EIN WILLKOMMENES GESETZ



     von Lhyra


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Kapitel 5 - 9


5

5. Geständnisse

 

Es war ziemlich früh am Montagmorgen. Die Sonne war gerade im Begriff aufzugehen. Hermine saß auf dem Sims des Ostturms und ließ die Beine aus dem Fenster baumeln.

Sie dachte an den gestrigen Nachmittag und lächelte verzückt. Es war wundervoll gewesen Severus zu küssen, ihn zu berühren. Sie seufzte, als sie an den leidenschaftlichen Kuss dachte. Es war so erregend gewesen von ihm geküsst zu werden. Seltsam, wie sehr sie auf ihn reagierte.

Er war kein schöner Mann. Sein Haar war viel zu fettig und dünn um schön zu sein. Er war zu schlank, eigentlich nur lang und ohne wirklich männliche Proportionen. Seine blasse Haut stand im viel zu krassen Gegensatz zu seinem tiefschwarzen Haar und seinen schwarzen Augen. Oh ja, diese Augen! Sie seufzte abermals. Sie waren unglaublich sexy. In ihnen lag soviel von seiner Seele, seiner Emotion - wenn er es zuließ. Seine Stimme jagte ihr Schauer der Lust über den Rücken...

Hermine verstand die Welt nicht mehr. Es war, als würde alles auf den Kopf gestellt. Alles was früher galt, war heute anders. Freunde und Feinde die sie hatte, waren nicht mehr da. Träume die sie hatte und erfüllbar gewesen waren, waren nun unrealisierbar. Dinge die einst Spaß gemacht hatten, wie beim Quidditch zuzuschauen, waren heute kaum zu ertragen. Und ein ehemals hässlicher, gemeiner Zaubertranklehrer wurde zu einem begehrenswerten Mann, den sie auch noch liebte.

Sie schüttelte den Kopf.

Was Harry und Ron wohl dazu sagen würden? Sie bemerkte die Tränen kaum, die ihr die Wangen hinunterliefen. Dieser Schmerz! Wie oft hatte sie ihn zu betäuben versucht. Mit Neville hatte sie es eine ganze Zeit probiert. Er war ihr erster gewesen. Er war so lieb und vorsichtig gewesen. Er hatte sie an Ron und Harry gleichermaßen erinnert. Deswegen hatte sie ihn auch verlassen. Liam McOsmount ein sechst Jahres Hufflepuff war der nächste gewesen. Danach hatte Hermine es nicht mehr weiterversucht, sondern sich in Arbeit begraben. Diese lenkte sie besser ab, als die Zeit verzweifelter Leidenschaft mit ihren männlichen Mitstudenten.

Bitterkeit stieg in ihr auf, als sie an Neville dachte. Er sprach kaum noch mit ihr, seit sie nicht mehr zusammen waren. Sie hatte ihn nicht verletzen wollen, sondern ihn nur gebeten glücklich zu werden. Sie könne es nicht mehr.

Die Sonne stieg wie ein Feuerball den Himmel hinauf und Hermine schüttelte ihre dunklen Gedanken ab. Sie sollte ihr Leben vielleicht wie diesen Morgen sehen. Irgendwann ging die Sonne aus der Dunkelheit hervor und verscheuchte sie in die letzten Winkel. Ihr neues Leben begann. Sie würde in sechs Tagen Mrs. Hermine Snape sein. Es galt sich darauf zu konzentrieren - und auf ihre Liebe zu ihrem zukünftigen Mann. Sie hoffte nur, sie würde alle seine Seiten an ihm lieben lernen. Denn bisher war es nur dieses sanfte, gefühlvolle Ich, dass er ihr jedes Mal im verbotenen Wald offenbart hatte.

Sie erhob sich und warf noch einen letzten Blick auf die Sonne, dann machte sie sich auf den Weg hinunter zum Frühstück.

 

***

 

Sie trafen sich in der Halle. Die Studenten zogen an ihr vorüber und Hermine sah Ginny - nein Ginevra - nach, die an ihr vorbeizog und beide Daumen hochhielt und ihr zuzwinkerte.

Severus folgte Hermines Blick und erhaschte nur noch das freundliche Zuzwinkern Ginevras. Was hatte das zu bedeuten?

Er sah Hermine an und zog eine Augenbraue hoch. Doch diese lächelte nur sanft und wünschte ihm einen guten Morgen.

„Guten Morgen, Miss Granger. Sind sie soweit?"

Seine junge Verlobte nickte und lächelte immer noch.

Sie verließen die große Eingangshalle und traten hinaus auf die Wiesen vor dem Schloss.

„Wir werden apparieren, Hermine." Seine Stimme war abermals so dick und samtig, wie am gestrigen Tag, nachdem er sie geküsst hatte.

„Ich .... ähm .... ich habe meinen Apparierschein noch nicht." Unsicher sah sie ihn an.

„Das ist nicht weiter problematisch. Wir werden zusammen apparieren. Allerdings gibt es da nur eine Sache...."

Nun war es an Hermine die Augenbrauen hochzuziehen.

„Es ist notwenig direkten Körperkontakt zu halten."

Sie lachte und trat an ihn heran. Sanft schob sie seine Arme zur Seite und schmiegte sich an ihn. Ihre Arme glitten unter seinen Umhang und umfingen seinen Rücken.

Er sah auf sie hinunter, seine Miene war undurchdringlich. Doch die junge Brünette lächelte leicht und flüsterte: „Daran könnte ich mich gewöhnen, Severus."

Er fühlte seinen Hals eng werden. Seine Arme schlossen sie in eine enge Umarmung. Ihr Gesicht blieb den seinem zugewandt. Sie glaubte zu entdecken, wie sehr es ihm gefiel sie zu halten, sie zu spüren. Widerwillig gestand sich auch Hermine ein, wie sehr sie es genoss ihn so nah zu sein.

Aus einem plötzlichen Gefühl heraus küsste sie ihn. Ihre Hände bargen sein Gesicht und zogen ihn sanft zu sich hinunter.

Hilflos spürte Severus Snape seinen Körper reagieren. Ihre Lippen teilten spielerisch die seinen und ihre Zunge eroberte seine Mundhöhle. Ein lautes Stöhnen formte sich in seiner Brust und kam urplötzlich zum Ausbruch. Hermine zog ihn nur noch näher an sich heran.

Wie gut er küsste! Sie war völlig verloren in diesem Kuss, so das sie nicht einmal bemerkte, wie sie im „Tropfenden Kessel" ankamen.

Sanft versuchte Severus sich von ihr lösen. Nur wiederwillig beendete sie den Kuss und sah ihn an. Sie standen in einer Nische im hinteren Teil der Gaststätte. Severus war auch mehr als dankbar dafür, denn so verbarg das dämmerige Licht die Ausbuchtung in seiner Hose, die durchaus deutlich machte, wie sehr es ihm gefiel seine Verlobte zu küssen.

Ihr Gesicht war rötlich übergossen und ihre Augen glänzten. Sie atmete heftig und ihre vom Küssen geschwollenen Lippen schienen ihn immer noch locken zu wollen. Severus seufzte.

„Ich muss dir noch ein paar Dinge sagen, bevor wir in die Winkelgasse gehen." Seine schwarzen Augen suchten ihre braunen.

„Ich denke, dass Lucius nicht sonderlich erbaut davon sein wird, dass du seinen Antrag abgelehnt hast. Sein Ziel ist klar und er wird versuchen es zu erreichen."

Hermines Augen wurden hart. Innerlich zuckte er zusammen. Wann war es geschehen, dass aus ihr eine so harte Person werden konnte. Sie verschloss sich, so dass er nicht in ihr lesen konnte, wie sonst.

„Ich weiß das er mich töten will."

Severus nahm ihre Hand in die seine.

„Und ich werde das niemals zulassen, Hermine. Allerdings ist dass nicht alles, was er von dir will..."

Sein Blick war voller Emotion, dass es ihr den Atem verschlug. Sie las darin was er nicht sagen würde.

„Severus...", begann sie.

Er schüttelte den Kopf. „Nicht jetzt. Lass uns gehen. Wir haben noch einiges zu erledigen."

Trotzig reckte sie das Kinn vor. Seine Stimme war bedeutungsschwer gewesen. Sie wusste, da war noch mehr.

„Wann wirst du mir alles sagen?"

Merlin! Diese Frau hatte einen feinen Sinn für ihn und seine Stimmungen! Severus schüttelte innerlich den Kopf. Was würde das nur für eine Ehe mit ihr werden? Es war, als könne sie seine Gedanken lesen. Doch wusste er, dass sie in Leglimentik keinerlei Erfahrung hatte. Er wandte sich ihr zu.

„Heute Abend, beim Dinner."

Damit schritt er so weit aus, das Hermine Schwierigkeiten hatte ihm zu folgen.

 

Sie saß bei Madame Malkin auf einem dieser großen Samthocker.

Severus hatte ihr aufgetragen sich ein Kleid auszusuchen was ihr gefiel und war gegangen. Er wollte verschiedene Formalitäten erledigen und später zu ihr stoßen. Seufzend trank sie einen Schluck des starken Tees, den Madame Malkin ihr angeboten hatte und widmete sich wieder der Modenschau, die von durchsichtigen Models vor ihr auf der Ladentheke abhalten wurde.

Nach kurzer Überlegung hatte sie sich für etwas klassisches entschieden und so machten sich die Damen daran, verschiedene klassische Brautkleider vorzuführen. Der junge Frau seufzte abermals schwer und winkte ungeduldig mit der Hand.

„Nein Madame, dass ist alles wirklich wunderschön. Es ist aber nichts für mich."

Die leicht beleibte Ladenbesitzerin lächelte und nickte.

„Nun da gebe ich ihnen Recht, Miss."

„Haben sie etwas einfacheres, mit geraden Linien und ohne so viele Perlen, Glitzer und den ganzen Putz?"

Madame Malkin lachte nun hell auf. Sie nahm Hermine freundlich beim Arm und führte sie in den hinteren Teil des Ladens.

Sie wühlten sich zwischen verstaubten Festroben und schweren, ledernen Umhängen hindurch, bis die vor einer Wand mit den merkwürdigsten Hüten standen, die Hermine je gesehen hatte.

Es waren spitze Hüte darunter, die wie eine umgedrehte Schultüte aussahen und oben merkwürdige tentakelähnliche Auswüchse hatten. Andere waren platt wie Napfkuchenformen und hatten lauter kleine Antennen darauf. Die junge Frau schüttelte den Kopf und wollte schon umkehren, als sie Madame Malkin eine Passwort murmeln hörte.

Die Hutwand schwang plötzlich mit lauten Quietschen und Knarren nach innen zurück. Eine weitere Wand schob sich davor und verdrängte die Hüte nach innen.

Hermine stockte förmlich der Atem, als sie sah was an den Ständern hing.

Wunderschöne Kleider und Roben in duftigen Stoffen oder in schwerem Samt, die allesamt einfach, aber dennoch raffiniert aussahen.

„Ich sehe, ich habe das richtige für sie, Miss. Lassen sie uns nun eine Auswahl treffen und dann probieren sie die guten Stücke an."

Begeistert stürzte Hermine sich auf die Kleider und traf eine großzügige Auswahl. Eines nach dem anderen zog sie nun über und Madame Malkin schüttelte hier und da den Kopf, bis nur noch drei Kleider zur Auswahl standen.

Das erste war bodenlang mit einem einfachen Rüschensaum und langen Ärmeln. Das zweite reichte ihr bis zum Knöchel, war kurzärmelig und glockenförmig geschnitten. Das dritte ging ebenfalls bis zum Boden und hatte einen weiten Rock. Das Oberteil war enger, umschmeichelte ihre Figur und ließ Rücken und Dekollete frei. Madame Malkin hatte ihre Haare hochgezaubert zu einem losen Dutt. So hatten sie beide nur staunend vor dem Spiegel gestanden und Hermine hatte geflüstert:

„Das bin nicht ich."

„Dann ist es das Richtige," hatte Madame Malkin geantwortet.

So standen sie vor den Kleidern die feinsäuberlich an einer Vorführwand hingen.

„Wollen sie meinen Rat, Kindchen?"

Ihr Gegenüber nickte nur.

„Nehmen sie das ausgeschnittene Kleid. Es ist das Richtige."

Hermine lächelte zaghaft. „Ja. Sie haben recht, Madame."

Wie Severus reagieren würde, wenn sie es trug? Sie zitterte innerlich, bei dieser Vorstellung.

 

Sie verließ den Laden, nach dem sie noch das Kleid mit den Rüschen, für andere Anlässe sowie drei paar Schuhe erstanden hatte. Alles wurde per Flohnetzwerk geschickt.

Nun stand sie draußen und Severus war nicht zu sehen. Sie hoffte es würde nicht mehr lange dauern, denn es begannen Regenwolken aufzuziehen. Misstrauisch spähte sie zum Himmel hinauf, als urplötzlich sie jemand beim Arm fasste.

„Vorsichtig, junge Frau." Vernahm sie die aalglatte Stimme Lucius Malfoys.

Sie verschloss ihre Miene und blickte ihn kalt an. Ein kaltes Lächeln legte sich auf ihre Lippen.

„Mister Malfoy, welch eine Überraschung."

Er sah sie unverwandt an.

„Miss Hermine Granger, welche Freude. Ich hätte nicht erwartet sie zu sehen."

Sie hob die Brauen und lächelte noch eine Spur kälter.

„Und weshalb, Sir?"

„Nun, man munkelt, sie seien so sehr in ihren Professor vernarrt, dass sie ihn sogar heiraten werden. Ich wusste gar nicht, dass Severus so nachlässig sein kann und sie allein hier zurücklässt."

„Severus hat keineswegs..."

„Ist etwas nicht in Ordnung Hermine?"

Wie ein dunkler Schatten schob sich Severus zwischen Hermine und Malfoy.

„Oh Severus, welch Freude dich zu sehen. Ich gratuliere dir, zu dieser außergewöhnlichen Braut."

Lucius streckte ihm die Hand hin und automatisch, so schien es, nahm Severus sie in die seine. Lucius schüttelte sie und plötzlich verschwanden beide mit einem lauten Krachen.

Geschockt stand Hermine da und sah auf die Stelle wo sie gerade noch gestanden hatten. Was sollte sie nun tun? Sie sah sich Hilfe suchend um.

„Kommen sie schnell rein, Miss," zischte Madame Malkin mit einem Mal hinter ihr und zog sie gerade in den Laden, als Draco mit einem üblen Lächeln auf dem Gesicht um die Ecke bog.

Wortlos zog die Ladenbesitzerin sie durch den Laden und schob sie unsanft in einen stickigen Nebenraum.

„Schnell dahin!"

Hermine fühlte Flohpulver zwischen ihren Fingern und einen beherzten Schubs um die Ecke. Wie in Trance streute sie das ganze Pulver in die Flammen vor ihr und flüsterte rau: „Das Büro von Professor Dumbledore, Hogwarts."

Dann trat sie hinein.

 

***

 

Die Sonne schickte ihre letzen Strahlen hinauf zum Schloss und Albus Dumbledore betrachtete dieses Schauspiel mit ernster Miene.

„Wir können nicht viel tun, Miss Granger. Wir werden noch ein wenig weiter warten."

Hermine rauchte förmlich vor Wut.

Sie war wütend auf Dumbledore, der nicht unternahm, um Severus zu suchen. Ja, und sie war wütend auf Severus. Das stand aber auf einem anderen Blatt.

Tränen schossen in ihre Augen. Jetzt weinte sie auch noch! Das durfte sie sich nicht gestatten.

„Professor Dumbledore, Sir? Ich würde gerne nach Gryffindor zurückkehren."

Er nickte. „Tun sie das Miss Granger. Sie habe sicherlich einiges zu überdenken."

Innerlich stieß Hermine Verwünschungen aus, als sie das Büro des Schulleiters verließ. Natürlich gab es da einiges zu überdenken!

Sie verließ Hogwarts und durchstreifte das Außengelände. Nach Gryffindor zurückzukehren, hieß Ginevras Fragen zu beantworten. Dazu hatte Hermine allerdings keine Nerven.

Als sie aus dem Feuer getreten war, hatte sie Dumbledore sofort Severus' Verschwinden gemeldet. Aufmerksam hatte der alte Zauberer zugehört. „Es ist wird das Beste sein zu warten. Severus ist ein kampferprobter Zauberer. Machen sie sich also keine Gedanken, Miss Granger." Hermine hatte genickt und gewartet, während Dumbledore das Büro verlassen hatte.

Als Phineas Nigellus auftauchte, war es schon spät gewesen. Sie hatte über einigen Verwandlungsaufgaben gebrütet, als er sie ansprach.

„Sie sind also die junge Frau, die Professor Snape heiraten wird."

Gleichgültig hatte sie das Portrait angesehen.

„Welch edlen Mann sie da doch heiraten werden. Bliebe nur die Frage, ob sie ihn verdient haben."

„Edel? Niemand würde Severus als edle bezeichnen." Innerlich grinsend blickte sie Phineas in die Augen.

„Durchaus. Wenn man wüsste, aus welch edlen Motiven er den Antrag um ihre Hand gestellt hat."

„Aus Liebe?"

Phineas schnaubte verächtlich.

„Natürlich nicht. Er will sie vor den Todessern schützen, die um ihre Hand angehalten haben."

Sie sah ihn nur an.

Was? Konnte das wirklich sein? Sie hatte geglaubt zu sehen, dass ..... Es war als hätte sie etwas in Severus Augen aufblitzen sehen. Etwas das Wärme und .... und vielleicht ... Sympathie - Liebe ausdrückte... Doch nein. Es war alles ein Schauspiel gewesen. Nur weswegen? Sie war enttäuscht, enttäuscht und traurig.

„Sie sind ja kreidebleich." Nigellus starrte sie an. „Geht es ihnen nicht gut?"

Zorn kochte in ihr hoch, als sie das verschlagen drein sehende Gesicht von Phineas Nigellus sah.

In dem Moment hatte Dumbledore das Büro betreten.

 

 

 

 

6. Kämpfe

 

Severus Snape schleppte sich mehr, als das er ging durch den nun düsteren, verbotenen Wald. Er hatte mit letzter Kraft auf der Lichtung, am Rande des Waldes appariert. Innerlich schüttelte er über sich selbst den Kopf.

Wie war das alles nur passiert?

Hermine... sie war der Schlüssel zu all dem. Seine Augen glänzten auf. Hermine Granger. Der Dorn in seinem Auge. Das Allwissendes Lexikon, das ständig seine Hand in der Luft, auf alles eine Antwort hatte. Hermine Granger. Die junge Frau, gezeichnet vom Krieg. Reif und doch unschuldig. Die Frau, die er lieben konnte.

Aufstöhnend stieß er durch die niedrigen Zweige der Büsche. Gleich...!

 

Sie hatte sich in das lose Buschwerk gesetzt. Hier würde sie niemand so schnell finden. Es war dunkel geworden und die letzen Strahlen der Sonne spendeten noch ein wenig Licht. Sie hatte nachgedacht und ihre Gefühle beiseite gelassen, so gut es ging. Ja, Phineas hatte sicher recht gehabt. Severus hatte sie sicherlich schützen wollen. Nur warum? Er wäre nicht auf die Idee gekommen, hätte ihm nicht etwas an ihr gelegen. Sie seufzte auf und strich ihr Haar aus dem Gesicht. Es war so. Es konnte keinen anderen Grund geben, denn bis vor kurzem hatten sie einander wie die Pest gemieden. Wäre es so weiter gegangen, hätte Dumbledore nicht darauf gedrungen, dass Severus mit ihr reden sollte, hätte er wohlmöglich niemals um ihre Hand angehalten. Sie stützte den Kopf in die Hände.

„Severus, wo bist du nur. Ich habe angst um dich. Bitte komm' zu mir. Ich liebe dich doch...," wimmerte sie leise.

Dieser verdammte Malfoy. Hermine erhob sich. Sie würde einen Zauber versuchen...

 

Ihm ging es nicht gut. Er hörte schon ihre Stimme, wie sie ihn lockte, ihn rief. Er hörte sie ihre Liebe zu ihm bekennen. Es musste eine Art von Delirium sein. Er stolperte und stürzte durch die Äste des alten Schlehenbusches.

 

Ein lautes Knacken und Krachen schreckte Hermine auf. Die Blätter gaben nach und Severus Snape fiel direkt in ihre Arme. Keuchend landeten sie im noch sonnenwarmen Gras.

Die junge Frau war wie paralysiert. Er war es. Sie umfing ihn fester. Sein Gesicht lag vor dem ihren.

„Hast du gesagt, das du mich liebst?" wisperte er.

„Ja. Große Güte, Severus ja!" weinte sie und küsste sein Gesicht.

„Du weinst wieder."

Sie umfasste sein müdes Gesicht. „Weil ich froh bin, dass du wieder da bist."

Er lächelte und es war das Schönste was Hermine jemals gesehen hatte. Doch plötzlich schloss er die Augen und wurde schlaff.

„Oh nein...," keuchte sie und suchte seinen Puls.

Kräftig und regelmäßig schlug er unter ihrer Hand. Sie seufzte erleichtert auf und schmiegte sich noch für einen Moment an ihn. Sie war glücklich, stellte sie verwundert fest. Er war da. Sacht tastete sie seinen Körper nach Verletzungen ab und er gab hier und da ein Stöhnen von sich. Sie kroch über ihn und öffnete seinen Talar. Die vielen Knöpfe waren wahrlich eine Herausforderung, doch schließlich konnte sie sein unterliegendes Shirt hochschieben. Der Atem stockte ihr, als sie die riesigen, frischen Blutergüsse und tiefen Kratzer sah. Wieder traten ihr die Tränen in die Augen und Schluchzer verstopften ihr die Kehle. Das alles nur wegen ihr und so einem dämlichen Gesetz! Die junge Brünette zückte ihren Zauberstab und murmelte diverse Heilungszauber. Sie untersuchte seine Gliedmaßen nach Brüchen. Glücklicherweise fand sie nur Prellungen und Schürfwunden, die sie ebenfalls mit einem Heilungszauber behandeln konnte. Severus war halbnackt, als er vor ihr lag. Sie betrachtete ihn intensiver.

„Oh Himmel!" rief sie aus.

Langsam und mit aller Vorsicht schob sie seine blutgetränkten Boxershorts hinunter. Sie sah die Auswirkungen eines Splitterzaubers vor sich. Die Sicht war verschleiert von ihren Tränen, dennoch konnte sie die richtigen Zauber sprechen, um ihm erste Hilfe zu leisten.

Schließlich schaffte sie ihren Verlobten in den Krankenflügel. Innerlich war sie merkwürdig ruhig, als Madame Pomfrey seine Wunden zu versorgen begann und sie hinaus schickte.

„Kommen sie in einer Stunde wieder," sagte sie nur noch und schob Hermine aus der Tür.

 

Sie saß wieder auf dem Sims des Ostturms. Wind war aufgekommen und Wolken schoben sich über die Sterne. Sie seufzte und las abermals ihren Brief an ihre Eltern durch.

 

Ihr Lieben,

wie ihr wisst, stand das Gesetz zur Verheiratung von Muggeln und reinblütigen Zauberern zur Debatte. Es ist durchgesetzt worden und ich falle ebenfalls unter dieses Gesetz. Ich habe unter den Anträgen den meines Professors Severus Snape gefunden und mich für ihn entschieden. Er ist ein ehrlicher und vor allem guter Zauberer und ich möchte, dass ihr meine Wahl akzeptieren könnt.

Am Sonntag werden wir um 11:40 im Zaubereiministerium heiraten. Bitte seid dann bei mir. Ich sende Euch einen Portschlüssel!

Ich hoffe Euch geht es gut.

Alles Liebe!

Hermine

 

Sie nickte und befestigte ihn an Hedwigs Bein. Liebevoll streichelte sie die große Schneeeule.

„Ach liebe, liebe Hedwig! Ich wünschte nur Harry wäre noch bei uns."

Hedwig krächzte und knabberte zart an Hermines Finger, dann flog sie davon.

Die junge Frau sah hinab zu den hügeligen Wipfeln der Bäume. Sie hatte absichtlich nichts von Severus' Verletzungen geschrieben. Sie war sich nicht sicher was geschehen war und wer eventuell die Post lesen würde. Außerdem wollte sie Eltern nicht mehr als nötig beunruhigen. Die Nachricht über ihre Heirat würde sie schon genug aufregen.

Langsam erhob sie sich und ging wieder zur Krankenstation hinunter.

Severus wurde gerade wach, als sie sich zu ihm setzte. Sanft nahm sie seine Hand in die ihre und küsste sie. Schwach lächelte sie ihn an und hob ihre Hand zu seinem Gesicht.

„Phineas hatte recht," flüsterte sie zärtlich, „du bist edel."

Er gab ein kurzes Lachen von sich, dass in Husten überging. Seine Hand legte sich über die ihre.

„Ich habe nicht geträumt, dass du am Waldrand saßest?"

Sie schmunzelte. „Ich liebe dich wirklich."

Seine Augen blitzten auf und die ihren weiteten sich, als sie es sah - es realisierte.

Er liebte sie. Er sagte es zwar nicht, aber sie hatte es gesehen. Zart küsste sie ihn.

„Wie fühlst du dich, Severus?"

„Frag nicht." Er nahm ihre Hand in die seine und schloss die Augen.

Madame Pomfrey trat plötzlich aus dem Dunkel an sein Bett.

Der Zaubertranklehrer öffnete die Augen.

„Es ist nicht weiter komplikationsreich," wandte sie sich an ihn. „Du solltest allerdings bis morgen hier bleiben. Es sah schlimmer aus als es ist. Miss Granger - deine Verlobte - hat gute Arbeit geleistet." Sie zwinkerte Hermine zu und ging brummelnd zurück in ihr Büro.

„Du? Du hast ...?" Leichte Röte überzog sein Gesicht als er an seine verletzten Genitalien dachte.

Sie nickte schlicht. Er küsste ihre Hände und zog sie schließlich an sich heran. Seine Lippen strichen über die ihren. Ihr Bauch kribbelte und sie seufzte leise.

Er spürte wie er auf dieses Seufzen zu reagieren begann, trotz seiner Verletzungen. Er zog sie auf sein Bett und küsste sie abermals. Seine Zunge strich über ihre vollen Lippen und sie öffnete diese. Sie eroberten den Mund des anderen. Hermine wand sich leise stöhnend auf dem schmalen Bett. Severus Hand glitt über ihre Schultern hinab zu ihren Brüsten. Sanft streichelte, rieb und drückte er sie. Seine Verlobte keuchte auf und presste sich an seine Hand.

Plötzlich aber löste sie sich von ihm. Sie starrte ihn an. Dann verließ sie fluchtartig den Krankenflügel.

 

***

 

„Nur damit ich das jetzt richtig verstehe, du bist wie von tobenden Todessern gehetzt aus dem Krankenflügel gerannt, weil Snape ein bisschen an dir gefummelt hat?"

Die Brünette sah unbehaglich drein.

„Ja. Ich ... nun ... ich ... ich ... mit ist dann erst ... erst klar geworden, dass wir ja laut Gesetz ... ähm ... dazu verpflichtet sind die Ehe zu vollziehen."

Tiefrot war ihr Gesicht als sie Ginevra ansah.

„Aber dir hat es doch gefallen ... oder etwa nicht?!"

„Ja, aber ... ach Ginevra! Ich habe mich immer noch nicht daran gewöhnen können, wie sehr sich alles verändert hat. Alles geht so schnell!"

Die Rothaarige lachte schallend.

„Na immerhin bekommst du es endlich auf die Reihe meinen vollen Vornamen zu gebrauchen."

Hermine grinste.

Es war Dienstagabend. Hermine hatte den ganzen Tag in der Bibliothek verbracht um für die UTZ Prüfungen zu lernen. Für sie und Susan Bones waren diese vorgezogen worden, da sie beide ja bald heiraten würden.

„Ich ... ach ... Ginny! Ich liebe ihn! Das gerade macht es mir ja so schwer! Ich weiß einfach nicht mehr wie ich reagieren soll. Es war alles soviel seit ... seit Beginn des Schuljahres."

Die Jüngere nickte.

„Du hast recht. Dennoch, wenn du ihn liebst, dann macht alles einen Sinn. Da ist es egal, dass es ein Gesetz gibt, dass euch erst in diese Situation gebracht hat."

 

Hermine klangen Ginevras Worte immer noch in den Ohren, als sie auf den Weg hinab in die Kerker war. Sicher, ihr hatte es sehr gefallen, von Severus berührt und geküsst zu werden. Himmel ja, es hatte sie erregt und zwar innerlich und äußerlich. Niemand - weder Neville noch Liam hatten sie so sehr berühren können. Sie zitterte innerlich und ihre Brustspitzen richteten sich auf, als sie an Severus' Hände auf ihren Brüsten dachte.

Sie war gerade im Begriff an Severus' Tür zu klopfen, als diese geöffnet wurde. Beinah stieß sie mit ihrem Verlobten zusammen. Sie blickten einander an.

Hermine verlor sich in den Tiefen seiner Augen. Sie las darin was ihn bedrückte.

„Nein," flüsterte sie, „ich verabscheue dich nicht. Ich ... ich ..." sie blickte beschämt zu Boden, „ ich hätte nie gedacht, dass ich mich in dich verlieben könnte. Noch weniger ..." Sie trat durch die Tür und er schloss sie, den Blick gebannt auf die junge, rotüberhauchte Frau gerichtet.

„Noch weniger habe ich mir je vorstellen können, dass ... dass du mich so erregen könntest, Severus."

Er stöhnte leise auf und hob die Hand an den Mund.

Sie sah ihn unsicher an und begann plötzlich loszusprudeln, ohne das sie großartig nachzudenken begann: „Deine Küsse sind so wundervoll. Als du mich dann gestern so berührt hast, wäre ich am liebsten..."

Ihre Stimme verklang und sie wurde rot. Sie zitterte vor unterdrücktem Begehren.

„Wärst du am Liebsten was, Hermine?" Seine Stimme war rau vor Erregung und mühsam beherrschter Lust.

Unsicher sah sie ihn an. Das nackte Begehren stand in seinem Blick. Hermine stöhnte auf.

„Wäre am liebsten zu dir ins Bett gekommen um mit dir zu schlafen."

Severus fuhr sich durch das Haar.

„Oh Gott, Hermine!" stöhnte er und sah sie gequält an. „Ich ... ich verstehe dich. Ich verstehe dich sehr gut. Es ist alles schnell gegangen. Viel zu schnell. Ich ... ich will dich nicht bedrängen. Nur möchte ich, das du weißt, dass ich genauso empfinde wie du." Die junge Frau erbebte und trat langsam auf ihn zu. Er sah sie an.

„Bitte, ich möchte dich nicht drängen....," keuchte er rau, als er ihre Absicht erkannte.

„Das kannst du gar nicht. Es ist in mir, was mich drängt..." wisperte sie an seinem Mund.

 

***

 

Sie bewegte immer noch sanft ihr Becken und ihre Hände griffen in sein Haar.

Sein Kopf ruhte auf ihrer Brust und er lauschte ihrem Herzschlag. Seine Hände streichelten ihre weiche Haut. Er genoss ihre Zärtlichkeiten ebenso.

Er stemmte sich schließlich etwas hoch und zog sie an sich. Sie sah ihn an und küsste ihn sanft.

„Ich liebe dich Severus."

Lange sah er sie an. Sie hatte ihn berührt, sein Innerstes. Er wusste, er würde niemals wieder von ihr loskommen. Sie war die Frau seines Lebens!

„Ich liebe dich auch, Hermine." Er zog sie an sich. „Ich liebe dich mehr, als ich in Worten ausdrücken kann." Seine Stimme wurde hart wie Stahl. „Jeder der versucht dich mir wegzunehmen, wird sterben. Es wird keinen anderen Mann mehr für dich geben!"

Sie sah ihn an. Ihre Augen glühten wie unirdisches Feuer.

„Nein, es wird keinen anderen geben. Nur dich Severus... für immer."

Er zog sie an sich und küsste sie. Der Kuss wandelte sich schnell und so liebten sie sich ein weiteres Mal, bis zum Morgengrauen.

 

 

 

 

7. Gespräche

 

Es war noch früh. Sie spürte es. Langsam wandte sie sich ihrem Verlobten zu. Sein langes, schwarzes Haar war zerzaust, die Wangen gerötet und seine Lippen noch immer geschwollen von den leidenschaftlichen Küssen der letzten Nacht. Sein Gesicht war entspannt und ließ ihn sehr viel jünger wirken. Sie lächelte glücklich. Irgendwann hatte er ihr gesagt, dass er eigentlich mit ihr hatte etwas besprechen wollen, doch das war in Stürmen der Lust untergegangen.

Sie betrachtete ihn liebevoll. Die letzte Nacht hatte alles verändert. Er hatte ihr in jeder Hinsicht klargemacht, dass er sie liebte. Sie fühlte es. Sie fühlte auch ein Band zwischen ihnen, von dem sie langsam den Eindruck hatte, dass es immer da gewesen war.

 

„Wie ist es nur möglich, dass du weißt was ich denke?" hatte er gewispert, als er sie fest an sich geschmiegt hatte.

„Tue ich das?" Sie streichelte seinen Unterarm.

„Du weißt das es so ist. Du kamst in mein Büro und sagtest mir, du würdest mich nicht verabscheuen. Du wusstest, dass das meine größte Angst war."

„Ja, ich erinnere mich." Sie küsste seine Hand. „Ich habe es in deinen Augen gesehen. Genauso wie die Liebe ... Gestern auf der Krankenstation ..."

Er küsste ihre Wange und zog sie noch ein wenig enger an sich.

„Unglaublich. Ich dachte erst du beherrschst die Leglimentik. Doch nichts fühlte sich danach an ... Es ist ..." Er brach ab.

„Es ist als ob zwischen uns eine Verbindung besteht," beendete sie den Satz.

Er nickte gedankenverloren.

 

Hermine lächelte. Er spürte es auch. Es war ihr, als wäre diese Verbindung nur noch stärker geworden. Sie betrachtete ihren schlafenden Verlobten. Ihr Herz machte einen Sprung, als sie daran dachte, dass sie ihn nun bald jeden Tag so sehen können würde. Sie spürte eine große Vorfreude auf ihre Hochzeit. Bis vor ein paar Tagen hätte sie nie gedacht, dass es eine Liebeshochzeit werden könnte. Verzückt betrachtete sie seine langen Wimpern und den schimmernden Bartschatten, der ihm noch mehr Männlichkeit verlieh.

„Was siehst du nur, Weib?!" Severus' Hand zog sie an sich. Er küsste sie.

Hermine lachte ihn an und schlang die Arme um ihn.

Dann wurde sie ernst und suchte seinen Blick.

„Ich sehe Sehnsucht, Liebe, Ernsthaftigkeit und eine Dunkelheit die sich nicht fassen lassen will."

Er küsste sie sacht.

„Die Dunkelheit ist ein Teil des Todessers in mir. Sie ist immer da."

Sie las in seinen Augen und spürte, dass er besorgt war, wie sie damit zurecht kommen würde.

Sie teilte diese Sorge. Es würde schwer werden, aber mehr als lohnenswert.

„Wir werden uns arrangieren ...," flüsterte sie.

Sie lagen eine Weile beieinander. Sie lauschte seinem Atem und seinem Herzschlag. Die Welt war gut. Seit langem schien die Welt wieder gut zu sein. Sie dachte an Harry und Ron. Sie wusste, ihre beiden Freunde wären vermutlich ausgeflippt, wenn sie erlebt hätten, dass Hermine und Severus heirateten. Tief im Innern aber wären sie froh gewesen, das er Hermine glücklich machte. Das alleine würde für sie zählen, egal was sie gesagt oder getan hätten. Tränen traten in ihre Augen. Sie vermisste die beiden so sehr.

„Denkst du an Potter und Weasley?"

Sie nickte knapp.

Er zog sie näher und küsste ihr Haar.

„Sie haben bis zuletzt gekämpft. Ron habe ich noch erreichen können, bevor er ... bevor er starb. Er sagte mir, ich solle auf dich aufpassen, du wärst ein besonderer Mensch. Er hatte recht."

Sie schluckte trocken und barg ihr Gesicht an seiner Halsbeuge.

„Danke," murmelte sie.

Er streichelte sie liebevoll zur Antwort und liebkoste ihre Hand mit kleinen Küssen. Schließlich hob er sanft ihr Kinn an.

„Wir sollten aufstehen und uns anziehen. Du bist zwar vom Unterricht befreit, aber ich nicht." Er lächelte schief. „Zudem muss ich mit dir über Malfoy reden."

 

Hermine hatte die kurze Dusche genossen. Belebt saß sie nun auf Severus' Sofa und trank ihren Kaffee.

Er saß ihr gegenüber und beobachtete, wie sie ihren letzten Bissen Sandwich aß. Sie rollte mit den Augen.

„Bist du nun zufrieden? Ich habe artig mein Brot gegessen und meinen Saft getrunken. Sprich endlich!"

Er lachte.

Giftig sah sie ihn an. Typische Slytherin - Taktik. Sie wartete ungeduldig, bis er seinen Tee ausgetrunken hatte. Dann setzte er sich zurecht und begann zu erzählen.

 

„Er hat mit mir zusammen appariert, doch bevor wir wirklich ankamen, habe ich ihn mitgenommen - in den verbotenen Wald. Erst lähmte ich ihn, dann sprachen wir. Er sagte, dass er dich haben wolle. Er kannte dein Potential sehr gut. Ihm war klar, welche Möglichkeiten sich ergeben würden, würde er einen Erben mit dir haben. Zudem wollte er alle Namen der Ordensmitglieder aus dir herauspressen, damit er sie beseitigen könnte.

Wir haben gekämpft, bis ... bis die Zentauren kamen. Sie waren wild, vor allem nachdem Lucius sie beleidigt hatte. Sie nahmen ihn mit. Mich versuchten sie ebenfalls mit ihrer Magie zu treffen, aber ich war schon fort."

Sie blickte ihn ernst an. Das sie so einen Wert für die ehemaligen Todesser haben konnte, war ihr völlig neu.

„Ihnen ist die Beseitigung des Ordens immer noch sehr wichtig. Viele Ziele wollen sie auch ohne den dunklen Lord versuchen zu erreichen."

Die junge Gryffindor seufzte.

„Severus?"

Er blickte sie an.

Langsam erhob sie sich und setzte sich auf die Lehne des Sessels. Er zog sie schließlich auf seinen Schoß, als er die Tränen glitzern sah.

„Ich ... ich möchte einfach nur leben, Severus. Ich ... ich wünsche mir doch nur ... nur ..."

Sie brach in haltloses Schluchzen aus. Tränen rannen ihr über die Wangen, tropften auf seine Hände. Er zog sie nah an sich und küsste sie sanft.

„Als Harry und Ron starben, war mir innerlich schon lange klar gewesen, dass ich immer damit hätte rechnen müssen." Brachte sie erstickt hervor. „Doch der Fehler der Jugend ist es, das Morgen zu vergessen. Als dieser Tag kam und ich es erfuhr, traf es mich so heftig wie alle anderen auch. Sie waren meine besten Freunde. Sie haben mich akzeptiert und lieb gehabt. Ich weiß immer noch nicht, wie ich es verwinden soll, dass sie nicht mehr sind."

Er hörte ihr aufmerksam zu und streichelte sie liebevoll.

„Nun trachten mir noch ehemalige Todesser nach dem Leben. Ich ... ich habe doch kaum etwas anderes getan, als Harrys Freund zu sein. Aber ich stehe auf der falschen Seite...." Sie ergriff das von ihm dargebotene Taschentuch und putzte sich die Tränen fort.

„Dann dieses Gesetz. Es hat mich überfahren, obwohl ich auch diesmal die Durchsetzung hätte einkalkulieren müssen. Aber ... ich hätte nicht gedacht, dass es mir im Nachhinein so willkommen sein könnte."

Sie küsste ihn zart.

Der Zaubertrankmeister sah ihr in die Augen und sah die Konfusion, die Angst und auch die Sehnsucht.

„Ich liebe dich, Hermine," flüsterte er schlicht. „Alles andere wird sich finden."

Seine junge Verlobte sah zweifelnd aus. Ein bitterer Zug lag um ihren Mund.

„Wir beide werden sehr vorsichtig leben müssen."

Er schüttelte den Kopf.

„Ich glaube kaum. Du bist eine unbekannte Größe. Dein Potential ist unglaublich, so dass es keiner einschätzen kann. Ich weiß, dass du lernen willst und das kannst du auch tun, egal ob wir verheiratet sind. Du bist nicht wehrlos, meine Heißgeliebte."

Sein Blick verriet tiefe Verehrung.

Sie schmiegte sich nur an ihn und lauschte seinem Herzschlag.

 

 

 

 

8. Willkommene Wendungen

 

Die Prüfungen waren der blanke Horror. Zitternd saß Hermine in Severus' Büro und las sich den letzten ihrer Vorbereitungszettel durch.

„Lass das doch! Du machst dich ja völlig verrückt!"

Sie schüttelte unwillig den Kopf und hob die Hand um weiterlesen zu können. Ihre Lippen bewegten sich und sie hob die Augen zur Decke, um sich alles zu verinnerlichen.

„Verdammt Hermine!"

Wütend funkelte er sich an, griff sich das Papier und warf es ins Feuer.

„Severus! Bist du ..."

„Ich glaube eher du bist verrückt, meine Liebe. Du hast in fünf Minuten deine letzte Prüfung. Entspanne dich!" Schnarrte er sie an.

Sie ließ den Kopf hängen.

„Verwandlungen ist wirklich wichtig. Sie wollen mich auf „Ohne Gleichen" testen!"

Er schnaubte.

„Das wird dir gelingen. Keine Sorge."

Zitterig und völlig übernervös verließ sie sein Büro um zu ihrer Prüfung zu gehen.

Er seufzte auf.

Sie hatte endlich ihren Apparierschein gemacht, nachdem er ihr angedroht hatte, dass sie seinen alten Sauberwisch zu fliegen hatte, wenn sie nicht endlich die Apparierprüfung machen würde.

Nachdem er eine Weile Drittjahresaufsätze korrigiert und benotet hatte, schenkte er sich einen Single Malt ein und setzte sich hinüber in sein Wohnzimmer.

Wann kam sie denn endlich!?

 

Das Feuer flackerte und Severus schreckte hoch. Was war geschehen? Er war wohl eingenickt. Verwirrt sah er zur Uhr. Wo Hermine nur blieb? Seufzend erhob er sich, als er plötzlich ein lautes Klappern an seiner Tür vernahm. Verwundert öffnete er sie und sah Krummbein gerade noch an sich vorbeispringen, zusammen mit einem kleinen braunen Etwas, das sehr nach einem Frettchen aussah.

Verärgert stürzte er den Tieren hinterher.

Schlimm genug das dieses Fellbündel hier ein und aus ging, jetzt brachte es schon andere Viecher mit.

„Verdammte Mistviecher...!"

Er zückte seinen Zauberstab.

Es klapperte und kratzte wieder an seiner Tür. Diesmal stieß er sie so hart auf, dass die getigerte Katze davor laut fauchend zur Seite sprang.

„Minerva?!"

Der Slytherinhauslehrer war noch erstaunter.

„Was hat das alles zu bedeuten?"

Er schloß die Tür und Minerva McGonnagall in ihrer Katzengestalt fand sich in der Mitte des Raumes ein.

Langsam gesellte sich auch das braune Etwas dazu. Es war tatsächlich ein Frettchen! Severus schüttelte den Kopf.

„Was soll das ganze?" zischte er mit klirrender Stimme.

Krummbein sprang wieder auf das Frettchen zu und Minerva McGonnagall fauchte ihn böse an.

Plötzlich dämmerte es ihm. Da geschah es auch schon.

Das Frettchen verwandelte sich und eine lachende Hermine stand vor ihm. Sie sah aus wie die Katze, die den Kanarienvogel gefressen hat.

„Ich nehme an, du hast dein „Ohnegleichen" bekommen?" meinte er trocken und zog eine Augenbraue hoch.

Sie kicherte und nickte.

Ihre Hauslehrerin fixierte sie und nickte mit dem Kopf, dann verließ sie in ihrer Katzengestalt den Kerker.

Aufatmend blickte der Zaubertränkemeister zu seiner Verlobten.

„Ich gratuliere dir. Ich hoffe, du siehst nun auch das, was ich über dein Potential gesagt habe."

Die junge Brünette nickte. Dann trat sie auf ihn zu und ließ sich umarmen. Sie küssten sich langsam und voller Genuss. Ihre Hände fuhren in sein Haar und zogen ihn näher.

Atemlos löste er sich von ihr. Seine Stimme bebte vor unterdrückter Erregung, als er zu sprechen begann:

„Ich weiß was du möchtest, meine Heißgeliebte. Glaube mir..." er seufzte auf, „ich würde auch lieber die Zeit bis zu unserer Hochzeit morgen mit dir im Bett verbringen..."

„Aber es geht nicht...," vollendete sie den Satz. Ihr Gesicht drückte eine solche Enttäuschung aus, dass ihr künftiger Ehemann grinsen musste.

„Morgen... Hermine. Morgen!"

Ihr Blick glühte. „Diese Nacht, mein Lieber, wirst du niemals vergessen! Ich werde dich besonders intensiv verwöhnen, Professor Severus Snape," schnurrte sie.

Mit diesen Worten ging sie aus seinem Büro und ließ einen vor Lust bebenden Zauberer zurück.

 

Sie saß mit Ginevra auf dem Sims des Ostturms.

„Es ist dein letzter Abend als unverheiratete Frau. Warum hast du dich dazu entschieden nicht wirklich zu feiern?"

Hermine seufzte leise und sah ihrer Freundin in die Augen.

„Ich bin nicht glücklich, wenn ich nicht zu Severus gehören kann. Deshalb kann ich nicht feiern, was mich eigentlich traurig macht."

Ginny nickte und fuhr sich durch das rote Haar.

Eine Pause entstand.

„Ich glaube Ron und Harry wären durchgedreht."

Hermine lachte und Ginny stimmte mit ein. So bemerkten sie nicht, wie der nächste Gast ihres kleinen Sit - ins hinzukam.

„Ich glaube auch, sie hätten an deinem Verstand gezweifelt `Mine. So wie ich auch immer noch nicht wirklich davon überzeugt bin, dass es dir geistig ganz und gar gut geht."

„Neville!" rief die junge Brünette aus.

Er lächelte scheu.

„Es gibt also doch jemanden mit dem du glücklich sein kannst."

Merkwürdigerweise schwang keinerlei Bitterkeit in seinen Worten. Er sah sie offen an und schien selbstbewusster zu sein, als noch vor zwei Monaten.

Sie senkte den Blick.

„Ich kann es nicht erklären. Ich ... ich hätte nicht gedacht, dass es mir möglich sein würde, wirklich noch mal glücklich zu werden."

Er nickte nur.

„Ich verstehe dich, dank Ginevras Hilfe."

Hermine blickte überrascht zu der Rothaarigen hinüber, die Neville liebevoll ansah. Daher wehte der Wind.

Ginny lachte.

„Jaja, wir sind uns näher gekommen..."

Neville sah unbehaglich drein und setzte sich zu den Beiden ans Turmfenster.

Lange saßen sie da, tranken Wein oder Butterbier und schauten der untergehenden Sonne zu.

Neville räusperte sich.

„Manchmal weiß ich nicht, ob die Welt wirklich besser geworden ist, seit Voldemort tot ist."

Hermine blickte weiter in die Ferne.

„Ich weiß was du meinst. Es sind so viele gestorben. Einige Todesser laufen immer noch draußen herum."

Sinnend sahen hinaus.

„Aber sie sind längst nicht so gefährlich wie zuvor. Es sterben keine weiteren Menschen," warf Ginny ein.

„Wiegt es aber den Verlust der Freunde auf, die wir verloren haben?" wollte Neville wissen.

Sie schwiegen lange.

Hermine wandte sich schließlich um und meinte dumpf:

„Ja, es wiegt es auf, in dem wir wissen, dass unsere Kinder nicht das durchmachen müssen, was uns wiederfahren ist."

Die anderen Beiden nickten ernst dazu.

Dann stießen sie auf Hermine und Severus an. Sie wünschten einander Glück und Frieden.

 

***

Sie hatte in ihrem alten Bett geschlafen und es war alles andere als erholsam gewesen. Ginevra hatte nach dem ganzen Wein so laut geschnarcht, dass selbst der Zauberspruch, den Hermine über sie gelegt hatte, nur kurz gewirkt hatte.

Außerdem war sie nervös.

Heute um elf Uhr vierzig würde sie ihren Severus heiraten.

Ihr Herz machte einen Sprung.

SEVERUS. Sie lachte und strampelte vor überschäumenden Glück. Sie liebte ihn. Sie wollte bei ihm sein.

Die Uhr zeigte acht Uhr an und Hermine rutschte das Herz in die Hose. Schnell rauschte sie aus dem Bett und verschwand im Bad. Himmel! Sie würde zu spät kommen!

Das Duschen und zurecht machen dauerte nicht lange. Doch das Kleid ... Sie mühte sich redlich ab, bis Ginny endlich aus dem Bett stieg und ihr half.

„Du siehst umwerfend aus!"

Verlegen sah die Ältere zu Boden.

„Danke Ginevra."

Die Rothaarige lächelte sie an, streckte beide Daumen hoch und verschwand im Bad. Hermine verließ ebenfalls den Schlafsaal und fand dich in dem mäßig besuchten Gemeinschaftsraum ein, wo Lavender und Neville sie gaffend begrüßten. Kurz darauf trat Professor McGonnagall zu ihr.

„Oh Miss Granger, sie sehen fantastisch aus!"

Ihr Gegenüber wurde rot.

Bevor Hermine aber nur ein weiteres Wort sagen konnte, ergriff die Hauslehrerin ihre Hand und führte sie hinunter in die große Halle. Von dort aus traten sie in einen der kleineren Nebenräume.

Mit Herzklopfen trat sie ein.

„Guten Morgen Miss Granger."

„Professor Dumbledore!" entfuhr es ihr.

Er lächelte gezwungen.

„Ich weiß sie hätten ihre Eltern an meiner statt erwartet. Leider können sie nicht kommen."

Ihr Hals wurde eng. Sie blickte den Schulleiter ängstlich an.

„Keine Sorge. Sie werden von Remus und Nymphadora überwacht und geschützt." Er seufzte leise und setzte abermals zum Sprechen an. „Da gewisse Todesser wissen wann sie und Severus heiraten, werden sie versuchen die Hochzeit zu verhindern. Wir haben erfahren, dass man ihre Eltern observiert hat. Deswegen haben sich zwei Ordensmitglieder dort eingefunden."

Hermine kam gar nicht erst auf die Idee, dass etwas an Dumbledores Erklärung faul sein konnte.

So aß sie ein wenig von ihrem Frühstück. Anschließend trat sie gemeinsam mit Dumbledore durch den Kamin ins Flohnetzwerk.

 

Es war traditionell so, dass bei der eigentlichen Zeremonie nur die Braut und ihr Bräutigam anwesend waren. Sie wurden von Freunden und Familie dorthin begleitet, aber bei dem eigentlichen Gelöbnis, war nur das Paar anwesend.

Albus Dumbledore brachte Hermine zu dem Raum, zwinkerte ihr zu und flüsterte:

„Bis gleich."

Hermine trat zögerlich ein.

Der Raum war wider Erwarten sehr klein und recht dunkel.

Ein kleiner, gebeugter Zauberer stand an einem rechteckigen Stein und richtete ein paar Kerzen aus. Langsam trat sie zu ihm.

Er hob den Kopf und nickte ihr lächelnd zu.

Die junge Gryffindor entspannte sich leicht. Wo blieb nur Severus?

Schließlich hob der Zauberer eine kleine Glocke und schlug sie dreimal an. Daraufhin öffnete sich eine weitere Tür und Severus trat ein.

Hermine hielt den Atem an.

Er trug wie immer schwarz, doch sein weißes Hemd leuchtete unter dem Umhang ebenso hervor, wie die Blumen, die er in der Hand hielt.

Der Strauß zitterte, als er ihn ihr überreichte. Seine Augen schimmerten verdächtig und er nahm sanft ihre Hand.

Seine Finger waren kalt vor Nervosität und Anspannung.

Langsam wandten sie sich dem Zauberer zu.

Er lächelte und begann zu sprechen:

„Auch wenn ein Gesetz euch hierher geführt hat, kann ich sehen, dass Liebe es ist, die zwischen euch wächst. So verbinde ich euch in Liebe, Achtung, Leidenschaft; in Schutz, geistiger Herausforderung und Kreativität miteinander. Möge eurer Weg lang und fruchtbar sein! Gesegnet sei eure Verbindung und alles was aus ihr hervor gehen mag. Gesegnet seid ihr und die euren, das ihr in Frieden und Liebe zu leben vermögt."

Er zückte seinen Zauberstab und begann eine lange, für Hermine und Severus unverständliche Inkarnation zu sprechen. Dann sang er verschiedene Litaneien. Sie verspürten wie Bindungen geknüpft und Banne gesponnen wurden. Liebevoll sahen sie einander an.

Am Ende seiner Litanei sprach er:

„Wollt ihr das Geschenk der Ehe tragen und pflegen, euch Liebe geben und euch umeinander sorgen? So antwortet mit ja und es soll euch möglich werden!"

Kraftvoll erhoben sich ihre Stimme zu einem laut vernehmlichen „Ja".

Glückwünschend reichte der kleine Zauberer ihnen einen Portschlüssel.

„Professor Dumbledore gab ihn mir. Er wird sie zu ihrem Bestimmungsort bringen." Er zwinkerte ihnen zu. „Alles Gute ihnen, Mister und Misses Snape."

Hermine strahlte, als er sie mit ihrem neuen Nachnamen ansprach. Dann ergriffen sie den Portschlüssel.

ENDE

 

 

 

 

9. Epilog

 

Sie erschienen auf einer Wiese unweit Hermines Elternhaus. Ängstlich sah sie auf ihre Mutter und ihren Vater, die auf sie zustrebten.

Würden sie sie anschreien? Würden sie Severus und sie als Ehepaar akzeptieren? Hermines Mutter flog auf Severus zu und umarmte ihn heftig.

„Willkommen!" rief sie nur aus und strahlte sie beide an.

Hermines Vater sah nicht im Mindesten begeistert aus. Er küsste seine Tochter auf die Stirn und beäugte Severus kritisch, als er ihm die Hand reichte.

„Machen sie sie bloß glücklich," zischte er, „ansonsten ..."

Der Zaubertränkemeister hob eine Braue und Mister Granger sah ihn finster an.

„Er macht mich glücklich, Dad und mein Wort sollte dir da reichen."

Die Blicke beider Männer wurden weich.

Bis auf Hermines Eltern, waren Ginevra und Neville, sowie die Professoren Dumbledore und McGonnagall erschienen. Sie feierten eher verhalten, bis der sonst so scheue Neville das Glas zum Klingen brachte und sich zu einer Rede hinstellte.

„Ich freue mich sehr, Hermine und meinen Professor glücklich zusehen. Die Botschaft, dass Lucius Malfoy und fünf weitere Todesser auf frischer Tat ertappt werden konnten und nun in Haft sind, wird auch euch alle sicher noch glücklicher machen. So wünsche ich euch Frieden und etwas zu sehen, was mir Hermine erst aufzeigen musste: Es wiegt die vielen Verluste des Krieges auf, in dem wir wissen, dass unsere Kinder nicht das durchmachen müssen, was uns widerfahren ist."