HINTER DER FASSADE

       von Caelesta




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Lange sah Albus Severus an, der vor seinem Schreibtisch saß

Lange sah Albus Severus an, der vor seinem Schreibtisch saß. Severus saß
ruhig auf seinem Stuhl und wartete. Niemals wäre ihm in Anwesenheit von Albus
Dumbledore eine seiner berühmt, berüchtigten sarkastischen Bemerkungen über die
Lippen gegangen. Dazu bewunderte er Albus zu sehr. Er bewunderte ihn wegen
Taten, von denen nur Albus und er selbst wussten.

Albus blieb noch einige Zeit still und überlegte, wie er es seinem Freund,
denn dazu war Severus Snape inzwischen geworden, am besten sagen konnte. Er
kannte Severus inn - und auswendig und wusste auch von seiner leicht
aufbrausenden Art. Natürlich wusste Albus, dass Severus in seiner Anwesenheit ruhig
bleiben würde, aber spätestens wenn er mit sich alleine war, würde er ausrasten.


Albus kannte Severus schon, seid dieser ein kleiner Junge war. Schon in
diesen Tagen war er beeindruckt von Severus magischen Fähigkeiten, die besonders
im Bereich der Zaubertränke stark ausgeprägt waren. Diese Kunst fordert ein
hohes Ausmaß an Intelligenz. Und intelligent war Severus Snape zweifellos.

Ein Grund, weswegen er in der Schule oft gehänselt wurde, dachte Albus
traurig. Denn so brachte ihn seine Intelligenz indirekt auf die dunkle Seite der
Macht. Nach der Schule gelang es Snape sich auf Grund seines Talent im Brauen
von Zaubertränken endlich einer Gruppe anzuschließen, die ihn zu respektieren
schien. Er genoss dieses bisher unbekannte Gefühl und nahm deshalb auch die
Folter in Kauf, die ihm der Anführer dieser Gruppe oft zufügte.

Unwillkürlich musste Albus in die schwarzen Augen seines Freundes blicken.
Auch wenn Severus ihn im Moment bewundernd anzublicken schien, entdeckte Albus
in ihnen trotzdem noch den Schmerz der ihm lange Zeit zugefügt wurde.

Irgendwann reichten Voldemort wohl nicht mehr Snapes Zaubertränke als Beweis
seiner Loyalität und er befahl ihm, sich mit dem Imperiusfluch belegen zu
lassen und einen Mord zu begehen. Anstatt Snape sprach ein anderer Mann für
ihn, der ihn auch in diese Gruppe eingeführt hatte - Lucius Malfoy. So kam es
dazu, dass Snape diesen Mord an einem unschuldigen Mann begehen musste, ohne
dabei Herr seiner Sinne zu sein.

Noch immer hielten alle Menschen in Snapes Umgebung Abstand von ihm. Nicht
wegen diesem Mord. Nein. Davon wussten nur Albus und Severus. Vielmehr wegen
Snapes Hang zu schwarzer Kleidung, wegen seinen schwarzen Augen und seinen
schwarzen Haaren wurde er bei der ersten Begegnung direkt dem Bösen
zugeschrieben.

Nur Albus Dumbledore wusste mit Sicherheit, dass Severus Snape sein Herz auf
dem rechten Fleck hatte. Denn direkt nach seinem unwillentlich
durchgeführten Mord, kam er zu Dumbledore, der einzige Mensch, den Snape kannte, der sich
immer freundlich ihm gegenüber Verhalten hatte und sich sogar mit ihm
unterhalten hatte. Ihm vertraute er seine schreckliche Tat an. Und Dumbledore
seinerseits glaubte Snape, dass er diesen Mord nicht hatte begehen wollte.

Albus Dumbledore blickte wieder in die dunklen Augen seines Schützlings.
Deutlich war Einsamkeit in ihnen zu erkennen und die Erinnerung an schreckliche
Zeiten. Albus erkannte dies alles in Severus Augen, in denen andere Menschen,
die Snape nicht richtig kannten und ihn scheinbar auch nicht kennenlernen
wollten, nur Böses sehen wollten.

Snape war sich seiner Wirkung auf andere Menschen durchaus bewusst und
verstärkte ihre Abneigung gegen ihn noch mit sarkastischen und zum Teil auch
bissigen Bemerkungen. Niemals wollte er mehr einem Menschen sein Vertrauen
schenken, wohlwissend, dass es wieder missbraucht werden würde.

Nur Albus Dumbledore verdiente noch sein Vertrauen. Er hatte ihm verziehen,
hatte ihm Arbeit als Lehrer im Fach der Zaubertränke gegeben und hatte ihn
kennenlernen wollen. Inzwischen waren sie Freunde und Severus ließ Albus als
einzigen Menschen hinter seine dunkle, sarkastische Fassade blicken, wo Albus
einen einsamen, ängstlichen Mann entdecken konnte, dem schon zu viele
Schmerzen zugefügt wurden.

Mittlerweile machte sich Severus Sorgen um seinen Freund Albus, der ihm
jetzt schon längere Zeit schweigend gegenüber saß. Erwartungsvoll blickte er ihn
an.

Endlich kam wieder mehr Leben in Albus Augen und man sah ihm an, dass er
seine Überlegungen beendet hatte. Er erklärte Severus mit seiner ruhigen Stimme,
dass er eine neue Besetzung des Faches Verteidigung gegen die dunklen Künste
gefunden habe und das Snape wieder nicht in den Genuss kommen würde, dieses
Fach zu unterrichten.

Jedem anderen hätte Snape bei einer solchen Nachricht eine sarkastische,
bissige Bemerkung zugezischt. Bei seinem Freund und Beschützer Albus nahm er
diese Nachricht allerdings gelassen auf, da er darauf vertrauen konnte, dass er
nur das beste für ihn wollte.