DAS GERÜCHT
von Freddy
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Helen kaute nachdenklich auf ihrer Schreibfeder herum, eine Angewohnheit, die sie im letzten Jahr krampfhaft versucht hatte, sich abzugewöhnen - wie sie sich überhaupt bemühte, aus einem unscheinbaren Schulmädchen eine junge Dame zu formen. Die Verwandlung vom hässlichen Entlein in einen schönen Schwan ließ jedoch noch immer auf sich warten und Helen gelangte zu der Überzeugung, dass sie letztendlich nie stattfinden würde. Sie saß, für ein Mitglied des Hauses Hufflepuff eher ungewöhnlich, still in einer Ecke neben dem Kamin über einem Tagebuch. Die Eintragungen, die früher nur sporadisch erfolgt waren, weil Helen all ihre Gedanken und Gefühle ausschließlich mit ihrer besten Freundin Betty teilte, erfolgten nun täglich, manchmal sogar mehrmals am Tag, denn ihr wichtigstes Geheimnis mochte sie selbst Betty nicht anvertrauen. Sie war verliebt. Hoffnungslos. Unsterblich.
Als sie vor sechs Jahren nach Hogwarts gekommen war, war es ihr sehnlichster Wunsch gewesen, dem Haus Ravenclaw anzugehören, doch der Hut hatte sie trotz ihres introvertierten philosophischen Wesens nach Hufflepuff geschickt. Offensichtlich war sie nicht genial genug, auch wenn sie durchaus über einen klugen Kopf verfügte. Ihre Mutter, selbst eine ehemalige Ravenclaw, war darüber ziemlich enttäuscht gewesen, ihr Vater, seinerzeit ein typischer Vertreter des Hauses Hufflepuff, hatte hingegen lächelnd genickt. Schließlich hatte er es geschafft, eine anspruchsvolle Frau für sich einzunehmen und konnte seiner kleinen Familie bescheidenen Wohlstand bieten. Sie hätten sich mehr Kinder leisten können, doch leider war Helen ihr einziges Kind geblieben. Man muss eben mit dem zufrieden sein, was man hat, lautete sein Motto. Und er war stolz auf seine verständige Tochter. Ein weiterer Wahlspruch hieß: Arbeit schändet nicht und Handwerk hat einen goldenen Boden. Davon konnte er als selbständiger Kammerjäger magischen Ungeziefers ein Lied singen. Dass seine Frau und manchmal sogar Helen die Nase über seinen Tätigkeit rümpften, kränkte ihn allerdings mehr, als er offen zugegeben hätte. Seine Frau bräuchte nichts hinzuzuverdienen, auch wenn sie darauf bestand, zumindest im Freundeskreis als Schönheitsberaterin zu arbeiten. Aber wenn es ihr Befriedigung verschaffte... Das und dieser dumme Literatur- und Kunstzirkel. Die Treffen dieses illustren Kreises wurden meistens in ihrem großen Haus abgehalten. Es fanden sich immer genug hungerleidende Schmarotzer aus der "Künstlerwelt", die sich nicht zu fein waren, sich auf seine Kosten durchzufressen und zu trinken. Nun, es hielt seine Frau bei Laune und so machte er einmal in der Woche gute Miene zum bösen Spiel, zog sich stets so schnell wie möglich, ohne unhöflich zu erscheinen, nach der üblichen Begrüßungsrunde in sein Arbeitszimmer zurück oder traf sich mit Freunden an einem vergnüglicheren Ort. Helen flüchtete ebenfalls häufig vor den affektierten Freundinnen ihrer Mutter und deren Protegés. Doch abgesehen von diesen lästigen Abendgesellschaften fühlte sie sich zu Hause sehr wohl.
Nachdem Helen ihre anfängliche Enttäuschung darüber, nicht dem hohen Standard von Ravenclaw zu entsprechen, überwunden hatte, lebte sie sich recht schnell in Hufflepuff ein. Sie fand dort jede Menge netter Kumpel, wurde allerdings nur mit Betty richtig vertraut. Die meisten ihrer Hauskameraden waren ihr etwas zu kommunikativ, zu gesellig, zu fröhlich, zu laut. Ihr mäßiges Interesse galt den Fächern Kräuterkunde, Pflege magischer Geschöpfe, Zaubersprüche und Zaubertränke. Der Sinn, in Fächern wie Verwandlung oder Arithmantik unterrichtet zu werden, entging ihr völlig. Geschichte der Magie fand sie sterbenslangweilig. Für Verteidigung gegen die dunklen Künste fehlten ihr Phantasie und Geschicklichkeit. Ihre große Leidenschaft galt dem Quidditch. Doch auch hier musste sie einen herben Rückschlag einstecken. Egal, wie hart sie trainierte, wie schwindelfrei und teilweise halsbrecherisch sie durch die Luft sauste, ihre Leistungen reichten nicht aus, um in das Hausteam aufgenommen zu werden. So saß sie an den Tagen, an denen die Häuser gegeneinander spielten, auf der Hufflepuff-Tribüne und feuerte ihr Team an, während sie träumte, oben in der Luft dabei zu sein und zum Sieg des Hauses beizutragen. Eine Karriere als Quidditch-Profi schied somit aus - sehr zu ihrem Kummer. Sie würde wohl in das Unternehmen ihres Vaters einsteigen. Zumindest hatte sie das noch vor einem Jahr gedacht, doch dank IHM standen ihr nun andere Karrieremöglichkeiten offen. Oh ja, viel hatte sich verändert, seit sie IHN zu Beginn ihres fünften Schuljahres zum ersten Mal gesehen hatte. Sie erinnerte sich, als sei es gestern gewesen: Es hatte viele Spekulationen darüber gegeben, wer im neuen Schuljahr Prof. Serum ersetzen würde, da dieser kurz vor dem Ausscheiden aus dem aktiven Schuldienst stand und nur noch die beiden letzten Klassen bis zum Abschluss unterrichten sollte. Die ersten 5 Klassen sollte ein neuer Lehrer übernehmen, dessen Identität jedoch bis zum ersten Schultag verborgen geblieben war. So hatte Helen wie üblich neben Betty gesessen und aufgeregt getuschelt, wie denn wohl der neue Lehrer sein würde, als die Tür zum Klassenzimmer mit einem Krachen aufgeflogen war. Helen erinnerte sich, als sei es gestern gewesen....
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Die Tür zum Klassenzimmer flog mit einem Krachen auf. Hinein stürmte ein junger Mann mit wehendem Umhang und zerzaustem schwarzen Haar. Arrogant baute er sich hinter seinem Pult auf, verschränkte die Arme vor der Brust und musterte die Klasse mit strengem Blick. Es herrschte plötzlich atemlose Stille. Erschreckt und fasziniert zugleich sah Helen zu dem neuen Lehrer auf. Als er den Mund öffnete, um das Wort an die Klasse zu richten, traf seine Stimme sie wie eine Schockwelle. Samtig, tief und ungemein anziehend. Nie hätte sie es für möglich gehalten, dass ein Mann, der so wild und gleichzeitig so kalt und unnahbar wirkte, solch eine Stimme besitzen konnte. Umso mehr schockierte sie der Inhalt seiner Begrüßungsansprache. Deutlich machte er den anwesenden Schülern klar, dass er es fast schon als persönliche Schande auffasste, einem derart inkompetenten Haufen die hohe Kunst des Zaubertränkebrauens vermitteln zu müssen. Ja, er sprach ihnen regelrecht die Fähigkeit ab, dieses Fach jemals richtig zu beherrschen. Was natürlich nicht an ihm sondern an der Beschränktheit seiner Schüler liegen würde. Welch eine Unverschämtheit! Was bildete sich dieser Mensch ein! Was für ein Widerling! Was für ein Mann! In Helen wallten die widersprüchlichsten Gefühle auf, die sich zu einem eisernen Entschluss kristallisierten: Dem würde sie es zeigen! Wäre doch gelacht! Den nachfolgenden Unterricht behielt Helen als eine Folge unangenehmer Sticheleien und Blamagen in Erinnerung. Sie wusste nichts, dieser Widerling hatte Recht. Aber das würde nicht so bleiben. Sie würde alles lernen, was es in diesem Fach zu lernen gab und dann würde er sein Urteil revidieren müssen. Es stellte sich im Laufe dieser grässlichen Stunde heraus, dass er für dumme Mädchen noch weniger übrig hatte als für dumme Jungen. Nach jeder falschen oder auch nur unzureichenden Antwort betrachtete er sie, als wäre sie etwas besonders hässliches unter einem Stein Hervorgekrochenes. Wie sie ihn hasste! Wie sie ihn bewunderte! Als Helen begriff, dass herausragende Kenntnisse in Kräuterkunde dem Erreichen ihres neuen Zieles, DIE Koryphäe in Zaubertränke zu werden, förderlich wären, verdoppelte sie auch in diesem Fach ihre Anstrengungen. Zur Verbesserung ihrer Feinmotorik und Konzentration diente ihr das Fach Zaubersprüche, was zu ihrem Leidwesen keine positive Wirkung auf ihre schlechten Leistungen im Fach Verteidigung gegen die dunklen Künste hatte. Der berühmte Hufflepuff'sche Fleiß brachte sie schließlich an die dritte Stelle ihres Jahrganges. Ihre großen Fortschritte blieben ihren Lehrern nicht verborgen und so manches Mal glühten ihre Wangen vor Stolz über das Lob, das ihre Leistungen ihr einbrachten. Nur ein einziger Lehrer verweigerte ihr konsequent seine Anerkennung. Mit hochgezogener Braue musterte er skeptisch ihre Hausaufgaben oder Testbögen, bevor er sie entgegennahm.
"Nun, Miss Hyatt, ich bin gespannt, ob Sie dieses Mal ein zufriedenstellenderes Resultat vorzuweisen haben als letztes Mal..." pflegte er dabei zu sagen.
Eine Mischung aus Wut und Verzweiflung schnürte ihr stets die Kehle zu, sodass es ihr kaum gelang, ein "das hoffe ich, Sir" hervorzuwürgen. Am liebsten würde sie ihm ganz detailliert sagen, wohin er gehen bzw. wohin er sich diese Bemerkungen stecken konnte. Natürlich mit wohlgesetzten Worten, aber dazu fehlten ihr Beherrschung bzw. Wortwitz. Und sie würde sich nicht die Blöße geben, wie ein Marktweib auf ihn einzukeifen, sosehr sie auch den Drang dazu verspürte. Alles wäre einfacher gewesen, wenn sie dies mit Betty hätte bereden können. Aber nach der ersten Unterrichtsstunde war ihr sofort klar geworden, dass sie mit niemandem darüber reden konnte. Betty war außer sich gewesen. Sie konnte gar nicht aufhören, sich immer wieder in Schmähreden über diesen Fiesling zu ergehen. Als Helen schüchtern angedeutet hatte, dass er aber doch irgendwie beeindruckend gewesen war, hatte Betty sie mit einem Blick bedacht, als wäre sie eine gefährliche Irre. Dann hatte sie gelacht und das ganze als guten Scherz aufgefasst und in dem Glauben hatte Helen sie nur allzu gern gelassen. Nein, wann immer die Rede auf den Zaubertränkemeister kam, so ließ niemand ein gutes Haar an ihm - mit Ausnahme der Slytherins, vielleicht, doch mit denen verkehrten die Hufflepuffs normalerweise nicht. Nun wünschte sich Helen, der Hut hätte sie dem Haus Slytherin zugeordnet. IHN als Hauslehrer zu haben, wie wundervoll! Andererseits würde er sie vermutlich auch dann nicht wohlwollender zur Kenntnis nehmen.
Das Gefühl der Hoffnungslosigkeit erreichte kurz vor den Prüfungen, die über die Zulassung zu den Oberstufenkursen (NEWTs) entscheiden sollten, einen dramatischen Höhepunkt. Professor Snape richtete wieder eine offizielle Ansprache an die Klasse.
"Wie nicht anders zu erwarten war, überzeugen mich Ihre Leistungen überhaupt nicht. Bis auf wenige Ausnahmen werde ich Sie wohl im nächsten Jahr nicht mehr unterrichten."
Er grinste kurz freudlos.
"Und diese wenigen", fuhr er fort, "die ich im Sinn habe, werden vermutlich den Zulassungstest nicht bestehen. Also braucht sich vermutlich niemand von Ihnen Gedanken darüber zu machen, wie er das nächste Schuljahr über meinen Unterricht erträgt."
Helen gelang es danach nicht mehr, sich auf den Unterricht zu konzentrieren, was sich alsbald bitter rächte. Ihr Kessel explodierte und verspritzte seinen Inhalt über die Hälfte der Klasse. Snape bedachte sie mit einem derart traurig-verächtlichen Blick, dass sie am liebsten auf der Stelle gestorben wäre. Er schüttelte den Kopf, beseitigte mit einem äußerst lässigen Wedeln seines Zauberstabes das Chaos - was schlimmer war, als es sie selbst tun zu lassen, denn offensichtlich hielt er sie für unfähig, damit fertig zu werden - und murmelte dabei: "Und noch eine zerstörte Hoffnung." Dann ging er triumphierend zur Tagesordnung über. Jetzt nur nicht weinen! Dachte Helen und drängte mit aller Gewalt ihre Tränen zurück. Sie sah Betty über die Schulter, um den Rest des Experiments verfolgen zu können. Nach dem Unterricht blockte sie sämtliche Aufmunterungsversuche seitens ihrer Klassenkameraden ab, verkroch sich in einen staubigen Gang und ließ ihren Tränen endlich freien Lauf. Sie schluchzte aus vollem Herzen, machte ihrer ganzen Seelenqual endlich Luft, als eine samtige Stimme, die ihr nur allzu vertraut war, ungewöhnlich sanft ihren Namen sprach.
"Miss Hyatt?"
"Bitte gehen Sie weg!"
Sie wollte ihren Kopf nicht heben, wollte nicht, dass er ihr tränenverschwollenes Gesicht sah. Verheult sah sie noch unattraktiver aus, als sie sich in seiner Gegenwart üblicherweise fühlte. Ihre blasse, sommersprossige Haut rötete sich beim Weinen wie die eines Hummers und dieser Farbton passte überhaupt nicht zu ihrem karottenroten Haar. Das wusste sie aus Erfahrung und deshalb weigerte sie sich, ihn anzusehen, sondern starrte mit gesenktem Kopf auf seine Schuhspitzen.
"Bitte, Professor", wiederholte sie schniefend.
Statt sich zu entfernen, kamen die Schuhe näher. Eine warme Hand legte sich auf ihre Schulter. Unwillkürlich zuckte Helen bei dieser Berührung zusammen. Sofort zog sich die Hand zurück. Helen, die sich am liebsten in seine Arme geworfen hätte, nahm ihren ganzen Mut zusammen und blickte ihm in die dunklen Augen.
Sie straffte die Schultern, richtete sich auf.
"Es geht schon wieder. Danke, Professor Snape", sagte sie mit soviel Würde wie möglich. "Ich werde jetzt in den Gemeinschaftsraum von Hufflepuff gehen und mich auf die nächste Unterrichtsstunde vorbereiten."
Mit diesen Worten drehte sie sich um und ging langsam hoch erhobenen Hauptes davon, wobei sie tapfer der Versuchung widerstand, ihre Schuluniform zu raffen und davonzurennen, als wäre Du-Weißt-Schon-Wer hinter ihr her. Ihre Gedanken wirbelten durcheinander. Warum hatte er ihr die Hand auf die Schulter gelegt? Tat ihm seine bissige Bemerkung von vorhin leid? Das passte gar nicht zu ihm! Mochte er sie vielleicht ein ganz klein wenig leiden? Absurd, einfach blödsinnig. Wenn man jemanden mag, dann behandelt man ihn doch nicht wie den letzten Dreck. Nein, das ergab keinen Sinn... Und doch... Immer, wenn sich ihre Augen im Unterricht trafen, meinte Helen, neben der normalen Eiseskälte noch etwas anderes, undefinierbares darin zu entdecken. Sie lernte bis spät in die Nacht. Den Gedanken, ihn nicht mehr als Lehrer zu haben, konnte sie nicht ertragen.
Neben der Vorbereitung auf die Prüfungen zur Zulassung zu den Oberstufenkursen gab es in jenem Jahr noch ein weiteres Thema: die Berufsberatung. Sehr zu Helens Überraschung standen ihr weitaus mehr Möglichkeiten offen, als sie bis dahin angenommen hatte. Sie konnte Forscherin werden, Biologin, Botanikerin oder sogar Heilerin in St. Mungo's. Vorausgesetzt, sie belegte die richtigen Oberstufenkurse. Helen stürzte sich mit Feuereifer in die letzte Lernphase, erhöhte gnadenlos ihr tägliches Pensum. Sie träumte davon, berühmt zu werden und im Tagespropheten zu erscheinen. Vielleicht würde ER sie dann seiner würdig erachten. Oder aber er litt an einer seltenen Krankheit - was nebenbei bemerkt, seine Blässe und seine frühen Falten erklären würde - und sie konnte ihn heilen. Jungmädchenträume, deren Objekt sich im Laufe jener Wochen noch distanzierter zeigte als je zuvor, falls eine solche Steigerung überhaupt möglich war.
Am Tag der Prüfung nahm Helen ein Medikament gegen Übelkeit und nervliche Anspannung ein. Die Eule ihres Vaters, die elegant vor ihrem unberührten Frühstücksteller landete, brachte ihr genau im richtigen Moment Trost. Ihr Vater versicherte ihr in seiner eckigen, leicht unbeholfenen Schrift, dass er und ihre Mutter sehr stolz auf sie seien und an einem Erfolg auf ganzer Linie nicht zweifelten. Helen gab ihr bestes. Danach hieß es, zwei lange Monate Abschied von Hogwarts zu nehmen und während der Sommerferien die Ergebnisse abzuwarten. Das Warten fiel ihr unerträglich schwer. Aber noch schlimmer war die Trennung von ihrem Zaubertränkelehrer. Helen wurde täglich stiller und blasser, sodass sich ihr Vater größte Sorgen machte. Mrs. Hyatt jedoch lächelte wissend. "Unsere Tochter hat sich verliebt. Und sie vermisst ihn, weil sie ihn während der Ferien nicht sieht." Entrüstet erwiderte ihr Mann: "Unsinn! Sie ist doch erst 16."
Damit war für ihn die Diskussion beendet. Als Helen ihre Mutter aber um Schönheitstipps bat, da wusste diese, dass sie doch Recht gehabt hatte und sagte es Helen auf den Kopf zu.
"Du hast Dich verliebt, nicht wahr?"
Eschrocken sah Helen ihre Mutter an. "Nein, Ma, ganz bestimmt nicht. Wie kommst Du denn darauf?"
"Ganz einfach. Weil ich selbst so etwas erlebt habe. Ich war schließlich auch einmal in Deinem Alter. Ich finde es übrigens völlig in Ordnung, Du brauchst Dir da keine Sorgen zu machen. Auf Deine schulischen Leistungen hat diese Liebe jedenfalls einen sehr guten Einfluss. Du warst noch nie so gut wie jetzt. Wir sind sehr stolz auf Dich! Willst Du mir nicht verraten, wer es ist? Wir könnten ihn einladen..."
"Ach Ma, es gibt niemanden, in den ich verliebt bin. Ich will nur etwas hübscher aussehen. So wie die anderen Mädchen eben."
"Na gut, wenn Du mir Dein Geheimnis nicht anvertrauen möchtest, dann will ich das respektieren." Mrs. Hyatt strich ihrer Tochter das wirre Haar aus dem Gesicht. Dann legte sie den Kopf schief und musterte ihre Tochter nachdenklich
"Ich habe da ein sehr gutes Mittel gegen Sommersprossen", meinte sie schließlich. "Deine Haare könnten wir kurz schneiden und frech frisieren. Das ist zur Zeit in Mode. Und es wird Zeit, dass Du ein paar bessere Schulroben bekommst. Wenn wir sie etwas antaillieren lassen, dann kann man gut erkennen, dass Du einiges von Deinem Babyspeck verloren hast. Leichter Puder, dezenter Lippenstift, etwas Wimperntusche - alles in zarten warmen Pastelltönen. Du wirst sehen, wie hübsch Du sein kannst!"
Mrs. Hyatt machte sich begeistert ans Werk. Noch vor nicht allzu langer Zeit hatte sie innerlich aufgegeben, ihre Tochter jemals beraten zu dürfen. Helen hatte bis jetzt nicht das geringste Interesse gezeigt, ihr Äußeres vorteilhaft zu gestalten. Ach ja, die Liebe - selbstverständlich glaubte Mrs. Hyatt ihrer Tochter nicht, als diese hartnäckig leugnete, verliebt zu sein.
Die Verschönerungsaktion verlief recht passabel und als Helen wenige Wochen später erfuhr, dass sie zu sämtlichen NEWT-Kursen, die sie angestrebt hatte, zugelassen worden war, kannte ihr Glück keine Grenzen...
Helen nahm die Schreibfeder aus dem Mund und seufzte. Sie erinnerte sich noch gut daran, wie sie IHN am ersten Unterrichtstag des neuen Schuljahres vor zwei Wochen angestrahlt hatte, als er auf seine typisch abweisende Art in das Klassenzimmer gestürmt war. Seine ersten Worte hatten sie jedoch sofort wieder auf den Boden der Tatsachen gebracht...
Nein, er war noch immer dasselbe Ekelpaket wie vor den Ferien, nur dass er jetzt noch strengere Maßstäbe anzulegen gedachte. Er informierte das kleine aus allen Häusern Hogwarts zusammengewürfelte Häufchen Schüler, dass er nicht gedachte, sich ihretwegen bis auf die Knochen zu blamieren. Sollte auch nur ein einziger seiner NEWT-Klasse bei Zwischen- oder Endprüfungen durch Unfähigkeit glänzen, eine Möglichkeit, an der er persönlich nicht den geringsten Zweifel hegte, dann würde es Strafarbeiten regnen und zwar auf alle. Solchermaßen seien alle gezwungen, eng und vor allem erfolgreich zusammenzuarbeiten. Seine Klasse sollte den besten Notenschnitt haben und wer nicht bereit war, ALLES zu geben, der könne jetzt gleich aufstehen und gehen. Zwei Schüler verließen daraufhin den Unterricht. Prof. Snape betrachtete die verbliebenen 7 mit einem zynischen Lächeln.
"Sieben ist eigentlich eine Glückszahl... Nun, wir werden sehen...", murmelte er leise, aber doch deutlich hörbar in den Raum.
Dann erhob er seine Stimme wieder zu voller hypnotischer Kraft.
"Wohlan. Wer von Ihnen hat sich während der Ferien die Mühe gemacht, die erste Lektion des empfohlenen Lehrbuches durchzuarbeiten? Keiner? Ach, Sie, Miss Hyatt? Ja, dann zeigen Sie uns doch einmal, welche Erkenntnisse Sie dabei gewonnen haben..."
Die Erinnerung an diese Unterrichtsstunde zählte zu ihren unangenehmsten, denn natürlich war sie auf die detaillierten schwierigen Fragen des Zaubertränkelehrers nicht vorbereitet gewesen und hatte ihn hilflos und gedemütigt angesehen. Am Ende dieser endlos erscheinenden Stunde jedoch hatte ER Helens Bemühungen als lobendes Beispiel hervorgehoben, auch wenn die Qualität ihrer Antworten indiskutabel gewesen war. Mit diesen Worten hatte er den Raum ver- und seine entnervten Schüler sich selbst überlassen...
Wieder seufzte Helen. In einer Viertelstunde würde sie IHN wiedersehen. Noch dazu in einer Doppelstunde. Ob sie es wagen würde, IHN in aller Öffentlichkeit auf dem Halloween-Ball zum Tanzen aufzufordern? Was sollte sie anziehen? Obwohl sie für IHN einige Pfunde verloren hatte, mochte sie ihren Körper noch immer nicht leiden. Aber davon abgesehen konnte Prof. Snape sie mit Sicherheit nicht ausstehen - er zeigte es ja deutlich genug in jeder Unterrichtsstunde. Sie fragte sich mittlerweile, ob die Szene im Gang kurz vor den NEWT-Zulassungsprüfungen, während der Prof. Snape so etwas wie eine mitfühlende Seele gezeigt hatte, nur ihrer Einbildung entsprungen war oder tatsächlich stattgefunden hatte. Mit gemischten Gefühlen - Vorfreude auf IHN und Besorgnis darüber, welche neuen Schikanen er sich für sie ausgedacht haben mochte - klappte Helen ihr Tagebuch zu und machte sich zusammen mit einer Gruppe fröhlich schnatternder Mitschüler auf den Weg in die Kerkerräume.
In den kommenden Wochen arbeitete Helen noch härter als je zuvor. Dabei entging ihr völlig die Tatsache, dass sie sehr aufmerksam beobachtet wurde!
Dann, eines Nachts, ein knappe Woche vor dem Halloween Ball...
Sie hatte sich in den Astronomieturm geschlichen, um allein zu sein und die Sterne zu betrachten, als plötzlich die samtene Stimme von Prof. Snape sie aus ihren traurigen Gedanken riss.
"Sieh mal einer an, Miss Hyatt! Was machen Sie um diese Uhrzeit hier oben? Meinen Sie, nur weil Sie in meiner NEWT-Klasse sind, können Sie sich Regelverstöße dieser Art ungestraft leisten?"
Erschrocken starrte sie ihren Lehrer an, stammelte betroffen: "Nnnein. Ich, ich..."
Süffisant lächelnd fuhr Prof. Snape fort. "Du konntest wohl nicht schlafen, hmm? Welcher der Jungs spukt Dir denn im Kopf herum?"
Irgendetwas lief ganz entsetzlich schief. Prof. Snape duzte sie. Die Art, wie er immer näher kam und ihr dabei zwingend in die Augen sah - es fühlte sich so an, wie sie sich den Imperius-Fluch vorgestellt hatte - wirkte beängstigend. Ihr Herz pochte unangenehm im Hals.
"Verzeihen Sie, ich, ich..." und wieder konnte sie den angefangenen Satz nicht beenden.
"Aber, aber. Du hast doch nicht etwa Angst vor mir? Kann ich mir gar nicht vorstellen. So wie Du mich im Unterricht und bei den Mahlzeiten anstarrst oder glaubst Du, mir ist das nicht aufgefallen?"
Entsetzt wich sie vor ihm zurück: "Prof. Snape, ich sollte jetzt besser gehen."
Unbeeindruckt streckte er die Arme nach ihr aus.
"Komm, ich weiß doch, dass Du es genau so willst wie ich."
Sie schrie auf, als er nach ihr griff, jammerte immer wieder "nein, nein" und schlug wild um sich. Vergebens! Er packte und schüttelte sie.
"Helen, Helen! Komm zu Dir!"
Mit einem Schrei erwachte sie. Um im nächsten Augenblick noch einmal aufzuschreien. Sie stand auf dem glücklicherweise flachen Dach des Astronomieturms und es fehlte nicht viel, so wäre sie über die Brüstung gestürzt. Verwirrt blickte sie den Jungen, der sie festhielt, an.
"Greg, was machst Du denn hier und wie komme ich hierher?"
Greg, ein Mitschüler aus Hufflepuff, schüttelte den Kopf.
"Komm, ich erkläre es Dir später. Wir müssen schnell und vor allem ohne von Filch entdeckt zu werden, zurück in unseren Gemeinschaftsraum. Bei dem Lärm, den Du gemacht hast, sind Filch und Mrs. Norris bestimmt bald hier."
Helen fror. Sie trug nur ein dünnes Nachthemd. Fürsorglich schlang Greg seinen Umhang um sie und zog sie durch die Dachluke. Es grenzte an ein Wunder, dass ihre nächtliche Eskapade unbemerkt blieb. Im Gemeinschaftraum angekommen, erzählte ihr Greg seine Version der Geschichte.
"Also, ich konnte nicht schlafen und saß, lange, nachdem die anderen ins Bett gegangen waren, im Gemeinschaftsraum. Plötzlich bist du die Treppe vom Mädchenschlafsaal heruntergekommen. Du warst nur mit einem Nachthemd bekleidet und hast mich gar nicht wahrgenommen. Starr wie ein Brett bist Du durch die Geheimtür gegangen, hast nicht nach rechts oder links geblickt. Da habe ich gleich gewusst, dass Du schlafwandelst. Eine Kusine dritten Grades hat das auch oft getan. Meine Eltern haben mir gesagt, dass man einen Schlafwandler nicht wecken darf, aber dass man ein Auge auf ihn haben soll, damit er nicht zu Schaden kommt. Also habe ich mir meinen Umhang geschnappt und bin Dir still gefolgt, ohne Dich anzusprechen. Aber als Du auf die Brüstung des Turms zugetaumelt bist, da habe ich nach Dir gegriffen, damit Du nicht hinunterfällst. Und dann hast Du Dich ganz verzweifelt gewehrt und ich musste Dich wecken, sonst wären wir noch beide in den Tod gestürzt."
Zitternd und mit gesenktem Kopf hörte ihm Helen zu. Dann blickte sie ihren Beschützer ernst an. "Danke, Greg. Du hast mir wahrscheinlich das Leben gerettet."
Greg nahm ihre kalte Hand in seine. "Wir müssen morgen gleich zu Madam Pomfrey gehen. Sie kennt bestimmt ein Heilmittel gegen Schlafwandeln."
Zufrieden stellte er fest, dass sie ihm ihre Hand nicht entzog.
"Schließlich kann ich nicht immer zur Stelle sein, wenn Du nachts auf Dächern spazieren gehst", fuhr er verschmitzt lächelnd fort.
Helen betrachtete Greg einen Moment lang nachdenklich. Ihr war nie aufgefallen, wie gewinnend Greg's Lächeln war. Es ließ seine himmelblauen Augen schalkhaft funkeln und zeigte makellose Zähne. Dann wandte sie verlegen den Kopf ab. Was sie nur wieder dachte! Peinliches Schweigen breitete sich zwischen ihnen aus. Greg hielt noch immer ihre Hand und sie beschloss, sie ihm durch eine möglichst natürliche Geste zu entziehen, indem sie vorgab, ein Gähnen zu unterdrücken und sich anschließend mit beiden Händen über das Gesicht fuhr. Sie stand auf, lächelte flüchtig auf ihn herab und wünschte ihm eine gute Nacht.
Kurz bevor sie den Treppenaufgang zum Mädchenschlafsaal erreichte, sprach er sie noch einmal an: "Helen?"
Fragend wandte sie sich um "Ja?"
"Würdest Du mit mir zum Halloweenball gehen?"
Zu ihrer eigenen Überraschung antwortete sie "ja".
Sie wandelte in jener Nacht nicht mehr, schlief jedoch sehr unruhig, während sie davon träumte, mit Prof. Snape auf dem Dach des Astronomieturmes zu tanzen.
Der Halloweenball war DAS Ereignis in Hogwarts. Man feierte den Jahrestag des Verschwindens des Dunklen Lords mit ausgelassener Fröhlichkeit. Jeder trug seine beste Kleidung; sogar die jüngeren Schüler durften an dieser Feier, die weit nach Mitternacht ihr Ende fand, teilnehmen. Helen hatte sich so schön wie möglich gemacht und Greg's anerkennender Blick, als sie ihn im Gemeinschaftsraum traf, um mit ihm zusammen in die festlich geschmückte Halle zu gehen, zeigte ihr, dass sich die Mühe gelohnt hatte. Als sie in bester Festtagsstimmung an Greg's Arm durch die Menge schwebte, suchten ihre Augen jedoch nur einen einzigen Menschen. Doch sie konnte die hohe schlanke dunkel gekleidete Gestalt ihres Zaubertränkelehrers nirgendwo ausmachen. Es vermisste ihn offensichtlich niemand und sie wagte auch nicht, nach ihm zu fragen. Der Abend, der so triumphal für sie begonnen hatte, erschien ihr nun leer und sinnlos. Sie zog sich hinter die höfliche Fassade, die sie für die Abendgesellschaften ihrer Mutter entwickelt hatte, zurück, lächelte, bis ihre Gesichtsmuskeln schmerzten, lachte damenhaft über Greg's Scherze, tanzte anmutig mit Greg und anderen Jungen, die sie aufforderten und fühlte sich schrecklich. Immer wieder huschten ihre Blicke durch die Menge auf der Suche nach IHM. Würde er dem Abend gänzlich fernbleiben? Kurz vor Mitternacht, als sie bereit war, die Hoffnung aufzugeben, betrat Prof. Snape den Saal, nickte einigen Lehrern im Vorbeigehen zu und setzte sich in eine Ecke, von der aus er das bunte Treiben mit finsterer Miene betrachtete. Ein gleichgültiger Blick streifte sie, stutzte, kehrte zurück. Er hatte sie bemerkt! Ihr Herz jubelte. Sie fühlte sich wunderschön. Im nächsten Augenblick aber war sein Blick weitergeschweift. Helen stolperte und trat auf Greg's Fuß.
"Oh, entschuldige" meinte sie zerknirscht.
"Ist schon in Ordnung. Lass' Dich von der Krähe nicht aus dem Takt bringen. Morgen wird er uns ohnehin wieder schinden. Da wollen wir uns heute doch nicht den Abend verderben lassen."
"Krähe?"
"Naja, Snape, natürlich. Ich habe ihn zur gleichen Zeit entdeckt wie Du."
Unvermittelt grinste Greg: "Er sieht aus, als wolle er sich im Geist Notizen für mögliche Punkteabzüge oder Strafarbeiten machen."
Gegen ihren Willen musste Helen lachen. Das würde tatsächlich zu ihm passen. Dann wurde sie wieder ernst.
"Kann es sein, dass er einsam ist? Du weißt schon, keiner spricht mit ihm. Er ist der einzige, der keinen Spaß zu haben scheint."
Nun lachte Greg: "Guter Witz! Snape und Spaß - hahaha. Und mal ehrlich: Welches normale Wesen würde sich freiwillig mit ihm unterhalten, wenn es sich nicht gerade um ein dienstliches Gespräch unter Lehrern handelt?"
Madam Hooch verkündete in diesem Augenblick "Damenwahl!"
Wie gern hätte Helen Prof. Snape aufgefordert, doch diese Blöße mochte sie sich nicht geben und so bat sie stattdessen Greg um diesen Tanz. Sie wusste nicht, was schlimmer war - Prof. Snape so nah und doch so fern zu sein oder ihn gar nicht zu sehen. Nach ein paar Tänzen schützte sie Müdigkeit vor und ließ sich leicht niedergeschlagen von Greg zum Gemeinschaftsraum zurückbegleiten.
"Vielen Dank, Greg, für diesen schönen Abend", sagte sie, wie ihre Mutter es ihr für solche Gelegenheiten beigebracht hatte.
"Der Abend muss noch nicht vorbei sein", murmelte Greg mit seltsam belegter Stimme. "Wir können doch noch ein Weilchen hier sitzen und reden."
"Oh nein, geh Du ruhig zurück und feiere weiter. Ich bin schon in Ordnung. Madam Pomfrey hat mir versichert, dass ich mittlerweile vom Schlafwandeln geheilt bin."
"Helen, ich -"
"Greg, bitte, ich bin wirklich ziemlich müde. Wir sehen uns morgen, ja?"
"In Ordnung."
Als wollte Prof. Snape Rache für die Fröhlichkeit des Vorabends nehmen, schikanierte er seine Schüler am nächsten Tag noch mehr als sonst. Hufflepuff und Gryffindor wurden im Laufe des Unterrichts je 50 Punkte abgezogen. Damit nicht genug, Prof. Snape verdonnerte Greg zu 4 Stunden Strafarbeit. Snape's Stimmung war so düster, dass die beiden Slytherins, die zur NEWT-Klasse gehörten, ihre hämischen Grimassen, die sie in solchen Fällen üblicherweise zogen, verschüchtert unterließen. Helen schluckte. Sie wagte kaum, Greg einen ermunternden Blick zuzuwerfen. Noch weniger mochte sie den strengen Augen ihres Lehrers begegnen. Die Farbe ihres Trankes kam der vorgeschriebenen Nuance von seegrün recht nahe. Leider war Prof. Snape da anderer Meinung. Auch sie bekam kurzerhand Strafarbeiten aufgebrummt. Greg musste Filch zur Hand gehen, Helen dagegen sollte Prof. Snape beim Mörsern verschiedener Ingredienzien assistieren. Wer noch nie versucht hat, steinhartes Material unterschiedlicher Herkunft mit einem Stößel zu feinem Pulver zu zermahlen, kann sich nur schwer vorstellen, wie schnell Helens Muskeln erlahmten. Mit vor Anstrengung und Schmerz verzerrtem Gesicht stieß sie immer weiter zu. Die Minuten verrannen langsam, zäh wie Sirup.
"Pause" unterbrach plötzlich Prof. Snape's Stimme das Hämmern.
Überrascht blickte Helen ihn an.
"Ich möchte mir keinen Tadel von Prof. Dumbledore einhandeln, weil ich meine Schüler während der Strafarbeiten über Gebühr strapaziere", erklärte Prof. Snape mit dem ihm so eigenen zynischen Grinsen.
"Danke, Sir", hauchte Helen.
"Du enttäuscht mich. Dabei hätte ich es eigentlich besser wissen müssen," fuhr Prof. Snape ungerührt fort.
"Sir?" Die Verwirrung in Helens Stimme rang ihm ein weiteres zynisches Lächeln ab.
"Ich habe Deine Veränderung sehr wohl bemerkt. Eine eher indifferente Schülerin mit durchschnittlicher Intelligenz entwickelt plötzlich großen Ehrgeiz, arbeitet sich hart voran bis an die Spitze ihres Jahrgangs. Die Zulassungsprüfungen zu den NEWT-Kursen absolviert sie in einigen Fächern mit Bravour, in den übrigen Fächern bis auf ein oder zwei Ausnahmen akzeptabel. Diese enorme Leistungssteigerung gibt zu den schönsten Hoffnungen Anlass. Und dann...."
Prof. Snapes heftige, fast leidenschaftliche Worte beunruhigten Helen. Sie wusste nicht, was sie falsch gemacht hatte, denn offensichtlich hatte sie das Missfallen ihres Lehrers erregt. Außerdem duzte er sie, was sie unangenehm an den Albtraum während ihres Schlafwandelns auf dem Dach des Astronomieturmes erinnerte.
Prof. Snape atmete tief durch, zuckte seufzend die Achseln und sah sie mit einem durchdringenden Blick an.
"Ja..." murmelte er nun versonnen wobei sein Gesicht dem ihren allzu nahe kam und sein nach frischer Minze duftender Atem sie streifte. "Und dann hast Du Dich zu einem Mädchen wie alle anderen entwickelt."
Abrupt wandte er sich von ihr ab, lief hin und her, während er sich wieder in Rage redete.
"Neue Frisur, neue Kleidung, Make-up und nur noch eines im Sinn: den Jungs gnadenlos den Kopf zu verdrehen! Typisch Weib!" Die letzten Worte spuckte er fast in den Raum.
"Aber..."
"Nichts aber!" Er schrie sie fast an. "Ich habe es gesehen, wie Du kokettierst und Dein Lernpensum vernachlässigst und dabei hatte ich große Hoffnungen in Dich gesetzt. Du warst mein lebender Beweis, dass Fleiß und Leidenschaft für ein Fach mindestens genauso viel bewirken können wie Genialität! Aber nein, Du bist genauso nutzlos und eitel und leicht vom Wesentlichen abzulenken wie alle anderen."
Er schnaubte noch einmal verächtlich, bevor er sich wieder dicht vor ihr aufbaute.
"Aber ich werde es nicht zulassen, dass Du meinen Kurs durcheinander bringst", zischte er sie an. "Greg Fuller hat nur noch Augen für Dich, meinst Du, das würde mir nicht auffallen? Und bald gibt es Eifersüchteleien unter den anderen Schülern.. Oh ja, ich weiß, wozu ihr Weiber fähig seid. Und schau' mich nicht mit Deinen Unschuldsaugen an, als ob Du kein Wässerchen trüben könntest. Auf diese Masche falle ich nicht herein!"
Prof. Snapes dunkle Augen glühten, sein Blick bohrte sich in die ihren. Dann hatte sein Gesicht wieder den gewohnten undurchdringlichen Ausdruck angenommen.
"Also, Miss Hyatt", drang seine Stimme kalt und distanziert an ihr Ohr. "Entweder Ihre Leistungen übertreffen in den nächsten Wochen die der anderen Schüler und Mr. Fuller konzentriert sich wieder auf den Unterricht oder Sie fliegen 'raus aus meinem Kurs, haben wir uns verstanden?!"
Helen hielt mühsam ihre Tränen zurück. "Ja, Sir. Ich wollte wirklich nicht..."
Snape winkte ab. "Sie können gehen, Miss Hyatt. Ich räume selbst auf."
Mit gesenktem Kopf huschte Helen zur Tür hinaus. In den nächsten Tagen hielt sie sich vorwiegend in der Bibliothek auf, um ihre Wissenslücken möglichst schnell und umfassend zu schließen. Sie fauchte Greg, der ihr auf Schritt und Tritt folgte, mehrmals ungnädig an, bis sie ihn schließlich als Lern- und Übungspartner akzeptierte. Mehr denn je wollte sie Prof. Snape von ihrem Wert als Schülerin überzeugen. Im Unterricht vermied sie tunlichst Prof. Snapes Blicke. Jedesmal, wenn er sich ihrer Bank näherte, hielt sie den Atem an. Würde er nun seine Drohung wahrmachen und sie kurzerhand aus dem Kurs entfernen? Doch nichts dergleichen geschah. Stattdessen gab einer der Slytherins auf.
Die Weihnachtsferien verbrachte sie zu Hause. Greg besuchte Helen häufig unter dem Vorwand des gemeinsamen Lernens. Mrs. Hyatt stellte verwirrt fest, dass ihre Tochter nicht in ihren netten und ansehnlichen Mitschüler Greg Fuller verliebt war. Denn ihre Tochter blieb still und traurig, wie man es von einer unglücklichen Liebe oder einer Trennung von dem Geliebten erwartet. Den armen Greg nahm Helen gar nicht richtig zur Kenntnis. Verbissen lernte sie jeden Tag viele Stunden. Sie lief manchmal Schlittschuh' mit Greg, manchmal traf sie sich mit ihm in einer gemütlichen Teestube, meist jedoch ging sie mit ihm Aufzeichnungen aus den Unterrichtsstunden durch. Mr. Hyatt gestattete den beiden, in seinem Geräteschuppen ein kleines Versuchslabor einzurichten - komplett mit Schutzmauern, um die Folgen möglicher Unfälle einzugrenzen.
"Unsere Tochter wird noch eine große Wissenschaftlerin", sagte er eines Abends äußerst zufrieden zu seiner Frau. "Und warum auch nicht? Wer sagt denn, dass nur Absolventen aus Ravenclaw oder Slytherin Karriere machen können? Schließlich hat Hogwarts allgemein einen sehr guten Ruf", fügte er fast schon trotzig hinzu.
Als er sich gegenüber seiner Frau in diesen rosigen Zukunftsperspektiven erging, nickte diese zwar, erwiderte aber ernst: "Irgendetwas stimmt nicht mit Helen. Sie leidet, das spüre ich genau."
"Ach, Unsinn, ich finde, sie sieht prächtig aus. Eine echte junge Dame, die genau weiß, was sie will. Sie hat außerdem einen recht netten Verehrer."
"Helen interessiert sich nicht für Greg. Wenn Du Augen im Kopf hättest, würdest Du das sehen."
"Mag sein, aber der junge Mann gibt nicht so leicht auf und mir gefällt er gut. Sie könnte es schlechter treffen."
"Ich glaube, sie hat es schlechter getroffen. Zuerst habe ich gedacht, dass ihre Liebe zu einem Mitschüler sie beflügelt und zu diesen Leistungen anspornt. Aber mittlerweile bin ich davon überzeugt, dass sie sich so verbissen in die Arbeit vergräbt, um damit einen großen Kummer - Liebeskummer - zu verdrängen."
"Welcher Junge könnte schon unserer Tochter widerstehen? Du siehst Probleme, wo es keine gibt!"
"Dein dummer väterlicher Stolz macht Dich blind. Helen ist keine umwerfende Schönheit. Das wird sie nie sein. Wir haben das beste aus ihren Anlagen gemacht und das Ergebnis ist ansprechender Durchschnitt, aber keineswegs unwiderstehlich. Greg hat sich in sie verliebt, doch das heißt nicht, dass ihr alle Jungs in Hogwarts nachlaufen. So wie es aussieht, hat sie sich in einen anderen Jungen verliebt, der diese Gefühle nicht erwidert; genauso, wie sie den armen Greg nicht ernst nimmt."
"Und wenn schon, immerhin ist sie gerade erst 17 geworden. Sie hat noch das ganze Leben vor sich, um Mr. Right kennenzulernen."
Mrs. Hyatt unterdrückte mühsam den Wunsch, ihren Mann heftig zu schütteln. Durch seinen Panzer mittelständischer Zufriedenheit drang einfach nichts!
Helen hingegen hörte auf, Make-up zu benutzen, was ihre Mutter mit Besorgnis registrierte. Sie bevorzugte wieder ihre alten voluminösen Kleider und dachte viel über die Szene während ihrer Strafarbeit mit Prof. Snape nach. Konnte es sein, dass ihm Greg's Aufmerksamkeiten ihr gegenüber missfielen, weil er selbst angefangen hatte, sie mit anderen Augen zu sehen? Immerhin hatte er zugegeben, von ihren Fortschritten beeindruckt gewesen zu sein. Er hatte nach eigener Aussage große Hoffnungen in sie gesetzt. Andererseits - warum lehnte er ihre äußere Verwandlung so vehement ab? War er eifersüchtig, hatte er Sorge, ein Mitschüler wie Greg könne sie für sich gewinnen? Bei dem Gedanken an diese Interpretationsmöglichkeit von Prof. Snapes heftigem Gefühlsausbruch klopfte Helens Herz schneller. Sie nahm sich fest vor, wieder unscheinbar zu werden und nur noch durch kluge umfassende Wortmeldungen oder hervorragende Arbeiten aufzufallen.
Nach ihrer Rückkehr aus den Ferien stellte Helen jedoch mit Entsetzen fest, dass es noch eine andere Sichtweise der Dinge geben könnte. Eine Alternative, die ihr überhaupt nicht gefiel. Wenn Helen nicht gerade wieder mit Lernen beschäftigt war, plauderte sie häufig mit Betty oder lauschte dem Tratsch im Gemeinschaftsraum. Manchmal war es wirklich amüsant. Insbesondere die Theorien über das Privatleben der Lehrer. Spekulationen über eventuelle Affären oder Skandale. Viel dummes Geschwätz, doch bisweilen ein guter Zeitvertreib. Betty vertrat eines Abends in einer dieser Klatschrunden die Ansicht, dass Prof. Snape vermutlich stockschwul war und dies auch der Grund für seine besondere Ablehnung gegenüber Mädchen sein musste. Nicht, dass ein Mädchen, das seine fünf Sinne beisammen hatte, sich wünschen würde, von Snape begehrt zu werden, aber diese Ablehnung war schon auffällig. Obwohl Bettys Theorie Helen von da an nicht mehr aus dem Kopf ging, hegte sie insgeheim den Verdacht, dass Prof. Snape nur durch eine große Enttäuschung, eine unerfüllte Liebe so verbittert war und wünschte sich weiterhin sehnlichst, diejenige sein zu dürfen, die diese Bitterkeit in Liebe verwandeln konnte.
Die Anforderungen in den anderen Fächern wurden im Laufe dieses Schuljahres ebenfalls grausam angehoben. Helen gewann den Eindruck, dass der Tag nie genug Stunden hatte. Dennoch verflog die Zeit so unglaublich schnell, dass bereits die nächsten Prüfungen anstanden, bevor sie wusste, wie ihr geschah. Sie musste einige Entscheidungen treffen, wenn sie das Niveau hoch halten wollte. Quidditch hatte sie zu Beginn des neuen Schuljahres aufgegeben. Genauso wie Geschichte der Magie und Arithmantik. Wenn sie nun noch Pflege magischer Geschöpfe abwählte, dann bliebe ihr hoffentlich genug Zeit für die anderen Fächer. Inzwischen hatte sich ein Berufswunsch herauskristallisiert. Sie wollte Heilerin werden. Doch dazu brauchte sie einen hervorragenden Notendurchschnitt. Leider war das Fach Verteidigung gegen die dunklen Künste ein Pflichtfach, wenn man Heiler werden wollte. Und darin schwächelte sie. Schweren Herzens bat sie ihre Hauslehrerin, Prof. Sprout, um Rat. Diese empfahl ihr Nachhilfeunterricht.
Sie war jedoch nicht die einzige mit diesem Problem. Einige Schüler brauchten in diesem schwierigen Fach Nachhilfe, sodass der Lehrer für Verteidigung gegen die dunklen Künste, Prof. Magnus, zwei Nachhilfegruppen bildete. Die eine Gruppe wollte er selbst betreuen, die andere sollte Prof. Snape übernehmen. Prof. Snape zeigte sich keineswegs begeistert über diese neuerliche Belastungsprobe für seine Geduld, andererseits sah er dies als einmalige Gelegenheit, sein Können auf diesem Gebiet zu demonstrieren, da er schon lange auf den Posten als Lehrer für Verteidigung gegen die dunklen Künste aus war. Also fügte er sich grummelnd in sein Schicksal. Prof. Magnus behielt sich selbstverständlich vor, in seine Gruppe die besseren Schüler aufzunehmen und so wurde Helen als Problemfall der Gruppe von Prof. Snape zugeordnet. Die Demütigung, einen solchen kläglichen Haufen Nieten unterrichten zu müssen, empfand Prof. Snape sowohl als Zumutung als auch als Herausforderung, was er seinen Schülern ganz unverblümt in der ersten Stunde sagte. Helen, die nicht einsah, warum dieses Fach Voraussetzung für ein Studium der Heilkunst sein sollte, starrte ihn finster an. Prof. Snape schien einen unendlichen Vorrat an demoralisierenden Antrittsreden zu haben, aus dem er munter für jeden Anlass die passende schöpfte. Am Ende einer katastrophalen Stunde verlangte Prof. Snape die Aufmerksamkeit der Gruppe und fragte jeden der Reihe nach, was seine/ihre Motivation für die Teilnahme an diesem Nachhilfeunterricht sei. Helen blickte ihm trotzig in die Augen als sie zum Schluss an die Reihe kam.
"Heilerin," lautete ihre schlichte Antwort.
Prof. Snape, der bisher jedem Einzelnen einen Dämpfer versetzt hatte, überlegte kurz, sodass Helen hoffte, er würde nichts Negatives in ihrer Begründung entdecken. Eine Hoffnung, die er natürlich sofort zerstreute.
"Nun, Miss Hyatt, Sie glauben doch nicht etwa, dass Sie nur die Theorie und die entsprechenden Heilverfahren lernen müssen und um die Praxis herumkommen. Denn wenn Sie das denken, dann sind Sie auf dem Holzweg!"
Wütend erwiderte sie knapp: "Nein, Sir."
"Gut. Dann verteidigen Sie sich - jetzt!"
Natürlich reagierte Helen viel zu spät und auch noch völlig unzureichend, was dazu führte, dass ihr Zauberstab in einer Ecke des Raumes landete und sie hilflos in der Luft hing, unfähig sich zu rühren. Traurig schüttelte Prof. Snape den Kopf, bevor er sie endlich aus ihrer peinlichen Lage befreite. Dann verließ er ohne ein weiteres Wort den Raum.
Helen war sich in diesem Augenblick absolut sicher: Sie hasste Prof. Snape von ganzem Herzen. Undenkbar, dass sie einmal in ihn verliebt gewesen war! Sie erging sich in Gewaltphantasien, wie sie sich mit einem genialen Zauberspruch in der nächsten Stunde grausam an ihm rächen würde. Gleichzeitig fühlte sie sich deprimiert und elend. Mit hängenden Schultern machte sie sich auf die Suche nach der Hauslehrerin von Gryffindor, denn es gab noch ein weiteres Fach, in dem ihr Notendurchschnitt sehr zu wünschen übrig ließ, auch wenn hier die Lage nicht ganz so hoffnungslos war: Verwandlung. Trotzdem würde sie auch hier Nachhilfe benötigen. Sie hatte allerdings keine Ahnung, woher sie die dafür notwendige zusätzliche Zeit nehmen sollte. Prof. McGonnagall zeigte sich glücklicherweise sehr verständnisvoll und munterte Helen wieder etwas auf. Sie vermittelte ihr einen hervorragenden Schüler aus Ravenclaw mit großem Potenzial, denn sie selbst konnte derzeit keine weiteren Schüler in ihre Nachhilfegruppen aufnehmen. Solchermaßen erhielt Helen ausgezeichneten Einzelunterricht in Verwandlung. Dieses Arrangement hatte noch einen weiteren Vorteil: Die Übungszeiten konnten individuell abgestimmt werden und erlaubten Helen ein optimales Zeitmanagement. Letzteres hatte sie auch bitter nötig, denn das restliche Schuljahr verging wieder wie im Fluge und die nächsten Prüfungen, die darüber entscheiden sollten, zu welchen Kursen sie im Abschlussjahr zugelassen werden würde, standen in 6 Wochen an. Prof. McGonnagall hatte ihr zu verstehen gegeben, dass sie Helens bisherige Bemühungen durchaus anerkannte und sie gern im 7. Jahr ebenfalls unterrichten würde, wenn ihre momentanen Leistungen sich nicht verschlechterten. In dieser Hinsicht konnte Helen also aufatmen. Nicht so im Fach Verteidigung gegen die dunklen Künste. Sowohl Prof. Magnus als auch Prof. Snape zeigten sich gegenüber ihrer Inkompetenz gnadenlos. Doch je nervöser sie wurde, desto mehr Fehler machte sie. Prof. Magnus sagte ihr klipp und klar, dass er die Absicht hatte, sie durchfallen zu lassen, was ihrem Berufsziel ein sofortiges Ende bereiten würde. Ihr mittlerweile glühender Wunsch, Heilerin zu werden, ließ sie einen verzweifelten Entschluss fassen. Sie würde wider besseres Wissen Prof. Snape um Hilfe bitten. Mit zitternden Knien, enger Kehle und Herzenrasen suchte sie ihn nach dem Abendessen in seinem Labor auf. Zaghaft klopfte sie an. Gedämpft klang seine Stimme durch die schwere Tür. "Herein."
Schüchtern schob sie sich in den Raum. Prof. Snape blickte von der Arbeit auf, die er gerade korrigierte.
"Ja, Miss Hyatt?" Fragend sah er sie an.
Sie fuhr sich mit der Zunge über die trockenen Lippen, setzte mühsam zum Sprechen an.
"Ich - äh - darf ich Sie kurz stören, Sir?"
Mit einer Mischung aus Ungeduld und Neugier deutete Prof. Snape auf einen Stuhl vor seinem Schreibtisch. Helen Hyatt hatte ihn noch nie außerhalb des Unterrichts angesprochen.
"Bitte. Setzen Sie sich."
Verlegen nahm Helen Platz.
"Also? Was gibt es?" Seine Stimme klang nicht so abweisend wie sonst, der Blick seiner dunklen Augen war eher forschend als streng und unnahbar.
Helen nahm ihren ganzen Mut zusammen.
"Es geht um das Fach Verteidigung gegen die dunklen Künste. Prof. Magnus wird mich durchfallen lassen und wenn das geschieht, dann kann ich nicht Heilerin werden. Es ist aber mein sehnlichster Wunsch..." verzweifelt und mutlos zuckte sie die Achseln.
"Mit der Theorie habe ich keine Probleme, aber die Praxis..." Helen verstummte. Vermutlich war es eine Schnappsidee gewesen, sich an Prof. Snape zu wenden, der sie wegen ihrer Unfähigkeit gewiss genauso verachtete wie Prof. Magnus. Sie zuckte zusammen, als Prof. Snapes samtige Stimme das Schweigen brach.
"Prof. Magnus legt großen Wert auf die Praxis. Wie ich übrigens auch."
"Ja, ich weiß. Ich bemühe mich so sehr, aber ich bin in der Praxis einfach hoffnungslos."
"Wer sagt das?"
"Prof. Magnus und ... Sie."
"Sie haben mir doch auch nie geglaubt, dass Sie im Fach Zaubertränke hoffnungslos sind."
"Nein."
"Wieso nicht?"
"Nun, ich habe Fortschritte gesehen und mich stetig gebessert, auch wenn ich Ihren Ansprüchen nie genügen konnte. Aber in Verteidigung mache ich absolut keine Fortschritte, obwohl ich zusätzlich Nachhilfeunterricht bei Ihnen habe..."
"Und was erwarten Sie nun von mir?"
"Ich weiß nicht recht. Sie sind ein besserer Lehrer als Prof. Magnus, soviel steht fest. Meine Verbesserung in Theorie auf ein akzeptables Maß führe ich auf Ihren Unterricht zurück. Aber für die Praxis sind meine Reflexe zu langsam, also können Sie vermutlich da auch nichts machen. Aber ich weiß mir keinen anderen Rat..." Wieder zuckte Helen mutlos die Achseln.
"Wie wichtig ist Ihnen Ihr Ziel, Heilerin zu werden, Miss Hyatt?"
"Es bedeutet mir alles."
"Was wären Sie bereit, dafür zu tun?"
"Alles, was nötig ist, Sir."
"So. Hmm." Nachdenklich musterte Prof. Snape Helen. Sah lange in ihr entschlossenes und gleichzeitig so verzweifeltes Gesicht. Eine Kämpfernatur, dachte er.
"Reflexe kann man trainieren. Allzu ungeschickt sind Sie ja nicht, wie man im Fach Zaubertränke sieht", sagte er laut.
"Sir?"
"Steigerungen sind selbstverständlich immer möglich, aber glauben Sie, Sie wären in meiner NEWT-Klasse, wenn Sie meinen Mindestanforderungen nicht genügen würden?"
"Oh. Nein. Vermutlich nicht, Sir."
"Eben. Haben Sie es schon mit Einzeltraining versucht?"
"Nein."
"Und warum nicht? Wenn Sie doch alles für Ihr Ziel tun wollen?"
"Keiner will mit mir üben."
"Ach. Haben Sie keine Freunde, die Ihnen helfen würden? Mr. Fuller vielleicht?"
"Nein, Greg und meine wenigen anderen Freunde sind genauso schlecht wie ich in diesem Fach und die Nachhilfeschüler aus meiner Gruppe brauchen einen echten Übungspartner. Wer gegen mich antritt, bekommt keine Praxiserfahrung. Es ist für die wohl so, als würde man gegen eine Stoffpuppe kämpfen, Zeitverschwendung." Nun glitzerten Tränen in Helens Augen. Sie senkte den Kopf. Wieder herrschte eine Weile absolute Stille im Labor. Dann brach Prof. Snape erneut das Schweigen.
"Also gut. Kommen Sie am Mittwoch abend um sechs Uhr wieder in mein Labor und seien Sie pünktlich."
Helen sah ungläubig auf. Sollte das heißen, Prof. Snape...? Ein Hoffnungsschimmer strahlte in ihren Augen auf, was Prof. Snape jedoch nicht sah, da er sich wieder über seine Arbeit gebeugt hatte. Helen war offensichtlich entlassen.
Mit einem schüchtern gemurmelten "Danke, Prof. Snape", schlich sie hinaus.
Am Mittwoch, Punkt 18h00 klopfte Helen an die Tür zu Prof. Snapes Labor und wurde hereingebeten. Prof. Snape trug statt seiner üblichen Robe schwarze Jeans und ein kurzärmeliges T-Shirt. Hingerissen starrte sie ihn an, vergaß dabei für einen Augenblick ihre Angst. Die Jeans betonten seine langen, wohlgeformten Beine, das T-Shirt umspannte einen gut gebauten Oberkörper, seinen bleichen aber durchtrainierten Armen war anzusehen, dass sich Prof. Snape offensichtlich regelmäßig mit sportlicher Betätigung fit hielt, auch wenn er kein Muskelprotz war. Helen schluckte. Ob er vergessen hatte, dass er sie um diese Zeit hierher bestellt hatte? Prof. Snapes nächste Worte zerstreuten jedoch sogleich ihre Zweifel.
"Also dann. Wir beginnen mit dem Entwaffnungszauber. Er ist einfach zu beherrschen und eignet sich hervorragend zum Üben, zumal er weder schmerzhaft ist noch andere unangenehme Wirkungen hat."
Helen nickte.
"Worauf warten Sie? Entwaffnen Sie mich!"
"Exp...." weiter kam Helen nicht.
"...pelliarmus", beendete Prof. Snapes seinen Gegenzauber während er in einer einzigen fließenden Bewegung ihrem Angriff seitlich ausgewichen war.
Helens Stab flog durch die Luft. Sie war entwaffnet.
"Noch einmal von vorn."
Nach einigen weiteren vergeblichen Versuchen verlor Prof. Snape die Geduld.
"Sie sollen mich beobachten, verflucht noch einmal", donnerte er sie an. "Starren Sie nicht meinen Zauberstab an wie das Kaninchen die Schlange, sondern achten Sie auf meine Muskelreflexe oder zumindest meine Augen. Daran kann man gut die nächste Absicht des Gegners erkennen! Wozu glauben Sie, habe ich mir diese Muggelkleidung angezogen?"
Helen war wieder den Tränen nahe, was Prof. Snape erst recht wütend machte.
"Wenn Sie jetzt auch noch zu weinen anfangen, dann ist der Unterricht ein für allemal beendet, ist das klar", herrschte er sie an. "Wo bleibt Ihr Kampfgeist?" Angewidert warf er die Hände hoch.
Helen riss sich mühsam zusammen, stellte sich in Ausgangspositur. Doch auch die nächsten Versuche, den Zaubertränkemeister zu entwaffnen, scheiterten kläglich.
"Na schön. So geht es nicht. Sie verstehen das Prinzip, aber sie reagieren immer einen Augenblick zu spät. Einen entscheidenden Augenblick. Ist Ihnen eigentlich klar, dass die Zeiten noch nicht lange zurückliegen, in denen es lebenswichtig war, gerade die Praxis der Verteidigung gegen die dunklen Künste zu beherrschen?"
"Ja, aber ..."
"Ich habe einmal einen Jungen gekannt, dessen Reflexe ebenfalls zu langsam waren. Er hat schließlich angefangen, an Fliegen zu üben... Und das werden Sie auch tun. Jeden Tag mehrere Stunden. Vor dem Aufstehen, in den Pausen, in jeder freien Minute."
"Wie?"
"Sehen Sie diese Fliege? Zielen Sie und holen Sie sie mit dem Erstarrungsfluch 'runter. Achten Sie auf ihre Flugbahn. Sie müssen lernen, die Bewegungen Ihres Gegners vorauszuahnen."
Nach mehreren Anläufen schaffte Helen es schließlich. Prof. Snape nickte kurz.
"Wir sehen uns nächsten Mittwoch um dieselbe Zeit."
Prof. Snape wandte sich ab, nahm seinen Umhang vom Stuhl und warf ihn sich über. Dabei hatte Helen für einen kurzen Moment Gelegenheit, den Anblick seines knackigen Pos zu bewundern. Mit hochrotem Kopf stürzte sie aus dem Labor. Später fiel ihr peinlich berührt ein, dass sie in Ihrer Eile völlig vergessen hatte, sich zu bedanken.
In der nächsten Nachhilfestunde musste sie gegen Doxies und anderes schnelles magisches Ungeziefer kämpfen. Es gelang ihr recht gut, sich gegen mehrere Pixies zu behaupten. Doch als sie Prof. Snape als Gegner gegenüberstand, brachte sie wieder nichts zustande. Jedesmal, wenn er seinen Zauberstab auf sie richtete, erstarrte sie. Gelähmt vor Angst erwartete sie das Auftreffen seines Fluches.
"Sie fürchten sich doch nicht etwa?"
Helen biss sich auf die Lippen.
"Was könnte Ihnen hier schlimmstenfalls passieren?"
"Ich weiß nicht. Ich fühle mich so hilflos - ich schaffe es einfach nicht", anwortete sie mit zitternder Stimme.
"Hmm. Sie müssen aus dieser Starre heraus. Wie wäre es, wenn Sie das seitliche Ausweichen, kombiniert mit einem Gegenangriff üben? Bleiben Sie in Bewegung, vielleicht überwinden Sie dann ihre Hemmung."
Unbarmherzig drillte Prof. Snape sie in den nur allzu schnell vergehenden Wochen bis zur Prüfung. Ihre Reflexe verbesserten sich graduell, doch Helen wusste, dass sie die Prüfung nicht bestehen würde. Sie brauchte mehr Zeit, wenn überhaupt eine Chance auf Besserung bestehen sollte, was sie ohnehin bezweifelte. Allerdings zwangen Prof. Snapes dunkle Augen sie zum Durchhalten. Sie wollte sich nicht die Blöße geben, vorzeitig aufzugeben!
Den Test von Prof. Sprout im Fach Kräuterkunde bewältigte sie mit Bravour. Auch die Prüfer im Fach Zaubersprüche zeigten sich zufrieden mit ihren Antworten und praktischen Demonstrationen. Prof. McGonnagall lächelte sie ermunternd an, als Helen eine dreibeinige Zuckerdose in eine vierbeinige quicklebendige Maus mit einem etwas zu kurz geratenen Schwänzchen verwandelte. Auch würde es gewiss einen Punkteabzug für das messingfarbene Fell geben. Doch im großen und ganzen hatte sie ein gutes Gefühl, was ihre Versetzung in den Abschlusskurs für das Fach Verwandlung anging. Das Gesicht des Zaubertränkelehrers verriet nichts - obwohl Helen glaubte, sich auch hier recht gut geschlagen zu haben. Wie nicht anders zu erwarten, verlief die Prüfung bei Prof. Magnus gar nicht gut. Deprimiert verließ sie den Raum. Sie hatte es nicht geschafft. Alles umsonst. Aus der Traum. Helen konnte sich nicht auf die Sommerferien freuen. Nichts war mehr wichtig.
Ihre Eltern begrüßten sie überschwenglich zu Hause und taten ihr bestes, ihre traurige Stimmung aufzuheitern. Sie versicherten ihr immer wieder, wie stolz sie auf Helen waren - ungeachtet der Prüfungsergebnisse. Helens Mutter schlug vor, Greg einzuladen, doch Helen schüttelte den Kopf. Greg hatte schließlich eingesehen, dass sie ihm nie mehr als Freundschaft entgegenbringen würde und brauchte Abstand. Sie hatten sich in den letzten Wochen nur noch sehr selten gesehen.
Mr. Hyatt versuchte auf seine Weise, seine Tochter zu trösten. Er sprach von der Erweiterung des Firmennamens auf Hyatt & Daughter und nahm sie auf Entdoxifizierungsfeldzüge mit, wobei er ihre Zielgenauigkeit und ihre guten Reflexe lobte, ohne zu ahnen, dass er damit den Kummer seiner Tochter nur noch vergrößerte. Warum hatte sie nur so kläglich versagt?! Sie wollte sich nicht damit zufrieden geben, Kammerjägerin zu werden. Ob Prof. Snape sehr enttäuscht war? Ob er vielleicht noch einmal dazu bereit war, ihr Nachhilfeunterricht zu geben? Vielleicht konnte sie eine Nachprüfung machen und an einem anderen Institut als dem renommierten St. Mungo's eine Ausbildung zur Heilerin beginnen? Im Verlauf der Wochen, in denen sie Einzelunterricht von Prof. Snape erhalten hatte, hatte sie ihn etwas besser kennengelernt. Dabei hatte sie den Eindruck gewonnen, dass er Begabung und Fleiß mindestens ebenso schätzte wie Kämpfernaturen, die nicht einfach aufgaben. Sein schroffes Wesen schreckte sie nicht mehr ab und ihre Liebe zu ihm und ihr Vertrauen in seine Fähigkeiten waren von Tag zu Tag gewachsen. Er war in ihren Augen ein begnadeter Lehrer und tragischerweise von allen anderen - mit Ausnahme von Prof. Dumbledore vielleicht - missverstandener Mensch, der seine eigene Verletzlichkeit hinter einer Fassade aus Zynismus und Härte verbarg. Wie sonst hätte sie sich seine Bemühungen in ihrem Fall erklären können? Dass es noch einen anderen, sehr persönlichen Grund für seinen Einsatz geben könnte - an diese Möglichkeit wagte sie einfach nicht mehr zu denken.
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Während Helen ihren teils hoffnungsvollen, teils verzweifelten Gedanken nachhing, fand in Hogwarts eine Lehrerkonferenz statt. Gegenstand der Konferenz waren die Schüler, die in einzelnen Fächern auf der Kippe standen. Prof. Magnus sprach sich gerade vehement gegen Helen's Versetzung in seinen Kurs im 7. Schuljahr aus. Prof. Sprout trat für ihren Schützling ein.
"Jonathan, warum wollen Sie Miss Hyatt Steine in den Weg legen? Jeder von uns weiß, dass sie weder Aurorin noch etwas ähnliches werden möchte, sondern Heilerin. Sie haben selbst gesagt, dass lediglich ihre schlechten Reflexe zu beanstanden sind und die braucht Miss Hyatt für Ihr Berufsziel nicht."
Arrogant blickte Prof. Magnus in die Runde.
"Es ist nicht meine Schuld, wenn die Schülerin zu faul war, ordentlich zu trainieren. Reflexe sind - falls nicht natürliche Begabung - so doch durch Training erlernbar." Selbstgerecht verschränkte er die Arme vor der Brust. Diskussion beendet, drückte seine Körperhaltung aus.
Prof. McGonnagall ergriff nun ihrerseits Partei für Helen.
"Also an mangelndem Fleiß liegt es gewiss nicht, das kann ich bezeugen. In meinem Fach zeigte Miss Hyatt anfangs auch schlechte Leistungen, die sie aber im Lauf des Schuljahres auf ein durchaus akzeptables Niveau heben konnte, und zwar nur durch Fleiß. Ja, ich glaube sogar, dass sie es im Abschlussjahr auf eine richtig gute Note im Fach Verwandlung bringen kann."
Bevor Prof. Magnus darauf etwas erwidern konnte, mischte sich nun auch Madame Hooch ein.
"Nicht jeder kann sportlich sein. Miss Hyatt wollte früher unbedingt in das Quidditch-Hausteam von Hufflepuff und strebte sogar eine Karriere als Quidditch-Profi an. Sie hat sich unzählige Verletzungen geholt, aber erst im fünften Jahr aufgegeben. Das war schon traurig genug. Sie sollte wegen ihrer schwachen Athletik nicht auch noch ihren zweiten Berufswunsch, der mit Sportlichkeit absolut nichts zu tun hat, aufgeben müssen."
Prof. Magnus schnaubte kurz auf.
"Mich würde eher Severus' Meinung interessieren. Er hatte schließlich das zweifelhafte Vergnügen, Miss Hyatt Nachhilfeunterricht zu geben..."
"Nun, Jonathan, ich kann mich Ihrer Meinung ebenso wenig anschließen", erwiderte Prof. Snape kalt. "Miss Hyatt hat die letzten Wochen vor den Prüfungen trotz des zweifellos hohen Lernpensums noch zusätzliche Einzelunterrichtsstunden bei mir absolviert."
"Hat ja nicht wirklich etwas genützt", entgegnete Prof. Magnus bissig.
Prof. Snape lächelte zynisch. "Zum einen sollte damit Ihr Argument endgültig entkräftet sein, dass Miss Hyatt's mangelnder Fleiß an ihrem - meiner Meinung nach knappem - Versagen schuld ist. Zum anderen glaube ich nicht, dass wir uns über fachliche Kompetenz unterhalten sollten. Ich denke da an einen Jungen, der durch Ihren Unterricht auch nicht profitieren konnte. Er hat sich später alles Nötige selbst beigebracht, sodass seine Fähigkeiten mittlerweile die seines Lehrers übertreffen." Nun lag in Prof. Snapes Augen eine höhnische Herausforderung.
Prof. Magnus unterließ es wohlweislich, darauf einzugehen, konnte es sich aber nicht verkneifen, noch einen Giftpfeil abzuschießen.
"Ist es nicht ohnehin moralisch fragwürdig, dass ein Lehrer eine Schülerin nachts in seinem Labor für Privatunterricht empfängt?" Dabei betonte er süffisant das Wort 'Privatunterricht'.
Prof. Snape war noch blasser als sonst geworden, seine Nasenflügel bebten vor unterdrücktem Zorn.
"Ich denke nicht, dass ich mir eine derartige Unterstellung gefallen lassen muss", knirschte er zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor.
Die Anwesenden sogen schockiert die Luft ein.
In die plötzlich lastende Stille hinein quietschte Prof. Flitwick entsetzt: "Aber Jonathan, das ist eine sehr schwere Anschuldigung!"
Dumbledore's tiefer Baß übertönte das nun einsetzende Stimmengewirr.
"Ich vermute, Prof. Magnus war sich für einen Augenblick nicht bewusst, was er sagt. Daher gehe ich davon aus, dass er sich bei seinem Kollegen für diese unbedachte Äußerung ohne Zögern entschuldigen wird."
Ungnädig knurrte Prof. Magnus in Richtung Prof. Snape.
"Ich habe da wohl meine Kompetenzen überschritten und bitte um Entschuldigung."
An Dumbledore gewandt beharrte er aber stur auf seiner Meinung im Fall Hyatt.
"Man kann mich nicht zwingen, eine derart faule und unfähige Schülerin im 7. Jahr zu unterrichten."
"Das ist nicht ganz richtig, Jonathan", meinte Dumbledore bedächtig. "Als Schulleiter habe ich durchaus die Befugnis dazu. Aber ich werde es nicht tun. Stattdessen werde ich eine Ausnahmegenehmigung erlassen, die sich nur auf dieses 7. Schuljahr bezieht. Jeder Schüler, den Severus in dem Fach Verteidigung gegen die dunklen Künste unterrichtet, wird zur Abschlussprüfung in diesem Fach zugelassen. Die Prüfung wird dann von mir direkt durchgeführt, um Parteilichkeit zu vermeiden. Ich habe mir Miss Hyatts Akte angesehen und glaube, dass sie den Abschluss schaffen kann. Zwar mit der schlechtestmöglichen Note, aber immerhin. Vorausgesetzt, sie trainiert weiter so hart wie bisher." Zufrieden mit seinem salomonischen Urteil sah er die Anwesenden der Reihe nach an. "Und nun zum Fall Charles Bedivere."
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An einem schönen Sommertag kurz vor Ende der Ferien landete eine Eule auf dem Nachmittagskaffetisch der Hyatts. Das Hogwartswappen, mit dem die Botschaft versiegelt war, ließ Helen erblassen. Ihr Herz schlug bis zum Hals.
"Ich - mir ist schlecht", flüsterte sie und rannte zum Badezimmer, wo sie sich geräuschvoll übergab. Besorgt sahen ihr die Eltern nach. Mr. Hyatt straffte die Schultern, befreite die Eule von ihrer Last und brach das Siegel auf.
Wir
freuen uns, Miss Helen Hyatt zu den folgenden Kursen im 7. Jahr zuzulassen:
Fach Note
Kräuterkunde O
Zaubertränke O
Zaubersprüche E
Verwandlung A+
Verteidigung g. d. d. K. A-
Minerva McGonnagall
Mr. Hyatt reichte seiner Frau das Schreiben. Er hatte Tränen in den Augen. "Sie hat es geschafft - unsere Tochter hat in allen Kursen bestanden", flüsterte er ergriffen.
"Helen, Schatz", rief Mrs. Hyatt. "Sieh nur, es ist alles in Ordnung!"
Bleich wankte Helen über den Rasen zu ihre Eltern. Ihre weitaufgerissenen Augen zeigten keine Gemütsregung.
"Kind, es ist alles in Ordnung. Du hast bestanden!"
"In - allen - Fächern", stammelte sie tonlos.
"Ja, in jedem einzelnen Fach."
Stumm streckte Helen die Hand nach dem Brief aus. Die Wahrheit drang langsam in ihr Bewusstsein: Sie hatte es tatsächlich geschafft!
Die nächsten Tage vor Beginn ihres letzten Schuljahres in Hogwarts waren mit deliriumsartiger Freude und allerlei Besorgungen angefüllt.
Auf dem Bahnsteig zum Hogwarts Express traf sie Greg. Er stand in Begleitung eines zierlichen schwarzhaarigen Mädchens bei seinen Eltern und winkte fröhlich, als er sie entdeckte. Die Hyatts begrüßten die Fullers. Greg stellte das fremde Mädchen vor.
"Das ist Rafaela da Costa aus Brasilien. Sie wird das Abschlussjahr als Austauschschülerin in Hogwarts absolvieren. Rafaela, das sind Mr. und Mrs. Hyatt und ihr Tochter Helen, eine Mitschülerin aus meinem Haus." Während die beiden Elternpaare sofort eine angeregte Unterhaltung begannen, wandte sich Helen dem Mädchen zu.
"Ich bin ja gespannt, in welches Haus der Hut Dich stecken wird." Lächelnd reichte Helen Rafaela die Hand. Nach kurzem Zögern nahm Rafaela die angebotene Hand und lächelte ebenfalls, allerdings leicht verkniffen. Mit dunkelbraunen Glutaugen musterte sie ihr Gegenüber. Was sie sah, gefiel ihr offensichtlich nicht besonders. Sie warf ihre schulterlangen Locken in den Nacken.
"Selbstverständlich Ravenclaw", erwiderte sie nahezu akzentfrei.
Helen beschloss, Rafaela lieber nicht nach dem Grund für diese Annahme zu fragen. Der nun eintreffende Hogwarts-Express enthob sie glücklicherweise einer Antwort. Die Fahrt verlief recht angenehm, da sich zu Helen, Greg und Rafaela noch Betty, Soames und Mark gesellten, die sich von Rafaelas kühler Art nicht beeindrucken ließen. Fröhlich tauschten sie Noten aus, Zukunftspläne und den neuesten Tratsch.
"Es heißt, dass Prof. Magnus durch einen anderen Lehrer ersetzt werden soll. Uff, wenn das nur wahr wäre. Den hatte ich gefressen, wie 10 Pfund grüne Seife!" Soames schüttelte sich.
"Ich glaube, er soll die 7. Klasse noch unterrichten - also die armen Schweine von uns, die das Fach nicht abwählen konnten." Betty blickte Soames und Helen bedeutungsvoll an.
"Es geht auch das Gerücht, dass man bei Prof. Snape Unterricht nehmen kann. Irgendeine Sonderregelung", trumpfte Mark mit seinem Wissen auf. "Wollt Ihr auch wissen, woher das Gerücht stammt?
"Aus dem Bildungsministerium" ertönte die vielstimmige Antwort. Marks Vater arbeitete dort. Das wusste schließlich jeder.
Helens Herz klopfte bei der Erwähnung SEINES Namens schneller. Bald würde sie ihn wiedersehen. Nur bei dem Gedanken, dass dies ihr letztes Jahr in Hogwarts sein würde, fiel ein Schatten über ihr Gesicht.
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Prof. Snape musterte das auf 4 Personen zusammengeschrumpfte Häuflein Schüler seines Zaubertrankkurses im Abschlussjahr eine lange Weile schweigend, die Arme in der für ihn üblichen Haltung vor der Brust verschränkt. Helen meinte, ein kurzes Zucken seiner Mundwinkel entdeckt zu haben, als sein Blick sie streifte. Doch als der Zaubertrankmeister eine besonders demoralisierende Begrüßungsrede hielt, gelangte sie zu der Überzeugung, sich diese Andeutung eines Lächelns auf dem strengen Gesicht ihres Lehrers nur eingebildet zu haben.
"Sie glauben, weil Sie heute hier vor mir sitzen, haben Sie es geschafft? Irrtum. Falls Sie dachten, von heute an bis zum Tag Ihrer Abschlussfeier wird das hier ein Spaziergang, dann liegen Sie falsch. Ich meine damit weniger die beiden Schüler mit der Note E unter Ihnen, sie werden wissen, dass sie sich mehr anstrengen müssen, wenn sie meinem Leistungsniveau entsprechen möchten. Nein: Die beiden anderen, die mit der Note O abgeschlossen haben, sollten sich nicht zu sicher fühlen, sich ungestraft auf ihren Lorbeeren vom Vorjahr ausruhen zu dürfen. Es laufen übrigens Wetten, wer von Ihnen als nächstes meinen Kurs verlässt und wieviel Prozent von Ihnen das Abschlussexamen schaffen. Die meisten rechnen mit 50 %. Also, wer von Ihnen wird dabei sein?"
Aller Augen wandten sich Linus zu, dem brillanten Ravenclaw, an dessen ruhiger Selbstsicherheit Prof. Snapes Sarkasmus stets abprallte.
"Oder werden Sie mich positiv überraschen und es zu viert schaffen", fuhr Prof. Snape fort, indem er die anderen drei eindringlich ansah. Wieder glaubte Helen, einen besonderen Blick in ihre Richtung zu erkennen.
"Nun denn. Hat jemand von Ihnen die nächsten Kapitel des empfohlenen Lehrbuches durchgearbeitet?"
Eingedenk ihrer Blamage vom Vorjahr schwieg Helen, was ihr allerdings nichts nützte, denn Prof. Snape sprach sie direkt an.
"Miss Hyatt?"
"Ja?"
"Haben Sie es diesmal etwa unterlassen, sich während der Ferien auf meinen Unterricht vorzubereiten?"
"Nein, Sir."
"Warum melden Sie sich dann nicht zu Wort?"
"Weil meine Antworten mit Sicherheit unzureichend sein werden." Unwillkürlich musste sie lächeln. Sein Zynismus hatte ihr während der Ferien gefehlt!
"Sie finden das amüsant?"
"Nein, Sir. Nicht wirklich. Es ist nur -"
"Ja, Miss Hyatt? Erleuchten Sie uns mit Ihrer Weisheit."
"Ich bin froh, in Ihrem Kurs sein zu dürfen, Sir."
"Dann macht es Ihnen sicher nichts aus, heute noch eine Strafarbeit bei mir zu leisten, nicht wahr?"
"Nein, Sir." Mühsam unterdrückte Helen ein andrängendes übermütiges Lachen. Sie hatte keine Angst mehr vor der finsteren Miene des Zaubertränkelehrers. Sie hatte ihn durchschaut. Und sie war wirklich unheimlich froh, in seinem Kurs zu sein und in den anderen Kursen. Sie würde Heilerin werden. Die Zukunft lag strahlend vor ihr. Sie hätte am liebsten Juchuh! geschrieben, hätte den Zaubertränkelehrer in einer wilden Polka oder einer Konga-Reihe mit den anderen Schülern durch den Raum gezogen, so froh und frei fühlte sie sich plötzlich. Bei diesem absurden Gedanken wurde der Lachreiz noch größer. Sie wurde abwechselnd blass und rot, täuschte einen Hustenanfall vor.
"Miss Hyatt? Ist Ihnen nicht wohl?"
Schnell schüttelte sie den Kopf.
"Ich schlage vor, sie suchen den Mädchenwaschraum auf."
"Danke", presste sie hervor und verließ fluchtartig den Raum.
Als sie zurückkam, kritzelten die anderen schon hastig das Rezept für einen sehr komplexen Trank mit und sie beeilte sich, es ihnen gleichzutun.
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Prof. Snape sah nachdenklich auf die vier gesenkten Köpfe seiner verbliebenen NEWT-Schüler hinunter. Er hatte sich auf die Wiederaufnahme des Unterrichts nach den Sommerferien... nun - 'gefreut' konnte man vielleicht nicht sagen. Nein, er war eher... gespannt - auf die Weiterentwicklung seiner Schüler. Es bedeutete für ihn eine Herausforderung und bisweilen auch eine sehr anregende Erfahrung, Schülern wie Linus Baldwin mit seinen brillanten Anlagen oder Helen Hyatt mit ihrem unermüdlichen Fleiß all sein Wissen zu vermitteln und zuzusehen, wie daraus etwas neues entstand. Menschen zu formen, die dies zuließen bzw. bei denen sich die Mühe lohnte, war ein sehr befriedigendes Gefühl. Nur unverschämte Gören und Besserwisser konnte er auf den Tod nicht leiden. Ein allzu plump-vertraulicher Umgangston erfüllte ihn mit Horror. Insbesondere nach der unglaublichen Anschuldigung von Prof. Magnus während der Lehrerkonferenz. Prof. Snapes Gesicht verdüsterte sich. Undenkbar! Einfach absurd. Das waren Kinder, allenfalls Heranwachsende. Nie wäre ihm in den Sinn gekommen, gewisse Gedanken oder Gefühle in diese Richtung... - zu entwickeln. Natürlich war ihm die Veränderung der Mädchen in einer bestimmten Altersstufe, wie beispielsweise bei Helen Hyatt aufgefallen. Wie eine Katze, die an Wollknäulen ihre Jagdgeschicklichkeit trainiert, hatte sie den armen Greg Fuller in ihr Netz eingesponnen, hatte sich geschminkt und ihre sich herausbildenden weiblichen Formen zur Geltung gebracht, aber das waren doch nur Spiele eines pubertierenden Mädchens gewesen, die ein Erwachsener, noch dazu ein Lehrer, niemals ernst nehmen konnte. Allenfalls im Hinblick auf mögliche Störungen der Konzentrationsfähigkeit der betroffenen Jungen oder den Leistungsabfall der entsprechenen Schülerinnen. Weswegen er eingegriffen und Helen mit ein paar wohlgesetzten Worten zur Vernunft gebracht hatte. Zufrieden musterte er Helen. Sie trug wieder formlose Roben, verzichtete auf Make-up und widmete sich ihren Zukunftsplänen mit ihrer früheren Ernsthaftigkeit. Sie hatte - anders als so manches von den dümmlich kichernden Teenager-Mädchen - erkannt, worum es in dieser Phase ihres Lebens wirklich ging. Prof. Snapes Blick wanderte zu Helens weißem Nacken. Helen trug ihr Haar in einem kurzen Bob. Das Karottenrot versprach, sich in ein warmes rotblond zu verwandeln. Die marmorfarbene Säule ihres Halses zeigte bereits einen anmutigen fraulichen Ansatz... Wieder dachte Prof. Snape mit Abscheu an die hässliche Szene auf der Lehrerkonferenz. Auf keinen Fall durfte er Miss Hyatts Unverschämtheit zu Beginn der Stunde dulden! Sie hatte ihn angelächelt!!! Als würde sie ihn mögen oder als wären sie so etwas wie Freunde! Prof. Snape fröstelte plötzlich. Wie schützend verschränkte er wieder die Arme vor der Brust. Sein Verhalten musste mehr denn je über jeden Zweifel erhaben sein. Auch wenn die Vorstellung, er könnte in einer Schülerin mehr sehen, als schicklich war, absurd war. Er konnte es sich nicht leisten, seinen Ruf auf diese Weise zu verlieren. Es würde das Ende seiner Karriere in Hogwarts bedeuten.
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Mark hatte Recht behalten. Prof. Magnus unterrichtete zwar weiterhin Verteidigung gegen die dunklen Künste, doch als Helen den Unterrichtsraum betreten wollte, wurde sie von Prof. Magnus weggeschickt mit der Bemerkung, dass Prof. Snape sich fortan um ihre Ausbildung kümmern würde. Ihre Ausbildung und die der anderen kleinen Versager, die es vorzogen, sich von Prof. Snape unterrichten zu lassen, sei zum Glück nicht mehr seine Angelegenheit.
Die Gerüchteküche im Gemeinschaftsraum der Hufflepuffs brodelte. Eine lebhafte kleine Brünette aus dem vierten Jahr meldete sich gerade zu Wort, als Helen den Raum betrat.
"Es heißt, es sei zu einem Streit zwischen Prof. Magnus und Prof. Snape gekommen. Man sagt, es sei um eine Schülerin gegangen."
"Ja, das habe ich auch gehört. Und irgendwie soll es dabei um - naja", Betty Duke wurde plötzlich rot.
"Prof. Magnus soll mit einer Schülerin...?" Mirabelle Smythe, eine Schülerin aus dem 6. Jahr, riss die Augen weit auf.
"Oh, nein, nicht der. Prof. Snape soll beim Privatunterricht die Augen und Hände nicht bei sich behalten haben, wenn Ihr versteht, was ich meine", stellte Betty süffisant richig.
"Prof. Snape? Der hasst doch Mädchen", mischte sich eine andere Sechstklässlerin ein.
"Nun, vielleicht zieht er Jungs vor..."
"Igitt."
"Blödsinn, das ist alles Tarnung! Snape steht auf kleine Mädchen. Habt Ihr schon vergessen, wie Lou-Anne gestern reagiert hat, als wir sie fragten, wie die Strafarbeit bei Snape gewesen sei?" Betty blickte sich triumphierend im Kreis ihrer Freundinnen um.
"Ja, sie hat geweint und immer wieder gesagt, wie eklig es gewesen sei", stimmten diese ihr einhellig zu.
Helen konnte und wollte sich diesen Unsinn nicht weiter anhören. Scharf sah sie ihre ehemalige Freundin Betty an.
"Erstens wird Prof. Magnus die Schule verlassen und nicht Prof. Snape. Das spricht wohl gegen ein Fehlverhalten seitens Prof. Snape. Zweitens hat Lou-Anne nichts im Hinblick auf Tätlichkeiten gesagt und wir wissen fast alle, dass Prof. Snape mit Vorliebe eklige Aufgaben verteilt."
"Würdest Du so etwas zugeben? Ich meine, man kann doch nicht gerade stolz darauf sein, von ihm angefasst zu werden - einfach widerlich!"
"Außerdem bin ich davon überzeugt, dass die Strafarbeit gerechtfertigt war", fuhr Helen fort, Bettys letzten Einwand ignorierend. "Ich habe gehört, dass Lou-Anne beinahe das Labor in die Luft gesprengt hätte..."
"Snape überfordert uns alle. Er hätte diesen schwierigen Trank nicht in der 5. Klasse durchnehmen dürfen. So etwas ist unverantwortlich."
"Mag sein, dass er viel von uns verlangt. Aber er fasst bestimmt keine Schulmädchen an."
"Ach, was macht Dich zu solch einer Expertin?"
"Nun, ich selbst habe im letzten Jahr wöchentlich bei ihm Einzelunterricht gehabt, wie Du weißt und er hat nie etwas - getan."
"Vielleicht bist Du nicht sein Typ?"
Angewidert wandte
sich Helen ab. Sie warf dabei in einer unbewusst Snape'schen Geste die Hände
hoch. "Ich gehe jetzt in die Bibliothek und werde mich mit sinnvolleren Dingen
beschäftigen", sagte sie mit steifer Würde und verließ den Gemeinschaftsraum. Lächerlich, einfach absurd, dachte sie
dabei. Um welche Schülerin es wohl
gegangen und was wirklich vorgefallen war?
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Unterdessen bat Prof. Snape um eine private Unterredung mit dem Schulleiter. Dumbledore empfing ihn wie immer wohlwollend lächelnd. Es fiel Prof. Snape schwer, die Eingangsworte zu finden. Schließlich brach es aus ihm heraus.
"Ich kann das so nicht."
"Was können Sie nicht, Severus?"
"Ich kann nicht unterrichten, während diese hässlichen Gerüchte kursieren."
"Gerüchte?"
"Sagen Sie nicht, Sie hätten davon nichts mitbekommen, Sir."
"Prof. Magnus verlässt die Schule, weil er eine ungeheuerliche Anschuldigung ohne jeden Grund gegen Sie vorgebracht hat und ich solch ein Verhalten nicht dulden kann. Schließlich steht auch Hogwarts' Ruf auf dem Spiel. Niemand von uns schenkt diesem Gerücht Glauben, das kann ich Ihnen versichern."
"Niemand?" Prof. Snape lachte bitter auf. "Wissen Sie, Sir, es hat mir bisher nie etwas ausgemacht, wenn die Gespräche der Schüler verstummten, sobald ich einen Raum betrat oder wenn sie mir finstere Blicke in den Gängen oder auf dem Schulhof zuwarfen. Ich bin nicht hier, um beliebt zu sein, sondern um diesen Hohlköpfen etwas beizubringen. Aber es ist etwas völlig anderes, diesen boshaften, spekulativen Blicken zu begegnen. War ich mir früher sicher, dass es bei dem Getuschel um meine Strenge, angeblich ungerechtfertigte Strafen oder Punkteabzüge ging, so fehlte doch nie ein gewisser Respekt. Jetzt ist das anders. Hass und Abneigung kann ich ertragen - ich bin es schließlich gewohnt. Doch diese Verachtung, dieser Schmutz..." Prof. Snape verstummte und sah seinen Mentor gequält an.
"Mein lieber Junge... Solchem Gerede kann man nur entgegenwirken, indem man weitermacht wie bisher, das ganze einfach ignoriert. Denn wenn man darauf eingeht, verleiht man ihm eine ungesunde Bedeutung."
"Ich kann jedenfalls keinen Einzelunterricht mehr geben. Schon gar nicht, wenn es sich um ein Mädchen handelt."
"Wie wäre es mit einem Assistenten?"
"Es müsste jemand aus dem Lehrkörper sein, sonst gibt es noch - weitere - Gerüchte." Prof. Snape schloss kurz die Augen. Das Stichwort 'flotter Dreier' hatte sich ihm blitzartig aufgedrängt. War die Phantasie einmal angeregt, ließ sie sich nicht mehr aufhalten. Das Gift von Prof. Magnus tat stetig seine Wirkung, fraß sich tief in sein Herz, in seine Gedankenwelt, beschmutzte alles.
"Wem geben Sie denn zur Zeit Privatstunden?"
Bei dem Wort 'Privatstunden' zuckte Prof. Snape zusammen. Er glaubte den ekelhaften Tonfall von Prof. Magnus wieder zu hören. Dann zählte er eine Handvoll Schüler auf, darunter zwei Mädchen: Helen Hyatt in Verteidigung und Noelle Perkins in Zaubertränke. Sie einigten sich mangels Personal darauf, die Einzelstunden mit den Jungen unbeaufsichtigt zu lassen, da es sich ausschließlich um gut angesehene, beliebte Schüler handelte, die den Gerüchten keinerlei Nahrung geben würden, zumal es eher um das Thema Schulmädchen als Schuljungen ging. Den Unterricht für Noelle Perkins würde Prof. Snape auf Prof. Sprouts freie Stunden verlegen. Prof. Sprout war nun wirklich über jeden Verdacht erhaben.
"Was Miss Hyatt angeht, da liegt der Fall schon schwieriger", seufzte Prof. Snape. "Sie macht kleinste Fortschritte, so dass wir auf dem rechten Weg sind. Allerdings würde die Anwesenheit eines Beobachters sie verunsichern und das ist neben ihren langsamen Reflexen eigentlich ihr Hauptproblem. Ich wäre dafür, die Reflexe zu trainieren, sodass sie mehr Vertrauen in ihre eigenen Fähigkeiten aufbauen kann?" Fragend sah Prof. Snape den Schulleiter an.
Prof. Dumbledore strich sich bedächtig durch den Bart. "Würden vierzehntägige Übungsstunden ausreichen?"
"Gewiss. Wie gesagt, sie macht ja Fortschritte."
"Gut. Und sobald Miss Hyatt eine reale Chance hat, die Abschlussprüfung zu bestehen, könnte man ganz auf das zusätzliche Training verzichten."
Prof. Snape starrte gedankenverloren an Prof. Dumbledore ins Leere. Er hatte sich - soweit ihm das überhaupt möglich war - bis jetzt in Hogwarts wohlgefühlt und konnte sich mittlerweile nicht mehr vorstellen, in einem anderen Umfeld zu leben. Prof. Dumbledore's Stimme riss ihn aus diesen trüben Gedanken.
"Sehr schön. Und, Severus - wir stehen geschlossen hinter Ihnen, das sollten Sie wissen."
Prof. Snape nickte der Form halber, denn er war nicht davon überzeugt, Unterstützung bei seinen Kollegen zu finden, wenn es hart auf hart kam.
"Danke Sir." Hochaufgerichtet verließ er das Büro des Schulleiters.
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Trotz des hohen Lernaufkommens und den schier unendlichen Praktikumsstunden freute sich Helen auf ihr letztes Jahr in Hogwarts. Sie hatte ein Ziel vor Augen und sah gute Chancen, es zu erreichen. Der Schüler, der ihr im 6. Jahr Nachhilfeunterricht im Fach Verwandlung gegeben hatte, hatte Hogwarts mit Auszeichnung verlassen, sodass sie sich im neuen Jahr um einen Ersatznachhilfelehrer kümmern musste, wenn sie die angestrebte Note in Verwandlung erreichen wollte. Erstaunlicherweise bot ihr Linus seine Hilfe an. Er selbst hatte ein noch höheres Pensum als die anderen, weil er insgesamt 7 NEWT-Kurse belegt hatte. Wie wollte er da noch Zeit für Nachhilfeunterricht finden?
"Verwandlung ist mein schlechtestes Fach, nur E. Es ist eine gute Übung für mich, wenn ich Dir Nachhilfe gebe", lautete seine trockene Antwort auf diese Frage.
Selbst die ständige gnadenlose Kritik von Prof. Snape konnte ihren Optimismus nicht dämpfen. Helen bedauerte lediglich die Tatsache, dass sie nicht mehr wöchentlichen Einzelunterricht in Verteidigung gegen die dunklen Künste bekam. Auch verhielt sich Prof. Snape noch kälter und distanzierter als vorher. Er trug keine Muggel-Kleidung mehr, aber das war auch nicht mehr nötig, da sie ein schärferes Auge entwickelt hatte und Bewegungsabläufe auch unter Roben und Umhängen verborgen andeutungsweise erkennen konnte.
Solchermaßen verging die Zeit bis zum traditionellen Halloween-Ball wie im Fluge. Linus hatte Helen gebeten, ihn zu begleiten, während Greg sich mit Rafaela, in die er sich Hals über Kopf verliebt hatte, verabredete. Rafaela war erwartungsgemäß dem Haus Ravenclaw zugeteilt worden und hatte ihre ablehnende Haltung gegenüber Helen aufgegeben, da diese entgegen ihrer ursprünglichen Annahme keine Konkurrenz für sie darstellte. Fröhlich plaudernd standen sie mit anderen Freunden in einer Gruppe neben einer der Punsch-Schüsseln, als Prof. Snape den Saal betrat. Im Gegensatz zu den anderen Lehrern, die pünktlich zur Eröffnung des Balls erschienen waren und ihre besten, teils sehr farbenfrohen, Roben angezogen hatten, trug er schlichtes Schwarz. Helens Herz schlug Saltos. Er sah so unnahbar und geheimnisvoll aus! Doch Bettys nächste Worte zerstörten je ihr Hochgefühl.
"Da ist er ja, der Mädchengrabscher - dass er sich erdreistet, auf dem Ball zu erscheinen, wo doch jeder weiß..." tuschelte Betty Duke ihrer zur Zeit besten Freundin, Moira Brooks, aufgeregt zu.
"Ja", flüsterte diese zurück. "Einfach skandalös!"
"Wenn der mich zum Tanzen auffordern würde, müsste ich mich übergeben."
"Ich würde mich den ganzen Tag duschen, wenn er mir auch nur die Hand reichen würde."
Prof. Snape hatte inzwischen würdevoll die Halle durchquert, und ein Gespräch mit Prof. Dumbledore begonnen. Die Augen der Mädchen waren ihm missbilligend gefolgt.
"Was ich nicht verstehe, ist, dass Prof. Dumbledore zu ihm hält. Immerhin gefährdet dieses Monster den Ruf seiner Schule!"
"Ja. Das finde ich auch. Die arme Noelle Perkins darf dieser Wüstling nur noch in Gegenwart von Prof. Sprout unterrichten. Diese Vorsichtsmaßnahme hat man ja schließlich nicht umsonst getroffen, nicht wahr?"
"Nein, Du hast völlig Recht. Das ist ein klares Schuldeingeständnis. Warum wirft Prof. Dumbledore ihn nicht einfach 'raus?"
Unvermittelt richtete sich die Aufmerksamkeit der beiden Mädchen auf Helen.
"Du hast doch noch Einzelunterricht bei ihm...?"
Vor Empörung zitternd, öffnete Helen den Mund, um zu einer scharfen Erwiderung anzusetzen. In diesem Moment verkündete Prof. Dumbledore: "Damenwahl." Kurz entschlossen stellte Helen ihr Punsch-Glas ab, entschuldigte sich kurz bei Linus und ging zu Prof. Snape.
"Würden Sie mir die Ehre dieses Tanzes erweisen", fragte sie mit laut klopfendem Herzen. Sie war sich bewusst, dass alle Augen im Saal sie anstarrten. Prof. Snape blickte sie düster an. Helens Mund wurde trocken. Ihr war schlagartig klar geworden, dass Sie einen Fehler gemacht hatte. Prof. Dumbledore lächelte wie üblich wohlwollend.
"Das ist aber nett, Miss Hyatt", mischte er sich ein, bevor Prof. Snape ihr die rüde Abfuhr erteilen konnte, die offensichtlich auf seinen Lippen lag. "Gehen Sie ruhig ein wenig tanzen, Severus. Es tut nicht gut, immer nur am Rande zu stehen, wenn andere feiern", fügte er ruhig hinzu.
Prof. Snape gab sich sichtlich einen Ruck und führte Helen dann zur Tanzfläche. Helen wagte nicht, zu ihm aufzusehen. Seine Nähe raubte ihr den Atem. Ihre rechte Hand zitterte leicht in der seinen. Sie nahm das Getuschel, das den ganzen Saal erfüllte, nur noch am Rande wahr. Mit gesenktem Kopf wartete sie ab. Als seine andere Hand sich knapp unterhalb ihres linken Schulterblattes auf ihren Rücken legte, erfasste sie ein Schauer. Wie oft hatte sie sich dieses Gefühl in ihren kühnsten Träumen vorgestellt! Überwältigt und zaghaft zugleich legte sie ihre linke Hand auf seine Schulter. Seine Hände fühlten sich fest und warm an. Sie vermittelten Kompetenz und - Geborgenheit! Mit denselben fließenden Bewegungen, die sie schon während des Einzelunterrichtes in Verteidigung kennengelernt hatte, glitt er mit ihr in die Mitte des Saales, schwang sie in einer eleganten Drehung herum. Wie jemand so distanziert und doch so geschmeidig tanzen konnte! Bewundernd sah sie hoch. Und wäre ob der eisigen Miene ihres Zaubertränkelehrers beinahe ins Stolpern geraten. Seine Hände griffen fester zu und zwangen sie, ihm zu folgen, den Takt beizubehalten. Seine Miene drückte nun grimmige Entschlossenheit aus, nicht aufzufallen, sich keine Blöße zu geben. Schnell passte sie sich wieder seinen Bewegungen an. Mit einem Mal verstand sie die Intimität des Tanzens. Was ihr früher wie eine vergleichsweise harmlose Beschäftigung erschienen war, die unter Umständen die Möglichkeit bot, jemandem, den man schätzte, unverbindlich nahe sein zu können - in aller Unschuld natürlich - erwies sich nun als verwirrendes, beunruhigendes Erlebnis. Schmetterlinge tanzten in ihrem Bauch. Die Art, wie er sie hielt, wie er alles unter Kontrolle hatte, sagte einiges über ihn aus und ließ sie an andere, intimere Szenarien denken. Nun kribbelte ihr ganzer Körper. Mühsam widerstand sie der Versuchung, die Augen zu schließen und sich ganz ihren Gefühlen hinzugeben. Stattdessen fixierte sie einen Punkt über seiner rechten Schulter. Dann tanzten sie an Moira Brooks und einem ihrer zahllosen Verehrer vorbei. Das Paar glotzte herüber und plötzlich schämte sich Helen ihrer Phantasien. So, wie sie sich ihren Lehrer gerade vorgestellt hatte, so sahen ihn die anderen auch - nur mit einer hässlichen Komponente, die alles, was sie gerade empfand, in den Schmutz zog. Wieder mehrere schwungvolle Drehungen - ein Ruck ging durch Prof. Snapes Körper. Doch sie konnte nicht sehen, was ihn beinahe aus dem Takt gebracht hatte.
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Konzentriert steuerte Prof. Snape Helen durch die tanzende Menge. Niemand sollte ihm unschickliche Haltung oder Tölpelhaftigkeit vorwerfen können. Er tanzte zum ersten Mal in Hogwarts. Und wie er sich schwor, zum letzten Mal. Was hatte sich Miss Hyatt nur gedacht? Prof. Dumbledore schien das ganze als gute Möglichkeit zu sehen, Unschuld zu demonstrieren. Doch er war sich da nicht so sicher. Vermutlich würde man ihm unterstellen, einen ungebührlichen Einfluss hypnotischer Art auf seine Schülerin auszuüben, was sie letztendlich dazu bewogen hatte, ihn aufzufordern. Deutlich war er sich ihres Körpers in seinen Armen bewusst und er verachtete sich dafür. Wie leicht sie seinen Bewegungen folgte! Seltsam, dass sie sich bei Verteidigung gegen die dunklen Künste nicht geschickter anstellte... Offensichtlich war sie beim Tanzen entspannter. Im Gegensatz zu ihm. Er hatte dieses Gewisper, diese Blicke seitens Kollegen und Schülern so satt. Am liebsten hätte er das Mädchen auf der Tanzfläche stehen lassen und sich in seinen Kerker zurückgezogen. Wäre er doch gar nicht erst auf dem Ball erschienen. Doch Prof. Dumbledore war der Meinung gewesen, sein Fernbleiben wäre einem Schuldeingeständnis gleich gekommen. Dann entdeckte er Prof. Magnus, der die Tanzenden mit gelangweilter Miene beobachtete. Ihre Blicke trafen sich. Prof. Magnus verzog seinen Mund zu einem süffisanten Lächeln. Prof. Snape erstarrte für den Bruchteil einer Sekunde. Kalt und unbewegt erwiderte er schließlich den Blick seines Feindes. Endlich war der Tanz zu Ende. Prof. Snape begleitete Helen an ihren Platz zurück. Er verbeugte sich äußerst knapp und nahm seinen Platz an der Seite von Prof. Dumbledore wieder ein.
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Trotzig blickte Helen in die neugierigen Gesichter ihrer Schulkameraden. Nachdem sich Prof. Snape außer Hörweite begeben hatte, brachen diese in wildes Getuschel aus, überschütteten sie mit Fragen.
"Wie konntest Du diesen Widerling nur auffordern?"
"Waren seine Hände kalt und schmierig wie seine Haare?"
"Was war das für ein Gefühl, ihm so nahe zu sein?"
Wundervoll, Ihr blöden Gänse, ihr Ignoranten! Hätte Helen ihnen am liebsten entgegengeschleudert. "Ich habe ihn aufgefordert, weil ich diesen dummen Gerüchten keinen Glauben schenke. Prof. Snape hat erwartungsgemäß weder gegrabscht noch in irgendeiner Form die Schicklichkeit verletzt. Er ist übrigens ein hervorragender Tänzer", sagte sie stattdessen voll beherrschter Kälte, die Prof. Snape alle Ehre gemacht hätte.
An Linus gewandt fuhr sie fort: "Wollen wir tanzen?"
Einer Bitte, der Linus gern nachkam. Er hielt auch nicht viel von dem Getratsche.
Helen hatte in den darauffolgenden Wochen bis Weihnachten keine Zeit mehr für Tagebucheinträge oder Grübeleien und das war auch gut so. Prof. Snape wirkte wie eine Droge auf sie. An den Tagen, an denen sie ihn nicht sah, hatte sie regelrecht Entzugserscheinungen. Sie konnte weder richtig essen noch schlafen. Glücklicherweise schrieb ihre Umwelt diesen Zustand der langsam wachsenden Prüfungsnervosität zu, die mittlerweile alle - bis auf Linus - erfasst hatte. Selbst Greg, der Rafaela um ihre Hand gebeten hatte und zu seiner überschäumenden Freude von ihr erhört worden war, konnte dieses Glück nicht recht genießen, denn auch ihn hatte der Lernstress gepackt. Es ging um die Zukunft, das war auch den leichtfertigeren Schülern inzwischen klar geworden. Viele schrieben bereits Bewerbungen an die Lehrmeister oder Institutionen, an denen sie ihre Berufsausbildung abschließen wollten, denn weiterführende Universitäten, wie sie Muggles kennen, gab es in der Zaubererwelt nicht. Um in St. Mungo's angenommen zu werden, musste Helen in den Disziplinen Verwandlung und Zaubersprüche je eine Note weiter nach oben kommen, um ihr unabänderliches A in dem Fach Verteidigung gegen die dunklen Künste auszugleichen. St. Matthew's war ihre zweite Wahl. Sicherheitshalber bewarb sie sich auch dort.
Unterdessen hatte die Gerüchteküche um Prof. Snape ihren Siedepunkt erreicht. Lou-Annes Eltern hatten von dem Gerede Wind bekommen und drohten nun, ihre Tochter von der Schule zu nehmen und Prof. Dumbledore persönlich zur Rechenschaft zu ziehen. So wurde eines abends Lou-Anne in das Büro des Schulleiters bestellt und mit Hilfe des Denkariums zu der umstrittenen Strafarbeit im Beisein ihrer Eltern von Prof. Dumbledore und Prof. Sprout befragt. Die Eltern reisten noch am selben Abend wieder ab, Lou-Anne kehrte still in den Gemeinschaftsraum zurück und wiederholte auf alle Fragen nur eine Aussage: "Das stimmt alles nicht. Lasst mich endlich in Ruhe."
Kurz nach den Weihnachtsferien bestellte Prof. Snape Helen eines Abends zu sich. Nicht mehr so ängstlich wie früher klopfte sie an seine Tür. Wie üblich saß Prof. Snape über einem Stapel zu korrigierender Arbeiten. Mit einer knappen Geste wies er auf den Stuhl vor seinem Schreibtisch.
"Miss Hyatt, ich habe Sie heute hierher bestellt, um Ihnen mitzuteilen, dass es keinen weiteren Einzelunterricht in Verteidigung gegen die dunklen Künste mehr geben wird."
Es durchfuhr Helen wie ein schneidender Schmerz.
"Aber wieso",
krächzte sie mühsam. Was hatte sie falsch
gemacht?!
"Ganz einfach. Sie beherrschen jetzt alles, was Sie jemals in dieser Disziplin erreichen können."
Da war sie wieder, die Andeutung eines Lächelns. Helen war sich absolut sicher.
"Sie sind eben nicht der sportliche Typ", fuhr Prof. Snape fort.
"Aber..."
"Seien Sie versichert, dass Ihnen das nicht zum Nachteil gereichen wird. Theorie und Praxis werden im Abschlussjahr getrennt bewertet. Wenn die Noten in den anderen Fächern stimmen, dann könnten Sie sogar in St. Mungo's aufgenommen werden."
"Sir..."
"Das wollte ich Ihnen nur persönlich sagen. Und jetzt habe ich noch zu tun."
Prof. Snape beugte sich angelegentlich über seine Arbeit. Helen war offensichtlich wieder einmal entlassen.
"Danke, Sir", murmelte sie und schlich niedergeschlagen hinaus. Hatte sie ihn vielleicht doch verärgert? Vermutlich hätte ich ihn nicht auf dem Halloweenball zum Tanzen auffordern sollen, als Damenwahl angesagt wurde, aber ich wollte in aller Öffentlichkeit zeigen, dass ich dem ganzen Gere