GELIEBT, VERDAMMT ... VERLOREN

von Sybille aka Lemon Tree

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Kapitel 14-18



14. Kapitel



Professor McGonagall nahm ihre Brille ab, rieb sich die Augen und stützte dann seufzend den Kopf in ihre Hände. Es war ihr nicht leicht gefallen so streng zu Hermine zu sein. Sie mochte das Mädchen eigentlich. Aber irgendwo war sie gezwungen eine Grenze zu ziehen. So ging das nicht weiter. Wenn die beiden, was immer sie auch verbinden mochte, zu nichts weiter in der Lage waren, als sich gegenseitig zu verletzen, musste man sie eben trennen und hoffen, dass sie durch den Abstand wieder zur Besinnung kamen. Vielleicht reichten 4 lange Wochen aus. Man konnte nur darauf bauen.

Mit einem nachdenklichen Blick ließ sie den Zauberstab Hermines in der Schublade ihres Schreibtisches verschwinden. Zweimal Höchststrafe. Ja, Minerva lächelte traurig, genau das musste Hermine nun empfinden. Doch es war nur zu ihrem Besten.



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Mit einiger Verspätung traf Hermine zum Unterricht bei Professor Flitwick ein und nahm stumm Platz. Alle drehten sich neugierig zu ihr um, doch sie ignorierte die Blicke. Sie starrte nur stur gerade aus.

Wo kommst du denn jetzt her?“, raunte ihr Lavender zu.

Verschlafen“, murmelte Hermine.

Dann hast du das Beste verpasst“, sprudelte es aus Lavender kichernd hervor, „irgendwer

hat Snape heute mit einem Fluch belegt, das war sowas von cool, sag´ ich dir. In der großen Halle…“

Miss Brown“, quiekte die Stimme des kleinen Zauberkunstlehrers mahnend durch den Raum, „verschieben Sie ihre Privatgespräche auf später! So, alle holen nun bitte die Zauberstäbe hervor.“

Hermine durchfuhr es siedendheiß. Toll, der lag bei der Schulleiterin. Sie war für vier Wochen keine richtige Hexe mehr. Scheiße!


Kurz darauf stand Flitwick vor ihr und musterte sie intensiv. Hermine wäre am liebsten im Erdboden versunken. „Ähm, mein Zauberstab ist kaputt gegangen, ich…ich muss mir erst einen neuen besorgen oder ihn reparieren lassen“, flüsterte sie mit gesenktem Blick. Der Professor trat ganz dicht an sie heran und hauchte: „Wo auch immer Ihr Zauberstab nun wirklich sein mag, Miss Granger, es ist nur gerecht, dass Sie nun eine Weile ohne ihn auskommen müssen. Gelbe Vögel! In manchen Situationen vielleicht ganz witzig, doch Professor Snape gegenüber sehr unangebracht, sehr unangebracht.“


Erstaunt hob Hermine ihren Kopf, doch Flitwick war schon weitergegangen. Fassungslos starrte sie ihm hinterher. Sie hätte heulen können, doch sie verbot es sich vor der ganzen Klasse auch nur eine einzige Träne zu vergießen. Wenn Professor Flitwick sie schon durchschaute, wer von den Lehrern vermochte dies ebenfalls? Schweigend arbeitete sie die Stunde über den heute erlernten Zauber theoretisch durch. Es war für sie eine einzige Qual nicht mit zaubern zu können. Doch sie hatte es wohl nicht besser verdient.


In der Pause traten Harry und Ron über das ganze Gesicht strahlend an sie heran.


Dein Zauber war wirklich toll, Hermine“, grinste Harry und Ron nickte bestätigend.

So, war er das?“, fauchte Hermine aufgebracht, „nur weil Ronald diesen Fluch in einer Abwandlung schon mal zu spüren bekommen hat, soll er toll gewesen sein?“ Die beiden wichen erschrocken zurück.

Ja, also…“, unsicher blickten die Jungs sich an, „nicht wegen Ron, sondern eher wegen Snape…“ Harry verstummte, als er Hermines zornig funkelnde Augen bemerkte.

Warum hattest Du denn eben keinen Zauberstab dabei?“, wagte Ron vorsichtig zu fragen und hoffte damit vom Thema abzulenken.

Der liegt bei McGonagall“, sagte Hermine leise, „und zwar für 4 Wochen lang.“

Was, wieso?“, entfuhr es Harry, dann weiteten sich seine Augen, „sie weiß es, oder? Sie weiß, dass du das warst.“

Hermine nickte. „Dein Umhang liegt übrigens auch bei ihr. Keine Ahnung, ob sie dir den so ohne weiteres wieder gibt. Es tut mir leid. Und ich…also ich…ich werde“, Hermine musste sich zusammen reißen, „ich werde morgen früh den ersten Zug nehmen müssen und nach Hause fahren. Ich bin für 4 Wochen vom Unterricht suspendiert“, presste sie hervor.


Harry und Ron klappten gleichzeitig die Kinnladen herunter.


Snape hat dir die Suppe eingebrockt“, zischte Harry wütend, „während du den immer verteidigst und nicht verraten möchtest, nutzt der die erstbeste Gelegenheit…“

Halt den Mund!“, fauchte Hermine ihn an, „nur damit du Bescheid weißt, er hat mich NICHT verraten, da ist McGonagall schon allein drauf gekommen. Und noch etwas, Harry Potter“, Hermine tippte mit dem Zeigefinger drohend auf Harrys Brust, „es war NICHT in Ordnung, was ich getan habe, das war es überhaupt nicht. Ich habe nun die Konsequenzen zu tragen, ob es mir passt oder nicht. Und vor allem du, solltest ganz still sein…“

„…was, wieso?“, stammelte Harry und sah sich Hilfesuchend nach Ron um. Noch immer war er Hermines piekendem Zeigefinger ausgesetzt.

Das kann ich dir genau sagen“, Hermines Stimme überschlug sich fast, “ich hatte zwar den Plan, doch du hast mich geradezu dorthin getrieben. Du hättest mich als mein Freund davon abhalten müssen.“

Hey, ich wusste gar nicht genau was du vorhattest“, rechtfertigte sich Harry und hob abwehrend seine Hände.

Aber du wusstest, dass es etwas Verbotenes sein würde“, schnaufte Hermine, „und hast mich machen lassen.“


Betreten standen die drei inmitten des Ganges und schwiegen sich an.


Sehen wir uns heute Abend noch im Gemeinschaftsraum?“, fragte Ron leise.

Hermine schüttelte müde den Kopf. „Nein, da muss ich zu Filch.“

Oh, McGonagall muss aber echt sauer sein“, stellte Ron überflüssigerweise fest, „die lässt dir aber auch gar keine Ruhe. So habe ich die noch gar nicht erlebt.“

Harry schnaubte verächtlich und musterte Hermine mit merkwürdigem Blick. Hermine schwante etwas und das wollte ihr gar nicht gefallen. Mit einem Satz war sie bei ihm und baute sich drohend vor ihm auf. „Oh, ich ahne, was du sagen willst und ich warne dich, lass es besser sein“, schnappte sie. „Ich weiß sehr wohl was du denkst. Ich bin an allem selbst Schuld, nicht wahr? Ich hätte mich nicht auf Alleingänge versteifen sollen, sondern Snape spätestens nach der Sache mit meinen Haaren auflaufen lassen sollen. Stimmt doch oder?“ Harry nickte wage und Hermine fuhr aufgebracht fort: „Aber du weißt nicht mal die Hälfte von dem, was alles geschehen ist, also unterstehe dich, dir eine Meinung über mich zu bilden oder mich anzuklagen.“


Es fällt mir schwer“, erwiderte Harry düster, „aber gut, du hast ja jetzt erst mal genug Theater am Hals. Lassen wir das. Ich hoffe jedenfalls du weißt, was du tust.“

Nein, das weiß ich eben nicht immer so genau“, gab Hermine verzweifelt zurück. „Geht ohne mich zum Unterricht, ich kann jetzt nicht…ich werde mich erst mal ein wenig hinlegen, denn die Nacht bei Filch kann lang werden. Oder ich packe meine Sachen. Ach was weiß ich…“ Weitere Tränen kündigten sich an.

Ok“, Ron klang bedrückt und umarmte Hermine kurz. „Falls wir uns nicht mehr sehen sollten, ähm…wir schicken dir eine Eule. Machen wir doch, oder, Harry?“

Ja, klar, bis dann.“


Hermine wandte sich zügig ihrem Zimmer zu, während Harry und Ron ihr noch lange ratlos und geschockt hinterher schauten.


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Der Abend war schneller heran, als es Hermine lieb war. Die Zeit bis hierher hatte sie mit Packen verbracht, was sich ohne Zauberstab als äußerst umständlich erwies. Am Nachmittag war ihr von einem Hauselfen nämlich noch eine Liste mit allen möglichen Aufgaben überreicht worden, Aufgaben, die sie in den nächsten vier Wochen zu erledigen hatte. Professor McGonagall hatte vorgesorgt. Aufgaben zu allen Fächern waren darunter. Für diese Fächer benötigte sie allerdings auch jede Menge Bücher. Bücher, die sie nun mitnehmen musste und die wahnsinnig schwer und unhandlich waren.

Hermine hatte hin und her überlegt, doch je mehr sie auch grübelte, sie musste so gut wie alle Werke irgendwie in die Reisetasche bekommen, denn ihre Hausaufgaben wollte sie zu vollster Zufriedenheit erledigen. So wie immer. Und da es in Muggellondon nun mal keine Bibliothek mit Werken der Magierwelt gab, musste so viel wie möglich davon mit. Und das war fast alles. Fakt war, dass sie die Tasche nicht allein tragen konnte. Schon beim schlichten Anheben brach Hermine fast zusammen. Tja, so war es eben, wenn man nichts mehr schrumpfen und schweben lassen konnte. Daran musste sie sich wohl oder übel gewöhnen.


Hermine hatte es nicht gewagt, sich am heutigen Tage noch einmal in der großen Halle sehen zu lassen. Weder wollte sie von der Heldentat des großen Unbekannten hören, der Snape eine Blamage der besonderen, lustigen Art beschert hatte, noch verspürte sie Appetit. Ihr Magen meldete sich lediglich auf die etwas unangenehme Art, was dafür sorgte, dass sie fast mehr Zeit im Bad, als in ihrem Zimmer verbrachte.



Mit absolutem Widerwillen stieg sie kurz vor 20.00 Uhr die Treppen hinab zu Filch und dachte dabei wehmütig an Severus, den sie nun 4 Wochen lang ebenfalls nicht sehen durfte. Er schien ihr vorhin im Schulleiterbüro nicht annähernd so wütend gewesen zu sein, wie Professor McGonagall… und sie wusste nicht, was sie davon halten sollte. Sie war zu weit gegangen, ohne Frage. Selbst Flitwick hatte ihr das klar gemacht. Toll, Hermine Granger, Musterschülerin Hogwarts hat die Nerven verloren und nun die Konsequenzen zu tragen. Aber da musste sie jetzt durch. Ohne wenn und aber.


Überrascht verlangsamte sie ihre Schritte, als sie Filch mit einem diabolischen Grinsen auf den Lippen und verschränkten Armen vor der Tür zu seinem Büro stehen sah. Selbst Mrs. Norris schien zu grinsen, während sie um die Füße ihres Herrchens herum schnurrte. Irgendetwas kam ihr daran merkwürdig vor. Filch empfing die Schüler für gewöhnlich in seinen Räumen und nicht davor. Was sollte das?


Miss Granger, Sie entwickeln eigenartige Tendenzen“, schnarrte er genüsslich. „Jahrelang bekomme ich Sie kaum zu Gesicht und nun haben Sie ständig Sehnsucht nach mir. Aber nur zu, es ist schon alles für Sie vorbereitet. Das wird ein wirklich netter Abend für Sie.“


Fragend zog Hermine die Stirn in Falten. Filch lachte dreckig, drückte die Klinke herunter und schubste Hermine in sein Büro hinein. Die Tür schlug hinter ihr mit lautem Getöse zu.

In totale Dunkelheit gehüllt, fluchte Hermine laut. Was hätte sie jetzt für einen Zauberstab gegeben um sich Licht zu machen.

Mr. Filch“, rief sie laut und rüttelte an der Tür, „was soll das werden?“ Nichts. Absolute Stille. Langsam wurde ihr das alles unheimlich. Warum war es dunkel, weshalb war Filch nicht mit herein gekommen und was sollte sie überhaupt tun?

Filch!“, Hermine wurde langsam echt sauer und pochte vehement gegen die Tür, „verdammt noch mal, öffnen Sie gefälligst!“ Nichts tat sich.

Hermine trat nun wütend gegen die Tür. Es tat sich noch immer nichts. Sie war gefangen und wusste nicht weshalb. Schwer atmend lehnte sie sich gegen die Tür.

Mist“, murmelte sie, „so hatte ich mir den letzten Abend im Schloss nicht vorgestellt.“


Oh, da ist aber jemand verzweifelt“, schnarrte eine wohlbekannte dunkle Stimme.

Erschrocken fuhr Hermine herum. „Professor Snape?“, fragte sie ungläubig in die Düsternis hinein.





15. Kapitel




An der Wand flackerten plötzlich die Kerzen auf und Hermine sah sich nicht getäuscht. In einem Sessel, ganz lässig mit übergeschlagenem Bein und einem Glas Rotwein in der Hand saß Snape und musterte sie mit unergründlichem Blick.

Hermine war unfähig sich zu rühren. Sie konnte sich mal wieder nicht von seinen Augen lösen, wollte am liebsten lachen und weinen zugleich, wusste nicht, ob sie sich eher dem Gefühl der Wut oder der Freude hingeben sollte.

Sie sehen nicht nur verzweifelt aus, Miss Granger, sondern in besonderem Maße verunsichert.“ Hermine schluckte. Snape trank sein Glas leer, stand auf und kam langsam auf sie zu.

Hermines Augen weiteten sich merklich. Snape hingegen lächelte spöttisch. „Nun muss ich auch noch feststellen, dass Angst von Ihnen Besitz ergreift. Meine kleine tapfere Gryffindor“, hauchte Snape, packte Hermines Haare blitzschnell mit festem Griff und zog ihren Kopf nach hinten. „ Meine kleine Gryffindor, die nicht davor zurück schreckt, einen Lehrer vor der gesamten Schule der Lächerlichkeit preiszugeben. Warum so frage ich mich, haben Sie bei diesem Schauspiel nicht zugesehen? Hat es Sie nicht gereizt?“


Bitte Sir, ich gebe zu, unüberlegt gehandelt zu haben.“

Tatsächlich?“ Snapes Atem streifte ihre Wange und Hermine konnte in diesem Augenblick weder verhindern, dass sie erschauderte, noch dieses kleine, verräterische, wohlige Stöhnen unterdrücken.

Snape stand so dicht vor ihr, dass sie sich keinen Zentimeter mehr rühren konnte. „Sag mir, warum hast Du nicht zugesehen und dich davon überzeugt, dass auch alles nach deinem Plan verläuft!“, flüsterte er heiser in ihre Haare hinein.

Ich…ich hatte Vertrauen in meinen Zauber“, wisperte Hermine. Unsicher biss sie sich auf der Lippe herum.

So überzeugt von Deinen Fähigkeiten?“ Snape lachte leise, fuhr sie aber nur einen Atemzug später barsch an: „Ich sollte Dich übers Knie legen, du kleines Miststück und Dir jegliche Arroganz aus deinem hübschen Hintern prügeln.“


Und mal wieder rauschte nackte Angst durch Hermines Venen. Verdammt, erst kam er ihr so nahe, dass sie kurz vorm Kollabieren stand und dann setzte er wieder auf seine Rolle als Mistkerl. Sie zitterte. Vor Angst, vor unterdrückter Wut, vor Verlangen nach diesem scheußlichen Mann. Ihr Hals wurde furchtbar trocken, das Schlucken fiel schwer.


Snape trat zwei Schritte zurück und betrachtete Hermine ausgiebig. In seinen Augen stand wieder dieses gefährliche Glitzern. „Weshalb bist Du heute hier?“, fragte er rau.

Wegen der Strafarbeit bei Mr. Filch“, murmelte Hermine leise und sah fragend zu Snape auf. „Warum…“

Warum ich hier bin und nicht Filch? Nun er schuldete mir noch einen Gefallen, mehr hat dich nicht zu interessieren“, sagte Snape gedehnt, spitzte die Lippen und schwang dann seinen Zauberstab überraschend durch die Luft. Eine Leiter flog daraufhin aus der hinteren Ecke des Raumes auf Hermine zu und krachte neben ihr scheppernd gegen die Wand. In letzter Minute hatte Hermine, begleitet von einem Aufschrei, der Kollision entgehen können.

Was soll das?“, keuchte sie entsetzt.

Strafarbeit was sonst, Miss Granger“, fauchte Snape, „los rauf auf die Leiter! Holen Sie die obersten Pokale herunter.“


Den Befehlston kannte Hermine schon, doch was ihr weit mehr Unbehagen bereitete, war sein Blick. Da war nicht nur das merkwürdige Glitzern, nein, sein ganzer Körper schien plötzlich angespannt zu sein. Irgendwie war sein Verhalten mehr als merkwürdig. Grübelnd und beunruhigt erklomm sie die Leiter. Und als sie gerade nach dem ersten Pokal angelte und gedanklich schon mal überschlug, wie oft sie diese blöde Leiter herauf und herunter musste, um alle Pokale zum Putzen nach unten zu bringen, begann die Leiter bedrohlich zu wackeln.

Hermine kreischte laut auf, hielt sich erschrocken an der Leiter fest und ließ im Zuge dessen, den Pokal, den sie schon in der Hand hatte, fallen.


Möchten Sie schon wieder einen Anschlag auf mich verüben, Miss Granger?“, schnarrte Snape von unten herauf. Hermine schüttelte den Kopf und wollte gerade eine Entschuldigung hervor bringen, da stockte ihr der Atem. Sie wusste jetzt auch wieder woran Snapes Blick sie erinnerte. Das war genau dieser gehetzte Blick, den er unten am See aufgesetzt hatte, kurz nachdem er so zudringlich geworden war. Angst und Erregung zugleich erfassten sie. Und sie verfluchte sich dafür, einen Rock angezogen zu haben.


Los, komm langsam herunter“, befahl Snape mit bebendem Atem und umfasste Hermines Knöchel unsanft, während er mit der anderen Hand weiterhin die Leiter zum Schwingen brachte. Hermine glaubte zu träumen. Das durfte doch wohl nicht wahr sein.

Eine Stufe auf der Leiter tiefer, hörte das Ruckeln auf. Dafür glitten seine Hände nun bedächtig an ihren Waden entlang und schoben sich immer höher.

Noch ein Stück herunter“, forderte Snape rau.

Hermine tat, was er verlangte. Das Herz schlug ihr bis zum Halse. Was hier gerade ablief war genau so verwerflich wie aufregend.

Dreh Dich um!“

Dass geht nicht, ich werde herunterfallen“, sagte Hermine schwach.

Um das zu verhindern bin ich da“, erwiderte Snape ungehalten, drehte Hermine persönlich um und presste sein Gesicht stöhnend auf ihren Bauch. Seine Hände wanderten unterdessen ungestüm unter ihren Rock, soweit, bis sie unter ihren Slip fuhren und auf ihrem nackten Hintern zum liegen kamen. Er war ohne Zweifel erregt und Hermine mühte sich, ihre eigene Erregung unter Kontrolle zu bringen. Wohin würde das ganze hier führen? Sie wusste es nicht, verflixt, sie hatte keine Ahnung, aber wenn das hier so weiter ging, dann konnte es durchaus möglich sein, dass sie alle Hemmungen über Bord warf und sich willenlos ergab.


Hermine seufzte leise und schloss die Augen. Snapes ließ seine Hände jetzt abwechselnd über ihre Hüften und die Oberschenkel kreisen. Immer forscher, immer verlangender. Dabei hatte seine Nase nun endlich einen Spalt zwischen den Knöpfen ihrer Bluse gefunden und rieb leidenschaftlich über den Bauchnabel. Haut an Haut. Bei Hermine kribbelte es überall. In ihrem Bauch zog es, in ihrer Leistengegend pochte es.


Snape bemerkte Hermines schwindenden Widerstand, zog sich aber dennoch zurück. Prüfend betrachtete er sie. „Wenn ich aufhören soll, lass es mich wissen“, sagte er heiser. „ich möchte mir schließlich nicht noch einmal den Vorwurf der versuchten Vergewaltigung anhören müssen.“

Sie nickte nur. Sagen konnte sie nichts. Zu viele neue Eindrücke stürmten auf sie ein. Es war alles so unrealistisch. Hätte er nicht eigentlich wütend sein müssen? Warum war er jetzt so zärtlich zu ihr? Das war schwer zu verstehen. Bei Snape wusste sie einfach nicht, woran sie war.

Heißt Dein Nicken nun, dass ich weiter machen darf?“


Sie nickte erneut, streckte ihre Hand aus und berührte seine Wange leicht. Ein paar Bartstoppeln piekten gegen ihre Hand. Sie sahen sich angestrengt in die Augen und erst als Hermine erneut nickte, begann Snape ihre Bluse aufzuknöpfen und sie ihr von den Schultern zu streifen. Fasziniert betrachtete er eine Weile das unkontrollierte Heben und Senken ihres Brustkorbes, entfernte auch den BH und ergriff gierig die kleinen, festen Brüste. Er seufzte mehrmals tief und vernehmlich. Dann brachte er sich noch näher an sie heran, schob ihren Rock nun ganz hoch, und presste sein Gesicht ganz fest auf ihre Scham, bevor er begann mehrere Küsse darauf zu hauchen.


Spätestens jetzt blieb Hermine die Luft gänzlich weg. Da hatte sie heute Morgen schon gedacht, dass Snape sie erwürgen wollte, als seine Hände an ihrer Kehle ruhten… aber was er nun mit ihr machte…

Hör nicht auf“, keuchte sie überwältigt, griff mit beiden Händen in seine Haare hinein und zog ihn daran immer näher zu sich heran. Nun war es ihr auch egal, ob sie von der Leiter fiel oder nicht. Pokale, Filch, McGonagall die Tatsache vom Unterricht für einen Monat suspendiert zu sein…alles egal.

Snape zufrieden über Hermines offensichtliches Verlangen, riss sie voller Begierde von der Leiter und presste seine Lippen auf ihre. Dabei drängte er sie zum Schreibtisch des Hausmeisters, fegte alles mit einem Wisch zu Boden und platzierte Hermine darauf. Atemlos tauschten sie weitere Küsse aus. Snape drängte sich ungestüm an sie, spreizte ihre Schenkel auseinander und riss ihr mit einem Ruck den Slip vom Körper. Ehe Hermine sich versah, spürte sie seine Finger zwischen ihren Beinen. Unaufhaltsam und zielstrebig bahnten sich diese ihren Weg…bis sie in der feuchten Hitze verschwanden, kurz still verharrten und dann in einem stetigen rein und raus ihre Arbeit aufnahmen.


Hermine keuchte mehrmals auf und wand sich wild unter den Berührungen. Snape hatte seine Mühe sie auf dem Tisch zu behalten. Mit seinem Gewicht drückte er sie immer wieder herunter, kostete dabei von ihren kleinen Knospen, biss und kniff hinein und war irgendwann so weit, dass er nicht länger an sich halten konnte und mit fahrigen Bewegungen seine Hose zu öffnen versuchte. Hermine wollte ihm behilflich sein, doch er schlug ihre Hand rigoros fort. Atemlos streifte er sich die Hose selbst über die Hüfte und legte sich auf Hermine. Irritiert hielt sie in ihren eigenen Bewegungen inne.


Was?“, knurrte er gereizt.

Ähm“, murmelte Hermine und spürte wie ihr das Blut ins Gesicht schoss, „ich würde gerne sehen, was da auf mich zukommt.“

Bitte was?“ Nun war es Snape der irritiert war und sich murrend aufrichtete. Dann grinste er spöttisch. „Miss Granger möchte im unpassendsten Moment ihren Wissensdurst stillen. Aber bitte, nur zu!“


Da stand er nun und präsentierte sich Hermine mit herunter gelassenen Hosen und seiner steil aufragenden Männlichkeit.

Alles zu ihrer Zufriedenheit, Miss Granger?“, bemerkte er bissig.

Entschuldigung, aber ich habe noch nie…und da musste ich… Oh Gott ist das peinlich.“ Hermine verbarg ihr Gesicht in den Händen. Snape seufzte.

Na schön, jetzt konntest du deinen Sehsinn gebrauchen. Dir ist bewusst, dass dem Menschen noch andere Sinne zur Verfügung stehen? Wir wäre es mit einem anderen?“

Hören?“, schlug Hermine zaghaft vor und kam sich daraufhin noch dümmer vor.

Hören, sicherlich…Was hören Sie denn so, Miss Granger? Möchten Sie ihr Ohr vielleicht einmal daran halten? Vielleicht klappt es dann mit dem Hörsinn. Und wenn Sie gerade auf dem Weg dorthin sind, nun ja, wie schon erwähnt, es gäbe da noch etwas anderes.“


Ich könnte ja mal fühlen“, flüsterte Hermine. Snape schnaubte genervt. „Bitte Miss Granger, das wäre dann wenigstens etwas. Aber ich rate zur Eile, denn auf Dauer wird sich das Blut nicht in meiner Körpermitte konzentrieren lassen.“

Hermine konnte Snape nicht ins Gesicht schauen. Ihr Blick haftete starr auf dem Objekt ihrer Begierde. Zögerlich griff sie danach, tastete daran herum, strich mit dem Zeigefinger auf und ab.

Snape der seine Felle, bzw. seine Erregung allmählich schwinden sah, überwand sich völlig uneigennützig zu ein bisschen Hilfestellung.

Er nahm Hermines Hand in seine und zeigte ihr dann, was er erwartete. Und mit der Schützenhilfe und einigen verlangenden Küssen, siehe da, kam auch die Lust auf mehr zurück. Es dauerte in der Folge nicht lange, bis beider Blut erneut hochgekocht war und der Vereinigung nun wirklich nichts mehr im Wege stand. Dachte Snape zumindest, so lange bis Hermines leise, mahnende Worte an sein Ohr drangen: „Du wirst doch vorsichtig sein, oder? Du weißt, es ist mein erstes Mal.“

Snape verdrehte entnervt die Augen, murmelte: „Ja, natürlich. Bleib einfach locker, lass dich gehen“, und begrub Hermine anschließend keuchend unter sich. Während sie ihre Beine um seine Hüften schlang, ein ums andere Mal laut stöhnte und seinen Namen in tiefster Wollust gefangen ausstieß, genoss Snape es nun endlich auf seine Kosten zu kommen. Zu Beginn war er auch noch sehr vorsichtig. Behutsam, wie versprochen, drang er in die junge Hexe, die ihm nach wie vor nicht aus dem Kopf gehen wollte, ein. Er hatte nicht vor ihr weh zu tun, er mochte sie irgendwie, über mehr wollte er sich überhaupt nicht den Kopf zerbrechen. Es lohnte sowieso nicht. Wer weiß, ob sie ihm jemals mehr an Gefühlen entgegen bringen wollte, oder konnte. Er mochte sie, sie mochte ihn, das hatte zu reichen.


Allmählich steigerte er sich in Ekstase geratend in seinem Tempo. Er ließ von Hermines Brüsten ab, packte sie an der Hüfte und zog sie zu sich heran. Dann setzte er zum Endspurt an. So lange wollte er dieses kleine Luder schon, nun hatte er sie endlich. Snape stöhnte, er keuchte…und bäumte sich unter der Flut seines verströmenden Erbes ein letztes Mal auf, bevor er geschafft auf Hermine niedersank.

Erst als Hermine ihm sacht über den Kopf streichelte, realisierte er wirklich was soeben geschehen war. Unsicher erhob er sich und zog hastig seine Hose hoch.

Du solltest dich auch anziehen“, raunte er Hermine zu. Er sah sie dabei nicht an.

Hilfst du mir hoch? Ich hätte auch nichts gegen einen kleinen Kuss einzuwenden“, schnurrte Hermine.


Snape dachte angestrengt nach. Wie sollte das jetzt bloß weiter gehen? Und während er grübelte, erhob Hermine sich enttäuscht selbst, zog sich an und fragte nach einer Weile, das Schweigen zwischen ihnen nicht länger ertragen könnend: „Wie lange soll ich nun noch hier bleiben? Kommt Filch zurück oder unterhältst du mich noch ein wenig?“

Räume die Pokale herunter, putz sie und stelle sie wieder hinauf! Oder weshalb glaubst du steht die Leiter noch immer dort?“

Hermine stemmte die Hände in die Hüften und starrte ihn ungläubig an.

War irgendetwas unverständlich, Hermine?“, wollte Snape mit ernster Miene wissen.

Oh, nein, ich habe dich sehr gut verstanden“, zischte Hermine, „taub bin ich nicht! So, ich werde dir mal zeigen, was ich von deiner Aufforderung halte.“ Hermine schnappte sich einen in der Ecke stehenden Besen und fegte damit provokativ zwei Regalreihen komplett leer.

Miss Granger, muss ich Sie wirklich daran erinnern, dass Sie derzeit ohne Zauberstab sind?“, meinte Snape gelassen, „was glauben Sie, wer wird das alles aufräumen müssen?“


Ich rühre hier keinen Finger, soviel steht fest.“

Was ist nun wieder in meine kleine Kratzbürste gefahren, mhm?“

Ich fasse es nicht!“ Hermine schnaubte entrüstet. „Erst machst du mich hier an, deflorierst mich und dann erwartest du, dass ich brav aufräume, wo du doch alles mit einem Wink in Ordnung bringen könnest?“

Strafe muss sein, Miss Granger“, schnarrte Snape unbeeindruckt von ihrem Ausbruch. „Ich werde jetzt eine Kleinigkeit essen gehen…und nachher noch mal nach dir sehen.“

Hermine traten die Tränen in die Augen. Sie versuchte sie vergeblich weg zu blinzeln. Irgendwann ließen sie sich nicht mehr aufhalten.

Warum hast du mit mir geschlafen, Severus? Sag mir bitte die Wahrheit“, forderte sie mit belegter Stimme.

Snape schnalzte mit der Zunge. „Erstens Miss Granger, ich muss doch darum bitten, nicht mit dem Vornamen angesprochen zu werden und zweitens, ich dachte wir wären uns einig gewesen. Du wolltest es genau so sehr wie ich. Wo ist das Problem?“


Hermine musste hart schlucken. „Empfindest du etwas für mich?“, hauchte sie kläglich, „bislang glaubte ich, dass trotz aller Schwierigkeiten die zwischen uns bestehen, dennoch eine gewisse Sympathie vorherrscht.“

Mach kein Drama daraus, Hermine!“, herrschte Snape sie an, „Du bist eine hübsche, junge Frau, ich bin ein Mann der Bedürfnisse hat. Dass du auch noch meine Schülerin bist, macht es nicht unbedingt leichter. Und jetzt höre auf, dich wie ein kleines Kind zu benehmen!“

Snape griff gerade nach der Türklinke, als ihn ein Pokal heftig an der Schläfe traf. Wütend stürmte er auf Hermine zu und blieb heftig atmend vor ihr stehen.

Drehst du jetzt schon wieder durch?“, fauchte er sie an.

Das ist meine Antwort auf diese miese Show, die du hier abziehst, SEVERUS. Du hast mich ausgenutzt, ach, was sage ich, du hast mich benutzt. Und anschließend weggeschmissen.“

Werde nicht dramatisch!“

Du bist ein Arschloch wie es im Buche steht, Severus Snape. Kannst du dir nicht vorstellen, wie es jetzt in mir aussieht?“


Sei vorsichtig mit dem was du sagst“, drohte er und hob Hermines Kinn an um ihr in die Augen sehen zu können. „Ich habe dir bereits gesagt, dass Strafe sein muss…und das bezog sich nicht nur auf das Putzen von Pokalen.“

Du hast mit mir gevögelt, weil du dich rächen wolltest?“ Hermine konnte es nicht glauben.

Na, so drastisch würde ich es nicht ausdrücken wollen“, meinte Snape und winkte lässig ab, „auch du wirst keine sehr ehrenhaften Gründe gehabt haben.“


Hermine holte tief Luft.

Sagt dir das Wort Liebe etwas? Ich blöde Kuh habe mich in dich verliebt. Nur deshalb habe ich dich gewähren lassen. Ich denke Tag und Nacht an dich, ich kann nachts nicht schlafen, manchmal bekomme ich beim Essen nichts herunter. Wenn ich dich sehe, klopft mein Herz ganz schnell. Kaum bist du in meiner Nähe gerate ich völlig aus dem Tritt. Die Sache heute morgen, oder gestern,…du hattest mich wieder mal verletzt. Nur deshalb habe ich das mit den gelben Vögeln durch gezogen. Ich wollte dich auch verletzen, ja, verdammt noch mal, ich wollte dir weh tun. Du verdammter Mistkerl hast meine Liebe überhaupt nicht verdient. Na los, geh Essen! Hoffentlich bleibt dir ein Bissen im Halse stecken.“


Egal was Snape erwartet hatte von Hermine zu hören, das war es jedenfalls nicht gewesen.


Liebe!


Sie sollte in ihn verliebt sein? Warum denn? Snape war in höchstem Maße irritiert, verunsichert, er wollte sich nicht mit solch tiefgreifenden Gefühlen auseinandersetzen.

Hermine, lass es doch bitte auf sich beruhen…“ Ein weiterer Pokal verfehlte ihn nur knapp.

Hör zu, was eben zwischen uns war, ist geschehen und lässt sich nicht rückgängig machen…“ Snape konnte dem nächsten Wurfgeschoss gerade noch so ausweichen.

Wirst du wohl aufhören mich zu attackieren!“, schrie Snape, doch Hermine ergriff schon das nächste Corpus delicti und schleuderte es wütend in die Richtung des Tränkemeisters.


Hermine, bitte, komm doch zur Vernunft“, flehte Snape, doch schon musste er abermals in Deckung gehen. Ihr Geständnis hatte ihn völlig unvorbereitet getroffen und beschäftigte ihn mehr, als er bereit war sich einzugestehen. Ja, es beschäftigte ihn nicht nur, es erfreute und ängstigte ihn gleichermaßen.

Hermine“, sagte Snape ruhig, „Du täuschst dich bestimmt in deinen Gefühlen…“ Dieses Mal flogen einige Ordner in seine Richtung.

Verdammt, wirst du wohl endlich aufhören etwas nach mir zu werfen?“


Langsam wurde er wütend. Das Geständnis hatte ihn völlig aus der Bahn geworfen. Er hatte keine Ahnung was er nun tun sollte. Zum einen wollte er sie in den Arm nehmen und trösten. Zum anderen verspürte er eine Riesenwut auf sich selbst, die ihn nicht mehr klar denken lassen wollte. Wie hatte er Hermine nur zu verstehen geben können, dass mehr dahinter stecken könnte? Doch wenn er es genau betrachtete, dann steckte sehr wohl mehr dahinter. Gingen nicht auch bei ihm die Gefühle über eine freundschaftliche Basis hinaus? Dachte er nicht ebenfalls ständig an sie und hatte dieses lästige Ziehen in der Bauchgegend wenn er sie nur sah? Und hatte Minerva ihm nicht vor ein paar Wochen schon auf den Kopf zugesagt, dass Hermine Gefühle für ihn hegte, die sich nicht mit der Schulordnung in Einklang bringen ließen?


Snape schloss gequält seine Augen, riss sie aber umgehend wieder auf als etwas mit lautem Klirren zu Bruch ging. Geschockt starrte er zu Hermine hinüber, die nun mit einem Pokal die Vitrine zertrümmert hatte und in eben diesem Moment wimmernd zu Boden ging. Entsetzt sah er Blut großflächig aus ihrem Handrücken hervorquellen. Mit schnellen Schritten war er bei ihr und hockte sich neben sie. Doch kaum hatte er sie berührt, schrie sie auch schon: „Fass mich nicht an!“

Wenn du verletzt bist wird es ja wohl nicht anders gehen“, zischte er zurück, und griff, ob sie nun wollte oder nicht, rasch nach ihrer Hand. Das versorgen der Wunde war ein einziger Kampf. Snape umklammerte eisern ihr Handgelenk und mühte sich die Blutung zu stillen, während Hermine die ganze Zeit über versuchte, seinem Griff zu entkommen. Snape war wirklich froh, es irgendwann doch geschafft zu haben.

Genervt und mit der bestehenden Situation eindeutig überfordert, hob er anschließend seinen Zauberstab, räumte das Chaos bei Seite, reparierte, was zu reparieren ging und wandte sich dann mit raschen Schritten dem Ausgang zu. Dort blieb er jedoch stehen und drehte sich um.


Du kannst gehen, Hermine“, sagte er mit rauer Stimme, „deine Strafarbeit ist beendet.“

Sie antwortete darauf nicht. Müde hockte sie auf dem Boden und starrte auf ihre nun verbundene Hand. Snape stützte sich seufzend am Türrahmen ab. „Hör´ zu Hermine, du solltest kurz mitkommen. Ich gebe dir noch eine Salbe für die Hand und den Hals, dann…“

Keinen Schritt werden ich an Ihrer Seite tun, Sir!“, erwiderte Hermine bestimmt, stand auf und begab sich ebenfalls zur Tür.

Dürfte ich bitte vorbei?“

Sicher“, flüsterte Snape mit erstickter Stimme. Es fiel ihm wahnsinnig schwer sie ungehindert vorbei zu lassen. Am liebsten hätte er sie spontan an sich gezogen, sein Gesicht in ihren Haaren versenkt, ihr gesagt, dass ihm auch viel an ihr lag…doch er brachte es nicht fertig. So blieben ihm nur ihr flüchtiger Geruch, das schlechte Gewissen und seine unausgesprochenen Gefühle.

Die Salbe, Hermine“, versuchte er es ein letztes, verzweifeltes Mal. Sie schaute tatsächlich kurz zurück, doch der ihm geltende vernichtende Blick zerriss ihm fast das Herz.


Ich wünsche Dir für die nächsten Wochen alles Gute“, rief er ihr leise hinterher. Mit keiner Regung verriet Hermine ob sie die Worte vernommen hatte.




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16. Kapitel




Völlig gerädert erwachte Hermine am nächsten Morgen. Ihr Schlaf war traumlos geblieben. Ehrlich gesagt hatte sie noch nicht einmal eine Ahnung, wie sie den Weg in ihr Zimmer überhaupt bewältigt hatte. Angekommen schien sie jedenfalls zu sein, wenn sie sich so umsah. Alles um sie herum sah nach Hermine Granger und ihrem Vertrauensschülerinnenzimmer aus.

Die Sonnenstrahlen durchfluteten mit ihrer Wärme den Raum, doch Hermine fröstelte. Gedanken an den gestrigen Abend versuchte sie hartnäckig zu verdrängen, doch ein Blick auf ihre verbundene Hand führte ihr alles wieder sehr lebhaft vor Augen. Kaum erwacht, füllten sich ihre Augenwinkel auch schon mit Tränen. Es tat so sehr weh! Wie er sie behandelt hatte! Wie den letzten Dreck! Und dann musste sie sich auch noch beeilen, um den Zug rechtzeitig zu erwischen, weil sie suspendiert worden war. Zwar nur auf Zeit, doch es langte. Diese vier Wochen würden die schlimmsten ihres ganzen Lebens werden. Ihr Vater würde ausrasten, soviel war ihr schon im Vorfeld klar. Und dann, fern von Hogwarts, fern von Severus…


Stop! Hermine verbot sich jegliche Gedanken an diesen Mann auf der Stelle. Das führte alles zu nichts. Er hatte ihr klipp und klar erklärt, dass er lediglich ein Mann mit Bedürfnissen wäre. Schluss aus! Genau so würde sie jetzt auch verfahren. Schluss aus. Aus den Augen aus dem Sinn. Vier Wochen lang hatte sie Zeit ihn zu vergessen.



Mit gezwungener, aufgesetzter Heiterkeit versuchte Hermine die Stunde die ihr noch zur Verfügung stand, bis sie in der Vorhalle auf Hagrid treffen würde, herum zu bringen. Sie bemühte sich gelassen zu sein und rational zu denken, ging gedanklich noch einmal alle Bücher durch, die sie für die Hausarbeiten, im wahrsten Sinne des Wortes, benötigen würde, überprüfte zum dritten Mal in Folge ihre dicke, schwere Reisetasche auf Vollständigkeit und stellte nach zwanzig Minuten resigniert fest, dass sie doch nicht einfach zur Tagesordnung übergehen konnte. Die Geschehnisse des gestrigen Tages setzten ihr sehr zu.

Die restliche Zeit über verbrachte sie nervös auf ihrem Bett und musste sich ständig davon abhalten aus dieser Nervosität heraus an den Fingernägeln zu knabbern.


Und dann war es 7.15 Uhr. Bedrückt warf sie einen letzten Blick aus dem Fenster auf die Ländereien Hogwarts, warf sich seufzend den Umhang über und machte sich anschließend daran, das Ungetüm von Tasche irgendwie aus dem Zimmer heraus zu wuchten. Eine unwahrscheinliche Plackerei. Wage kam ihr der Gedanke an die Hauselfen. Beförderten die nicht immer das Gepäck zum Zug? Sollte sie die Tasche einfach stehen lassen und darauf hoffen, sie im Zug vorzufinden? Hermine fluchte. Sie war sich nicht sicher. Sicher war hier nur eines: allein konnte sie das nie und nimmer schaffen.


Mit grimmigem Gesicht stand sie gebeugt zwischen Tür und Angel und zerrte an einem der Henkel ihrer Tasche herum, die sich nun auch noch zwischen dem Türrahmen verkeilt hatte. Nun ging erst recht nichts mehr.

Hermine, wo willst du denn hin? Was tust du da überhaupt?“ Hermine fuhr genervt herum. Prima, Parvati und Lavender, die beiden hatten ihr gerade gefehlt!

Wonach sieht es denn aus?“, brummte Hermine verstimmt, gab es nun aber auf, sich mit der Tasche auseinander setzen zu wollen. Was nicht ging, ging eben nicht!

Wo willst du mit der großen Tasche hin?“ Lavender deutete fragend auf Hermines Gepäck.

Von wollen kann überhaupt keine Rede sein, aber…“


Miss Patil, Miss Brown, sollten Sie nicht längst in der großen Halle sein?“, bemerkte Professor McGonagall spitz und wandte sich, nachdem die beiden Mädchen eilig verschwunden waren, Hermine zu. „Und Sie, Miss Granger, warum lassen Sie Hagrid so lange warten? Kommen Sie mit Ihrem Gepäckstück nicht zurecht?“

So ist es“, knurrte Hermine, „ich wurde für nicht würdig befunden den Zauberstab weiterhin mitführen zu dürfen.“

Ach was“, die Lippen der Schulleiterin kräuselten sich leicht, „ist es Ihnen entfallen, dass es für gewöhnlich die Aufgabe der Hauselfen ist, Gepäck zum Zug zu transportieren?“

Ich wusste nicht, ob dies auch in diesem Fall zutrifft“, sagte Hermine leise, „von daher wollte ich auf Nummer sicher gehen…doch wie Sie sehen, es geht nicht.“

Minerva hüstelte verlegen. „Nun kommen Sie schon, der Zug wartet nicht ewig auf Sie, Miss Granger“, forderte sie nur Sekunden später barsch, ließ die Reisetasche voran schweben und eilte zügig hinterher.

Hermine warf einen wehmütigen, letzten Blick in ihr Zimmer, schloss die Tür und folgte ihrer Hauslehrerin.



Hagrid erwartete sie schon.


Hermine, es tut mir ja so leid für dich“, dröhnte Hagrids Bass durch die Vorhalle.

Ja, danke, Hagrid, ich tue mir auch leid“, murmelte Hermine und warf Professor McGonagall dabei einen finsteren Blick zu.

Ach, bei allen Hippogreifen“, schluchzte Hagrid plötzlich los, zog hastig sein Schnuffeltuch aus der Jackentasche und schnäuzte lautstark hinein, „manche Menschen müssen aber auch so früh von uns gehen. Kann man nich´ verstehen, nich´?“

In der Tat. Hermine verstand nicht ein Wort. Von was faselte der Wildhüter da nur? Irritiert schaute sie zur Schulleiterin. Bei dieser zuckte kurz der Mundwinkel, dann legte sie Hermine eine Hand auf die Schulter und sagte mütterlich: „Miss Granger, ich hatte Ihnen mein Beileid bereits ausgesprochen. Es tut mir wirklich sehr leid für Ihre Tante. Ich werde Ihre Mitschüler darüber aufklären, dass Sie aus familiären Gründen Hogwarts ganz dringend verlassen mussten. Trösten Sie Ihre Eltern, kommen Sie alle zur Ruhe. Lassen Sie sich nur Zeit…und wenn es vier Wochen dauern sollte, ich werde dafür Verständnis haben.“


Hermines Augen waren während Professor McGonagalls mitfühlender Rede immer größer geworden, doch nun wurden sie ganz schmal und fixierten die Hauslehrerin Gryffindors fassungslos.

Hagrid, der Hogwartsexpress wartet nicht bis in alle Ewigkeit auf Miss Granger“, forderte diese jedoch streng und raunte an Hermine gewandt leise: „Schweigen Sie lieber, es ist besser so!“ Dann drehte sie sich um und verschwand mit wehendem Umhang in Richtung der großen Halle.


Meine Güte so eine große Tasche“, staunte Hagrid nun, „willst du die nicht schrumpfen lassen?“

Hermine grinste schief. „Ach, ich wusste doch, dass du mich begleiten würdest, Hagrid. Für dich ist das doch kein Problem.“

Na, dann komm“, grummelte Hagrid, „wirst schon wissen, was richtig is´ nich´?“ Mit Leichtigkeit hob er Hermines Reisetasche hoch und stapfte voran. Hermine wortlos hinterher. Noch immer konnte sie nicht fassen, was sich Professor McGonagall für eine Ausrede hatte einfallen lassen. Ihre Tante war also gestorben! Hatte sie überhaupt eine Tante?

Auf halbem Weg nach Hogsmeade hinunter blieb Hagrid stehen, wühlte in seinem riesigen Mantel herum und reichte Hermine ein kleines, braunes Päckchen. „Hier, soll ich dir noch von Professor Snape geben.“

Was?“, fragte Hermine zunächst verwundert, doch dann schüttelte sie vehement den Kopf und verzog brüskiert das Gesicht. „Ich will nichts von Snape“, sagte sie entschieden, „gib es ihm zurück oder wirf es weg!“

Das geht nicht, Hermine, er hat gesagt, dass ich es dir unbedingt geben soll, auch wenn du es nicht möchtest.“

Hagrid, ich will es nicht!“, fauchte Hermine laut. Mit schnellen Schritten eilte sie an Hagrid vorbei. So plötzlich wieder an Snape erinnert zu werden, brachte sie aus dem Konzept. Sie wollte weder an ihn denken, noch wollte sie irgendein kleines Päckchen von ihm haben. Das hatte der sich so gedacht!

Doch Hagrid ließ nicht locker.

Professor Snape meinte, es wäre ihm egal ob du schreist oder davon läufst, Hauptsache du steigst nicht ohne dieses Päckchen in den Zug.“

Hermine schnaubte. Was sollte das denn nun? Und wieso wusste er genau, dass sie sich weigern würde es annehmen? Glaubte er etwa sie so gut zu kennen, dass er genau vorhersehen konnte, was sie tun würde? Darüber wütend, doch gleichzeitig auch neugierig, weshalb es ihm wohl so wichtig sein mochte, dass sie dieses Päckchen erhielt, sagte sie scheinbar gelassen: „Na schön, dann gib es eben her. Wird wohl das Buch sein, welches ich gestern liegen gelassen habe.“

Weiß nich´“ brabbelte Hagrid in seinen Bart, „hat nich´ gesagt, was drin ist. Hast du wenigstens was zu lesen im Zug. Ist doch schön.“


Hermine verdrehte die Augen. Was glaubte Hagrid wohl, was er da mit sich herum schleppte? Zu lesen! Davon hatte sie ja wohl genug mitgenommen.


Zum Glück stand der Zug schon im Bahnhof, als sie dort ankamen, so dass Hermine sich ganz schnell verabschieden konnte. So sehr sie Hagrid eigentlich auch mochte, doch heute hatte sie absolut keine Lust mit ihm zu plaudern. Und das lag nicht nur daran, dass sie nach Hause fahren musste, weil sie auf Zeit suspendiert worden war… sondern auch an dem kleinen Paket unter ihrem Arm. Es fühlte sich seltsam an, etwas von Severus bei sich zu haben. Es war ihr geradezu unheimlich. Die Neugier, was sich darin wohl verbergen mochte war groß, doch sie wollte sich mit dem Nachsehen Zeit lassen. Die Fahrt dauerte lange, da gab es Stunden später auch noch Gelegenheit dazu.

Zum Glück hatte Hagrid ihr die Tasche bis ins Abteil hinein getragen. In die Gepäckablage hatte sie zwar nicht gepasst, sondern stand jetzt sperrig auf dem Boden herum, doch das machte nichts. Sie saß allein hier drinnen; von daher konnte ihr das herzlich egal sein.

Hermine ließ sich seufzend in die Polster fallen und atmete tief durch, als der Zug sich pünktlich in Bewegung setzte. Lange Zeit presste sie den Karton einfach nur an sich und genoss die Schönheit der vorüberziehenden Landschaften. Für eine Weile vergaß sie sogar, wohin sie fuhr und weswegen.

Doch irgendwann erinnerte sie sich eben auch wieder an das kleine Päckchen. Vorsichtig fuhren ihre Finger über den rauen Karton. Inzwischen war sie mehr als neugierig. Severus hatte ihr also etwas mitgegeben. Etwas, dass sie unbedingt entgegen nehmen sollte. Skeptisch betrachtete sie den Karton. „Ach was soll es“, murmelte sie und öffnete ihn. Ein Zettel lag obenauf.



Die Salbe habe ich letzte Nacht ganz frisch

angerührt und erwarte, dass du sie auch benutzt.“



Mit zitternden Fingern hob Hermine den Zettel an und erblickte darunter einen kleinen Tiegel. Mit der Salbe, die sie gestern Abend ausgeschlagen hatte. Ein dicker Kloß saß umgehend in ihrem Hals fest. Er hatte letzte Nacht extra für sie noch im Labor gestanden? Sie wollte es gerne glauben, doch ebenso gut konnte es auch sein, dass er eine 20-er Packung davon für Poppy hergestellt und einfach nur einen Tiegel entnommen hatte. Einfach so, weil ihn das schlechte Gewissen quälte…oder weil er sich Sorgen machte? Hermine schaute wieder aus dem Fenster, die Welt verschwamm vor ihren Augen. Eine Träne nach der nächsten kullerte über ihre Wange. Sie wischte sie nicht weg. Hier war niemand der es sehen konnte, sie war allein auf großer Fahrt. Die wenigen anderen Passagiere saßen viel weiter vorne im Zug und hatten keine Chance Hermine Granger dabei zu zusehen, wie sie ihre Contenance verlor und wegen einem Tränkemeister heulte, der gestern mit ihr geschlafen und sie anschließend wie einen alten Turnschuh weggeworfen hatte.


Sie war aufgewühlt und hätte am liebsten das Fenster geöffnet und den Karton samt Inhalt hinaus geworfen…doch sie brachte es nicht fertig. Im Gegenteil irgendwann griff sie nach dem Tiegel, presste ihn an sich, rollte sich auf der Sitzbank zusammen und schlief beim monotonen Rattern des Zuges ein.


Möchten Sie eine Kleinigkeit vom Wagen, Miss?“ Hermine schreckte hoch und sah sich orientierungslos um. Ach ja, sie saß im Zug und war auf dem Weg nach Hause! Schnell versuchte sie ihre Haare mit der Hand zu glätten und ein freundliches Gesicht aufzusetzen.

Ähm, warten Sie einen Moment“, murmelte sie verlegen und kramte in ihrer Tasche nach ein paar Münzen. „Also ich hätte gerne ein großes Stück Kesselkuchen und eine Flasche Wasser.“

Gerne, dürfen es auch noch ein paar Schokofrösche oder Lakritzzauberstäbe sein?“, fragte die Frau freundlich, doch Hermine verzog bei der Erwähnung von Zauberstäben schmerzvoll ihr Gesicht und verneinte schnell.

Hier, lassen Sie es sich schmecken, Miss. Guten Appetit.“

Danke. Sagen Sie, wie lange wird es noch bis London dauern?“

Oh, ich denke wir werden in knapp 2 Stunden da sein.“ Die Frau lächelte warmherzig, Hermine zwang sich es zu erwidern. Das Lachen würde ihr spätestens in knapp 2 Stunden ohnehin vergehen.


Kauend saß sie kurz darauf wieder allein in ihrem Abteil und versuchte sich Antworten auf die unausweichlichen Fragen ihrer Eltern zu recht zu legen. Doch egal was sie sich auch ausmalte, sie gab es irgendwann auf, denn sie wusste: erstens kam es immer anders und zweitens als man dachte. Ihr Blick fiel wieder auf den Tiegel. Severus. Dann musterte sie ihre Hand, die gestern beim Zerschlagen der Vitrine von einem großen Glassplitter regelrecht aufgeschnitten worden war. Es war nur noch ein dumpfer Schmerz zu spüren. Der Schmerz in ihrem Herzen wog dafür umso mehr. Sie hatte es gestern durchaus ernst gemeint mit ihrer Liebeserklärung, obwohl sie sich noch immer fragte, wie sie den Mut dazu hatte aufbringen können. Zumindest war Snape daraufhin ziemlich still geworden. Was auch immer das heißen mochte.

Seufzend erhob sie sich und blickte in den kleinen Spiegel, der oberhalb der Sitzbank angebracht war. Die Würgemale zeichneten sich noch immer deutlich ab. „Tja, Severus da hast du wirklich ganze Arbeit geleistet. Und nun glaubst du, mit einer Salbe alles wieder gut machen zu können?“ Sie trug die Salbe, die dem Geruch nach verdammt an ihr Haarshampoo erinnerte, großzügig auf, und hatte schon ein paar Sekunden später den Eindruck, dass die Haut wesentlich blasser aussah. Nach einem nochmaligen Einsalben des Halses waren die Fingerabdrücke Snapes sogar gänzlich verschwunden. Hermine zog anerkennend die Augenbrauen empor. „Na bitte, da hat sich die Mühe ja gelohnt, Professor Snape.“ Ebenso verfuhr sie mit dem Handrücken. Zurück blieb allerdings eine feine weiße Linie. Na gut mit der Narbe konnte sie leben. In einem Anfall von Bitterkeit raunte sie: „Ein Andenken an dich, Severus. Vielen Dank. Bei jedem Blick darauf werde ich mich daran erinnern, welch tolle Atmosphäre in dem Raum herrschte, in dem mein erster Sex stattfand.“



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Schon als der Zug in den Bahnhof einfuhr erspähte Hermine ihre Eltern. Mit Weltuntergangsmienen standen diese am Bahnsteig und versuchten an einem der Fenster ihre missratene Tochter zu erblicken. Hermine wurde schlecht. Welch ein Glück, dass sie den ganzen Tag über nur das eine Stück Kesselkuchen zu sich genommen hatte. Ein voller Magen hätte augenblicklich zum Malheur geführt.

Unter lautem Zischen und Fauchen kam der Zug zum Stehen. Hermine holte tief Luft und bereitete sich auf das unvermeidliche und unvorhergesehene Wiedersehen vor. Mit erhobenem Haupt stieg sie aus dem Zug aus und winkte ihren Eltern mit klopfendem Herzen zu.

Mum, Dad, hier bin ich“, rief sie.

Ihre Eltern wandten sich ihr langsam zu, doch die Blicke verhießen nichts Gutes.

Wo ist dein Koffer?“, fragte ihr Vater, als er sie erreicht hatte, statt einer freundlichen Begrüßung, schroff.

Noch im Zug“, antwortete Hermine leise, „er war mir zu schwer, denn ich musste doch alle Bücher mitnehmen.“

Während Hermines Vater schnaufend in den Zug stieg um die Reisetasche zu bergen, jammerte ihre Mutter vorwurfsvoll: „Kind, was hast du dir nur dabei gedacht? Uns hätte gestern fast der Schlag getroffen. Unsere Tochter wird von der Schule geworfen, das muss man sich mal vorstellen! Unsere eigene Tochter, auf die wir immer so stolz gewesen sind. Was haben wir uns nicht alles vom Munde abgespart um dir die Schule in Hogwarts zu ermöglichen. Doch Undank scheint der Welten Lohn zu sein. Uns so in den Rücken zu fallen. Das hätten wir nicht von dir gedacht!“


Mum, bitte“, flehte Hermine, doch ihre Mutter schnitt ihr das Wort ab. „Ich möchte wirklich wissen, was in deinem Kopf vor sich geht. Noch nie mussten wir uns wegen dir so sehr schämen! Hast du tatsächlich einen Lehrer angegriffen?“

Ja“, antwortete Hermine fast flüsternd und senkte den Blick zu Boden.

Ihr Vater kam gerade mit der großen Tasche auf sie zu und ihre Mutter hatte nichts Besseres zu tun, als ihre Erkenntnisse umgehend kund zu tun: „Sie hat es getan, Sie hat es wirklich getan!“


Ein böser verständnisloser Blick ihres Vaters traf Hermine. „Ab jetzt zum Auto!“, knurrte er wütend.


Die Fahrt mit dem Auto nach Hause war von unerträglichem Schweigen geprägt. Während ihre Mutter sich vorhin schon am Zug genug aufgeregt zu haben schien und Hermine jetzt gar nicht mehr beachtete, sah ihr Vater aus, als wenn noch längst nicht alles gesagt worden war. Offenbar wartete er auf irgendeinen Stein des Anstoßes um richtig loslegen zu können mit seiner Moralpredigt. Alles deutete auf die Ruhe vor dem großen Sturm hin.


Selbst als sie in der Wohnung angekommen waren, wurde kein Wort gewechselt.


Nun saß Hermine schon seit einer geschlagenen Stunde allein in ihrem Zimmer. Die Abendbrotzeit war längst heran, doch sie wagte es nicht ins Wohnzimmer hinüber zu gehen. Die Angst vor dem was noch kam lähmte sie. Fast trug sie sich schon mit dem Gedanken einfach ohne etwas zu essen ins Bett zu gehen, da hörte sie ihren Vater laut rufen: „Hermine, sieh zu, dass du augenblicklich hier auftauchst!“

Jetzt ging es erst richtig los, sie ahnte es. Mit mulmigem Gefühl ging sie hinüber und setzte sich schweigend an den Tisch.


So“, Mr. Granger stellte sein Glas ungewohnt heftig auf dem Tisch ab und musterte seine Tochter ausgiebig. „Da haben wir also immer geglaubt, dass unsere Tochter unfehlbar wäre. Von dem Wunsch, dass du unsere Praxis eines Tages übernehmen würdest haben wir uns schon lange verabschiedet, doch dass mein eigen Fleisch und Blut“, nun hob er seine Stimme um ein Vielfaches an, „sich eines Tages einem Lehrer gegenüber derart ungehörig benehmen könnte, habe ich im Leben nicht zu träumen gewagt. Das ist kriminell. Hörst Du“, nun schrie er quer über den Tisch, „das ist kriminell! Hat dir deine dämliche Zaubererschule derart das Hirn vernebelt, dass du glaubst, du könnest dir alles herausnehmen? Was bildest du dir eigentlich ein? Kannst du dir vorstellen, wie sehr wir uns getroffen fühlen, wenn wir einen Brief der Direktorin Hogwarts erhalten, in dem uns mitgeteilt wird, dass unsere Tochter suspendiert wurde?“


Hermine fühlte sich am Boden zerstört. Ihre Eltern hatten doch keine Ahnung wie es überhaupt dazu gekommen war.


Eine der väterlichen Fäuste schlug heftig auf dem Tisch auf und brachte die Kanne Tee zum Kippen. Die braune Flüssigkeit ergoss sich über dem ganzen Tisch. Hermine nahm es wie durch einen Schleier war. Das war alles ein böser Traum.

Sieh mich an, wenn ich mit dir rede!“, schrie ihr Vater erneut und fluchte laut, als die Teepfütze nun auch noch vom Tisch auf den hellen Teppich kleckerte. „Und verdammt noch mal, bewähre dich endlich als Hexe und beseitige diese Schweinerei hier!“


Hermine reichte es. Sie stand so schwungvoll auf, dass sie dabei ungewollt den Brotkorb vom Tisch fegte. „Ach, hat Professor McGonagall gar nicht berichtet, dass sie mir auch noch meinen Zauberstab abgenommen hat? Welch ein großes Versäumnis! Schön, ich habe verstanden, dass ich nichts als Schande über euch gebracht habe. Alles klar! Die vorangegangenen Jahre zählen also überhaupt nicht. Ich wusste gar nicht, dass ihr so schlecht über mich denkt. Aber gut, dass es endlich mal angesprochen wurde. Und im Übrigen lege ich keinen Wert mehr darauf mit euch an einem Tisch zu sitzen.“

Dann drehte sie sich um, verschwand in ihrem Zimmer, schloss sich ein und warf sich heulend aufs Bett. Wenn das hier 4 Wochen lang so weitergehen sollte, na dann gute Nacht!




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17. Kapitel



Das Klima zwischen Hermine und ihren Eltern hatte sich auch etliche Tage später noch nicht einen Deut gebessert. Die Fronten waren und blieben verhärtet. Hermine sah zu, dass sie ihnen nicht über den Weg lief, huschte nur dann und wann schnell in die Küche oder ins Bad. Selbst wenn ihre Eltern arbeiten waren, blieb sie in ihrem Zimmer. Sie fühlte sich hier nicht länger zu Hause oder gar geborgen. Tags über schlief sie, nachts wälzte sie Bücher und schrieb. Ein Ablauf an den sie sich sehr schnell gewöhnte.


Ihr einziger Trost waren die kleine Notiz von Severus, die sie trotz allem was dieser Mistkerl ihr angetan hatte, hütete wie einen Schatz und der Tiegel mit der Salbe. Letzterer hatte einen Sonderplatz auf ihrem Schreibtisch erhalten und erinnerte sie tagtäglich an Hogwarts. Hogwarts, ein Platz an dem sie jetzt liebend gerne gewesen wäre.


Nach acht Tagen kam auch endlich eine Eule von Harry und Ron an. Hermine betrachtete sie nur mit einem schiefen Lächeln. So lange hatten die Herren also gebraucht um sich an sie zu erinnern. Sie wollte die Nachricht eigentlich gleich unbeantwortet zurück schicken, doch mit einem Seufzen öffnete sie die kleine Pergamentrolle schließlich doch. Immerhin eine Nachricht aus Hogwarts!




Hallo Hermine,


wir stecken voll im Stress, darum hat es ein wenig länger

gedauert. McGonagall hat uns allen erzählt, dass deine Tante

gestorben ist und du dich nun um deine Familie kümmern musst.

Ist wohl ein Witz! Na ja, besser als wenn alle von dir und

deiner Fehde mit Snape wüssten! Ehrlich gesagt wissen wir

immer noch nicht, warum du die alte Fledermaus immer wieder

schützt. Wirst du wohl selbst am besten wissen…

Snape jedenfalls ist und bleibt ein Ekel. Heute hat er uns schon

wieder 30 Punkte abgezogen, weil wir angeblich nicht bei der Sache waren.

Dafür machen sich immer noch alle über ihn lustig, das entschädigt einen dann ein wenig.


So, dann mach es mal gut, wir sehen uns ja in 3 Wochen schon wieder.


Bye, Harry und Ron.“



Wir sehen uns dann in 3 Wochen schon wieder! Hermine hätte heulen können. Hatten die überhaupt eine Vorstellung davon, wie schnell sie hier wieder weg wollte?

Sie schrieb nur einen einzigen Satz zurück:



Die Botschaft ist angekommen, meine Lage hier der reinste Horror.


Hermine“



Sollten die beiden davon halten was sie wollten. Sich nach so vielen Tagen erst zu melden! Sie war einfach nur enttäuscht. Aber enttäuscht zu sein, war mittlerweile offenbar schon zur Normalität geworden. Ja, sie war enttäuscht. Enttäuscht von Severus, Professor McGonagall, von Harry und Ron und zu guter Letzt auch von ihren Eltern.

Dass sie Mist gebaut hatte, war ihr klar, doch dass dies alles solche Ausmaße annahm, hätte sie nicht für möglich gehalten. War das alles noch gerecht?

Hermine hatte jedenfalls die Nase gestrichen voll. Überdies ärgerte sie sich, dass die Eule sie mit ihrem blöden Gescharre am Fenster schon um 14.00 Uhr aus dem Schlaf gerissen hatte. Eine Zeit um die sie für gewöhnlich die letzten Tage noch geschlafen hatte. Seufzend kroch sie, nachdem die Eule ihren beschwerlichen Rückflug antrat, wieder unter die Decke. Der normale Tag begann für sie erst um 20.00 Uhr. Davor konnten sie ihr alle mal gestohlen bleiben.


Doch Hermine hatte die Rechnung ohne ihre Mutter gemacht.


Am Nachmittag, so gegen 16.00 Uhr, klopfte Mrs. Granger an die Tür ihrer Tochter.

Hermine, so geht das nicht weiter! Du kannst dich doch nicht ewig einschließen. Mach auf!“

Ihr erster Reflex war es, sich die Decke über die Ohren zu ziehen. Sie hatte jetzt echt keinen Nerv für irgendwelche Vorhaltungen. Doch das Klopfen an der Tür blieb und nahm, wenn es überhaupt noch irgend möglich war, an Intensität zu.

Hermine, es reicht! Mach sofort die Tür auf!“

Grummelnd tappte Hermine zur Tür und öffnete sie einen Spalt breit. Mrs. Granger klappte die Kinnlade herunter.

Ja, wie siehst du denn aus?“, schnappte sie fassungslos.

Wie Hermine Granger, die Tochter, die euch so viel Schande bereitet hat?“, schlug Hermine pampig vor.

Du siehst abscheulich aus“, stieß Mrs. Granger entsetzt aus. „Wann hast du dich das letzte Mal gekämmt? So kann man doch nicht herum laufen!“

Meine Bücher kümmert es nicht, ob ich nun vorschriftsmäßig frisiert bin oder nicht.“

Reiß dich zusammen!“, drohte Mrs. Granger finster drein blickend, „und überlege dir gut, wen du vor dir hast.“

Alles klar“, Hermine gähnte herzhaft, „war sonst noch was?“


So es reicht. Aus dem Weg!“ Mrs Granger stürmte ins Zimmer, riss die Gardinen auf und rümpfte angewidert die Nase. „Gelüftet hast du wohl auch nicht. Meine Güte, was ist nur aus dir geworden? Aber eines sage ich dir, dieses Theater hat ab heute ein Ende.“

Wenn du das sagst, dann…“ Weiter kam Hermine nicht, denn sie wurde von ihrer Mutter grob am Arm gepackt und mit aller Macht vor den großen Spiegel in der Ecke gezerrt.

Sieh hinein!“, schrie Mrs Granger völlig aufgelöst, „sieh dir an, wie verloddert du aussiehst, Hermine. Sieh dir nur an, was aus dir geworden ist!“


Was Hermine sah gefiel ihr zwar nicht sonderlich, doch sie hatte auch keine Kraft mehr irgendetwas dagegen zu unternehmen. Sie sah selbst, was 8 Tage aus ihr gemacht hatten. Dunkle Augenringe, blasse, ausgezehrte Erscheinung…ein durch und durch deprimiertes und übernächtigtes Gesicht blickte ihr freudlos entgegen.

Gefällt dir das? Du kannst doch nicht ernsthaft so weiter machen wollen.“ Mrs. Granger war außer sich.

Wo ist überhaupt dein Problem, mum?“ Hermine zuckte nur gleichgültig mit den Schultern.

Mein Problem? Du fragst mich ernsthaft wo mein Problem ist?“ Verständnislos blickte Hermines Mutter an ihrer Tochter herab.

Na gut“, mit entschlossener Miene zog Mrs. Granger den Schlüssel zu Hermines Tür ab und streckte ihn betont langsam in ihre Hosentasche. „Dann wirst du dich in Zukunft wenigstens nicht mehr einschließen können.“

Gib mir sofort den Schlüssel!“ Hermine bekam Panik.

Erst gehst du duschen, ziehst dir was Ordentliches an und begleitest mich zum Einkaufen. Du musst hinaus, du musst unter Menschen.“

Hermine schnaufte. „Ich denke ja nicht daran!“

Na dann…“

Mum, bitte, es ist mitten in der Nacht“, flehte sie, „ich bin müde und…“

Es ist nicht zu übersehen, dass du vor Müdigkeit kaum noch stehen kannst, doch es ist mein voller Ernst.“ Mrs. Granger blieb unerbittlich.

Mum, wenn die Tür nicht verschlossen ist, kann ich heute Nacht nicht in Ruhe meinen Aufsatz schreiben. Ich brauche die Ruhe…“

Ab ins Bad!“


Hermine haderte mit sich. Minutenlang, doch irgendwann nickte sie, nahm resignierend den Bademantel vom Haken und ging ins Bad. Nicht freiwillig, auch nicht weil sie eine Einsicht in die Notwendigkeit hatte, sondern eher aus Angst, dass ihre verdrehte, kleine Welt, in der sie seit über einer Woche lebte zusammenbrach. Die abgeschlossene Tür bedeutete Sicherheit…und diese benötigte sie, um nicht durch zu drehen. Die Hausarbeiten waren ihr einziger Halt…und den mochte sie wegen eines fehlenden Schlüssels nicht verlieren.



Eine halbe Stunde später war sie mit ihrer Mutter auf dem Weg zum Einkauf. Erst jetzt wurde Hermine bewusst, wie sehr sie sich in den paar Tagen der Abgeschiedenheit von der Welt entfernt hatte. Das Tageslicht schmerzte in den Augen, hupende Autos raubten ihr den letzten Nerv und die Menschenmassen auf den Straßen waren ihr einfach nur zuwider. Sie wünschte sich augenblicklich in ihr abgedunkeltes Zimmer zurück, doch ihre Mutter hatte andere Vorstellungen, denn sie irrte mit ihr quer durch die Straßen, fuhr mit ihr Bus, scheuchte sie durch verschiedene Kaufhäuser und besaß dann auch noch Frechheit zu fragen, ob sie Spaß hätte. NEIN! Hermine hatte keinen Spaß an dem Ausflug. Sie wünschte sich Ruhe, sie wollte sich verkriechen. Während Mrs Granger alle möglichen Register zog, um ihre Tochter von der Notwendigkeit am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen überzeugen zu wollen, war Hermine gedanklich schon bei dem Aufsatz für Verwandlung, den es in der kommenden Nacht zu bewältigen galt.


In der Folge geriet die Stimmung sowohl bei Hermine, als auch bei ihrer Mutter, immer mehr an den Gefrierpunkt.


Können wir jetzt langsam mal wieder nach Hause gehen?“, fragte Hermine gereizt, als ihr ihre Mutter vorschlug im nächsten Geschäft ein paar neue Kleidungsstücke zu erstehen.

Ich habe es nur gut gemeint, meine Liebe! Da will man seiner Tochter einen Gefallen tun, aber nein, alles was man zu hören bekommt, sind freche Antworten. Meinst du ich will mir vorwerfen lassen, meine Tochter nicht ordnungsgemäß einkleiden zu können?“

Na prima, jetzt war ihre Mutter auch noch beleidigt! Hermine aber konnte und wollte im Moment nicht aus ihrer Haut heraus.

Mir doch egal was du denkst“, zischte Hermine, „hast du mich einmal gefragt wie es mir geht? Ich habe absolut keine Lust hier durch die Gegend zu irren. Mir wäre es lieber in meinem Zimmer zu sein und mich an die Hausaufaufgaben zu setzen.“

Was machst du denn schon?“, meinte ihre Mutter pikiert, „soweit ich mitbekommen habe, verschläfst du den ganzen Tag. Ich wüsste nicht, wie man da noch anständig lernen kann. Wird schon alles seine Richtigkeit haben mit deiner Suspendierung. So etwas geschieht nicht ohne Grund.“

Hermine lachte bitter auf. „Oh, ja, sind wir also wieder beim Thema. Aber wollen wir doch mal eines klar stellen. Ich bin nicht hier, weil ich nicht gelernt habe, sondern weil ich einen Lehrer attackiert und vor der gesamten Schule lächerlich gemacht habe. Wie nannte es Dad doch gleich? Ach, richtig, ich bin kriminell! Toll, ihr habt also eine Verbrecherin zur Tochter. Gewöhnt euch daran! Doch ihr wisst nichts! Ihr habt keine Ahnung, weshalb ich diesen Lehrer mit einem Zauber belegt habe. Dieser Mistkerl hatte es nämlich verdient. Und weißt du was? Wenn dieser Typ mich noch einmal dermaßen beleidigen sollte, blüht ihm noch was ganz anderes.“


Hermine wandte sich ruckartig ab und tat so, als begutachtete sie die Auslagen in einem Schaufenster mit großer Neugierde. Niemand sollte ihre Tränen sehen, die ihr mal wieder wegen Snape in die Augen stiegen. Alle Erinnerungen an ihn waren schlagartig präsent. Sie wollte wieder zurück nach Hogwarts. Sie wollte Severus wenigstens aus der Ferne betrachten können. Egal wie fies er gewesen war, sie konnte es sich auch nicht so recht erklären, doch sie vermisste ihn sehr. Immerhin hatte er ihr die Salbe zukommen lassen…und sie bei McGonagall verteidigt…und konnte so wunderbar küssen…und ja, sie musste es zugeben, er war auch der fieseste, unsozialste Mensch, den man sich nur vorstellen konnte, doch…oh Gott, ja, sie wollte ihn wieder sehen. Sie vermisste es geradezu sich mit ihm einen Schlagabtausch zu liefern. Sie gierte förmlich danach. Gleichzeitig war ihr aber auch klar, dass sie sich nie wieder von ihm um den Finger wickeln lassen würde. Wenn hier jemand die Spielregeln bestimmte, dann würde sie das in Zukunft sein. Sie und nur sie!


Ich muss noch zur Bank, kommst du mit?“ Hermine drehte sich um und starrte ihre Mutter völlig entgeistert an. Wie konnte die von Bankgeschäften faseln, während sie sich mit Gedanken um Snape herum schlug? Das zeugte nur davon wie wenig sie wusste.

Hermine! Die Bank!“, drängte Mrs. Granger und zog die Stirn verärgert in Falten. „Kommst du nun oder willst du schon nach Hause gehen?“

Ich…ähm, nun…nein, ich will nicht zu irgendeiner Bank.“

Mrs. Granger betrachtete ihre Tochter Kopf schüttelnd. Hermine kam ihr wie ein Wesen von einem anderen Planeten vor. Und dieses Wesen war ihr fremd. Äußerst fremd. „Na gut“, meinte sie seufzend, „ehrlich gesagt könnte es auch recht peinlich für mich werden, wenn ich dich mit diesem Gesichtsausdruck zu einem Banktermin mitnehme. Hier hast du Geld. Ich erwarte, dass du es auch benutzt, um dir etwas Anständiges zu kaufen. Wir sehen uns dann nachher zu Hause.“



Ich erwarte, dass du es auch benutzt!“



Durch diese Worte wurde sie erst recht an Severus erinnert. Hinter Hermines Stirn pochte es dumpf. Lange, sehr lange blieb sie auf der Stelle stehen. Ihre Mutter verschwand irgendwann im Gedränge, doch sie selbst stand wie fest verwurzelt am selben Ort. Mit einem Bündel Geld in der Hand. Wie durch übernatürliche Kräfte gesteuert, gelangte sie in ein Kaufhaus und erwarb Kleidungsstücke. Noch unglaublicher kam es ihr vor, mit den Tüten unterm Arm auch den Weg nach Hause gefunden zu haben.

Kaum hatte Hermine die Wohnung betreten, stand sie ihrem Vater gegenüber. All die Tage hatte sie ihn nicht zu Gesicht bekommen, doch er sah noch genau so enttäuscht und verärgert aus, wie auf dem Bahnsteig. Hermine traf es tief. „Unsere Tochter ist wieder da“, raunte Mr. Granger gleichgültig in die Küche hinein und begab sich, ohne Hermine noch eines Blickes zu würdigen, ins Wohnzimmer. Das Fernsehprogramm rief…und war offenbar wichtiger als Hermine.

Da bist du ja endlich“, rief Mrs Granger, „zeig doch mal was du dir gekauft hast.“

Mit wesentlich besserer Laune als vorhin deutete sie auf die Tüten. Hermine freute sich nach der Abfuhr ihres Vaters zunächst über das Interesse ihrer Mutter, doch schon als sie das erste Kleidungsstück zu Tage beförderte, verzog sich Mrs. Grangers Mund merklich. Die freundliche Geste war vorüber und sie kam auch nicht wieder, nachdem alles, was ihre Tochter erworben hatte, vor ihr ausgebreitet worden war. Pures Entsetzen machte sich stattdessen breit. Sowohl väterlicher-, als auch mütterlicherseits. Ehe Hermine sich versah, prasselten anklagende, verständnislose Worte über sie herein.

Warum in Dreiteufelsnamen hast du alles in schwarz gekauft?“, schimpfte ihr Vater,

gab es keine anderen Farben? Schwarze Hosen, schwarze Shirts. Dafür gibst du also unser schwer verdientes Geld aus!“ Auch ihre Mutter fand kein Verständnis. „Wo warst du verdammt noch mal? Kann man dich nicht einmal mehr allein zum Einkaufen schicken? Du hast doch früher einen besseren Geschmack bewiesen.“


Hermine war sich keiner Schuld bewusst. Sie hatte einfach nach Gefühl entschieden, sie hatte nicht mit Absicht nach schwarzen Klamotten Ausschau gehalten. Sie hatte das gekauft, was ihr gefallen hatte. Aber offensichtlich fühlte sie sich momentan genau in solch einem schwarzen Zustand gefangen, wie es die Kleidung nun aufwies.

Je grimmiger ihre Eltern schauten und das Gesicht verzogen, als wären sie gezwungen worden mehrfach in Zitronen hinein zu beißen, desto mehr musste Hermine gegen ein Grinsen ankämpfen. Spontan dachte sie an jemand anderes, der ausschließlich in schwarz gewandet durch die Gänge Hogwarts schlich und meist ebenso säuerlich guckte. War es vorhin beim Kauf keine Absicht gewesen, hatte sie beim Ankleiden nicht im Mindesten an Severus gedacht, so kam es ihr nun wie eine Fügung des Schicksals vor.


Sie grinst auch noch frech“, zischte ihr Vater erbost und ihre Mutter meinte abfällig: „Sieht aus, als wolltest du auf eine Beerdigung gehen.“

So, nun war es vorbei mit Hermines Beherrschung. Beerdigung! DAS Stichwort! Während ihr die Tränen in die Augen stiegen, fing sie gleichzeitig an zu lachen. Es war alles so grotesk! Die empörten Gesichter ihrer Eltern konnte sie einfach nicht mehr sehen. „Beerdigung“, raunte sie mit bebender Stimme, „ ja, genau, wir wollen doch meine Tante friedlich unter die Erde bringen. Was meint ihr denn, warum ich hier bin? Was würde die Tante nur zu einer pinkfarbenen Hose und einem gelben Shirt sagen? Da bleiben wir doch lieber bei schwarz. Ist praktischer so…und auf einer Trauerfeier nicht so anstößig.“


Mit letzter Kraft schlich Hermine daraufhin am Bücheregal vorbei, angelte sich aus der Schale ihren Zimmerschlüssel und verbarrikadierte sich dann wie die Tage zuvor auch schon, in ihrem eigenen Reich, um sich ausschließlich dem Schlaf und dem Studium zu widmen.


Allerdings hatte sie ihre Eltern noch niemals zuvor derart verwirrt und entsetzt zurück gelassen.




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18. Kapitel



Mrs Granger hatte die folgenden Tage nur noch einen einzigen, halbherzigen Versuch unternommen, mit ihrer Tochter ins Gespräch zu kommen. Der Versuch scheiterte. Hermine war es mittlerweile egal, sie hatte ganz andere Sorgen. Zum einen waren ihr die Pergamentrollen, die sich inzwischen im gesamten Zimmer verteilten, zur Neige gegangen und sie daher gezwungen, auf einem gewöhnlichen Schreibblock weiter zu arbeiten und zum anderen wollten die Kopfschmerzen seit zwei Tagen nicht von ihr weichen. Des Nachts hatte sie sich sämtliche Tabletten derer sie habhaft werden konnte aus dem Medizinschränkchen im Bad genommen. Doch damit war ihr nur für ein paar Stunden geholfen. Inzwischen pochte es wiederholt