DER GEFALLENE ENGEL
von Severina
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Kapitel 26 - 31
26.
Entsetzt und völlig schockiert gewahrte Angelina,
was soeben passiert war. Severus war ohne große Vorbereitung in ihre Gedanken
eingedrungen und genau auf die Erinnerung gestoßen, die sie am liebsten für
immer aus ihrem Gedächtnis gelöscht hätte. Die Erinnerung, von der Severus nie
etwas erfahren sollte, ihre Vergewaltigung durch Lucius Malfoy.
Sie selbst hatte diese demütigende Schmach in den
letzten Minuten noch einmal durchlitten und wusste, dass auch Severus alles wie
in einem Film mit angesehen hatte.
Noch benommen blickte sie hilflos in das Gesicht,
welches mit undurchsichtiger Miene noch über ihr schwebte. Die schwarzen Augen
glichen schmalen, vor Wut verzerrten Schlitzen und sie hörte seinen schweren
Atem.
Immer noch hielt Severus ihre Hände fest umklammert
und so spürte Angelina ein leichtes Zittern.
Sie fand keine passenden Worte, um diese lastende
Stille zu durchbrechen und schloss daher einfach ihre Augen. Sie konnte den
Schmerz, der sich allmählich in Prof. Snapes Gesicht abzeichnete, nicht
ertragen.
Und Angst schnürte ihr die Kehle zu. Würde sie
Severus noch einmal verlieren, dieses Mal für immer?
Würde er und damit auch ihre Liebe an dieser
Wahrheit zerbrechen?
Ein Schluchzen schüttelte ihren Körper und rüttelte
Severus Snape aus seiner Erstarrung. Er packte Angelina, riss sie an sich und
nahm sie fest in seine Arme.
Fassungslos stammelte er:
„Angelina, was habe ich dir angetan? Es ist meine
Schuld, allein meine, das es passiert ist. Mein verdammter Stolz..."
„Severus, bitte......", flehte Angelina und Tränen
liefen heiß über ihre Wangen.
„Ich werde ihn verfluchen, ich bringe ihn um und
wenn es das Letzte ist was ich tue. Dieser verdammte hinterhältige und
arrogante...............................", sprudelten die Worte zornig aus
Prof. Snapes Mund. Erschrocken hielt Angelina ihm die Hand auf seine Lippen.
„Versündige dich nicht, das ist er nicht wert.
Lass uns zu Dumbledore gehen."
Widerwillig erhob sich Severus und begann sich
anzukleiden, Angelina tat es ihm gleich. Ohne noch lange zu zögern, eilten
beide zu Dumbledores Büro.
Es schien, als hätte Albus Dumbledore seine
morgendlichen Besucher bereits erwartet und ehe die schwere Eichentür sich
hinter Severus Snape schloss, trat auch Prof. Mc Gonagall etwas außer Atem ein.
Der Schulleiter warf einen kurzen Blick in Angelinas
und Prof. Snapes Gesicht und nickte.
„Wie ich sehe, ist eingetroffen, was ich befürchtet
hatte. Durch den Okklumentikunterricht bist du, Severus, auf etwas gestoßen,
das Angelina nie bereit gewesen wäre, dir zu offenbaren. Ich weiß, es war ein
schmerzvoller Schock, jedoch sollten wir eines auf keinen Fall, die Zeit mit
Schuldzuweisungen vergeuden. Es war eine Verkettung unglücklicher Umstände,
eingeschlossen meiner, zu diesem Zeitpunkt ungünstigen, Abwesenheit. Doch glaube
mir Severus, wenn nicht an diesem Abend, aber irgendwo und irgendwann wäre es
sowieso geschehen, du weißt doch am besten, was Malfoy vorhat, das setzt er
auch durch."
Bereits ein paar Mal zwischendurch wollte Prof.
Snape das Wort ergreifen, hielt sich jedoch krampfhaft zurück.
Doch nun stieß Severus zornig hervor:
„Mir wird niemand die Schuld nehmen können. Hätte
mich meine verletzte Eitelkeit und mein Hochmut nicht dazu gebracht, Angelina
abzuweisen, hätte Malfoy keine Chance gehabt. Und später waren Angelinas
Fähigkeiten aktiviert, mit denen sie sich erfolgreich gegen Malfoy hätte wehren
können."
„Malfoy war der Auslöser," , murmelte Albus leise,
„seine Tat hat ihre Fähigkeiten aktiviert. Diese Demütigungen und der Schmerz
müssen die Barriere durchbrochen haben. Vielleicht wäre sie sonst jetzt immer
noch nur einfach ein Muggel."
In Severus Snapes Gesicht spiegelten sich Wut und
Verzweiflung wider.
„Malfoy darf nie erfahren, dass Angelina kein Muggel
ist.", klang Prof. Snapes Stimme hektisch durch den Raum.
„Wir müssen sofort...!"
„Severus, beruhige dich.", sprach Albus Dumbledore
auf ihn ein. „Wir dürfen jetzt nicht in Panik verfallen. Malfoy weiß längst
über Angelina Bescheid. Bereits seit jener Nacht, als das Unfassbare geschah.
Hast du dich nicht gefragt, warum Lucius Malfoy deine Verlobte nicht gleich
nach der Vergewaltigung umgebracht hat? So wie er es immer tat, Muggel quälen
und dann töten ist sein Motto. Nein, er hat genau bemerkt, was geschehen
war und konnte schnell eins und eins
zusammenzählen. Und hast du dich nie gefragt, warum Lord Voldemort dich nicht
gestraft hat für dein Vergehen, dass du dich mit einem Muggel verlobt hast? Ein
Todesser aus seinen Reihen und ein Muggel, das hätte Voldemort nie zugelassen.
Er weiß genauestens Bescheid dank seines schleimigen Dieners Lucius Malfoy."
Prof. Mc Gonagall war bei der Erwähnung Voldemorts
mehrmals zusammengezuckt, während Angelina verständnislos von einem zum anderen
blickte.
In groben Zügen wusste sie von Prof. Snapes
Todesservergangenheit, seiner Tätigkeit als Spion und die Arbeit im Orden und
sie kannte auch ein wenig über die Vergangenheit Voldemorts. Doch wissen hieß
nicht gleich verstehen und so fehlte ihr gänzlich der Zusammenhang zwischen
ihrer Enttarnung als Handmagierin und Voldemort.
Eindringlich wandte sich Dumbledore noch einmal an
Prof. Snape.
„Severus, unterdrücke deinen Zorn auf Malfoy.
Konzentriere dich jetzt nur auf Angelinas Sicherheit. Lass sie nicht mehr aus
den Augen."
Und mit tiefen Sorgenfalten sah er dem gestern noch
glücklichen Paar hinterher.
27.
An den ersten Tagen lagen Angelinas Nerven am Rande
des Wahnsinns.
Keinen Schritt konnte und durfte sie mehr tun, ohne
dass Prof. Snape dicht an ihrer Seite war, stets den Zauberstab gezückt in der
Hand. Einzig das Bad erlaubte er ihr ohne ihn zu benutzen, jedoch nicht ohne es
vorher genau zu inspizieren und wenn sie die Tür hinter sich schloss, ständig
zu fragen, ob alles in Ordnung wäre.
Doch irgendwann, als alles Betteln und Fluchen,
Bitten und Schimpfen nichts half, ergab sie sich ihrem Schicksal und nahm seine
ständige Anwesenheit als gegeben hin.
Selbst ihrem geliebten Muggelunterricht wohnte nun
ständig ein Lehrer, manchmal sogar Dumbledore persönlich, bei.
Das Getuschel und Gemunkel der Schüler über das
seltsame Gebaren wurde immer lauter und es war zu spüren, dass sie eine
Antwort, eine Erklärung erwarteten. Und so sah sich der Direktor gezwungen,
eines Abend vor dem Essen ein paar Sätze zur Erklärung abzugeben.
Das Angelina leicht beunruhigt wäre wegen diverser
Zwischenfälle, man möge sich an die fliegenden Kochtöpfe zum Beispiel erinnern
und da sich kein Schuldiger fand und Angelina der Zauberei nicht mächtig sei,
erforderten die Umstände die Hilfe versierter Magier.
Man möge doch bitte das Gerede und heimliche
Getuschel einstellen und Angelina nicht noch mehr verunsichern oder ängstigen.
Ob Prof. Dumbledores Worte überzeugend waren konnte
keiner genau sagen, doch seiner Autorität setzte man nichts dagegen.
Was Angelina weitaus mehr belastete, war der
seelische Zustand ihres Verlobten.
Seit dem Vorfall bei der letzten Okklumentikstunde
gab es keinen weiteren Unterricht. Prof. Snape hatte einfach ‚Angst, er könnte
noch einmal auf dieses für Beide so schreckliche Ereignis stoßen und er wollte
auf keinen Fall alte Wunden noch einmal aufreißen. Obwohl sie bei ihm noch
lange nicht verheilt waren.
Im Schlaf quälten ihn die Bilder und immer wieder
sah er Angelina in der Gewalt Malfoys und tagsüber ließen ihn seine
Schuldgefühle kaum atmen.
Warum hatte sie kein Vertrauen und mit ihm darüber
gesprochen? Glaubte Angelina etwa, er würde sie noch einmal im Stich lassen?
So viele ungeklärte Fragen lasteten auf seiner
Seele, doch fehlte ihm der Mut mit ihr darüber zu reden. Es würde sie schmerzen
und wahrscheinlich auch peinlich sein, vielleicht blockte sie auch einfach ab,
weil sie ihm tief in ihrem Herzen doch die Schuld gab.
Das alles und die ständige Angst, Voldemort würde
sich irgendwo Angelinas bemächtigen, machten aus Severus Snape ein
Nervenbündel. Er war kaum noch in der Lage, seine Tränkestunden konzentriert
durchzuführen, bis es passierte, dass natürlich ausgerechnet Neville Longbottom
sein Kerkerklassenzimmer fast in die Luft sprengte, da er statt einer Prise
eine ganze Hand voll der gefährlichen Zutat in seinen Kessel warf.
Von da an lenkte Severus seine Aufmerksamkeit auch
wieder auf sein Leben, auf seinen Unterricht und seine Schüler.
Dankbar atmete Angelina die Luft ihrer neu
gewonnenen Freiräume.
Vorsichtig, doch zitternd vor Verlangen, kuschelte
sich Angelina an den Mann neben sich. Sanft strich sie mit einer Hand über
seine Brust und glitt dann tiefer. Sofort versteifte sich Severus und hielt
ihre Hand fest umklammert. So ging das nun schon seit Wochen, genau seit dem
Tag, als Severus Snape auf das schreckliche Geschehen gestoßen war.
Mit ihrer rechten Hand entzündete die junge Frau
mühelos das Feuer im Kamin, dessen matter Schein das Zimmer in gedämpftes Licht
tauchte.
Ihren Kopf aufgestützt, blickte sie in das
schmerzhaft verzogene Gesicht ihres Geliebten.
Mit leiser Stimme bat sie ihn:
„Lass uns darüber reden, Schatz. Bitte!"
Es vergingen ein paar Atemzüge, doch dann war es,
als hätte man eine Schleuse geöffnet und die Fragen und Ängste sprudelten aus
Prof. Snape nur so heraus.
„Ich komme mit meiner Schuld nicht klar. Und ich
ertrage die Zärtlichkeiten nicht mehr, denn mich quält die Angst, wenn wir uns
vereinen siehst du wieder Malfoy vor dir und was er dir angetan hat. Ich habe
Angst dir meine Liebe und Zärtlichkeit zu geben.."
„Ach Sev - Liebling. Zwischen Malfoys - na du weißt
schon - und deiner Entdeckung lagen Wochen. Ich habe es einigermaßen überwunden
und wir hatten doch auch, ich glaube mich zu erinnern, ein paar ziemlich
heftige Liebesnächte."
Sie grinste anzüglich.
„Bitte glaube mir, Severus, deine Liebe und deine
Zärtlichkeiten sind genau das, was ich jetzt brauche, das allein hält mich
aufrecht und gibt mir Kraft."
„Aber erträgst du es denn auch, ich meine, auch wenn
es mal etwas heftiger wird? Du kennst mein Temperament.", fragte er erstaunt
und errötete leicht. Es fiel ihm etwas schwer, so offen zu reden.
Wieder grinste Angelina ihn an.
„Wenn du es tust, ertrage ich alles.", flüsterte
sie, was dem Mann noch stärker die Röte ins Gesicht schießen ließ.
„Was ich auch nicht verstehe," , fuhr Severus fort,
„ warum ausgerechnet du? War es ein Zufall, dass du ihm an diesem Abend in die
Arme gelaufen bist, oder war sein Besuch bei mir nur ein Vorwand?"
Sanft wie ein Hauch strich Angelina ihm eine Strähne
seinen schwarz schimmernden Haares aus dem Gesicht, ehe sie antwortete:
„Das er an diesem Abend bei dir war, das war ein
Zufall. Es hätte auch irgendein beliebiger anderer Tag sein können. Doch das er
es gerade auf mich abgesehen hatte und.........., das jedenfalls war Berechnung
. Lucius Malfoy und ich waren uns nicht fremd, als wir in deinem Büro
aufeinander trafen."
Leicht irritiert blickte Severus in ihr Gsicht.
„Ihr kanntet euch?"
„Kennen kann man auch nicht sagen. Es war ein
überraschendes Wiedersehen."
Und Angelina erzählte ihm, genau wie vorher schon
Prof. Dumbledore und Minerva, die Geschichte von Malfoy - Manor.
„Er wusste genau wo ich war und als er mich bei dir
vorfand, erwachte wieder der alte Hass auf mich und meine Abweisung. Er wollte
mich verletzen, wollte mich strafen und demütigen und da er dich und deine
Reaktionen genau kannte, brauchte er nur mit offenen Armen auf mich zu warten.
Und sein gut kalkulierter Plan ist genau aufgegangen."
Eine Weile herrschte Schweigen, ehe Prof. Snape ihre
Hand nahm und sprach:
„Ich habe dich nie gefragt, wer du wirklich bist und
woher du kamst. Erzählst du es mir heute?"
Angelina überlegte kurz, nickte dann und meinte:
„Warum nicht, es ist sowieso nicht besonders
interessant. Ich bin in London als Amy Fraser geboren worden und dort
aufgewachsen. Meine Eltern arbeiteten beide für das Institut für
Altertumsforschung und Geschwister habe ich keine. Vor ein paar Jahren kamen
meine Eltern bei einem Busunglück während einer Reise zu einer neuen
Ausgrabungsstätte ums Leben. Von da an war ich allein. Seit zwei Jahren lebte
ich in einem kleinen Ort außerhalb Londons und du wirst es nicht glauben, ich
bin Lehrerin, allerdings für die Kleinen."
Überrascht schaute Severus sie an:
„Du bist Lehrerin? Was unterrichtest du?"
Schmunzelnd antwortete die junge Frau:
„Rechnen und Schreiben für die Schulanfänger. Du
siehst, nichts aufregendes oder magisches."
„Und," , Severus schluckte leicht, „ich meine, nicht
dass es besonders wichtig wäre, aber wie alt bist du überhaupt?"
„Also Prof. Snape," , lachte sie, „ eine Dame fragt
man nicht nach dem Alter. Aber beruhige dich, ich bin 32 Jahre alt. Zufrieden?"
„Na ja, eine zarte Knospe bist du ja nicht mehr.",
scherzte Severus.
Ehe er sich versah, flog ihm ein Kissen mitten ins
Gesicht und Angelina stürzte sich bedrohlich auf ihn.
Es dauerte nicht lange und eine handfeste Rangelei
war im Gange, Kissen flogen durch die Luft und zwei atemlose Gestalten kämpften
um den Sieg.
Endlich erzwang sich Severus Snape die Oberhand,
hielt sie lachend fest und flüsterte heiser:
„Aber du bist eine begehrenswerte Frau in der Blüte
ihrer Jahre und ich bin verrückt nach dir."
„Dass du verrückt bist.....", wollte Angelina
antworten, doch ein heißer leidenschaftlicher Kuss erstickte ihre Worte auf den
Lippen. Wie ein Ertrinkender, der endlich den rettenden Strohhalm in den Händen
hielt, klammerte sich Severus an die junge Frau und ließ seine unterdrückte
Leidenschaft und sein Verlangen explodieren.
Es schien, als müssten Beide Gefühle und Begehren
von Jahrzehnten aufarbeiten und Angelina erlebte eine Nacht, wie wohl noch nie zuvor
in ihrem Leben.
Glücklich, erschöpft und eng aneinander gekuschelt
schliefen sie gegen Morgen ein.
28.
Völlig übermüdet, doch grenzenlos glücklich saßen
Angelina und Severus später beim Frühstück in der großen Halle und mussten so
einige verstehend grinsende Gesichter ertragen. Doch das war den Beiden egal,
sollte doch jeder sehen, wie glücklich sie waren.
Und als wären sie völlig allein in der riesigen
Halle, turtelten sie beim Essen ungeniert miteinander, was Prof. Mc Gonagall zu
einem leicht pikierten Räuspern veranlasste.
„Nur keinen Neid, Minerva.", raunte ihr Severus zu
und grinste sie offen an, was der armen Frau die Röte ins Gesicht trieb
und Albus Dumbledore schmunzeln ließ.
Nach dem Frühstück hing sich Angelina bei Prof.
Snape unter und wollte ihm wie jeden Morgen in die Kerker folgen. Doch er hielt
sie zurück und leitete sie in die Richtung ihrer Räumlichkeiten, was die junge
Frau zu einem fragenden Blick veranlasste.
„Ich bringe dich jetzt wieder zurück und du wirst noch ein paar Stunden schlafen. Deine Blässe und die dunklen Ringe unter den Augen gefallen mir nicht. Ruh dich aus, ich hole dich zum Mittag wieder ab. Meine Zaubertrankstunden kann ich auch alleine abhalten, da kann ich doch endlich mal wieder meine Schüler quälen.", meinte Prof. Snape scherzend.
Angelina hob drohend ihren Zeigefinger und lachte:
„Wage es dir."
Doch dankbar nahm sie die Gelegenheit wahr, sich
noch ein wenig auszuruhen. Sie fühlte sich ständig so müde und ausgelaugt.
„Hol mich bitte erst zum Unterricht nachmittag, das
reicht."
Mit einem zärtlichen Kuss verabschiedete sich
Angelina von Severus und schloss die Tür hinter sich. Bedächtig lauschte sie
den verhallenden Schritten ihres Verlobten und ein leises Glücksgefühl
durchströmte sie bei dem Gedanken an ihn
- Severus, ihr Glück.
Müde wandte sich die junge Frau in Richtung
Schlafzimmer, als ihr Blick auf ein kleines, liebevoll eingewickeltes Päckchen
auf dem Tisch fiel.
Ein Geschenk für sie? Von wem?
Sicherlich von Severus, daher hatte er sie zurück
geschickt, oder?
Neugierig, wie Frauen nun mal sind, öffnete Angelina
vorsichtig das kleine Päckchen. Zum Vorschein kam ein kleiner Handspiegel, wie
gemacht für eine Königin, wunderschön und glänzend in Form einer Rose. Der
Griff, gearbeitet wie ein Blumenstengel, war goldverziert mit kleinen Blättern,
die Blüte umhüllte den Spiegel mit filigranen Blütenblättern.
Umsonst hielt sie Ausschau nach einem Kärtchen,
einem Hinweis, wer sie hier beschenkte. Es konnte nur von Severus sein, ein
Dankeschön für die letzte Nacht?
So nahm sie den Spiegel auf, um ihn näher zu
betrachten, da spürte sie ein schmerzhaftes Ziehen im Bauchnabel und alles
begann sich zu drehen. Ein buntes Farbenspiel zeichnete sich vor ihren Augen ab
und ihr wurde übel.
Mit Erschrecken sah Prof. Snape auf die Uhr und
stellte fest, dass er die Zeit versäumt hatte, Angelina für ihren
nachmittäglichen Unterricht zu wecken.
Hektisch sprang er auf. Da er heute dem Unterricht
beiwohnte, wollte er schnell das Klassenzimmer öffnen und dann zu Angelina
eilen. Vielleicht war sie auch selbst wach geworden und wartete schon im
Klassenraum.
Laute Stimmen hallten draußen über den Gang und es
wurde fordernd, fast hektisch, an seine Bürotür gewummert. Leicht verärgert
riss Severus Snape die Tür auf und war schon im Begriff loszudonnern, als er
doch etwas irritiert auf die Schüler sah, welche den Gang bevölkerten. Alles
schwatzte durcheinander und niemand verstand etwas.
„Ruhe!!", bellte Snape.
Augenblicklich wurde es still und alle blickten auf
ihren Tränkelehrer.
Severus entdeckte Hermine ganz vorn und zeigte auf
sie: „Was ist hier los, Granger? Warum seid ihr nicht in Angelinas Unterricht?"
Die Angesprochene räusperte sich kurz, dann sprach
sie schnell:
„Prof. Snape, wir können nicht hinein, alles ist
verschlossen. Angelina ist noch nie zu spät gekommen, wir können das nicht
verstehen. Und da dachten wir, dass Sie....."
„Ja, ja, ist gut, Miss Granger. Es ist für heute sowieso zu spät, macht euch alle einen
schönen Nachmittag."
Ungläubig schaute alles auf den Mann. Unterrichtsfrei?
Schönen Nachmittag?
Instinktiv spürten die Schüler, dass hier etwas
nicht in Ordnung war.
Aber ehe sich Prof. Snape vielleicht noch anders besann, suchten sie schnell das Weite.
Mit gemischten Gefühlen verschloss Severus seine
Bürotür und hastete seinen Räumlichkeiten entgegen. Schon von weitem zückte er
seinen Zauberstab, rief „Alohomora" und stürmte durch die nun offene Tür. Er
durchsuchte sämtliche Räume, doch von Angelina keine Spur.
Was ihn jedoch am meisten beunruhigte war das
unbenutzte Bett. Was hatte sie getan, nachdem er sie am Morgen zurückließ?
Versuchte sie etwas zu verbergen? Wohin war sie gegangen?
Da fiel sein Blick auf das Stück buntes
Geschenkpapier. Wollte Angelina etwas verpacken?
Als er sich der Tür zuwandte, stieß er fast mit dem
Schulleiter zusammen.
„Was ist mit Angelina, Severus? Ich habe ihre
Schüler ganz aufgeregt in der Eingangshalle getroffen. Sie erzählten mir, heute
ist kein Unterricht?"
Leichte Sorge schwang in Albus Dumbledores Stimme.
„Sie ist weg.", murmelte Severus tonlos.
Kurz und knapp unterrichtete Prof. Snape den
Direktor über seine Ruheverordnung für Angelina am Morgen. Zustimmend nickte
Prof. Dumbledore. „Ja, sie sah ein wenig kränklich aus. Was wirst du jetzt tun,
Severus?"
„Ich werde sie suchen und hoffe auf eure Hilfe."
„Das ist doch selbstverständlich. Ich informiere
gleich die Kollegen.", und schon wandte sich der Direktor um.
„Albus.", rief ihm Snape hinterher und winkte ihn
noch einmal zurück. Sorgenvoll zeigte Severus Snape auf den Tisch, wo noch immer
unschuldig das Stück Geschenkpapier dalag.
„Das Papier fand ich dort, aber ich habe keine
Ahnung, wo es herkommt."
Und er reichte es dem Schulleiter. Niemand sah den
feinen Goldstaub, der lautlos aus dem Papier zu Boden rieselte.
„Es ist benutzt, irgend etwas war darin
eingeschlagen.", stellte Albus Dumbledore fest.
Kopfschüttelnd und ahnungslos schauten sich die
Männer an. Dann verließen sie eiligst den Raum.
In Scharen durchsuchte man ganz Hogwarts, von den
Kerkern bis zum höchsten Turm, bezog sogar die Hausgeister und Elfen in die
Suche mit ein, doch am Abend stand unwiderruflich fest:
„Angelina war nicht mehr in Hogwarts."
29.
Plötzlich war alles vorbei und Angelina sah sich
erstaunt um. Was war geschehen, wo befand sie sich?
Sie sah auf den Spiegel in ihrer Hand und es
dämmerte ihr - ein Portschlüssel.
Doch wohin?
Ihr Blick schweifte durch den halbdunklen Raum und
ein Rascheln ließ sie erschreckt zusammenfahren.
Eine Gestalt kam aus der Dunkelheit auf sie zu, in
einer schwarzen Robe, das Gesicht mit einer Kapuze verdeckt.
Kurz vor ihr blieb die Gestalt stehen und streifte
die Kapuze herunter. Ihre Augen weiteten sich vor Entsetzen.
Vor ihr stand mit kaltem Lächeln niemand anderes
als -
Lucius Malfoy.
„Hab ich dir nicht versprochen, dass wir uns
wiedersehen? Und wie du erkennst, halte ich meine Versprechen."
Langsam und möglichst unauffällig hob Angelina ihre
Hände, ihren Blick fest auf Malfoy heftend. Dieser stand, die Arme verschränkt,
noch immer zynisch lächelnd vor ihr.
Ehe sich Angelina fragen konnte, warum er sie nicht
angriff, schossen aus der Dunkelheit hinter ihr zwei weitere schwarze Gestalten
hervor und rissen ihr die Arme nach hinten. Schmerzhaft verzog die junge Frau
das Gesicht.
„Du siehst, ich habe meine Lektion gelernt. Ein
Angriff reicht mir.", höhnte Malfoy direkt vor ihr.
„Du bist und bleibst ein Miststück, Malfoy.",
schleuderte ihm Angelina hasserfüllt ins Gesicht.
„Na, na, Mädchen," , meinte er onkelhaft, „solch
böse Worte. Dabei will ich dir eine Freude machen, habe eine Überraschung für
dich."
Er sah die Frau mit glänzenden Augen an.
„Willkommen im Haus des Dunklen Lord!"
Angelina sog scharf die Luft ein. Ihr wurde
plötzlich eiskalt und Angst schnürte ihr fast das Herz ab.
Vor ihr schälte sich ein Schatten aus der Finsternis
und rotglühende Augen blickten sie erwartungsvoll an. Eine leise
einschmeichelnde Stimme sprach aus der Kapuze:
„Willkommen, Amy. Lucius hat mir schon von dir
berichtet. Wir beide haben uns eine Menge zu erzählen."
„Mein Name ist Angelina, wenn Sie schon alles wissen
und ich habe keine Ahnung, worüber wir uns unterhalten sollten, Lord
Voldemort."
Die letzten Worte spie Angelina ihm verächtlich vor
die Füße.
Ein Murmeln ging durch den Raum, ihre Arme wurden
noch schmerzhafter gepackt und Malfoy trat dicht an sie heran.
„Überlege dir seine Worte genau, es könnten deine
letzten sein.", zischte er.
„Lucius, bitte sei nett zu unserem Gast.", tadelte
ihn Voldemort sanft.
„Reich ihr doch erst einmal einen Begrüßungstrank."
Angelina beobachtete jede Bewegung Malfoys und sah
ihm zu, wie er aus einer verkorkten Karaffe eine hellblaue Flüssigkeit in ein
Glas gab und damit auf sie zukam. Verzweifelt versuchte die junge Frau
Augenkontakt zu Lucius Malfoy herzustellen, um in seine Gedanken einzudringen,
als Voldemorts Stimme, diesmal nicht sehr freundlich, erklang.
„Sieh ihr nicht in die Augen, Lucius. Sie ist eine
Schlange."
Dadurch abgelenkt, wandte sich Angelina zum Dunklen
Lord um und verlor kurz die Kontrolle über Malfoys Tun.
Dieser packte nun schmerzhaft ihr Gesicht, presste
ihren Kiefer auseinander und flösste ihr die Flüssigkeit mühelos ein.
Sie konnte nicht anders, um wieder Atem holen zu
können, musste sie schlucken.
Sofort breitete sich eine eisige Kälte in ihrem
Körper aus und in völliger Starre kippte sie nach vorn weg.
Angenehme Weichheit und wohlige Wärme umfingen sie
und Angelina glaubte sich fast wieder zu Hause in Hogwarts, in ihrem
Schlafzimmer, neben Severus.
Sie öffnete erwartungsvoll die Augen, doch die
Wahrheit ohrfeigte sie brutal.
Das Zimmer an sich war nicht unangenehm, er war
freundlich, hell und warm, das einzig Störende war die Person die mitten im
Zimmer stand. Sie erinnerte Angelina schlagartig daran, wo sie sich befand.
„Wie lange muss ich dich eigentlich noch ertragen,
Malfoy?", angewidert verzog sie das Gesicht.
Seine eiskalten grauen Augen musterten sie und
langsam lenkte er seine Schritte in ihre Richtung. Mit Entsetzen bemerkte
Angelina ihre Lage. Wie damals, in einem Bett liegend, nur dieses Mal waren
ihre Hände auf dem Rücken gefesselt.
Malfoy kniete sich mit einem Bein auf den Bettrand
und stützte seine Hände neben ihrem Oberkörper ab.
Sein Gesicht kam immer näher und der alte Ekel und
Abscheu krochen in der jungen Frau hoch.
„Du scheinst mit etwas hilflos, meine Süsse.",
flüsterte er und senkte ohne Vorwarnung seine Lippen auf ihren Mund.
Seine Hände glitten gierig über ihren Körper und
sein Atem ging stoßweise.
Angelina wand sich wild hin und her und Malfoy ließ
lachend von ihr ab.
„Na gut, warten wir bis heute Abend. Da habe ich
auch mehr Zeit für dich.", säuselte seine hämische Stimme und Angelina hätte
sich am liebsten auf der Stelle übergeben.
Mit Tränen in den Augen dachte sie nur immer wieder:
`Severus hilf mir. `
Während des Tages ließ man Angelina weitestgehend in
Ruhe, nur einer der Kapuzenmänner, von denen die junge Frau nun wusste, dass es
Voldemorts Todesser waren, brachte ihr Essen und ein paar Kleidungsstücke
„Heute Abend möchte der Meister mit Ihnen speisen
und Sie werden dazu diese Sachen tragen.", meinte der Todesser völlig
unbeteiligt.
Angelina gab keine Antwort
„Soll ich beim Essen behilflich sein?", grinste der
Mann nur anzüglich.
„Raus hier!", schrie sie ihn an, obgleich ihr Magen
vor Hunger rebellierte. Wut und Angst schnürten der Frau die Kehle zu und die
Vorsicht gebot ihr Einhalt, da Angelina befürchten musste, man hätte ihr
irgendwelche Zaubermittel untergemischt.
Eine Weile lief Angelina wie ein tiger durch das
Zimmer und versuchte, einen Blick durch das Fenster zu werfen. Doch man hatte
an alles gedacht, die Fensterscheibe war magisch verspiegelt und so sah sie
beim Näherkommen nur sich selbst.
Ein menschliches Bedürfnis machte sich bemerkbar und
ihr Essensbote war bereits verschwunden.
So ging sie zur Tür und begann mit den Füssen
dagegen zu schlagen.
Laut rief sie: „Hey, hört mich hier jemand?
Aufmachen."
Wie Angelina vermutet hatte, öffnete sich sofort die
Tür, also wurde sie bewacht.
„Was soll das?", fauchte der Todesser die Frau an.
Diese fauchte genauso zurück: „Ich muss mal."
Krachend fiel die Tür wieder ins Schloss, um sich
Minuten später wieder zu öffnen.
Dieses Mal trat mit süffisantem Grinsen ihr Erzfeind
ein - Malfoy.
„Ich hörte du hast ein Problem, bei denen du ein
paar Hände benötigst? Soll ich dir helfen, dein Höschen herunter zu ziehen?",
lachte er anzüglich.
„Fass mich ja nicht an. Habt ihr denn hier keine
Frauen?", raunzte Angelina ihn an, da sie langsam Panik bekam, er würde es
wirklich tun.
„Genug der Scherze.", meinte Malfoy jetzt wieder
eiskalt und unnahbar. „Wir kommen dir ein wenig entgegen und werden deine
Fesseln lösen. Bedingung ist nur, du nimmst vorher diesen Trank."
Und er hielt der Frau eine Phiole mit einer violett
schimmernden Flüssigkeit entgegen.
„Dir wird durch den Trank nichts passieren, nur
deine magischen Fähigkeiten werden eingeschränkt. Du wirst harmlos wie ein
Muggel werden."
Da sich Angelinas Angelegenheit nun fast nicht mehr
aufhalten ließ und sie auch die Aussicht lockte, bald wieder ihre Hände nutzen
zu können, willigte sie ein und schluckte gehorsam den Trank. Ein kurzes
Brennen im Hals und es schien, als würden ihre Muskeln im ganzen Körper
erschlaffen.
Fragend sah sie Malfoy an und dieser deutete auf
eine kleine verborgene Tür. Dort fand Angelina ein Bad von erstaunlichem Luxus.
Lucius Malfoy stand noch immer wartend im Zimmer.
„Ist noch irgendwas?", giftete ihn Angelina an.
Schleichend wie eine Katze kam er auf sie zu und
packte sie:
„Mäßige deinen Ton, mein Täubchen, sonst werde ich
ungemütlich."
Kochend vor Wut stieß die Frau ihn von sich und
schickte ein lautes „Stupor" hinterher.
Malfoy brach in schallendes Gelächter aus.
„Meine Liebe, dein guter Severus liefert nur
einwandfreie Ware. Hast du nicht gewußt, dass dein lieber Snape Zaubertränke
für den Dunklen Lord braut?"
Angelina wusste es, doch würde sie es nicht gerade
Malfoy auf die Nase binden.
Wortlos wandte sich die junge Frau um und setzt sich
an den Tisch.
„Was ist mit den Speisen und Getränken?", fragte
sie.
„Die kannst du beruhigt genießen. Da musst du uns
vertrauen.", meinte Malfoy lapidar.
Angelina lachte hart auf: „Euch vertrauen?"
„Tu es oder lass es.", brummte Lucius kurz, griff
sich ein Stück Hühnerfleisch, aß es und verließ den Raum.
Die Stunden vergingen mit Warten und stumpfen vor
sich hin Brüten.
Als sich die Dämmerung senkte, kleidete sich Angelina
weisungsgemäß um und erwartete das Öffnen der Tür.
Die kleine Tafel war festlich gedeckt und Voldemort und Lucius Malfoy erwarteten sie bereits.
Angelina saß dem Dunklen Lord genau gegenüber und
als dieser seine Kapuze abstreifte, glaubte die Frau, ohnmächtig zu werden.
Lucius neben ihr raunte ihr zu: „Reiß dich zusammen."
Vor ihr saß ein Mann mit einem Gesicht, das
eigentlich keines war. Haut spannte sich über dieses skelettartige Gebilde, in denen die Augen wie riesige
Feuerräder rot glühten, die Nase war nicht mehr als eine kleine Erhebung mit
aufgeblähten Löchern und abgerundet wurde diese Abscheulichkeit nur von einem
lippen- und zahnlosen Mund.
Doch schnell hatte Angelina ihre Emotionen im griff
und schaffte es sogar, ihn anzublicken, was Voldemort einigermaßen
beeindruckte.
Angelina aß wenig und lenkte ihre Aufmerksamkeit
eher auf die Formulierung ihrer Fragen.
„Ich hätte doch gerne mal gewusst, welchem Umstand
ich diese Einladung zu verdanken habe.", richtete sie ihr Wort an Voldemort.
Dieser legte das Besteck beiseite und blickte sie
an.
„Ich weiß, dass du eine ausgezeichnete Handmagierin
, eine sogenannte „Hands only" bist und jemand mit deinen Fähigkeiten wäre sehr
nützlich für mich. Deshalb wirst du von nun an für mich arbeiten und dein
Können in meinen dienst stellen."
Sprachlos über so viel Unverfrorenheit fand Angelina
zuerst keine Worte. Schließlich, um Fassung ringend, versuchte sie eine
Antwort.
„Was macht Sie so sicher, dass ich mit und für Sie
arbeiten werde?"
Voldemort lächelte sie gönnerhaft an.
„Weil ich dich ausgewählt habe. Für dich ergeben
sich zwei Möglichkeiten, du dienst mir mit deinen Fähigkeiten oder du stirbst."
Ein Keuchen drang aus ihrer Brust, das Angelina
jedoch schnell in ein Husten übergehen ließ, als sie den warnenden Blick
Malfoys auffing.
„Ich möchte mich gerne zurückziehen.", murmelte
Angelina.
„Malfoy wird dich ins Zimmer zurück bringen, bis ich
dich zu unserem Treffen holen lasse.", winkte Voldemort ab.
Auf dem Weg zurück zischte Lucius Malfoy ihr zu:
„Triff deine Entscheidung weise, denn auch du bist
mit deinen Fähigkeiten nicht unersetzbar. Dienst du dem Meister, wird er dich
angemessen entlohnen, wenn nicht........."
Ein kalter Blick aus seinen stahlgrauen Augen traf
sie und Angelina verstand, auch ohne
dass Malfoy den Satz beendete.
30.
In Dumbledores Büro herrschte bedrückendes Schweigen.
Vor ein paar Minuten waren einige Mitglieder des
Ordens, darunter Lupin, Tonks und Mad Eye Moody eingetroffen und damit einem
Hilferuf Dumbledores gefolgt.
Noch immer klangen ihnen die letzten Worte des
Schulleiters in den Ohren:
„Ich glaube, meine Befürchtungen haben sich
bewahrheitet und Angelina ist in der Gewalt Voldemorts."
Noch ehe sich der Erste gefasst hatte und Worte
fand, durchschnitt ein lautes Stöhnen die Stille und alle blickten auf Prof.
Snape. Dieser griff sich mit schmerzverzerrtem Gesicht an den Arm, auf dem ihm
Lord Voldemort vor vielen Jahren das dunkle Mal eingebrannt hatte.
Dumbledore berührte leicht Snapes Schulter:
„Er ruft dich zu sich?", murmelte er leise und Snape
nickte.
„Ich werde allein gehen und sehen, ob ich etwas
erfahre. Vielleicht ist es auch nur eine Falle, in die wir tappen, sollten wir
jetzt alle gehen.", sprach Prof. Snape und seine Miene duldete keinen
Widerspruch.
Albus Dumbledore nickte nur:
„du hast Recht, Severus. Gib Acht auf dich."
Und schon war Severus Snape verschwunden.
Der riesige unterirdische Saal füllte sich. Der
Meister rief und seine Anhänger und treuen Gefolgsleute kamen.
So langsam schloss sich der Kreis von schwarzen
kapuzenverhangenen Gestalten und ein leises Murmeln zog durch den Raum.
Dieses unterirdische Versteck war ein beliebter
Treffpunkt der Todesser, widerspiegelte es doch genau den Charakter seiner
Besucher.
Ihre Herzen waren so kalt wie der Stein, aus dem
dieser Raum geschlagen wurde, ihre Seelen schimmerten so schwarz wie die
fackelverrußten Wände und ihre Augen waren verhangen wie der nächtliche Himmel,
unter dem sie sich trafen.
Ein Rascheln übertönte das Gemurmel und an einer
Stelle teilte sich der Kreis, um ihren Herrn und Gebieter in ihrer Mitte
aufzunehmen.
Abrupt erstarb das Murmeln und die kapuzenbedeckten
Köpfe senkten sich in Demut und Respektbezeugung.
Voldemorts inzwischen schon ziemlich gekräftigte
Stimme hallte durch den Raum und verfing sich in schauerlichem Echo an der
kuppelförmigen Decke.
„Wie ich sehe, seid ihr heute vollzählig meinem Ruf
gefolgt und es erfreut meinen Geist, zu wissen, dass ihr erkannt habt, wer der
wahre „Meister der Zauberkunst" ist.
Mir ist zu Ohren gekommen, dass ihr, meine treuen
Anhänger, wieder Angst und Schrecken über das Land bringt und unsere Macht in
altem Glanz erstrahlen lasst.
Mancher von euch hat seine alte Form noch nicht ganz
gefunden. Für all diejenigen sei noch einmal gesagt, `enttäuscht mich nicht,
oder ich werde euch strafen, wie ihr eure Opfer straft.` ."
Ein erschrecktes Raunen ging durch den Kreis, fühlte
sich doch der Eine oder Andere angesprochen. Und was es hieß, Voldemorts Zorn
zu spüren, war allen durchaus bewusst, mussten sie es doch zumindest mit
ansehen.
„Mc Mur.", donnerte Voldemorts Stimme von den
Wänden.
Eine kleine Gestalt löste sich aus dem Kreis und
trat in die Mitte.
„Ich habe in Erfahrung gebracht, dass du vor zwei
Tagen einer Muggelfrau die Freiheit geschenkt hast, entgegen meinen
Anordnungen, die lauteten - Töte sie."
Eine fast piepsende Stimme antwortete:
„Ja, Herr, verzeiht mir, doch ich konnte nicht...."
Ehe Mc Mur eine Erklärung abgeben konnte, zischte
eine eiskalte Stimme „Crucio." und die kleine Gestalt wälzte sich vor Schmerz
windend im Staub zu Voldemorts Füßen.
Nach dem dritten „Crucio" blieb der Mann bewußtlos liegen,
wurde von zwei Todessern aus dem Kreis geschleißt und an der Wand einfach
abgelegt. Niemand wagte es, sich um ihn zu kümmern.
Voldemorts ließ seinen Blick durch die Reihe
schweifen, blieb an einem Todesser hängen, grinste und fast liebevoll rief er:
„Severus, mein Freund, komm zu mir."
Der Angesprochene trat an die Seite des Dunklen
Lords, verneigte sich und sprach:
„Meister, ihr habt mich rufen lassen."
„Mein lieber Severus, alter Giftmischer, bist mir
immer treu ergebener Diener, wenn es darum geht, mit die ausgefallensten Tränke
und Gifte zu brauen. Ich habe darum heute eine Belohnung und möchte dir eine
Freude machen."
Damit trat er an Severus Snape heran und streifte
ihm seine Kapuze herunter.
Das Gesicht, welches zum Vorschein kam, hatte jegliche
Regung abgelegt und einer blassen starren Maske Platz geschaffen.
Voldemort gab ein Zeichen und an einer anderen
Stelle teilte sich ein zweites Mal der Kreis, um zwei Gestalten in sich
aufzunehmen.
Auf einen Wink des Dunklen Lords hin setzten sich
Beide in Bewegung und traten auf den Meister zu.
Kein Muskel zuckte in Snapes Gesicht, als er Beide
erkannte, Malfoy und - seine Angelina.
„Du siehst, es geht ihr gut bei mir," ,säuselte
Voldemort, „und ich habe ihr ein Angebot gemacht, welches sie wohl kaum abschlagen
kann. Angelina wird für mich und meine Sache dienen und es wird ihr an nichts
fehlen."
Severus wunderte sich über Angelinas Reglosigkeit.
Warum wehrte sie sich nicht, wandte ihre enormen Fähigkeiten an? Mit ihm
gemeinsam, mit seiner Hilfe, hätten sie eine kleine Chance.
Da entdeckte er den kleinen lila Ring um ihre Iris,
als er in ihre Augen blickte und ihm war klar, welchen Trank man ihr
verabreicht hatte. Und er selbst hatte ihn gebraut.
Wie aus einem Traum erwachend, blickte Angelina auf
Snape, riß sich von dem völlig verdutzten Malfoy los und stürzte nach vorn.
„Severus.", weinte sie auf und ließ sich in die weit
geöffneten Arme ihres Verlobten fallen.
Lucius Malfoy packte die Frau und versuchte sie aus
der festen Umklammerung Snapes zu lösen, als ihn Voldemort zurück hielt.
„Lass den Beiden einen kurzen Moment des Abschiedes,
Lucius."
„Warum Abschied?", murmelte Angelina aus der
Umarmung Snapes heraus.
„Es ist unmöglich für mich zu dienen, wenn du in
Hogwarts bist. Also bleibst du von nun an hier, an meiner Seite. Ihr seht euch
gelegentlich vielleicht mal, aber eine Verbindung zwischen euch kann ich nicht
dulden. Deine Fähigkeiten müssen ausgeweitet und meinen Bedürfnissen angepasst
werden.."
Mit schreckgeweiteten Augen verfolgte Angelina Voldemorts
Worte, stumm rannen ihre Tränen die Wangen herab.
„Severus, hilf mir bitte.", wisperte sie.
Snape vergrub sein Gesicht in ihren Haaren, umarmte
sie fest und flüsterte:
„Vertrau mir, wir werden dir helfen. Der Orden ist
auch da."
„Nun ist genug. Malfoy, bring sie zurück. In einer
Woche wird sie in einer großen Zeremonie in unseren Kreis aufgenommen."
Mit hämischem Grinsen riss Lucius Malfoy Angelina
aus Snapes Armen und brachte sie fort.
Noch lange hallten ihre verzweifelten Schreie durch
den riesigen Raum.
„Severus, nein, neiiiiiiiiiiiiiiiiin."
In den dunklen Gängen, durch die Malfoy die leise
schluchzende Frau führte, brannte nur vereinzelt ein paar Fackeln und
verbreiteten düster flackerndes Licht.
Fledermäuse suchten sich leise raschelnd einen Weg nach
draußen, in die nächtliche Dunkelheit.
Plötzlich blieb Angelina stehen, sodass sich Lucius
Malfoy unwillig umwand.
Abwartend taxierte er sie mit seinen grauen kalten
Augen.
Die Frau tauchte ihren Blick tief in seine Augen und
trat langsam auf ihn zu. Als sie Körperkontakt spürte, legte sie leicht ihre
Hände auf seine Schultern und lehnte ihr Gesicht an seine Brust.
„Lucius, hilf mir bitte hier heraus. Ich flehe dich
an. Mein Leben ist ohne Severus sinnlos. Und ich habe Angst. Niemals werde ich
mit meinen Fähigkeiten anderen Menschen Schaden zufügen."
Malfoy umschlang sie und drückte ihren Körper in dem
engen Gang an die Wand hinter Angelina.
„Hab ich es dir nicht vorausgesagt, du wirst noch um
Gnade winseln bei mir. Ich soll dir helfen, ich, die rechte Hand des Dunklen
Lords. Du hast eine schlechte Wahl getroffen."
Zynisch blickte er auf sie herab.
Angelina unterdrückte ihren Stolz und verlegte sich
aufs Bitten.
„Lucius, bitte.", schmeichelte sie und schob sich
ihm entgegen. „Ich denke, Severus ist dein Freund."
„Als Todesser hat man keine Freunde.", antwortete er
leise. „Man dient nur seinem Meister. Aber vielleicht, wenn du zugänglich
bist."
Angelina verstand sofort, was Lucius meinte und
spürte im selben Moment bereits seine Erregung.
Ihrem ersten Impuls folgend wollte sie den Mann von sich stoßen und spürte schon die Übelkeit in sich aufsteigen, doch dann sah sie es als einzige Chance, vielleicht doch noch Lucius Malfoys Hilfe zu bekommen.
Und so ließ sie es geschehen, dass Malfoy sie noch im Gang mit heftigen Stößen nahm.
31.
„Sie ist beim Dunklen Lord. Er will sie für seine Zwecke einsetzen. In einer Woche ist die Einführungszeremonie."
Hastig stieß Prof. Snape seine Worte heraus, kaum dass er Dumbledores Büro betreten hatte.
Während seines nachfolgenden Berichtes hingen aller Augen an seinen Lippen und keiner wagte einen Zwischenruf.
Nur bei dem Wort „Einführungszeremonie" hörte man ein leises Zischen, denn jeder im Raum wusste, was dieses bedeutete.
Angelina sollte ein Todesser werden und würde das dunkle Mal erhalten.
Man musste das mit allen Mitteln verhindern
Pläne wurden geschmiedet und wieder verworfen und mit Entsetzen stellte man fest, wie einem die Zeit zwischen den Fingern zerrann. Kaum war noch etwas von der Woche übrig.
Severus versuchte jede Nacht Kontakt zu Angelina aufzunehmen, doch sein Geist konnte sie nicht erreichen. Der Trank würde seine Wirkung tun, das wusste er schließlich am besten.
Endlich hatte man eine Lösung gefunden und hoffte nur, es kam nichts dazwischen. Auf Angelina als Hilfe verzichtete man bei der Planung, da ihnen klar war, dass Voldemort sie solange der Wirkung des Trankes aussetzen würde, bis sie eine aus seinen Reihen war.
Und damit lagen sie vollkommen richtig.
Angelina war noch nicht einmal in der Lage, eine simple Kerze zu entzünden.
Jede Nacht musste sie Lucius Malfoys Anwesenheit und mehr ertragen und nur der Gedanke und ihre tiefe Liebe zu Severus ließen sie die qualvollen Demütigungen durchstehen.
Noch immer trug sie die Hoffnung in sich, Lucius würde ihr auf irgendeine Weise helfen. Auf Fragen ihrerseits antwortete er nur kurz angebunden:
„Warte die Zeit ab."
Die Mahlzeiten wurden regelmäßig zu dritt eingenommen, Voldemort, Malfoy und Angelina.
„Gewöhne dich daran, meine Liebe. Bald wird es für immer so sein. Wie eine richtige Familie, fehlen nur noch die Kinder.", gurgelte Voldemort heiser und Malfoy schickte ein anzügliches Lächeln zu Angelina, welche soeben vor Entsetzen nach Luft rang.
„Das ist nicht Ihr Ernst?", japste sie und blickte voller Abscheu in diese hässliche Fratze von Gesicht.
„Ich finde Gefallen an diesem Gedanken. Stell dir einmal vor, Kinder mit unseren Erbanlagen. Das sind die neuen Herrscher über die Welt: Wir werden ein Imperium des Schreckens aufbauen.", träumerisch schloss Voldemort seine rotglühenden Augen.
Angelina schaffte es gerade noch bis ins angrenzende Bad, ehe sie sich haltlos übergab.
In der folgenden, der letzten Nacht vor dem großen Ereignis, nahm Malfoy sie härter als je zuvor und Angelina setzte sich mit all ihrer verbliebenen Kraft zur Wehr.
„Ich genieße diese letzte Nacht mit dir, ab morgen gehörst du dem Meister. Und er sieht es bestimmt nicht gerne, wenn jemand in seinem Revier wildert.", lachte Lucius Malfoy über seinen eigenen Witz.
„Wie sollte er denn dazu im Stande sein?", konterte Angelina, gänzlich außer Atem vom Kampf mit diesem gierigen und maßlosen Menschen vor sich.
Malfoy brüllte sie an: „Unterschätze den Dunklen Lord nicht."
„Was ist eigentlich mit deinem Versprechen?", sprach Angelina tonlos.
Der Mann sah sie durch einen Vorhang seines langen blonden Haares an, als hätte sie soeben nach Gott gefragt.
„Welches Versprechen?"
„Ich war dir die ganze Woche zu Willen, damit du mir hilfst, von hier wegzukommen. Ein Leben ohne Severus ist kein Leben mehr für mich und das weißt du. Bitte, Lucius. Hast du gar kein Herz?".
Angelinas Stimme wurde immer leiser, bis nur noch ein Flüstern aus ihrem Mund zu hören war.
„Lucius, hab Erbarmen."
Zynisch verzog der Angesprochene den Mund:
„Du winselst wie ein Hund, Angelina. Ich hatte mehr von dir erwartet. Leider muss ich dich enttäuschen, mein Herz habe ich schon vor Jahren dem Dunklen Lord vermacht. Finde dich mit deinem Schicksal ab und wir werden Freunde bleiben, ergebene Diener des Meisters."
Fanatisch leuchteten Malfoys Augen und Angelina erkannte schmerzhaft, dass sie dieses Spiel haushoch verloren hatte.