EIN WILLKOMMENES GESETZ



     von Lhyra


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Kapitel 1 - 4


Titel: „Ein willkommenes Gesetz"

Disclaimer: Ich mache weder Geld mit dieser Geschichte, noch gehört mir Harry Potter™. Die Standard Disclaimer treffen zu.

Copyright: Wer die Geschichte für irgendwas benutzen möchte, möge mich bitte vorher fragen!

 

 

 

1. Alles anders als einst

 

Hermine Granger zupfte an den Grashalmen vor ihr. Ihr langes Haar wehte in der sanften Frühlingsbrise. Seit ein paar Tagen war es so warm, dass sie die meiste unterrichtsfreie Zeit draußen verbrachte. Hier war sie allein, und konnte gut den anderen Studenten ausweichen.

Mühsam schluckte sie die aufkeimende Traurigkeit herunter. Wolken verdunkelten die Sonne und sie seufzte schwer auf. Sie saß hier allein. Nicht weil sie gern allein sein wollte. Sie war allein, weil ihre besten Freunde nicht mehr da waren.

Tränen traten in ihre Augen.

Es war das siebte Jahr für Hermine Granger, Harry Potter und Ron Weasley in Hogwarts. Das Schuljahr war überschattet von den jüngsten Ereignissen. Abends aus dem Haus zu gehen war nicht mehr sicher. Todesser schienen an jedem Winkel zu lauern. Die Sommerferien waren weder erholsam noch friedlich gewesen. Es waren die blutigsten Ferien schlechthin.

Hermine hatte mit ihren Eltern die Ferien zu Hause verbringen wollten. Doch ihre Mutter bekam eine Ausgabe des „Tagespropheten" in die Hände. Die Schlagzeilen ließen sie erbleichen.

So kam es dass Hermine mit ihren Eltern mit unbekannten Ziel verreiste. Sie war abgeschnitten von allem, was mit der magischen Welt zutun hatte.

Der Schock kam, als das Schuljahr wieder begann. Viele Schüler waren nicht mehr erschienen. Die meisten waren ermordet worden, wegen ihrer Herkunft. Auch im Hause Slytherin waren nur wenige Schüler zurückgekehrt. Die Kinder der Todesser waren zu Hause geblieben.

Harry und auch Ron kamen nicht zurück. Auf dem Weg zurück zur Schule war es geschehen. Trotz der Eskorte von erfahrenen Auroren hatten die Todesser sie entführen können. Sie waren Lord Voldemort unverzüglich zugeführt worden. Es sollte der finale Kampf sein.

Es wurde der finale Kampf.

Die Leichen von Ron, Harry und des dunklen Lordes wurden am Rande des verbotenen Waldes gefunden. Viele Todesser waren schwer verwundet in der unmittelbaren Nähe aufgefunden worden.

Hermine war nun allein. Ihre Freunde lebten nicht mehr und sie fragte sich, ob diese Welt wirklich eine bessere war - ohne Harry - ohne Ron. Die Beerdigung der beiden hatte in einem großen, sehr feierlichen Rahmen stattgefunden. Der „Tagesprophet" berichtete täglich über Harry und Ron. Hermine hatte Dutzende von Interviewanfragen bekommen. Ebenso Severus Snape, der einzige Augenzeuge des Kampfes.

Es gab kein Interview.

 

Es waren nun schon drei Monate darüber ins Land gegangen und Hermine litt, wie am ersten Tag. Professor McGonnagall stand Hermine so gut es ging zur Seite, doch die junge Frau schottete sich ab.

Ja, tatsächlich war sie innerhalb der letzten Monate zu einer Frau herangereift. Hermine hatte es kaum registriert. Im Moment war ihre Strategie einzig darauf ausgelegt, nicht zuviel nachzudenken. Sie lernte in jeder Minute die sie Zeit dazu fand. Nur wenige ihrer Mitmenschen bekamen mit, was mit ihr geschah, Ginny Weasley zum Beispiel, die seit Rons Tod darauf bestand, mit ihrem vollen Namen Ginevra angesprochen zu werden. Und noch jemand anderes bemerkte es, jemand von dem niemand annehmen würde, das es ihn kümmerte, was mit Hermine Granger geschah.

 

Hermine betrachtete das Gras, das sich sanft im Wind bog. Ihre Gedanken schweiften zu glücklicheren Tagen und Tränen stiegen in ihre Augen. Sie war völlig in ihren Gedanken versunken, als ein Schatten auf sie fiel.

Schnell wischte sie die Tränen fort und blinzelte hinauf, zu der großen Gestalt, die sich gegen die durchbrechende Sonne abzeichnete.

Sie erkannte ihren Professor für Zaubertränke, der mit einem unlesbaren Gesichtsausdruck auf sie hinunter sah. Was wollte er? Er mied sie wie die Pest und das seit Beginn des Schuljahres. Während des Unterrichtes ignorierte er sie und außerhalb .... nun ja.

„Guten Tag Professor," begrüßte sie ihn mit tränenschwerer Stimme.

„Miss Granger," nickte er.

Er sah sie prüfend an.

Sie war gereift. Er sah es an ihren warmen, braunen Augen. Wie sie sich verändert hatte! Er erkannte sie kaum wieder. Ihr Gebaren war nicht mehr das des unreifen Schulmädchens von einst. Auch ihr Äußeres hatte sich sehr verändert. Ihr Haar reichte ihr bis an die Hüften und war durch die Schwere nicht mehr ganz so buschig. Dennoch sah es immer noch wilder aus, als bei seinen anderen weiblichen Studenten. Ihr Gesicht war schmaler geworden und um ihren Mund lag ein Zug von Bitterkeit. Sie bewegte sich längst nicht mehr mit der Leichtigkeit eines Kindes, sondern mit der ernsten Grazie einer reifen Frau. Innerlich seufzte er, sie war zu alt für ihre knapp achtzehn Jahre. Ihre Augen waren groß in ihrem ernsten Gesicht und schimmerten feucht. Sie hatte vor kurzem geweint. Tränenspuren auf ihren Wangen glitzerten im gedämpften Sonnenlicht.

Er nahm sich zusammen.

„Heute Abend, acht Uhr, mein Büro." Damit wandte er sich um und lief in Richtung der großen Halle davon.

Nachdenklich blickte sie ihm nach. Was er von ihr wollen könnte? Hatte sie etwas falsch gemacht in der letzten Stunde? Sie konnte sich nicht erinnern. Eigentlich war es auch egal. Sie hätte heute Abend eh in der Bibliothek gesessen und ein wenig über arithmatische Grundsätze gelesen.

Hermine rieb sich die Augen. Sie war müde. Die letzte Nacht hatte sie bis ins Morgengrauen hinein gelesen. Es wäre wundervoll, einfach eine Nacht nur schlafen zu können. Sie wünschte, sie könnte mit jemanden reden. Sicherlich bemühte sich Professor McGonagall immerfort um sie. Doch Hermine wusste, dass sie es in ihrer Eigenschaft als Oberhaupt ihres Hauses und als rechte Hand von Dumbledore tat. Persönliche Anteilnahme konnte es kaum sein. Sie hatte sich von Dolores Umbridges Attacke damals schwerlich erholt, seit dem war sie kaum mehr dieselbe.

Die Sonne verschwand abermals hinter den Wolken und Hermine nahm ihre Tasche. Es wurde Zeit hinein zugehen. Geschichte der Zauberei begann in einer Viertelstunde. Wieder eine Zeitspanne in der sie besonders an Harry und Ron würde denken müssen. Vielleicht hätte sie sie damals retten können! Hermine schluchzte leise auf.

 

***

 

Ginevra Weasley lehnte an der Wand im Eingangbereich und wühlte ihrer Tasche, als Hermine an ihr vorbei hastete. Die Rothaarige schüttelte den Kopf. Warum war sie allen so fern? Warum teilte sie die Trauer nicht, die in ihrem Herzen einen so großen Platz einnahm? Ginevra trauerte auch, aber hatte sie immerhin eine Familie die ihr zur Seite stand und sie trösten konnte und wollte. Hermine allerdings hatte nur wenige Leute und selbst die ließ sie nicht an sich ran. Ginevra konnte sich kaum daran erinnern, wann sie das letzte Mal mit Hermine länger als zehn Minuten gesprochen hatte. Kopfschüttelnd nahm sie ihre Tasche und machte sich ebenfalls auf den Weg in den Unterricht. Abermals nahm sie sich fruchtlos vor, mit Hermine zu reden.

 

Der Schultag zog sich sehr lang. Hermine war total erschöpft als sie endlich hinauf in der Gryffindorturm gehen konnte. Im Aufenthaltsraum setzte sie sich ans Feuer und nahm sich ihre Hausaufgabe in Verwandlungen vor. Abermals vergaß sie darüber das Abendessen. Erst als Krummbein auf ihren Schoß sprang, wurde Hermine wieder siedensheiß klar, dass sie um acht Uhr in Professor Snapes Büro sein musste.

Entnervt erhob sie sich und stieg die vielen Stufen zu Snapes Büro hinunter. Sie klopfte.

„Herein," schallte seine üblich harsche Stimme durch das dicke Holz.

Hermine trat ein.

„Sie sind spät Miss Granger. Setzen sie sich."

Hermines Nervenkostüm war nicht das beste. Sie hatte keinerlei Intention nett zu Snape zusein, oder gar ihn respektvoll zu behandeln. Meist behandelte sie ihn gar nicht, da sie kaum miteinander kommunizierten.

„Auch ihnen einen guten Abend Professor Snape," gab sie betont höflich von sich.

Ihr Gegenüber zog spöttisch eine Braue hoch.

„Ich hoffe ihr schnippisches Verhalten hat damit zutun, dass sie das Dinner verpasst Miss Granger. Ansonsten sehe ich mich gezwungen Punkte abzuziehen."

„Ziehen so viele Punkte ab wie sie wünschen, Sir. Es hat nichts mit meinem Ernährungszustand zutun."

Ihre Augen funkelten.

Wann war sie so selbstbewusst geworden? Erstaunt betrachtete der Professor sein Gegenüber.

„Zehn Punkte von Gryffindor, Miss Granger. Mäßigen sie sich. Sie sind nicht auf meinen Wunsch hier."

Hermine verdrehte die Augen. Dieser Mann hatte vielleicht Nerven.

„Der Schulleiter instruierte mich kürzlich, mit ihnen über den ersten Tag dieses Schuljahres zu sprechen."

Wie vom Donner gerührt sah Hermine ihn an. Dieser unsensible, bösartige Mann wollte mit ihr über den Tod ihrer beiden besten Freunde sprechen! Sie sah ihn an.

„Ich verzichte, Sir."

Sie erhob sich und machte Anstalten zu gehen.

„Setzen sie sich gefälligst, Miss Granger!" zischte er und schoss einen seiner finstersten Blicke ab.

Sie reckte ihr Kinn vor und blickte ihm direkt in die schwarzen, glühenden Augen. Wut und Schmerz wallten in ihr hoch und sie spie ihm förmlich diese Gefühle ins Gesicht, als sie knurrte: „Ich werde mit ihnen nicht über Harry und Ron sprechen. Ich will auch nicht hören, was sie dazu zu sagen haben. Ich werde jetzt gehen, egal was sie tun oder sagen, Professor Snape."

Sie drehte sich auf dem Absatz rum und marschierte zur Tür. Doch als sie diese öffnen wollte, musste sie feststellen, das diese verschlossen und mit Bannsprüchen belegt waren. Wütend fuhr sie herum.

Zornesbebend sah sie ihn an, doch ihr Professor erwiderte gleichmütig ihren Blick.

„Nehmen sie nun Platz, Miss Granger oder wünschen sie dass ich weitere Punkte abziehe?"

„Arschloch!" rief sie.

„Das sind hundert Punkt von Gryffindor, Miss Granger und zwei Wochen Nachsitzen," bellte er und wies herrisch auf den Stuhl vor seinem Schreibtisch.

Kochend vor Zorn setzte sie sich.

„Und wenn sie mir noch zwei Wochen Nachsitzen aufbrummen, Sir, ich wünsche nicht von ihnen etwas über Ron und Harry zu hören."

Snape knirschte in Rage mit dem Zähnen.

„Jetzt hören sie mir mal zu, sie dummes Mädchen..."

Sie sprang auf.

„Verdammt noch mal, ich bin kein Mädchen mehr. Ich bin weder klein noch dumm und ich will nicht mit einem Mann über den Tod meiner Freunde reden, der eh nur Haß und Bösartigkeit kennt!" brüllte sie.

Sie zog ihren Zauberstab aus ihrer Tasche und versuchte den Bann von der Tür zu nehmen.

„Accio Zauberstab."

Hermine kochte. Wütend warf sie den Stuhl um und warf alles dem sie habhaft werden konnte auf ihren Professor. Wie konnte er nur! Er hatte keine Ahnung! Tränen liefen über ihr Gesicht, als sie immer wieder rief: „Ich will nicht!"

Dann wurde es dunkel um sie.

 

2. Offenbarungen

 

Schockiert sah Severus Snape auf seine beste Schülerin. Was war nur mit ihr geschehen? Was hatte der Krieg gegen Voldemort aus ihr gemacht? Er schüttelte den Kopf über sich selbst. Warum machte er sich Gedanken darüber? Natürlich hatte der Krieg sie alle verändert! Auch Hermine Granger.

Er sah sie zusammenbrechen und stürzte durch sein verwüstetes Büro auf sie zu. Er konnte sie noch gerade auffangen, bevor sie den Boden erreichte. Er zog sie automatisch an sich. Ihr Körper war warm, weich, anschmiegsam.

Wie lange war es her, dass sich ein anderes menschliches Wesen an ihn geschmiegt hatte? Innerlich krümmte er sich zusammen. Er vermisste menschlich Wärme, Nähe. Ja, er vermisste sie schmerzlich.

Er blickte in das Gesicht der jungen Frau, die sein wohlgeordnetes Büro förmlich verwüstet hatte. Sanft strich er über ihr zartes Gesicht. Sie war so jung und doch so alt.

Er hob sie mühelos hoch und trug sie in sein angrenzendes Wohnzimmer und bettete sie auf das ausladende Sofa. Forschend betrachtete er ihr Gesicht, seine Hände umfassten sanft ihren Kopf. Weiches Haar kitzelte seine Handflächen. Es warf ihn förmlich um, als er zum ersten Mal realisierte wie schön sie war.

Hermine öffnete mühevoll die Augen und blickte in zwei tiefe, schwarze Seen. Erst zwei Herzschläge später identifizierte sie diese, als die Augen ihres Professors.

„Wie geht es ihren?" Seine tiefe, vibrierende Stimme sandte köstliche Schauer über ihre Haut. Sie betrachtete sein Gesicht. Es sprach von Sorge und... Sie legte den Kopf leicht schräg. Konnte das sein? - Von Sehnsucht. Ja, es lag Sehnsucht in seinem Blick, schmerzliches Sehnen. Doch wonach?

„Ich...," sie schluckte und senkte den Blick, als sie an ihre Aktion in seinem Büro dachte. „Es tut mir leid, was ich in ihrem Büro angerichtet habe, Sir."

Er machte eine unwillige Handbewegung.

„Das ist im Moment nicht von Belang. Wie geht es ihnen?"

„Ich fühle mich ziemlich schwach. Vermutlich das Abendessen...."

„Das sie ebenso verpasst haben wie das Mittagessen...," beendete er den Satz trocken, „ich verstehe schon."

Er erhob sich und verschwand im Nebenraum. Nach gut zehn Minuten kam er mit einem Tablett mit allerlei Speisen zurück und stellte es vor ihr auf den Couchtisch.

„Essen sie, Miss Granger."

Sie blickte ihn misstrauisch an. Er seufzte daraufhin theatralisch und nahm sich auch etwas von dem Tablett. Sie aßen schweigend.

Nachdem sie den letzen Bissen mit etwas Tee heruntergespült hatte, ging es ihr schon viel besser.

„Ich danke ihnen, Professor."

Er nickte nur.

„Ich hätte nie gedacht, dass ihnen am Wohl ihrer Studenten so gelegen ist."

„Ich konnte, sie schlecht in diesem Zustand zurück nach Gryffindor gehen lassen. Sofern sie überhaupt so weit gekommen wären."

Hermine seufzte. „Ich finde es erstaunlich, das ihnen auffällt, das ich zwei Mahlzeiten verpasst habe, Sir."

Innerlich bewunderte er einmal mehr ihr Scharfsinnigkeit.

„Ich habe ein Auge auf meine Studenten," gab er schlicht zurück.

Hermine sah auf ihre Hände. Die Stille lastete schwer im Raum. Es war als wäre sie greifbar. Sie dachte an Ron und Harry. Plötzlich öffnete sich wie von selbst ihr Mund:

„Ich kann es kaum ertragen hier zu sein in Hogwarts. Überall sehe ich Erinnerungen von Harry und Ron. Immer denke ich..." Sie schluchzte ungewollt und versuchte es zu unterdrücken. Tränen spritzten aus ihren Augen, doch sie fuhr fort: „...ich hätte ihnen helfen sollen. Ich hätte bei ihnen sein sollen. Vielleicht würden sie dann noch leben."

Snape schüttelte den Kopf. „Nein. Sie, Miss Granger wären dann ebenso tot, wie ihre beiden Freunde." Ihr wütender Blick glitt über ihn.

Resigniert sah er sie an. „Ich war dabei, ich habe gesehen was geschehen ist. Todesser sind feige, müssen sie wissen. Es haben sich jeweils zwei auf einen ihrer Freunde gestürzt. Mister Potter wurde nach dem er den dunklen Lord geschlagen hatte getötet." Er seufzte tief. „Wenn sich jemand Vorwürfe machen muss, dann ich, Miss Granger."

Sie sah ihn nur an. Er wirkte plötzlich so verletzlich, so ... menschlich. In sich zusammengesunken saß ihr Lehrer für Zaubertränke vor ihr im Sessel und fuhr sich mit beiden Händen durchs Gesicht.

„Ich kam einfach nicht an die beiden ran. Sie standen zu weit weg. Zwischen ihnen und mir waren es an die zehn Meter und da waren dann noch an die zehn Todesser, die nun wussten auf welcher Seite ich nun wirklich stand...," sein Blick war in die Ferne gerichtet. Doch mit einem Mal hatte er sich wieder in der Gewalt.

„Ich denke sie sollten jetzt gehen, Miss Granger. Es ist spät."

Hermine sah ihn an und nickte. Sie war völlig erschöpft.

 

Der Samstagmorgen begann grau und nass. Hermine wäre am liebsten nicht aufgestanden. Doch der gestrige Abend in Snapes Räumen fiel ihr wieder ein. Sie musste sich bei ihm entschuldigen, so ungern sie das auch tat. Aber er war anständig zu ihr gewesen und hatte sich um sie gekümmert, so verdiente er eine anständige Entschuldigung.

Das Frühstück schlang sie wie üblich hinunter. Sie nahm kaum wahr was sie da eigentlich aß, es schmeckte alles irgendwie nach Pappe. Sie beeilte sich, denn sie wollte schnellstens hinunter ins Verlies.

Unsicher klopfte sie an die Bürotür.

„Ja!" herrschte Professor Snape und sie trat sofort ein.

Er sah von seinen Papieren auf und schien erstaunt. Das Büro war wieder in seinem ursprünglichen Zustand und Hermine atmete auf.

„Verzeihen sie die Störung, Sir. Ich wollte mich nochmals für mein gestriges Betragen entschuldigen. Meine Reaktion war heftig. Ich war einfach nicht ich selbst."

„Durchaus, Miss Granger. Setzen sie sich."

Unbehaglich nahm sie Platz.

„Ich wollte ohnehin mit ihnen über ihre Strafe für dieses Verhalten sprechen."

Sie hatte es geahnt und verdrehte die Augen. Sie konnte sich denken was kommen würde: Nachsitzen mit Filch oder irgendwelche Putzarbeiten.

„Ich denke, es wäre durchaus eine angemessene Bestrafung, wenn sie heute mit mir in den verbotenen Wald gehen. Sie werden dort mit mir Trankzutaten sammeln. Halten sie sich in einer Stunde bereit. Ich warte vor dem Tor."

Damit beugte er sich wieder über seine Notizen und bedeutete Hermine so, dass sie entlassen war.

Sie erhob sich rasch und stürmte in den Schlafsaal im Gryffindorturm um sich schnellstens wärmere Sachen anzuziehen. Sie wählte einen dichtgestrickten Wollpullover und eine schwarze Thermojeans. Dann suchte sie einen warmen Umhang heraus und nahm ihre Umhängetasche mit. Es war noch sehr früh und so setzte Hermine sich an die Schlossmauer und begann zu lesen.

Plötzlich spürte sie die Anwesenheit eines anderen Menschen, als schon eine Hand nach dem Buch griff.

„Die Bedeutung des Lavendels in der Geschichte des Zaubertrank Brauens.... schwere Kost, Miss Granger."

Sie sah in die schwarzen Augen ihres Professors und fragte sich, was sich nur verändert hatte. Er hatte sich nie um sie geschert...

„Hallo, Sir." Sie wagte ein Lächeln.

Seine Augen blitzten und auch sein Mund zuckte kurz zu einem halben Lächeln.

„Kommen sie, wir wollen, sehen das wir beizeiten alles zusammen haben."

Sie steckte ihr Buch ein und folgte ihm hinein in den Wald.

Kurz nachdem sie im Gehölz verschwunden waren, nahm er sie beim Ärmel und sprach in seinem besten Klassenraumtenor: „Egal was wir tun, sie bleiben in meiner unmittelbaren Nähe. Keinerlei Alleingänge und Mutbeweise."

„Ja, Sir."

Der Vormittag ging dahin dass sie immer tiefer in den Wald vorstießen und hier und da Plätze aufsuchten, an den verschiedene Flechten oder Pilze wuchsen, die es zu trocknen galt um sie später zum Brauen zu benutzen. Sie sprachen wenig währenddessen. Dennoch fühlte Hermine sich seltsam wohl und frei von den schweren Gedanken die sie sonst umgaben wie ein dicker Mantel.

Gegen Mittag ließen sie sich unter einer Eibe nieder und teilten sich die Lebensmittel die der Professor mit sich führte.

„Sir?"

Er blickte auf. Sein Gesicht war entspannter als gewöhnlich. Sein Blick war offen und ... sanft. Hermine war verwirrt.

„Ich... es...," sie brach ab und begann erneut. Es fiel ihr schwer es auszusprechen. „Es hat mich sehr erstaunt und überrascht, das sie so fürsorglich sein können. Ich muss mich dafür entschuldigen, als ich sie als hassend und bösartig dargestellt habe. Es ... es war sehr schön, dass jemand sich dafür interessiert hat, ob ich esse oder...."

Sie sah von ihren Händen auf, direkt in seine nun sanft schauenden Augen.

„Miss Granger, es ist auch schön zu hören, wenn jemand anderes sich um die Gefühle eines bösartigen Professors Gedanken macht."

Er lächelte leicht und sie verstand den Seitenhieb richtig und lachte. Sie lachte, wie sie es seit Monaten nicht mehr getan hatte.

Ihr Blick war warm und ihr Lächeln ansteckend.

Sie betrachtete ihren Professor.

„Sie haben ein wundervolles Lachen, Sir," platzte es aus ihr heraus. Sie lief tiefrot an.

Seine Augen funkelten. Sie flirtete doch nicht etwa mit * ihm*?! Das war schier unmöglich. Niemals zuvor hatte eine Studentin mit ihm zu flirten begonnen.

 

T.B.C.






3

3. Entscheidungen

 

Albus Dumbledore stand am Fenster seines Büros uns sah hinunter auf die einzelnen Trauben von Schülern.

„Es ist wirklich durchgekommen?" Minerva McGonnagall blickte ungläubig in Dumbledores Richtung.

„Ja, leider. Ich verstehe auch nicht so ganz, weshalb *so viele * dafür waren."

„Nun, ich denke seine Begründungen sind nicht ganz von der Hand zuweisen. Es gibt zu wenige Hexen und Zauberer, der Krieg hat unsere Reihen stark dezimiert."

Der Schulleiter seufzte. „Fudge hat recht damit Minerva. Ich kann es noch nicht einmal verleugnen."

 

Als Hermine und Professor Snape abends eintrafen, wurde Hermine sofort zu Professor McGonnagall beordert.

„Setzen sie sich, Miss Granger."

Die junge Frau gehorchte sofort, denn sie sah am Gesichtausdruck ihrer Lehrerin, dass etwas sehr ernstes geschehen war.

„Ich komme sofort zur Sache Miss Granger, denn die Sache duldet keinen Aufschub."

Hermine saß angespannt auf ihrem Stuhl. Was war nun schon wieder geschehen? Wollte auch McGonnagall versuchen mit ihr über Harrys und Rons Tod zu sprechen? Sicher. Professor Snape hatte es versucht, er war dabei gewesen und hätte eventuelle Fragen beantworten können. Doch Hermine wollte nicht, konnte nicht über ihre Freunde sprechen. Ihr Lehrerin hatte schon so oft versucht ihr zu helfen. Hermine war es müde. Innerlich voller Abwehr und zaghafter Angst, wandte sie ihren Blick zu dem ernsten, leicht traurig wirkenden Gesicht von Professor Minerva McGonnagall.

„Sie haben sicher von dem Gesetzesentwurf der Heiratsbestimmungen gelesen." Das war keine Frage, sondern eine Feststellung. Schließlich las Hermine den „Tagespropheten". Verwirrt blinzelte die junge Frau.

„Dieses Gesetz ist nun in Kraft getreten, Miss Granger."

Sie konnte sich nicht bewegen. Hatte sie richtig gehört?

„Wir erwarten die ersten Anträge in den nächsten vier bis fünf Stunden. Wie sie ja wissen, müssen sie sich innerhalb einer Wochenfrist für einen Bewerber entscheiden."

Hermine schreckgeweiteten Augen, rührten Minerva. Sanft fügte sie hinzu:

„Immerhin haben sie die Wahl, Miss Granger. Seien sie bitte vorsichtig. Es gibt einige Männer, die leider nicht als Todesser entlarvt werden konnten."

McGonnagalls Worte hallten eine ganze Weile in Hermines Kopf, selbst als sie beim Abendessen saß, gingen ihre die Worte nicht aus dem Sinn. Ein gutes hatte dies, sie dachte nicht an ihre Freunde. Ein zynisches Lächeln stahl sich auf ihre Lippen. Sie würde in einer Woche verheiratet sein.

Professor Snape saß wie üblich am Lehrertisch. Er sah ernst zu ihr hinüber. Ihr Gesicht spiegelte wieder was sie bewegte.

Dieses verdammte Gesetz! Innerlich fluchend betrachtete er sie. Sie schwebte in höchster Gefahr. Er hatte die Anträge gelesen. Allesamt stammten sie von ehemaligen, nichterkannten Todessern. Sie würde eine Ehe mit einem von ihnen nicht überstehen.

Sie sah auf und begegnete seinem Blick. Ihr Lächeln war schwach, aber herzlich. Er seufzte innerlich auf. Oh Miss Granger…

 

***

 

Der Sonntagmorgen begann mit strahlendem Sonnenschein. Ginevra reckte sich und betrachtete ihre Freundin Hermine. Sollte sie versuchen sie anzusprechen? Irgendetwas hielt sie davon ab. Sie dachte an das neue Gesetz. Hermine, die ehemalige Vertrauensschülerin fiel ebenso darunter, wie Lavender, die sich darüber freuen konnte. Denn sie und Seamus hatten ohnehin vorgehabt zu heiraten.

Die Sonnenstrahlen glitzerten auf der Scheibe und wärmten Hermines Arme. Das Wetter passte nicht im mindesten zu ihrer Laune. Sie war so deprimiert wie nie zuvor in ihrem Leben. Missmutig zog sie ihre Schuluniform über und trottete mehr, als das sie ging zum Frühstück. Kaum dass sie saß, verkündete Professor Sprout: „Alle Mädchen über achtzehn Jahren finden sich bitte nach dem Frühstück vor Professor Dumbledores Büro ein."

Schlagartig verging Hermine der Appetit. Sie stand sofort auf und ging zu Dumbledores Büro. Professor Snapes Blick folgte ihr, sie spürte es. Sie blickte sich um und sah direkt in seine Augen.

‚Er hat um mich geworben,' schoss es ihr durch denn Sinn. Woher sie sich so sicher war, wusste sie nicht.

Nervös trat sie auf der Stelle, als sie vor dem Büro des Schulleiters wartete. Hoffentlich musste sie nicht...hoffentlich hatte jemand von den Studenten um sie geworben. Sie hatte ein wenig Angst.

„Miss Granger?" Der Schulleiter lächelte sie an. „Kommen sie."

Sie folgte ihm in sein Büro und nahm unbehaglich Platz.

„Sie sollten nachher noch etwas essen, Miss Granger. Sie sehen sehr blass aus."

Hermine lächelte so verkrampft, das ihr Gegenüber schon befürchtete, sie würde gleich in Tränen ausbrechen oder anfangen zu schreien, wenn er nicht endlich zur Sache kommen würde. Innerlich grinsend dachte er an den Abend in Snapes' Büro. Eines seiner Portraits hatte ihm davon berichtet.

„Nun Miss Granger. Es haben vier Männer um sie geworben. Ich geben ihnen die Pergamente mit. Sie entscheiden sich insofern, als dass sie eines der Werbungsschreiben unterzeichnen."

Sie straffte die Schultern und griff sich den Stapel. Ihr Herz war schwer. Würden Ron und Harry noch leben, so hätten sie ihr bestimmt geholfen. Sie stöhnte innerlich. Doch das war vorbei. Ihr Leben war so anders, so schwierig geworden.

Sie verließ das Büro ohne sich noch einmal umzusehen.

Was war nur geschehen? Die Welt hatte ein anderes Gesicht bekommen nach diesem fürchterlichen Krieg. Viele liebe Menschen waren gestorben...

Hermine zog sich nach draußen zurück. Sie wollte nicht mit den anderen Mädchen zusammentreffen, die ebenfalls unter das Heiratsbestimmungsgesetz fielen. Sie seufzte schwer und ließ sich weit außerhalb des Schlosses nieder. Das erste Schreiben kam von Draco Malfoy. Schaudernd legte sie es sofort zur Seite. Das zweite kam von Lucius Malfoy. Hermine keuchte und warf es weit von sich. Sicher- Lucius war nun Witwer! Das hatte sie beinah vergessen. Narzissa war spurlos verschwunden, seit dem Tag, an dem sie versucht hatte Lucius davon abzuhalten, sich in die Schlacht zu stürzen. Das dritte Schreiben stammte von Dolohov, das vierte von einem gewissen Francoise Drieu. Hermine schüttelte den Kopf und legte auch diese beiden Pergamente zur Seite. Das fünfte Schreiben konnte nur....

 

Miss Granger,

erweisen Sie mir die Ehre und werden Sie meine Frau.

 

S. Snape

 

Stand in dem Raum für Mitteilungen. Sie lächelte. Kurz und auf den Punkt gebracht, so typisch für ihren Professor. Ihr Lächeln wurde traurig. Sie war noch so jung. Warum war eine solche Grausamkeit notwendig? Nur weil die Zahl der Zauberer und Hexen stark gesunken war, mussten Mädchen wie sie ihre Jugend aufgeben.

Eine einzelne Träne lief ihr über die Wange. Dann erhob sie sich und floh hinauf in den Gryffindorturm. Weinend warf sie sich auf ihr Bett.

Welche Wahl hatte sie schon? Sie würde ihren Lehrer für Zaubertränke heiraten. Eine andere Möglichkeit gab es nicht. Sie schauderte innerlich, denn sie fürchtete sich vor den Konsequenzen ihrer Entscheidung. Wie würde das Leben sein mit ihm? Er war oft so schwierig, so bösartig und gemein. Würde sie das schaffen? Sie wünschte es sich so sehr, denn ihr Leben war bei weitem kompliziert und schwer genug. Sie wusste zumindest eines: er würde sie weiter studieren lassen. Und das war mehr als ihr all die anderen boten.

Sie suchte nach ihrem Federkasten und griff sich eine Feder. Dann tauchte sie sie in die Tinte und unterzeichnete. Mit einem krachenden Laut verschwand das Pergament und Hermine blieb steif sitzen.

Innerhalb einer Woche würde sie Mrs. Hermine Snape sein.

Lange Zeit sah sie hinaus in den gleißenden Sonneschein. Wie schön es draußen war! In Trance räumte sie ihre Sachen weg und machte sich auf den Weg nach draußen.

 

Severus Snape saß unruhig in seinem Büro. Was hatte ihn nur dazu veranlassen können, ihr einen Antrag zumachen? Wie oft hatte er sich über sie in der Vergangenheit geärgert!

Er schnaubte. Sie hatte sich verändert. Sie war nicht, wie er immer angenommen hatte, sie wäre es. Sie hatte ihn überrascht. Sie zuckte nicht vor ihm zurück, sie hatte mit *ihm * geflirtet. Sie machte sich Gedanken über seine Gefühle!

„Merlin!" Er keuchte auf. Er war dabei sich in Hermine Granger zu verlieben! Innerlich schüttelte er über sich selbst den Kopf. Es war schlichtweg unmöglich, dass er sich so schnell verlieben konnte.

Dennoch ... nach all den Jahren war es nicht weiter verwunderlich. Sein Leben war bisher immer davon bestimmt gewesen, seine Spionagetätigkeit, sein Doppelagentenleben zu beherbergen. Er hatte nie die Ruhe, geschweige die Freiheit gehabt, sich auf etwas - nein - jemanden einzulassen. Er hatte es auch nicht gewollt. Wie sollte er eine Frau beschützen, wenn er dem dunklen Lord so nah war? Es war schier unmöglich gewesen. Auch er hatte sich verändert, dass sah er jetzt ein. Er spürte, dass ein Teil von ihm sich die Wünsche erfüllen wollte, die er sich die meiste Zeit versagt hatte. Er wollte sein wie er war. Alle seine Seiten ausleben. Er seufzte schwer. Sicher - er war kein einfacher Mann. Aber welcher Mensch war schon ohne Fehler?

Wie konnte es Hermine Granger nur so einfach haben...?

Er dachte an ihren Emotionsausbruch und grinste. Oh, sie war wahrhaft ungewöhnlich. Nicht nur intelligent und schön ... so verdammt schön ...., sondern auch voller Emotion, Leidenschaft.

Er wollte sie. Ja. So einfach war das. Ob sie seinen Antrag annehmen würde?

Gedankenverloren sah er ins Feuer.

Am Fenster klopfte und klapperte es. Der Professor sah auf. Eine riesige Schleiereule saß auf dem Sims. Schnell öffnete er das Fenster und ließ sie herein. Er nahm das Pergament von ihrem Bein und setzte sie vor ein Becken mit Wasser. Nachlässig legte er noch ein paar Eulenkekse auf den Tisch und zog sich auf das Sofa in seinem Wohnzimmer zurück.

 

Sehr geehrter Professor Snape,

wir teilen Ihnen zu unserer großen Freude mit, das Miss Hermine Granger ihrem Antrag zugestimmt hat.

Die Verlobung mit obengenannter jungen Frau ist somit rechtskräftig.

Die Vermählung ihrer Person mit obenstehender jungen Frau findet am kommenden Sonntag um elf Uhr vierzig im Zaubereiministerium statt.

Bitte setzen Sie Miss Granger unverzüglich über den Stand der Dinge in Kenntnis

 

Herzlichste Glückwünsche

übersendet Ihnen im Auftrage unseres verehrten Ministers Cornelius Fudge

Matschwalda Riggiwoods

 

 

 

 

4. Entdeckungen

 

Hermine saß am Rande des Waldes im Gras und versuchte zu lesen. Leider gelang es ihr nicht, sich auf das Buch in ihren Händen zu konzentrieren. Immerfort tauchte ihr Lehrer in ihren Gedanken auf. Sie seufzte schwer.

Tief in Gedanken versunken, wie sie war, bemerkte sie nicht, wie sich ihr jemand näherte.

„Hey Hermine!" Ginevra Weasley ließ sich neben ihr ins Gras plumpsen.

Sie sah auf und blickte die rothaarige Schönheit neben sich an.

„Hi Ginny."

Ihr Gegenüber zog eine Braue hoch und Hermine verdrehte die Augen.

„Ginevra denn..."

Ginevra lachte schließlich.

„Ach Hermine. Ich bin bald achtzehn Jahre alt, da fällt es mir wirklich schwer mich bei meinem Kosenamen anreden zu lassen."

„Ich weiß. Ich denke du bestehst auch deswegen darauf...."

„Weil Ron tot ist?" fiel die Rothaarige ihr ins Wort. „Unrecht hast Du nicht. Mich hat Rons Tod verändert. Ach was rede ich - der Krieg hat uns alle verändert." Sie stöhnte. „Deswegen ist wohl auch dieses dämliche Gesetz entstanden."

Hermine blickte sie an. „Ja. Einerseits ist so logisch und andererseits...," sie senkte den Kopf, „ist es so grausam."

Ginevra legte den Arm um Hermine. Die Ältere schmiegte sich in die freundschaftliche Umarmung und kämpfte mit den Tränen.

„Ach Ginny," murmelte sie in ihre Robe, „ich weiß nicht wie es weitergehen soll. Alle wollen mit mir über Harrys und Rons Tod reden... dann kommt noch dieses Gesetz dazu...." Sie riss sich von Ginevra los und sah sie an. „Ich weiß nicht mehr wohin mit mir. Es ist mir alles zuviel. Am Liebsten...."

„Würdest Du verschwinden."

Hermine nickte.

„Wer will mit dir über Ron und Harry reden?" Ginny sah sie ernst an.

„Professor McGonnagall hat es einige Male versucht. Und vorgestern Professor Snape."

„Was?! Snape?!" rief ihre Freundin aus.

Hermine nickte abermals und begann zu erzählen was geschehen war.

Ginnys Augen wurden immer größer.

Als Hermine geendet hatte. Sah ihre Freundin sie mit großen Augen an.

„Wow. Also ich hätte nie gedacht, dass so dermaßen mutig bist. Snape so Paroli zu bieten.... Ich erschaure vor Ehrfurcht."

Hermine grinste schwach.

„Doch das du Snape heiraten willst...."

„Dafür verdiene ich den Merlin erster Klasse," vollendete Hermine den Satz.

Ginny kicherte. „Mindestens, wenn nicht sogar ein Denkmal mitten in London!"

Nun lachte auch Hermine.

Die beiden jungen Frauen nahmen einander in den Arm und kicherten weiter.

„Es ist schön dass ich mit dir reden kann. Das habe ich vermisst. Du warst in letzter Zeit kaum zu finden."

Ginny sah sie ernst an.

„Ich weiß," nickte Hermine. „Es ist sehr schwer für mich mit dem Tod der beiden fertig zu werden. Es ist soviel passiert, Ginny ... ich meine... Ginevra."

Ginny nahm sie in den Arm.

„Ich weiß. Ich möchte nur, dass du weißt ich bin für dich da."

Sie umarmten sich.

 

„Miss Granger, Miss Weasley." Vernahmen sie eine allzu bekannte Stimme. Sie fuhren sofort auseinander.

„Sir?" Ginny zog die Brauen hoch.

„Bitte lassen sie Miss Granger und mich allein."

Sein Ton war so scharf, dass Ginny sofort in Richtung Schloss floh.

 

„Professor Snape? Was kann ich für sie tun?" Hermine sah unsicher zu ihm auf.

Er reichte ihr die Hand. Sie starrte darauf. Dann verstand sie. Nein - vorher hätte er ihr nie aufgeholfen. Doch jetzt war alles anders, denn sie war nun die Verlobte von Professor Severus Snape. Sie wusste, dass er die Bestätigung vom Zaubereiministerium bekommen hatte.

Sie reichte ihm die Hand. Sanft hielt er sie in der seinen.

Wie zart ihre Haut war. Ihre Hand war so klein in der seinen. Er blickte in ihr Gesicht als er ihr aufhalf. Sie wusste bescheid.

Er konnte nicht sagen woher sie es wusste, aber er sah es ihr an.

„Wann?" fragte sie einfach.

„Kommenden Sonntag um elf Uhr vierzig im Zaubereiministerium." Er reichte ihr das Pergament.

Sie las es und versuchte die aufwallenden Tränen zu unterdrücken. So unpersönlich hatte sie es sich nie träumen lassen!

Der Professor führte sie in den Wald hinein und nahm sie schließlich sachte beim Arm. Was war nur geschehen? War es so schrecklich, ihn zu heiraten? Er fühlte sich so hilflos wie noch nie zuvor in seinem Leben. Erstjahres Hufflepuff's oder tobende Todesser waren kein Problem gegen eine Frau - seine Verlobte - die mit den Tränen rang.

Vielleicht sollte er versuchen sie in den Arm zunehmen. Taten das Paare nicht, wenn es dem anderen nicht gut ging? Er hoffe inständig, er würde sie damit nicht verschrecken.

Sanft zog er seine Verlobte an sich. Angespannt wartete er auf ihre Reaktion.

Hermine fühlte den glatten Baumwollstoff seiner Robe und seines Hemdes an ihrer Wange. Erst dann realisierte sie, dass er sie in den Arm genommen hatte.

Er fühlte sie steif werden. Er wollte sie schon zurückstoßen, als er spürte wie sie sich an ihn schmiegte. Ihre Hände fuhren unter seinen Armen entlang und umfingen ihn. Und so nahm auch er sie in die Arme. Ihre Schluchzer waren kaum zu hören, aber er fühlte sie und so wog er sie sanft und küsste sie auf ihr Haar.

Es war ein verzauberter Moment unter dem rauschenden Blätterdach. Es schien ihnen beiden im ersten Moment unwirklich, doch dann war es, als wäre dieser Moment wirklicher als andere vorher.

Seine Hände kosten ihre langen, wilden Locken und sie lauschte verzückt seinem Herzschlag, der sich beschleunigt hatte. Er fühlte seinen Körper auf eine Weise wie noch nie zuvor in seinem Leben. Sie war es, die Reaktionen hervorrief, die er nicht für möglich gehalten hätte. Sie hob den Kopf und sah ihn an.

„Sie sind sehr lieb," wisperte sie. „Ich hätte nie gedacht, dass sie so sein könnten, Professor."

Sanft lösten sie sich voneinander und er betrachtete ihr offenes Gesicht.

„Bitte nenne mich Severus, solange wir allein sind."

Sie nickte sacht.

Seine Hände hoben sich und strichen vorsichtig den Spuren ihrer Tränen nach. Sanft wischte er sie von ihrer warmen, weichen Haut.

Hermine erschauerte.

„Komm' morgen mit mir in die Winkelgasse, Hermine."

Sein Ton war schroff aber dennoch so tief, das er ihr einen angenehmen Schauer über den Rücken jagte. Sie sah ihn nur stumm an. Was würden sie dort tun? Immerhin hatte sie morgen Unterricht.

Sie seufzte, als ihr einfiel, dass sie verschiedene Dinge erledigen mussten, bevor sie heirateten. Wieder glitzerten Tränen in ihren Augen.

Irritiert sah Severus Snape auf seine Verlobte. Warum weinte sie nur? Sanft zog er sie wieder an sich. Seine Hände strichen über ihren Rücken, um ihr ein bisschen Trost zu spenden. Federleichte Küsse pflanzte er auf ihr Haar und sog ihren leichten Zitronenduft ein. Sie schaute zu ihm auf und er küsste sie zart auf die Stirn. Sie blinzelte ihre Tränen weg und blickte ihm in die schwarzen Augen, die sie jetzt so weich ansahen.

„Ich weiß, ich wäre nicht die Wahl einer jungen Frau," er räusperte sich und sah kurz an ihr vorbei, „aber ich werde versuchen, dir ein gutes Leben zu bieten."

Hermine versuchte ein Lächeln. Er wollte sie trösten, wollte das sie sich gut fühlte. Ihr Lächeln wurde tiefer und plötzlich hob sie ihre Hand und legte sie sanft an seine Wange.

„Ich habe mir nie vorgestellt unter Zwang heiraten zu müssen. Ich hätte auch nie gedacht, dass es so unpersönlich sein würde." Er senkte den Blick bei ihren Worten, um ihn dann wieder zu heben und stahlhart werden lassen. „Ich habe dich gewählt Severus," fuhr sie fort, „und ich bereue es nicht."

In seinen Augen flackerte es und sie schimmerten für einen Moment, so das Hermine glaubte, ihre Wort hätten ihn berührt. Der Moment war schnell vergangen und sie vermeinte, es sich eingebildet zu haben. Sanft schob sich seine Hand über die ihre. Ein leichtes Seufzen entfloh ihren Lippen, als er sie zart streichelte. Ihr Verlobter hob eine Augenbraue und sie lächelte scheu.

Plötzlich näherte er sich ihrem Mund. Seine Lippen strichen vorsichtig über die ihren. Hermines Herz klopfte zum zerspringen, als sie sich weiter vorlehnte. Sie suchte seinen Mund und fand ihn in einem weiteren sanften Kuss. Er löste sich widerstrebend von ihr und nahm ihre Hand von seiner Wange um sie zwischen seinen Händen zu bergen. Ihre Finger verflochten sich ineinander und er zog sie mit sich. Langsam gingen sie durch das Gehölz am Waldrand. Sie schwiegen die meiste Zeit, doch war es nicht unangenehm. Schließlich wandte er sich ihr zu und fragte in diesem samtenen, vibrierenden Ton: „Möchtest du jemanden zu unserer Hochzeit einladen?"

Hermine sah auf ihre Schuhspitzen. „Ich werde nur meine Eltern einladen."

Es durchfuhr ihn wie ein Messerstich. Ihre Eltern! Daran hatte er gar nicht mehr gedacht. Er konnte nur raten wie sie reagieren würden.

Wieder konzentrierte er seine Aufmerksamkeit auf sie und er sah, dass sie wieder weinte. Merlin! Würde es immer so sein? Er fluchte innerlich.

Sie sah urplötzlich in seine harten Augen. Ihre Pupillen weiteten sich. Sie zuckte zusammen unter seinem Blick und wischte hastig die Tränen fort.

So würde das nichts, dass wusste er. Er musste versuchen, seine alten Verhaltensmuster abzuwerfen. Wenn sie weinte, dann hatte es einen Grund. So war es immer, eine Reaktion entstand meist auf eine Aktion, innerlich oder äußerlich.

„Was ist?" flüsterte er rau und legte sanft den Arm um sie.

Sie machte sich steif, doch sie konnte nicht gegen das an, was in ihr hoch wallte. Sie begann ihrem Professor für Zaubertränke, ihrem so oft verhasst gewesenen Lehrer zu vertrauen. Was würden Harry und Ron dazu sagen? Sie konnte ihre angewiderten Gesichter förmlich vor ich sehen.

Hermine schmiegte sich an ihn, ließ sich von ihm abermals umarmen. Der Schmerz ihre besten Freunde nicht einmal bei ihrer Hochzeit dabeihaben zu können, war heftig. Sie wollte... sie brauchte...

Ihre Lippen berührten die seinen. Sanft kosten sie. Sie zupfte an seiner Unterlippe, die unmerklich zu zittern begannen. Auf einmal öffnete sich sein Mund und seine Zunge strich über ihre Lippen. Zaghaft ließ sie auch ihre Zunge über die seinen gleiten. Sie fanden sich in einem leidenschaftlichen Kuss wieder. Seine Hände strichen über ihren Rücken pressten sie so nah an sich, wie es nur ging. Hermine stöhnte in seinen Mund.

Nie hätte sie vermutet, dass sie so für ihren Professor empfinden konnte. Sie hatte sich verliebt!