DER GEFALLENE ENGEL

    von Severina


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Kapitel 32 - 34 und Epilog



32

32.

 

 

An diesem Morgen frühstückte Angelina allein in ihrem Zimmer und war dankbar dafür. Jetzt Voldemort gegenüber sitzen zu müssen wäre über ihre Kraft gegangen.

Geräuschvoll öffnete sich die Tür und der Mann, den sie letzte Nacht für seinen Zynismus am liebsten umgebracht hätte, stand mit eiskaltem Blick im Türrahmen.

„Schon aufgeregt vor dem großen Ereignis?", zischte er leise und trat ins Zimmer.

„Immer noch besser, als dich weiter jede Nacht ertragen zu müssen. Man kann schlecht abschätzen, welches Übel größer ist, Voldemort oder du!", spie sie dem Mann entgegen, ihre Angst in Zynismus und Boshaftigkeit verpackt.

Malfoy stand nun hinter der sitzenden Frau und packte sie hart an den Schultern.

„Eine winzige Änderung wird es heute Abend bei der Zeremonie noch geben, meine Liebe.", murmelte Lucius ihr ins Ohr.

„Hast du schon einmal einen Blick in den hübsch verpackten Karton getan?"

Er deutete auf ein größeres goldverpacktes Geschenk auf ihrem Bett.

Angelina schüttelte den Kopf. „Interessiert mich nicht."

Mit Hilfe seines Zauberstabes öffnete sich das Päckchen und Malfoy ließ den Inhalt hervorschweben.

Ein wundervolles weißes Kleid mit passendem Umhang hing grazil in der Luft und Malfoy wartete auf eine Reaktion.

Doch Angelina fehlten die Worte. Sollte es das sein, was sie befürchtete?

„Nun, begeistert scheinst du nicht zu sein. Ich kann es noch umtauschen lassen, falls ich deinen Geschmack nicht getroffen habe."

„Bemüh dich nicht, Malfoy. Was soll überhaupt der ganze Aufwand, nur damit ich das Dunkle Mal eingebrannt bekomme?", gab Angelina herablassend zur Antwort.

Lucius Malfoy sah sie grinsend an und jedes einzelne Wort betonend, sprach er:

„Diese Nacht wird nicht nur deine Aufnahme in unsere Reihen gefeiert, nein, es wird auch gleichzeitig des Meisters und deine Vermählung sein."

Totenstille, dann ein schrilles hysterisches Lachen, das sich bis in ein infernalisches Schreien steigerte. Angelina konnte nicht aufhören, es war wie ein innerer Krampf und fast bekam sie keine Luft mehr. Kurz vor einer Ohnmacht ohrfeigte Lucius Malfoy sie und schüttelte sie unsanft.

„Reiß dich zusammen und trenn dich endlich von deinen Wünschen die Severus heißen. Für euch gibt es keine gemeinsame Zukunft. Heute Nacht beginnt dein neues Leben, ein Leben an der Seite des Dunklen Lord. Einmal wirst du dankbar sein für diese Wendung deines Schicksals.", und wieder erkannte Angelina diesen fanatischen Glanz in seinen Augen. Wie konnte sie jemals glauben, Lucius Malfoy würde ihr helfen, er, der Voldemort vergötterte, als wäre es sein eigener Vater.

Während Angelina langsam wieder zu Atem kam, schlug die Tür zu und sie war wieder allein. Allein mit ihren Ängsten und ihrer Panik, allein mit ihrer Hoffnungslosigkeit und Trauer und doch vertraute sie auf die Zeit und auf Severus.

 

Es konnte einfach nicht alles vorbei sein. Gedankenverloren dachte sie zurück an die Zeit, als sie in Hogwarts „ankam", ihr steiniger Weg bis zum Herzen von Prof. Severus Snape, ihre neue Heimat Hogwarts, die Lehrer, die Schüler. Das alles sollte keine Zukunft mehr haben?

Da regte sich in Angelina der Lebenswille und es stand fest, sie würde sich nicht so einfach verschachern lassen, auch nicht an Voldemort.

Ab diesem Moment verwendete Angelina jeden Gedanken daran, wie sie heute Nacht der drohenden Hölle entgehen konnte.

 

Dumbledore sprach noch einmal mit jedem Einzelnen den Plan für diese Nacht durch und als es nichts mehr zu sagen gab, wartete man schweigend und angespannt auf den Abend.

Da der Treffpunkt für die Einführungszeremonie immer der gleiche war, eine Lichtung außerhalb Hogwarts, machten sich Dumbledore und seine Helfer vom Orden schon einige Zeit vor Mitternacht auf den Weg, während Severus Snape auf Voldemorts Zeichen wartete. Schließlich zeigte ihm der Schmerz seines Dunklen Males, dass es auch für ihn Zeit wurde.

 

Die kleine Lichtung, tief im Wald wurde träge vom Mondlicht beschienen. Der Kreis der Todesser bildete sich um einen riesigen Findling auf dem Waldboden, der den Eindruck eines Opferaltars erweckte.

Und als solcher war er sicherlich auch gedacht.

Die Reihen der Todesser schlossen sich, der Kreis war vollzählig und Voldemort trat in ihre Mitte.

„Meine treuen Anhänger,", begann der Dunkle Lord mit lauter Stimme, sodass manch einer erschreckt zusammenfuhr über die Stimmgewalt ihres Meisters, „heute Nacht beginnt eine neue Ära meines Triumphes, erwartet die Welt eine neue Dimension meiner Schreckensherrschaft. Nun, da endlich Körper und Geist von mir eins sind, meine Kraft zurückgekehrt ist und die Welt meine Stimme wieder vernehmen kann, ist es an der Zeit, neue Wege einzuschlagen."

Voldemorts Worte wogten über die Lichtung und bedeckten jeden einzelnen Todesser. Gebannt lauschten sie den Plänen des Meisters, mit Stolz und Freude im Herzen, teil dieser Verbindung zu sein.

„Ich habe heute für euch alle, meine treuen Helfer und Diener, eine Überraschung. Malfoy, bitte.", gebot Voldemort und an der Stelle, wo die Bäume am dichtesten standen, teilte sich der Kreis.

Herein trat Lucius Malfoy, am Arm die Frau, die alle vor einer Woche bereits in ihrer Mitte gesehen hatten - Angelina, eine „Hands only", eine hochbegabte Handmagierin, welche ihre Fähigkeiten von heute an in Voldemorts Dienste stellen würde.

Jedoch warum so feierlich und wieso diese Festrobe der Frau, schoss es vielen durch den Kopf.

Malfoy führte Angelina an die Seite Voldemorts und übergab sie in seine Hand.

Reglos, mit versteinerter Miene, stand die junge Frau neben dem Dunklen Lord und starrte auf den Stein.

Ein einziger Todesser spürte den Kampf, der in der Frau tobte - Severus Snape, der seine Emotionen unter Kontrolle halten musste, damit Voldemort nichts spürte.

„Nun meine treuen Gefolgsleute, werde ich das Geheimnis lüften. Angelina wird nicht nur in die Reihen meiner Todesser aufgenommen, sondern wird sich hier und jetzt mit mir vermählen. Mit Hilfe unserer Nachkommen werden wir die Weltherrschaft an uns reißen und stark werden wie nie."

Bei diesen Worten trat ein Todesser aus der Reihe in den Kreis hinein, strich seine schwarze Kapuze herunter und rief laut und vernehmlich:

„Nein. Ich bin gegen diese Verbindung. Diese Frau gehört zu mir."

„Mein guter Severus, zerstöre nicht meine Feierlaune. Du hattest vor einer Woche die Möglichkeit, von Angelina Abschied zu nehmen. Reihe dich wieder in den Kreis ein."

Severus Snape hatte eine Erwiderung auf den Lippen, als ihn Angelinas Blick traf. Eine stumme Bitte lag darin, `Geh zurück `, wollte sie ihm sagen.

Zwei dunkle Gestalten lösten sich aus dem Kreis und holten Severus zurück in ihre Reihe.

Die Mission zur Befreiung Angelinas stand auf dem Spiel und so trat Snape wieder an seinen Platz.

Die Todesser packten sich gegenseitig an den Ärmeln ihres Umhanges und schlossen somit einen magischen Bannkreis um Voldemort und Angelina.

Mit einem schaurigen dunklen Singsang begannen sie sich im Takt zu wiegen.

Voldemort nahm Angelinas Hände und um sie beide begann sich ein leuchtender gelber Kreis zu bilden, wie Wände kroch das Licht nach oben und schloss die beiden Gestalten ein. Jeden Moment konnte es zu spät sein, würde das Licht eine Kuppel über beide bilden und Angelina und Voldemort verbinden.

Der schreckliche Gesang steigerte sich ins Unerträgliche.

Ein lauter Knall scholl aus dem Wald, das Zeichen, und Severus Snape durchtrennte den Bannkreis, indem er sich los riss und nach vorn stürmte.

Von allen Seiten stießen Gestalten aus dem Wald, brachen durch die Reihen der überrollten Todesser und ein unbeschreiblicher Tumult brach los.

Mit dem Trennen des Bannkreises fiel auch das Licht um Voldemort und Angelina in sich zusammen, ehe die Zeremonie der Vermählung abgeschlossen war. Voldemort tobte und schrie:

„Tötet sie!!"

Mit wutverzerrtem Gesicht musste er mit ansehen, wie einige seiner Anhänger tot zu Boden stürzten. Er selbst konnte nicht kämpfen mit Angelina an seiner Seite, er musste sie schützen. Sie war seine Zukunft, seine neue Macht.

Überall wälzten sich Todesser und Ordensmitglieder im Staub und Voldemort rannte mit Angelina am Arm auf die dichten Bäume zu. Die junge Frau zog und zerrte.

„Lass mich los.", schrie sie in Panik.

„Du gehörst mir Angelina, hörst du.", brüllte Voldemort die sich heftig wehrende Frau an.

„Niemals werde ich deine Frau und diene dir bei deinen Schändlichkeiten gegen die Menschheit. Nie!!!"

Ein Fluch traf Voldemorts Arm und kurz löste er vor Schmerz den Griff um die junge Frau.

 

„Angelina, hier her.", schrie Severus und Angelina rannte panisch auf ihren Verlobten zu.

Ein lautes Aufheulen folgte ihr:

„Verräterin, dann stirb...........AVADA KEDAVRA."

Das grüne Licht schoss durch die Nacht und traf die junge Frau noch im Laufen von hinten.

Lautlos stürzte sie nach vorn, bereits tot, als Severus Snapes Arme sie auffingen.

Er ging mit ihr zu Boden und ein schmerzvoller, durchdringender Schrei hallte über die Lichtung: „Neeiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiin."

Dann war es totenstill, kein Kampfgetümmel, kein Schreien, kein Fluchen, nichts. Nur Stille.

Voldemort war verschwunden, die restlichen Todesser suchten das Weite und die Ordensmitglieder um Dumbledore rappelten sich auf und bildeten einen Kreis um die beiden Gestalten am Boden.

Severus kniete im Staub und hielt seine geliebte Angelina in den Armen. Sanft wiegte er sie hin und her, Tränen liefen ihm unkontrolliert über die schmutzigen Wangen und hinterließen Spuren.

Dumbledore strich ihm sacht über den Kopf und Severus blickte nach oben.

„Sie ist tot, Albus. Sie ist tot.", murmelte er tonlos.

Albus Dumbledore nickte traurig und alle anderen weinten oder schauten betreten und ergriffen zu Boden.

„Severus, komm. Bring Angelina nach Hause.", flüsterte Dumbledore.

„Bring sie nach Hogwarts."

 

 

33.

 

 

Trauer und Entsetzen lag über Hogwarts, die große Halle war eingehüllt in Trauerflor und auf dem höchsten Turm wehte eine schwarze Flagge auf Halbmast.

Keiner konnte die Sinnlosigkeit dieser Tat begreifen und Schmerz hielt die Herzen gefangen.

Während der Mahlzeiten führte man nur leise geflüsterte Gespräche und auch durch die Gänge zog, nicht wie sonst lustiges Geschnatter, sondern tiefes Schweigen.

Lehrer und Schüler sahen sich außerstande, Unterricht abzuhalten und saßen oft nur voll Trauer in Angelinas Unterrichtsräumen, bis Prof. Dumbledore sie schließlich magisch versiegelte.

 

Im Lehrerzimmer besprach man die Beisetzung Angelinas. Sie sollte in Hogwarts beerdigt werden, an ihrem Lieblingsplatz unten am See. Dort stand unter einem Mandelbaum eine einsame Bank, auf der Angelina oft stundenlang gesessen hatte und auf den See blickte.

Dort war ihr Lieblingsplatz mit Severus, Nachts im Mondlicht und dort sollte sie ihre letzte Ruhe finden.

Madam Pomfrey lehnte am Fenster und ließ ihren Blick über das Gelände von Hogwarts schweifen.

„Dieser verdammte Mörder,", flüsterte die Medihexe tonlos, „ dieser verdammte widerliche Mörder. Er schreckt noch nicht einmal vor ungeborenem Leben zurück."

„Poppy!!", entsetzt fuhr Dumbledore die Medihexe an. „Willst du damit sagen.....?"

„Ja.", weinte sie. „Angelina erwartete ein Kind. Sie war deswegen erst vor ein paar Tagen bei mir. Und sie war so glücklich. `Severus wird es gar nicht fassen können.`,

meinte sie noch lachend."

Ihr Schluchzen erfüllte den Raum.

Keiner der Anwesenden bemerkte, dass sich lautlos die Tür geöffnet hatte und Prof. Snape wie versteinert im Rahmen stand.

Erst ein gepresstes Stöhnen ließ alle herumfahren und atemlose Stille lastete im Zimmer.

„Ich sollte Vater werden?", wisperte Severus Snape und in seinem Gesicht stand grenzenloses Staunen, gepaart mit dem Schmerz der ganzen Welt.

Ohne Vorankündigung sackte dieser Baum von einem Mann in sich zusammen und fassungslos starrten die Anderen auf den ohnmächtigen Tränkelehrer.

„Armer Mann.", murmelte Albus Dumbledore.

„Was hat er dem Leben getan, dass es ihn so hart straft?"

Madam Pomfrey und Minerva Mc Gonagall klammerten sich in ihrem Schmerz aneinander, der Schulleiter brachte Severus mittels Schwebezauber zum Krankenflügel und versetzte ihn in einen magischen Tiefschlaf.

 

 

Der Platz unter dem Mandelbäumchen glich einem Meer aus weißen Rosen, der Farbe der Unschuld. Unschuldig wurden hier zwei Leben ausgelöscht, brutal beendet, wie man es sich grausamer nicht vorstellen konnte.

Die ganze Schule hatte sich versammelt, um Angelina die letzte Ehre zu erweisen und Abschied zu nehmen. Auch Mr. Fudge vom Ministerium war anwesend, er, der nie so recht glauben wollte, dass Lord Voldemorts Macht stärker wurde, stärker als je zuvor.

Kaum reichte der Platz, um jedem die Sicht auf den blumengeschmückten Sarg zu ermöglichen.

Von vielen Seiten erklang gedämpftes Schluchzen, als nun ein Mann, gebeugt vor Gram, nach vorn trat, um seiner Liebsten den letzten Gruß mit auf die Reise zu geben.

Mit einer Stimme, zerbrochen wie sein Herz, nahm er Abschied von seiner Angelina, seinem Leben.

 

„Nun muss ich der kalten Erde das Liebste anvertrauen, was ich je hatte.

Meine geliebte Angelina, du hast nie gefragt wer ich war und wer ich bin, du hast mich einfach akzeptiert, so wie ich war. Hast mir gezeigt, dass auch in meinem Leben wieder die Sonne scheinen kann.

Doch nun ist meine Sonne untergegangen und in meinem Herzen ist Nacht.

Ich kann mich noch genau erinnern, wie ich gehässig gelacht habe, als man dich Angelina getauft hatte ( an dieser Stelle schluchzte Minerva laut auf ).

Doch du bist es wirklich, ein gefallener Engel.

Bist aus meinem Kamin direkt in mein Leben gefallen, es hat zwar lange gebraucht, aber irgendwann war ich dem Schicksal dankbar dafür. Denn so etwas wie du passiert einem nur einmal im Leben.

Und nun bist du wieder gefallen, in der Blüte deines Lebens, mit neuem Leben in dir, durch die Hand eines Mörders. Wurdest gefällt wie ein junger Baum, geknickt aus purer Bosheit.

Nie wieder wird dein Lachen mein Herz erreichen, deine Augen mich strahlend ansehen und deine warme Hand mich berühren.

Lebe wohl mein Engel, wir sehen uns irgendwann wieder."

 

Stumm verneigte sich Severus Snape vor dem Sarg und legte eine einzelne rote Rose auf ihn. In all den weißen Rosen wirkte sie wie ein Tropfen Blut - Herzblut.

Mit gesenktem Haupt stand er am Grab und nahm mit versteinerter Miene die Beileidsbekundungen entgegen.

Kein Auge blieb trocken, als der weiße blumengeschmückte Sarg mit einem Schwebezauber langsam in die kalte harte Erde gelassen wurde und Hagrids Flöte das Lied der schottischen Berge weinte.

In diesem Augenblick verlor der Mandelbaum all seine Blätter.

 

 

34.

 

 

Und wieder war es Weihnachten in Hogwarts.

Alles erstrahlte festlich geschmückt und die Glocken tönten lieblich durch das Schloss.

Der Alltag hatte Einzug gehalten und alles ging weiter, musste weiter gehen.

Nur ein Mensch lebte in seiner eigenen Welt - in der Vergangenheit - Prof. Severus Snape.

Es war wie früher - strenger Unterricht mit eiskalter Miene, die Mahlzeiten zügig eingenommen und dann vergrub sich der Mann in seinen Räumlichkeiten.

Er lebte ein Leben in Einsamkeit, so wie früher.

Jeden Tag sah man ihn auf der Bank am See sitzen und mit Angelina reden.

Die Grabplatte aus Marmor glich noch immer einem Blumenmeer und jeden Tag zierte eine frische rote Rose das Grab.

Bewacht wurde es von einem kleinen Steinengel, der die Gesichtszüge von Angelina trug.

 

Auf Snapes eindringlichen Wunsch musste Dobby seine Räumlichkeiten genauso herrichten wie letztes Weihnachten.

Und so streiften die schwarzen Augen wieder über den weihnachtlichen Glanz aus Rot und Gold, tastete er den festlich geschmückten Weihnachtsbaum ab, auf dessen Spitze einsam ein magischer Stern sein Licht versprühte. Und am Kamin hing die Tannengirlande mit den roten Schleifen, sogar der kleine Socken fand sich noch versteckt in der Ecke.

Gedankenverloren stand Severus Snape am Kamin und blickte gebannt auf das große Bild, welches in der Mitte des Kaminsims aufgestellt war. Es zeigte seine Angelina, wie sie lachte, ihm zuwinkte und ihm Küsschen sandte.

Schwer atmend ließ sich Prof Snape in den Sessel am Kamin fallen und starrte in die Feuerstelle, die noch nicht wieder brannte. Es schien, als warte er darauf, seine Angelina könnte noch einmal aus seinem Kamin fallen, mitten hinein in seine Arme.

In seine Augen glitzerten Tränen.

Ein Klopfen an der Tür ließ ihn aufhorchen.

„Ja.", kam es knapp.

„Ich bin es, Prof. Snape, Sir. Dobby."

„Komm rein,", murmelte Snape.

Und Dobby trat ein, mit einem kleinen Tablett, auf dem eine dampfende Tasse Punsch stand.

„Dobby bringt den gewünschten Weihnachtspunsch, Professor, Sir. Wenn Dobby sich eine Bemerkung erlauben darf, Sir, es ist hier drin ziemlich kalt. Der Professor werden noch krank werden, Sir."

„Der Punsch wird mich schon wärmen, Dobby. Danke. Und auch Danke, dass du alles wieder so gut hergerichtet hast."

Der Hauself glaubte seinen Ohren nicht zu trauen. Soviel Dank war er gar nicht gewohnt.

„Dobby wünscht eine gute Nacht, Prof. Snape, Sir.", murmelte der Hauself und mit einem tief traurigen Blick und hängenden Ohren schlich er aus dem Zimmer, denn er spürte genau den Schmerz tief im Inneren des Mannes.

 

Prof. Snape trat, genau wie vor einem Jahr, an sein Fenster, öffnete es weit und ließ kühle klare Winterluft ins Zimmer strömen.

Der Punsch in seinem Becher schien zu kochen und mit einem verträumten Blick über das verschneite Hogwarts, über das sich langsam die Dämmerung legte, trank er das wärmende Weihnachtswundermittel leer.

Wie schön war doch Hogwarts, schoss es ihm durch den Sinn und betrachtete die vielen erleuchteten Fenster. Wie sehr hatte Angelina dieses Schloss geliebt.

„Angelina, mein Engel. Wir sehen uns wieder, bald.", flüsterte Severus in die Dämmerung.

Dann griff seine Hand in den Umhang und brachte eine kleine Phiole zum Vorschein, gefüllt mit einer tiefroten Flüssigkeit.

Vorsichtig entstöpselte er die Phiole, setzte sie ohne das leiseste Zittern an die Lippen und leerte sie in einem Zug.

„Mein geliebtes Engelchen, bald bin ich bei dir.", murmelte Severus Snape, ehe er die sengende Glut und die Finsternis in sich aufsteigen spürte.

Sein Atem ging ruhig und sein Herzschlag verlangsamte sich zusehens.

Noch im Sterben glitten seine Blicke über den glitzernden Schnee und seine brechenden Augen erblickten noch einmal Hogwarts.

 

Einsam, wie fast sein ganzes Leben war, so war auch sein Tod. Doch er trug ein Lächeln im Gesicht, ein Lächeln in Vorfreude auf eine andere Welt.

 

 

Epilog

 

 

Jahre waren ins Land gegangen seid dem Tod von Angelina und Prof. Severus Snape.

Die meisten Schüler, die sie kannten, hatten die Schule bereits verlassen, doch noch immer lagen Blumen auf ihren Gräbern.

Nun bewachte der kleine steinerne Engel zwei, denn Dumbledore ließ Severus Seite an Seite mit seiner Angelina beisetzen.

Längst unterrichtete ein neuer Lehrer das Fach „Zaubertränke", doch die Räumlichkeiten, welche für den jeweiligen Tränkelehrer bestimmt waren, wurden versiegelt.

Niemand wohnte seit der Zeit mehr in den ehemaligen Räumen Prof. Snapes.

 

Der Hauself Dobby hütete diese Räume wie seinen Augapfel, ließ niemanden in die Nähe und war jede Nacht dort, um nach dem Rechten zu sehen.

Manchmal Nachts brannte ein wärmendes Feuer im Kamin des Wohnzimmers und zwei Gestalten, nicht mehr als ein Hauch, standen Hände haltend davor und blickten sich glücklich und verliebt an.

Der große stolze Mann mit dem schwarzen langen Haar und dem wehenden schwarzen Umhang und die Frau in ihrer schimmernden Robe schmiegten sich fest aneinander, bis die ersten Strahlen der Morgensonne sie ins Nichts verbannten.

Große Tränen liefen dem Hauselfen aus seinen untertassengroßen Augen, er weinte um die Beiden.

 

Severus und Angelina - im Tod endlich glücklich und vereint.

 

 

 

Ende

 

 

 

So meine Lieben, das war nun meine erste Geschichte von unserem Severus und Angelina.

Habt ihr auch so geweint, wie ich beim Schreiben?

Wenn sie euch gefallen hat, dann mailt mal kurz was rüber, es kam leider bis jetzt nur ein einziges Feedback (Danke Mim).

Will mal wissen, ob ich weitermachen soll oder nicht.

Schon mal Danke im Voraus.