Aber er hatte sie von Anfang an gewarnt. Hatte ihr
gesagt, daß es gefährlich sei, ihn um Schutz zu bitten. Er
hatte gesagt, daß er ihr Leben nicht garantieren könne.
Der schwarzhaarige Mann stand auf und nahm ein Glas aus dem
kleinen wurmstichigem Vitrinenschrank, der völlig versteckt und
unauffällig zwischen den Bücherreihen stand. Dann griff er
in seinen Umhang, holte aus einer der vielen im Futter des Umhangs
verborgenen Taschen eines der Fläschchen heraus und schüttete
die goldfarbene Flüssigkeit ins Glas. Er tippte mit dem
Zauberstab ans Glas und sagte deutlich:
"Schottischer Single
Malt Whisky, 25 Jahre, Isle of Lewis."
Sofort stieg ihm der
aromatische rauchige Duft eines alten, erstklassigen schottischen
Singelmalts in die Nase und der Professor gestattete sich ein
seltenes Lächeln.
Vor vielen Jahren war er für einige
Zeit auf den Western Isles gewesen. Dort hatte er das
unbeschreibliche Gefühl von Freiheit genossen. War mit den
Adlern über die wilden Bergketten Harris' geflogen, hatte mit
den Raubmöven im Sturmwind gejagt. Bis ihn seine Vergangenheit
wieder eingeholt und sich Freiheit für einen wie ihn nur als
unerreichbarer Traum erwiesen hatte ...
Doch ein Schluck des guten
Singelmalt der Western Isles gab ihm immer wieder die Erinnerung an
diese glücklichste Zeit seines Lebens zurück. Auch wenn es
sich dabei nicht wirklich um einen Singelmalt handelte, sondern nur
um einen Zaubertrank, den er geschmacklich seinen Wünschen
angepaßt hatte. Nichtsdestotrotz brannte der Trank wie Whisky
in seiner Kehle und seinen Blick wanderte zu Hermine Granger
zurück.
Erstaunlich, wunderte er sich, daß sie
immer noch Jungfrau gewesen war. Soweit er sich erinnerte, mußte
sie irgendwann zu Beginn des Schuljahrs 18 geworden sein. Dennoch
hatte sie noch nie Sex gehabt.
Seit einem halben Jahr arbeitete
er mit ihr nun schon zusammen. Es war eine erzwungene Zusammenarbeit.
Keiner von ihnen beiden hatte sie gewollt.
Ihre unfreiwillige
Zusammenarbeit hatte schon zu Ende des letzten Schuljahres begonnen,
versteckt und im Verborgenem. Hatte begonnen, als Dumbledore Potter
in das Geheimnis der Horkruxe eingeweiht hatte und dieser seine
Freunde auch noch einweihen mußte.
Er und Granger hatten
sich auf Dumbledores Geheiß zusammengesetzt, hatten sich
zunächst nur angeknurrt und gar nicht miteinander reden wollen.
Doch nachdem sie mit ihren Feindseligkeiten aufgehört hatten und
einander zuhören, waren sie sehr erfolgreich gewesen. Und er
hatte sich zähneknirschend eingestehen müssen, daß
auf den Schultern seiner Schülerin ein klügerer Kopf ruhte,
als er bis dahin angenommen hatte.
Tatsache war, daß sie
gemeinsam das Geheimnis um die noch unbekannten Horkruxe gelüftet
hatten und alle lokalisieren können. Nur daß sie sich
zwischendurch am liebsten gegenseitig umgebracht hätten, stand
auf einem anderen Blatt ...
Nichtsdestotrotz war es eine gute
Idee Dumbledores gewesen. Doch es hatte ihn einiges an Überwindung
gekostet seine bisherige Schülerin im Rahmen dieser
Zusammenarbeit als gleichrangige Partnerin anzusehen.
Doch Hermine
Granger hatte es schon nach kurzer Zeit geschafft, ihn zu verblüffen.
Sie hatte eine interessante und sehr strukturierte Art an die Dinge
heranzugehen, seiner eigenen gar nicht unähnlich. Sie war
intelligent, hartnäckig und geduldig. Und sie konnte sich fast
bis ins Detail an alles erinnern, was sie jemals gelesen hatte. Er
hatte erkennen müssen, daß dabei keine Zauberei im Spiel
war, wie er früher mal vermutet hatte, sondern daß sie
über ein fast schon fotografisch zu nennendes Gedächtnis
verfügte.
Vor ihrer erzwungener Zusammenarbeit hatte er nur
ihre impertinente Art ständig auf alle Fragen Antworten zu
wissen, ihr ewiges fast wortwörtliches Zitieren aus Büchern
und das so nervende Gryffindorabzeichen an ihrer
Schuluniform, von ihr wahrnehmen können. Doch inzwischen hatte
er andere Eigenschaften an ihr kennen- und schätzengelernt.
Und
tatsächlich hatte er, als ihre Zusammenarbeit beendet war, die
hitzigen nächtlichen Diskussionen vermißt. Sie gehörte
in der Tat zu den wenigen Menschen, die ihm intelektuell gewachsen
waren.
Hatte sie überhaupt einen Freund, fragte sich der
Professor in diesem Moment. Er hatte sich nie darüber Gedanken
gemacht. Tatsächlich war er davon ausgegangen, daß einer
ihrer ständigen Begleiter - Potter oder Weasley - ihr Freund
war. Doch anscheinend hatte er sich getäuscht.
Er wußte
wenig über die Schüler jenseits seines eigenen Hauses. Und
er wußte erstaunlich wenig von dieser junge Frau, mit der er
über so viele Monate hinweg, so viele Nächte
durchgearbeitet hatte.
Nicht das ihn ihr Leben wirklich jemals
interessiert hätte. Dafür war er viel zu beschäftigt
gewesen - mit seinem eigenen Überleben.
"Fertig!"
rief Pettigrew.
"Dann hoffe ich mal, daß es dieses Mal
besser ist", murmelte Snape, trank sein Glas leer und deutete
mit dem Zauberstab auf Hermine, die wieder in die Höhe schwebte
und eingehüllt in ihrer dünnen Decke hinter ihm
herschwebte.
Besser,
dachte Snape, als er den nüchternen Raum betrat, der nun
lediglich einen kniehohen, etwa halben Meter breiten und eineinhalb
Meter langen Bottich beherbergte. Ein großer Stapel mit
sauberen Handtüchern lag auf einem Stuhl und aus dem klaren
Wasser im Bottich stieg warmer Dampf. Die Wände waren
holzverkleidet, kein unnötig schwülstiger Schnickschnack
stand herum, und auch die romantische Kerzenbeleuchtung war
ein paar hellen Öllampen gewichen.
"Das hast du gut
gemacht, Wurmschwanz."
Snape griff in seinen Umhang und holte
die Phiole hervor, die er ihm zuvor gezeigt hatte.
"Angenehme
Träume", sagte er und warf Pettigrew das Fläschchen
zu.
Dieser fing es geschickt auf und verschwand ohne ein weiteres
Wort.
Snapes Zauberstab schloß die Tür und verriegelte
sie magisch. Dann zog er die Decke von der über dem Boden
schwebenden Hermine weg.
Kritisch begutachtete er die
Schnittwunden.
Hatte sich Greyback an dem Mädchen vergangen?
Stammten die Wunden von seinen krallenartigen Nägeln? War der
überhaupt anwesend gewesen? Er hatte nicht darauf
geachtet.
Snape griff nach den Flaschen im Innern seines Umhangs
und holte sie heraus. Dann streifte er seinen Mantel ab, ließ
mit einem Schwenk des Zauberstabs einen Aststumpf aus der Wand
wachsen, und legte ihn darüber. Aufseufzend rollte er sich die
Ärmel hoch.
Das dunkle Mal auf seinem linken Unterarm
schimmerte tintenschwarz im Licht der Öllampen; Snape beachtete
es nicht. Sein halbes Leben war es schon dort, gehörte zu ihm,
wie all die furchtbaren Erinnerungen, die es ihm eingebracht hatte.
Sein Zauberstab glitt über die Wunden hinweg, seine
leise gemurmelten Beschwörungen ließen das Fleisch
zusammenwachsen, in weniger als einer Viertelstunde waren die tiefen
Schnitte verheilt und nur noch häßliche frische dunkelrote
Narben blieben zurück. Auch dem zugeschwollenen Auge hatte er
sich gewidmet, und es wieder abschwellen lassen. Dennoch lag immer
noch ein dunkler Bluterguß um ihrem Auge. Doch dieser würde
verschwinden, sobald er ihn mit der dafür vorgesehenen
Tinktur betupft hatte. Allerdings konnte er dies erst tun, wenn sie
vollständig gereinigt war. Ein Schwenk des Zauberstabs ließ
allen Dreck von Hermine abfallen. Dennoch würde er sie waschen
müssen, da die heilenden Tinkturen jeden Zentimeter ihrer Haut
berühren mußten.
Der Professor ließ Hermine noch
einmal langsam um ihre eigene Achse drehen. Vorsichtig glitten seine
Finger über eine besonders lange Narbe quer über ihrem
Rücken.
Nein, dachte er schließlich. Greybacks Hände
hätten an ihren Hüften, Handgelenken, den Schultern und
Schenkeln die Wunden hinterlassen, nicht aber am Bauch, den Armen und
quer über den Rücken. Ganz offensichtlich hatte man sie mit
Flüchen gefoltert, bevor man sie vergewaltigt hatte.
Snape
ließ nicht zu, daß beim Anblick von Hermines geschundenen
Körper Betroffenheit in ihm aufstieg.
Er überprüfte
noch einmal, ob alle offenen Wunden verheilt waren, dann öffnete
er die Flasche mit der blauer Flüssigkeit, ließ sie ins
Wasser laufen und dirigierte Hermines Körper in den Bottich mit
dem heißen Wasser.
In Hermines Gesicht zuckte es kurz, als
sie ins Wasser eintauchte. Die Wärme und der Auftrieb des
Wassers schienen ihr Bewußsein aus ihrem traumlosen Schlaf
hochzutreiben. Doch Snape entging das, da er fluchend zur Seite
sprang, als das verdrängte Wasser aus dem Bottich
schwappte.
Verdammt, warum hatte er nicht so weit gedacht? Der
Bottich war viel zu voll gewesen.
Ein Schwenk seines Zauberstabs
beseitigte die große Wasserlache und der Zaubertrankmeister
griff nach dem Schwamm.
Ein echter Schwamm wie er irritiert
feststellte. Wo hatte Pettigrew den nur so schnell aufgetrieben? Für
einen Moment überraschte ihn das Organisationstalent seines
verräterischen Mitbewohners. Dann aber tauchte er den Schwamm
ein und begann Hermine das Haar aus dem Gesicht zu streichen, und sie
zu waschen.
Vorsichtig wischte er ihr die Spuren der Tränen
aus ihrem Gesicht. Er kam an ihren Mund und wollte gerade das
eingetrocknete Blut wegwischen, als Hermine mit einem
schmerzerfüllten Laut die Augen aufriß und ihm direkt in
die schwarzen Augen starrte.
Ihr gequälter Blick ließ
ihn erstarren, und ging ihm durch Mark und Bein. Er verfluchte sich,
weil er vergessen hatte, daß sie sich fast die Lippen
durchgebissen hatte. Diese Wunde war immer noch offen und der
Schmerz, ausgelöst durch die Berührung und der Wärme
des Wassers, hatte sie wieder ins Bewußtsein
zurückgeholt.
Hermine starrte ihn in blinder Panik an, wußte
nicht, wo sie war, noch wie sie hierher gekommen war, daß
einzige, woran sie sich erinnerte, war, daß man sie gefoltert
und vergewaltigt hatte, daß Männer ihr weh getan und
Frauen über ihren Schmerz gelacht hatten.
Und nun war da
dieses Gesicht vor ihr, nur wenige Zentimeter von ihrem eigenen
entfernt, daß Gesicht des Mannes, der sie immer ignoriert oder
schlimmer noch, verhöhnt hatte. Der niemals eine Gelegenheit
ausgelassen hatte, sie seine Verachtung spüren zu lassen.
Jahrelang war sie nur mit Bauchweh in seinen Unterricht gegangen,
und das obwohl sie sein Fach so sehr liebte.
Snape! Professor
Snape! Er war hier und würde sie verletzten, würde ihr weh
tun, so wie die anderen Männer, nur um sie seine Verachtung
spüren zu lassen. Nur um ihr zu zeigen, daß sie nichts
wert war, daß sie in seinen Augen nur ein dreckiges Schlammblut
war, es nicht verdiente, in seiner Welt zu leben ...
Und sie stieß
ihn mit aller Kraft von sich, Blut rann ihr aus den Mundwinkeln.
Die Wunde war wieder aufgebrochen, doch sie merkte es nicht.
Sie
keuchte, schrie:
"Nein! Bitte nicht! Nicht auch noch Sie,
Professor Snape! Das ertrage ich nicht! Nicht noch einmal! Und nicht
Sie! Bitte, nicht auch noch Sie!"
In ihrer Panik
versuchte sie aufzustehen, versuchte von diesem Mann wegzukommen, der
sie und ihre Freunde immer drangsaliert hatte, der nie auch nur ein
einziges Wort der Anerkennung für ihre Arbeit übrig hatte,
nicht einmal während der letzten Monate.
In Hermine gab es
nicht den geringsten Zweifel, daß er sie aus dem tiefsten Grund
seiner Seele verachtete. Sie glaubte zu wissen, daß er Freude
daran haben würde, sie in der Art zu demütigen, wie nur ein
Mann eine Frau demütigen kann.
Und hier, jenseits des
Schutzes der Mauern Hogwarts, jenseits des Schutzes Dumbledores,
würde er ihr sein wahres Gesicht zeigen; würde er sie das
wahre Ausmaß seiner Verachtung spüren lassen.
Sie
rutschte aus, fiel zurück und bemerkte, daß sie nackt in
einem Botich lag und Snape völlig ausgeliefert war. Ihr Herz
schlug so schnell, daß sie glaubte, sie müsse sterben -
und in diesem Moment wünschte sie es sich sogar.
Doch nichts
dergleichen geschah. Snape blieb wie versteinert dort sitzen, wo ihn
der Schwung ihres Stoßes hinbefördert hatte, das wilde
Hämmern in ihrer Brust beruhigte sich und nur noch der Geschmack
ihres eigenen Blutes in ihrem Mund war das einzig reale in der Welt.
Sie fühlte die warme Spur von Tränen auf ihren Wangen
und starrte weiterhin den Professor an.
In sein Gesicht war für
die Dauer ihres Blickkontakts ein Ausdruck grenzenloser
Fassungslosigkeit eingebrannt, als könne er nicht glauben, daß
sie von ihm annahm, er wolle sie vergewaltigen.
Und dann erinnerte
sich Hermine vage daran, was er auf der Lichtung zu Voldemort gesagt
hatte, nämlich daß ihm allein schon beim Gedanke an eine
Paarung mit Muggel und deren Abkömmlingen übel wurde.
Und
sie erkannte, daß sie in Sicherheit war. Daß sein eigener
Ekel vor Menschen wie ihr, ihn davon abhalten würde, ihr weh zu
tun.
Hermine atmete aus und ihre Verkrampfung löste sich.
Der rationale Teil ihres Bewußtseins erkannte, daß Snape
sie tatsächlich nur gewaschen und vermutlich sogar ihre Wunden
geheilt hatte.
Sie sank langsam zurück in den Bottich, das
warme Wasser schwappte um sie, und sie ließ sich kraftlos immer
tiefer und tiefer ins Wasser gleiten, bis nur noch ihre Knie
herausragten, ihr Kopf aber langsam im Wasser versank.
Menschen,
so erinnerte sie sich in diesem Moment, waren schon in wenigen
Zentimeter tiefen Pfützen ertrunken. Und ertrinken, so sagte
man, sei kein schlechter Tod.
Hermine atmete unter Wasser aus.
Nach einem kurzen instinktiven Moment des Zögerns zwang sie
sich, das Wasser einzuatmen. Ihr erster Impuls war, wieder hustend
und spuckend an die Oberfläche zurückzukommen. Doch sie
überwand ihre Überlebensinstinkte und atmete unter Wasser
einfach weiter. Alle Luft entwich ihren Lungen, ihre Hände
verkrampften sich schmerzhaft um den Rand des Bottichs und doch, sie
zwang sich, auch weiterhin unter Wasser zu bleiben.
Und das
Wasser war so gnädig, ihr zu erlauben, diesem unbezwingbaren
Reflex des Einatmens zu folgen. Schon bald würde der
Sauerstoffmangel in ihrem Blut zur Bewußlosigkeit führen
und dann würde sie, ohne weitere Umstände, einfach
ertrinken.
Ihre Gedanken wurden schon träge, entglitten ihr.
Ihre Hände lösten sich und versanken im Wasser. Ein dunkler
Schatten erschien über ihr, und voller Sehnsucht erwartete sie
den Tod.
Doch statt dessen zog sie eine Hand grob an ihren Haaren
aus dem Wasser, wo sie sich anschließend fast die Lunge aus dem
Leib hustete.
Keuchend, hustend und nach Atem ringend starrte sie
in die schwarzen brennenden Augen ihres Professors. Sie versuchte
etwas zu sagen, brachte jedoch nur ein Krächzen zustande, das
sie wiederum zum Husten reizte. Rasselnd füllten sich ihre
Lungen mit Luft.
"Schschhh", sagte Snape, hielt ihr den
Zauberstab an die Lippen und während sie weiterhin keuchend um
Atem rang, murmelte er eine Beschwörung und ihre Lippen
verheilten. Dann griff er nach dem Schwamm und wischte ihr Blut und
Speichel aus den Mundwinkeln und vom Kinn.
Wieder versuchte
Hermine etwas zu sagen, doch nur ein weiterer Hustenanfall war die
Folge.
"Warum, fragen Sie sich, Miss Granger?"
Hermine
nickte.
"Kein Selbstmord in meinem Haus - und auch nicht in
meiner Nähe. Nicht, solange ich es verhindern kann. Niemand wird
sich in meiner Anwesenheit diesen billigen Ausweg erlauben
dürfen."
Snape hielt ihr ein Fläschchen an die
Lippen.
"Hier, trinken Sie das. Und dann halten Sie still.
Ich muß Sie waschen."
Hermine trank und ließ
sich anschließend von Snape waschen. Nie faßte er sie mit
der bloßen Hand an und seine Berührungen mit dem Schwamm
waren von professioneller Distanz.
Nicht einmal, als er sie in
ihren intimsten Bereichen säuberte, kam der Verdacht von
Zweideutigkeit auf. Er war vorsichtig, sanft, gründlich und von
pedantischer Genauigkeit. Geradezu so, als würde er einen
Zaubertrank brauen. Und Hermine war ihm für seine
Distanziertheit zutiefst dankbar.
Der Trank, den Snape ihr
verabreicht hatte, machte sie müde und träge. Sie fühlte,
wie dieser in ihr Dinge in Gang setzte, die in ihrem Inneren Heilung
bewirkten.
Sie wünschte sich, es gebe eine Möglichkeit
ihrem Lehrer für Zaubertränke zu sagen, wie dankbar
sie ihm war. Doch da sie wußte, wie sehr er sie verabscheute,
war es vermutlich besser zu schweigen, als ihn unnötig zu
reizen. Er würde nur Dinge sagen, die sie verletzen.
Snape
stand auf und brachte eine Flasche mit tiefrotem Inhalt zurück.
Er öffnete sie, schüttete den Inhalt schweigend in den
Bottich und sagte dann zu Hermine:
"Verteilen Sie die
Flüssigkeit, bis sich das Wasser von lila zu nachtblau wandelt.
Dann tauchen sie im Wasser unter und bleiben so lange unter Wasser,
wie sie es aushalten. Keine Tricks!"
Hermine verstand sehr
wohl, was er mit Keine Tricks meinte.
Sie verteilte mit
der Hand die Flüssigkeit, sah zu, wie sich das Wasser von einem
freundlichen babyblau in ein tiefes lila wandelte und schließlich
dunkler wurde, um fast schon in einem tintenschwarz zu enden.
Als
das Wasser die dunkle Farbe annahm, fühlte sie überall auf
ihrem Körper ein Prickeln, als ob tausende von Luftbläschen
sie berührten.
Doch das Wasser blieb ruhig und tiefblau,
kein einziges Luftbläschen war zu sehen.
"Untertauchen!"
befahl Snape.
Hermine holte tief Luft und tauchte unter. Sie
fühlte wie Snape ihren Kopf mit dem Schwamm noch tiefer ins
Wasser hinein schubste und sie öffnete den Mund um die
Flüssigkeit auch an die Innenseite ihrer wunden Wangen kommen zu
lassen.
Dann tauchte sie wieder auf und sah, daß Professor
Snape ihr Handtücher entgegenhielt.
"Trocknen Sie sich
ab. Die wundersame Heilung ist fast schon abgeschlossen."
Der
Sarkasmus in Snapes Stimme war nicht zu überhören.
Hermine
trocknete sich ab, und Professor Snape starrte zwischenzeitlich die
Wand an. Es wäre ihr auch egal gewesen, wenn er ihr dabei
zugesehen hätte. Sie stellte fest, daß es ihr überhaupt
nicht peinlich war, daß der Professor sie nackt sah.
Für
sie war der Professor genauso wenig ein Mann, wie sie für ihn
eine Frau.
"Fertig", sagte sie, er drehte sich um und
richtete den Zauberstab auf sie.
Entsetzt riß sie die Augen
auf.
"Wenn ich Sie hätte töten oder foltern
wollen, Miss Granger, hätte ich mir nicht die Mühe gemacht,
Sie vorher zu waschen", sagte der Professor mit gewohnt bissiger
Ironie in der Stimme.
Eine geflüsterte Beschwörung
später schwebte sie waagrecht in der Luft und Snape betupfte
ihre Blutergüsse und Narben mit einer weiteren Tinktur. Nach
dreimaligem Betupfen begannen die Narben wie auch die Blutergüsse
zu verblaßten, wobei nur die Blutergüsse vollständig
verschwanden. Die Narben blieben zurück, sahen aber nach der
Behandlung nur noch hell aus, geradezu so, als hätten sie diese
schon seit Jahrzehnten am Körper. Und tatsächlich
verschwand auch der Schmerz, den die frischen Narben ausgestrahlt
hatten.
Snape löste den Bann und Hermine stand wieder - ein
wenig zittrig zwar noch, doch immerhin - auf ihren eigenen Beinen.
Sie sah an sich herunter, und bis auf die blassen Narben auf ihrer
Haut, erzählte nichts mehr vom Schmerz und der Erniedrigung, die
sie heute Nacht erlitten hatte.
Snape hielt ihr noch eine weitere
Phiole entgegen. Ihr Inhalt war klar und durchscheinend.
„Trinken
Sie das. Ihr Körper braucht Ruhe und auch Ihr Geist.
Wenn
Sie aufwachen, wird die Erinnerung an das Geschehene nur noch die
Erinnerung an einen bösen Traum sein. Sie werden nicht
vergessen, was geschehen ist, aber es wird nicht mehr so weh tun.
Nicht so sehr wie heute."
Hermine sah Snape forschend an und
unterdrückte die Tränen, die ihr in die Augen steigen
wollten. Dies waren die ersten Worte von ihm, die ein wenig Mitgefühl
verrieten.
Sie tat, was er gesagt hatte, trank, und
augenblicklich gaben ihre Knie unter ihr nach und die Augen fielen
ihr zu.
„Oh!" flüsterte sie überrascht und
von der sofortigen Wirkung des Tranks völlig überrumpelt.
Sie glaubte zu spüren, daß der Professor sie auffing und
in seine Arme nahm. Aber das mußte sie sich einbilden - denn
Snape ekelte sich vor ihr, und würde sie niemals anfassen.
Nicht, wenn es sich irgendwie vermeiden ließ - und schließlich
hatte er seinen Zauberstab.
Aber dennoch glaubte sie zu spüren,
wie ihr Kopf auf dunklem Stoff ruhte, wie starke Arme sie fest an
eine warme Brust drückten, sie hochhoben und wegtrugen.
Sie
fühlte sich leicht wie eine Feder, glaubte zu schweben ... und
ein wundervoller Duft umhüllte sie. Es duftete nach
Zaubertränken, nach alten Büchern und Pergamentrollen. Und
eingehüllt in diesem vertrauten Duft fand ihr gequältes
Herz Ruhe und Geborgenheit.
Zwischenspiel Hogwarts:
Etwa eine Woche Zeitdifferenz und einige hundert Meilen
liegt zwischen den bisher geschilderten Ereignissen und dem, was hier
geschrieben steht.
„Harry", versuchte
Dumbledore den kurz vor der Explosion stehenden jungen Mann zu
beruhigen. „Ich weiß, daß du dir Sorgen machst -
doch das hilft jetzt kein bißchen weiter. Der Orden hat
intensiv nach Hermine gesucht. Aber wir konnten keine Spur von ihr
finden."
Dumbledore verstummte, nur um dann leise
fortzufahren:
„Vielleicht sollten wir mit dem Schlimmsten
rechnen."
"Nein! Das glaube ich nicht. Sie muß
leben, sie kann nicht tot sein. Sie ist meine beste Freundin - meine
allerliebste Freundin! Sie ist für mich das, was einer Schwester
noch am nächsten kommt. Sie ist nicht tot!"
"Harry,
mein Junge ..."
"Nein! Sie ist nicht tot - niemals!"
Der
junge Mann drehte sich um und ließ Dumbledore einfach stehen.
Der Schulleiter wußte, daß Harry dies nicht aus
Respektlosigkeit tat, sondern weil er kurz davor stand, sich zu
vergessen.
Aufseufzend setzte sich Dumbledore hinter seinen
Schreibtisch und fragte sich, was bei der Jagd auf den letzten
Horkrux schiefgelaufen war. So viele von ihnen waren in diesem Kampf
verletzt, ja sogar schwer verletzt worden.
Doch das Schlimmste
war, daß alles umsonst gewesen war. Denn den Horkrux hatten sie
nicht in die Hände bekommen. Es schien, als sei dieser letzte,
der mächtigste von allen. Und vermutlich war dem so. Da Nagini
doch über ein eigenes Bewußtsein, eine eigene Seele
verfügte.
Auch das eine Armee der Inferi sie erwartet hatte,
war etwas, womit keiner hatte rechnen können. Vieles an dieser
Geschichte, stellte Dumbledore fest, roch nach Verrat.
Der
alte Zauberer stand von dem Gedanken beunruhigt auf, ging ans
Fenster. Er starrte hinaus in die heraufgezogene Nacht auf das
regenverhangene Hochland Schottlands und fragte sich, ob er beim
letzten Kampf Hermine für immer verloren hatte oder ob sein
Vertrauter und Freund Severus etwas für sie hatte tun können.
So vieles war ungeklärt und viel zu viel offen. Zu diesem
Zeitpunkt in ihrem Kampf gegen Voldemort schien alles möglich,
und nichts unmöglich zu sein.
Dumbledore machte sich
Vorwürfe. Er hätte niemals erlauben dürfen, daß
Harry, Ron und Hermine dem Orden beitraten. Doch die drei hatten fest
darauf beharrt, kaum daß sie siebzehn geworden waren. Und er,
der nie ernsthaft daran gedacht hatte, sie zu Einsätzen
mitzunehmen, hatte schließlich zugestimmt.
Ursprünglich
hatte er gehofft, die drei so besser unter Kontrolle halten zu
können. Denn ihre eigenmächtigen Touren waren von Jahr zu
Jahr gefährlicher geworden. Besonders seitdem sie wußten,
daß, bevor Voldemort endgültig besiegt werden konnte,
zuerst alle seine Horkruxe vernichtet werden mußten.
Die
Überraschung an dieser Geschichte war, daß sie im
vergangenen halben Jahr tatsächlich alle Horkruxe gefunden
hatten. Die Schlange allerdings hatten sie wieder an die Todesser
verloren. Doch die restlichen fünf waren zwischenzeitlich
vernichtet. Den ersten Horkrux, Vorlosts Ring, hatte er selbst
zusammen mit Severus vernichtet. Seine vertrocknete Hand war der
Preis dafür gewesen, den Ring hatte er zur Erinnerung daran
behalten.
Zwei weitere Horkruxe, Slytherins Medallion und
Huffelpuffs Becher hatte Hermine zusammen mit Severus lokalisieren
können und gemeinsam hatten sie die Horkruxe vernichtet. Die
Zusammenarbeit der beiden hatte sich als überraschend
fruchtbar herausgestellt.
Hermine und Severus waren während
ihrer geheimen Zusammenarbeit haarsträubenden Vermutungen
gefolgt, hatten sich nächtelang durch uralte Pergamentrollen
gelesen, waren gemeinsam ins Denkarium gegangen, hatten die
Erinnerungen Fremder nach wichtigen Hinweisen durchforstet, hatten
versucht, die entscheidenden Informationen aus der Fülle des
Informationsangebots herauszufiltern, und oft genug hatten sie
sich anschließend nur widerstrebend zusammengesetzt, um
ihre Schlußfolgerungen miteinander zu kombinieren. Daß
sie sich nicht mochten, war jedem klar gewesen, und oft genug war es
bei ihrer nächtlichen Zusammenarbeit ziemlich lautstark
zugegangen. Er selbst hätte allerdings nie gedacht, daß
Hermine sich Snape gegenüber so durchsetzungsstark zeigen würde,
noch hätte er angenommen, daß Severus ernsthaft mit
Hermine zusammenarbeiten würde.
Doch das Schicksal, dachte
Dumbledore versonnen, sorgt für so manchen seltsamen
Bettgefährten - wie man so schön sagte. Und auch wenn er
zwischen den beiden oft die Wogen hatte glätten müssen und
manchmal wie ein Übersetzer zwischen ihnen fungierte, hatten sie
doch am Ende für die Dauer ihrer Forschungen ihre Vorurteile und
Differenzen beiseite gelegt und waren immer effizienter zu ihren
ungewöhnlich aber immer zutreffenden Ergebnissen gekommen.
Ohne
die beiden wäre die damals noch unbekannten Horkruxe,
Gryffindors Armreif in Godric Hollow und der Kristalldolch des
Schlangengotts Nagaraja aus dem
Mannaarsaala Tempel in Kerala, unerkannt
und unentdeckt geblieben.
Doch um den Kristalldolch in ihre Hände
zu bekommen, hatte Hermine einen furchtbaren Preis bezahlt. Als sie
mit Harry und Ron im Alleingang den Dolch stahl, traf sie ein
unbekannter Fluch, der sie für einige Wochne furchtbarste
Haluzinationen und Schmerzen erleiden ließ. Nur Severus
Heiltränken verdankte sie ihre geistige Gesundheit. Rund um die
Uhr hatte er nach ihr gesehen und ihr immer wieder seine Tränke
eingeflößt. Als sie schließlich wieder gesundete,
stellte sich heraus, daß sie nicht mehr apparieren konnte.
Hermine hatte später gemeint, daß dies nur ein
geringer Preis dafür sei, daß sie einen weiteren Horkrux
gefunden und vernichtet hatten, doch Dumbledore wußte es
besser. Er wußte, wie sehr sie unter dem Verlust ihrer
Fähigkeit litt.
Und während all dieser Zeit war ihm
der vorsichtig wachsende gegenseitige Respekt Hermines und Severus'
füreinander nicht entgangen. Was für ihn zu den
überraschendsten und zugleich erfreulichsten kleine Wendung
am Rande dieses großen Krieg gegen Voldemort zählte.
Der
alte Zauberer fragte sich, ob er richtig gehandelt hatte, als er
Severus vorschlug, endgültig zu den Todessern zu wechseln. Es
beunruhigte ihn, immer noch nichts von ihm gehört zu haben, und
er fragte sich, was geschehen war.
Es war ungewöhnlich, daß
sich Severus nicht wenigstens durch seinen Patronus bei ihm meldete,
und in ihm keimte der Verdacht auf, daß etwas ganz furchtbares
geschehen war.
Allein die Tatsache, daß sämtliche der
Gefangenen von Askaban entkommen waren, sprach schon dafür. Denn
der ursprüngliche Plan hatte nur einige wenige der dort
einsitzenden Todesser freisetzten sollen. Es hatte der Preis sein
sollen, mit dem sich Severus seine Rückkehr zu den Todessern
erkaufen und das Wohlwollen Voldemorts hätte sichern sollen.
Warum nur waren alle Todesser entkommen? Warum alle anderen der
in Askaban einsitzenden kriminellen Zauberer? Dumbledore konnte sich
nur vorstellen, daß die ganze Lage eskaliert und das Pulverfaß
Askaban explodiert war. Und Severus hatte im Zentrum dieser Explosion
gestanden.
Lebte sein langjähriger Verbündeter noch?
Und wenn er noch lebte, hatte er eine Möglichkeit gehabt,
Hermine zu retten? Und wenn dem so war, warum war Hermine nicht
wieder bei ihnen? Die Todesser würden Hermine kaum am Leben
lassen. Sie hatte für diese keinen Wert.
Seit dem letzten
Einsatz des Ordens standen zu viel Fragen offen, sie hatten nichts
gewonnen, aber viel zuviel verloren.
Der alte Mann wandte
sich vom Fenster ab und schenkte sich ein Glas Wein ein. Die
rubinrote Flüssigkeit füllte das Kristallglas und Fawks,
der neben dem Schreibtisch auf seiner Stange saß, gab einen
fragenden Laut von sich. Dumbledore lächelte ihm beruhigend zu
und streichelte ihm geistesabwesend das Gefieder.
Dann trat er
erneut ans Fenster und starrte hinaus. Er machte sich große
Sorgen.
Um Hermine ebenso wie auch um Severus. Er konnte und
wollte sich nicht vorstellen, daß auch nur einer der beiden tot
war. Obwohl sich in seinem Herzen langsam Zweifel einschlichen. Doch
noch verdrängte er diese. So lange nicht das Gegenteil bewiesen
war, mußte er einfach daran glauben, daß die beiden noch
am Leben waren.
Der weißhaarige Mann starrte in die
verregnete Nacht und nippte am Wein. Er fragte sich, was die Zukunft
bringen würde, und wie viele seiner Freunde er noch verlieren
würde.
~~~~
"Und?" fragte Ron.
"Er
weiß nichts!" fauchte Harry seinen im Krankenflügel
liegenden Freund an, nur um sich gleich darauf hin wieder bei ihm zu
entschuldigen. Ron lag seit ihrem letzten Kampf hier, denn St. Mungos
war hoffnungslos überfüllt. Nachdem Ron soweit stabilisiert
worden war, das er auch außerhalb Mungos weitergepflegt werden
konnte, hatte man ihn auf die Krankenstation in Hogwarts überführt.
Sein rothaariger Freund hatte während des letzten Kampfs so
viele Flüche abbekommen, daß man ihm in St. Mungo sein
Bein am Oberschenkel hatte abnehmen müssen. Es war ohnehin ein
Wunder, daß Ron noch lebte, daß die Todesser ihm im
letzten Kampf nicht den Rest gegeben hatten. Sie hatten sich im
Durcheinander der tödlichen Flüche und der
voranmarschierenden Inferi aus den Augen verloren und erst viele
Stunden später hatte ihn seine Mutter, schwerverletzt und kaum
noch am Leben, auf dem verlassenen Schlachtfeld gefunden und
zurückgebracht.
Seit dem lag Ron im Krankenflügel der
Schule und Harry besuchte ihn jeden Tag, versuchte ihn aufzumuntern,
obwohl ihm selbst so schwer ums Herz war. Oft saß Luna an Rons
Bett und erzählte ihm Geschichten von seltsamen
Verschwörungstheorien oder las ihm vor. Sie war die einzige, die
ihn zum Lachen bringen konnte, die einzige, bei deren Erscheinen
seine Augen kurz aufleuchteten. Doch im Augenblick war sie nicht da
und er und Harry waren allein.
"Wo steckt eigentlich Snape?"
fragte Ron in diesem Augenblick Harry. "Hast du Dumbledore mal
nach ihm gefragt? Wieso hört man gar nichts mehr von dem. Ist
der jetzt eigentlich auf unserer Seite oder doch ein Verräter?
Und wieso konnten all die eingebuchteten Todesser aus Askaban
fliehen, während wir einfach nur noch um unser Leben gekämpft
haben? Wo war Snape damals, und wo steckt er jetzt?"
"Snape!"
spie Harry den Namen mit unversöhnlichen Haß aus.
"Wenn
der Kerl noch lebt und Hermine nicht, dann schwör ich dir, Ron,
ich bringe ihn eigenhändig um! Der hält uns doch alle zum
Narren.
Doppelagent. Pah! Daß ich nicht lache! Der
Kerl wird sich auf die Seite schlagen, die am Ende gewinnt.
Aber das werde ich nicht zulassen. Wegen dem sind meine Eltern
umgekommen, und dafür wird er bezahlen, daß schwör
ich dir, Ron. Ich weiß nicht, warum Dumbledore ihm traut, aber
er täuscht sich. Das spür' ich. Ich sag dir ..."
Ronald
Weasley schaltete ab. Er hatte Harrys Endloshetzereien Snape
gegenüber inzwischen ziemlich satt. Snape war sicherlich keiner,
dem man so ohne weiteres über den Weg traute, und er war
ein Arschloch. Doch Ron hatte nicht vergessen, wie sehr dieser um
Hermines Gesundheit nach ihrem gescheiterten Abenteuer in Kerala
gekämpft hatte, und so lange Dumbledore ihm traute, würde
er Snapes Glaubwürdigkeit nicht in Frage stellen. Obwohl er sich
schon fragte, warum man gar nichts mehr von ihm gehört hatte.
Aber Snape war ihm egal. Mehr Sorgen machte er sich um Hermine,
fragte sich, wo sie geblieben war. Er wußte nicht, was davon zu
halten war, daß der Orden keine Informatonen über die
beiden herausbekam oder warum Dumbledore so beharrlich zu Fragen über
Snape schwieg.
Aber es waren auch keine Leichen gefunden worden.
Weder von Snape noch von Hermine. Es gab keinerlei Hinweise darauf,
daß die beiden nicht am Leben waren. Und allein der
Mangel an Informationen gab Ron Hoffnung, daß seine Freundin
noch am Leben war und Snape sie vielleicht hatte retten können.
Schließlich standen sie auf der selben Seite, oder nicht?
Ron
Weasley warf einen Blick auf Harry, der immer noch über
Snape herzog. Es war erstaunlich, wie viel Harry zum Thema Snape zu
sagen hatte. Er selbst hätte sich mit ein, zwei Sätzen
begnügen können. Andererseits, wenn Snape am Tod seiner
Eltern Schuld gewesen wäre, dann würde er vermutlich auch
anders über diese zu groß geratene Fledermaus denken,
dachte Ron schuldbewußt und hörte noch die letzten Worte
von Harrys Hetzkampagne.
"... dir mal Gedanken darüber
gemacht, was die beiden in den letzten Monaten sonst noch so im
Kerker gemacht haben?" fragte ihn Harry.
"Gemacht? Was
meinst du mit 'gemacht'?" antwortete ihm Ron und fragte
sich verwirrt, was er gerade verpaßt hatte.
"Ist dir
den gar nicht aufgefallen, daß Hermine nicht mehr über
Snape hergezogen ist, seit die beiden zusammensaßen und
versuchten, die Horkruxe zu finden?"
"Oh ... umm ...
Hermine ist nie über Snape hergezogen, Harry. Sie hat
eigentlich immer mit Respekt von seinen Fähigkeiten als
Zaubertrankmeister gesprochen, auch wenn sie ihn nie gemocht hat.
Außerdem hat sie meistens von ihm als Professor Snape
gesprochen, selbst wenn er gar nicht da war. Sag mal, geht es dir
gut, Harry? Du bist irgendwie so komisch seit der Begegnung mit der
Schlange - sie hat zu dir gesprochen, nicht wahr?"
Harry sah
seinen Freund betroffen an. Benahm er sich wirklich so komisch?
Aber
Ron hatte den Nagel auf den Kopf getroffen. Die Schlange, die einen
Teil der Seele Tom Riddles in sich trug, hatte tatsächlich
zu ihm gesprochen. Und sie hatte gewußt, daß nur
er sie verstehen würde, aber das war nicht das Schlimmste
...
"Harry?"
"Du hast Recht, Ron",
flüsterte Harry tonlos. "Sie hat zu mir gesprochen - aber
ich kann mich nicht mehr erinnern, was sie gesagt hat. Sie
sprach und dann fing die Narbe plötzlich an zu brennen, mein
Kopf fühlte sich an, als würde er gleich explodieren und
ich wurde wegappariert ..."
Ron runzelte die Stirn und
unterbrach Harry.
"Wie? Das versteh ich nicht. Du wurdest
wegappariert? Was meinst du damit?"
"Das bedeutet, daß
mich irgendetwas ohne mein eigenes zutun wegapparierte. Etwas, das
ich nicht war, das aber meine eigenen Fähigkeiten zum apparieren
benutzte. Etwas hat mich benutzt, Ron! Und das letzte,
was ich noch sah, war Hermine, die versuchte, die Inferi zu bannen,
ich sah die Angst in ihrem Gesicht und die Enttäuschung, weil
ich verschwand.
Ich hatte sie mit in den Kampf genommen! Es lag
in meiner Verantwortung, mit ihr wieder zu disapparieren. Du weißt
doch, daß sie seit diesem Fluch in Indien nicht mehr apparieren
kann. Alles ist meine Schuld! Daß das in Indien passiert ist,
daß sie nicht mehr apparieren kann und dann habe ich sie auch
noch auf dem Schlachtfeld im Stich gelassen ...", flüsterte
Harry, "... ganz allein. Und das ist alles, woran ich mich noch
erinnere. Nur noch an ihre Angst, an die Enttäuschung in ihrem
Gesicht ... und an die Inferi, die immer näher kamen, uns
langsam einschlossen ... und dann war ich weg ... einfach weg
..."
Harry schlug sich verzweifelt die Hände vors
Gesicht und schluchzte auf.
Ron sah seinen Freund fassungslos an,
der diesen Schmerz und die Schuld nun schon seit Tagen mit sich
herumtrug und nichts gesagt hatte.
Dumbledore, der unbemerkt
von den beiden im Saal aufgetaucht war, hatte das Gespräch
mitangehört. Schnell überwand er die Distanz zwischen sich
und Harry und legte ihm die Hand auf die Schulter.
"Junge,
das hättest du uns gleich erzählen sollen."
Und an
Ron gewandt sagte er:
"Was macht das Bein, Ron? Und wie geht
es dem verbliebenem Rest deines Körpers?" Dann wühlte
er aus seinem Umhang eine Schachtel hervor, hielt sie ihm hin:
"Schokofrösche?"
Ronald starrte seinen Freund
immer noch fassungslos an und stotterte in Dumbledores Richtung:
"D--
danke, Sir. Soweit ganz gut. Fred und George haben auch schon ein
paar Ideen wegen einer Beinprothese und ..."
Das glucksende
Lachen Dumbledores unterbrach ihn:
"Fred und George Weasley
haben Ideen wegen einer Beinprothese. Das klingt ja vielversprechend
..."
Dann beugte sich der alte Zauberer zu Harry
vor:
"Harry, wir müssen und uns über das eben
gesagte unterhalten - es ist nicht deine Schuld, was geschehen ist.
Aber wir müssen herausfinden, wie es passieren konnte und warum.
Komm bitte mit mir."
Harry stand auf, sah weder zu Ron noch
zu Dumbledore. Er folgte diesem still und mit hängendem
Kopf.
Ron wischte sich Tränen aus seinen Augenwinkeln. All
seine Hoffnung war mit Harrys Worten erloschen. Hermine war allein
zurückgelassen worden während eine Armee von Inferi sie
eingeschlossen hatte. Nein, sie würden keine Leiche finden und
es gab keine Hoffnung mehr.
Hermine war tot.
(Ende
Zwischenspiel.
Zurück zur eigentlichen Geschichte. Hier sind
nur zwei Tage vergangen, seit dem der Professor Hermine in den
Heilschlaf versetzt hat.)
"Ist
es nicht gefährlich, sie dort unten allein zu lassen - sie kann
sich doch sonst was zusammenbrauen."
"Darüber
solltest du dir keine Gedanken machen, Wurmschwanz. Das Mädchen
schläft und ist dort unten sicher verwahrt. Sie wird uns keinen
Ärger machen."
Snape hatte die neugierige Nachfragerei
seines lästigen Mitbewohners satt. Er hatte den ganzen Kerl
satt!
Weder war Wurmschwanz ihm eine Hilfe, noch eine
Unterstützung. Der Dunkle Lord hatte ihn am Anfang wohl nur
deshalb in seinem Haus untergebracht, um ihn auszuspionieren, um
sicherzugehen, daß er immer noch loyal an der Seite seines
Herrn stand.
Nachdem dies nun zur Zufriedenheit des Dunklen Lords
geklärt war, schien dieser Pettigrew einfach vergessen zu haben.
Und Snape hatte einen Mitbewohner am Hals, den er nicht ausstehen
konnte und lieber gestern als heute losgeworden wäre. Ganz
besonders nun, da er das Mädchen im Haus hatte.
Er
befürchtete, sobald sie wieder zu Bewußtsein kam, würde
sie einen Fehler machen, würde die wahre Natur seiner Tätigkeit
preisgeben. Und dann würde er sie töten müssen, und
zwar noch bevor seine Deckung aufflog.
Seit sie im Labor im
Heilschlaf lag, hatte er immer stärkere Zweifel an der
Richtigkeit seines Handels bekommen. Er hätte sie besser
zurücklassen sollen, hatte er sich inzwischen schon zigmal
gesagt. Er hätte sie sterben lassen sollen, hätte sich
nicht von ihren Tränen und ihrer Angst beeinflussen lassen
sollen.
Warum war sie überhaupt bei der Jagd auf Nagini
dabeigewesen? Auch das hatte er sich inzwischen schon viel zu oft
gefragt. Er konnte sich nicht vorstellen, daß Dumbledore davon
gewußt hatte. Es war viel zu gefährlich gewesen, besonders
da sie nicht mehr apparieren konnte! Irgendeiner ihrer feinen Freunde
mußte sie mitgenommen und dann allein zurückgelassen
haben. Und wäre er nicht aufgetaucht, um sich auf Befehl
Voldemorts noch einmal umzusehen, hätten sich nicht zufällig
ihre Weg gekreuzt, dann hätte er nicht die Probleme am Hals, die
er jetzt hatte.
Es steckte noch immer viel zuviel Mitgefühl
in ihm, als für seine Arbeit gut war, stellte der schwarzhaarige
Zauberer erbittert fest. Dumbledore wäre entzückt
gewesen!
"Ich gehe runter ins Labor und sehe nach unserm
Gast", sagte er schließlich.
"Ich komm mit,
Severus", kam es wie aus der Pistole geschossen zurück.
"Du
bleibst hier, Wurmschwanz!" antwortete Snape ihm leise und
beherrscht. Seine schwarzen Augen fixierten den kleinen Mann.
"Das
Labor ist mein Reich und alles darin gehört mir. Du wirst keinen
Schritt über seine Schwelle setzen - jemals. Ich hoffe,
das war klar ausgedrückt, und ich muß mich nicht
wiederholen."
Peter Pettigrew haßte Snape! Er
haßte ihn aus ganzem Herzen, und er haßte alles an ihm.
Er haßte die Arroganz, mit der er ihn behandelte, haßte
seine leise spöttische Art zu sprechen, seine Stimme, die sich
nur selten erhob und wenn, dann nur um eine hypnotische Präsenz
zu entwickeln, so daß man am Ende bereit war, zu allem Ja und
Amen zu sagen.
Aber ganz besonders haßte er den Blick aus
Snapes stechenden schwarzen Augen, dem er nicht länger als ein
paar Sekunden standhalten konnte. Und er haßte Snape dafür,
daß dieser ganz genau wußte, was für ein
erbärmlicher Feigling er selbst doch war.
"Dann bleibe
ich eben hier und warte auf Instruktionen unseres Meisters",
murmelte er leise, ohne Snape in die Augen zu sehen.
Dieser
schnaubte nur verächtlich und ein spöttisches Lächeln
umspielte von Pettigrew ungesehen dessen Lippen.
"Ja,
Wurmschwanz, tu das."
~~~~
Severus Snape saß
auf einem der steinernen Labortische und sah auf die schlafende
Gestalt Hermine Grangers. Sie lag auf einem lieblos eingerichteten
Matratzenlager im hinteren Bereich seines Labors, und Snapes Gedanken
waren genauso düster wie die Beleuchtung des Kellers.
Er
hatte sich entschlossen, sie aufzuwecken. Sie mußte essen und
trinken. Zwei Tage schon lag sie im Heilschlaf, und bislang war es
einfach gewesen, sie zu ignorieren. Doch wenn sie wieder bei
Bewußtsein war, würde das nicht mehr gehen.
Kurz
erinnerte er sich daran, daß er sie vor einigen Monaten schon
einmal gerettet hatte. Damals, als ihn Dumbledore mitten in der Nacht
aus dem Schlaf gerissen und in den Krankenflügel geführt
hatte, mit tiefer Besorgnis in den Augen und kalter unterdrückter
Wut in seinem Blick. Dort hatten Potter und Weasley völlig
verdreckt und wie begossene Pudel neben einer ratlosen Madam Pomfrey
gestanden, während sich Granger wie eine Wahnsinnige im Bett
gewälzt hatte. Sie hatte geschrien und geweint, hatte jeden
angespuckt und versucht zu kratzen, der sich ihr nähern wollte.
Hatte um ihren Zauberstab gebettelt und gleichzeitig übelste
Beschimpfungen ausgestoßen.
Er hatte nicht lange gezögert
und sie geschockt. Danach hatte er sie in ein Extrazimmer gebracht
und bis auf Dumbledore jeden herausgeworfen.
Damals hatte er ihr
wahres Potenzial erkannt. Erst als sie aller Masken, aller
anerzogener Höflichkeit und Zurückhaltung entledigt war,
hatte er die Kraft in ihr erkannt. Er hatte erkannt, daß sie es
gewesen war, von der vor so langer Zeit einst zu ihm gesprochen
worden war - und er hatte diesen Gedanken sofort wieder beiseite
geschoben. Hatte nicht wahr haben wollen, daß sich die Fäden
des Schicksals nun langsam verbanden.
Der schwarzhaarige
Zauberer saß, wie ihm schien, nun schon seit einer Ewigkeit
hier, starrte sie unentwegt an und dachte nach. Vieles ging ihm durch
den Kopf. Und im Augenblick bewegte ihn (vermutlich zum tausendsten
Mal) die Frage, ob es tatsächlich ein Schicksal gab.
Schicksal.
Das war etwas, woran er sich stets geweigert hatte zu
glauben. Denn würde er an ein Schicksal glauben, müßte
er anerkennen, daß sie alle nur Marionetten in einem großen
Spiel waren. Zu glauben, daß es ein Schicksal gab, hieß
anzuerkennen, daß es keine Entscheidungsfreiheit gab.
Nein.
Snape schüttelte unbewußt den Kopf. So konnte es
nicht sein, so durfte es nicht sein! Niemals! Sie konnten
unmöglich die Spielbälle von Mächten sein, die sie nie
begreifen würden. Alles in ihm weigerte sich daran zu glauben,
alles in ihm sträubte sich, das anzuerkennen ... und doch ...
hier war sie.
Hermine Granger, muggelgeborene Hexe. Schlammblut.
Das Unmögliche war geschehen. Sie war in seinem Haus, war in
seiner Obhut, war in seiner ... Gnade?
Vielleicht wäre
es eine Gnade gewesen, sie noch im Schlaf zu töten, dachte er.
Was, wenn er sie nicht aufweckte? Was, wenn er sie einfach ihrem
Schicksal verweigerte?
Ein grimmiges humorloses Lachen kam über
seine Lippen.
Aber vielleicht bestand das Leben einfach nur
Zufällen, dachte er sarkastisch. Kleinen dummen Zufällen,
aus denen man versuchte, das Beste zu machen - und kaum daß er
den Gedanken zu Ende gedacht hatte, warf er mit einem rauhen fast
schon bellenden Lachen den Kopf in den Nacken. Na klar,
Zufälle!
Als ob es so etwas geben würde! Doch wenn
er akzeptierte, daß es keine Zufälle gab, dann mußte
er wohl oder übel akzeptieren, daß es ein Schicksal gab.
Wie könnte jemand daran glauben, daß es keine Zufälle
gab und gleichzeitig daran glauben, daß es kein Schicksal gab?
Gott, er haßte solche Gedanken! Kein Wunder das Sibyll
Trelawney ihre Verwirrung in Sherry zu ertränken versuchte. Im
Augenblick war ihm auch danach. Nur das es bei ihm kein Sherry sein
würde.
Wieder kehrte sein Blick zu Hermine zurück.
Nein, er wollte sie nicht wecken, wollte nicht tun, was er mußte.
Hatte keine Lust, zum Handlanger eines Schicksals zu werden, an das
er nicht glaubte.
Doch für den Moment mußte er es
nehmen, wie es gekommen war, dachte er mit einem Anflug von
Resignation. Die Würfel waren gefallen. Und hätte er sie
zurückgelassen, müßte er nicht hier sitzen und über
das Schicksal nachbrüten.
Der schwarzhaarige
Zaubertrankmeister lachte kopfschüttelnd und beschloß, die
Zukunft einfach auf sich zukommen zu lassen. Er würde tun, was
er mußte und alles weitere würde sich zur gegebenen Zeit
vor ihnen entfalten.
Nichts von dem, was ihm einst im Labyrinth
der Finsternis zugeflüstert worden war, mußte zutreffen.
Und nichts von dem, was er glaubte, damals gesehen zu haben, mußte
geschehen. Alles konnte genauso gut nur eine Täuschung gewesen
sein.
Es gab kein Schicksal. Und damit Punkt, Schluß, Aus!
Es gab nur das Prinzip von Ursache und Wirkung. Das war es, woran
er glaubte. Und alles, was geschah, waren nur die Folgen der
Entscheidungen, die man traf. Und manchmal traf man eben die falsche
Entscheidung.
Möglicherweise war die Vorstellung an ein
Schicksal für diejenigen ein Trost, die sich vor den
Konsequenzen ihrer Entscheidungen fürchteten. Wie bequem war es
doch zu sagen ich hatte keine andere Wahl. Wie einfach, die
Verantwortung für seine Taten an eine unbekannte Macht
abzugeben.
Snape schnaubte verächtlich. Er wußte es
besser!
Er wußte, daß man für alles, was man
tat, selbst verantwortlich war. Keiner konnte diese Verantwortung dem
Schicksal in die Schuhe schieben. Letztendlich mußte man für
das, was man tat, geradestehen.
Kein Schicksal erlöste
einen, kein Schicksal nahm einem die Schuld ab, und kein Schicksal
zwang einen zu irgendetwas. Alles was man tat, tat man aus freien
Stücken, und es gab immer eine andere Wahl! Doch die
wenigsten wollten zwischen dem Richtigen und dem Falschen abwägen.
Die meisten gingen den einfachen Weg.
Kurz fühlte Snape, wie
finsterer Wahn ihn streifte, wie Schrecken und Schuld aus den Tiefen
seiner Seele wie eine dunkle Woge emporschoßen und ihn zu
verschlingen drohten.
Zuviel Unerträgliches hatte er
gesehen, viel zuviel Furchtbares erlebt und viel zuviel Schreckliches
selbst getan ... nein, diese Schuld konnte ihm keiner abnehmen. Für
alles, was er getan hatte, hätte es immer eine andere Wahl
gegeben. Er allein trug an seinem Schicksal Schuld, kein anderer und
erst recht keine unbekannten Mächte!
Voller Grimm in
aufflammender Wut dachte er, daß es sein Schicksal sein sollte,
dem Schicksal selbst zu trotzen! Sollte es wirklich ein Schicksal
geben, wollte er sich ihm verweigern und ihm ins Gesicht spucken!
Sollten sich doch andere dem Schicksal unterwerfen! Er war seines
eigenen Glückes Schmied und was auch immer ihm vor unendlich
langer Zeit in der Finsternis eines kalten steinernen Labyrinths
gesagt worden war, konnte ihm egal sein. Es gab kein Schicksal! Und
keiner bestimmte seinen Weg, außer er selbst!
Und so
sprang der hakennasige Mann von Tisch, ging neben dem Matratzenlager
in die Knie und betrachtete sich die junge Frau noch einmal intensiv.
Blicke ihr forschend ins Gesicht, als hoffe er, darin etwas lesen zu
können, was ihm zuvor entgangen war.
Sie sah jung aus,
stellte er fest, viel zu jung.
Snape wußte, er würde
sie nicht vor dem bewahren können, was auf sie zukam.
Genauso
wenig wie er sie vor dem bereits Geschehenen hatte bewahren können.
Doch er konnte sein Bestes tun, um ihr ein Überleben zu
ermöglichen.
Und in diesem Moment, irgendwo tief in sich,
schloß er einen Pakt mit sich selbst. Beschloß, daß
er sein Bestes geben würde und sie nicht aufgeben würde,
selbst wenn sie sich selbst aufgeben wollte. Er würde sie
vorantreiben, würde sie an ihre Grenzen bringen und sie diese
überwinden lassen. Er würde mit ihr die Hölle
durchqueren und sie sicher hindurchgeleiten.
Er hatte viele
schreckliche Fehler in seinem Leben gemacht. Und die sich daraus
ergebenden Konsequenzen verdammten ihn für immer.
Doch
dieses Mal würde es anders sein. Dieses Mal würde er von
Anfang an das Richtige tun. Und diese junge Frau, diese
muggelgeborene Hexe, würde mit seiner Hilfe überleben. Er
würde sie zu einer mächtigen Hexe ausbilden (wie es ihm
einst gesagt worden war. Doch diesen Gedanken dachte er nicht zu
Ende). Sie hatte die Kraft, die Intelligenz und das
Durchsetzungsvermögen, das dazu gehörte. Dies hatte sie ihm
während ihrer verborgenen Zusammenarbeit immer wieder bewiesen,
selbst in den Momenten, in denen sie krank und verletzt
war.
"Schicksal?" schoß es ihm kurz durch den
Schädel. Ja, vielleicht, dachte er, und war zumindest für
einen Augenblick halbwegs mit diesem Gedanken versöhnt.
Doch
er würde ihr die Wahl lassen. Sie sollte entscheiden, ob sie mit
ihm den Weg in die Dunkelheit gehen wollte. Sie sollte über ihr
eigenes Schicksal entscheiden. Keiner sollte ihr diese Entscheidung
abnehmen. Danach allerdings würde es kein Zurück mehr
geben.
Noch einmal betrachtete er sie in aller Ruhe.
Nichts
in ihrem jungen Gesicht erinnerte an den Schrecken, den sie vor zwei
Nächten durchlebt hatte. Ruhig und entspannt lag sie da,
schlief.
Er nickte zustimmend. Ja, sie war durch und durch eine
Tochter des Hauses Gryffindor.
Mut und Loyalität waren die
herausragenden Eigenschaften ihres Hauses. Diesen Mut hatte sie vor
einigen Monaten in Südindien unter Beweis gestellt, als sie
zusammen mit ihren Freunden den Kristalldolch stahl. Es war dumm von
ihr gewesen, und sie hatte den Preis dafür bezahlt.
Immer
noch wunderte sich Snape, warum sie bei der Sache dabeigewesen war.
War sie doch um so vieles intelligenter, als ihre beiden Freunde.
Doch die drei hatten nach dem Unglück beharrlich geschwiegen und
er vermutete, daß es mit der anderen Eigenschaft des Hauses
Gryffindors zusammenhing. Der Loyalität, die man in seinem
eigenen Haus viel zu oft vergeblich suchte.
Snape stand auf,
richtete seinen Zauberstab auf Hermine und sagte:
"Evigilatio!"
Und als ob er einen Schalter umgelegt hätte, flatterten
Hermines Augenlider, und nach einem kurzen Stirnrunzeln öffneten
sich ihre Augen.
Sie sah Snape, zuckte zusammen und schlug sich
die Hand vor die Augen, als ob sie dadurch die aufsteigenden
Erinnerungen zurückdrängen konnte.
"Es war kein
Alptraum", stöhnte sie.
"Nein, Miss Granger, ich
bedauere. Es war kein Alptraum."
Danach herrschte Schweigen.
Hermine schien nachzudenken. Und nach einer Weile runzelte sie die
Stirn.
"Sie hatten Recht", flüsterte sie ungläubig.
"Ich erinnere mich an alles, doch es fühlt sich nicht so
schlimm an, wie ich gedacht hatte. Es ist, als ob ich mich an etwas
erinnere, das schon jahrelang zurückliegt und das deswegen nicht
mehr so weh tut. Ich erinnere mich. Aber es ist ... schon so lange
her ... Ich --"
Sie schluckte und ihre haselnußbraunen
Augen trafen auf seine schwarzen.
"Danke, Professor. Danke,
für alles."
Mit allem hatte der Lehrer für
Zaubertränke gerechnet, nicht aber damit. Er hätte
verstanden, wenn sie ihm Vorwürfe gemacht hätte, daß
er sie allein bei den Todessern zurückgelassen hatte, hätte
auch ertragen, wenn sie in Tränen ausgebrochen wäre oder
ihn wütend beschimpft hätte - all das hatte er erwartet und
war bereit gewesen, es zu ertragen.
Doch das sie so ruhig blieb
und sich bei ihm bedankte, daß sie nach all dem Schrecken, den
sie durchlebt hatte, so ruhig blieb, rührte ihn. All seine
Gedanken über das Schicksal, über die Zukunft, all seine
düsteren Erinnerungen waren mit einem Mal bedeutungslos. Er ging
neben ihr in die Knie, nahm ihre Hand, streichelte kurz darüber
und sagte (ohne es eigentlich zu wollen):
"Sie waren sehr
tapfer, Miss Granger. Keine Frau sollte das erleben, was Ihnen
widerfahren ist. Ich wünschte mir von ganzem Herzen, ich hätte
es verhindern können."
Doch kaum, daß er seinen
Satz beendet hatte, entriß ihm Hermine ihre Hand, und zwar so
schnell als hätte sie sich bei seiner Berührung
verbrannt.
"Verzeihung!" murmelte Snape betroffen.
Konnte sich nur zu gut vorstellen, warum sie keinen Wert auf sein
Mitgefühl legte. Und so stand er auf, zog sich die Kleidung
zurecht und war wieder ganz der alte.
"Wurmschwanz hat Ihnen
etwas zum Anziehen besorgt. Ich kenne mich mit so was nicht aus.
Sollten Sie noch weitere Kleidungsstücke benötigen, sagen
Sie es. Ich werde etwas arrangieren."
Mit seinem Zauberstab
entfachte er die Fackeln an den Wänden.
"Ziehen Sie
sich an. Ich werde zwischenzeitlich etwas zum Essen für Sie
auftreiben. Sie sind nicht zufällig Vegetarier, oder?"
Hermine
schüttelte den Kopf.
"Na gut, dann bin ich in einer
Viertelstunde zurück."
~~~~
Hermine sah
angewidert auf die Kleider, die Pettigrew besorgt hatte. Daß er
sich dabei vorgestellt hatte, wie sie darin aussehen würde, war
klar.
String, BH und Hemdchen zeigten mehr, als sie verhüllten.
Nackt war man besser angezogen als mit dem Zeug, dachte sie empört
und konnte sich vorstellen, wie er beim Besorgen der Sachen ... -
ugh, besser nicht daran denken!
Die anderen Sachen waren nicht
viel besser. Wenn sie die anzog, würde sie jeder Hure auf dem
Straßenstrich Konkurrenz machen. Nein, sie würde das Zeug
auf gar keinen Fall anziehen, nicht einmal anrühren mochte sie
es .
Und so nahm sie das Bettlaken, wickelte es sich darin ein
und entdeckte zu ihrem Entzücken ihren Gryffindorumhang, den sie
sich auch gleich überwarf.
Nicht gerade stylish, dachte sie,
fühlte sich aber gleich viel wohler.
Neben der Matratze
entdeckte sie ihre Turnschuhe und zog sie an. Nicht einmal Socken
hatte ihr der perverse Bastard besorgt.
Überrascht über
ihre Unterbringung, begann sie Snapes Labor zu durchstreifen und sah
sich darin um. Es stand in keiner Weise den Laboratorien in den
Kerkern Hogwarts nach - manche der Substanzen, die sie in den sauber
beschrifteten Gläsern entdeckte, waren illegal oder ihr
schlichtweg unbekannt. Und besonders die Unbekannten, faszinierten
sie.
Hermine, die geglaubt hatte, so ziemlich jede Substanz zu
kennen, aus der sich ein Zaubertrank mischen ließ, ging
staunend durch die Regalreihen. Mineralien, Harze, Tierpräparate,
Wurzeln, scheinbar leere Gläser und solche, die randvoll mit
lebenden und toten Insekten gefüllt waren, ließen sie
erkennen, daß sie hier tatsächlich im Labor eines Meisters
stand.
Snape hatte ihnen während ihrer Schulzeit anscheinend
nur einen Bruchteil seines Wissens vermittelt. Wahrscheinlich hatte
er ihnen in den letzten Jahren mehr verschwiegen, als er sie gelehrt
hatte. Und mit einem Mal glaubte sie seinen Zynismus verstehen zu
können, glaubte zu verstehen, warum er bei ihrer ersten Stunde
so verächtlich über das "alberne Gefuchtel mit dem
Zauberstab" gesprochen hatte. Denn das Zaubertränke mehr
Macht besaßen, als ein Zauber, konnte sie inzwischen selbst
bezeugen.
Vorsichtig nahm Hermine eines der Gläser aus den
Regalen, das sie besonders faszinierte. Es war nicht beschriftet.
Ein
weißes Gespinst füllte es vollständig aus und fast
schon erwartete sie, darin etwas ekliges zu finden. Verpuppte Maden,
Spinnen, Raupen oder so was. Doch da war nichts. Nur dieses dicke
weiße Gespinst, das ein bißchen wie Zuckerwatte aussah
und sich zu bewegen schien.
Hermine starrte ins Glas und an den
Fäden des Gespinsts begannen silberne Lichter entlangzutanzen.
Wie wunderschön die Lichter doch waren, dachte Hermine träge.
Sie fühlte, daß sie das silberne Licht frei lassen mußte.
Ihre Hand war schon auf dem Verschluß der Flasche, als eine
andere Hand in ihrem Gesichtsfeld auftauchte und ihr vorsichtig das
Glas abnahm. Hermine schüttelte benommen den Kopf, und ihr war,
als würde sie aus einem Traum erwachen.
"Wie ich sehe,
ist etwas an der sprichwörtlichen Neugier der Frauen dran",
hörte sie Snapes Stimme gelassen neben sich sagen. "Wie
gefällt Ihnen das Gespinst des Psilocybe cyanescens? Ich halte
ihn in seiner etherischen Form für wesentlich stabiler und
reiner, als in seiner physischen, getrockneten Erscheinungsform.
Natürlich hat er in dieser Form auch mehr Macht über den
Geist eines Menschen. Oder haben Sie eine andere Meinung dazu, Miss
Granger?
"Der Psilocybe cyanescens in seiner etherischen
Form? Das ist er? Aber das ist eine tödliche, illegale Substanz,
Professor Snape! Wenn ich das Glas geöffnet hätte ..."
Ein
kaum wahrnehmbares Lächeln umspielte Snapes Lippen.
"Was
soll ich sagen, Miss Granger? Ungefähr zwei Drittel der
Substanzen in meinem Labor sind zumindest gefährlich, oft genug
tödlich und in jedem Fall absolut verboten. Wenn ich
etwas harmloseres brauche, Miss Granger, dann gehe ich nach
Hogwarts."
Hermine entging nicht die beißende Ironie,
mit der er den letzten Satz ausgesprochen hatte.
"Sie müssen
etwas essen und trinken", sagte Snape dann. "Meine Tränke
sind zwar außergewöhnlich, wenn es ums Heilen geht, doch
für die eher profanen Bedürfnisse ihres Körpers müssen
Sie selbst schon Sorge tragen."
Und in diesem Moment nahm
Hermine den Duft von Tee und einem guten englischem Frühstück
wahr. Sie warf Snape einen dankbaren Blick zu und steuert geradewegs
auf den Schreibtisch zu, der an einer Wand des Labors stand. Sie
hatte diesen bisher glatt übersehen, so sehr hatten sie die
Gläser in den Regalreihen in Beschlag genommen.
"Wie
ich sehe, bekleiden Sie sich lieber mit einem Bettlaken?"
Hermine
drehte sich um, wurde rot.
"Professor Snape! Ich werde auf
gar keinen Fall die Sachen tragen, die mir Peter Pettigrew besorgt
hat! Lieber renne ich für den Rest meines Lebens im Bettlaken
rum!"
Snape zog eine Braue hoch und steuerte auf Hermines
Lager zu. Dort sah er die Kleider und Wäscheteile herumliegen
und räusperte sich.
"Hmm, ich verstehe - nun ja,
vielleicht finde ich ja etwas passenderes für Sie."
Hermine
sah sich schon als Gothic herumlaufen.
"Äh, warum lassen
Sie mich nicht einfach selbst ein paar Sachen besorgen, Sir. Von mir
aus auch in der Knockturn Alley oder in einem Muggelladen."
"Das
geht leider nicht. Keiner soll erfahren, daß sie noch leben.
Der Dunkle Lord hält es für besser so. Im Augenblick soll
ich für verschwunden und Sie für tot gehalten
werden."
"Aber ...", Hermine verstummte und sah
sich um. Sie deutete auf ihre Ohren und dann auf die Wände.
Snape verstand.
"Sprechen Sie frei, Miss Granger. Nichts von
dem, was hier gesagt wird, kann diesen Raum verlassen. Alle meine
Räume sind abhörsicher."
"Aber werden Sie dem
Orden nicht Bericht erstatten, Professor? Sollte man Professor
Dumbledore nicht wissen lassen, daß wir leben?"
"Miss
Granger", sagte Snape im gewohnt belehrenden Tonfall.
"Leider
habe ich den starken Verdacht, daß wir einen Verräter im
Orden haben. Lord Voldemort weiß viel zu oft, viel zu gut über
die Dinge Bescheid, die ich ihm über den Orden zu berichten
habe. Einzig meiner guten Verbindung zu Dumbledore und Hogwarts hatte
ich das Vertrauen des Dunklen Lords zu verdanken. Mein letzter
Einsatz zur Befreiung der Gefangenen von Askaban sollte dies jedoch
geändert und meine Position unter den Todessern gefestigt haben.
Doch als Spion für den Orden hat der Dunkle Lord anscheinend
jemand anderen gewonnen. Und so lange dem so ist, kann ich es nicht
wagen, Kontakt zum Orden aufzunehmen. Ich würde mich verraten.
Ich fürchte, wir sind auf uns allein gestellt."
Hermine
sah ihn mit großen Augen an und ihr wurde bei dem Gedanken
schwindlig. Wenn das zutraf, dann würde es Einiges erklären.
Wie zum Beispiel das Desaster bei ihrem letzten Kampf - und auch,
warum sie so offensichtlich in eine Falle getappt waren. Und noch
eins wurde ihr klar: Nun da Snape bei den Todessern blieb, würde
jeder - ganz besonders Harry - Snape für den Verräter
halten und der eigentliche Verräter blieb unentdeckt.
"Was
ist mit Professor Dumbledore? Hatten sie ihm schon etwas von ihrem
Verdacht erzählt? Weiß er -"
Snape sah sie mit
seinen durchdringenden schwarzen Augen kühl an. Dann sagte
er:
"Ihr Essen wird kalt, Miss Granger. Bitte lassen Sie Ihre
Finger von all den hübschen Flaschen in den Regalen, und halten
Sie ihre Neugierde in Zaum. Ich werde kurz fortgehen, um Ihnen
entweder ein größeres Bettlaken zu besorgen oder
..."
Snape verstummte.
"Mir wird schon noch was
einfallen ...", murmelte er und verließ das Labor.
Hermine
setzte sich an den Schreibtisch und machte sich über das üppige
Frühstück her. Dabei hing sie ihren Gedanken nach, die den
düsteren Gedanken Snapes von zuvor um nichts
nachstanden.
Später, als sie satt war, fiel ihr auf, daß
der Professor ihr gar nicht auf ihre Frage geantwortet hatte.
Vermutlich hatte er Dumbledore nichts gesagt.
"Du
verschwindest von hier, Wurmschwanz!" raunzte Snape grob
Pettigrew an.
"Nein, das werd' ich nicht! Der Dunkle Lord
hat mich bei dir gelassen, damit ich dich unterst..."
"Du
verschwindest von hier!" unterbrach ihn der Meister der
Zaubertränke kurzerhand. "Du bist mir die ganze Zeit nur
zur Last gefallen, und das kann ich jetzt nicht noch zusätzlich
zu dem Mädchen gebrauchen. Ich lasse dir bis heute Abend Zeit,
dir eine neue Bleibe oder irgend ein dreckiges Rattenloch zu suchen.
Dort kannst du ja das Ende dieses Krieges abwarten. Du widerst mich
dermaßen an, daß ich deine Anwesenheit keinen Moment
länger ertragen kann, und ich schwöre dir, Pettigrew,
wenn du heute Abend noch da bist, dann wirst du dir wünschen,
eine Ratte zu sein."
"Aber Lord Voldemort -"
"Ich
wiederhole mich nicht! Wenn du nicht einverstanden bist, kannst du
dich ja beim Dunklen Lord beschweren. Nur zu, er wird sich sicherlich
freuen, von dir zu hören. Vielleicht findet er sogar neue
Aufgaben für dich!"
"Aber --"
"Was?"
fragte Snape leise, eiskalt lächelnd.
"Hast du keine
Freunde mehr, zu denen du gehen kannst? Niemand mehr da, den du noch
verraten könntest? Bedauerlich, Wurmschwanz, außerordentlich
bedauerlich!
Vielleicht solltest du doch den Gedanken an
ein Rattenloch in Erwägung ziehen. Und jetzt geh und sieh zu,
daß du verschwindest!"
Snape richtete seinen Zauberstab
auf Pettigrew und dieser ging wutschnaubend die Treppe hoch, knallte
die Tür seines Zimmers hinter sich zu.
Snape rief ihm
hinterher:
"Und sollte ich feststellen, daß irgend
etwas fehlt, Wurmschwanz, wirst du es bereuen!"
Es war
die beste Lösung, dachte Snape. Wurmschwanz würde es nicht
wagen, beim Dunklen Lord aufzutauchen um ihm zu sagen, daß er
herausgeschmissen worden war. Und er selbst konnte in Ruhe mit
Hermine Grangers Ausbildung beginnen - sie auf das vorbereiten, was
auf sie zukam. Ihr die beste Basis geben, um in diesem Krieg zu
bestehen.
Nun, da sie wach war, sah er die Dinge wieder
nüchterner. Sie hatten sich beide gleichermaßen in
diese Lage gebracht. Das Mädchen, in dem es hatte überleben
wollen, und er, weil er es ihr hatte ermöglichen wollen. Die
einzige Frage, die noch unbeantwortet blieb, war die, ob sie sich
dazu durchringen konnte, ihm in die Finsternis zu folgen. Ob sie ihm
so weit vertraute, daß er sie auch wieder aus der Dunkelheit
herausführen würde.
Snape erinnerte sich an das nächste
Problem - Kleidung! Wo sollte er etwas Passables zum Anziehen für
Miss Granger herkriegen? Im Haus hatte er natürlich nichts, was
eine junge Frau anziehen könnte - außer ...
Der Gedanke
blitzte wie von selbst in seinem Kopf auf. Snape überlegte kurz,
zuckte mit den Achseln und dann ging er die Treppe hoch. Er konnte es
sich nicht verkneifen, kurz gegen Wurmschwanzs Tür zu schlagen
und zu knurren: "Mach es dir darin nicht zu gemütlich!"
Dann verschwand er in seinem eigenem kleinen Zimmer.
Mit
einem Schwenk des Zauberstab öffnete er einen alten
schiefstehenden und ziemlich schäbig aussehenden großen
Schrank. Dieser gab den Blick auf schwarze und weiße
Kleidungstücke frei, die fein säuberlich zusammengelegt und
ohne sich gegenseitig zu berühren in der Luft schwebten.
Der
Professor nahm eine der Hosen heraus und griff nach einem der
altmodisch geschnittenen Hemden. Er nahm sich ein schwarzes. Einen
Überrock brauchte sie nicht, dachte er, hatte sie doch ihren
Gryffindorumhang. Dann setzte er sich auf sein Bett und holte eine
Pergamentrolle aus der Schublade des wackeligen Nachtschranks. Eine
Feder sprang ihm wie von selbst in die Hand.
Eine zeitlang
kritzelte er auf dem Pergament herum, strich Wörter aus, stellte
neue Wortkombinationen zusammen und irgendwann nickte er
zufrieden.
"Das sollte klappen."
Dann stand er auf,
machte mit seinen Zauberstab eine verschlungene Bewegung über
der Kleidung und sprach deutlich:
"Alternamentum
armavestem"
Ein heller Strahl löste sich von der
Spitze seines Zauberstabs und hüllte die Kleidung vollständig
ein. Als das Leuchten erlosch, war mit der Kleidung etwas geschehen.
Sie hatte sich im Schnitt verändert, war kleiner geworden.
Schwarz war sie immer noch. Snape nahm die Sachen an sich und ging
zurück ins Labor.
Die Kleidung war genau das Richtige, um
jeden davon zu überzeugen, daß Granger unter seiner
Kontrolle stand, dachte er. Und zudem bot sie ihr genügend
Schutz vor dem, was sie erwartete.
Er stieß die
Labortür auf und Hermine schoß erschrocken vom
Schreibtisch in die Höhe. Snape kam so schnell auf sie zu, daß
sie ihm nicht hätte ausweichen können, selbst wenn sie
gewollt hätte. Aber dafür war sie viel zu erschrocken,
hatte sie sich doch total in das Buch vertieft, das aufgeschlagen auf
dem Schreibtisch gelegen hatte.
Ein Buch, daß einer ganz
anderen Art des Tränkebrauens gewidmet war:
Schwarzmagischen
Tränken. Und überall hatte sie Anmerkungen zu den Zutaten
und Zubereitungsformen in Snapes Handschrift lesen können, und
ihr war beim Durchlesen der Rezepturen eine Gänsehaut über
den Körper gekrochen. Sie hatte die Wirkung der Tränke nur
ansatzweise verstanden, doch was sie verstand, war, daß sie
schreckliche Dinge in einem Menschen bewirken konnten - Dinge, die
kein Zauber jemals wieder gut machen könnte.
"Ah, Miss
Granger. Wie ich sehe, konnten Sie Ihre Neugierde doch nicht in Zaum
halten."
Snapes schwarzen Augen funkelten spöttisch.
"Schön,
schön. Dann wird Ihnen ja meine Idee gefallen. Aber zuerst jetzt
ziehen Sie diese Sachen an, und widersprechen Sie nicht! Sie passen,
sind absolut unerotisch, sauber und werden Ihnen Schutz bieten -
nicht nur vor neugierigen Blicken."
Hermine sah auf das
Bündel schwarzer Kleider und schluckte. Irgendwie sahen sie wie
Snapes Kleider aus.
"Bettlaken?" fragte sie
bittend.
"Muß ich sie Ihnen selbst anziehen, Miss
Granger? Ich tu es - aber es wird Ihnen sicherlich nicht
gefallen!"
Hermine schüttelte den Kopf, und Snape trat
zur Seite, um sie vorbeizulassen.
"Ziehen Sie sich da hinten
um. Und keine Scham, ich sehe nicht hin."
Und wenn schon,
dachte Hermine. Er hatte sie ohnehin schon nackt gesehen. Und er war
Professor Snape - kein geiler Widerling wie Pettigrew. Sondern
einfach nur der kalte zynische Professor Snape: Meister der
Zaubertränke, Lehrer für die Verteidigung gegen die Dunklen
Künste, Dumbledores Doppelspion und was sonst noch ...
Aber
vor allem: Er verabscheute Menschen wie sie.
Hermine zog sich
bei ihrem Lager um und stellte fest, daß ihr die Kleidung
tatsächlich wie maßgeschneidert paßte. Und wie
befürchtet: Es waren Professor Snapes Sachen. Nur der
lange Überrock fehlte, Merlin sei dank! Sonst wäre sie als
weiblicher Klon Snapes durchgegangen.
Dennoch faszinierte sie die
Kleidung. Irgend etwas ging von ihr aus, das Kraft zu verleihen
schien. Sie strich mit der Hand über das im Stil der
Jahrhundertwende geschnittene Hemd, es paßte ihr perfekt.
Der
Stoff fühlte sich seidenweich an, war pechschwarz und - jetzt
erinnerte sie sich wieder! So hatte es sich angefühlt, als sie
Snapes Trank getrunken und gleich danach das Bewußtsein
verloren hatte. Aber dann ... hatte sie der Professor tatsächlich
aufgefangen?
"Nun, Miss Granger? Fertig?"
"Ja,
Sir. Fertig."
Sie ging zu Snape zurück, der sich
umdrehte und sie ansah. Nur am Hochziehen seiner Braue erkannte sie,
daß ihn die Wirkung seiner Kleider an ihr verblüffte. Sie
hätte sich zu gern im Spiegel gesehen.
"Sehr schön!
Wie fühlt es sich an?"
"Es paßt ... fühlt
sich gut an, wieder vernünftige Sachen anzuhaben ... ähm
..."
Wieder zog Snape die Braue hoch und sah sie mit
durchdringendem Blick an.
"Wie haben Sie das gemacht?"
platzte es aus ihr heraus. "Das sind doch ihre Sachen, nicht
wahr? Wieso passen die mir? Wie -?"
"Miss Granger, ich
versichere Ihnen, es ist mir keine Freude, meine Kleidung an
Ihnen zu sehen. Aber im Augenblick scheint dies die einzige
Alternative, zu dem dort ...", verächtlich wies er
auf den Stapel der Kleider, die Wurmschwanz besorgt hatte,
"...
und Bettlaken zu sein." Dann fügte er noch an: "Außerdem
sollten Sie inzwischen wissen, daß ich mehr kann, als
Zaubertränke zu brauen."
Mit einem Schwenk seines
Zauberstabs erschien ein zweiter Stuhl neben dem
Schreibtisch.
"Setzen Sie sich, Miss Granger. Ich habe ein
paar einfache Fragen an Sie, die Sie mir ehrlich beantworten sollten.
Von Ihren Antworten hängt unsere weitere Vorgehensweise Sie
betreffend ab."
Sie setzten sich beide und Hermine fragte
sich, was jetzt schon wieder kam. Snape tippte an das
Frühstückstablett und der Teller darauf verschwand.
Stattdessen erschien eine große Kanne mit Tee. Zwei Tassen
standen daneben. Die Kanne erhob sich und schenkte ihnen ein.
Snape
stand noch einmal auf, ging kurz fort und kam mit einem kleinen Glas
aus der langen Reihe der Regale zurück. Er griff kurz ins Glas
und streute ein rotes Pulver in Hermines Tee.
"Sir?"
"Ich
muß die Wahrheit wissen, Miss Granger. Die unverblümte
Wahrheit. Allerdings glaube ich nicht, daß Sie mir diese sagen
werden, wenn ich Sie nicht - sagen wir mal - dazu ermutige."
"Aber
-"
"Kein Aber. Trinken Sie, Miss Granger", sagte
Snape leise und deutete auf die Tasse. "Es wird Ihnen nicht
schaden, und in dieser Menge hält die Wirkung nicht länger
als eine Stunde an."
Er nickte ihr zu, und hielt ihr
auffordernd die Tasse hin. Hermine sah mißtrauisch darauf.
"Trinken Sie. Bitte. Sie wissen, mir stehen auch
andere Mittel zur Verfügung, um Sie dazu zu bringen, mir die
Wahrheit zu sagen. Doch das will ich nicht. Dieses Pulver hat nur
eine enthemmende Wirkung. Alkohol nicht unähnlich. Betrachten
Sie es als ein vom Professor angeordneten Vollrausch."
Hermine
hätte schwören können, in Snapes Augen Humor
aufblitzte zu sehen.
Ein wenig zitterte ihre Hand, als sie die
Tasse aus der Hand des Professors entgegennahm. Nur kurz berührten
sich dabei ihre Hände. Dennoch durchzuckte es sie wie ein
Stromschlag. Erschreckt sah sie zu ihrem Lehrer auf, doch dieser
schien es nicht bemerkt zu haben. Schnell leerte sie die Tasse. Hmm,
schmeckte tatsächlich wie ganz normaler Tee.
"Und?"
fragte Snape, "wie fühlen Sie sich?"
"Ganz
normal, Sir. Kein bißchen schwindlig oder schlecht - wie von
Alkohol ... Professor Snape, sind Sie sicher, daß das Pulver
wirkt?"
Der Zaubertranklehrer lächelte, und sein Lächeln
glich in diesem Moment viel zu sehr dem Ausdruck auf dem Gesicht
einer Katze, die gerade eine Maus in ihrer Reichweite entdeckt hatte.
Hermine glaubte sich nicht daran erinnern zu können, Snape
jemals so lächeln gesehen zu haben. Es war ihr
unheimlich.
"Sagen Sie mal, Miss Granger, was halten Sie
eigentlich von mir. Rein menschlich gesehen?"
"Von
Ihnen, Sir? Also Sie sind ein überhebliches und eingebildetes
Arschloch! Sie haben absolut keinen Deut von Mitgefühl in ihren
Knochen und jeder weiß, daß es Ihnen einen perversen Spaß
macht, Ihre Schüler zu drangsalieren. Sie sind ungerecht,
boshaft und so gemein, daß man es in Ihrer Nähe
nicht aushalten kann. Kein Wunder, daß Sie allein sind. Ganz
ehrlich, Professor Snape: Sie sind das Allerletzte!"
Hermine
riß entsetzt die Augen auf und schlug sich sofort die Hand vor
den Mund.
"Oh, nein! Das hab ich nicht gesagt! Nein, ganz
ehrlich nicht. So denke ich doch gar nicht von Ihnen. Sie sind eben
nur der allerschlimmste Mensch, den ich kenne. Absolut niemand kann
Sie ausstehen! Und das Übelste an Ihnen ist, daß es Ihnen
Spaß macht, andere zu quälen. Besonders Muggelstämmige
wie mich. Wissen Sie, Professor, daß ist so unfair,
so gemein! Sie sind der fieseste Charakter, den ich kenne und ich
wundere mich, wie Professor Dumbledore einem wie Ihnen nur trauen
kann. Sie -"
Hermine schlug sich nun beide Hände vor den
Mund und hielt ihn sich zu, während sie nicht aufhörte
weiterzureden. Dumpf waren noch undeutlich Worte wie ungerechter
Punktabzug, miese Tricks und hundsgemein zu hören.
Snape dagen lehnte sich zurück und lachte! Während
Hermine ihn weiterhin mit entsetzten Augen ansah und nicht aufhören
konnte, sich all ihren Frust über seine Unterrichtsmethoden
von der Seele zu reden, schüttelte es ihn vor Lachen!
"In
Ordnung, Miss Granger. Vergessen Sie die Frage! Vielleicht glauben
Sie mir jetzt, daß diese Pulver mehr Macht besitzt, als jeder
Zauber, der Sie nur Ihres freien Willens beraubt. Sie wissen
wenigstens, was Sie sagen!"
"Na Danke aber auch! Als ob
ich so etwas zu Ihnen sagen wollte. Also ehrlich! Das geht Sie doch
gar nichts an! Ich respektiere Sie, mal abgesehen von dem, was ich
gerade gesagt habe. Sie sind eben nur ein Scheißkerl, das ist
alles! Schließlich weiß ich, daß Sie der beste
Zaubertranklehrer sind, den man sich nur wünschen kann. Denn
obwohl Sie so ein hochnäsiger verkorkster alter Knochen sind,
habe ich trotzdem so viel von Ihnen gelernt ... und das, obwohl ich
Sie überhaupt nicht leiden kann!
Wissen Sie was das Übelste
war? Unsere Zusammenarbeit in den vergangenen Monaten. Das hat echt
dem Faß den Boden herausgeschlagen. Ich konnte gar nicht
glauben, daß es so interessant war, mit ihnen
zusammenzuarbeiten - und ebensowenig konnte ich glauben, daß
ich Sie während dieser Zeit nicht eigenhändig erwürgt
habe! Sie sind so ein eingebildeter, arroganter Affe! Ich kann Sie
auf den Tod nicht ausstehen, und Sie kotzen mich an!
Aber Ihr
Verstand, wie der arbeitet, das hat mich gefesselt. Irgendwann begann
ich mich sogar auf unsere Zusammenarbeit zu freuen - das muß
man sich mal vorstellen, ist doch echt krank! Aber Sie haben eine
unglaubliche Kombinationsgabe, ein echtes Gespür dafür,
übergeordnete Zusammenhänge zu erkennen. Das war
wirklich beeindruckend ... und manchmal glaubte ich -" wieder
schlug sich Hermine die Hände vor den Mund und Snape glaubte
zwischen all ihrem halberstickten Gemurmel Worte wie Bastard,
Seelenverwandschaft und Mistkerl heraushören zu
können.
Doch er saß einfach da, schüttelte
lachend den Kopf und hätte sie ihrer Respektlosigkeit wegen am
liebsten gevierteilt. Aber das hatte er sich ja selbst zu verdanken,
dachte er. Hermine Granger war einer der höflichsten Menschen,
die er kannte - fast schon so höflich wie Dumbledore. Sie hätte
ihm das alles nie an den Kopf geworfen, hätte er ihr nicht das
Pulver gegeben. Insoweit war es seine eigene Schuld, daß er das
alles zu hören bekam. Doch zumindest würde sie ihm nun
seine Fragen wahrheitsgemäß beantworten. Aber eins, was
sie gesagt hatte, interessierte ihn doch.
"Sie respektieren
mich also?"
"Aber ja doch! Sie sind vermutlich der
scharfsinnigste Lehrer, den wir in Hogwarts haben. Und das ich Sie
persönlich auf den Tod nicht ausstehen kann, hat ja nichts mit
meinem Respekt vor ihren Fähigkeiten zu tun -"
"Genug,
Miss Granger. Ich denke, es reicht."
Hermine verstummte und
sah ihn gequält an.
"Sir, bitte! Stellen Sie mir
die Fragen, und dann lassen Sie mich schweigen. Das ist so
peinlich!"
Er nickte.
"In Ordnung.
Um es vorweg
zusagen: Mir gefällt nicht, was ich tun werde und in den
vergangenen zwei Tagen habe ich mir mehr als einmal gewünscht,
ich hätte sie den Inferi überlassen. Ihre Anwesenheit in
meinem Haus gefährdet mich, und um ganz ehrlich zu sein, sie
gefällt mir auch nicht. Doch ich kann es nicht mehr ändern.
Wir sitzen nun im selben Boot und müssen zusehen, daß wir
miteinander auskommen.
Ich habe nachgedacht, wie Sie in diesem
großen Spiel mitspielen können und vielleicht sogar eine
faire Chance zum Überleben bekommen. Doch was wir dazu machen
müssen, wird Ihnen genauso wenig gefallen wie mir. Aber es ist
Ihre einzige Chance zu überleben. Und nun zu meine Fragen und
beantworten Sie mir diese wahrheitsgemäß:
Habe Sie
Vertrauen in meine Fähigkeiten?"
"Hundertprozentig."
"Fürchten
Sie sich vor mir?"
"Manchmal schon."
"Glauben
Sie, daß ich auf Dumbledores Seite stehe?"
"Keine
Ahnung."
"Ich will nichts von ihren Ahnungen wissen,
Miss Granger, ich will Antworten. Also noch einmal: Glauben Sie,
daß ich auf Dumbledores Seite stehe?"
"Ich hoffe
es, Sir, ich hoffe es sehr. Aber ich habe Zweifel."
Snape
nickte.
"Glauben Sie, daß ich auf Voldemorts Seite
stehe?"
"Nein, das kann und will ich nicht
glauben."
"Aber was glauben Sie dann, Miss Granger? Wenn
ich nicht auf Voldemorts Seite stehe, und auch nicht auf Dumbledores,
welche Seite könnte es dann noch geben?"
Hermine sah
Snape mit großen Augen an, wollte nicht sagen, was sie wirklich
glaubte, doch sie hatte keine Chance zu schweigen, denn ihr Mund
begann wie von selbst zu sprechen.
"Ich glaube, Sir, Sie
haben keinen anderen Herren, außer sich selbst. Und in dieser
ganzen Angelegenheit verfolgen Sie nur ihre eigenen Ziele, ihre
eigenen Interessen. Sie sind der undurchschaubarste Mensch, den
ich kenne - doch wenn wir Glück haben, sind ihre Interessen auch
die von Professor Dumbledore."
Kurz herrschte Schweigen im
Labor.
"Sie sind clever, Miss Granger ... wirklich clever",
murmelte der Professor. Dann beugte er sich gespannt vor, und seine
schwarzen Augen brannten sich mit seinen nächsten Worten
förmlich in Hermines Schädel.
"Und wenn ich Ihnen
einen Weg aufweisen kann, Miss Granger, einen Weg, der Dumbledore
einen entscheidenden Vorteil verschaffen könnte. Der ihm einen
Trumpf in die Hände spielt, der uns zum Sieg über den
Dunklen Lord führen könnte und der vielleicht sogar ihrem
Freund Potter das Leben retten könnte:
Würden Sie
mitmachen? Wären Sie bereit, dafür mehr als Ihre Gesundheit
und ihr Leben aufs Spiel zu setzten? Würden Sie Ihre Seele dafür
riskieren?"
Schweigen breitete sich im Labor aus. Nur Snapes
gespanntes Atmen war zu hören.
"Ja", flüsterte
Hermine schließlich, "ich denke, das würde
ich."
Snape lehnte sich zurück und schenkte ihnen
beiden Tee nach.
"Denken Sie an Ihre Worte, Miss Granger.
Erinnern Sie sich daran. An jedes einzelne ihrer Worte. Es ist die
reine Wahrheit. Die Wahrheit jenseits aller Angst."
Snape
trank seinen Tee aus und stand auf.
"Ich bin in etwa einer
Stunde zurück. Bis dahin hat die Droge ihre Wirkung verloren.
Ich werde danach keine weiteren Respektlosigkeiten tolerieren. Und
wir werden uns über meine Pläne für sie unterhalten.
Bis dahin trinken Sie vom Tee, er wird die Droge schneller
neutralisieren, und schmökern Sie ruhig weiter. Es ist eine gute
Vorbereitung auf das Kommende."
Im Gehen wandte er sich noch
einmal Hermine zu.
"Ach, bevor ich es vergesse. Da gibt es
noch etwas, was ich fragen wollte:
Ich wüßte doch zu
gern den wahren Grund, warum Sie mich nicht leiden können."
Hermine
stand auf und trat Snape entgegen. Sie haßte ihn! Er ließ
ihr keine Wahl, als ihm die Wahrheit zu sagen, selbst wenn sie es
nicht wollte. Doch zumindest konnte sie ihm zeigen, daß sie
dieses Mal zu dem stand, was sie sagte.
Sie sah ihm direkt in
seine harten stechenden Augen und ihre Stimme schwankte kein bißchen,
ihr Blick war ebenso hart und unnachgiebig wie der seine.
"Weil
Sie mich für etwas verachten, für das ich nichts kann. Und
für das es auch nicht den geringsten Grund gibt, sich zu
schämen. Sie verachten mich wegen meiner Abstammung. Sie
glauben, Sie seien etwas Besseres! Und das nur wegen ihrer Herkunft.
Sie sind nichts weiteres als ein widerlicher Rassist! Und Sie sind in
meinen Augen nicht minder verabscheuungswürdig, als ich in den
Ihren."
Einen Moment lang starrten sie sich an. Ihre Blicke
fochten ein stummes Duell aus, bei dem keiner der beiden bereit war,
auch nur einen Deut zurückzuweichen. Die Spannung zwischen ihnen
steigerte sich bis ins Unerträgliche. Gleich würde sie sich
in Mord und Totschlag entladen.
Doch Snape drehte sich abrupt auf
den Fersen um und ging, ohne etwas auf das ebengesagte zu
erwidern.
~~~~
"Wurmschwanz?"
Nichts war
zu hören. Der Professor ging die Treppe hoch und öffnete
vorsichtig mit einem Schwenk des Zauberstabs die Tür zu
Pettigrews Zimmer. Er traute ihm zu, daß er ihm eine Falle
gestellt hatte.
Doch tatsächlich war das Zimmer leer. Nichts
wies mehr auf seinen früheren Mitbewohner hin. Anscheinend war
er tatsächlich gegangen. Trotzdem betrat Snape nicht das Zimmer,
sondern deutete nur mit dem Zauberstab hinein,
sagte:
"Purgamentum!"
Ein heller Lichtstrahl
löste sich aus seinem Zauberstab und fuhr wie ein Blitz ins
Zimmer. Er durchstreifte es wie auf der Suche nach irgend etwas und
begann sich dann netzartig aufzusplitten. Ein Rumpeln war zu hören,
etwas erschütterte kurz den Raum, das Lichtnetz zog sich
zusammen und verharrte als leuchtende Kugel im Raum. Snape stand im
Türrahmen und schüttelte den Kopf. Dachte Wurmschwanz
wirklich, daß er so leicht reinzulegen war. Der Lehrer für
Zaubertränke ging zur Lichtkugel und betrachtete sich Pettigrews
Hinterlassenschaft.
Nicht schlecht, dachte er. Die Ansammlung der
Flüche im Netz hätte ihn für eine Weile beschäftigt.
Er sah genauer hin: War da nicht sogar ein Knochenbrechender
Treppenstolperfluch? Seit wann war Wurmschwanz so kreativ?
Mit
einer lässigen Bewegung seines Zauberstabs ließ er die
Kugel in Flammen aufgehen und entledigte sich der darin gefangenen
Flüche. Anschließend ging er durch jedes einzelne Zimmer
des Hauses, jeden Korridor, jede Kammer und wiederholte die ganze
Reinigungsprozedur.
In Wurmschwanz steckte in der Tat mehr
Kreativität und Witz, als er angenommen hatte, stellte er
anschließend fest. Der beißende Toilettensitz war der
Lustigste aller Flüche gewesen. Und sollte er Wurmschwanz jemals
wiedersehen, würde er ihn kopfüber in die nächste
Toilette werfen, allerdings nicht ohne vorher den gleichen Fluch über
dem Toilettensitz ausgesprochen zu haben.
Der Professor ging
nach unten in sein kleines vollgestelltes Wohnzimmer und überlegte
sich, wo er Granger unterbringen sollte. Er konnte sie schlecht dort
unten im Labor lassen und auch wenn ihm der Gedanke nicht gefiel, sie
frei in seinem Haus herumstreifen zu lassen, was blieb ihm anderes
übrig?
Sie mußte essen, das Bad benutzen und Zugang
zum magischen Zimmer haben. Insoweit war die Unterbringung in
Wurmschwanzs altem Zimmer die einzig richtige Wahl.
Er ging zu
einem der Bücherregale und nahm Hermine Grangers Zauberstab vom
Board. Er hatte ihn ihr abgenommen, bevor er sie bei den Todessern
abgesetzt hatte. Nun würde sie ihn wieder brauchen.
Das
Wohnzimmer, dachte er, würde er vor ihr verschlossen halten.
Viel zuviel gefährliche Bücher standen hier. Und Miss
Granger würde vermutlich kaum ihre vorwitzige freche kleine Nase
aus ihnen heraus halten können.
Er ging nach unten und bevor
er die Tür zum Labor öffnete, dachte er daran, wie sie ihm
in die Augen gesehen hatte, als sie ihm sagte, wie sehr sie ihn
verabscheute.
Er hatte ihre Stärke gespürt, ihre kalte
unterdrückte Wut. Sie hatte ihm direkt in die Augen gesehen und
war seinem Blick nicht ausgewichen, war kein Stück vor ihm
zurückgewichen. Im Gegenteil. Sie war für eine
Konfrontation bereit gewesen. Es hatte ihn ziemlich beeindruckt! In
ihr steckte eine Kriegerin - und er würde sie aus ihr
herausholen.
Er öffnete die Tür und sah auf Hermines
Rücken, die über seinem Zaubertrankbuch gebeugt darin las.
Dann sie sah auf, drehte sich um und sagte:
"Dann nehme ich
an, sind Sie ab jetzt mein Professor Für die Anwendung der
Dunklen Künste. Wenn ich Sie richtig verstanden habe?"
Snape
ließ sich nicht anmerken, daß sie ihn wieder überraschte.
Er ging auf sie zu, drückte ihr den Zauberstab in die Hand und
sagte:
"Genau. Das ist ein ziemlich kluges Köpfchen, auf
Ihren Schultern. Sehen wir zu, daß er auch dort verbleibt. In
der Tat, Miss Granger, Ihre Vermutung ist richtig. Von nun an werde
ich Sie in den Dunklen Künsten unterrichten. Es wird sich kaum
vermeiden lassen, daß Sie dabei verletzt werden und Schmerzen
erleiden. Doch wenn es Sie tröstet: Sie werden mir alles in
gleicher Münze zurückzahlen dürfen, allerdings nur,
wenn Sie können."
Wenn das mal keine Motivation ist,
dachte Hermine, während Snape fortfuhr.
"In diesem
Unterricht werden Sie sich nicht zurückhalten müssen. Im
Gegenteil, die einzige Regel, der Sie ab jetzt folgen werden, lautet:
Überleben um jeden Preis!
Ihr Freund Potter würde
Sie um diese Ausbildung beneiden - aber der ist auch ein Idiot! Denn
was Ihnen bevorsteht, ist nicht schön, macht keinen Spaß,
ist schmerzhaft und gefährlich. Von nun an müssen Sie
lernen, wie ein Schwarzmagier zu handeln, zu denken und zu
zaubern."
"Na klasse!", dachte Hermine
sarkastisch.