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19. Kapitel
„Nehmen Sie Platz Hermine“, sagte die Direktorin freundlich. „Ich hoffe, Sie hatten einen angenehmen Aufenthalt bei Ihren Eltern und Zeit nachzudenken?“ Dabei glitten ihre Augen verwundert über Hermines neues Outfit.
„Möchten Sie eine ehrliche Antwort, Professor?“
Minerva zögerte. „Hermine, ich möchte sogar darum bitten, das Sie offen zu mir sind.“
„Gut“, auch Hermine ließ sich Zeit mit der Erwiderung. „Zur ersten Frage: Nein, ich hatte Dank Ihres offenbar schonungslos formuliertem Briefes, keinen angenehmen Aufenthalt bei meinen Eltern und momentan kann ich mir auch überhaupt nicht vorstellen, jemals wieder dort hin zu wollen. Und zum anderen, ja, ich habe nachgedacht. Über vieles. Ich gebe zu, dass mein Verhalten Professor Snape gegenüber nicht korrekt war. Von daher war eine Strafe angemessen. Doch ich stehe weiterhin auf dem Standpunkt, dass diese ganze Angelegenheit eine Sache zwischen mir und dem Professor ist.“
„Miss Granger“, der Ton der Schulleiterin gewann deutlich an Schärfe, „ich fürchte, dass ich Sie an dieser Stelle berichtigen muss. Es ist nicht an Ihnen zu entscheiden, was hier Recht und Unrecht zwischen Schüler und Lehrer ist. Es gibt eine Schulordnung die verschiedenes vorgibt und regelt. Und meine Aufgabe als Direktorin ist es, ein Auge darauf zu haben, dass die Schulordnung eingehalten wird.“
„Dann sprechen wir nach wie vor zwei verschiedene Sprachen.“ Hermine wollte eigentlich nicht gleich am ersten Tag im Schloss Ärger mit ihrer Hauslehrerin haben, doch sie war gewillt an ihrem Standpunkt fest zu halten.
Professor McGonagall war auf Grund der Hartnäckigkeit ihrer besten Schülerin für ein paar Minuten sprachlos. Ungläubig schüttelte sie ihren Kopf, kramte während dessen umständlich in ihrer Schublade herum und entnahm dieser den verwahrten Zauberstab Hermines.
„Ich muss gestehen enttäuscht zu sein, Hermine“, sagte sie leise. „Ich hatte gehofft, dass Sie sich einsichtig wieder hier einfinden würden. Egal wie viele Differenzen zwischen Ihnen und Severus bestehen mögen, ich erwarte nicht nur, sondern ich verlange, dass Sie sich in Zukunft an meine Weisungen halten. Wissen Sie Hermine, ich mochte Sie immer und ich schätze Sie sehr, von daher würde ich Sie nur sehr ungerne auf Dauer von dieser Schule fern halten wollen. Ich hoffe, Sie haben mich verstanden. Hier“, damit reichte sie Hermine den Zauberstab, „nehmen Sie ihn und passen Sie besser auf, welchen Zauber Sie damit ausführen.“
Wortlos, fast andächtig nahm Hermine ihr geliebtes Hölzchen entgegen und presste es an sich.
„Ich habe ihre Worte zur Kenntnis genommen, Professor“, erwiderte Hermine steif. „Die Aufzeichnungen zu Ihrem Fach werde ich Ihnen erst Morgen geben können, da ich noch alles sortieren muss. Darf ich jetzt in mein Zimmer gehen?“
„Ja, gehen Sie, Hermine…und denken Sie noch einmal in Ruhe über alles nach. Verbauen Sie sich nicht Ihre Zukunft. Es wäre sehr schade um solch eine begabte Schülerin.“
Noch lange nachdem Hermine das Schulleiterbüro verlassen hatte, saß Minerva McGonagall wie gelähmt in ihrem Sessel und grübelte. Sie hatte beide trennen wollen, damit sie zur Einsicht gelangten. Doch weder Hermine, noch Severus schienen das Geringste eingesehen zu haben. Beide beharrten nach wie vor auf ihrem Standpunkt. Was würde nur geschehen, wenn diese Sturköpfe wieder aufeinander trafen? Nicht auszudenken, was da noch alles geschehen konnte. Ging dasselbe Theater nun wieder von vorn los? Hatte sie nicht beiden ganz deutlich zu verstehen gegeben, dass sie im Ausnahmefall auch die Notbremse zu ziehen gedachte? Was sollte sie denn noch tun? Einfach zusehen, wie sich beide das Leben schwer machten, sich gegenseitig verletzten und selbst in der Öffentlichkeit ihre Streitigkeiten austrugen?
Es wollte sich in Minervas Kopf einfach keine geeignete Strategie zum Einhalt gebieten festsetzen. Bislang hatte sie geredet, verwarnt, gedroht, Strafen ausgesprochen. Alles nur mit mäßigem Erfolg. Wie es schien, stieß sie bei der Schülerin und dem Lehrer, die sich auch noch gegenseitig Gefühle entgegen brachten, aber gleichzeitig mit allem was zur Verfügung stand aneinander rächten, an ihre Grenzen. Von ihrer letzten Option, beide von der Schule zu werfen, wollte sie unter keinen Umständen Gebrauch machen, aber dennoch war das Maß voll. Die beiden schrien geradezu nach schwer wiegenden Sanktionen.
Minerva musste sich überwinden die liegen gebliebenen Arbeiten auf ihrem Schreibtisch in Angriff zu nehmen…und sie dachte voller Sorgen an die vor ihr liegenden Tage des bestehenden Schuljahres.
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„Hermine, warte mal einen Moment“, rief Harry ihr hinterher. Hermine schloss kurz ihre Augen und drehte sich dann ganz langsam um. Sie hätte es sich denken können. Harry und Ron! Toll! Eigentlich hatte sie zügig durch den Gemeinschaftsraum eilen und in ihrem Zimmer verschwinden wollen.
„Hey, du bist wieder da“, meinte Ron und vergrub dabei nervös seine Hände in den Hosentaschen.
„Ja, da bin ich wieder“, Hermine spürte eine Spur von Aggressivität in sich aufsteigen, „wollt ihr mir jetzt ganz behutsam erklären, dass euch die Tinte zur Neige gegangen ist? Oder war das Pergament alle? Oder sind alle Eulen auf einen Schlag krank geworden und von der Stange gefallen?“
„Ähm“, Harry und Ron traten unsicher von einem Bein auf das andere. Harry räusperte sich: „Wir wussten ehrlich gesagt nicht, was wir dir nach deiner Antwort noch schreiben sollten. Du klangst ein bisschen abweisend.“
„So, ich klang also abweisend.“ Hermine musste an sich halten, um die beiden nicht laut anzuschreien. Sie versuchte so ruhig wie möglich zu bleiben: „Ich habe mich nur gefragt, warum ich erst nach über einer Woche Post bekommen habe. Stress lasse ich hierbei übrigens nicht gelten. Fünf Minuten Zeit wären ja wohl auch eher aufzubringen gewesen.“
„Du hättest ja auch schreiben können“, murmelte Ron, worauf Hermine dann doch der Kragen platzte: „Hätte ich nicht Ronald Weasley!“, schrie sie, „wie hätte ich das tun sollen? Denkst du auch nur einmal nach bevor du sprichst? War ich jemals im Besitz einer Eule?“
„Nun mach mal einen Punkt!“, mischte sich Harry verärgert ein, doch Hermine fuhr daraufhin ihn in unverminderter Lautstärke an: „Nein, Harry Potter, ich werde weder einen Punkt noch ein Komma machen. Ich habe die Schnauze gestrichen voll. Ihr beiden kotzt mich echt an!“
Dann stürmte sie ohne ein weiteres Wort die Treppen zu ihrem Zimmer empor, hörte aber noch, wie Harry ihr hinterher rief: „Schön, dann sind wir eben wieder bei dem alten Punkt. Du brauchst uns nicht. Dann sieh zu, wie du klar kommst, Hermine Granger!“
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Die ganze Nacht über sortierte Hermine ihre Unterlagen oder lief ziellos in ihrem Zimmer umher. Schlaf fand sie keinen; so oft sie es auch versuchte. Immer wieder hatte sie Severus Augen vor sich, ein ums andere Mal verfluchte sie sich dafür, Harry und Ron vor den Kopf gestoßen zu haben und permanent hatte sie Professor McGonagalls Warnung in den Ohren. Nun war sie zwar wieder in Hogwarts, einem Ort, der ihr vom ersten Tag an ein Zuhause geboten hatte, an den sie sich die ganzen letzten vier Wochen lang gewünscht hatte zu sein, doch ihre Probleme ließen sie wohl auch hier nicht im Stich. Voller Verzweiflung hob sie ihren Zauberstab und ließ wahllos alle möglichen Dinge durch den Raum schweben. Es tat gut, sich wieder wie eine richtige Hexe zu fühlen. Wenigstens dies gelang ihr noch. Seufzend trat sie ans Fenster und blickte mit flauem Gefühl im Magen in die Morgendämmerung hinein. Mit rötlichem Schein erstreckte sich diese über die Ländereien Hogwarts und riss alles besitzergreifend an sich.
Zwei Stunden später war Hermine völlig übermüdet auf dem Weg zum Wasserspeier. Unterm Arm trug sie mehrere dicke Rollen beschriebenen Pergaments. Sie hatte keine Ahnung, ob sie nun jedem Lehrer einzeln ihre Ausarbeitungen übereichen sollte, oder ob die Direktorin alles verteilen wollte. Von daher hatte sie sich entschlossen alles im Schulleiterbüro abzuliefern. Sollte sich Professor McGonagall darum kümmern.
Wie es der Zufall wollte, kam die Direktorin gerade die Stufen hinunter.
“Guten Morgen, Miss Granger, wollten Sie zu mir?“
„Ja, ich sagte doch gestern, dass ich Ihnen heute alles überreichen werde. Bitte schön, hier sind meine gesammelten Werke. Leider war es mir nicht möglich alles in der Sorgfalt niederzuschreiben, wie Sie es sonst von mir gewohnt sind. Doch mangels Zauberstab konnte ich bestimmte Passagen nicht löschen und musste stattdessen wie ein Muggel kreuz und quer darin herum streichen. Doch dürfte dies dem Inhalt nicht geschadet haben. Es sieht eben nur etwas unordentlich aus.“
Mit gekräuselten Lippen nahm McGonagall das Bündel entgegen. In ihr arbeitete es. Hermine Granger schaffte es auf Anhieb aus einem fröhlichen Morgen einen verstimmten Morgen zu schaffen. Sie konnte sich nicht helfen, aber irgendwie hatte ihre Lieblingsschülerin schon wieder einmal etwas Provozierendes an sich.
„Schön, Miss Granger, ich werde Ihre Arbeiten weiter leiten“, raunte McGonagall kühl, „scheren Sie sich nun zum Unterricht.“
„Um 7.20 Uhr schon?“, fragte Hermine betont verwundert, „eigentlich wollte ich zuvor noch zum Frühstück. Aber wenn Sie meinen…“
„Dann gehen Sie verdammt noch mal zum Frühstück, und…“, McGonagall schnaufte, „treiben Sie es nicht auf die Spitze, Miss Granger!“
Die gaffenden Blicke der Mitschüler ließen Hermine kalt. Sollten die doch starren wohin sie wollten. Ihre Müdigkeit machte ihr da viel mehr zu schaffen. Den Unterricht bis zum Mittag brachte Hermine mit Ach und Krach irgendwie hinter sich. Ständig musste sie ein Gähnen unterdrücken, es fiel ihr schwer sich zu konzentrieren. Vielleicht sollte sie sich von der Krankenstation ein Schlafmittel für die kommende Nacht besorgen? War bestimmt besser, sie erledigte das gleich. Auf dem Weg zum Krankenflügel stand ihr allerdings mit einem Mal Snape gegenüber.
Sie erschrak über seine so plötzliche Anwesenheit und konnte sich augenblicklich nicht mehr rühren. Ihr Blick hing wie gebannt an seinen Augen, die sie eingehend und besorgt musterten.
„Wie geht es Dir?“, flüsterte er nach einer Weile.
„Ich…ähm“, stammelte Hermine, „nun, es gehen mir so viele Dinge gleichzeitig durch den Kopf…ich weiß es selbst nicht so recht.“
„Du siehst blass aus“, hauchte Snape und streckte seine Hand nach ihrem Gesicht aus. So gerne Hermine dies auch zugelassen hätte, so sehr sie sich auch danach gesehnt hatte, sie konnte nicht verhindern, dass sich in ihrem Kopf die Bilder ihres letzten Zusammentreffens schlagartig manifestierten. Sie sah sich plötzlich wieder auf dem Tisch liegen, fühlte sich benutzt und im Stich gelassen.
„Finger weg!“, fauchte sie aus einer Hilflosigkeit heraus, schlug die Hand fort und ergriff hastig die Flucht. Snape sah ihr bedauernd hinterher.
Nach der Mittagspause konnte sich Hermine erst recht nicht mehr auf den Unterricht konzentrieren. Nun kämpfte sie nicht nur gegen ständig zufallende Augen, sondern auch mit der Vorstellung Severus für immer verschreckt zu haben. Warum hatte sie die Berührung auch nicht zulassen können? Er hatte doch nicht umsonst so sanft mit ihr gesprochen. Sollte er bei diesem besorgten Blick doch etwas für sie empfinden? Mehr als nur die Bedürfnisbefriedigung suchen? Sie hoffte es so sehr. Mal sehen, was der morgige Tag brachte. Immerhin stand für den kommenden Tag Zaubertränke auf dem Stundenplan. Dann war sie für 90 Minuten in seiner unmittelbaren Umgebung. Schon beim bloßen Gedanken daran verkrampfte sich ihr Magen sehr unangenehm. Oh Gott, würde sie es schaffen ihn nicht die ganze Zeit anzustarren und sich damit verdächtig zu machen? Sie wusste es nicht, momentan wollte sie nur noch in ihr Bett und schlafen. Vorher würde sie sich aber bei Poppy doch noch etwas zum Schlafen holen, denn irgendwann musste sie schließlich wieder in den normalen Alltag hinein finden. Erst recht da sie morgen in Severus Unterricht saß.
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Ausgeschlafen räkelte sich Hermine am nächsten Tag aus dem Bett. Der Trank Poppys hatte Wunder bewirkt. Wie gut, dass sie noch mal zur Krankenstation gegangen war.
So, nun hieß es aber schnell unter die Dusche gehen und beschwingt in den neuen Tag zu starten. Immerhin stand heute eines der Lieblingsfächer auf dem Stundenplan: Zaubertränke. Zwei Stunden bei Severus. Hermine war jetzt schon aufgeregt, dabei musste sie sich doch noch bis zum frühen Nachmittag gedulden. Kurz fiel ihr die Szene vom Vortag ein. Hatte er wirklich seine Hand nach ihr ausgetreckt? Ja, er hatte! Er hatte es definitiv getan! Wow! Hermine drehte sich ein paar Mal um sich selbst. Sie wusste auch nicht woher sie so plötzlich die gute Laune nahm, denn eigentlich gab es in ihrem Leben momentan nicht all zu viel zu lachen. Lag es daran, dass sie endlich mal wieder hatte durchschlafen können? Oder an dem Umstand, dass Severus gestern wirklich besorgt um sie zu sein schien? Schön, wenn es so wäre. Verzeihen wollte sie ihm mit Sicherheit aber nicht so schnell…ein bisschen würde er noch zappeln müssen.
Die Tasche war schnell gepackt und eins zwei, drei saß sie auch schon am Frühstückstisch, spurtete anschließend in den Unterricht, erfreute sich am Lehrstoff wie zu alten Zeiten…und überraschte damit nicht nur ihre Mitschüler, sondern auch die Lehrer. Mehr als einmal warf man ihr merkwürdige Blicke zu. Sie ignorierte diese. Wenn ihre Mitmenschen nicht damit klar kamen, dass sie von einem Tag auf den anderen wieder mit Interesse und Ehrgeiz im Unterricht saß, war das deren Sache.
Und dann war die Mittagspause heran. Hermines Euphorie war angesichts der Tatsache, dass es gleich ernst werden würde und dem Umstand, dass man ganz offen über sie tratschte etwas gedämpft. Selbst die Angelegenheit mit ihren verunstalteten Haaren hatte man leider noch längst nicht vergessen. Dazu kam noch das äußerst distanzierte Verhalten von Harry.
Es war eben doch nicht so einfach wie angenommen, allen Trubel um einen herum auszuschalten und an sich abprallen zu lassen. Hermine tat zwar so, als ginge sie das alles nichts an, doch taub war sie nicht. Jede einzelne vernommene Lästerei war wie ein Nadelstich in ihre Haut. Doch sie würde sich nicht klein kriegen lassen. Von niemandem! Weder von der Direktorin, noch von ihren Mitschülern…noch von Severus!
Ganz hinten, allein auf weiter Flur saß sie nun und wartete auf den Meister aller Tränke. Und als er dann kam und ihr einen kurzen, aber durchdringenden Blick zuwarf, wäre sie am liebsten sofort zu ihm gegangen und hätte sich von ihm in den Arm nehmen und trösten lassen. Sie versuchte zwar stark zu sein, doch sie sehnte sich so sehr danach ein wenig Wärme und Zuwendung zu erfahren. Diese ständige Ablehnung von allen Seiten her, war inzwischen mehr als sie noch länger ertragen konnte. Daher setzte sie, obwohl sie sich bei ihren Eltern noch fest vorgenommen hatte Severus wissen zu lassen, dass er sie sehr verletzt hatte, nun alle Hoffnungen in ihn.
Und dann sah er sie die ganze Stunde über nicht einmal an. Nur der kurze Blick, als er die Klasse betreten hatte! Das war alles. Er ignorierte sie nun komplett. Zweimal meldete sie sich, zweimal übersah er sie. Hermine wusste langsam nicht mehr ein und aus. War die gestrige Besorgnis in seinen Augen nur eine einzige Einbildung gewesen? Das konnte, das durfte doch wohl nicht sein. Hermine schluckte schwer. Er blickte nicht in ihren Kessel, er wollte nicht wissen, was sie zum Unterricht beitragen wollte; sie schien für ihn nicht länger anwesend zu sein.
Zum Ende der Stunde hin war ihr schlecht. Darauf hatte sie sich nun gefreut! Mit zitternden Händen packte sie alles in ihre Tasche und wollte schon enttäuscht gehen, da erklang seine kalte, von allen Schülern gefürchtete Stimme: „Granger, wo wollen Sie hin? Nachdem Sie sich nun schon für mehrere Wochen vom Unterricht haben frei stellen lassen, werden Sie doch wohl die Güte haben, noch ein wenig hier zu verweilen, um mich von Ihren Fortschritten im Selbststudium zu überzeugen. Sehen Sie zu, dass sie zügig nach vorn kommen!“
20. Kapitel
Der Ton macht die Musik, dachte Hermine bitter. Und DIESER Ton gefiel ihr überhaupt nicht. Wenn er wirklich etwas für sie empfinden würde, hätte er sich auch freundlicher ausdrücken können. Hermines Vorstellungen von in den Arm genommen und getröstet werden fielen augenblicklich wie ein Kartenhaus in sich zusammen. Mit fest aufeinander gepressten Lippen ging sie langsam nach vorn. Abwartend und mit allen Bösartigkeiten rechnend stand sie vor ihm. Ihr Blick war auf den Boden geheftet. Sie mochte ihn jetzt nicht ansehen. Eine halbe Ewigkeit wartete sie darauf, dass er sein genaues Anliegen vortrug, doch er sagte nichts. Nervös geworden schaute sie auf und da war er wieder, der besorgte Blick. Alles in ihr zog sich schlagartig zusammen. Seine Augen bohrten sich geradezu in ihre. Unerbittlich. Überfallartig. Betörend und quälend zugleich. Ihre Lippen bebten vor der Angst vor dem Ungewissen. Snape stand einfach nur vor ihr und sah sie an. Irgendwann hielt sie es einfach nicht länger aus und rannte Hals über Kopf Richtung Ausgang.
„Ja, ich war wütend auf dich, ich wollte dich bestrafen…doch gleichzeitig habe ich dich so sehr begehrt“, rief er ihr leise hinterher.
Seine Worte ließen sie inne halten. Auf halbem Wege zur Tür, stützte sie sich an der Wand ab. Ihr Atem ging schwer nach diesem Geständnis. Er hatte sie begehrt! Tränen stiegen in ihr auf. Dieser verdammte Mistkerl hatte sie begehrt. Ja, sie erinnerte sich gut daran, wie er sie begehrt hatte. Begehrt und dann fallen gelassen!
„Hermine, ich wünschte, ich könnte es ungeschehen machen. Ich kann es nicht. Ich wünschte, ich könnte es bedauern mit dir geschlafen zu haben. Auch das kann ich nicht.“
Er klang so verzweifelt. Niemals hätte sie ihm zugetraut, solche Gefühle in seiner Stimme mitklingen zu lassen. Sie war verwirrt. Und doch konnte sie nicht so einfach über alles hinweg sehen. Vorhin wollte sie nichts lieber als in seinen Armen zu liegen. Nun hatte sie, obwohl die Chancen nicht schlecht standen, Zweifel. Vorsichtig drehte sie sich um. Snape bot einen erschütternden Anblick. Nichts erinnerte mehr an den strengen Lehrer der letzten Unterrichtsstunde. Nichts. Traurig stand er vor seinem Pult und schaute zu ihr hinüber. In seinem Blick schwang wieder diese Melancholie mit, die sie schon unten am See in seinen Augen hatte ersehen können. Als sie auf ihm lag und sich nicht hatte befreien können. Was wollte er jetzt von ihr? Wie würde er reagieren, wenn sie einen Schritt in seine Richtung tat?
Unschlüssig verharrte Hermine auf der Stelle. Und wieder starrten sie sich einfach nur an. Keiner wusste wie weit er gehen konnte. Snape wollte nichts Falsches tun…und Hermine ebenso wenig.
„Hermine“, begann Snape vorsichtig, „ich weiß, dass ich dich verletzt habe. Ich habe keine Ahnung, was an diesem Abend in mich gefahren ist. Du hattest Recht, eine gewisse Sympathie besteht zwischen uns…“
„Und trotzdem hast du mich wie ein Stück Dreck behandelt“, erwiderte Hermine anklagend.
„Ich weiß“, erwiderte er gequält und steckte eine Hand nach ihr aus. Eine Geste, mit der er ihr zeigen wollte, dass er es ernst meinte, dass sie zu ihm kommen sollte, dass er sie um Verzeihung bitten wollte. Doch Hermine war hin und her gerissen. Wenn er sie im Unterricht bloß nicht so ignoriert hätte, dann könnte sie vielleicht darauf eingehen…
Snape deutete ihr Zögern umgehend für sich. Er fühlte sich zurückgewiesen, und machte auf seine Weise darauf aufmerksam. Seine Stimmung schlug um.
„Du machst wohl niemals einen Fehler, oder?“, schnarrte er herab lassend und setzte seine alte unergründliche Maske auf. „Miss Granger ist immer perfekt. Miss Granger muss man wohl auf allen Vieren um Verzeihung bitten. Aber das meine Liebe kannst du dir abschminken!“
Die Übelkeit erreichte bei Hermine einen neuen Höhepunkt.
„Oh doch, ich mache Fehler. Und lassen Sie sich eines gesagt sein, Professor Snape, ich habe die vier Wochen bei meinen Eltern für diesen Fehler, mich jemals auf Sie eingelassen zu haben, teuer bezahlt.“
„Ach ja?“, Snape betrachtete sie von oben bis unten mit spöttischem Blick. „Und als Ausdruck dessen tragen Sie nun schwarz?“
Hermine war ohnmächtig vor Wut und seinem plötzlichen Sinneswandel. „Sie raffen es einfach nicht, Sir“, presste sie mit erstickter Stimme hervor, „an meinen Gefühlen zu Ihnen hat sich doch nichts geändert. Gleichzeitig verdamme ich Sie, Snape! Ich habe versucht, Sie aus meinen Gedanken zu streichen. Ich habe es versucht, doch egal was Sie auch für ein Mistkerl sein mögen, Sie sind immer noch da. Es macht mich fertig, es macht mich kaputt. Trotz allem habe ich mich darauf gefreut heute in Ihrem Unterricht zu sitzen, doch ich wurde komplett ignoriert. Was habe ich Ihnen getan, dass Sie so mit mir umspringen?“
Snape schluckte, in ihm tobte ein Meer an Gefühlen, was aus der gesamten Palette von Wut, Sehnsucht, Zuneigung und Ängsten bestand.
„Reicht Ihnen als Stichpunkt Vogelattacke aus?“, fragte er schwach.
„Haben Sie jemals darüber nachgedacht, wie es dazu kommen konnte?“, fragte Hermine traurig. „Glauben Sie ernsthaft, dass es mir Spaß macht, den Mann den ich liebe lächerlich zu machen? Ich sehe schon, Sie verstehen es nicht, aber dann kann ich Ihnen auch nicht weiter helfen, Professor.“
Hermine erreichte wankend die Tür. Die Hand schon auf der Türklinke, drehte sie sich noch einmal um…und was sie sah, zerriss ihr fast das Herz.
Snape lehnte ihr den Rücken zugewandt an einem der Schülerpulte. Die Beine weit von sich gestreckt, die Hände auf dem Tisch abgestützt. Seine Schultern hingen schlaff herab, der Kopf war ihm auf die Brust gesunken. Umgehend wusste sie, dass er es sich alles andere als einfach machte. Eben wollte sie noch endgültig gehen, doch nun konnte sie es nicht. Tief durchatmend und sich selbst tausendmal dafür verfluchend trat sie näher. So nahe, bis sie dicht vor ihm stand. Es dauerte, bis er den Kopf hob und sie mit verdächtig glänzenden Augen ansah. Hermine hätte jetzt sonstwas dafür gegeben, wenn er nochmals seine Arme ausgebreitet und ihr damit zu verstehen gegeben hätte, dass er ihr Trost spenden wollte. Seine Arme blieben wo sie waren, nur der stechende, traurige Blick ruhte auf ihr.
Hermine hatte Angst. Angst davor, abgewiesen und mit einer Gemeinheit bedacht zu werden. Nicht anders erging es Snape. Minuten, die sich wie Stunden anfühlten, vergingen. Beider Augenpaare ruhten aufeinander. Je mehr Zeit verging, desto sicherer wusste Hermine, dass er nicht nochmals eine einladende Geste tun würde. Nein, er wartete nun auf ein Entgegenkommen ihrerseits. Langsam, ganz langsam streckte sie eine Hand nach ihm aus. Wie in Zeitlupe nähert sich ihre Hand seinem Arm…und als sie ihn endlich erreichte, ging ein Ruck durch Snapes Körper. So gewaltig, dass sie auf der Stelle erschauderte und einen Schritt rückwärts tat. Beide atmeten heftig. Hermine schloss für einen Moment die Augen und war anschließend gewillt, alles auf eine Karte zu setzen. Zögernd schritt sie wiederum auf Snape zu und streckte ihre Arme bittend aus. Nur eine Sekunde später hatte sie Gewissheit das Richtige getan zu haben. Snape riss sie stürmisch an sich, er presste sein Gesicht in ihre Haare hinein, er seufzte an ihrem Ohr, er umklammerte sie so fest, als ginge es um Leben und Tod.
Im Strudel der Gefühle gefangen drängten sie sich aneinander als wäre es das Letzte was sie
in ihrem Leben tun würden.
Es tat so gut, es entschädigte für so vieles. Hermine genoss die Umarmung in vollen Zügen, sie ließ ihre Seele baumeln, sie fühlte sich so unbeschwert, all der Kummer der vergangenen Wochen fiel von ihr ab.
„Severus…“, flüsterte sie, „ich bekomme keine Luft mehr.“
„Das kann ich unmöglich zulassen“, murmelte er an ihrem Ohr, lockerte den Griff und ließ anschließend seine Lippen an ihrem Hals auf und ab wandern.
Ohne Frage, Hermine konnte sich in diesem Moment nichts Schöneres vorstellen, doch so richtig konnte sie sich auch nicht darauf einlassen. Die Angst, jeden Moment wieder weg gestoßen zu werden war vorhanden. Misstrauen bahnte sich eindeutig einen Weg an die Oberfläche. Snape blieb dies nicht verborgen.
„Was ist nun wieder los?“ Abschätzend musterte er sie.
„Ich habe Angst“, antwortete Hermine ehrlich.
„Warum?“ Snape war irritiert und schob sie ein Stück von sich. „Wovor hast du Angst? Vor mir?“
Hermine räusperte sich umständlich. „Ja, vor dir und deinen Reaktionen. Wirst du mich jetzt küssen und zwei Minuten später wieder wie Müll entsorgen?“
Snape war fassungslos. „Müll? Was soll das? Hast Du kein Vertrauen zu mir?“ Seine Stimme klang belegt und ungewohnt.
„Ich weiß es nicht…aber wundert dich das? Wer hat mich denn benutzt? Auf wen habe ich mich denn aus purer Liebe zu ihm eingelassen und wurde bitter enttäuscht? Wer hat mir erklärt, dass er nur seine männlichen Bedürfnisse an mir ausleben wollte?“
„So habe ich das nie gesagt“, rechtfertigte sich Snape sofort.
„Oh nein, natürlich nicht“, spottete Hermine, „freundlicherweise hast du noch hinzugefügt, dass ich eine junge, hübsche Frau bin.“
„Schön“, Snape lief ein paar Schritte nachdenklich hin und her. „Also, Miss Granger, was kann ich tun, um Ihr Vertrauen zu erlangen?“
Hermine überlegte kurz, dann stahl sich ein feines Lächeln auf ihr Gesicht. „Küss mich einfach!“
„Das ist alles?“ Snape war äußerst skeptisch.
„Nun mach schon“, forderte Hermine.
„Du hast eben unverschämt gegrinst, das gefällt mir nicht.“ Snapes Blick verfinsterte sich zunehmend.
„Schade“, Hermine wandte sich schweren Herzens ab, „dann werde ich mich wohl getäuscht haben. Naja, wenn Sie mich nicht mögen, dann gibt es eben keine Küsse. Das unterstützt nur meine Vermutung von vor einem Monat: ausgenutzt worden zu sein, weil Ihnen die Hose zu eng geworden ist. So ist das eben mit den männlichen Bedürfnissen. Ich werde jetzt besser gehen.“
Snape konnte es nicht fassen.
„Na bitte, wenn du gehen möchtest, dann werde ich dich nicht aufhalten“, erwiderte er gereizt, doch Hermine widersprach sogleich: „Falsch, Professor! Ich möchte nicht gehen, doch Sie geben mir zu verstehen, dass ich besser gehen sollte.“
„Willst Du mir jetzt jedes Wort im Munde umdrehen, du kleines, unverschämtes neunmalkluges Ding?“, zischte Snape ärgerlich geworden.
„Du könntest statt zu diskutieren auch einfach…“
„Gut“, Snape riss Hermine mit Schwung, ohne jegliche Vorwarnung, an sich und presste sie atemlos ganz dicht an seinen Körper, „aber beschwere dich hinterher nicht wieder“, raunte er seufzend an ihrem Ohr. Nur einen Atemzug später hatte er ihren Mund fest in Beschlag genommen und küsste sie alles andere als sanft. Für Hermine geschah dies völlig überraschend. Stürmisch erwiderte sie die Zärtlichkeit, die sich gerade noch in ihrem Toleranzbereich bewegte. Ein paar Minuten lang gab es nur sie beide auf der Welt. Über einen gewissen Zeitraum hinweg ergab sich Hermine diesem berauschenden Gefühl der Zweisamkeit. Doch irgendwann konnte sie eben auch wieder klar denken.
Sie freute sich sehr darüber, dass er offensichtlich noch immer an ihr interessiert war. Die ideale Voraussetzung, um ihm seine Grenzen aufzuzeigen. Eine Pause zum Luftholen nutzte sie daher gnadenlos aus, um Severus weit von sich zu schieben. Nun kam die Revanche.
„Du treibst mich noch in den Wahnsinn, du freche Kröte“, schnaufte Snape zornig, „was soll das jetzt wieder? Macht es Dir Spaß mich ständig weg zu stoßen? Gibt es Dir den ultimativen Kick? Kannst Du dich nun endlich mal entscheiden, ob du Zärtlichkeiten wünscht oder nicht?“
„Wieso fragst Du?“, gab Hermine unbekümmert zurück, „natürlich möchte ich von Dir geküsst werden.“
„Wieso ich frage?“, Snape schien außer sich vor Rage, ja, er lief vor Zorn puterrot an. Seine nächsten gezischten Worte waren kaum zu verstehen. „ Du impertinentes, Miststück! Du verdammtes Luder spielst mit mir!“
„Tatsächlich?“ Aus Hermines Gesicht verschwand jegliches Grinsen. Todernst blickte sie ihn an und raunte: „Ausgerechnet du wirfst mir vor ein Spiel zu spielen? Unglaublich!“
„Was willst du wirklich?“ Auch Snape war nun wieder in der Lage rational zu denken. Jegliche Erregung verschwand in der Versenkung. Argwöhnisch umrundete er Hermine einmal und blieb mit verschränkten Armen vor ihr stehen. „Raus mit der Sprache, Miss Granger“, forderte er mit kalter, schneidender Stimme, „ich möchte jetzt auf der Stelle wissen, was in Ihrem kranken Hirn vor sich geht.“
Hermine erschrak innerlich bei diesem Tonfall, doch nach außen hin gelang es ihr die Fassung zu bewahren.
„Das kranke Hirn habe ich jetzt einfach mal überhört“, sagte sie mit fester Stimme, setzte sich auf einen der Tische und versuchte trotz der Anspannung möglichst lässig zu klingen, als sie fragte: „Möchtest du mich jemals wieder küssen?“
Unmerklich schüttelte Snape den Kopf. Dieses Miststück wollte ihn manipulieren! Nicht zu fassen. Doch nicht mit ihm. „Ich denke die Frage erübrigt sich“, meinte er gelassen, „unter diesen Umständen, wird es wohl das Beste sein, wenn wir zukünftig auf derlei Nähe verzichten würden.“
Hatte er geglaubt, dass Hermine darauf panisch oder fassungslos reagierte, so sah er sich getäuscht. „Gut, wenn Sie meinen, Sir, dann soll es eben so sein“, antwortete Hermine ruhig, „hatte ich nicht schon einmal erwähnt, dass Sie meine Liebe ohnehin nicht verdient haben? Na ja, wie dem auch sei, dann gibt es ja nichts mehr zu sagen. Schade, aber nicht zu ändern.“
Hermine schnappte sich ihre Tasche und schlug wiederholt den Weg Richtung Ausgang ein.
„Glaube bloß nicht, dass du mich damit ärgern kannst, du elendes Miststück“, rief er ihr grantig zu, „ich trauere deinem Abgang ganz bestimmt nicht hinterher.“
„Natürlich nicht, Professor“, Hermine wandte sich um und blickte innerlich triumphierend zu ihm hinüber. „Ich weiß doch, dass Sie mich nur eben mal benutzt haben. Ich wollte nur zum Ausdruck bringen, dass ich kein Spielzeug bin. Für niemandem! Doch“, Hermine machte eine bedeutungsschwere Pause, „sollten Sie dennoch den Wunsch verspüren, mir näher kommen zu wollen, dann werde ich dies nie wieder so ohne weiteres dulden.“
„Ersparen Sie mir jegliche Erklärungen, Granger“, Snape lächelte selbstgefällig, „als wenn ich an Ihnen auch nur das geringste Interesse hegen würde.“
„Ich weiß, dass ich Dir nicht egal bin, Severus“, Hermine lächelte ebenso zurück, „Du wirst nur eine Chance bei mir haben, wenn Du sämtliche Hüllen vor mir fallen lässt. Noch einmal wirst du dich nicht in voller Montur in mir versenken dürfen. Ich wollte das auch nur gesagt haben.“
„Verschwinde auf der Stelle“, fauchte Snape wütend, fegte auf Hermine zu und schubste sie Richtung Tür. „Was bildest du dir eigentlich alles ein? Glaubst du ernsthaft mich erpressen zu können? Ich werde mich wohl kaum vor dir entkleiden. Und erst Recht nicht im Klassenzimmer. Raus mit dir, ich will dich hier nicht länger sehen!“ Mit diesem letzten Satz versetzte er Hermine einen weiteren Schubs zur Tür hinaus und knallte diese scheppernd hinter ihr zu.
Hermine tat nur ein paar Schritte, dann lehnte sie sich gegen die steinernen, kühlen Wände und bedeckte ihr Gesicht mit den Händen. Ja war sie denn total bescheuert? Hatte sie Snape eben wirklich gesagt, dass er sich vor ihr ausziehen sollte? Wie war sie nur auf diese blöde Idee gekommen? Shit! Langsam glitt sie an der Wand herab. Verzweifelt umklammerte sie ihre Knie. Ok, sagte sie sich, Interesse hatte er an ihr ohne Frage gezeigt, doch würde es nach ihrer Forderung auch Morgen noch da sein? Und wieder einmal war sie zu weit gegangen…
„Miss Granger, was tun Sie denn da auf dem Boden? Gab es schon wieder Ärger mit Professor Snape?“
Wie von der Tarantel gebissen fuhr Hermine zusammen und sprang auf die Beine. Völlig irritiert starrte sie ihre Hauslehrerin an.
„Nun, Miss Granger, hat es Ihnen die Sprache verschlagen? Da Sie die einzige waren, die nach dem Unterricht nicht aus dem Kerker herauf gestiegen war, wollte ich nach dem Rechten sehen. Und wie es mir scheint…“
„…nein, nein, es ist nichts“, erwiderte Hermine hastig. „Professor Snape wollte lediglich wissen, wie ich mit dem Lehrstoff im Selbststudium klar gekommen bin und da haben wir…“
In diesem Moment klirrte es furchtbar laut unmittelbar hinter der Tür des Klassenraums für Zaubertränke. Ein Aufschrei begleitete das Getöse.
„Waren Ihre Ausführungen derart schlecht, dass Severus darüber noch immer außer sich ist?“, wollte Minerva mit spöttischem Ton wissen.
„Ähm…, nun, es könnte ihm etwas aus der Hand gefallen sein…“
Erneut krachte irgendetwas gegen die Tür.
„Oh, mir scheint, Professor Snape leidet heute unter extrem zittrigen Händen. Vielleicht sollte ich Poppy nach ihm sehen lassen?“ Minervas Blick sprach Bände.
Hermine hingegen schlug die Hände über dem Kopf zusammen. Und wieder einmal wähnte sie sich in einem Albtraum. Einem ganz, ganz fürchterlichen Alptraum. In ihr reifte der dringliche Wunsch sich in Luft auflösen zu können. Eine hinterher schnüffelnde Schulleiterin hatte ihr gerade noch gefehlt.
„Eben schien er mir noch normal zu sein“, sagte Hermine leise, da flog die Tür auf und Snape stand ihnen überrascht und wütend zugleich gegenüber.
„Ah“, Minerva lugte über dem Rand ihrer Brille auf den Tränkemeister. „Severus, muss ich mir um ihren Gesundheitszustand ernsthaft Sorgen machen?“
„Wie bitte?“ Snape klappte die Kinnlade herunter.
„Miss Granger jedenfalls schien sich eben nicht wohl zu fühlen.“
„Tatsächlich?“, fragte Snape kühl und bedachte Hermine mit abfälligem Blick. „Was geht mich Miss Granger an? Wenn sie sich nicht fühlt, dann soll sie auf die Krankenstation gehen.“
„Nein, nein“, beeilte sich Hermine zu sagen, „es ist alles in Ordnung.“ Es fiel ihr schwer den Boden, statt Severus zu inspizieren.
„Wir wollen es hoffen, Miss Granger.“ Minutenlang musste Hermine die Musterungen Minerva McGonagalls über sich ergehen lassen, bis sie endlich von ihr abließ und sich Snape zuwandte, der genauso wie Hermine wünschte, dass die Direktorin endlich verschwand und sich andere Opfer suchte.
„Severus, darf ich fragen, was in Ihrem Labor zu Bruch gegangen ist?“, fragte Minerva neugierig.
„Meinen Händen ist ein Glas entglitten, nichts von Bedeutung“, schnarrte Snape mit unbeweglicher Miene.
„Ein Glas, was Sie nicht sagen“, Minerva zog missbilligend den linken Mundwinkel empor, „und dann zerschellt das eine Glas auch noch im Minutentakt. Höchst interessant, höchst interessant.“
„Reden Sie nicht um den heißen Brei herum! Was wollen Sie, Minerva?“ Genervt starrte Snape seine Vorgesetzte an.
„Sie erneut verwarnen, Severus“, erwiderte Minerva schlicht, „vergessen Sie niemals, dass Sie unter Beobachtung stehen. Momentan habe ich den Eindruck, dass ich mit der Lerngruppe erneut bei Ihnen vorbei schauen sollte, verehrter Kollege. Lassen Sie mich überlegen. Heute? Nein, heute werden Sie schon mit Miss Hamilton beschäftigt sein. Morgen? Ach, herrje, da ist ja auch schon Miss Hamilton bei Ihnen. Meine Güte, Severus, Sie sind aber auch eingespannt. Was halten Sie von Donnerstag? So gegen 19.00 Uhr?“
Snape knirschte unüberhörbar mit den Zähnen und knurrte: „Ich möchte mich nicht umsonst mit der Plage Hamilton abgegeben haben. So weit es mir möglich war, habe ich sie nicht über Gebühr getadelt. Von daher wüsste ich wirklich nicht, womit ich einen erneuten Besuch Ihrer bunt zusammen gewürfelten Studiengruppe verdient habe. Hatte Hamilton, dieses unfähige Ding, etwas an meinen Lehrmethoden auszusetzen?“
„Oh, nein, Sarah Hamilton hat sich nicht mehr als sonst auch über Sie beschwert, Severus“, erwiderte Minerva süffisant, „es geht da eher um Miss Granger.“
„Was? Um mich?“, warf Hermine, der es dämmerte, woher der von Hagrid erwähnte Streit zwischen Severus und McGonagall herrührte, empört ein. „Zwischen Sev…ähm, Professor Snape und mir gibt es keine Unstimmigkeiten.“
„Sicher, Miss Granger, aber natürlich. Sie saßen eben einfach so, völlig frustriert am Boden. Wissen Sie was? Erzählen Sie dieses Märchen besser den Hippogreifen Hagrids. Ich glaube ihnen diesbezüglich kein Wort.“
„Aber ich…“, doch ein abweisendes: „Vielen Dank, Granger“, Seiten Snapes ließ Hermine verstummen und schuldbewusst zu Boden schauen.
Die Schulleiterin wandte sich an Hermine: „Auch Sie sollten sich vorsehen, Miss Granger. Gehen Sie nun!“
Ein letzter entschuldigender Blick traf Severus, dann erklomm Hermine mit Füßen wie Blei die steinernen Stufen, die aus dem Kerkergewölbe heraus führten. Zurück blieben ein fragender und zorniger Tränkemeister und eine entnervte Direktorin, die ihre schlimmsten Befürchtungen was das Theater zwischen Hermine und Severus betraf, bestätigt sah.
21. Kapitel
Hermine vermied es in den nächsten Tagen Severus über den Weg zu laufen. Dies gelang hervorragend, da sich auch der Tränkemeister mit der Distanz arrangiert hatte. Freitag, das wussten sie beide, würde es sich wegen dem Zaubertränkeunterricht ohnehin nicht vermeiden lassen. Bis dahin hatte man Zeit über alles nachzudenken und die Direktorin nicht unnötig heraus zu fordern.
Hermine war sich sowieso sicher, dass ihre Forderung an Severus sich vor ihr auszuziehen, wenn er sie jemals wieder küssen wollte, nach hinten losgegangen war. Ständig hatte sie sein zorniges Gesicht vor Augen. Es verfolgte sie sogar im Schlaf. Wie konnte sie auch nur so blöd sein und dies von ihm verlangen? Dummheit musste einfach bestraft werden. Und dass sie dann auch noch im Kerkergang von Professor McGonagall aufgespürt worden war, machte es keinen Deut besser. Das grenzte schon an Peinlichkeit hoch sieben.
Je länger sie darüber nachdachte, desto sicherer wusste sie, dass sich etwas ändern musste. Irgendetwas musste sie sich nun einfallen lassen um die Wogen zu glätten. Um den Streit mit Severus ein für alle Mal aus dem Weg zu räumen. Langsam wurde es echt peinlich…und war nicht mehr zu ertragen.
Sie grübelte und grübelte. Am Freitag könnte sie mit ihm das Gespräch suchen, sich mit ihm aussprechen, sich mit ihm versöhnen…wenn er sich denn nur darauf einließ… Sollte es nicht funktionieren, konnte sie sich zumindest nicht vorwerfen lassen, es nicht versucht zu haben. Denn über eine Sache war sie sich im Klaren: Sie hatte sich in ihn verliebt, sie sehnte sich nach ihm…und noch viel wichtiger, er hatte ihr auch das Gefühl gegeben sie zu mögen, sie zu begehren, ja hatte davon gesprochen, sie sympathisch zu finden…
Vergangenes sollte nun endlich der Vergangenheit angehören und wenn schon nicht vergessen, dann doch endlich bei Seite geschafft werden! Von daher konnte Hermine nur hoffen, dass er dies ebenso sah. Wenn man über all die Geschehnisse der letzten Wochen nachdachte, dann konnte einem echt übel werden. Nein, nein, es war an der Zeit Frieden zu schließen…erst Recht da Hermine nun sicher sein konnte, dass Severus sie ebenfalls mochte.
Er hatte es zumindest gesagt, war einfühlsam gewesen…während sie sich mal wieder wie eine hysterische Ziege aufgeführt und ihn erpresst hatte. Nervös kaute sie an ihren Fingernägeln herum und wippte unruhig mit ihren vom Bett herunter hängenden Füßen auf und ab. In Gedanken malte sie sich schon aus, wie Severus ein Kleidungsstück nach dem anderen von seinem Körper streifte. Wie mochte er darunter aussehen? Hermine schüttelte den Kopf. Oh, nein, nie und nimmer würde er das tun. Wie sagte er doch gleich? Er wollte sie hier nicht mehr sehen und er ließ sich nicht von ihr erpressen. Verfluchter Mist, sie hatte sich mal wieder ihre eigene Grube geschaufelt. Wer wusste schon, ob er nicht schon in diesem Moment den nächsten Racheakt ausbrütete. Mit was wollte sie denn dann noch auftrumpfen? Ihr Ass, die Vogelattacke, war schon gespielt worden. Und die Erpressung? Konnte dies noch ihr letzter Trumpf werden? Bestimmt nicht. Oh, Gott, sie fürchtete bis Freitag noch völlig verrückt zu werden. Die Ungewissheit ob Severus ihr überhaupt die Möglichkeit zu einem Gespräch unter vier Augen einzuräumen gedachte war schwer zu ertragen. Wie konnte sie ihm nur begreiflich machen, dass sie mittlerweile auch an dem Punkt angekommen war, alles als äußerst kindisch und inzwischen ausweglos zu empfinden? Würde sie bei einem erneuten Angriff seinerseits die Fassung bewahren und fortan jedem Streit aus dem Weg gehen können? Konnte sie jemals darüber hinwegkommen, sich benutzt zu fühlen?
Severus jedenfalls bereute nichts, zumindest nicht die Nähe zwischen ihnen. Das war doch schon mal eine aussagekräftige Bekenntnis. Wenn das Verzeihen nur nicht so schwierig wäre! Wollte sie sich jemals in seinen Armen wieder finden, musste sie wohl als erste einlenken. Und sie wollte es. Ja, sie wollte es eindeutig. Dann musste aber auch das Misstrauen verschwinden. Hermine fluchte und stürmte atemlos und aufgewühlt ans Fenster. Minutenlang presste sie ihre Stirn gegen das kühle Glas. Ihr Ziel hieß Severus. Sie wollte ihn, also musste sie alles dafür geben! Weg von den Streitereien, die alles nur noch schlimmer machten, hin zu den guten Vorsätzen!
Wenig später schlurfte Hermine müde zu ihrem Bett und rollte sich unter ihrer Bettdecke wie ein Baby zusammen. Bis der Schlaf sie eingeholt und mit sich gerissen hatte, stellte sie sich mit einem traurigen Lächeln auf den Lippen vor, wie sie eines Tages an Severus geschmiegt in einem warmen, weichen Bett einschlafen würde.
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Snape war Hermine bewusst aus dem Weg gegangen. Dieses kleine, freche Aas verlangte, dass er sich vor ihr auszog! Dreist! Darauf konnte sie lange warten.
So war Snapes Meinung jedenfalls am Dienstag.
Am Mittwoch tauchten allerdings erste Bedenken auf, denn in der vergangenen Nacht hatte sie ihn in seinen wüsten Träumen mal wieder um den Schlaf gebracht. Den gesamten Donnerstagvormittag war er darüber sehr wütend und ließ seine Laune an jedem, der ihm über den Weg lief, aus. Und am Donnerstagabend, als er unten am See saß, an dem Platz, an welchem er Hermine zum ersten Mal geküsst hatte, sah er zerknirscht ein, dass sie ihn in der Hand hatte. Dieses elende Luder hatte gewusst, dass er ihr auf Dauer nicht widerstehen können würde! Zumindest geahnt, sonst hätte sie nicht so frech gegrinst. Snape grummelte in sich hinein. Es war doch nicht zum Aushalten. Das kleine, berechnende Miststück war auf dem besten Wege das Spiel zu gewinnen. Wie zur Bestätigung zog es ihm augenblicklich die Lendengegend zusammen. Sein kleiner Freund schien sie genau so zu vermissen, wie der Rest seines Körpers.
Und dann war der Freitag heran. Sie würde gleich als Schülerin vor ihm sitzen und er als Lehrer vor ihr stehen. Er war der besserwisserischen Kröte aus Gryffindor restlos verfallen, versessen darauf sie zu küssen und in den Armen zu halten.
Mit einer Mischung aus Zorn über seine eigene Schwäche und Sehnsucht nach Hermine betrat er das Klassenzimmer.
Er spürte ihren Blick sofort auf sich ruhen, doch er ignorierte sie schweren Herzens. Angst davor sich zu verraten und auch ein kleiner Anflug von Rache hielten ihn davon ab ihr Aufmerksamkeit zu schenken. Sollte sie ruhig noch eine Weile nervös auf ihrem Stuhl hin und her rutschten. Als sie eifrig Notizen auf ihrem Pergament kritzelte, beobachtete er sie unauffällig. Was er sah, gefiel ihm. Miss Granger stand die Unsicherheit ins Gesicht geschrieben; auch wenn sie nicht aufblickte. Ständig strich sie etwas durch und biss sich geplagt auf der Lippe herum. Geschah ihr recht!
Zufrieden stellte Snape fest, dass es Hermine nach zweimaligem Melden aufgab am Unterricht teilnehmen zu wollen. Er dachte gar nicht daran sie aufzurufen. Strafe musste sein. Kaum hatte Snape dies aber gedacht, wurde ihm schlagartig bewusst, in welchem Zusammenhang er ihr das gegenüber schon einmal geäußert hatte. Umgehend stellte sich sein schlechtes Gewissen ein. Zunehmend tat sie ihm leid. Er schluckte hart. Nein, er wollte ganz bestimmt nicht noch einmal von ihr hören, dass sie sich wie Müll entsorgt vorkam. Er war nach einem Blick auf seine Uhr heilfroh, dass die Stunde gleich beendet werden konnte. Erst in den letzten Minuten des Unterrichts wagte es Snape Hermine direkt anzusehen. In ihren Augen stand genau so viel Sehnsucht, wie Angst und Wut. Doch immerhin, sie hielt dem Blick stand und wendete ihn nicht ab. Und als es dann zur Pause klingelte, trödelte sie absichtlich lang herum. Snape registrierte dies erleichtert. Das ersparte es ihm, sie vor allen erneut durch eine schroffe Anordnung zum Bleiben zu veranlassen.
Wie üblich entflohen die Schüler so schnell sie nur konnten dem Kerker. Einzig Harry gab sich ebensoviel Mühe der Letzte zu sein wie Hermine.
„Willst du wieder mal was mit ihm regeln?“, raunte Harry neben ihr leise.
„Und wenn schon“, zischte Hermine zurück, „ich wüsste nicht, was dich das anginge.“
„Schon gut, schon gut“, schnarrte Harry beleidigt. „Es war auch nur ein Versuch. Immerhin passt ihr jetzt farblich sehr gut zusammen.“
Hermine drehte sich ganz langsam zu ihm um und blitzte ihn wütend an. „Du hast keine Ahnung, Harry Potter.“ Sie sprach ruhig, doch jedes folgende Wort fühlte sich für Harry wie ein Schlag ins Gesicht an. „Es ist nicht nur die Farbe unserer Kleidung, die uns verbindet. Es gibt da noch einige andere Aspekte...doch die wirst du nie verstehen.“
Harry schüttelte sich angeekelt. „Dir ist wirklich nicht mehr zu helfen“, stieß er fassungslos aus, „du bist echt irre, vom Snapevirus befallen und damit rettungslos verloren.“
Gleichgültig räumte Hermine weiterhin in einem Schneckentempo ihren Arbeitsplatz auf, während Harry kopfschüttelnd dem Ausgang zu strebte. Von dorther sandte er giftige Blicke in Snapes und Hermines Richtung bevor er verschwand, doch die beiden Adressaten bekamen davon ohnehin nichts mit, denn sie waren mittlerweile in ihrem eigenen Blickduell verstrickt. Eine halbe Ewigkeit lang.
„Gibt es einen besonderen Grund so langsam zu sein, Miss Granger?“, wollte Snape mit unergründlichem Blick Minuten später wissen.
Hermine atmete befreit auf. Egal wie er schaute; er klang nicht so, als wenn er sie wiederholt raus werfen wollte.
„Ich möchte mit dir reden“, erwiderte sie leise.
„Worüber denn?“ Snape erlaubte sich spöttisch zu grinsen. „Soll ich mich nun doch nicht mehr vor dir entkleiden? Oder wäre es dir recht, wenn ich zudem nackt auf meinem Pult tanze?“
Hermine stöhnte genervt auf und schloss für einen Moment die Augen. „Höre auf damit!“, forderte sie aufbrausend, „ich weiß doch, dass ich ein wenig unüberlegt gehandelt habe. Dennoch…nun ja…ein bisschen war es auch so gemeint“, sagte sie schließlich und betrachtete verlegen den Boden.
„Ein bisschen! Tatsächlich!“, Snape schnaubte belustigt, wurde aber nur Sekunden später todernst. „Ich habe deine Worte noch sehr gut in Erinnerung, meine Liebe. Du wolltest mich ganz einfach erpressen.“
„Und? Gehst du auf meine Forderung ein?“, wagte Hermine zaghaft zu fragen.
Snape schwieg zunächst. In Hermine keimte indes Hoffnung auf. Sie musterten sich wie zwei Gladiatoren in der Arena.
„Sowohl deine Frage, als auch deine Forderung waren unverschämt“, stellte Snape mit finsterer Miene fest.
„Aber irgendwie auch berechtigt“, murmelte Hermine kleinlaut und zog vorsichtshalber schon mal den Kopf ein Stückchen ein. Sie konnte Severus mal wieder nicht so recht einschätzen. Aber sie erinnerte sich an ihre guten Vorsätze. Es durfte kein erneuter Streit vom Zaum gebrochen werden! Mehrmals atmete sie tief ein um die Ruhe zu bewahren.
„Severus, ich will nicht mit dir zanken“, flüsterte sie beschwichtigend, wich aber umgehend zurück, als Snape rasant auf sie zuschritt.
„Na los!“, forderte er abrupt. Plötzlich schien er wie ausgewechselt. Heftig atmend zeigte er auf die Tür. „Komm, gehen wir in meine Räume. Da ziehe ich mich aus und wir schieben eine kleine Nummer. Das ist es doch was du möchtest, nicht wahr? Mich klein kriegen, mich demütigen. Du penetrantes Miststück möchtest, dass ich mich dir unterordne, du willst mich hüllenlos betrachten und dann von mir genommen werden, dabei jedoch die Zügel in der Hand behalten.“ Snape keuchte, hatte sich in Rage geredet. Hermine bekam wider Willen Angst vor ihm und sah mit Entsetzen, wie ihr gerade die Zügel entglitten. Nichts hatte sie mehr in der Hand. Nichts! Fassungslos starrte sie ihn an. Was war nun wieder in ihn gefahren? Wiederum erinnerte er sie an ein gehetztes in die Ecke gedrängtes, angeschossenes Tier.
„Severus, bitte, ich möchte nur mit dir reden“, flehte sie verzweifelt, doch Snape packte sie grob und schob sie vor sich her. „Reden! Du hast am Dienstag schon viel zu viel geredet“, knurrte er verbittert. „Du hast mich erpresst!“, fauchte er kurz darauf wütend und packte sie an den Haaren.
„Snape! Verflucht noch mal, lassen Sie das!“, schrie Hermine auf und schlug panisch geworden seine Hände fort. In Windeseile riss sie sich los und rannte hinter einen der Tische. Der nun zwischen ihnen bestehende Abstand brachte ihr ein wenig Sicherheit.
„Severus“, begann sie hinter der Barrikade stehend erneut…und sah atemlos zu, wie er einknickte. Heftig atmend stützte er sich auf dem Tisch ab und ließ den Kopf hängen.
„Du weißt, was ich für dich empfinde, doch ich bin deshalb kein Freiwild für dich“, hauchte Hermine mit Tränen in den Augen. Er erwiderte nichts, doch die kleine pulsierende Ader auf seiner Stirn zeugte davon, wie sehr es in seinem Inneren tobte, wie sehr es fieberhaft in ihm arbeitete. „Verstehst du nicht? Ich will einfach nicht wieder ausgenutzt werden.“
„Momentan habe ich eher den Eindruck, dass DU mich ausnutzen möchtest“, spie Snape verächtlich aus, „und das, Miss Granger, werde ich nicht zulassen. Ich lasse mir diese Frechheit nicht bieten!“
„Ich möchte dich nicht…“
„…ja, das hast du hinlänglich bewiesen, du kleine Schlampe! Halte besser deinen vorlauten Schnabel bevor ich mich vergesse!“
„Jetzt reicht es mir aber!“, Hermine befand sich in einem Zustand der Wut und wurde entsprechend lauter. „Ich wollte mich heute mit dir vertragen, aber wie es aussieht, möchtest du das das Kriegsbeil besser ausgegraben, als unter der Erde wissen. Super, so hatte ich mir das nicht vorgestellt. Severus Snape, es reicht mir!“
„Mir schon lange“, schrie Snape zurück. „Hast du in deiner beschränkten Sichtweise überhaupt an etwas anderes gedacht, als mich lächerlich zu machen? Was wirst du als nächstes tun? Miss Neunmalklug hat doch sicherlich schon einen Plan parat. Werden mir demnächst gelbe Federn im laufenden Unterricht wachsen?“
Hermine verdrehte die Augen. „Oh Mann, du verstehst es einfach nicht“, schleuderte sie ihm aufgebracht entgegen, ,,mach doch was du willst! Ich habe es jedenfalls versucht. Ich sehe ja nun was ich davon habe. Du willst keinen Frieden mit mir, das zeigen mir deine bescheuerten Reaktionen nur zu deutlich. Von wegen vertragen! Nichts als leere Worte von dir. Du kannst mich mal!“
Hermine drehte sich auf dem Absatz um und riss die Tür mit Schwung auf. Umgehend wurde sie an der Schulter herum gerissen.
„Wir sind noch nicht fertig, Miss Granger“, herrschte Snape sie an.
„Oh, doch, lasse mich gefälligst los“, knurrte Hermine zurück, „denn ich bin mit dir fertig. Zumindest für heute.“
„Dann geh doch, geh!“, forderte Snape mit matter Stimme, „geh, wenn du es mit mir nicht mehr aushältst!“
„Ganz recht“, Hermines Stimme klang schrill, „ich halte das Theater nicht mehr aus. Und ich werde gehen!“ Sprach es und stand dennoch wie angewurzelt auf der Stelle. Severus sah plötzlich so traurig aus, dass sie es nicht schaffte einfach abzuhauen. So schnell seine Aggression aufgewallt war, so zügig war sie nun auch wieder verschwunden. Schmerz und Sehnsucht standen ihm ins Gesicht geschrieben.
„Du wolltest gehen“, sagte Snape leise.
„Ja, aber…ich weiß auch nicht, warum ich noch hier bin…“
„Wirklich nicht?“ Seine dunklen Augen bohrten sich unerbittlich in ihre. Weder war Hermine in der Lage woanders hinzugucken, noch konnte sie verhindern, dass durch diesen intensiven Blickkontakt ihre Gefühle Purzelbäume schlugen. Sie kam sich wie hypnotisiert vor, ihre weichen Knie würden über kurz oder lang nachgeben…
„Hermine, was ist los?“, besorgt tat Snape einen Schritt auf sie zu.
„Nichts…lass mich einfach…ich kann nicht mehr…ich…“
Hilflos stand ihr Snape gegenüber. Eigentlich wollte er auch nicht streiten, eigentlich sollte er ihre Gesprächsbereitschaft annehmen. Verflixt noch mal, warum artete es nur immer so aus? Was, verdammt noch mal hielt ihn davon ab, den Zwist zu beenden? Alles ihn ihm zog sich zusammen. Auch er konnte bald nicht mehr, wenn das so weiter ging.
„Gut, du wollest reden“, presste er zerknirscht hervor, „gut, schön, reden wir also.“
„Ach, jetzt möchtest du plötzlich doch reden?“, misstrauisch starrte sie ihn an. „Worauf darf ich mich denn einstellen? Wirst du mich in drei Minuten an den Haaren zerren oder Ohrfeigen? Wie kann ich sicher sein, dass du deine Aggressionen unter Verschluss halten kannst?“
Snape verzog gequält seinen Mund. „Du hast noch immer kein Vertrauen. Unter diesen Umständen sogar verständlich. Sicherheit gibt es nicht, Hermine. Ich kann dir jedoch anbieten hinüber in mein Labor zu gehen...“
„Nicht einen Schritt setze ich mehr in das Labor. Daran habe ich ganz schlechte Erinnerungen! Und erst recht, da du eben wieder ausgetickt bist.“
„Mäßige dich auf der Stelle“, brauste Snape auf, erschrak aber, da er mitbekam wie Hermine sofort zurück wich. Abwehrend hob er seine Hände. Ihr enttäuschtes, ängstliches Gesicht hatte ihm gerade noch gefehlt. „Entschuldige, ich wollte nicht…verfluchter Mist“, flüsterte er heiser. „Hermine…ich weiß selbst nicht, was los ist. Ich…“
Sie schüttelte traurig ihren Kopf. Snape sah nun alle seine Felle davon schwimmen.
„Du kommst also nicht mit?“, erkundigte er sich hastig.
„Richtig“, bestätigte Hermine leise.
„Dann bleibt mir keine andere Wahl“, murmelte der Tränkemeister mit belegter Stimme. „Verzeih, ich werde dir gleich alles erklären.“ Hermine sah nur noch wie Snape den Zauberstab hob, dann wurde sie von dem PETRIFICUS TOTALUS frontal getroffen und kippte wie ein Felsbrocken nach hinten.
22. Kapitel
Snape fing Hermine noch rechtzeitig auf und streichelte ihr sacht über den Kopf.
„Warum musst du auch so stur sein? Es hätte einfacher sein können“, murmelte er, legte sie ab und horchte und lauschte dann an der Tür. Nachdem er sicher sein konnte, dass sich niemand auf den Gängen herum trieb, hob er Hermine auf seine Arme und hastete mit ihr den Gang entlang. In seinem privaten Wohnbereich angekommen, setzte er sie auf die Couch, wischte sich den Schweiß von der Stirn und blickte unschlüssig auf sie herab.
„So, Miss Granger, ich hoffe sehr, sicher sein zu können, dass Sie mir nun Ihre volle Aufmerksamkeit schenken werden.“ Mit einem Wink des Zauberstabes beendete er den Fluch und sah sich umgehend einer wie eine Furie auf ihn zuschießenden Hermine ausgesetzt. Böse funkelte sie ihn an und schrie: „Was soll der Mist?“ Er konnte nicht einschätzen, ob sie ihm lieber die Augen auskratzen wollte, oder ihn zu erschlagen wünschte.
„Beruhige dich“, fuhr er sie an und versuchte sie verzweifelt davon abzuhalten, ihrerseits einen Zauber auf ihn zu legen. In der Folge entstand ein Ringkampf um Hermines Zauberstab, der zu Snapes Gunsten ausging.
„Setz dich wieder hin!“, forderte er schneidend. „Ich weiß, dass du eine Erklärung von mir erwartest.“
„Allerdings“, fauchte Hermine wütend. „Hatte ich nicht ganz deutlich gesagt, dass ich unter keinen Umständen deine Räume betreten werde? Und wo bin ich jetzt, hä? Es sieht ganz so aus, als wenn wir in deinem Wohnzimmer sein würden. Du hast mich verschleppt!“
„Nenn es doch wie du willst“, schnappte Snape. „Ich hatte schließlich einen gewichtigen Grund.“
„Ach, da bin ich aber neugierig. Was könnte es wohl rechtfertigen, eine Schülerin gegen ihren Willen an einen Ort zu bringen, an den sie nie im Leben hin wollte?“ Hermine verschränkte provokativ die Arme vor der Brust.
„Setz dich erst hin!“, forderte Snape.
„Nein!“
„SETZE DICH ENDLICH HIN UND TU EINMAL IM LEBEN WAS MAN DIR SAGT!“
Bei der Lautstärke von Severus Ausbruch fürchtete Hermine ernsthaft, dass ihr Trommelfell Schaden genommen hatte. Vorsichtig ertastete sie ihre Ohren und tat, was von ihr verlangt worden war. Unsicher blickte sie zu Snape. Jetzt noch ein falsches Wort zu sagen und aufzubegehren war bestimmt nicht schlau. Was hatte er nur vor?
„Na prima“, murmelte Snape, „hätten wir das also geschafft.“ Snape seufzte während er seinen Umhang ablegte und am Haken an der Tür aufhängte. Umständlich nestelte er danach an den vielen Knöpfen seiner Robe herum, zog sie aus und warf sie mit Schwung über die Lehne eines Sessels. Hermine war seinem Tun gebannt gefolgt. Nun, da sie ihn zum ersten Mal ohne Robe, im weißen Hemd, vor sich stehen sah, wurde sie merklich unruhig. Der Puls beschleunigte sich rasant. Wollte er nun doch noch auf ihre Forderung eingehen? Innerlich feuerte sie ihn an, dieses Hemd endlich von seinem Körper zu streifen, doch Snape beendete zu ihrem großen Bedauern die Entkleideaktion und sah sie stattdessen mit unergründlichem Blick an.
„Hast du dich wieder beruhigt?“, wollte er wissen.
„Ein wenig“, hauchte Hermine nervös. Sie konnte ihren Blick nicht von dem Hemd lösen. Snape hingegen schmunzelte. Der kleinen Miss Naseweiß sprangen fast die Augen aus den Höhlen. Er war sich sicher, dass er nun ihre volle Aufmerksamkeit auf sich gezogen hatte. Und dieses erregte Funkeln in ihren Augen ließ ihn keineswegs kalt. Ihm wurde deutlich wärmer zu Mute. Schön, sollte sie ihren Willen bekommen. Noch zweifelte er daran, dass er wirklich das Richtige tat, noch ging es ihm völlig gegen den Strich, sich auf ihre anmaßende Forderung einzulassen, noch musste er sich durchringen über seinen Schatten zu springen…doch spätestens als er Hermine erblickte, die sich mit der Zunge über die Lippen fuhr, war es mit der Zurückhaltung vorbei. Sie nicht aus den Augen lassend zog er sein Hemd aus der Hose heraus und begann es zu öffnen. Knopf für Knopf wurde seine Brust freigelegt und entlockte Hermine ein Seufzen.
Snape hielt daraufhin inne.
„Reicht dir was du siehst?“, fragte er rau.
„Nein. Ich will noch viel mehr sehen, Severus“, flüsterte Hermine heiser.
„Das dachte ich mir“, schnarrte er kaum verständlich, streifte das lästig gewordene Hemd von seinen Schultern und warf es galant zu der Robe.
Mit nunmehr freiem Oberkörper stand er nur zwei Meter von ihr entfernt. Hermine war fasziniert von seiner Erscheinung. Seine Augen waren noch eine Nuance dunkler geworden, sein Atem ging unregelmäßig, als er aus seinen Schuhen stieg und sich von seinen Socken befreite. Wie durch einen Schleier starrte Hermine auf seine Finger, die den Gürtel der Hose lösten, sich mit Knopf und Reißverschluss beschäftigten…und hielt den Atem unbewusst an, als die Hose zu Boden rutschte. Ihre Hände krallten sich in das Polster der Couch. Ihr Blick haftete aufgeregt an der Unterhose von Severus, hinter der sich nur zu deutlich eine Wölbung der besonderen Art abzeichnete.
„Zufrieden mit dem was du zu sehen bekommst?“, hauchte Snape erregt und kniete sich vor ihr nieder.
„Ja“, flüsterte Hermine, legte eine Hand an seine Wange und lächelte. „Ich habe nicht damit gerechnet, dass du es wahr machst.“
Snape stöhnte verhalten. „Glaube mir, in dieser Hinsicht habe ich mir selbst nicht geglaubt. Doch, Hermine, ich…ich musste dich irgendwie in meine Wohnung bekommen. Sieh es mir mit dem Fluch bitte nach. Ich sah keine andere Chance, ich wollte einfach…“
„Psst.“ Hermine beugte ihren Kopf nach vorn. Ihre Stirn ruhte an seiner. Die Hitze zwischen ihnen war kaum auszuhalten. Hermine schloss überwältigt die Augen und öffnete sie leicht, als Severus ihr Gesicht in seine Hände nahm.
„Du kleines Luder hast mich verhext“, stöhnte Snape, „du gehst mir nicht mehr aus dem Sinn. Glaube bloß nicht, dass du mich auch zukünftig um den Finger wickeln kannst.“
„Natürlich nicht“, wisperte Hermine und lächelte zaghaft. „Wie könnte ich auch nur im Entferntesten davon ausgehen, den berüchtigten Tränkemeister Hogwarts manipulieren zu können.“
„Ganz recht!“, knurrte Snape. Sein rauer Daumen strich unsanft und fordernd an ihrer Wange auf und ab.
„Darf ich darauf hoffen heute noch geküsst zu werden?“, flüsterte Hermine gegen seinen Mund.
Snape brummte: „Ich werde mich doch wohl nicht umsonst vor dir entblößt haben“, und riss sie anschließend stürmisch an sich. Seine Lippen pressten sich hart auf ihren Mund, seiner Zunge wurde bereitwillig Einlass gewährt. Hermine war es, die sich nun an Snape drängte, die forderte, die jegliche Hemmungen ablegte und über alle Maßen berauscht war von dem wunderbaren Gefühl von Severus nackter Haut unter ihren Händen. Snape jedoch übte sich, auch wenn es ihm schwer fiel, in Zurückhaltung. Das irritierte Hermine. Sie löste sich aus dem Kuss und sah ihn angestrengt an. Er erwiderte den Blick ernst.
„Hermine, du kamst dir letztens ausgenutzt vor, nicht wahr?“
„Ja, schon…“
„Ich möchte nicht, dass dir dies wieder geschieht.“
„Was heißt das?“, fragte sie ängstlich, „hast du schon wieder genug von mir?“
„Nein“, raunte er heiser und lächelte milde, „wenn ich genug von dir hätte, würde ich wohl kaum nackt vor dir auf dem Boden knien.“
„Halbnackt.“
„Wie bitte?“ Verständnislos starrte Snape sie an.
„Du hast noch etwas an“, murmelte Hermine und deutete auf die Unterhose.
Snape schaute an sich herab und nickte. „So soll es auch bleiben.“
„Meine Bedingung wurde nicht komplett erfüllt“, begehrte Hermine auf.
„Mir reicht es gleich wieder“, drohte Snape. Seine Augen waren nur noch schmale Schlitze. Seine Lippen ein schmaler Strich. Hermine wollte etwas erwidern doch er fuhr sie heftig an: „Wenn man dir den kleinen Finger reicht, möchtest du gleich die ganze Hand. Musst du immer und immer wieder das letzte Wort haben?“
Hermine rückte ein Stückchen von ihm ab, verschränkte die Arme vor der Brust und sagte: „Ich möchte dich nun mal ganz nackt sehen. Nachdem was du schon von mir sehen und fühlen konntest, ist das ja wohl nicht zu viel verlangt. Also ziehst du dich ganz aus?“
„Nein, nicht heute.“
Snapes Tonfall machte deutlich, dass er keinen weiteren Widerspruch dulden würde. Hermine biss sich nachdenklich auf der Lippe herum. Sie verstand ihn nicht.
Snape war mit der bestehenden Situation fast schon wieder überfordert. Am liebsten hätte er das getan was sie wünschte: Sich das letzte Stück Stoff vom Körper gerissen, sie entkleidet, genommen und dann mit allem was er zur Verfügung hatte geliebt. Doch es war falsch. Er durfte das nicht tun. Nicht weil er der Lehrer war, über diese Grenze waren sie hinaus, nein, ganz einfach deshalb nicht, weil er beim ersten Mal so rücksichtslos gewesen war. Er versuchte es ihr zu erklären.
„Hermine“, begann er behutsam, „du hast keine sexuellen Erfahrungen. Dein erstes Mal war mit mir…nun, wie ich eingestehen muss, nicht sonderlich erbaulich für dich. Es gab einige Differenzen zwischen uns, die dir sehr weh getan haben. Ich habe dir überdeutlich bewiesen, dass ich kein netter Mensch bin. Doch inzwischen weiß ich, dass du mir sehr viel bedeutest und ich dir in dieser Hinsicht nicht noch einmal weh tun möchte. Von daher soll dieser Tag zu deinem werden. Nicht ich stehe im Vordergrund, sondern du.“
Fragend sah sie ihn an. „Ähm…nett von dir, aber wie meinst du das?“
Snape knurrte. „Ist das denn so schwer zu verstehen? Hermine, ich stehe irgendwie in deiner Schuld. Mach es doch nicht komplizierter, als es ohnehin schon ist!“
„Gut, was schlägst du vor?“
Snape überlegte. Nachdenklich ließ er seinen Blick über sie wandern. „Zieh dein Oberteil aus“, forderte er dann aus heiterem Himmel schroff.
„Was?“
Widerholt knurrte er, schüttelte den Kopf und ergriff selbst die Initiative. Mit einem einzigen Griff an ihr Shirt rutschte dieses über Hermines Haupt. Nun saß sie im BH vor ihm und starrte ihn gleichermaßen erregt, wie verunsichert an.
„So“, Snape stöhnte, als er seine Hände an ihre Brüste legte und beherzt darüber strich, „so, meine kleine Gryffindor, nun wirst du ganz einfach nur noch genießen und es mir überlassen, wie ich dich für meinen Übergriff in Filchs Räumen entschädige.“
Hermine schluckte. Sie hatte keine Ahnung, was Snape damit meinte, doch sie ließ ihre Hände resigniert sinken. Es konnte nur besser werden.
Behutsam strich Snape über ihren Körper. Er berührte sie zärtlich, er senkte vorsichtig seinen Mund auf ihren Hals und begann diesen mit seinen Lippen zu erkunden. Hermine konnte es kaum glauben. Sie fühlte sich wie auf Wolke sieben. Von daher, so benebelt wie sie gerade von ihren Empfindungen und dem was um sie herum geschah war, ließ sie es auch willenlos zu, dass Severus sie gänzlich auszog. Kurz darauf lag sie splitternackt auf der Couch und glaubte noch immer zu träumen. Sie wagte es aus Angst, dass er aufhören könnte nicht, etwas zu sagen oder sich zu rühren. Einzig die Hände von Severus waren in Bewegung. Unaufhörlich strichen sie an ihren gesamten Körper auf und ab.
„Magst du es?“, flüsterte er heiser an ihrem Ohr. Der warme Atem verschlug ihr erst recht die Sprache.
„Es würde genügen wenn Sie nicken, Miss Granger“, schnarrte Snape genervt.
Diesen Ton kannte sie. Er holte sie schlagartig in die Gegenwart zurück. „Ja, es ist schön“, brummte sie verstimmt, „du musst deshalb nicht wieder sauer werden.“
„Dann zeige mir auch, dass es dir gefällt!“
„Ach richtig!“, konterte Hermine und verzog das Gesicht, „nicht dass mir wiederholt vorgeworfen wird, mich wie ein Eisblock oder eine Statur anzufühlen.“
„Du hast wirklich ein unglaubliches Talent einem die Stimmung zu vermiesen“, fauchte Snape aufgebracht, drehte ihr den Rücken zu und rutschte an den Rand der Couch.
Niemand sagte oder tat etwas. Die Zeit schien still zu stehen.
„Mir ist kalt“, murmelte Hermine ein paar Minuten später. Snape reagierte nicht.
„Es war nicht so gemeint“, versuchte sie es noch einmal, doch Snape saß nun selbst wie in Stein gemeißelt dort und zeigte keine Regung.
„Na schön, dann ziehe ich mich eben wieder an. Vielen Dank auch für die Entschädigung!“
Erst jetzt sah Snape auf. Doch er machte keine Anstalten sie von ihrem Vorhaben abzubringen, so dass Hermine verärgert das Mobiliar verließ und ihre Kleidung einsammelte. Als sie schon in ihre Unterwäsche geschlüpft war und gerade dabei war in die Jeans zu steigen, knurrte sie wütend: „Würde der Herr Tränkemeister mir freundlicherweise noch meinen Zauberstab aushändigen bevor ich gehe?“
Als hätte Snape nur auf solch einen kleinen Ausbruch Hermines gewartet, sprang er auf und packte sie. Den spitzen, erschrockenen Aufschrei überhörte er. Mit sanfter Gewalt bugsierte er sie zurück zum Sofa, drängte sie rücklings über die Lehne und beugte sich dann über sie, um sie verlangend zu küssen. Allmählich sollte Hermine sich an seine wechselnden Launen gewöhnt haben, doch sie wurde immer wieder aufs Neue überrascht. Wenn es sich doch, verdammt noch mal, nur nicht so gut angefühlt hätte… Sie kam seinem offensichtlichen Wunsch nach Nähe nach und spürte nur zu deutlich seine Erregung an ihrem Leib. Sie wurde noch wahnsinnig mit diesem Mann. Ihre Fingernägel krallten sich in seine Schulter, während sie mit ihm das intensivste Zungenduell ausfocht, das es je zwischen ihnen gegeben hatte. Sie keuchten beide. Hermine versuchte sich aufzurichten, doch wurde gnadenlos wieder herunter gedrückt. Sie ergab sich vorerst stöhnend und schlang ihre Arme nun um seinen Hals. Sie ließ es auch zu, dass Snape sie wiederum entkleidete und seine Finger kleine Kreise an der Innenseite ihrer Oberschenkel malten. Seine Augen waren nur noch zwei dunkle Tunnel, voller Begierde saugten sich seine Lippen an ihren Brüsten fest. Es war zu schön um wahr zu sein. Hermine wollte Severus ein wenig von dieser Leidenschaft zurück geben und versuchte daher ihm die Unterhose über die Hüften zu streifen, doch umgehend packte er ihre Hände und hielt sie wie ein Schraubstock fest umschlossen.
„Ich sagte nein, Hermine“, brummte er bestimmend, „geht das in deinen hübschen Kopf nicht hinein?“
„Severus, ich spüre doch, wie sehr du erregt bist“, bat Hermine flüsternd, „bitte, ich möchte es auch.“ Dabei tastete sie verlangend über seine Erregung, wurde jedoch abermals aufgehalten.
„Nein, ich warne dich! Es ist falsch“, er wurde lauter, „hörst du? Es ist falsch! Nimm deine Finger dort weg!“
„Wo ist der Unterschied zu Filchs Büro?“, wollte Hermine ebenso laut wissen, „dort war ich auch schon deine Schülerin. Verdammt noch mal, was machen wir dann eigentlich hier auf dem Sofa?“
„Bitte, Hermine, ich kann nicht anders.“ Plötzlich klang Snape so verletzlich, so resigniert, dass Hermine immer ratloser wurde. Sie sah ihm direkt in die Augen und fand so viel Bedauern und Kummer darin, dass es ihr in der Seele wehtat.
„Aber warum denn nicht, Severus“, fragte sie sanft und hauchte ihm einen Kuss auf den Mund. „Gut, du hast gesagt, dass du mich heute verwöhnen möchtest, doch ich will…“
„Genau darum geht es doch“, stieß er heiser aus. „Hermine, mein Vorgehen in Filchs Büro tut mir leid. Wirklich. In den vier Wochen, die du fort warst, habe ich mir ständig Vorwürfe gemacht. Ich kann heute nicht in derselben Art agieren. Ich kann es einfach nicht. Und dein Geständnis der Liebe hat mich sehr berührt. Ich…“, er blickte ihr ganz tief in die Augen und schluckte, „ich weiß, dass ihr in der dritten Etage wohnt. Du hast offenbar immer in der Nacht gelernt, die Farbe der Gardinen deines Zimmers ist orange, nicht wahr?“
Hermine war fassungslos. „Du…warst in London? Bei meinem Haus?“
„Einige Male, ja.“ Snape lachte leise. „Ich sagte doch, dass ich dich nicht mehr aus meinem Kopf heraus bekomme.“
„Ich liebe dich“, hauchte Hermine mit dünner Stimme und zog ihn ganz fest an sich.
„Dann lass es endlich zu, dass ich mich revanchiere“, forderte er daraufhin energisch, „ohne ständige Widerworte. Lass mich endlich von deinem wundervollen Körper Besitz ergreifen!“
Perplex schloss Hermine die Augen und ließ den Kopf nach hinten sinken. In ihr drehte sich alles. Severus hatte zwar nicht von Liebe gesprochen, doch er schien sie mehr zu begehren, als sie jemals zu glauben gewagt hatte.
Zufrieden über ihr nun vorherrschendes Schweigen, küsste er sich voller Wonne von ihrem Hals abwärts herab. Er begnügte sich damit, ihre Hände abwechselnd in seinen Haaren oder auf seinem Rücken zu spüren. Mehrmals musste er die Position wechseln, da, wie Hermine zu Recht vermutete, ihn seine schmerzhafte Erektion dazu veranlasste. Doch um nichts in der Welt wollte sie ihn nun wieder verärgern. Sie akzeptierte seine Bedingung und war gerührt, dass nach all dem Theater der letzten Stunde endlich eine solche Innigkeit zwischen ihnen vorherrschte, dass sie am liebsten vor Freude geheult hätte.
Ihr war bald klar, dass Severus keine halben Sachen machen wollte. Er hatte ihr Entschädigung versprochen und die schien sie nun auch zu bekommen. Mit gemischten Gefühlen, da ihr das alles ziemliches Neuland war, gewährte sie ihm zunächst wiederholt mit den Fingern Einlass. Als sein Kopf jedoch immer tiefer wanderte, sein Stöhnen immer kehliger wurde und zu guter Letzt sein Mund die Stelle ihres Körpers erreichte, wo eben noch seine Finger zugegen gewesen waren, konnte auch sie nicht mehr an sich halten und gab ähnliche Laute wie Severus von sich.
Es dauerte nicht lange, bis Snape sie dort hatte, wo er sie von Anfang an hatte hinbekommen wollen. Hermine bäumte sich mit einem Mal völlig haltlos unter ihm auf…und es fehlte nicht viel daran, dass es ihm ebenso erging. Nur mit Mühe konnte er sich selbst zurück halten. Doch er war zufrieden. Seine kleine Gryffindor hatte es sich verdient.
Noch lange nach dem Höhepunkt lag Hermine heftig atmend und mit geröteten Wangen in Snapes Armen und schnappte nach Luft. Sie versuchte für sich das Erlebte zu begreifen und war unfähig in Worte zu fassen, was sie derzeit fühlte. Auch Snape schien nicht nach reden der Sinn zu stehen. Er hatte wortlos eine Decke über sie beide gelegt, sie an sich gezogen und spielte nun schon geraume Zeit mit ihren Haaren. Immer wieder ließ er die Strähnen durch seine Finger gleiten…und sowohl um seinen, wie um ihren Mund spielte ein glückliches Lächeln.
23. Kapitel
Hermine war nach einer Weile eingeschlafen. Friedlich ruhte sie an seiner Seite. Snape war zwar unendlich erleichtert, dass sie noch die Kurve bekommen und sich vertragen hatten. Doch gleichzeitig fühlte er sich dermaßen aufgewühlt, dass es ihm schwer fiel die Kontrolle zu behalten und klar zu denken. Er wusste seine Gefühle nicht einzuordnen. Als Hermine ihm vorhin erneut zugeflüstert hatte, dass sie ihn liebe, war es ihm eiskalt den Rücken herunter gelaufen. Immer und immer wieder fragte er sich, was er eigentlich für sie empfand. Fühlte sich so die Liebe an? War es überhaupt notwendig ein so inniges Gefühl, das es ohne Frage war, zu benennen? Was sollte er antworten, wenn sie ihn erneut fragen sollte, was er für sie fühlte? Snape gab es nicht gerne zu, doch er fürchtete sich vor diesem Moment. So intensiv über Gefühlsdinge nachzudenken war ihm fremd.