DER GEFALLENE ENGEL

    von Severina


   Über Euer Feedback freut sich: Severina


Kapitel 21 - 25



21

 

21.

 

 

Mühsam öffnete Angelina die Lider und blinzelte in das helle Tageslicht. Ein leises Stöhnen kam über ihre Lippen, als sie einen Versuch wagte, ihre Lage zu ändern.

Sofort war Madam Pomfrey bei ihr.

„Liegen Sie bitte noch still. Keine ruckartigen Bewegungen. Wie fühlen Sie sich, Angelina?"

„Wie frisch aus dem Steinbruch.", murmelte die junge Frau matt.

Die Medihexe knurrte sie darauf hin an:

„So sahen Sie auch aus. Wo hatten Sie denn nur Ihre Gedanken und Augen?"

„Poppy, bitte.", maßregelte Prof. Dumbledore sie leise.

„Ja, ja. War ja nicht so gemeint. Wir haben uns eben alle große Sorgen gemacht. Kein Knochen heil...", flüsterte Madam Pomfrey leicht beleidigt.

Man sah ihr die Strapazen der letzten Tage und Nächte an, dunkle Ringe lagen unter den Augen und der Rücken war leicht gebeugt.

Zitternd streckte Angelina der Medihexe ihre Hand entgegen und umschloß leicht die ihr gereichte.

„Danke,", hauchte die Verletzte. „War es denn sehr schlimm? Und wie lange bin ich schon hier?"

Madam Pomfrey warf einen kurzen fragenden Blick auf Albus Dumbledore und als dieser leicht nickte, antwortete sie:

„Nun, sagen wir mal so, es war kein heiler Knochen bei Ihnen zu finden und eigentlich gehörten Sie nach Sankt Mungo. Aber das ließ jemand nicht zu und so kämpften wir 4 Tage und Nächte um Sie. Zum Glück haben Sie es geschafft und müssen nur noch zu Kräften kommen."

„Wer hat mich überhaupt gefunden?", wisperte Angelina, doch die Antwort verstand sie schon nicht mehr. Übergangslos glitt die Verletzte in einen tiefen Erschöpfungsschlaf.

 

Ein sanftes Streicheln drang in Angelinas Unterbewußtsein, zuerst glaubte sie, der Wind strich über ihre erhitzte Wange. Doch dann realisierte sie Haut, warme zarte Haut.

Eine Zeit lang genoß sie mit geschlossenen Augen diese Liebkosungen und malte sich aus, wer ihr diese Zärtlichkeiten schenkte. Madam Pomfrey? Vielleicht.

Prof. Dumbledore? Seine Hände waren schon zu runzelig. Harry oder Hermine? Wurden wahrscheinlich gar nicht zu ihr gelassen. Hagrid? Nein, seine Hände glichen eher großen Schaufeln und diese Hände hier waren von normaler Größe, schlank und ungewöhnlich sanft.

Angelina gab sich Träumen hin und dachte sehnsuchtsvoll an den Mann, den ihr Herz nicht vergessen konnte, den sie immer noch liebte, obwohl er sie sehr verletzt hatte mit seiner schroffen abweisenden Art. Sie dachte an - Severus Snape.

Vorsichtig schmiegte sie sich in diese Berührung und bemerkte, dass ihre Wange nun sacht gehalten wurde, nur der Daumen streichelte weiter liebkosend über ihre Wange, über Nase und zeichnete die Linien ihrer Lippen nach. Da war plötzlich diese Vertrautheit, das Erkennen dieser Geste und der altbekannte Duft der Haut nach Kräutern und Gewürzen, mit einem leicht beißigen Beigeruch.

Ganz langsam versuchte Angelina nun ihre Augen zu öffnen, obwohl die Angst vor einer Enttäuschung ihr fast das Herz abschnürte.

Durch winzige Schlitze hindurch erkannte sie eine Gestalt an ihrem Bett sitzen, eingehüllt in ein schwarzes Gewand.

Da öffnete Angelina ihre Augen kugelrund und blickte genau hinein in zwei tiefschwarze Augen, die sie nun strahlend ansahen.

„Angelina.", flüsterte der Mund, der sonst nur zynische und boshafte Bemerkungen ausstieß.

Noch immer spürte die junge Frau seine warme Hand an ihrer Wange und das gedankenverlorene Streicheln des Daumens.

Voller Staunen sah sie auf den Mann, den sie mit voller Inbrunst hierher gewünscht hatte und betrachtete seine Anwesenheit doch als ein Wunder.

„Prof. Snape - Severus.", hauchte sie fast tonlos. Sofort legte ihr Prof. Snape einen Finger zart auf die Lippen.

„Nicht reden, das strengt noch zu sehr an. Du musst erst kräftiger werden und ich werde dir dabei helfen."

Mit klopfendem Herzen registrierte Angelina wieder das vertraute „Du" und eine verhaltene scheue Zärtlichkeit in seiner Stimme.

Vorsichtig hob sie einen Arm, bewegte prüfend alle Finger und strich Severus mit scheuem Lächeln eine Strähne seines schwarzen Haares aus dem Gesicht.

Severus nahm mit seiner anderen Hand Angelinas Finger und hauchte zärtlich einen Kuss auf ihre Handinnenfläche. Erschreckt betrachtete er die vernarbte Fläche.

„Was ist da passiert?", wollte er wissen.

Angelina schüttelte den Kopf: „Keine Ahnung. Bestimmt mal verbrannt.", nuschelte sie schnell und entzog ihm ihre Hand. Schmerzhaft fiel ihr die Nacht mit Malfoy wieder ein und ihre demütigende Niederlage. Unwirsch vertrieb sie die peinigenden Gedanken und schaute wieder auf Prof. Snape, der sie nun mit einem sonderbaren Blick musterte.

„Severus?", fragend blickte Angelina ihn an.

„Mmmmmh.", murmelte er.

Die junge Frau fuhr noch einmal sanft über sein blasses Gesicht. „Sag mal, hast du..?"

„Ja, mein Kind,", meldete sich plötzlich eine andere Stimme zu Wort, „Prof. Snape hat dich gefunden, er war es auch, der dich nicht nach Sankt Mungo lassen wollte, und er hat die letzten Tage und Nächte um dein Leben gekämpft, ist kaum von deiner Seite gewichen und wollte noch nicht mal Madam Pomfrey zu dir lassen."

Lächelnd beugte sich das faltige Gesicht von Prof. Dumbledore über Angelina.

„Alles wieder in Ordnung? JA, unser guter Severus hat uns alle erstaunt. Doch ohne ihn hätte es Madam Pomfrey auch nicht geschafft. Liebe versetzt eben Berge!"

„Liebe?". Erstaunt und fragend schaute Angelina in Prof. Snapes Gesicht, das sich doch tatsächlich leicht rosa einfärbte.

Das jemand so offen von seinen Gefühlen sprach, machte ihn doch etwas verlegen.

Aber offensichtlich waren seine Gefühle den Anderen viel schneller klar, als ihm selbst.

 

Etwas betreten lächelte er Angelina an, als er gestand:

„Ja, Liebe. Dein Unglück hat mir gezeigt, was für ein großer Narr ich gewesen bin und wie sehr ich dich enttäuscht haben muss. Mein Egoismus und Starrsinn haben mich glauben lassen, ich wäre im Recht und mein Stolz verbot mir, zuzugeben, dass ich dich liebe. Durch meinen Zynismus versuchte ich, Gefühle zu überdecken und in Boshaftigkeit zu ersticken. Kannst du mir überhaupt verzeihen?"

Atemlos lauschte Angelina den Worten, auf die sie schon so lange gewartet hatte. Unglaube und Erleichterung, gepaart mit überschäumendem Glück, leuchteten abwechselnd aus ihren Augen und Severus schaute sie abwartend an.

Da endlich öffnete die junge Frau die Lippen, lächelte ihn breit an und rief:

„Prof. Severus Snape. Du bist ein unwahrscheinlicher, aber liebenswerter Trottel. Ich liebe dich so sehr. Und jetzt küss mich endlich, oder soll ich an Entkräftung sterben?"

Und Severus Snape tat nichts lieber als das. Den Trottel nahm er ihr nicht übel, hatte er sich doch selbst schon als solchen bezeichnet..

Erst ganz zärtlich umschlossen seine Lippen ihren Mund, doch schon bald wurden die Küsse leidenschaftlicher und Beide hörten nur noch das leise Schließen der Tür.

 

 

22.

 

In dem Sessel am geöffneten Fenster saß Angelina und genoß die wärmende Sonne. Severus hatte sie vom Krankenflügel direkt in seine Räumlichkeiten geholt, um sie dort gesund zu pflegen.

Nachdem der Schulalltag begonnen hatte, glich die Krankenstation einem riesigen Bienenstock und Angelina fand kaum eine ruhige Minute. Selbst ein Verbot der Medihexe bewirkte kaum eine Eindämmung des Besucherstromes, denn jeder der Schüler wollte sich nach dem Befinden „seiner Angelina" erkundigen.

So nahm Madam Pomfrey dankbar das Angebot von Prof. Snape an und entließ Angelina in seine Pflege und Obhut.

Solange Severus Snape vormittags Unterricht halten musste, hatte der Hauself Dobby den Auftrag erhalten, sich um die Patientin zu kümmern, und nur ausschließlich er. Dobby übernahm sein Amt sehr gewissenhaft und so fehlte es der jungen Frau an nichts. Nachmittags und abends erstickte sie fast an der Liebe und Fürsorge, die ihr Prof. Snape zukommen ließ, nur Nachts lag sie noch allein und einsam.

 

Von Tag zu Tag wurde Angelina kräftiger und ihre Energien kehrten zurück.

„Wann kann ich endlich wieder unterrichten?", war ihre häufigste Frage.

„Willst du nicht zu mir zurück in den Unterricht?", fragte Severus leicht enttäuscht.

Angelina schüttelte bedauernd mit dem Kopf.

„Nein, Severus. Ich habe hier meine eigenständige Aufgabe gefunden. Es macht mir Spaß und den Kindern auch. Du kommst auch ohne mich gut zurecht. Bitte versteh mich doch.", flehend schaute sie dem Mann in die Augen.

„Sieh mich nicht so an.", grummelte der Professor schon fast versöhnt.

Und als sich Angelina dann auch noch lachend auf seinen Schoß fallen ließ, war es um seine Beherrschung geschehen. Ungestüm riss er sie in seine Arme und küsste sie heiß und leidenschaftlich.

Angelina drückte ihn leicht etwas von sich, blickte ihn schelmisch an und meinte grinsend: „Prof. Snape, mäßigen Sie sich. Denken Sie doch an meinen angeschlagenen Gesundheitszustand."

Severus sprang vom Stuhl, sodass die junge Frau fast zu Boden gestürzt wäre.

Dann begann eine, von Lachen und Jauchzen begleitete, Jagd durch den Wohnraum. Schließlich flüchtete Angelina ins Schlafzimmer, doch ehe sie die Tür verschließen konnte, packte Severus zu und schob sich durch den Spalt. Hinter ihm fiel die Tür ins Schloss und er verschloß sie mit einem Zauber.

In seinen Augen brannte Verlangen, als er rauh flüsterte: „Durch diese Tür geht es nicht mehr."

Immer näher trat er auf Angelina zu und umfasste ihre Arme, zog sie zärtlich an sich und blickte auf sie herab.

„Und nun, Liebling?"

Zum ersten Mal hörte Angelina das Wort „Liebling" aus seinem Mund und bekam vor Wonne eine Gänsehaut.

Keck hob sie ihr Kinn und antwortete:

„Mach einen Vorschlag, Professor."

Da lenkte er sie wortlos rückwärts in Richtung Bett, presste sie fest an sich und ließ sich mit ihr gemeinsam fallen.

Zärtlichkeiten und stürmische Leidenschaft umfingen sie und bald erkannte sie seine Erregung.

„Ist mein Vorschlag angenommen?", murmelte Severus zwischen zwei Küssen.

Doch zu einer Antwort kam Angelina nicht, da ihre Lippen fest von seinem Mund verschlossen wurden.

All die aufgestauten Gefühle, Sehnsüchte und das Verlangen entluden sich in einer heißen gefühlvollen Liebesnacht, in der tausend Schwüre hin und her wechselten, aller Gram und die Angst vor der Zukunft schwanden und es nur noch sie beide gab.

Sehnsuchtsvoll drängten sich zwei verlangende Körper aneinander und stillten das brennende Verlangen bis zum Morgen.

 

Nun schien Angelinas Glück endlich perfekt.

Der Vormittag gehörte nun doch den Schülern bei Prof. Snape im Tränkeunterricht, sehr zur Freude der Schüler und des Professors. Am Nachmittag absolvierte sie weiterhin ihre „Muggelkunde", an denen nun endlich auch Slytherins teilnehmen durften, der restliche Nachmittag und die Abendstunden gehörten Severus Snape.

Meist verbrachten sie die Zeit wie üblich in seinem Büro, experimentierten und brauten, nur kurz unterbrochen für „unaufschiebbare" Zärtlichkeiten.

Vergessen waren die dunklen Stunden der Qual und des Hasses und vergessen die Zeit der Erniedrigung. Es gab nur noch sie Beide.

 

Längst waren Angelinas Räume verwaist, denn das Glück wohnte nebenan bei Prof. Snape.

Nach endlosen Irrungen und Wirrungen wollten beide nicht länger getrennt sein und ihre Liebe jede Minute genießen.

Giggelnd und kichernd sausten Schülerinnen durch die Gänge, wenn sie in einer Nische plötzlich auf Prof. Snape und Angelina, in inniger Umarmung und sich zärtlich küssend, trafen.

Der Zaubertrankunterricht wurde für viele Schüler auf einmal zum Lieblingsfach, da sie ohne Angst ihre Aufgaben erledigen konnten, wussten sie doch genau, dass Prof. Snape es nun plötzlich verstand, statt zu strafen und den Schüler mit zynischen Bemerkungen lächerlich zu machen, jetzt alles noch einmal ruhig und verständlich erklärte und sogar loben konnte.

Selbst Neville Longbottom ging nun mit Freude in den Tränkeunterricht, obwohl er seine Furcht noch nicht ganz ablegen konnte.

Natürlich änderte das alles aber nichts an dem Krieg zwischen Slytherin und Gryffindor und vor allem Draco Malfoy zeigte immer wieder sein arrogantes wahres „Ich".

Er intrigierte und lästerte am lautesten über die Beziehung seines Hausleiters zu einem Muggel, doch dieses Mal wollten ihm nur die wenigsten zuhören.

Draco fühlte sich von seinem Thron gestoßen und dieser Umstand machte ihn wütend.

Leider fand er im Moment kein Ventil, wo er seine gestauten Emotionen ablassen konnte.

Und so beschloss er kurzer Hand Angelinas Unterricht beizuwohnen und dort etwas zu stänkern.

 

Selbige war leicht erstaunt über ihren neuen Schüler, ließ sich jedoch nichts anmerken und begrüßte ihn nur kurz, wies ihm einen Platz zu und fuhr mit dem Unterricht fort.

Heute gab es Theorie und es wurde die Frage ausgiebig erörtert, wie sich Muggel gänzlich ohne Besen, Flohpulver oder Apparieren fortbewegen.

Und Angelina erklärte ihnen ausführlich, reich mit Bildern versehen, die Vor- und Nachteile der Busse, Bahnen, Autos und Fahrräder, erzählte lustige Begebenheiten, jedoch auch von schlimmen Unfällen.

„Muggel sind doch eine dämliche Rasse.", lachte Draco Malfoy gehässig und wartete auf Zustimmung von den anderen. Doch alles blieb ruhig.

„Tja, mein Lieber. Genauso dämlich, wie als Zauberer vom Besen zu stürzen und sich fast das Genick zu brechen.", konterte Angelina.

Damit spielte sie auf Dracos zweites Schuljahr an, als er beim Quidditch - Match Slytherin gegen Gryffindor im Duell mit Harry um den goldenen Schnatz hart vom Besen stürzte.

Zornig blickte Draco Malfoy auf die Lehrerin, als er ihr entgegen schleuderte:

„So ein Sturz ist egal, aber fliegen muss man können. Ihr Muggel kennt einen Besen ja nur zum Saubermachen."

Noch immer saßen alle anderen Schüler wie erstarrt und blickten abwechseln auf Malfoy und Angelina.

Malfoy ärgerte sich darüber, dass er seine Spießgesellen nicht dabei hatte, so wären doch wenigstens zwei, die ihn unterstützt und über seine „Witze" gelacht hätten.

Noch immer lächelte Angelina ihnen neuen Schüler an, selbst ihre Stimme klang freundlich, als sie ruhig aber bestimmt ihre Worte wählte:

„Man sollte nicht voreilig über jemanden urteilen, nur weil er etwas kann oder nicht kann. Jeder steht im Leben an einem bestimmten Platz und muss ihn ausfüllen, seine Pflicht erfüllen und wird nach seinen Maßstäben glücklich."

Malfoy sah sie erstaunt an, eigentlich hatte er mindestens mit einem Rauswurf gerechnet, doch die junge Lehrerin wandte sich einfach um und setzte den Unterricht fort.

 

„Warum mussten Sie sich ausgerechnet unseren Prof. Snape krallen, Sie Muggelschlange?", heulte Malfoy ihr hinterher.

Langsam drehte sich Angelina zu ihm um, blickte ihm verstehend ins Gesicht und schüttelte den Kopf. Einige Schüler sprangen auf.

Doch ehe jemand zu einer Äußerung fähig war, donnerte eine Stimme durch den Klassenraum: „Malfoy, raus hier und mitkommen!"

Von allen unbemerkt war Prof. Snape eingetreten und niemand wusste, wie lange er schon an der Tür lehnte. Jetzt ging er zornesrot auf Draco Malfoy zu, packte ihn am Kragen und zog ihn ohne ein weiteres Wort hinaus.

Nachdem die Tür sich hinter Lehrer und Schüler geschlossen hatte, brach ein ohrenbetäubender Tumult los, den Angelina nur durch den lauten Knall eines großen Buches auf den Lehrertisch eindämmen konnte.

„Ich denke, wir machen jetzt weiter. Also, bitte Aufmerksamkeit."

 

Seit diesem vorfall machte Draco Malfoy einen großen Bogen um Angelina, nachdem er sich zerknirscht, aber offenkundig widerwillig, bei ihr entschuldigt hatte.

Jedoch auch von Prof. Snape war nichts zu erfahren über Strafen oder Sonstiges.

Und so entschied sich Angelina, die Sache auf sich beruhen zu lassen und den Vorfall einfach zu vergessen.

 

 

23.

 

 

Die nächsten Wochen verliefen, abgesehen von einigen seltsamen Vorkommnissen in ihrem Klassenraum für „Praxis der Muggelkunde", weitestgehend ruhig und harmonisch.

Natürlich sah Angelina Draco Malfoy als Schüler nicht mehr im Unterricht und wenn er gekonnt hätte, wäre er auch dem Zaubertrankunterricht fern geblieben, solange sie daran teilnahm.

Angelina vermutete einen Schabernack, den ihr die Schüler spielen wollten, als manche Dinge anfingen durch die Luft zu wirbeln, Kerzen sich entzündeten, sowie die Tür sich wie von Geisterhand öffnete. Doch statt der Sache nachzugehen, beschloss die junge Lehrerin, so zu tun, als ob es das Natürlichste der Welt wäre, wenn ein Kochtopf haarscharf an ihr vorbei segelte und hoffte, der oder die Spaßvögel würden irgendwann die Lust daran verlieren.

Doch leider war dem nicht so und Angelina musste weiterhin fliegenden Bratpfannen ausweichen, Brände löschen und mindestens zwanzig Mal in einer Unterrichtsstunde die Tür schließen.

Das alles tat sie so ganz nebenbei und mit einem Lächeln auf den Lippen.

Ein Gespräch mit Prof. Snape über diese Vorfälle ergaben auch nichts Neues und eine Lösung hatte auch er nicht parat.

Da in seinem Unterricht, sowie in den abendlichen Experimentierstunden nichts nennenswertes geschah, glaubten beide an einen hartnäckigen Spaßvogel.

 

Es war Samstag zur Mittagszeit, als sich die große Halle langsam mit Schülern und Lehrern füllte, um gemeinsam die Mahlzeit einzunehmen.

Erstaunlicherweise erhob sich Prof. Dumbledore mit einer undurchdringlichen Miene und blickte über seine Brille hinweg in die Runde.

Nach und nach verstummten die Gespräche, denn man erkannte, dass Prof. Dumbledore noch etwas mitzuteilen hatte.

Als nun endlich der Letzte seine Aufmerksamkeit dem Schulleiter zugewandt hatte, räusperte sich dieser und sprach mit ruhiger vernehmlicher Stimme:

„Liebe Schüler und liebes Kollegium, ehe wir uns nun das köstliche Mahl munden lassen, habe ich noch eine kleine Mitteilung zu machen. Unser heutiges Abendessen wird etwas umgewandelt in eine kleine Feier. Das heißt, es wird ein Festmenü gereicht und später gibt es noch ein wenig Musik mit der Möglichkeit, sich ein bisschen im Tanzen zu üben.

Und nun allseits guten Appetit."

Damit füllten sich die Tische wie immer mit den schönsten Köstlichkeiten. Obgleich die Schüler mit der selben Inbrunst wie üblich über die Speisen herfielen, wanderte der eine oder andere verstohlene Blick zu Prof. Dumbledore, der lächelnd über den Rand seines Weinkelches lächelte.

Ein Getuschel und Gemurmel lag in der großen Halle und die wildesten Spekulationen machten die Runde über den Grund dieses außerplanmäßigen Festes.

Lag ein besonderes Dienstjubiläum einer der Lehrer an oder ein außergewöhnlicher Geburtstag? Oder erwartete Hogwarts hohen Besuch? Verließ vielleicht der allseits gefürchtete und gehasste Hausmeister Mr. Filch Hogwarts?

Und so verging der Nachmittag mit heißen Diskussionen und Rätselraten.

 

Pünktlich zur siebenten Abendstunde rief die Glocke von Hogwarts zum Fest.

Majestätisch öffnete sich das große Portal und gab den Blick frei auf ein unbeschreibliches Bild von Glanz und Schönheit.

Die langen Haustische waren belegt mit blütenweißen strahlenden Damastdecken, auf denen die goldenen Teller und Becher ihren Glanz besonders versprühten.

Vereinzelt standen kleine Blumenarrangements in der Mitte und verströmten einen lieblichen Duft.

Zwischen den hunderten magisch schwebenden Kerzen in der Halle tanzten lachsfarbene Rosen und kleine blaue Vergißmeinnicht.

Über die Kuppeldecke spannte sich ein riesiges blaues Wolkenmeer in dem wohl tausend glitzernde Sterne eingefangen waren.

Die Fackeln an den Wänden spendeten Licht bis in die hintersten Ecken und endlich war auch der letzte Platz belegt.

Wie schon am Mittag, erhob sich der Schulleiter und augenblicklich wurde es mucksmäuschenstill in der gesamten Halle.

„So, meine Lieben alle. Ich hoffe, ihr habt unsere kleine Dekoration nun genug gewürdigt und wie ich euch alle kenne, habt ihr euch die Köpfe heißgeredet über den Grund unseres heutigen Festes. Es ist erfreulich zu sehen, dass auch eure Kleidung etwas festlich gewählt wurde. Nun, ehe wir uns nun der Festtafel zuwenden, möchte ich kurz das Wort weitergeben an meinen lieben Kollegen Prof. Snape."

Als dieser sich nun erhob und auf die Schüler blickte, begannen viele leise zu flüstern.

„Es ist wohl Prof. Snape, der uns verlässt?"

„Ob er vielleicht die Benotung für die ZAGs lockert, oder doch ab dem neuen Schuljahr endlich „Verteidigung gegen die dunklen Künste" lehren darf?"

„Vielleicht ............... vielleicht...................vielleicht."

Doch ehe die Spekulationen ausuferten, rief Prof. Mc Gonagall mit leicht unmutiger Stimme dazwischen.

„Ich bitte doch um etwas mehr Aufmerksamkeit und Ruhe."

Nach dieser Aufforderung kehrte die anfängliche Stille zurück und alles lauschte, was Prof. Snape denn nun für eine Ankündigung zu machen hatte.

Leise, aber ohne die sonstige Kälte in seiner Stimme, begann der Tränkelehrer zu reden.

„Ich bin kein Mann der großen Worte und ehe ich vielleicht missverstanden werde, bitte ich doch um ein wenig Hilfe."

Damit wandte er sich seiner Nachbarin zu und bat Angelina, aufzustehen.

Er reichte der verdutzten Frau seine Hand, um ihr behilflich zu sein.

Doch auch nachdem Angelina an seiner Seite stand, ließ er ihre Hand nicht los, so als benötigte er einen äußeren Halt.

Langsam wandte er sich der Frau zu und blickte sie fest an.

„Angelina,", begann er zu reden, „ich bin vielleicht etwas schwierig und ungeschickt, doch ich versuchte stets mein bestes. Du warst der einzige Mensch, der sich nicht durch meine schroffe abweisende Art abschrecken ließ, sondern mir zeigtest, dass du es mit mir aufnimmst. Du hast mir die Stirn geboten und den Kampf angesagt und hast es dabei geschafft, eine Seite in mir zu Tage zu fördern, die ich selbst noch nicht kannte."

Aller Augen hingen gebannt an Severus Snape und auf den Lippen von Prof. Dumbledore lag ein Lächeln.

„Nun habe ich lange überlegt,", setzte Severus seine Rede fort, „wie ich es in Worte formen sollte, aber mir fiel nur eines ein. Liebe Angelina, willst du meine Frau werden?"

Ein Seufzen und Stöhnen ging durch die Reihen und alles blickte mit angehaltenem Atem auf Angelina.

Diese stand da mit roten Wangen, strahlenden Augen und konnte nur nicken.

Endlich kam ein vor Überwältigung krächzendes „Ja", das, magisch verstärkt, wie ein Echo durch die Halle rollte.

Noch immer herrschte Totenstille und man sah auf Severus Snape, der vorsichtig einen Ring auf Angelinas Finger streifte.

Erst als ihr Zaubertränkelehrer Angelina zärtlich in die Arme nahm und küsste, brach ein orkanartiger Tumult aus.

Pfiffe, Johlen und Klatschen, Schreie und Jauchzer hallten durch den Raum und brachen sich an den Wänden und auf einen Wink des Schulleiters regneten Sterne und Rosenblätter auf das junge, soeben verlobte Paar, herunter.

Alle Lichter waren erloschen und die beiden Glücklichen standen eng umschlungen im Glanz der fallenden Sterne.

Eine Verlobung, so etwas hatte Hogwarts noch nicht gesehen und damit hatte auch niemand gerechnet.

Die Verlobungsfeier wurde ein rauschendes Fest, von dem man noch Tage später begeistert schwärmte.

 

 

24.

 

 

So langsam rollte der Herbst über das Land, der Wind heulte kalt durch das Schloss und die Blätter färbten sich bunt.

Die Gespräche über die Verlobung verebbten allmählich und man fing an zu munkeln, ob wohl noch vor Weihnachten eine Hochzeit in Hogwarts stattfinden würde.

Doch aus Mangel an Informationen und Dementi von Seiten Angelinas verliefen solche Spekulationen im Sand und andere Themen wurden wieder interessanter.

Leider hatte der Spaßvogel in Angelinas „Muggelkunde" - Stunden seinen Sinn für Humor noch nicht verloren und so musste sich die junge Lehrerin weiterhin durch diverse Absonderlichkeiten kämpfen.

Das Eigentümliche jedoch war, dass nun auch im Zaubertrankunterricht unvorhergesehene unerklärliche Dinge geschahen, die Prof. Snape etwas frustrierten. Er, der es gewohnt war, jede Situation zu beherrschen, konnte den Ursprung dieses angeblichen „Schabernacks" nicht ermitteln und fühlte sich dementsprechend etwas hilflos.

Den Schülern gegenüber zeigte er sich von seiner gewohnt kühlen, alles im Griff habenden, Seite und wünschte keine Diskussionen oder Bemerkungen während seiner Unterrichtsstunden.

Ein Gespräch mit Prof. Dumbledore verlief sehr einsilbig und endete ohne nennenswerte neue Erkenntnisse. Prof. Snape jedoch hatte das Gefühl, der Schulleiter wusste mehr als er zugab und konnte vielleicht eine Erklärung dieser Phänomene geben. Was steckte nun dahinter und warum verschwieg Albus Dumbledore sein Wissen?

Hing es doch irgendwie mit Angelina zusammen? Doch wie sollte ein Muggel magische Energien freisetzen?

Severus Snape schalt sich einen Dummkopf, schließlich kannte er Angelina am besten von allen. Oder doch nicht?

Dieser Gedanke ließ Severus nicht mehr los und so kam ihm eines Abends in seinem Büro eine aberwitzige Idee.

 

Wie immer bereiteten er und Angelina alle Zutaten für einen benötigten Zaubertrank vor und stellten alles bereit. Während beide hackte, schnitten und abwogen, lenkte Prof. Snape wie zufällig das Gespräch auf die mysteriösen Vorkommnisse in den Klassenzimmern.

„Sag mal, ist dir schon aufgefallen, dass diese Eigentümlichkeiten immer da passieren, wo du dich aufhältst?, sprach er so belanglos und beiläufig wie möglich seine Verlobte an.

„Ja,", antwortete Angelina kopfschüttelnd, „es ist schon merkwürdig, so als hätte Hogwarts plötzlich was gegen mich. Hoffentlich wird es nicht noch schlimmer, denn ich glaube nicht mehr daran, dass ein Schüler dahinter steckt."

Langsam wandte sie sich Severus zu und blickte ihn traurig an.

„Severus.", flüsterte sie kaum hörbar, „Ich habe Angst."

Zärtlich nahm er die junge Frau in seine Arme und spürte ihr Zittern.

„Keine Angst, ich bin bei dir und beschütze dich, mein Liebling.", murmelte er in ihr Haar und war froh, dass Angelina die Ratlosigkeit in seinen Augen nicht sah.

Sanft schob er die Frau an den Schultern etwas von sich und schaute sie an.

„Sei mir bitte nicht böse, aber ich habe da einen kleinen Verdacht."

Verständnislos blickte ihn seine Verlobte mit dunklen Augen an.

„Es ist nur ein Versuch, Angelina. Vielleicht steckt doch irgendwie ein wenig Magie tief in dir. Folge genau meinen Anweisungen, dann kann überhaupt nichts passieren."

Damit hielt Severus Snape der verdutzten Frau seinen eigenen Zauberstab entgegen.

Doch kaum hatte sie ihn in den Händen, fingen die Gläser auf dem Labortisch an zu vibrieren, bei jeder ihrer Bewegungen mit dem Zauberstab fielen Gefäße zu Boden und plötzlich fing ihr Umhang feuer.

Hektisch entriß ihr Snape den Zauberstab, löschte das Feuer und blickte sie entgeistert an.

„Was sollte das denn jetzt?", giftete er. „Willst du mein Büro zerlegen?"

Angelina zitterte am ganzen Körper wie Espenlaub, dann schaute sie sich wie erwachend um, sah auf Severus Snape und fing an zu kreischen.

„Verdammt noch mal, was tust du hier mit mir? Deine verfluchte Magie bringt mich noch um. Bin ich dir nicht gut genug, so wie ich bin? Reicht es nicht, wenn einer zaubert? Ich hasse das hier alles, dieses magische, unberechenbare."

Und mit fuchtelnden Händen deutete sie ringst durch den Raum.

Ein Inferno brach los. Als hätte Angelina unsichtbare Verlängerungen an den Armen, wurden sämtliche Gefäße und Gläser aus den Regalen gerissen und zerschellten am Boden. Regale brachen zusammen und der kerzenbestückte Kronleuchter kam herunter. Pergamentrollen flogen durch die Luft und die Phiolen auf dem Labortisch zerbarsten. Dann fing auch Prof. Snapes Umhang Feuer, das er nur mit schnellen Reflexen eindämmen konnte.

„Angelina. Was soll das?", herrschte er sie an. „Bist du verrückt geworden?"

Er wollte sie packen und aus dem Kerker führen, da wandte sich Angelina zu ihm um und funkelte ihn zornbebend an.

„Es ist alles deine Schuld. Lass mich in Ruhe!!!"

Und obwohl sie Severus nur mit den Fingerspitzen berührte, flog er wie nach einem harten Schlag an die Wand hinter sich und blieb ohnmächtig liegen. Aus einer Schläfe sickerte Blut.

Angelina stand bebend und fassungslos da und starrte auf das Trümmerfeld und den bewußtlosen Professor. Wimmernd kniete sie sich neben ihn: „Severus, bitte, sieh mich an. Öffne die Augen, sag ein Wort.", bettelte sie weinend.

„Was passiert hier bloß?"

 

Die Bürotür flog auf und ausgerechnet der Hausmeister, Mr. Filch, stand im Türrahmen und musterte Angelina und das herrschende Chaos grimmig. Mr. Filch war der Einzige, der Angelina als Eindringling betrachtete und war neidisch auf ihre Beliebtheit, auch als Nichtmagier. Er behandelte die junge Frau wie wertlosen Abfall, könnte er bei Draco Malfoy gelernt haben, doch Angelina ließ ihn mit seinen Boshaftigkeiten links liegen.

Doch nun, in einer Situation völliger Hilflosigkeit, vergaß sie ihren Groll auf Filch und bettelte: „Bitte, helfen Sie, Mr. Filch. Holen Sie Prof. Dumbledore, schnell bitte."

Tränen rannen über ihr verschmutztes Gesicht und ihre ganze trostlose Gestalt berührte nun doch etwas das Herz dieses griesgrämigen Mannes. Ohne eine weiter Frage zu stellen oder einen Kommentar abzugeben, wandte er sich um und grummelte nur: „Gut, ich hole ihn."

Zäh flossen die Minuten dahin, Angelina hatte den Kopf des Professors in ihren Schoß gebettet, streichelte seine Wange und flüsterte immer wieder:

„Das hab ich nicht gewollt. Bitte glaube mir, das hab ich nicht gewollt. Severus, Liebling."

Mit wehendem Umhang rauschte Prof. Dumbledore ins Büro, gefolgt von Minerva Mc Gonagall, welche ihr Erschrecken kaum verbergen konnte über den Trümmerhaufen, der sich ihnen darbot.

Albus Dumbledore eilten mit schnellen Schritten auf Angelina zu und bemerkte, dass sich Prof. Snape bereits wieder bewegte. Staunend und überrascht blickte Severus von Angelina zu Albus und versuchte, sich aus seiner misslichen Lage zu befreien. Am Boden liegen fand er doch ziemlich peinlich.

Mit Hilfe des Schulleiters und seiner Verlobten kam er etwas schwankend wieder auf die Beine und war entsetzt über das Trümmerfeld, welches bis vor kurzem noch sein Büro gewesen war.

Völlig benommen murmelte er tonlos: „Ich verstehe das nicht.", und blickte fragend auf Angelina. Doch diese zuckte auch nur rat- und hilflos die Schultern.

Energisch packte Prof. Dumbledore einen Arm des Tränklehrers und bedeutete Angelina, dasselbe zu tun.

„Zuerst statten wir Madam Pomfrey einen kleinen Besuch ab. Und dann befürchte ich, wird es wohl an der Zeit für ein paar Erklärungen.", rief Albus Dumbledore bestimmt.

„Minerva, sie bitten das Kollegium ins Lehrerzimmer, sagen wir in einer Stunde." Und Prof. Mc Gonagall schritt mit ernster Miene aus dem Raum.

 

Madam Pomfrey verarztete die zum Glück relativ harmlose Wunde von Prof. Snape und verabreichte ihm noch einen Zaubertrank gegen Kopfschmerzen.

Dann bat Prof. Dumbledore auch sie in das Lehrerzimmer, nachdem er die Medihexe über die Vorkommnisse im Kerker in knappen Worten in Kenntnis setzte.

Im Lehrerzimmer herrschte bereits ein dichtes Gedränge und erwartungsvoll blickte man dem eintretenden Schulleiter entgegen.

Angelina drückten beklemmende Angstgefühle fast die Luft ab und sie drängte sich furchtsam an Severus. Ihr Unterbewußtsein warnte sie vor der Wahrheit und am liebsten wäre sie davon gelaufen. Doch Prof. Snape hielt sie fest an der Hand und führte sie zu zwei freien Plätzen direkt neben Prof. Dumbledore, was ihren Verdacht noch bestärkte, dass es um sie ging.

Endlich war auch der Letzte erschienen, selbst Hagrid und Mr. Filch waren anwesend und die Gespräche verstummten

In groben Zügen rekonstruierte Prof. Dumbledore die Geschehnisse im Kerker, ohne auf Einzelheiten einzugehen.

„Lange habe ich geschwiegen, schweigen müssen, auch auf Anordnung des Ministeriums, denn immer gab es die Hoffnung, es würde nie passieren. Es geht um unsere Angelina."

Alle Augenpaare richteten sich auf die zusammengesunkene Gestalt der jungen Frau, die wohl im Moment nicht die Einzige war, die die Luft anhielt.

Albus Dumbledore senkte seine Stimme:

„Sie ist kein Muggel!"

Sprachlos starrten ihn alle an.

„Sie ist eine „Hands only", eine besondere Art der Handmagier. Gib ihr einen Zauberstab in die Hand und sie wird sich damit nur selbst gefährden." Damit sah er Severus Snape eindringlich an.

„Jedoch die Magie und Zauberkraft ihrer Hände," ,fuhr Albus Dumbledore fort, „sind unvorstellbar. Solche Hexen sind besonders gefährlich, wenn man sie zum Feind hat. Diese sogenannten „Hands only" werden von Muggeleltern geboren, bei Vollmond, genau um Mitternacht zu Neujahr. Die Meisten leben bis zu ihrem Tod als Muggel, da sie von ihrer Begabung nichts wissen. Diese muss erst aktiviert werden.

Bei Angelina war es vielleicht der unbändige Zorn auf deine Magie und Zauberei, Severus. Oder es war die gebündelte Energie von Hogwarts."

Über den Vorfall mit Malfoy, der aller Wahrscheinlichkeit der wahre Auslöser gewesen sein musste, schwieg er sich aus.

„So genau werden wir es wohl nicht herausfinden, aber eines steht fest. Wir müssen auf Angelina aufpassen und sie beschützen. In den falschen Händen, zum Beispiel bei Voldemort, wäre sie eine totbringende Waffe."

Über dem Lehrerzimmer lag ein lähmendes Schweigen und man sah ringsumher erschreckte und ängstliche Gesichter.

 

Angelina saß an Prof. Snape gekrallt auf ihrem Stuhl und sah aus, als hatte sie nichts verstanden. Leichenblass liefen ihr unaufhaltsam Tränenbäche über das Gesicht und sie wisperte nur immer wieder vor sich hin: „Nein, nicht ich. Das kann nicht ich sein."

Hilfesuchend blickte sie Severus an und stieß nur hervor: „Ich bin doch nur Amy."

Dann ließ sie sich an seine Brust fallen, wo Prof. Snape sie sanft auffing und leise tröstete.

Ihm war nicht anzumerken, welcher innere Sturm in ihm tobte. Seine Empfindungen fuhren Achterbahn, aber noch einmal wollte er keinen Fehler begehen. Er würde zu Angelina stehen, was auch immer kommen sollte.

 

„Severus.", richtete Prof. Dumbledore das Wort an ihn. „Du wirst dich bitte Angelinas annehmen und ihr beibringen mit ihren neuen Fähigkeiten umzugehen. Du bist der beste auf diesem Gebiet und weißt, auf was es besonders ankommt.

Und unterrichte sie auf alle Fälle in Okklumentik, ehe Voldemort auf ihre Spur kommt."

Die letzten Worte hatte Dumbledore nur leise zu Severus Snape geflüstert, er wollte auf Nummer sicher gehen und alle Vorkehrungen treffen..

Doch tief drin in ihm schwelte die Angst, der dunkle Lord wusste bereits alles - von seinem treuen Diener Lucius Malfoy.

 

 

25.

 

 

Nachdem Angelina ihren anfänglichen Schock überwunden hatte, brachen harte Tage und Wochen für sie an.

An den Zaubertränkestunden konnte und durfte sie nicht mehr teilnehmen, einzig ihre „Muggelkunde" fand noch statt. In Anbetracht der veränderten Umstände erschien es der jungen Frau fast wie ein Hohn. „Muggelkunde", dabei war sie eine hochexplosive Zeitbombe.

 

Solange sie ruhig und gelassen blieb, passierte relativ wenig. Ein paar Scherben, herumfliegende Gegenstände, Türen und Fenster die sich ständig öffneten und schlossen. Doch sobald ihr Temperament schäumte, konnte man sie nur zu Boden werfen, ihre Hände halten und warten, dass sich alles beruhigte.

Es war harte Arbeit, Angelina zu lehren, sich durch nichts und niemanden aus der Ruhe bringen zu lassen und sie musste lernen, ihre Hände möglichst wenig zu nutzen, wollte sie Hogwarts nicht eines Tages in Schutt und Asche legen.

Am schwersten waren die Okklumentikstunden. Prof. Snape war, trotz das sie verlobt waren, ein gnadenloser Lehrer, der von Angelina das Letzte verlangte.

Wieder und wieder ertönte sein „Legilimens", drang er mit aller Gewalt in ihre Gedanken ein, ehe sie auch nur den Hauch einer Chance hatte. Im Gegensatz zu anderen Okklumentikschülern, es war ja eigentlich nur Harry, war Angelina nicht in der Lage einen Zauberstab zu benutzen und musste nur durch harte Konzentration und absolute Anspannung versuchen, ihren Geist zu verschließen und Prof. Snape daran hindern, die Barriere zu überbrücken.

Immer wieder aufs Neue versagten ihre Kräfte und sie ging zu Boden.

„Du musst dich härter konzentrieren. Mach deinen Kopf frei, halte deine Gedanken unter Verschluss. Los, Legilimens."

Und noch einmal brach Angelina zusammen. Weinend saß sie am Boden.

„Ich schaff das nicht, Severus. Hör bitte auf.", bettelte sie.

Snape zog sie hoch, hielt ihre Arme auf den Rücken und bellte sie an:

„Du kannst dir keine Schwäche leisten. Noch verstehst du nicht, was auf dem Spiel steht, doch glaube mir, die Zeit läuft uns davon. Auch wenn du meinen Ring trägst kann ich dich nicht schonen, gerade deswegen nicht."

Während seiner Worte fand Angelina Zeit für ein paar Atemzüge und beruhigte sich etwas.

„Also gut," ,flüsterte sie, „aber nur noch einen Versuch für heute."

Severus schaute sie an und ihm entging nicht die ungesunde Blässe und die dunklen Ringe unter ihren Augen.

„Einverstanden. Letzter Versuch. Sieh mich an, konzentriere dich, baue eine Mauer um deine Gedanken und versuche mich abzublocken. Achtung, eins - zwei - drei - Legilimens."

Starr blickte Angelina in die schwarzen Augen, ballte die Hände zu Fäusten und dachte nur immer wieder „Mauer - Mauer - Mauer". Dann plötzlich ein greller Blitz, ein stechender Schmerz und ehe sie stürzte, fing Prof. Snape sie in seinen Armen auf.

Mit einem leichten Lächelnblickte er auf seine Verlobte und strich ihr übers Haar.

„Unglaublich. Du hast einen enorm starken Willen und wenn du noch lernst, die Kraft deiner Hände gezielt und genau dosiert einzusetzen, wirst du wahrscheinlich ein noch besserer Legilimentiker als ich."

 

Von da an ging es vorwärts und Angelina wurde immer besser.

Sie lernte den Gebrauch ihrer Hände, wo andere den Zauberstab und Sprüche nutzen mussten.

Für die einfacheren Dinge reichte die Kraft ihrer Gedanken, wobei sie mit ihren Händen die Gegenstände mühelos dirigierte. Bald war sie in der Lage, Kamine und Kerzen nur mit einem Fingerschnips zu entzünden, öffnete und schloss Türen mit dem Hauch einer Handbewegung und bewegte selbst schwere Dinge, als wären sie federleicht.

Sie lernte verblüffend schnell und auch Zaubersprüche waren keine Schwierigkeit für Angelina.

 

Die junge Frau lernte und übte Tag und Nacht. Die einzige Pause waren ihre Unterrichtsstunden, auf die sie in keinem Fall verzichten wollte, boten sie ihr doch ein kleines Maß an Ruhe und Erholung.

Prof. Snape war noch immer gnadenlos mit seinem Privatunterricht, war jedoch auf jeden Fortschritt stolz und lobte Angelina auch genügend, um sie dadurch neu anzuspornen.

Er konnte sich seine Unruhe selbst nicht erklären, wusste aber unterschwellig, dass ihnen nicht viel Zeit blieb. Und zum anderen musste Angelina auch lernen, ihre Hände zu beherrschen, um ein normales Leben führen zu können.

 

Nachts lag Angelina in den Armen ihres Verlobten und versuchte in seiner Liebe neue Kraft zu finden. Fest kuschelte sie ihren verlangenden Körper an Severus und strich ihm sanft über seine heiße Haut.

„Wir haben es bald geschafft, Liebling. Aber ich kann dich nicht schonen, denn ich will dich nicht verlieren.", stöhnte Severus unter ihren Berührungen.

Abrupt hielt Angelina inne und blickte ihn beunruhigt an:

„Du machst mir Angst, Severus."

„Ich will dir keine Angst machen, sondern nur den Ernst der Lage vor Augen führen.", meinte er liebevoll und nahm sie wieder in seine Arme.

Spielerisch begann die junge Frau sich zu wehren. „Du weichst mir aus, Severus Snape. Was weißt du?"

Severus drehte seinen Körper, sodass Angelina plötzlich unter ihm zu liegen kam und meinte triumphierend:

„Ich weiß im Moment nur, dass ich dich liebe und du mir schon unterlegen bist."

Damit presste er sich fest und heiß an ihren Körper, den sie dem Mann bereitwillig entgegenhob.

Zärtlich hielt er sie bei den Händen und küsste sie in die Mulde an ihrem Hals. Leise stöhnte er : „Du machst mich wahnsinnig vor Verlangen, wie keine Frau vorher. Ich begehre dich so sehr, dass mich das Feuer fast verbrennt."

Immer tiefer gingen seine Küsse und Angelina murmelte nur noch unter Stöhnen:

„Dann lass uns das Feuer löschen."

Die Wellen der Leidenschaft überrollten beide und vergessen waren die Anstrengungen und die Sorgen der letzten Tage. Wieder und wieder peitschten sie die Wogen des Begehrens hoch, um sich danach in die Zärtlichkeit und Sicherheit des anderen fallen zu lassen.

 

Am nächsten Morgen konnten sie sich eine zusätzliche Kuschelstunde leisten, denn es war Wochenende. Liegen bleiben und nur die Nähe des Anderen spüren, das Glück fühlen, das durch die Adern rann und das leise Prickeln, welches sich bereits wieder einstellte, wenn man sich nur zufällig berührte.

Severus stütze seinen Kopf auf eine Hand und blickte Angelina hinterlistig von der Seite an.

„Wollen wir das Frühstück ausfallen lassen? Ich habe plötzlich so einen seltsamen Appetit."

Damit zog er die Frau über sich und blinzelte sie strahlend an.

Angelina stütze sich seitlich neben seinem Oberkörper ab und musterte ihn ausgiebig.

„Jetzt bist du wohl der Unterlegene.", quiekte sie, da Severus sie im selben Moment fest an die Taille griff. Angelina war schrecklich kitzlig, lachte und juchzte und versuchte, seine Hände zu packen. Endlich hatte sie ihn fest im Griff und lächelte siegessicher.

„Vor ein paar Wochen hättest du mich damit sicher umgebracht.", stellte Severus fest.

„Du siehst, wieviel du schon gelernt hast."

„Bei dem Lehrmeister.", wisperte Angelina und begann mit ihrem Körper sein Verlangen zu schüren.

Flehend bat Severus: „Bitte Angelina, hör auf, ich halte das nicht länger aus."

Doch sie war gnadenlos und jede ihrer Bewegungen machte den Mann rasend.

Gezielt setzte Angelina ihre Kräfte ein und hielt den Mann unten. Fast winselte Severus nur noch wie ein kleiner Schoßhund.

 

Von einer Sekunde zur anderen bäumte sich Angelina auf, blickte ihn scharf an und rief befehlend:

„Sag mir jetzt, was du weißt. Werft mir nicht alle nur kleine Bröckchen hin. Ich bin kein kleines Kind und wenn ich es recht verstehe, geht es doch wohl um mich, oder? Was wird hier gespielt und warum muss ich das alles lernen?"

Die Erregungskurve des Mannes fiel auf Null und entgeistert schüttelte er den Kopf.

Er brauchte ein paar Atemzüge, um die Worte der Frau zu begreifen. Sie hatte gnadenlos die Waffen der Verführung eingesetzt, um ihn auszutricksen, aus ihm herauszupressen, was alle versuchten zu verbergen.

Unwillig stieß Severus seine Verlobte von sich, er war schlicht und einfach beleidigt.

Mit angezogenen Knien, die er fest umklammerte, saß er im Bett und schmollte.

Angelina lehnte sich von hinten an ihn und bettelte leise:

„Severus, nicht böse sein, bitte. Aber jeder weicht mir nur aus und niemand merkt, dass mich die Angst fast zerfrisst."

Sanft massierte sie ihm die Schultern und er ließ es geschehen.

„Ich verstehe dich ja, Liebling. Aber es ist nicht an mir allein, mit dir darüber zu reden. Vielleicht ist Prof. Dumbledore bereit für ein Gespräch."

Seine Stimme klang schon fast wieder versöhnt.

„Aber,", begann er noch einmal, „wenn du schon die Flamme des Begehrens gelöscht hast, könnten wir ja, frisch ausgeruht, noch ein bisschen üben."

Sprachs, wandte sich um, zwang sie unter sich und packte ihre Handgelenke.

„Mal sehen, wie du in überraschenden Gefahrensituationen reagieren kannst. ---LEGILIMENS!!!!!!", donnerte Prof. Snape und starrte ihr fest in die Augen.

Angelina, total hilflos und überrascht, spürte die Dunkelheit in sich aufsteigen und ohne die geringste Chance begann sie unkontrolliert zu schreien:

„NEIN, Lucius, nicht!!!!!!!"