EIN HELD, WIE ER IM BUCHE STEHT

      von Tessa


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Müde räkelte sich Harry in seinem Bett bei den Dursleys, drei Wochen war er nun schon hier und es gab nicht ein einziges Zeichen dafür, dass er bald zu den Weasleys konnte

Müde räkelte sich Harry in seinem Bett bei den Dursleys, drei Wochen war er nun schon hier und es gab nicht ein einziges Zeichen dafür, dass er bald zu den Weasleys konnte. Die Dursleys ließen ihn wegen Sirius in Ruhe, es war aber trotzdem sehr langweilig da. Langsam schlummerte er ein und begann zu träumen. Er träumte von Wäldern, schönen grünen Wäldern. Doch nach und nach wurden die Wälder immer dunkler. Sie wurden schwarz und gruselig, wie der verbotene Wald in Hogwarts. Er hatte das Gefühl, als ob er über einen sehr großen und dunklen Wald schwebte. In der Nähe war irgendwo Feuer. Er kam näher und als nächstes spürte er einen scharfen und brennenden Schmerz durch seine Narbe - sie brannte so stark das er vor Schmerz beinahe losgeschrien hätte. Doch irgendwas hielt ihn im Traum und er hatte das Gefühl, dass ein Bild vor seinen Augen immer klarer wurde und dann zeigte es sich ihm in voller Deutlichkeit. Ein großes Feuer loderte, schwarze Gestalten standen um das Feuer herum. In der Mitte kniete ein Mann, die Hände waren auf dem Rücken gefesselt, sein Oberkörper nackt und von Brand und Stichwunden überseht. Das schwarze Haar hing wirr um seinen Kopf herum, es war ein zerschundenes blutiges Gesicht zu sehen, das in dem Schein des Feuers schweißnass glänzte. Einzig die schwarzen Augen blickten stolz und unverwandt geradeaus, sie funkelten und glitzerten. Aus dem Kreis der Schwarzgekleideten löste sich eine große dürre Gestalt, den Zauberstab drohend erhoben. Seine kalte hohe Stimme wisperte im bedrohlichen Tonfall: „Nun ja Severus, du erweist dich als widerspenstig. Damit hätte ich eigentlich rechnen können. Doch darauf kann ich leider keine Rücksicht nehmen, ich brauche einfach ein paar Antworten auf einige Fragen. Vielleicht sollten wir zur Übung mal mit etwas sehr Leichtem anfangen." Die große Gestalt beugte sich so nah zu dem knienden Mann herunter, dass sich die Gesichter fast berührten. „Sage mir", flüsterte er fast unhörbar, „wer ist der größte Zauberer der Welt?" Der Mann stieß ein trockenes kurzes Lachen aus. „Albus Dumbledore" sagte er mit fester und eindeutiger Stimme, die gar nicht zu seinem geschundenen Körper passte. Ruckartig stand der dürre Zauberer auf, drehte sich um und entfernte sich einige Meter. Dann drehte er sich wieder um und zückte den Zauberstab. „Crucio" Harrys Kopf begann zu brennen, die Schmerzen wurden so stark, dass er aus dem Traum gerissen wurde und sich wieder in seinem kleinen Schlafzimmer fand. Schnell stand er auf und begann ruhelos im Zimmer umher zu gehen. Erst jetzt realisierte er nach und nach, was er gesehen hatte. Ein Mann - Snape - wurde gefoltert. Voldemort wollte Antworten, und Snape hatte schon die erste falsch beantwortet. Er war schon schwer verletzt, aber er war standhaft, er stand zu Dumbledore. Dumbledore. Plötzlich blieb Harry stehen. Dumbledore. Wenn Snape jetzt alleine da draußen war und um sein Leben kämpfte, dann wusste Dumbledore gar nicht, dass Snape in Gefahr war. Harry drehte sich zu seinem Schreibtisch und wollte schon eine Nachricht schreiben, da fiel ihm ein, dass er gar keine Nachricht schicken konnte. Hedwig war erst gestern nachmittag mit einem Brief für Hermine nach Australien geflogen, die dort die Ferien bei ihrer Cousine verbrachte. Entsetzt ließ sich Harry auf sein Bett fallen. Das konnte doch nicht wahr sein. Aber er konnte nicht resignieren. Nicht wenn Snape da draußen um das nackte Überleben kämpfte und Dumbledore treu blieb. Es war jetzt total egal wie wenig Snape Harry und seine Freunde und Sirius leiden mochte, hier ging es um das Prinzip. Harry setzte sich wieder gerade auf . Er musste jetzt seine Gedanken sortieren. Wie könnte er Dumbledore sonst eine Nachricht überbringen? Auf alle Fälle würde er mit Muggeltransportmitteln reisen müssen, denn Zauberei war ihm verboten. Aber doch nicht im Notfall! Beflügelt von dieser Erkenntnis ging Harry zu seinem Koffer, schnappte sich seinen Besen und Tarnumhang und zog sich noch schnell etwas an. Startbereit stand er auf der Fensterbank, als ihm einfiel , dass er gar nicht wusste, wo er hinfliegen sollte. Sanft stieß er sich ab und schwebte einige Minuten lang über den Reihenhäusern. Hogwarts war im Norden, dann wäre es vermutlich am besten nach Norden zu fliegen. „Zeige mir den Weg" murmelte er seinem Zauberstab zu, der sich dann sofort ausrichtete. Trotz der Schnelligkeit seines Besens kam Harry der Weg extrem lang vor und er war schon fast eingedämmert, als er merkte, dass er mitten in ein Unwetter geflogen war. Der Regen peitschte ihm ins Gesicht und die Windböen trieben ihn hin und her. Harry versuchte verzweifelt die Kontrolle über seinen Besen zu behalten, doch der Wind war viel stärker. Er trudelte unkontrolliert mit dem Besen durch die Luft und konnte auch gar nichts mehr sehen durch den dichten Regen und die vielen Wolken. Harry hatte das Gefühl, als ob er schon Stunden durch das Unwetter flog, da eröffnete sich ihm endlich mal wieder ein Blick nach unten und die blanke Angst überfiel ihn, als er sah, dass er über Wasser flog. Er sah sich hastig um. Überall, überall nur Wasser. Panisch kramte Harry nach seinem Zauberstab, um wenigstens die Richtung wieder bestimmen zu können doch dann erfasste ein Windstoß ihn und er musste alle Kräfte aufwenden um wieder ins Gleichgewicht zu kommen. Nach einiger Zeit hatte es sich dann wieder beruhigt doch ein weiterer Blick auf die Erde stärkte die Verzweiflung in Harry, denn erneut sah er auf das offene Meer. Auch der 4 Punkte Zauber offenbarte ihm nur, dass er weiter nach Norden flog. Doch nach Westen oder Osten? Und wie sollte er zurückkommen ohne vor Müdigkeit in das Meer zu stürzen. Hätte er doch bloß nicht geträumt. Vielleicht ist es gar nicht passiert und Snape arbeitet gerade in seinem Kerker neue Gemeinheiten aus und Harry hat sich über dem Ozean verirrt und wird obendrein von der Schule geworfen! Er hatte ja schon häufig furchtbare Situationen durchgestanden, aber das hier war wirklich schlimm, denn diesmal war er ganz einsam und keiner konnte ihm helfen. Diese und andere Zweifel plagten ihn während der nächsten Stunden, so dass er gar nicht bemerkte, dass er wieder Land sehen konnte. Doch irgendwann schreckte er auf und sah, dass unter ihm eine in der Morgendämmerung aufhellende Landschaft zu sehen war. Der Wind hatte sich beruhigt und Harry beschloss erst einmal zu landen, bevor er wieder in irgendwelche Schwierigkeiten geriet. Er landete auf einer schönen hellen Lichtung in der nähe eines hellgrünen Laubwaldes. Entspannt atmete er die Luft ein, streifte sich den Tarnumhang ab und setzte sich. Jetzt musste er klar denken. Snape konnte er gerade nicht helfen, da er sich selbst erst mal helfen musste. Zuerst musste er herausfinden wo er war, vielleicht war hier irgendwo ein Dorf in der Nähe in dem er Hilfe finden konnte. Er stand auf und hielt plötzlich inne. Aus dem Wald raschelte etwas. Schnell streifte er sich den Tarnumhang wieder über und ging in Deckung. Es war etwas Schwarzes, etwas großes Schwarzes. Trotz der hellen Sonne und der schönen Umgebung schauderte es Harry. Gebannt starrte er auf den Wald, hier würden doch keine Todesser hinkommen? Das ist doch total unmöglich. So ein Pech konnte doch niemand auf der Welt haben außer - nun ja, Harry vielleicht. Das Rascheln wurde lauter und es hörte sich an wie mehrere schnell laufende Menschen. Vorsichtshalber umfasste Harry seinen Zauberstab, er wollte keine unangenehmen Überraschungen. Dann kamen die Personen aus dem Wald heraus - doch es waren keine Personen. Es war ein Pferd, ein riesiges Pferd, am Rücken maß es sicher 180 cm. Es war rabenschwarz, hatte eine lange, dichte und gewellte Mähne und war kräftig und muskulös. Obwohl kein Grund bestand, nahm Harry den Tarnumhang wieder ab und ging auf das Pferd zu. Dieses betrachtete ihn aufmerksam. Das Pferd hatte einen schwarzen Sattel und eine schwarze Trense und beides war silbern verziert. Wem es wohl gehörte, wer ließ denn so ein edles Pferd aufgezäumt herum laufen? Harry war nun ganz nahe am Pferd und sah das es schwitzte und recht schnell atmete. Vorsichtig begann Harry es mit der Hand am bebenden Hals zu streicheln. Das Pferd sah weiterhin aufmerksam zu, doch es senkte seinen Kopf, damit Harry ihn besser streicheln konnte. Nach einigen Minuten knickte das Pferd plötzlich mit den Vorderbeinen ein und dann auch mit den Hinterbeinen. Verwirrt sah Harry auf das Pferd hinunter. Das wieherte leise und ruckte mit dem Kopf ungeduldig nach hinten. Harry war sich nicht sicher, ob das Pferd ihn aufforderte aufzusteigen, doch irgend etwas an dem Pferd ließ ihn seinen Besen und seinen Umhang holen und dann begann er vorsichtig sich auf das Pferd zu setzten. Er war noch nie geritten. Dudley durfte einmal in einem Tierpark reiten, doch das arme Pony war damals so erschöpft durch sein Gewicht und durch die ständigen Schläge von Onkel Vernon, dass es Dudley abwarf, der daraufhin überall verkündete, dass reiten sowieso nur was für Waschlappen sei, obwohl er sich an kein Pferd mehr heran traute. Doch das schwarze Pferd war in die Knie gegangen und so war es für Harry ziemlich leicht aufzusitzen. Ängstlich hielt er sich an dem prächtigen Sattel fest, als sich das Pferd dann wieder erhob. Als ob es fragen wollte, ob alles in Ordnung sein, drehte es den Kopf nach hinten und setzte sich langsam in Bewegung. Harry hatte es sich um einiges wackliger vorgestellt und war doch angenehm überrascht, dass es fast so angenehm wie auf dem Feuerblitz war. Doch dann wurde das Pferd irgendwie schneller und Harry wurde auf dem Rücken hin und her geschleudert, so dass er fürchtete gleich herunter zu fallen. Unsicher versuchte er das Pferd zum Anhalten zu bringen, doch wie machte man das. Er klammerte sich panisch an den Zügeln fest. Dann wurde das Pferd noch schneller und Harry war vollkommen ratlos, was er machen sollte. Doch dann war es plötzlich wieder bequem, obwohl das Pferd jetzt ganz schnell war. Es war bequem wie auf einem Schaukelstuhl und Harry begann sich zu entspannen ohne seine Griffe zu lockern, denn man konnte ja nie wissen. Er begann die Umgebung um sich herum wahr zu nehmen, das Pferd führte ihn durch Wälder und über Wiesen. Vielleicht würde es ihn in ein Dorf führen, nur was er dort dann machen sollte, das war ihm auch noch nicht klar. Doch die Wälder um ihn verdichteten sich und er bekam das Gefühl das das Pferd ihn nicht so schnell in ein Dorf führen würde. Wenn er doch nur wüsste, wie man diese Viecher anhält. Bei einem Besen war das viel simpler. Aber dann wurde das Pferd von selbst viel langsamer und hielt auf einer schattigen Wiese an und begann zu grasen. Harry sah auf den Boden und ihm war klar, dass das Absteigen nicht gerade etwas Leichtes war. Er versuchte gerade sein Bein über den Rücken des Pferdes zu schwingen, als ihm silberne Lettern auf der rechten Sattel Pausche auffielen. „Shalom" stand dort. Er berührte die kunstvoll verzierten Lettern. Ein Augenblick hatte er das Gefühl, etwas kaltes, metallenes in der Hand zu haben, doch es war wieder weg. Verwirrt sah Harry auf den Namen und strich erneut drüber. Schon wieder fühlte er das Kalte. Nach einigen Malen wurde ihm klar, dass er das Kalte nur am Anfang spürte und er legte seine Hand nur auf das „S". Plötzlich spürte er dann einen Griff. Er zog daran und hob etwas hoch und sah eines der prächtigsten Schwerter, die er je gesehen hatte hoch. Es konnte sogar mit dem Schwert von Gryffindor konkurrieren, das Harry im 2. Schuljahr gegen den Basilisken gebraucht hatte. Smaragde und Saphire funkelten am Griff, das Schwert war aus strahlendem Silber gefertigt. Bewundernd sah er es an. Doch plötzlich wurde es heiß und Harry hätte es fast losgelassen, hätte er nicht eine rotglühende Schrift auf der anderen Seite bemerkt. Verblüfft drehte er das sich schon wieder abkühlende Schwert und sah auf der Seite einen Namen dunkelrot flackern „Harry Potter". Über seinem Namen standen schon viele andere Namen. Die meisten funkelten nicht mehr rot, sie waren nur noch Gravuren. Doch neben seinem Namen funkelten noch zwei andere. „Albus Dumbledore" funkelte ein Stück über seinem Namen und dazwischen noch „Nathaniel Caylie". Vielleicht leben nur die funkelnden Namen noch. Harry wollte gerade weiter oben gucken, als er ein leichtes Flackern zwischen „Nathaniel Caylie" und „Albus Dumbledore" bemerkte. Nur ein leichtes schwaches Flackern. „Severus Snape" Das würde bedeuten, dass Snape noch am Leben ist. Wenn auch nicht mehr quiek lebendig, denn dann würde sein Name auch funkeln. Das heißt, das im Falle seines Todes sein Name erlöschen würde. Neugierig sah Harry auf das Schwert und schaute, welche Namen noch auf dem Schwert waren. Zu seiner Überraschung las er „Lily Potter" unter den erloschenen Namen. Das würde ja bedeuten, dass seine Mutter dieses Schwert auch benutzt hatte. Doch wer benutzte es jetzt gerade? Wenn dieses Pferd doch bloß reden könnte, dann wäre vieles leichter. Als ob er ihn verstehen würde, hob Shalom den Kopf und wandte ihn nach links. Nachdenklich kraulte Harry ihn zwischen den aufmerksam gespitzten Ohren. Ruckartig ließ er los. Wenn der Name des Pferdes auf dem Sattel stand, dann vielleicht auch der Name des Besitzers. Aufgeregt begann Harry den gesamten Sattel zu untersuchen. Dann entdeckte er auf einem kleinen Rand am Knauf eine silberne Schrift. Das was darauf stand, ließ ihm die Eingeweide gefrieren. Erneut fand sich der Schriftzug „Severus Snape" bei diesem Pferd und das konnte doch kein Zufall mehr sein. Das kann es doch gar nicht geben. Entsetzt ließ sich Harry auf den Hals des Pferdes sinken. Er träumt wie Snape gefoltert wird, sucht ihn, geht dabei verloren und taucht irgendwo in einem Wald auf, wo ihn dann ausgerechnet Snapes Pferd aufgabelt. Eigentlich hätte er Voldemort gleich schreiben können, „Ich komme heute abend. Lassen Sie uns bei Flourish and Blotts treffen." Da sollte noch mal jemand behaupten, dass er Ärger nicht anzog, was für ein Schlamassel. Doch erstmal musste er Snape helfen. Wie zur Versicherung ob Snape noch lebte und ob es sich noch lohnte ihn zu retten sah Harry auf das Schwert, doch der Name flackerte noch schwach. „Na du!", murmelte er dem Pferd zu, „Du weißt doch sicher wo dein Herr steckt." Shalom wieherte wie als Anwort und begann wieder die schnelle bequeme Gangart einzulegen. Während dessen versuchte Harry sich irgendwelche Pläne zur Rettung von Severus Snape zurecht zu legen, was vermutlich sowieso keinen Sinn hatte, da Voldemort Harry sowieso umbringen würde, wenn er ihn nur sehen würde. Sag mal bist du eigentlich blöd, fragte sich Harry. Fliege nach England und sag Dumbledore Bescheid, der wird das schon regeln. Doch dann fiel Harrys Blick wieder auf den schwach flackernden Namen von Snape und ihm war klar, das er viel zu viel Zeit brauchen würde, wenn er jetzt zurückfliegen würde und außerdem könnte er Dumbledore gar nicht sagen wo Snape sich aufhält. Müde ritt er weiter. Was sollte er denn tun? Konnte er irgendwas ausrichten? Hatte er irgendwelche Mittel um sich zu verteidigen? Natürlich, das Schwert und sein Zauberstab, doch das würde ihm auch nichts bringen. Shalom lief jetzt immer tiefer in den Wald und bald war es so dunkel, dass Harry nicht einmal mehr die Sonne erkennen konnte. Dann hörte er plötzlich ein Geräusch. Panisch versuchte er Shalom zum Anhalten zu bringen, doch er wusste nicht wie. Kurz danach hielt das kluge Pferd von selbst an, denn es hatte auch etwas bemerkt. Harry war jetzt hinter einem großen dunklen Baum vor einer kleinen Lichtung. Die Geräusche wurden immer lauter und Harry hoffte, dass keiner sie sehen oder hören würde. Dann kamen mehrere dunkle Gestalten aus dem Wald, zwei große und breite und eine große und schlanke. Ihre Gesichter waren verhüllt und Harry war klar, dass es sich um Todesser handelte. Doch sie waren nicht allein. Alle drei hielten jeweils eine junge Frau, hübsche Frauen. Das Blut gefror Harry in den Adern. So wie es aussah, waren das Muggel Frauen. Sie würden doch nicht etwa...? Harry wurde ganz plötzlich schlecht. Die Männer blieben auf der Lichtung stehen und einer sagte mit kalter Stimme: „Ah, jetzt weiß ich wieder, wo wir sind, wir sollten jetzt da lang gehen." Er deutete in Harry's Richtung. Panik erfasste Harry. Würden sie ihn sehen? Gut das seine Haare schwarz waren und auch Shalom ein kohlrabenschwarzer Rappe war, sie könnten Glück haben. Vorsichtig legte Harry sich auf Shaloms Hals und verbarg sein Gesicht in der Mähne. Er wartete, wartete bis er gar nichts mehr hören konnte. Shalom stand da und rührte sich nicht. Dann stützte sich Harry wieder auf. Er konnte keinen mehr sehen. Vorsichtig und sehr langsam folgten sie den drei Männern. Also, wenn er Glück hätte, würde er es bis zu den Todessern und Snape schaffen. Nur was dann? Harry versuchte sich vorzustellen, wie es da wohl aussehen würde. Vielleicht würden sie in einem Kreis stehen. Das Feuer wäre an. Und Snape wäre dann da irgendwo - gefesselt. Er könnte seinen Tarnumhang benutzen, doch wenn Dumbledore ihn im Tarnumhang erkennen konnte, dann könnte das Voldemort auch möglich sein. Trotzdem musste er es versuchen. Shalom musste er natürlich ein ganzes Stück entfernt lassen, vielleicht könnte er entkommen, wenn die Todesser ihn bemerken und dann mit Shalom entkommen. Hoffentlich blieb das Pferd dann da stehen, sonst wäre er aufgeschmissen. Okay, er sollte sich mehr auf die Rettung konzentrieren. Vielleicht war Snape nicht so schwer verletzt, wie angenommen. Vielleicht konnte Harry ihm das Schwert zuwerfen oder irgendwas anderes. Dann konnte er Harry helfen. Gequält ließ sich Harry erneut auf Shaloms Hals sinken. Es bringt irgendwie gar nichts über etwas zu spekulieren bevor man die Umstände erfährt. Der Weg war leicht zu finden, denn die Todesser hatten eine deutliche Spur hinterlassen. Harry war wieder in seinen Gedanken versunken, als Shalom plötzlich stehenblieb. Er schreckte hoch und sah, dass sie am Kopf einer Anhöhe standen und am unteren Ende der Anhöhe sah er ein großes Feuer brennen. Alles in ihm zog sich zusammen. Da setzte sich Shalom wieder in Bewegung und setzte vorsichtig ein Huf nach dem anderen die Anhöhe herunter. Auf der Mitte hielt er an und schnaubte ganz leise. Harry zitterte jetzt teilweise. Verdammt, er war wahnsinnig geworden. Was machte er hier? Er hatte nicht eine Chance. Unsicher ließ er sich von Shaloms Rücken gleiten, nahm das Schwert und zog sich seinen Tarnumhang drüber. Eine kleine bösartige Stimme in seinem Hinterkopf flüsterte: „Was machst du hier? Du rennst hier in deinen sicheren Tod. Ist ein Mann wie Snape das Wert?" Wie in einem Film gingen Harry Bilder durch den Kopf, Snape in der ersten Zaubertrankstunde, Snape wie er Sirius den Dementoren ausliefern wollte, Snape wie er Hermine beleidigte, wie er Nevilles Kröte vergiften wollte, wie er den Gryffindors x Punkte abzog, wie er sich von Malfoy beschleimen ließ, wie er sie wegen dem fliegenden Auto aus Hogwarts herauswerfen wollte, wie er Harry aus dem Gryffindor Quidditch Team eliminieren wollte. Doch davor schob ein einziges anderes Bild. Snape, wie er blutig, verschwitzt und dem Tode nahe, Voldemort die Stirn bot. Wie er wie ein Held seine Treue zu Dumbledore beschwor. Langsam richtete sich Harry auf und atmete tief durch. Es war es wert. Langsam ging Harry den Rest der Anhöhe hinunter und stand hinter dichten Bäumen und Büschen. Vorsichtig ging er bis zu dem Rand und versteckte sich hinter einem letzten Baum vor der freien Fläche. Ein Bild des Grauens bot sich ihm. Ihm Gegenüber, auf der anderen Seite des Feuers standen die vermummten Todesser, vor ihnen lagen drei zusammengekauerte Gestalten. Voldemort stand auf der anderen Seite, mit dem Rücken zu Harry. Trotz seiner Angst atmete Harry erleichtert auf. So konnte Voldemort ihn wenigstens nicht sehen. Doch weiter vor Voldemort kniete eine Gestalt die zu Harrys Erleichterung noch recht heftig atmete, das schwarze Haar, über dessen Aussehen so viel gelästert wurde, war blutverklebt und sah auch ungleich lang aus. Die rechte Gesichtshälfte war jetzt über und über mit Blut verkrustet, was in Harrys Traum noch nicht so gewesen war. Der schlanke schweißglänzende Oberkörper wies überall große Wunden auf, vor allem Brandwunden, die in ihrer Farbe von rot bis schwarz variierten. Die schwarze Hose, die Snape noch trug, war blutverschmiert und auf dem rechten Bein glaubte Harry einen Hautfetzen zu erkennen. „Nun dann Severus!" Die kalte hohe Stimme lenkte Harrys Aufmerksamkeit auf Voldemort. „Es wäre simple, zu simple dich einfach umzubringen. Natürlich würde ich sicher Zeit sparen und auf die wichtigen Fragen könnten mir auch sicher andere Personen eine Antwort geben, ich denke da an Minerva oder..." Weiter kam er nicht denn er wurde durch ein zorniges Geräusch von Snape abgelenkt. Dieser hatte seinen Kopf stolz in Voldemorts Richtung gereckt. „Immer die schwachen, nicht wahr? Wer denn sonst, mit gleichen macht es doch kein Spaß, die könnten sich ja wehren. Keiner ist gut genug, nur diejenigen, die vor dir kriechen. Das ekelt mich an!" Keiner der für ihn typischen Untertöne schwangen in Snapes Stimme mit, sie war hart und entschlossen. Voldemort starrte ihn an und ging langsam auf ihn zu. Harry zitterte. Mit einer schnellen Bewegung zerrte Voldemort Snape hoch. „Wie ich sehe, haben wir noch nicht genug. Am liebsten würde ich dich wirklich töten, dein elendes Maul dir für immer stopfen. Doch ich habe höhere Ziele, das ist doch sehr edel von mir, nicht wahr? Wie wäre es, wenn ich vorher deinen Stolz brechen würde, alles was du weißt aus dir herausholen werde. Bis du nichts anderes mehr weißt, als das Lord Voldemort der Größte ist." Bedrohlich verklangen Voldemorts Worte in der Stille, die nur von dem Knistern des Feuers unterbrochen wurde. „Wieso bist du gegangen Severus?" Mit diesen Worten ließ Voldemort Snape wieder zu Boden sinken. „Du warst immer begeistert von den schwarzen Künsten. Du warst mein Anhänger, nicht nur weil du Angst vor mir hattest oder weil auch ein bisschen Macht wolltest, sondern weil dich die schwarzen Künste faszinierten. Mir ist wohl schon damals bewusst gewesen, dass das Foltern oder Vergewaltigen von Personen dir nicht liegt, das führte ich allerdings auf deine Jugend zurück, du warst einer der Jüngeren. Doch ich hätte nicht gedacht, dass das dich so abschrecken würde. Weshalb bist du gegangen Severus, warum nur?" Überrascht sah Harry in die Richtung von Snape und Voldemort. Das klang ja fast so, als würde sich Voldemort persönlich angegriffen fühlen, dass Snape ihn verraten hat. Snape schnaubte abfällig: „Jeder halbwegs intelligente Mensch würde eine Gruppe verlassen, die von Mord, Gewalt, Diskriminierung und Angst geprägt ist." Bei diesen Worten drehte Snape seinen Kopf zu den Todessern. „Habt ihr das gehört? Ist euch das klar?" Doch Voldemorts Gesicht war zornverzerrt und erneut unterwarf er Snape dem Cruciatus Fluch. Harry zuckte zusammen. Snapes Schreie waren nicht so wie die der anderen, die er unter dem Cruciatus Fluch hatte schreien hören, sie waren seltsam leise, als ob er versuchte sie zu unterdrücken. Dann besann er sich auf sein eigentliches Vorhaben und sah sich um. Wie konnte er Snape helfen? Dann sah er einige Meter rechts von ihm neben einem Busch einen schwarzen Umhang. Vorsichtig und um Stille bemüht bewegte er sich auf den Umhang zu und ertastete dann einen Zauberstab in ihm. Super, jetzt hatte er ein Schwert, ein Tarnumhang, zwei Zauberstäbe und ein Pferd. Verdammt, er musste unbedingt wissen ob Voldemort ihn in diesem Umhang sehen konnte. Vielleicht konnte das nur Dumbledore. Es war zum Verzweifeln! Doch wie sollte er es herausbekommen? Abermals fiel sein Blick auf das Schwert, welches schwer in seiner rechten Hand lag. Wenn er... ja es könnte funktionieren. Vorsichtig versteckte er sich hinter einem großen Baum, streifte den Tarnumhang ab und wickelte das Schwert darin ein. Dann schob er es von sich weg in eine Lücke zwischen zwei Bäumen, wo es Voldemort sehen könnte, wenn er sich umdrehen würde. Aufgeregt ließ er sich hinter den Baum in die Hocke sinken. Ängstlich kauerte er sich zusammen, der Busch an dem Baum müsste ihn eigentlich vollständig verbergen und er war immer noch ziemlich klein und dünn. Dann nahm er einen Stein und warf ihn mit voller Kraft an den gegenüberliegenden Baum. Mit klopfenden Herzen wartete er. Snapes Schreie verstummten abrupt, nur noch ein leichtes Stöhnen war zu hören. Er hörte Schritte hinter sich. Voldemort war jetzt genau zwischen den Bäumen. Harry sah seinen Schatten. Doch Voldemort schien nichts zu sehen. Er blieb einfach stehen. Lass ihn nichts sehen, lass ihn zurückgehen. Doch er blieb stehen. Harry kamen die Sekunden wie Jahrhunderte vor. Dann hörte er wieder ein leichtes Rascheln eines Umhanges. Der Schatten verschwand. Nach weiteren Sekunden war sich Harry sicher, dass Voldemort wieder weg war. Zur Absicherung drehte er sich vorsichtig und spähte um den Baum herum. Erschrocken ließ er sich zurückfallen. Voldemort war nur einige Schritte weitergegangen und lauschte vermutlich aufmerksam. Doch nachdem Harry weitere Schritte hörte, bewegte er sich wieder vorsichtig in Richtung Tarnumhang und Schwert. Er packte beides, warf sich den Tarnumhang um und stellte sich wieder so hin, dass er alles sehen konnte. Voldemort war jetzt zu den Todessern hinüber gegangen und gehässiges Lachen sagte ihm, dass sich alle mit den Frauen vergnügten. Das war seine Chance. Plötzlich war Harry klar, was er zu tun hatte. Er musste lautlos hinter Snape schleichen, sodass keiner ihn bemerkte. Dann musste er dessen Fesseln lösen und ihm seinen Zauberstab geben. Sein Herz klopfte schnell. Schnell warf er einen Blick zu Snape rüber. Dieser hatte den Kopf gesenkt. Hoffentlich war er überhaupt fähig zu kämpfen. Doch es war Harrys einzige Chance. Er vergewisserte sich noch mal, dass sein Tarnumhang alles verdeckte und dann schlich er leise zu Snape hinüber. Es war wirklich ein Segen, dass er leicht war, so würde niemand seine Schritte bemerken. Sein Herz schlug ihm bis zum Hals und er versuchte sich zu erinnern, wann er das letzte Mal so eine Panik gehabt hatte. Dann war er hinter Snape. Vorsichtig ließ er sich hinter ihm ins Gras sinken und betrachtete die Fesseln. Es waren nur Seile, es rechnete schließlich auch keiner damit, dass er in der Gegenwart von so vielen Zauberern ohne Zauberstab entkommen konnte. Mit einem einfachen Zauberspruch öffnete Harry die Fesseln. Er hörte wie Snape scharf die Luft einzog, doch er ließ sich sonst nichts anmerken. Harry nahm Snapes rechte Hand, die überall verschrammt war aber sonst unversehrt, vorsichtig hoch und schloss sie dann um Snapes Zauberstab. Das Lachen der Todesser sagte ihm, dass von ihnen keiner was bemerkt haben kann und auch Voldemort war noch bei ihnen, wie er mit einem kurzen Blick in seine Richtung bemerkte. Jetzt kam es drauf an. Er hoffte, das Snape irgend etwas einfallen würde, was ihnen genug Zeit verschaffen könnte. Plötzlich hörte er seine dunkle Stimme murmeln: „Wer auch immer Sie sind, wir können nicht einfach fliehen, sie wären zu schnell hinter uns. Wenn wir uns jetzt umdrehen, benutzen Sie alle Flüche die Ihnen einfallen. Das muss uns Zeit verschaffen." Harry war verdutzt über den klaren, rationalen Tonfall, dass er kurze Zeit brauchte um sich über das Gesagte klar zu werden. Die Todesser waren nach wie vor beschäftigt. Der dunkle Wald warf lange Schatten auf die Lichtung. Und irgendwo auf dem Abhang wartete die Rettung. Harrys Herz pochte wie schon so häufig in den letzten Stunden bis zum Hals. „Jetzt!" Harry drehte sich schnell um und neben ihm Snape. „Stupor! Impedimenta! Stupor!" Harry rief diese Flüche durcheinander und schickte sie blind in die Richtung der Todesser, die sich vor Schreck nicht rührten. Snape neben ihm feuerte ganze Fluchsalven in die Richtung und mehrere Todesser gingen zu Boden, doch einige kamen näher. Dann tauchte Voldemort auf und schrie etwas, was Harry nicht verstand und richtete den Zauberstab auf Snape. Doch der Fluch traf Snape nicht. Harry sah zum erstenmal wie ein Zauberer einen Fluch richtig abblockte. Der Fluch prallte zurück in die Menge der Todesser. Panisch registrierte Harry, dass Voldemort immer näher kam. Dann innerhalb eines Sekundenbruchteils, war er schon direkt vor Snape und hatte Harry umgestoßen. Harrys Narbe, welche die ganze Zeit schon im Hintergrund gepocht hatte, brannte wie Feuer. Sein Zauberstab rutschte ihm aus der Hand. Er wusste im nächsten Augenblick nicht was er tat, doch er riss das Schwert hoch und rammte es Voldemort in die Seite. Voldemort erstarrte. Das Schwert begann erneut zu glühen, und auf einmal schrie Voldemort. Er wurde von dem Schwert in die Masse der Todesser zurückgeworfen, denen das Entsetzen ins Gesicht geschrieben stand. Harry packte seinen Zauberstab, sprang auf und begann zu rennen. Das war die einzige Chance, eine weitere würden sie nicht bekommen. Hastige Schritte hinter ihm sagten ihm, dass Snape auf die gleiche Idee gekommen war und gemeinsam hechteten sie den Abhang hoch. Doch Harry verhedderte sich in seinem Tarnumhang und fiel der Länge nach hin. Der Tarnumhang rutschte dabei von ihm. Hinter ihm hörte er die Todesser bei der Verfolgung. Snape hatte Harrys Sturz bemerkt und hielt kurz inne um ihn hochzureißen. Harry packte den Tarnumhang und das Schwert fest. Sie rannten und Harry kam der Weg viel länger vor, mit den lärmenden Todessern im Nacken. Dann hörte er ein Schnauben. Shalom kam aus einem Gebüsch auf den Trampelpfad getrabt. Plötzlich spürte Harry einen festen Arm um seine Taille und ehe er sich versah saß er auf Shalom. Snape sprang schnell hinter Harry und dann raste Shalom den Abhang hoch. Harry sah sich zu Snape um, welcher Harry immer noch festhielt. Er hatte sich so gut gehalten, dass Harry an seinem eigenen Gedächtnis bezüglich Snapes Verletzungen zweifelte. Doch er hatte sich nicht geirrt. Snape sah immer noch genauso furchtbar aus wie vorher. Shalom hatte nun die Anhöhe bewältigt. Doch Harry bemerkte, dass er einen Kreis ritt. Natürlich, die jungen Frauen, sie konnten ja nicht einfach so im Stich gelassen werden. Schnell waren sie an der Stelle und es bot sich ihnen ein grausames Bild. Alle waren schrecklich massakriert worden, der Rasen war mit Blut überströmt. Harry musste schlucken und als er in Snapes Gesicht sah, erblickte er Ekel und Abscheu. Sie ritten weg. Für die Frauen konnten sie nichts mehr tun. Snape trieb Shalom querfeldein durch den Wald. „Wir müssen aufpassen, sie könnten noch hinter ins sein. So werden sie uns nicht so schnell folgen können." meinte er mit heiserer Stimme zu Harry. Shalom lief so schnell wie es Harry sich von einem Pferd gar nicht vorstellen konnte. Er drehte sich wieder zu Snape um. So viele Fragen schwirrten ihm durch den Kopf. Doch dieser hatte die Augen halb geschlossen und konnte sich anscheinend nur noch mühsam aufrecht halten. Hin und wieder sank er gegen Harrys Rücken, richtete sich aber sofort wieder auf, wenn er es bemerkte. Der Wald wurde wieder langsam heller und Harry spürte wie Shalom sein Tempo verringerte. Wenn er nach oben sah, erblickte er eine recht karge Berglandschaft. Irgendwann übermannte auch Harry die Erschöpfung und Müdigkeit und er sank auf Shaloms Hals.

Als er wieder erwachte, ging Shalom nur noch. Harry versuchte sich aufzurichten, doch Snape lag auf seinem Rücken. „Professor?" fragte Harry zaghaft. „Professor??" diesmal etwas lauter. Nach einem leisen Stöhnen, setzte sich Snape auf. Erleichtert bewegte sich auch Harry wieder in die Senkrechte und war von dem Blick überwältigt. Ein mächtiger Berg thronte vor ihnen. „Was ist das?" fragte Harry ehrfürchtig. „Der Ben Wyvis. Der fünfthöchste Berg in Schottland. Shalom fiel jetzt wieder in Trab, doch Snape nahm die Zügel auf und bremste ihn. In gemächlichem Tempo erklomm das tapfere Pferd den Berg. Etwa auf der Hälfte blieb er dann stehen. Verwundert drehte sich Harry zu Snape um, doch der sah nur geradeaus. Da erkannte Harry, dass in dem Felsen vor ihnen eine Art Häuschen war. Eine Holztür und zwei Fenster waren in einer Holzwand eingelassen, die an den Seiten von Efeu überwuchert war. Hinter Harry rutschte Snape vorsichtig von Shaloms Rücken und half dann Harry herunter. Er nahm das Pferd am Zügel und führte es an dem Eingang vorbei, bis sie einige Meter weiter an einer weiteren Holztür anhielten. Snape öffnete diese mit zitternden Händen und führte das Pferd hinein. Harry folgte und fand sich in einem gemütlichen Stall wieder. Er sah zu wie Snape versuchte irgendwelche Riemen zu lösen. „Professor?" „Ja?" antwortete Snape. „Wollen Sie sich nicht lieber hinsetzen? Sie könnten mir doch sagen, was ich tun soll!" Irritiert sah Snape Harry an, nickte dann aber. „Also als erstes macht man das Zaumzeug ab. Siehst du die Riemen, deren Verschlüsse unter dem Kopf sind?" Harry fand da zwei Riemen. „Öffne sie. Dann nimmst du den Zügel und streifst dann das Zaumzeug ab." So lernte Harry unerwartet, wie man sich um ein Pferd kümmerte. Snape gab Anweisungen und schrieb zwischendurch einen Zettel, den er mit einer Eule wegschickte. Doch als Harry den Stall öffnete, erwartete ihn eine Überraschung. Eine kleine weiße Ziege hüpfte dort durch das Heu. Überrascht sah er sich zu Snape um. Der sagte in nüchternem Tonfall: „Man sollte Pferde nicht alleine halten, sie langweilen sich sonst. Weiter unten ist eine Wiese für Shalom, da kommt sie auch immer mit drauf." Nachdem Harry Shalom getränkt, trocken gerieben und gefüttert hatte, ging er mit Snape in die „Wohnung". Zu seiner Überraschung gefiel ihm der angenehm kühle Raum, der mit Holzmöbeln ausgestattet war. Die Kessel fehlten nicht und Harry konnte auf Anhieb vier Stück erkennen, die vor sich hin brodelten. „Setz dich." Harry ließ sich auf einen Stuhl fallen, Snape sich auf einen, der ihm gegenüber lag. Er sah schrecklich aus. Das Gesicht war von aschgelblicher Farbe, die Wunden waren jetzt wo Harry genau hinsehen konnte noch furchtbarer. Die Augen fielen ihm häufig zu. Dann sah er Harry mehrere Minuten an. „Ich glaube, du hast einige Fragen?" „Ähm, ja, Sir! Eine Menge sogar. Diese Pferd, Shalom, ist ziemlich ungewöhnlich. Ich hatte immer das Gefühl, dass er mich verstehen würde. Und als ich nicht aufsteigen konnte, ist er wie ein Kamel mit den Vorderbeinen eingeknickt. Ist das ein, hmm, normales Pferd?" „Doch, er ist ziemlich normal, aber auch ziemlich klug." Zu seinem Erstaunen sah Harry ein müdes Lächeln in Snapes Gesicht. „Ich habe auch ein paar Fragen: Wie bist du überhaupt dahin gekommen? Woher wusstest du was los war?" „Ich bin letzte Nacht aufgewacht, weil ich einen Traum hatte und meine Narbe wieder schmerzte - ähm, und ich habe von Ihnen geträumt, wie Sie gefoltert wurden." Harry hielt kurz inne. „Vielleicht hat Ihnen Professor Dumbledore davon erzählt, dass ich...?" „Ja, ich weiß davon. Und was hast du dann gemacht?" „Eigentlich wollte ich eine Eule an Dumbledore schicken, aber Hedwig brachte gerade einen Brief und dann wollte ich selbst hinfliegen, war ja schließlich ein Notfall, und dann bin ich in einen Sturm gekommen und irgendwo bin ich dann gelandet. Dann kam Shalom, aber ich wusste immer noch nicht, wo ich war. Kurz danach entdeckte ich das Schwert und ihr Name hat immer so komisch geflackert und da hatte ich Angst, dass Sie sterben, wenn ich zuviel Zeit verschwende, um Hilfe zu holen. Shalom hat mich dann dahin gebracht, ich habe herausgefunden, dass Voldemort mich dem Tarnumhang nicht sehen kann. Den Rest kennen Sie. Habe ich zu schnell geredet?" Harry war aufgefallen, dass es ziemlich aus ihm herausgesprudelt sein musste. „Die Hälfte habe ich verstanden!" antwortete Snape wieder mit seinem müden Lächeln. „Sir, das Schwert was ist da..."

Die Tür sprang hinter Harry auf. Er sah Sirius hereinstürzen und auf Snape losstürmen. Er riss ihn hoch und brüllte aus vollem Leibe: „Was hast du mit ihm gemacht? Wenn du ihm auch nur ein Haar gekrümmte hast, dann erwürge ich dich eigenhändig!" Erschrocken sprang Harry auf und versuchte Sirius zurück zu ziehen. Doch dessen Hände klammerten sich um Snapes Hals. „Sirius, beruhige dich." Die tiefe leise Stimme von Dumbledore erklang hinter Harry. Er drehte sich um. Sirius ließ Snape los, welcher sich erschöpft auf den Stuhl zurück sinken ließ. Dumbledore ging auf ihn zu und begann ihn vorsichtig zu untersuchen. Dann kniete er neben ihm und schaute ihn kritisch an. Snapes Kopf sank in diesem Augenblick auf Dumbledores Schulter. Er war bewusstlos. Vorsichtig stützte Dumbledore den jüngeren Mann. Dann hob er den Kopf und sagte zu Sirius und Harry: „Er braucht medizinische Hilfe, Madame Pomfrey beklagte sich erst vorgestern, dass sie nichts zu tun hätte. Alles weitere können wir in Hogwarts besprechen. Behutsam hob Dumbledore Snape hoch und brachte ihn aus dem Haus. Sirius stand Harry gegenüber und sah ziemlich verstört aus. Dann ging er zu Harry, umarmte ihn und verwandelte sich in den schwarzen Hund.

Sie waren schnell wieder in Hogwarts, Harry wusste zwar nicht, wie Dumbledore das angestellt hatte, doch plötzlich standen sie vor den Toren Hogwarts. Jetzt saß Harry in Dumbledores Büro mit Sirius und sie schlürften beide einen heißen Kakao. Nach einiger Zeit kam Dumbledore hinein, setzte sich an seinen Schreibtisch und begann ebenfalls einen Becher heißen Kakao zu schlürfen. Da Dumbledore nichts sagte, erkundigte sich Harry nach Snape. „Es wird ein bisschen dauern, aber er wird schon wieder zu Kräften kommen. Er ist ziemlich zäh, die Verletzungen sind schwer, aber nicht zu schwer. So Harry, jetzt erzähl mal!" Und Harry begann zu erzählen und hin und wieder schauerte ihn es, denn die Erlebnisse waren doch nicht allzu harmlos gewesen. Sirius saß da neben und sah aus wie das personifizierte schlechte Gewissen. Dumbledore hörte aufmerksam zu und als Harry die Sache mit dem Schwert erklärte, musste Dumbledore schmunzeln und zog erstaunlicher Weise das Schwert hervor und legte es auf den Tisch. „Dieses Schwert ist sehr alt, Harry. Es wurde von einem schottischen Clanführer geschmiedet, der auch ein Zauberer war. Im Mittelalter, etwa um 1200 wurde mit diesem Schwert der größte schwarze Magier dieses Zeitabschnittes besiegt. Es ist ein mächtiges Schwert. Es sucht sich seine Besitzer selbst aus und nur diese können es anfassen. Bei anderen wird es so heiß, dass sie es nicht berühren können. Schwarze Magier stößt es allerdings ab, wie es bei Voldemort geschehen sein muss." Beeindruckt nickte Harry. „Wer ist dieser „Nathaniel Caylie"?" „Er ist ein großer Medimagier am St. Mungo. Wir sind ziemlich gut mit ihm befreundet. Da er das Schwert nicht braucht, ich das Schwert Gryffindors benutze, haben wir uns entschlossen Severus das Schwert zu überlassen." Nach diesem Exkurs erzählte Harry zu Ende. „Danke, dass du uns das alles erzählt hast. Ich könnte an dieser Stelle nur wiederholen, was ich bereits zu Beginn dieses Sommers gesagt habe. Du hast große Umsicht bewiesen und warst sehr tapfer. Ich habe mich mit den Weasleys abgesprochen, dass du heute noch zu ihnen kommst. Deine Sachen sind bereits bei ihnen." „Professor, da fällt mir noch etwas ein. Mein Besen dürfte da noch im Wald liegen und das Pferd von Professor Snape muss gepflegt werden." Dumbledore lächelte „Darum werde ich mich noch kümmern. Versuche nun deine Ferien zu genießen - soweit das noch möglich ist."

Zwei Wochen später.

Ron las sich jetzt zum hundertsten Mal den Brief durch, den Snape an Harry geschickt hatte, so sehr konnte er den Inhalt nicht glauben.

 

Harry,

mir geht es jetzt schon wieder ausgezeichnet und ich hoffe, im neuen Schuljahr wieder unterrichten zu können. Ich möchte dir von ganzem Herzen dafür danken, dass du mich gerettet hast. Denn das war mehr als ich erwarten konnte. Weiterhin möchte ich mich bei dir entschuldigen, dass ich dir vorgeworfen habe, deinen Namen selbst in den Feuerkelch geworfen zu haben. Das war ein Irrtum und das tut mir Leid.

Severus Snape

 

Obwohl der Brief ausgesprochen kurz gehalten war, war auch Harry von dem Brief begeistert. Er hatte das getan, was Dumbledore ihm geraten hatte und genoss die Ferien bei den Weasleys. Fred und George führten ihm regelmäßig die neuesten Erfindungen vor, Ginny und er redeten häufig über dies und jenes und sonst verbrachte er die Zeit mit Ron und damit Percy aus dem Weg zu gehen. Hedwig war mit einem Brief von Hermine zurückgekehrt, die auch sehr schöne Ferien verlebt. Harry und Ron hatten sofort zurückgeschrieben, mit allen Neuigkeiten, die sich ereignet hatten und - selbstverständlich - einer Abschrift von Snapes Brief.

An einem Abend, es waren noch einige Wochen bis zum Schulanfang, kam Mr. Weasley nach Hause. Nicht wie sonst, gut gelaunt, sondern kreidebleich im Gesicht und sichtlich geschockt. Mrs. Weasley sprang sofort auf. „Arthur, was ist los?" Träge ließ sich Mr. Weasley auf einen Stuhl sinken. „Fudge hat heute angeordnet, dass alle Zauberer und Hexen, die je etwas mit schwarzer Magie zu tun hatten, nach Askaban gebracht werden. Er sieht das als einzige Möglichkeit das wiederkommende Grauen zu stoppen. Der Tod von mehreren Muggelmädchen hat ihnen den Rest gegeben. Alle werden nach Askaban gebracht. Malfoy, Nott, Goyle aber auch die anderen, wie Bagman oder Snape." Harry stockte der Atem. Snape. Er kam nach Askaban. Snape, der unter Voldemorts Folter die Treue zu Dumbledore beteuert hatte. Snape, der mit schweren Verletzungen aus dieser Hölle nur fliehen konnte. „Das kann doch nicht sein!" stotterte er verzweifelt. „Dumbledore hat natürlich getobt, aber es hat nichts gebracht." ratlos und auch irgendwie enttäuscht zuckte Mr. Weasley mit den Schultern. Die folgende Nacht wurde zu den schlimmsten seines Lebens. Immer wieder zogen die Bilder von Snape vor ihm her, wie er unter Voldemort litt - und wie er jetzt vermutlich in Askaban litt. Nach dieser furchtbaren Nacht, in der Harry wenn es hoch kommt, eine Stunde geschlafen hatte, war die ganze Familie am Frühstückstisch ungewöhnlich schweigsam. Harry war sich sicher, dass alle sich ihre Gedanken machten, doch er hatte das Gefühl, dass nur er nachvollziehen konnte, wie schlimm das alles war. Er hatte nach einer halben Stunde gerade seinen zweiten Toasthappen herunter gewürgt, als er plötzlich Dumbledore draußen erblickte. Harry sprang auf und lief raus. Dumbledore sah müde, verzweifelt und erschöpft aus. Er sah Harry traurig an und strich ihm über das Haar. „Ja, so kann es kommen. Ich weiß, das Severus stark ist, aber ich weiß nicht, ob er so stark ist." murmelte er leise. „Aber ich habe dir etwas mitgebracht." Stumm legte Dumbledore das Schwert in Harrys Hand. Harry schluckte. Das war fast zuviel für ihn, er hatte das Gefühl jeden Moment in Tränen ausbrechen zu müssen. Dann pfiff Dumbledore leise und zu seinem Erstaunen sah Harry Shalom heran traben. Auch dieser sah sehr schlecht aus, sehr traurig - das konnte natürlich auch Einbildung sein. „Severus hat mich gebeten, dass du dich um ihn kümmerst. Er kann hier auf einer Wiese stehen, er wird nicht weglaufen. Zum Schulbeginn kannst du ihn dann nach Hogwarts mitbringen." Ruhig musterte Dumbledore Harry, der vollkommen durcheinander Shalom streichelte. „Ich habe getan was ich konnte Harry und ich werde mich weiter bemühen. Doch ich muss zugeben, dass ich kaum Hoffnung habe." Mit diesen Worten verschwand Dumbledore lautlos. Harry lehnte sich an Shalom. Sein fröhliches Verhalten während der letzten Wochen kam ihm wie eine Farce vor. Nichts war besser geworden. Eher schlechter. Voldemort wurde immer stärker. Snape war in Askaban. Schaudernd drehte sich Harry um und vergrub sein Gesicht in der dichten Mähne von Shalom.

 

Ende