GELIEBT, VERDAMMT ... VERLOREN

von Sybille aka Lemon Tree

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Kapitel 1-6



1. Kapitel



"GRANGER, verdammt noch mal, bleiben Sie gefälligst stehen, wenn ich mit Ihnen reden möchte!", bellte die Stimme Snapes wütend über den leeren Flur des Kerkergewölbes und hallte äußerst bedrohlich von den Wänden wieder.

"Sie können mich mal, Snape", fauchte Hermine ärgerlich, ohne sich umzudrehen zurück und dachte überhaupt nicht daran, seiner Aufforderung nachzukommen. Nicht nachdem er sie eben so herunter gemacht hatte. Das war definitiv eine Spur zu heftig gewesen.


"Sie...Sie impertinentes, kleines Miststück."


Nach einem kurzen Spurt hatte er sie eingeholt, packte ihren linken Arm und riss sie daran derb herum. Als Hermine es jedoch wagte ihm daraufhin mit der rechten Hand und einem spöttischen Grinsen auf den Lippen den Mittelfinger zu zeigen, setzte es bei ihm aus.


Mit seiner freien Hand holte er schwungvoll aus und verpasste ihr eine dermaßen kräftige Ohrfeige, dass er nicht mehr in der Lage war, sie mit der Hand, welche noch immer den Oberarm der Gryffindor wie ein Schraubstock umschloss, festzuhalten.


Hermine flog regelrecht von ihm und prallte hart gegen die steinernen Wände.


Nach einem kurzen Aufschrei Hermines schien die Zeit still zu stehen.


Sie waren beide geschockt.


Hermine hielt sich leise wimmernd ihre Wange und spürte entsetzt, wie sich das warme Blut einen Weg zwischen ihre Finger bahnte und Snape stand wie angewurzelt auf der Stelle und stammelte verzweifelt: "Ich...ich...tut mir leid...ich..." Dann versagten ihm die Worte.


Beide hofften inständig, dass dies nicht wirklich geschehen war. Vielleicht war alles nur ein böser Traum, ein Streich ihrer Sinne...oder...


Verdammt, sie hatten sich nach einigen Anfangsschwierigkeiten doch inzwischen so gut verstanden!


Seit 2 Monaten gingen sie nun gemeinsam in Snapes Privatlabor zu Werke und hatten auch einige Erfolge zu verzeichnen gehabt, doch nun stand alles auf der Kippe.

Snape ahnte es. Nie wieder könnte es so sein wie zuvor. Nie wieder würde Hermine ihn anlächeln, wie sie es in den Tagen zuvor auf bezaubernde Art und Weise so oft getan hatte. Er hatte soeben, oder besser gesagt vorhin schon, als er aus unerfindlichen Gründen unbedachte Äußerungen von sich gegeben hatte, etwas zerstört. Unwiederbringlich zerstört. Dies wurde ihm schlagartig klar. Es schmerzte, auch wenn er nicht genau wusste weshalb; es tat jedenfalls schrecklich weh.


Eine kleine, winzige Hoffnung hegte er noch, er wusste zwar nicht woher er sie nahm, aber ja, ein Fünktchen Hoffnung war noch vorhanden.

Es war alles nur ein Traum, redete er sich ein und lächelte, alles ein schlimmer Traum, doch ...er zerplatzte wie eine bunt schillernde Seifenblase abrupt, als Professor McGonagall arglos um die Ecke geschritten kam und mit einem entsetzten Gesichtsausdruck erstarrte. Fassungslos sah sie von einem zum anderen.


"Was...was ist hier geschehen", schnappte sie und als niemand etwas sagte, schrie sie Snape lautstark an: "Können Sie mir erklären, was hier passiert ist."


Snape regte sich nicht, er antwortete nicht. Seine Zunge schien wie gelähmt. Noch immer konnte er nichts anderes tun, als heftig atmend und stumm auf Hermine zu seinen Füßen zu starren und dabei den Druck, der ihm schwer auf dem Magen lastete, versuchen zu ignorieren.


"Miss Granger, so sagen doch wenigstens SIE etwas", forderte Professor McGonagall leicht hysterisch. Dieses Szenario vor Ort war befremdlich, ungewöhnlich, beängstigend. Doch auch Hermine schwieg.


"Hermine", Minerva gab sich Mühe die Ruhe zu bewahren und kniete sich vor ihre Schülerin nieder, "verraten Sie mir bitte, weswegen Sie verletzt sind", forderte sie sacht. "Was ist geschehen?"

Als Hermine nur müde den Kopf schüttelte und traurig den Boden inspizierte, platzte ihr der Kragen. Stöhnend richtete sie sich auf und wandte sich schwungvoll zu dem Hauslehrer der Slytherins um.


"So, allmählich reißt mir der Geduldsfaden", fauchte sie Snape an. "Irgendetwas ist zwischen Ihnen beiden vorgefallen und ich verlange auf der Stelle zu wissen, was es ist!"

Sekunden, die wie Stunden erschienen, vergingen, bis Snape leise hauchte: "Ich bin Schuld." Dabei hatte er noch immer Hermine im Visier, die seinem Blick jedoch beharrlich auswich.


"Woran tragen Sie Schuld, Severus? Meine Güte, nun lassen Sie sich doch nicht jedes Wort aus der Nase ziehen!" Minerva wirkte ungehalten.

"Nun", Snape schluckte und straffte seine Schultern, "ich habe mich Miss Granger gegenüber ungehörig benommen, sie beleidigt und...letztendlich geohrfeigt."


"Wie bitte?" Die Augen Professor McGonagalls sprangen vor Verblüffung fast aus ihren Höhlen. "Das ist doch wohl nicht Ihr Ernst, Severus."

"Es ist, wie ich es gesagt habe", erklärte Snape hoch erhobenen Hauptes und in der Gewissheit, dass er dafür nicht ungestraft davon kommen würde. "Miss Granger wird dies bestätigen können."


Skeptisch blickte Minerva zu Hermine und forderte sie erneut auf zu sprechen, doch diese wollte momentan weder etwas bestätigen, noch sonst irgendetwas sagen. Minerva seufzte. Dies war momentan auch egal, beschloss sie kurzerhand, damit konnte man sich später befassen.


Das Geständnis Snapes hingegen hing schwer wie Blei in der Luft.


Deshalb wollte und musste sie sich zunächst dem Tränkemeister widmen!


"So, Severus, dann eben zu Ihnen", knurrte McGonagall und versuchte, bei aller Anspannung, ihm geradewegs in die Augen zu sehen und gleichzeitig so sachlich, wie nur irgend möglich zu bleiben, "dass Sie sich hin und wieder ungehörig benehmen ist bekannt. Dass Sie sich sehr häufig beleidigend geben und gerade den Schülern gegenüber im Ton vergreifen, gehört wohl ebenso zu Ihrer Person, wie Ihr insgesamt mürrisches Wesen, doch dass Sie es wagen", an dieser Stelle hob Minerva ihre Stimme um ein vielfaches an, "handgreiflich zu werden und eine Schülerin zu schlagen, hätte ich niemals von Ihnen erwartet. Sie sollten sich schämen, Professor Snape! Es dürfte Ihnen klar sein, dass Sie damit nicht durchkommen werden." Minerva holte tief Luft. "Über eine geeignete Sanktion mein Lieber, werde ich noch entscheiden. Ich werde Sie rechtzeitig darüber informieren womit Sie zu rechnen haben."


Snape nickte nur stumm.




Hermine hatte während Minervas Anklage den Kopf vorsichtig angehoben, um zu sehen wie Snapes Reaktion ausfiel.


Dieser stand stocksteif auf der Stelle, ließ die Litanei kommentarlos und mit fest aufeinander gepressten Lippen über sich ergehen und wandte den Blick ruckartig von Hermine ab, als diese den Kopf anhob. Sie bemerkte es und bereute es inzwischen sogar fast, dieses ganze Theater mitinszeniert zu haben. Zwar war sie noch immer sehr enttäuscht über Snapes Verhalten und hatte inzwischen ein bisschen Mitleid mit ihm, doch der Schmerz, der ihre Wange durchzog, erinnerte sie wieder daran, über alle Maßen gedemütigt worden zu sein.


Nein, das konnte sie ihm nicht verzeihen! Niemals!



"Miss Granger, stehen Sie bitte auf", forderte McGonagall streng und zog ihren Zauberstab hervor. Als Hermine nach einigem hin und her endlich auf ihren Füßen stand schloss die Direktorin Hogwarts deren Wunde und reinigte sie mit einigen kleinen, gemurmelten Zaubern gründlich. Anschließend richtete sie das Wort an Hermine:


"Da Sie, Miss Granger, mir bislang nichts Konkretes sagen wollen, werde ich Ihnen ein wenig Zeit einräumen, gründlich über alles nachzudenken. Punkt 16.00 Uhr erwarte ich Sie in meinem Büro."

Nun wollte Hermine etwas entgegnen, doch Minerva gebot ihr mit erhobener Hand sofort zu schweigen und wandte sich wieder an Snape: "Auch Sie Professor Snape, finden sich am Nachmittag, gegen 16.30 Uhr bei mir ein. Derlei Verhalten zwischen Schülern und Lehrern kann und werde ich nicht tolerieren. Haben Sie mich verstanden?"


"Ja, Direktorin...Sie haben ja laut genug gesprochen", brummte Snape und sah Hermine mit einem undeutbaren Blick, der ihr allerdings durch und durch ging, an. Sie sah zu seinem Bedauern jedoch sofort wieder weg.


Er fühlte sich fehl am Platze, müde, ausgelaugt und machte sich, nachdem vorerst alles gesagt schien, bedrückt auf in die unteren Regionen des Schlosses.

Weit war er noch nicht gekommen, als er Hermine plötzlich flehen hörte: "Professor McGonagall, ich bitte Sie diesen Vorfall einfach zu vergessen. Es gibt nichts mehr zu diesem Thema zu sagen. An der Eskalation bin ich ebenso Schuld wie Professor Snape, glauben Sie mir." Snape blieb ruckartig stehen.


"Ich sagte 16.00 Uhr, Miss Granger", entgegnete Minerva reserviert, "da können Sie mir dann alles haargenau berichten."


"Das ist es ja gerade", zischte Hermine aufgebracht, "ich will und ich werde nicht alles haargenau berichten. Das ist eine Sache zwischen Professor Snape und mir..."

"Sie irren!", fuhr Professor McGonagall resolut dazwischen. "Hier steht der Verdacht auf Körperverletzung im Raum, Miss Granger. Ein schwerwiegendes Vergehen. Erst recht, wenn es von einem Lehrer begangen worden ist."


Hermine verschränkte die Arme herausfordernd vor ihrem Körper und antwortete selbstbewusst: "Ich möchte mich nicht dauernd wiederholen. Von mir erfahren Sie nichts zu diesem Punkt. Im Grunde genommen, wenn ich es mir recht überlege, weiß ich überhaupt nicht, wovon Sie sprechen. Und was Professor Snape betrifft..."


"...wird er seine Strafe zu tragen haben, Miss Granger."


"Ich werde Ihnen keine Bestätigung seines selbstlosen Geständnisses liefern", dabei schaute sie kurz wehmütig zu einem über alle Maßen erstaunten Tränkemeister hinüber, "daraus folgt keine Anklage und demzufolge auch keine Strafe für ihn."


"Hermine, Sie wollen ihn doch nicht ernsthaft ungeschoren davon kommen lassen?"


"Doch, das möchte ich!", erwiderte Hermine kategorisch. "Und ich möchte ebenfalls nie wieder...ähm, naja, also wenn es einzurichten geht, dann... ich..." Hermine schüttelte den Kopf und starrte nach Worten ringend an die gegenüberliegende Wand.


Minerva hatte ihren Kopf schief gelegt und sah Snape, der mittlerweile wieder näher heran getreten war fragend an. Beide warteten ungeduldig darauf, was Hermine noch so zum Besten geben wollte.

"Was sollte einzurichten gehen, Miss Granger?", schnarrte Snape dicht hinter Hermine, "würden Sie es uns vielleicht verraten?"


"UNS!", Hermine schnaubte, fuhr erzürnt herum und Snape wich erschrocken zurück, "UNS ist wirklich ein gutes Stichwort! Ein wahnsinnig gutes Stichwort! Ein UNS, Professor Snape, gibt es nicht mehr. Wir waren ein gutes Team, ohne Frage, das können selbst Sie nicht bestreiten, doch das ist nun Vergangenheit. Hiermit kündige ich meine Mitarbeit an dem speziellen Projekt auf. Mit IHNEN werde ich ganz bestimmt nicht mehr an einem Labortisch arbeiten. Ja, ich werde auch nicht mehr an Ihrem Unterricht teilnehmen. Da erlerne ich lieber alles im Selbststudium!"



Hermine hatte sich in Rage geredet. Minerva schnappte nach Luft. Snape waren die Gesichtszüge entglitten. Kreidebleich stand er vor ihr und konnte nicht glauben, was sie eben gesagt hatte. Seine Ahnung von vorhin, alles wäre unwiederbringlich vorbei...sie stimmte. Er schloss einen Moment lang gequält die Augen.


"Miss Granger", sagte er leise, "würde es Ihnen helfen, wenn ich mich entschuldige? Sie wissen doch ganz genau, dass ich auf Ihre Hilfe im Labor angewiesen bin."

"Das, werter Professor, hätten Sie sich wohl besser vorher überlegen sollen", spie sie ihm verächtlich entgegen. "Nein, ich bin raus. Und, falls Sie nun auch noch auf den regulären Unterricht zu sprechen kommen möchten..."

"...allerdings! Sie sind verpflichtet...", warf Snape ein, wurde aber von Hermine umgehend unterbrochen: "Mag sein, aber Unterricht bei Ihnen, fällt definitiv aus. Mich sehen Sie nach Ihrer wenig amüsanten Vorstellung jedenfalls nicht wieder."


"Da habe ich auch noch ein Wörtchen mitzureden, Miss Granger, die Schulordnung schreibt vor, wie...", sagte McGonagall streng, doch auch sie wurde respektlos von der jungen Frau unterbrochen: "Sie können mich nicht zwingen. Notfalls gehe ich von der Schule ab."


Sowohl Snape, als auch McGonagall stießen die Luft geräuschvoll aus.


Hermine biss sich angestrengt auf der Lippe herum und ihre Augen füllten sich mit Tränen. Und als Snape an sie heran trat und bat: "Überlegen Sie es sich bitte noch einmal, Miss Granger", schleuderte sie ihm entgegen: "Im Augenblick ist mir das alles wirklich schnurzpiepegal. Da können Sie mich tausendmal bitten. Nein, nein und nochmals nein!"


Mit einem letzten verzweifelten, anklagenden und verletzten Blick in Snapes Gesicht, drehte sie sich um und hetzte den Gang entlang.


Snape und Minerva waren starr vor Schreck und Sorge.



Es dauerte, bis Minerva sich räusperte und mit gepresstem Atem raunte: "Auch wenn mit Miss Granger, auf Grund ihrer derzeitigen Verfassung, die mir ehrlich gesagt einesteils Rätsel aufgibt und andererseits tief Blicken lässt, um 16.00 Uhr höchstwahrscheinlich nicht zu rechnen sein wird, so werden Sie sich, werter Kollege, dennoch um 16.30 Uhr zur Klärung einiger Dinge bei mir einfinden."



Anschließend rauschte Minerva wütend davon. Snape hingegen schlich am Boden zerstört in seine Räume zurück. Hermine wollte ihn nicht bestraft sehen, obwohl sie allen Grund dazu hatte, wollte aber auch nicht mehr in seiner Nähe sein. Sie musste sehr verletzt sein. Ein ambivalentes Verhalten von ihr, welches ihn frösteln ließ.


Das Wochenende war jedenfalls gelaufen. Zum Glück waren die meisten Schüler gerade nicht im Schloss, sondern in Hogsmeade unterwegs.


Keine unliebsamen Zeugen seines Aussetzers. Ein schwacher Trost.



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2. Kapitel



Heulend warf Hermine sich auf ihr Bett und schlug immer und immer wieder wütend mit der Faust auf ihr Kissen ein. So lange bis sie keine Kraft mehr hatte und es leise vor sich hin schluchzend aufgab ihr Kopfkissen zu malträtieren.


Verdammter Mistkerl!


Hermine war nicht nur einfach wütend, nein sie war enttäuscht und über alle Maßen erschüttert.


Wie hatte es nur so weit kommen können?



Zum Anfang hatten sie sich beide gesträubt nebeneinander an dem Labortisch zu stehen. Sie hatten es in den ersten Tagen dermaßen gehasst, die Anwesenheit des jeweils anderen, auf Geheiß Professor McGonagalls, ertragen zu müssen, dass sie kaum in der Lage waren, sich ordnungsgemäß auf ihre Arbeit zu konzentrieren.


Da waren nur unermessliche Wut und eine miese Stimmung im Raum verteilt gewesen. Beiden waren diese negativen Schwingungen alles andere als angenehm, doch waren sie auch nicht in der Lage, das ganze aufzulösen.


Während Snape sich ungeniert in Schimpftiraden über die Direktorin ergangen war und dabei Hermines Anwesenheit völlig außer acht ließ, hatte Hermine zunächst geschwiegen und still versucht mit ihrem Los zurecht zu kommen. Snape hingegen machte noch nicht einmal einen Hehl daraus, dass er diese Wut, die er verspürte, auch auf Hermine Granger zu übertragen gedachte. Pausenlos ranzte er sie an und machte sie selbst für seine eigenen Patzer verantwortlich. Gnadenlos. Kompromisslos.

Je länger diese unmöglichen Arbeitsbedingungen allerdings anhielten, desto weniger konnte Hermine sich auf ihre eigentliche Arbeit besinnen...und machte gravierende Fehler. Mehr als sie sich selbst gegenüber noch verantworten konnte.


Snape war über diesen Umstand immer ungehaltener geworden und Hermine hatte endlich begonnen zu reagieren...allerdings anders als es Snape erwartet hatte, denn sie ließ sich fortan auf sein Spiel ein.



In der Folge warfen sie sich gegenseitig die absurdesten Beschimpfungen an den Kopf. So lange, bis beiden die Argumente und Bösartigkeiten eines Tages ausgingen. Und nachdem keiner von beiden mehr etwas zu sagen wusste, sondern sie sich nur feindseelig angestarrt hatten, war Hermine urplötzlich, auf Grund der kindischen Situation, in ein Gelächter ausgebrochen, welches Snape zunächst nur mit einem Stirnrunzeln quittiert hatte, sich aber letztendlich selbst in ein, wenn auch nicht Gelächter, so doch amüsierten Schnauben flüchtete.



Fortan lief es besser zwischen ihnen. Und wurde sogar von Tag zu Tag erfreulicher. Kleine harmlose Spitzen, die nun durch den Raum jagten, trugen ohne Frage zu einem besseren Arbeitsklima bei. Keiner störte sich mehr daran, es war so etwas wie Normalität geworden. Ja, es lief so gut, dass sie zuweilen sogar private Themen ansprachen. Die Chemie zwischen ihnen stimmte. Sie ergänzten sich, sie forschten gemeinsam, sie verstanden sich, so unmöglich es zum Anfang auch ausgesehen haben mochte.


Doch diese Nähe, die sie dabei zueinander entwickelten, brachte anders geartete Probleme mit sich.



Während Hermine sich eingestand, seine Gegenwart zunehmend als angenehm zu empfinden und es meist gar nicht mehr erwarten konnte ins Labor zu kommen, von ihm zu lernen, seinem ausgefallenen Humor zu lauschen und einfach da zu sein, in seiner Nähe, verschloss er sich plötzlich. Einfach so.


Sie verstand es nicht. Wo war der Snape der vergangenen Tage geblieben? Vor allem fragte sie sich dies, weil sie immer, wenn sie ihm den Rücken zukehrte seinen stechenden Blick auf sich spürte. Wandte sie sich ihm hingegen zu, sah er mürrisch wie in alten Zeiten drein, gab ihr kurze aber präzise Anweisungen und wusste es einzurichten von ihr den größtmöglichsten Abstand zu halten.

Sie redeten kaum noch miteinander und wenn, dann handelte es sich nur um Gespräche fachlicher Natur. Von privaten Plaudereien keine Spur mehr.


Hermine fand sein Verhalten sehr irritierend. Auf ihr Lächeln hin, welches sie ihm dennoch zaghaft schenkte, schaute er sie meist eine Weile hin unergründlich an, täuschte daraufhin aber immer öfter in den letzten Tagen, sehr plötzlich Geschäftigkeit vor.

Allein, ohne sie an seiner Seite haben zu wollen, wie er ihr bissig, mit seinem ureigensten Charme, zu verstehen gegeben hatte.


Ja und dann war es heute zu einer unschönen Situation gekommen, die wohl für die Zukunft alles entschieden hatte.


Es war eskaliert.


Hermine war ganz normal, wie fast jedes Wochenende schon um 10.00 Uhr bei ihm erschienen. Sie hatte sich die Anleitungen sorgfältig durchgelesen, die Zutaten bereitgestellt und angefangen alles fachgerecht zuzubereiten.

Als es daran ging, nach und nach alles dem gestern Abend angesetzten und nun leise vor sich hin köchelnden Sud zuzugeben, geschah es.


Einiges landete neben dem Kessel, einiges auf ihrem Umhang. Plötzlich brodelte und zischte es rings um sie herum. Im Nu war sie in eine dichte Rauchwolke gehüllt.

Sie war wohl ein wenig zu unaufmerksam gewesen. Wahrscheinlich lag es an Snapes plötzlichem Auftauchen hinter ihr, so genau bekam sie es jetzt auch nicht mehr zusammen. Passiert war passiert. Jedoch befanden sich unter den fehlgeleiteten Zutaten auch ziemlich gefährliche Substanzen, bei denen man Hautkontakt tunlichst vermeiden sollte, ganz zu schweigen von dem giftigen Qualm, der einem die Sicht nahm.


Snape der dies mitbekam, reagierte schnell. Um Schlimmeres zu verhindern, packte er Hermine an den Schultern und riss sie eilig aus der Gefahrenzone heraus. Er hielt sie, wesentlich länger, als es nötig gewesen wäre fest...und Hermine, völlig perplex über diesen Umstand, atmete tief ein und lehnte sich mit geschlossenen Augen an ihn.

Sie konnte spüren, wie er sein Gesicht in ihre Haare hinein presste, ihr Pulsschlag erhöhte sich, als sich seine Arme von hinten um ihren Körper schlangen und als er leise seufzte, konnte Hermine daraufhin nicht anders. Sie hob ihre Hände an und strich damit zärtlich über die sie umschlingenden Arme Snapes...und fühlte sich äußerst wohl dabei.



Das aufkommende Glücksgefühl, verbunden mit seinem warmen Atem in ihrem Haar, währte für Hermine allerdings nicht lange, denn ehe sie sich versah, stieß Snape sie unsanft von sich und schrie sie aus Leibeskräften an. Er nannte sie ein intrigantes Weib, er schalt sie eine besserwisserische, aufdringliche Göre, er streifte seine Robe mit angewidertem Gesicht von seinem Körper ab und behandelte das Stück Stoff wie Sondermüll. So als hätte der kurze Körperkontakt zu einer Schülerin ihn mit einem Virus der übelsten Art infiziert.


Wie erschlagen hatte Hermine mit einem dicken Kloß im Hals auf der Stelle gestanden und wiederholt den Kopf geschüttelt.


So lange, bis er sie erneut anschrie und sie fragte, ob sie nicht mitbekommen hätte, zu welchem Zweck sie hier zu erscheinen habe und dass sie es niemals wieder wagen sollte, ihn zu berühren. Wenn sie auf Berührungen stehen sollte, dann sollte sie besser in einem Puff für Frauen verschwinden. Er hatte fies gegrinst und hämisch hinzugefügt, dass ihr dort sogar mehrere Männer gleichzeitig zur Verfügung stehen würden...und ihr dann zu allem Überfluss auch noch den Tipp gegeben, das nötige Kleingeld für den Tempel der Sünde auf dem Straßenstrich in der Nocturngasse zu erwerben. Dort würde sie laut seiner Meinung hervorragend hinpassen, sie könne dort ungeniert ihre Beine breit machen und es sollte sogar Freier geben, die auf solch einen Hurenfummel, wie sie ihn angeblich trug und ein dazugehöriges, dümmliches Grinsen stünden.



Das war für Hermine der Punkt gewesen Reißaus zu nehmen. Zu sehr hatten diese Worte sie verletzt, als dass sie auch nur eine Sekunde länger dort bleiben konnte. Angefeindet und beleidigt hatten sie sich auch zuvor...doch nicht auf diesem billigen Niveau!

Da half auch Snapes drohendes: "Hier geblieben, Granger! Wir sind noch nicht fertig!", nichts. Sie musste weg von ihm, weg, um niemals wieder einen Fuß dorthin zu setzen!


An der Tür schrie sie ihm lediglich zu: "Sie gottverdammtes Schwein, Snape!", dann rannte sie los. Sie wollte ihn niemals wieder sehen! Wie konnte er sich ihr nur so sehr nähern und sie dann so demütigen?


Das schlimmste aber was er schlussendlich getan hatte, war eindeutig die Ohrfeige. Damit hatte er endgültig alles ruiniert, sooft er sich in Zukunft auch entschuldigen mochte! Da biss er bei ihr auf Granit, denn solch eine Demütigung wollte und konnte sie sich niemals im Leben gefallen lassen! So wahr sie Hermine Granger, eine Gryffindor war!




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Kurz vor 16.00 Uhr stand Snape mit einem mulmigen Gefühl, wie befohlen, vor dem Wasserspeier. Er wusste noch immer nicht so genau, was ihn zu seinen Verbalattacken und dem Schlag getrieben hatte und fragte sich mit klopfendem Herzen, ob Hermine ihren Termin wahrgenommen haben mochte, oder ob sie sich, wie von Minerva vermutet, dem ganzen entzogen hatte.


"Kommen Sie herauf, Severus!" Mit einem tiefen Seufzer beendete er die Grübelei und betrat die Treppe, die ihn ins Direktorenbüro befördern sollte.


Oben angekommen empfing ihn Minerva mit einem kühlen Blick und forderte ihn auf sich zu setzen. Er folgte der Anweisung.


"Hermine glänzt durch Abwesenheit", begann Minerva sofort und ohne Umschweife, "daher ist es um so erfreulicher, dass Sie offenbar wissen, was sich gehört. Ich hoffe, dass Sie nun etwas Licht ins Dunkle bringen können."

"Ich wüsste nicht, wie ich Ihnen behilflich sein könnte, Professor McGonagall", antwortete Snape ausweichend, wurde aber sofort von Minerva attackiert: "Oh, Sie wissen sehr wohl, dass Sie zur Klärung des Ganzen beitragen können, Severus, und ich fordere Sie hiermit auf, mir nun klipp und klar zu berichten, was Sie veranlasst hat, sich in einer derart unmöglichen Art und Weise zu verhalten."


"Es tut mir leid, Minerva, aber ich weiß wirklich nicht, was mir zur Last gelegt werden sollte", antwortete Snape verwegen und setzte einen unschuldigen Blick auf.

"Sie haben eine Schülerin verletzt! Reicht dies nicht?", raunte Minerva McGonagall scharf.

"Habe ich?", Snape tat ahnungslos. "Nun, welche Schülerin hat mich denn dieses Vergehens beschuldigt?"


Minerva rang um Fassung.


"Severus", schnarrte sie mühsam beherrscht, "nur weil Miss Granger nicht möchte, dass Sie in irgendeiner Art bestraft werden, so weiß ich doch, was ich gesehen habe. Und ich möchte Antworten."

"Dies ist Ihr gutes Recht, verehrte Minerva", schnarrte Snape und verzog spöttisch seinen Mund, "doch so weit ich mich erinnere, kann niemand verurteilt werden, wenn es keinen Ankläger gibt."

"Dies ist dreist von Ihnen, Severus, wirklich dreist, "fauchte Minerva erbost, "aber ich möchte Ihnen meine Meinung trotzdem kundtun. Nach all dem, was ich mitbekommen habe, hat sich zwischen Ihnen und Miss Granger etwas mehr angebahnt, als sich für gewöhnlich zwischen Schülerin und Lehrer anbahnen sollte. Halten Sie mich nicht für dumm! Ich weiß nicht genau wie weit sie gegangen sind, doch ich werde es heraus bekommen, seien Sie sich dessen bewusst! Und ich werde mich nicht scheuen, geeignete Sanktionen zu ergreifen."


"Tun Sie, was sie nicht lassen können", erwiderte Snape emotionslos. "Ich verstehe, dass Sie es als Schulleiterin nicht anders handhaben können, doch ich möchte nochmals darauf hinweisen, dass es ohne Anklage..."

"Ja halten Sie mich denn für komplett betriebsblind?", brauste die Schulleiterin auf und erhob sich schwungvoll aus ihrem Stuhl. Sie stürmte zum Fenster, riss es auf und atmete mehrmals tief ein und aus. Zornig blickte sie Snape anschließend an: "Meinen Sie nicht auch, dass ich eins und eins zusammen zählen kann? Warum wohl hat Miss Granger darauf bestanden, Sie nicht anzuklagen? Haben Sie da irgendeine Idee? Ich sage Ihnen was ich darüber denke. Entweder wurde Sie von Ihnen unter immensen Druck gehalten, oder Sie hegt Ihnen gegenüber Gefühle, die sich nicht mit der Schulordnung in Einklang bringen lassen."


Snape rutschte unruhig auf seinem Stuhl hin und her. Das Gespräch verlief in eine unangenehme Richtung. Tausende Gedanken rasten durch seinen Kopf, doch er äußerte sich nicht.


"Severus, ich appelliere an Ihren gesunden Menschenverstand", Minerva wurde nun lauter, "was sich auch immer zwischen Ihnen abgespielt haben mag, Hermines Verhalten ist nicht normal, so kenne ich sie nicht. Was zum Teufel haben Sie nur mit dem Mädchen gemacht?"


"Nichts!", rutschte es Snape heraus.

"NICHTS?" Minervas Stimme überschlug sich fast." Die Situation vorhin hat sich mir allerdings anders dargestellt."


Auch Snape hielt nun nichts mehr im Sessel. Er sprang auf und ballte seine Fäuste.


"Wir haben auf Ihre Anordnung hin an den verdammten Tränken gebraut, genau so wie Sie es wünschten", knurrte er, "weshalb mussten Sie mir auch ausgerechnet Miss Granger an die Seite stellen?"

"Das wissen Sie ganz genau, Severus! Weil sie nun mal die beste Schülerin ist, die Hogwarts derzeit hat, eine Schülerin, von der ich annahm, dass sie Ihren immensen Forderungen und Ihrem unsozialen Gepflogenheiten gewachsen wäre. Doch wie es aussieht, gehört die Zusammenarbeit mit Ihnen nun der Vergangenheit an."

"Das wird es wohl, denn wie Ihnen nicht entgangen sein dürfte, wird sich Miss Granger zukünftig weigern, meinen Unterricht zu besuchen, geschweige denn mit mir an den Versuchen weiter arbeiten", fauchte Snape angriffslustig und blitzte die Schulleiterin wütend an.


"Sie ist verletzt worden, Severus, und das nicht nur auf körperlicher Ebene."

"Dies ist mir bekannt."

"Mehr haben Sie dazu nicht zu sagen?"

"Nein, derzeit nicht, Direktorin."


"Gut", warf Minerva schnaufend ein, "gut, wenn Miss Granger sich auch morgen noch weigern sollte, dann...", ein verwegenes Grinsen schlich sich auf ihr zerfurchtes Gesicht, "dann werde ich Ihnen eben eine andere Schülerin zuteilen. Wie wäre es mit einer Ravenclaw?"


Gespannt betrachtete sie Snapes Minenspiel und sah sich nicht getäuscht, denn sie konnte in bei dem sonst so sehr seine Emotionen beherrschenden Mann ein interessantes Wechselbad der Gefühle feststellen.

Von Ungläubigkeit, über Fassungslosigkeit bis hin zu grenzenloser Wut zeichnete sich alles auf seinem Gesicht ab. Minerva war damit zufrieden.


"Nun Severus, so antworten Sie mir doch!", forderte sie mit unergründlichem Blick. "Was sagen Sie zu meinem Vorschlag?"

"Was soll ich dazu noch sagen", fauchte er wütend, "wo Sie doch schon über meinem Kopf hinweg entschieden haben."

"Entschieden, mein Lieber ist hier gar nichts", erwiderte Minerva McGonagall gelassen, "Sie könnten natürlich auch Miss Granger versuchen zu überzeugen..."

"...nein, das werde ich nicht tun!", rief er erzürnt aus und wandte sich abrupt dem Ausgang zu.


Doch bevor er wutentbrannt und Türen schlagend das Büro verlassen konnte, hörte er noch: "Sie haben genau bis morgen Mittag Punkt 12.00 Uhr Zeit, sich darüber Gedanken zu machen, wie Sie mit Hermine weiterhin verfahren wollen...denn wenn mich nicht alles täuscht, dann liegt Ihnen etwas an dem Mädchen. Auch wenn ich gewisse Annäherungen, die über ein bestimmtes Maß hinausgehen, selbstverständlich nicht tolerieren könnte, so werde ich dennoch auf den Forschungsarbeiten weiterhin bestehen. Entweder mit einer Teilnehmerin aus Gryffindor oder aus Ravenclaw. Denken Sie darüber nach! Sie haben die Wahl."



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3. Kapitel



Völlig neben sich stehend und außer sich vor Wut, erreichte Snape seine Räume. Eine Ravenclaw. EINE RAVENCLAW!!!


Snape wusste nicht was er in seiner Rage zuerst zerstören sollte. Völlig wirr hing sein Blick an dem voll gepackten Schreibtisch. Mit einem Aufschrei stürmte er auf diesen zu und hieb mit der Faust kräftig darauf. Sämtliche Unterlagen hoben mehrere Zentimeter von der Oberfläche ab und landeten in einem einzigen Chaos wieder darauf. Und nun? Sein stechender Blick wanderte durch das Zimmer. Das Regal, voll gepackt mit allerlei Eingewecktem, stach ihm als nächstes ins Auge. Er zögerte und hielt unbewusst die Luft an, denn plötzlich kam ihm etwas ganz anderes ins Blickfeld.


Die verdammten Phiolen, die er mit Hermines Hilfe hatte füllen können.


Hermine!


Verfluchter Mist, was hatte diese dämliche Besserwisserin nur mit ihm angestellt, dass er sich nun derart am Boden zerstört fühlte? Was hatte dieses Miststück überhaupt in seinen Gedanken zu suchen?


Ihm flimmerte es vor den Augen, als sie nun in ungebührlicher Weise vor seinem geistigen Antlitz erschien.

Alles lief doch so gut zwischen ihnen. Er hatte sich in den letzten Tagen schlagartig wohl gefühlt, wenn sie in seinen Räumen Einzug gehalten hatte. Die zeitweilige Unruhe in ihrer Gegenwart ignorierte er großzügig.

Sie hörte ihm jedenfalls zu, sie lächelte so bezaubernd, sie war intelligent, sie verstand es den wertvollen Zutaten die nötige Aufmerksamkeit entgegen zu bringen...sie war ihm eine verlässliche, kompetente Hilfe.


Sie war es...bis er ihr die Meinung gesagt hatte. Auf eine zugegebenermaßen wenig respektvolle Art und Weise.


Verflixt noch mal, was hatte sie aber auch getan? Sie hatte ihn berührt! IHN, den Schrecken Hogwarts! Ihn, den bösen, in schwarz gewandeten Mann, ihn, den man besser meiden sollte, wenn einem das Leben lieb und teuer war.


Snape fluchte vor sich hin und seufzte nur Sekunden später.


Er hatte noch immer den Duft ihrer Haare in seiner Nase. Er spürte noch immer die Konturen ihres Körpers unter seinen Händen, er konnte noch immer dieses erhabene Gefühl verspüren, welches sich ihm darbot, als sie sich an ihn gelehnt hatte, er glaubte noch immer diese Wärme, die ihr Körper an seinen gepresst verursacht hatte, zu verspüren. Es war so schön, geradezu berauschend, als sie ihre zarten Hände in einem stetigen auf und ab über seine Arme gleiten ließ...


Ein wiederholter, lang gezogener Schrei hallte durch die Gemäuer des Kerkergewölbes.


Was dachte sich diese arrogante, dämliche Zicke nur dabei? Snape fluchte erneut und fegte in einem selten so gekannten Anflug von Wut und Hilflosigkeit doch noch seinen Schreibtisch leer. Dies war ihm jedoch noch nicht genug. Er bebte vor Zorn. Er schnaufte wie eine Dampflok.

Er schoss nach nebenan, wo als nächstes sein Bücherregal daran glauben musste. Wahllos riss er die geliebten Bücher unbarmherzig von ihrem angestammten Platz und schleuderte sie durch die Gegend.


Er tobte sich aus.



Letztendlich, als ihm das Ausmaß seiner Zerstörungswut bewusst wurde und er erschöpft in seinen Lieblingssessel sank, war ihm auch schlagartig klar, dass er es niemals tolerieren könnte, wenn irgendeine besserwisserische Ravenclaw, egal wen Minerva auch im Blickfeld hatte, in seinen Heiligtümern Einzug hielt.


Einzig Hermine wäre ihm recht. Warum auch immer.


Je mehr er darüber nachdachte, desto sicherer wusste er, dass er nur sie und niemand anderes in seinen Räumen dulden konnte. Dulden wollte.


Was hatte Minerva doch noch mal geäußert? Hermine brachte ihm eventuell Gefühle entgegen, die sich mit der Schulordnung nicht in Einklang bringen ließen?

Welche Gefühle mochten dies sein, insofern es überhaupt auf DIESE Gefühle hinaus lief?


Granger! Diese dumme Gans. Snape räusperte sich verächtlich. Versuchte es zumindest, denn so richtig, so sehr er sich auch Mühe gab, konnte er Verachtung nicht verspüren.


Verzweifelt schlug er sich vor die Stirn und schloss seufzend die Augen.


Was wollte sie denn von ihm? Empfand sie denn gar keinen Ekel oder zumindest ein wenig Abneigung? Nur ein bisschen...

Aber Moment, hatte sie sich nicht aus freien Stücken an ihn gelehnt, ihn gestreichelt? Das konnte doch nun wirklich nicht falsch interpretiert werden.


Warum? Warum verdammt noch mal hatte sie dies getan? War es so, wie Minerva vermutete?


Zumindest hatte es sich gut angefühlt. Sehr gut sogar. Doch soweit durfte sie nicht gehen. Nein, durfte sie nicht. Überhaupt nicht. Warum? Tja, ihm als Lehrkraft war sie unterlegen. Wenn er sie länger, als es beabsichtigt war, festgehalten hatte, hieß dies noch lange nicht, dass sie sich gleiches herausnehmen durfte.


Doch sie hatte es getan! Sie hatte es getan, diese unausstehliche, neunmalkluge, ewig nervende...gut aussehende, intelligente und so betörend lächelnde Granger... Miss Granger... Hermine...



Snape traf die Erkenntnis, sich in ihrer Gegenwart wirklich gut gefühlt, ihre Nähe als äußerst angenehm und wohltuend empfunden zu haben mit voller Wucht.


Er stöhnte laut auf. Verfluchter Mist, er war doch nicht wirklich dabei, sich ernsthaft Hoffnung auf mehr zu machen?


Mehr? Ja, war er denn noch bei Trost? Sie war seine Schülerin!


Ungestüm sprang er auf die Beine und stolperte promt über den unkoordiniert im Raum verteilten, planlos zerstreuten, Haufen an Büchern. Ein weiterer Grund deprimiert und wütend zu sein.


Zudem kamen ihm auch noch die Drohungen der Schulleiterin in den Sinn: Sanktionen... Punkt zwölf Uhr... Ravenclaw.


Snape sank mitten in seinem verwüsteten Wohnbereich auf die Knie und stützte ratlos den Kopf in die Hände. Da hatte er das Desaster. Was sollte er denn jetzt nur tun?

Er versuchte es mit rationalem Denken und mühte sich Gedanken und Emotionen in den Griff zu bekommen. Es dauerte, bis er soweit war.

Eine Ravenclaw wollte er nicht. Definitiv nicht. Hermine hingegen schon. Nicht nur dass sie in das Projekt eingeweiht war und sie auch wusste, worauf es ankam...

Snape schalt sich einen Narren, da er sie schon wieder lächelnd vor sich sah und bei dieser Betrachtung bemerkte, wie sich sein Magen schmerzhaft zusammen zog.


Er schluckte schwer. Würde sie ihm verzeihen können? Sowohl die verletzenden Worte, als auch seine Handgreiflichkeit?


Wenn es wirklich stimmen sollte, dass sie Gefühle für ihn hegte und ihn deshalb nicht bestraft sehen wollte, dann hatte er jetzt wohl verdammt schlechte Karten bei ihr. Eine Aussicht, die Snape augenblicklich die Kehle zu schnürte, denn da machte er sich inzwischen, nach reichlichen Überlegungen, nichts mehr vor...ihm persönlich lag etwas an ihr. Und deshalb tat ihm sein Handeln nun entsetzlich leid.


Schwerfällig erhob er sich vom Boden und ließ seinen traurigen Blick über das Ausmaß seiner Zerstörungswut wandern.



,Morgen Mittag 12.00 Uhr. Ravenclaw oder Gryffindor. Sie haben die Wahl.´



Mit einem bitteren Lächeln auf den Lippen räumte Snape auf und beschloss schweren Herzens, Hermine noch vor dem Frühstück, auf einem der Gänge abzupassen.



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Hermine schaute sich akribisch nach allen Seiten hin um, denn auf gar keinen Fall wollte sie Snape begegnen.


"Nun komm doch endlich!", hörte sie Harry neben sich vorwurfsvoll sagen, "kannst du mir mal verraten, weshalb du so komisch drauf bist? Weshalb du hier wie ein Schatten durchs Schloss schleichst und vorsichtig um jede Ecke guckst?"


"Ist doch egal", gab Hermine kurz angebunden von sich und rannte dann ganz plötzlich, nach dem sie sich vergewissert hatte, dass die Luft rein war, zügig auf die große Halle zu.

"Du hast doch echt ´ne Macke", murmelte Harry und folgte ihr murrend.



Am Gryffindortisch ging es wie immer laut und fröhlich zu, nur dass Hermine heute überhaupt nicht nach Fröhlichsein zu Mute war.

Vorsichtig wagte sie es zum Lehrertisch hoch zu gucken...und erblickte den Mann, den sie nicht sehen wollte, obwohl sie sich nichts anderes wünschte, als in seiner Nähe zu sein. Sie schnaubte. Ob Snape wusste, dass sie wegen ihm die ganze Nacht kein Auge zu getan hatte? Und wie ging es ihm eigentlich? Bereute er sein Handeln oder war es ihm einfach nur egal?


Und als er nach einem längeren Starren ihrerseits in seine Richtung endlich zu ihr schaute, blickte sie gleich wieder weg. Sie konnte seinen ohne Zweifel besorgten Blick einfach nicht ertragen.

Nein, an ihrer Einstellung hatte sich nichts geändert. Unterricht und Tränkebrauen bei ihm fielen aus! Auch wenn es ihr bei diesem Gedanken fast das Herz zerriss. Es tat weh, zu dem Vorhaben ihm fern bleiben zu wollen, zu stehen und andererseits seine Nähe herbei zu sehnen, seine Umarmung spüren zu wollen...und letztendlich auch schon im Voraus das gemeinsame Arbeiten mit ihm zu vermissen.


Gedankenverloren kauend betrachtete Hermine ihren Teller, und als Harry ihr sacht in die Seite stieß und raunte: "Snape kommt hierher", blieb ihr fast der Bissen im Halse stecken.

Sie hustete, ließ ihr angeknabbertes Brötchen auf den Tisch fallen und erhob sich hastig. Flucht war alles, was ihr in diesem Moment einfiel.



Fast hatte Hermine es geschafft, der großen Halle zu entfliehen...und damit auch Snape. Doch eben nur fast, denn gerade als sie die Tür passieren wollte, stellte Snape sich ihr in den Weg.


"Granger, ich habe mit Ihnen zu reden", presste er, auf Grund ihrer Eile, mühsam beherrscht hervor.

Hermine sah ihn nicht an, als sie leise sagte: "Gehen Sie mir bitte aus dem Weg, Professor."

"Nein", antwortete er mit dunkler Stimme, "Sie werden mir jetzt gefälligst zu hören und nicht davon laufen wie ein kleines Kind."

"Ich denke nicht daran", zischte Hermine und hob ihm ihr Gesicht aufmüpfig entgegen. "Haben Sie gestern nicht verstanden was ich gesagt habe? Ich möchte nichts mehr mit Ihnen zu schaffen haben. Meine Meinung habe ich über Nacht jedenfalls nicht geändert."


Snape holte tief Luft. Das Ganze gestaltete sich schwieriger als angenommen. Diese kleine Kröte!


Noch während er dies dachte, stieg ihm der Duft ihrer Haare in die Nase...und betörte ihn augenblicklich. Irritiert verharrte er auf der Stelle und bemerkte dabei gar nicht, wie Hermine sich an ihm vorbei drängelte. Erst das Raunen, welches durch die große Halle ging, begleitet von merkwürdigen, fragenden Blicken die ihm galten, holte ihn in die Gegenwart zurück und hielt ihm vor Augen, dass er soeben von einer Schülerin stehen gelassen worden war.


Eine Tatsache, die ihm die Zornesröte ins Gesicht trieb. Rasend vor Wut auf Miss Besserwiss eilte er rasanten Schrittes in Richtung Gryffindorturm. Weit konnte sie nicht gekommen sein.

"Na warte, Granger, so haben wir nicht gewettet", murmelte er während der Hast durchs Schloss vor sich hin, eilte um die Ecke und erspähte Miss Neunmalklug, wie sie seelenruhig zu einem der Fenster hinaus starrte.


Seine Wut war kaum noch zu bremsen.

"Granger, haben Sie denn gar nichts dazu gelernt?", schleuderte er ihr zornig entgegen. "Habe ich Ihnen nicht gestern schon demonstriert, was ich von Schülern halte, die meinen Anweisungen nicht Folge leisten?"


Hermine erschrak, doch dann lächelte sie bitter.


"Aber natürlich, Snape", entgegnete sie heftig, "wie könnte ich auch Ihre Machtdemonstration von gestern zu heute vergessen haben."

"Übertreiben Sie es nicht!", drohte Snape, wurde aber ein wenig unsicher, da sie statt zurück zu weichen, wie ein Fels in der Brandung vor ihm stand und stattdessen angriffslustig zischte: "Wollen Sie mir etwa drohen, Snape? Oder haben Sie vielleicht auch heute ein lockeres Händchen? Na, wie sieht es aus, möchten Sie mir nicht auch auf die andere Wange schlagen? Das können Sie doch so gut."


"Ich möchte Sie nicht erneut schlagen..."


"Nicht? Na so was. Wo doch heute auch Publikum anwesend ist."


Hermine deutete auf die inzwischen anwesenden Schüler, welche zwar einen gehörigen Sicherheitsabstand wahrten, aber denen auch ohne Frage anzusehen war, dass sie nicht eher gehen würden, bis hier etwas Aufregendes geschehen war.


"Granger, verdammt, es reicht wirklich", flüsterte Snape heiser. Unsicher war gar kein Ausdruck mehr. Er war gleichermaßen beeindruckt, wie auch erzürnt, über ihre unerschrockene, freche Art mit ihm zu reden. Sein eigentliches Anliegen hatte er auch noch nicht vorgetragen...meine Güte, ihm wurde ganz sonderbar zu Mute bei ihrem Anblick. Die braunen Locken wellten sich graziös um Hals und Schultern, die kleinen Brüste wogten bei ihrem Redefluss seicht unter der Bluse auf und ab, die winzige Zornesfalte auf ihrer Stirn schwoll bedrohlich an...


"Wenn Sie nichts mehr zu sagen haben, kann ich ja gehen", sagte Hermine bestimmt. Snape nahm es wie durch einen Schleier war.

"Nein, warte", brachte er, noch halb gefangen von seinen Tagträumen, krächzend hervor.

"Warum sollte ich?", fragte Hermine leise und trat ganz dicht an Snape heran.


Sowohl ihm, als auch ihr wurde merklich wärmer bei der plötzlichen Nähe. Ein betretenes Schweigen lullte sie beide ein. Beide sogen den Geruch des anderen tief ein, konzentrierten sich auf das Heben und Senken des Brustkorbes des Gegenüber, blendeten für endlos lange erscheinende Sekunden die Anwesenheit der Schaulustigen aus...bis Professor McGonagalls Stimme die ungewöhnliche Situation auflöste.


"Was ist das hier für ein Auflauf?" Ihre Stimme durchschnitt die Stille messerscharf. "Stehen Sie nicht so herum, sondern begeben Sie sich in die Klassenräume!"


Als die Schüler dabei waren, sich schnatternd und verwundert über das merkwürdige Duo im Vorübergehen die Hälse verrenkend, endlich zu ihrem jeweiligen Bestimmungsort unterwegs waren, trat die Direktorin an Snape und Hermine heran.


"Wie ich sehe, suchen Sie beide das Gespräch, sehr schön", bemerkte sie kühl. "Darf ich davon ausgehen, dass Sie zu einer Einigung gekommen sind?"

"Welche Einigung?", fragte Hermine erstaunt. "Ich habe mich mit Professor Snape jedenfalls nicht geeinigt, falls Sie dies meinen sollten, Professor McGonagall. Über was auch? Alles was ich zu sagen habe, sagte ich bereits gestern."


Snapes Miene gefror zu Eis. Fassungslos starrte er Hermine an, als die Schulleiterin auch schon sagte: "Nun, Severus, wenn das so ist, dann werde ich Ihnen heute Nachmittag Ihre neue Assistentin vorstellen. Wäre Ihnen 17.00 Uhr recht?"


"Nein!", fauchte Snape fast augenblicklich, "das wäre mir überhaupt nicht recht. Das kommt überhaupt nicht in Frage!"

"Sie möchten wirklich mit mir diskutieren und meine Anordnungen in Frage stellen?", wollte Minerva mit hoch gezogener Augenbraue drohend wissen und ließ dem Tonfall nach keinen Zweifel daran, dass sie das meinte, was sie sagte.


"Miss Granger", flehte Snape leise, "ich sagte Ihnen bereits gestern, dass mir alles leid tut, "ich..."

"...viel Spaß mit der neuen Assistentin", unterbrach ihn Hermine ebenso leise und ärgerte sich maßlos darüber, dass man ihren Worten genau hatte entnehmen können, dass sie mit Minervas Entscheidung nicht glücklich war. Gerade Snape, der mit solch kleinen Nuancen in der Stimme sehr vertraut war, musste es bemerkt haben.


"Ich muss zum Unterricht", sagte Hermine hastig, wich sowohl Minervas, als auch Snapes Blick aus und machte, dass sie fort kam.

Minerva sah ihr Stirn runzelnd hinterher, ließ Snape ebenfalls stehen und begab sich in ihr Büro.


Allein und verlassen stand Snape noch mehrere Minuten lang im Gang, bis auch er sich niedergeschlagen zu seinem eigenen Unterricht einfand.




4. Kapitel


Hermine konnte sich den Rest des Tages nicht mehr auf den Unterricht konzentrieren. Ständig dachte sie über die Situation von heute morgen nach. Sie weigerte sich mit Snape zusammen zu arbeiten und er bekam daraufhin eine neue Assistentin. Prima.

Der Gedanke daran, dass Snape zukünftig mit jemand anderem am Labortisch stand, behagte ihr überhaupt nicht. Die Eifersucht fraß an ihr, auch wenn sie sich nicht vorstellen konnte, dass Snape sich der neuen Schülerin an seiner Seite in der Art nähern würde, wie er es bei ihr getan hatte.

Trotzdem, es verursachte bei ihr, bei der bloßen Vorstellung an Snape mit einer neuen Assistentin an dessen Seite, einige Stiche mitten in die Magengrube hinein. Ein unschönes Gefühl.


Hermine sah auf die Uhr und stöhnte innerlich. Noch eine halbe Stunde, dann war der Verwandlungsunterricht endlich vorbei. Dann konnte sie den Schulkram für heute sein lassen und sich zur Abwechslung vielleicht mal wieder ein wenig auf den Ländereien Hogwarts herum treiben. Hatte sie eh schon lange nicht mehr gemacht...


"Miss Granger, ich muss doch sehr bitten", erklang die Stimme Professor McGonagalls laut durch den Raum, "würde es Ihnen etwas ausmachen den Mittagsschlaf auf später zu verschieben?"

Hermine schreckte hoch. Mist, das hatte ihr gerade noch gefehlt: von der Schulleiterin angezählt zu werden. Sie versuchte ein zaghaftes Lächeln und setzte sich gerade hin. Harry neben ihr zischte Kopf schüttelnd: "Deine Macke von heute morgen scheint sich noch nicht verflüchtet zu haben" und redete dann leise mit Ron...über was auch immer...


Hermine fühlte sich unwohl. Super, ihre Freunde hielten sie für bekloppt, McGonagall musterte sie streng und der Rest der Klasse tuschelte offensichtlich über die Musterschülerin. Was für ein deprimierender Tag.


Als es dann endlich zur Pause klingelte, seufzte Hermine erleichtert auf und stopfte, so schnell es ihr möglich war, alles in ihre Tasche. Die Tür hatte sie jedoch noch gar nicht erreicht, als sie hörte: "Oh, Miss Granger, nicht so eilig. Kommen Sie bitte nach vorn, denn mir scheint, dass ein Gespräch unter vier Augen dringend angeraten ist."


"Das hast Du nun davon", hörte sie Ron im Vorübergehen raunen. Missmutig trabte sie nach vorn zum Lehrertisch.


"Setzen Sie sich bitte, Hermine", sagte McGonagall schon etwas freundlicher und wartete ab, bis die junge Gryffindor umständlich Platz genommen hatte.

"Wie Sie mitbekommen haben, werde ich Ihrem Wunsch entsprechen und Professor Snape eine andere Assistentin an die Seite stellen."


Hermine reagierte nicht. Minerva seufzte.


"Hermine, Sie waren bei diesem Projekt meine erste Wahl. Ich weiß noch immer nicht was sich zugetragen hat und wenn ich Sie mir so ansehe, dann werde ich wohl auch weiterhin keine Antwort darauf erhalten."


Hermine schwieg und kaute sich angestrengt auf der Lippe herum. Prima, dass die Direktorin auf dem Thema, welches ihr schon den ganzen Tag schwer im Magen lag, auch noch herum reiten musste.


"Miss Granger, verdammt noch mal, Sie sind genau so stur wie Severus!", polterte McGonagall plötzlich los, erreichte damit aber immerhin, dass Hermine nun den Kopf hob und sie anblickte. "Was geht nur zwischen Euch vor?"


"Nichts", erwiderte Hermine mit klopfendem Herzen. Die Direktorin schnaubte.

"Nichts. Natürlich nichts. Wissen Sie was, Miss Granger? Diese lapidare Antwort hätte von unserem Tränkemeister höchstpersönlich stammen können."


"Ich möchte bitte gehen", bat Hermine verzweifelt.

"Gehen...ja gehen Sie nur Miss Granger, aber ich gebe die Marschrichtung vor, wenn Sie nichts dagegen haben", fauchte McGonagall ärgerlich. "Und zwar werden Sie jetzt zu Miss Hamilton in die Bibliothek gehen, denn", Minerva lehnte sich zurück und gönnte sich eine kleine Pause, "Miss Hamilton wird zukünftig an Professor Snapes Seite Ihre Mission übernehmen. Ihre Aufgabe, Miss Granger, wird es in der nächsten Stunde sein, ihrer Mitschülerin alles für die Laborarbeit Relevante zu übermitteln."


"WAS?"

"Da ich davon ausgehe, dass mit Ihrem Gehör alles zum Besten bestellt ist, war dies definitiv die falsche Frage, Hermine", sagte Minerva streng, "Sie wollten aussteigen, ich habe dem zugestimmt. Sie sind raus. Freut Sie das gar nicht?"


Ohne weitere Worte erhob sich Hermine schwerfällig, nahm ihre Tasche und ging. Allerdings blieb es ihr nicht erspart, Minervas letzte Anweisung zu vernehmen.

"Morgen steht für Sie, genau wir für alle anderen Gryffindors Ihres Jahrganges Zaubertränke auf dem Stundenplan. Vergessen Sie dies nicht!"


Hermine quittierte es mit einem wütenden Zuschlagen der Tür.



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Minerva ließ sich schwer atmend nach hinten in ihren Stuhl sinken. Was war nur aus Hermine geworden? Die Entwicklung dieser jungen, zielstrebigen Gryffindor schien völlig aus den Angeln geraten zu sein. Dies bereitete ihr Sorgen. Eine die Türen hinter sich zu schlagende Hermine Granger, wer hätte das vor Wochen noch gedacht?

McGonagall wusste in diesem Augenblick wirklich nicht, was sie denken oder wie sie handeln sollte.

Zumindest schien Hermine sich bei dem Gedanken, Miss Hamilton in die Prozesse des Brauens einzuweihen, nicht wohl zu fühlen, eben sowenig, wie Severus davon begeistert war, nun jemand anderes an die Seite bestellt zu bekommen.


Diese beiden!


Minerva fuhr sich angestrengt mit den Händen über das Gesicht. Meine Güte, was war nur zwischen den beiden vorgefallen das dies solche Ausmaße annehmen konnte?

Es war offensichtlich, dass sich beide nicht egal waren, die Blicke, die sie sich zuwarfen verrieten so viel, dass man schon mit Blindheit beschlagen sein musste, um nicht mehr daraus deuten zu können.


Das konnte ja noch heiter werden!


Miss Hamilton würde gewiss schon in der Bibliothek auf Miss Granger warten und es blieb nur zu hoffen, dass Hermine sich in der Lage fühlte, oder besser gesagt, gewillt war, die benötigten Auskünfte zu erteilen.



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Nur widerwillig betrat Hermine die Bibliothek, um ihrer Konkurrentin gegenüber zu treten. Dass sie selbst Schuld an der Situation trug, war ihr bewusst und sie hatte auf dem Weg hierher intensiv darüber nachgedacht, ob sie nicht doch die persönliche Assistentin des Tränkemeisters bleiben sollte. Oder wollte, wie man es nahm... Aber irgendwie erfüllte es sie auch mit Genugtuung, dass Snape sie geradezu händeringend gebeten hatte zu bleiben und sie Mut genug aufbrachte, ihn eiskalt abblitzen zu lassen. Geschah ihm recht! Sollte er doch zusehen, wie er ohne ihre Hilfe klar kam.


Die erlittene Demütigung saß zudem noch immer tief...offenbar tiefer, als die Gefühle zu ihm...

Gefühle? Hermine schüttelte den Kopf. Sie hatte doch keine Gefühle für Snape!

In dem Moment, als sie dies dachte, wusste sie, dass es so nicht stimmen konnte, denn das, was sie in seiner Umarmung gefühlt hatte, das, was sie spürte, wenn sie ihn nur sah, geschweige denn heute morgen, als er so dicht vor ihr stand und sie begierig seinem Atem gelauscht hatte, zudem seine dunkle Stimme, sein Geruch, seine Ausstrahlung überhaupt...


Blöde Angelegenheit...vielleicht sollte sie doch einfach zu ihm gehen? Würde er sich freuen oder eher siegesgewiss und hämisch grinsen?

HHaHHa














Ha, diesen Gefallen, sich nachträglich über sie zu amüsieren, würde sie ihm nicht tun! Und wenn er sich doch freuen würde?




"Hallo Hermine, da bist Du ja. Professor McGonagall hat mir gesagt, dass Du nach dem Unterricht gleich herkommen würdest, Mann ich habe ja so viele Fragen, denn Du hast doch schon, soweit ich weiß, seit Wochen mit Snape zusammen gearbeitet..."


"Ich bin nicht hier, um mit Dir über Snape zu reden, Sarah", unterbrach Hermine sie schroff, "sondern Dir zu erzählen, wie weit die Forschung vorangeschritten ist. Deine Erfahrungen mit dem großen Snape musst Du schon selbst machen!"


"Hey, was ist denn mit Dir los?", fragte Sarah Hamilton entgeistert.

"Das wüsste ich selbst gern", murmelte Hermine mehr zu sich selbst und zeigte dann auf die Sitzgelegenheit am Fenster. "Können wir dann loslegen, denn ich muss mich auch noch um andere Dinge kümmern."

"Aber bitte, wenn es der Forscherin Hermine Granger zeitlich gerade passt, dann sollten wir wohl gleich zur Sache kommen."


Es war weder zu überhören noch zu übersehen, dass die Ravenclaw sauer war. Hermine war es egal.


"Ehrlich gesagt passt es mir nicht, denn wie schon gesagt..."

"...ja, Du erwähntest schon, dass Du vielfältig beschäftigt bist." Der Hohn aus dem Munde Sarah Hamiltons flog Hermine um die Ohren.


"Eben!", brauste die Gryffindor auf, "kannst Du mir deshalb vielleicht mal zuhören?" Hermine ärgerte sich über sich selbst. Warum konnte sie wenn es um Snape ging, einfach nicht ruhig bleiben? Was hatte dieser unmögliche, ungehobelte, brutale... interessante, intelligente, so anmutig durch das Schloss wandelnde Mensch nur mit ihr angestellt?


Hermine verlor sich in Gedanken an die wundervollen letzten Tage mit ihm. Seine Unnahbarkeit auf der einen Seite, seine Wärme, als er sie von hinten mit seinen starken Armen umschlang auf der anderen...


"Granger, alles was Recht ist, aber kommst Du nun endlich von Deinem Trip runter und weihst mich in die Geheimnisse der Forschung ein?"

"Sicher", antwortete Hermine kühl und rang sich schweren Herzens dazu durch, Sarah von der Versuchsreihe zu berichten.



Die Stunde, in der sie Sarah Hamilton über die Versuchsreihe instruierte, verging für Hermines Vorstellung viel zu langsam. Permanent sah sie auf die Uhr, permanent fragte sie sich, ob sie nicht gerade den größten Fehler ihres Lebens beging, indem sie nicht auf Snapes Bitte einging. Permanent taten sich vor ihren Augen Bilder auf, in denen diese Hamilton neben Snape, nein, besser Severus, stand, ihm schöne Augen machte, ihn anlächelte...ihn anhimmelte...und sie, Hermine stattdessen frustriert einer Aufgabe, durch eigenes Verschulden wohlgemerkt, beraubt, einsam und verlassen in ihrem Turmzimmer verharren musste.


Hermine wusste allmählich nicht mehr wo ihr der Kopf stand, sie konnte Sarah kaum noch folgen. Sie wollte, aber sie konnte Snape nicht einfach abhaken. Das schöne Gefühl von ihm umarmt zu werden, wollte einfach nicht von ihr weichen. Auf der einen Seite war da noch immer die erlittene Demütigung, auf der anderen Seite sein besorgtes, verzweifeltes Gesicht, sein geradezu flehender Wunsch, sich alles noch einmal zu überlegen...


"Besonders auskunftsbereit bist Du ja nicht gerade, doch zumindest weiß ich nun im Groben worum es geht", bemerkte die Ravenclaw mit gerunzelter Stirn.

"Schön, wenn wir wenigstens das klären konnten", entgegnete Hermine reserviert und blickte wiederholt und langsam am Ende ihrer Belastbarkeit angelangt auf ihre Uhr, als auch schon, Professor McGonagall die Bibliothek betrat.


"Ah, schön, dass ich sie beide noch erwische", sagte die Schulleiterin und musterte Hermine aus den Augenwinkeln heraus angestrengt, "Miss Hamilton", fuhr sie fort und blickte dann die Ravenclaw an, "wie wir bereits vereinbart hatten, werde ich Sie um 17.00 Uhr zu Professor Snape begleiten. Sie können dann gehen."


Auch Hermine wollte nur fort und sich in ihrem Zimmer verkriechen. Ihr war schlecht. Ihr reichte es, doch Minerva schien mit ihr noch nicht fertig zu sein, denn eine Hand der Schulleiterin ruhte auf ihrer Schulter und drückte sie rigoros auf den Stuhl zurück.


"Haben Sie sich kooperativ gezeigt, Miss Granger?"

"Ja, habe ich", brummte Hermine verstimmt.

"Gut", die Schulleiterin räusperte sich, "Hermine, es war vorhin mein voller Ernst, als ich sagte, dass Sie nicht vergessen sollten, dass am morgigen Tage Zaubertränke auf ihrem Stundenplan vermerkt ist."

"Danke, aber dies wäre wirklich nicht nötig gewesen, denn den Stundenplan kenne ich in und auswendig."


"Mäßigen Sie sich augenblicklich!" Allmählich war Professor McGonagall dieses Theaters überdrüssig. Eben hatte sie noch vorgehabt, ruhig und sachlich mit Hermine zu reden, doch es ging nicht an, dass Miss Granger sich ihr gegenüber im Ton vergriff. Es war schwer ruhig zu bleiben. "Miss Granger", begann sie erneut, "ich kann nichts für die bestehende Situation, laden Sie daher Ihren Frust nicht bei mir ab! Sie allein wollten aus dem Projekt aussteigen. Wenn Sie sich damit nun nicht arrangieren können, dann sollten Sie das nächste Mal besser vorher nachdenken, zumal ich mitbekommen habe, dass Professor Snape Sie gerne behalten hätte..."


"...mit Snape bin ich fertig", stieß Hermine heftig aus und konnte nicht verhindern, dass ihr vereinzelte Tränen über die Wangen rollten. Zu schnell, um sie ungesehen fortwischen zu können.


Minerva war hin und her gerissen zwischen Mitleid und Ärger.


"Hermine", sagte sie einfühlsam, "möchten Sie mir nicht doch mitteilen, was Sie bedrückt? Was ist außer der Ohrfeige noch vorgefallen, hat er Sie bedroht oder unsittlich berührt?"


"Nichts dergleichen, es ist alles in Ordnung", sagte Hermine leise, "kann ich jetzt gehen?"

"Nur wenn Sie mir versprechen morgen zu seinem Unterricht zu erscheinen."


Resigniert nickte Hermine kurz und ging daraufhin. Zurück blieb eine noch immer ratlose Direktorin, die sich fragte, ob sie Severus nun noch extra bestrafen sollte, oder ob beide nicht schon genug gestraft waren.




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5. Kapitel


Punkt 17.00 Uhr stand Professor McGonagall in Begleitung Miss Hamiltons vor den Türen zu Snapes Privatbereich und pochte mit gemischten Gefühlen energisch an dessen Tür.

Es dauerte bis ihnen geöffnet wurde und es verwunderte die Schulleiterin keineswegs, dass des Tränkemeisters Laune auf dem Tiefpunkt angelangt schien.


"Pünktlich auf die Minute", spie Snape verächtlich aus, musterte seine neue Assistentin mit einem kurzen, aber besonders abfälligen Blick und trat anschließend bei Seite, um dem unerwünschten Besuch Einlass zu gewähren.


"Hatten Sie etwas anderes erwartet, Professor Snape?", raunte die Direktorin, während sie die Schülerin, der ihr Unwohlsein ins Gesicht geschrieben stand, sacht vor sich her schob. "Die Forschung bedarf nun mal keines Aufschubs. Miss Granger hat Miss Hamilton schon davon unterrichtet, was auf sie, bezüglich des Brauprozesses, zukommen wird. Von daher erwarte ich von Ihnen, werter Kollege, dass Sie der jungen Frau eine Chance geben und nicht vorschnell urteilen."


Snape schnaubte wütend. Bei dem Gedanken daran, dass ausgerechnet Miss Granger diese Hamilton eingewiesen hatte, sank seine Laune, wenn es überhaupt noch irgendwie möglich war, um ein Vielfaches.

"Hier herüber, Hamilton", zischte er eisig, "Sie sind nicht zum Träumen bei mir angetanzt. Lesen Sie sich die vor Ihnen auf dem Tisch liegenden Anweisungen gewissenhaft durch!"


Sarah Hamilton nickte stumm und beeilte sich der Aufforderung nachzukommen. Die Direktorin allerdings kniff bei diesem Ton die Augen ärgerlich zusammen und zischte ihrerseits: "Professor Snape, könnte ich Sie wohl noch einen Augenblick unter vier Augen sprechen?"


"Ich wüsste nicht was es noch zu diskutieren gäbe", brummte Snape und durchbohrte seine Vorgesetzte mit unergründlichem Blick.

"Dafür weiß ich, was es noch zu sagen gäbe", erwiderte McGonagall leise, aber bestimmt und deutete auf die hintere Ecke des kleinen Labors, "wenn ich dann bitten dürfte?", setzte sie streng und resolut hinterher.


Vor Wut schon fast platzend, marschierte Snape in die ihm zugewiesene Ecke und verschränkte missmutig die Arme vor der Brust.

"Severus, wenn ich in Erfahrung bringen sollte, dass Sie Miss Hamilton das Leben absichtlich schwer machen, werden Sie mich kennen lernen!", drohte die Schulleiterin, doch Snape zeigte sich unbeeindruckt und hob bedauernd die Schultern.

"Minerva, stellten Sie nicht kürzlich erst fest, dass mir ein mürrisches Wesen zueigen ist?", schnarrte er voller Abscheu, "ich mich unsozial verhalte und zudem den Schülern gegenüber einen nicht zu verantwortenden Ton wahre? Wenn Ihnen dies bewusst ist, weshalb lassen Sie mich dann noch hier unterrichten? Sollte Ihnen etwas an meiner Vorgehensweise gegen den Strich gehen, dann handeln Sie, warten Sie nicht so lange, bis ich eines ihrer Schäfchen verspeist habe."


Minerva spitzte die Lippen, dann fragte sie völlig ruhig, aber todernst: "Würden Sie Hermine gern verspeisen?"

"WIE BITTE?" Snape riss seine Augen weit auf. Irritiert sah er auf die Direktorin herab. Doch nur den Bruchteil einer Sekunde später hatte er sich wieder unter Kontrolle und antwortete mit leiser, gefährlich klingender Stimme: "Miss Granger hat sich gegen mich entschieden...nun dann soll es eben so sein. Wie ich mit Miss Hamilton verfahre hat mit dieser dummen Göre überhaupt nichts zu tun."


"Wir wollen es hoffen", entgegnete Minerva reserviert und sah zu der Ravenclaw hinüber, "ich werde mich natürlich über den Fortschritt des Brauens zu beiden Seiten hin erkundigen....ach, ja, was ich noch fragen wollte...wie würde es Hermine wohl gefallen, wenn sie wüsste, dass sie von Ihnen geringschätzig als dumme Göre bezeichnet worden ist?"


"RAUS!"


Snape hatte dieses eine Wort wutentbrannt heraus geschrieen, so laut, dass die Ravenclaw, eh schon unsicher in des Tränkemeisters Heiligtum, eine soeben ergriffene Phiole scheppernd zu Boden fallen ließ und nun betreten und gänzlich verunsichert zu Boden starrte.


"Seien Sie gewarnt, Severus", raunte Minerva drohend, "was zwischen Ihnen und Hermine vor sich geht, ist noch immer nicht geklärt worden, doch ich werde nicht zulassen, dass Sie einer weiteren Schülerin Schaden zufügen. Reißen Sie sich zusammen, sonst denke ich ernsthaft darüber nach, ob ich Sie hier weiter beschäftigen möchte!"



Mit diesen Worten ging die Schulleiterin endlich, doch Snape so deutlich an Hermine erinnert, fühlte sich mehr denn je am Boden zerstört. Die Tatsache, sich von ihr eine eindeutige Absage eingefangen zu haben und sich nun mit einer neuen Schülerin abgeben zu müssen, brachte ihn fast zur Weißglut, doch gleichzeitig sehnte er sich auch nach ihr, nach ihrem Lächeln, ihrer Wissbegierde, ihrem Anblick, ihrer Person schlechthin. Was hatte dieses kleine Miststück nur mit ihm angestellt?


Völlig in Erinnerungen, Sehnsüchten und Gefühlen, die er nicht richtig einordnen konnte, gefangen, lehnte er sich nach Minervas Abgang, mit geschlossenen Augen an die Wand und wusste nicht, was er denken oder fühlen sollte. Es ärgerte ihn maßlos, dass Hermine ihm die Suppe mit der neuen Assistentin eingebrockt hatte, doch gleichzeitig war er in Schuldgefühlen ihr gegenüber verstrickt, so sehr, dass sich sein Magen schon wieder schmerzhaft zusammen zog. Seufzend öffnete er die Augen wieder...und sah sich mit einer Schülerin konfrontiert um die er nicht gebeten hatte...die ihn zudem auch noch anstarrte und damit seinem schwachen Moment beigewohnt hatte!


Wie auf Kommando schnaufte er vor Zorn und schritt rasant auf diesen Eindringling zu. Er genoss es ihr angsterfülltes Gesicht zu erblicken, es erfüllte ihn mit Genugtuung zu sehen, wie sie seinem Blick unsicher auswich, es bescherte ihm ein erhabenes Gefühl eine Schülerin vor sich stehen zu sehen, die nicht ein und nicht aus wusste...und an deren Schicksal nun einzig und allein Hermine die Schuld trug.