GELIEBT, VERDAMMT ... VERLOREN

von Sybille aka Lemon Tree

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Kapitel 7-13



7. Kapitel


Hermine rannte, rannte, rannte. Immer schneller, immer weiter den Hügel Richtung See hinunter. So lange, bis sie das Gefühl hatte, sich jeden Moment die Lunge aus dem Leib kotzen zu müssen. So lange, bis einfach nichts mehr ging.

Keuchend ließ sie sich der Länge nach in das Gras fallen, kroch auf allen Vieren mit letzter Kraft in das vor neugierigen Blicken schützende erstbeste Gebüsch und weinte hemmungslos verzweifelte Tränen der Wut und des Schmerzes.

Snape, dieser verfluchte Idiot! Hatte er allen ernstes geglaubt, sich mit einer simplen Entschuldigung von seiner Schuld frei kaufen zu können? Hatte er auch nur ansatzweise in Betracht gezogen, dass sie sich ernsthaft mit dem Gedanken trug, tatsächlich einen Freier aufzusuchen?


Das modrige Laub unter ihren Händen wurde wütend von ihren geballten Fäusten zerquetscht, die Sträucher, welche ihr Deckung boten von ihren wild strampelnden Füßen zerknickt, die Vögel, hoch oben in dem neben den Büschen stehenden Baum durch ihren durchdringenden Laut der Verzweiflung verschreckt.


Verdammt aber auch!


Hermine konnte sich kaum beruhigen. Alles war mal wieder schief gelaufen. Statt seine Gegenwart zu genießen, hatte sie ja nichts Besseres zu tun gehabt, als ihn zu demütigen. Schniefend beglückwünschte sie sich selbst zu ihrer Tat.


Er hatte sich immerhin entschuldigt. Dieser verdammte Mistkerl. Ein erneuter warmer Tränenstrom ergoss sich über ihr Gesicht. Sie wusste doch selbst nicht, wie das alles weitergehen sollte. Sicher war nur, dass sie sich wünschen würde von ihm in den Arm genommen zu werden. Ohne viele Worte. Einfach so, denn sie war sich ziemlich sicher, dass ihr dies gut tun würde. Die Sache mit der Ohrfeige...zunächst hatte sie geglaubt, dass dies das Schlimmste gewesen war, was er ihr hatte antun können...doch es hatte sich relativiert. Immerhin hatte sie ihn ja auch provoziert...sicher aus einem Gekränktsein heraus, aber geschehen war geschehen.

Viel, viel schlimmer kamen ihr heute seine Anschuldigungen vor, seine Unterstellungen, seine unverschämten Ratschläge. Hurenfummel! Hermine lachte gequält auf. Wie war er nur darauf gekommen. Was bitte schön war an einem knielangen Rock, einer zünftig geschlossenen Bluse und einem langen Umhang, der die Kleidungsstücke auch noch bedeckte auszusetzen?


Und außerdem war er es doch gewesen, der sie zuerst umarmt hatte. Die Gefahr war doch schon längst gebannt gewesen, als sich sein Gesicht in ihre Haare gepresst hatte. Warum tat er es, wenn er nicht Gefallen daran fand? Warum, verflixt noch mal?


Und dann Harry, dieser Idiot! Warum musste er sie ausgerechnet mitten im Zaubertränkeunterricht blöd anmachen? Warum wollte er ausgerechnet an diesem Ort wissen, wie sie zu Snape stand, weshalb sie am gestrigen Tage nicht bei IHM gewesen war, sondern sich in ihrem Zimmer eingeschlossen hatte?


Wer wusste schon, ob es anders gelaufen wäre, wenn Snape sie nicht alle drei nach vorne zitiert hätte.

Hermine gestand sich ein, dass sie auch so die Konfrontation gesucht haben würde. So sehr sie auch seine Nähe erwünschte, genau so sehr wollte sie ihm wehtun. Es war paradox, sie wusste es, aber leider Realität. Und zum zigsten Male fragte sie sich, welches Gefühl überwog. Zuneigung oder Groll?


Eigentlich brauchte sie nicht lange nachzudenken. Es war eindeutig die Zuneigung, erst recht, nachdem sie einen großen Teil der Wut vorhin an ihm ausgelassen hatte. Inzwischen tat er ihr nämlich leid. Leider stand aber nun zu befürchten, dass er nichts mehr von ihr wissen wollte. Wer bitte schön, sollte auch etwas an einer nachtragenden, hysterischen Ziege finden?



Nachdem sie sich genug ausgeheult hatte, schlich sie völlig geknickt in ihrem Turm, versah die Tür mit einem Zauber, der alle abschrecken würde, die es wagten sie aufsuchen zu wollen, und wusste genau, dass die folgende Nacht ebenso wenig erholsam werden würde, wie die voran gegangenen Nächte...und das aus eigenem Verschulden.



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Snape atmete schwer. Noch Minuten nachdem ihn dieses kleine Luder wiederholt stehen gelassen hatte, starrte er ohne sich zu rühren auf ihren Platz, der nun leer und verlassen vor ihm lag.

Das Zusammentreffen war ja grandios verlaufen. Phantastisch. Da hatte er sich schon Mühe gegeben sie halbwegs ungeschoren davon kommen zu lassen, ja, hatte es gar über sich gebracht, sich überwunden, sich bei ihr offiziell zu entschuldigen...und dann so etwas!


Snape konnte Hermine im Moment nicht leiden...und sich selbst auch nicht. Warum hatte er ihr auch solch einen Mist unterstellen müssen? Und Miss Neunmalklug musste ihm das natürlich unter die Nase reiben! Ihn demütigen, es ihm heimzahlen. Und...es hatte sogar funktioniert. Herzlichen Glückwunsch, kleine Besserwisserin! Er fühlte sich jetzt er recht miserabel. Wie sollte er aus dieser Nummer wieder heraus kommen?

Auf der einen Seite rang sie sich ein "Danke" ab, auf der anderen Seite, nur Sekunden später, würgte sie ihm eine rein. Toll! Ob sie dies wohl vorher extra einstudiert hatte? Wie mache ich Professor Snape fertig...der Plan war jedenfalls aufgegangen. Er fühlte sich nun fertig. Mit sich, der Welt...mit Miss- ich- weiß- alles- besser- Granger.


Aber so kam sie ihm dieses Mal nicht davon. Es wurde Zeit, dass er sich wieder auf seine Stärken besann und seinen Verstand einschaltete. Wo gab es denn so was, dass aufmüpfige Schülerinnen die Kontrolle über den Lehrkörper gewannen!

Schluss mit bitten und betteln, vorbei die Zeit, da sich munter entschuldigt wurde! Jetzt wurden andere Seiten aufgezogen!


Sich selbst gut zuredend räumte Snape nun schon wieder besser gelaunt seine Unterlagen zusammen, schaffte es sogar ein wenig zu summen...da blieb ihm der nächste Ton fast im Halse stecken. Er hatte etwas erspäht, was er am liebsten überhaupt nicht erblickt hätte. Kurz schloss er die Augen, zählte bis zehn, öffnete sie ruckartig wieder...und fluchte.

Diese kleine, weinrote Haarbürste, die da so arglos neben dem Tisch lag, an welchem Miss Granger, vorhin noch gesessen hatte und von dem aus sie ihm die Retourkutsche seines Lebens verpasst hatte, gehörte eindeutig ihr. Er wusste es genau. Vor Wochen hatte er sie zurecht gewiesen, weil sie ihre Haare offen trug. Daraufhin hatte sie sich mit eben dieser Haarbürste gekämmt und die Haare anschließend zu einem Zopf gebunden.


Snape schluckte. Die Versuchung war groß. Es juckte ihn trotz alledem in den Fingern. Nur einmal den Duft ihrer Haare tief aufnehmen...und dann die Bürste verschwinden lassen. Klammheimlich. Auf nimmer wieder sehen. Sollte sie doch danach suchen. Das hätte sie dann davon. Sie würde sich wohl eine neue kaufen müssen. Ha. Wer so schludrig mit seinen Sachen umging, brauchte sich nicht zu wundern, wenn einige Dinge nie wieder auftauchten.

Den Blick fest auf die Bürste geheftet grübelte er dennoch. Was ging ihn eigentlich solch eine blöde Bürste an? Weshalb sollte er sie besitzen wollen?


Die Antwort gab sein Innerstes. Dieses heftige Ziehen und Zerren in der Magengegend raubte ihm noch seinen letzten Nerv. Snape ballte unglücklich die Fäuste. Weshalb stellte sich dieses Gefühl, diese Sehnsucht nach ihr immer wieder ein? So intensiv, so schmerzlich...


Er schloss die Augen, atmete tief ein, guckte kurz die Bürste an und dann bewegte er sich wie ferngesteuert auf den Tisch zu, neben dem dieses kleine weinrote Utensil lag, welches Hermine benötigte um ihre Haarpracht zu bändigen.

Angekommen, ging er in die Hocke, zögerte kurz, doch dann streckte er wie unter einem Imperio stehend die Hand aus und krallte sie um den ehemaligen Besitz dieser dreisten Gryffindorgöre.


Seufzend gestand er sich ein nicht widerstehen zu können, so dass sich kurz darauf seine Nase zwischen die Borsten der Bürste quetschte und begierig den feinen Duft von Vanille aufsog.




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Mehrere Tage vergingen ohne dass sich Hermine und Snape über den Weg liefen. Beide schafften es, einem Aufeinandertreffen erfolgreich aus dem Weg zu gehen und damit auch unangenehme Auseinandersetzungen auszuschließen. Beide taten dies bewusst...fühlten sich allerdings gar nicht wohl dabei, sondern hofften, obwohl sie sich so was von sicher waren, dem anderen nicht über den Weg laufen zu wollen...dem anderen doch irgendwie zu begegnen oder zumindest aus der Ferne betrachten zu können.

Aber nichts da. Ihr Versteckspiel war perfekt. Ihr Timing optimal.


Demzufolge sahen sie sich noch nicht einmal.




Snape schwankte noch immer zwischen Zorn und dem sehnlichen Wunsch sich mit ihr zu vertragen, mit ihr zu plaudern, wie sie es im Labor getan hatten, mit ihr gemeinsam die Versuche fortzusetzen. Letztendlich sehnte er sich danach, obwohl es verboten war, wie er nur zu gut wusste, auch endlich die Möglichkeit zu erhalten, den Duft ihrer Haare im reellen Leben wahr zu nehmen. Er war es allmählich leid der Erinnerung nachzuhängen. Im Labor wäre dies unauffällig und völlig legal möglich. Er könnte einfach, aus fadenscheinigen Gründen an sie heran treten, ihr dies und das erklären... und ihr dabei näher kommen.


Snapes Gedanken rasten. Noch nie zuvor, noch nie zuvor in seinem bewegten Leben hatte er solchen abenteuerlichen Phantasien hinterher gehangen. Langsam hatte er den Verdacht, etwas könne mit ihm nicht stimmen. Es war einfach kindisch eine weinrote Haarbürste mit sich herumzuschleppen und sich in Gedanken nach einer Schülerin zu verzehren. Es war albern, es war grotesk, es war einfach nicht richtig...und doch nicht zu ändern. Gegen Gefühle schien auch er machtlos zu sein.


Seufzend und unter Aufbringung allen guten Willens, verbannte er Hermine aus seinem Kopf und wandte sich den Arbeiten der Viertklässler zu. Spätestens morgen musste er der Tatsache wieder ins Augen blicken, denn morgen war Dienstag und am Dienstag würde Hermine wieder in seinem Unterricht vor ihm sitzen.



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Schon am frühen Dienstagmorgen lag Spannung in der Luft. Hermine war gerade erst aufgestanden, aber schon jetzt dermaßen durch den Wind.

Dass sie ihre Lieblingshaarbürste irgendwo liegen gelassen haben musste und nun gezwungen war eine andere zu benutzen war das eine, aber dass ausgerechnet Lavender Brown heute Morgen schon so gut gelaunt durch den Gryffindorturm fegte, gab ihr den Rest.


"Geht es ein wenig leiser?", fauchte Hermine quer durch den Gemeinschaftsraum, "Dein blödes Gekicher geht mir dermaßen auf die Nerven, mir wird geradezu schlecht davon."

"Granger, nun halte mal die Luft an", gab Lavender pikiert zurück, "niemand hat Dich gebeten, sich hier aufzuhalten. Geh´ doch in Dein Vertrauensschülerinnenzimmer zurück, da störst Du niemanden und kommst auch nicht in Versuchung anderen die Laune zu verderben. Harry hat schon Recht; Du hast sie nicht mehr alle."


Hermine hielt kurz inne. Sie war geknickt. Harry zweifelte also mittlerweile wirklich ihren Gemütszustand an...und noch schlimmer, schien dies auch noch überall herum zu erzählen. Na vielen Dank auch!

Schnaubend verließ Hermine den Aufenthaltsraum der Gryffindors und stapfte wütend der großen Halle entgegen.


Sie war die erste. Kein Wunder, es war erst halb sieben. Missmutig setzte sie sich an den Tisch und goss sich schwungvoll Kaffee ein. Wann sie überhaupt angefangen hatte dieses bittere Getränk zu trinken, wusste sie auch nicht mehr. Tee wäre ihr eigentlich lieber gewesen. Versonnen blickte sie in ihre Tasse und dachte so bei sich, schwarzes Gesöff, so schwarz, tief und dunkel wie der Mann, welcher ihr im Geiste herum schwirrte, da flog die Tür auch schon auf und ebendieser schwebte in den Raum hinein.


Hermine blickte ihm vorsichtig über den Rand ihrer Tasse hinterher. Und augenblicklich schlug ihr das Herz bis zum Halse. Wahnsinn, dachte sie verwundert, kaum erblickte sie ihn und schon nahm dies wieder solche Ausmaße an. Ihre Hände krallten sich nun geradewegs an der Tasse fest, um das verräterische Zittern zu unterdrücken. Nur die Ruhe bewahren!


Einfacher gedacht, als getan. Kurz darauf stand die Tasse wieder auf dem Tisch und die Finger umfassten das aus Verlegenheit gepackte Stück Brot so heftig, dass es vor ihren Augen auf dem Tisch in lauter Einzelteile zerbröselte. So konnte das mit dem Frühstück nichts werden.

Verzweifelt versuchte Hermine ihre Unruhe unter Kontrolle zu bringen. Was war denn heute schon für ein besonderer Tag, sagte sie sich. Zaubertränke stand auf dem Plan sonst nichts. Nichts weiter. Dieses Fach hatte sie schließlich schon seit über sechs Jahren. Nichts dabei. Ganz normal. GANZ NORMAL? Nein, seit Snape sie umarmt hatte, war nichts mehr normal. Im Gegenteil alles lief aus dem Ruder. Schlaflose Nächte, waren da noch das geringste Übel.


Im Geiste ging sie noch einmal, zum hundertsten Male bestimmt, das letzte Zusammentreffen durch. Gut, er hatte sie ein wenig angefaucht, sie zum Brauen nach vorn beordert...doch dann hatte sie ihn, obwohl er sich bei ihr entschuldigte, vor den Kopf gestoßen, schlichtweg verletzt.

Hermine stöhnte entnervt auf und betrachtete die vor ihr liegende Krümelei aufmerksam. Träumte sie, oder bildeten die Brösel tatsächlich das Wort Revanche?

Irritiert hob sie ihren Kopf und schaute zum Lehrertisch hinauf...genau in die Augen Severus Snapes.

Sie hatte keine Ahnung wie lange er sie schon beobachtete, doch sein hämisches Grinsen glich einer Kampfansage.



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8. Kapitel




Als Hermine schon längst im Unterricht saß, dabei war, ihre mittlerweile dritte Stunde an diesem verfluchten Dienstag hinter sich zu bringen, ohne die nötige Aufmerksamkeit an den Tag legen zu können, hatte sie noch immer dieses gefährliche Grinsen Snapes vor sich.

Und zum hundertsten Male fragte sie sich, was sie in seinem Unterricht noch zu erwarten hätte. Irgendwie ahnte sie, dass es keine normale Unterrichtsstunde werden würde...und sie war sich auch ziemlich sicher, dass die Krümel auf dem langen Haustisch der Gryffindors sich vor ihren Augen nicht zufällig so formiert hatten. Snape hatte dabei eindeutig seine Hände im Spiel gehabt. Todsicher.


Revanche.


Brotkrümel fielen nicht einfach so auf den Tisch, dass sie ein Wort bildeten. Und erst recht nicht DIESES Wort, welches im Zusammenhang mit seinem Blick noch im Nachhinein einen Schauer über ihren Körper schickte. Was hatte dieser Mistkerl nur vor?




Hermine betrat zwei Stunden später angespannt das Zaubertränkeklassenzimmer. Sie rechnete mit allem. Sie hatte ihre Sinne geschärft. Sie wusste, dass er sie heute provozieren würde; sie war sich nur noch nicht sicher, wie sie darauf reagieren sollte.

Es ganz gelassen und scheinbar gelangweilt in Kauf nehmen und ihn damit herausfordern?

Oder von Anfang an kontra bieten und dabei Hauspunkte verlieren und zu Strafarbeiten verdonnert werden?


Wie sie es auch drehte und wendete, Hermine kam zu dem Schluss, dass sie eigentlich tun und lassen konnte was sie wollte; wenn er einen perfiden Plan ausgeheckt hatte, würde sie sich dem nicht entziehen können, ohne irgendwie angeschlagen aus der Sache heraus zu kommen.


Tolle Aussichten!


Dementsprechend stellte sich schon lange bevor er dann wirklich zur Tür herein stürmte ein flaues Gefühl ein.

Doch welche Überraschung, die erste Viertelstunde ignorierte er sie komplett. Weder achtete er darauf, ob sie sich durch eifriges Melden am Unterricht beteiligen wollte, noch schaute er in ihre Richtung. Ein wenig war sie fast geneigt enttäuscht zu sein, denn mit Ignoranz hatte sie nun gar nicht gerechnet. Mit allem anderen ja, aber nicht damit.


Sie stieß die Luft gerade geräuschvoll aus und bemerkte zufrieden, dass damit auch ihre Anspannung wich, da drehte er sich ganz langsam zu ihr um und fixierte sie mit leicht geneigtem Haupt intensiv.


Augenblicklich erstarrte Hermine, denn sie ahnte nun, dass er sie absichtlich noch ein wenig zappeln lassen hatte. Er hatte sie nur in Sicherheit wiegen wollen. Sie schluckte in Erwartung dessen was gleich über sie herein brechen würde. Und dann ging es auch schon los.


"Granger, wie ich sehe, weilen auch Sie unter uns", schnarrte er leise und kam Schritt für Schritt näher, "warum nur bemerke ich erst jetzt, dass es Sie auch noch gibt? Soweit ich mich erinnere, habe ich im Laufe der Stunde schon jede Menge Fragen an die Klasse gerichtet, doch", er machte eine Pause und ließ dabei die Fingerknöchel knacken, "doch Sie haben sich nicht einziges Mal am Unterrichtsgeschehen beteiligt. Meinen Sie neunmalkluges Ding etwa, dass Sie dies nicht mehr nötig hätten? Miss Oberschlau schweigt, widerspricht oder sitzt ihre Zeit gelangweilt bei mir ab. Man sollte meinen..."


"...ich habe mich gemeldet, Sir...", brauste Hermine auf, doch Snape hob blitzschnell seine Hand und gebot ihr damit zu schweigen.


"Man sollte meinen, dass Sie auf Konfrontationskurs aus wären. Ist dies so, Miss Granger?", zischte er mit gefährlichem Unterton.


Hermine erwiderte nichts. Am liebsten hätte sie ihm allerdings ein lautes JA entgegen geschrieen. Der sollte es gar nicht übertreiben!


"Ist dies so, Granger?", wollte er nun schon etwas lauter wissen.


"Vielleicht", knurrte Hermine. Die Klasse hielt den Atem an. Selbst Harry, das Lästermaul, schien geschockt zu sein und flüsterte: "Lass es doch bitte, Hermine!", bereute es aber umgehend, denn sogleich bekam er die Quittung für seine Äußerung: "Potter, Sie melden sich heute nach dem Abendessen bei Mr. Filch", raunte Snape, ohne den Blick dabei von Hermine zu nehmen, "und Sie Granger...AUFSTEHEN!"


Hermines Wut war kaum noch zu bremsen. Widerwillig erhob sie sich. Allerdings langsam und bedächtig. Sie stand hinter ihrem Stuhl und schaute trotzig zu Snape auf.

"Granger", schnarrte Snape mit seidiger, einlullender Stimme, "ist Ihnen eigentlich klar, dass Sie gegen eine Regel zum Aufenthalt in diesem Raum verstoßen haben?"

"Was? Bitte?" Hermine war irritiert. Was wollte er denn nun? Gegen welche Regel sollte sie verstoßen haben?

"Miss Granger, erstens heißt es wie bitte und zweitens...Sie befinden sich in einem Raum, in welchem mit gefährlichen Zutaten hantiert wird. Dementsprechend gelten hier auch gewisse Sicherheitsbestimmungen."

"Könnten Sie wohl etwas konkreter werden, PROFESSOR SNAPE", presste Hermine wütend hervor, "nach solch einem dämlichen Rätselraten steht mir nämlich gerade nicht der Sinn." Ein Raunen ging durch die Klasse. Aller Augen waren auf Hermine gerichtet. Jeder hier Anwesende fragte sich nun, wie Snape darauf reagieren würde. Dieser schnalzte missbilligend mit der Zunge. Eisige Züge durchzogen sein Gesicht.


"Ich rate Ihnen dringend den Ton zu wahren, Granger..."

"...sonst?"

"Sonst sprechen wir uns an anderer Stelle wieder." Snape schnaufte und benötigte einen Moment, um sich wieder zu fangen. Ihm war klar, dass alle auf einen Ausbruch von ihm warteten. Er musste handeln. Schnell. Gelassen. Souverän.


"Ihre Haare sind das Problem, Granger, es sind Ihre verdammten, struppigen Haare", sagte er ruhig. "Sie haben Sie wider besseren Wissens offen gelassen", spöttisch verzog er seinen Mund. "Nun, wenn Sie meinen mich auf diese Weise ärgern zu müssen, dann sollte ich Ihnen wohl zeigen, was ich davon halte."


Er hob seinen Zauberstab und richtete ihn auf die erschrockene Hermine. Sie stieß unwillkürlich einen spitzen Schrei aus. Im Handumdrehen spürte sie, wie ihre Haare schmerzhaft nach oben gerissen und zusammen geschnürt wurden. Sie wollte panisch danach tasten, doch ein drohendes: "Wagen Sie es nicht Hand daran zu legen, Granger!", ließen sie davon Abstand nehmen. Sie traute Snape im Moment alles zu. Sie empfand Angst. Sie zitterte. Es war totenstill in der Klasse. Keiner regte sich.


Nach einer Schreckminute begannen ein paar Slytherins hinter vor gehaltener Hand zu kichern. Und da ihr Hauslehrer nichts dagegen zu haben schien, wurde das Gekicher immer ungehaltener und ging kurz darauf in ein lautes Gelächter über. Hermine ahnte, dass sie es war, die mit ihrer Frisur zur Heiterkeit beitrug. Das Blut schoss ihr ins Gesicht und sie wäre am liebsten im Erdboden versunken. Miststück. Verfluchtes Miststück. Wie konnte er nur so weit gehen?


Snape, zufrieden mit seiner Tat, grinste nun über das ganze Gesicht und betrachtete Hermine ausgiebig. Amüsiert schnarrte er: "Steht Ihnen ausgezeichnet der Springbrunnen, Granger. Und...für Ihren kleinen Aussetzer ziehe ich Ihnen noch, mhm, sagen wir mal 30 Punkte ab. Ja das dürfte genügen. Immerhin unterhalten Sie uns mit Ihrer Art sich zu frisieren vorzüglich. Da möchte ich doch Gnade vor Recht ergehen lassen."


Hermine traten die Tränen in die Augen. Sie hasste ihn, diesen Bastard und schwor sich, ihn dafür bezahlen zu lassen. Wer hier zuletzt lachen würde, stand noch lange nicht fest.

Snape jedoch erschrak auf Grund des ihm entgegenschlagenden offensichtlichen Hasses. Bei jedem anderen wäre ihm das völlig egal gewesen. Aber doch nicht wenn er von HERMINE kam!

Er haderte aufgrund ihres andauernden verächtlichen Blickes in seine Richtung kurz mit sich, wusste auch, dass er viel zu weit gegangen war, spürte inzwischen sogar Mitleid aufwallen, aber er war schließlich der Lehrer und hatte dafür zu sorgen, dass man ihm Respekt zollte. Bei Hermine ließ dies manchmal leider zu wünschen übrig.


Plötzlich in Zweifel an seinem Tun verstrickt, von Gewissensbissen geplagt, fauchte er: "RUHE!", an seine Slytherins gewandt und bellte dann an alle gerichtet: "Schlagen Sie die Bücher S.245 auf. Sofort! Arbeiten Sie das dortige Kapitel durch und fertigen Sie Aufzeichnungen dazu an! Dies wird der Auftakt zu Ihrer Hausarbeit sein. Ich möchte von jedem einzelnen Dummkopf in diesem Raum zur nächsten Stunde auf drei Seiten Pergament eigene Überlegungen zu diesem Thema vorgelegt bekommen."


Die Klasse durch seine Laune, die sich von einer Minute zur anderen um mindestens 180° gedreht hatte, machte sich ohne Murren sofort an die Arbeit. Solch ein Stimmungswandel bei Snape hatte immer schon bedeutet, dass man besser nicht mehr auffällig wurde. Jetzt war er gerade unberechenbar. Das wussten sowohl Gryffindors als auch Slytherins.


Mit einem verdammt schlechten Gewissen, ging Snape zu seinem Pult und setzte sich. Von der Klasse war außer dem Rascheln von Papier und dem Kratzen der Feder auf selbigem, kein weiterer Laut zu hören.


Unter einem dichten Vorhang aus Haaren schielte Snape vorsichtig zu Hermine und fragte sich, warum es eben wieder ausgeartet war. Wie zu erwarten, schrieb sie nicht. Sie schien mit ihren Gedanken meilenweit weg zu sein. Und hatte nun ein todtrauriges Gesicht aufgesetzt. Zwei vereinzelte Tränen rollten ihr über die Wange.

Das bekannte, mittlerweile vertraute und dennoch gehasste Ziehen im Magen stellte sich ein. Snape fühlte nun mit ihr. Obwohl er ihr eben noch zugesetzt hatte. Er schämte sich plötzlich wegen der Umgestaltung ihrer Haare. Am liebsten wäre er jetzt zu ihr gegangen, hätte sie von dieser lächerlichen Frisur befreit...und in die Arme genommen.


Doch von dieser Chance war er mindestens so weit entfernt, wie Hermine mit ihren Gedanken vom Unterricht. Da half es auch nichts, dass seine Hand wie automatisch zu der Tasche seiner Robe glitt, in welcher sich die Haarbürste befand.



Jeder hatte zu tun. Die Klasse las und bekritzelte emsig einige Rollen Pergament und Snape überlegte fieberhaft wie er die Wogen nach dem Unterricht wieder glätten sollte. Oh bei Merlin, wozu hatte er sich nur hinreißen lassen? DAS würde sie ihm niemals verzeihen. Zu recht.


Das Klingeln zur Pause war wie eine Erlösung für Hermine. Sie traute sich nicht nach links und rechts zu sehen. Vorsichtig tastete sie nun ihre Haare ab...und war entsetzt. Wenn sie wirklich so aussah, wie es sich anfühlte...meine Güte, sie würde wochenlang unter dem Spott zu leiden haben. Mit beiden Händen versuchte sie fahrig den riesigen Knoten des Bandes zu lösen, aber dieser war einfach nicht zu öffnen. Auch Harry und Ron zogen und zerrten nun daran herum, doch diese Frisur schien für die Ewigkeit gemacht worden zu sein. Hermine biss die Zähne fest zusammen um den Schmerz zu unterdrücken. Das Herumgezerre tat höllisch weh. So sehr sie sich auch mühten, sie konnten dem dreistöckigen Springbrunnen einfach nicht beikommen. Die Haare ragten steil nach oben, nur dann und wann von wie Fontänen anmutenden, ausbrechenden Haaren in ihrem Aufwärtsstreben unterbrochen. Festgezurrt von mehreren Lederbändern, welche die Stabilität von Stahl aufwiesen. Keine Chance.


Mitleidig sahen die Gryffindors zu Hermine, die Slytherins hingegen johlten und feixten. Ein fieser Spruch nach dem nächsten traf auf Hermines Ohren. Selbst Lavender, mit der sie sich heute Morgen noch gezofft hatte, versuchte sich nun an ihren Haaren. Ebenfalls ohne Erfolg.


"Komm, wir gehen jetzt zu McGonagall", sagte Ron entschlossen und warf zornige Blicke zu Snape hinüber, "die kriegt das schon wieder hin...und Snape kann sich dann frisch machen."


Hermine schalt sich selbst eine dumme Kuh, als ihr aufgrund von Rons wohlmeinendem Ratschlag bewusst wurde, dass sie auch dieses Mal nicht gegen Snape aussagen konnte.

"Lass mal", sagte sie leise zu Ron, "dieser Mistkerl wird das selbst wieder in Ordnung bringen müssen. Und wenn ich hier übernachten muss."

"Spinnst du?" Verständnislos blickte Ron auf sie herab. "Was um alles in der Welt soll das heißen? McGonagall kann das auch rückgängig machen. Willst du nicht auch, dass dieses arrogante Arschloch bestraft wird?"

"Ron, ich weiß, du verstehst das nicht, aber...aber ich will wirklich nicht, dass er von Professor McGonagall zur Rechenschaft gezogen wird. Ich kläre das auf meine Weise."

"Auf deine Weise, aha... komm Harry, wir sind hier nicht erwünscht", raunte Ron beleidigt und zog Harry, der dem Gespräch gelauscht hatte und ihr nun einen Vogel zeigte mit sich fort.


Snape hatte den Tumult um Hermine angespannt verfolgt...und sich dabei zigmal selbst verflucht. Als für ihn ersichtlich wurde, dass Hermine den Raum nicht verlassen würde, ohne ihm die Meinung gesagt zu haben und um von ihm persönlich von ihrer Qual erlöst zu werden, erhob er sich, scheuchte die restlichen belustigten, mit dem Finger auf Hermine zeigenden Schüler fort und wandte sich ihr zu.


"Glauben Sie mir, Miss Granger, ich bereue aufrichtig die Kontrolle über mein Handeln verloren zu haben", sagte er leise, hob den Zauberstab und sofort fielen ihr die Haare weich und sanft auf die Schultern zurück.

"Glauben?", spie Hermine verächtlich aus, "ich soll Ihnen glauben? Wie können Sie ernsthaft annehmen, dass ich Ihnen Ihre gespielte Reue abkaufe? Sie haben sich doch bestens unterhalten gefühlt, zwar auf meine Kosten, aber es war nicht zu übersehen, dass Sie Gefallen an Ihrem Handeln gefunden haben. Aber eines sage ich Ihnen, wir sind noch nicht miteinander fertig. Der nächste Punkt wird an mich gehen."


Snape schloss für einen Moment die Augen. Toll, das hatte ja zu befürchten gestanden. Hermine fühlte sich heraus gefordert.

"Ich bitte Sie, Hermine", seufzte er, "sollten wir diese Kindereien nicht allmählich unterlassen?"

"Ich höre wohl nicht richtig", echauffierte sich Hermine und schüttelte den Kopf. "Snape, Sie haben doch nicht mehr alle beisammen. Mich vor allen demütigen und dann mir nichts dir nichts mit solch einem Spruch daher kommen."

"Ich sehe zumindest ein, dass hier einiges gewaltig schief läuft", fauchte Snape, drehte sich stöhnend einmal um sich selbst und raufte sich anschließend verzweifelt die Haare.


Hermine war verunsichert. Er bot ihr einen Waffenstillstand an und war momentan wirklich komisch drauf. Keine Häme, kein Spott, kein Punktabzug wegen ihrer, einem Lehrer gegenüber, unpassenden Wortwahl. Stattdessen guckte er irgendwie unglücklich, auch wenn es so gar nicht zu ihm passen wollte. Sollte er tatsächlich an Frieden interessiert sein? Ihr Herz schlug bei diesem Gedanken augenblicklich höher. Und schon bohrten sich ihre Augen unerbittlich in seine. Minutenlang starrten sie sich an. Ohne sich zu rühren.


Snape plötzlich mutig geworden, hauchte mit belegter Stimme: "Umdrehen!"

"Was? Was soll ich tun?" Hermine wusste nicht, was sie davon halten sollte. Fragend sah sie ihn an.

"Dreh Dich um!", wiederholte Snape um einiges energischer.

Zögernd, doch irgendwie erregt, kam Hermine der Aufforderung nach. Noch immer wusste sie nicht, was das Ganze sollte.

Da stand sie nun, starrte die Tür an und spürte, wie er sich ihr näherte. Er berührte sie nicht, doch die Wärme, die er hinter ihr stehend verströmte und die nun auf ihren Körper traf, blieb nicht ohne Folgen. Sie erschauderte und schloss die Augen.

Ganz sacht beugte er sich hinab; soweit dass sein Gesicht auf ihrem Kopf zum liegen kam. Hermine war überwältigt, ihr Puls raste, sein warmer Atem in ihrem Haar raubte ihr fast den Verstand.

"Ist es unangenehm?", hörte sie ihn flüstern.

"Nein", hauchte sie kaum hörbar.

Er atmete erleichtert ganz tief ein und stieß anschließend einen ganzen Schwall an warmen Atems wieder aus. Hermine seufzte wohlig. Dies schien ihn zu beflügeln, denn nun legte er vorsichtig seine Hände auf ihren Schultern ab und strich mit diesen sanft auf und ab. Nur zu gerne hätte Hermine seine Arme um ihren Körper gezogen. Sie wünschte sich so sehr, dass er sie fest hielt und ihr Halt gab. Doch sie traute sich nicht, sie wusste einfach nicht, wie er reagieren würde.


Als hätte er es geahnt, wurde ihr Wunsch kurz darauf wahr. Langsam schlangen sich seine Arme um sie herum und überkreuzten sich vor ihrer Brust, während seine Nase sich hin und her reibend durch ihre Haare wühlte, als gäbe es einen Schatz zu bergen. Snape stöhnte verhalten auf und zog Hermine dabei noch fester an sich.


Ihr gefiel es, sie genoss es...bis er sie plötzlich losließ und leicht enttäuscht klingend raunte:


"So angenehm kann es für Sie dann doch nicht sein, Miss Granger. Sie stehen wie ein Eisblock in der Landschaft herum. Sie kommen mir vor wie in Stein gemeißelt. Ich hatte das Gefühl eine Statur in den Armen zu halten. Warum sagen Sie nicht gleich, dass Sie solche Berührungen nicht wünschen? Wo ist Ihr großes Mundwerk geblieben?"


Hermine fühlte sich, als hätte man ihr den Boden unter den Füßen weggezogen. Ihr fröstelte mit einem Mal. Sie musste die Worte kurz verinnerlichen...doch dann drehte sie sich schwungvoll um und schaute ihn zornesfunkelnd an.


"Was haben Sie denn von mir erwartet, SIR?", zischte sie ungehalten.

"Was weiß ich", gab Snape ärgerlich zurück, "vielleicht ein wenig Eigeninitiative?"

Hermine lachte bitter. "Eigeninitiative? Sagen Sie mal, sind Sie eventuell in der letzten Zeit mit einem Zauberstab in Berührung gekommen, der sich auf Gedächtnismanipulation versteht?"

"Wie bitte?" Snape wirkte leicht irritiert.

"Verdammt noch mal, Snape, Sie werden sich doch wohl noch daran erinnern können, wie meine Berührungen bei Ihnen angekommen sind. Glauben Sie wirklich, dass ich mich nochmals schlagen lassen möchte, oder demütigen, bloß weil ich das Bedürfnis verspüre Sie zu streicheln? Schönen Dank auch, aber mein Bedarf an Demütigungen wurde heute schon zur Genüge gedeckt. Das brauche ich wirklich nicht noch mal."


"Sie...sie haben sich nur nicht getraut?", fragte er fassungslos. "Hermine, ich meinte es vorhin ernst. Ich möchte das Kriegsbeil begraben wissen. Du hast weder Schläge noch sonstiges zu befürchten, das versichere ich Dir."


Hermine grinste schief. "Ich habe heute erst zu spüren bekommen, zu was Sie fähig sind. Versprechen Sie besser nichts, was Sie nicht auch halten können...oder wollen."

"Ich bedaure es aufrichtig", stellte er umgehend fest.

"Ja, natürlich", erwiderte Hermine spöttisch und wurde dann ernst. "Ok, lassen wir das erst mal so stehen. Die Pause ist gleich um und ich muss zu Geschichte der Zauberei."


"Selbstverständlich, ich möchte Dich auch nicht länger aufhalten", sagte er leise, begab sich flugs zur Tür und wollte sie gerade für Hermine öffnen, als sie eine Hand auf seine legte und sagte: "Ich fand die Umarmung wirklich nicht schlimm, sondern eigentlich ganz nett. Es war auch beim ersten Mal schon schön...doch Ihr Ausbruch hat den ganzen Stein ins Rollen gebracht. Ich weiß bis heute nicht, was der Anlass dafür war, aber vielleicht können Sie mir das bei Gelegenheit erklären", Hermine sah ihn eindringlich an, "insofern Ihnen etwas an weiteren Umarmungen mit mir liegen sollte, meine ich. Sollte dem nicht so sein, werden Sie es mich ohnehin wissen lassen...in Form der nächsten fiesen Aktion. Denn dass die Aktion von heute, völlig daneben lag, können Sie nicht abstreiten. Ich weiß im Augenblick nicht, was ich denken soll."

"Ich sagte bereits, dass ich bereue", brummte Snape, seufzte und zog Hermine kurzerhand an sich.


Nur ein paar Sekunden lang gab Hermine sich diesem erneuten Körperkontakt hin. Sie wagte es zwar nun, kurz ihre Arme um ihn zu schließen, doch sie war viel zu aufgewühlt von diesem Tag, als dass sie wirklich hätte genießen können. Eigentlich hätte sie große Lust ihn leiden zu sehen. Ihn an den Haaren zu zerren, ihn zu treten, oder irgendetwas in der Art...

Nein, sie musste ihre Gedanken und Gefühle erst in Ruhe ordnen. Daher schlüpfte sie ohne ein weiteres Wort unter seinen Armen hindurch und verschwand.


Snape lehnte sich nachdenklich, aber halbwegs entspannt und mit sich und seinem unterbreiteten Friedensangebot ganz glücklich an die geschlossenen Tür und hoffte, dass Hermine ihm verzieh. Ihm verzeihen konnte. Vielleicht könnte sie sich sogar wieder dazu durchringen, mit ihm zusammen zu arbeiten, damit er die Plage Hamilton ein für alle Male loswurde?




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9. Kapitel


Noch immer sehr aufgewühlt erreichte Hermine ihr Zimmer. Wow! Was war das eben nur gewesen? Er hatte sie wiederholt umarmt und dieses Mal auch ihre Berührungen akzeptiert. Hermine schüttelte ungläubig den Kopf, sie wanderte pausenlos von einer Ecke in die nächste. Sie konnte einfach nicht glauben, was eben in den Kerkern geschehen war.

Wie sollte sie bitteschön aus ihm schlau werden, wenn er sie erst bis auf die Knochen blamierte und dann wieder so...so sympathisch herüber kam. Sympathisch! Hermine ließ sich rücklings auf ihr Bett fallen, betrachtete die Decke ihres Zimmers und war nun noch mehr als zuvor verwirrt. Von dem Auftreten Snapes, als auch ihren eigenen Gefühlen gegenüber.


Es war doch einfach nicht zu fassen. Im Unterricht vorhin hätte sie ihm noch die Augen auskratzen können und war fest davon überzeugt ihn fortan mit Genugtuung zu hassen. Ja, während des Unterrichts wollte sie ihn am Boden sehen, ihn malträtieren, ihm weh tun, so sehr weh tun, wie er ihr weh getan hatte...und dann, was war dann geschehen? Er flüsterte mit betörender Stimme, er gab ihr Zuwendung, er sprach wiederholt davon, zu bereuen. Was ging nur in Snape vor? Warum war er mal so und mal so?


Erschrocken stellte Hermine fest, dass sie nun zu spät zum Unterricht kommen würde. Warum war sie überhaupt in ihr Zimmer geflüchtet und nicht gleich zur folgenden Unterrichtsstunde geeilt? Langsam wusste sie überhaupt nichts mehr. Snape brachte sie völlig aus dem Konzept.


Und obwohl die Zeit nun wirklich drängte, konnte sie sich einfach nicht dazu aufraffen, sich zu erheben und zu gehen. Stattdessen betrachtete sie noch immer die Decke ihres Zimmers, geriet ins Träumen über weitere Umarmungen mit Snape, stellte sich vor, wie es wäre ihn zu küssen...und musste darüber wohl irgendwann eingeschlafen sein.



Jedenfalls erschrak sie fürchterlich, als es lautstark an ihrer Tür hämmerte und eine offenbar verärgerte Direktorin lautstark von ihr forderte, endlich zu öffnen.


Verschlafen rieb Hermine sich die Augen und stolperte seufzend zur Tür.



"Miss Granger, würden Sie mich wohl endlich einlassen?", fauchte Professor McGonagall sogleich los, "ich habe mit Ihnen zu reden."

Missmutig trat Hermine bei Seite und im selben Augenblick dämmerte es ihr auch, weswegen die Schulleiterin sie aufgesucht hatte und nun so zornig drein schaute. Es konnte nur einen Grund geben...und der bestand garantiert nicht darin, dass sie ein einziges Mal nicht zur Geschichte der Zauberei erschienen war!


"Abenteuerliche Gerüchte gehen in den Fluren Hogwarts um, Miss Granger", sagte McGonagall mit finsterer Miene.

Hermine verdrehte die Augen. "Sollten Sie wegen Professor Snape mit mir reden wollen, dann haben Sie sich den Weg hierher umsonst gemacht."

Die Schulleiterin starrte ihre Schülerin fassungslos an. Nur mühsam bahnten sich die nächsten Worte über ihre Lippen. "Sie schützen diesen Mann also immer noch?"

"Sieht so aus", antwortete Hermine bestimmt.


"Warum um Himmelswillen? Hermine, ich wollte es erst gar nicht glauben, nur zufällig bekam ich mit, wie sich einige Slytherins über Sie unterhielten, sich über Sie lustig machten. Was hat Professor Snape mit ihren Haaren angestellt? Hat er es wirklich gewagt den Zauberstab auf Sie zu richten?"

"Ich kann mich nicht erinnern."


"Es reicht mir allmählich mit Ihnen, Mädchen", knurrte die Schulleiterin ungehalten. "Ich frage Sie zum letzten Mal: Was hat er mit Ihnen angestellt?"

"Ganz ehrlich, Professor McGonagall", presste Hermine genervt hervor, "Sie scheinen doch ohnehin schon alles zu wissen. Weshalb sollte ich Ihnen alles noch einmal erklären?"

"Weil ich eine Bestätigung möchte!"

"Die werden Sie aber nicht erhalten!"


"So, Miss Granger, das reicht. Am Wochenende werden Sie sich bei Professor Sprout einfinden. Vielleicht kommen Sie mang all den wunderschönen Pflanzen wieder zur Besinnung!"

"Dieses Wochenende? Ähm, ist da nicht Hogsmeade..."

"Nicht für Sie, Miss Granger", raunte die Direktorin, "bis auf weiteres sind Ihnen die Besuche in Hogsmeade untersagt. Es mag ansonsten nicht mein Stil sein, Schülerinnen mit so genannten Strafarbeiten zu belegen...doch in Ihrem störrischen Falle, werde ich mit Freuden über meinen Schatten springen."

"Na, dann ist ja alles gesagt!", fauchte Hermine und fragte sich gleichzeitig erschrocken, was in sie gefahren war, dass sie nun ihrer Hauslehrerin derart frech gegenüber trat.

Diese konnte wohl auch nicht so recht fassen, was sie sich neuerdings von ihrer Musterschülerin alles an den Kopf werfen lassen musste und schnappte ungläubig nach Luft.


"Entschuldigen Sie bitte, Professor McGonagall", sagte Hermine nach einer Weile reumütig, "ich weiß doch selbst nicht, was mit mir los ist. Es ist alles so kompliziert...ich kann Ihnen im Falle Professor Snapes aber leider nicht weiter helfen."

"Ich bin davon überzeugt, dass Sie könnten, Hermine, Sie möchten nur nicht. Aus Gründen, die Ihnen höchstwahrscheinlich selbst nicht so geläufig sind. Ich kann Ihnen allerdings nur raten, ganz intensiv über Ihre momentane Entwicklung...und dem merkwürdigen Verhältnis zu Professor Snape nachzudenken. Er tut Ihnen nicht gut. Sie haben sich verändert, leider nicht zu Ihren Gunsten. Aber vielleicht bringt ja das Wochenende in der Abgeschiedenheit der Gewächshäuser eine Offenbarung mit sich. Wenn Sie sich irgendwann entschließen können mit mir zu reden, wäre ich Ihnen sehr dankbar. Und denken Sie bitte daran, sich den versäumten Unterrichtsstoff der letzten Stunde in Geschichte der Zauberei zu erarbeiten."



Ein letzter besorgter Blick traf Hermine, dann ging die Schulleiterin mit gestrafften Schultern zur Tür hinaus und ließ die junge Gryffindor verzweifelt zurück.

Hogsmeade war gestrichen worden. Na wunderbar!



Lange, sehr lange, überlegte Hermine, ob sie es wagen sollte, zum Abendessen zu erscheinen. Wenn die Slytherins sich schon das Maul über sie zerrissen, dann wussten es ohnehin bald auch die Ravenclaws, die Hufflepuffs...die Gryffindors sowieso... Doch ewig konnte sie sich schließlich auch nicht in ihrem Zimmer verstecken, wollte es auch nicht.

Hermine schnaubte. Das hatte Severus wirklich ganz toll hinbekommen!


Severus.


Interessant, von Snape dachte sie mittlerweile schon als Severus. Merkwürdiges Verhältnis! Ja, McGonagall hatte vollkommen Recht, es war ein merkwürdiges Verhältnis, was sie beide verband.


Trotz reichlicher Überlegungen musste sie sich blicken lassen. Auf zum Unvermeidlichen!




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Auch Snape begab sich mit gemischten Gefühlen zum Abendessen. Ihm war klar, dass Hermine nun einem gewissen Spott ausgesetzt sein würde. Es tat ihm aufrichtig leid. Das Gelächter unter seinen Augen im Klassenzimmer, welches er dämlicher Weise auch noch geduldet hatte, war ihm gut in Erinnerung geblieben. Doch wenn es in seinem Ermessen stand, wollte er es zukünftig unterbinden. Dies war er ihr schuldig. Es sollte in seiner Gegenwart niemand wagen über Hermine zu lachen!


Wie schlimm es allerdings um sie stand, wie gut und schnell die Gerüchteküche unter den Bewohnern Hogwarts am Brodeln war, bekam er spätestens beim Eintritt in die große Halle zu spüren.

Er war noch gar nicht ganz eingetreten, da hörte er entsetzt wie zwei Ravenclaws, die lässig an der Wand lehnten, lachend sagten:

"Hast Du schon gehört? Die Granger hat es bei Snape voll erwischt. Hey, die muss so bescheuert ausgesehen haben mit ihrem Springbrunnen auf dem Kopf."

"Echt, wirklich? Aber mal ganz ehrlich, die kam mir schon immer seltsam vor. Von wem weißt Du das eigentlich?"

"Geheime Quelle aus Gryffindor. Aber Snape soll sich königlich amüsiert haben, der hat sie wohl richtig herunter gemacht und seinen Triumph wie üblich genossen. Na ja, eine grinsende Fledermaus sieht man auch nicht alle Tage."


Snape wurde bei diesen Worten schlecht und ihm wurde augenblicklich noch übler, als er zum Gryffindortisch blickte und Hermine sah. Wie ein Häufchen Elend saß sie inmitten ihrer Schar. Von überall her schien das Getuschel zu kommen und über sie herein zu brechen. Und nach Rückhalt aus Weasleys und Potters Richtung sah es nicht gerade aus. Im Gegenteil, ihre so genannten Freunde schienen sie zu meiden und saßen meilenweit weg von ihr.


Snape schluckte. Wütend fuhr er zu den Ravenclaws herum.


"Wer hat Ihnen erlaubt sich im Speisesaal ungeniert an die Wand zu lümmeln?", fauchte er die beiden an.

"Äh, niemand, Sir", stammelte einer der Jungen erschrocken.

"Und da Sie es dennoch tun, werden Sie dies umgehend mit 15 Punkten Abzug von Ihrem Konto zu quittieren haben", entgegnete Snape eisig, "...für das unerlaubte Lümmeln, meine ich, für die grinsende Fledermaus veranschlage ich weitere 20 Punkte. Oh, ich sehe die Steinchen förmlich aus dem Stundenglas entweichen, wie bedauerlich aber auch. Ach ja, ehe wir es vergessen: es ist sehr unfair und taktlos von Ihnen Mitschüler gehässig auszulachen, das wären dann nochmals 20 Punkte weniger."

"Was? 55 Punkte auf einen Schlag, Sir?", fragte der andere ungläubig.

"So ist es, Mr. Hyder, zumindest können Sie addieren, ich gratuliere", erwiderte Snape süffisant, "und wenn ich Sie in 5 Sekunden noch hier erblicken sollte, dann muss ich das Punktekonto der Ravenclaws noch ein wenig erleichtern. Sehen Sie besser zu, dass Sie die Gefahrenzone schnellstens verlassen."


Das ließen die beiden sich nicht zweimal sagen.


Widerwillig ging Snape weiter, so als wenn nichts geschehen wäre, doch es rumorte in ihm. Als er all die Blicke sah, die nun nicht nur dem Gryffindortisch galten, sondern auch ihm, hätte er am liebsten kurzen Prozess mit den Gaffern gemacht...doch selbst der raubvogelhafte Blick der Direktorin durchbohrte ihn inzwischen.


Gelassen und mit dem üblichen mürrischen Gesicht setzte er sich auf seinen Platz, als ihm Minerva auch schon zuraunte, dass sie ihn nach dem Abendessen umgehend in ihrem Büro zu sprechen wünsche. Besser hätte der Abend nicht laufen können.

Mit Gedanken an Hermine, ihrem duftenden Haar und dem wundervollen Körper unter seinen Händen, brachte er die halbe Stunde irgendwie hinter sich.


Das Gröbste stand ihm allerdings noch bevor, denn Minerva McGonagalls Blick nach zu urteilen, war auch sie mit Gewissheit schon im Bilde und gedachte ihm die Leviten zu lesen.



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"Nehmen Sie Platz, Severus", befahl Minerva kühl und durchbohrte ihren Kollegen eindringlich. "Sie wissen, weswegen Sie hier sind?"

"Nein, ehrlich gesagt nicht, Minerva", entgegnete Snape reserviert. So einfach würde er es ihr nicht machen.

"Das dachte ich mir bereits, aber auch Sie werden den Tatsachen ins Auge sehen müssen. Stellen Sie sich vor, es soll einen weiteren Vorfall gegeben haben in den sowohl Sie, als auch Miss Granger verstrickt gewesen waren."

"Tatsächlich? Nun, wer möchte mir denn dieses Mal etwas zur Last legen? Miss Granger vielleicht?"


"Sie erwähnte so etwas", erwiderte Minerva schlicht und beobachtete Snape ganz genau. Jedenfalls schien ihn diese Aussage zu beschäftigen. Er wirkte ein wenig verunsichert.

"Nachdem ich gezwungen war, einigen Gerüchten auf den Grund zu gehen, sprach ich unter anderem mit Hermine. Zwar weigerte sie sich zunächst überhaupt etwas zu sagen, doch das was sie dann sagte, dürfte Ihnen nicht gefallen, Severus."


In Snape arbeitete es fieberhaft. Was hatte Hermine bloß gesagt? Hatte sie von der Umarmung

berichtet? Von der Verunstaltung ihrer Haare? Snape grübelte und grübelte...doch kam letztendlich zu dem Schluss, dass Minerva ihn wahrscheinlich nur testen wollte. So, wie er Hermine einschätzte, hatte sie auch dieses Mal geschwiegen. Nein, sie hatte ihn nicht verraten. Auch wenn sie allen Grund hätte, ihn auflaufen zu lassen, es ihm heimzuzahlen, nein, sie würde dies nicht auf diese Weise tun. Ausgeschlossen.

Daher lehnte er sich gelassen zurück und war gespannt, wie lange Minerva es aushalten konnte ihr Schweigen aufrecht zu erhalten.


Minute um Minute verging. Snape sagte nichts. Minerva hielt ihren Mund. Unerträgliches Schweigen herrschte vor.

Snape war es dann, der sich nach vorne beugte, leicht auf dem Tisch aufstützte und mit seidiger Stimme fragte: "Minerva, Sie werden doch wohl nicht schon am Ende ihrer Litanei angekommen sein? Ich bin enttäuscht. Nun machen Sie es doch nicht so spannend, verraten Sie mir schon, was Miss Granger so alles ausgeplaudert hat."


"Sie haben den Zauberstab gegen eine Schülerin erhoben!", sagte Minerva erregt, "Sie haben sie vor allen gedemütigt."

"Und dies hat Ihnen Miss Granger anvertraut? Wirklich empörend." Snape zog einen Mundwinkel spöttisch empor. "Ich muss schon sagen, dies trifft mich wirklich tief...und es gefällt mir überhaupt nicht."


"Sie haben erneut eine Grenze überschritten, Professor Snape", raunte Minerva verärgert. Sie war es leid sich mit diesem unmöglichen Menschen auseinander setzen zu müssen, durchschaut worden zu sein...und ausgerechnet noch ihre Lieblingsschülerin an diesen Mann zu verlieren. Auf irgendeine Weise stand dieses Mädchen unter seinem Bann und dieser nutzte das wohl schamlos aus. Es wurde Zeit, dass andere Seiten aufgezogen wurden.


"Schön, dann setze ich Sie hiermit in Kenntnis, dass Sie am Wochenende für Pomona die Aufsicht in Hogsmeade übernehmen werden, mein lieber Severus."

"Das kommende Wochenende wird mein freies Wochenende sein, ich bedauere..."

"Die Aufsicht geht an Sie", unterbrach Minerva schroff, "so leid es mir auch tut, aber Pomona wird sich nicht wohl fühlen."

"In der großen Halle sah sie allerdings noch sehr munter aus", gab Snape Stirn runzelnd zu bedenken.

"Bis Samstag kann sich da noch einiges ereignen", antwortete Minerva mit einem dämonischen Lächeln auf den schmalen Lippen, "glauben Sie mir, sie wird nicht zur Verfügung stehen können. Leider."


"Versuchen Sie mich auf diese Weise etwa zu einem Geständnis zu bewegen, Teuerste? Wirklich sehr raffiniert. Und so effektiv." Snape grinste amüsiert. Ein freies Wochenende war ihm zwar viel wert, aber das bisschen Aufsicht brachte er auch noch hinter sich. Wenn es weiter nichts war...


Seiner Vorgesetzten schien dies allerdings noch nicht genug zu sein. Statt pikiert drein zu schauen hatte sie noch immer dieses widerliche Grinsen auf den Lippen. Es gefiel Snape ganz und gar nicht.


"Die nächste Dienstversammlung werden Sie organisieren, Severus. Ihnen obliegt es, alle Lehrer zu informieren, die Vorbereitungen zu treffen...und letztendlich auch die Versammlung abzuhalten. Die Schwerpunkte können Sie bei mir erfragen."

"Oh, nicht dass dies noch einer Beförderung gleichkommt", wagte Snape belustigt einzuwenden, "noch nie haben Sie sich diesbezüglich das Zepter aus der Hand nehmen lassen. Es geschehen offenbar noch Zeichen und Wunder. Ich betrachte es als Ehre. Sie werden mich doch rechtzeitig informieren, wenn Sie gedenken mir die Leitung der Schule zu übertragen?"


"Soweit würde ich es gewiss nicht kommen lassen, mein Lieber."

"Schade. Einen Versuch war es wert", murmelte Snape und betrachtete gelangweilt seine Fingernägel.

"Aber da wir gerade so gemütlich beieinander sitzen und munter am Plaudern sind, Severus", begann Minerva genüsslich, "könnten wir doch eigentlich auch das Thema Miss Hamilton aufgreifen."

"Aber ja doch Minerva", gab Snape allmählich nicht mehr amüsiert klingend zurück und lehnte sich mit unergründlicher Miene tief in das Polster des Sessels.


"Auch bei ihr hielt ich Rücksprache. Das arme Mädchen schien mir geradezu verstört."

"Was weiß ich, was bei solch pubertierenden jungen Dingern nicht alles als Faktor zählen könnte, um eine Verstörung herbei zu führen", raunte Snape herablassend.


"Sie sind eines der Faktoren", warf Minerva scharf ein und ließ Snape keine Chance auf Rechtfertigung, "Sie haben Miss Hamilton ohne Grund fortgeschickt. Sie haben sich von einer unerträglichen Laune treiben lassen und all ihren Frust bei diesem Mädchen abgeladen. Sie müssen wissen, dass Sarah Hamilton, ganz im Gegensatz zu Hermine, mit mir redet, wenn ich sie etwas frage. Ich habe Sie gewarnt, Severus, doch Sie haben meine Warnung nicht ernst genommen. Nun, von daher habe ich mir etwas überlegt. Es gibt so einige viel versprechende Talente in Zaubertränke..."

"...davon wüsste ich..."

"...die die Möglichkeit erhalten sollten bei einem Fachmann für dieses Metier die schwierige Kunst des Tränkebrauens zu erlernen. Was halten Sie davon, wenn wir aus jedem Haus zwei Schüler erwählen, die Sie dann ausschließlich in Ihrer Freizeit unterrichten dürfen?"


"Darauf wollen Sie doch nicht wirklich eine Antwort erhalten", zischte Snape, langsam wütend, quer über den Tisch.

"Nein, natürlich nicht. Ich dachte mir schon, dass Sie sich zieren würden. Hatte ich schon erwähnt, dass ich diese acht Schüler bereits erwählt habe und selbst gedenke bei diesen besonderen Braustunden anwesend zu sein? Schließlich möchte ich nicht, dass eines dieser lernwilligen Geschöpfe auf Grund Ihrer unsozialen Ader schreiend den Raum verlässt."


"Das werde ich NICHT tun!", rief Snape und sprang auf.

"Wir werden sehen, Professor Snape", antwortete die Schulleiterin gelassen, "immerhin haben Sie noch genau eine einzige Möglichkeit dieses Projekt zu stoppen. Arrangieren Sie sich einfach mit Miss Hamilton. Morgen ist der nächste Termin, wenn mich nichts alles täuscht."


"SIE werden mich nicht auf diese billige Weise erpressen können", fauchte Snape zornig, "SIE nicht! Und SIE werde ich erst recht nicht in meinem Labor dulden."

"Reden Sie keinen Unsinn, Severus! Miss Granger haben Sie vergrault, Miss Hamilton sind Sie dabei zu vergraulen...ein weiteres Opfer werde ich Ihnen nicht mehr zur Verfügung stellen. Es ist die einzige Option. Entweder Sie reißen sich nun endgültig zusammen und kommen Ihrer neuen Assistentin entgegen oder ich werde, ob Sie es möchten oder nicht, anwesend sein. Mang einem ganzen Pulk an Lernwilligen."



Snape kochte. Er brodelte vor Zorn. Und Minerva genoss es in vollen Zügen. Ein Umstand, der ihm nicht entging und der zusätzlich dafür sorgte, dass er nahe an den Rand des Wahnsinns geriet.




10. Kapitel


Snape hatte im Nachhinein keine Ahnung wie er den gestrigen Tag herum bekommen hatte. Minervas Drohungen hallten in seinen Ohren permanent wider. Er hatte darauf verzichtet die große Halle aufzusuchen. Er mochte niemanden sehen und hören. Seine Speisen konnte er sich auch von den Hauselfen bringen lassen. Und das tat er auch.

Es war jetzt kurz vor 20.00 Uhr und jeden Moment müsste es an der Tür klopfen, was dann ein untrügliches Zeichen dafür wäre, dass Miss Hamilton herein schneite und ihn seiner Nerven berauben würde.


Bei dem Gedanken wurde ihm schon im Voraus schlecht. Hamilton! Verdammt noch mal, er wollte keine Miss Hamilton. Er wollte Hermine. Hermine, Hermine und nochmals Hermine.

Er wollte sie, er vermisste sie, er begehrte sie. Alles in ihm schrie nach dieser jungen Frau, die er heute nur ganz kurz auf dem Gang gesehen hatte. Von Ferne. In einem Moment, da sie sich irgendwelchen Verbalattacken gegenüber seinen Slytherins erwehren musste.


Snape seufzte. Warum nur hatte er sich nicht zusammen reißen können? Er wollte seine blöde Aktion mit ihren Haaren am liebsten ungeschehen machen. Er konnte so gut nachvollziehen, wie sie sie sich nun fühlen musste. Gedemütigt, verlacht. Das hatte er nicht gewollt. Sicher, in dem Moment, als er seinen Zauberstab erhoben hatte, glaubte er noch, sie zurechtweisen zu müssen, sich für ihre Abweisung rächen zu wollen. Doch nun? Ja, nun, tat es ihm eben leid... und er litt mit ihr.


Es klopfte. Hamilton. Prima. Zumindest war sie pünktlich. Stöhnend erhob Snape sich und öffnete die Tür. Er war sich nicht sicher, wie lange er sich unter Kontrolle halten konnte, doch zumindest gewillt, das Beste aus der Situation zu machen, denn unter keinen Umständen wollte er Minerva McGonagall samt Gefolge in seinen Räumen haben.


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Zwei Stunden später war Snape mit seinen Nerven und seiner eh nur bedingt vorhandenen Geduld am Ende. 120 Minuten mit jemandem zusammen arbeiten zu müssen, den man überhaupt nicht ausstehen konnte, war das eine. Aber sich gleichzeitig nicht so geben zu können wie man gerne wollte, weil einem die Direktorin im Nacken saß und zudem auch noch gedanklich permanent an eine junge Frau denken müssend, die zum selben Zeitpunkt irgendwo herum hockte und sich grämen musste, weil man die guten Manieren verloren hatte, brachte ihn an die Grenze des Belastbaren.


Jetzt, nachdem diese über alles verhasste Ravenclaw endlich, endlich verschwunden war, hatte er nur noch einen Wunsch. Hinaus. Irgendwohin. Ganz gleich, Hauptsache er bekam frische Luft um die Nase, konnte befreit aufatmen und sich ein wenig die Füße vertreten.

Schüler hatten um diese Zeit ohnehin nichts mehr draußen verloren, so dass einem ruhigen Spaziergang unter dem Sternenhimmel nichts entgegen stand.


Nach ein paar tiefen Atemzügen vor den Toren des Schlosses, marschierte Snape los. Ohne Ziel, ohne Plan.

Wie er wenig später feststellte, trugen ihn seine Füße hinunter zum See. Dies war ihm auch recht. Nur fort. Die Ruhe tat ihm gut und mit jedem Schritt den er tat, kehrte wieder ein wenig Leben in seinen Körper zurück. Er fühlte sich ein bisschen gelöster, auch wenn da noch immer die schwer auf seinem Gemüt lastenden Gedanken an Hermine waren.


Am Ufer des Sees angekommen, glaubte er seinen Augen nicht trauen zu können. Irgendwer saß dort und starrte auf das Wasser hinaus. Wut wallte hoch. Wer es auch immer wagen sollte, seinen kleinen, nächtlichen Ausflug mit seiner Anwesenheit stören zu wollen, würde ihn gleich kennen lernen. Er hatte sich allein gewähnt und nun wagte es doch tatsächlich irgendwer, womöglich auch noch ein Schüler, ihn um seine Ruhe zu bringen.

Rasant schritt Snape auf diese Person zu und hielt abrupt inne, als er Hermine erkannte. In sich zusammen gesunken saß sie ganz still dort. Mit ihren Armen umschlang sie die an den Körper heran gezogenen Beine. Ihr Kinn ruhte auf den Knien.


In Snape kam sofort der Beschützerinstinkt auf. Auch sie schien die Flucht angetreten zu haben. Wahrscheinlich wegen ihm. Weil die anderen ihr mit ihrem Spott keine ruhige Minute gönnten...

Ein dicker Kloß saß in Snapes Hals fest, der Magen rebellierte. Mit klopfendem Herzen trat er lautlos näher.



"Hermine", rief er leise.

Verwundert blickte sie sich um. "Oh, Professor Snape." Eilig stand Sie auf. "Ich weiß, es ist schon spät und ich sollte um diese Zeit..."

"Setzen Sie sich wieder hin, Hermine", raunte Snape, "ich habe ohnehin noch einiges gut bei Ihnen; da werde ich Sie doch jetzt nicht ins Schloss hinauf jagen."

"Oh", Hermine lächelte scheu und nahm ihren Platz wieder ein. "Also, wenn Sie nichts dagegen haben...also ich möchte nicht aufdringlich sein...ich..."

"Ja?", fragte Snape mit dunkler Stimme und setzte sich unaufgefordert neben sie, "wogegen sollte ich nichts haben?"

Hermine grinste. "Hat sich gerade erledigt. Ich wollte Sie eigentlich fragen, ob Sie sich zu mir setzen möchten."


Snape nickte stumm und war unendlich erleichtert. Zumindest redete sie mit ihm und wollte seine Nähe. Er durfte sich zu ihr setzen. Mehr, als er derzeit erwarten konnte.


"Ich habe es da oben nicht mehr ausgehalten", sagte Hermine nach einer Weile.

"Werden...wirst Du noch immer wegen der Haare aufgezogen?"

"Ja, das werde ich", antwortete Hermine und der Ärger in ihrer Stimme war beim besten Willen nicht zu überhören.

"Das tut mir leid."

"Das sagten Sie bereits", erwiderte Hermine knapp, rupfte unwirsch ein Grasbüschel aus, schleuderte es ins Wasser und fuhr lauter fort, "zudem meiden mich Harry und Ron, weil ich nicht gewillt war, mich bei Professor McGonagall über Sie zu beschweren. Aus irgendwelchen Gründen können die beiden das nicht nachvollziehen. Es wird wohl daran liegen, dass Professor Snape für alle Schüler Hogwarts ein rotes Tuch ist."


Hermine hatte sich in Rage geredet und auch in Snape wallte allmählich Ärger auf. Prima, dass sie ihn so unverblümt darauf hinweisen musste, welchen Stand er als Lehrer hatte. Wirklich ganz prima! Als wenn er da nicht selbst drauf gekommen wäre!


"Weshalb wollten Sie sich denn nicht über mich auslassen?", fragte er gereizt, "es wäre doch so einfach gewesen. Die Direktorin wartet doch nur darauf, dass Sie mich endlich bei ihr anschwärzen. Sie würde bestimmt sehr gerne etwas über unsere Streitereien in Erfahrung bringen. Da bin ich ganz sicher. Und für Sie, Miss Granger, könnte es doch nur von Vorteil sein. Ihre Freunde würden Sie wieder lieb haben, sie könnten mit diesen beiden Dummköpfen am kommenden Wochenende gemütlich durch Hogsmeade schlendern. Alles könnte so perfekt sein."


Hermine traten die Tränen in die Augen. Abrupt stand sie auf.


"Sie haben doch wirklich keine Ahnung, Snape", rief sie verzweifelt. "Sie interessiert das doch alles einen Dreck. Sich über mich lustig machen im Unterricht, mich vor allen demütigen, das ist Ihre Welt nicht wahr? Da kommen Sie sich ganz groß vor. Der große Snape kann sich ja alles herausnehmen. Und nur zu Ihrer Information: selbst wenn ich lustig durch Hogsmeade bummeln wollte, ginge das nicht, denn Professor McGonagall hat mir bis auf weiteres den Ausflug untersagt. Ich darf mich fortan im Gewächshaus austoben um wieder zur Besinnung zu kommen."


"Das habe ich nicht gewusst", erwiderte Snape bedrückt.

"Was wussten Sie nicht? Dass Sie unter den Schülern nicht beliebt sind?"

"Doch, verdammt noch mal, Granger, DIESE Tatsache ist mir bewusst." Auch Snape sprang nun auf die Füße und bedachte Hermine mit einem bösen Funkeln in den Augen. "Ich weiß sehr wohl, wie man über mich denkt." Snape musste sich Mühe geben nicht auszurasten und massierte sich angestrengt die Schläfen. Wenn er sich nicht sofort wieder ein bekam war noch mehr verloren, als es sowieso schon war.


"Also gut", sagte er und holte tief Luft, "ich hatte keine Ahnung, dass Minerva Dir verboten hat, ins Dorf zu gehen."

"Hat sie aber", antwortete Hermine leise, "sie kam gestern noch in mein Zimmer und wollte wissen, was in Zaubertränke abgelaufen ist. Ich habe ihr aber nichts gesagt, und da...da hat sie eben eine Entscheidung gefällt."


Hermine stand so unglücklich vor ihm, dass es Snape bei ihrem Anblick sämtliche Eingeweide zusammen zog.

"Komm mal her", sagte er einfühlsam und während sie sich schluchzend von ihm in den Arm nehmen ließ, flüsterte er: "Ich weiß, dass Du ihr nichts gesagt hast, Hermine. Ich wusste es einfach."

"Ich konnte es ihr einfach nicht verraten", hauchte Hermine verzweifelt und klammerte sich an Snape, "nichts habe ich ihr verraten, nichts."

"Beruhige Dich, Hermine", erwiderte Snape sanft, nahm ihr Gesicht in seine Hände und sah sie an, "ich weiß es doch." Dann küsste er sie auf die Stirn und schloss ganz fest seine Arme um ihren zarten Körper.


In einer festen Umarmung standen sie nahe am Wasser und hingen ihren Gedanken nach. Snape strich dabei immer wieder zärtlich durch ihre Haarpracht und hauchte Küsse darauf. Hermines Gefühle fuhren Achterbahn und als sie ihren Kopf hob, eigentlich nur um ihn anzusehen, da geschah es. Seine Lippen waren ihrem Mund plötzlich so nah, wie gestern noch in ihrem Traum. Sie schloss einfach nur die Augen, seufzte und befand sich augenblicklich in einem absolut umwerfenden, sinnlichen Kuss mit Snape verstrickt, den sie glaubte nie im Leben wieder lösen zu wollen. Seine leicht rauen Lippen nahmen ihren Mund mit einer nie für möglich gehaltenen Sanftheit in Beschlag, dass es Hermine fast den Atem raubte.


Der Kuss währte lange...und er wurde seitens Snapes fordernder. Immer energischer drang seine Zunge in ihren Mund ein, immer fester presste er sie an sich. Ein Stöhnen nach dem nächsten entrang sich seiner Kehle. Hermine spürte mittlerweile eine beunruhigende, verdächtige Härte an ihrem Bauch und als Snape dann auch noch ihre Brüste äußerst grob umfasste und ihre Beine mit dem Knie zu teilen versuchte, konnte sie einfach nicht anders, als ihn von sich zu stoßen.

"Was soll das?", keuchte er heiser und verständnislos, "heuchelst mir hier Zuneigung vor und dann?" Mit einem Schritt war er wieder bei Hermine, bedachte sie mit einem Blick der ihr Angst einjagte, und drückte sie gegen einen Baum. Er wollte die Zärtlichkeiten ungerührt ihrer Gegenwehr wieder aufnehmen, aber Hermine, inzwischen panisch geworden, wusste sich nicht anders zu helfen, holte für ihn überraschend aus und verpasste ihm eine schallende Ohrfeige.


Ehe sie sich versah wurde sie rüde gegen den Baum gestoßen und ihr schlug ein: "Verfluchtes Miststück!", um die Ohren.

Snape packte Hermine rabiat am Handgelenk, starrte fassungslos auf die Hand, die ihn geschlagen hatte und näherte sich ihr dabei schon wieder auf eine Weise, die ihr Angst und Bange machte. Er atmete heftig, seine Augen sahen auf sie mit dem Blick eines gehetzten Tieres herab...


Mit der freien Hand riss Hermine nun in ihrer Not eilig den Zauberstab hervor und versetzte Snape damit in einen Zustand der Lähmung. Er kippte rücklings zu Boden und riss Hermine, da seine nunmehr gelähmte Hand die ihre noch immer fest umschloss, mit sich. Sie kam auf ihm zum Liegen.

Emsig versuchte sie sich aus dem Griff zu befreien, es gelang ihr nicht. Seufzend ergab sie sich, lag noch immer halb auf ihm und flüsterte: "Severus Snape, weißt Du wenigstens, dass Du ein verdammter Idiot bist? So machst Du erst recht alles kaputt."


Minuten, die ihr wie Stunden vorkamen vergingen. Ihre umschlossene Hand war inzwischen fast Taub, der Griff schmerzte und bewegen konnte sie sich so auch nicht richtig.

Verdammter Mist! Hermine wusste beim besten Willen nicht, wie er reagieren würde, wenn sie den Fluch aufhob. So blieb sie weitere Minuten in ihrer misslichen Lage dort wo sie war liegen: auf dem Mann, der soeben äußerst zudringlich geworden war und nach dem sie sich noch immer sehnte. Der offenbar mit ihr anstellen konnte was er wollte ohne Angst haben zu müssen, dass sie jemandem davon ein Sterbenswörtchen verriet. So langsam aber sicher schien sie wirklich nicht mehr alle beieinander zu haben. Vielleicht hatte Harry ja Recht.


Und obwohl sie Angst verspürte, obwohl sie keine Ahnung hatte, was gleich mit ihr angestellt wurde, wenn sie ihn erlöste, begann sie ihm, ohne darüber nachzudenken, aus einem Impuls heraus, mit der freien Hand über das Gesicht zu streichen. Erst ganz sanft und vorsichtig mit dem Zeigefinger über die Wangen, die Schläfen, über die Nase, den Mund...dann irgendwie, Gefallen an ihrem Tun findend, langte sie mit der ganzen Hand nach seinen Haaren und wühlte darin herum. Sie beobachtete im fahlen Mondlicht, wie aus seinen Augen zunehmend der Zorn wich und stattdessen so etwas wie Traurigkeit darin seinen Platz einnahm. Dieses Schauspiel mitzuerleben bewegte sie sehr. Sie konnte sich gar nicht satt sehen an dieser Melancholie und spürte selbst, wie es ihr dabei immer mehr die Kehle zuschnürte. Egal was gleich geschah, sie wusste was sie zu tun hatte. Sie konnte ihn nicht länger leiden lassen.


Mit zitternder Hand erhob sie den Zauberstab und murmelte den Umkehrzauber.


Sie wollte nun umgehend ihrem Fluchtinstinkt folgen, soviel an Abstand wie möglich zwischen sich und Severus bringen, doch er war einfach schneller. Statt sie fliehen zu lassen, statt ihre Hand frei zu geben, hatte er blitzschnell auch ihre andere Hand ergriffen und behielt Hermine bei sich am Boden. Ihre Augen weiteten sich vor Angst und Schreck, ihre Lippen bebten, ihr Herz schlug einen wilden Takt. Noch nie hatte sie sich so hilflos gefühlt. Sie wollte schreien, doch kein Laut kam ihr über die Lippen...


"Sieh mich an", flüsterte Snape mit belegter Stimme, "bitte, Hermine, sieh mich an."

Sie kam seiner Bitte nicht nach. Sie konnte einfach nicht. Mit seinen plötzlich wieder so sanft geflüsterten Worten konnte sie nicht umgehen. Die Angst steckte ihr noch immer in den Knochen. Sie wollte nur weg von hier, sich in Sicherheit wiegen können. Abstand von dem Mann gewinnen, der sie derart verunsichern konnte, bei dem sie permanent einem Wechselbad der Gefühle ausgesetzt war. Schwankend zwischen Zuneigung, Wut...und selbst Angst.


"Hermine", bat Snape erneut, "bitte, ich möchte Dir nicht weh tun. Sieh mich nur einmal an." Er klang verzweifelt, sie hörte es. Er fühlte sich keinen Deut besser als sie. Sie spürte es. Und doch...sie konnte ihm momentan nicht in die Augen sehen.

"Bitte!", erklang es heiser.

"Ich kann nicht", wisperte Hermine und versuchte sich in einem erneuten Anfall von Panik, total mit der Situation überfordert, wiederholt zu befreien. Seufzend gab Snape nach. Hermine schoss, nun frei gegeben, nach hinten, strauchelte, fiel zu Boden und kroch auf allen Vieren durch das feuchte Gras davon. Flucht! Sie wollte noch immer nichts als fort.



So recht konnte auch Snape nicht mit der bestehenden Situation umgehen und wurde langsam echt sauer. Zum einen auf sich selbst und zum anderen auf dieses dumme Gans, die nun geradezu, auf eine absolut lächerliche Art und Weise, vor ihm floh. Auf allen Vieren wie ein Kleinkind! Hatte sie denn nicht verstanden, dass er ihr nicht nochmals wehtun wollte? Hätte er sich vielleicht etwas lauter artikulieren sollen, damit seine Worte in den Dickkopf aus Gryffindor Einzug halten konnten?


Kurz entschlossen und unüberlegt setzte er ihr nach.


"Du kannst nicht immer einfach verschwinden, wenn Dir etwas nicht passt!", fauchte er sie an. "Los stehe jetzt endlich auf! Was soll denn das? Du tust gerade so, als wollte ich Dich fressen."

Hermines Kehle war wie zugeschnürt. Wimmernd kniete sie vor ihm und grub ihre Finger tief in das Gras. Sie sah nicht auf.

"Meine Güte, was mache ich hier eigentlich?", knurrte Snape und begab sich nun ebenfalls auf die Knie. "Hermine, ein für alle mal", sagte er eindringlich, "sieh mich jetzt endlich an!"

Hastig schüttelte sie den Kopf.

Snape reichte es. Grob griff er unter ihr Kinn und hob es empor. "SIEH MICH AN!", brüllte er.


"Bitte tun Sie mir nichts, Sir." Schützend hielt Hermine ihre Hände vors Gesicht.


"Du bist doch nicht mehr zu retten", schnaubte Snape wütend und sprang auf die Beine. "Führst Dich hier wie eine hysterische Ziege auf. Aber eben, als ich noch gelähmt am Boden lag, da konntest Du Deine Hände nicht bei Dir behalten, was? Da konntest Du mich noch berühren. Große Leistung, Granger! Wirklich sehr mutig! Eine Gryffindor wie sie im Buche steht." Snape verzog verächtlich seinen Mund. "Aber dann bleiben Sie eben hier hocken, Miss Granger und suhlen Sie sich in ihrem Gejammere. Blöde Kuh!"


Dann wandte Snape sich ab und entschwand in die Nacht. Hermine hockte noch ein paar Sekunden in absoluter Starre auf der Erde, dann erhob sie sich maßlos enttäuscht. Langsam und in Tränen fast zerfließend, ging sie zum Schloss hoch und je näher sie diesem kam, desto schneller wurde sie. Zum Ende des Weges hin war es einfach nur noch ein Sprint. Völlig außer Atem brauchte sie ewig, um das Portal zu öffnen.

Jeglicher Kraft, jeglicher Freude beraubt, schleppte sie sich in ihr Zimmer und ließ sich so wie sie war, mit erdverkrusteter, klammer Kleidung auf ihr Bett fallen. Es störte sie nicht, ihr Akku war leer. Sie wollte nur noch schlafen, schlafen, schlafen und nie wieder aufwachen.



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