Das geheime Leben der Träume

    von Morticia



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Kapitel 1 - 9 (Ende)


Das geheime Leben der Träume

Das geheime Leben der Träume

 

Kapitel 1 - Wenn sich Schwärze wandelt

 

Bislang war es jede Nacht das Gleiche gewesen. Er schlief ein, manchmal sofort und oft genug nach langem Grübeln, aber jedes Mal war es gleich und eintönig gewesen. Er sah nur eine undurchdringliche, samtene und einhüllende Dunkelheit hinter seinen Augen. Richtig so. Denn ein Severus Snape träumte nicht. Selbst wenn man die Schwärze als Traumsequenzen auslegte, so waren sie doch wie seine Kleidung, sein Haar und sein Inneres selbst - dunkelschwarz.

 

In dieser ungewöhnlichen neuen Nacht aber, bemerkte Snape zum ersten Mal eine Veränderung in seinem nächtlichen Erleben. Ein schwacher, aber dennoch deutlich merkbarer Lichtfaden durchzog das Dunkel. Am Ende dieser hellen Straße erklang eine Stimme.

 

Schwach, so dass er seine Ohren aufsperren musste, sprach sie zu ihm: „Das war alles andere als eine Glanzleistung …"

 

Überrascht, dass überhaupt jemand wagte ihn zu tadeln, rieb Severus sich über die Augen. Dass er dies gar nicht konnte, erstens weil er schlief und zweitens weil er in seinem eigenen Traum gar keinen Körper hatte, fiel ihm zu spät ein. Als warte die Stimme auf Severus, hielt sie inne, bis er seinen Irrtum bemerkt hatte.

 

„Nein, wahrlich kein vorzeigbares Ergebnis", erklärte sie nun, „tölpelhafte Fledermaus!" Die bissige Widerrede des Zaubertränkemeisters auf diese doch sehr unhöfliche Anrede, blieb ihm im Hals stecken. Denn die Stimme schien auch einen Körper zu haben, der jetzt zögerlich im heller werdenden Licht auftauchte. Mit dicken Brillengläsern vor den trüben Augen und den allgegenwärtigen flatterigen Tüchern überall an ihrer Kleidung stand ausgerechnet Sybill Trelawny in Severus Snapes Traum.

 

Seine erste Reaktion war, sich schon wieder über die Augen zu reiben, bis ihm diesmal einfiel, dass dies nicht viel Sinn machte. Also sah er einfach nur auf die Lehrerin der Wahrsagekunst, die gerade missbilligend den Kopf schüttelte.

 

„Musstest Du sie so vor den Kopf stoßen?", fragte die unattraktive Hexe vorwurfsvoll. „Du bist auch nicht gerade ein Ausbund an Schönheit. Da solltest Du froh sein, wenn sich wenigstens eine ansatzweise für Dich interessiert …"

 

In Severus Snapes Hirn begannen kleine Rädchen zu arbeiten, die in solchen Situationen immer erfolgreich seine aufkeimenden Emotionen verdrängten. Etwas an ihrem Auftritt passte nicht zusammen. Sie sprach über sich selbst und nannte sich dabei in der dritten Person. Außerdem hatte ihre Stimme keinerlei Ähnlichkeit mit der Trelawnys …

 

„Hör auf Dein schlechtes Gewissen zu verdrängen", die Gestalt Sybills stemmte die Hände in die Hüften. „Du solltest Dich wirklich entschuldigen!"

 

Obwohl es in einem Traum nicht sehr viel Sinn machte, versuchte Snape trotzdem seine Augen fest zusammenzukneifen und einfach abzuwarten, dass dieses Gebilde seiner Phantasie verschwand. Severus Snape war sich fast sicher, dass er so etwas wie ein Gewissen gar nicht hatte und diese Art von Reuegedanken passte seiner Meinung nach gar nicht in sein Weltbild. Nun ja, vielleicht hätte es der eine oder der andere tatsächlich für unpassend gehalten wie der Tränkemeister seine Kollegin behandelt hatte.

 

Er aber nicht, NEIN!!! Ein Severus Snape verhielt sich eben so. Das sollte die Wahrsagehexe wissen oder zumindest in Kauf nehmen. Er hatte sie schließlich nicht gezwungen, ihn spät am Abend UND in seinen PRIVATEN RÄUMEN aufzusuchen, noch dazu um ihm ein lächerliches HOROSKOP zu schenken.

 

Am Anfang ihrer peinlichen Unterhaltung hatte er einfach nur geglaubt ein Versuchskaninchen für Trelawnys niemals eintreffenden Vorraussagen zu sein, bis ihn ihr nervöses Gehabe, das verkniffene Lächeln und die irgendwie andere Stimmlage etwas in Zweifel versetzt hatten.

 

Nach einigen Sätzen, dessen Sinn ihm doch ziemlich konfus erschien und bei denen ihm die anscheinend trotz Brille schlecht Sehende immer mehr auf die Pelle rückte, fiel ihm plötzlich eine verblüffende Ähnlichkeit auf. Dieses spezielle Timbre hatte Severus schon einige Male in diesen Dingern gehört, die ihn Albus einmal in der Woche, bei einem wie er es nannte ‚Geselligen Beisammensein' anzuhören zwang. Er nannte es HÖRSPIELE und die MUGGEL hatten es erfunden.

 

Nun kurz gesagt, es war dieser schwülstige Ton, den Severus schon in dieser Hörfolter der Muggel bemerkt hatte. Auch ihr Blick passte genau dazu, diesen hatte er schon oftmals bei seinen Hormon gesteuerten Schülern schauderhaft gefunden. Ihre Worte bestätigten dann Snapes schlimme Vermutungen.

 

„Sie sind ein sehr interessanter und attraktiver Mann Professor Snape", ließ Sybill Trelawny tatsächlich als Kompliment aus ihrem Munde plätschern. Sein entsetztes Schweigen schien sie gar nicht zu bemerken. Dass sie seine plötzliche Sprachlosigkeit gemein ausnutzte, wusste er nicht schnell genug zu verhindern.

 

„Vielleicht … vielleicht", druckste sie herum, „könnten wir uns in meiner Dachwohnung morgen Abend zu einem Gläschen Likör treffen …", auf Snapes abweisenden Blick fügte sie noch hinzu, „ … oder lieber ein Tässchen Tee …", so etwas wie ein schüchternes Lächeln huschte über ihr Gesicht und vorsichtig wie eine sich anschleichende Katze sagte sie, „… Severus, Traum meiner Einsamkeit!"

 

Severus Snape fühlte sich in diesem Moment ärger genervt als von 50 Longbottoms und deren explodierender Kessel gemeinsam. Es war noch schlimmer als damals, als der unleidliche Lupin ihn in seiner Werwolfgestalt bedroht hatte. Als er an die erwartungsvoll funkelnden Augen der verrückten Hexe dachte, fühlte er neben entsetzter Hilflosigkeit den gleichen aufbrausenden Zorn in seinem Inneren aufsteigen.

 

„Sind Sie von einem wild gewordenen Hippogreif auf den Kopf getreten worden? NIEMAND nennt mich UNGESTRAFT einfach so beim Vornamen. Ganz zu schweigen von ihrer perfiden Bezeichnung!" Trelawnys erschrockenes Zurückzucken war wie Balsam auf Snapes Seele gewesen. „Ich bin NIEMANDENS Traum! Ich träume noch nicht mal selbst, weder in der Einsamkeit, noch irgendwo sonst. Wenn ich SIE wäre, würde ich SOWIESO JEGLICHE EINSAMKEIT suchen. Denn sie sind nicht nur überaus verrückt, dass sich niemand FREIWILLIG mit ihnen unterhalten will, sondern auch DERMASSEN hässlich und altjüngferlich, dass Sie ZU RECHT alleine sind. ALSO VERSCHWINDEN SIE SCHLEUNIGST IN IHRE DACHZELLE UND BETONIEREN SIE VON MIR AUS DIE LUKE ZU." Es wunderte Snape zutiefst, dass Sybill Trelawny trotz seiner Worte noch neben ihm stand. Er störte sich nicht sonderlich an ihrem niedergeschlagenen Blick und dem traurig, sauertöpfischen Ausdruck auf ihrem Gesicht, sondern holte zum finalen Schlag aus: „SELBST WENN SIE DIE LETZTE FRAU AUF DER ERDKUGEL DES GROSSEN MEISTERS SEIN SOLLTEN, ICH WÜRDE IHRE VERTROCKNETE GESTALT NOCH NICHT EINMAL MIT DER SPITZE MEINES ZAUBERSTABES ANRÜHREN, GESCHWEIGE DENN IRGENDWAS SONST!" Befriedigt bemerkte Snape, dass jetzt Tränen über ihre Wangen rannen. „RAUS HIER", schrie er sie an, „BEVOR ICH IHNEN EINEN FLUCH AUF IHREN RUNZLIGEN HALS HEXE!!!"

 

Nun, so war es gewesen. Doch seine Reaktion war schließlich allzu nachvollziehbar. Wer hätte anders gehandelt? Und doch suchte ihn nun diese merkwürdige Gestalt des nächtens auf und forderte eine Entschuldigung. NIEMALS! NEIN!

 

„Würdest Du sie auch mit solch rüden Worten bedenken", aus der Gestalt Trelawnys wurde plötzlich Madame Rosmerta, „wenn SIE Dir ihre LIEBE gestände?"

 

Was wusste dieses WAS-AUCH-IMMER in seinen Träumen eigentlich alles? Er war in Madame Rosmerta verliebt gewesen … eigentlich war er es noch, doch sein Verstand erklärte ihn für verrückt und wies vehement darauf hin, dass eine solch unvergleichliche Frau NIEMALS jemanden wie Severus Snape erwählen würde. Außerdem hatte er gehört, dass sie mit einer Freundin zusammen wohnte. Sie schien dem anderen Ufer zuzustreben.

 

„AHA!", deutete die Gestalt an.

 

Snape starrte sie nur an und wünschte, die Juwelenschöne würde nur ein einziges Mal für IHN ALLEIN lächeln. So hieß sie nämlich … JUWELINA …

 

„Da bewegen wir uns wohl auf den falschen Pfaden", meinte die Gestalt überaus sarkastisch und verwandelte sich in Hermine Granger.

 

Augenblicklich entspannte sich eine drängende Empfindung in der unteren Hälfte seines physischen Körpers, verschwand aber nicht ganz. Obwohl sie obernervig schlau und eine Gryffindor war, erinnerte sie ihn ein klein wenig an Juwelina Rosmerta. Auch die Granger hatte dieses ganz Spezielle. Sie würde eine Frau werden, nach der sich die jungen Zauberer den Hals verrenkten.

 

Während Severus Snape sich seine Schülerin nackt vorstellte und ihr Körperbild mit dem Madame Rosmertas verschmolz, wurde die daraus resultierende Empfindung so stark, dass der Zaubertränkemeister aus seinem Traum heraufdämmerte, um sich auf eine sehr oft praktizierte Tätigkeit einzulassen.

 

Sehr viel später, sprang er trotz der nächtlichen Zeit aus dem Bett und eilte in sein Labor. Er musste unbedingt etwas gegen diese Traumgestalt tun. Sie wusste beunruhigend viel über ihn.

 

 

 

 

Kapitel 2 - Hochpotente Traumverdränger

 

Er war nicht umsonst Meister der Zaubertränke. Schnell hatte er einen hochpotenten Trank zu Stande gebracht, der zuverlässig diese neueste Unart verdrängen sollte - einfach so zu TRÄUMEN.

 

Nachdem er sich die folgende und darauf folgende Nacht niedergelegt hatte, beglückwünschte er sich tagsüber zu dem exzellenten Ergebnis. Wieder war die undurchdringliche Schwärze in seinen Schlaf zurückgekehrt. Er bewunderte seine Künste so sehr, dass ihn die Schüler fast bei seinem breiten Grinsen erwischt hätten. So freute er sich nämlich diese wandelbare Stimme in ihre Schranken verwiesen zu haben.

 

Als die dritte Nacht hereinbrach, verging dem schwarzhaarigen Zauberer jeglicher Ansatz zu einem Lächeln.

 

Kaum war er hinüber gedämmert, erklang schon die verdrängt geglaubte Stimme.

 

„Tzzzzz tzzzz … Severus Snape der unvergleichliche ZAUBERTRÄNKEMEISTER!", der gemeine Seitenhieb auf seinen Beruf, traf ihn doch ziemlich. „Deine Tränke scheinen nicht so POTENT zu sein …", sie zögerte, bevor sie fies kicherte, „WIE DU!"

 

„So leicht wirst Du mich nicht los!" Ein Lichtkegel erschien inmitten seines schwarzen Traumes und enthüllte einen gewöhnlichen Holzstuhl, auf dem die faszinierendste Frau dieser Hemisphäre saß. Juwelina Rosmerta machte einen süßen Schmollmund, zog ihren Rock bis über die Knie hinauf und strich spielerisch über ihre langen Beine. „ACH Severus", seufzte sie aufreizend. Als sie sich auch noch nach vorn lehnte und ihre vollen Lippen zu einem Kuss spitzte, wurde Severus plötzlich mehr als heiß. Sein schlafender Körper reagierte ziemlich drängend auf diesen wundervollen Anblick.

 

Dieses Mal aber driftete der Zauberer NICHT in das Wachsein hinüber, um sich seiner zweitliebsten Beschäftigung zu widmen. Denn sein körperliches Verlangen fiel buchstäblich in sich zusammen, weil die Frau auf dem Stuhl sich plötzlich verwandelte: „PROFESSOR SNAPE", rief Minerva McGonagall entrüstet, „Was sind Sie nur für ein im Schlamm herumkriechender FLUBBERWURM!" Sie erhob sich schwungvoll und baute sich vor dem geistigen Auge des Schlafenden auf. „DAS IST JA WIDERLICH! Eine SCHÜLERIN so …"

 

Aus McGonagalls Körper wurde plötzlich Hermine Granger.

 

„ … gemein zu missbrauchen. Pfui Professor Snape", aus den Augen der Gryffindor funkelte es empört, „die Muggel benutzen wenigstens gekaufte Schmuddelheftchen!"

 

Severus fühlte sein Gesicht knallrot anlaufen. „A…ab…aber i…ich", stotterten Worte aus seinem Mund. Er wollte gerade zu einer verständlichen Erklärung ansetzen, dass er NIEMALS ein so junges Mädchen belästigen würde, war sein Handeln doch nur Juwelina Rosmerta geschuldet gewesen. Ihr Bild war es doch gewesen, das aus dem Hermines entstanden war. Der arme Zaubertränkemeister war so von Scham erfüllt und deshalb von Erklärungsnot gepeinigt, dass er es fast nicht bemerkte. Das einzig konstante an den wechselnden Bildern, war die STIMME.

 

Wut stieg bei dieser Erkenntnis in ihm auf.

„ICH HABE HIER GAR NICHTS ZU ERKLÄREN", schrie er Miss Granger an. Weil ihm nichts Besseres einfiel und er in der Realität auch so handelte, fauchte er noch. „100 PUNKTE ABZUG!"

 

„Abzug WOVON", erklang Hermines belustigte Stimme, aber endlich verwandelte sie sich in eine ganz nett aussehende, zum Glück UNBEKANNTE, Rothaarige. „Wir sollten das einführen …"

 

„WAS?", stieb Snapes geistige Stimme dazwischen, bis ihm einfiel, dass er sich keinesfalls mit dieser Kanaille da unterhalten wollte.

 

„Dass die Schüler DIR Punkte abziehen dürfen", erklärte das Weib lapidar, „DIR SEVERUS", fügte sie diabolisch grinsend und überbetont hinzu.

 

SIE WUSSTE GANZ GENAU, DASS ER INTIME ANREDEN VON FREMDEN HASSTE!

 

„Aber ICH", feixte sie, „bin doch keine FREMDE!" Sie tat, als wische sie sich Tränen aus den Augen. „Wirklich DU mein SEVERUS … HÄSCHEN!"

 

„GENUG DAMIT", schnaubte Snape ganz außer sich.

 

„Gut", lenkte sie ein, „wenn Dir kleine graue Tierchen nicht gefallen …" Sie zuckte scheinbar ergeben mit den Schultern. „Gegen HÄSSCHEN kannst Du ja nichts haben."

 

Ein drohendes Knurren kam aus Snapes Hals. Wenn ihn nicht alles täuschte, spürte er dieses Vibrieren sogar in seinem realen Körper.

 

„Das bist Du nämlich", ließ sich die Rothaarige ganz unbeeindruckt vernehmen. „EIN KLEINER HASS …"

 

„AUFHÖREN!", donnerte Snape.

 

„… auf sich, auf jeden einzelnen Schüler …"

 

„SOFORT AUFHÖREN!", steigerte der verzweifelnde Zauberer seine Drohung.

 

„ … ach was … nicht nur auf die … vielmehr auf JEDEN EINZELNEN MENSCHEN …"

 

„HÖR auf!" War da etwa ein klitzekleiner Hauch von Bitte in seinen erbärmlichen Worten?

 

„Auf überhaupt alles und jeden!" Ihre Stimme war auch nicht mehr aggressiv. Sie schien nur eine Tatsache festzustellen. „Ist das nicht TRAURIG?", fragte sie ehrlich; das sah er an ihren grünen Augen.

 

Ohne es wirklich zu wollen, nickte Severus Snape. Sie hatte so Recht, musste ihn in und auswendig kennen.

 

„Wer BIST Du überhaupt?", stellte er ganz sachlich diese einfache Frage.

 

„Mmmmh", überlegend sah sie ihr nicht vorhandenes Gegenüber an, „kann es sein, dass …"

Severus Snape lehnte seine imaginäre Traumgestalt interessiert nach vorn.

 

„ … das ach so omnipotente, hochfahrende, Severus Hässchen MIT MIR REDET?"

 

Noch bevor der so Betitelte sich wundern, aufregen oder sonst etwas tun konnte, verschwand die Gestalt ohne Ankündigung und Severus wachte auf, als hätte jemand mit dem Finger geschnippt.

 

 

 

 

Kapitel 3 - Warten auf ich-weiß-nicht-wen

 

Severus Snape fragte sich nur eines. War es so, dass das Schicksal ungeachtete Geschenke sofort entfernte? War es ungeduldig, so wie er, hatte es einfach keine Lust auf eine gerne nachgeholte Bestätigung des Bedachten?

 

So schien es, denn die Frau aus seinem Traum floh ihn, wie der Teufel das berüchtigte Weihwasser, wie der Vampir den Knoblauch, nein … die unterschwelligste Angst nagte an Snape … Floh sie nur so vor ihm, wie alle anderen es taten? Und die wenigen, die eine zeitlang blieben, vergraulte er dennoch wie seine Traumgestalt. Das schien doch verhext! Wenn er sich erwartungsvoll ins Bett legte, konnte er nicht einschlafen. Befördernde Tränke brachten überhaupt nichts, nun nicht ganz, er erreichte zumindest, dass er mit klopfendem Herzen im Bett lag und auf die erwünschte Wirkung wartete. Ihm war schon ganz flau vom NICHTSCHLAFEN - heute hatte er sogar vergessen dem tollpatschigen Longbottom Punkte abzuziehen, weil er mal wieder seinen Kessel verkohlt hatte. Schlimmer noch, es setzte weder einen seiner fiesen Blicke noch die dazu gehörige gemeine Bemerkung. Der Junge hatte ihn dermaßen entsetzt angesehen … Snape konnte gerade noch vor dem folgenden MITFÜHLENDEN Blick in Sicherheit wanken, BEVOR Longbottom ihn fragte, ob er erkrankt sei.

 

Nun, ER WAR KRANK, nämlich krank vor Schlafmangel, krank vor Neugierde und krank vor einer seltsamen, fast vergessenen Sehnsucht nach jemandem, der sich für IHN interessierte. ‚Ach was, da lügst Du Dir in die Tasche, Du hirnrissiger Schwachkopf', bedachte er sich gedanklich selbst mit den nicht gerade wohlmeinenden Worten. ‚Denk nur an die Trelawny. War dumm genug Dir ihr Herz zu öffnen und was hast Du getan?'

Als wäre diese Erkenntnis die Eintrittskarte in das Reich der Träume dämmerte Severus Snape unmerkbar hinüber.

 

Sein Herz tat einen Hopser, als er die vermisste Gestalt weit hinten stehen sah. „Tut es Dir leid?", fragte sie leise.

 

‚Es tut mir sehr leid, dass ich Dich tagelang nicht gesehen habe', wollte er sagen, ließ es aber sein, als er ihren Gesichtsausdruck sah.

 

„Das ist der Lohn der Ehrlichkeit", meinte die Rothaarige bitter.

 

Da hatte sie wohl leider Recht. Snape fühlte sich schuldig, aber nicht weil er Mitleid mit der wirren Kristallkugelglotzerin hatte, sondern weil ihm nicht gefiel, wie die Frau da vor ihm schaute. Er WOLLTE ihr doch nicht WEH TUN. Dass er solch eine Regung locker an zwei Händen abzählen konnte, fiel ihm gar nicht auf.

 

„Sie weint oft", sagte die grünäugige Frau in sein Schweigen hinein.

 

Deshalb also war Wahrsagen schon zwei Mal ausgefallen. Dumbledore hatte bekümmert erzählt, dass Sybill Trelawny sich krank gemeldet hatte … und ER war dran schuld.

 

„Woher weißt Du das?", fragte er, um sich von diesem unangenehmen Gefühl abzulenken.

 

„Ich hab's gesehen", antwortete sie unglücklich, als bedeute die schrullige Frau ihr einiges.

 

„Wie denn?" Snape interessierte sich wirklich dafür. Es wäre doch immerhin möglich, dass sie auch in den Träumen anderer herum schwirrte. Der Zauberer war sich nämlich inzwischen ziemlich sicher, dass sie NICHT sein Gewissen war. Jedenfalls hatte sie auf seine GEDANKEN gerade KEINESWEGS reagiert. Ihm schien es fast, als bezöge sie ihre Informationen aus Beobachtungen.

 

Die Rothaarige sah ertappt aus und wich einige Schritte zurück. „Geht Dich gar nichts an", schnappte sie.

 

„AHA", sah er seine Vermutung bestätigt, „dann schnüffelst Du also in den Träumen mehrerer Leute herum …"

 

„Ffffft", abfällig stieß sie Luft aus ihrem Mund, „ich SCHNÜFFELE überhaupt nicht. Ich wollt Dich nur mal sehen, habe dann aber gemerkt, dass Du schrecklich EINSAM bist …", ihr Blick wurde weicher, während sie seufzte, „… genau wie ich …"

 

„Bitte?", Snape glaubte sich verhört zu haben.

 

Erschrocken schlug die Frau in seinem Traum die Hand vor den Mund. So viel hatte sie anscheinend gar nicht sagen wollen. Jedenfalls wich sie noch weiter zurück. „Ich muss jetzt DRINGEND", sie machte fast den Eindruck, als suche sie einen Ausgang, „FORT!" Ihre Gestalt verschwand nicht einfach sondern löste sich ganz langsam auf. Sie schien bleiben zu wollen, aber nicht zu wissen wie sie seinen Fragen ausweichen sollte.

 

Eigentlich hatte er noch herausbekommen wollen, wer bei Odins verlorenem Auge sie überhaupt war … doch wenn sie jetzt schon so reagierte. Vielleicht hatte sie ihre Gründe? Er band auch nicht jedem ALLES über sich auf die Nase …

 

„Du brauchst nicht weggehen", rief er in das sie langsam verschluckende Dunkel. Ihre Umrisse schienen wieder fester zu werden. „Ich will doch nur wissen, was Du so treibst … und wer Du bist …", setzte er unvorsichtig leise seine bohrendste Frage hinterher.

 

Sie schien es trotzdem verstanden zu haben, denn ihre Gestalt verschwand ganz.

 

„Du bist ein Trottel Snape", ihm fiel nicht auf, dass er laut sprach, „hast sie vertrieben …"

 

Der Zaubertränkemeister hörte ein leichtes Lachen durch den Raum schweben. „Ich weiß nicht", zuerst tauchten die langen roten Haare und ihr Gesicht wieder auf, „worüber ich mehr entzückt sein soll …" Jetzt manifestierte sich auch der Rest ihres Körpers. „Über die Selbsterkenntnis oder …" Sie sprach es nicht aus, errötete aber mädchenhaft bei der Vorstellung Severus könnte sie vermissen.

 

„Das steht Dir gut", Snape lächelte ohne es zu merken.

 

„Der generierte Fetzen?", sie blickte auf ihr wenig geschmackvoll gemustertes Kleid. Gab es auf diesem gelben Untergrund tatsächlich Segelboote, Wasserbälle und Schubkarren zu sehen?

 

„Du hast Recht der Designer DIESER KLEIDUNG gehört nach Azkaban", bemerkte er in seinem oft geübten ätzenden Ton.

 

„Dann sieht es mit dem Rest wohl auch nicht besser aus …", meinte sie scheu Arme und Oberkörper betrachtend. „Rote Haare", schnaubte sie, als sei das der Schlimmste Fehler ihres Lebens, „sind doch OUT!"

 

Sie drehte sich einmal um ihre Achse und als sie wieder stillstand, wollte Severus am Liebsten seine Augen reiben. Ihre Haare waren nun schwarz, glatt und kinnlang. Auch ihre Erscheinung hatte sich KOMPLETT gewandelt. Sie sah jetzt aus wie ein etwas zu füllig geratener weiblicher Snape.

 

„Besser?", sie streckte die Arme von sich.

 

„Siehst Du so aus?", fragte Snape vollkommen überrascht.

 

„Gefällt's Dir nicht?" Sie schaute wie eine seiner Schülerinnen, NACHDEM er sie fertig gemacht hatte. In ihren Augen glitzerten verdächtig zurück gehaltene Tränen. Ohne ein weiteres Wort wechselte sie ihre Gestalt zu blond und blauäugig. Trotzig verschränkte sie die Arme vor der Brust. „Ist das dem MODELSCOUT SNAPE Recht?" Abfällig schien sie ihn von oben bis unten zu mustern. „Dem Herrn, der eine Shampooflasche nicht mal aus zwei Millimetern Entfernung erkennen könnte?"

 

Sie WAR aber auch GEMEIN! Snape wollte schon zu einer harschen Erwiderung ansetzen. Ganz entgegen seiner Gewohnheit sagte er aber: „Es ist mir doch ganz egal wie Du AUSSIEHST! Das ist NEBENSÄCHLICH!"

 

„IST ES DAS?" Sie sandte ihm ein unangenehmes Starren und verwandelte sich in Sybill Trelawny, bevor sie verschwand.

 

Was haben wir hier Severus Snape? Eine Lektion in ‚Schwerer Leben' oder ‚Erkenne Dich selbst'?

 

 

 

 

Kapitel 4 - Gestaltwandlerin festgenagelt

 

Dieses Mal sprach Severus Snape den ersten Satz. Erleichtert war er, als sich die fortgebliebene Gestalt endlich wieder zeigte. Ganze zwei Wochen hatte sie ihn allein gelassen.

 

„Dich gibt's noch?", sprach er die blöden Worte in ironischem Ton. Wenn es ihm eingefallen wäre, hätte er sich noch schnell selbst vor die Stirn geschlagen. Nun hatte er diese langen trostlosen Nächte nur auf SIE gewartet, ließ jetzt aber diese LAPIDAREN Worte los.

 

Sie antwortete GAR nicht. Snape konnte sie noch nicht einmal richtig sehen, denn sie saß am äußersten Rand seines Blickfeldes. Ihr Erscheinungsbild war wieder das der Rothaarigen, dabei aber seltsam unfertig. Was noch viel unangenehmer war … sie weinte …

 

Kleine Schluchzer stiegen aus ihrer Kehle. Jetzt sah Severus sogar Tränen über ihre Wangen hüpfen. Große runde Tropfen, die unter ihren geschlossenen Lidern hervor drangen. Er wunderte sich, warum er sie plötzlich so deutlich vor sich sehen konnte. Dies hatte einen einfachen Grund. Severus Snape stand plötzlich in körperlicher Gestalt in seinem Traum, zum ersten Mal. Ohne sich näher zu betrachten oder über sein Tun nachzudenken, setzte er sich neben die weinende Frau und nahm sie in den Arm.

 

Snape hatte vorher NIE versucht IRGENDJEMANDEN zu trösten, doch er hatte diese Prozedur zumindest schon einmal gesehen. Musste man nicht so dummes Zeug von sich geben, wie: ‚Wird schon alles gut, duzi, duzi'? Was für ein blöder MIST! Severus Snape war ein Problemlöser und sagte daher: „Was ist denn los?"

 

Statt zu antworten, schlang die Frau nur ihre Arme um seinen Hals und schmiegte sich an ihn; alles ohne ihr Heulen zu unterbrechen oder ihn anzusehen.

 

Snape fühlte sich zunehmend HILFLOS. Die an ihm nagenden fürchterlichen Schluchzgeräusche UND der bebende Körper in seinen Armen beförderten seine Geduld nicht gerade. Menschen waren so KOMPLIZIERT … das machte ihn wütend … „Hör' ENDLICH auf zu FLENNEN!", stieß er entnervt hervor.

 

Sein erster „Tröstungsfall" hingegen schien seine Worte nicht zu hören, denn sie blieb bei ihrem Tun. Sie weinte, schniefte und klammerte sich an Snape fest. Als der Zauberer gerade das Ende seiner Langmut erreichte, fing sie an zu sprechen. „Weg … ziehen … will … weg …" Ein weiterer Schluchzer schüttelte sie und brach die Worte ab.

 

Was sollte er denn mit der halbfertigen Aussage anfangen? Wer wollte weg? Warum und wohin? Snape wurde vom Impuls überfallen den Rest aus ihr herauszuschütteln. Ganz entgegen dieser Idee fand er seine Hand über ihr Haar streichelnd. „Wegziehen?", gehaucht half er ihr mit diesem Hinweis.

 

Ihr Kopf an seiner Schulter nickte bestätigend. „Jaaa", kam es jammervoll aus ihrem Mund, „sie will aus HOGWARTS fortziehen …"

 

Snape erstarrte unwillkürlich. Wenn es drum ging aus Hogwarts zu verschwinden, fiel ihm nur eine Person ein, die gerade wegen IHM krank in ihrem Dachstübchen hockte. „Sybill Trelawny?", huschte der Name bedrückt über seine Lippen.

 

„Ja … Mmmm…", die Frau in seinem Traum rückte leicht von ihm ab und wischte sich über die Augen. Fast im gleichen Moment zuckte sie erschrocken vor ihm zurück und starrte ihn entgeistert an.

 

„Wie hast Du das hinbekommen, SO SCHNELL?", japste sie alarmiert und rutschte weiter von ihm weg.

 

Ihre Worte ließen Snape erst die Veränderungen bemerken. Sie konnte das einladende Bett, auf dem sie beide saßen ebenso meinen wie seinen plötzlich vorhandenen Körper, der zugegebener Maßen recht unpassend bekleidet war. Bevor sein Schamgefühl darauf aber näher eingehen konnte, fiel ihm auf, dass seine Besucherin plötzlich GANZ ANDERS aussah. Diese Form hatte sie bisher noch nicht gewählt. Ziemlich kurzes, wild durcheinander geratenes schwarzes Haar bedeckte ihren Kopf. Ob dies gewollt war oder nur einer verrückten Mode geschuldet, wollte Snape im Moment nicht erraten. Sein Blick wanderte nämlich über ihre schlaksige, hoch gewachsene Gestalt. Trotz ihres unübersehbaren Hanges zur Magersucht, hatte sie etwas Entzückendes an sich. Gut ihr Busen war ZU KLEIN und sie war ZU GROSS für eine gut aussehende Frau, aber das hinderte Snape nicht daran sie haltlos ANZUSTARREN.

 

„Was gibt's denn da zu GLOTZEN!", fegte ein Sturm aus wirbelnden Worten über den Zaubertränkemeister. „ICH muss mir über mein Outfit KEINE Sorgen machen!"

 

Das stimmte. Sie trug nicht mehr diese Folter eines Designers. Eine einfache schwarze Kombination aus weich fallendem Stoff kleidete sie hervorragend.

 

„Ooooouuuooooooh … ooooouuuooooooh", kam es halb gequält, halb aufgebracht aus ihrem Mund, als sie von der Bettstatt aufsprang. „Ich möchte Dich WIRKLICH ins Gesicht schlagen SEVERUS SNAPE, DU … DU …" Wieder stieß sie einen dieser unartikulierten kleinen Schreie aus. „Sehe ich vielleicht so aus als würde ich 50 Sickel in „Der roten Tusnelda" nehmen?" Sie fauchte ihn wie eine Furie an und hatte stilecht dazu ihre Finger wie Klauen erhoben.

 

Ihr Gezeter ließ einen klugen Gedanken in Snapes Kopf zur Reife kommen. Er sah nämlich an sich hinunter. Sein Unterbewusstsein oder was auch immer, hatte ihn nur mit einem knappen Slip heraufbeschworen. Der Stein des Anstoßes, nun nicht der korrekte Begriff aber ebenfalls hart, zeichnete sich SEHR deutlich unter diesem EINZIGEN Kleidungsstück ab. Während Snape seinen Blick mit knallrotem Kopf auf sein einsatzbereites Prunkstück gerichtet hielt, handelte wenigstens sein beschämtes Bewusstsein. Augenblicklich umhüllte sich nämlich sein Traumkörper mit der üblichen Kleidung. Schwarze Socken, schwarze Schuhe, schwarze Hose, schwarzes Shirt und darüber die allgegenwärtige schwarze Robe. Nur den sonst ebenfalls immer schwarzen Slip hatte es in der Aufregung vergessen!"

 

„Ich hoffe für Dich, dass es UNABSICHTLICH war!" Sie schien sich wieder ein wenig beruhigt zu haben, sah sie ihn doch nun versöhnlicher an. „Sorry", sagte sie plötzlich, „im Moment hab ich meine Formbildungskräfte nicht ganz unter Kontrolle. Ich weiß ja, dass Du beim Anblick JUWELINA ROSMERTAS", spuckte sie den Namen vor seine Füße, „regelmäßig AUSTICKST …"

 

Sie hatte sich doch gar nicht in Juwelina verwandelt, wunderte sich Snape. Ihm wurde klar, dass seine ‚Traumfrau' dies aber glaubte. Als er zu einer entsprechenden Erklärung ansetzen wollte, fiel ihm aber ein, dass sie ihn bei seiner Aktivität nach ihrem ersten nächtlichen Zusammentreffen beobachtet haben musste. In seinen Gedanken war damals nur Juwelina gewesen. Seit er aber mit … verdammt, er kannte noch nicht mal ihren Namen … in seinen Träumen zusammentraf, hatte er kein einziges Mal an die Bardame aus „Den drei Besen" gedacht. Ihm fiel sogar ein, dass er bei seinem ‚Stand-alone-Sex' eine schwarzhaarige, blonde und immer wieder eine rothaarige Frau vor Augen gehabt hatte.

 

Er schluckte hart, bevor er sie wieder anblickte und bestürzt feststellte, dass ihre Gestalt zu verschwimmen begann. In jeder halbwegs unangenehmen Situation, versuchte sie sich aus dem Staub zu machen. Doch diesmal würde daraus nichts werden, wenn er es verhindern konnte. Ohne nachzudenken stand er flugs auf und packte die Schwarzhaarige gerade noch am Ellbogen, bevor sie ganz verschwand.

 

Als würde ihr dies Substanz geben, festigte sich ihre Gestalt. Ungläubig sah sie ihn an: „Woher weißt Du denn …"

 

„Ein Glückstreffer?", Severus grinste. Ohne Federlesen zog er sie zurück zum Bett und zeigte mit seiner freien Hand darauf. „Wenn ich Dich festhalte, kannst Du nicht verschwinden … stimmt's?" Da sie keine Anstalten machte sich zu setzen, gab Snape ihr einen klitzekleinen Schubs.

 

„Heh!", sie versuchte sich bequem hinzusetzen, während sie einen überaus missbilligenden Blick auf ihr festgehaltenes Handgelenk warf. „Du kannst mich jetzt WIRKLICH loslassen."

 

„Fällt mir ja nicht im Traum ein", erklärte Snape, als hätte sie Unmögliches von ihm verlangt.

 

„Leider", das Gesicht der Frau vor ihm sah betrübt aus. Sehr schnell aktivierten sich aber niedliche Lachfältchen an ihren Augen und sie kicherte.

 

Auch Snape musste plötzlich schmunzeln: „Im Traum", prusteten sie nun beide belustigt. Fast entglitt Severus ihre Hand. „Keine Chance", lachte er noch immer und hielt ihr Gelenk nun noch fester, „jetzt bist Du meine GEFANGENE!"

 

„Ach das gefällt Dir wohl?", meinte sie schnippisch, bevor sie lamentierte. „Du TUST MIR WEH!"

 

„Das musst Du jetzt aushalten", erklärte er statt einer Entschuldigung.

 

„TYPISCH!" Sie zog ihre Nase kraus. „Nur Mitleid für sich SELBST!"

 

„Tja meine Liebe", Snapes Stimme war süffisant geworden, „wenn mich nicht alles täuscht, bist DU hier in MEINEM Traum. Da darf ich wohl bestimmen …"

 

„ACH JA?" Ihr Blick brachte ihn fast zum lauten Auflachen.

 

„Verrat mir Deinen Namen", forderte er, „dann könnte ich mich erweichen lassen, meinen Griff etwas zu lockern …"

„Denk Dir einen aus! Ist mir EGAL wie Du mich nennst …"

 

„NEIN!"

 

„Pfffft!"

 

Statt einer Antwort, umfing Snape nun auch ihr rechtes Handgelenk. Sie presste missbilligend die Lippen aufeinander.

 

„Lässt Du mich dann LOS?", fragte sie erwartungsvoll.

 

„Ließe sich machen …", deutete er diplomatisch an. Im Stillen schwor er sich aber, sie auf keinen Fall loszulassen, ehe er nicht mehr über sie erfahren hatte.

 

„TRINE!", spuckte sie schließlich mit einem Todesverachtenden Blick hervor.

 

„WAS?", Snape griente übers ganze Gesicht.

 

„Wahlweise auch Trinchen, Trinlein ODER Katy", sie schüttelte sich voller Ekel, „die NIEDLICHEN Namen habe ich jedenfalls meiner verrückten Mutter zu verdanken. Welche halbwegs NORMALE Frau nennt ihr Kind auch ausgerechnet KATRINA!"

 

„Ist doch ein schöner Name", Snapes Grinsen schien festgetackert, „TRINCHEN!"

 

„Ich schlag DICH gleich auf die Nase", drohte Trinchen, „dann splittert Dir dein dummes Grienen aus dem Gesicht!" Sie versuchte auch gleich ihren Worten Taten folgen zu lassen. Snape hatte etwas Mühe sie festzuhalten.

 

„Ach komm", sein Ton wurde versöhnlicher, „Katrina ist doch ein schöner Name … und wie weiter …"

 

„Gar nix weiter", trotzig sah sie ihn an, „NUR Katrina!"

 

„Du bist stur KATRINA!" Ihr Name hörte sich aus seinem Mund nicht mal halb so schlimm an. Im Gegenteil sie mochte es ziemlich wie er ihn aussprach. Einerseits blies ihr dieser Klang einen Hauch Glückseligkeit in ihr Herzchen, andererseits aber löste er auch wieder diese üblen Krankheitsgefühle in ihr aus, wegen denen sie sich zwei Wochen nicht in Severus Snapes Träume gewagt hatte. Sie wollte jetzt lieber nicht darüber nachdenken.

 

„Ich? STUR?", fauchte sie statt dessen. „DU zum Glück gar nicht, was?" Sie schürzte die Lippen. „SEVERUS STAHLKOPFUS!" Sie ergötzte sich daran, den Zauberer mal wieder bei einer seiner vielen Untugenden erwischt zu haben. „Jetzt lass mich los!", forderte sie.

 

Mit zweifelndem Blick ließ er wenigstens eine ihrer Hände wieder frei. „Die andere, wenn Du mir etwas von Dir erzählst", schlug er einen fairen (!) Kompromiss vor.

 

„Dann lass uns über Zaubertränke reden."

 

„Bitte?"

 

„Na Du wolltest doch etwas von mir erfahren", meinte sie unwirsch, „ich braue Zaubertränke … ich braute … DAMALS …", schränkte sie unglücklich blickend ein.

 

Sie schien das ernst zu meinen. Snape fragte sich was sie mit der traurig geäußerten Vergangenheitsform sagen wollte. „Wieso denn heute nicht mehr", versuchte er es in Erfahrung zu bringen, „hast Du Deinen Kessel explodieren lassen?"

 

Erschrocken fuhr sie zusammen, als hätte er genau ins Schwarze getroffen. „WIE KOMMST DU DENN DARAUF?" Katrinas Stimme war viel zu schrill.

 

„Schon gut", besänftigend erhob er seine freie Hand. „Das war nur ein SCHERZ!"

 

Erleichtert atmete sie aus.

 

„Obwohl man die da", Snapes Finger berührten Katrinas Augenbraue, „direkt für das Überbleibsel einer Trankexplosion halten könnte …"

 

Ihre Finger folgten Snapes Berührung, ertasteten die wulstige Narbe über ihrem rechten Auge, strichen über die halb fort gesengte Linie ihrer Augenbraue. „HEILIGE SCHEISSE!", fluchte sie laut. Jetzt erst beschaute sie entsetzt ihre jetzige Gestalt. „ALLE GEHÄUTETEN FLEDERMÄUSE AM SPIESS", geiferte sie, „DU BIST EINE TRINE … UND ZWAR EINE ÜBERAUS DÄMLICHE!"

 

Ihre durchaus ernst gemeinten Beschimpfungen sich selbst gegenüber, verwirrten Severus Snape schließlich so sehr, dass er Katrina einfach los ließ.

 

Während sich ihr Körper in Luft auflöste, erhaschte der Zaubertränkemeister noch einen Blick auf ihr Gesicht. Ärger, Entsetzen und trauriges Abschiednehmen lagen in ihrem Blick.

 

 

 

 

Kapitel 5 - Isolation in leeren Nächten

 

Severus Snape konnte tun, was er wollte. Wachsein oder Schlafen … in regelmäßigen gefühlten zweiminütigen Abständen erschien ihm Katrinas Bild. Dass es nun in seinen Gedanken auftauchte, machte es zum schlimmsten Albtraum überhaupt. Früher hatte er abfällig die Lippen verzogen, bei Schilderungen bedrückender Traumgesichter. Heute wusste er, was es hieß, Nacht für Nacht etwas schlecht Ertragbares zu sehen. Fast wünschte er sich die Schwärze zurück, doch das Schicksal tat ihm diesen Gefallen keineswegs. Wenn er nicht gerade das Gesicht, mit dem schwarzen, unfrisiert scheinenden Haar und der Narbe über dem rechten Auge, sah, dann, und dies war objektiv die meiste Zeit, stand er ganz allein als Traumgestalt in seiner eigenen nächtlichen Szene inmitten eines Ozeans aus Dunkelheit. Verzweifelt rief er ihren Namen in allen Facetten, Tonhöhen und allen erdenklichen Verniedlichungsformen, die ihm einfielen. Doch immer blieb er ungehört und unbeantwortet. Einmal meinte er ihre liebe Gestalt aus dem Dunkel auftauchen zu sehen. Dies erwies sich aber nur als Fata Morgana seines geistigen Auges.

 

Katrina hatte hinterrücks und unbemerkt sein Herz gestohlen. Das sah und FÜHLTE er jetzt leider allzu deutlich. In dieser Situation musste er plötzlich an die ihm Entfernteste Person denken - Sybill Trelawny. Vermutlich verzehrte sie sich ebenso nach IHM wie er sich nach KATRINA. Gab es ein Schicksal, dass ihm diese Lektion gesandt hatte? Er wusste es nicht! Er erkannte nur, dass es die schlimmste Folter von allen anderen war. Jemanden unbedingt zu wollen, den man niemals erreichen konnte.

 

War Severus Snape bisher nicht sonderlich gesellig gewesen, so wurde er nun noch mürrischer, einsilbiger und abweisender als jemals zuvor. Er sagte mit lapidarer Entschuldigung die Treffen bei Dumbledore ab, verkroch sich in seinem Büro und kontrollierte mit Vorliebe Tests der Schüler. Zum allgemeinen Erstaunen hatte er die anderen Kollegen davon überzeugt, ihre liegen gebliebenen Pergamente auch noch durchgehen zu dürfen. Anfangs hatte er sich mit dem Brauen von Zaubertränken abzulenken versucht. Dies war bisher seine unangefochtene Lieblingsbeschäftigung gewesen, bis er sich plötzlich nicht mehr vor Katrinas Bild in seinem Kopf retten konnte und ihm der köchelnde Kessel in hohem Bogen um die Ohren geflogen war. Er hatte sich sogar einen Teil seines Haares versengt, so dass er nun jeden Tag einen speziellen Zauber bemühen musste, damit es niemandem auffiel.

 

Seitdem konnte er einen brodelnden Kessel nicht mehr ansehen, ohne mit den Tränen zu kämpfen. Die Zaubertrankstunden wurden schlimmer und schließlich schrecklich. Ohne Beruhigungstrank funktionierte er nicht mehr. Am letzten Dienstag hatte er sogar so viel davon eingenommen, dass er sich dazu herabließ der GRYFFINDOR Granger einen Wink zu geben, damit sie Longbottom beim Zubereiten seines ‚Wurmtötungstrankes' half.

 

BEIDE hatten ihn entsetzt angesehen. Aber Snape konnte nichts dagegen tun. Sobald er Longbottom hilflos zitternd vor seinem Kessel sah, schob sich ein anderes Bild vor das seine. Nämlich das einer schwarzhaarigen Frau, deren Trank plötzlich explodierte und sie mit einer dauerhaften, scheinbar selbst Zauberspruchresistenten Narbe bedachte. Snape bezwang den Drang auf der Stelle laut loszuheulen. Das hätte ihn vollends lächerlich gemacht. Nach den Unterrichtsstunden holte er den tränenreichen Impuls allerdings in seinen Räumlichkeiten nach. Es war nicht gerade viel übrig geblieben von dem alten, gemeinen, fiesen, sarkastischen Snape - ein Jammer!

 

Bei diesem rapiden Verfall war es nur eine Frage der Zeit, bis Albus Dumbledore auf der Matte stand. Da Snape auf alle Fragen mit einem stereotypen „Es ist alles in Ordnung, Albus", antwortete, entführte ihn der Alte ohne seine Zustimmung nach Hogsmeade. Doch selbst ein Lächeln von Juwelina Rosmerta war nicht in der Lage, den deprimierten Zaubertränkemeister aufzumuntern.

 

„Bla, bla … Severus stell Dir vor … bla, bla … weißt Du … bla, bla, bla", Snape nickte scheinbar zuhörend, sah und hörte aber nichts. Ein Schubser in seine Seite, ließ ihn auffahren.

 

„Willst Du jetzt dieses Goldlackwasser, oder soll ich es trinken?", Albus blinzelte.

 

„Ah", machte Snape desinteressiert, griff emotionslos zum keine-Ahnung-wie-vielten-Glas und trank es aus.

 

„SEVERUS", Dumbledores Stimme klang barsch und riss an Snapes Contenance. „Sag MIR endlich, WAS LOS IST!"

 

„Gar nichts", leierte der Zaubertränkemeister seinen Spruch herunter, „es ist alles in Ordnung, Albus!"

 

„Jetzt reichts aber", platzte dem Alten der Kragen, „ich bekomme vielleicht nicht alles mit, aber dass Du Kummer hast, bemerke ich gerade noch eben. DU HASST nämlich Goldlackwasser und inzwischen hast Du schon ACHT davon intus."

 

Albus hatte Recht. Snape winkte nach dem neunten Glas.

 

„Nun PACK SCHON AUS!", forderte Dumbledore. „Oder muss ich Dich erst K. O. schlagen …"

 

Das hörte sich nach einer guten Idee an. Während einer Ohnmacht spürte man sicher keine Gefühle und vor allem MAN TRÄUMTE ähem ALBträumte nicht! Ein seliges Lächeln malte sich auf Snapes Gesicht. Dumbledores folgenden Worte wischten es aber augenblicklich aus.

 

„ … oder muss ich nur lange genug warten, bis das VERITASERUM anfängt zu wirken?"

 

Severus schluckte hart, starrte in sein leeres Glas und griff sich würgend an den Hals.

 

„DAS WAR DOCH BLOSS EIN SCHERZ", gab Dumbledore etwas zu spät Entwarnung. „Es geht um eine FRAU, stimmt es nicht?" Leise mit einem weisen Lächeln sprach er diese Worte.

 

Dem alten Zauberer konnte er eben nichts vormachen. „JA", hauchte er traurig.

 

„Dachte ich mir gleich", Albus seufzte sacht, „Liebeskummer, das schwere Herzeleid!" Vorsichtig bewegte er sich zu Severus Ohr und flüsterte hinter vorgehaltener Hand. „Immer noch JUWELINA?"

 

Mit aufgerissenen Augen wich Snape zurück. War er DERMASSEN durchsichtig! Dumbledore waren die uralten Gefühle für Madame Rosmerta also nicht verborgen geblieben. Nichts wäre einfacher gewesen, als mit JA zu antworten.

 

Severus spitzte schon die Lippen zu einem bestätigenden ja, doch er sagte wahrheitsgemäß: „NEIN!"

 

„Das ist gut mein Junge", väterlich tätschelte er Snapes Arm, „Juwelina ist nämlich lesbisch … sie wohnt mit ihrer Lebensgefährtin zusammen … offiziell seit einem halben Jahr …"

 

„Ich weiß", bestätigte Snape.

 

„Mmmm … wer ist es dann?"

 

„Frag einfach nicht weiter …", in Severus Augen bildete sich verdächtig viel Flüssigkeit, „ICH WILL NICHT DARÜBER REDEN!"

 

„Es hat doch nicht etwa was mit Sybill zu tun?", mutmaßte er so plötzlich unerwartet, dass Snape wie geschlagen zusammen zuckte.

 

Dumbledore wiegte verständnisvoll seinen Kopf. „Ach Severus … weißt Du gar nicht, dass sie AUCH in Dich verliebt ist?"

 

„Das weiß ich …", stöhnte Severus auf, „ … LEIDER!"

 

„Dann verstehe ich nicht, WARUM Du so geknickt bist …"

 

„ALBUS", ein drohender Ton lag in der Stimme des Schwarzhaarigen, „ich bin NICHT in Sybill Trelawny verliebt! BASTA!" Zusätzlich hieb er so mit der Faust auf den Tisch, dass sich andere Gäste in „Den drei Besen" schon zu ihnen umdrehten.

 

„Severus", zischte Dumbledore halblaut und machte ein nach Ruhe heischendes Gesicht. Sehr leise fisperte er: „NATÜRLICH bist Du NICHT in Sybill verliebt … warum solltest Du auch …"

 

Na endlich verstand der senil werdende Schulleiter die Wahrheit.

 

„… schließlich kann sich ihre Intelligenz durchaus mit der Deinen messen, OBWOHL sie in Teeblättern liest. Das eine schließt das andere selten aus. Du weißt sicher, dass sie überaus clever ist, sehr empfindsam veranlagt UND eine nicht ungute Zaubertrankbrauerin …" Wohlmeinend lugte Albus über seine Brillengläser. „Du solltest Dich mit ihr aussprechen. Egal was vorgefallen ist …"

 

Gerade schnappte Severus entrüstet nach Luft, um dem Schulleiter eine Schimpftirade an den Kopf zu werfen. Der gutmütige Blick allerdings sagte überaus deutlich, dass er keinen Erfolg haben würde, egal welche Argumente er auspackte. Also sah Snape Dumbledore nur sprachlos mit offenem Mund an.

 

„Sie ist übrigens in St. Mungos", säuselte Albus verschwörerisch, „so wie JEDEN MITTWOCH!" Snape starrte ihn nur weiter an, als der Name der Heilanstalt irgendetwas in seinem Gehirn entzündete. „Aber DAS weißt Du sicher", deutete Dumbledore Snapes hoffnungsvollen Blick ganz falsch.

 

 

 

 

Kapitel 6 - Besuche bei den Heilern

 

Severus sah sehr deutlich wie Albus sich freute, zu Diensten gewesen zu sein, denn er strahlte übers ganze Gesicht. Dies schien ansteckend zu sein. Der Alte war WIRKLICH Gold wert. Ohne auf seine Reputation oder die dummen Blicke der anderen zu achten, erhob er sich rasch, packte den Schulleiter bei den Wangen und drückte ihm kurzerhand einen Kuss auf die Stirn. Bevor sich Dumbledore auch nur von diesem Ausbruch erholen konnte, war Snape schon mit wehendem Umhang aus dem Lokal verschwunden.

 

‚So fügt sich alles zusammen', dachte der alte Zauberer in noch immer andauernder Überraschungsphase. ‚Jeder Topf findet schließlich sein Deckelchen …', beschloss er zu glauben, obwohl ihm die beginnende Liaison doch etwas unüblich vorkam. Er hatte immer gemeint Severus genau zu kennen …

 

Mit fast den gleichen Gedanken schlug sich auch der Bedachte herum. Auch Snape hatte gemeint, ganz genau über sein Selbst Bescheid zu wissen. Doch das wabernde, immerwährende Bild Katrinas … Trinchen … Katys schien ihm allzu den Verstand verstopft zu haben. Erst bei Dumbledores Bemerkung über St. Mungos war er auf die passende Idee gekommen. Katrinas Unfall schien recht schlimm gewesen zu sein. ZU SCHLIMM?

 

Sie könnte tot sein! Ihr Geist war in Deinem Traum!

 

Dass ihn diese düsteren Stimmen aber auch immer peinigen mussten, augenfällig NUR, wenn er etwas UNBEDINGT WOLLTE!

 

NEIN! Er kämpfte gegen dieses dunkle Gefühl. Eine Narbe machte noch keinen Tod. So einfach war es nun auch wieder nicht aus dem Leben zu scheiden. In seiner Lehrzeit, waren ihm auch einige Kessel in die Luft gegangen. Nun, ganz entgegen den Wünschen seines Meisters, hatte er neben diesen selbst gestellten, auch alle anderen Widrigkeiten überstanden.

 

Wenn es beileibe nicht jedem passte, es blieb dabei. Severus Snape war am Leben und Katrina war es mit hochprozentiger Sicherheit auch. Hoffentlich! Denn sollte es nicht so sein …

 

Nein, nein seine Trine lebte! Basta! AUS!

 

Wenn ein solcher Unfall also im Krankenstand geendet hatte, MUSSTE sie sich im St. Mungos behandelt haben lassen. Es blieb keine andere Möglichkeit. Schließlich war St. Mungos schon vor 20 Jahren, das beste Hospital in weitem Umkreis gewesen und so lange konnte Katrinas Kesselexplosion nun auch wieder nicht her sein.

 

Was wenn sie in Alaska wohnte? Wenn sie private Heiler gerufen hatte? Was wenn sie ihm gar keine Auskünfte geben würden? Schließlich war er nicht mit ihr verwandt … kannte noch nicht mal ihren Nachnamen … Das machte es schwierig. Sicher würden nur Familienmitglieder Auskunft über ihre Krankengeschichte erhalten. Mit Übelkeit erregender Deutlichkeit sah er einen smarten, blonden Modeltypen, der sich gut gelaunt nach den Heilungspapieren seiner EHEFRAU erkundigte.

 

Wie wild begann Snape dieses schreckliche Bild mit beiden Händen aus seinem Bewusstsein zu wedeln. Eine alte Hexe auf der gegenüber liegenden Straßenseite schaute ihn schon ganz komisch an. Sie schien gerade darüber nachzudenken, ob sie dem durch geknallten Hexer da drüben ihre Hilfe anbieten sollte. Irgendetwas an ihm oder seinem Blick schien ihr schnell klar zu machen, dass ihre Anwesenheit hier mehr als unerwünscht war.

 

Nachdem er die alte Frau nieder gestarrt hatte, welch glanzvolle Leistung, schritt Snape zügig in Richtung St. Mungos aus. Dass er auch apparieren konnte, hatte er in seiner Gedankenfülle einfach vergessen.

 

So war es schon Abend, als er endlich die Pforte erreichte.

 

„Sie sind aber spät dran", erklärte die unfreundliche Hexe am nur Notbeleuchteten Empfang. „Die Besuchszeiten sind lange vorbei …"

 

„GUT", Snapes Stimme war gewohnt barsch, OBWOHL er innerlich zitterte, „ich WILL auch gar niemanden besuchen. Ich komme wegen speziellen HEILUNGSAKTEN!"

 

„Tut mir leid", erklärte sie in einem eingepaukten unehrlichen Ton, „dafür ist es EBENFALLS", säuerlich blickte die Kleine demonstrativ auf die Uhr, „ZU SPÄT!"

 

Für sie schien die Sache erledigt zu sein, aber etwas an ihm schien ihr doch nicht geheuer. Mit einem schlecht verborgenen unbehaglichen Ausdruck im Gesicht reckte sie die Finger nach ihrem Zauberstab.

 

Diese Beobachtung gab Snape nicht nur Halt, sondern erinnerte ihn auch daran WER er war. Bei MERLIN alle hatten ANGST vor ihm. Das sollte er schnellstens ausnutzen …

 

Flugs hatte er seine Hand auf den nur halb berührten Zauberstab der Hexe gelegt. „Na, na", machte Snape scheinbar nachsichtig, „wer wird denn hier so UNFREUNDLICH zu einem KUNDEN sein?"

 

Wie ein hypnotisiertes Kaninchen starrte ihn die verschüchterte Frau an, als er ihr jetzt seinen UND ihren Zauberstab entgegen hielt. Das Fluchinstrument in seiner rechten Hand zeigte fein säuberlich mit der Spitze auf eine Stelle ihres Kopfes. Wahrscheinlich AHNTE sie gar nicht, dass dort das STAMMHIRN saß. Der Zauberstab in der linken Hand wies nachlässig auf ihr Herz.

 

„ALSO, WO SIND DIE HEILAKTEN DER PATIENTEN!"

 

Während die braunhaarige Hexe mit den Augenlidern flatterte, flüsterte sie immer wieder die gleichen Worte vor sich hin: „Sicherheitshexen, Sicherheitshexen … SICHERHEITSHEXEN!", krächzte sie schließlich lauter hervor und fiel mit einem dumpfen Geräusch zu Boden.

 

WEIBER! Hoffentlich war sie nur OHNMÄCHTIG! Jetzt musste er auch noch ihren Körper verstecken ODER FÜR IMMER verschwinden lassen. Seufzend bückte er sich nach der Hexe.

 

„WAS IST DENN HIER LOS!", eine resolute Schwarzhaarige, nahm mit ihrer Stimme Snapes Ohren und jetzt mit ihrem fülligen Körper auch sein Blickfeld ein.

 

„ÖHEM … Amnesia", fügte er sehr viel leiser hinzu, hielt dabei den Zauberstab der Empfangshexe auf diese gerichtet und ließ ihn dann unauffällig fallen.

„Sie hat AMNESIE? Woher wissen Sie das?" Durchdringend musterte sie Snape. „Sind Sie denn Heiler, dass sie sich solch eine Diagnose zutrauen?"

 

„Nein, aber …", da musste schnellstens eine Ausrede her. Ich habe sie bedroht und ihr dann einen Vergessenszauber verpasst, konnte er ja wohl kaum sagen. „Nein … sie … ich meine … ich kam hier rein und sah bloß noch wie sie ihren Zauberstab mit irrem Blick auf sich gerichtet hält und etwas flüstert." Snape seufzte falsch auf. „Als sie dann mit seltsam leerem Blick hintenüber kippte, war es mir gleich klar … ich bin nämlich so was Ähnliches wie ein Heiler …" Bevor die dicke Hexe vor ihm nachzudenken drohte, ergriff Snape schnellstens ihre Finger, „Severus Snape", er schüttelte ihre Hand, „Zaubertränkemeister in Hogwarts!"

 

Sein gesunder Menschenverstand schüttelte sich voller Grauen und wurde schließlich zu einer sarkastischen Stimme in seinem Kopf:‚Was erzählst Du nur so wenig? Wenn Du erst mal zur Fahndung ausgeschrieben bist, braucht man NOCH MEHR Informationen über Dich …' Mittlerweile versuchte sie sich im Zirkusmilieu. ‚Nur noch kurz … bevor er aus Hogwarts fliegt … erleben sie live … und ganz in schwarz … Severus Snape … das neunte Weltwunder … den trotteligen Deppen …'

 

Der Zaubertränkemeister hoffte jemand würde dieses lautlose Schwatzen beenden. Die Hexe tat ihm den Gefallen.

 

„SIE SIND DAS?" Sie starrte ihn entgeistert an. „WARUM HABEN SIE DAS NICHT GLEICH GESAGT!"

 

Ohne Vorwarnung umarmte sie den verdutzten Zaubertränkemeister.

 

„Ich FREUE mich SIE auch einmal PERSÖNLICH kennen zu lernen." Sie nahm ihn freundschaftlich beim Arm und vergaß dabei ganz die auf dem Boden liegende Hexe im Empfangsbereich. „Erzählungen sind doch so farblos", sie nickte dem sich unbehaglich fühlenden Snape bestätigend zu und zuckte plötzlich zusammen. „Oh, ich halte sie auf. Dabei WEISS ich WIE WENIG Zeit sie haben, sonst wären sie doch VORBEI GEKOMMEN!" Abrupt blieb die unaufhörlich Sprechende stehen. „Uuuuuuuch … haben Sie etwa ETWAS BRAUCHBARES?"

 

Dumpf schaute Snape sie nur an. Was MEINTE die Hexe?

 

„Oooooh", ihr freudiger Ton erlosch, „sie sind einfach NUR hier, um sie zu sehen …" Ihr Gesicht wirkte immer trauriger. „ … haben Sie aufgegeben!?"

 

Ihre Aussage mochte gleichzeitig bedrückende Sicherheit wie auch hilflose Frage sein. Doch was auch immer - Snape verstand kein Wort.

 

„ICH WEISS NICHT WOVON UND WEM SIE ÜBERHAUPT SPRECHEN!"

 

„Sie Armer", sie wagte sich tatsächlich seine Wange zu streicheln, „ihre Frau sagte mir schon, dass sie sich weigern über KATRINA zu sprechen …"

 

Dieser Name aus ihrem Mund schlug Severus wie eine Faust in den Magen. ER HATTE SICH VERHÖRT! Aber wenn KATRINA WIRKLICH hier WAR, passte doch ein anderer Fakt nicht in das Gehörte.

 

„MEINE FRAU?", hauchte er mit unguten Assoziationen.

 

„ICH WEISS, sie SIND nicht verheiratet." Die Hexe schien ihn irgendwie trösten zu wollen. „Aber sie KÜMMERN sich um IHRE TOCHTER!"

 

Das letzte Wort betäubte vollends den Verstand von Severus Snape. Er mochte nicht nachdenken über diese Bezeichnung, die immer mehr Risse durch sein ganzes Gefühlsgebäude ziehen ließ.

 

„Ich WILL sie sehen", brachte er kaum hörbar über die Lippen.

 

Die dicke Hexe nickte nur mütterlich, denn dieses Begehren hatte sie doch von Anfang an erwartet. Wenn er schon nichts für sie tun konnte, mit seinen Kenntnissen als exzellenter Zaubertränkemeister, dann sollte er sie wenigstens besuchen dürfen.

 

Sie bewunderte diesen Zauberer, der so selbstlos für die junge Frau kämpfte. Fast wünschte sie sich selbst so einen Mann an ihrer Seite.

 

 

 

 

Kapitel 7 - Vater, Mutter und ein Kind

 

Stumm hatte die dicke Medihexe Severus Snape hierher geführt. Ihre fort gehenden Schritte verhallten in dem leeren Flur. Schließlich war es später Abend, die Patienten auf ihren Stationen. Die Ödnis konnte auch daran liegen, dass sich nicht so viele hierhin verirrten. Fast glaubte er sich in der vertrauten hogwartsschen Umgebung. Wände aus grobem Stein, Fackeln in Wandhalterungen und eine Tür aus dunkelbraunem Holz.

 

Zögerlich strichen seine Finger über das raue Material, näher zur Klinke. Er musste sie herunterdrücken, um der Wahrheit ins Auge zu sehen. Seiner Realität, mit einer TOCHTER, die er bis vor einigen Wochen noch nicht einmal kannte …

 

Snapes Gedanken waren in den wenigen Minuten bis zu diesem Ort hin und her gejagt. Er hatte nur eine Erklärung gefunden. Er war ungewollt und UNGEWUSST Vater geworden, vor nahezu 19 Jahren. Er sah seine Liebe noch vor sich, ihre blitzenden braunen Augen, ihr freches Lächeln … Hatte KATRINA nicht beides von ihrer Mutter geerbt … Sabina … er erinnerte sich genau Sabina Diatoro …

 

Severus hatte sie immer nur Silly genannt, weil sie so verrückte Ideen pflegte. Eine Boutique für Galaroben auf dem Mond wollte sie eröffnen, sobald es möglich war dorthin zu gelangen. Snape musste unwillkürlich lächeln. Silly war burschikos und direkt gewesen, nahm kein Blatt vor den Mund. Deshalb verstanden sie sich so gut … damals … Er hatte sie nicht mehr wieder gesehen. Er hatte NICHTS GEWUSST, sie NICHTS GESAGT und nun …

 

… gab es KATRINA. Sie ähnelte ihrer Mutter und doch hatte sie viel von IHM. Angefangen bei dem schwarzen Haar. Oh, sie besaß SEIN Temperament, unbenommen. Dachte er doch nur an ihre sarkastische Ader und das haltlose Fluchen. Bei ihrem Alter musste sie allerdings eindeutig nach oben übertrieben haben. In seinen Träumen hatte sie eher wie plus, minus 30 gewirkt. Dabei war sie jetzt 18? Oder wurde gerade so alt. Schließlich wusste er ihr genaues Geburtsdatum nicht.

 

Ob eine jüngere Ausgabe Katrinas ihn kalt gelassen hätte, mochte er nicht unterschreiben. Sie hätte mit der WAHRHEIT rausrücken müssen …

 

WIESO HAST DU NICHTS GESAGT? Ein Vater sollte für seine Tochter nur Gefühle im HERZEN empfinden … VERDAMMT! Snape fühlte sich elend und auf eine gemeine Art und Weise beschmutzt. Er war so WIDERLICH, konnte er die Bilder doch nicht verdrängen, die ihm immer wieder zeigten, was er NIE haben DURFTE!

 

Er rang mit sich - klopfen oder nicht ... schließlich tat er es. Keine Antwort. WUSSTE SIE, dass er hier war? Befand sie sich drinnen?

 

NATÜRLICH SNAPE! Die Medihexe hat Dich nicht umsonst hergeführt. Sie musste da sein. Warum aber antwortete sie dann nicht?

 

Gesprochene Worte der dicken Schwarzhaarigen fielen ihm ein, traurig, desillusioniert … sie hatte angedeutet …

 

Die Erkenntnis sackte schwer in seinen Magen. KATRINA KONNTE ihn nicht herein bitten. Sie WAR KRANK … SCHWER KRANK!

 

Das Gewicht dieser Feststellung wanderte direkt in seine Hand und die Tür öffnete sich lautlos.

 

Severus Snape sah seine Vermutung BESTÄTIGT. In dem bemüht fröhlich eingerichteten Zimmer, lag sie auf einem Bett - vollkommen reglos. Ihr Haar war so kurz und strubbelig wie er es aus seinen Träumen kannte, ihr Gesicht wies über dem rechten Auge tatsächlich die wulstige Narbe auf. Nur war ihr Ausdruck so unpassend still, als lebte sie nicht mehr.

 

DOCH sie ATMETE, gleichmäßig und tief. Die typischen Anzeichen machten Severus klar, DASS sie NICHT einfach AUFWACHEN KONNTE. Koma? Bewusstseinsverlust? Snape kannte das medizinische Kauderwelsch nicht, er wusste einfach nur, dass sie hier lag. Unfähig die Augen zu öffnen oder mit ihm zu sprechen, außer in seinen Träumen …

 

Schmerzhaft biss Snape die Zähne aufeinander, schloss die Tür und trat näher zur Gestalt auf dem Bett heran. Sie war so SCHÖN! Ihn verwirrte sehr, dass sie genauso alt aussah WIE in seinem nächtlichen Erleben. Das war nicht MÖGLICH! Vielleicht eine Folge des Unfalles mit dem Kessel?

 

Im ersten Impuls wollte er seinen Mund auf den ihren pressen, WEIL sie genauso wie in seinen Träumen aussah UND damit sie endlich AUFWACHTE. Aber das KONNTE er nicht tun, DURFTE es nicht.

 

Es war FALSCH, sie als diese FRAU zu betrachten. Wenn er sie mit diesen Augen ansah, sehnte er sich nach ihr. Nicht nur vom keuschen Zentrum seiner Liebe aus, sondern absolut unplatonisch - körperlich, MÄNNLICH!

 

NIEMAND WÜRDE JE ERFAHREN; WENN ER SIE JETZT BERÜHRTE.

 

Im gleichen Moment schämte er sich für diesen Gedanken. Wenn auch keiner sonst, SEIN GEWISSEN würde es sehen. Welches Dir vor einigen Tagen noch flüsterte, dass es NICHT EXISTIERT?

 

„AUFHÖREN", schrie Snape gegen das Elend in seinem Inneren an und sank schluchzend auf einem am Bett stehenden Stuhl. Als er sich etwas beruhigt hatte, hoffte er inständig, dass WENIGSTENS ihre Gefühle unangetastet geblieben waren.

 

Doch das Schicksal schien Severus Snape zu hassen. Nachdem er eine lange Zeit mehr auf die Wand, als auf Katrina gestarrt hatte, schlief er ein.

 

Wie in ihrer letzten Begegnung lag Severus Snape auf dem gleichen Gedanken generiertem Bett. Hilflos sah er sich knapp bekleidet UND deutlich erregt, ohne etwas dagegen tun zu können. SIE war plötzlich bei ihm und presste sich für Sekunden an seinen Körper. „ICH WILL DICH AUCH", war da ein verzweifeltes Keuchen aus ihrem Mund, bevor sie verschwand.

 

Als tauche er aus tiefem Wasser, japste Severus Snape nach Luft und war mit einem Schlag HELLWACH. Verstört, ohne einen Blick auf Katrina, rannte er wie von Furien gehetzt aus dem Raum.

 

„Heda sind sie VOLLKOMMEN BESCHEUERT!", fauchte der schlaksige schwarzhaarige Mann in den Snape kopflos hineingelaufen war.

 

Der Zaubertränkemeister konnte noch nicht einmal eine Entschuldigung murmeln, dabei HATTE er genau das tun wollen. Seine Hände zitterten und vereinzelte Tränen sprangen aus seinen Augen.

 

„Was ist denn MIT IHNEN …" Der Mann schüttelte zweifelnd den Kopf. „Sie sehen FURCHTBAR aus … kommen Sie, ich mach uns einen Kaffee …"

 

Widerstandslos ließ Severus sich wegführen, nun haltlos zitternd und wirklich WEINEND. Er schämte sich vor diesem freundlichen Mann. Wie Gift aber fraß sich eine viel, viel schlimmere Scham in sein Inneres.

 

Der andere schien es zu bemerken. „Machen Sie sich mal keine Sorgen … ich habe schon so manchen hier wie kleine Mädchen weinen sehen … ganz zu schweigen, von denen die zusammen brechen …"

 

Severus war froh, dass der Mann sprach. Das überdeckte die Schuldgefühle.

 

„Wer ist es bei Ihnen?"

 

Snape blickte halb von seinem Kaffee auf.

 

„Na kommen Sie … dies war doch die Abteilung für die HOFFNUNGSLOSEN Fälle … wer liegt da?" Er musterte Snapes Gesicht nur kurz. „IHRE FRAU?"

 

Snape schüttelte vehement den Kopf. „Tochter", stieß er hervor.

 

„Oh", machte der sympathische Mann mitfühlend, „bei mir auch … wollen sie meine Fee mal sehen?" Snape wünschte sich um nichts in der Welt noch einmal in dieses Gemäuer hinunter, wo Katrina lag. „Ich hab ein Foto!", gab der besorgt Aussehende nun Entwarnung.

 

Eigentlich mochte Severus das Leid des anderen NICHT teilen, aber irgendwie war er es ihm schuldig, wo er sich so freundlich um ihn kümmerte. Also nickte Snape.

 

„Das ist sie", er reichte sanft lächelnd das Bild hinüber. Ein schlaksiges, schwarzhaariges Mädchen mit wilder Frisur wirbelte in einem verrückten Tanz herum. Außer ihrer Silhouette konnte man nicht viel erkennen, weil sie einen riesengroßen, grün schillernden Schleier um ihren Körper geschlungen hatte. Einen Zipfel des Tuches hielt sie sich kokett vors Gesicht. Kleine Lachfältchen bildeten sich um ihre Augen herum, als sie sich theatralisch verbeugte und den Schleier fallen ließ. Snape zuckte erschrocken zusammen. Sie war jünger, hatte keine Narbe, ja, aber es WAR ganz eindeutig: „KATRINA!"

 

Severus Snape rief diesen Namen erschrocken und starrte auf das wohl gar nicht so alte Bild. Sie sah aus wie um die 18. Ihr erhöhtes Alter LAG an der Kesselexplosion. Der Unfall war also noch gar nicht so lange her … den Kontakt zu ihm hatte sie aber erst DANACH gesucht. Das gab ihm zwar einen Stich, doch schließlich kannte er nicht ihre Gründe.

 

Der Mann vor ihm war also Katrinas STIEFVATER! Warum auch nicht! Er war nett, sah gut aus … so jemanden hatte Silly VERDIENT und KATRINA hatte das auch. Snape sollte einfach von der Bildfläche verschwinden, solange er sich noch nicht als Katrinas mieser richtiger Vater geoutet hatte. Der Zaubertränkemeister wollte aufstehen, um einfach fort zu gehen, konnte sich aber weder erheben noch das Foto loslassen.

 

Der Stiefvater seiner Tochter starrte ihn inzwischen an und nickte bemerkenswert ruhig, obwohl er offensichtlich starke Gefühle unterdrückte. „Dann sind SIE wohl", das klang genauso bitter wie sein ausgespuckter Name, „SEVERUS SNAPE!"

 

Der Zaubertränkemeister reichte das Bild wieder zurück, dabei schlotterte seine Hand so stark, dass er die andere zur Hilfe nehmen musste. Trotzdem segelte Katrinas Bild auf den Boden.

 

Sillys Mann sah scharf auf Snape, bückte sich nach dem Foto und steckte es zurück in seine Tasche. Als er es umständlich verstaut hatte, war sein Blick ein wenig versöhnlicher geworden. „Ich ahnte nicht, dass sie solch starke Gefühle für Katrina hegen. Wusste noch nicht mal, dass sie sie ÜBERHAUPT besuchen. Meine Frau sagte zwar immer, sie würden ständig an Heiltränken arbeiten, die Katrina vielleicht doch noch helfen könnten … aber ehrlich gesagt … ich meinte immer, sie lügt nur …"

 

Das hatte sie ganz offensichtlich getan, schoss es durch Snapes Kopf. Silly hatte nicht nur ihrem neuen Mann sondern anscheinend auch den Heilern erzählt, dass ER, Katrinas Vater, sich um ihre Gesundung kümmerte. Warum bloß? Sie hatte ihm nie OFFENBART, dass sie eine gemeinsame Tochter hatten. Vermittelte er so wenig Vertrauen? Warum aber, merkwürdiger Weise, sollten dann alle GLAUBEN, dass er ein treu sorgender Vater war? Da gab es nur einen Grund. Sie SCHÄMTE sich, dass sie SO einen Erzeuger für ihr Kind ausgesucht hatte. Snapes Gefühlschaos wurde schlimmer.

 

Monoton hörte der Zaubertränkemeister Katrinas NEUEN Vater weiter sprechen:„Offensichtlich wollte ich glauben, dass Sie nur ein hochfahrender, elitärer, sarkastischer Schnösel sind, der mit gemeinem Triumph auf die anderen herab sieht …"

 

„Aber genau das bin ich", schniefte Snape.

 

„Ach was", der andere schüttelte resolut den Kopf, „sehen Sie sich an. Sieht so ein gewissenloser, gemeiner Mann aus?"

 

„JA", behauptete der Zaubertränkemeister fest.

 

„Nein", der Ton des Schlaksigen Mannes wurde ganz weich, „Sie sind NUR ein Mann am Ende seiner Kräfte … sie opfern sich auf … suchen nach einem Heilmittel für Katrina … seien Sie nicht so ungerecht mit sich …"

 

Snape hätte weinen mögen, wenn er nicht schon dabei gewesen wäre. „Aber NEIN! Sie haben mit ALLEN schlechten Vermutungen Recht…", erklärte er bedrückt. „Ich BIN ein furchtbarer Mensch …"

 

„Oh, nein, nein Professor Snape …", behutsam legte der andere die Hand auf Severus Schulter, „ich HABE ihren Blick auf Katrinas Foto gesehen. SIE LIEBEN SIE … Sie sind KEIN schlechter Mensch …"

 

„Ich bin ein SCHWEIN!", rutschte es aus dem Mund des Zaubertränkemeisters.

 

„NEIN!"

 

„ACH NICHT", knurrte Snape, „wie sonst bezeichnen sie einen VATER", würgte er die Bezeichnung hervor, „der mit seiner Tochter ins Bett steigen will?"

 

Sillys Ehemann war nicht nur nett, freundlich und hilfsbereit, sondern auch handfest bereit, Gerechtigkeit zu üben. Etwas anderes hatte Snape auch kaum erwartet. Mit fast angenehmer Genugtuung empfing er den harten Schlag der flachen Hand. „Das ist für Katrina", zischte der Mann, während er noch einmal ausholte. „DAS FÜR SYBILL!" Snapes Hinterkopf kollidierte schmerzhaft mit der Wand, so dass Severus anderes im Sinn hatte, als den geschrieenen Namen bewusst wahr zu nehmen.

 

„STEHEN SIE AUF WIE EIN MANN!"; schnauzte Katrinas Vater den Zaubertränkemeister an. „Ziehen Sie Ihren Zauberstab", verlangte er kalt, „NA LOS!"

 

Snape blieb betäubt, halb an der Wand lehnend liegen. Sein Kopf schmerzte, ein dünner Blutfaden sickerte aus seinem Haar. Es konnte nur an dem Dröhnen in seinem Schädel liegen, dass er ausgerechnet SYBILL verstanden hatte. SYBILL wie Kristallkugeln, Teeblätter und bunte Tücher. Nein! Er hatte GANZ SICHER SILLY gesagt! Aber der schmerzende Kopf machte Snape eine Entscheidung schwer. Er schloss die Augen und hoffte, dass dies das lästige Hämmern dämmen und seine Gedanken klären konnte. Es HALF.

 

Hinter seinen Lidern sah er nämlich wieder Katrinas Bild wie sie in einem dieser grün schillernden Tücher tanzte. Sie war groß, mit schwarzem Haar und überaus schlaksig … wie der MANN, der ihn gerade geschlagen hatte.

 

Katrina tanzte unter dem klaren Sternenhimmel, aus dem man die ZUKUNFT lesen konnte. Kaum wahrnehmbar, auf der Bank hinter ihr, stand eine KRISTALLKUGEL. Daneben rosafarbene Teetassen aus chinesischem Porzellan. Hatte er so BLIND sein können? Noch einmal betastete er gedanklich das Gesicht seiner vermeintlichen Tochter. Wenn er sich beide Personen vereint vorstellte, gab es gar keinen Zweifel. KATRINAS VATER HATTE SYBILL GESAGT! Snape wurde ganz schwindlig … er und sie waren …

 

Mühsam zwang der gebeutelte Zaubertränkemeister seine Lider nach oben. KATRINAS MUTTER stand in der geöffneten Tür und schaute überaus erschreckt auf ihn hinab. Aufgebracht wandte sie sich an ihren EX-MANN. Ihre laute Schimpftirade konnte Snape nicht mehr mitverfolgen, denn er sank in eine tiefe ohnmächtige Schwärze hinab. Überraschend umfing sie ihn mit sanften Armen und eine sardonische Stimme bekannte: „DIE BEIDEN SIND ALSO MEINE ELTERN!"

 

 

 

 

Kapitel 8 - Spross aus verrückter Verbindung

 

Sybill Trelawny und der bisher namenlos gebliebene Mann waren also Katrinas Eltern. „Eine WAHRSAGERIN und ein SCHLÄGER - gute Wahl!"

 

„Vielleicht solltest Du mir das nicht gerade INS GESICHT spucken", Katrinas Stimme klang nur leicht beleidigt, während sie Snape etwas fester umarmte, „DU AUSGETICKTER KLEINKRIMINELLER!" Sie gab ihm eine Kopfnuss.

 

„AUA!"

 

„WAS hast Du Dir eigentlich dabei GEDACHT!" Ihr Ton ließ durchblicken, dass sie meinte, er hätte ÜBERHAUPT NICHT ÜBERLEGT, was in gewisser Weise tatsächlich der Wahrheit entsprach. Snape hatte Katrina nur finden wollen, EGAL mit welchen Mitteln. „Wütest nach St. Mungos, bedrohst UND verletzt wehrlose Angestellte … LÜGST ohne rot zu werden." Sie bedachte ihn mit einem Kopfschütteln. „AMNESIE", jetzt konnte Katrina ihr aufsteigendes Grinsen kaum unterdrücken, „Oh, die Gute war bestimmt überfordert, dass sie sich SELBST eine Gedächtnislöschung verpasst hat!"

 

Auch Severus Snape musste ungewollt grinsen. Es so aussehen zu lassen, war schon genial gewesen.

 

„Bist Du eigentlich vollkommen", sie hielt ihn noch umfangen und beugte sich jetzt sogar zu seinem Ohr, um lauthals nur ein Wort hinein zu schreien, „IRRE!"

 

Snape zuckte zusammen. Zu seiner Gehirnerschütterung würde er wohl auch noch einen Tinnitus bekommen.

„Und dann lässt Du Dich auch noch von Daddy schlagen", er spürte wie Katrina wütend ihre Fäuste in seine Seiten rammte, aber dieser entladene Zorn schien nicht ihm zu gelten. „Du nimmst wohl gar keine Rücksicht auf MICH!" Ihre Augen funkelten aufgebracht.

 

Snape konnte nur sprachlos starren. Sie machte sich SORGEN um ihn. Wenn er ihrem Gesichtsausdruck vertrauen konnte, waren es sogar GROSSE SORGEN. Sein Herzschlag schien einige Male zu stolpern. Wenn sie das tat, war sie vermutlich auch in ihn … ein dümmlich glückseliges Lächeln legte sich über sein Gesicht.

 

„Man kann sich eben seinen HERZENSENGEL nicht aussuchen!" Säuerlich sah sie auf Severus hinab. Wenn sie noch eine Weile übte, würde sie irgendwann an den altweiberlichen Ausdruck ihrer Mutter herankommen.

 

„Das kann MANN nicht!" Der Schalk blitzte überaus tückisch aus Snapes Augen.

 

„Was willst DU denn DAMIT andeuten?" Sie schoss einen spöttischen Blick auf ihn ab. „Meinst Du vielleicht FRAU war so erpicht auf eine SCHWARZE FLEDERRATTE mit unzureichender Selbstbeherrschung?"

 

Anzüglich deutete sie auf eine offensichtliche Erhebung an seiner wieder mal notdürftigen Bekleidung.

 

„Proudly presents SEVERUS DUTZELSTUTZ!", ließ sie taktlos über ihre Lippen perlen. Doch der Vergleich mit diesen sich lästig anklammernden, immer bereiten Viehchern drängte sich geradezu auf.

„Ist das eigentlich DEIN DAUERZUSTAND?" Jetzt hatte sie ihn doch tatsächlich losgelassen und rückte sogar ein Stück ab. „Das passiert DIR doch bei JEDER!", schnaubte sie in einem Mix aus Anklage, Ironie und Verstimmtheit. „Hermine Granger, Madame Rosmerta …", zählte sie pikiert seine Fehltritte auf.

 

Gebrandmarkt begann Snape zu erröten. Als er das bemerkte, stieg Verärgerung in ihm auf. „ACH SIEHST Du hier vielleicht eine von diesen WEIBERN?" Als suche er wirklich nach ihnen, schaute er sich auffällig um. „Oh", schien er Katrina gerade erst zu entdecken, „das mehr als unsensible Chaos in Schwarz steht nur für DIE EINE ständig bereit, wie eine trottelige Marionette, DU VERRÜCKTER KESSELSCHRECK!"

 

„Ooooooouuuuuuuuuuuuuh", quietschfauchte Katrina ungestüm, „DU MACHST MICH GANZ KRANK!"

 

„WIRKLICH?", raunte er hoffnungsvoll und griff sie bei den Handgelenken.

 

Snapes kleine Furie sah aus, als wäge sie verschiedene Handgreiflichkeiten gegeneinander ab. Schließlich befreite sie sich aber überaus sanft aus seinem Griff. „Das tust Du tatsächlich", bedeutete sie ihm ganz unaggressiv. „Dort", sie zeigte mit den Fingern auf ihr Herz, „und da", sie wies demonstrativ auf ihren Kopf. „Deine Anwesenheit verwirbelt da drinnen alles ganz furchtbar …" Tatsächlich machte Katrina einen ganz verwirrten Eindruck. „Wirklich beunruhigend finde ich aber …" Sie unterbrach sich selbst und schloss mit einer schnellen Geste ihre Körpermitte ein.

 

Severus schaute einige Momente verdattert drein, bis ihm aufging, was sie meinte. „Bist Du darum soooo lange weggeblieben? Weil Du an der schönsten aller Krankheiten leidest?"

 

„LIEBE", sie sprach das Wort wie etwas Heilig strahlendes aus, „ist zuallererst im Herzen … verwirrt manchmal den Kopf … ja … aber bei mir …" Katrina schien peinlich berührt und tastete unauffällig mit einer Hand nach ihrem Busen, die andere ballte sich auf ihrem Schoß. „Meine Reaktionen PASSEN einfach nicht zu diesem hohen Ideal … ich möchte alles für Dich tun Severus, Dich bewachen, beschützen … deine Wange streicheln, Dir schnulzige Lieder singen …"

 

„Ssssschhhhhht", Snape legte ihr einen Finger auf die Lippen. „ … macht es Dir Angst, dass Du auch etwas ANDERES willst?" Sie nickte so unglücklich, dass er beinahe gelacht hätte. Doch er unterband diesen Impuls. „Aber es ist nur natürlich", leise wie seine Stimme legten sich Snapes Finger auf die erste antwortende Stelle.

 

Katrina gab ein leises Zischen von sich und wollte seine Hand von ihrem Busen ziehen. Severus nahm sie aber von selbst weg und platzierte seine Finger auf ihrem Bauch. „Zu den tanzenden Schmetterlingen", er lächelte sie an während seine Hand tiefer fuhr, „gehört auch der anschwellende Fluss …"

 

Er genoss ihr Aufkeuchen als seine Finger unter den Stoff schlüpften.

 

„ … und sein Durchqueren …"

 

„Ooooooooouuuuuuuuu …"

 

Er hielt augenblicklich inne. „ … es ist in Ordnung …", raunte er und verschloss ihren Mund mit seinen Lippen. Mit einem unabsichtlichen Stöhnen, drang er voran.

 

„Aaaaaaaaaaaaaah … uuuuuuuuuuuuu …"

 

Severus Snape lächelte diabolisch. Er hatte noch NIE den ersten Weg gezeigt. Doch es war einfach für ihn ihr diesen Schritt angenehm zu machen, so bereit wie sie war, ganz ohne Hindernisse - dank ihrer beider Traum.

 

ENDE

 

 

 

 

Final Settings - wichtige Schlussnotizen

 

Während für Severus Snape und Katrina Trelawny die Welt still stand, überlegten natürlich an anderen Stellen Beteiligte, Unbeteiligte und Zuschauer welches Chaos da im St. Mungo Hospital vorgefallen war.

 

Allen voran Albus Dumbledore, denn er erhielt merkwürdigen Besuch von Matrinniau Mater. Die füllige Medihexe erklärte dem erst überraschten Schulleiter durchs Kaminfeuer, dass sein Zaubertränkemeister im St. Mungo Hospital wäre.

 

Albus verstand ihren aufgeregten Ton nicht, denn schließlich hatte ER SELBST Severus in die Heilanstalt geschickt, damit er dort mit seiner großen Liebe Sybill Trelawny sprach. In „Den drei Besen" hatte er dem am Boden zerstörten Freund schließlich das Geheimnis seiner Liebe entreißen können.

 

Nun, sicher war es ein Problem für den unbeherrschten Zaubertränkemeister, dass Sybill eine Tochter hatte. Severus konnte es eben nicht ertragen, an nur zweiter Stelle zu stehen - schon gar nicht bei seiner Traumfrau. Die Wahrsagehexe verbrachte nämlich nicht nur jeden Mittwoch in St. Mungos, um bei ihrem einzigen Kind zu wachen.

 

Es war mehr als unwahrscheinlich, dass Katrina Trelawny noch einmal aufwachte. Von den 28 Jahren ihres Lebens hatte sie nun schon 12 in einem todesähnlichen Koma verbracht. Welch Tragik! Ausgerechnet durch ihre Mutter war Katrina in diesen Zustand geraten.

 

Sybill Trelawny hatte sich schon immer für die hohe Kunst der Zaubertrankbrauerei interessiert. Kurz nach der Geburt ihrer Tochter errichtete Sybill ein Laboratorium im Keller ihres Hauses bei Hogsmeade. Das war nicht schlimm, noch nicht. Bis sie sich ca. 2 Jahre vor dem Unfall an besonders gefährliche und hoch explosive Mischungen heran traute.

 

Ein Mal nur hatte Sybill vergessen das Laboratorium in der magisch vergrößerten Besenkammer mit dem Nichtöffnungsfluch zu belegen. Ein Mal nur. Aber so wie man von einem einzigen Mal schwanger werden … öhem … nein das war ein schlechter Vergleich und dem Ernst unangemessen.

 

Dummer Weise erinnerte Albus dies an seine erste Frau, die er nur wegen des zu erwartenden Babys geheiratet hatte. Aber das war eine gänzlich andere Geschichte.

 

Er zwang seine Gedanken zurück zu Sybills und Constantinus Tochter. Nun wie Teenager so waren … Katrina hatte sich ins Laboratorium geschlichen, um einen „Frettchenzerstörungsschluck" zu brauen. Nicht einmal Severus Snape hätte sich an einen derartig gefährlichen Trank gewagt und sein Zaubertränkemeister war DER BESTE!

 

Es kam, wie es kommen musste. Katrina hatte den Trank und damit ihr weiteres Leben verdorben. Ein Wunder war, dass man sie überhaupt in einem Stück aus dem völlig zerstörten Raum bergen konnte. Dumbledore hatte das Labor mit eigenen Augen GESEHEN - nun, auf jeden Fall was noch davon übrig war.

 

Katrina Trelawny hatte eine Narbe über dem rechten Auge zurückbehalten, verloren hatte sie ihr Bewusstsein und damit den Kontakt zur Außenwelt. Jegliche Versuche einer Heilung waren fehlgeschlagen.

 

Sybill gab sich immer wieder die Schuld an diesem Unglück. Sie begann immer mehr in ihrer eigenen kleinen Welt zu versinken. Ihre Ehe mit Katrinas Vater Constantinus zerbrach. Sybill selbst veränderte sich zu ihrem Nachteil, legte nur noch Tarotkarten, blickte in Teetassen und Kristallkugeln, bis sie ganz besessen davon wurde.

 

Aus Mitleid hatte Albus ihr den Job in Wahrsagen angeboten. Nun Sybill kam auch gerade zur richtigen Zeit. Ihre Vorgängerin war nämlich verrückt geworden und lebte jetzt zusammen mit Gilderoy Lockhart in der geschlossenen Abteilung von St. Mungos ein fröhliches Dasein.

 

Dieser Fakt ließ Albus wieder zum Hospital zurückkehren. In seinem Kaminfeuer wartete immer noch Matrinniau Mater. Entsetzt erfuhr er, dass Severus Snape aufgrund ungünstiger Umstände in einen komatösen Schlaf gefallen war.

 

Genauere Angaben könne sie jetzt noch nicht machen, bevor nicht die Beteiligten vernommen und der gesamte Sachverhalt geklärt worden war.

 

Stellte dies für den alten Dumbledore einen nicht gelinden Schock dar, so nahmen am nächsten Tage doch unzählige Neugierige Anteil an der gesamten Geschichte.

 

Die Schmierfinkin Rita Kimmkorn trat nämlich FAST ALLES in ihrem Geschreibsel breit.

 

Mit „Irre aus Hogwarts" ihrem bösartigen Artikel erntete sie viel Beifall im Dschungel der Regenbogenpresse.

 

In einem Eifersuchtsdrama ohne Gleichen, schrieb sie, sei der von allen hoch geschätzte, mehrfach dekorierte Zaubertränkemeister Severus Snape übel zu Schaden gekommen. Jeder würde weinen über den düsteren Schlaf des Verunfallten, besonders seine Schüler.

 

Sybill Trelawny ganz allein hatte der Samariter Snape sein überaus bemitleidenswertes Schicksal zu verdanken.

In ihrem Wahn hatte sie in St. Mungos verbreitet, sie und der nun elendiglich Dahinsiechende Severus Snape wären lange schon Lebensabschnittsgefährten. Nicht nur die leichtgläubigen Heiler waren auf diesen Schwindel hereingefallen, sondern auch Constantinus Trelawny. Dieser bedauernswerte Mann hatte den tapferen Zauberer Severus Snape zu einem Duell gefordert. Einsatz war, die von Constantinus immer noch heiß geliebte Sybill Trelawny.

 

Was für eine intrigante und überaus nichtswürdige Hexe muss man sein, wenn man zwei Männer so gegeneinander ausspielt?

 

Dies war Kimmkorns finale Frage gewesen. Kein Basilisk zischelte nach den eigentlichen Hintergründen.

 

Nun, Sybill Trelawny hatte tatsächlich den Heilern und Constantinus bekannt gegeben, Snape und sie seien ein Paar. Sie hatte behauptet der Zaubertränkemeister käme nie an Katrinas Krankenbett, weil er für ihre Heilung forschte. Sie hatte sich dermaßen in ein strahlendes Lügenleben verrannt, dass sie sich sogar einredete Severus Snape zu lieben.

 

Doch dem war nicht so. Wenn Sybill in stillen Momenten vorbehaltlos ehrlich war und tief in sich hineinhorchte, musste sie zugeben, dass sie nur Snapes unglaubliches Wissen der Zaubertrankbrauerei verehrte. Sich an ihn zu klammern, war nur ein verzweifelter Versuch gewesen die Gefühle für Constantinus abzuschalten. Sie hatte nie aufgehört ihren Tanti zu lieben. Doch sie hatte seine Präsenz einfach nicht ertragen können. Sein Gesicht, sein Gang, sein Wesen, erinnerten sie in jeder Sekunde schmerzhaft an Katrina.

 

Ebenso unerwähnt blieb in Kimmkorns Artikel ein weiterer Fakt. Er hätte sich in dem Schmähartikel wahrlich nicht schön ausgenommen.

 

Constantinus Trelawny hatte nämlich sofort nachdem er Snape niedergeschlagen hatte, Sybill kleinmütig seine Liebe gestanden. Reumütig gab er zu, aus Eifersucht ausgerastet zu sein. Schließlich meinte er, Snape würde seine Katrina lieben und trotzdem mit Sybill zusammen leben. Dies hatte blöderweise im Nachhinein dazu geführt, dass Sybill und Constantinus es noch einmal hoch offiziell miteinander versuchen wollten. Rita Kimmkorn hätte den beiden den Hals am Liebsten einzeln umgedreht.

 

Genauso unvorteilhaft war natürlich Sybills Bußfertigkeit. Sie schalt sich nicht wenig über ihre leichtsinnigen Notlügen und entschuldigte sich formvollendet mehrmals bei dem bewusstlosen Zaubertränkemeister. Solche Wahrheiten KONNTE die Schmierfinkin NICHT schreiben!

 

Da Snape Sybill und auch den ebenfalls wortreich Abbitten murmelnden Constantinus nicht hören konnte, überlegten sich die beiden Neuvermählten mit Hilfe von Dumbledore eine bessere Wiedergutmachung.

 

Sie veranlassten Severus Snape und Katrina in ein gemeinsames Zimmer zu verlegen. Dort sollten sie nun wenigstens symbolisch beieinander sein können, zum Seelenfrieden aller Beteiligten.

 

Wenn Albus, Sybill und Constantinus bisweilen vor den Betten der Bewusstlosen standen, sahen sie ab und an ein Lächeln über die sonst ruhigen Gesichter gleiten.

 

„Es schaut fast aus, als träumten sie", sagten sie in diesen Augenblicken. Nur wussten sie eben nicht, wie nah sie der Wahrheit damit kamen.

 

 

SCHLUSS - SCHLUSS - SCHLUSS